The Essence of Anthroposophy
GA 80a
15 May 1922, Munich
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Das Wesen der Anthroposophie
11. Anthroposophie und Geisteserkenntnis
11. Anthroposophie und Geisteserkenntnis
[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Bevor ich meine heutigen Ausführungen mache, gestatten Sie mir ein paar Worte der Einleitung zu sagen. Dasjenige, was heute von mir wird ausgesprochen werden müssen, lässt sich durchaus wissenschaftlich rechtfertigen. Und ich versuche immer wieder und wiederum, ein Verhältnis zur Wissenschaft festzustellen, indem ich darlege, dass Anthroposophie in keinerlei Opposition steht zu den berechtigten Ergebnissen, zu den gewissenhaften Forschungsmethoden der Gegenwart. Aber die diesbezüglichen Ausführungen habe ich — wenigstens andeutungsweise — mir erlaubt zu machen in dem Vortrag, den ich vor einigen Monaten hier an derselben Stelle halten durfte. Und da ich annehmen kann, dass eine größere Zahl derjenigen verehrten Zuhörer, die dazumal anwesend waren, heute wieder da sind, so wäre die Wiederholung des damals Gesagten durchaus etwas, was für diese Zuhörer sehr überflüssig erscheinen könnte. Und ich will daher dasjenige, was über das Verhältnis der Anthroposophie zur Wissenschaft zu sagen ist, abgetan sein lassen mit dem, was dazumal von mir gesagt worden ist.
[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Bevor ich meine heutigen Ausführungen mache, gestatten Sie mir ein paar Worte der Einleitung zu sagen. Dasjenige, was heute von mir wird ausgesprochen werden müssen, lässt sich durchaus wissenschaftlich rechtfertigen. Und ich versuche immer wieder und wiederum, ein Verhältnis zur Wissenschaft festzustellen, indem ich darlege, dass Anthroposophie in keinerlei Opposition steht zu den berechtigten Ergebnissen, zu den gewissenhaften Forschungsmethoden der Gegenwart. Aber die diesbezüglichen Ausführungen habe ich — wenigstens andeutungsweise — mir erlaubt zu machen in dem Vortrag, den ich vor einigen Monaten hier an derselben Stelle halten durfte. Und da ich annehmen kann, dass eine größere Zahl derjenigen verehrten Zuhörer, die dazumal anwesend waren, heute wieder da sind, so wäre die Wiederholung des damals Gesagten durchaus etwas, was für diese Zuhörer sehr überflüssig erscheinen könnte. Und ich will daher dasjenige, was über das Verhältnis der Anthroposophie zur Wissenschaft zu sagen ist, abgetan sein lassen mit dem, was dazumal von mir gesagt worden ist.
[ 2 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Wenn von der geistigen Welt gesprochen wird, dann treten vor die Menschenseele Fragen und Rätsel grundlegender Art, Fragen und Rätsel, die nicht etwa bloß etwas Theoretisches bedeuten, sondern die zusammenhängen mit der inneren Ruhe und Freudigkeit, mit dem ganzen inneren Schicksal der Menschenseele, die zusammenhängen mit der Tauglichkeit und Tüchtigkeit des Menschen im Leben. Aber es wird doch nicht immer in der richtigen Weise darauf hingesehen, wie geartet eigentlich diese Schwierigkeiten sind, die dem Menschen gegenüber der geistigen Welt auftauchen. Dass der Mensch für sich selbst eine geistige Wesenheit in Anspruch zu nehmen hat, darüber kann ja eigentlich weder ein Rätsel noch irgendein Zweifel auftauchen. Denn der Mensch weiß ja in jedem Augenblick seines wachen Daseins, dass gerade das, worinnen er sich in seiner wahren Menschenwürde und in seinem wahren Menschenwesen fühlt, dasjenige ist, das er als seinen Geist bezeichnet. Er ist besorgt um solche Rätselfragen, die in dieser Richtung auftauchen. Er ist ja gerade darum besorgt, welches das Schicksal dieses Geistes ist, der eigentlich sein Wesen ausmacht. Ob dieser Geist etwas ist, was dem Vergänglichen angehört, ob wir ihm eine Dauer zuschreiben dürfen, ob er das ist, was etwa als Schaumblase auftaucht aus dem materiellen Dasein, ob es das ist, was dem Materiellen Sinn, Wert gibt. Also um das handelt es sich im Wesentlichen, nicht um den Geist als solchen. Selbst die Materialisten werden den Geist nicht leugnen, sondern ihn nur eben ansehen als Ergebnis der materiellen Vorgänge der Welt.
[ 2 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Wenn von der geistigen Welt gesprochen wird, dann treten vor die Menschenseele Fragen und Rätsel grundlegender Art, Fragen und Rätsel, die nicht etwa bloß etwas Theoretisches bedeuten, sondern die zusammenhängen mit der inneren Ruhe und Freudigkeit, mit dem ganzen inneren Schicksal der Menschenseele, die zusammenhängen mit der Tauglichkeit und Tüchtigkeit des Menschen im Leben. Aber es wird doch nicht immer in der richtigen Weise darauf hingesehen, wie geartet eigentlich diese Schwierigkeiten sind, die dem Menschen gegenüber der geistigen Welt auftauchen. Dass der Mensch für sich selbst eine geistige Wesenheit in Anspruch zu nehmen hat, darüber kann ja eigentlich weder ein Rätsel noch irgendein Zweifel auftauchen. Denn der Mensch weiß ja in jedem Augenblick seines wachen Daseins, dass gerade das, worinnen er sich in seiner wahren Menschenwürde und in seinem wahren Menschenwesen fühlt, dasjenige ist, das er als seinen Geist bezeichnet. Er ist besorgt um solche Rätselfragen, die in dieser Richtung auftauchen. Er ist ja gerade darum besorgt, welches das Schicksal dieses Geistes ist, der eigentlich sein Wesen ausmacht. Ob dieser Geist etwas ist, was dem Vergänglichen angehört, ob wir ihm eine Dauer zuschreiben dürfen, ob er das ist, was etwa als Schaumblase auftaucht aus dem materiellen Dasein, ob es das ist, was dem Materiellen Sinn, Wert gibt. Also um das handelt es sich im Wesentlichen, nicht um den Geist als solchen. Selbst die Materialisten werden den Geist nicht leugnen, sondern ihn nur eben ansehen als Ergebnis der materiellen Vorgänge der Welt.
[ 3 ] Wenn sich der Mensch gedrungen fühlt, das Wesen des Geistes nicht nur um der Wissenschaft, sondern um des Glückes des alltäglichen Lebens willen zu erforschen, so ist es darum, weil gegenüber diesem Schicksal fortdauernd in der Seele — man möchte sagen — aus unbewussten Tiefen herauf, die ins Bewusstsein doch eigentlich nur von einer wissenschaftlichen Weltanschauung heraufgehoben werden, weil aus ihnen fortwährend unbehagliche, sorgende Stimmungen auftauchen. Und diese hängen zusammen mit einer Unmenge von Erlebnissen, die unsere Seele durchzucken. Ich könnte von diesen Erlebnissen, die den Menschen gegenüber dem Geiste in Sorge bringen, gar viele vorbringen, will aber nur zwei als Beispiel anführen, zwei, die gerade zu denjenigen gehören, die sich der Mensch nicht immer klarmacht, die nicht immer ins Bewusstsein des Menschen eintreten. Aber gerade solche Sorgen sind es, die in den unterbewussten Tiefen ihr Wesen treiben, Seelenstimmungen und Seelenverfassungen hervorrufen, Seelenglück und Seelenleid bringen und die in all das sich hineindrängen, das den Menschen tüchtig oder untüchtig im Leben macht. Wenn wir sie nennen, so bezeichnen wir oftmals etwas damit, was sich das einfache, naive Gemüt nicht zum Bewusstsein bringt, was aber in der Seele umso tiefer wurzelt und zusammenhängt mit dem ganzen Gefühls- und Empfindungsleben. Und aus diesem Gebiete möchte ich zwei Beispiele anführen.
[ 3 ] Wenn sich der Mensch gedrungen fühlt, das Wesen des Geistes nicht nur um der Wissenschaft, sondern um des Glückes des alltäglichen Lebens willen zu erforschen, so ist es darum, weil gegenüber diesem Schicksal fortdauernd in der Seele — man möchte sagen — aus unbewussten Tiefen herauf, die ins Bewusstsein doch eigentlich nur von einer wissenschaftlichen Weltanschauung heraufgehoben werden, weil aus ihnen fortwährend unbehagliche, sorgende Stimmungen auftauchen. Und diese hängen zusammen mit einer Unmenge von Erlebnissen, die unsere Seele durchzucken. Ich könnte von diesen Erlebnissen, die den Menschen gegenüber dem Geiste in Sorge bringen, gar viele vorbringen, will aber nur zwei als Beispiel anführen, zwei, die gerade zu denjenigen gehören, die sich der Mensch nicht immer klarmacht, die nicht immer ins Bewusstsein des Menschen eintreten. Aber gerade solche Sorgen sind es, die in den unterbewussten Tiefen ihr Wesen treiben, Seelenstimmungen und Seelenverfassungen hervorrufen, Seelenglück und Seelenleid bringen und die in all das sich hineindrängen, das den Menschen tüchtig oder untüchtig im Leben macht. Wenn wir sie nennen, so bezeichnen wir oftmals etwas damit, was sich das einfache, naive Gemüt nicht zum Bewusstsein bringt, was aber in der Seele umso tiefer wurzelt und zusammenhängt mit dem ganzen Gefühls- und Empfindungsleben. Und aus diesem Gebiete möchte ich zwei Beispiele anführen.
[ 4 ] Das eine ist, was man empfinden kann in dem Augenblick, der eigentlich jeden Tag im Leben des Menschen eintritt, wenn der Mensch übergeht aus dem Wachzustand in den Schlafzustand. Die innere geistige Regsamkeit, in der der Mensch sein eigentliches Wesen findet, sie dämmert hinunter. Sie wird völlig unbewusst, der Mensch geht ein in das Unbestimmte. Wenn man es auch nicht immer empfindet, so liegt doch in diesem Erlebnis etwas, was man nennen könnte die Ohnmacht des gewöhnlichen geistigen Lebens. Irgendetwas ist da im Weltendasein, in das wir eintreten durch den Schlafzustand und das uns wegnimmt dasjenige, in dem wir unsere menschliche Würde und unseren menschlichen Wert erkennen, das uns wegnimmt unser geistiges Leben. Diese Ohnmacht gegenüber dem Geiste, das ist das Eine, was mehr oder weniger halb oder ganz unbewusst zugrunde liegt den Rätselfragen über das geistige Wesen.
[ 4 ] Das eine ist, was man empfinden kann in dem Augenblick, der eigentlich jeden Tag im Leben des Menschen eintritt, wenn der Mensch übergeht aus dem Wachzustand in den Schlafzustand. Die innere geistige Regsamkeit, in der der Mensch sein eigentliches Wesen findet, sie dämmert hinunter. Sie wird völlig unbewusst, der Mensch geht ein in das Unbestimmte. Wenn man es auch nicht immer empfindet, so liegt doch in diesem Erlebnis etwas, was man nennen könnte die Ohnmacht des gewöhnlichen geistigen Lebens. Irgendetwas ist da im Weltendasein, in das wir eintreten durch den Schlafzustand und das uns wegnimmt dasjenige, in dem wir unsere menschliche Würde und unseren menschlichen Wert erkennen, das uns wegnimmt unser geistiges Leben. Diese Ohnmacht gegenüber dem Geiste, das ist das Eine, was mehr oder weniger halb oder ganz unbewusst zugrunde liegt den Rätselfragen über das geistige Wesen.
[ 5 ] Und auf der anderen Seite ist es dasjenige, was wiederum auftreten kann, wenn der Mensch des Morgens erwacht, vielleicht durch den Übergang des Traumzustandes, den er doch nur als Summe von chaotischen Erlebnissen gegenüber der Wirklichkeit des Wachlebens ansehen kann, dann wiederum untertaucht in sein Leibeswesen, sich seiner leiblichen Sinne, seiner Organe bedient. Da aber bemerkt der Mensch — ich möchte sagen — den anderen Pol desjenigen, was Fragen gegenüber dem Wesen des Geistes in ihm aufwirft. Er bemerkt, dass er gegenüber dem, was er als geistiges Wesen ist, in Anspruch genommen wird in seiner Leibeswesenheit. Es lebt in den Sinnen, im Nervensystem, in den Gliedern, in dem allen lebt es. Aber wenn wir uns die einfachste Frage aufwerfen: Wodurch bewegen wir die Hand, den Arm? Wir können uns keine Rechenschaft geben im gewöhnlichen Bewusstsein, was da von der Absicht, die Handlung auszuführen, hinunterströmt ins Leibesdasein, was in diesem Leibesdasein wirkt und webt, damit zuletzt Armheben und Armsenken zustande kommen. Es ist, wie wenn in Finsternis hinabtauchen würde das, was wir unser geistiges Leben nennen.
[ 5 ] Und auf der anderen Seite ist es dasjenige, was wiederum auftreten kann, wenn der Mensch des Morgens erwacht, vielleicht durch den Übergang des Traumzustandes, den er doch nur als Summe von chaotischen Erlebnissen gegenüber der Wirklichkeit des Wachlebens ansehen kann, dann wiederum untertaucht in sein Leibeswesen, sich seiner leiblichen Sinne, seiner Organe bedient. Da aber bemerkt der Mensch — ich möchte sagen — den anderen Pol desjenigen, was Fragen gegenüber dem Wesen des Geistes in ihm aufwirft. Er bemerkt, dass er gegenüber dem, was er als geistiges Wesen ist, in Anspruch genommen wird in seiner Leibeswesenheit. Es lebt in den Sinnen, im Nervensystem, in den Gliedern, in dem allen lebt es. Aber wenn wir uns die einfachste Frage aufwerfen: Wodurch bewegen wir die Hand, den Arm? Wir können uns keine Rechenschaft geben im gewöhnlichen Bewusstsein, was da von der Absicht, die Handlung auszuführen, hinunterströmt ins Leibesdasein, was in diesem Leibesdasein wirkt und webt, damit zuletzt Armheben und Armsenken zustande kommen. Es ist, wie wenn in Finsternis hinabtauchen würde das, was wir unser geistiges Leben nennen.
[ 6 ] So sehen wir auf der einen Seite die Empfindung der Ohnmacht des Geisteslebens und auf der anderen Seite das Hinuntertauchen in eine unbestimmte Finsternis, die aber in uns selber liegt. Und wenn dann der Mensch alles das, was in Seelenstimmungen und Seelenverfassungen herauftaucht dadurch, dass er so etwas erlebt, sich vor sein geistiges Auge bringt, dann drängt es in ihm, die Frage irgendwie zu beantworten: Ja, wie verhält es sich in Wahrheit mit diesem geistigen Leben? Gibt es noch ein anderes geistiges Leben, in dem das, das mir so ohnmächtig und finster vorkommt, irgendwie wurzelt, das ihm sein dauerndes Dasein verbürgt? Dann aber lagern sich zwei Meinungen, zwei Gedanken- und Gefühlsfeinde zwischen den Menschen und diese geistige Welt, die den Menschen mit Illusionen erfüllen über die geistige Welt und die etwas an ihm, an seiner Seelenstimmung und Seelenverfassung, zehren.
[ 6 ] So sehen wir auf der einen Seite die Empfindung der Ohnmacht des Geisteslebens und auf der anderen Seite das Hinuntertauchen in eine unbestimmte Finsternis, die aber in uns selber liegt. Und wenn dann der Mensch alles das, was in Seelenstimmungen und Seelenverfassungen herauftaucht dadurch, dass er so etwas erlebt, sich vor sein geistiges Auge bringt, dann drängt es in ihm, die Frage irgendwie zu beantworten: Ja, wie verhält es sich in Wahrheit mit diesem geistigen Leben? Gibt es noch ein anderes geistiges Leben, in dem das, das mir so ohnmächtig und finster vorkommt, irgendwie wurzelt, das ihm sein dauerndes Dasein verbürgt? Dann aber lagern sich zwei Meinungen, zwei Gedanken- und Gefühlsfeinde zwischen den Menschen und diese geistige Welt, die den Menschen mit Illusionen erfüllen über die geistige Welt und die etwas an ihm, an seiner Seelenstimmung und Seelenverfassung, zehren.
[ 7 ] Das eine ist der Aberglaube. Derjenige, der da kommen will zu einem Bewusstsein seines Zusammenhanges mit einer geistigen Welt, er strebt wohl hinein in sein Inneres, sucht dann, nicht durch seine Erkenntnis, sondern aus seinem Willen heraus sich allerlei Illusionen hinzugeben, allerlei Urteilstrübungen, Dingen, die ihm etwas sagen sollen über die geistige Welt. Ich brauche diese Dinge nur anzudeuten, so fühlen Sie, was an Illusionsquellen liegt in dem, was wir als die verschiedenen Formen des menschlichen Aberglaubens bezeichnen. Aber sehen wir hin, wie es dem abergläubischen Menschen in der Welt ergehen muss.
[ 7 ] Das eine ist der Aberglaube. Derjenige, der da kommen will zu einem Bewusstsein seines Zusammenhanges mit einer geistigen Welt, er strebt wohl hinein in sein Inneres, sucht dann, nicht durch seine Erkenntnis, sondern aus seinem Willen heraus sich allerlei Illusionen hinzugeben, allerlei Urteilstrübungen, Dingen, die ihm etwas sagen sollen über die geistige Welt. Ich brauche diese Dinge nur anzudeuten, so fühlen Sie, was an Illusionsquellen liegt in dem, was wir als die verschiedenen Formen des menschlichen Aberglaubens bezeichnen. Aber sehen wir hin, wie es dem abergläubischen Menschen in der Welt ergehen muss.
[ 8 ] Dasjenige, was er in sich hineinzaubert und was ihm vergegenwärtigen soll sein Verhältnis zur geistigen Welt, es stößt sich ja an allen Ecken und Enden mit der äußeren Wirklichkeit. Schauen wir uns die Vorgänge, die Dinge um uns an. Treten wir an ihre Gesetzmäßigkeit heran, überall finden wir, dass etwas anderes wahr ist als das, was wir aus den abergläubischen Vorstellungen heraus glauben. Dadurch kommen wir zu einer gewissen Unorientiertheit. Wir taumeln durch das Leben, statt dass wir uns mit unserer Geistigkeit verbunden fühlen könnten, mit der wirklichen Gesetzmäßigkeit der Welt verbunden fühlen könnten. Und wir werden auch untauglich, weil wir in uns selber nicht die Kräfte finden, die hinzupassen zu dem, was die Außenwelt an Gesetzen hat. Ein abergläubischer Mensch muss für sich und die Umwelt zuletzt doch ein untauglicher Mensch werden. Nun verfallen aber dem Aberglauben gerade diejenigen, die aus einem gewissen Willen oder aus einer gewissen Lebenslage heraus es ablehnen müssen, sich auseinanderzusetzen mit dem ganzen wissenschaftlichen Leben der Gegenwart. Diejenigen also, die wenig berührt sind von demjenigen, was uns an den bedeutsamen Erkenntnissen des wissenschaftlichen Lebens wird, die verfallen schr leicht der Unorientiertheit und Untauglichkeit im Leben, wie ich sie eben geschildert habe.
[ 8 ] Dasjenige, was er in sich hineinzaubert und was ihm vergegenwärtigen soll sein Verhältnis zur geistigen Welt, es stößt sich ja an allen Ecken und Enden mit der äußeren Wirklichkeit. Schauen wir uns die Vorgänge, die Dinge um uns an. Treten wir an ihre Gesetzmäßigkeit heran, überall finden wir, dass etwas anderes wahr ist als das, was wir aus den abergläubischen Vorstellungen heraus glauben. Dadurch kommen wir zu einer gewissen Unorientiertheit. Wir taumeln durch das Leben, statt dass wir uns mit unserer Geistigkeit verbunden fühlen könnten, mit der wirklichen Gesetzmäßigkeit der Welt verbunden fühlen könnten. Und wir werden auch untauglich, weil wir in uns selber nicht die Kräfte finden, die hinzupassen zu dem, was die Außenwelt an Gesetzen hat. Ein abergläubischer Mensch muss für sich und die Umwelt zuletzt doch ein untauglicher Mensch werden. Nun verfallen aber dem Aberglauben gerade diejenigen, die aus einem gewissen Willen oder aus einer gewissen Lebenslage heraus es ablehnen müssen, sich auseinanderzusetzen mit dem ganzen wissenschaftlichen Leben der Gegenwart. Diejenigen also, die wenig berührt sind von demjenigen, was uns an den bedeutsamen Erkenntnissen des wissenschaftlichen Lebens wird, die verfallen schr leicht der Unorientiertheit und Untauglichkeit im Leben, wie ich sie eben geschildert habe.
[ 9 ] Wiederum einem andern Pol im seelischen Erleben sind diejenigen ausgesetzt, die so recht hineinsteigen in dieses wissenschaftliche Leben, die sich gewissenhaft durchdringen mit dem, was die Sinne, was Experiment und Beobachtung bieten können durch die wissenschaftlichen Methoden. Solche fühlen dann, wie sie den Intellekt gestalten müssen, damit er nur ja ungetrübt und unbehelligt durch allerlei Illusionen hineinfindet in das Gebiet der wahren Wirklichkeit. Dann aber fühlen sie weiter: Mit diesem Intellekt, der so recht tauglich ist für das Gebiet der [sinnlichen] Welt, kann man nicht hinaufsteigen in die übersinnliche Welt. Und gerade diejenigen, die es ernst nehmen mit dem wissenschaftlichen Leben, die werden dann geworfen in Zweifel. Und diese Zweifel, wenn sie das ernste Gemüt, die ernste Seele ergreifen, sie senken sich aus dem Verstand, in dem sie zunächst wurzeln, tief hinein in das Empfindungs- und Gemütsleben. Und gerade durch anthroposophische Forschungen erkennt man, wie innig unser Gemütsleben zusammenhängt mit den Leidens- und Freudezuständen unserer Leiblichkeit. Sodass zum Schluss dasjenige, was sich als Zweifel vom Verstand in das Gemüt senkt, bis in das Leibesdasein sich hineinerstreckt. Sodass der Mensch — man darf diesen radikalen Ausdruck in diesem Fall gebrauchen — durch den Zweifel in eine gewisse seelische Schwindsucht, dann in eine körperliche Schwächlichkeit, körperliche Untauglichkeit geworfen wird. Auch durch die Zweifel wird er zuletzt untauglich für das Leben, für sich und seine Mitmenschen.
[ 9 ] Wiederum einem andern Pol im seelischen Erleben sind diejenigen ausgesetzt, die so recht hineinsteigen in dieses wissenschaftliche Leben, die sich gewissenhaft durchdringen mit dem, was die Sinne, was Experiment und Beobachtung bieten können durch die wissenschaftlichen Methoden. Solche fühlen dann, wie sie den Intellekt gestalten müssen, damit er nur ja ungetrübt und unbehelligt durch allerlei Illusionen hineinfindet in das Gebiet der wahren Wirklichkeit. Dann aber fühlen sie weiter: Mit diesem Intellekt, der so recht tauglich ist für das Gebiet der [sinnlichen] Welt, kann man nicht hinaufsteigen in die übersinnliche Welt. Und gerade diejenigen, die es ernst nehmen mit dem wissenschaftlichen Leben, die werden dann geworfen in Zweifel. Und diese Zweifel, wenn sie das ernste Gemüt, die ernste Seele ergreifen, sie senken sich aus dem Verstand, in dem sie zunächst wurzeln, tief hinein in das Empfindungs- und Gemütsleben. Und gerade durch anthroposophische Forschungen erkennt man, wie innig unser Gemütsleben zusammenhängt mit den Leidens- und Freudezuständen unserer Leiblichkeit. Sodass zum Schluss dasjenige, was sich als Zweifel vom Verstand in das Gemüt senkt, bis in das Leibesdasein sich hineinerstreckt. Sodass der Mensch — man darf diesen radikalen Ausdruck in diesem Fall gebrauchen — durch den Zweifel in eine gewisse seelische Schwindsucht, dann in eine körperliche Schwächlichkeit, körperliche Untauglichkeit geworfen wird. Auch durch die Zweifel wird er zuletzt untauglich für das Leben, für sich und seine Mitmenschen.
[ 10 ] Weil diese Dinge gerade den modernen Menschen so tief ergreifen, so suchen die Persönlichkeiten, die es ernst nehmen mit dem geistigen Leben, die mannigfaltigsten Auskunftsmittel, um doch ein Verhältnis zur geistigen Welt zu gewinnen. Wir sehen, wie gerade die letzteren Naturen sich nun heute schon wenden an dasjenige, was wegen seiner Unbestimmtheit, was wegen seiner Erkenntnisunsicherheit eigentlich niemals die Grundlage eines wirklichen Wissens bilden kann. Man wendet sich an das Pathologische der Menschennatur. Weil man zweifelt an dem, was die gesunde Seele und der gesunde Leib an Erkenntnis hervorbringen können in Bezug auf die übersinnliche Welt, wendet man sich an die abnorme Menschennatur und glaubt, dass in dem, was diese in Abweichung auch von demjenigen, was uns die normale Erkenntnis hervorbringt, etwas gefunden werden kann, was uns hinweist auf Dinge und Vorgänge einer anderen Welt, als diese ist, in der sich der Mensch ebenso wenig zu Hause fühlt und wo er nicht wollen kann, dass das Geistige untersinken könnte in unbestimmte Finsternis. Und so wenden sich gerade Zweiflernaturen aus den Gebieten der Wissenschaft heute vielfach an die mediumistischen Erscheinungen, sie wenden sich an die krankhaften Menschennaturen, aus denen herauskommen allerlei Visionen, allerlei innere Anschauungen, die doch nichts weiter sind als Halluzinationen. Denn wir können sehen, wenn wir unbefangen uns die Tatsachenwelt auf diesem Gebiete anschauen, wie das Medium, das in Bezug auf sein normales Leben des Erkennens abgeschlossen ist von der Umwelt, wie es aus einer krankhaften Körperlichkeit — denn die gesunde Natur bringt eine gesunde Erkenntnismöglichkeit hervor — allerlei innere Erlebnisse treibt, die es dann mitteilt. Niemals ist man in der Lage, diese Erlebnisse zu prüfen mit der Genauigkeit, mit der man zum Beispiel die des Traumes prüft. Bei der Erkenntnis kommt es darauf an, dass man dasjenige, was von irgendwoher erlebt wird, dass das geprüft werden kann durch den gesunden Menschenverstand der Tageswirklichkeit. Das können wir beim Traum, aber nicht in derselben Weise bei den mediumistischen Offenbarungen, weil wir sie nicht durchschauen, weil sie nicht in uns selbst leben. Ebenso wenig kann das erkenntnismäßig geprüft werden, was aus einer krankhaften Natur als Visionen und Halluzinationen auftaucht. Wir werden immer finden, dass irgendwo etwas krank ist, wenn Visionäres oder Halluzinatorisches aus dem Seelenleben auftaucht. Und man kann sagen: Es ist nur eine Fortsetzung der Verzweiflung an der gesunden normalen Erkenntnis gegenüber dem Übersinnlichen, das sich ausspricht in solchem Suchen.
[ 10 ] Weil diese Dinge gerade den modernen Menschen so tief ergreifen, so suchen die Persönlichkeiten, die es ernst nehmen mit dem geistigen Leben, die mannigfaltigsten Auskunftsmittel, um doch ein Verhältnis zur geistigen Welt zu gewinnen. Wir sehen, wie gerade die letzteren Naturen sich nun heute schon wenden an dasjenige, was wegen seiner Unbestimmtheit, was wegen seiner Erkenntnisunsicherheit eigentlich niemals die Grundlage eines wirklichen Wissens bilden kann. Man wendet sich an das Pathologische der Menschennatur. Weil man zweifelt an dem, was die gesunde Seele und der gesunde Leib an Erkenntnis hervorbringen können in Bezug auf die übersinnliche Welt, wendet man sich an die abnorme Menschennatur und glaubt, dass in dem, was diese in Abweichung auch von demjenigen, was uns die normale Erkenntnis hervorbringt, etwas gefunden werden kann, was uns hinweist auf Dinge und Vorgänge einer anderen Welt, als diese ist, in der sich der Mensch ebenso wenig zu Hause fühlt und wo er nicht wollen kann, dass das Geistige untersinken könnte in unbestimmte Finsternis. Und so wenden sich gerade Zweiflernaturen aus den Gebieten der Wissenschaft heute vielfach an die mediumistischen Erscheinungen, sie wenden sich an die krankhaften Menschennaturen, aus denen herauskommen allerlei Visionen, allerlei innere Anschauungen, die doch nichts weiter sind als Halluzinationen. Denn wir können sehen, wenn wir unbefangen uns die Tatsachenwelt auf diesem Gebiete anschauen, wie das Medium, das in Bezug auf sein normales Leben des Erkennens abgeschlossen ist von der Umwelt, wie es aus einer krankhaften Körperlichkeit — denn die gesunde Natur bringt eine gesunde Erkenntnismöglichkeit hervor — allerlei innere Erlebnisse treibt, die es dann mitteilt. Niemals ist man in der Lage, diese Erlebnisse zu prüfen mit der Genauigkeit, mit der man zum Beispiel die des Traumes prüft. Bei der Erkenntnis kommt es darauf an, dass man dasjenige, was von irgendwoher erlebt wird, dass das geprüft werden kann durch den gesunden Menschenverstand der Tageswirklichkeit. Das können wir beim Traum, aber nicht in derselben Weise bei den mediumistischen Offenbarungen, weil wir sie nicht durchschauen, weil sie nicht in uns selbst leben. Ebenso wenig kann das erkenntnismäßig geprüft werden, was aus einer krankhaften Natur als Visionen und Halluzinationen auftaucht. Wir werden immer finden, dass irgendwo etwas krank ist, wenn Visionäres oder Halluzinatorisches aus dem Seelenleben auftaucht. Und man kann sagen: Es ist nur eine Fortsetzung der Verzweiflung an der gesunden normalen Erkenntnis gegenüber dem Übersinnlichen, das sich ausspricht in solchem Suchen.
[ 11 ] Dagegen gibt es ja in der Gegenwart viele Naturen, die noch nicht aus dem herausgekommen sind, was Erziehung, was dasjenige gibt, in das wir hineingeboren sind, aber eine ganze Anzahl von Naturen heute schon, die, indem sie verzweifeln an anderen Wegen, um in die geistige Welt hineinzukommen, doch nun wiederum an das kommen, was — ich möchte sagen — die naivsten Gemüter zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse nach dem Geistigen aufsuchen. Da ist es das, was altehrwürdig ist, was aus alten Zeiten an Bekenntnissen sich bis zu uns herauf entwickelt hat, das ist da. Man kann ganz gewiss fühlen, wie solche Bekenntnisse, und sie reichen bis in unsere Philosophie der Gegenwart hinein, wie sie wirklich etwas offenbaren von einer geistigen Welt. Aber man kann eigentlich, da sie einfach da sind als Ergebnisse, da sie durch Tradition aufbewahrt sind und in gewisser fertiger Gestalt an den Menschen herantreten, doch nichts anderes als sich demjenigen hingeben, was man in der Gegenwart gegenüber dem eigentlichen Wissen das Glauben nennt.
[ 11 ] Dagegen gibt es ja in der Gegenwart viele Naturen, die noch nicht aus dem herausgekommen sind, was Erziehung, was dasjenige gibt, in das wir hineingeboren sind, aber eine ganze Anzahl von Naturen heute schon, die, indem sie verzweifeln an anderen Wegen, um in die geistige Welt hineinzukommen, doch nun wiederum an das kommen, was — ich möchte sagen — die naivsten Gemüter zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse nach dem Geistigen aufsuchen. Da ist es das, was altehrwürdig ist, was aus alten Zeiten an Bekenntnissen sich bis zu uns herauf entwickelt hat, das ist da. Man kann ganz gewiss fühlen, wie solche Bekenntnisse, und sie reichen bis in unsere Philosophie der Gegenwart hinein, wie sie wirklich etwas offenbaren von einer geistigen Welt. Aber man kann eigentlich, da sie einfach da sind als Ergebnisse, da sie durch Tradition aufbewahrt sind und in gewisser fertiger Gestalt an den Menschen herantreten, doch nichts anderes als sich demjenigen hingeben, was man in der Gegenwart gegenüber dem eigentlichen Wissen das Glauben nennt.
[ 12 ] Es suchen ja die Naturen, die nicht den Mut haben, um vorzudringen zum Wissen, das Glauben zu rechtfertigen durch alle möglichen Begriffskonstruktionen. Aber diejenigen, die mit tieferen Seelenerkenntnissen an das Geschehen herantreten und es verfolgen von Periode zu Periode, die nicht nur die äußeren Tatsachen der Geschichte verfolgen, sondern das innere Leben der Seele der Menschheit im geschichtlichen Leben verfolgen, die finden, dass alles das, was heute auftritt in Traditionen, in Weltanschauungen, die als Bekenntnisse oder als Philosophien da sind, denen man sich dann mit einer gewissen Gläubigkeit hingibt, dass die alle zurückführen auf alte Formen des Erkennens, nicht auf alte Formen des Glaubens.
[ 12 ] Es suchen ja die Naturen, die nicht den Mut haben, um vorzudringen zum Wissen, das Glauben zu rechtfertigen durch alle möglichen Begriffskonstruktionen. Aber diejenigen, die mit tieferen Seelenerkenntnissen an das Geschehen herantreten und es verfolgen von Periode zu Periode, die nicht nur die äußeren Tatsachen der Geschichte verfolgen, sondern das innere Leben der Seele der Menschheit im geschichtlichen Leben verfolgen, die finden, dass alles das, was heute auftritt in Traditionen, in Weltanschauungen, die als Bekenntnisse oder als Philosophien da sind, denen man sich dann mit einer gewissen Gläubigkeit hingibt, dass die alle zurückführen auf alte Formen des Erkennens, nicht auf alte Formen des Glaubens.
[ 13 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, ich werde gewiss nicht zu denjenigen gehören, welche solche alten Formen des Erkenntnisstrebens etwa für die Gegenwart wiederum empfehlen. Allein damit man sich verständigen kann, wie der Mensch überhaupt aus seiner Natur, aus seinem Wesen heraus zu einer Erkenntnis einer andern Welt kommen könne, kann eine Auseinandersetzung über die Art und Weise, wie man in früheren Epochen der Menschheit anders, als wir es jetzt müssen, wie der Mensch in früheren Zeiten nach Erkenntnis gestrebt hat und wie dasjenige, was aus solchen früheren Erkenntniswegen sich als Ergebnisse geoffenbart hat, wie das dann, ohne dass man heute eine Klarheit darüber hat, welches diese Erkenntniswege waren, wie sich das dann mitgeteilt hat dem Entwicklungsgang der Menschheit, wie es heute noch da ist. Die Menschen würden schon verwundert sein, wenn sie sich mit vollständiger geschichtlicher Genauigkeit klarmachen würden, wie selbst bis in die selbstverständlichsten Philosophien hinein nur die Ergebnisse dessen leben, die vorhanden sind auf Grundlage früherer Erkenntnisse.
[ 13 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, ich werde gewiss nicht zu denjenigen gehören, welche solche alten Formen des Erkenntnisstrebens etwa für die Gegenwart wiederum empfehlen. Allein damit man sich verständigen kann, wie der Mensch überhaupt aus seiner Natur, aus seinem Wesen heraus zu einer Erkenntnis einer andern Welt kommen könne, kann eine Auseinandersetzung über die Art und Weise, wie man in früheren Epochen der Menschheit anders, als wir es jetzt müssen, wie der Mensch in früheren Zeiten nach Erkenntnis gestrebt hat und wie dasjenige, was aus solchen früheren Erkenntniswegen sich als Ergebnisse geoffenbart hat, wie das dann, ohne dass man heute eine Klarheit darüber hat, welches diese Erkenntniswege waren, wie sich das dann mitgeteilt hat dem Entwicklungsgang der Menschheit, wie es heute noch da ist. Die Menschen würden schon verwundert sein, wenn sie sich mit vollständiger geschichtlicher Genauigkeit klarmachen würden, wie selbst bis in die selbstverständlichsten Philosophien hinein nur die Ergebnisse dessen leben, die vorhanden sind auf Grundlage früherer Erkenntnisse.
[ 14 ] Ich möchte zwei Beispiele wiederum herausheben von der Art und Weise, wie man in sehr, sehr alter Zeit zu solchen Erkenntnissen gekommen ist, zwei Beispiele, ich könnte auch andere anführen, ich will aber zwei charakteristische wählen. Die Ergebnisse dieser Erkenntniswege, die nicht mehr die unseren sein können, sie leben noch heute in der Tradition fort. Ihnen geben sich, ohne dass sie es wissen, viele, ja Millionen von Menschen hin. Denn dasjenige, was in allen Bekenntnissen, in allen Weltanschauungen lebt, ist einmal von einzelnen Menschen auf ihren Erkenntniswegen gesucht worden. Insbesondere den ersten Erkenntnisweg, den ich angeben werde, charakterisiert man gegenwärtig nicht eigentlich richtig. Denn man charakterisiert eigentlich nur das, was in orientalischen Ländern — zu welchen sich heute hingezogen fühlen viele, die an der eigenen Erkenntnis verzweifeln —, was in der alten orientalischen Welt als alte Traditionen geblieben ist, aber schadhaft, dekadent geblieben ist von demjenigen, was vollberechtigtes Erkenntnisstreben war.
[ 14 ] Ich möchte zwei Beispiele wiederum herausheben von der Art und Weise, wie man in sehr, sehr alter Zeit zu solchen Erkenntnissen gekommen ist, zwei Beispiele, ich könnte auch andere anführen, ich will aber zwei charakteristische wählen. Die Ergebnisse dieser Erkenntniswege, die nicht mehr die unseren sein können, sie leben noch heute in der Tradition fort. Ihnen geben sich, ohne dass sie es wissen, viele, ja Millionen von Menschen hin. Denn dasjenige, was in allen Bekenntnissen, in allen Weltanschauungen lebt, ist einmal von einzelnen Menschen auf ihren Erkenntniswegen gesucht worden. Insbesondere den ersten Erkenntnisweg, den ich angeben werde, charakterisiert man gegenwärtig nicht eigentlich richtig. Denn man charakterisiert eigentlich nur das, was in orientalischen Ländern — zu welchen sich heute hingezogen fühlen viele, die an der eigenen Erkenntnis verzweifeln —, was in der alten orientalischen Welt als alte Traditionen geblieben ist, aber schadhaft, dekadent geblieben ist von demjenigen, was vollberechtigtes Erkenntnisstreben war.
[ 15 ] Dasjenige, was ich zunächst charakterisieren möchte, ist das, was man gewöhnlich kennt als den sogenannten Yoga-Weg orientalischer Geistessucher. Durch diesen Yoga-Weg — ohne dass die Menschen es wissen müssen —, von dem gesagt wird, dass er liefert die Ergebnisse, denen sich viele hingeben; was wurde erstrebt durch ihn? Das wird sich uns ergeben, wenn wir ihn einmal in seinen wichtigsten Eigenschaften uns vor die Seele führen. Ein Vorgang, an den sich der Yoga-Gelehrte ganz besonders wandte, war ein andersgeartetes Atmen als das gewöhnliche Atmen.
[ 15 ] Dasjenige, was ich zunächst charakterisieren möchte, ist das, was man gewöhnlich kennt als den sogenannten Yoga-Weg orientalischer Geistessucher. Durch diesen Yoga-Weg — ohne dass die Menschen es wissen müssen —, von dem gesagt wird, dass er liefert die Ergebnisse, denen sich viele hingeben; was wurde erstrebt durch ihn? Das wird sich uns ergeben, wenn wir ihn einmal in seinen wichtigsten Eigenschaften uns vor die Seele führen. Ein Vorgang, an den sich der Yoga-Gelehrte ganz besonders wandte, war ein andersgeartetes Atmen als das gewöhnliche Atmen.
[ 16 ] Ich weiß selbstverständlich — meine sehr verehrten Anwesenden —, dass gerade Atmungsanwendungen heute den Menschen recht verderblich werden können. Allein, was der heutigen Menschennatur schädlich ist, geht eben auf Formen der Erkenntniswege zurück, die einmal bei älteren primitiven Formen der Menschennatur durchaus berechtigt waren und aus der damaligen Wesenheit des menschlichen Geisteswesens heraus auch wirklich Wege in die geistige Welt hinein waren. Der Yoga-Gelehrte versuchte durch das, was im Menschen sonst unbewusst vor sich geht, was nur in krankhaften Zuständen oder sonst in irgendwelchen abnormen Fällen bewusst wird, was also beim gesunden Menschen im Wesentlichen unbewusst vor sich geht, das versuchte der Yoga-Gelehrte in einen anderen Rhythmus zu bringen. Er versuchte in anderer Weise einzuatmen, den Atem anzuhalten und wieder auszuatmen, als dies im gewöhnlichen Leben geschieht. Was suchte er auf diese Weise zu erreichen? Er suchte, das eine Element des menschlichen Seelenlebens zu einer Erkenntnis anderer Welten zu bringen, als die gewöhnlichen sind, das Element des Denkens. Und der Yoga-Gelehrte bemerkte, dass durch dieses abnorme Atmen sein Denkprozess in eine ganz andere Orientierung hineingebracht wurde. In welche Orientierung? Wir können es uns klarmachen dadurch, dass wir auf heute Physiologisches hinweisen. Wenn wir einatmen, so wird der Atmungsstrom durch den Rückenmarkskanal in das Gehirn getrieben, das ist für den Menschen heute ein unbewusster Vorgang. Deshalb ist aber nicht minder das da, dass durch die Vorgänge, die sich im Leibe abspielen und die das Äußere sind für die seelisch-geistigen Vorgänge des Lebens, dass sich durch sie nicht bloß alles das zieht, für welches das Gehirn das Werkzeug ist, sondern auch dasjenige, was verfeinerter Atmungsrhythmus ist. Indem wir denken über die Welt, vibriert und strömt und wellt und webt in unserem Gehirn, in unserem Nervensystem überhaupt, fortdauernd die feine Strömung, die aus dem Atmen herauskommt. Indem der Yoga-Gelehrte in einer abnormen Weise atmete, wurde ihm das, was eben beim normalen Atmen im Atmungsprozess unbewusst bleibt, bewusst. Und er konnte verfolgen dasjenige, was nun in das Gehirn hineinströmt vom Atmungsprozess,
[ 16 ] Ich weiß selbstverständlich — meine sehr verehrten Anwesenden —, dass gerade Atmungsanwendungen heute den Menschen recht verderblich werden können. Allein, was der heutigen Menschennatur schädlich ist, geht eben auf Formen der Erkenntniswege zurück, die einmal bei älteren primitiven Formen der Menschennatur durchaus berechtigt waren und aus der damaligen Wesenheit des menschlichen Geisteswesens heraus auch wirklich Wege in die geistige Welt hinein waren. Der Yoga-Gelehrte versuchte durch das, was im Menschen sonst unbewusst vor sich geht, was nur in krankhaften Zuständen oder sonst in irgendwelchen abnormen Fällen bewusst wird, was also beim gesunden Menschen im Wesentlichen unbewusst vor sich geht, das versuchte der Yoga-Gelehrte in einen anderen Rhythmus zu bringen. Er versuchte in anderer Weise einzuatmen, den Atem anzuhalten und wieder auszuatmen, als dies im gewöhnlichen Leben geschieht. Was suchte er auf diese Weise zu erreichen? Er suchte, das eine Element des menschlichen Seelenlebens zu einer Erkenntnis anderer Welten zu bringen, als die gewöhnlichen sind, das Element des Denkens. Und der Yoga-Gelehrte bemerkte, dass durch dieses abnorme Atmen sein Denkprozess in eine ganz andere Orientierung hineingebracht wurde. In welche Orientierung? Wir können es uns klarmachen dadurch, dass wir auf heute Physiologisches hinweisen. Wenn wir einatmen, so wird der Atmungsstrom durch den Rückenmarkskanal in das Gehirn getrieben, das ist für den Menschen heute ein unbewusster Vorgang. Deshalb ist aber nicht minder das da, dass durch die Vorgänge, die sich im Leibe abspielen und die das Äußere sind für die seelisch-geistigen Vorgänge des Lebens, dass sich durch sie nicht bloß alles das zieht, für welches das Gehirn das Werkzeug ist, sondern auch dasjenige, was verfeinerter Atmungsrhythmus ist. Indem wir denken über die Welt, vibriert und strömt und wellt und webt in unserem Gehirn, in unserem Nervensystem überhaupt, fortdauernd die feine Strömung, die aus dem Atmen herauskommt. Indem der Yoga-Gelehrte in einer abnormen Weise atmete, wurde ihm das, was eben beim normalen Atmen im Atmungsprozess unbewusst bleibt, bewusst. Und er konnte verfolgen dasjenige, was nun in das Gehirn hineinströmt vom Atmungsprozess,
[ 17 ] Und dasjenige, was dadurch zustande kam, das war, dass das Denken ein anderes wurde, das in alten Zeiten für die Menschheit ein sehr lebendiges war, das in alten Zeiten für die Menschheit so war, dass der Mensch nicht so, wie wir heute berechtigterweise überall die reinen Farben sehen durch äußere Augen, die reinen Töne hören durch äußere Ohren, dass der alte Mensch also überall dasjenige sah, was in seiner Seele als ein Seelisch-Geistiges aufstieg. In der Wolke, in Donner und Blitz, in der Quelle, in der Pflanze, im Stein, überall sah der Mensch, außer den Tönen, die das Ohr gab, außer den Farben, die das Auge lieferte, und so weiter, überall sah der Mensch in älteren Zeiten ein Geistig-Seelisches. Die Menschen sagen heute: Das waren Phantasiegebilde. Es waren nicht Phantasiegebilde, geradeso, wie wir die Röte durch unser Auge wahrnehmen, so nahmen die alten Menschen wahr, was seelisch-geistig war, in Welle und Wind, in Blitz und Donner, in Pflanze, Stein und Tier, in Quelle und Bach, in Sonne und Mond. Dieses Denken, das in jenen alten Zeiten Allgemeingut der Menschheit war, es war natürlich auch das Denken des Yoga-Gelehrten. Indem er aber nun den zehrenden Atem durchschickte durch dieses Denken, wurde für ihn dieses Denken etwas anderes. Er nahm durch das Denken, das er sich dadurch entwickelte, eine andere Welt wahr als durch sein gewöhnliches Denken. Er nahm diejenige Welt wahr, die ihm vor allen Dingen die Gewissheit des eigenen Wesens gab.
[ 17 ] Und dasjenige, was dadurch zustande kam, das war, dass das Denken ein anderes wurde, das in alten Zeiten für die Menschheit ein sehr lebendiges war, das in alten Zeiten für die Menschheit so war, dass der Mensch nicht so, wie wir heute berechtigterweise überall die reinen Farben sehen durch äußere Augen, die reinen Töne hören durch äußere Ohren, dass der alte Mensch also überall dasjenige sah, was in seiner Seele als ein Seelisch-Geistiges aufstieg. In der Wolke, in Donner und Blitz, in der Quelle, in der Pflanze, im Stein, überall sah der Mensch, außer den Tönen, die das Ohr gab, außer den Farben, die das Auge lieferte, und so weiter, überall sah der Mensch in älteren Zeiten ein Geistig-Seelisches. Die Menschen sagen heute: Das waren Phantasiegebilde. Es waren nicht Phantasiegebilde, geradeso, wie wir die Röte durch unser Auge wahrnehmen, so nahmen die alten Menschen wahr, was seelisch-geistig war, in Welle und Wind, in Blitz und Donner, in Pflanze, Stein und Tier, in Quelle und Bach, in Sonne und Mond. Dieses Denken, das in jenen alten Zeiten Allgemeingut der Menschheit war, es war natürlich auch das Denken des Yoga-Gelehrten. Indem er aber nun den zehrenden Atem durchschickte durch dieses Denken, wurde für ihn dieses Denken etwas anderes. Er nahm durch das Denken, das er sich dadurch entwickelte, eine andere Welt wahr als durch sein gewöhnliches Denken. Er nahm diejenige Welt wahr, die ihm vor allen Dingen die Gewissheit des eigenen Wesens gab.
[ 18 ] Und wenn wir heute die wunderbaren poetischen Darstellungen lesen, die etwa in der Bhagavad Gita gegeben werden über das Wesen und Weben des menschlichen Selbstes, so sind sie gewonnen dadurch, dass die Yoga-Gelehrsamkeit sich aufrafft zu einem Denken, das erworben war durch den selbstgeregelten Atmungsprozess. Vor allen Dingen hatte der alte Mensch, indem er das Geistig-Seelische in allen Dingen und Vorgängen der Außenwelt sah, nicht sein inneres Geistiges. Durch den Yoga-Prozess wurde er sein Geistiges gewahr. Und das, was vielfach herauftönt aus alten Zeiten, was nur im Äußeren verändert wurde, das lebt wiederum in Weltanschauungen und Bekenntnissen fort. Und viele Philosophen und Religionsbekenner wissen nicht, wie sich das, was sie über die Menschenseele und das Selbst im Zusammenhang mit dem Ewigen sagen, herauf sich entwickelt hat aus alten Zeiten, wo es Ergebnis der Schulung alter Yogis war. Aber man kann sich klarmachen, dass es innere Übungen sind, die auf diese Erkenntnisweise den Menschen den Weg hinaufführen sollten in die übersinnlichen Welten, damit er sein Verhältnis zu einer anderen Welt kennenlernen sollte als die, die uns sonst umgibt. Das war nach der einen Seite hin, nach der Richtung des Denkens hin, ein solcher Weg der Erkenntnis.
[ 18 ] Und wenn wir heute die wunderbaren poetischen Darstellungen lesen, die etwa in der Bhagavad Gita gegeben werden über das Wesen und Weben des menschlichen Selbstes, so sind sie gewonnen dadurch, dass die Yoga-Gelehrsamkeit sich aufrafft zu einem Denken, das erworben war durch den selbstgeregelten Atmungsprozess. Vor allen Dingen hatte der alte Mensch, indem er das Geistig-Seelische in allen Dingen und Vorgängen der Außenwelt sah, nicht sein inneres Geistiges. Durch den Yoga-Prozess wurde er sein Geistiges gewahr. Und das, was vielfach herauftönt aus alten Zeiten, was nur im Äußeren verändert wurde, das lebt wiederum in Weltanschauungen und Bekenntnissen fort. Und viele Philosophen und Religionsbekenner wissen nicht, wie sich das, was sie über die Menschenseele und das Selbst im Zusammenhang mit dem Ewigen sagen, herauf sich entwickelt hat aus alten Zeiten, wo es Ergebnis der Schulung alter Yogis war. Aber man kann sich klarmachen, dass es innere Übungen sind, die auf diese Erkenntnisweise den Menschen den Weg hinaufführen sollten in die übersinnlichen Welten, damit er sein Verhältnis zu einer anderen Welt kennenlernen sollte als die, die uns sonst umgibt. Das war nach der einen Seite hin, nach der Richtung des Denkens hin, ein solcher Weg der Erkenntnis.
[ 19 ] Ein anderer älterer Weg der Erkenntnis war der, der heute noch vielfach empfohlen wird, der weniger schädlich ist als der Yoga-Weg, wenn er auf die heutige Natur angewendet wird, der aber doch nicht wirkliche Erkenntnis heute bringen kann. Der Yoga-Weg ist für den heutigen Menschen unangemessen. Denn dadurch, dass man einen gewissen Atmungsprozess vollführt, macht man den Organismus anders, als er sonst ist. Der Organismus wird fein, sensitiv. Die leisesten Hauche des Lebens weben sich in ihn ein, sodass der Mensch ungemein empfindlich wird gegenüber der harten, robusten Außenwelt. Von dieser zieht sich daher der Yogi gerne zurück. Das konnte man in alten Zeiten, wo gesucht wurde höhere Erkenntnis bei denjenigen zu finden, welche sich zurückzogen vom Leben. Das gilt nicht für unser heutiges Leben. Unser heutiges Leben hat es dahin gebracht, dass derjenige, der dem Menschen Erkenntnisse geben will, voll darinnenstehen soll im Leben. Von dem, der sich einsiedlerisch zurückziehen will, werden wir sagen: Du kannst uns nichts offenbaren. Erst wenn du das Leben mit uns lebst und dennoch zu gewissen Erkenntnissen kommst, dann können wir uns an deine Erkenntniswege halten. Daher brauchen wir für den modernen Menschen andere Erkenntniswege, als die alten waren. Und ein solcher anderer älterer Erkenntnisweg war der der Askese. Wiederum war das, was als Askese in alten Zeiten als berechtigter Weg gelebt hat, verdorben worden, und dasjenige, was heute vielfach gelesen und gelernt werden kann über diese Askese, ist nicht das, durch das eine alte Menschheit in der ihr berechtigten Weise einmal Erkenntnisse gesucht hat, die vielfach noch viel mehr als die des Yogaweisen in heutigen Weltanschauungen weiterleben. Worauf beruht denn nun diese Askese? Sie beruht auf einer Herabstimmung, Herablähmung dessen, was unsere physische Körperlichkeit ist. Und es war dann das Erlebnis derer, die solche Askese durchmachten, wenn sie ihre körperlichen Funktionen herabstimmten, wenn das alles ruhiger verlief als im gewöhnlichen Leben, was in der physischen Leiblichkeit vorgeht, sodass sie sich ausfüllten mit dem Erleben innerer Kräfte. Der Wille wurde rein seelisch, indem das äußere physische Dasein herabgestimmt wurde. Und es sagten sich solche Asketen: Ja, dasjenige, was leibliche Funktionen sind, das ist ja eigentlich nichts anderes als ein Hindernis für das Hineindringen in die geistigen Welten. Für die äußere gewöhnliche Welt ist unser Leib ja in der Tat das richtige Werkzeug. Wir können nur geistig-seelisch in einer Welt leben zwischen der Geburt und dem Tod, wenn wir uns dem hingeben können, was auf rein physisch-physiologische Weise die äußere Umgebung in unseren Sinnen auslöst. Wenn wir uns unseres Leibes normal bedienen können, nur dann können wir wirklich mit der äußeren Welt leben. Aber gerade weil dieser Leib sowohl nach der Erkenntnis- wie nach der Willensseite so ganz geeignet ist für das wache Leben zwischen Geburt und Tod, erweist er sich als untauglich, inneres Seelisches in seiner Reinheit den Menschen erleben zu lassen. Daher suchten solche Asketen das Leibliche herabzustimmen, damit ihnen das Geistig-Seelische im Innern aufging. Und sie fühlten Seligkeit, wenn es aufging. Und in dieser Seligkeit fühlten sie das, was sonst der Ohnmacht eingegliedert war, einem Geist vereint, der niemals in Ohnmacht, in Finsternis hinuntersinkt, sie fühlten sich vereint mit der Geistigkeit des Kosmos.
[ 19 ] Ein anderer älterer Weg der Erkenntnis war der, der heute noch vielfach empfohlen wird, der weniger schädlich ist als der Yoga-Weg, wenn er auf die heutige Natur angewendet wird, der aber doch nicht wirkliche Erkenntnis heute bringen kann. Der Yoga-Weg ist für den heutigen Menschen unangemessen. Denn dadurch, dass man einen gewissen Atmungsprozess vollführt, macht man den Organismus anders, als er sonst ist. Der Organismus wird fein, sensitiv. Die leisesten Hauche des Lebens weben sich in ihn ein, sodass der Mensch ungemein empfindlich wird gegenüber der harten, robusten Außenwelt. Von dieser zieht sich daher der Yogi gerne zurück. Das konnte man in alten Zeiten, wo gesucht wurde höhere Erkenntnis bei denjenigen zu finden, welche sich zurückzogen vom Leben. Das gilt nicht für unser heutiges Leben. Unser heutiges Leben hat es dahin gebracht, dass derjenige, der dem Menschen Erkenntnisse geben will, voll darinnenstehen soll im Leben. Von dem, der sich einsiedlerisch zurückziehen will, werden wir sagen: Du kannst uns nichts offenbaren. Erst wenn du das Leben mit uns lebst und dennoch zu gewissen Erkenntnissen kommst, dann können wir uns an deine Erkenntniswege halten. Daher brauchen wir für den modernen Menschen andere Erkenntniswege, als die alten waren. Und ein solcher anderer älterer Erkenntnisweg war der der Askese. Wiederum war das, was als Askese in alten Zeiten als berechtigter Weg gelebt hat, verdorben worden, und dasjenige, was heute vielfach gelesen und gelernt werden kann über diese Askese, ist nicht das, durch das eine alte Menschheit in der ihr berechtigten Weise einmal Erkenntnisse gesucht hat, die vielfach noch viel mehr als die des Yogaweisen in heutigen Weltanschauungen weiterleben. Worauf beruht denn nun diese Askese? Sie beruht auf einer Herabstimmung, Herablähmung dessen, was unsere physische Körperlichkeit ist. Und es war dann das Erlebnis derer, die solche Askese durchmachten, wenn sie ihre körperlichen Funktionen herabstimmten, wenn das alles ruhiger verlief als im gewöhnlichen Leben, was in der physischen Leiblichkeit vorgeht, sodass sie sich ausfüllten mit dem Erleben innerer Kräfte. Der Wille wurde rein seelisch, indem das äußere physische Dasein herabgestimmt wurde. Und es sagten sich solche Asketen: Ja, dasjenige, was leibliche Funktionen sind, das ist ja eigentlich nichts anderes als ein Hindernis für das Hineindringen in die geistigen Welten. Für die äußere gewöhnliche Welt ist unser Leib ja in der Tat das richtige Werkzeug. Wir können nur geistig-seelisch in einer Welt leben zwischen der Geburt und dem Tod, wenn wir uns dem hingeben können, was auf rein physisch-physiologische Weise die äußere Umgebung in unseren Sinnen auslöst. Wenn wir uns unseres Leibes normal bedienen können, nur dann können wir wirklich mit der äußeren Welt leben. Aber gerade weil dieser Leib sowohl nach der Erkenntnis- wie nach der Willensseite so ganz geeignet ist für das wache Leben zwischen Geburt und Tod, erweist er sich als untauglich, inneres Seelisches in seiner Reinheit den Menschen erleben zu lassen. Daher suchten solche Asketen das Leibliche herabzustimmen, damit ihnen das Geistig-Seelische im Innern aufging. Und sie fühlten Seligkeit, wenn es aufging. Und in dieser Seligkeit fühlten sie das, was sonst der Ohnmacht eingegliedert war, einem Geist vereint, der niemals in Ohnmacht, in Finsternis hinuntersinkt, sie fühlten sich vereint mit der Geistigkeit des Kosmos.
[ 20 ] Wir würden, wenn wir unseren Leib herabstimmten, untauglich werden für die äußere Welt. Das, was uns Menschen heute zu verrichten nötig wird in der Zeit, in der uns großartige äußere Kultur umgibt, das könnten wir nicht verrichten. Wir würden untauglich werden, wenn wir uns im alten Sinn einer solchen Askese hingeben wollten. Daher muss für den modernen Menschen das innere Üben so vor sich gehen, wie ich mir erlaubte, es den Prinzipien nach darzustellen im letzten Vortrag und wie Sie es dargestellt finden im Einzelnen in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft» und in anderen meiner Schriften. Ich zeigte da und zeige in diesen Schriften, wie der heutige Mensch rein seelisch-geistig übt, nicht, indem er mit Anlehnung an das Physische Atmungsübungen macht, nicht, indem er das PhysischLeibliche herabstimmt, sondern indem er rein innerlich, intim, vorzunehmende Übungen macht, Übungen, die in Konzentration und Meditation des Denkens bestehen, die darin bestehen, dass sich der Mensch nicht einem anderen Atmungsprozess hingibt, sondern einem anderen Denken. Das ist der Unterschied zwischen der alten Yoga-Methode und den Übungen, die Sie geschildert finden in den genannten Büchern, den Übungen, die den Menschen nicht zum Einsiedler machen und die nicht seine physische Leiblichkeit herabstimmen, dass der alte YogaGelehrte sich anlehnte an die Atmungsvorgänge, die mit dem Leibesleben in unmittelbare Beziehung traten und das bewegte Denken beruhigten, die aber der moderne Mensch versuchen muss, indem er sich konzentriert auf gewisse Gedankengebilde, indem er gerade dadurch dasjenige, was wir sonst heute überall haben im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft, das abstrakte Denken, damit er das überwindet und in eine innere Beweglichkeit kommt.
[ 20 ] Wir würden, wenn wir unseren Leib herabstimmten, untauglich werden für die äußere Welt. Das, was uns Menschen heute zu verrichten nötig wird in der Zeit, in der uns großartige äußere Kultur umgibt, das könnten wir nicht verrichten. Wir würden untauglich werden, wenn wir uns im alten Sinn einer solchen Askese hingeben wollten. Daher muss für den modernen Menschen das innere Üben so vor sich gehen, wie ich mir erlaubte, es den Prinzipien nach darzustellen im letzten Vortrag und wie Sie es dargestellt finden im Einzelnen in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft» und in anderen meiner Schriften. Ich zeigte da und zeige in diesen Schriften, wie der heutige Mensch rein seelisch-geistig übt, nicht, indem er mit Anlehnung an das Physische Atmungsübungen macht, nicht, indem er das PhysischLeibliche herabstimmt, sondern indem er rein innerlich, intim, vorzunehmende Übungen macht, Übungen, die in Konzentration und Meditation des Denkens bestehen, die darin bestehen, dass sich der Mensch nicht einem anderen Atmungsprozess hingibt, sondern einem anderen Denken. Das ist der Unterschied zwischen der alten Yoga-Methode und den Übungen, die Sie geschildert finden in den genannten Büchern, den Übungen, die den Menschen nicht zum Einsiedler machen und die nicht seine physische Leiblichkeit herabstimmen, dass der alte YogaGelehrte sich anlehnte an die Atmungsvorgänge, die mit dem Leibesleben in unmittelbare Beziehung traten und das bewegte Denken beruhigten, die aber der moderne Mensch versuchen muss, indem er sich konzentriert auf gewisse Gedankengebilde, indem er gerade dadurch dasjenige, was wir sonst heute überall haben im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft, das abstrakte Denken, damit er das überwindet und in eine innere Beweglichkeit kommt.
[ 21 ] Ich möchte sagen, unsere Übungen gehen gerade auf das hinaus, das Entgegengesetzte zu bewirken, was der alte Yoga-Gelehrte bewirken wollte. Er hatte in seinem naiven Bewusstsein, gemeinsam mit den übrigen Menschen, die Eigentümlichkeit der damaligen Zeit, dass sein Denken innerlich lebendig war, dass er es beruhigen wollte. Er suchte die Abstraktheit des Denkens, die wir heute, einfach weil sich die menschliche Natur weiterentwickelt hat, schon haben, aus der wir heute heraus wollen, um zur Erkenntnis anderer Welten zu kommen. Das ist das Merkwürdige, dass in alten Zeiten mit aller Wucht nach dem gestrebt wurde, was wir heute schon haben, und dass wir heute, indem wir uns direkt an das Denken wenden, dieses Denken in andere Richtungen bringen, als es im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft ist. Dass wir das heutige abstrakte Denken, das wir immer mehr und mehr als ein totes Denken empfinden, dass wir das innerlich beleben, sodass wir übergehen vom abstrakten, toten Gedanken zum innerlich lebendigen Gedanken. Das ist das Geheimnis des heutigen Übens: die Verlebendigung des abstrakten, des toten Gedankens, der im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft in uns vorhanden ist. Dadurch erreichen wir heute das Ziel, hineinzuschauen in unserer Erkenntnis in andere Welten.
[ 21 ] Ich möchte sagen, unsere Übungen gehen gerade auf das hinaus, das Entgegengesetzte zu bewirken, was der alte Yoga-Gelehrte bewirken wollte. Er hatte in seinem naiven Bewusstsein, gemeinsam mit den übrigen Menschen, die Eigentümlichkeit der damaligen Zeit, dass sein Denken innerlich lebendig war, dass er es beruhigen wollte. Er suchte die Abstraktheit des Denkens, die wir heute, einfach weil sich die menschliche Natur weiterentwickelt hat, schon haben, aus der wir heute heraus wollen, um zur Erkenntnis anderer Welten zu kommen. Das ist das Merkwürdige, dass in alten Zeiten mit aller Wucht nach dem gestrebt wurde, was wir heute schon haben, und dass wir heute, indem wir uns direkt an das Denken wenden, dieses Denken in andere Richtungen bringen, als es im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft ist. Dass wir das heutige abstrakte Denken, das wir immer mehr und mehr als ein totes Denken empfinden, dass wir das innerlich beleben, sodass wir übergehen vom abstrakten, toten Gedanken zum innerlich lebendigen Gedanken. Das ist das Geheimnis des heutigen Übens: die Verlebendigung des abstrakten, des toten Gedankens, der im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft in uns vorhanden ist. Dadurch erreichen wir heute das Ziel, hineinzuschauen in unserer Erkenntnis in andere Welten.
[ 22 ] Dasjenige, was dabei vorgeht, es führt uns zur Charakteristik gewisser subtiler Vorgänge. Allein, man muss sich entschließen, in solche Subtilitäten unterzutauchen. Will man das nicht, so kann man nicht den Erkenntnisweg in höhere Welten hinein wirklich verstehen. Indem der Mensch solche Übungen macht — wie gesagt, ich will sie heute nicht weiter schildern —, merkt er erst, wie sein Denken allmählich lebendig wird. Und wie das wird, das will ich durch ein Beispiel andeuten, durch ein Beispiel, das der heutigen Kultur angemessen ist.
[ 22 ] Dasjenige, was dabei vorgeht, es führt uns zur Charakteristik gewisser subtiler Vorgänge. Allein, man muss sich entschließen, in solche Subtilitäten unterzutauchen. Will man das nicht, so kann man nicht den Erkenntnisweg in höhere Welten hinein wirklich verstehen. Indem der Mensch solche Übungen macht — wie gesagt, ich will sie heute nicht weiter schildern —, merkt er erst, wie sein Denken allmählich lebendig wird. Und wie das wird, das will ich durch ein Beispiel andeuten, durch ein Beispiel, das der heutigen Kultur angemessen ist.
[ 23 ] Nehmen Sie einmal an, wir schauen hin, so wie man das gewohnt ist, wenn man heute eine wissenschaftliche Erziehung durchgemacht hat, auf ein — sagen wir — höheres Tier. Wir machen uns klar eben durch unser abstraktes Denken, welches die inneren Lebensbedingungen und Verhältnisse, welches die Formgestaltungen sind, bei diesem höheren Tiere. Wir machen uns alles das klar, soweit es der heutigen Wissenschaft möglich ist, eben eine richtige Vorstellung zu gewinnen, sodass wir uns die Wesenheit des Tieres innerlich vergegenwärtigen können. Was wir uns so vergegenwärtigen, das sind wir dann gewohnt in Zusammenhang zu bringen zum Beispiel mit der Formgestaltung und innerlichen körperlichen Wesenhaftigkeit des Menschen. Wir machen uns wiederum klar, wie die inneren Organe geformt sind, wie sie wirken beim Menschen, wie die äußere Form ausgebildet ist. Wir vergleichen dann dasjenige, was wir am Menschen also uns so hinstellen können, was wir bis zu Naturgesetzen ausgestalten, mit demjenigen, was am Tiere wir gewinnen. Und indem wir beides miteinander vergleichen, kommen wir, sei es in mehr oder weniger materialistischem oder spirituellem Sinn, dazu, uns eine gewisse Vorstellung zu machen über ein Verhältnis des Menschen zu den höheren Tieren.
[ 23 ] Nehmen Sie einmal an, wir schauen hin, so wie man das gewohnt ist, wenn man heute eine wissenschaftliche Erziehung durchgemacht hat, auf ein — sagen wir — höheres Tier. Wir machen uns klar eben durch unser abstraktes Denken, welches die inneren Lebensbedingungen und Verhältnisse, welches die Formgestaltungen sind, bei diesem höheren Tiere. Wir machen uns alles das klar, soweit es der heutigen Wissenschaft möglich ist, eben eine richtige Vorstellung zu gewinnen, sodass wir uns die Wesenheit des Tieres innerlich vergegenwärtigen können. Was wir uns so vergegenwärtigen, das sind wir dann gewohnt in Zusammenhang zu bringen zum Beispiel mit der Formgestaltung und innerlichen körperlichen Wesenhaftigkeit des Menschen. Wir machen uns wiederum klar, wie die inneren Organe geformt sind, wie sie wirken beim Menschen, wie die äußere Form ausgebildet ist. Wir vergleichen dann dasjenige, was wir am Menschen also uns so hinstellen können, was wir bis zu Naturgesetzen ausgestalten, mit demjenigen, was am Tiere wir gewinnen. Und indem wir beides miteinander vergleichen, kommen wir, sei es in mehr oder weniger materialistischem oder spirituellem Sinn, dazu, uns eine gewisse Vorstellung zu machen über ein Verhältnis des Menschen zu den höheren Tieren.
[ 24 ] Aber jetzt fragen wir uns etwas anderes, etwas, was man eigentlich erst fragen lernt, wenn man sich solchen Übungen, die sich rein auf das Denken beziehen und das Denken verlebendigen, hingibt. Da fragt man sich: Ja, wenn man sich nun mit seinem gewöhnlichen abstrakten Denken an die höhere Tierheit wendet und sich klarmacht, was man sich an ihr klarmachen kann, ist man dann imstande, mit dem Gedanken, den man sich von dem Tiere gemacht hat, von seiner Idee von diesem Tiere aufzusteigen zu der Idee des Menschen? Kann man, was man draußen als Umwandlung der Gestalt beobachtet, was man dann in seinen verschieden Artungen äußerlich vergleicht und durch logische Abstraktionen zueinander in Beziehung setzen kann, kann man das in innerlicher Lebendigkeit mit der Idee vollziehen, kommt man von der Idee des Tieres herauf zu der Idee des Menschen? Lebt man also im abstrakten Denken das nach, was von uns draußen in der Natur vorausgesetzt wird, als Wachstums-, als Gestaltungskräfte? Nein, das tut man nicht. Wenn [er] sich aber dem neueren, rein seelischen Yoga hingibt, wenn er dazu gelangt, dieses Denken des Menschen in einer solchen Weise zu verlebendigen, dass er, indem er an einem äußeren Dinge, an einem äußeren Vorgange die Idee gewinnt, durch die er sich diesen Vorgang innerlich vergegenwärtigt, dann kommt er mit dieser Idee, in dem sie sich so verwandelt, wie der äußere Vorgang sich verwandeln soll, hinüber zu dem ganz anders Gearteten. Dann taucht er mit diesem lebendigen Begriff unter in die Dinge, während man sonst dasteht, wenn man bloß das abstrakte Denken hat, und nicht in sie untertaucht. Und so wird dann durch dieses moderne Übungssystem in Bezug auf das Denken der Mensch innerlich ganz anders geartet. Sein Denken wird innerlich etwas ganz anderes und befähigt ihn, wirklich unterzutauchen in die Welt, der er angehört, aber unterzutauchen mit demjenigen, was er innerlich geistig erlebt. Und indem er untertaucht, wird er dessen gewiss: Dasjenige, was als Geistiges in mir lebt, was ohnmächtig und in Finsternis untertauchend erscheinen kann, das ist dennoch begründet in einem Geistigen der Welt. Denn indem es untertaucht im lebendigen Denken, macht es sich eins mit dem Geistigen der Welt, lebt es zusammen mit dem ewigen, geistigen Untergrund des Daseins, und der Mensch lernt auf diese Weise sein Ewiges nach der Seite des Gedankens kennen.
[ 24 ] Aber jetzt fragen wir uns etwas anderes, etwas, was man eigentlich erst fragen lernt, wenn man sich solchen Übungen, die sich rein auf das Denken beziehen und das Denken verlebendigen, hingibt. Da fragt man sich: Ja, wenn man sich nun mit seinem gewöhnlichen abstrakten Denken an die höhere Tierheit wendet und sich klarmacht, was man sich an ihr klarmachen kann, ist man dann imstande, mit dem Gedanken, den man sich von dem Tiere gemacht hat, von seiner Idee von diesem Tiere aufzusteigen zu der Idee des Menschen? Kann man, was man draußen als Umwandlung der Gestalt beobachtet, was man dann in seinen verschieden Artungen äußerlich vergleicht und durch logische Abstraktionen zueinander in Beziehung setzen kann, kann man das in innerlicher Lebendigkeit mit der Idee vollziehen, kommt man von der Idee des Tieres herauf zu der Idee des Menschen? Lebt man also im abstrakten Denken das nach, was von uns draußen in der Natur vorausgesetzt wird, als Wachstums-, als Gestaltungskräfte? Nein, das tut man nicht. Wenn [er] sich aber dem neueren, rein seelischen Yoga hingibt, wenn er dazu gelangt, dieses Denken des Menschen in einer solchen Weise zu verlebendigen, dass er, indem er an einem äußeren Dinge, an einem äußeren Vorgange die Idee gewinnt, durch die er sich diesen Vorgang innerlich vergegenwärtigt, dann kommt er mit dieser Idee, in dem sie sich so verwandelt, wie der äußere Vorgang sich verwandeln soll, hinüber zu dem ganz anders Gearteten. Dann taucht er mit diesem lebendigen Begriff unter in die Dinge, während man sonst dasteht, wenn man bloß das abstrakte Denken hat, und nicht in sie untertaucht. Und so wird dann durch dieses moderne Übungssystem in Bezug auf das Denken der Mensch innerlich ganz anders geartet. Sein Denken wird innerlich etwas ganz anderes und befähigt ihn, wirklich unterzutauchen in die Welt, der er angehört, aber unterzutauchen mit demjenigen, was er innerlich geistig erlebt. Und indem er untertaucht, wird er dessen gewiss: Dasjenige, was als Geistiges in mir lebt, was ohnmächtig und in Finsternis untertauchend erscheinen kann, das ist dennoch begründet in einem Geistigen der Welt. Denn indem es untertaucht im lebendigen Denken, macht es sich eins mit dem Geistigen der Welt, lebt es zusammen mit dem ewigen, geistigen Untergrund des Daseins, und der Mensch lernt auf diese Weise sein Ewiges nach der Seite des Gedankens kennen.
[ 25 ] Dann aber — meine sehr verehrten Anwesenden — kommen erst recht die Zweifel. Der Weg ist zunächst nach der einen Seite so geartet. Allein, man darf nicht glauben, dass der, der in diesem modernen Sinn seinen Erkenntnisweg sucht, in lauterer Seligkeit zunächst lebt, indem er sich in eine ganz andere Seelenverfassung hineinbegibt, als die des gewöhnlichen Bewusstseins. Was da vorliegt, man kann es ermessen an wohlberechtigten Einwänden, die ja von allen Seiten gegen das erhoben werden können — ich will durchaus sagen —, mit einem gewissen Recht erhoben werden können, die Einwände, die ausgehen davon, dass man hinweist auf eine Philosophie wie die Schellings oder auf eine wie des Oken: geistreiche, gewaltige geniale Weltkonzeptionen, herauskommend aus einer Art lebendigen Denkens. Allein, wenn wir in beide eingehen mit unbefangenem Menschensinn, auf die Art und Weise, wie Schelling oder Oken sich ihren Gedanken machten über einzelne Tatsachen, dann auf eine mehr phantasiemäßige Weise diesen veränderten, damit er passe auf etwas anderes, damit untertauchen kann aus dem Sein in das Werden, da ist doch nur bloßes Denken, ein bloßes Verweilen in innerer [Bildlichkeit] vorhanden. Da verbürgt nichts das Sein, die Wirklichkeit. Das ist gerade, was man vorwerfen muss solchen Denkern, dass die zwar das Denken in Fluss bringen, dass sie aber dem Denken keinen Charakter verleihen können, wodurch es seine Wirklichkeit verbürgt im unmittelbaren Erkenntnisleben des Menschen. Und da darf man dasjenige, was in anthroposophischer Form erkennend unterzutauchen versucht in die übersinnliche Welt, hinweisen auf etwas, was immer verbunden ist, wenn in richtiger Weise durch solche Übungen, wie sie hier geschildert wurden, der Mensch seinen Erkenntnispfad zu gehen bestrebt ist. Er kommt dann zu solchen lebendigen Gedanken. Er bildet sie aus, indem er durch sie, innerlich eintauchend in die Welt, diese Welt zu ergreifen versucht. Dann gerade aber, wenn er solch einen lebendigen Gedanken in einem einzelnen Falle hat und in allem Ernst mit diesem etwas begreifen will, dann erlebt er innerlich wirklich das, was man nennen kann tiefsten inneren Seelenschmerz, tiefstes inneres Seelenleid. Solch ein Gedanke, der innerlich verwandelbar ist, er ist nicht ohne Schmerz, ist nicht ohne Leid in der Seele zu erleben. Daher ist es, dass derjenige, der nur ein wenig Erkenntnis sich erworben hat, Ihnen niemals sagen wird etwas anderes als dieses: Ja, dasjenige, was ich als Glück, was ich als Lust, als Befriedigung im Leben von außen erfahren habe, für das bin ich meinem Schicksal recht, recht dankbar; aber dasjenige, was ich mir als ein wenig Erkenntnis erworben habe, das verdanke ich im Grunde genommen den Leiden, die mir das Leben gebracht hat, am meisten dem seelischen Leiden. Und diese seelischen Leiden, die [gewissermaßen] von selbst über mich gekommen sind, sie haben mir auch die Gewissheit gebracht, dass die Wirklichkeit eines lebendigen Gedankens sich nur dadurch erleben lässt, dass man diese seine Wirkung, diese seine Wahrheit im Leid, im Schmerz innerlich durchlebt, und es ist schon eine wirkliche Erkenntnis der geistigen Welt nicht ohne innere Tragik zu erreichen.
[ 25 ] Dann aber — meine sehr verehrten Anwesenden — kommen erst recht die Zweifel. Der Weg ist zunächst nach der einen Seite so geartet. Allein, man darf nicht glauben, dass der, der in diesem modernen Sinn seinen Erkenntnisweg sucht, in lauterer Seligkeit zunächst lebt, indem er sich in eine ganz andere Seelenverfassung hineinbegibt, als die des gewöhnlichen Bewusstseins. Was da vorliegt, man kann es ermessen an wohlberechtigten Einwänden, die ja von allen Seiten gegen das erhoben werden können — ich will durchaus sagen —, mit einem gewissen Recht erhoben werden können, die Einwände, die ausgehen davon, dass man hinweist auf eine Philosophie wie die Schellings oder auf eine wie des Oken: geistreiche, gewaltige geniale Weltkonzeptionen, herauskommend aus einer Art lebendigen Denkens. Allein, wenn wir in beide eingehen mit unbefangenem Menschensinn, auf die Art und Weise, wie Schelling oder Oken sich ihren Gedanken machten über einzelne Tatsachen, dann auf eine mehr phantasiemäßige Weise diesen veränderten, damit er passe auf etwas anderes, damit untertauchen kann aus dem Sein in das Werden, da ist doch nur bloßes Denken, ein bloßes Verweilen in innerer [Bildlichkeit] vorhanden. Da verbürgt nichts das Sein, die Wirklichkeit. Das ist gerade, was man vorwerfen muss solchen Denkern, dass die zwar das Denken in Fluss bringen, dass sie aber dem Denken keinen Charakter verleihen können, wodurch es seine Wirklichkeit verbürgt im unmittelbaren Erkenntnisleben des Menschen. Und da darf man dasjenige, was in anthroposophischer Form erkennend unterzutauchen versucht in die übersinnliche Welt, hinweisen auf etwas, was immer verbunden ist, wenn in richtiger Weise durch solche Übungen, wie sie hier geschildert wurden, der Mensch seinen Erkenntnispfad zu gehen bestrebt ist. Er kommt dann zu solchen lebendigen Gedanken. Er bildet sie aus, indem er durch sie, innerlich eintauchend in die Welt, diese Welt zu ergreifen versucht. Dann gerade aber, wenn er solch einen lebendigen Gedanken in einem einzelnen Falle hat und in allem Ernst mit diesem etwas begreifen will, dann erlebt er innerlich wirklich das, was man nennen kann tiefsten inneren Seelenschmerz, tiefstes inneres Seelenleid. Solch ein Gedanke, der innerlich verwandelbar ist, er ist nicht ohne Schmerz, ist nicht ohne Leid in der Seele zu erleben. Daher ist es, dass derjenige, der nur ein wenig Erkenntnis sich erworben hat, Ihnen niemals sagen wird etwas anderes als dieses: Ja, dasjenige, was ich als Glück, was ich als Lust, als Befriedigung im Leben von außen erfahren habe, für das bin ich meinem Schicksal recht, recht dankbar; aber dasjenige, was ich mir als ein wenig Erkenntnis erworben habe, das verdanke ich im Grunde genommen den Leiden, die mir das Leben gebracht hat, am meisten dem seelischen Leiden. Und diese seelischen Leiden, die [gewissermaßen] von selbst über mich gekommen sind, sie haben mir auch die Gewissheit gebracht, dass die Wirklichkeit eines lebendigen Gedankens sich nur dadurch erleben lässt, dass man diese seine Wirkung, diese seine Wahrheit im Leid, im Schmerz innerlich durchlebt, und es ist schon eine wirkliche Erkenntnis der geistigen Welt nicht ohne innere Tragik zu erreichen.
[ 26 ] Das könnte schließlich auch durch eine etwas unbefangene feinere Betrachtungsart ersichtlich werden. Wie ist es denn schließlich mit unserer sinnlichen Betrachtungsweise? Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn wir uns einer sinnlichen Wahrnehmung hingeben, so geschieht ja [auch] zunächst eine feine Veränderung in unserem Sinnesorgan; sogar in dem wunderbar gebauten Auge geschehen kleine Veränderungen. Wir sind heute, indem wir so organisiert sind, dass wir nicht mehr wahrnehmen, was eine Urmenschheit wahrgenommen hat — diese kleine Änderungen als Schmerz —, wir sind nur deshalb so in diesen Sinneswahrnehmungen drinnen, dass wir sie mit einer gewissen selbstverständlichen Schmerzlosigkeit erleben, weil wir nicht mit dem ganzen Menschen darinnen sind. Dasjenige, was aber der belebte Gedanke bewirkt, das macht uns als ganzen Menschen — und wir werden gewahr, dass der physische Mensch durchgedrungen ist vom geistigen —, als ganzen Menschen macht uns dieses Üben zum Sinnesorgan, und wir müssen uns die Wahrnehmungsfähigkeit der geistigen Welt, die wir uns durch dieses Sinnesorgan erwerben, erringen dadurch, dass wir zuerst den Schmerz, das Leid, durchmachen und überwinden. Und indem wir es überwunden haben, wird, neben dem, dass der gesunde physische Leib bestehen bleibt, das Seelische in uns fähig, nun unmittelbar hineinzuschauen in die geistige Welt. Dann aber verbindet sich uns durch dieses Schauen, das sich uns vermittelt dadurch, dass wir ganz Sinnesorgan werden nach dem Durchgange durch den Schmerz, dann verbindet sich das, was sich uns auf diese Art ergibt, mit demjenigen, was sich dem bewegten Denken ergibt. Man erwirbt sich über die geistige Welt dadurch, dass Sinnesorgane mit belebtem Denken [zusammenwirken], ein solches Wirklichkeitsbewusstsein, wie wir uns sonst über die Farben- und Tonwelt ein Wirklichkeitsbewusstsein erwerben. Dadurch aber — meine sehr verehrten Anwesenden — gelangt auch der moderne Mensch dazu, in eine andere Welt hineinzuschauen. Indem er auf diese Weise eine geistige Wirklichkeit nun vor dem Seelenauge hat, gewissermaßen als ganzer Mensch Seelenauge wird und neben der sinnlichen Wirklichkeit die geistige Wirklichkeit um ihn herum liegt, tritt zum Beispiel der Mensch, auch wie er physisch gestaltet ist, in anderer Weise vor unsere Seele hin, wenn wir den belebten Gedanken einmal haben. Er lebt ja in Bildern. Und schauen wir den Menschen an, dann zeigt uns allerdings dasjenige, was da als äußere Menschengestalt vor uns steht — schon das, was als äußere Menschengestalt vor uns steht —, das zeigt uns etwas, was mit dem rein Geistig-Seelischen in Verbindung steht. Wir schauen gewissermaßen auf eine geistig-seelische Gestalt hin, wie wir mit dem physischen Auge auf die Leibesgestalt hinschauen. Und wir verbinden, indem wir auf dieses Geistig-Seelische hinschauen, mit der physischen Leiblichkeit dasjenige, was ich unverhohlen nenne — wenn es auch Anstoß erregen mag — ein Aurisches der Menschennatur. Wir sehen ein Aurisches; wir sehen einen Geist-Seelen-Organismus. Und dieser Geist-Seelen-Organismus, der zeigt durch sein Eigenes, so wie der physische Organismus zeigt, wenn wir einen erwachsenen Menschen vor uns haben, dass der einmal ein kleines Kind war, so weist das, was wir da als den aurischen Menschen erschauen, zurück in dasjenige, was wir waren als rein geistig-seelische Wesen in einer geistigseelischen Welt, bevor wir heruntergestiegen sind in die physische Welt und uns verbunden haben mit demjenigen, was aus dieser physischen Erdenwelt im Leibe der Mutter vorbereitet worden ist zur Verbindung mit dem rein Geistig-Seelischen, das vor der Geburt — oder sagen wir Konzeption — in der geistig-seelischen Welt gelebt hat. Und nicht nur, dass wir in dieser allgemeinen Weise hingewiesen werden auf dasjenige, was wir selber waren, wenn wir uns so dazu vorbereitet haben, wir werden auch in konkreter Weise hingewiesen auf das, was damals der Mensch war. Wir lernen nach und nach den Menschen als geistig-seelisches Wesen in der geistig-seelischen Welt so kennen, wie wir durch unsere Augen und den Intellekt den physischen Menschen kennenlernen. Allerdings müssen wir uns da aufschwingen zu einer gewissen Anschauung, die darin besteht, dass wir uns sagen: Ja, die äußere Welt, die uns umgibt, wir schauen sie zunächst an mit all den Fähigkeiten, die wir haben im normalen Leben zwischen Geburt und Tod. Wir schauen alles das, was in den Sternen, in den Wolken, in den Reichen der Natur uns umgibt; am wenigsten schauen wir in uns selber hinein. Denn wir wissen, wenn wir unbefangen sind, dass dasjenige, was wir in uns erblicken, im Grunde genommen nur die bildhafte Abbildung dessen ist, was wir in der Außenwelt erleben.
[ 26 ] Das könnte schließlich auch durch eine etwas unbefangene feinere Betrachtungsart ersichtlich werden. Wie ist es denn schließlich mit unserer sinnlichen Betrachtungsweise? Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn wir uns einer sinnlichen Wahrnehmung hingeben, so geschieht ja [auch] zunächst eine feine Veränderung in unserem Sinnesorgan; sogar in dem wunderbar gebauten Auge geschehen kleine Veränderungen. Wir sind heute, indem wir so organisiert sind, dass wir nicht mehr wahrnehmen, was eine Urmenschheit wahrgenommen hat — diese kleine Änderungen als Schmerz —, wir sind nur deshalb so in diesen Sinneswahrnehmungen drinnen, dass wir sie mit einer gewissen selbstverständlichen Schmerzlosigkeit erleben, weil wir nicht mit dem ganzen Menschen darinnen sind. Dasjenige, was aber der belebte Gedanke bewirkt, das macht uns als ganzen Menschen — und wir werden gewahr, dass der physische Mensch durchgedrungen ist vom geistigen —, als ganzen Menschen macht uns dieses Üben zum Sinnesorgan, und wir müssen uns die Wahrnehmungsfähigkeit der geistigen Welt, die wir uns durch dieses Sinnesorgan erwerben, erringen dadurch, dass wir zuerst den Schmerz, das Leid, durchmachen und überwinden. Und indem wir es überwunden haben, wird, neben dem, dass der gesunde physische Leib bestehen bleibt, das Seelische in uns fähig, nun unmittelbar hineinzuschauen in die geistige Welt. Dann aber verbindet sich uns durch dieses Schauen, das sich uns vermittelt dadurch, dass wir ganz Sinnesorgan werden nach dem Durchgange durch den Schmerz, dann verbindet sich das, was sich uns auf diese Art ergibt, mit demjenigen, was sich dem bewegten Denken ergibt. Man erwirbt sich über die geistige Welt dadurch, dass Sinnesorgane mit belebtem Denken [zusammenwirken], ein solches Wirklichkeitsbewusstsein, wie wir uns sonst über die Farben- und Tonwelt ein Wirklichkeitsbewusstsein erwerben. Dadurch aber — meine sehr verehrten Anwesenden — gelangt auch der moderne Mensch dazu, in eine andere Welt hineinzuschauen. Indem er auf diese Weise eine geistige Wirklichkeit nun vor dem Seelenauge hat, gewissermaßen als ganzer Mensch Seelenauge wird und neben der sinnlichen Wirklichkeit die geistige Wirklichkeit um ihn herum liegt, tritt zum Beispiel der Mensch, auch wie er physisch gestaltet ist, in anderer Weise vor unsere Seele hin, wenn wir den belebten Gedanken einmal haben. Er lebt ja in Bildern. Und schauen wir den Menschen an, dann zeigt uns allerdings dasjenige, was da als äußere Menschengestalt vor uns steht — schon das, was als äußere Menschengestalt vor uns steht —, das zeigt uns etwas, was mit dem rein Geistig-Seelischen in Verbindung steht. Wir schauen gewissermaßen auf eine geistig-seelische Gestalt hin, wie wir mit dem physischen Auge auf die Leibesgestalt hinschauen. Und wir verbinden, indem wir auf dieses Geistig-Seelische hinschauen, mit der physischen Leiblichkeit dasjenige, was ich unverhohlen nenne — wenn es auch Anstoß erregen mag — ein Aurisches der Menschennatur. Wir sehen ein Aurisches; wir sehen einen Geist-Seelen-Organismus. Und dieser Geist-Seelen-Organismus, der zeigt durch sein Eigenes, so wie der physische Organismus zeigt, wenn wir einen erwachsenen Menschen vor uns haben, dass der einmal ein kleines Kind war, so weist das, was wir da als den aurischen Menschen erschauen, zurück in dasjenige, was wir waren als rein geistig-seelische Wesen in einer geistigseelischen Welt, bevor wir heruntergestiegen sind in die physische Welt und uns verbunden haben mit demjenigen, was aus dieser physischen Erdenwelt im Leibe der Mutter vorbereitet worden ist zur Verbindung mit dem rein Geistig-Seelischen, das vor der Geburt — oder sagen wir Konzeption — in der geistig-seelischen Welt gelebt hat. Und nicht nur, dass wir in dieser allgemeinen Weise hingewiesen werden auf dasjenige, was wir selber waren, wenn wir uns so dazu vorbereitet haben, wir werden auch in konkreter Weise hingewiesen auf das, was damals der Mensch war. Wir lernen nach und nach den Menschen als geistig-seelisches Wesen in der geistig-seelischen Welt so kennen, wie wir durch unsere Augen und den Intellekt den physischen Menschen kennenlernen. Allerdings müssen wir uns da aufschwingen zu einer gewissen Anschauung, die darin besteht, dass wir uns sagen: Ja, die äußere Welt, die uns umgibt, wir schauen sie zunächst an mit all den Fähigkeiten, die wir haben im normalen Leben zwischen Geburt und Tod. Wir schauen alles das, was in den Sternen, in den Wolken, in den Reichen der Natur uns umgibt; am wenigsten schauen wir in uns selber hinein. Denn wir wissen, wenn wir unbefangen sind, dass dasjenige, was wir in uns erblicken, im Grunde genommen nur die bildhafte Abbildung dessen ist, was wir in der Außenwelt erleben.
[ 27 ] Der Mensch ist zwischen Geburt und Tod auf die Außenwelt organisiert. Eine ungemeine Fülle von Inhalten offenbart sich dem Menschen, indem er die Augen und übrigen Sinne hinauswendet in diese Umwelt, von den Sternen bis zum kleinsten Würmchen. Derjenige aber, der unbefangen genug ist, der kann ahnend ersehen, dass das, was er in sich trägt, in einer noch viel wunderbareren Weise gestaltet ist. Ja, herrlich mag die Außenwelt gestaltet sein, große, gewaltige Gesetzmäßigkeiten mögen wir aus ihr enthüllen durch die Wissenschaft. Wenn wir hineinschauen können, nicht durch Anatomie, nicht durch das, was sich der äußeren Wissenschaft ergibt, die zu den Herrlichkeiten der Außenwelt führt, sondern durch innere Fähigkeiten, dann werden wir uns in jedem Augenblick sagen: Dasjenige, was im Inneren der Menschennatur liegt, enthüllt noch viel Gewaltigeres als die kosmische Außenwelt. Nur dem äußeren Raum nach ist es verschieden, aber nicht der Fülle nach. Dieses menschliche Innere, wir können es im gewöhnlichen Bewusstsein nur ahnen, es ist aber wirklich ein Mikrokosmos, ist wirklich eine kleine Welt, und wie großartig die Außenwelt sein mag, hier im Inneren des Menschen sieht es noch großartiger aus. Aber zwischen Geburt und Tod erfassen wir das nur ahnend. Denn wenn wir unserer Sinne- und Willensglieder uns bedienen, so tauchen wir unter sie in Finsternis. Wir schauen nicht dasjenige, was unsere Lunge aufbaut, überzeugen uns nicht davon, dass das ein Größeres und Gewaltigeres ist, was unsere Lunge aufbaut. Wir schauen hinein in unser Herz, können uns aber nicht davon überzeugen, dass die innere Organisation des Herzens eine viel gewaltigere ist als das, was uns als Organisation entgegentritt, indem wir die Beziehungen zwischen Erde und Sonne aufsuchen. Wir ahnen das alles nur. Mit den Hilfsmitteln der Wissenschaft können wir aber nicht in das Innere schauen. Schauen wir aber mit dem übersinnlichen Schauen hinein in die Welt — in der wir gelebt haben als geistig-seelische Wesen vor unserer Geburt, oder, sagen wir, Konzeption —, dann finden wir, dass, während hier zwischen Geburt und Tod der Kosmos unsere Außenwelt ist, auf die wir unsere Taten wenden, so ist unser Geistig-Seelisches vor der Konzeption — das menschliche Innere — die Außenwelt.
[ 27 ] Der Mensch ist zwischen Geburt und Tod auf die Außenwelt organisiert. Eine ungemeine Fülle von Inhalten offenbart sich dem Menschen, indem er die Augen und übrigen Sinne hinauswendet in diese Umwelt, von den Sternen bis zum kleinsten Würmchen. Derjenige aber, der unbefangen genug ist, der kann ahnend ersehen, dass das, was er in sich trägt, in einer noch viel wunderbareren Weise gestaltet ist. Ja, herrlich mag die Außenwelt gestaltet sein, große, gewaltige Gesetzmäßigkeiten mögen wir aus ihr enthüllen durch die Wissenschaft. Wenn wir hineinschauen können, nicht durch Anatomie, nicht durch das, was sich der äußeren Wissenschaft ergibt, die zu den Herrlichkeiten der Außenwelt führt, sondern durch innere Fähigkeiten, dann werden wir uns in jedem Augenblick sagen: Dasjenige, was im Inneren der Menschennatur liegt, enthüllt noch viel Gewaltigeres als die kosmische Außenwelt. Nur dem äußeren Raum nach ist es verschieden, aber nicht der Fülle nach. Dieses menschliche Innere, wir können es im gewöhnlichen Bewusstsein nur ahnen, es ist aber wirklich ein Mikrokosmos, ist wirklich eine kleine Welt, und wie großartig die Außenwelt sein mag, hier im Inneren des Menschen sieht es noch großartiger aus. Aber zwischen Geburt und Tod erfassen wir das nur ahnend. Denn wenn wir unserer Sinne- und Willensglieder uns bedienen, so tauchen wir unter sie in Finsternis. Wir schauen nicht dasjenige, was unsere Lunge aufbaut, überzeugen uns nicht davon, dass das ein Größeres und Gewaltigeres ist, was unsere Lunge aufbaut. Wir schauen hinein in unser Herz, können uns aber nicht davon überzeugen, dass die innere Organisation des Herzens eine viel gewaltigere ist als das, was uns als Organisation entgegentritt, indem wir die Beziehungen zwischen Erde und Sonne aufsuchen. Wir ahnen das alles nur. Mit den Hilfsmitteln der Wissenschaft können wir aber nicht in das Innere schauen. Schauen wir aber mit dem übersinnlichen Schauen hinein in die Welt — in der wir gelebt haben als geistig-seelische Wesen vor unserer Geburt, oder, sagen wir, Konzeption —, dann finden wir, dass, während hier zwischen Geburt und Tod der Kosmos unsere Außenwelt ist, auf die wir unsere Taten wenden, so ist unser Geistig-Seelisches vor der Konzeption — das menschliche Innere — die Außenwelt.
[ 28 ] Wir schauen hin auf dieses menschliche Innere, schauen hin, weil wir untertauchen müssen, aktiv, indem wir vorbereiten müssen zum Beispiel die Umgestaltung, die sich in so wunderbarer Weise im Kinde vollzieht, indem sich das Gehirn gestaltet. Dasjenige, was wir aus uns selber machen aus dem Seelisch-Geistigen heraus, das schauen wir, bevor wir heruntersteigen in die physische Erdenwelt. Die menschliche Innenwelt, die uns finster erscheint zwischen Geburt und Tod, wir schauen sie nicht nur, sie ist nicht nur unsere Erkenntnis, ist nicht nur das, was wir bewundern, wenn wir unsere Sympathie und Antipathie spielen lassen, sie ist auch dasjenige, worauf wir vor der Geburt oder Konzeption unsere Taten gewendet haben. Die Willensnatur des Menschen, sie hat zum Ziel dasjenige, was er gewissermaßen dann innerlich aus seiner Organisation zu machen versteht. Und — meine sehr verehrten Anwesenden — so unbewusst sich das im gewöhnlichen Leben vollzieht, es muss errungen werden. Und dasjenige, was erkennend und tätig der Mensch in der rein geistigen Welt erfährt, es ist das, was doch, wenn auch unbewusst, in diesem physischen Erdenleben dann vollzogen wird. Und das ist die eine Seite des aurischen Menschen.
[ 28 ] Wir schauen hin auf dieses menschliche Innere, schauen hin, weil wir untertauchen müssen, aktiv, indem wir vorbereiten müssen zum Beispiel die Umgestaltung, die sich in so wunderbarer Weise im Kinde vollzieht, indem sich das Gehirn gestaltet. Dasjenige, was wir aus uns selber machen aus dem Seelisch-Geistigen heraus, das schauen wir, bevor wir heruntersteigen in die physische Erdenwelt. Die menschliche Innenwelt, die uns finster erscheint zwischen Geburt und Tod, wir schauen sie nicht nur, sie ist nicht nur unsere Erkenntnis, ist nicht nur das, was wir bewundern, wenn wir unsere Sympathie und Antipathie spielen lassen, sie ist auch dasjenige, worauf wir vor der Geburt oder Konzeption unsere Taten gewendet haben. Die Willensnatur des Menschen, sie hat zum Ziel dasjenige, was er gewissermaßen dann innerlich aus seiner Organisation zu machen versteht. Und — meine sehr verehrten Anwesenden — so unbewusst sich das im gewöhnlichen Leben vollzieht, es muss errungen werden. Und dasjenige, was erkennend und tätig der Mensch in der rein geistigen Welt erfährt, es ist das, was doch, wenn auch unbewusst, in diesem physischen Erdenleben dann vollzogen wird. Und das ist die eine Seite des aurischen Menschen.
[ 29 ] Die andere Seite des aurischen Menschen tritt vor unsere Anschauung hin, wenn wir uns nicht die äußere Gestalt vor das Auge rücken, sondern dasjenige, was in des Menschen Willensimpulsen, in des Menschen Taten lebt. Da lernt man in der Tat die Welt anders anschauen, namentlich die Welt der Menschen. Da sagt man sich: Das, was die Menschen tun, es erscheint einem so wie die Welt der Farben einem Blindgeborenen, der mit Erfolg operiert worden ist. Er lernt eine ganz neue Welt kennen, indem ein äußerer Sinn ihm erschlossen wird. So wird uns ja ein Sinn dadurch erschlossen, dass wir als ganzes menschliches Wesen uns zum Sinnesorgan umbilden. Mit diesem aber schauen wir das, was der Mensch darlebt, anders an. Vor allen Dingen lernen wir mit diesem Sinnesorgan uns kennen, nicht wie der Asket, der herabstimmt seine äußere Körperlichkeit, um an ihr kein Hindernis zu haben für das Geistige, der das Leid hervorrief, um durch das Leid des Physischen zum Geistigen zu kommen; wir gelangen durch das Leid in der Seele zum Geistigen. Dadurch aber lernen wir dasjenige in uns selber kennen, was jetzt in diesem Erdenleben geistig-seelisch ist. Wir lernen erkennen das, was als Geistig-Seelisches sich vorbereitet und wiederum als das zweite Aurische hinausstrebt aus dem leiblichen, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen. Wir werden so dadurch, dass wir uns selbst Sinnesorgan werden, so mit unserem Leben nach dem Tode bekannt. Wir werden bekannt mit demjenigen, was durch die Pforte des Todes als die ewige Seelennatur des Menschen hindurchzieht. Wir werden bekannt mit den Kräften, die in unserem Innern nach der geistigen Welt hinausstreben, nach dem Geistigen im Kosmos, wie wir vor der Geburt hineingestrebt haben mit unseren Taten, mit unserem Schauen.
[ 29 ] Die andere Seite des aurischen Menschen tritt vor unsere Anschauung hin, wenn wir uns nicht die äußere Gestalt vor das Auge rücken, sondern dasjenige, was in des Menschen Willensimpulsen, in des Menschen Taten lebt. Da lernt man in der Tat die Welt anders anschauen, namentlich die Welt der Menschen. Da sagt man sich: Das, was die Menschen tun, es erscheint einem so wie die Welt der Farben einem Blindgeborenen, der mit Erfolg operiert worden ist. Er lernt eine ganz neue Welt kennen, indem ein äußerer Sinn ihm erschlossen wird. So wird uns ja ein Sinn dadurch erschlossen, dass wir als ganzes menschliches Wesen uns zum Sinnesorgan umbilden. Mit diesem aber schauen wir das, was der Mensch darlebt, anders an. Vor allen Dingen lernen wir mit diesem Sinnesorgan uns kennen, nicht wie der Asket, der herabstimmt seine äußere Körperlichkeit, um an ihr kein Hindernis zu haben für das Geistige, der das Leid hervorrief, um durch das Leid des Physischen zum Geistigen zu kommen; wir gelangen durch das Leid in der Seele zum Geistigen. Dadurch aber lernen wir dasjenige in uns selber kennen, was jetzt in diesem Erdenleben geistig-seelisch ist. Wir lernen erkennen das, was als Geistig-Seelisches sich vorbereitet und wiederum als das zweite Aurische hinausstrebt aus dem leiblichen, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen. Wir werden so dadurch, dass wir uns selbst Sinnesorgan werden, so mit unserem Leben nach dem Tode bekannt. Wir werden bekannt mit demjenigen, was durch die Pforte des Todes als die ewige Seelennatur des Menschen hindurchzieht. Wir werden bekannt mit den Kräften, die in unserem Innern nach der geistigen Welt hinausstreben, nach dem Geistigen im Kosmos, wie wir vor der Geburt hineingestrebt haben mit unseren Taten, mit unserem Schauen.
[ 30 ] Aber wir werden noch etwas anderes gewahr. Wir lernen zum Beispiel erkennen: Ein Mensch begegnet einem anderen, die beiden Menschenwege treffen zusammen. Es entwickelt sich etwas, was für das Schicksal der beiden von ausschlaggebender Bedeutung ist. Die beiden gehen zusammen von da ab ihren Lebensweg. Man nennt das wohl auch sonst den Zufall. Lernt man aber — ich möchte sagen, so wie der Blindgeborene, wenn er operiert ist, die Farben schauen lernt —, lernt man das, was der Mensch vollzieht in seinem Leben, mit diesem Sinnesorgane kennen, das er als ganzer Mensch aus sich bildet, dann verfolgt man von der ersten Kindheit an das, was er vollzieht, aus Sympathien und Antipathien heraus — aus Sympathien und Antipathien, an deren Stelle wieder andere treten. Immer strebt aus uns heraus, was sein Lebensweg wird, so können wir die Linie wie planvoll ziehen zu demjenigen, was sein Schicksal geworden ist. Wir sehen: Aus seinem Inneren heraus kommt das, was sein Leben gestaltet. Wir verstehen es genauer, was, durch das Alter weise geworden, unbefangene ältere Menschen sagten. Goethes Freund Knebel sagte einmal: Wenn man zurücksieht durch das Leben, so erscheint einem das Leben durchaus eigentlich planvoll, und zu den einzelnen entscheidenden Punkten fühlt man sich hingegeben, wie wenn sie hervorgegangen wären aus einem vorher angelegten Lebensplan. — So sieht man hinein in dasjenige, was aus Sympathien und Antipathien, aus Trieben und Begierden heraus sich als sein Leben in Taten gestaltet, und von da aus führt der Weg hindurch an der Anschauung des Lebensschicksalsfadens durch die wiederholten Erdenleben. Wir lernen erkennen, wie das, was hervorsprießt in Sympathien und Antipathien, zurückgeht auf frühere Erdenleben. Es ist nur andeutend zu sagen, wie man auf diese Weise, dass man selbst ganz Sinnesorgan wird, nach und nach erringt einen Blick auf die wiederholten Erdenleben, durch die der Schicksalsfaden hindurchzieht. Man sieht hinein durch die höhere Sinnlichkeit in das Geistig-Ewige.
[ 30 ] Aber wir werden noch etwas anderes gewahr. Wir lernen zum Beispiel erkennen: Ein Mensch begegnet einem anderen, die beiden Menschenwege treffen zusammen. Es entwickelt sich etwas, was für das Schicksal der beiden von ausschlaggebender Bedeutung ist. Die beiden gehen zusammen von da ab ihren Lebensweg. Man nennt das wohl auch sonst den Zufall. Lernt man aber — ich möchte sagen, so wie der Blindgeborene, wenn er operiert ist, die Farben schauen lernt —, lernt man das, was der Mensch vollzieht in seinem Leben, mit diesem Sinnesorgane kennen, das er als ganzer Mensch aus sich bildet, dann verfolgt man von der ersten Kindheit an das, was er vollzieht, aus Sympathien und Antipathien heraus — aus Sympathien und Antipathien, an deren Stelle wieder andere treten. Immer strebt aus uns heraus, was sein Lebensweg wird, so können wir die Linie wie planvoll ziehen zu demjenigen, was sein Schicksal geworden ist. Wir sehen: Aus seinem Inneren heraus kommt das, was sein Leben gestaltet. Wir verstehen es genauer, was, durch das Alter weise geworden, unbefangene ältere Menschen sagten. Goethes Freund Knebel sagte einmal: Wenn man zurücksieht durch das Leben, so erscheint einem das Leben durchaus eigentlich planvoll, und zu den einzelnen entscheidenden Punkten fühlt man sich hingegeben, wie wenn sie hervorgegangen wären aus einem vorher angelegten Lebensplan. — So sieht man hinein in dasjenige, was aus Sympathien und Antipathien, aus Trieben und Begierden heraus sich als sein Leben in Taten gestaltet, und von da aus führt der Weg hindurch an der Anschauung des Lebensschicksalsfadens durch die wiederholten Erdenleben. Wir lernen erkennen, wie das, was hervorsprießt in Sympathien und Antipathien, zurückgeht auf frühere Erdenleben. Es ist nur andeutend zu sagen, wie man auf diese Weise, dass man selbst ganz Sinnesorgan wird, nach und nach erringt einen Blick auf die wiederholten Erdenleben, durch die der Schicksalsfaden hindurchzieht. Man sieht hinein durch die höhere Sinnlichkeit in das Geistig-Ewige.
[ 31 ] Jetzt ist es, wo in der Tat der Mensch auf eine ganz moderne Weise, indem er sich nicht dem Leben entfremdet, sondern sich gerade voll hineinstellen kann in das Leben, wo er trotzdem seinen Weg zu jenen anderen Welten findet, mit denen sich sein Seelisches denn doch verbunden fühlen muss, wie er diesen Weg für eine wirkliche Erkenntnis finden kann. Jetzt kann sich für ihn vertiefen dasjenige, was er auf diese Weise als ein Wissender erwirbt, sodass er seinen ganzen Menschen anregt. Jetzt verbindet sich das, was Erkenntnis ist, mit der inneren religiösen Frömmigkeit, jetzt kann, weil der Mensch auf moderne Art den Weg findet, das Wissen wiederum zur Religion, jetzt kann die Erkenntnis zur wahren, echten Frömmigkeit führen. Der Mensch gelangt eben auf einem voll inneren Wege hinein in dieses Erkenntnisziel. Vorher hat man müssen den Körper herabstimmen. Jetzt lässt man den Körper so, wie er ist, damit er tauglich bleibt für das äußere Leben, damit man das Vertrauen der anderen Menschen haben kann. Aber im Seelischen macht man, indem man dieses Seelische umso stärker anstrengt, dennoch das Leiden durch, man bringt das Leiden auf eine innere Weise hervor, das früher auf äußerliche Weise hervorgebracht worden ist. Und jetzt kann es sein, wenn solche Anthroposophie, wie sie hier gemeint ist, verstanden wird, dass der Einzelne, wenn man ihm nur unbefangen zuhört, verstanden werden kann. Man kann ja heute in gewissem Sinn dahin gelangen — jeder einzelne Mensch —, durch Befolgung gewisser Regeln sich selbst den Weg in die geistige Welt zu bahnen. Aber man braucht das nicht, denn man kann durch seinen gesunden Menschenverstand dasjenige auffassen, was der Geistesforscher durch sein Schauen offenbaren kann, und kann es verstehen. Geradeso wenig, wie man ein Maler zu sein braucht, um die Schönheit eines Bildes zu beurteilen, geradeso wenig braucht man selber Geistesforscher zu sein, um bewahrheitet in sich zu finden, was der Geistesforscher sagt. Denn durch sein höheres Schauen wird dieser Geistesforscher ja auch nur hineingeführt in die höheren Welten. Die Wirklichkeit dieser Welten muss auch er durch seinen gesunden Menschenverstand erkennen. Geradeso, wie man beim Traum prüft durch den gesunden Menschenverstand, wie er nicht der äußeren Wirklichkeit entspricht, so muss man durch eine weiter gehende Logik die Wahrhaftigkeit und Wirklichkeit dessen erkennen, was der Geistesforscher in geistigen Welten ergründet, um das wahre Verhältnis der Menschen zu diesen geistigen Welten so zu ergründen, dass keine Ohnmacht und keine Finsternis kommt. Aber zu gleicher Zeit tritt noch etwas anderes auf, was wir in der Gegenwart gar sehr brauchen. Wir sind in der Gegenwart durchaus drinnenlebend in einer Fülle von Ideen, von Gedanken. Wissenschaft und manches andere im Leben gibt uns diese Ideen und Gedanken, aber diese Ideen und Gedanken sind abstrakt, sind im Sinne dessen, was heute gesagt worden ist, tot. Wir haben höchstens Gedanken von dem Geist, Ideen von dem Geist, aber der Geist lebt nicht unter uns. Das ist dasjenige, was wir doch als ein Bekenntnis uns selbst als moderne Menschen ablegen müssen, wenn wir in Vorzeitalter zurückblicken. Gewiss, wir können nicht wünschen, dass sie wieder heraufstiegen. Es muss uns manches recht unsympathisch erscheinen, was der Mensch für richtig angesehen hat für seine Lebenshaltung. Und in Bezug gerade auf diese Lebenshaltung durchzucken die heutigen Menschen ungeheurer viele Hoffnungen und Illusionen. Wenn wir aber die alten Zeiten doch nicht heraufziehen lassen wollen, so müssen wir doch sagen: Im Geiste haben sie gelebt; denn in den Geist sind sie eingetaucht. Nicht haben sie sich abstrakten Gedanken hingegeben. Es ist dieses Geistesleben den Menschen als Leben aufgegangen, nicht bloß als Gedanken von der Geistigkeit. Heute haben wir nur Gedanken von der Geistigkeit. Wir werden wiederum geistige Lebendigkeit unter uns haben. Wir brauchen das, indem wir Gedanken über das Geistige entwickeln, sie so entwickeln, dass das Konkrete, das Lebendig-Geistige in uns selber einzieht, sodass wir bis ins Innerste hinein nicht nur von Gedanken, sondern vom Geiste durchdrungen werden, sodass wir auch wissen: Es leben geistige Wesen um uns, mit uns, in unserem Willensleben, in unseren Gedanken. Wir brauchen den Geist nicht bloß in Form von Gedanken, wir brauchen den lebendigen Geist überall mitten unter uns. Wir müssen wiederum wissen, dass wir hereinzaubern können mit dem Erleben des Gedankens, des lebendigen Willens, nicht bloß das abstrakte, sondern das konkrete Geistige. Wenn wir wiederum wissen, dass das Geistige als Gedanke in uns lebt, dass es als Genosse mit uns lebt, uns begeistern kann, uns enthusiasmieren kann, unsere eigentliche Menschenwesenheit und Menschenwürde erschließen kann, dann können wir, mit einem solchen ins Übersinnliche, ins Geistige hinaufgehobenen menschlichen Verhältnis zu der Welt in der Gegenwart Wege finden, die uns zu Forderungen führen, wie sie heute in tiefer Sehnsucht und tiefer Tragik und auch in vielen Illusionen aufgestellt werden. So aber müssen wir durch eine Vergeistigung unseres Gedankens, durch eine Verlebendigung des toten Gedankens den Geist als Genossen unsres Strebens in der Gegenwart und Zukunft suchen. Das, und nichts anderes will anthroposophische Weltenforschung, wollen die anthroposophischen Wege, die dahin führen sollen, aus der physischen Welt in die geistige Welt hinein zum Heil und inneren Segen, [zu einem] wahren Erleben der umfassenden Wirklichkeit, die nicht nur eine physische, sondern auch eine geistige ist. Und in der geistigen Wirklichkeit allein kann der Mensch die Befriedigung für jene Rätselfragen finden, von denen ich im Beginn des heutigen Vortrags gesprochen habe.
[ 31 ] Jetzt ist es, wo in der Tat der Mensch auf eine ganz moderne Weise, indem er sich nicht dem Leben entfremdet, sondern sich gerade voll hineinstellen kann in das Leben, wo er trotzdem seinen Weg zu jenen anderen Welten findet, mit denen sich sein Seelisches denn doch verbunden fühlen muss, wie er diesen Weg für eine wirkliche Erkenntnis finden kann. Jetzt kann sich für ihn vertiefen dasjenige, was er auf diese Weise als ein Wissender erwirbt, sodass er seinen ganzen Menschen anregt. Jetzt verbindet sich das, was Erkenntnis ist, mit der inneren religiösen Frömmigkeit, jetzt kann, weil der Mensch auf moderne Art den Weg findet, das Wissen wiederum zur Religion, jetzt kann die Erkenntnis zur wahren, echten Frömmigkeit führen. Der Mensch gelangt eben auf einem voll inneren Wege hinein in dieses Erkenntnisziel. Vorher hat man müssen den Körper herabstimmen. Jetzt lässt man den Körper so, wie er ist, damit er tauglich bleibt für das äußere Leben, damit man das Vertrauen der anderen Menschen haben kann. Aber im Seelischen macht man, indem man dieses Seelische umso stärker anstrengt, dennoch das Leiden durch, man bringt das Leiden auf eine innere Weise hervor, das früher auf äußerliche Weise hervorgebracht worden ist. Und jetzt kann es sein, wenn solche Anthroposophie, wie sie hier gemeint ist, verstanden wird, dass der Einzelne, wenn man ihm nur unbefangen zuhört, verstanden werden kann. Man kann ja heute in gewissem Sinn dahin gelangen — jeder einzelne Mensch —, durch Befolgung gewisser Regeln sich selbst den Weg in die geistige Welt zu bahnen. Aber man braucht das nicht, denn man kann durch seinen gesunden Menschenverstand dasjenige auffassen, was der Geistesforscher durch sein Schauen offenbaren kann, und kann es verstehen. Geradeso wenig, wie man ein Maler zu sein braucht, um die Schönheit eines Bildes zu beurteilen, geradeso wenig braucht man selber Geistesforscher zu sein, um bewahrheitet in sich zu finden, was der Geistesforscher sagt. Denn durch sein höheres Schauen wird dieser Geistesforscher ja auch nur hineingeführt in die höheren Welten. Die Wirklichkeit dieser Welten muss auch er durch seinen gesunden Menschenverstand erkennen. Geradeso, wie man beim Traum prüft durch den gesunden Menschenverstand, wie er nicht der äußeren Wirklichkeit entspricht, so muss man durch eine weiter gehende Logik die Wahrhaftigkeit und Wirklichkeit dessen erkennen, was der Geistesforscher in geistigen Welten ergründet, um das wahre Verhältnis der Menschen zu diesen geistigen Welten so zu ergründen, dass keine Ohnmacht und keine Finsternis kommt. Aber zu gleicher Zeit tritt noch etwas anderes auf, was wir in der Gegenwart gar sehr brauchen. Wir sind in der Gegenwart durchaus drinnenlebend in einer Fülle von Ideen, von Gedanken. Wissenschaft und manches andere im Leben gibt uns diese Ideen und Gedanken, aber diese Ideen und Gedanken sind abstrakt, sind im Sinne dessen, was heute gesagt worden ist, tot. Wir haben höchstens Gedanken von dem Geist, Ideen von dem Geist, aber der Geist lebt nicht unter uns. Das ist dasjenige, was wir doch als ein Bekenntnis uns selbst als moderne Menschen ablegen müssen, wenn wir in Vorzeitalter zurückblicken. Gewiss, wir können nicht wünschen, dass sie wieder heraufstiegen. Es muss uns manches recht unsympathisch erscheinen, was der Mensch für richtig angesehen hat für seine Lebenshaltung. Und in Bezug gerade auf diese Lebenshaltung durchzucken die heutigen Menschen ungeheurer viele Hoffnungen und Illusionen. Wenn wir aber die alten Zeiten doch nicht heraufziehen lassen wollen, so müssen wir doch sagen: Im Geiste haben sie gelebt; denn in den Geist sind sie eingetaucht. Nicht haben sie sich abstrakten Gedanken hingegeben. Es ist dieses Geistesleben den Menschen als Leben aufgegangen, nicht bloß als Gedanken von der Geistigkeit. Heute haben wir nur Gedanken von der Geistigkeit. Wir werden wiederum geistige Lebendigkeit unter uns haben. Wir brauchen das, indem wir Gedanken über das Geistige entwickeln, sie so entwickeln, dass das Konkrete, das Lebendig-Geistige in uns selber einzieht, sodass wir bis ins Innerste hinein nicht nur von Gedanken, sondern vom Geiste durchdrungen werden, sodass wir auch wissen: Es leben geistige Wesen um uns, mit uns, in unserem Willensleben, in unseren Gedanken. Wir brauchen den Geist nicht bloß in Form von Gedanken, wir brauchen den lebendigen Geist überall mitten unter uns. Wir müssen wiederum wissen, dass wir hereinzaubern können mit dem Erleben des Gedankens, des lebendigen Willens, nicht bloß das abstrakte, sondern das konkrete Geistige. Wenn wir wiederum wissen, dass das Geistige als Gedanke in uns lebt, dass es als Genosse mit uns lebt, uns begeistern kann, uns enthusiasmieren kann, unsere eigentliche Menschenwesenheit und Menschenwürde erschließen kann, dann können wir, mit einem solchen ins Übersinnliche, ins Geistige hinaufgehobenen menschlichen Verhältnis zu der Welt in der Gegenwart Wege finden, die uns zu Forderungen führen, wie sie heute in tiefer Sehnsucht und tiefer Tragik und auch in vielen Illusionen aufgestellt werden. So aber müssen wir durch eine Vergeistigung unseres Gedankens, durch eine Verlebendigung des toten Gedankens den Geist als Genossen unsres Strebens in der Gegenwart und Zukunft suchen. Das, und nichts anderes will anthroposophische Weltenforschung, wollen die anthroposophischen Wege, die dahin führen sollen, aus der physischen Welt in die geistige Welt hinein zum Heil und inneren Segen, [zu einem] wahren Erleben der umfassenden Wirklichkeit, die nicht nur eine physische, sondern auch eine geistige ist. Und in der geistigen Wirklichkeit allein kann der Mensch die Befriedigung für jene Rätselfragen finden, von denen ich im Beginn des heutigen Vortrags gesprochen habe.
