The Essence of Anthroposophy
GA 80a
15 May 1922, Munich
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The Essence of Anthroposophy, tr. SOL
11. Anthroposophie und Geisteserkenntnis
11. Anthroposophy and Spiritual Knowledge
[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Bevor ich meine heutigen Ausführungen mache, gestatten Sie mir ein paar Worte der Einleitung zu sagen. Dasjenige, was heute von mir wird ausgesprochen werden müssen, lässt sich durchaus wissenschaftlich rechtfertigen. Und ich versuche immer wieder und wiederum, ein Verhältnis zur Wissenschaft festzustellen, indem ich darlege, dass Anthroposophie in keinerlei Opposition steht zu den berechtigten Ergebnissen, zu den gewissenhaften Forschungsmethoden der Gegenwart. Aber die diesbezüglichen Ausführungen habe ich — wenigstens andeutungsweise — mir erlaubt zu machen in dem Vortrag, den ich vor einigen Monaten hier an derselben Stelle halten durfte. Und da ich annehmen kann, dass eine größere Zahl derjenigen verehrten Zuhörer, die dazumal anwesend waren, heute wieder da sind, so wäre die Wiederholung des damals Gesagten durchaus etwas, was für diese Zuhörer sehr überflüssig erscheinen könnte. Und ich will daher dasjenige, was über das Verhältnis der Anthroposophie zur Wissenschaft zu sagen ist, abgetan sein lassen mit dem, was dazumal von mir gesagt worden ist.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! Before I begin my remarks today, please allow me to say a few introductory words. What I will have to say today can certainly be justified scientifically. And I strive time and again to establish a connection to science by demonstrating that anthroposophy is in no way at odds with the valid findings or the rigorous research methods of the present day. But I took the liberty of addressing these points—at least in part—in the lecture I was privileged to deliver here in this very same venue a few months ago. And since I can assume that a large number of the esteemed listeners who were present at that time are here again today, repeating what was said then would certainly seem quite superfluous to this audience. I shall therefore consider what needs to be said about the relationship between anthroposophy and science to have been covered by what I said on that occasion.
[ 2 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Wenn von der geistigen Welt gesprochen wird, dann treten vor die Menschenseele Fragen und Rätsel grundlegender Art, Fragen und Rätsel, die nicht etwa bloß etwas Theoretisches bedeuten, sondern die zusammenhängen mit der inneren Ruhe und Freudigkeit, mit dem ganzen inneren Schicksal der Menschenseele, die zusammenhängen mit der Tauglichkeit und Tüchtigkeit des Menschen im Leben. Aber es wird doch nicht immer in der richtigen Weise darauf hingesehen, wie geartet eigentlich diese Schwierigkeiten sind, die dem Menschen gegenüber der geistigen Welt auftauchen. Dass der Mensch für sich selbst eine geistige Wesenheit in Anspruch zu nehmen hat, darüber kann ja eigentlich weder ein Rätsel noch irgendein Zweifel auftauchen. Denn der Mensch weiß ja in jedem Augenblick seines wachen Daseins, dass gerade das, worinnen er sich in seiner wahren Menschenwürde und in seinem wahren Menschenwesen fühlt, dasjenige ist, das er als seinen Geist bezeichnet. Er ist besorgt um solche Rätselfragen, die in dieser Richtung auftauchen. Er ist ja gerade darum besorgt, welches das Schicksal dieses Geistes ist, der eigentlich sein Wesen ausmacht. Ob dieser Geist etwas ist, was dem Vergänglichen angehört, ob wir ihm eine Dauer zuschreiben dürfen, ob er das ist, was etwa als Schaumblase auftaucht aus dem materiellen Dasein, ob es das ist, was dem Materiellen Sinn, Wert gibt. Also um das handelt es sich im Wesentlichen, nicht um den Geist als solchen. Selbst die Materialisten werden den Geist nicht leugnen, sondern ihn nur eben ansehen als Ergebnis der materiellen Vorgänge der Welt.
[ 2 ] Ladies and gentlemen! When we speak of the spiritual world, questions and mysteries of a fundamental nature arise before the human soul—questions and mysteries that are not merely theoretical, but are connected to inner peace and joy, to the entire inner destiny of the human soul, and to a person’s fitness and competence in life. Yet the true nature of these difficulties that arise for human beings in relation to the spiritual world is not always viewed in the proper light. That human beings must claim for themselves a spiritual being—this, in fact, can give rise to neither a mystery nor any doubt whatsoever. For in every moment of their waking existence, human beings know that precisely that in which they feel their true human dignity and their true human being is what they call their spirit. They are concerned with such enigmatic questions that arise in this regard. They are concerned, precisely, with what the destiny of this spirit is—the spirit that actually constitutes their very being. Whether this spirit is something that belongs to the transitory, whether we may ascribe permanence to it, whether it is what emerges, so to speak, like a bubble of foam from material existence, whether it is what gives meaning and value to the material world. So this is essentially what is at stake, not the spirit as such. Even materialists will not deny the spirit, but will simply regard it as the result of the material processes of the world.
[ 3 ] Wenn sich der Mensch gedrungen fühlt, das Wesen des Geistes nicht nur um der Wissenschaft, sondern um des Glückes des alltäglichen Lebens willen zu erforschen, so ist es darum, weil gegenüber diesem Schicksal fortdauernd in der Seele — man möchte sagen — aus unbewussten Tiefen herauf, die ins Bewusstsein doch eigentlich nur von einer wissenschaftlichen Weltanschauung heraufgehoben werden, weil aus ihnen fortwährend unbehagliche, sorgende Stimmungen auftauchen. Und diese hängen zusammen mit einer Unmenge von Erlebnissen, die unsere Seele durchzucken. Ich könnte von diesen Erlebnissen, die den Menschen gegenüber dem Geiste in Sorge bringen, gar viele vorbringen, will aber nur zwei als Beispiel anführen, zwei, die gerade zu denjenigen gehören, die sich der Mensch nicht immer klarmacht, die nicht immer ins Bewusstsein des Menschen eintreten. Aber gerade solche Sorgen sind es, die in den unterbewussten Tiefen ihr Wesen treiben, Seelenstimmungen und Seelenverfassungen hervorrufen, Seelenglück und Seelenleid bringen und die in all das sich hineindrängen, das den Menschen tüchtig oder untüchtig im Leben macht. Wenn wir sie nennen, so bezeichnen wir oftmals etwas damit, was sich das einfache, naive Gemüt nicht zum Bewusstsein bringt, was aber in der Seele umso tiefer wurzelt und zusammenhängt mit dem ganzen Gefühls- und Empfindungsleben. Und aus diesem Gebiete möchte ich zwei Beispiele anführen.
[ 3 ] When a person feels compelled to explore the nature of the spirit—not only for the sake of science, but also for the sake of happiness in everyday life—it is because, in the face of this fate, there is a constant welling up in the soul — one might say — from unconscious depths that are actually brought to consciousness only through a scientific worldview, because uncomfortable, anxious moods continually arise from them. And these are connected to a vast number of experiences that flicker through our soul. I could cite many such experiences that cause people anxiety in relation to the spirit, but I will mention only two as examples—two that belong precisely to the kind of experiences people do not always realize, that do not always enter their consciousness. But it is precisely such worries that lurk in the depths of the subconscious, evoking moods and states of mind, bringing joy and sorrow to the soul, and permeating everything that makes a person capable or incapable in life. When we name them, we are often referring to something that the simple, naive mind does not bring to consciousness, but which is all the more deeply rooted in the soul and connected to the entire life of feelings and sensations. And from this realm, I would like to cite two examples.
[ 4 ] Das eine ist, was man empfinden kann in dem Augenblick, der eigentlich jeden Tag im Leben des Menschen eintritt, wenn der Mensch übergeht aus dem Wachzustand in den Schlafzustand. Die innere geistige Regsamkeit, in der der Mensch sein eigentliches Wesen findet, sie dämmert hinunter. Sie wird völlig unbewusst, der Mensch geht ein in das Unbestimmte. Wenn man es auch nicht immer empfindet, so liegt doch in diesem Erlebnis etwas, was man nennen könnte die Ohnmacht des gewöhnlichen geistigen Lebens. Irgendetwas ist da im Weltendasein, in das wir eintreten durch den Schlafzustand und das uns wegnimmt dasjenige, in dem wir unsere menschliche Würde und unseren menschlichen Wert erkennen, das uns wegnimmt unser geistiges Leben. Diese Ohnmacht gegenüber dem Geiste, das ist das Eine, was mehr oder weniger halb oder ganz unbewusst zugrunde liegt den Rätselfragen über das geistige Wesen.
[ 4 ] One is what one can feel in that moment—which actually occurs every day in a person’s life—when a person transitions from the waking state to the sleeping state. The inner spiritual activity in which a person finds their true essence begins to fade. It becomes completely unconscious, and the person enters into the indeterminate. Even if one does not always perceive it, there is nevertheless something in this experience that one could call the powerlessness of ordinary spiritual life. There is something in the existence of the world—into which we enter through the state of sleep—that takes away from us that in which we recognize our human dignity and our human value; it takes away our spiritual life. This powerlessness in the face of the spirit is the one thing that, more or less—half or wholly unconsciously—underlies the enigmatic questions about the spiritual being.
[ 5 ] Und auf der anderen Seite ist es dasjenige, was wiederum auftreten kann, wenn der Mensch des Morgens erwacht, vielleicht durch den Übergang des Traumzustandes, den er doch nur als Summe von chaotischen Erlebnissen gegenüber der Wirklichkeit des Wachlebens ansehen kann, dann wiederum untertaucht in sein Leibeswesen, sich seiner leiblichen Sinne, seiner Organe bedient. Da aber bemerkt der Mensch — ich möchte sagen — den anderen Pol desjenigen, was Fragen gegenüber dem Wesen des Geistes in ihm aufwirft. Er bemerkt, dass er gegenüber dem, was er als geistiges Wesen ist, in Anspruch genommen wird in seiner Leibeswesenheit. Es lebt in den Sinnen, im Nervensystem, in den Gliedern, in dem allen lebt es. Aber wenn wir uns die einfachste Frage aufwerfen: Wodurch bewegen wir die Hand, den Arm? Wir können uns keine Rechenschaft geben im gewöhnlichen Bewusstsein, was da von der Absicht, die Handlung auszuführen, hinunterströmt ins Leibesdasein, was in diesem Leibesdasein wirkt und webt, damit zuletzt Armheben und Armsenken zustande kommen. Es ist, wie wenn in Finsternis hinabtauchen würde das, was wir unser geistiges Leben nennen.
[ 5 ] And on the other hand, it is that which can occur again when a person awakens in the morning—perhaps through the transition from the dream state, which they can only regard as a sum of chaotic experiences in contrast to the reality of waking life—and then immerses themselves once more in their physical being, making use of their physical senses and organs. But then the person notices—I would say—the other pole of that which raises questions regarding the nature of the spirit within them. They notice that, in contrast to what they are as a spiritual being, they are engaged in their physical existence. It lives in the senses, in the nervous system, in the limbs; it lives in all of these. But if we ask ourselves the simplest question: By what means do we move our hand, our arm? In our ordinary consciousness, we cannot account for what flows down from the intention to carry out the action into our physical existence, what works and weaves within this physical existence so that, ultimately, the raising and lowering of the arm come about. It is as if what we call our spiritual life were plunging into darkness.
[ 6 ] So sehen wir auf der einen Seite die Empfindung der Ohnmacht des Geisteslebens und auf der anderen Seite das Hinuntertauchen in eine unbestimmte Finsternis, die aber in uns selber liegt. Und wenn dann der Mensch alles das, was in Seelenstimmungen und Seelenverfassungen herauftaucht dadurch, dass er so etwas erlebt, sich vor sein geistiges Auge bringt, dann drängt es in ihm, die Frage irgendwie zu beantworten: Ja, wie verhält es sich in Wahrheit mit diesem geistigen Leben? Gibt es noch ein anderes geistiges Leben, in dem das, das mir so ohnmächtig und finster vorkommt, irgendwie wurzelt, das ihm sein dauerndes Dasein verbürgt? Dann aber lagern sich zwei Meinungen, zwei Gedanken- und Gefühlsfeinde zwischen den Menschen und diese geistige Welt, die den Menschen mit Illusionen erfüllen über die geistige Welt und die etwas an ihm, an seiner Seelenstimmung und Seelenverfassung, zehren.
[ 6 ] Thus, on the one hand, we see the feeling of powerlessness in our spiritual life, and on the other hand, the descent into an indefinite darkness that lies within ourselves. And when a person brings before their inner eye everything that surfaces in moods and states of mind as a result of experiencing such things, they feel compelled to answer the question in some way: Yes, what is the truth of the matter regarding this spiritual life? Is there another spiritual life in which that which seems so powerless and dark to me is somehow rooted, a life that guarantees its enduring existence? But then two opinions, two opposing forces of thought and feeling, come to stand between human beings and this spiritual world—forces that fill people with illusions about the spiritual world and that drain something from them, from their mood and state of mind.
[ 7 ] Das eine ist der Aberglaube. Derjenige, der da kommen will zu einem Bewusstsein seines Zusammenhanges mit einer geistigen Welt, er strebt wohl hinein in sein Inneres, sucht dann, nicht durch seine Erkenntnis, sondern aus seinem Willen heraus sich allerlei Illusionen hinzugeben, allerlei Urteilstrübungen, Dingen, die ihm etwas sagen sollen über die geistige Welt. Ich brauche diese Dinge nur anzudeuten, so fühlen Sie, was an Illusionsquellen liegt in dem, was wir als die verschiedenen Formen des menschlichen Aberglaubens bezeichnen. Aber sehen wir hin, wie es dem abergläubischen Menschen in der Welt ergehen muss.
[ 7 ] One of these is superstition. The person who wishes to become aware of his connection to a spiritual world strives inward, seeking—not through his understanding, but out of his own will—to give himself over to all manner of illusions, all manner of clouded judgments, things that are supposed to tell him something about the spiritual world. I need only hint at these things for you to sense the sources of illusion that lie in what we call the various forms of human superstition. But let us consider how the superstitious person must fare in the world.
[ 8 ] Dasjenige, was er in sich hineinzaubert und was ihm vergegenwärtigen soll sein Verhältnis zur geistigen Welt, es stößt sich ja an allen Ecken und Enden mit der äußeren Wirklichkeit. Schauen wir uns die Vorgänge, die Dinge um uns an. Treten wir an ihre Gesetzmäßigkeit heran, überall finden wir, dass etwas anderes wahr ist als das, was wir aus den abergläubischen Vorstellungen heraus glauben. Dadurch kommen wir zu einer gewissen Unorientiertheit. Wir taumeln durch das Leben, statt dass wir uns mit unserer Geistigkeit verbunden fühlen könnten, mit der wirklichen Gesetzmäßigkeit der Welt verbunden fühlen könnten. Und wir werden auch untauglich, weil wir in uns selber nicht die Kräfte finden, die hinzupassen zu dem, was die Außenwelt an Gesetzen hat. Ein abergläubischer Mensch muss für sich und die Umwelt zuletzt doch ein untauglicher Mensch werden. Nun verfallen aber dem Aberglauben gerade diejenigen, die aus einem gewissen Willen oder aus einer gewissen Lebenslage heraus es ablehnen müssen, sich auseinanderzusetzen mit dem ganzen wissenschaftlichen Leben der Gegenwart. Diejenigen also, die wenig berührt sind von demjenigen, was uns an den bedeutsamen Erkenntnissen des wissenschaftlichen Lebens wird, die verfallen schr leicht der Unorientiertheit und Untauglichkeit im Leben, wie ich sie eben geschildert habe.
[ 8 ] What he conjures up within himself—and which is meant to make him aware of his relationship to the spiritual world—clashes at every turn with external reality. Let us look at the processes and the things around us. When we approach their laws, we find everywhere that something else is true than what we believe based on superstitious notions. This leads us to a certain sense of disorientation. We stumble through life instead of being able to feel connected to our spirituality, to the true laws of the world. And we also become unfit because we cannot find within ourselves the forces that correspond to the laws of the external world. Ultimately, a superstitious person must become an inadequate person for themselves and their environment. Yet it is precisely those who, out of a certain will or a certain life situation, must refuse to engage with the entirety of contemporary scientific life who fall prey to superstition. Thus, those who are little affected by the significant insights that scientific life offers us easily fall prey to the disorientation and inadequacy in life that I have just described.
[ 9 ] Wiederum einem andern Pol im seelischen Erleben sind diejenigen ausgesetzt, die so recht hineinsteigen in dieses wissenschaftliche Leben, die sich gewissenhaft durchdringen mit dem, was die Sinne, was Experiment und Beobachtung bieten können durch die wissenschaftlichen Methoden. Solche fühlen dann, wie sie den Intellekt gestalten müssen, damit er nur ja ungetrübt und unbehelligt durch allerlei Illusionen hineinfindet in das Gebiet der wahren Wirklichkeit. Dann aber fühlen sie weiter: Mit diesem Intellekt, der so recht tauglich ist für das Gebiet der [sinnlichen] Welt, kann man nicht hinaufsteigen in die übersinnliche Welt. Und gerade diejenigen, die es ernst nehmen mit dem wissenschaftlichen Leben, die werden dann geworfen in Zweifel. Und diese Zweifel, wenn sie das ernste Gemüt, die ernste Seele ergreifen, sie senken sich aus dem Verstand, in dem sie zunächst wurzeln, tief hinein in das Empfindungs- und Gemütsleben. Und gerade durch anthroposophische Forschungen erkennt man, wie innig unser Gemütsleben zusammenhängt mit den Leidens- und Freudezuständen unserer Leiblichkeit. Sodass zum Schluss dasjenige, was sich als Zweifel vom Verstand in das Gemüt senkt, bis in das Leibesdasein sich hineinerstreckt. Sodass der Mensch — man darf diesen radikalen Ausdruck in diesem Fall gebrauchen — durch den Zweifel in eine gewisse seelische Schwindsucht, dann in eine körperliche Schwächlichkeit, körperliche Untauglichkeit geworfen wird. Auch durch die Zweifel wird er zuletzt untauglich für das Leben, für sich und seine Mitmenschen.
[ 9 ] On the other hand, those who truly immerse themselves in this scientific life—who conscientiously engage with what the senses, experimentation, and observation can offer through scientific methods—are exposed to yet another pole of spiritual experience. Such people then sense how they must shape their intellect so that it may enter the realm of true reality unclouded and unhindered by all manner of illusions. But then they go on to realize: With this intellect, which is so well-suited to the realm of the [sensory] world, one cannot ascend into the supersensory world. And it is precisely those who take scientific life seriously who are then plunged into doubt. And these doubts, when they take hold of the serious mind, the serious soul, descend from the intellect—where they are initially rooted—deep into the life of feeling and emotion. And it is precisely through anthroposophical research that one recognizes how intimately our emotional life is connected to the states of suffering and joy in our physical being. So that ultimately, what descends from the intellect into the emotional life as doubt extends all the way into our physical existence. Consequently, the human being—and one may use this radical expression in this case—is cast by doubt into a kind of spiritual consumption, and then into physical weakness and physical incapacity. Ultimately, doubt also renders the human being unfit for life, for oneself and for one’s fellow human beings.
[ 10 ] Weil diese Dinge gerade den modernen Menschen so tief ergreifen, so suchen die Persönlichkeiten, die es ernst nehmen mit dem geistigen Leben, die mannigfaltigsten Auskunftsmittel, um doch ein Verhältnis zur geistigen Welt zu gewinnen. Wir sehen, wie gerade die letzteren Naturen sich nun heute schon wenden an dasjenige, was wegen seiner Unbestimmtheit, was wegen seiner Erkenntnisunsicherheit eigentlich niemals die Grundlage eines wirklichen Wissens bilden kann. Man wendet sich an das Pathologische der Menschennatur. Weil man zweifelt an dem, was die gesunde Seele und der gesunde Leib an Erkenntnis hervorbringen können in Bezug auf die übersinnliche Welt, wendet man sich an die abnorme Menschennatur und glaubt, dass in dem, was diese in Abweichung auch von demjenigen, was uns die normale Erkenntnis hervorbringt, etwas gefunden werden kann, was uns hinweist auf Dinge und Vorgänge einer anderen Welt, als diese ist, in der sich der Mensch ebenso wenig zu Hause fühlt und wo er nicht wollen kann, dass das Geistige untersinken könnte in unbestimmte Finsternis. Und so wenden sich gerade Zweiflernaturen aus den Gebieten der Wissenschaft heute vielfach an die mediumistischen Erscheinungen, sie wenden sich an die krankhaften Menschennaturen, aus denen herauskommen allerlei Visionen, allerlei innere Anschauungen, die doch nichts weiter sind als Halluzinationen. Denn wir können sehen, wenn wir unbefangen uns die Tatsachenwelt auf diesem Gebiete anschauen, wie das Medium, das in Bezug auf sein normales Leben des Erkennens abgeschlossen ist von der Umwelt, wie es aus einer krankhaften Körperlichkeit — denn die gesunde Natur bringt eine gesunde Erkenntnismöglichkeit hervor — allerlei innere Erlebnisse treibt, die es dann mitteilt. Niemals ist man in der Lage, diese Erlebnisse zu prüfen mit der Genauigkeit, mit der man zum Beispiel die des Traumes prüft. Bei der Erkenntnis kommt es darauf an, dass man dasjenige, was von irgendwoher erlebt wird, dass das geprüft werden kann durch den gesunden Menschenverstand der Tageswirklichkeit. Das können wir beim Traum, aber nicht in derselben Weise bei den mediumistischen Offenbarungen, weil wir sie nicht durchschauen, weil sie nicht in uns selbst leben. Ebenso wenig kann das erkenntnismäßig geprüft werden, was aus einer krankhaften Natur als Visionen und Halluzinationen auftaucht. Wir werden immer finden, dass irgendwo etwas krank ist, wenn Visionäres oder Halluzinatorisches aus dem Seelenleben auftaucht. Und man kann sagen: Es ist nur eine Fortsetzung der Verzweiflung an der gesunden normalen Erkenntnis gegenüber dem Übersinnlichen, das sich ausspricht in solchem Suchen.
[ 10 ] Because these matters affect modern people so deeply, those who take spiritual life seriously seek out the most diverse sources of information in an effort to establish a connection with the spiritual world. We see how it is precisely these individuals who are already turning today to that which, because of its vagueness and the uncertainty of its insights, can never actually form the basis of true knowledge. They turn to the pathological aspects of human nature. Because they doubt what a healthy soul and a healthy body can produce in terms of knowledge regarding the supersensible world, people turn to abnormal human nature and believe that in what it reveals—which deviates even from what normal cognition brings to us—something can be found that points us toward things and processes in a world other than this one, a world in which human beings feel just as little at home and where they cannot accept that the spiritual might sink into indeterminate darkness. And so, today, skeptical minds from the fields of science often turn to mediumistic phenomena; they turn to pathological human natures from which emerge all manner of visions and inner perceptions that are, after all, nothing more than hallucinations. For if we look impartially at the factual reality in this field, we can see how the medium—who, in terms of their normal life of cognition, is cut off from the external world—draws all manner of inner experiences from a pathological physical condition—since a healthy nature gives rise to a healthy capacity for cognition—and then communicates these experiences. One is never in a position to examine these experiences with the same precision with which, for example, one examines those of a dream. In cognition, what matters is that whatever is experienced from some source can be tested against the common sense of everyday reality. We can do this with dreams, but not in the same way with mediumistic revelations, because we do not see through them, because they do not live within us. Nor can what emerges from a pathological state as visions and hallucinations be examined in terms of cognition. We will always find that something is unhealthy somewhere when visionary or hallucinatory elements emerge from the soul life. And one can say: It is merely a continuation of the despair regarding sound, normal understanding in the face of the supersensible, which expresses itself in such a search.
[ 11 ] Dagegen gibt es ja in der Gegenwart viele Naturen, die noch nicht aus dem herausgekommen sind, was Erziehung, was dasjenige gibt, in das wir hineingeboren sind, aber eine ganze Anzahl von Naturen heute schon, die, indem sie verzweifeln an anderen Wegen, um in die geistige Welt hineinzukommen, doch nun wiederum an das kommen, was — ich möchte sagen — die naivsten Gemüter zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse nach dem Geistigen aufsuchen. Da ist es das, was altehrwürdig ist, was aus alten Zeiten an Bekenntnissen sich bis zu uns herauf entwickelt hat, das ist da. Man kann ganz gewiss fühlen, wie solche Bekenntnisse, und sie reichen bis in unsere Philosophie der Gegenwart hinein, wie sie wirklich etwas offenbaren von einer geistigen Welt. Aber man kann eigentlich, da sie einfach da sind als Ergebnisse, da sie durch Tradition aufbewahrt sind und in gewisser fertiger Gestalt an den Menschen herantreten, doch nichts anderes als sich demjenigen hingeben, was man in der Gegenwart gegenüber dem eigentlichen Wissen das Glauben nennt.
[ 11 ] On the other hand, there are indeed many people today who have not yet emerged from what education provides—that which we are born into—but there are already quite a number of people today who, having despaired of other paths to enter the spiritual world, are now returning to what—I would say—even the most naive minds seek to satisfy their need for the spiritual. There it is—that which is time-honored, that which has developed down to our time from the creeds of ancient times; it is there. One can certainly sense how such creeds—and they extend right into our contemporary philosophy—truly reveal something of a spiritual world. But since they simply exist as results, since they have been preserved through tradition and approach people in a certain finished form, one can really do nothing other than surrender to what, in the present, is called “faith” as opposed to actual knowledge.
[ 12 ] Es suchen ja die Naturen, die nicht den Mut haben, um vorzudringen zum Wissen, das Glauben zu rechtfertigen durch alle möglichen Begriffskonstruktionen. Aber diejenigen, die mit tieferen Seelenerkenntnissen an das Geschehen herantreten und es verfolgen von Periode zu Periode, die nicht nur die äußeren Tatsachen der Geschichte verfolgen, sondern das innere Leben der Seele der Menschheit im geschichtlichen Leben verfolgen, die finden, dass alles das, was heute auftritt in Traditionen, in Weltanschauungen, die als Bekenntnisse oder als Philosophien da sind, denen man sich dann mit einer gewissen Gläubigkeit hingibt, dass die alle zurückführen auf alte Formen des Erkennens, nicht auf alte Formen des Glaubens.
[ 12 ] Indeed, those who lack the courage to advance toward knowledge seek to justify belief through all manner of conceptual constructs. But those who approach events with a deeper insight into the soul and follow them from period to period—those who do not merely track the external facts of history but trace the inner life of the human soul within historical life—find that everything that appears today in traditions, in worldviews—whether in the form of creeds or philosophies to which people then devote themselves with a certain degree of faith—all of these can be traced back to ancient forms of cognition, not to ancient forms of faith.
[ 13 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, ich werde gewiss nicht zu denjenigen gehören, welche solche alten Formen des Erkenntnisstrebens etwa für die Gegenwart wiederum empfehlen. Allein damit man sich verständigen kann, wie der Mensch überhaupt aus seiner Natur, aus seinem Wesen heraus zu einer Erkenntnis einer andern Welt kommen könne, kann eine Auseinandersetzung über die Art und Weise, wie man in früheren Epochen der Menschheit anders, als wir es jetzt müssen, wie der Mensch in früheren Zeiten nach Erkenntnis gestrebt hat und wie dasjenige, was aus solchen früheren Erkenntniswegen sich als Ergebnisse geoffenbart hat, wie das dann, ohne dass man heute eine Klarheit darüber hat, welches diese Erkenntniswege waren, wie sich das dann mitgeteilt hat dem Entwicklungsgang der Menschheit, wie es heute noch da ist. Die Menschen würden schon verwundert sein, wenn sie sich mit vollständiger geschichtlicher Genauigkeit klarmachen würden, wie selbst bis in die selbstverständlichsten Philosophien hinein nur die Ergebnisse dessen leben, die vorhanden sind auf Grundlage früherer Erkenntnisse.
[ 13 ] Ladies and gentlemen, I will certainly not be among those who would recommend such old forms of the pursuit of knowledge for the present day. However, in order to understand how human beings can, by their very nature and essence, arrive at an understanding of another world, it is necessary to examine the ways in which, in earlier epochs of human history—differently from how we must do so today—human beings sought knowledge, and how the results that emerged from those earlier paths of knowledge—even though we lack clarity today regarding what those paths actually were—were integrated into the course of human development and how they persist to this day. People would be quite astonished if they were to realize, with complete historical accuracy, how even the most self-evident philosophies are based solely on the results of earlier forms of knowledge.
[ 14 ] Ich möchte zwei Beispiele wiederum herausheben von der Art und Weise, wie man in sehr, sehr alter Zeit zu solchen Erkenntnissen gekommen ist, zwei Beispiele, ich könnte auch andere anführen, ich will aber zwei charakteristische wählen. Die Ergebnisse dieser Erkenntniswege, die nicht mehr die unseren sein können, sie leben noch heute in der Tradition fort. Ihnen geben sich, ohne dass sie es wissen, viele, ja Millionen von Menschen hin. Denn dasjenige, was in allen Bekenntnissen, in allen Weltanschauungen lebt, ist einmal von einzelnen Menschen auf ihren Erkenntniswegen gesucht worden. Insbesondere den ersten Erkenntnisweg, den ich angeben werde, charakterisiert man gegenwärtig nicht eigentlich richtig. Denn man charakterisiert eigentlich nur das, was in orientalischen Ländern — zu welchen sich heute hingezogen fühlen viele, die an der eigenen Erkenntnis verzweifeln —, was in der alten orientalischen Welt als alte Traditionen geblieben ist, aber schadhaft, dekadent geblieben ist von demjenigen, was vollberechtigtes Erkenntnisstreben war.
[ 14 ] I would like to highlight two examples of how such insights were arrived at in very, very ancient times—two examples; I could cite others as well, but I want to choose two that are characteristic. The results of these paths of knowledge—which can no longer be our own—live on today in tradition. Many, indeed millions, of people devote themselves to them without even realizing it. For what lives on in all creeds and worldviews was once sought by individual people on their own paths of knowledge. In particular, the first path of knowledge that I will describe is not currently characterized quite correctly. For people actually characterize only what has remained in Eastern countries—to which many who despair of their own knowledge are drawn today—what has remained in the ancient Eastern world as old traditions, but has remained corrupted and decadent compared to what was once a fully legitimate quest for knowledge.
[ 15 ] Dasjenige, was ich zunächst charakterisieren möchte, ist das, was man gewöhnlich kennt als den sogenannten Yoga-Weg orientalischer Geistessucher. Durch diesen Yoga-Weg — ohne dass die Menschen es wissen müssen —, von dem gesagt wird, dass er liefert die Ergebnisse, denen sich viele hingeben; was wurde erstrebt durch ihn? Das wird sich uns ergeben, wenn wir ihn einmal in seinen wichtigsten Eigenschaften uns vor die Seele führen. Ein Vorgang, an den sich der Yoga-Gelehrte ganz besonders wandte, war ein andersgeartetes Atmen als das gewöhnliche Atmen.
[ 15 ] What I would first like to describe is what is commonly known as the so-called yoga path of Eastern spiritual seekers. Through this yoga path—without people necessarily realizing it—which is said to yield the results to which many devote themselves, what was actually sought through it? This will become clear to us once we bring its most important characteristics to mind. One practice to which the yoga scholar paid particular attention was a form of breathing different from ordinary breathing.
[ 16 ] Ich weiß selbstverständlich — meine sehr verehrten Anwesenden —, dass gerade Atmungsanwendungen heute den Menschen recht verderblich werden können. Allein, was der heutigen Menschennatur schädlich ist, geht eben auf Formen der Erkenntniswege zurück, die einmal bei älteren primitiven Formen der Menschennatur durchaus berechtigt waren und aus der damaligen Wesenheit des menschlichen Geisteswesens heraus auch wirklich Wege in die geistige Welt hinein waren. Der Yoga-Gelehrte versuchte durch das, was im Menschen sonst unbewusst vor sich geht, was nur in krankhaften Zuständen oder sonst in irgendwelchen abnormen Fällen bewusst wird, was also beim gesunden Menschen im Wesentlichen unbewusst vor sich geht, das versuchte der Yoga-Gelehrte in einen anderen Rhythmus zu bringen. Er versuchte in anderer Weise einzuatmen, den Atem anzuhalten und wieder auszuatmen, als dies im gewöhnlichen Leben geschieht. Was suchte er auf diese Weise zu erreichen? Er suchte, das eine Element des menschlichen Seelenlebens zu einer Erkenntnis anderer Welten zu bringen, als die gewöhnlichen sind, das Element des Denkens. Und der Yoga-Gelehrte bemerkte, dass durch dieses abnorme Atmen sein Denkprozess in eine ganz andere Orientierung hineingebracht wurde. In welche Orientierung? Wir können es uns klarmachen dadurch, dass wir auf heute Physiologisches hinweisen. Wenn wir einatmen, so wird der Atmungsstrom durch den Rückenmarkskanal in das Gehirn getrieben, das ist für den Menschen heute ein unbewusster Vorgang. Deshalb ist aber nicht minder das da, dass durch die Vorgänge, die sich im Leibe abspielen und die das Äußere sind für die seelisch-geistigen Vorgänge des Lebens, dass sich durch sie nicht bloß alles das zieht, für welches das Gehirn das Werkzeug ist, sondern auch dasjenige, was verfeinerter Atmungsrhythmus ist. Indem wir denken über die Welt, vibriert und strömt und wellt und webt in unserem Gehirn, in unserem Nervensystem überhaupt, fortdauernd die feine Strömung, die aus dem Atmen herauskommt. Indem der Yoga-Gelehrte in einer abnormen Weise atmete, wurde ihm das, was eben beim normalen Atmen im Atmungsprozess unbewusst bleibt, bewusst. Und er konnte verfolgen dasjenige, was nun in das Gehirn hineinströmt vom Atmungsprozess,
[ 16 ] I am, of course, well aware—my esteemed audience—that breathing exercises in particular can be quite harmful to people today. However, what is harmful to human nature today stems precisely from forms of spiritual knowledge that were once entirely justified in earlier, more primitive forms of human nature and, given the nature of the human spirit at that time, were indeed genuine paths into the spiritual world. The yoga scholar sought to bring into a different rhythm what otherwise takes place unconsciously within the human being—that which becomes conscious only in pathological states or in other abnormal cases, and which thus essentially remains unconscious in healthy individuals. He sought to inhale, hold his breath, and exhale in a different way than is customary in everyday life. What was he seeking to achieve in this way? He sought to bring one element of human soul life—the element of thought—to a perception of worlds other than the ordinary ones. And the yoga scholar noticed that through this abnormal breathing, his thought process was directed toward a completely different orientation. What orientation? We can understand this by referring to what is considered physiological today. When we inhale, the breath is driven through the spinal canal into the brain; for people today, this is an unconscious process. Nevertheless, it is no less true that through the processes taking place in the body—which serve as the external framework for the soul-spiritual processes of life—not only is everything driven through them for which the brain is the instrument, but also that which constitutes a refined breathing rhythm. As we think about the world, the subtle current arising from the breath continuously vibrates, flows, undulates, and weaves within our brain and throughout our nervous system. Because the yoga scholar breathed in an unusual way, he became aware of what normally remains unconscious during the breathing process. And he was able to trace what now flows into the brain from the breathing process,
[ 17 ] Und dasjenige, was dadurch zustande kam, das war, dass das Denken ein anderes wurde, das in alten Zeiten für die Menschheit ein sehr lebendiges war, das in alten Zeiten für die Menschheit so war, dass der Mensch nicht so, wie wir heute berechtigterweise überall die reinen Farben sehen durch äußere Augen, die reinen Töne hören durch äußere Ohren, dass der alte Mensch also überall dasjenige sah, was in seiner Seele als ein Seelisch-Geistiges aufstieg. In der Wolke, in Donner und Blitz, in der Quelle, in der Pflanze, im Stein, überall sah der Mensch, außer den Tönen, die das Ohr gab, außer den Farben, die das Auge lieferte, und so weiter, überall sah der Mensch in älteren Zeiten ein Geistig-Seelisches. Die Menschen sagen heute: Das waren Phantasiegebilde. Es waren nicht Phantasiegebilde, geradeso, wie wir die Röte durch unser Auge wahrnehmen, so nahmen die alten Menschen wahr, was seelisch-geistig war, in Welle und Wind, in Blitz und Donner, in Pflanze, Stein und Tier, in Quelle und Bach, in Sonne und Mond. Dieses Denken, das in jenen alten Zeiten Allgemeingut der Menschheit war, es war natürlich auch das Denken des Yoga-Gelehrten. Indem er aber nun den zehrenden Atem durchschickte durch dieses Denken, wurde für ihn dieses Denken etwas anderes. Er nahm durch das Denken, das er sich dadurch entwickelte, eine andere Welt wahr als durch sein gewöhnliches Denken. Er nahm diejenige Welt wahr, die ihm vor allen Dingen die Gewissheit des eigenen Wesens gab.
[ 17 ] And what resulted from this was that thinking became something different—something that in ancient times was very much alive for humanity, something that in ancient times was such that human beings did not, as we today rightly do everywhere, see pure colors through our physical eyes or hear pure tones through our physical ears; rather, ancient human beings saw everywhere that which arose within their souls as a spiritual-soul aspect. In the clouds, in thunder and lightning, in a spring, in a plant, in a stone—everywhere, apart from the sounds the ear provided and the colors the eye delivered, and so on—everywhere, people in earlier times perceived something spiritual-soulful. People today say: Those were figments of the imagination. They were not figments of the imagination; just as we perceive the color red through our eyes, so the people of old perceived what was soul-spiritual—in waves and wind, in lightning and thunder, in plants, stones, and animals, in springs and streams, in the sun and the moon. This way of thinking, which was common knowledge among humanity in those ancient times, was naturally also the way of thinking of the yoga scholar. But as he now channeled his life-sustaining breath through this way of thinking, it became something different for him. Through the thinking he developed in this way, he perceived a different world than he did through his ordinary thinking. He perceived the world that, above all else, gave him the certainty of his own being.
[ 18 ] Und wenn wir heute die wunderbaren poetischen Darstellungen lesen, die etwa in der Bhagavad Gita gegeben werden über das Wesen und Weben des menschlichen Selbstes, so sind sie gewonnen dadurch, dass die Yoga-Gelehrsamkeit sich aufrafft zu einem Denken, das erworben war durch den selbstgeregelten Atmungsprozess. Vor allen Dingen hatte der alte Mensch, indem er das Geistig-Seelische in allen Dingen und Vorgängen der Außenwelt sah, nicht sein inneres Geistiges. Durch den Yoga-Prozess wurde er sein Geistiges gewahr. Und das, was vielfach herauftönt aus alten Zeiten, was nur im Äußeren verändert wurde, das lebt wiederum in Weltanschauungen und Bekenntnissen fort. Und viele Philosophen und Religionsbekenner wissen nicht, wie sich das, was sie über die Menschenseele und das Selbst im Zusammenhang mit dem Ewigen sagen, herauf sich entwickelt hat aus alten Zeiten, wo es Ergebnis der Schulung alter Yogis war. Aber man kann sich klarmachen, dass es innere Übungen sind, die auf diese Erkenntnisweise den Menschen den Weg hinaufführen sollten in die übersinnlichen Welten, damit er sein Verhältnis zu einer anderen Welt kennenlernen sollte als die, die uns sonst umgibt. Das war nach der einen Seite hin, nach der Richtung des Denkens hin, ein solcher Weg der Erkenntnis.
[ 18 ] And when we read today the wonderful poetic descriptions found, for example, in the Bhagavad Gita regarding the nature and workings of the human self, we see that they were derived from the fact that yogic scholarship rose to a level of thinking that had been attained through the self-regulated process of breathing. Above all, the ancient human being, by perceiving the spiritual-soul aspect in all things and processes of the external world, lacked an inner spiritual awareness. Through the process of yoga, he became aware of his own spirituality. And what often resounds from ancient times—things that have changed only in outward form—lives on once more in worldviews and creeds. And many philosophers and adherents of religions do not realize how what they say about the human soul and the Self in connection with the Eternal has developed from ancient times, when it was the result of the training of ancient yogis. But one can realize that these are inner exercises intended to lead people, through this path of knowledge, upward into the supersensible worlds, so that they might come to know their relationship to a world other than the one that otherwise surrounds us. On the one hand, in the direction of thought, this was such a path of knowledge.
[ 19 ] Ein anderer älterer Weg der Erkenntnis war der, der heute noch vielfach empfohlen wird, der weniger schädlich ist als der Yoga-Weg, wenn er auf die heutige Natur angewendet wird, der aber doch nicht wirkliche Erkenntnis heute bringen kann. Der Yoga-Weg ist für den heutigen Menschen unangemessen. Denn dadurch, dass man einen gewissen Atmungsprozess vollführt, macht man den Organismus anders, als er sonst ist. Der Organismus wird fein, sensitiv. Die leisesten Hauche des Lebens weben sich in ihn ein, sodass der Mensch ungemein empfindlich wird gegenüber der harten, robusten Außenwelt. Von dieser zieht sich daher der Yogi gerne zurück. Das konnte man in alten Zeiten, wo gesucht wurde höhere Erkenntnis bei denjenigen zu finden, welche sich zurückzogen vom Leben. Das gilt nicht für unser heutiges Leben. Unser heutiges Leben hat es dahin gebracht, dass derjenige, der dem Menschen Erkenntnisse geben will, voll darinnenstehen soll im Leben. Von dem, der sich einsiedlerisch zurückziehen will, werden wir sagen: Du kannst uns nichts offenbaren. Erst wenn du das Leben mit uns lebst und dennoch zu gewissen Erkenntnissen kommst, dann können wir uns an deine Erkenntniswege halten. Daher brauchen wir für den modernen Menschen andere Erkenntniswege, als die alten waren. Und ein solcher anderer älterer Erkenntnisweg war der der Askese. Wiederum war das, was als Askese in alten Zeiten als berechtigter Weg gelebt hat, verdorben worden, und dasjenige, was heute vielfach gelesen und gelernt werden kann über diese Askese, ist nicht das, durch das eine alte Menschheit in der ihr berechtigten Weise einmal Erkenntnisse gesucht hat, die vielfach noch viel mehr als die des Yogaweisen in heutigen Weltanschauungen weiterleben. Worauf beruht denn nun diese Askese? Sie beruht auf einer Herabstimmung, Herablähmung dessen, was unsere physische Körperlichkeit ist. Und es war dann das Erlebnis derer, die solche Askese durchmachten, wenn sie ihre körperlichen Funktionen herabstimmten, wenn das alles ruhiger verlief als im gewöhnlichen Leben, was in der physischen Leiblichkeit vorgeht, sodass sie sich ausfüllten mit dem Erleben innerer Kräfte. Der Wille wurde rein seelisch, indem das äußere physische Dasein herabgestimmt wurde. Und es sagten sich solche Asketen: Ja, dasjenige, was leibliche Funktionen sind, das ist ja eigentlich nichts anderes als ein Hindernis für das Hineindringen in die geistigen Welten. Für die äußere gewöhnliche Welt ist unser Leib ja in der Tat das richtige Werkzeug. Wir können nur geistig-seelisch in einer Welt leben zwischen der Geburt und dem Tod, wenn wir uns dem hingeben können, was auf rein physisch-physiologische Weise die äußere Umgebung in unseren Sinnen auslöst. Wenn wir uns unseres Leibes normal bedienen können, nur dann können wir wirklich mit der äußeren Welt leben. Aber gerade weil dieser Leib sowohl nach der Erkenntnis- wie nach der Willensseite so ganz geeignet ist für das wache Leben zwischen Geburt und Tod, erweist er sich als untauglich, inneres Seelisches in seiner Reinheit den Menschen erleben zu lassen. Daher suchten solche Asketen das Leibliche herabzustimmen, damit ihnen das Geistig-Seelische im Innern aufging. Und sie fühlten Seligkeit, wenn es aufging. Und in dieser Seligkeit fühlten sie das, was sonst der Ohnmacht eingegliedert war, einem Geist vereint, der niemals in Ohnmacht, in Finsternis hinuntersinkt, sie fühlten sich vereint mit der Geistigkeit des Kosmos.
[ 19 ] Another older path to knowledge—one that is still widely recommended today—is less harmful than the path of yoga when applied to modern nature, but it cannot bring true knowledge in our time. The path of yoga is unsuitable for people today. For by performing a certain breathing process, one alters the organism from its normal state. The organism becomes refined and sensitive. The faintest breaths of life weave themselves into it, so that the person becomes extremely sensitive to the harsh, rugged outside world. The yogi therefore likes to withdraw from this world. This was possible in ancient times, when people sought higher knowledge from those who withdrew from life. This does not apply to our life today. Our modern life has reached a point where anyone who wishes to impart knowledge to others must be fully immersed in life. Of one who wishes to withdraw into a hermit’s life, we will say: You can reveal nothing to us. Only when you live life with us and yet arrive at certain insights can we follow your path to insight. Therefore, for modern people, we need different paths to insight than those of the past. And one such older path to insight was that of asceticism. However, what was once practiced as asceticism in ancient times—as a legitimate path—had become corrupted; and what can be widely read and learned about this asceticism today is not the very practice through which ancient humanity once sought insights in a manner appropriate to its time—insights that, in many ways, live on far more than those of the yogi in contemporary worldviews. On what, then, is this asceticism based? It is based on a subduing and stilling of our physical nature. And it was then the experience of those who underwent such asceticism—when they subdued their bodily functions, when everything that takes place in the physical body proceeded more calmly than in ordinary life—that they became filled with the experience of inner forces. The will became purely soul-based as the outer physical existence was subdued. And such ascetics said to themselves: Yes, bodily functions are, in fact, nothing other than an obstacle to penetrating the spiritual worlds. For the outer, ordinary world, our body is indeed the right tool. We can live spiritually and psychologically in the world between birth and death only if we can surrender to what, in a purely physical and physiological way, triggers our senses in response to the external environment. Only when we can make normal use of our body can we truly live in harmony with the external world. But precisely because this body is so perfectly suited—both in terms of cognition and will—for waking life between birth and death, it proves incapable of allowing human beings to experience inner soul life in its purity. Therefore, such ascetics sought to subdue the physical so that the spiritual-soul life might unfold within them. And they felt bliss when it unfolded. And in this bliss, they felt that which was otherwise bound to powerlessness united with a Spirit that never sinks into powerlessness or darkness; they felt united with the spirituality of the cosmos.
[ 20 ] Wir würden, wenn wir unseren Leib herabstimmten, untauglich werden für die äußere Welt. Das, was uns Menschen heute zu verrichten nötig wird in der Zeit, in der uns großartige äußere Kultur umgibt, das könnten wir nicht verrichten. Wir würden untauglich werden, wenn wir uns im alten Sinn einer solchen Askese hingeben wollten. Daher muss für den modernen Menschen das innere Üben so vor sich gehen, wie ich mir erlaubte, es den Prinzipien nach darzustellen im letzten Vortrag und wie Sie es dargestellt finden im Einzelnen in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft» und in anderen meiner Schriften. Ich zeigte da und zeige in diesen Schriften, wie der heutige Mensch rein seelisch-geistig übt, nicht, indem er mit Anlehnung an das Physische Atmungsübungen macht, nicht, indem er das PhysischLeibliche herabstimmt, sondern indem er rein innerlich, intim, vorzunehmende Übungen macht, Übungen, die in Konzentration und Meditation des Denkens bestehen, die darin bestehen, dass sich der Mensch nicht einem anderen Atmungsprozess hingibt, sondern einem anderen Denken. Das ist der Unterschied zwischen der alten Yoga-Methode und den Übungen, die Sie geschildert finden in den genannten Büchern, den Übungen, die den Menschen nicht zum Einsiedler machen und die nicht seine physische Leiblichkeit herabstimmen, dass der alte YogaGelehrte sich anlehnte an die Atmungsvorgänge, die mit dem Leibesleben in unmittelbare Beziehung traten und das bewegte Denken beruhigten, die aber der moderne Mensch versuchen muss, indem er sich konzentriert auf gewisse Gedankengebilde, indem er gerade dadurch dasjenige, was wir sonst heute überall haben im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft, das abstrakte Denken, damit er das überwindet und in eine innere Beweglichkeit kommt.
[ 20 ] If we were to attune our bodies downward, we would become unfit for the outer world. We would be unable to accomplish what we humans today must do in an age when we are surrounded by a magnificent outer culture. We would become unfit if we were to devote ourselves to such asceticism in the old sense. Therefore, for modern human beings, inner practice must proceed as I took the liberty of outlining the principles of in my last lecture, and as you will find described in detail in my book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds?*, in my *The Secret Science*, and in my other writings. There, and in these writings, I showed—and continue to show—how modern human beings practice purely in the soul-spiritual realm: not by performing breathing exercises based on the physical, not by attuning the physical-bodily aspect, but by performing exercises that are purely inner and intimate, exercises that consist of concentration and meditation of the mind, which involve the person devoting themselves not to a different breathing process, but to a different way of thinking. This is the difference between the ancient yoga method and the exercises described in the books mentioned—exercises that do not turn a person into a hermit and do not subdue their physical body—in that the ancient yoga scholar relied on the breathing processes, which were directly related to bodily life and calmed active thinking—but which modern people must attempt by concentrating on certain thought forms, thereby overcoming what we otherwise find everywhere today in ordinary life and in ordinary science—abstract thinking—so that they may achieve inner flexibility.
[ 21 ] Ich möchte sagen, unsere Übungen gehen gerade auf das hinaus, das Entgegengesetzte zu bewirken, was der alte Yoga-Gelehrte bewirken wollte. Er hatte in seinem naiven Bewusstsein, gemeinsam mit den übrigen Menschen, die Eigentümlichkeit der damaligen Zeit, dass sein Denken innerlich lebendig war, dass er es beruhigen wollte. Er suchte die Abstraktheit des Denkens, die wir heute, einfach weil sich die menschliche Natur weiterentwickelt hat, schon haben, aus der wir heute heraus wollen, um zur Erkenntnis anderer Welten zu kommen. Das ist das Merkwürdige, dass in alten Zeiten mit aller Wucht nach dem gestrebt wurde, was wir heute schon haben, und dass wir heute, indem wir uns direkt an das Denken wenden, dieses Denken in andere Richtungen bringen, als es im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft ist. Dass wir das heutige abstrakte Denken, das wir immer mehr und mehr als ein totes Denken empfinden, dass wir das innerlich beleben, sodass wir übergehen vom abstrakten, toten Gedanken zum innerlich lebendigen Gedanken. Das ist das Geheimnis des heutigen Übens: die Verlebendigung des abstrakten, des toten Gedankens, der im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft in uns vorhanden ist. Dadurch erreichen wir heute das Ziel, hineinzuschauen in unserer Erkenntnis in andere Welten.
[ 21 ] I would like to say that our exercises are aimed precisely at achieving the opposite of what the ancient yoga scholar sought to achieve. In his naive consciousness—shared by the rest of humanity, a characteristic of that era—he believed that his thinking was internally alive, and he wanted to calm it. He sought the abstract nature of thought—which we already possess today simply because human nature has evolved—and from which we now wish to break free in order to gain insight into other worlds. What is remarkable is that in ancient times people strove with all their might for what we already possess today, and that today, by turning directly to thought, we are steering that thought in directions different from those found in ordinary life and in conventional science. That we take today’s abstract thinking—which we increasingly perceive as dead—and breathe life into it from within, so that we transition from the abstract, dead thought to the inwardly living thought. This is the secret of our practice today: the revitalization of the abstract, dead thought that exists within us in ordinary life and in ordinary science. Through this, we achieve the goal today of looking into other worlds through our knowledge.
[ 22 ] Dasjenige, was dabei vorgeht, es führt uns zur Charakteristik gewisser subtiler Vorgänge. Allein, man muss sich entschließen, in solche Subtilitäten unterzutauchen. Will man das nicht, so kann man nicht den Erkenntnisweg in höhere Welten hinein wirklich verstehen. Indem der Mensch solche Übungen macht — wie gesagt, ich will sie heute nicht weiter schildern —, merkt er erst, wie sein Denken allmählich lebendig wird. Und wie das wird, das will ich durch ein Beispiel andeuten, durch ein Beispiel, das der heutigen Kultur angemessen ist.
[ 22 ] What takes place here leads us to the characteristics of certain subtle processes. However, one must resolve to delve into such subtleties. If one is not willing to do so, one cannot truly understand the path of knowledge leading into higher worlds. As a person engages in such exercises—as I said, I do not wish to describe them further today—they begin to notice how their thinking gradually comes alive. And I would like to illustrate how this happens with an example, one that is appropriate for today’s culture.
[ 23 ] Nehmen Sie einmal an, wir schauen hin, so wie man das gewohnt ist, wenn man heute eine wissenschaftliche Erziehung durchgemacht hat, auf ein — sagen wir — höheres Tier. Wir machen uns klar eben durch unser abstraktes Denken, welches die inneren Lebensbedingungen und Verhältnisse, welches die Formgestaltungen sind, bei diesem höheren Tiere. Wir machen uns alles das klar, soweit es der heutigen Wissenschaft möglich ist, eben eine richtige Vorstellung zu gewinnen, sodass wir uns die Wesenheit des Tieres innerlich vergegenwärtigen können. Was wir uns so vergegenwärtigen, das sind wir dann gewohnt in Zusammenhang zu bringen zum Beispiel mit der Formgestaltung und innerlichen körperlichen Wesenhaftigkeit des Menschen. Wir machen uns wiederum klar, wie die inneren Organe geformt sind, wie sie wirken beim Menschen, wie die äußere Form ausgebildet ist. Wir vergleichen dann dasjenige, was wir am Menschen also uns so hinstellen können, was wir bis zu Naturgesetzen ausgestalten, mit demjenigen, was am Tiere wir gewinnen. Und indem wir beides miteinander vergleichen, kommen wir, sei es in mehr oder weniger materialistischem oder spirituellem Sinn, dazu, uns eine gewisse Vorstellung zu machen über ein Verhältnis des Menschen zu den höheren Tieren.
[ 23 ] Let’s suppose we look at—say—a higher animal in the way we are accustomed to, having received a scientific education today. Through our abstract thinking, we seek to understand the inner conditions and circumstances of life, as well as the morphological structures, of this higher animal. We clarify all of this for ourselves—to the extent that modern science allows us to form a correct conception—so that we can inwardly visualize the essence of the animal. We are then accustomed to relating what we visualize in this way, for example, to the physical form and inner bodily nature of the human being. We also clarify for ourselves how the internal organs are formed, how they function in humans, and how the external form is structured. We then compare what we can thus set before us in the human being—what we have elaborated down to the level of natural laws—with what we gain from the animal. And by comparing the two, we arrive—whether in a more or less materialistic or spiritual sense—at a certain conception of the relationship between humans and the higher animals.
[ 24 ] Aber jetzt fragen wir uns etwas anderes, etwas, was man eigentlich erst fragen lernt, wenn man sich solchen Übungen, die sich rein auf das Denken beziehen und das Denken verlebendigen, hingibt. Da fragt man sich: Ja, wenn man sich nun mit seinem gewöhnlichen abstrakten Denken an die höhere Tierheit wendet und sich klarmacht, was man sich an ihr klarmachen kann, ist man dann imstande, mit dem Gedanken, den man sich von dem Tiere gemacht hat, von seiner Idee von diesem Tiere aufzusteigen zu der Idee des Menschen? Kann man, was man draußen als Umwandlung der Gestalt beobachtet, was man dann in seinen verschieden Artungen äußerlich vergleicht und durch logische Abstraktionen zueinander in Beziehung setzen kann, kann man das in innerlicher Lebendigkeit mit der Idee vollziehen, kommt man von der Idee des Tieres herauf zu der Idee des Menschen? Lebt man also im abstrakten Denken das nach, was von uns draußen in der Natur vorausgesetzt wird, als Wachstums-, als Gestaltungskräfte? Nein, das tut man nicht. Wenn [er] sich aber dem neueren, rein seelischen Yoga hingibt, wenn er dazu gelangt, dieses Denken des Menschen in einer solchen Weise zu verlebendigen, dass er, indem er an einem äußeren Dinge, an einem äußeren Vorgange die Idee gewinnt, durch die er sich diesen Vorgang innerlich vergegenwärtigt, dann kommt er mit dieser Idee, in dem sie sich so verwandelt, wie der äußere Vorgang sich verwandeln soll, hinüber zu dem ganz anders Gearteten. Dann taucht er mit diesem lebendigen Begriff unter in die Dinge, während man sonst dasteht, wenn man bloß das abstrakte Denken hat, und nicht in sie untertaucht. Und so wird dann durch dieses moderne Übungssystem in Bezug auf das Denken der Mensch innerlich ganz anders geartet. Sein Denken wird innerlich etwas ganz anderes und befähigt ihn, wirklich unterzutauchen in die Welt, der er angehört, aber unterzutauchen mit demjenigen, was er innerlich geistig erlebt. Und indem er untertaucht, wird er dessen gewiss: Dasjenige, was als Geistiges in mir lebt, was ohnmächtig und in Finsternis untertauchend erscheinen kann, das ist dennoch begründet in einem Geistigen der Welt. Denn indem es untertaucht im lebendigen Denken, macht es sich eins mit dem Geistigen der Welt, lebt es zusammen mit dem ewigen, geistigen Untergrund des Daseins, und der Mensch lernt auf diese Weise sein Ewiges nach der Seite des Gedankens kennen.
[ 24 ] But now let’s ask ourselves something else—something one actually only learns to ask once one devotes oneself to such exercises, which relate purely to thinking and enliven the thinking process. One asks oneself: Yes, if one now turns one’s ordinary abstract thinking toward the higher animal realm and clarifies for oneself what one can clarify about it, is one then able, with the concept one has formed of the animal—with one’s idea of this animal—to ascend from it to the idea of the human being? Can one—what one observes externally as a transformation of form, what one can then externally compare in its various manifestations and relate to one another through logical abstractions—can one accomplish this with inner vitality in relation to the idea, and does one thus ascend from the idea of the animal to the idea of the human being? So, does one reenact in abstract thought what is presupposed of us out there in nature—as forces of growth and form? No, one does not. But when [one] devotes oneself to the newer, purely spiritual yoga, when one succeeds in enlivening this human thinking in such a way that, by deriving from an external thing or an external process the idea through which one internally visualizes this process, then he crosses over to something of a completely different nature with this idea, as it transforms itself in the same way that the external process is meant to transform. Then, with this living concept, he immerses himself in things, whereas otherwise one merely stands there—if one has only abstract thinking—and does not immerse oneself in them. And so, through this modern system of practice with regard to thinking, the human being becomes inwardly of a completely different nature. His thinking becomes something entirely different inwardly and enables him to truly immerse himself in the world to which he belongs—but to immerse himself with that which he experiences inwardly and spiritually. And as he immerses himself, he becomes certain of this: that which lives within me as the spiritual—which may appear powerless and submerged in darkness—is nevertheless grounded in the spirituality of the world. For as it immerses itself in living thought, it becomes one with the spiritual essence of the world; it lives in harmony with the eternal, spiritual foundation of existence, and in this way, the human being comes to know his or her eternal self through thought.
[ 25 ] Dann aber — meine sehr verehrten Anwesenden — kommen erst recht die Zweifel. Der Weg ist zunächst nach der einen Seite so geartet. Allein, man darf nicht glauben, dass der, der in diesem modernen Sinn seinen Erkenntnisweg sucht, in lauterer Seligkeit zunächst lebt, indem er sich in eine ganz andere Seelenverfassung hineinbegibt, als die des gewöhnlichen Bewusstseins. Was da vorliegt, man kann es ermessen an wohlberechtigten Einwänden, die ja von allen Seiten gegen das erhoben werden können — ich will durchaus sagen —, mit einem gewissen Recht erhoben werden können, die Einwände, die ausgehen davon, dass man hinweist auf eine Philosophie wie die Schellings oder auf eine wie des Oken: geistreiche, gewaltige geniale Weltkonzeptionen, herauskommend aus einer Art lebendigen Denkens. Allein, wenn wir in beide eingehen mit unbefangenem Menschensinn, auf die Art und Weise, wie Schelling oder Oken sich ihren Gedanken machten über einzelne Tatsachen, dann auf eine mehr phantasiemäßige Weise diesen veränderten, damit er passe auf etwas anderes, damit untertauchen kann aus dem Sein in das Werden, da ist doch nur bloßes Denken, ein bloßes Verweilen in innerer [Bildlichkeit] vorhanden. Da verbürgt nichts das Sein, die Wirklichkeit. Das ist gerade, was man vorwerfen muss solchen Denkern, dass die zwar das Denken in Fluss bringen, dass sie aber dem Denken keinen Charakter verleihen können, wodurch es seine Wirklichkeit verbürgt im unmittelbaren Erkenntnisleben des Menschen. Und da darf man dasjenige, was in anthroposophischer Form erkennend unterzutauchen versucht in die übersinnliche Welt, hinweisen auf etwas, was immer verbunden ist, wenn in richtiger Weise durch solche Übungen, wie sie hier geschildert wurden, der Mensch seinen Erkenntnispfad zu gehen bestrebt ist. Er kommt dann zu solchen lebendigen Gedanken. Er bildet sie aus, indem er durch sie, innerlich eintauchend in die Welt, diese Welt zu ergreifen versucht. Dann gerade aber, wenn er solch einen lebendigen Gedanken in einem einzelnen Falle hat und in allem Ernst mit diesem etwas begreifen will, dann erlebt er innerlich wirklich das, was man nennen kann tiefsten inneren Seelenschmerz, tiefstes inneres Seelenleid. Solch ein Gedanke, der innerlich verwandelbar ist, er ist nicht ohne Schmerz, ist nicht ohne Leid in der Seele zu erleben. Daher ist es, dass derjenige, der nur ein wenig Erkenntnis sich erworben hat, Ihnen niemals sagen wird etwas anderes als dieses: Ja, dasjenige, was ich als Glück, was ich als Lust, als Befriedigung im Leben von außen erfahren habe, für das bin ich meinem Schicksal recht, recht dankbar; aber dasjenige, was ich mir als ein wenig Erkenntnis erworben habe, das verdanke ich im Grunde genommen den Leiden, die mir das Leben gebracht hat, am meisten dem seelischen Leiden. Und diese seelischen Leiden, die [gewissermaßen] von selbst über mich gekommen sind, sie haben mir auch die Gewissheit gebracht, dass die Wirklichkeit eines lebendigen Gedankens sich nur dadurch erleben lässt, dass man diese seine Wirkung, diese seine Wahrheit im Leid, im Schmerz innerlich durchlebt, und es ist schon eine wirkliche Erkenntnis der geistigen Welt nicht ohne innere Tragik zu erreichen.
[ 25 ] But then—my esteemed audience—doubts arise all the more. The path is, at first, of this nature on one side. However, one must not believe that the person who seeks his path to knowledge in this modern sense lives, at first, in pure bliss by entering into a state of mind entirely different from that of ordinary consciousness. What lies before us can be gauged by well-founded objections that can indeed be raised from all sides—I would certainly say—that can be raised with a certain justification: objections that stem from references to a philosophy such as Schelling’s or that of Oken—witty, powerful, and brilliant conceptions of the world, arising from a kind of living thought. However, if we examine both with an unbiased human sensibility—in the way that Schelling or Oken formed their thoughts about individual facts, then transformed them in a more imaginative manner so that they would fit something else, so that they could submerge from being into becoming—then what is present is merely thinking, a mere dwelling in inner [imagery]. Nothing there guarantees being, reality. This is precisely what must be held against such thinkers: that while they set thought in motion, they cannot endow thought with a character that guarantees its reality in the immediate life of human cognition. And here one may point to that which, in an anthroposophical manner, seeks to immerse itself cognitively into the supersensible world—something that is always connected whenever a person strives to walk their path of knowledge in the proper way through exercises such as those described here. He then arrives at such living thoughts. He develops them by attempting, through them and by immersing himself inwardly in the world, to grasp that world. But precisely when he has such a living thought in a particular instance and, in all seriousness, seeks to comprehend something through it, he truly experiences inwardly what can be called the deepest inner pain of the soul, the deepest inner suffering of the soul. Such a thought, which is capable of inner transformation, cannot be experienced without pain, without suffering in the soul. That is why anyone who has acquired even a little insight will never tell you anything other than this: Yes, for what I have experienced from the outside as happiness, as pleasure, as satisfaction in life—for that I am truly, truly grateful to my fate; but what I have gained as a little insight, I owe, fundamentally speaking, to the sufferings that life has brought me, most of all to the suffering of the soul. And these spiritual sufferings, which [in a sense] came upon me of their own accord, have also given me the certainty that the reality of a living thought can only be experienced by living through its effect, its truth, inwardly in suffering and pain; and true knowledge of the spiritual world cannot be attained without inner tragedy.
[ 26 ] Das könnte schließlich auch durch eine etwas unbefangene feinere Betrachtungsart ersichtlich werden. Wie ist es denn schließlich mit unserer sinnlichen Betrachtungsweise? Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn wir uns einer sinnlichen Wahrnehmung hingeben, so geschieht ja [auch] zunächst eine feine Veränderung in unserem Sinnesorgan; sogar in dem wunderbar gebauten Auge geschehen kleine Veränderungen. Wir sind heute, indem wir so organisiert sind, dass wir nicht mehr wahrnehmen, was eine Urmenschheit wahrgenommen hat — diese kleine Änderungen als Schmerz —, wir sind nur deshalb so in diesen Sinneswahrnehmungen drinnen, dass wir sie mit einer gewissen selbstverständlichen Schmerzlosigkeit erleben, weil wir nicht mit dem ganzen Menschen darinnen sind. Dasjenige, was aber der belebte Gedanke bewirkt, das macht uns als ganzen Menschen — und wir werden gewahr, dass der physische Mensch durchgedrungen ist vom geistigen —, als ganzen Menschen macht uns dieses Üben zum Sinnesorgan, und wir müssen uns die Wahrnehmungsfähigkeit der geistigen Welt, die wir uns durch dieses Sinnesorgan erwerben, erringen dadurch, dass wir zuerst den Schmerz, das Leid, durchmachen und überwinden. Und indem wir es überwunden haben, wird, neben dem, dass der gesunde physische Leib bestehen bleibt, das Seelische in uns fähig, nun unmittelbar hineinzuschauen in die geistige Welt. Dann aber verbindet sich uns durch dieses Schauen, das sich uns vermittelt dadurch, dass wir ganz Sinnesorgan werden nach dem Durchgange durch den Schmerz, dann verbindet sich das, was sich uns auf diese Art ergibt, mit demjenigen, was sich dem bewegten Denken ergibt. Man erwirbt sich über die geistige Welt dadurch, dass Sinnesorgane mit belebtem Denken [zusammenwirken], ein solches Wirklichkeitsbewusstsein, wie wir uns sonst über die Farben- und Tonwelt ein Wirklichkeitsbewusstsein erwerben. Dadurch aber — meine sehr verehrten Anwesenden — gelangt auch der moderne Mensch dazu, in eine andere Welt hineinzuschauen. Indem er auf diese Weise eine geistige Wirklichkeit nun vor dem Seelenauge hat, gewissermaßen als ganzer Mensch Seelenauge wird und neben der sinnlichen Wirklichkeit die geistige Wirklichkeit um ihn herum liegt, tritt zum Beispiel der Mensch, auch wie er physisch gestaltet ist, in anderer Weise vor unsere Seele hin, wenn wir den belebten Gedanken einmal haben. Er lebt ja in Bildern. Und schauen wir den Menschen an, dann zeigt uns allerdings dasjenige, was da als äußere Menschengestalt vor uns steht — schon das, was als äußere Menschengestalt vor uns steht —, das zeigt uns etwas, was mit dem rein Geistig-Seelischen in Verbindung steht. Wir schauen gewissermaßen auf eine geistig-seelische Gestalt hin, wie wir mit dem physischen Auge auf die Leibesgestalt hinschauen. Und wir verbinden, indem wir auf dieses Geistig-Seelische hinschauen, mit der physischen Leiblichkeit dasjenige, was ich unverhohlen nenne — wenn es auch Anstoß erregen mag — ein Aurisches der Menschennatur. Wir sehen ein Aurisches; wir sehen einen Geist-Seelen-Organismus. Und dieser Geist-Seelen-Organismus, der zeigt durch sein Eigenes, so wie der physische Organismus zeigt, wenn wir einen erwachsenen Menschen vor uns haben, dass der einmal ein kleines Kind war, so weist das, was wir da als den aurischen Menschen erschauen, zurück in dasjenige, was wir waren als rein geistig-seelische Wesen in einer geistigseelischen Welt, bevor wir heruntergestiegen sind in die physische Welt und uns verbunden haben mit demjenigen, was aus dieser physischen Erdenwelt im Leibe der Mutter vorbereitet worden ist zur Verbindung mit dem rein Geistig-Seelischen, das vor der Geburt — oder sagen wir Konzeption — in der geistig-seelischen Welt gelebt hat. Und nicht nur, dass wir in dieser allgemeinen Weise hingewiesen werden auf dasjenige, was wir selber waren, wenn wir uns so dazu vorbereitet haben, wir werden auch in konkreter Weise hingewiesen auf das, was damals der Mensch war. Wir lernen nach und nach den Menschen als geistig-seelisches Wesen in der geistig-seelischen Welt so kennen, wie wir durch unsere Augen und den Intellekt den physischen Menschen kennenlernen. Allerdings müssen wir uns da aufschwingen zu einer gewissen Anschauung, die darin besteht, dass wir uns sagen: Ja, die äußere Welt, die uns umgibt, wir schauen sie zunächst an mit all den Fähigkeiten, die wir haben im normalen Leben zwischen Geburt und Tod. Wir schauen alles das, was in den Sternen, in den Wolken, in den Reichen der Natur uns umgibt; am wenigsten schauen wir in uns selber hinein. Denn wir wissen, wenn wir unbefangen sind, dass dasjenige, was wir in uns erblicken, im Grunde genommen nur die bildhafte Abbildung dessen ist, was wir in der Außenwelt erleben.
[ 26 ] After all, this might also become apparent through a somewhat more impartial and nuanced way of looking at things. What, then, is the matter with our sensory approach? Well, my dear friends, when we give ourselves over to sensory perception, a subtle change does indeed occur first in our sensory organs; even in the wonderfully constructed eye, small changes take place. Today, because we are organized in such a way that we no longer perceive what early humanity perceived—these small changes as pain— we are immersed in these sensory perceptions only because we experience them with a certain natural freedom from pain—precisely because we are not fully present in them as whole human beings. But what the animated thought brings about is what makes us whole human beings—and we become aware that the physical human being is permeated by the spiritual—as whole human beings, this practice makes us into sensory organs, and we must attain the capacity to perceive the spiritual world—which we acquire through this sensory organ—by first enduring and overcoming pain and suffering. And once we have overcome it, not only does the healthy physical body remain intact, but the soul within us becomes capable of looking directly into the spiritual world. But then, through this insight—which is conveyed to us by our becoming fully a sense organ after passing through pain—what arises in us in this way connects with what arises through active thinking. Through the interaction of the sense organs with animated thinking, one acquires an awareness of reality regarding the spiritual world, just as we otherwise acquire an awareness of reality through the world of colors and sounds. Through this, however—my esteemed audience—modern human beings also come to glimpse into another world. Since he now has a spiritual reality before the eye of the soul in this way—becoming, as it were, the eye of the soul as a whole human being—and since spiritual reality lies around him alongside sensory reality, the human being, even in his physical form, appears before our soul in a different way once we have this animated thought. He lives, after all, in images. And when we look at a human being, what stands before us as the outer human form—indeed, that very outer human form—reveals to us something connected to the purely spiritual-soul aspect. In a sense, we look upon a spiritual-soul form just as we look upon the physical form with our physical eyes. And by looking upon this spiritual-soul aspect, we connect the physical body with what I openly call—even if it may cause offense—an “auric” aspect of human nature. We see an auric aspect; we see a spirit-soul organism. And this spirit-soul organism—which reveals through its very nature, just as the physical organism reveals when we have an adult human being before us that this person was once a small child—points back to what we were as purely spiritual and soul-being in a spiritual-soul world, before we descended into the physical world and united with that which had been prepared in the mother’s womb from this physical earthly world for union with the purely spiritual-soul being that lived in the spiritual-soul world before birth—or, shall we say, conception. And not only are we pointed in this general way toward what we ourselves were—if we have prepared ourselves for it—but we are also pointed in a concrete way toward what the human being was back then. We gradually come to know the human being as a spiritual-soul being in the spiritual-soul world, just as we come to know the physical human being through our eyes and intellect. However, we must rise to a certain level of insight, which consists in saying to ourselves: Yes, the outer world that surrounds us—we first look at it with all the faculties we possess in normal life between birth and death. We look at everything that surrounds us in the stars, in the clouds, and in the realms of nature; we look least of all into ourselves. For we know, when we are unbiased, that what we perceive within ourselves is, in essence, merely a pictorial representation of what we experience in the external world.
[ 27 ] Der Mensch ist zwischen Geburt und Tod auf die Außenwelt organisiert. Eine ungemeine Fülle von Inhalten offenbart sich dem Menschen, indem er die Augen und übrigen Sinne hinauswendet in diese Umwelt, von den Sternen bis zum kleinsten Würmchen. Derjenige aber, der unbefangen genug ist, der kann ahnend ersehen, dass das, was er in sich trägt, in einer noch viel wunderbareren Weise gestaltet ist. Ja, herrlich mag die Außenwelt gestaltet sein, große, gewaltige Gesetzmäßigkeiten mögen wir aus ihr enthüllen durch die Wissenschaft. Wenn wir hineinschauen können, nicht durch Anatomie, nicht durch das, was sich der äußeren Wissenschaft ergibt, die zu den Herrlichkeiten der Außenwelt führt, sondern durch innere Fähigkeiten, dann werden wir uns in jedem Augenblick sagen: Dasjenige, was im Inneren der Menschennatur liegt, enthüllt noch viel Gewaltigeres als die kosmische Außenwelt. Nur dem äußeren Raum nach ist es verschieden, aber nicht der Fülle nach. Dieses menschliche Innere, wir können es im gewöhnlichen Bewusstsein nur ahnen, es ist aber wirklich ein Mikrokosmos, ist wirklich eine kleine Welt, und wie großartig die Außenwelt sein mag, hier im Inneren des Menschen sieht es noch großartiger aus. Aber zwischen Geburt und Tod erfassen wir das nur ahnend. Denn wenn wir unserer Sinne- und Willensglieder uns bedienen, so tauchen wir unter sie in Finsternis. Wir schauen nicht dasjenige, was unsere Lunge aufbaut, überzeugen uns nicht davon, dass das ein Größeres und Gewaltigeres ist, was unsere Lunge aufbaut. Wir schauen hinein in unser Herz, können uns aber nicht davon überzeugen, dass die innere Organisation des Herzens eine viel gewaltigere ist als das, was uns als Organisation entgegentritt, indem wir die Beziehungen zwischen Erde und Sonne aufsuchen. Wir ahnen das alles nur. Mit den Hilfsmitteln der Wissenschaft können wir aber nicht in das Innere schauen. Schauen wir aber mit dem übersinnlichen Schauen hinein in die Welt — in der wir gelebt haben als geistig-seelische Wesen vor unserer Geburt, oder, sagen wir, Konzeption —, dann finden wir, dass, während hier zwischen Geburt und Tod der Kosmos unsere Außenwelt ist, auf die wir unsere Taten wenden, so ist unser Geistig-Seelisches vor der Konzeption — das menschliche Innere — die Außenwelt.
[ 27 ] Between birth and death, human beings are oriented toward the external world. An extraordinary wealth of content reveals itself to us as we turn our eyes and other senses outward toward this environment, from the stars down to the tiniest worm. But those who are open-minded enough can intuitively perceive that what they carry within themselves is shaped in an even more wondrous way. Yes, the external world may be magnificently shaped, and through science we may uncover great, powerful laws within it. But if we can look within—not through anatomy, not through what is revealed by external science, which leads to the splendors of the external world, but through inner faculties—then we will say to ourselves at every moment: What lies within human nature reveals something far more magnificent than the cosmic external world. It differs only in terms of external space, but not in terms of richness. This inner human realm—which we can only sense in our ordinary consciousness—is truly a microcosm, truly a small world; and however magnificent the outer world may be, here within the human being it appears even more magnificent. But between birth and death, we grasp this only intuitively. For when we make use of our sensory and volitional faculties, we plunge beneath them into darkness. We do not see what our lungs are building up; we do not convince ourselves that what our lungs are building up is something greater and more magnificent. We look into our heart, but we cannot convince ourselves that the inner organization of the heart is far more powerful than what we encounter as an organization when we examine the relationships between the Earth and the Sun. We can only sense all of this. But with the tools of science, we cannot look into the inner world. But if we look into the world with supersensible vision—the world in which we lived as spiritual-soul beings before our birth, or, let us say, before conception—then we find that, while here between birth and death the cosmos is our external world, toward which we direct our actions, our spiritual-soul being before conception—the human inner being—is the external world.
[ 28 ] Wir schauen hin auf dieses menschliche Innere, schauen hin, weil wir untertauchen müssen, aktiv, indem wir vorbereiten müssen zum Beispiel die Umgestaltung, die sich in so wunderbarer Weise im Kinde vollzieht, indem sich das Gehirn gestaltet. Dasjenige, was wir aus uns selber machen aus dem Seelisch-Geistigen heraus, das schauen wir, bevor wir heruntersteigen in die physische Erdenwelt. Die menschliche Innenwelt, die uns finster erscheint zwischen Geburt und Tod, wir schauen sie nicht nur, sie ist nicht nur unsere Erkenntnis, ist nicht nur das, was wir bewundern, wenn wir unsere Sympathie und Antipathie spielen lassen, sie ist auch dasjenige, worauf wir vor der Geburt oder Konzeption unsere Taten gewendet haben. Die Willensnatur des Menschen, sie hat zum Ziel dasjenige, was er gewissermaßen dann innerlich aus seiner Organisation zu machen versteht. Und — meine sehr verehrten Anwesenden — so unbewusst sich das im gewöhnlichen Leben vollzieht, es muss errungen werden. Und dasjenige, was erkennend und tätig der Mensch in der rein geistigen Welt erfährt, es ist das, was doch, wenn auch unbewusst, in diesem physischen Erdenleben dann vollzogen wird. Und das ist die eine Seite des aurischen Menschen.
[ 28 ] We look into this inner human being; we look because we must immerse ourselves—actively—by preparing, for example, for the transformation that takes place in such a wonderful way in the child as the brain develops. That which we create from within ourselves, from the soul-spiritual realm—that is what we behold before we descend into the physical world on Earth. The human inner world, which appears dark to us between birth and death—we do not merely observe it; it is not merely our knowledge, nor is it merely what we admire when we give free rein to our sympathies and antipathies; it is also that toward which we directed our actions before birth or conception. The nature of the human will has as its goal that which the human being, so to speak, is then able to shape inwardly from within his own constitution. And—my esteemed audience—as unconsciously as this takes place in ordinary life, it must be achieved. And what the human being experiences in the purely spiritual world through cognition and action is what is then carried out, albeit unconsciously, in this physical earthly life. And that is one aspect of the auric human being.
[ 29 ] Die andere Seite des aurischen Menschen tritt vor unsere Anschauung hin, wenn wir uns nicht die äußere Gestalt vor das Auge rücken, sondern dasjenige, was in des Menschen Willensimpulsen, in des Menschen Taten lebt. Da lernt man in der Tat die Welt anders anschauen, namentlich die Welt der Menschen. Da sagt man sich: Das, was die Menschen tun, es erscheint einem so wie die Welt der Farben einem Blindgeborenen, der mit Erfolg operiert worden ist. Er lernt eine ganz neue Welt kennen, indem ein äußerer Sinn ihm erschlossen wird. So wird uns ja ein Sinn dadurch erschlossen, dass wir als ganzes menschliches Wesen uns zum Sinnesorgan umbilden. Mit diesem aber schauen wir das, was der Mensch darlebt, anders an. Vor allen Dingen lernen wir mit diesem Sinnesorgan uns kennen, nicht wie der Asket, der herabstimmt seine äußere Körperlichkeit, um an ihr kein Hindernis zu haben für das Geistige, der das Leid hervorrief, um durch das Leid des Physischen zum Geistigen zu kommen; wir gelangen durch das Leid in der Seele zum Geistigen. Dadurch aber lernen wir dasjenige in uns selber kennen, was jetzt in diesem Erdenleben geistig-seelisch ist. Wir lernen erkennen das, was als Geistig-Seelisches sich vorbereitet und wiederum als das zweite Aurische hinausstrebt aus dem leiblichen, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen. Wir werden so dadurch, dass wir uns selbst Sinnesorgan werden, so mit unserem Leben nach dem Tode bekannt. Wir werden bekannt mit demjenigen, was durch die Pforte des Todes als die ewige Seelennatur des Menschen hindurchzieht. Wir werden bekannt mit den Kräften, die in unserem Innern nach der geistigen Welt hinausstreben, nach dem Geistigen im Kosmos, wie wir vor der Geburt hineingestrebt haben mit unseren Taten, mit unserem Schauen.
[ 29 ] The other side of the auric human being comes into view when we focus not on the outer form, but on that which lives in the human being’s impulses of will and in their actions. Then one truly learns to view the world differently—namely, the world of human beings. One says to oneself: What people do appears to us just as the world of colors appears to someone born blind who has undergone a successful operation. That person comes to know a whole new world through the opening up of an external sense. In the same way, a sense is opened up to us through our transformation, as whole human beings, into a sensory organ. With this sense, however, we view what human life entails in a different light. Above all, we come to know ourselves through this sense organ—not like the ascetic who mortifies his outer physicality so that it poses no obstacle to the spiritual, who brought suffering upon himself in order to reach the spiritual through physical suffering; rather, we reach the spiritual through suffering in the soul. Through this, however, we come to know within ourselves that which is now spiritual-soul in this earthly life. We learn to recognize that which, as the spiritual-soul, is preparing itself and will in turn strive forth from the physical as the second auric body when we pass through the gate of death. In this way—by becoming a sense organ ourselves—we become acquainted with our life after death. We become acquainted with that which passes through the gate of death as the eternal soul nature of the human being. We become acquainted with the forces within us that strive toward the spiritual world, toward the spiritual in the cosmos, just as we strove toward it before birth through our deeds and our vision.
[ 30 ] Aber wir werden noch etwas anderes gewahr. Wir lernen zum Beispiel erkennen: Ein Mensch begegnet einem anderen, die beiden Menschenwege treffen zusammen. Es entwickelt sich etwas, was für das Schicksal der beiden von ausschlaggebender Bedeutung ist. Die beiden gehen zusammen von da ab ihren Lebensweg. Man nennt das wohl auch sonst den Zufall. Lernt man aber — ich möchte sagen, so wie der Blindgeborene, wenn er operiert ist, die Farben schauen lernt —, lernt man das, was der Mensch vollzieht in seinem Leben, mit diesem Sinnesorgane kennen, das er als ganzer Mensch aus sich bildet, dann verfolgt man von der ersten Kindheit an das, was er vollzieht, aus Sympathien und Antipathien heraus — aus Sympathien und Antipathien, an deren Stelle wieder andere treten. Immer strebt aus uns heraus, was sein Lebensweg wird, so können wir die Linie wie planvoll ziehen zu demjenigen, was sein Schicksal geworden ist. Wir sehen: Aus seinem Inneren heraus kommt das, was sein Leben gestaltet. Wir verstehen es genauer, was, durch das Alter weise geworden, unbefangene ältere Menschen sagten. Goethes Freund Knebel sagte einmal: Wenn man zurücksieht durch das Leben, so erscheint einem das Leben durchaus eigentlich planvoll, und zu den einzelnen entscheidenden Punkten fühlt man sich hingegeben, wie wenn sie hervorgegangen wären aus einem vorher angelegten Lebensplan. — So sieht man hinein in dasjenige, was aus Sympathien und Antipathien, aus Trieben und Begierden heraus sich als sein Leben in Taten gestaltet, und von da aus führt der Weg hindurch an der Anschauung des Lebensschicksalsfadens durch die wiederholten Erdenleben. Wir lernen erkennen, wie das, was hervorsprießt in Sympathien und Antipathien, zurückgeht auf frühere Erdenleben. Es ist nur andeutend zu sagen, wie man auf diese Weise, dass man selbst ganz Sinnesorgan wird, nach und nach erringt einen Blick auf die wiederholten Erdenleben, durch die der Schicksalsfaden hindurchzieht. Man sieht hinein durch die höhere Sinnlichkeit in das Geistig-Ewige.
[ 30 ] But we become aware of something else as well. For example, we come to recognize: One person encounters another; their two life paths converge. Something develops that is of decisive importance for the fate of both. From that point on, the two walk their life’s path together. This is usually called coincidence. But if one learns—I would say, just as a person born blind learns to see colors after undergoing surgery— if one comes to know what a person accomplishes in life through this sensory organ that he forms from within himself as a whole human being, then from early childhood onward one follows what he accomplishes out of sympathies and antipathies—out of sympathies and antipathies that are in turn replaced by others. What becomes one’s life path always strives forth from within us; thus we can trace a line, as if by design, toward what has become one’s destiny. We see: what shapes one’s life comes from within. We come to understand more clearly what open-minded older people, having gained wisdom through age, used to say. Goethe’s friend Knebel once said: “When one looks back on life, it actually seems quite deliberate, and at the individual decisive moments one feels as though they were part of a life plan laid out in advance.” — Thus one looks into that which, arising from sympathies and antipathies, from impulses and desires, takes shape as one’s life in deeds; and from there the path leads on to the perception of the thread of destiny through repeated earthly lives. We learn to recognize how that which springs forth in sympathies and antipathies can be traced back to earlier earthly lives. It can only be hinted at how, in this way—by becoming a sensory organ oneself—one gradually gains a glimpse of the repeated earthly lives through which the thread of destiny runs. Through higher sensibility, one sees into the spiritual and eternal.
[ 31 ] Jetzt ist es, wo in der Tat der Mensch auf eine ganz moderne Weise, indem er sich nicht dem Leben entfremdet, sondern sich gerade voll hineinstellen kann in das Leben, wo er trotzdem seinen Weg zu jenen anderen Welten findet, mit denen sich sein Seelisches denn doch verbunden fühlen muss, wie er diesen Weg für eine wirkliche Erkenntnis finden kann. Jetzt kann sich für ihn vertiefen dasjenige, was er auf diese Weise als ein Wissender erwirbt, sodass er seinen ganzen Menschen anregt. Jetzt verbindet sich das, was Erkenntnis ist, mit der inneren religiösen Frömmigkeit, jetzt kann, weil der Mensch auf moderne Art den Weg findet, das Wissen wiederum zur Religion, jetzt kann die Erkenntnis zur wahren, echten Frömmigkeit führen. Der Mensch gelangt eben auf einem voll inneren Wege hinein in dieses Erkenntnisziel. Vorher hat man müssen den Körper herabstimmen. Jetzt lässt man den Körper so, wie er ist, damit er tauglich bleibt für das äußere Leben, damit man das Vertrauen der anderen Menschen haben kann. Aber im Seelischen macht man, indem man dieses Seelische umso stärker anstrengt, dennoch das Leiden durch, man bringt das Leiden auf eine innere Weise hervor, das früher auf äußerliche Weise hervorgebracht worden ist. Und jetzt kann es sein, wenn solche Anthroposophie, wie sie hier gemeint ist, verstanden wird, dass der Einzelne, wenn man ihm nur unbefangen zuhört, verstanden werden kann. Man kann ja heute in gewissem Sinn dahin gelangen — jeder einzelne Mensch —, durch Befolgung gewisser Regeln sich selbst den Weg in die geistige Welt zu bahnen. Aber man braucht das nicht, denn man kann durch seinen gesunden Menschenverstand dasjenige auffassen, was der Geistesforscher durch sein Schauen offenbaren kann, und kann es verstehen. Geradeso wenig, wie man ein Maler zu sein braucht, um die Schönheit eines Bildes zu beurteilen, geradeso wenig braucht man selber Geistesforscher zu sein, um bewahrheitet in sich zu finden, was der Geistesforscher sagt. Denn durch sein höheres Schauen wird dieser Geistesforscher ja auch nur hineingeführt in die höheren Welten. Die Wirklichkeit dieser Welten muss auch er durch seinen gesunden Menschenverstand erkennen. Geradeso, wie man beim Traum prüft durch den gesunden Menschenverstand, wie er nicht der äußeren Wirklichkeit entspricht, so muss man durch eine weiter gehende Logik die Wahrhaftigkeit und Wirklichkeit dessen erkennen, was der Geistesforscher in geistigen Welten ergründet, um das wahre Verhältnis der Menschen zu diesen geistigen Welten so zu ergründen, dass keine Ohnmacht und keine Finsternis kommt. Aber zu gleicher Zeit tritt noch etwas anderes auf, was wir in der Gegenwart gar sehr brauchen. Wir sind in der Gegenwart durchaus drinnenlebend in einer Fülle von Ideen, von Gedanken. Wissenschaft und manches andere im Leben gibt uns diese Ideen und Gedanken, aber diese Ideen und Gedanken sind abstrakt, sind im Sinne dessen, was heute gesagt worden ist, tot. Wir haben höchstens Gedanken von dem Geist, Ideen von dem Geist, aber der Geist lebt nicht unter uns. Das ist dasjenige, was wir doch als ein Bekenntnis uns selbst als moderne Menschen ablegen müssen, wenn wir in Vorzeitalter zurückblicken. Gewiss, wir können nicht wünschen, dass sie wieder heraufstiegen. Es muss uns manches recht unsympathisch erscheinen, was der Mensch für richtig angesehen hat für seine Lebenshaltung. Und in Bezug gerade auf diese Lebenshaltung durchzucken die heutigen Menschen ungeheurer viele Hoffnungen und Illusionen. Wenn wir aber die alten Zeiten doch nicht heraufziehen lassen wollen, so müssen wir doch sagen: Im Geiste haben sie gelebt; denn in den Geist sind sie eingetaucht. Nicht haben sie sich abstrakten Gedanken hingegeben. Es ist dieses Geistesleben den Menschen als Leben aufgegangen, nicht bloß als Gedanken von der Geistigkeit. Heute haben wir nur Gedanken von der Geistigkeit. Wir werden wiederum geistige Lebendigkeit unter uns haben. Wir brauchen das, indem wir Gedanken über das Geistige entwickeln, sie so entwickeln, dass das Konkrete, das Lebendig-Geistige in uns selber einzieht, sodass wir bis ins Innerste hinein nicht nur von Gedanken, sondern vom Geiste durchdrungen werden, sodass wir auch wissen: Es leben geistige Wesen um uns, mit uns, in unserem Willensleben, in unseren Gedanken. Wir brauchen den Geist nicht bloß in Form von Gedanken, wir brauchen den lebendigen Geist überall mitten unter uns. Wir müssen wiederum wissen, dass wir hereinzaubern können mit dem Erleben des Gedankens, des lebendigen Willens, nicht bloß das abstrakte, sondern das konkrete Geistige. Wenn wir wiederum wissen, dass das Geistige als Gedanke in uns lebt, dass es als Genosse mit uns lebt, uns begeistern kann, uns enthusiasmieren kann, unsere eigentliche Menschenwesenheit und Menschenwürde erschließen kann, dann können wir, mit einem solchen ins Übersinnliche, ins Geistige hinaufgehobenen menschlichen Verhältnis zu der Welt in der Gegenwart Wege finden, die uns zu Forderungen führen, wie sie heute in tiefer Sehnsucht und tiefer Tragik und auch in vielen Illusionen aufgestellt werden. So aber müssen wir durch eine Vergeistigung unseres Gedankens, durch eine Verlebendigung des toten Gedankens den Geist als Genossen unsres Strebens in der Gegenwart und Zukunft suchen. Das, und nichts anderes will anthroposophische Weltenforschung, wollen die anthroposophischen Wege, die dahin führen sollen, aus der physischen Welt in die geistige Welt hinein zum Heil und inneren Segen, [zu einem] wahren Erleben der umfassenden Wirklichkeit, die nicht nur eine physische, sondern auch eine geistige ist. Und in der geistigen Wirklichkeit allein kann der Mensch die Befriedigung für jene Rätselfragen finden, von denen ich im Beginn des heutigen Vortrags gesprochen habe.
[ 31 ] It is now—when human beings, in a truly modern way, do not alienate themselves from life but can instead fully immerse themselves in it—that they nevertheless find their way to those other worlds with which their soul must ultimately feel connected, and discover how to find this path toward true knowledge. Now what he acquires in this way as a person of knowledge can deepen within him, so that his whole being is stirred. Now what is knowledge unites with inner religious devotion; now, because the human being finds the path in a modern way, knowledge can in turn become religion; now knowledge can lead to true, genuine devotion. Human beings reach this goal of knowledge precisely through a wholly inner path. Previously, one had to bring the body into harmony. Now one leaves the body as it is, so that it remains fit for outer life, so that one may have the trust of other people. But in the soul, by exerting this soul all the more strongly, one nevertheless undergoes suffering; one brings about suffering in an inner way that was previously brought about in an outer way. And now it may be that, if such anthroposophy—as meant here—is understood, the individual can be understood if one simply listens to him without prejudice. After all, today—in a certain sense—every single person can, by following certain rules, pave their own way into the spiritual world. But this is not necessary, for one can grasp and understand through one’s common sense what the spiritual researcher can reveal through their insight. Just as one need not be a painter to appreciate the beauty of a painting, so too does one need not be a spiritual researcher oneself to find within oneself the truth of what the spiritual researcher says. For through his higher insight, this spiritual researcher is, after all, merely led into the higher worlds. He, too, must recognize the reality of these worlds through his common sense. Just as one uses common sense to verify that a dream does not correspond to external reality, so too must one use a more profound logic to recognize the truth and reality of what the spiritual researcher explores in the spiritual worlds, in order to fathom humanity’s true relationship to these spiritual worlds in such a way that neither powerlessness nor darkness arises. But at the same time, something else arises that we very much need in the present. We are currently living immersed in a wealth of ideas and thoughts. Science and many other aspects of life provide us with these ideas and thoughts, but these ideas and thoughts are abstract; in the sense of what has been said today, they are dead. At most, we have thoughts about the spirit, ideas about the spirit, but the spirit does not live among us. This is what we, as modern people, must acknowledge as a confession when we look back on earlier ages. Certainly, we cannot wish for them to return. Much of what people in the past regarded as correct for their way of life must seem quite unsympathetic to us. And precisely with regard to this way of life, an immense number of hopes and illusions flit through the minds of people today. But if we do not wish to resurrect the old times, we must still say: They lived in the spirit; for they were immersed in the spirit. They did not merely indulge in abstract thoughts. This spiritual life unfolded for them as life itself, not merely as thoughts about spirituality. Today we have only thoughts about the spiritual. We will once again have spiritual vitality among us. We need this by developing thoughts about the spiritual—developing them in such a way that the concrete, the living-spiritual takes root within us, so that we are permeated to our very core not only by thoughts but by the Spirit, so that we also know: Spiritual beings live around us, with us, in our life of will, in our thoughts. We do not need the Spirit merely in the form of thoughts; we need the living Spirit everywhere in our midst. We must also know that through the experience of thought and living will, we can conjure up not merely the abstract but the concrete spiritual. If we also know that the spiritual lives within us as thought, that it lives with us as a companion, can inspire us, can fill us with enthusiasm, and can unlock our true human being and human dignity, then, with such a human relationship to the world—elevated into the supersensible, into the spiritual—we can find paths in the present that lead us to demands such as those being raised today amid deep longing, deep tragedy, and also many illusions. But to do so, we must seek the Spirit as a companion in our striving—both in the present and the future—through the spiritualization of our thought and the revitalization of dead thought. That, and nothing else, is the aim of anthroposophical world research; that is the aim of the anthroposophical paths intended to lead from the physical world into the spiritual world—toward healing and inner blessing, [toward] a true experience of the all-encompassing reality, which is not only physical but also spiritual. And it is in spiritual reality alone that human beings can find satisfaction for those enigmatic questions of which I spoke at the beginning of today’s lecture.
