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Anthroposophy
Its Roots of Knowledge and Fruits of Life
GA 78

29 August 1921, Stuttgart

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Anthroposophy: Its Roots of Knowledge and Fruits of Life, tr. SOL
  1. Anthroposophie ihre Erkenntniswurzeln und Lebensfrüchte

Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Vorerst sage ich Herrn Dr. Unger und Ihnen allen den herzlichsten Dank für Ihre so freundliche Begrüßung. Es darf wohl in diesem Augenblick auch von mir ausgesprochen werden, daß dieser herzliche Gruß auch von mir selbst zu Ihnen hinübergeht, und Sie werden es demjenigen, dessen ganzes Herz daran hängt, daß solche Veranstaltungen wie die gestern begonnene, zum Entwickeln der anthroposophischen Weltanschauung das Entsprechende beitragen möchten, Sie werden es jemandem, dessen ganzes Herz daran hängt, daß das so sein möge, glauben, daß dieser Gruß ein innerlich durch und durch wahrhaftiger ist und daß er aus einer Seele heraus kommt, die gerne möchte, daß diese Veranstaltung in dem denkbar besten Sinne verlaufe.

[ 1 ] First of all, I would like to express my heartfelt thanks to Dr. Unger and all of you for your warm welcome. I feel it is appropriate at this moment to express that this warm greeting is also coming from me to you, and you will believe—from someone whose whole heart is set on ensuring that events such as the one that began yesterday contribute appropriately to the development of the anthroposophical worldview— you will believe—someone whose whole heart is set on this—that this greeting is truly sincere through and through and that it comes from a soul that sincerely wishes for this event to proceed in the very best possible way.

[ 2 ] Anthroposophische Geisteswissenschaft, wie sie auch wiederum durch diesen Kongreß hier vertreten werden soll, beruht darauf, daß anerkannt werde, wie hinter der sinnlich-physischen Welt und mit dieser innig verwoben eine geistig-übersinnliche steht, aber auch darauf, daß der Mensch in der Lage ist, durch Entwickelung gewisser Erkenntniskräfte zu einer Einsicht zu kommen in diese mit der Sinneswelt verwobene übersinnliche Welt. Weil Anthroposophie dieses anerkennt, hat man sie vielfach nur gehalten für eine Art Wiederaufwärmung der alten Gnosis, welche noch lebendig blühte in den ersten christlichen Jahrhunderten und dann überwunden, ich könnte auch sagen, ausgerottet worden ist. Wer nur ein einziges meiner Bücher mit ehrlichen Absichten gelesen hat, der kann wissen, daß dieses Urteil ein durchaus unrichtiges ist. Aber wer auf der andern Seite darauf blickt, wie durch Anthroposophie aus einer ähnlichen Erkenntnisgesinnung heraus eine übersinnliche Anschauung gesucht werden soll, wie es der Fall war in der alten Gnosis und in andern nach dem Übersinnlichen hinstrebenden Weltanschauungen, der wird, wenn er nur nicht dem eben ausgesprochenen Mißurteil sich hingibt, immerhin diese Anthroposophie als eine Art von Gnosis bezeichnen können. Dadurch aber hat sie in begreiflicher Weise zur Gegnerschaft eine Ansicht, die sich im Verlaufe des 19. Jahrhunderts immer mehr und mehr unter dem Einflusse der naturwissenschaftlichen Denkweise ausgebildet hat und die eigentlich das Gegenteil aller gnostischen Erkenntnisbestrebungen ist. Das ist dasjenige, was sich ja selbst vielfach genannt hat: der Agnostizismus. Dieser Agnostizismus ist, man möchte sagen in seiner Reinkultur, entstanden aus denselben Untergründen auf philosophischem Gebiete, aus denen heraus Darwin zum Beispiel auf naturwissenschaftlichem Gebiete gearbeitet hat: aus der Denkweise der westlichen Welt. Man kann ihn in dieser seiner Reinkultur insbesondere studieren bei solchen Geistern wie etwa Herbert Spencer.

[ 2 ] Anthroposophical spiritual science, as it will once again be represented here at this congress, is based on the recognition that behind the physical, sensory world—and intimately interwoven with it—lies a spiritual, supersensory world, but also on the recognition that human beings are capable, through the development of certain powers of cognition, of gaining insight into this supersensible world that is interwoven with the sensory world. Because anthroposophy acknowledges this, it has often been regarded merely as a kind of revival of the ancient Gnosticism, which was still flourishing in the early Christian centuries and was then overcome—I might even say, eradicated. Anyone who has read even a single one of my books with honest intentions can know that this judgment is entirely incorrect. But anyone who, on the other hand, considers how anthroposophy seeks to develop a supersensible perspective from a similar spirit of inquiry—as was the case in ancient Gnosticism and in other worldviews striving toward the supersensible—will, provided they do not succumb to the misjudgment just expressed, will nonetheless be able to describe this anthroposophy as a kind of Gnosticism. Consequently, however, it understandably finds itself in opposition to a view that developed more and more over the course of the 19th century under the influence of the scientific way of thinking—a view that is, in fact, the very opposite of all Gnostic endeavors toward knowledge. This is what has often been called agnosticism. This agnosticism—one might say in its purest form—arose from the same philosophical foundations from which Darwin, for example, worked in the realm of the natural sciences: from the way of thinking characteristic of the Western world. One can study it in this purest form particularly in thinkers such as Herbert Spencer.

[ 3 ] Will man sagen, worinnen das Wesen dieses Agnostizismus besteht, so wird man dies vielleicht am besten in der folgenden Art tun. Dieser Agnostizismus will eine Art Philosophie, eine Art Weltanschauung sein, und er will durchaus aus naturwissenschaftlichen Voraussetzungen heraus arbeiten. Dabei läßt er nur gelten dasjenige an menschlicher Erkenntnismethodik, dessen sich auch die Naturwissenschaft auf ihren verschiedenen begrenzten und beschränkten Gebieten bedient. Diese Naturwissenschaft verfolgt die einzelnen Erscheinungen der Natur in ihren gesetzmäßigen Zusammenhängen; sie durchsetzt dasjenige, was sie sich da an Ideen über die einzelnen Naturerscheinungen ausbildet, wohl auch mit allerlei Hypothesen über Ursächlichkeiten; aber sie lehnt es ab — und auf ihrem Gebiete wohl auch mit Recht —, aufzusteigen von der sinnlichen Betrachtung im Experiment, in der Beobachtung und von dem, was sich dem Verstande, der an die Sinnlichkeit gebunden ist, aus Experiment und Beobachtung ergibt, zu irgendwelcher Ausgestaltung von Erkenntnissen, die auf das Übersinnliche gehen. Sie faßt die Erscheinungen, besser gesagt eigentlich nur die Erscheinungsgebiete, zusammen und stellt dasjenige hin, was sie auf diese Weise an gesetzmäßigen Zusammenhängen der Erscheinungen ergründen kann.

[ 3 ] If one wishes to explain the essence of this agnosticism, it might be best to do so in the following manner. This agnosticism aims to be a kind of philosophy, a kind of worldview, and it seeks to operate entirely on the basis of scientific premises. In doing so, it accepts only those aspects of human methodology of knowledge that the natural sciences themselves employ in their various limited and restricted fields. These natural sciences investigate the individual phenomena of nature within their lawful interrelationships; they certainly interweave the ideas they form about these individual natural phenomena with all manner of hypotheses regarding causality; but it refuses—and in its own field, quite rightly so—to ascend from sensory observation in experiment and observation, and from what emerges for the intellect, which is bound to the senses, from experiment and observation, to any form of knowledge that extends into the supersensible. It summarizes the phenomena—or, more accurately, merely the fields of phenomena—and presents what it can thereby discern regarding the lawful relationships among phenomena.

[ 4 ] Darauf baut nun der Agnostizismus. Er sagt: Man kann in der Zusammenfassung der äußeren Erscheinungen immer weiter und weiter gehen. Man bekommt dann gewissermaßen ein Bild von zusammenhängenden Gedankenstrukturen, die sich wie ein Netz über die Erscheinungen und Erscheinungsreihen erstrecken, die die Naturwissenschaft konstatiert. Aber man muß all dem gegenüber, was da in das Bewußtsein des Menschen als eine Erkenntnis über die Natur hereinkommen kann, ein Unbekanntes annehmen, das als die eigentliche tiefere Ursachenwelt dem zugrunde liegt, was auf diese Art bekannt werden kann. Man kann eigentlich nur eine Erkenntnis des äußeren sinnlich-physischen Gebietes und seiner Zusammenfassungen haben; man kann aber nicht zu demjenigen vordringen, was nun das Ganze hält und trägt, was nicht mehr mit den Sinnen erreichbar sein kann, was ein Übersinnliches sein muß. Der Mensch kann nicht haben eine Gnosis, einen Gnostizismus. Der Mensch kann nur haben einen Agnostizismus; er kann nur wissen, daß seiner Erkenntnis Grenzen gesetzt sind, und daß er nicht vordringen kann bis zu demjenigen, was der äußeren sinnlichen Welt als ihre eigentliche übersinnliche Ursache zugrunde liegt.

[ 4 ] This is the foundation of agnosticism. It asserts: One can go on and on in summarizing external phenomena. One then gains, so to speak, a picture of interconnected thought structures that extend like a net over the phenomena and series of phenomena observed by the natural sciences. But in the face of everything that can enter human consciousness as knowledge about nature, one must assume the existence of an unknown realm—the actual, deeper world of causes—that underlies what can be known in this way. One can actually only have knowledge of the external sensory-physical realm and its summaries; but one cannot penetrate to that which holds and sustains the whole, which can no longer be reached by the senses, which must be a supersensible realm. Human beings cannot possess gnosis or gnosticism. Human beings can only have agnosticism; they can only know that limits are set upon their knowledge, and that they cannot penetrate to that which underlies the outer sensory world as its true supersensory cause.

[ 5 ] Dieser Agnostizismus wird dann auch auf das seelische Gebiet ausgedehnt. Es wird gesagt: Man kann wohl ergründen, wie dasjenige, was als Vorstellungen in unserem Bewußtsein auftritt, sich aneinandergliedert, sich gegenseitig hält und trägt, wie sich Gefühle an diese Vorstellungen angliedern, wie eine Willenswelt aus unbekannten Tiefen in diese Vorstellungswelt hineinwirkt, wie diese Vorstellungen angeregt werden durch Reize, die von den sinnlichen Wahrnehmungen herkommen. Man kann aber nicht demjenigen, was nun fortströmt innerhalb des Wechselspiels der Vorstellungen, der Tingierung dieses Wechselspiels mit dem Gefühl, der Durchpulsung desselben Wechselspiels mit Willenskräften, man kann nicht dem, was da fortströmt und was das Bewußtsein zusammenfaßt in dem Worte «Ich», man kann dem nicht so beikommen, daß etwa die Aspirationen des Menschen auf Erkenntnis einer unsterblichen, einer ewigen Seele durch eine Wissenschaft dieser Seele befriedigt werden können — Agnostizismus auf naturwissenschaftlichem Gebiete, Agnostizismus auf dem Gebiete des psychologischen, des seelischen Lebens.

[ 5 ] This agnosticism is then extended to the realm of the psyche as well. It is said: One can certainly fathom how that which appears as ideas in our consciousness is structured, how these ideas mutually support and sustain one another, how feelings are linked to these ideas, how a world of the will, emerging from unknown depths, influences this world of ideas, and how these ideas are stimulated by stimuli arising from sensory perceptions. But one cannot grasp that which now flows forth within the interplay of ideas, the coloring of this interplay by feeling, the pulsing of the same interplay with forces of will—one cannot grasp that which flows forth there and which consciousness sums up in the word “I,” one cannot approach this in such a way that, for example, humanity’s aspirations to knowledge of an immortal, eternal soul can be satisfied by a science of that soul—agnosticism in the realm of the natural sciences, agnosticism in the realm of psychological and spiritual life.

[ 6 ] Eine kritische Besprechung des Agnostizismus, der weite Kreise der heutigen Menschenwelt gründlich beherrscht, möchte ich hier heute nicht geben. Es soll ihm in diesen Vorträgen nicht eine Kritik entgegengestellt werden; es soll ihm entgegengestellt werden dasjenige, was in positiver Weise Anthroposophie zu sagen hat über ihre Erkenntniswurzeln und ihre Lebensfrüchte.

[ 6 ] I do not wish to offer a critical discussion here today of agnosticism, which thoroughly dominates large segments of today’s human world. These lectures are not intended to present a critique of agnosticism; rather, they are intended to present what anthroposophy has to say, in a positive way, about its roots of knowledge and the fruits of its life.

[ 7 ] Was ich heute sagen will, ist einiges zur Charakteristik, wie dieser Agnostizismus, wenn er sich der Menschenseele bemächtigt, auf das ganze menschliche Leben wirkt. Denn eigentlich kann nur derjenige, der nicht unbefangen genug dem menschlichen Leben sowohl in seiner individuellen wie in seiner sozialen Seite gegenübersteht, glauben, daß Erkenntnis, daß so etwas wie eine agnostische Anschauung allein für sich dastehen könne, den Grundton bilden könne einer gewissen mehr oder weniger wissenschaftlichen oder populären Philosophie. Wer dem Leben unbefangen gegenübersteht, der weiß, daß es in diesem Menschenleben so ist wie in der einzelnen menschlichen Naturorganisation. Was in irgendeinem Gliede des menschlichen Leibes vor sich geht, was krank oder gesund vor sich geht, das wirkt im ganzen menschlichen Organismus, wo immer es auch in diesem auftritt. Und so kann der Unbefangene auch sehen, wie dasjenige, was heute als Agnostizismus in unsere Wissenschaft, die ja für den größten Teil der Menschen, wenigstens der zivilisierten Menschen des Abendlandes, Autorität ist, wie der Agnostizismus in die Wissenschaft eindringt, wie er von der Wissenschaft aus in Unterricht und Erziehung eindringt, wie er von da aus das soziale und religiöse Leben ergreift, wie von ihm ergriffen sind Millionen und aber Millionen von Menschen, die tonangebend sind für die Gegenwart und die nächste Zukunft, und die es oftmals keineswegs wissen, wie sie trotz vielleicht dieses oder jenes traditionellen religiösen Bekenntnisses in ihrer tiefsten Seele dieser agnostischen Anschauung huldigen. Der Unbefangene kann überall im Leben sehen, wie Agnostizismus wirkt. Er tritt uns heute in seinen Wirkungen im einzelnen Menschen und im sozialen Leben entgegen. Zunächst tritt er ja allerdings im Vorstellungsleben auf. Das menschliche Wesen offenbart sich sowohl als einzelnes wie als soziales durch das Vorstellen, durch das Fühlen, durch das Wollen.

[ 7 ] What I want to say today is a few words about how this agnosticism, when it takes hold of the human soul, affects human life as a whole. For in truth, only someone who does not approach human life—both in its individual and social aspects—with sufficient objectivity can believe that the realization that something like an agnostic viewpoint can stand on its own and form the fundamental tone of a certain more or less scientific or popular philosophy. Anyone who approaches life with an unbiased perspective knows that human life is like the organization of individual human nature. Whatever takes place in any part of the human body—whether it is a matter of illness or health—affects the entire human organism, wherever it occurs within it. And so the impartial observer can also see how what is today known as agnosticism is penetrating our science—which, after all, is an authority for the vast majority of people, at least among the civilized people of the West—how agnosticism is penetrating science, how it is spreading from science into teaching and education, how it takes hold of social and religious life from there, and how millions upon millions of people—who set the tone for the present and the near future—are gripped by it, and who often have no idea at all that, despite perhaps adhering to this or that traditional religious creed, they are, in the depths of their souls, embracing this agnostic view. The impartial observer can see the effects of agnosticism everywhere in life. Today, we encounter its effects in individual human beings and in social life. First and foremost, however, it manifests itself in the realm of imagination. The human being reveals itself—both as an individual and as a social being—through imagination, through feeling, and through will.

[ 8 ] Der Agnostizismus ergreift zunächst die Vorstellungswelt, und er macht geltend, daß, wie man auch diese Vorstellungswelt ausbilden möge, wie man sie auch verbreiten oder vertiefen möge, welche Zusammenhänge man auch ergründen möge in seinem Vorstellungsleben: untertauchen in ein Sein, in eine Wirklichkeit, kann man mit diesem Vorstellungsleben nicht. Das Vorstellungsleben verläuft im Strömen von Bildern, die gewiß auf irgendeine Weise wurzeln in einem Sein, in einer objektiven Wirklichkeit; aber dasjenige, was der Mensch in sich trägt als seine Vorstellungen, das hat nichts in sich, was ihn hinunterweisen könnte in dieses Gebiet der wahren Wirklichkeit. — Diese Anschauung wird gerade von ausgezeichneten Geistern der Gegenwart mit allem Radikalismus vertreten. Aber man denke doch nur einmal darüber nach, wie der ganze, der volle Mensch mit allen seinen Offenbarungen doch eigentlich wurzeln muß nicht in irgendeinem Bilddasein, nicht in einer Vorstellungswelt, die mit der wahren Wirklichkeit nichts zu tun hat, sondern wie er wurzeln muß in dieser wahren Wirklichkeit selbst. Mag man denken wie man will über das Verhältnis desjenigen, was wir vorstellen, zu der wahren Wirklichkeit der Welt: das kann kein Mensch zugeben, daß, was der Mensch fühlt, was der Mensch will, was der Mensch als Taten verrichtet, daß das nicht in dieser wahren Wirklichkeit wurzle. Auch der einfachste Schritt in die Lebenspraxis zeigt das.

[ 8 ] Agnosticism first takes hold of the world of the imagination, and it asserts that, no matter how one may develop this world of the imagination, no matter how one may expand or deepen it, no matter what connections one may explore in one’s imaginative life: one cannot immerse oneself in a being, in a reality, through this imaginative life. Imagination flows in a stream of images that are certainly rooted in some way in a being, in an objective reality; but that which a person carries within as their ideas contains nothing that could lead them down into this realm of true reality. — This view is advocated with the utmost radicalism precisely by the most distinguished minds of our time. But one need only reflect for a moment on how the whole, complete human being, with all his manifestations, must in fact be rooted not in some kind of pictorial existence, not in a world of imagination that has nothing to do with true reality, but how he must be rooted in this true reality itself. Whatever one may think about the relationship between what we imagine and the true reality of the world, no one can admit that what a person feels, what a person wills, and what a person does—that these do not have their roots in this true reality. Even the simplest step into practical life demonstrates this.

[ 9 ] Es hat Skeptiker gegeben, welche noch nicht ganz bis zum Agnostizismus haben vordringen wollen, welche aber doch die äußere sinnliche Welt in einem absoluten Sinne als eine Art von Schein betrachtet haben. Es haben sich, an solche Skeptiker anknüpfend, Legenden gebildet. So erzählte man von einem Skeptiker des Altertums, daß er, wenn er an einen Abgrund gekommen ist, seine Schritte nicht angehalten habe, weil er das Vorhandensein des Abgrundes in der äußeren Sinnenwelt lediglich für einen Schein gehalten habe. Sie werden es unmittelbar bei einer solchen Legende in all ihrer Absurdität einsehen, daß es unmöglich ist, die letzte Praxis aus einer Anschauung zu ziehen, die etwa dasjenige, was der Mensch tut, was er selbst als seine Realität beurteilt, nicht wurzeln läßt in einer wahren Wirklichkeit, in einem objektiven Weltenzusammenhange.

[ 9 ] There have been skeptics who did not wish to go quite as far as agnosticism, but who nevertheless regarded the external sensory world, in an absolute sense, as a kind of illusion. Legends have arisen in connection with such skeptics. For example, it was said of a skeptic in antiquity that when he came to a precipice, he did not stop in his tracks because he regarded the existence of the precipice in the external sensory world as merely an illusion. You will immediately see, in the face of such a legend in all its absurdity, that it is impossible to derive ultimate practice from a view that does not allow what a person does—what he himself judges to be his reality—to be rooted in true reality, in an objective cosmic context.

[ 10 ] Durchdringt man sich aber ganz innerlich ehrlich mit der Anschauung, daß alles das, was man vorstellen kann, nur Bild ist, das nicht hinunterdringt zu den Wurzeln des wahrhaft Wirklichen, dann sondert man das ganze menschliche Vorstellen ab von dem, was der Mensch eigentlich ist. Dann geht man in der Welt herum, indem man auf der einen Seite voraussetzen muß, daß der Mensch in einer wahren Wirklichkeit wurzle,aber zu gleicher Zeit, daß alles dasjenige, was er sich in seinem Bewußtsein vergegenwärtigen kann, nichts zu tun habe mit dieser Wirklichkeit. Der Mensch sondert dasjenige, was ihm gerade den wichtigsten Inhalt seines Zivilisationslebens gibt — seine Vorstellungs-, seine Gedankenwelt —, ab nicht nur von der Wirklichkeit, sondern von sich selbst; er spaltet sich in sich selbst. Und wird so etwas nicht bloß als eine Phrase, als eine eitle Theorie genommen, wird so etwas aus dem ganzen Menschentum heraus wie eine innerliche Wahrheit durchlebt, dann ist es unmöglich, ein innerlich starker Mensch zu sein, ein Mensch mit einer sicheren Lebensbasis, wenn man sich in dieser Weise spaltet und sein Bestes absondert von dem, was man eigentlich in Wirklichkeit, in Wahrheit ist. Dadurch werden, wenn solch eine Weltanschauung ehrlich innerlich erlebt wird, die Vorstellungen unmutig; sie werden etwas Kraftloses, sie entwickeln sich gewissermaßen nach und nach immer mehr und mehr als ein Gleichgültiges, und sie werden, während sie einen großen Teil der menschlichen geschichtlichen Entwickelung hindurch die eigentlich treibenden Motoren des menschlichen Lebens waren, depossediert zugunsten der Instinkte und Triebe, zugunsten desjenigen, was nun nicht vorstellungsgemäß aus dem Animalischen in das menschliche Bewußtsein heraufspielt.

[ 10 ] But if one truly and honestly internalizes the view that everything one can imagine is merely an image that does not penetrate to the roots of what is truly real, then one separates all human imagination from what a human being actually is. Then one goes about in the world having to assume, on the one hand, that human beings are rooted in a true reality, but at the same time that everything they can bring to mind in their consciousness has nothing to do with this reality. Human beings separate that which provides the very essence of their civilized life—their world of imagination and thought—not only from reality but also from themselves; they split themselves internally. And if such a thing is not merely taken as a cliché, as a vain theory, but is lived through from the depths of humanity as an inner truth, then it is impossible to be an inwardly strong person, a person with a secure foundation in life, if one splits oneself in this way and separates one’s best self from what one actually is in reality, in truth. Consequently, when such a worldview is honestly experienced inwardly, one’s ideas become disheartened; they become powerless; they gradually develop, as it were, more and more into something indifferent; and although they were, throughout a large part of human historical development, the actual driving forces of human life, they are supplanted in favor of instincts and drives—in favor of that which now rises from the animal realm into human consciousness, not through conceptual thought.

[ 11 ] Wer könnte verkennen, daß im Grunde genommen die moderne Menschheit in einem hohen Grade auf einem solchen Wege zur innerlichen Spaltung des Menschen, zur Entwertung des Vorstellungslebens gekommen ist! Aber ein Vorstellungsleben, das also verläuft, durchdringt auch nicht das Gefühlsleben. Ein Gefühlsleben, das nicht durchdrungen wird von stärken Vorstellungen, die in sich selber das Bewußtsein tragen, daß sie in der Wahrheit drinnenstehen, das wird nach und nach unwahr, das fühlt sich nach und nach als im Unwahren drinnenstehend, und dann artet es nach zwei verschiedenen Seiten hin aus. Es verliert seine Natürlichkeit, es verliert seine innerliche Ehrlichkeit und Wahrheit und es artet entweder aus zu einer falschen Sentimentalität, wo man sich wie gezwungen fühlt, sich hinzugeben als Mensch gewissen Gefühlen; aber man steht nicht drinnen, weil dahinter nicht die starken Vorstellungen stehen. Man redet sich nur ein, sich solchen Gefühlen hingeben zu dürfen. Man legt dann in diese Gefühle allerlei, was nicht wirklich erlebt wird. Man steigert sich hinauf, ich möchte sagen gefühlsduselig, phrasenhaft, in eine Empfindungshöhe, die innerlich erlogen ist. Das ist das Ausarten nach der einen Seite. Oder aber das Gefühlsleben kann nach der andern Seite unwahrhaftig werden dadurch, daß es gerade annimmt den Charakter, den ich schon angedeutet habe, den Charakter, der die Vorstellung verleugnet, dafür aber dasjenige, was animalisch ist, sprechen läßt. Wird die Vorstellung blaß, verliert sie das innere Bewußtsein, daß sie vom Sein durchdrungen ist. Dann kann sie auch nicht in das Gefühl sich hineinleben, dann muß der Mensch in jenes Bewußtlose untertauchen, das in seinem Animalischen lebt. Dann wird er in seinen Gefühlen ein Spielball seines inneren Wohlseins oder Nichtwohlseins, seiner Instinkte, Triebe, seiner Bedürfnisse, die nicht von dem Lichte des Bewußtseins durchhellt sind. Er folgt, weil er sich als Mensch nicht zur wahrhaftigen Menschlichkeit erheben kann, dem Spiel der Natur in seinem organischen Wesen.

[ 11 ] Who could fail to see that, fundamentally speaking, modern humanity has, to a great extent, embarked on a path leading to the inner division of the human being and to the devaluation of the life of the imagination! But a life of the imagination that proceeds in this way does not, in turn, permeate the life of feeling. An emotional life that is not permeated by strong ideas—ideas that carry within themselves the awareness that they are rooted in truth—gradually becomes untrue; it gradually feels as though it is rooted in untruth, and then it degenerates in two different directions. It loses its naturalness; it loses its inner honesty and truth, and it degenerates either into a false sentimentality, where one feels compelled to surrender to certain feelings as a human being; but one is not truly immersed in them, because there are no strong ideas behind them. One merely convinces oneself that one is allowed to give in to such feelings. One then projects all sorts of things into these feelings that are not actually experienced. One works oneself up—I would say in a sentimental, clichéd way—to a heightened state of emotion that is inwardly false. That is the degeneration in one direction. Or, on the other hand, emotional life can become untruthful by taking on precisely the character I have already indicated—the character that denies the concept but instead gives voice to what is animalistic. When the concept grows pale, it loses the inner awareness that it is permeated by Being. Then it cannot live itself into feeling; then the human being must sink into that unconscious realm that dwells in his animal nature. Then, in his feelings, he becomes a plaything of his inner well-being or ill-being, of his instincts, drives, and needs, which are not illuminated by the light of consciousness. Because he cannot, as a human being, rise to true humanity, he follows the play of nature within his organic being.

[ 12 ] Das sind die zwei Abirrungen in die Unwahrhaftigkeit, die das Gefühl unter dem Einfluß des Agnostizismus nehmen kann. Diese Abirrungen zeigen sich ganz besonders in dem Künstlerischen, das die Menschheit hervorbringt. Das Künstlerische, das im wesentlichen aus der Gefühlswelt entspringen muß, wird selbst unwahrhaftig, wenn ihm zugrunde liegt eine unwahrhaftige Gefühlswelt, eine sentimentalische oder eine animalische Gefühlswelt. Wir haben beides in der neuesten Zeit, in dem Zeitalter des Agnostizismus, heraufkommen sehen. Wir haben heraufkommen sehen die Süßlichkeit, die Sentimentalität, die innerliche Verlogenheit, die sich hineinsteigert in Gefühle, die nicht aus dem wahren Menschenwesen mit elementarer Kraft herausquellen, sondern die erkünstelt, die gemacht und daher unwahr sind. Wir haben gesehen auf der andern Seite, wie diejenigen, die durchschaut haben das Unwahrhaftige dieser Sentimentalität und nicht anders konnten, als das sprechen lassen, was naturhaft im Menschen ist, wie diese dann geführt wurden zu dem krassesten Naturalismus, zu der bloßen Nachahmung desjenigen, was in der Natur draußen schon geschaffen wird.

[ 12 ] These are the two deviations into untruthfulness that emotion can take under the influence of agnosticism. These deviations are particularly evident in the artistic works produced by humanity. Art, which must essentially spring from the world of emotion, itself becomes insincere when it is based on an insincere emotional world—a sentimental or animalistic emotional world. We have seen both of these emerge in recent times, in the age of agnosticism. We have seen the rise of saccharine sentimentality, of inner insincerity, which escalates into feelings that do not spring from the true human being with elemental force, but are contrived, manufactured, and therefore untrue. On the other hand, we have seen how those who have seen through the insincerity of this sentimentality and could not help but give voice to what is natural in human beings have been led to the crudest form of naturalism—to the mere imitation of what is already created in the natural world outside.

[ 13 ] Was in der Natur schon geschaffen wird, das kann die Natur noch immer besser schaffen als der Mensch, und wenn dieser als Landschafter oder was immer die Natur nachahmen will, so wird er, auch wenn er ein noch so großer Künstler ist, hinter der Natur dennoch — der Unbefangene kann das merken — zurückbleiben müssen. Überflüssig ist im Grunde genommen dasjenige, was Naturnachahmung ist.

[ 13 ] Whatever has already been created in nature, nature can still create even better than humans can; and whenever humans—whether as landscape architects or in any other capacity—attempt to imitate nature, they will inevitably fall short of nature—even if they are the greatest of artists—as anyone with an unbiased eye can see. Essentially, anything that imitates nature is superfluous.

[ 14 ] Will man dann nicht verfallen in das phrasenhafte SichHinaufsteigern in ein Unreales, weil man das Reale glaubt nicht erfassen zu können, will man nicht ausarten in Manier, so muß man eben bei der bloßen Naturnachahmung bleiben. Wahre Kunst erhebt sich über Manier und Nachahmung zum Stil. Aber der Stil kann sich nicht anders entwickeln als dadurch, daß der Mensch mit seinem ganzen Innenleben in einer wahren Wirklichkeit wurzelt, die noch hinausgeht über dasjenige, was sinnlich-physischer Natur ist, aus der heraus daher auch etwas geschaffen werden kann, was nur aus der menschlichen Schöpferkraft kommen kann. Wahre Kunst, sie muß zum Stile streben, und wahrer Stil, er kann nur auf dem Erleben des Übersinnlichen durch den Menschen beruhen. Wer in der Kunst nicht etwas wie eine Luxusbeigabe zum Leben sieht, sondern eine notwendige Bedingung jedes menschenwürdigen Daseins, etwas, was den Menschen erst zum ganzen Menschen macht und die menschliche Zivilisation erst zu ihrem vollen Sinne bringt, der wird sich sagen müssen: Agnostizismus nimmt den Menschen jene Wahrheit, die in der Kunst leben will und leben muß.

[ 14 ] If one does not wish to fall into the trap of using clichés to elevate oneself into the unreal—because one believes one cannot grasp the real—and if one does not wish to degenerate into mannerism, then one must simply stick to the mere imitation of nature. True art rises above mannerism and imitation to become style. But style can develop only when a person is rooted, with their entire inner life, in a true reality that extends beyond the sensory-physical realm—a reality from which something can be created that can come only from human creative power. True art must strive toward style, and true style can be based only on humanity’s experience of the supersensible. Anyone who does not view art as some sort of luxury addition to life, but rather as a necessary condition of any dignified existence—something that makes a person a complete human being and gives human civilization its full meaning—will have to admit: Agnosticism robs humanity of that truth which seeks to live and must live in art.

[ 15 ] Auch das kann jeder, der sehen will, an dem Gang unserer neueren Zivilisations- und Kulturentwickelung sehen. Er kann sehen, wie diejenigen, welche agnostisch gesinnt sind, alles Übersinnliche in der Kunst nach und nach abgewiesen haben, wie sie anerkennen nur dasjenige, was, wie sie sagen, natürlich ist, was sie erinnert an irgend etwas, das sie äußerlich mit ihren Sinnen und ihrem Verstande wahrnehmen können. Dann aber erfüllt die Kunst nur ein Sensationsbedürfnis, das wir befriedigen wollen, wenn wir uns von der Arbeit der Woche für den Sonntag ausruhen; dann gibt sich der Mensch der Kunst wie einem Luxus hin, dann ist die Kunst kein Notwendiges im Leben. Agnostizismus drängt die Kunst als einen notwendigen Lebensinhalt aus dem menschlichen Dasein selbst hinaus, macht sie zu einem Sonntagsvergnügen, zu einem Lebensluxus. Das ist sie für weiteste Kreise geworden. Ist sie etwas anderes, wenn wir heute sehen, wie große Menschengruppen durch Museen geführt werden? Das ist ein Grundton in unserem neueren Geistesleben. Derjenige, der die Dinge nicht äußerlich betrachtet, sondern die innerlichen Zusammenhänge des Lebens, der sieht, wie das, was ich hier eben als Kunstverderbnis charakterisiert habe, zusammenhängt mit der agnostischen Richtung des Zeitalters.

[ 15 ] Anyone who is willing to see this can also observe it in the course of our recent civilizational and cultural development. One can see how those of an agnostic disposition have gradually rejected everything supernatural in art, acknowledging only that which, as they say, is natural—that which reminds them of something they can perceive externally with their senses and their intellect. But then art merely fulfills a need for sensation that we seek to satisfy when we rest on Sunday after a week’s work; then people indulge in art as if it were a luxury, and art ceases to be a necessity in life. Agnosticism pushes art—as a necessary purpose in life—out of human existence itself, turning it into a Sunday pastime, a luxury of life. This is what it has become for the vast majority of people. Is it anything different when we see today how large groups of people are led through museums? This is a fundamental tone in our recent intellectual life. Anyone who does not view things superficially, but rather the inner connections of life, sees how what I have just characterized here as the corruption of art is connected to the agnostic trend of the age.

[ 16 ] Und weiter: nicht nur auf das Vorstellungsleben, nicht nur auf das Gefühlsleben, auch auf das Willensleben hat der Agnostizismus seinen Einfluß. Man mag noch so sehr philosophieren darüber, daß man über die Natur und über die Welt denken mag, wie man will — es werde doch sprechen im Menschen dasjenige, was Pflicht ist, dasjenige, was das Gute ist, durch eine Art kategorischen Imperativs. Deklamieren, philosophieren kann man von einem solchen kategorischen Imperativ innerhalb einer Sphäre des Agnostizismus. Dann aber, wenn der Agnostizismus nicht Theorie, wenn er Gesinnung, wenn er auch Gefühl ist, dann entstehen eben die kategorischen Imperative nicht. Und nicht darauf kommt es an, wie man über eine Sache denkt, sondern darauf, was in der menschlichen Seele wirklich entstehen kann. Es entstehen keine neuen kategorischen Imperative, wenn diejenigen alten immer mehr und mehr abnehmen, welche noch durch Tradition aus früheren menschlichen Epochen herauf fortgepflanzt sind. Wenn diese Traditionen sich verlieren, dann hören allmählich die kategorischen Imperative auf. Dann fühlt der Mensch an derjenigen Stelle seines Wesens, wo der Wille als Impuls für das Leben wirkt, die innerliche Leerheit. Gedanken, Vorstellungen werden durch das Erleben des Agnostizismus kraftlos gemacht. Gefühle werden stumpf gemacht, der Wille wird leer gemacht, und dann ist der Mensch ausgeliefert entweder irgendeiner äußerlichen Autorität, die ihm seinen Imperativ gibt, oder aber dem Animalischen, demjenigen, was als die physischen Bedürfnisse sich geltend macht, demjenigen, was aus der tiefsten unterbewußten Welt ohne alles Vorstellen, ja ohne alles Regulativ des Fühlens heraufquillt. Dann ist der Mensch entweder darauf angewiesen, den bestehenden Autoritäten sich bedingungslos auszuliefern, oder neue zu begründen, oder aber zuzugeben, daß das Menschengeschlecht nichts anderes könne, als seine physischen Instinkte ausleben.

[ 16 ] And furthermore: agnosticism exerts its influence not only on the life of the imagination, not only on the life of the emotions, but also on the life of the will. One may philosophize as much as one likes about nature and the world—yet what is duty, what is good, will still speak within a person through a kind of categorical imperative. One can declaim and philosophize about such a categorical imperative within the sphere of agnosticism. But when agnosticism is not merely a theory—when it is a mindset, or even a feeling—then these categorical imperatives simply do not arise. And what matters is not how one thinks about a matter, but what can truly arise within the human soul. No new categorical imperatives arise when the old ones—those passed down through tradition from earlier human epochs—are steadily diminishing. When these traditions are lost, the categorical imperatives gradually cease to exist. Then, in that part of one’s being where the will acts as an impulse for life, one feels an inner emptiness. Thoughts and ideas are rendered powerless by the experience of agnosticism. Emotions are dulled, the will is emptied, and then human beings are at the mercy of either some external authority that provides them with their imperative, or else the animalistic—that which asserts itself as physical needs, that which wells up from the deepest subconscious world without any imagination, indeed without any regulatory force of feeling. Then the human being is either forced to surrender unconditionally to existing authorities, to establish new ones, or to admit that the human race is incapable of anything other than acting on its physical instincts.

[ 17 ] Auch diese Anschauungen sind, wenn vielleicht auch mehr oder weniger schüchtern, in unserem Zeitalter genügend vertreten worden. Was heute immer mehr und mehr hindrängt zum Autoritätsglauben, zum Autoritätsgefühl, was gar nicht anders sein kann als in Anlehnung an diesen Autoritätsglauben, an dieses Autoritätsgefühl, was wir so furchtbar überhandnehmen sehen, das hängt mit dem Agnostizismus zusammen. Denn so etwas wie der Agnostizismus kann in einer Generation Theorie sein — diese Generation kann ihn vielleicht sehr geistreich begründen —, in der nächsten Generation ist er Leben, und wenn er Leben ist, dann entstehen eben diejenigen Dinge, die ich geschildert habe. So sehen wir den theoretischen Agnostizismus unserer Vorväter in dem Autoritätsdrang der gegenwärtigen Menschheit auferstehen, oder wir sehen ihn auch auferstehen in dem Unglauben an alles dasjenige, was aus dem Geiste des Menschen heraus die menschlichen Bedürfnisse regeln könnte, was ein menschliches soziales Leben begründen könnte. Wir sehen ihn an der Aufrichtung der Meinung, daß im Grunde genommen dennoch der Mensch nichts anderes könne als seinen animalischen Impulsen leben und diese organisieren.

[ 17 ] These views, too—albeit perhaps more or less timidly—have been sufficiently represented in our age. What today is increasingly pushing us toward a belief in authority, toward a sense of authority—which cannot be anything other than a response to this belief in authority, to this sense of authority, which we see becoming so terribly rampant—is connected to agnosticism. For something like agnosticism may be a theory in one generation—this generation may perhaps justify it very ingeniously—but in the next generation it becomes a way of life, and when it is a way of life, then precisely those things I have described arise. Thus we see the theoretical agnosticism of our forefathers resurface in the craving for authority among contemporary humanity, or we also see it resurface in the disbelief in anything that, stemming from the human spirit, could regulate human needs or establish a human social life. We see it in the establishment of the view that, when all is said and done, human beings can do nothing other than live by their animal impulses and organize them.

[ 18 ] Nun, was da in Vorstellen, Fühlen und Wollen zunächst im Menschen sich auslebt, das führt ihn auf seinem Wege dann weiter zu dem eigentlichen religiösen Erleben. Für mich ist auch der stärkste Materialist ein religiöser Mensch, denn es kommt schließlich beim Allgemeinen der Religion nicht darauf an, ob man zu dem oder jenem sich bekennt, sondern darauf, wie man sich in seiner Seele oder auch, wenn man sie leugnet, in seiner ganzen Menschlichkeit verbunden fühlt mit dem Weltenwesen.

[ 18 ] Now, what initially manifests itself in a person’s imagination, feelings, and will then leads him further along his path toward the actual religious experience. For me, even the most ardent materialist is a religious person, for ultimately, what matters in the essence of religion is not whether one professes this or that faith, but how one feels connected in one’s soul—or, even if one denies the soul, in one’s entire humanity—to the essence of the world.

[ 19 ] So ist es gekommen, daß in der neuen Zeit immer mehr und mehr der Mensch auch mit Bezug auf das religiöse Erleben sich innerlich leer fühlt und deshalb Anlehnung sucht. Eine Erscheinung kann einem da vor Augen stehen, die vielleicht heute noch nicht von sehr vielen, die nicht gerade drinnenstehen, bemerkt wird, die aber in vielleicht gar nicht so ferner Zeit sehr gründlich wird bemerkt werden können: das ist die Hinneigung gerade intelligenter, gerade seelenvoller Menschen zu den äußerlich begründeten, strammen alten Kirchenorganisationen. Die Menschenseele, die innerlich leer ist, kann in sich die Kraft nicht finden, die sie verbindet mit dem göttlichen Weltengrunde; sie tendiert deshalb dazu, eine äußerliche Anlehnung zu haben. Die Seele, die sich selbst nicht innerlich mit dem Gotte verbunden fühlt, die willin der Außenwelt das finden, was sie zu diesem Gotte hinführt. Zahlreiche Menschen, von denen man das vielleicht nicht geglaubt hätte, tendieren hin zum römischen Katholizismus. Zahlreiche Menschen geben sich aber gar nicht aus andern Untergründen der Seele als diesem zum Katholizismus hin Tendierenden der materialistischen Religionsauffassung hin. Auf der andern Seite sehen wir Seelen, die gerade fein-religiös organisiert sind, die gewissermaßen das Unbefriedigende der religiösen Traditionen des Abendlandes gründlich empfunden haben. Diese Seelen geben sich hin allerlei Dingen, die man ihnen aus dem alten oder auch aus dem neuen Orient herüberbringt. Sie suchen nicht dasjenige, was aus der eigenen Gegenwartsseele quillt; sie berücksichtigen nicht, daß, wenn ein religiöses Leben Wahrheit ist, es immer quellen muß. Sie möchten sich anlehnen an ein Fremdes, an ein Altes. Die innere Leerheit ist es, die wir hier walten sehen, die innerliche Leerheit, die Anlehnung nach außen sucht.

[ 19 ] Thus it has come to pass that, in this new age, more and more people feel an inner emptiness—even with regard to their religious experience—and therefore seek support. One phenomenon stands out here that may not yet be noticed by very many people—especially those who are not deeply involved in these matters—but which will likely be recognized very clearly in the not-too-distant future: namely, the tendency of intelligent, soulful people in particular to gravitate toward the outwardly structured, rigid old church organizations. The human soul that is inwardly empty cannot find within itself the power that connects it to the divine foundation of the world; it therefore tends to seek external support. The soul that does not feel inwardly connected to God seeks in the external world that which leads it to this God. Numerous people, from whom one might not have expected it, are drawn toward Roman Catholicism. Yet numerous people surrender themselves to a materialistic conception of religion for reasons stemming from the soul that are entirely different from those of those drawn to Catholicism. On the other hand, we see souls who are precisely of a refined, religious disposition, who, in a sense, have deeply felt the inadequacy of the religious traditions of the West. These souls devote themselves to all manner of things brought to them from the Old or even the New Orient. They do not seek what springs from their own present soul; they do not consider that, if a religious life is true, it must always spring forth. They wish to lean on something foreign, on something ancient. It is inner emptiness that we see at work here—the inner emptiness that seeks support from the outside.

[ 20 ] Mit all dem, was ich geschildert habe, kann der Mensch nur bis zu einem gewissen Grade leben, und die Entwickelung der neuesten Zeit hat ja gezeigt, daß es sich bis zu einem gewissen Grade mit all dem leben läßt. Das hat seinen tiefen Grund in der ganzen neueren Zivilisations- und Kulturentwickelung. Als eine Folge der wissenschaftlichen Denk weise ist heraufgekommen die moderne Technik, die eigentlich nur arbeiten kann in dem, was vom Menschen abgesondert ist, in demjenigen, in das der Mensch mit seiner eigenen inneren Wesenheit nicht hineindringt. Diese Technik stellt etwas um uns herum dar, das unsere Arbeit so in Anspruch nimmt, daß wir uns selber nach und nach ihr eingegliedert haben wie etwas, das sich ihr hingibt, wie etwas, das sich mit ihrem Besten hingibt. Man braucht sich nur zu erinnern an allerlei Arbeitssysteme, die in der westlichen Zivilisation ihren Ursprung haben, wie diese Arbeitssysteme den Menschen hineinstellen möchten in die Welt der Technik selber wie ein Glied einer Maschine, so daß dasjenige, was ihm lieb ist, was seine Sympathie, seine Antipathie erregt, was ihn veranlaßt, einmal irgend etwas schneller, ein andermal etwas langsamer zu machen, daß das ausgeschaltet wird, daß man rechnen kann auf das, was als seine Tätigkeit aus ihm kommt, wie man rechnen kann auf die Tätigkeit einer Maschine.

[ 20 ] People can only live with everything I have described to a certain extent, and recent developments have indeed shown that it is possible to live with all of this to a certain extent. This has its deep roots in the entire recent development of civilization and culture. As a consequence of scientific thinking, modern technology has emerged—a technology that can actually function only within what is separate from human beings, within that which human beings do not penetrate with their own inner being. This technology represents something around us that demands so much of our labor that we have gradually integrated ourselves into it—as something that surrenders to it, as something that devotes itself to its best interests. One need only recall all manner of work systems that have their origins in Western civilization—how these work systems seek to place human beings within the world of technology itself as a cog in a machine—so that what is dear to them, what arouses their sympathy or antipathy, what prompts them at times to do something faster, and at other times a little slower—is eliminated, so that one can rely on the activity that comes from him just as one can rely on the activity of a machine.

[ 21 ] Niemals könnte die Menschheit auf die Dauer irgendwie befriedigt sein durch eine solche Hingabe, durch eine solche Anlehnung an ein Fremdes, sei es ein äußerlich Physisches, sei es ein Geistiges. Natürlich ist es, daß unter dem Einflusse der triumphalen Technik gerade bei den zivilisiertesten Menschen des neuesten Zeitalters sich so etwas ausgebildet hat. Aber es ist in gewisser Beziehung heute auch an seinem Kulminationspunkte angelangt, es ist da angelangt, wo deutlich die Rufe hörbar sind nach einer Umkehr, wo deutlich schon gefühlt werden kann die innere Entzweiung des Menschen im Vorstellungsleben, das Dumpfwerden seines Gefühlslebens, das Leerwerden seines Willens- und religiösen Lebens, das Leerwerden auch seiner sozialen Impulse.

[ 21 ] Humanity could never, in the long run, find any kind of satisfaction in such devotion, in such reliance on something foreign—whether it be something outwardly physical or something spiritual. It is only natural that, under the influence of triumphant technology, something like this has developed, especially among the most civilized people of the modern era. But in a certain sense, it has now reached its culmination; it has reached the point where calls for a reversal can be clearly heard, where one can already distinctly sense the inner division within human beings in their imaginative life, the dulling of their emotional life, the emptying of their volitional and religious life, and the emptying of their social impulses as well.

[ 22 ] Wir stehen an dem Zeitpunkte, wo erlebt werden können die Früchte des Agnostizismus, der als Theorie begonnen hat, der aber als eine Art von Lebenspraxis überall heute schon unser soziales Leben durchzieht. Und im Leben ist alles im Grunde genommen nicht nur eine Wirkung von der einen nach der andern Seite, sondern auch von der andern Seite nach der ersten zurück. Wenn der Mensch heute drinnensteht in einem praktisch-technischen Leben, das seine Subjektivität, das seine Persönlichkeit ganz auszuschalten strebt, wenn er sich selbst in eine Lage gebracht hat, in der sein Wille an innerer Leerheit, seine Gefühle und Empfindungen an einer gewissen Stumpfheit kranken, dann können wir sehen, wie das alles wiederum zurückwirkt auf das Vorstellungsleben. Dadurch ist der Mensch heute zu einer gewissen Bequemlichkeit in seinem Vorstellungsleben gekommen.

[ 22 ] We have reached the point where we can experience the fruits of agnosticism, which began as a theory but has now, as a way of life, permeated our social life everywhere. And in life, everything is essentially not only an effect from one side to the other, but also from the other side back to the first. When people today find themselves immersed in a practical, technical existence that seeks to completely eliminate their subjectivity and personality—when they have placed themselves in a situation where their will suffers from inner emptiness and their feelings and sensations from a certain dullness—then we can see how all of this, in turn, has a reciprocal effect on their imaginative life. As a result, people today have arrived at a certain complacency in their imaginative life.

[ 23 ] Es ist heute durchaus so, daß man sagen kann: Was auch immer auftaucht an Anschauungen, an Impulsen, um den Niedergangskräften Aufgangskräfte entgegenzusetzen — das menschliche Vorstellungsleben ist nicht mehr empfänglich genug, das menschliche Vorstellungsleben entwickelt passive, aber nicht innerlich aktive Kräfte, artet sich nicht mehr so, daß es etwas mit Enthusiasmus ergreifen kann, um zu sehen, ob es standhält im Leben. Dieses innerlich Tätige des Vorstellungslebens ist einer gewissen Bequemlichkeit gewichen. Wenn man irgend etwas hört, was einem ungewohnt ist, was man nicht selbst schon gedacht hat, möchte man nicht das Innere so anstrengen, daß nun anders konturierte Vorstellungen, anders tingierte Vorstellungen aufleben in einem als diejenigen, die schon dagewesen sind. Man prüft nicht eigentlich an dem inneren Leben, das einem ermöglicht ist, dasjenige, was auftaucht, sondern man fragt nur: Bin ich gewöhnt daran, daß solche Vorstellungen in mir auftauchen? — Findet man, daß man nicht gewohnt ist, daß solche Vorstellungen auftauchen, wie sie einem entgegengebracht werden, dann läßt man sich nicht auf sie ein. Ich will nicht einmal sagen, daß man immer energisch ablehnt, sondern man greift gar nicht an, man läßt die Vorstellungen vorübergehen.

[ 23 ] It is certainly true today that one can say: Whatever ideas or impulses may arise to counter the forces of decline with forces of renewal—the human life of imagination is no longer receptive enough; it develops passive, but not inwardly active, forces, and no longer evolves in such a way that it can grasp something with enthusiasm to see if it will stand the test of life. This inner activity of the imaginative life has given way to a certain complacency. When one hears something unfamiliar—something one has not already thought of oneself—one does not wish to exert one’s inner being to the point where ideas with different contours or different hues come to life within one, as opposed to those that were already there. One does not actually examine, through the inner life available to one, what emerges; rather, one merely asks: Am I accustomed to such ideas arising within me? — If one finds that one is not accustomed to such ideas arising as they are presented to one, then one does not engage with them. I do not even mean to say that one always rejects them vigorously; rather, one does not engage with them at all—one simply lets the ideas pass by.

[ 24 ] Es ist heute nicht bloß so zum Beispiel in politischen Versammlungen. Man kann dort Verschiedenes reden. Dann tritt ein anderer Redner auf, so einer, der so ganz hinein sich gelebt hat in eine Parteischablone. Man hört ihn dann reden in all den Formen, die er seit dreißig Jahren gewohnt ist; dasjenige, was ein bißchen angeklungen hat an das, was er seit dreißig Jahren gewohnt ist, das spricht er dann nach, das andere hat er überhaupt nicht gehört. Er wird innerlich unbewußt unwillig, wenn er irgend etwas hören soll, woran er nicht gewöhnt ist. Das ist im Grunde genommen eine Wirkung des Agnostizismus, indem dieser aus einer 'Theorie Leben geworden ist.

[ 24 ] This isn’t just the case today, for example, at political rallies. People can say all sorts of things there. Then another speaker takes the stage—the kind who has completely immersed himself in a party mold. You hear him speak in all the ways he’s been accustomed to for thirty years; whatever sounds even slightly like what he’s been accustomed to for thirty years, he parrots; the rest he hasn’t heard at all. He becomes inwardly and unconsciously resentful when he’s supposed to hear anything he isn’t used to. This is, in essence, an effect of agnosticism, in that it has become a “theory of life.”

[ 25 ] Das tritt auch in unser Erziehungswesen ein. Haben wir denn die lebendige Anschauung, daß die Erziehung so gestaltet werden müsse, wie das Leben selber ist? Das Leben ist so, daß, was wir als vier-, fünfjähriges Kind an Gliedern haben, ganz anders ist, wenn wir erwachsen sind. Alles metamorphosiert sich, alles gestaltet sich um. Wenn wir dem Kinde etwas beibringen, möchten wir am liebsten es ihm so beibringen, daß es bleiben kann, daß das Kind später sich so erinnert, daß in der Erinnerung das Beigebrachte ganz genau so auftritt, wie wir es beigebracht haben. Wer aber lebensvoll denkt, der muß an eine Erziehung denken, die dem Kinde alles dasjenige, was sie ihm beibringt, so vermittelt, daß dieses mit dem Kinde wächst, daß dieses von vorneherein ein Wachsendes, ein Sich-Entwickelndes ist. Man muß die Dinge so an das Kind heranbringen, daß sie sich ebenso wie die organischen Glieder des Kindes metamorphosieren, umgestalten.

[ 25 ] This also applies to our educational system. Do we truly have a vivid understanding that education must be shaped in the same way that life itself is? Life is such that the limbs we have as four- or five-year-old children are completely different from those we have as adults. Everything undergoes a metamorphosis; everything is transformed. When we teach a child something, we would prefer to teach it in such a way that it remains fixed—so that the child later remembers it, and what was taught appears in the memory exactly as we taught it. But anyone who thinks in terms of life must conceive of an education that conveys to the child everything it teaches in such a way that it grows with the child—that it is, from the very beginning, something that grows and develops. We must present things to the child in such a way that they undergo metamorphosis and transformation, just like the child’s organic limbs.

[ 26 ] All das haben wir aber hinschwinden sehen aus der menschlichen Anschauung, aber auch aus der menschlichen Lebenspraxis unter dem Einflusse des Agnostizismus. Ich betone es noch einmal ausdrücklich: Weder wollte ich heute eine Kritik des Agnostizismus geben, noch wollte ich in positiver Weise ihm etwas entgegensetzen. Ich wollte nur gewissermaßen eine allerdings von einem innerlichen Standpunkt aus gegebene Charakteristik unseres Zeitalters zunächst hinstellen, wollte zeigen, wie äußerlich im menschlichen individuellen, im sozialen, im religiösen, im sittlichen Leben überall auftreten gewisse Früchte, die zurückgeführt werden müssen auf die Saat des Agnostizismus. So kann uns diese Zeit erscheinen, wenn wir sie ansehen nicht so, wie wir es aus gewissen Vorurteilen heraus möchten, wie wir es unter den Einflüssen gewisser agitatorischer Ideale möchten, sondern wenn wir dieses Zeitalter, in dem wir selber leben, seiner Wirklichkeit gemäß anschauen.

[ 26 ] We have, however, seen all of this fade away not only from human perception but also from human practice under the influence of agnosticism. I want to emphasize this once again explicitly: I did not intend today to offer a critique of agnosticism, nor did I intend to counter it with a positive alternative. I merely wanted, in a sense, to present a characterization of our age—albeit from an inner perspective—and to show how, outwardly, in individual human life, in social life, in religious life, and in moral life, certain fruits appear everywhere that must be traced back to the seeds of agnosticism. This is how our age may appear to us if we view it not as we would like to—based on certain prejudices or under the influence of certain agitational ideals—but if we look at this age, in which we ourselves live, in accordance with its reality.

[ 27 ] Das, meine sehr verehrten Anwesenden, wollte ich vorausschicken den Vorträgen, die in den nächsten Tagen handeln sollen von einer Lebensauffassung, nach der sich sehnen muß ein Zeitalter, an dem sich die Tragik des Agnostizismus erfüllt hat. Diese Lebensauffassung, das will, wie Sie sehen werden, die Anthroposophie als eine lebensvolle Weltanschauung sein, eine Weltanschauung, die bis zu demjenigen vordringen will, mit dem der Mensch sich verbindet als mit der wahren Wirklichkeit, eine Weltanschauung, die zeigen wird, daß der Mensch auch Mittel hat, um zu dieser wahren Wirklichkeit vorzudringen.

[ 27 ] This, my esteemed audience, is what I wished to preface the lectures that will take place over the next few days and will deal with a view of life that an age—in which the tragedy of agnosticism has come to fruition—must yearn for. This view of life—as you will see—is what anthroposophy seeks to be: a vibrant worldview, a worldview that seeks to penetrate to that which human beings connect with as true reality, a worldview that will show that human beings also possess the means to penetrate to this true reality.