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The Essence of Anthroposophy
GA 80a

16 May 1922, Mannheim

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Das Wesen der Anthroposophie
  1. The Essence of Anthroposophy, tr. SOL

12. Anthroposophie und Geisteserkenntnis

12. Anthroposophie und Geisteserkenntnis

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Die Ausführungen, welche ich heute hier werde vorzubringen haben, bedürfen, wenn sie in der Gegenwart — ich möchte sagen —, in unserem wissenschaftlichen Zeitalter gerechtfertigt erscheinen sollen, einer gewissen Voraussetzung, der Voraussetzung einer Auseinandersetzung mit dem, was gegenwärtig als wissenschaftlich möglich eingesehen werden muss. Allein dasjenige, was nach dieser Richtung zu sagen ist, was Anthroposophie geltend macht über ihr Verhältnis zur wissenschaftlichen Weltanschauung der Gegenwart, wie sie durchaus zu dieser nicht in Opposition steht, sondern deren Bedeutung voll anerkennt, wie sie ihrerseits weiter über diese Wissenschaft hinausdringt, das habe ich mir erlaubt in dem letzten Vortrage vor einigen Monaten, den ich hier an derselben Stelle halten durfte, auseinanderzusetzen. Und da ich wohl annehmen darf, dass ein großer Teil der verehrten Zuhörer von heute auch dazumalen vorhanden war, so scheint es mir nicht möglich und außerdem überflüssig, dasjenige, was dazumalen gesagt worden ist, zu wiederholen. Ich werde es einfach voraussetzen und weiter aufbauen dasjenige, was nun Anthroposophie durch ihre Forschung, durch ihre Erkenntnis über das Verhältnis des Menschen zur geistigen Welt zu sagen hat.

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Die Ausführungen, welche ich heute hier werde vorzubringen haben, bedürfen, wenn sie in der Gegenwart — ich möchte sagen —, in unserem wissenschaftlichen Zeitalter gerechtfertigt erscheinen sollen, einer gewissen Voraussetzung, der Voraussetzung einer Auseinandersetzung mit dem, was gegenwärtig als wissenschaftlich möglich eingesehen werden muss. Allein dasjenige, was nach dieser Richtung zu sagen ist, was Anthroposophie geltend macht über ihr Verhältnis zur wissenschaftlichen Weltanschauung der Gegenwart, wie sie durchaus zu dieser nicht in Opposition steht, sondern deren Bedeutung voll anerkennt, wie sie ihrerseits weiter über diese Wissenschaft hinausdringt, das habe ich mir erlaubt in dem letzten Vortrage vor einigen Monaten, den ich hier an derselben Stelle halten durfte, auseinanderzusetzen. Und da ich wohl annehmen darf, dass ein großer Teil der verehrten Zuhörer von heute auch dazumalen vorhanden war, so scheint es mir nicht möglich und außerdem überflüssig, dasjenige, was dazumalen gesagt worden ist, zu wiederholen. Ich werde es einfach voraussetzen und weiter aufbauen dasjenige, was nun Anthroposophie durch ihre Forschung, durch ihre Erkenntnis über das Verhältnis des Menschen zur geistigen Welt zu sagen hat.

[ 2 ] Wenn wir sprechen als Menschen von Schwierigkeiten, in die wir uns versetzt fühlen, wenn die Rätselfragen gegenüber der geistigen Welt auftauchen, wenn wir von solchen Schwierigkeiten sprechen, so können sich diese Schwierigkeiten nicht beziehen auf das Vorhandensein einer geistigen Welt als solcher, mit der sich der Mensch in seinem irdischen Dasein verbunden fühlt. Denn der Mensch braucht sich ja nur auf sich selbst zu besinnen, und er lebt in einer geistigen Welt. Er steht durch seinen Geist erkenntnismäßig mit den Dingen seiner Umgebung, mit den Handlungen, die er selbst vollbringt, in Beziehung. Und selbst der stärkste Materialist leugnet ja nicht dieses Verhältnis des Menschen zur geistigen Welt, insofern sich der Mensch seines Geistes im wachenden Zustande immerdar bewusst ist. Die Schwierigkeit beginnt erst dann, wenn der Mensch hinblickt auf das Wesen dieses Geistes, indem er doch eigentlich seine menschliche Würde, seinen wahren Menschenwert allein erblicken kann. Der Mensch muss sich ja gerade sagen: Ich habe den Geist. Das leugnet, wie gesagt, selbst der ärgste Materialist nicht. Er glaubt nur höchstens, dass dasjenige, was der Mensch als Geist in sich erlebt, ein Produkt, ein Geschöpf des materiellen Daseins sei. Und gerade weil sich der Mensch als Geist fühlt, weil er in diesem Geistigen seinen Wert und seine Würde empfindet, deshalb muss er fragen: Was ist dieses Wesen des Geistes, wie ist es begründet vielleicht in einer umfassenden geistigen Welt, die nicht dem Vergänglichen angehört, sondern die dem Vergänglichen gegenüber von Dauer ist? Damit deutet man — meine sehr verehrten Anwesenden — auf die inneren Seelenschwierigkeiten, in die sich der Mensch — ich möchte sagen — jeden Tag und jede Stunde versetzt fühlt, wenn er auf das Wesen seiner eigenen Geistigkeit blickt. Diese Schwierigkeiten, die Menschen bringen sie sich nicht immer im vollen Sinne des Wortes zum klaren Bewusstsein. Aber sie leben in den Untergründen der Seele, ob man sie nun erforscht oder nicht erforscht, sie leben in diesen Untergründen der Seele, strömen herauf in das bewusste Seelendasein, bilden Glück und Leid des innersten Menschenwesens, machen das innerste Schicksal des Menschen aus, bilden die Seelenstimmung und Seelenverfassung. Der Mensch findet sich so in die Welt hinein, er wird seinen Mitmenschen und der Welt in dem Maße nützlich, als er sich — wenn auch vielleicht unbewusst und naiv — aufklären kann über das Wesen des Geistes. Und aus vielen Untergründen herauf kommen die Rätselfragen in dieser Beziehung, und vieles könnte ich anführen, was da lebt in der Seele bewusst oder mehr oder weniger unbewusst.

[ 2 ] Wenn wir sprechen als Menschen von Schwierigkeiten, in die wir uns versetzt fühlen, wenn die Rätselfragen gegenüber der geistigen Welt auftauchen, wenn wir von solchen Schwierigkeiten sprechen, so können sich diese Schwierigkeiten nicht beziehen auf das Vorhandensein einer geistigen Welt als solcher, mit der sich der Mensch in seinem irdischen Dasein verbunden fühlt. Denn der Mensch braucht sich ja nur auf sich selbst zu besinnen, und er lebt in einer geistigen Welt. Er steht durch seinen Geist erkenntnismäßig mit den Dingen seiner Umgebung, mit den Handlungen, die er selbst vollbringt, in Beziehung. Und selbst der stärkste Materialist leugnet ja nicht dieses Verhältnis des Menschen zur geistigen Welt, insofern sich der Mensch seines Geistes im wachenden Zustande immerdar bewusst ist. Die Schwierigkeit beginnt erst dann, wenn der Mensch hinblickt auf das Wesen dieses Geistes, indem er doch eigentlich seine menschliche Würde, seinen wahren Menschenwert allein erblicken kann. Der Mensch muss sich ja gerade sagen: Ich habe den Geist. Das leugnet, wie gesagt, selbst der ärgste Materialist nicht. Er glaubt nur höchstens, dass dasjenige, was der Mensch als Geist in sich erlebt, ein Produkt, ein Geschöpf des materiellen Daseins sei. Und gerade weil sich der Mensch als Geist fühlt, weil er in diesem Geistigen seinen Wert und seine Würde empfindet, deshalb muss er fragen: Was ist dieses Wesen des Geistes, wie ist es begründet vielleicht in einer umfassenden geistigen Welt, die nicht dem Vergänglichen angehört, sondern die dem Vergänglichen gegenüber von Dauer ist? Damit deutet man — meine sehr verehrten Anwesenden — auf die inneren Seelenschwierigkeiten, in die sich der Mensch — ich möchte sagen — jeden Tag und jede Stunde versetzt fühlt, wenn er auf das Wesen seiner eigenen Geistigkeit blickt. Diese Schwierigkeiten, die Menschen bringen sie sich nicht immer im vollen Sinne des Wortes zum klaren Bewusstsein. Aber sie leben in den Untergründen der Seele, ob man sie nun erforscht oder nicht erforscht, sie leben in diesen Untergründen der Seele, strömen herauf in das bewusste Seelendasein, bilden Glück und Leid des innersten Menschenwesens, machen das innerste Schicksal des Menschen aus, bilden die Seelenstimmung und Seelenverfassung. Der Mensch findet sich so in die Welt hinein, er wird seinen Mitmenschen und der Welt in dem Maße nützlich, als er sich — wenn auch vielleicht unbewusst und naiv — aufklären kann über das Wesen des Geistes. Und aus vielen Untergründen herauf kommen die Rätselfragen in dieser Beziehung, und vieles könnte ich anführen, was da lebt in der Seele bewusst oder mehr oder weniger unbewusst.

[ 3 ] Zwei Beispiele möchte ich herausheben aus alledem, was so in der Seele vorhanden ist, zwei Beispiele, die vielleicht gar nicht einmal zu den allergewöhnlichsten gehören, die aber gerade zeigen können, welche Ecken seines Seelenlebens der Mensch antrifft, wenn er über den Geist sich aufklären will. Wir sehen jeden Tag, wenn wir übergehen aus dem Wachzustande in den Schlafzustand, wie dasjenige, was unsere innere geistige Regsamkeit, unsere innere geistige Tätigkeit ist, wie das sich hinablähmt, hinabdämmert in ein unbestimmtes Dunkel, wie die Zeit des Schlafes eintritt, der gegenüber wir nicht sagen können, was es nun eigentlich ist mit der inneren geistig-seelischen Regsamkeit und Tätigkeit. Da fühlen wir dann — man darf wohl sagen — die Ohnmacht desjenigen, was unsere Geistigkeit ist. Wir leben in dieser Geistigkeit vom Aufwachen bis zum Einschlafen, wir fühlen uns eigentlich so recht als Menschen, wenn wir in dieser Geistigkeit leben, aber wir sehen sie verglimmern, verdämmern und sind eben ohnmächtig gegenüber diesem alltäglich uns Entschwindendem, gegenüber demjenigen, was unser wahrhaft Menschliches ist, und ohne dass wir es auch immer fühlen — wie gesagt —, aus dem unbewussten Erleben dieser Ohnmacht geht dasjenige hervor, was uns Unsicherheit über Wesen und Schicksal unseres Geistes gibt. Und das ist die eine Seite.

[ 3 ] Zwei Beispiele möchte ich herausheben aus alledem, was so in der Seele vorhanden ist, zwei Beispiele, die vielleicht gar nicht einmal zu den allergewöhnlichsten gehören, die aber gerade zeigen können, welche Ecken seines Seelenlebens der Mensch antrifft, wenn er über den Geist sich aufklären will. Wir sehen jeden Tag, wenn wir übergehen aus dem Wachzustande in den Schlafzustand, wie dasjenige, was unsere innere geistige Regsamkeit, unsere innere geistige Tätigkeit ist, wie das sich hinablähmt, hinabdämmert in ein unbestimmtes Dunkel, wie die Zeit des Schlafes eintritt, der gegenüber wir nicht sagen können, was es nun eigentlich ist mit der inneren geistig-seelischen Regsamkeit und Tätigkeit. Da fühlen wir dann — man darf wohl sagen — die Ohnmacht desjenigen, was unsere Geistigkeit ist. Wir leben in dieser Geistigkeit vom Aufwachen bis zum Einschlafen, wir fühlen uns eigentlich so recht als Menschen, wenn wir in dieser Geistigkeit leben, aber wir sehen sie verglimmern, verdämmern und sind eben ohnmächtig gegenüber diesem alltäglich uns Entschwindendem, gegenüber demjenigen, was unser wahrhaft Menschliches ist, und ohne dass wir es auch immer fühlen — wie gesagt —, aus dem unbewussten Erleben dieser Ohnmacht geht dasjenige hervor, was uns Unsicherheit über Wesen und Schicksal unseres Geistes gibt. Und das ist die eine Seite.

[ 4 ] Die andere ist — ich möchte sagen — polarisch entgegengesetzt. Wir erleben sie wieder mehr oder weniger unbewusst — bei den meisten Menschen unbewusst —, wenn wir übergehen von dem Schlafzustande in den Wachzustand, höchstens mit dem Übergang über mehr oder weniger chaotische Träume, von denen wir aber bei gesunder Vernunft wissen, dass sie nur einen illusorischen Wert haben gegenüber dem, was wir im gewöhnlichen Leben die Wirklichkeit des Daseins nennen. Mit diesem Übergang durch das Traumleben nehmen wir mit unserem Geistigen Besitz von unserem Leiblichen. Wenn wir aufwachen; wir ergreifen unsere Sinne, wie die Außenwelt in ihren Farben, in ihren Tönen und so weiter sich in unseren Sinnen spiegelt, das erleben wir innerlich. Wir erleben innerlich, wie wir unsere Willensglieder ergreifen, zu handelnden Menschen dadurch werden. Allein, ich habe es ja schon im letzten Vortrage hier von einem anderen Gesichtspunkte angedeutet, in welches Dunkel schauen wir eigentlich hinunter, wenn wir nur einen einfachen Willensentschluss haben, wenn wir uns vornehmen, den Arm zu erheben, die Hand zu bewegen. Wir haben diesen Gedanken, wir sehen dann, wie dieser Gedanke ausgeführt wird an der Bewegung der Hand, an dem gehobenen Arm, wie aber der Gedanke hinunterströmt in den Organismus, was da an komplizierten Vorgängen vorhanden ist, bis die Hand bewegt wird, das alles entschwindet unserem Bewusstsein. Wir ergreifen beim Aufwachen mit unserem Geiste unseren Organismus, allein was dieser Geist da unten an Erlebnissen hat, das hüllt sich auch während des Wachzustandes in eine völlige Dunkelheit, sodass wir auch in diesem Wachzustande unserer Geistigkeit gegenüber und ihrem Verhältnis zur äußeren Welt — zur äußeren Welt, die wir selbst durch unseren Körper sind — nur ein unbestimmtes Verhältnis haben, das uns Rätsel aufgibt. Während wir empfinden die Ohnmacht des Geistes auf der einen Seite, empfinden wir sie hinuntersinken in unsere eigene innere Finsternis beim Aufwachen. Aus solchen Erlebnissen heraus bilden sich dem Menschen die Rätselfragen über das Wesen der Geistigkeit, und dann stehen zwei — ich möchte sagen — Gegner des Seelenlebens vor dieser geistigen Welt, nach der der Mensch mit seiner Erkenntnis, mit seinem Willen hinstrebt, zwei Feinde, von denen der eine ihm diese geistige Welt trübt, der andere sie ihm zu nehmen droht. Der eine Feind, er trifft gerade diejenigen, welche mehr oder weniger naiv auch noch in unserem heutigen Dasein gegenüber unseren wissenschaftlichen Weltanschauungen dahinleben, manches Traditionelle ungeprüft in ihre Weltanschauung aufnehmen als ihre Vorstellungen, oftmals als die ärgsten Illusionen über das Übersinnliche, über das Geistige, weil sie eben fühlen, dass sie ohne solche Vorstellungen über das Geistige eigentlich nicht wahrhaft seelisch gesund leben können. Da geben sie sich dann hin demjenigen, was von dem einen Feind des Seelenlebens kommt, von dem Aberglauben. Aus dem menschlichen Willensleben strömen allerlei Seelengebilde, die sich hinstellen vor den Menschengeist, die ihm sagen wollen, was als Geistiges der äußeren Welt zugrunde liegt. Derjenige, der nicht kennengelernt hat die wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit und Methodik der Gegenwart, er gibt sich sehr leicht solchen Vorstellungen hin, aber er erlebt auch eine traurige Folge des Aberglaubens in der menschlichen Seele. Wenn wir die Welt so auffassen, dass wir dasjenige, was durch unseren Willen in unser Bewusstsein heraufströmt, als maßgebend für das Übersinnliche annehmen, dann treten wir hin; wir wollen die äußere Welt erkennen. An allen Ecken und Enden finden wir Hindernisse, um uns in der äußeren Welt zu orientieren. Wir glauben, dass dieses oder jenes gelten muss in der Sinnenwelt, weil wir es annehmen durch unseren Aberglauben. Die äußere Natur bewahrheitet uns das auf Schritt und Tritt nicht, was wir voraussetzen in unserem abergläubischen Erleben. Dadurch kommen wir in eine gewisse Umorientierung hinein gegenüber dieser Außenwelt. Die Welt erscheint uns anders, als wir sie vorstellen. Wir werden unsicher in uns selbst, und weil wir unsicher in uns selbst werden, verlieren wir die Fähigkeit, starke Impulse für unser Handeln auszubilden. Wir werden untauglich auch für unser eigenes Handeln, wir werden untauglich für den Verkehr mit andern Menschen.

[ 4 ] Die andere ist — ich möchte sagen — polarisch entgegengesetzt. Wir erleben sie wieder mehr oder weniger unbewusst — bei den meisten Menschen unbewusst —, wenn wir übergehen von dem Schlafzustande in den Wachzustand, höchstens mit dem Übergang über mehr oder weniger chaotische Träume, von denen wir aber bei gesunder Vernunft wissen, dass sie nur einen illusorischen Wert haben gegenüber dem, was wir im gewöhnlichen Leben die Wirklichkeit des Daseins nennen. Mit diesem Übergang durch das Traumleben nehmen wir mit unserem Geistigen Besitz von unserem Leiblichen. Wenn wir aufwachen; wir ergreifen unsere Sinne, wie die Außenwelt in ihren Farben, in ihren Tönen und so weiter sich in unseren Sinnen spiegelt, das erleben wir innerlich. Wir erleben innerlich, wie wir unsere Willensglieder ergreifen, zu handelnden Menschen dadurch werden. Allein, ich habe es ja schon im letzten Vortrage hier von einem anderen Gesichtspunkte angedeutet, in welches Dunkel schauen wir eigentlich hinunter, wenn wir nur einen einfachen Willensentschluss haben, wenn wir uns vornehmen, den Arm zu erheben, die Hand zu bewegen. Wir haben diesen Gedanken, wir sehen dann, wie dieser Gedanke ausgeführt wird an der Bewegung der Hand, an dem gehobenen Arm, wie aber der Gedanke hinunterströmt in den Organismus, was da an komplizierten Vorgängen vorhanden ist, bis die Hand bewegt wird, das alles entschwindet unserem Bewusstsein. Wir ergreifen beim Aufwachen mit unserem Geiste unseren Organismus, allein was dieser Geist da unten an Erlebnissen hat, das hüllt sich auch während des Wachzustandes in eine völlige Dunkelheit, sodass wir auch in diesem Wachzustande unserer Geistigkeit gegenüber und ihrem Verhältnis zur äußeren Welt — zur äußeren Welt, die wir selbst durch unseren Körper sind — nur ein unbestimmtes Verhältnis haben, das uns Rätsel aufgibt. Während wir empfinden die Ohnmacht des Geistes auf der einen Seite, empfinden wir sie hinuntersinken in unsere eigene innere Finsternis beim Aufwachen. Aus solchen Erlebnissen heraus bilden sich dem Menschen die Rätselfragen über das Wesen der Geistigkeit, und dann stehen zwei — ich möchte sagen — Gegner des Seelenlebens vor dieser geistigen Welt, nach der der Mensch mit seiner Erkenntnis, mit seinem Willen hinstrebt, zwei Feinde, von denen der eine ihm diese geistige Welt trübt, der andere sie ihm zu nehmen droht. Der eine Feind, er trifft gerade diejenigen, welche mehr oder weniger naiv auch noch in unserem heutigen Dasein gegenüber unseren wissenschaftlichen Weltanschauungen dahinleben, manches Traditionelle ungeprüft in ihre Weltanschauung aufnehmen als ihre Vorstellungen, oftmals als die ärgsten Illusionen über das Übersinnliche, über das Geistige, weil sie eben fühlen, dass sie ohne solche Vorstellungen über das Geistige eigentlich nicht wahrhaft seelisch gesund leben können. Da geben sie sich dann hin demjenigen, was von dem einen Feind des Seelenlebens kommt, von dem Aberglauben. Aus dem menschlichen Willensleben strömen allerlei Seelengebilde, die sich hinstellen vor den Menschengeist, die ihm sagen wollen, was als Geistiges der äußeren Welt zugrunde liegt. Derjenige, der nicht kennengelernt hat die wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit und Methodik der Gegenwart, er gibt sich sehr leicht solchen Vorstellungen hin, aber er erlebt auch eine traurige Folge des Aberglaubens in der menschlichen Seele. Wenn wir die Welt so auffassen, dass wir dasjenige, was durch unseren Willen in unser Bewusstsein heraufströmt, als maßgebend für das Übersinnliche annehmen, dann treten wir hin; wir wollen die äußere Welt erkennen. An allen Ecken und Enden finden wir Hindernisse, um uns in der äußeren Welt zu orientieren. Wir glauben, dass dieses oder jenes gelten muss in der Sinnenwelt, weil wir es annehmen durch unseren Aberglauben. Die äußere Natur bewahrheitet uns das auf Schritt und Tritt nicht, was wir voraussetzen in unserem abergläubischen Erleben. Dadurch kommen wir in eine gewisse Umorientierung hinein gegenüber dieser Außenwelt. Die Welt erscheint uns anders, als wir sie vorstellen. Wir werden unsicher in uns selbst, und weil wir unsicher in uns selbst werden, verlieren wir die Fähigkeit, starke Impulse für unser Handeln auszubilden. Wir werden untauglich auch für unser eigenes Handeln, wir werden untauglich für den Verkehr mit andern Menschen.

[ 5 ] Das — meine sehr verehrten Anwesenden — ist der eine Feind, der gegenüber den Rätselfragen der geistigen Welt in der Menschenseele auftritt. Der andere Feind tritt vor allem vor diejenigen Seelen hin, welche sich in der modernen Weise in das wissenschaftliche Leben hineinbegeben. Sie lernen erkennen, wie man in gewissenhafter, methodischer — man möchte sagen — exakter Art das Denken ausbildet, um die Sinneserscheinungen bis zu ihren äußerlichen Gesetzen zu verfolgen, um sie mit Ideen zu durchdringen, durch die sie verständlich werden. Aber man merkt sehr häufig, gerade wenn man in gewissenhafter Art in dieser Weise in die Außenwelt sich hineinlebt, man merkt gerade dann, wie unser Denken durch diesen wissenschaftlichen Weg — ich möchte sagen — dünn wird, wie es nur angemessen wird nach und nach demjenigen, was eben die sinnliche Welt ist, und wie es in seiner Dünnheit gerade durch seine Gewissenhaftigkeit den Weg nicht hinauf finden kann von dem Sinnlichen in das übersinnliche Gebiet. Und dann beschleicht gerade diejenigen, welche in das Wissenschaftliche viel sich hineinbegeben, der Zweifel, der andere Feind des menschlichen Seelenlebens. Der Zweifel ist allerdings etwas, das zusammenhängt mit unserer Verstandes-Entwicklung und Verstandes-Erziehung. Aber wenn sich der Zweifel dem menschlichen Verstande ergibt, dann senkt er sich hinunter in die Seele, er senkt sich hinunter in das Gemüt. Gerade derjenige, welcher von den tieferen Erkenntnissen aus, welche Anthroposophie geben kann, nun den Zusammenhang des Gemütslebens mit dem leiblichen Erleben des Menschen erkennt, der weiß, wie dasjenige, was im Gemüte vorgeht, sich hineingießt in die Leiblichkeit und wie dasjenige — man muss es schon so ausdrücken —, was von dem Zweifel in das Gemütsleben hineinstürmt, wie das in dem Menschen zunächst hervorruft eine gewisse Schwindsucht des Seelenlebens, wie diese Schwindsucht uns — ich möchte sagen — bis ins Mark, bis in die Glieder, bis in die Muskeln hinein schwach machen kann, dass wir gerade durch den Zweifel untüchtig für unsere seelische, für unsere geistige und für unsere leibliche Tätigkeit werden können. Gerade indem das von der einen oder von der anderen Seite der modernen Kulturmenschheit erlebt wird, fühlen sich vielleicht die ärgsten Zweifler gerade gedrängt, Auskunft über das Geistige, über das Übersinnliche zu bekommen, dem sie sich nicht aus dem traditionellen Glauben heraus zuwenden wollen, wie die erste Art von Menschen, die sich dem Aberglauben hingeben. Da sie sich hinwenden wollen durch Erkenntnis dem übersinnlichen Gebiet, werden gerade wissenschaftliche Geister dazu geführt, das abnorme geistige Menschenleben zu studieren, das geistige Leben herabgestimmter Menschen, Medien, Menschen, die allerlei Halluzinationen haben. Man sieht: Etwas anderes geht in dem abnormen Leben vor sich als in dem normalen menschlichen Erkenntnis- und Willensleben, und man glaubt, aus diesem abnormen Leben, das aus dem Mediumismus herauskommt, das aus dem Visionären herauskommt, etwas über menschliche Fähigkeiten und seinen Zusammenhang mit einer anderen Welt in den Bereich des gewöhnlichen Bewusstseins hereinziehen zu können.

[ 5 ] Das — meine sehr verehrten Anwesenden — ist der eine Feind, der gegenüber den Rätselfragen der geistigen Welt in der Menschenseele auftritt. Der andere Feind tritt vor allem vor diejenigen Seelen hin, welche sich in der modernen Weise in das wissenschaftliche Leben hineinbegeben. Sie lernen erkennen, wie man in gewissenhafter, methodischer — man möchte sagen — exakter Art das Denken ausbildet, um die Sinneserscheinungen bis zu ihren äußerlichen Gesetzen zu verfolgen, um sie mit Ideen zu durchdringen, durch die sie verständlich werden. Aber man merkt sehr häufig, gerade wenn man in gewissenhafter Art in dieser Weise in die Außenwelt sich hineinlebt, man merkt gerade dann, wie unser Denken durch diesen wissenschaftlichen Weg — ich möchte sagen — dünn wird, wie es nur angemessen wird nach und nach demjenigen, was eben die sinnliche Welt ist, und wie es in seiner Dünnheit gerade durch seine Gewissenhaftigkeit den Weg nicht hinauf finden kann von dem Sinnlichen in das übersinnliche Gebiet. Und dann beschleicht gerade diejenigen, welche in das Wissenschaftliche viel sich hineinbegeben, der Zweifel, der andere Feind des menschlichen Seelenlebens. Der Zweifel ist allerdings etwas, das zusammenhängt mit unserer Verstandes-Entwicklung und Verstandes-Erziehung. Aber wenn sich der Zweifel dem menschlichen Verstande ergibt, dann senkt er sich hinunter in die Seele, er senkt sich hinunter in das Gemüt. Gerade derjenige, welcher von den tieferen Erkenntnissen aus, welche Anthroposophie geben kann, nun den Zusammenhang des Gemütslebens mit dem leiblichen Erleben des Menschen erkennt, der weiß, wie dasjenige, was im Gemüte vorgeht, sich hineingießt in die Leiblichkeit und wie dasjenige — man muss es schon so ausdrücken —, was von dem Zweifel in das Gemütsleben hineinstürmt, wie das in dem Menschen zunächst hervorruft eine gewisse Schwindsucht des Seelenlebens, wie diese Schwindsucht uns — ich möchte sagen — bis ins Mark, bis in die Glieder, bis in die Muskeln hinein schwach machen kann, dass wir gerade durch den Zweifel untüchtig für unsere seelische, für unsere geistige und für unsere leibliche Tätigkeit werden können. Gerade indem das von der einen oder von der anderen Seite der modernen Kulturmenschheit erlebt wird, fühlen sich vielleicht die ärgsten Zweifler gerade gedrängt, Auskunft über das Geistige, über das Übersinnliche zu bekommen, dem sie sich nicht aus dem traditionellen Glauben heraus zuwenden wollen, wie die erste Art von Menschen, die sich dem Aberglauben hingeben. Da sie sich hinwenden wollen durch Erkenntnis dem übersinnlichen Gebiet, werden gerade wissenschaftliche Geister dazu geführt, das abnorme geistige Menschenleben zu studieren, das geistige Leben herabgestimmter Menschen, Medien, Menschen, die allerlei Halluzinationen haben. Man sieht: Etwas anderes geht in dem abnormen Leben vor sich als in dem normalen menschlichen Erkenntnis- und Willensleben, und man glaubt, aus diesem abnormen Leben, das aus dem Mediumismus herauskommt, das aus dem Visionären herauskommt, etwas über menschliche Fähigkeiten und seinen Zusammenhang mit einer anderen Welt in den Bereich des gewöhnlichen Bewusstseins hereinziehen zu können.

[ 6 ] Gerade derjenige, der auf anthroposophischem Boden steht, weiß, dass alle diese Ausgänge solche von pathologischem Gebiet, vom krankhaften Seelenleben sind. Das Seelenleben ist beim Medium krankhaft, weil sein Leibesleben in dem Momente, wo es eben als Medium wirkt, herabgestimmt sein muss. Diese Herabstimmung, die macht es zugleich unmöglich, dass der Mensch, der medial wirkt, dasjenige, was unmittelbare Erlebnisse seiner Seele sind, selber überschaut. Man kann dann nicht prüfen — auch nicht als äußerer Beobachter, der dann ja seinen gesunden Verstand haben mag, wenn er das Medium beobachtet —, man kann dann nicht darauf kommen, was eigentlich für eine Beziehung des Menschen, des Mediums, zu einer anderen Welt vorhanden ist, wenn man nicht darinnensteckt in diesem Erleben. Das Medium ist ja gerade herausgehoben, es ist mit seinem gesunden Menschenverstande abgelenkt von dem, was es uns in seinen medialen Zuständen darlebt. Immer können wir, wenn der Mensch zu Halluzinationen kommt, zeigen, wie diese Wurzeln in einem krankhaften Gebiete der menschlichen Leiblichkeit, und wie dasjenige, was da als andere Erlebnisse auftritt in der Seele, eben nur da sein kann aus diesem erkrankten Teile der menschlichen Organisation. So haben wir auch da nicht die Möglichkeit, jenen Übergang zu finden, den wir ja gerade suchen, von dem gesunden menschlichen Seelenleben zu einer Erkenntnis des übersinnlichen, des geistigen Gebietes. Denn überall fehlt, bei jedem Schritt fehlt die Kontrolle, wenn wir uns an das kranke Seelenleben wenden. Und so fühlen doch wiederum die meisten unserer Zeitgenossen, wenn es sich für sie um das Übersinnliche, um das Geistige handelt, sich gedrängt, an altehrwürdige überlieferte Vorstellungen sich zu halten, an dasjenige, was aus früheren Menschheitsepochen als Bekenntnisinhalte, als Weltanschaungsinhalte in unsere Zeit herauf sich entwickelt hat.

[ 6 ] Gerade derjenige, der auf anthroposophischem Boden steht, weiß, dass alle diese Ausgänge solche von pathologischem Gebiet, vom krankhaften Seelenleben sind. Das Seelenleben ist beim Medium krankhaft, weil sein Leibesleben in dem Momente, wo es eben als Medium wirkt, herabgestimmt sein muss. Diese Herabstimmung, die macht es zugleich unmöglich, dass der Mensch, der medial wirkt, dasjenige, was unmittelbare Erlebnisse seiner Seele sind, selber überschaut. Man kann dann nicht prüfen — auch nicht als äußerer Beobachter, der dann ja seinen gesunden Verstand haben mag, wenn er das Medium beobachtet —, man kann dann nicht darauf kommen, was eigentlich für eine Beziehung des Menschen, des Mediums, zu einer anderen Welt vorhanden ist, wenn man nicht darinnensteckt in diesem Erleben. Das Medium ist ja gerade herausgehoben, es ist mit seinem gesunden Menschenverstande abgelenkt von dem, was es uns in seinen medialen Zuständen darlebt. Immer können wir, wenn der Mensch zu Halluzinationen kommt, zeigen, wie diese Wurzeln in einem krankhaften Gebiete der menschlichen Leiblichkeit, und wie dasjenige, was da als andere Erlebnisse auftritt in der Seele, eben nur da sein kann aus diesem erkrankten Teile der menschlichen Organisation. So haben wir auch da nicht die Möglichkeit, jenen Übergang zu finden, den wir ja gerade suchen, von dem gesunden menschlichen Seelenleben zu einer Erkenntnis des übersinnlichen, des geistigen Gebietes. Denn überall fehlt, bei jedem Schritt fehlt die Kontrolle, wenn wir uns an das kranke Seelenleben wenden. Und so fühlen doch wiederum die meisten unserer Zeitgenossen, wenn es sich für sie um das Übersinnliche, um das Geistige handelt, sich gedrängt, an altehrwürdige überlieferte Vorstellungen sich zu halten, an dasjenige, was aus früheren Menschheitsepochen als Bekenntnisinhalte, als Weltanschaungsinhalte in unsere Zeit herauf sich entwickelt hat.

[ 7 ] Man neigt dann zu diesen Weltanschauungsinhalten, die bis in unsere Philosophien hineingehen — die Menschen glauben gar nicht, wie das selbst in den Philosophien der Fall ist, die von manchem so starken Denker für vorurteilslos gehalten werden, das sie aber nicht sind —, man hält sich, wie sie sagen, mit dem Glauben an dasjenige, was sie mit dem Wissen, mit der Erkenntnis nicht erreichen können. Und man ist ja heute schon so weit gekommen, alle möglichen künstlichen Begriffe zu konstruieren, um den Glauben zu rechtfertigen als etwas, das da selbstständig stehen muss gegenüber der Erkenntnis, gegenüber dem Wissen, das sich nur auf unser Sinnliches oder dergleichen richten soll, während allein der Glaube sich richten dürfe auf das Übersinnliche. Man nimmt aber wieder dieses Übersinnliche aus dem, was traditionell überliefert ist und was in den Menschen hineinwirkt mit der Stärke, mit der das oftmals auch heute der Fall ist, durch sein ehrwürdiges Alter. Sieht man aber unbefangen hin auf dasjenige, was der Mensch in Bekenntnissen, in Weltanschauungen, die geschichtlich überliefert sind, was er in ihnen hat, kann man das verfolgen in richtiger Geschichte — nicht in der Geschichte bloß, die heute anerkannt ist, sondern in einer von Psychologie, von Seelenkunde durchdrungenen Geschichte —, dann kommt man zu älteren Epochen der Menschheitsgeschichte. Da sieht man, dass dasjenige, an das man heute glauben will, das man hinnimmt, als Idee hinnimmt in seinem Wirken auf die Empfindungswelt, dass das in älteren Epochen der Menschheit ehemals durchaus hervorgegangen ist aus Erkenntnissen, die der einzelne Mensch aus seinem Wissensbedürfnisse heraus auf Wegen, die ihn in das Übersinnliche hineinleiten sollten, sich errungen hat. Alles, was heute irgendwo als Glaubensinhalt gerechtfertigt ist, geht nämlich in Wirklichkeit zurück auf alte Erkenntnisinhalte.

[ 7 ] Man neigt dann zu diesen Weltanschauungsinhalten, die bis in unsere Philosophien hineingehen — die Menschen glauben gar nicht, wie das selbst in den Philosophien der Fall ist, die von manchem so starken Denker für vorurteilslos gehalten werden, das sie aber nicht sind —, man hält sich, wie sie sagen, mit dem Glauben an dasjenige, was sie mit dem Wissen, mit der Erkenntnis nicht erreichen können. Und man ist ja heute schon so weit gekommen, alle möglichen künstlichen Begriffe zu konstruieren, um den Glauben zu rechtfertigen als etwas, das da selbstständig stehen muss gegenüber der Erkenntnis, gegenüber dem Wissen, das sich nur auf unser Sinnliches oder dergleichen richten soll, während allein der Glaube sich richten dürfe auf das Übersinnliche. Man nimmt aber wieder dieses Übersinnliche aus dem, was traditionell überliefert ist und was in den Menschen hineinwirkt mit der Stärke, mit der das oftmals auch heute der Fall ist, durch sein ehrwürdiges Alter. Sieht man aber unbefangen hin auf dasjenige, was der Mensch in Bekenntnissen, in Weltanschauungen, die geschichtlich überliefert sind, was er in ihnen hat, kann man das verfolgen in richtiger Geschichte — nicht in der Geschichte bloß, die heute anerkannt ist, sondern in einer von Psychologie, von Seelenkunde durchdrungenen Geschichte —, dann kommt man zu älteren Epochen der Menschheitsgeschichte. Da sieht man, dass dasjenige, an das man heute glauben will, das man hinnimmt, als Idee hinnimmt in seinem Wirken auf die Empfindungswelt, dass das in älteren Epochen der Menschheit ehemals durchaus hervorgegangen ist aus Erkenntnissen, die der einzelne Mensch aus seinem Wissensbedürfnisse heraus auf Wegen, die ihn in das Übersinnliche hineinleiten sollten, sich errungen hat. Alles, was heute irgendwo als Glaubensinhalt gerechtfertigt ist, geht nämlich in Wirklichkeit zurück auf alte Erkenntnisinhalte.

[ 8 ] Irgendeinmal hat ein Mensch oder hat die Gemeinde dieses Menschen auf besonderen inneren Seelenwegen sich hinaufgefunden in die übersinnliche Welt, aus dieser übersinnlichen Welt Vorstellungen empfangen, sie aufgefasst mit dem gewöhnlichen Bewusstsein und den Mitmenschen überliefert. Die Mitmenschen haben erkannt, dass man auf solchen Erkenntniswegen etwas erkunden könne über die übersinnliche Welt. Primitiv gegenüber dem, was heute da sein muss an solchen Erkenntniswegen für uns Menschen, mögen solche frühere Erkenntniswege sein. Aber es geht nicht an für den wirklich unbefangenen Menschen, dass man das übersieht, dass man nicht darauf hinschauen kann, wie die Glaubensvorstellungen der heutigen Zeit eben auf solche alten Erkenntniswege zurückgehen, deren Erkenntnisquelle man nur vergessen hat. Und erkundet man sie, manchmal durch äußere Geschichte, durch irgendwelche Dokumente, dann fühlt man sich beunruhigt, weil man sich solchen Erkenntnisquellen nicht mehr hingibt; man sagt: Das taugt für eine frühere Zivilisation und Kultur. Ja, aber — meine sehr verehrten Anwesenden — man glaubt heute dasjenige, was aus diesen Erkenntnisquellen stammt, man hat es nur in Begriffen irgendwie verändert, seinem wahren Inhalte nach geht es auf solche Quellen zurück.

[ 8 ] Irgendeinmal hat ein Mensch oder hat die Gemeinde dieses Menschen auf besonderen inneren Seelenwegen sich hinaufgefunden in die übersinnliche Welt, aus dieser übersinnlichen Welt Vorstellungen empfangen, sie aufgefasst mit dem gewöhnlichen Bewusstsein und den Mitmenschen überliefert. Die Mitmenschen haben erkannt, dass man auf solchen Erkenntniswegen etwas erkunden könne über die übersinnliche Welt. Primitiv gegenüber dem, was heute da sein muss an solchen Erkenntniswegen für uns Menschen, mögen solche frühere Erkenntniswege sein. Aber es geht nicht an für den wirklich unbefangenen Menschen, dass man das übersieht, dass man nicht darauf hinschauen kann, wie die Glaubensvorstellungen der heutigen Zeit eben auf solche alten Erkenntniswege zurückgehen, deren Erkenntnisquelle man nur vergessen hat. Und erkundet man sie, manchmal durch äußere Geschichte, durch irgendwelche Dokumente, dann fühlt man sich beunruhigt, weil man sich solchen Erkenntnisquellen nicht mehr hingibt; man sagt: Das taugt für eine frühere Zivilisation und Kultur. Ja, aber — meine sehr verehrten Anwesenden — man glaubt heute dasjenige, was aus diesen Erkenntnisquellen stammt, man hat es nur in Begriffen irgendwie verändert, seinem wahren Inhalte nach geht es auf solche Quellen zurück.

[ 9 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, Anthroposophie, wie ich sie meine, liefert den Menschen einen Erkenntnisweg in die übersinnliche Welt, und wir werden von diesem anthroposophischen Erkenntnisweg noch zu sprechen haben, wie er dem heutigen Menschen angemessen ist. Aber wir werden uns heute leichter verständigen können, wenn wir auf ältere Erkenntniswege eingehen, von denen ich in meinem letzten Vortrage andeutend gesprochen habe, deren Ergebnisse heute dem naiven und oftmals auch gelehrten Menschen vorliegen, wenn er über das Übersinnliche etwas glaubt.

[ 9 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, Anthroposophie, wie ich sie meine, liefert den Menschen einen Erkenntnisweg in die übersinnliche Welt, und wir werden von diesem anthroposophischen Erkenntnisweg noch zu sprechen haben, wie er dem heutigen Menschen angemessen ist. Aber wir werden uns heute leichter verständigen können, wenn wir auf ältere Erkenntniswege eingehen, von denen ich in meinem letzten Vortrage andeutend gesprochen habe, deren Ergebnisse heute dem naiven und oftmals auch gelehrten Menschen vorliegen, wenn er über das Übersinnliche etwas glaubt.

[ 10 ] Ich möchte zwei der alten Erkenntniswege hier vor Ihnen charakterisieren. Es gibt wiederum die Möglichkeit, unzählige andere solcher Erkenntniswege zu charakterisieren, aber ich will zwei herausgreifen, weil sie ganz besonders charakteristisch sind, und weil man im weitesten Umfange vergessen hat, wie viel von demjenigen, was heute der Mensch aufnimmt an Glaubensvorstellungen, herrührt gerade aus diesen Quellen.

[ 10 ] Ich möchte zwei der alten Erkenntniswege hier vor Ihnen charakterisieren. Es gibt wiederum die Möglichkeit, unzählige andere solcher Erkenntniswege zu charakterisieren, aber ich will zwei herausgreifen, weil sie ganz besonders charakteristisch sind, und weil man im weitesten Umfange vergessen hat, wie viel von demjenigen, was heute der Mensch aufnimmt an Glaubensvorstellungen, herrührt gerade aus diesen Quellen.

[ 11 ] Ich möchte anführen zunächst — wie gesagt, nur dass wir uns verständigen, nicht weil ich irgendjemandem anempfehlen möchte einen solchen Erkenntnisweg, aber an dem Verständnis des Alten können wir uns hinaufranken zur Erkenntnis des Neuen —, ich möchte erwähnen zunächst denjenigen Weg, der ja bekannt ist, jener Weg, der im alten Indien gegangen worden ist, um zur Erkenntnis einer anderen Welt zu gelangen, als diejenige ist, die gewöhnlich den Menschen umgibt.

[ 11 ] Ich möchte anführen zunächst — wie gesagt, nur dass wir uns verständigen, nicht weil ich irgendjemandem anempfehlen möchte einen solchen Erkenntnisweg, aber an dem Verständnis des Alten können wir uns hinaufranken zur Erkenntnis des Neuen —, ich möchte erwähnen zunächst denjenigen Weg, der ja bekannt ist, jener Weg, der im alten Indien gegangen worden ist, um zur Erkenntnis einer anderen Welt zu gelangen, als diejenige ist, die gewöhnlich den Menschen umgibt.

[ 12 ] Ich möchte zuerst charakterisieren dasjenige, was man das uralte, im Oriente einstmals heilige, jetzt aber in Verderbnis übergegangene Yoga-Erkenntnissystem nennt. Das Yoga-Erkenntnissystem, das führt — ich möchte sagen — zu seiner Art Gelehrsamkeit, zu seiner Art Erkenntnis einer anderen Welt. Worin bestand das Wesentliche dieses Yoga-Systems? Ich möchte die Eigenschaft anführen, die heute, wenn sie ausgeführt wird, bedenklich ist — damals war sie nicht bedenklich, aber so, wie sie heute ausgeführt wird, ist sie bedenklich —, weil sie nicht mehr der heutigen menschlichen Natur angemessen ist, weil sich die menschliche Natur verändert hat seit den Zeiten, in denen die Yoga-Übung ausgeführt worden ist. Dasjenige, was dazumalen durchaus ohne Schädigung der Menschennatur vollzogen werden konnte, und in uralten Zeiten — sagen wir — des Indertums vollzogen wurde, das kann heute insbesondere von dem westlichen Menschen ohne Schädigung seines Leibes und seines Geistes eben nicht vollzogen werden. Aber wir wollen uns daran verständigen. Das Wesentliche und rein Wesentliche neben anderem an dem Yoga-Üben ist ein verändertes Atmen neben dem gewöhnlichen alltäglichen Atmen des Menschen.

[ 12 ] Ich möchte zuerst charakterisieren dasjenige, was man das uralte, im Oriente einstmals heilige, jetzt aber in Verderbnis übergegangene Yoga-Erkenntnissystem nennt. Das Yoga-Erkenntnissystem, das führt — ich möchte sagen — zu seiner Art Gelehrsamkeit, zu seiner Art Erkenntnis einer anderen Welt. Worin bestand das Wesentliche dieses Yoga-Systems? Ich möchte die Eigenschaft anführen, die heute, wenn sie ausgeführt wird, bedenklich ist — damals war sie nicht bedenklich, aber so, wie sie heute ausgeführt wird, ist sie bedenklich —, weil sie nicht mehr der heutigen menschlichen Natur angemessen ist, weil sich die menschliche Natur verändert hat seit den Zeiten, in denen die Yoga-Übung ausgeführt worden ist. Dasjenige, was dazumalen durchaus ohne Schädigung der Menschennatur vollzogen werden konnte, und in uralten Zeiten — sagen wir — des Indertums vollzogen wurde, das kann heute insbesondere von dem westlichen Menschen ohne Schädigung seines Leibes und seines Geistes eben nicht vollzogen werden. Aber wir wollen uns daran verständigen. Das Wesentliche und rein Wesentliche neben anderem an dem Yoga-Üben ist ein verändertes Atmen neben dem gewöhnlichen alltäglichen Atmen des Menschen.

[ 13 ] Wie verläuft doch dieser alltägliche Atmungsprozess? Mehr oder weniger unbewusst. Nur wenn wir irgendwie von Krankheiten befallen sind, werden wir uns unseres Atmens bewusst. Sonst gehen im höchsten Maße unbewusst vor sich Einatmen, Atem-Halten, Ausatmen. Und gerade auf dieser Unbewusstheit von Einatmen, AtemHalten, Ausatmen beruht die unbefangene Selbstverständlichkeit unseres Lebens. Derjenige, der glaubte im alten Oriente, dass er ein Yoga-Gelehrter werden könnte, der bildete für gewisse Zeiten ein Atmen aus, das er anders regelte, als die Natur selber das selbstverständliche menschliche Atmen regelt. Er bildete einen anderen Rhythmus für Einatmen, Atem-Halten, Ausatmen. Wozu gelangte er dadurch? Er gelangte dadurch dazu, während man sonst unbewusst atmete, mehr oder weniger vollbewusst zu atmen, das Atmen als einen vollbewussten Prozess zu erleben. Das geht in mir vor, indem ich einatme, das geht während der Einatmungströmung in mir durch den ganzen Organismus vor, das geht während des Atem-Haltens in mir vor, das während des Ausatmens. Insbesondere richtete der Yogi seine Aufmerksamkeit auf dasjenige, was sich nun ergab aus diesem veränderten, ins Bewusstsein erhobenen Atmungsprozess für sein Denken. Für sein Denken, was ergab sich denn da? Nun, wir können es im modernen Sinn physiologisch charakterisieren, was da geschah. Dasjenige, was unbewusst sich vollzieht beim Atmungsprozess, was ist es denn in Bezug auf die menschliche Hauptesorganisation, auf die Gedankenorganisation? Wir atmen ein, der Atmungsstoß geht in unseren Organismus hinein, wirkt durch den Rückenmarkskanal herauf auf unser Gehirn, auf das Werkzeug unseres Denkens, das eine gewisse Tätigkeit vollbringt aus dem Nervensinnesleben heraus, sodass in dieser Tätigkeit etwas durchströmt von dem Atmungsstrom. In Wirklichkeit haben wir es nicht bloß zu tun in unserem Gedankenleben mit demjenigen, was Tätigkeit unseres Nervensinneslebens ist, sondern dieses Nervensinnesleben wird durchwellt und durchwallt von dem rhythmischen Leben des Atmungsstromes. Davon wissen wir aber nichts. Dieses Durchströmen des physischen Teiles seiner Gedankentätigkeit mit dem Atmungsstrom, dieses Durchströmen, das brachte sich der Yogi, der zur höheren Erkenntnis aufstrebte, zum Bewusstsein. Was erlangte er da? Was er da erlangte, können wir nur begreifen, wenn wir vergleichen dasjenige, was so der Yogi erlebte in seinem Bewusstsein mit Bezug auf das Denken, wenn wir das vergleichen mit dem, was seine ganze Umgebung, die übrige Menschheit erlebte.

[ 13 ] Wie verläuft doch dieser alltägliche Atmungsprozess? Mehr oder weniger unbewusst. Nur wenn wir irgendwie von Krankheiten befallen sind, werden wir uns unseres Atmens bewusst. Sonst gehen im höchsten Maße unbewusst vor sich Einatmen, Atem-Halten, Ausatmen. Und gerade auf dieser Unbewusstheit von Einatmen, AtemHalten, Ausatmen beruht die unbefangene Selbstverständlichkeit unseres Lebens. Derjenige, der glaubte im alten Oriente, dass er ein Yoga-Gelehrter werden könnte, der bildete für gewisse Zeiten ein Atmen aus, das er anders regelte, als die Natur selber das selbstverständliche menschliche Atmen regelt. Er bildete einen anderen Rhythmus für Einatmen, Atem-Halten, Ausatmen. Wozu gelangte er dadurch? Er gelangte dadurch dazu, während man sonst unbewusst atmete, mehr oder weniger vollbewusst zu atmen, das Atmen als einen vollbewussten Prozess zu erleben. Das geht in mir vor, indem ich einatme, das geht während der Einatmungströmung in mir durch den ganzen Organismus vor, das geht während des Atem-Haltens in mir vor, das während des Ausatmens. Insbesondere richtete der Yogi seine Aufmerksamkeit auf dasjenige, was sich nun ergab aus diesem veränderten, ins Bewusstsein erhobenen Atmungsprozess für sein Denken. Für sein Denken, was ergab sich denn da? Nun, wir können es im modernen Sinn physiologisch charakterisieren, was da geschah. Dasjenige, was unbewusst sich vollzieht beim Atmungsprozess, was ist es denn in Bezug auf die menschliche Hauptesorganisation, auf die Gedankenorganisation? Wir atmen ein, der Atmungsstoß geht in unseren Organismus hinein, wirkt durch den Rückenmarkskanal herauf auf unser Gehirn, auf das Werkzeug unseres Denkens, das eine gewisse Tätigkeit vollbringt aus dem Nervensinnesleben heraus, sodass in dieser Tätigkeit etwas durchströmt von dem Atmungsstrom. In Wirklichkeit haben wir es nicht bloß zu tun in unserem Gedankenleben mit demjenigen, was Tätigkeit unseres Nervensinneslebens ist, sondern dieses Nervensinnesleben wird durchwellt und durchwallt von dem rhythmischen Leben des Atmungsstromes. Davon wissen wir aber nichts. Dieses Durchströmen des physischen Teiles seiner Gedankentätigkeit mit dem Atmungsstrom, dieses Durchströmen, das brachte sich der Yogi, der zur höheren Erkenntnis aufstrebte, zum Bewusstsein. Was erlangte er da? Was er da erlangte, können wir nur begreifen, wenn wir vergleichen dasjenige, was so der Yogi erlebte in seinem Bewusstsein mit Bezug auf das Denken, wenn wir das vergleichen mit dem, was seine ganze Umgebung, die übrige Menschheit erlebte.

[ 14 ] Ja — meine sehr verehrten Anwesenden —, mehr, als man heute glaubt, hat sich die Menschheit in Bezug auf ihr Seelenleben im Laufe der geschichtlichen Entwicklung verändert. Das, was heute — ich möchte sagen — unser ganzes Bewusstseinsheil ausmacht, das war in alten Zeiten ganz anders. Wir sehen heute in die Außenwelt hinein, indem wir — ich möchte sagen — in reinlicher Art die Farben durch den Sinn unseres Auges aufnehmen, wir hören durch den Sinn des Ohres die Außenwelt, nehmen die Töne in einer gewissen Reinheit auf, und ebenso ist es mit den anderen Sinnesempfindungen. So war es nicht in alten Zeiten der Menschheit. Wir begreifen die Sinne der älteren Menschheit nicht, wenn wir sagen, sie hätten sich phantastisch, wie es der Animismus möchte, in die Welt hineingeträumt. So war es nicht. Die älteren Menschen erlebten wie selbstverständlich dasjenige in sich aufstreben, was als ein lebendiges Geistig-Seelisches in der Außenwelt war, und indem sie hinschauten auf Blitz und Donner, auf die eilenden Wolken, auf den strömenden Wind, auf Quellen, Pflanzen und Tiere, auf alles dasjenige, was den Menschen in der äußeren Natur umgab, sahen sie nicht nur wie wir heute eine farbige, warme, kalte oder sonst wie sinnlich geartete Welt. Nein, sie sahen eine Welt, in der jeder Quell durchzogen war vom Geistig-Seelischen, in jedem Windhauch, der sie umspielte, in den Sternen, in Sonne und Mond fühlten sie, wie sich ausdrückte Geistig-Seelisches. Es war den Menschen ebenso natürlich, dieses Geistig-Seelische zu sehen, wie uns es natürlich ist, die Farben zu sehen, die Töne zu hören. So war das gewöhnliche Erleben für die Menschheit, die die Umgebung des Yogi bildete. Der Yogi wollte eine andere Welt als diese gewöhnlich erlebte. Deshalb unternahm er die Übungen, die ich eben geschildert habe, und indem er durch diese Übungen — ich möchte sagen — den bewussten Atemstrom durch sein Denken trieb, machte er aus seinem Denken etwas ganz anderes.

[ 14 ] Ja — meine sehr verehrten Anwesenden —, mehr, als man heute glaubt, hat sich die Menschheit in Bezug auf ihr Seelenleben im Laufe der geschichtlichen Entwicklung verändert. Das, was heute — ich möchte sagen — unser ganzes Bewusstseinsheil ausmacht, das war in alten Zeiten ganz anders. Wir sehen heute in die Außenwelt hinein, indem wir — ich möchte sagen — in reinlicher Art die Farben durch den Sinn unseres Auges aufnehmen, wir hören durch den Sinn des Ohres die Außenwelt, nehmen die Töne in einer gewissen Reinheit auf, und ebenso ist es mit den anderen Sinnesempfindungen. So war es nicht in alten Zeiten der Menschheit. Wir begreifen die Sinne der älteren Menschheit nicht, wenn wir sagen, sie hätten sich phantastisch, wie es der Animismus möchte, in die Welt hineingeträumt. So war es nicht. Die älteren Menschen erlebten wie selbstverständlich dasjenige in sich aufstreben, was als ein lebendiges Geistig-Seelisches in der Außenwelt war, und indem sie hinschauten auf Blitz und Donner, auf die eilenden Wolken, auf den strömenden Wind, auf Quellen, Pflanzen und Tiere, auf alles dasjenige, was den Menschen in der äußeren Natur umgab, sahen sie nicht nur wie wir heute eine farbige, warme, kalte oder sonst wie sinnlich geartete Welt. Nein, sie sahen eine Welt, in der jeder Quell durchzogen war vom Geistig-Seelischen, in jedem Windhauch, der sie umspielte, in den Sternen, in Sonne und Mond fühlten sie, wie sich ausdrückte Geistig-Seelisches. Es war den Menschen ebenso natürlich, dieses Geistig-Seelische zu sehen, wie uns es natürlich ist, die Farben zu sehen, die Töne zu hören. So war das gewöhnliche Erleben für die Menschheit, die die Umgebung des Yogi bildete. Der Yogi wollte eine andere Welt als diese gewöhnlich erlebte. Deshalb unternahm er die Übungen, die ich eben geschildert habe, und indem er durch diese Übungen — ich möchte sagen — den bewussten Atemstrom durch sein Denken trieb, machte er aus seinem Denken etwas ganz anderes.

[ 15 ] Ja, der Mensch, der in dieser eben geschilderten Weise sich hineinlebte, indem er in jeder Quelle, in jedem Windhauch, in allem, was Natur ist, ein Geistig-Seelisches sah, er hatte nicht jenes starke Ich, jenes starke Selbstbewusstsein, das der gegenwärtige Mensch hat, er konnte nicht das starke Geistige in dem eigenen Selbst empfinden, er strömte in seiner Wesenheit gewissermaßen zusammen mit der Außenwelt, die ihm ein Geistiges war, wie sein Inneres ihm ein Geistiges war. Wenn aber dann der Yogi in dieser Weise atmend sein Denken umgestaltete, dann war sein Erlebnis dieses, dass er gerade eine unserer Anschauung ähnliche Anschauung, aber auf diesem Erkenntnisweg erlangte; er machte sein Denken stark, er führte es in die Abstraktheit hinein. Dadurch nahm er die Geistigkeit des eigenen Selbst wahr. Und er fühlte dieses Selbst wurzeln in einer anderen Welt noch, in einer Welt, die ewig ist.

[ 15 ] Ja, der Mensch, der in dieser eben geschilderten Weise sich hineinlebte, indem er in jeder Quelle, in jedem Windhauch, in allem, was Natur ist, ein Geistig-Seelisches sah, er hatte nicht jenes starke Ich, jenes starke Selbstbewusstsein, das der gegenwärtige Mensch hat, er konnte nicht das starke Geistige in dem eigenen Selbst empfinden, er strömte in seiner Wesenheit gewissermaßen zusammen mit der Außenwelt, die ihm ein Geistiges war, wie sein Inneres ihm ein Geistiges war. Wenn aber dann der Yogi in dieser Weise atmend sein Denken umgestaltete, dann war sein Erlebnis dieses, dass er gerade eine unserer Anschauung ähnliche Anschauung, aber auf diesem Erkenntnisweg erlangte; er machte sein Denken stark, er führte es in die Abstraktheit hinein. Dadurch nahm er die Geistigkeit des eigenen Selbst wahr. Und er fühlte dieses Selbst wurzeln in einer anderen Welt noch, in einer Welt, die ewig ist.

[ 16 ] Und all das Herrliche, das in älteren Zeiten über die geistige Welt gesagt worden ist, es wurde gesagt aus dem Erlebnisse heraus, dass der Mensch auf die geschilderte Weise zu dem Selbst, zu dem Ich hinkam, dass er sein Ich als seine ewige Geistigkeit verbunden mit der Allgeistigkeit der Welt fühlte. Und man lese nach die schönsten Kapitel in der wunderbaren Dichtung der Bhagavad Gita, man lese nach, wie da in einer so herrlichen Weise geschildert wird, wie der Mensch zu seinem Selbst und zum Erleben der geistigen Welt kommt, und man wird sich hineinversetzt fühlen in die besondere Artung des Geistesweges dieser alten Zeiten. Vieles von dem, was auf diese Weise über das menschliche Selbst, über die menschliche Geistigkeit und ihr Verhältnis zur Weltgeistigkeit sich dem Menschen geoffenbart hat, das lebt vielfach in den heutigen traditionellen Glaubensbekenntnissen, in den heutigen traditionellen Weltanschauungen, ja sogar in den Philosophien, von denen man glaubt, dass man ohne Vorurteil zu ihnen komme. Die Menschen wissen es nicht, wie viel in dem, dem sie sich hingeben in ihrem Autoritätsglauben, übernommen ist von solchen Erlebnissen, die der alte Yogi durchmachte.

[ 16 ] Und all das Herrliche, das in älteren Zeiten über die geistige Welt gesagt worden ist, es wurde gesagt aus dem Erlebnisse heraus, dass der Mensch auf die geschilderte Weise zu dem Selbst, zu dem Ich hinkam, dass er sein Ich als seine ewige Geistigkeit verbunden mit der Allgeistigkeit der Welt fühlte. Und man lese nach die schönsten Kapitel in der wunderbaren Dichtung der Bhagavad Gita, man lese nach, wie da in einer so herrlichen Weise geschildert wird, wie der Mensch zu seinem Selbst und zum Erleben der geistigen Welt kommt, und man wird sich hineinversetzt fühlen in die besondere Artung des Geistesweges dieser alten Zeiten. Vieles von dem, was auf diese Weise über das menschliche Selbst, über die menschliche Geistigkeit und ihr Verhältnis zur Weltgeistigkeit sich dem Menschen geoffenbart hat, das lebt vielfach in den heutigen traditionellen Glaubensbekenntnissen, in den heutigen traditionellen Weltanschauungen, ja sogar in den Philosophien, von denen man glaubt, dass man ohne Vorurteil zu ihnen komme. Die Menschen wissen es nicht, wie viel in dem, dem sie sich hingeben in ihrem Autoritätsglauben, übernommen ist von solchen Erlebnissen, die der alte Yogi durchmachte.

[ 17 ] Diejenigen, die sich heute aufklären wollen über den Sinn des heutigen Yoga-Systems, sie kommen gewöhnlich zu etwas Falschem, und sie glauben, dass sie durch die Anwendung einer solchen Methode heute noch zu etwas Besonderem kommen können. Das ist nicht der Fall. Die Menschen werden sich schädigen, seelisch und leiblich, wenn sie wiederum erstehen lassen wollen auf ihrem Erkenntniswege dasjenige, was einer alten Menschheit angemessen war, Aber auch über dasjenige, was dem heutigen Menschen notwendig ist zur höheren Erkenntnis — und was wir nachher besprechen wollen, auch [um] uns über das [zu] verständigen —, kann eine solche Charakteristik alter, heute nicht mehr tauglicher Erkenntniswege dienen. Ich möchte sagen, wiederum das Entgegengesetzte enthüllt sich uns als Beispiel, indem wir hinblicken auf einen älteren Erkenntnisweg, auf denjenigen, der in der Askese gegangen worden ist, ein Erkenntnisweg, den wir heute nicht mehr gehen können.

[ 17 ] Diejenigen, die sich heute aufklären wollen über den Sinn des heutigen Yoga-Systems, sie kommen gewöhnlich zu etwas Falschem, und sie glauben, dass sie durch die Anwendung einer solchen Methode heute noch zu etwas Besonderem kommen können. Das ist nicht der Fall. Die Menschen werden sich schädigen, seelisch und leiblich, wenn sie wiederum erstehen lassen wollen auf ihrem Erkenntniswege dasjenige, was einer alten Menschheit angemessen war, Aber auch über dasjenige, was dem heutigen Menschen notwendig ist zur höheren Erkenntnis — und was wir nachher besprechen wollen, auch [um] uns über das [zu] verständigen —, kann eine solche Charakteristik alter, heute nicht mehr tauglicher Erkenntniswege dienen. Ich möchte sagen, wiederum das Entgegengesetzte enthüllt sich uns als Beispiel, indem wir hinblicken auf einen älteren Erkenntnisweg, auf denjenigen, der in der Askese gegangen worden ist, ein Erkenntnisweg, den wir heute nicht mehr gehen können.

[ 18 ] Wir können nicht den Yoga-Weg haben. Den YogaWeg, wir können ihn aus dem Grunde nicht gehen, weil derjenige, der in der geschilderten Weise sich in sein Atmen hineinlebt, und dann in das [von] Atmung durchströmte Denken hineinlebt, weil der in einem so hohen Grade sensitiv wird, dass er die robuste äußere Welt nicht mehr in starkem Maße ertragen kann. Er muss sich wegen dieser seiner Sensitivität zurückziehen von der äußeren Welt, er muss sich einer gewissen Einsamkeit, ja Einsiedelei ergeben. Aber es war eben in den Anschauungen der alten Menschen das, dass sie Weisheit über höhere Welten gerade bei denjenigen suchten, die nicht so erlebten wie sie selbst, sondern die sich absonderten, sich gewissermaßen in die Ecke stellten, um in dieser Einsamkeit hinaufzustreben in die höhere Welt, um zu erkunden dasjenige, was übersinnlich in der menschlichen Natur ist, um es den anderen verkünden zu können. Heute kann der gesunde Mensch kein Verhältnis finden zu Menschennaturen, die in dieser Weise Einsamkeit, Einsiedelei aufsuchen. Das heutige Leben stellt harte Anforderungen, dass wir uns in es hineinfinden in seiner Regsamkeit, und der heutige Mensch kann auch in Bezug auf die Erkenntnis nur zu dem Vertrauen haben, der sich nicht zurückzuziehen braucht vom Leben, sondern der sich so hineinstellt in das Leben wie jeder andere. Daher können wir den Yoga-Weg nicht brauchen. Er würde kein Vertrauen hervorrufen bei demjenigen, der sich selbst versteht innerhalb der modernen Kulturentwicklung.

[ 18 ] Wir können nicht den Yoga-Weg haben. Den YogaWeg, wir können ihn aus dem Grunde nicht gehen, weil derjenige, der in der geschilderten Weise sich in sein Atmen hineinlebt, und dann in das [von] Atmung durchströmte Denken hineinlebt, weil der in einem so hohen Grade sensitiv wird, dass er die robuste äußere Welt nicht mehr in starkem Maße ertragen kann. Er muss sich wegen dieser seiner Sensitivität zurückziehen von der äußeren Welt, er muss sich einer gewissen Einsamkeit, ja Einsiedelei ergeben. Aber es war eben in den Anschauungen der alten Menschen das, dass sie Weisheit über höhere Welten gerade bei denjenigen suchten, die nicht so erlebten wie sie selbst, sondern die sich absonderten, sich gewissermaßen in die Ecke stellten, um in dieser Einsamkeit hinaufzustreben in die höhere Welt, um zu erkunden dasjenige, was übersinnlich in der menschlichen Natur ist, um es den anderen verkünden zu können. Heute kann der gesunde Mensch kein Verhältnis finden zu Menschennaturen, die in dieser Weise Einsamkeit, Einsiedelei aufsuchen. Das heutige Leben stellt harte Anforderungen, dass wir uns in es hineinfinden in seiner Regsamkeit, und der heutige Mensch kann auch in Bezug auf die Erkenntnis nur zu dem Vertrauen haben, der sich nicht zurückzuziehen braucht vom Leben, sondern der sich so hineinstellt in das Leben wie jeder andere. Daher können wir den Yoga-Weg nicht brauchen. Er würde kein Vertrauen hervorrufen bei demjenigen, der sich selbst versteht innerhalb der modernen Kulturentwicklung.

[ 19 ] Ebenso verhält es sich mit dem alten Askeseweg. Was tut der Asket im alten Sinne des Wortes? Er stimmt seine leiblichen Funktionen herab, er lähmt sie in einer gewissen Weise herab. Sein physischer Organismus sollte weniger tätig sein in jenen Zeiten, in denen ihm eine höhere Erkenntnis aufgehen sollte, als er sonst tätig ist, als wenn er sich äußerlich dem robusten Leben hingibt. Da erlebt dann derjenige, der nach einem höheren Leben strebt, der erlebt durch diese Herabstimmung der leiblichen Funktionen, dass er einsieht: Ja, für das Leben, das wir äußerlich führen, taugt dieser Leib, den wir an uns tragen, dem ist er angemessen, und wir dürfen uns eigentlich keinen anderen Leib wünschen, deshalb auch keine Herabstimmung der leiblichen Funktionen. Wollen wir aber hineinschauen in die geistige Welt, dann ist dieser Leib, der für die sinnliche Welt konstituiert ist, ein Hindernis. Stimmen wir ihn herab, machen wir ihn weniger tätig, als er im gewöhnlichen Leben ist, dann schaffen wir das Hindernis hinweg, und die übersinnliche Welt strömt in unser Bewusstsein herein. Das erlebten einfach die Alten: Der Leib ist ein Hindernis für die Erkenntnis höherer Welten. Wiederum war es so, dass, indem der Mensch in der Askese den physischen Leib zu Schmerzen und Leiden herabstimmte, um dadurch mit der geistigen Welt in Zusammenhang zu kommen, er in ein inneres Erleben hineinkam, das ihn wegbrachte aus der robusten äußeren Welt in die Einsamkeit, in die Einsiedelei. Da heraus konnte er erkunden manches, was dann tief sich hineinsenkte in die menschliche Seele, wenn es sich darum handelte, dass die Seele wissen wollte: Wie hänge ich zusammen mit den geistigen Welten, wie finde ich gerade das Glück meines Gemütes?

[ 19 ] Ebenso verhält es sich mit dem alten Askeseweg. Was tut der Asket im alten Sinne des Wortes? Er stimmt seine leiblichen Funktionen herab, er lähmt sie in einer gewissen Weise herab. Sein physischer Organismus sollte weniger tätig sein in jenen Zeiten, in denen ihm eine höhere Erkenntnis aufgehen sollte, als er sonst tätig ist, als wenn er sich äußerlich dem robusten Leben hingibt. Da erlebt dann derjenige, der nach einem höheren Leben strebt, der erlebt durch diese Herabstimmung der leiblichen Funktionen, dass er einsieht: Ja, für das Leben, das wir äußerlich führen, taugt dieser Leib, den wir an uns tragen, dem ist er angemessen, und wir dürfen uns eigentlich keinen anderen Leib wünschen, deshalb auch keine Herabstimmung der leiblichen Funktionen. Wollen wir aber hineinschauen in die geistige Welt, dann ist dieser Leib, der für die sinnliche Welt konstituiert ist, ein Hindernis. Stimmen wir ihn herab, machen wir ihn weniger tätig, als er im gewöhnlichen Leben ist, dann schaffen wir das Hindernis hinweg, und die übersinnliche Welt strömt in unser Bewusstsein herein. Das erlebten einfach die Alten: Der Leib ist ein Hindernis für die Erkenntnis höherer Welten. Wiederum war es so, dass, indem der Mensch in der Askese den physischen Leib zu Schmerzen und Leiden herabstimmte, um dadurch mit der geistigen Welt in Zusammenhang zu kommen, er in ein inneres Erleben hineinkam, das ihn wegbrachte aus der robusten äußeren Welt in die Einsamkeit, in die Einsiedelei. Da heraus konnte er erkunden manches, was dann tief sich hineinsenkte in die menschliche Seele, wenn es sich darum handelte, dass die Seele wissen wollte: Wie hänge ich zusammen mit den geistigen Welten, wie finde ich gerade das Glück meines Gemütes?

[ 20 ] Aber wiederum mussten die Menschen, die solches sagen konnten — und das geht wieder hinein bis in unsere heutigen Religionsbekenntnisse, unsere heutigen Weltanschauungen, ohne dass es die Menschen ahnen —, wieder mussten die Menschen die Funktionen ihrer Leiblichkeit herabstimmen gegenüber dem äußeren robusten Leben, sie mussten zu einer Überempfindlichkeit diesem Leben gegenüber kommen, zur Einsamkeit, zur Einsiedelei. Auch jener alte Weg der Askese — er ist heute auch in die Verderbnis gekommen —, auch dieser alte Weg der Askese ist für den modernen Menschen nicht geeignet. Durch solche Askese macht sich erstens der Mensch fremd der Wirklichkeit gegenüber, in die wir uns heute voll hineinstellen müssen, aber er macht sich auch untauglich für sein Handeln, er macht sich untauglich in dem Wirken zum Heile seiner Mitmenschen. Aber wir können immerhin hinblicken auf die zwei Wege, durch die einmal die Menschen sich hinaufgerungen haben zur Anschauung übersinnlicher Welten.

[ 20 ] Aber wiederum mussten die Menschen, die solches sagen konnten — und das geht wieder hinein bis in unsere heutigen Religionsbekenntnisse, unsere heutigen Weltanschauungen, ohne dass es die Menschen ahnen —, wieder mussten die Menschen die Funktionen ihrer Leiblichkeit herabstimmen gegenüber dem äußeren robusten Leben, sie mussten zu einer Überempfindlichkeit diesem Leben gegenüber kommen, zur Einsamkeit, zur Einsiedelei. Auch jener alte Weg der Askese — er ist heute auch in die Verderbnis gekommen —, auch dieser alte Weg der Askese ist für den modernen Menschen nicht geeignet. Durch solche Askese macht sich erstens der Mensch fremd der Wirklichkeit gegenüber, in die wir uns heute voll hineinstellen müssen, aber er macht sich auch untauglich für sein Handeln, er macht sich untauglich in dem Wirken zum Heile seiner Mitmenschen. Aber wir können immerhin hinblicken auf die zwei Wege, durch die einmal die Menschen sich hinaufgerungen haben zur Anschauung übersinnlicher Welten.

[ 21 ] Wie man als heutiger Mensch in die übersinnliche Welt sich hinaufheben kann, gerade das — meine sehr verehrten Anwesenden — habe ich in meinem letzten Vortrage hier wenigstens im Prinzipe geschildert. Sie können es geschildert finden in allen Einzelheiten in meinen Büchern «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in der «Geheimwissenschaft» und in anderen meiner Bücher. Da aber werden Sie sehen, dass der heutige Mensch nicht mehr den Weg gehen kann etwa einer Umregelung des Atmungswesens, den Weg eines bewussten Atmens, um das Gedankenleben zu ändern in dem Sinne, dass aus den gewöhnlichen Menschenanschauungen wunderbare Weltanschauungen der Bhagavad Gita werden. Da ging der Mensch — ich möchte sagen — für seinen Erkenntnisweg, für seinen Gedankenweg von etwas aus, was noch für jene alten Zeiten durchaus angemessen war, was intim zusammenhing mit seinen leiblichen Funktionen.

[ 21 ] Wie man als heutiger Mensch in die übersinnliche Welt sich hinaufheben kann, gerade das — meine sehr verehrten Anwesenden — habe ich in meinem letzten Vortrage hier wenigstens im Prinzipe geschildert. Sie können es geschildert finden in allen Einzelheiten in meinen Büchern «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in der «Geheimwissenschaft» und in anderen meiner Bücher. Da aber werden Sie sehen, dass der heutige Mensch nicht mehr den Weg gehen kann etwa einer Umregelung des Atmungswesens, den Weg eines bewussten Atmens, um das Gedankenleben zu ändern in dem Sinne, dass aus den gewöhnlichen Menschenanschauungen wunderbare Weltanschauungen der Bhagavad Gita werden. Da ging der Mensch — ich möchte sagen — für seinen Erkenntnisweg, für seinen Gedankenweg von etwas aus, was noch für jene alten Zeiten durchaus angemessen war, was intim zusammenhing mit seinen leiblichen Funktionen.

[ 22 ] Alles dasjenige, was ich Ihnen im vorigen Vortrage hier geschildert habe, und was ich in meinen Büchern schildere, das sind nun Prozesse, die nicht im Atmen, die nicht in dieser Weise in der Leiblichkeit vollzogen werden, sondern die im Gedankenleben selber, im inneren Seelenleben vollzogen werden durch eine besondere Ausbildung des Meditierens, durch eine besondere Ausbildung der Gedankenkonzentration, der Kontemplation. Durch Übungen, die in einer Regelung des Denkens selbst vollzogen werden, werden die heutigen Übungen, die in die höhere Welt hinaufführen sollen, gemacht. Der altindische Yogi regelte sein Atmen, wir regeln direkt unser gewöhnliches Denken, wir bringen einen anderen Rhythmus, eine andere innere Gesetzmäßigkeit in Meditation und Konzentration in das Denken hinein. Wir wenden uns nicht auf dem Umwege durch das Atmen zu einer Umgestaltung unseres Denkens, wir gehen direkt auf das Denken los. Ich kann natürlich auch jetzt nicht alle die Übungen, die Sie in den genannten Büchern «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in der «Geheimwissenschaft» nachlesen können, wiederholen, ich kann nur Prinzipielles in dieser Weise andeuten.

[ 22 ] Alles dasjenige, was ich Ihnen im vorigen Vortrage hier geschildert habe, und was ich in meinen Büchern schildere, das sind nun Prozesse, die nicht im Atmen, die nicht in dieser Weise in der Leiblichkeit vollzogen werden, sondern die im Gedankenleben selber, im inneren Seelenleben vollzogen werden durch eine besondere Ausbildung des Meditierens, durch eine besondere Ausbildung der Gedankenkonzentration, der Kontemplation. Durch Übungen, die in einer Regelung des Denkens selbst vollzogen werden, werden die heutigen Übungen, die in die höhere Welt hinaufführen sollen, gemacht. Der altindische Yogi regelte sein Atmen, wir regeln direkt unser gewöhnliches Denken, wir bringen einen anderen Rhythmus, eine andere innere Gesetzmäßigkeit in Meditation und Konzentration in das Denken hinein. Wir wenden uns nicht auf dem Umwege durch das Atmen zu einer Umgestaltung unseres Denkens, wir gehen direkt auf das Denken los. Ich kann natürlich auch jetzt nicht alle die Übungen, die Sie in den genannten Büchern «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in der «Geheimwissenschaft» nachlesen können, wiederholen, ich kann nur Prinzipielles in dieser Weise andeuten.

[ 23 ] Wohin gelangen wir aber, indem wir solche Übungen machen, die sich intim an den menschlichen Gedanken wenden? Dadurch gelangen wir dazu, dasjenige, was wir heute überhaupt durch Geburt und Erziehung als unser gewöhnliches Denken haben, in seiner Abstraktheit, in seiner Totheit — wenn ich mich so ausdrücken darf — zu durchschauen. Wir gelangen dazu, das Denken wesentlich zu verlebendigen, während der altindische Yogi — ich möchte sagen — von einer gewissen Lebendigkeit des Denkens ausging, von der er sich hinwegbegab zu dem abstrakten Denken, zu demjenigen Denken, das wir haben wie als Selbstverständlichkeit des Lebens. Da erlebte er das Selbst. Nun, wir haben dieses Selbst durch Geburt und Erziehung, wir müssen, indem wir das Denken, nicht das Atmen, ergreifen, dieses Denken beleben. Dadurch aber kommen wir darauf, das gewöhnliche Denken gerade als das Abstrakte, als das Tote zu empfinden und zu einem lebendigen Denken durch innere Übungen überzugehen.

[ 23 ] Wohin gelangen wir aber, indem wir solche Übungen machen, die sich intim an den menschlichen Gedanken wenden? Dadurch gelangen wir dazu, dasjenige, was wir heute überhaupt durch Geburt und Erziehung als unser gewöhnliches Denken haben, in seiner Abstraktheit, in seiner Totheit — wenn ich mich so ausdrücken darf — zu durchschauen. Wir gelangen dazu, das Denken wesentlich zu verlebendigen, während der altindische Yogi — ich möchte sagen — von einer gewissen Lebendigkeit des Denkens ausging, von der er sich hinwegbegab zu dem abstrakten Denken, zu demjenigen Denken, das wir haben wie als Selbstverständlichkeit des Lebens. Da erlebte er das Selbst. Nun, wir haben dieses Selbst durch Geburt und Erziehung, wir müssen, indem wir das Denken, nicht das Atmen, ergreifen, dieses Denken beleben. Dadurch aber kommen wir darauf, das gewöhnliche Denken gerade als das Abstrakte, als das Tote zu empfinden und zu einem lebendigen Denken durch innere Übungen überzugehen.

[ 24 ] Das ist die bedeutende Umwandlung, die nun der moderne Erkenntnissucher, der in die höheren Welten hineindringen will in die Welt des Geistigen, das ist die Methode, die der heutige Erkenntnissucher durchmachen muss, die da führt von dem abstrakten, von dem unlebendigen, von dem toten Denken zu dem innerlich lebendigen Denken.

[ 24 ] Das ist die bedeutende Umwandlung, die nun der moderne Erkenntnissucher, der in die höheren Welten hineindringen will in die Welt des Geistigen, das ist die Methode, die der heutige Erkenntnissucher durchmachen muss, die da führt von dem abstrakten, von dem unlebendigen, von dem toten Denken zu dem innerlich lebendigen Denken.

[ 25 ] Und nun möchte ich Ihnen gerade an modernen Bewusstseinsformen charakterisieren, wohin wir kommen, wenn wir dieses lebendige Denken uns aneignen. Ich weise auf etwas hin, was jedem heutigen Menschen naheliegt. Wir machen uns klar, wenn wir nur irgendeinen Zusammenhang haben mit den heutigen Weltanschauungen, wir machen uns klar, wie ein sogenanntes höheres Tier beschaffen ist, wie seine Funktionen, seine leiblichen Vorgänge wirken, wir bilden uns in Gedanken ein inneres Bild von diesem höheren Tier. Dadurch vergegenwärtigen wir uns das Wesen dieses Tieres. Dann aber wenden wir uns vielleicht herüber zu dem Menschen. Wir bilden uns wieder mit all dem Material, das uns heute die Wissenschaft liefert — später wird es noch vollkommener werden, aber im Prinzip nicht anders, solange das Denken nur als Abstraktes angewendet wird, so wie es heute zur Erforschung der Naturgesetze angewendet wird —, wir machen uns von dem Menschen ein Bild, von der Knochengestaltung, der Gestaltung seiner Muskeln, der Gestaltung seiner übrigen Organe, von dem Ineinanderweben, dem Ineinanderfließen seiner inneren leiblichen Vorgänge. Dann vergleichen wir das Bild mit dem Bilde, das wir uns an höheren Tieren vergegenwärtigen und wir finden eine gewisse Verwandtschaft. Je nachdem wir mehr oder weniger materialistisch denken, stellen wir uns vor, dass der Mensch dann wie physisch hervorgeht aus dem höheren Tier. Wenn wir mehr idealistisch oder spirituell denken, so stellen wir uns diese Verwandtschaft anders vor. Aber wir sehen hin, indem wir uns die Idee des höheren Tieres auf der einen Seite und die Idee des Menschen auf der anderen Seite bilden und sie vergleichen, wir bilden uns durch diese Vergleichung etwas aus, was uns dann zur Weltanschauung über unsere Umwelt werden soll. Aber jetzt stellen wir uns eine Frage, die uns interessieren kann. Welch ein Unterschied ist zwischen dem Denken, mit dem man vergleicht den Begriff von dem höheren Tier mit dem Begriff von dem Menschen, wie man ein höheres Tier mit einem niederen Tier, das niedere Tier mit einer Pflanze äußerlich vergleichen kann. Stellen wir uns die Frage: Welch ein Unterschied ist zwischen diesem toten abstrakten Denken und jenem lebendigen Denken, das man sich aneignet durch die modernen Erkenntnisübungen für die übersinnliche Welt?

[ 25 ] Und nun möchte ich Ihnen gerade an modernen Bewusstseinsformen charakterisieren, wohin wir kommen, wenn wir dieses lebendige Denken uns aneignen. Ich weise auf etwas hin, was jedem heutigen Menschen naheliegt. Wir machen uns klar, wenn wir nur irgendeinen Zusammenhang haben mit den heutigen Weltanschauungen, wir machen uns klar, wie ein sogenanntes höheres Tier beschaffen ist, wie seine Funktionen, seine leiblichen Vorgänge wirken, wir bilden uns in Gedanken ein inneres Bild von diesem höheren Tier. Dadurch vergegenwärtigen wir uns das Wesen dieses Tieres. Dann aber wenden wir uns vielleicht herüber zu dem Menschen. Wir bilden uns wieder mit all dem Material, das uns heute die Wissenschaft liefert — später wird es noch vollkommener werden, aber im Prinzip nicht anders, solange das Denken nur als Abstraktes angewendet wird, so wie es heute zur Erforschung der Naturgesetze angewendet wird —, wir machen uns von dem Menschen ein Bild, von der Knochengestaltung, der Gestaltung seiner Muskeln, der Gestaltung seiner übrigen Organe, von dem Ineinanderweben, dem Ineinanderfließen seiner inneren leiblichen Vorgänge. Dann vergleichen wir das Bild mit dem Bilde, das wir uns an höheren Tieren vergegenwärtigen und wir finden eine gewisse Verwandtschaft. Je nachdem wir mehr oder weniger materialistisch denken, stellen wir uns vor, dass der Mensch dann wie physisch hervorgeht aus dem höheren Tier. Wenn wir mehr idealistisch oder spirituell denken, so stellen wir uns diese Verwandtschaft anders vor. Aber wir sehen hin, indem wir uns die Idee des höheren Tieres auf der einen Seite und die Idee des Menschen auf der anderen Seite bilden und sie vergleichen, wir bilden uns durch diese Vergleichung etwas aus, was uns dann zur Weltanschauung über unsere Umwelt werden soll. Aber jetzt stellen wir uns eine Frage, die uns interessieren kann. Welch ein Unterschied ist zwischen dem Denken, mit dem man vergleicht den Begriff von dem höheren Tier mit dem Begriff von dem Menschen, wie man ein höheres Tier mit einem niederen Tier, das niedere Tier mit einer Pflanze äußerlich vergleichen kann. Stellen wir uns die Frage: Welch ein Unterschied ist zwischen diesem toten abstrakten Denken und jenem lebendigen Denken, das man sich aneignet durch die modernen Erkenntnisübungen für die übersinnliche Welt?

[ 26 ] Wenn man mit diesem gewöhnlichen Denken sich eine Vorstellung bildet von dem höheren Tier, von seiner inneren Gestaltung, von seinen Vorgängen, von dem Ineinanderfließen seiner Lebensvorgänge, dann hat man durch einen Gedanken — ich möchte sagen — die vor uns stehende Wesenheit dieses höheren Tieres sich innerlich vergegenwärtigt. Aber der Gedanke lebt, und dieser Gedanke wandelt sich innerlich, wenn er lebt, ohne dass wir hinschauen brauchen, um. Er formt aus sich heraus den Gedanken des Menschen, er macht diese Metamorphose innerlich durch. Mit dem toten Denken können wir uns nur den Gedanken des höheren Tieres bilden, dann mit dem Denken herübergehen zu dem Menschen, an dem Menschen, den wir äußerlich erfahren, den Menschengedanken finden, aber mit dem Tiergedanken kommen wir niemals zu dem Menschengedanken. Dadurch, dass wir einfach den Gedanken in uns lebendig sein lassen, wodurch sich dann der Menschengedanke aus dem Tiergedanken ergibt, dadurch gelangen wir zu einem anderen, zu einem geistigen Verhältnis zur Welt.

[ 26 ] Wenn man mit diesem gewöhnlichen Denken sich eine Vorstellung bildet von dem höheren Tier, von seiner inneren Gestaltung, von seinen Vorgängen, von dem Ineinanderfließen seiner Lebensvorgänge, dann hat man durch einen Gedanken — ich möchte sagen — die vor uns stehende Wesenheit dieses höheren Tieres sich innerlich vergegenwärtigt. Aber der Gedanke lebt, und dieser Gedanke wandelt sich innerlich, wenn er lebt, ohne dass wir hinschauen brauchen, um. Er formt aus sich heraus den Gedanken des Menschen, er macht diese Metamorphose innerlich durch. Mit dem toten Denken können wir uns nur den Gedanken des höheren Tieres bilden, dann mit dem Denken herübergehen zu dem Menschen, an dem Menschen, den wir äußerlich erfahren, den Menschengedanken finden, aber mit dem Tiergedanken kommen wir niemals zu dem Menschengedanken. Dadurch, dass wir einfach den Gedanken in uns lebendig sein lassen, wodurch sich dann der Menschengedanke aus dem Tiergedanken ergibt, dadurch gelangen wir zu einem anderen, zu einem geistigen Verhältnis zur Welt.

[ 27 ] Ich möchte es auf folgende Weise veranschaulichen. Betrachten Sie eine Magnetnadel. Sie können sie richten in die verschiedensten Richtungen. Nur eine Richtung ist die ausgezeichnete, die Richtung, die vom magnetischen Nordpol zum magnetischen Südpol zeigt. Diese eine Linie ist die ausgezeichnete. Wo Sie auch die Magnetnadel hinorientieren, da haben Sie nicht eine solch ausgezeichnete Richtung. Durch ihre Naturgesetzlichkeit selber gehört diese Magnetnadel in die Nord-Süd-Richtung hinein. So wird durch den lebendigen Gedanken der ganze Raum differenziert. Wir haben im lebendigen Denken nicht den Raum des gleichgültigen Nebeneinander, den rechnerischen Raum, sondern wir erleben den Raum, in dem etwas anderes wird die vertikale Linie, die von der Erde zu den Sternen hinausgeht; die horizontale Linie, die [die] Tangente des Bodens ist, auf dem wir stehen. Der Raum wird innerlich durchlebt von dem lebendigen Gedanken.

[ 27 ] Ich möchte es auf folgende Weise veranschaulichen. Betrachten Sie eine Magnetnadel. Sie können sie richten in die verschiedensten Richtungen. Nur eine Richtung ist die ausgezeichnete, die Richtung, die vom magnetischen Nordpol zum magnetischen Südpol zeigt. Diese eine Linie ist die ausgezeichnete. Wo Sie auch die Magnetnadel hinorientieren, da haben Sie nicht eine solch ausgezeichnete Richtung. Durch ihre Naturgesetzlichkeit selber gehört diese Magnetnadel in die Nord-Süd-Richtung hinein. So wird durch den lebendigen Gedanken der ganze Raum differenziert. Wir haben im lebendigen Denken nicht den Raum des gleichgültigen Nebeneinander, den rechnerischen Raum, sondern wir erleben den Raum, in dem etwas anderes wird die vertikale Linie, die von der Erde zu den Sternen hinausgeht; die horizontale Linie, die [die] Tangente des Bodens ist, auf dem wir stehen. Der Raum wird innerlich durchlebt von dem lebendigen Gedanken.

[ 28 ] Dann wenden wir uns hin zu dem höheren Tier, wir finden seine Rückgratlinie horizontal, und wo diese Linie ins Vertikale geht, sind das Ausnahmen, die zeigen, dass das richtig ist, was ich sage. Wir sehen die vertikale Richtung beim Menschen, wir empfinden, dass diese Linie eine andere ist als diejenige, die das Tier innehält mit seinem Rückgrat, und wir empfinden diese Linie, in die der Mensch sich nun hineinstellt, und vieles andere, was wir ändern müssen, wenn wir vom Tiergedanken zum Menschengedanken kommen. Wir empfinden, dass da ein anderes Wesen entsteht, und indem wir den Tiergedanken ergreifen, müssen wir die Form beweglich halten und müssen wissen: Kommen wir in eine andere Raumesrichtung hinein, kommen wir zu einem andern Wesen. Wir lassen im inneren Erleben den einen Gedanken am anderen hervorgehen.

[ 28 ] Dann wenden wir uns hin zu dem höheren Tier, wir finden seine Rückgratlinie horizontal, und wo diese Linie ins Vertikale geht, sind das Ausnahmen, die zeigen, dass das richtig ist, was ich sage. Wir sehen die vertikale Richtung beim Menschen, wir empfinden, dass diese Linie eine andere ist als diejenige, die das Tier innehält mit seinem Rückgrat, und wir empfinden diese Linie, in die der Mensch sich nun hineinstellt, und vieles andere, was wir ändern müssen, wenn wir vom Tiergedanken zum Menschengedanken kommen. Wir empfinden, dass da ein anderes Wesen entsteht, und indem wir den Tiergedanken ergreifen, müssen wir die Form beweglich halten und müssen wissen: Kommen wir in eine andere Raumesrichtung hinein, kommen wir zu einem andern Wesen. Wir lassen im inneren Erleben den einen Gedanken am anderen hervorgehen.

[ 29 ] Bedenken Sie einmal — meine sehr verehrten Anwesenden —, wie lebendig unser Seelenleben dadurch wird, wie durchgeistigt unser Seelenleben wird, während wir mit dem toten abstrakten Gedanken eins neben das andere hinstellen, wie wir da äußerlich der Welt gegenüberstehen, wie wir jetzt dem Leben, dem sich Ineinanderverwandeln, dem Wachsen und Werden der äußeren Dinge ähnlich werden mit unserem inneren Erleben, wie wir untertauchen in die äußere Welt, nicht mehr neben ihr bloß stehen.

[ 29 ] Bedenken Sie einmal — meine sehr verehrten Anwesenden —, wie lebendig unser Seelenleben dadurch wird, wie durchgeistigt unser Seelenleben wird, während wir mit dem toten abstrakten Gedanken eins neben das andere hinstellen, wie wir da äußerlich der Welt gegenüberstehen, wie wir jetzt dem Leben, dem sich Ineinanderverwandeln, dem Wachsen und Werden der äußeren Dinge ähnlich werden mit unserem inneren Erleben, wie wir untertauchen in die äußere Welt, nicht mehr neben ihr bloß stehen.

[ 30 ] Das ist der erste Schritt für den modernen Menschen. Das abstrakte, tote Denken zu verlebendigen, um dadurch in die Geistigkeit der Welt sich hineinzuleben. Aber Sie alle — meine sehr verehrten Anwesenden — können einen gewichtigen Einwand machen, indem ich dieses lebendige Denken schildere. Sie können mir einwenden, es hat allerlei Denker gegeben, die Naturphilosophen Oken, Schelling, die haben ein solches lebendiges Denken in einem gewissen Sinne gehabt; die haben in einer gewissen phantasievollen Weise den Gedanken an einem äußeren Objekt zu fassen gewusst und umzugestalten verstanden, um etwas zu finden, was sich dann von selbst mit einem anderen Dinge deckt. Und die moderne Menschheit hat ja erkannt, wie viel Phantastisches bei Schelling, Oken gerade wegen dieses Denkens vorhanden ist. Da aber gibt es etwas, was gerade Anthroposophie hinzufügen muss zu demjenigen, was gerade die jüngsten älteren Zeiten nicht gehabt haben. Man findet, wenn solche Denker, wie die genannten, schildern, was eigentlich in ihrem Geistesleben vorgeht, man findet nicht hingewiesen auf dasjenige, worauf aber anthroposophische Forschung, anthroposophisches Erleben hinweisen muss.

[ 30 ] Das ist der erste Schritt für den modernen Menschen. Das abstrakte, tote Denken zu verlebendigen, um dadurch in die Geistigkeit der Welt sich hineinzuleben. Aber Sie alle — meine sehr verehrten Anwesenden — können einen gewichtigen Einwand machen, indem ich dieses lebendige Denken schildere. Sie können mir einwenden, es hat allerlei Denker gegeben, die Naturphilosophen Oken, Schelling, die haben ein solches lebendiges Denken in einem gewissen Sinne gehabt; die haben in einer gewissen phantasievollen Weise den Gedanken an einem äußeren Objekt zu fassen gewusst und umzugestalten verstanden, um etwas zu finden, was sich dann von selbst mit einem anderen Dinge deckt. Und die moderne Menschheit hat ja erkannt, wie viel Phantastisches bei Schelling, Oken gerade wegen dieses Denkens vorhanden ist. Da aber gibt es etwas, was gerade Anthroposophie hinzufügen muss zu demjenigen, was gerade die jüngsten älteren Zeiten nicht gehabt haben. Man findet, wenn solche Denker, wie die genannten, schildern, was eigentlich in ihrem Geistesleben vorgeht, man findet nicht hingewiesen auf dasjenige, worauf aber anthroposophische Forschung, anthroposophisches Erleben hinweisen muss.

[ 31 ] Derjenige, der, wie ich es geschildert habe, an den Dingen der Außenwelt den Gedanken bildet, der selbst lebendig ist, der kann nicht einen Schritt machen mit diesem lebendigen Gedanken, ohne dass er innerlich seelisch Schmerz empfindet, in einer gewissen Weise Leid. Und jetzt beginnt, indem dieser lebendige Gedanke als Leid, als Schmerz empfunden wird — nicht zunächst im Leiblichen, dahin kann es sich nur fortpflanzen —, jetzt beginnt etwas, was man als wirklichkeitsvoll empfinden kann. Derjenige, der kennenlernt, wie im modernen Sinne höhere Erkenntnis errungen werden kann nur durch den Durchgang durch Leid und Schmerz, der wird Ihnen immer eines sagen auch von seinem gewöhnlichen Leben; er wird sagen: Was ich als Glück, was ich als Freude, was ich als gutes Schicksal erlebt habe, ich bin meinem Schicksale dankbar. Was ich an Leid, an Schmerz, an Enttäuschungen und Entbehrungen im gewöhnlichen Leben gehabt habe, dem verdanke ich das bisschen Erkenntnis, das ich errungen habe. Und dass ich mir so Erkenntnis errungen habe durch die gewöhnlichen Schmerzen, Enttäuschungen, die mir das Leben gegeben hat, dadurch habe ich eine Vorschulung durchgemacht für dasjenige, was erlebt werden muss, wenn der lebendige Gedanke eben als die lebendige Geistigkeit die Seele erfüllt, deshalb auch lebendig in der Seele ist, deshalb auch die Seele treibt zu Leid und Schmerz.

[ 31 ] Derjenige, der, wie ich es geschildert habe, an den Dingen der Außenwelt den Gedanken bildet, der selbst lebendig ist, der kann nicht einen Schritt machen mit diesem lebendigen Gedanken, ohne dass er innerlich seelisch Schmerz empfindet, in einer gewissen Weise Leid. Und jetzt beginnt, indem dieser lebendige Gedanke als Leid, als Schmerz empfunden wird — nicht zunächst im Leiblichen, dahin kann es sich nur fortpflanzen —, jetzt beginnt etwas, was man als wirklichkeitsvoll empfinden kann. Derjenige, der kennenlernt, wie im modernen Sinne höhere Erkenntnis errungen werden kann nur durch den Durchgang durch Leid und Schmerz, der wird Ihnen immer eines sagen auch von seinem gewöhnlichen Leben; er wird sagen: Was ich als Glück, was ich als Freude, was ich als gutes Schicksal erlebt habe, ich bin meinem Schicksale dankbar. Was ich an Leid, an Schmerz, an Enttäuschungen und Entbehrungen im gewöhnlichen Leben gehabt habe, dem verdanke ich das bisschen Erkenntnis, das ich errungen habe. Und dass ich mir so Erkenntnis errungen habe durch die gewöhnlichen Schmerzen, Enttäuschungen, die mir das Leben gegeben hat, dadurch habe ich eine Vorschulung durchgemacht für dasjenige, was erlebt werden muss, wenn der lebendige Gedanke eben als die lebendige Geistigkeit die Seele erfüllt, deshalb auch lebendig in der Seele ist, deshalb auch die Seele treibt zu Leid und Schmerz.

[ 32 ] Was wird dadurch erreicht? Dadurch wird unser ganzes menschliches Wesen ein Sinnesorgan — der Ausdruck klingt paradox —, aber jetzt nicht ein Sinnesorgan, das wie Auge und Ohr hineinempfindet in die äußere Welt, sondern es wird ein Sinnesorgan, das sich im Inneren geistig empfindet und auch hineinschaut in die geistige Welt, in die Welt, der der lebendige Gedanke ihren Gedankeninhalt gibt, und diese lebendige Welt nun wirklich erlebt. Man kann einsehen, warum wir durch Schmerz und Leid hindurchgehen müssen. Das ist nun so — meine sehr verehrten Anwesenden —, dass selbst in einem so vollkommenen Gebilde wie im Auge, dadurch, dass das Licht auf dasselbe wirkt, manche Vorgänge, Veränderungen vor sich gehen. Diese Veränderungen, die da vor sich gehen, wenn wir eine feine Empfindung dafür hätten, würden wir eine Schmerzempfindung haben, und diese Schmerzempfindung würde erst übergehen in die Farbenempfindung. Und der Mensch hat das gehabt in uralten Zeiten der Menschheitsentwicklung, aus dem Schmerze ist die Sinneswahrnehmung geworden, der Mensch ist robust geworden dagegen, neutral geworden, er erlebt heute unmittelbar die Sinnesempfindung; dasjenige, was als das Schmerzen zugrunde liegt, das entzieht sich der Wahrnehmung. Wir müssen uns aber, wenn wir uns in die geistige Welt hinaufleben, den Durchgang erzwingen durch Leid und Schmerz, und erst wenn wir diese überwunden haben, wenn wir aus dem Leide heraus, aus dem Schmerze das gemacht haben, so schauen wir hinein in die geistige Welt, die uns auf der einen Seite durch den lebendigen Gedanken erschlossen ist. Und dann sehen wir allerdings, nachdem wir uns von diesen zwei Seiten, durch die Verlebendigung des Gedankens, durch die Überwindung jenes Leides unseren ganzen Organismus zu einem Sinnesorgan umgestaltet haben — wie gesagt, der Ausdruck ist paradox —, wir sehen uns, wenn diese beiden Wege gegangen sind, als moderner Mensch der geistigen Welt in Verständnis, in Wissenschaft gegenübergestellt.

[ 32 ] Was wird dadurch erreicht? Dadurch wird unser ganzes menschliches Wesen ein Sinnesorgan — der Ausdruck klingt paradox —, aber jetzt nicht ein Sinnesorgan, das wie Auge und Ohr hineinempfindet in die äußere Welt, sondern es wird ein Sinnesorgan, das sich im Inneren geistig empfindet und auch hineinschaut in die geistige Welt, in die Welt, der der lebendige Gedanke ihren Gedankeninhalt gibt, und diese lebendige Welt nun wirklich erlebt. Man kann einsehen, warum wir durch Schmerz und Leid hindurchgehen müssen. Das ist nun so — meine sehr verehrten Anwesenden —, dass selbst in einem so vollkommenen Gebilde wie im Auge, dadurch, dass das Licht auf dasselbe wirkt, manche Vorgänge, Veränderungen vor sich gehen. Diese Veränderungen, die da vor sich gehen, wenn wir eine feine Empfindung dafür hätten, würden wir eine Schmerzempfindung haben, und diese Schmerzempfindung würde erst übergehen in die Farbenempfindung. Und der Mensch hat das gehabt in uralten Zeiten der Menschheitsentwicklung, aus dem Schmerze ist die Sinneswahrnehmung geworden, der Mensch ist robust geworden dagegen, neutral geworden, er erlebt heute unmittelbar die Sinnesempfindung; dasjenige, was als das Schmerzen zugrunde liegt, das entzieht sich der Wahrnehmung. Wir müssen uns aber, wenn wir uns in die geistige Welt hinaufleben, den Durchgang erzwingen durch Leid und Schmerz, und erst wenn wir diese überwunden haben, wenn wir aus dem Leide heraus, aus dem Schmerze das gemacht haben, so schauen wir hinein in die geistige Welt, die uns auf der einen Seite durch den lebendigen Gedanken erschlossen ist. Und dann sehen wir allerdings, nachdem wir uns von diesen zwei Seiten, durch die Verlebendigung des Gedankens, durch die Überwindung jenes Leides unseren ganzen Organismus zu einem Sinnesorgan umgestaltet haben — wie gesagt, der Ausdruck ist paradox —, wir sehen uns, wenn diese beiden Wege gegangen sind, als moderner Mensch der geistigen Welt in Verständnis, in Wissenschaft gegenübergestellt.

[ 33 ] Wir können nun für uns selber geistige Ergebnisse suchen, und wir brauchen uns mit alledem nicht vom Leben zurückziehen in die Einsiedelei. Wir können uns hineinstellen ins Leben, unsere äußere Körperlichkeit führen wir nicht zur Askese, unsere äußere Körperlichkeit bleibt, wie sie ist, sie kann sich daher auch dem äußerlichen Leben robust gegenüberstellen, kann alle die Anforderungen erfüllen, die das heutige Leben an den modernen Menschen stellt. So können wir eine Erkenntnis der geistigen Welt schaffen, indem wir darin stehen bleiben in dieser Welt, in der der moderne Mensch einmal darinnen stehen bleiben muss. Dann aber, wenn wir solche Erkenntnisse schaffen, dann tritt uns allerdings der Mensch in einer anderen Weise entgegen, als er uns entgegentritt, wenn wir ihn bloß mit den sinnlichen Augen anschauen. Gewöhnlich nehmen wir nur von dieser Menschengestalt die äußerliche Körperlichkeit wahr. Derjenige, der sich zu den beweglichen, lebendigen Gedanken durchgerungen hat, der schaut nun nicht bloß diese äußere sinnliche Menschengestalt, der schaut etwas, was geistig-seelisch an dieser Menschengestalt ist, ein Aurisches, eine geistig-seelische Aura. Nur so ist das Wort «Aura» in diesem Sinne zu verstehen, nicht in irgendeinem abergläubischen Sinn. Man schaut das Aurische, in das die Menschengestalt eingebettet ist, aber man erkennt in dieser Aura nicht nur dasjenige, was äußerlich im Raume vor einem steht, sondern man schaut hin auf dasjenige, was der Mensch schon war in seinem GeistigSeelischen, bevor er heruntergestiegen ist aus einer geistig-seelischen Welt. Man lernt den Menschen durch sein aurisches Wesen, das sich solcher Anschauung ergibt, wie ich sie charakterisiert habe, als geistig-seelisches Wesen kennen, und man lernt zurückschauen in die geistig-seelische Welt, in seine Präexistenz, in das Leben, das er hatte, bevor er sein irdisches Leben angetreten hatte. Und man lernt nicht nur in solcher Abstraktheit wissen, dass der Mensch wahrhaftig gelebt hat vor seiner Geburt in einer geistig-seelischen Welt, man lernt auch das Konkrete dieses geistig-seelischen Menschenwesens, das heißt unser Selbst kennen, wie wir durch die sinnliche Anschauung die äußere Welt kennenlernen.

[ 33 ] Wir können nun für uns selber geistige Ergebnisse suchen, und wir brauchen uns mit alledem nicht vom Leben zurückziehen in die Einsiedelei. Wir können uns hineinstellen ins Leben, unsere äußere Körperlichkeit führen wir nicht zur Askese, unsere äußere Körperlichkeit bleibt, wie sie ist, sie kann sich daher auch dem äußerlichen Leben robust gegenüberstellen, kann alle die Anforderungen erfüllen, die das heutige Leben an den modernen Menschen stellt. So können wir eine Erkenntnis der geistigen Welt schaffen, indem wir darin stehen bleiben in dieser Welt, in der der moderne Mensch einmal darinnen stehen bleiben muss. Dann aber, wenn wir solche Erkenntnisse schaffen, dann tritt uns allerdings der Mensch in einer anderen Weise entgegen, als er uns entgegentritt, wenn wir ihn bloß mit den sinnlichen Augen anschauen. Gewöhnlich nehmen wir nur von dieser Menschengestalt die äußerliche Körperlichkeit wahr. Derjenige, der sich zu den beweglichen, lebendigen Gedanken durchgerungen hat, der schaut nun nicht bloß diese äußere sinnliche Menschengestalt, der schaut etwas, was geistig-seelisch an dieser Menschengestalt ist, ein Aurisches, eine geistig-seelische Aura. Nur so ist das Wort «Aura» in diesem Sinne zu verstehen, nicht in irgendeinem abergläubischen Sinn. Man schaut das Aurische, in das die Menschengestalt eingebettet ist, aber man erkennt in dieser Aura nicht nur dasjenige, was äußerlich im Raume vor einem steht, sondern man schaut hin auf dasjenige, was der Mensch schon war in seinem GeistigSeelischen, bevor er heruntergestiegen ist aus einer geistig-seelischen Welt. Man lernt den Menschen durch sein aurisches Wesen, das sich solcher Anschauung ergibt, wie ich sie charakterisiert habe, als geistig-seelisches Wesen kennen, und man lernt zurückschauen in die geistig-seelische Welt, in seine Präexistenz, in das Leben, das er hatte, bevor er sein irdisches Leben angetreten hatte. Und man lernt nicht nur in solcher Abstraktheit wissen, dass der Mensch wahrhaftig gelebt hat vor seiner Geburt in einer geistig-seelischen Welt, man lernt auch das Konkrete dieses geistig-seelischen Menschenwesens, das heißt unser Selbst kennen, wie wir durch die sinnliche Anschauung die äußere Welt kennenlernen.

[ 34 ] Das kann ich auf folgende Weise charakterisieren. Indem wir hier zwischen Geburt und Tod stehen, schauen wir in die äußere Welt, wir blicken hinauf in den Kosmos, bewundern die Sterne, bewundern die Herrlichkeit von Sonne und Mond; wir blicken hin auf die Reiche der Natur, wir schauen die wunderbaren Gesetzmäßigkeiten durch unsere Wissenschaft immer mehr und mehr, die in alledem leben. Aber indem wir da hinausschauen und in unbefangener Weise auf uns selbst zurückblicken auf dasjenige, was in unserem Inneren ist, müssen wir uns sagen: Finster ist das, was da der Mensch zwischen Geburt und Tod im gewöhnlichen Bewusstsein erblickt, wenn er in sein Inneres hineinschaut. Wir müssen schon sagen: Was da drinnen lebt als unser Organismus — gewiss, einiges davon, aber eben nur in seiner Totheit, zeigt die Anatomie, die Physiologie — aber gerade Anthroposophie zeigt, dass der Mensch in einem ganz anderen Sinne da drinnen eine Welt hat, als es uns die gewöhnliche Wissenschaft zeigt. Lernt man das wirklich kennen, was da drinnen ist, dann wird man sich sagen: Ja, wunderbar ist da draußen der Luftkreis und seine inneren Gesetzmäßigkeiten, aber wunderbarer als dieser Luftkreis mit all seinen Geheimnissen ist dasjenige, was in unserer eigenen Lunge als Gesetzmäßigkeiten vor sich geht. Wunderbar ist da draußen die Sonne mit all den Wirkungen, die von ihr ausgehen, die sich in Licht und Wärme ausdrücken, aber wunderbarer als das Licht, als die Wärmeströmungen, wunderbarer als alles das ist dasjenige, was da drinnen lebt in dem menschlichen Organismus, in dem Bau unseres Herzens. Und so können wir, wenn wir auf das menschliche Innere gerade in Bezug auf die Leibesorganisation sehen, so können wir uns sagen: Groß und gewaltig die Welt des äußeren Erkennens; größer und gewaltiger dasjenige, was als ein Mikrokosmos in uns lebt.

[ 34 ] Das kann ich auf folgende Weise charakterisieren. Indem wir hier zwischen Geburt und Tod stehen, schauen wir in die äußere Welt, wir blicken hinauf in den Kosmos, bewundern die Sterne, bewundern die Herrlichkeit von Sonne und Mond; wir blicken hin auf die Reiche der Natur, wir schauen die wunderbaren Gesetzmäßigkeiten durch unsere Wissenschaft immer mehr und mehr, die in alledem leben. Aber indem wir da hinausschauen und in unbefangener Weise auf uns selbst zurückblicken auf dasjenige, was in unserem Inneren ist, müssen wir uns sagen: Finster ist das, was da der Mensch zwischen Geburt und Tod im gewöhnlichen Bewusstsein erblickt, wenn er in sein Inneres hineinschaut. Wir müssen schon sagen: Was da drinnen lebt als unser Organismus — gewiss, einiges davon, aber eben nur in seiner Totheit, zeigt die Anatomie, die Physiologie — aber gerade Anthroposophie zeigt, dass der Mensch in einem ganz anderen Sinne da drinnen eine Welt hat, als es uns die gewöhnliche Wissenschaft zeigt. Lernt man das wirklich kennen, was da drinnen ist, dann wird man sich sagen: Ja, wunderbar ist da draußen der Luftkreis und seine inneren Gesetzmäßigkeiten, aber wunderbarer als dieser Luftkreis mit all seinen Geheimnissen ist dasjenige, was in unserer eigenen Lunge als Gesetzmäßigkeiten vor sich geht. Wunderbar ist da draußen die Sonne mit all den Wirkungen, die von ihr ausgehen, die sich in Licht und Wärme ausdrücken, aber wunderbarer als das Licht, als die Wärmeströmungen, wunderbarer als alles das ist dasjenige, was da drinnen lebt in dem menschlichen Organismus, in dem Bau unseres Herzens. Und so können wir, wenn wir auf das menschliche Innere gerade in Bezug auf die Leibesorganisation sehen, so können wir uns sagen: Groß und gewaltig die Welt des äußeren Erkennens; größer und gewaltiger dasjenige, was als ein Mikrokosmos in uns lebt.

[ 35 ] Das — meine sehr verehrten Anwesenden —, das lernt man allerdings immer mehr und mehr erkennen. Sie können das aus meiner «Geheimwissenschaft» und aus anderen meiner Bücher ersehen. Aber dasjenige, was heute für das gewöhnliche Bewusstsein zwischen Geburt und Tod umwallt ist, das hört auf, umwallt zu sein, wenn wir hinblicken auf das geistig-seelische Wesen, das der Mensch war, bevor er heruntergestiegen ist in die physische Welt. Was war des Menschen Welt, während er so in einer geistig-seelischen Welt ein geistig-seelisches Wesen selber war? Nicht die Raumesaußenwelt, die wir sonst überschauen, sondern gerade diese menschliche Innenwelt. Da ist dasjenige, was für die Erde menschliche Innenwesenheit ist, Außenwelt für unser geistig-seelisches Wesen.

[ 35 ] Das — meine sehr verehrten Anwesenden —, das lernt man allerdings immer mehr und mehr erkennen. Sie können das aus meiner «Geheimwissenschaft» und aus anderen meiner Bücher ersehen. Aber dasjenige, was heute für das gewöhnliche Bewusstsein zwischen Geburt und Tod umwallt ist, das hört auf, umwallt zu sein, wenn wir hinblicken auf das geistig-seelische Wesen, das der Mensch war, bevor er heruntergestiegen ist in die physische Welt. Was war des Menschen Welt, während er so in einer geistig-seelischen Welt ein geistig-seelisches Wesen selber war? Nicht die Raumesaußenwelt, die wir sonst überschauen, sondern gerade diese menschliche Innenwelt. Da ist dasjenige, was für die Erde menschliche Innenwesenheit ist, Außenwelt für unser geistig-seelisches Wesen.

[ 36 ] Wie wir hier Sterne, Sonne, Mond, die drei Reiche der Natur um uns haben, so haben wir die Geheimnisse von Lunge und Herz in einer Großartigkeit und Gewalt vor uns in der geistigen Welt, aus der wir herunterstiegen. Wir haben das menschliche Innere als äußere Welt vor uns, und da eignen wir uns an die Fähigkeit, die ausgeübt wird von uns Menschen, sich zusammenzugliedern mit dieser physischen Leiblichkeit. Die innere Gesetzmäßigkeit, wir schauen sie als äußere Welt, bevor wir aus dem präexistenten Leben in das irdische Leben heruntersteigen; das ist die Außenwelt des Geistig-Seelischen, die wir vor der Konzeption erleben. Und erst wenn wir in den physischen Leib eintreten, taucht die äußere Welt um uns auf, und die Welt des menschlichen Inneren entschwindet. Da draußen ist dasjenige, was uns die eine Aura enthüllt.

[ 36 ] Wie wir hier Sterne, Sonne, Mond, die drei Reiche der Natur um uns haben, so haben wir die Geheimnisse von Lunge und Herz in einer Großartigkeit und Gewalt vor uns in der geistigen Welt, aus der wir herunterstiegen. Wir haben das menschliche Innere als äußere Welt vor uns, und da eignen wir uns an die Fähigkeit, die ausgeübt wird von uns Menschen, sich zusammenzugliedern mit dieser physischen Leiblichkeit. Die innere Gesetzmäßigkeit, wir schauen sie als äußere Welt, bevor wir aus dem präexistenten Leben in das irdische Leben heruntersteigen; das ist die Außenwelt des Geistig-Seelischen, die wir vor der Konzeption erleben. Und erst wenn wir in den physischen Leib eintreten, taucht die äußere Welt um uns auf, und die Welt des menschlichen Inneren entschwindet. Da draußen ist dasjenige, was uns die eine Aura enthüllt.

[ 37 ] Die andere Aura, die wir uns aneignen, die enthüllt uns dasjenige, was in den menschlichen Handlungen lebt. Hier in der physischen Welt, wir schauen mit unserem gewöhnlichen menschlichen Bewusstsein auf diese Handlungen hin, wir sehen, wie diese oder jene Handlung von Kindheit auf getan ist, wir sehen eine Begegnung von Menschen, sehen, wie diese Begegnung schicksalsgestaltend ist für das ganze folgende Leben, wie diese Menschen nun eine Lebensgemeinschaft bilden; das erscheint, so wie man oftmals sagt, aus dem äußeren Bewusstsein heraus, als ein Zufall.

[ 37 ] Die andere Aura, die wir uns aneignen, die enthüllt uns dasjenige, was in den menschlichen Handlungen lebt. Hier in der physischen Welt, wir schauen mit unserem gewöhnlichen menschlichen Bewusstsein auf diese Handlungen hin, wir sehen, wie diese oder jene Handlung von Kindheit auf getan ist, wir sehen eine Begegnung von Menschen, sehen, wie diese Begegnung schicksalsgestaltend ist für das ganze folgende Leben, wie diese Menschen nun eine Lebensgemeinschaft bilden; das erscheint, so wie man oftmals sagt, aus dem äußeren Bewusstsein heraus, als ein Zufall.

[ 38 ] Eignen wir uns das Bewusstsein an, das zu dem Aurischen führt, das ich charakterisiert habe, dann ist es so, wie die Welt für den operierten Blindgeborenen ist. Er hat früher keine Farben, keine Lichter wahrnehmen können, jetzt nimmt er sie wahr. Früher sah man das, was der Mensch als Lebensschritte unternahm, dem Zufall unterliegen. Jetzt aber, nachdem das geistige Auge geöffnet ist, sieht man hin auf erste Schritte, die das Kind ausführt, auf unbestimmte Sympathien und Antipathien, immer mehr und mehr entwickelt das Kind seine Lebensschritte. Sympathien und Antipathien, die in ihm aufsteigen, führen das Kind zu den folgenden Schritten, die entscheidend werden im menschlichen Lebensgeschehen, und wir merken, wie das Ziel schon eingeschlagen war in den Sympathien und Antipathien, die in den ersten kindlichen Schritten vorhanden waren. Wir schauen mit anderen Worten auf die Gestaltung des menschlichen Schicksals hin, und in ganz naturgemäßer, elementarer Weise werden wir uns klar, wenn so unser geistiges Auge geöffnet wird — so wie es uns klar wird, wenn wir einen erwachsenen Menschen anschauen, dass der ein Kind war —, so können wir wissen, dass dieses Schicksal, das sich im Laufe des Lebens herausbildet, von anderen Lebensläufen herrührt, dass das Erdenleben der Menschen in Wiederholungen durchgemacht wird, dass das ganze Leben Ursache und Wirkung anderer Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt ist, und dass sich dasjenige, was schicksalsmäßig ist, aus dem einen Leben in das andere hinüberzieht.

[ 38 ] Eignen wir uns das Bewusstsein an, das zu dem Aurischen führt, das ich charakterisiert habe, dann ist es so, wie die Welt für den operierten Blindgeborenen ist. Er hat früher keine Farben, keine Lichter wahrnehmen können, jetzt nimmt er sie wahr. Früher sah man das, was der Mensch als Lebensschritte unternahm, dem Zufall unterliegen. Jetzt aber, nachdem das geistige Auge geöffnet ist, sieht man hin auf erste Schritte, die das Kind ausführt, auf unbestimmte Sympathien und Antipathien, immer mehr und mehr entwickelt das Kind seine Lebensschritte. Sympathien und Antipathien, die in ihm aufsteigen, führen das Kind zu den folgenden Schritten, die entscheidend werden im menschlichen Lebensgeschehen, und wir merken, wie das Ziel schon eingeschlagen war in den Sympathien und Antipathien, die in den ersten kindlichen Schritten vorhanden waren. Wir schauen mit anderen Worten auf die Gestaltung des menschlichen Schicksals hin, und in ganz naturgemäßer, elementarer Weise werden wir uns klar, wenn so unser geistiges Auge geöffnet wird — so wie es uns klar wird, wenn wir einen erwachsenen Menschen anschauen, dass der ein Kind war —, so können wir wissen, dass dieses Schicksal, das sich im Laufe des Lebens herausbildet, von anderen Lebensläufen herrührt, dass das Erdenleben der Menschen in Wiederholungen durchgemacht wird, dass das ganze Leben Ursache und Wirkung anderer Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt ist, und dass sich dasjenige, was schicksalsmäßig ist, aus dem einen Leben in das andere hinüberzieht.

[ 39 ] Man könnte glauben, dieses Schicksalsmäßige nehme uns Menschen die Freiheit. Doch beeinträchtigen wir die Freiheit geradeso wenig, wie wir unsere Freiheit beeinträchtigen dadurch, dass wir uns in diesem Jahre ein Haus bauen und im nächsten in dasselbe einziehen wollen. Wir werden erst frei, indem wir uns solche Lebensgrundlagen schaffen. Ebenso wenig nehmen wir uns die Freiheit dadurch, dass wir uns in diesem Leben ein Haus zimmern für folgende.

[ 39 ] Man könnte glauben, dieses Schicksalsmäßige nehme uns Menschen die Freiheit. Doch beeinträchtigen wir die Freiheit geradeso wenig, wie wir unsere Freiheit beeinträchtigen dadurch, dass wir uns in diesem Jahre ein Haus bauen und im nächsten in dasselbe einziehen wollen. Wir werden erst frei, indem wir uns solche Lebensgrundlagen schaffen. Ebenso wenig nehmen wir uns die Freiheit dadurch, dass wir uns in diesem Leben ein Haus zimmern für folgende.

[ 40 ] So — meine sehr verehrten Anwesenden — erschließt sich die geistige Welt, erschließt sich das Verhältnis des Menschen zu dieser geistigen Welt, indem Anthroposophie wiedereröffnet die Wege, durch die einzelne Menschen hinaufgelangen können in die geistige Welt und die Ergebnisse verkünden den Mitmenschen. Wir brauchen eine Methode, der eben solches Vertrauen entgegengebracht wird, wie es der äußeren Wissenschaft entgegengebracht wird. Ich habe in den genannten Büchern geschildert, wie jeder bis zu einem gewissen Grade ein Geistesforscher werden kann, dass der Mensch dazu gelangt, solche Anschauungen gegenüber dem Übersinnlichen, dem Geistigen zu haben, die ihm seinen wahren Wert und seine wahre Menschenwürde geben. Aber der Mensch braucht nicht unbedingt Geistesforscher zu werden. Wie man nicht Astronom zu werden braucht, um astronomische Ergebnisse in sein Wissen aufzunehmen, wie man nicht Botaniker zu werden braucht, um die nötigen botanischen Ergebnisse in seine Bildung aufzunehmen, so braucht man auch nicht Geistesforscher zu werden, um die Ergebnisse der Geisteswissenschaft in sich aufzunehmen.

[ 40 ] So — meine sehr verehrten Anwesenden — erschließt sich die geistige Welt, erschließt sich das Verhältnis des Menschen zu dieser geistigen Welt, indem Anthroposophie wiedereröffnet die Wege, durch die einzelne Menschen hinaufgelangen können in die geistige Welt und die Ergebnisse verkünden den Mitmenschen. Wir brauchen eine Methode, der eben solches Vertrauen entgegengebracht wird, wie es der äußeren Wissenschaft entgegengebracht wird. Ich habe in den genannten Büchern geschildert, wie jeder bis zu einem gewissen Grade ein Geistesforscher werden kann, dass der Mensch dazu gelangt, solche Anschauungen gegenüber dem Übersinnlichen, dem Geistigen zu haben, die ihm seinen wahren Wert und seine wahre Menschenwürde geben. Aber der Mensch braucht nicht unbedingt Geistesforscher zu werden. Wie man nicht Astronom zu werden braucht, um astronomische Ergebnisse in sein Wissen aufzunehmen, wie man nicht Botaniker zu werden braucht, um die nötigen botanischen Ergebnisse in seine Bildung aufzunehmen, so braucht man auch nicht Geistesforscher zu werden, um die Ergebnisse der Geisteswissenschaft in sich aufzunehmen.

[ 41 ] Ich möchte einen anderen Vergleich gebrauchen, den ich schon öfters — ich glaube auch hier — gebraucht habe. Derjenige, der ein Bild, das gemalt ist, beurteilen will nach Schönheit, nach künstlerischem Wert, er braucht nicht selber ein Maler zu sein. Des Menschen Organisation ist auf Wahrheit und Schönheit hin gerichtet. Auch derjenige, der kein Geistesforscher ist, und dessen Verstand nicht auf Illusionen und Irrtum hinorientiert ist, er kann durch seinen gesunden Menschenverstand dasjenige, was der Geistesforscher sagt, prüfen. Und auch der Geistesforscher, er muss dasjenige, was sich ihm offenbart, er muss das erst durch seinen gesunden Menschenverstand prüfen, er muss ihn ebenso anwenden wie der andere, denn das höhere Schauen liefert ihm eine höhere Welt, aber nicht deren Wirklichkeit. Wie wir den Traum erst durch den gesunden Menschenverstand prüfen, so müssen wir erst den Wirklichkeitsgehalt dessen, was wir anschauen in höheren Welten, durch den Menschenverstand prüfen. Derjenige, der sich das exakte Hellsehen aneignet — nicht das alte mystische Hellsehen —, derjenige, der sich aneignet dieses moderne Hellsehen, der findet sich hinein in die geistige Welt auf denjenigen Wegen, die dem heutigen Menschen durchaus angemessen sind, und dasjenige, was er da erkundet, das kann mit dem gesunden Menschenverstande in der angedeuteten Weise durchaus geprüft werden.

[ 41 ] Ich möchte einen anderen Vergleich gebrauchen, den ich schon öfters — ich glaube auch hier — gebraucht habe. Derjenige, der ein Bild, das gemalt ist, beurteilen will nach Schönheit, nach künstlerischem Wert, er braucht nicht selber ein Maler zu sein. Des Menschen Organisation ist auf Wahrheit und Schönheit hin gerichtet. Auch derjenige, der kein Geistesforscher ist, und dessen Verstand nicht auf Illusionen und Irrtum hinorientiert ist, er kann durch seinen gesunden Menschenverstand dasjenige, was der Geistesforscher sagt, prüfen. Und auch der Geistesforscher, er muss dasjenige, was sich ihm offenbart, er muss das erst durch seinen gesunden Menschenverstand prüfen, er muss ihn ebenso anwenden wie der andere, denn das höhere Schauen liefert ihm eine höhere Welt, aber nicht deren Wirklichkeit. Wie wir den Traum erst durch den gesunden Menschenverstand prüfen, so müssen wir erst den Wirklichkeitsgehalt dessen, was wir anschauen in höheren Welten, durch den Menschenverstand prüfen. Derjenige, der sich das exakte Hellsehen aneignet — nicht das alte mystische Hellsehen —, derjenige, der sich aneignet dieses moderne Hellsehen, der findet sich hinein in die geistige Welt auf denjenigen Wegen, die dem heutigen Menschen durchaus angemessen sind, und dasjenige, was er da erkundet, das kann mit dem gesunden Menschenverstande in der angedeuteten Weise durchaus geprüft werden.

[ 42 ] Was aber wird dadurch für unsere heutige Zivilisation erlangt, meine sehr verehrten Anwesenden? Nun, das ist nicht gleichgültig, was da erlangt wird. Dasjenige, was erlangt wird, wir können es durchaus brauchen. Haben wir heute Geistigkeit? Wir haben Gedanken über den Geist und wir leben wohl in diesen Gedanken und Ideen. Wenn wir aber zurückschauen in ältere Zeiten, so war es anders. Ja — meine sehr verehrten Anwesenden —, es war anders. Wir wollen alte Zeiten nicht wiederum heraufzaubern, wir wollen sie auch nicht überschätzen. Wir wissen, dass die Menschheit es immer weiter bringen muss, wir wollen nicht in reaktionärer Weise das heraufholen, was einer überwundenen Epoche angehört. Wenn wir aber hinüberschauen auf die alten Epochen, aus denen manch unbewusstes Glaubensergebnis herüberkommt, dann sehen wir: In jenen alten Zeiten waren eben solche Erkenntnisse da, durch die der Geist nicht nur in Gedanken erfasst wurde, sondern durch die der Geist lebendig einzog in die ganze menschliche Wesenheit. Von einem Menschen dieser Zeiten kann man sagen, nicht nur: Er hat Gedanken über den Geist, er hat Ideen über den Geist, sondern durch seine Gedanken und Ideen zieht der lebendige Geist in die menschliche Wesenheit ein. Solche Epochen hat es gegeben, und solche Epochen haben eigentlich die rechte Kraft und die rechten Impulse der Menschheitsentwicklung gegeben, wo man gewusst hat, unter uns lebt der Geist, unter uns lebt die Göttlichkeit. Erst da vertiefte sich die geistige Erkenntnis zu der wahrhaft religiösen Frömmigkeit. Können solche Zeiten, aber nicht in der alten Gestalt, sondern in der modernen Gestalt, wieder heraufziehen, so erwirbt sich der Mensch dadurch, dass er sich anthroposophisch erkenntnismäßig vertieft, eine wahre religiöse Innerlichkeit, eine angemessene Frömmigkeit. Aber dadurch wird für das moderne Wesen dasjenige wiederum gewonnen, dass eine Zeit kommen wird, wo nicht bloß, wie es heute der Fall ist, in der Trockenheit die Gedanken und die Ideen leben von der Geistigkeit. Geistigkeit wird einziehen durch den lebendigen Gedanken. Und durch die Leid überwindende Wirklichkeitsvorstellung wird einziehen in den Menschen der lebendige Gedanke, die lebendige Wirklichkeit, der Geist selbst in seiner Lebendigkeit. Eine solche Zeit müssen wir heraufsehnen, weil wir sie brauchen, in der wir uns wieder sagen: Nicht nur wir stehen in der Welt da, wir als Menschengestalten mit unseren äußerlich als zufällig angesehenen Handlungen, sondern indem wir Menschen ja selber Geistiges umfassend sind, unser Verhältnis zum ewigen Geist erkennen, erkennen wir, wie neben uns wirken andere Geistwesen, eine geistige Welt, ebenso wie die sinnliche, wie die Geister nicht bloß in unseren Gedanken leben, sondern wie sie neben uns im Erdenleben unsere Mitgenossen sind.

[ 42 ] Was aber wird dadurch für unsere heutige Zivilisation erlangt, meine sehr verehrten Anwesenden? Nun, das ist nicht gleichgültig, was da erlangt wird. Dasjenige, was erlangt wird, wir können es durchaus brauchen. Haben wir heute Geistigkeit? Wir haben Gedanken über den Geist und wir leben wohl in diesen Gedanken und Ideen. Wenn wir aber zurückschauen in ältere Zeiten, so war es anders. Ja — meine sehr verehrten Anwesenden —, es war anders. Wir wollen alte Zeiten nicht wiederum heraufzaubern, wir wollen sie auch nicht überschätzen. Wir wissen, dass die Menschheit es immer weiter bringen muss, wir wollen nicht in reaktionärer Weise das heraufholen, was einer überwundenen Epoche angehört. Wenn wir aber hinüberschauen auf die alten Epochen, aus denen manch unbewusstes Glaubensergebnis herüberkommt, dann sehen wir: In jenen alten Zeiten waren eben solche Erkenntnisse da, durch die der Geist nicht nur in Gedanken erfasst wurde, sondern durch die der Geist lebendig einzog in die ganze menschliche Wesenheit. Von einem Menschen dieser Zeiten kann man sagen, nicht nur: Er hat Gedanken über den Geist, er hat Ideen über den Geist, sondern durch seine Gedanken und Ideen zieht der lebendige Geist in die menschliche Wesenheit ein. Solche Epochen hat es gegeben, und solche Epochen haben eigentlich die rechte Kraft und die rechten Impulse der Menschheitsentwicklung gegeben, wo man gewusst hat, unter uns lebt der Geist, unter uns lebt die Göttlichkeit. Erst da vertiefte sich die geistige Erkenntnis zu der wahrhaft religiösen Frömmigkeit. Können solche Zeiten, aber nicht in der alten Gestalt, sondern in der modernen Gestalt, wieder heraufziehen, so erwirbt sich der Mensch dadurch, dass er sich anthroposophisch erkenntnismäßig vertieft, eine wahre religiöse Innerlichkeit, eine angemessene Frömmigkeit. Aber dadurch wird für das moderne Wesen dasjenige wiederum gewonnen, dass eine Zeit kommen wird, wo nicht bloß, wie es heute der Fall ist, in der Trockenheit die Gedanken und die Ideen leben von der Geistigkeit. Geistigkeit wird einziehen durch den lebendigen Gedanken. Und durch die Leid überwindende Wirklichkeitsvorstellung wird einziehen in den Menschen der lebendige Gedanke, die lebendige Wirklichkeit, der Geist selbst in seiner Lebendigkeit. Eine solche Zeit müssen wir heraufsehnen, weil wir sie brauchen, in der wir uns wieder sagen: Nicht nur wir stehen in der Welt da, wir als Menschengestalten mit unseren äußerlich als zufällig angesehenen Handlungen, sondern indem wir Menschen ja selber Geistiges umfassend sind, unser Verhältnis zum ewigen Geist erkennen, erkennen wir, wie neben uns wirken andere Geistwesen, eine geistige Welt, ebenso wie die sinnliche, wie die Geister nicht bloß in unseren Gedanken leben, sondern wie sie neben uns im Erdenleben unsere Mitgenossen sind.

[ 43 ] Das — meine sehr verehrten Anwesenden —, wenn wir die geistige Welt wiederum als die Welt unserer Mitgenossen, nicht der bloß abstrakten theoretischen Gedanken empfinden, dann treten wir in die Welt ein, die die heutige Menschheit und noch mehr die Menschheit der nächsten Zukunft braucht, um wiederum zu lebenstragender, zu innerer Frömmigkeit, zu fruchtenden Erkenntnissen, zu kommen, um zu Handlungen, zu Tätigkeitsimpulsen zu kommen, nach denen sich die heutige Menschheit sehnt — mehr sehnt, als sie es gewöhnlich glaubt.

[ 43 ] Das — meine sehr verehrten Anwesenden —, wenn wir die geistige Welt wiederum als die Welt unserer Mitgenossen, nicht der bloß abstrakten theoretischen Gedanken empfinden, dann treten wir in die Welt ein, die die heutige Menschheit und noch mehr die Menschheit der nächsten Zukunft braucht, um wiederum zu lebenstragender, zu innerer Frömmigkeit, zu fruchtenden Erkenntnissen, zu kommen, um zu Handlungen, zu Tätigkeitsimpulsen zu kommen, nach denen sich die heutige Menschheit sehnt — mehr sehnt, als sie es gewöhnlich glaubt.

[ 44 ] Wir sehen heute hinein in unser soziales Leben, wir sehen, wie die Menschen sich sehnen, dass neue Impulse kommen. Wir sehen aber auch, welche Untergangsimpulse sich darleben. Es muss irgendetwas da sein, was nicht stimmt, und das ist es, was nicht stimmt, dass wir den lebendigen Geist verloren haben. Mit diesem lebendigen Geist, der sich nicht bloß in unsere wissenschaftlichen, abstrakten Gedanken hineinbegibt, sondern der unsere ganze menschliche Wesenheit durchdringt, mit diesem lebendigen Geist werden wir erst die großen schwierigen sozialen Fragen der Gegenwart lösen, soweit sie gelöst werden können in irgendeinem Zeitalter.

[ 44 ] Wir sehen heute hinein in unser soziales Leben, wir sehen, wie die Menschen sich sehnen, dass neue Impulse kommen. Wir sehen aber auch, welche Untergangsimpulse sich darleben. Es muss irgendetwas da sein, was nicht stimmt, und das ist es, was nicht stimmt, dass wir den lebendigen Geist verloren haben. Mit diesem lebendigen Geist, der sich nicht bloß in unsere wissenschaftlichen, abstrakten Gedanken hineinbegibt, sondern der unsere ganze menschliche Wesenheit durchdringt, mit diesem lebendigen Geist werden wir erst die großen schwierigen sozialen Fragen der Gegenwart lösen, soweit sie gelöst werden können in irgendeinem Zeitalter.

[ 45 ] Anthroposophie, die so viel verneint wird, möchte nichts anderes sein als diejenige geistige Tätigkeit, das geistige Leben, das die Menschen bringt zum Erkennen, zum lebendigen Ergreifen dieser lebendigen Geistigkeit, dieser geistigen Mitgenossenschaft, damit die Menschheit — durchdrungen von dieser Erkenntnis, mit einem Wollen, mit Enthusiasmen, die von diesem Mitleben der Geistigkeit kommen — die Gegenwart voll erfassen kann und hineinleben kann in die Zukunft, so wie das notwendig ist zum weiteren Heile und zur Fortentwicklung der Menschheit. Manches wird heute schon gefühlt von der Menschheit, lebt aber in unbewussten Tiefen der Menschenseelen. Anthroposophie möchte vorrücken zum vollen Verständnis dessen, was die Menschheit zu ihrer inneren Erkenntnis, zu ihren sozialen Zielen für die Gegenwart und namentlich für die Zukunft braucht.

[ 45 ] Anthroposophie, die so viel verneint wird, möchte nichts anderes sein als diejenige geistige Tätigkeit, das geistige Leben, das die Menschen bringt zum Erkennen, zum lebendigen Ergreifen dieser lebendigen Geistigkeit, dieser geistigen Mitgenossenschaft, damit die Menschheit — durchdrungen von dieser Erkenntnis, mit einem Wollen, mit Enthusiasmen, die von diesem Mitleben der Geistigkeit kommen — die Gegenwart voll erfassen kann und hineinleben kann in die Zukunft, so wie das notwendig ist zum weiteren Heile und zur Fortentwicklung der Menschheit. Manches wird heute schon gefühlt von der Menschheit, lebt aber in unbewussten Tiefen der Menschenseelen. Anthroposophie möchte vorrücken zum vollen Verständnis dessen, was die Menschheit zu ihrer inneren Erkenntnis, zu ihren sozialen Zielen für die Gegenwart und namentlich für die Zukunft braucht.