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The Inner Nature and Essence
of the Human Soul
GA 80b

12 February 1922, Stuttgart

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Das Innere der Natur und das Wesen der Menschenseele
  1. The Inner Nature and Essence of the Human Soul, tr. SOL

5. Natürlicher Tod und geistiges Leben

5. Natürlicher Tod und geistiges Leben

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Die Anthroposophie, welche ich nun schon seit vielen Jahren hier vertreten darf, wird zunächst aus einem ganz bestimmten Grunde befremdend aufgenommen, und zwar darum, weil sie aus ihren besonderen Erkenntnisweisen heraus nicht nur über anderes zu sprechen genötigt ist, als man heute auf wissenschaftlichem Boden gewöhnt ist, sondern weil sie genötigt ist, auch in anderer Art zu sprechen, eine andere Ausdrucksweise zu haben. Dies aber — meine sehr verehrten Anwesenden — führt nicht nur etwa in äußerer, formaler Weise in das Wesen des Anthroposophischen hinein, sondern führt, wie gerade die Betrachtungen des heutigen Abends für einen bestimmten Fall zeigen möchten, tief hinein in das ganze Wesen anthroposophischer Weltauffassung.

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Die Anthroposophie, welche ich nun schon seit vielen Jahren hier vertreten darf, wird zunächst aus einem ganz bestimmten Grunde befremdend aufgenommen, und zwar darum, weil sie aus ihren besonderen Erkenntnisweisen heraus nicht nur über anderes zu sprechen genötigt ist, als man heute auf wissenschaftlichem Boden gewöhnt ist, sondern weil sie genötigt ist, auch in anderer Art zu sprechen, eine andere Ausdrucksweise zu haben. Dies aber — meine sehr verehrten Anwesenden — führt nicht nur etwa in äußerer, formaler Weise in das Wesen des Anthroposophischen hinein, sondern führt, wie gerade die Betrachtungen des heutigen Abends für einen bestimmten Fall zeigen möchten, tief hinein in das ganze Wesen anthroposophischer Weltauffassung.

[ 2 ] Die Ideen, die Vorstellungen, in denen Anthroposophie aussprechen muss dasjenige, was sie in einer gewissen Art durch sogenannte übersinnliche Erkenntnisse gewinnt, sie haben gegenüber denjenigen Vorstellungen, an die man heute im wissenschaftlichen Leben gewöhnt ist, etwas, man darf wohl sagen, Lebendigeres, etwas, das sich, ohne die wissenschaftliche Grundlage zu verlassen, abhebt in einer gewissen Weise von demjenigen, was nur gebunden ist an die äußere, durch die Sinne wahrnehmbare, durch den Verstand zu erreichende Tatsachenwelt. Von dieser äußeren Tatsachenwelt wendet sich Anthroposophie zu einer anderen Tatsachenwelt hin, und von dieser anderen Tatsachenwelt muss sie eben nicht nur anderes verkünden, als die Sinne zu sehen in der Lage sind, sondern sie muss auch in anderer Art sprechen.

[ 2 ] Die Ideen, die Vorstellungen, in denen Anthroposophie aussprechen muss dasjenige, was sie in einer gewissen Art durch sogenannte übersinnliche Erkenntnisse gewinnt, sie haben gegenüber denjenigen Vorstellungen, an die man heute im wissenschaftlichen Leben gewöhnt ist, etwas, man darf wohl sagen, Lebendigeres, etwas, das sich, ohne die wissenschaftliche Grundlage zu verlassen, abhebt in einer gewissen Weise von demjenigen, was nur gebunden ist an die äußere, durch die Sinne wahrnehmbare, durch den Verstand zu erreichende Tatsachenwelt. Von dieser äußeren Tatsachenwelt wendet sich Anthroposophie zu einer anderen Tatsachenwelt hin, und von dieser anderen Tatsachenwelt muss sie eben nicht nur anderes verkünden, als die Sinne zu sehen in der Lage sind, sondern sie muss auch in anderer Art sprechen.

[ 3 ] Dies kann nun ganz besonders auffallen an jener Tatsache, die des Menschen irdisches Schicksal am allerintensivsten bezeichnet: die Tatsache des Todes. Denn mit der Tatsache des Todes hängen ja zusammen des Menschen Hoffnungen, mit seinem eigenen Wesen über den Tod hinausgehen zu können; mit dem Todesproblem hängt zusammen das Unsterblichkeitsproblem. Und über das Unsterblichkeitsproblem heute zu sprechen, gilt ja als unwissenschaftlich.

[ 3 ] Dies kann nun ganz besonders auffallen an jener Tatsache, die des Menschen irdisches Schicksal am allerintensivsten bezeichnet: die Tatsache des Todes. Denn mit der Tatsache des Todes hängen ja zusammen des Menschen Hoffnungen, mit seinem eigenen Wesen über den Tod hinausgehen zu können; mit dem Todesproblem hängt zusammen das Unsterblichkeitsproblem. Und über das Unsterblichkeitsproblem heute zu sprechen, gilt ja als unwissenschaftlich.

[ 4 ] Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, man muss, wenn man eine so grundlegende Frage, ein so grundlegendes Lebensrätsel ins Auge fasst, man muss gerade dann aufmerksam machen darauf, wie über die verschiedenen Erdengebiete hinüber in der allermannigfaltigsten Weise gerade auch die Art des Denkens sich äußert. Ich möchte sagen: Wir hier, innerhalb der deutschen Welt Mitteleuropas, sind gerade mit solchen Fragen wie eingekeilt zwischen dem Westen und dem Osten. Und ich möchte nur einleitungsweise auf die westliche Art des Denkens und auf die östliche Art des Denkens hinweisen, um dann zu zeigen, wie es vielleicht gerade eben dem deutschen Geiste obliegt, dadurch, dass er die Einseitigkeiten des Westens und des Ostens vermeidet, zu einer höheren Erkenntnis auf diesem Gebiete zu kommen.

[ 4 ] Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, man muss, wenn man eine so grundlegende Frage, ein so grundlegendes Lebensrätsel ins Auge fasst, man muss gerade dann aufmerksam machen darauf, wie über die verschiedenen Erdengebiete hinüber in der allermannigfaltigsten Weise gerade auch die Art des Denkens sich äußert. Ich möchte sagen: Wir hier, innerhalb der deutschen Welt Mitteleuropas, sind gerade mit solchen Fragen wie eingekeilt zwischen dem Westen und dem Osten. Und ich möchte nur einleitungsweise auf die westliche Art des Denkens und auf die östliche Art des Denkens hinweisen, um dann zu zeigen, wie es vielleicht gerade eben dem deutschen Geiste obliegt, dadurch, dass er die Einseitigkeiten des Westens und des Ostens vermeidet, zu einer höheren Erkenntnis auf diesem Gebiete zu kommen.

[ 5 ] Blicken wir nach dem Westen hinüber, so begegnet uns vor allen Dingen ein Denker, welcher auch in tiefgehender Weise seit fast einem Jahrhundert beeinflusst hat das mitteleuropäische und das osteuropäische Denken, ein Denker, der insbesondere auf die naturwissenschaftlichen Begriffe Mitteleuropas mehr Einfluss gewonnen hat, als man sich gewöhnlich bewusst ist. Es ist Herbert Spencer. Er betrachtet das menschliche Leben, und am interessantesten ist es, seine Lebensbetrachtung da anzufassen, wo er sie auf das Erziehungsproblem anwendet. Er frägt: Welches muss das eigentliche Ziel der menschlichen Erziehung sein? Und er kommt darauf — wie gesagt, ich will das nur einleitungsweise erwähnen, nicht ausführen —, er kommt darauf, zu sagen, das eigentliche Ziel der Erziehung müsse sein, richtige Eltern und Erzieher aus allen Menschen zu machen. Nun, dasjenige, was er so als Erziehungsziel hinstellt, mag uns heute vielleicht weniger interessieren, wohl aber der Grund, warum er gerade dieses Erziehungsziel als das seinige anerkennt. Er sagt: Die menschliche Entwicklung findet einen gewissen Abschluss in dem Augenblick, wo der Mensch fortpflanzungsfähig wird, wo der Mensch also eintritt in die Geschlechtsreife. Und wenn nun die Kraft, seinesgleichen hervorzubringen, das Höchste ist, das der Mensch im Lebenslaufe erreichen kann, so muss auch das höchste Ziel der Erziehung dieses sein, diese Nachkommen in der entsprechenden Weise zu erziehen und zu unterrichten. Und mehr aus dem ganzen Zusammenhang als aus dieser einzelnen Behauptung geht bei diesem westlichen Denker hervor, dass er eigentlich ein sicheres erkenntnismäßiges Betrachten des Menschen nur darinnen sieht, die natürlichen Vorgänge bis zu ihrem Gipfel, bis zur Hervorbringung des Gleichen zu verfolgen, dass er gewissermaßen alles dasjenige, was dann der Mensch gerade am bedeutsamsten anzustreben hat, nachdem er die Geschlechtsreife erreicht hat, dass er alle sogenannte geistige Entwicklung nur wie eine Art Überbau, nur wie eine Art Anhängsel, könnte man fast sagen, an die sichere natürliche Grundlage der enschenentwicklung ansieht.

[ 5 ] Blicken wir nach dem Westen hinüber, so begegnet uns vor allen Dingen ein Denker, welcher auch in tiefgehender Weise seit fast einem Jahrhundert beeinflusst hat das mitteleuropäische und das osteuropäische Denken, ein Denker, der insbesondere auf die naturwissenschaftlichen Begriffe Mitteleuropas mehr Einfluss gewonnen hat, als man sich gewöhnlich bewusst ist. Es ist Herbert Spencer. Er betrachtet das menschliche Leben, und am interessantesten ist es, seine Lebensbetrachtung da anzufassen, wo er sie auf das Erziehungsproblem anwendet. Er frägt: Welches muss das eigentliche Ziel der menschlichen Erziehung sein? Und er kommt darauf — wie gesagt, ich will das nur einleitungsweise erwähnen, nicht ausführen —, er kommt darauf, zu sagen, das eigentliche Ziel der Erziehung müsse sein, richtige Eltern und Erzieher aus allen Menschen zu machen. Nun, dasjenige, was er so als Erziehungsziel hinstellt, mag uns heute vielleicht weniger interessieren, wohl aber der Grund, warum er gerade dieses Erziehungsziel als das seinige anerkennt. Er sagt: Die menschliche Entwicklung findet einen gewissen Abschluss in dem Augenblick, wo der Mensch fortpflanzungsfähig wird, wo der Mensch also eintritt in die Geschlechtsreife. Und wenn nun die Kraft, seinesgleichen hervorzubringen, das Höchste ist, das der Mensch im Lebenslaufe erreichen kann, so muss auch das höchste Ziel der Erziehung dieses sein, diese Nachkommen in der entsprechenden Weise zu erziehen und zu unterrichten. Und mehr aus dem ganzen Zusammenhang als aus dieser einzelnen Behauptung geht bei diesem westlichen Denker hervor, dass er eigentlich ein sicheres erkenntnismäßiges Betrachten des Menschen nur darinnen sieht, die natürlichen Vorgänge bis zu ihrem Gipfel, bis zur Hervorbringung des Gleichen zu verfolgen, dass er gewissermaßen alles dasjenige, was dann der Mensch gerade am bedeutsamsten anzustreben hat, nachdem er die Geschlechtsreife erreicht hat, dass er alle sogenannte geistige Entwicklung nur wie eine Art Überbau, nur wie eine Art Anhängsel, könnte man fast sagen, an die sichere natürliche Grundlage der enschenentwicklung ansieht.

[ 6 ] Nun ist es außerordentlich interessant, diesem im eminentesten Sinne westlichen Denker gegenüberzustellen einen östlichen Denker: Wladimir Solowjow, den bedeutsamsten russischen Denker der neuesten Zeit, der sein Leben in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts verbracht hat, es mit dem Ende des verflossenen Jahrhunderts auch beschlossen hat, dessen bedeutendste Werke also durchaus noch in die Gegenwart geschichtlich hineinreichen. Aus ganz anderem Geist, aus ganz anderen seelischen Untergründen hören wir diesen östlichen Denker sprechen; indem — man möchte sagen —, trotzdem er sich ganz in westlichen und mitteleuropäischen Gedankenformen ausdrückt, der ganze Orient noch gemüts- und gefühlsmäßig nachklingt, der überall dasjenige, was er zu sagen hat, in einer warmen, tief innigen Weise nuanciert.

[ 6 ] Nun ist es außerordentlich interessant, diesem im eminentesten Sinne westlichen Denker gegenüberzustellen einen östlichen Denker: Wladimir Solowjow, den bedeutsamsten russischen Denker der neuesten Zeit, der sein Leben in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts verbracht hat, es mit dem Ende des verflossenen Jahrhunderts auch beschlossen hat, dessen bedeutendste Werke also durchaus noch in die Gegenwart geschichtlich hineinreichen. Aus ganz anderem Geist, aus ganz anderen seelischen Untergründen hören wir diesen östlichen Denker sprechen; indem — man möchte sagen —, trotzdem er sich ganz in westlichen und mitteleuropäischen Gedankenformen ausdrückt, der ganze Orient noch gemüts- und gefühlsmäßig nachklingt, der überall dasjenige, was er zu sagen hat, in einer warmen, tief innigen Weise nuanciert.

[ 7 ] Solowjow spricht nun auch über den menschlichen Lebenslauf. Und er sagt: Zwei Ziele müsse der Mensch haben im Leben. Das eine Ziel könne nur sein das Erstreben der Vollkommenheit durch immer weiteres und weiteres Vorrücken in der Erkenntnis der Wahrheit, das andere aber müsse sein, sich einzuleben in dasjenige, was dem Menschen die Unsterblichkeit gibt. Man möchte jetzt sagen: Nicht aus abstrakten Begriffen heraus, sondern aus dem Vollmenschlichen heraus redet Solowjow weiter, indem er sagt: Das Leben, das sich nur vervollkommnen würde in der Wahrheit, es wäre sinnlos, wenn ihm nicht die Unsterblichkeit zur Seite stünde, denn ohne die Unsterblichkeit wäre das Streben nach Wahrheit, nach Vollkommenheit in der Wahrheit, sinnlos, ein einfaches Verglimmen, ein Vergehen des Wesenhaften; das Nach-Wahrheit-Streben wäre sinnlos. Und eine Unsterblichkeit ohne das Streben nach Wahrheit wäre ebenso sinnlos; das Leben wäre ein Weltbetrug, ohne dass dem Wahrheitsstreben die Tatsache der Unsterblichkeit zur Seite stünde. Und aus solchen Gedankenuntergründen heraus spricht Solowjow scharf gerade gegen dasjenige — nicht Herbert Spencer bei dieser Gelegenheit erwähnend, aber dasjenige besprechend —, was Herbert Spencer als Ziel hinsetzt der Menschheitsentwicklung. Er sagt: Man nehme nur einmal an, dass diese Menschheitsentwicklung lediglich darinnen bestehen würde, dass die einzelnen Generationen weitere Generationen hervorbrächten, also das Gleiche immer das Gleiche; ein abrollendes Rad dieser Art wäre das Sinnloseste, was zu denken wäre.

[ 7 ] Solowjow spricht nun auch über den menschlichen Lebenslauf. Und er sagt: Zwei Ziele müsse der Mensch haben im Leben. Das eine Ziel könne nur sein das Erstreben der Vollkommenheit durch immer weiteres und weiteres Vorrücken in der Erkenntnis der Wahrheit, das andere aber müsse sein, sich einzuleben in dasjenige, was dem Menschen die Unsterblichkeit gibt. Man möchte jetzt sagen: Nicht aus abstrakten Begriffen heraus, sondern aus dem Vollmenschlichen heraus redet Solowjow weiter, indem er sagt: Das Leben, das sich nur vervollkommnen würde in der Wahrheit, es wäre sinnlos, wenn ihm nicht die Unsterblichkeit zur Seite stünde, denn ohne die Unsterblichkeit wäre das Streben nach Wahrheit, nach Vollkommenheit in der Wahrheit, sinnlos, ein einfaches Verglimmen, ein Vergehen des Wesenhaften; das Nach-Wahrheit-Streben wäre sinnlos. Und eine Unsterblichkeit ohne das Streben nach Wahrheit wäre ebenso sinnlos; das Leben wäre ein Weltbetrug, ohne dass dem Wahrheitsstreben die Tatsache der Unsterblichkeit zur Seite stünde. Und aus solchen Gedankenuntergründen heraus spricht Solowjow scharf gerade gegen dasjenige — nicht Herbert Spencer bei dieser Gelegenheit erwähnend, aber dasjenige besprechend —, was Herbert Spencer als Ziel hinsetzt der Menschheitsentwicklung. Er sagt: Man nehme nur einmal an, dass diese Menschheitsentwicklung lediglich darinnen bestehen würde, dass die einzelnen Generationen weitere Generationen hervorbrächten, also das Gleiche immer das Gleiche; ein abrollendes Rad dieser Art wäre das Sinnloseste, was zu denken wäre.

[ 8 ] Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, wenn man tiefer eingeht auf dasjenige, was den beiden völlig entgegengesetzten Anschauungen zugrunde liegt, so findet man ein ganz verschiedenartiges Hineinleben in das Seelenleben. Man findet bei Herbert Spencer eine restlose Bekanntschaft mit denjenigen Begriffen, die sich als wissenschaftliche Begriffe in den letzten Jahrhunderten in der Menschheitsentwicklung heraufgebildet haben, und man findet bei ihm die Anschauung, dass Wahrheit, dass Erkenntnis nur errungen werden kann mit solchen Begriffen. Man findet bei Solowjow, dass er zwar ganz und gar sich ausspricht in denselben Begriffswelten, in denen auch der westliche Denker sich ausspricht, man findet bei ihm aber zugleich, dass er aus etwas im Menschen heraus redet, das in diesen Begriffen nicht aufgeht, das sich dieser Begriffe gewissermaßen nur wie einer Sprache bedient. Und man hat das Gefühl: Alte Zeiten menschlicher Kulturentwicklung, alte Zeiten menschlichen Denkens leben mit einer religiös gefärbten Weltanschauung in Wladimir Solowjow, in dem Denker des Ostens, sich herauf, und ein Tieferes in der Menschennatur spricht, als dasjenige ist, das in den äußeren, sinnengemäßen und verstandesmäßigen Vorstellungen sich aussprechen kann.

[ 8 ] Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, wenn man tiefer eingeht auf dasjenige, was den beiden völlig entgegengesetzten Anschauungen zugrunde liegt, so findet man ein ganz verschiedenartiges Hineinleben in das Seelenleben. Man findet bei Herbert Spencer eine restlose Bekanntschaft mit denjenigen Begriffen, die sich als wissenschaftliche Begriffe in den letzten Jahrhunderten in der Menschheitsentwicklung heraufgebildet haben, und man findet bei ihm die Anschauung, dass Wahrheit, dass Erkenntnis nur errungen werden kann mit solchen Begriffen. Man findet bei Solowjow, dass er zwar ganz und gar sich ausspricht in denselben Begriffswelten, in denen auch der westliche Denker sich ausspricht, man findet bei ihm aber zugleich, dass er aus etwas im Menschen heraus redet, das in diesen Begriffen nicht aufgeht, das sich dieser Begriffe gewissermaßen nur wie einer Sprache bedient. Und man hat das Gefühl: Alte Zeiten menschlicher Kulturentwicklung, alte Zeiten menschlichen Denkens leben mit einer religiös gefärbten Weltanschauung in Wladimir Solowjow, in dem Denker des Ostens, sich herauf, und ein Tieferes in der Menschennatur spricht, als dasjenige ist, das in den äußeren, sinnengemäßen und verstandesmäßigen Vorstellungen sich aussprechen kann.

[ 9 ] Aber während wir bei Spencer wohl, ich möchte sagen die streng geschürzte Logik finden, während man bei ihm im Elemente einer gewissen Sicherheit der Begriffe und Ideen sich bewegt, wenn man ihm nachdenkt, findet man bei Solowjow, wie zugrunde liegt etwas, das sich nicht in der gleichen Sicherheit festhalten lässt; man findet bei ihm etwas, welches das Sich-Hinausschwingen über die Begriffswelt der alten Denker, der alten Streber nach Weltanschauung, wiederum erneuern will. Und man fühlt sich in der neueren Zeit, gerade wenn man über die tiefsten Rätsel des Menschendaseins spricht, zwischen diese beiden Welten hineingestellt. Vielleicht aber darf man sagen: Es ist das Geschick Mitteleuropas, die beiden Einseitigkeiten in der Entwicklungsweise zu beobachten und einen Weg, der über beide hinausgeht, zu suchen, der dann hineinführt in eine wirkliche übersinnliche Welt, in der das Problem des Todes auf der einen Seite, dasjenige der Unsterblichkeit auf der anderen Seite wirklich in einer befriedigenden Weise vor die menschliche Seele treten kann. Diesen Weg — meine sehr verehrten Anwesenden — versucht anthroposophische Forschungsweise.

[ 9 ] Aber während wir bei Spencer wohl, ich möchte sagen die streng geschürzte Logik finden, während man bei ihm im Elemente einer gewissen Sicherheit der Begriffe und Ideen sich bewegt, wenn man ihm nachdenkt, findet man bei Solowjow, wie zugrunde liegt etwas, das sich nicht in der gleichen Sicherheit festhalten lässt; man findet bei ihm etwas, welches das Sich-Hinausschwingen über die Begriffswelt der alten Denker, der alten Streber nach Weltanschauung, wiederum erneuern will. Und man fühlt sich in der neueren Zeit, gerade wenn man über die tiefsten Rätsel des Menschendaseins spricht, zwischen diese beiden Welten hineingestellt. Vielleicht aber darf man sagen: Es ist das Geschick Mitteleuropas, die beiden Einseitigkeiten in der Entwicklungsweise zu beobachten und einen Weg, der über beide hinausgeht, zu suchen, der dann hineinführt in eine wirkliche übersinnliche Welt, in der das Problem des Todes auf der einen Seite, dasjenige der Unsterblichkeit auf der anderen Seite wirklich in einer befriedigenden Weise vor die menschliche Seele treten kann. Diesen Weg — meine sehr verehrten Anwesenden — versucht anthroposophische Forschungsweise.

[ 10 ] Anthroposophische Forschungsweise kann weder stehen bleiben bei der westlichen Begriffswelt noch bei jener Welt, die sich, ich möchte sagen äußerlich nur der Begriffe wie einer Sprache bedient, die aber aus einem mehr oder weniger mystischen Dunkel, das gerade das orientalische Wesen charakterisiert, schöpft. Anthroposophische Forschungsweise muss auf der einen Seite es vermeiden, in dieses mystische Dunkel sich hinein zu verlieren, auf der anderen Seite muss sie versuchen, dasjenige, was den bloß in Begriffen lebenden Menschen immerzu nur innerhalb der Sinneswelt halten will, auch zu überwinden. Das aber kann sich ganz besonders zeigen, wenn man zunächst äußerlich ins Auge fasst eben dasjenige, was sich als das intensivste Schicksalsmäßige in das menschliche Leben hineinstellt, wenn man ins Auge fasst den Tod, um dann aufzusteigen auch in der Erkenntnis von der Erfassung des Todes zu der Erfassung der Unsterblichkeit.

[ 10 ] Anthroposophische Forschungsweise kann weder stehen bleiben bei der westlichen Begriffswelt noch bei jener Welt, die sich, ich möchte sagen äußerlich nur der Begriffe wie einer Sprache bedient, die aber aus einem mehr oder weniger mystischen Dunkel, das gerade das orientalische Wesen charakterisiert, schöpft. Anthroposophische Forschungsweise muss auf der einen Seite es vermeiden, in dieses mystische Dunkel sich hinein zu verlieren, auf der anderen Seite muss sie versuchen, dasjenige, was den bloß in Begriffen lebenden Menschen immerzu nur innerhalb der Sinneswelt halten will, auch zu überwinden. Das aber kann sich ganz besonders zeigen, wenn man zunächst äußerlich ins Auge fasst eben dasjenige, was sich als das intensivste Schicksalsmäßige in das menschliche Leben hineinstellt, wenn man ins Auge fasst den Tod, um dann aufzusteigen auch in der Erkenntnis von der Erfassung des Todes zu der Erfassung der Unsterblichkeit.

[ 11 ] Der Tod, er tritt uns innerhalb der Natur selbst, der der Mensch ja mit einer Seite seines Wesens angehört, als das große Rätsel des Daseins entgegen. Und könnte man ihn erkenntnismäßig anknüpfen auf der einen Seite an dasjenige, was als das Ziel des menschlichen Lebenslaufes Herbert Spencer hinstellt — die Erzeugung des Gleichen —, könnte man ihn anknüpfen auf der anderen Seite an dasjenige, wofür nun einen nicht-logischen, sondern einen rein menschheitlichen Appell Wladimir Solowjow richtet an die Unsterblichkeit, dann würde man der menschlichen Erkenntnis erst denjenigen Abschluss geben, welcher sie von einem bloßen, die äußere Welt beherrschenden Faktor zu einem solchen macht, der nun auch das Innerliche des Menschen mit Sicherheit und mit einem festen Halt durch das Leben tragen kann.

[ 11 ] Der Tod, er tritt uns innerhalb der Natur selbst, der der Mensch ja mit einer Seite seines Wesens angehört, als das große Rätsel des Daseins entgegen. Und könnte man ihn erkenntnismäßig anknüpfen auf der einen Seite an dasjenige, was als das Ziel des menschlichen Lebenslaufes Herbert Spencer hinstellt — die Erzeugung des Gleichen —, könnte man ihn anknüpfen auf der anderen Seite an dasjenige, wofür nun einen nicht-logischen, sondern einen rein menschheitlichen Appell Wladimir Solowjow richtet an die Unsterblichkeit, dann würde man der menschlichen Erkenntnis erst denjenigen Abschluss geben, welcher sie von einem bloßen, die äußere Welt beherrschenden Faktor zu einem solchen macht, der nun auch das Innerliche des Menschen mit Sicherheit und mit einem festen Halt durch das Leben tragen kann.

[ 12 ] Sehen wir doch hin — meine sehr verehrten Anwesenden —, wie sich der Tod im natürlichen Dasein gerade des Menschen äußert; und ich bemerke ausdrücklich: Ich werde heute nur sprechen über den menschlichen Tod, nicht über die Arten des Todes, wie wir sie etwa verfolgen können in der Tierwelt und sogar bis in die Pflanzenwelt hinunter. Innerhalb der Menschenwelt — wie tritt uns der Tod entgegen? Er schließt sich in einem gewissen Sinne zusammen in einen einzigen Augenblick — eben in den Augenblick des Lebensabschlusses —, und das macht ihn so rätselhaft. Wir durchleben unser Leben, wir erfreuen uns dieses unseres Lebens, genießen es, wenden es an im äußeren Menschheits- und Weltengebiete, und werden uns in diesem Erleben des Daseins zunächst des Todes unmittelbar nicht bewusst, sondern nur bewusst eben wie eines Rätsels über eine Tatsache, dass dieses Leben, wie wir es alltäglich leben, eben beschließt.

[ 12 ] Sehen wir doch hin — meine sehr verehrten Anwesenden —, wie sich der Tod im natürlichen Dasein gerade des Menschen äußert; und ich bemerke ausdrücklich: Ich werde heute nur sprechen über den menschlichen Tod, nicht über die Arten des Todes, wie wir sie etwa verfolgen können in der Tierwelt und sogar bis in die Pflanzenwelt hinunter. Innerhalb der Menschenwelt — wie tritt uns der Tod entgegen? Er schließt sich in einem gewissen Sinne zusammen in einen einzigen Augenblick — eben in den Augenblick des Lebensabschlusses —, und das macht ihn so rätselhaft. Wir durchleben unser Leben, wir erfreuen uns dieses unseres Lebens, genießen es, wenden es an im äußeren Menschheits- und Weltengebiete, und werden uns in diesem Erleben des Daseins zunächst des Todes unmittelbar nicht bewusst, sondern nur bewusst eben wie eines Rätsels über eine Tatsache, dass dieses Leben, wie wir es alltäglich leben, eben beschließt.

[ 13 ] Wenn man nun diese Einzeltatsache des Lebens vor seine Seele hinstellt, was findet man denn da eigentlich? Der Mensch lässt zurück von seinem Leben in der physischen Welt dasjenige, was wir Leichnam nennen. Die Stoffe, die Kräfte, sie sind in diesem Leichnam in einem gewissen Zusammenhange; sie sind, wenn der Mensch als physisches Wesen Leichnam geworden ist, in einem solchen Zusammenhange, in dem sie nicht bleiben können, aus dem sie heraustreten müssen, und zwar heraustreten müssen durch dieselben Kräfte, durch dieselben Naturgesetze, die wir äußerlich mit unseren Sinnen und mit unserem Verstande in aller Welt finden, in die wir sinnengemäß hineingestellt sind. Man muss sagen: In einem gewissen Sinne wird der menschliche Stoff- und Kräftezusammenhang mit dem Eintritt des Todes übernommen von derjenigen Welt, aus der wir eigentlich von der Geburt bis zum Tode unsere Erkenntnisse, sofern sie Sinnes- und Verstandeserkenntnisse sind, schöpfen.

[ 13 ] Wenn man nun diese Einzeltatsache des Lebens vor seine Seele hinstellt, was findet man denn da eigentlich? Der Mensch lässt zurück von seinem Leben in der physischen Welt dasjenige, was wir Leichnam nennen. Die Stoffe, die Kräfte, sie sind in diesem Leichnam in einem gewissen Zusammenhange; sie sind, wenn der Mensch als physisches Wesen Leichnam geworden ist, in einem solchen Zusammenhange, in dem sie nicht bleiben können, aus dem sie heraustreten müssen, und zwar heraustreten müssen durch dieselben Kräfte, durch dieselben Naturgesetze, die wir äußerlich mit unseren Sinnen und mit unserem Verstande in aller Welt finden, in die wir sinnengemäß hineingestellt sind. Man muss sagen: In einem gewissen Sinne wird der menschliche Stoff- und Kräftezusammenhang mit dem Eintritt des Todes übernommen von derjenigen Welt, aus der wir eigentlich von der Geburt bis zum Tode unsere Erkenntnisse, sofern sie Sinnes- und Verstandeserkenntnisse sind, schöpfen.

[ 14 ] Und worinnen besteht eigentlich dasjenige, was diese äußere Welt mit dem menschlichen Leichnam macht? Es besteht darin, dass sie diesen menschlichen Leichnam auflöst, dass sie seine Form zerstört, dass sie — mit anderen Worten — ihn übergehen lässt aus dem individuellen Dasein, in das er zusammengeschlossen war von der Geburt bis zum Tode, in ein allgemeines physisches Weltendasein. Wir blicken hin auf dieses physische Weltendasein, müssen es zunächst nennen: «Abschluss des Lebens», müssen uns gestehen, wenn wir die Prozesse verfolgen, welche der menschliche Leichnam durchmacht von dem Eintritt des Todes weiterhin, bis er im Weltenlaufe gänzlich aufgelöst ist, es sind Prozesse, welche durchaus ungleich sind denjenigen, die sich — wenn auch zunächst der menschlichen Erkenntnis unbekannt — doch mit aller Deutlichkeit abspielen bis zum Tode hin. Denn sobald der Tod eintritt, sobald die äußeren Weltenkräfte den menschlichen Leichnam übernehmen, gehen seine Bestandteile, seine Kräfte andere Wege zunächst für das äußere Sinnesdasein, als sie gegangen sind zwischen Geburt und Tod.

[ 14 ] Und worinnen besteht eigentlich dasjenige, was diese äußere Welt mit dem menschlichen Leichnam macht? Es besteht darin, dass sie diesen menschlichen Leichnam auflöst, dass sie seine Form zerstört, dass sie — mit anderen Worten — ihn übergehen lässt aus dem individuellen Dasein, in das er zusammengeschlossen war von der Geburt bis zum Tode, in ein allgemeines physisches Weltendasein. Wir blicken hin auf dieses physische Weltendasein, müssen es zunächst nennen: «Abschluss des Lebens», müssen uns gestehen, wenn wir die Prozesse verfolgen, welche der menschliche Leichnam durchmacht von dem Eintritt des Todes weiterhin, bis er im Weltenlaufe gänzlich aufgelöst ist, es sind Prozesse, welche durchaus ungleich sind denjenigen, die sich — wenn auch zunächst der menschlichen Erkenntnis unbekannt — doch mit aller Deutlichkeit abspielen bis zum Tode hin. Denn sobald der Tod eintritt, sobald die äußeren Weltenkräfte den menschlichen Leichnam übernehmen, gehen seine Bestandteile, seine Kräfte andere Wege zunächst für das äußere Sinnesdasein, als sie gegangen sind zwischen Geburt und Tod.

[ 15 ] Zwischen Geburt und Tod werden sie zusammengehalten durch ein Etwas, mag man dieses Etwas nun als das oder jenes auffassen, man mag es vielleicht sogar leugnen und alles dasjenige, was vorliegt, hinschieben in einen bloßen, anderen Zusammenhang während des Lebens, als derjenige ist nach dem Tod, aber man muss wenigstens diesen Zusammenhang einen anderen nennen. Und so stellt sich auf der einen Seite hin der menschliche physische Leib nach dem Tode, aufgenommen von den allgemeinen Naturkräften, auf der anderen Seite dieser selbe menschliche Leib, entrückt der allgemeinen Auflösung, immer wieder und wiederum sich erneuernd von der Geburt bis zum Tode, sich in seiner individuellen Gestaltung erhaltend. Der Kontrast, der polarische Gegensatz ist zunächst ein großer, und fragen muss es sich: Wie kann Erkenntnis mit diesem polarischen Gegensatz zurechtkommen?

[ 15 ] Zwischen Geburt und Tod werden sie zusammengehalten durch ein Etwas, mag man dieses Etwas nun als das oder jenes auffassen, man mag es vielleicht sogar leugnen und alles dasjenige, was vorliegt, hinschieben in einen bloßen, anderen Zusammenhang während des Lebens, als derjenige ist nach dem Tod, aber man muss wenigstens diesen Zusammenhang einen anderen nennen. Und so stellt sich auf der einen Seite hin der menschliche physische Leib nach dem Tode, aufgenommen von den allgemeinen Naturkräften, auf der anderen Seite dieser selbe menschliche Leib, entrückt der allgemeinen Auflösung, immer wieder und wiederum sich erneuernd von der Geburt bis zum Tode, sich in seiner individuellen Gestaltung erhaltend. Der Kontrast, der polarische Gegensatz ist zunächst ein großer, und fragen muss es sich: Wie kann Erkenntnis mit diesem polarischen Gegensatz zurechtkommen?

[ 16 ] Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, sie wird nie zurechtkommen, wenn sie nicht appelliert an dasjenige, was anthroposophische Forschung in das wissenschaftliche Leben einführen will dasjenige, was ich in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» als einen Weg zu kennzeichnen versucht habe, der über die bloße sinnliche und über die Verstandes-Erkenntnis hinausführt, dadurch, dass sich der Mensch bewusst wird gewisser tieferer, in der Menschenseele vorhandener Erkenntniskräfte, die nur vom gewöhnlichen Bewusstsein nicht angewendet werden. Diese Kräfte sind immer in der menschlichen Seele da. Das gewöhnliche Bewusstsein lässt sie im Unbewussten liegen, der höhere Erkenntnisweg holt sie durch Meditation, durch Konzentration herauf; er gibt sich gewissen Übungen, intimen Seelenübungen, hin, durch die er das Denken, das Fühlen, das Wollen verstärkt, in der Seele dadurch intensivere Erlebnisse hervorruft für dieses Seelenleben, als die gewöhnlichen sind, dadurch sich aber auch hinausschwingt über dasjenige, was die gewöhnliche Erkenntnis leisten kann.

[ 16 ] Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, sie wird nie zurechtkommen, wenn sie nicht appelliert an dasjenige, was anthroposophische Forschung in das wissenschaftliche Leben einführen will dasjenige, was ich in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» als einen Weg zu kennzeichnen versucht habe, der über die bloße sinnliche und über die Verstandes-Erkenntnis hinausführt, dadurch, dass sich der Mensch bewusst wird gewisser tieferer, in der Menschenseele vorhandener Erkenntniskräfte, die nur vom gewöhnlichen Bewusstsein nicht angewendet werden. Diese Kräfte sind immer in der menschlichen Seele da. Das gewöhnliche Bewusstsein lässt sie im Unbewussten liegen, der höhere Erkenntnisweg holt sie durch Meditation, durch Konzentration herauf; er gibt sich gewissen Übungen, intimen Seelenübungen, hin, durch die er das Denken, das Fühlen, das Wollen verstärkt, in der Seele dadurch intensivere Erlebnisse hervorruft für dieses Seelenleben, als die gewöhnlichen sind, dadurch sich aber auch hinausschwingt über dasjenige, was die gewöhnliche Erkenntnis leisten kann.

[ 17 ] Ich kann heute nicht eingehen auf eine Charakteristik dieses besonderen Weges, die ich ja öfter hier gegeben habe. Andeutungsweise wird das in meinem Vortrage am nächsten Dienstag hier in Stuttgart geschehen. Heute will ich nur darauf hinweisen, dass dieser Weg ja darin besteht, dass Kräfte der Seele, die jeder Mensch auf dem Grunde seiner Seele hat, heraufgehoben werden durch Meditation, durch Konzentration des Seelenlebens, heraufgehoben werden und angewendet werden auf die Welt.

[ 17 ] Ich kann heute nicht eingehen auf eine Charakteristik dieses besonderen Weges, die ich ja öfter hier gegeben habe. Andeutungsweise wird das in meinem Vortrage am nächsten Dienstag hier in Stuttgart geschehen. Heute will ich nur darauf hinweisen, dass dieser Weg ja darin besteht, dass Kräfte der Seele, die jeder Mensch auf dem Grunde seiner Seele hat, heraufgehoben werden durch Meditation, durch Konzentration des Seelenlebens, heraufgehoben werden und angewendet werden auf die Welt.

[ 18 ] Und was tritt dadurch ein? Dadurch — meine sehr verehrten Anwesenden — tritt zu den beiden Bewusstseinszuständen, in denen der Mensch wechselt im gewöhnlichen Leben, ein dritter hinzu. Die beiden Bewusstseinszustände, die ich meine, sind derjenige, den wir vom Morgen bis zum Abend haben, der unser gewöhnliches Seelenleben umschließt, der auch alles dasjenige umschließt, was die äußere Wissenschaft für zugänglich ansieht — es ist eben der Zustand des Wachens; der andere Bewusstseinszustand kann eigentlich nicht einmal im richtigen Sinne ein Bewusstseinszustand zunächst genannt werden — es ist der Zustand des Schlafes. Aber aus diesem Zustande heraus taucht auf das merkwürdige Leben des menschlichen Träumens — jenes menschlichen Träumens, das vielleicht in abergläubischer Weise von dem einen hingenommen wird, das von dem anderen zunächst angestaunt wird, von einem Dritten als etwas Rätselhaft-Unbekanntes betrachtet wird, das aber doch sehr viele Leute darauf aufmerksam macht, dass ja vielleicht die Hinlenkung des Seelenblickes gerade auf dieses Herauftauchen der Traumwellen aus den tiefen Meeresuntergründen des menschlichen Seelenlebens für die Erkenntnis des Gesamtlebens eine besondere Wichtigkeit haben könnte. Gewiss kann Anthroposophie nicht das Geringste zu tun haben mit irgendwelchem Traumes-Aberglauben, aber sie muss, wenn sie zwar nicht irgendwelche Erkenntnis aus dem Traumleben hervorholt — das liegt ihr ganz ferne —, doch hinweisen als auf etwas tief Rätselvolles und für das Leben Wichtiges in der Traumwelt. Sie muss doch Folgendes sagen zu ihrer Rechtfertigung.

[ 18 ] Und was tritt dadurch ein? Dadurch — meine sehr verehrten Anwesenden — tritt zu den beiden Bewusstseinszuständen, in denen der Mensch wechselt im gewöhnlichen Leben, ein dritter hinzu. Die beiden Bewusstseinszustände, die ich meine, sind derjenige, den wir vom Morgen bis zum Abend haben, der unser gewöhnliches Seelenleben umschließt, der auch alles dasjenige umschließt, was die äußere Wissenschaft für zugänglich ansieht — es ist eben der Zustand des Wachens; der andere Bewusstseinszustand kann eigentlich nicht einmal im richtigen Sinne ein Bewusstseinszustand zunächst genannt werden — es ist der Zustand des Schlafes. Aber aus diesem Zustande heraus taucht auf das merkwürdige Leben des menschlichen Träumens — jenes menschlichen Träumens, das vielleicht in abergläubischer Weise von dem einen hingenommen wird, das von dem anderen zunächst angestaunt wird, von einem Dritten als etwas Rätselhaft-Unbekanntes betrachtet wird, das aber doch sehr viele Leute darauf aufmerksam macht, dass ja vielleicht die Hinlenkung des Seelenblickes gerade auf dieses Herauftauchen der Traumwellen aus den tiefen Meeresuntergründen des menschlichen Seelenlebens für die Erkenntnis des Gesamtlebens eine besondere Wichtigkeit haben könnte. Gewiss kann Anthroposophie nicht das Geringste zu tun haben mit irgendwelchem Traumes-Aberglauben, aber sie muss, wenn sie zwar nicht irgendwelche Erkenntnis aus dem Traumleben hervorholt — das liegt ihr ganz ferne —, doch hinweisen als auf etwas tief Rätselvolles und für das Leben Wichtiges in der Traumwelt. Sie muss doch Folgendes sagen zu ihrer Rechtfertigung.

[ 19 ] Ist denn nicht dasjenige, dem sich die gewöhnliche Erkenntnis hingibt, auch etwas Lebensabgewandtes, wenn wir uns in der gewöhnlichen robusten Weise dem Leben hingeben, wenn wir vom Morgen bis zum Abend nur unter Anstrengung unseres physischen Leibes in der Welt unser Dasein hinleben? Es kann dadurch nicht dasjenige zustande kommen, was wir auch im gewöhnlichen Leben Erkenntnis nennen. Die feineren Begriffe, die intimeren Zusammenhänge über die Welt, die durch die Erkenntnis gesucht werden, sie [hängen] ab — zunächst in formeller Weise ab — von der äußeren, robusten Art des Lebens. Man muss sich gewissermaßen an einen Ort des Daseins zurückziehen im Erkennen, der abseits von dem äußeren Leben liegt. Und dennoch, man muss zugeben, dass durch dasjenige, das man an diesem abseitigen Orte in inniger Weise erkundet, indem man beobachtet, experimentiert, und dadurch auch mit der Beobachtung, mit dem Experiment aus dem gewöhnlichen Daseinslaufe hinweggeht, dass dadurch gerade Licht in das Leben hineinkommt; dass also Licht in das Leben hineinkommt von etwas, das sich vom Leben zurückzieht. Könnte es denn nicht auch so sein, dass zwar die rätselvolle Traumeswelt zunächst für das äußere, robuste Leben bedeutungslos wäre, dass sie aber gerade in ihrer Abseitigkeit, und zwar in einer Abseitigkeit in einem höheren Sinne als es die gewöhnliche Erkenntnis ist, dass sie gerade dadurch auf das Leben in seinem Wesen hinweise?

[ 19 ] Ist denn nicht dasjenige, dem sich die gewöhnliche Erkenntnis hingibt, auch etwas Lebensabgewandtes, wenn wir uns in der gewöhnlichen robusten Weise dem Leben hingeben, wenn wir vom Morgen bis zum Abend nur unter Anstrengung unseres physischen Leibes in der Welt unser Dasein hinleben? Es kann dadurch nicht dasjenige zustande kommen, was wir auch im gewöhnlichen Leben Erkenntnis nennen. Die feineren Begriffe, die intimeren Zusammenhänge über die Welt, die durch die Erkenntnis gesucht werden, sie [hängen] ab — zunächst in formeller Weise ab — von der äußeren, robusten Art des Lebens. Man muss sich gewissermaßen an einen Ort des Daseins zurückziehen im Erkennen, der abseits von dem äußeren Leben liegt. Und dennoch, man muss zugeben, dass durch dasjenige, das man an diesem abseitigen Orte in inniger Weise erkundet, indem man beobachtet, experimentiert, und dadurch auch mit der Beobachtung, mit dem Experiment aus dem gewöhnlichen Daseinslaufe hinweggeht, dass dadurch gerade Licht in das Leben hineinkommt; dass also Licht in das Leben hineinkommt von etwas, das sich vom Leben zurückzieht. Könnte es denn nicht auch so sein, dass zwar die rätselvolle Traumeswelt zunächst für das äußere, robuste Leben bedeutungslos wäre, dass sie aber gerade in ihrer Abseitigkeit, und zwar in einer Abseitigkeit in einem höheren Sinne als es die gewöhnliche Erkenntnis ist, dass sie gerade dadurch auf das Leben in seinem Wesen hinweise?

[ 20 ] Und in der Tat, diese Traumeswelt, dasjenige, was aus der Zeit, die wir zubringen zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, in das Wachbewusstsein hinüberklingt und herüberschwingt, das enthält etwas, das in der Tat weiter ausgebildet werden kann. Und diese weitere Ausbildung geschieht eben gerade durch die höhere Erkenntnis des Menschen, durch die Erringung eines dritten Bewusstseinszustandes. Durch Verstärkung von Denken, Fühlen und Wollen wird etwas erreicht, was auf der einen Seite ähnlich ist der Schlafenswelt, aus der das Träumen heraufflutet, und auf der anderen Seite wieder völlig entgegengesetzt ist. Wenn wir sagen, wir schlafen ein, lassen wir aus der Schlafenswelt den Traum heraufklingen; so müssen wir sagen: In der Welt des übersinnlichen Bewusstseins, in welche die anthroposophische Forschung eindringen will, da findet nun nicht ein Einschlafen, sondern im Gegenteil ein höheres Aufwachen statt. Es findet statt ein Erleben in einer Welt, die ähnlich und wieder ganz verschieden von der Traumeswelt ist; ähnlich insoferne, als dass sie, wenn wir mit der Traumeswelt, die ja in Augenblicken, sagen wir, des Aufwachens an uns vorüberhuscht, wenn wir mit ihr untertauchen in das volle physisch-leibliche Leben, aufhört, sogleich demjenigen Leben weicht, das die willensdurchflossenen Gedanken durchsetzt. Dasjenige Leben im Bewusstsein, das in der angedeuteten Art erreicht wird, kann ebenso aufhören und muss ebenso aufhören, wenn es untertaucht in die gewöhnliche menschliche Leiblichkeit. So wie der Traum verglimmt, so hört das höhere Bewusstsein auf, wenn es in die Leiblichkeit untertaucht. Dieses Aufwachen, dieses höhere Erwecktsein, wenn ich mich des viel umstrittenen Ausdrucks bedienen darf, das schwebt, ich möchte sagen in einer ebensolchen Leichtigkeit, wie die Traumeswelt ist — aber auf der anderen Seite ihr deshalb entgegengesetzt, weil es in ebenso strengem Sinne durchsetzt ist von den sicheren Gedanken wie das wache Tageserkennen.

[ 20 ] Und in der Tat, diese Traumeswelt, dasjenige, was aus der Zeit, die wir zubringen zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, in das Wachbewusstsein hinüberklingt und herüberschwingt, das enthält etwas, das in der Tat weiter ausgebildet werden kann. Und diese weitere Ausbildung geschieht eben gerade durch die höhere Erkenntnis des Menschen, durch die Erringung eines dritten Bewusstseinszustandes. Durch Verstärkung von Denken, Fühlen und Wollen wird etwas erreicht, was auf der einen Seite ähnlich ist der Schlafenswelt, aus der das Träumen heraufflutet, und auf der anderen Seite wieder völlig entgegengesetzt ist. Wenn wir sagen, wir schlafen ein, lassen wir aus der Schlafenswelt den Traum heraufklingen; so müssen wir sagen: In der Welt des übersinnlichen Bewusstseins, in welche die anthroposophische Forschung eindringen will, da findet nun nicht ein Einschlafen, sondern im Gegenteil ein höheres Aufwachen statt. Es findet statt ein Erleben in einer Welt, die ähnlich und wieder ganz verschieden von der Traumeswelt ist; ähnlich insoferne, als dass sie, wenn wir mit der Traumeswelt, die ja in Augenblicken, sagen wir, des Aufwachens an uns vorüberhuscht, wenn wir mit ihr untertauchen in das volle physisch-leibliche Leben, aufhört, sogleich demjenigen Leben weicht, das die willensdurchflossenen Gedanken durchsetzt. Dasjenige Leben im Bewusstsein, das in der angedeuteten Art erreicht wird, kann ebenso aufhören und muss ebenso aufhören, wenn es untertaucht in die gewöhnliche menschliche Leiblichkeit. So wie der Traum verglimmt, so hört das höhere Bewusstsein auf, wenn es in die Leiblichkeit untertaucht. Dieses Aufwachen, dieses höhere Erwecktsein, wenn ich mich des viel umstrittenen Ausdrucks bedienen darf, das schwebt, ich möchte sagen in einer ebensolchen Leichtigkeit, wie die Traumeswelt ist — aber auf der anderen Seite ihr deshalb entgegengesetzt, weil es in ebenso strengem Sinne durchsetzt ist von den sicheren Gedanken wie das wache Tageserkennen.

[ 21 ] So besteht anthroposophische Forschung in einem Vorrücken zu einer Erkenntnis, die mit einer Leichtigkeit erlebt wird wie der Traum, die aber zu gleicher Zeit in einer Festigkeit erfahren wird wie nur irgendwie das Logische in dem Erkenntniszusammenhange. Aber das eine ist bei beiden der Fall. Wird man sich aus dem einen oder aus dem anderen Bewusstseinsgebiete des Vollzusammenhanges mit seiner Leiblichkeit bewusst, dann tritt das eine wie das andere in einer solchen Form auf, dass der Traum ausgelöscht wird durch das wache Tagesleben, höchstens als Erinnerung zurückbleiben kann, aber als Erinnerung sich eben dem wachen Tagesleben eingliedert, der Inhalt der höheren Erkenntnis aber zwar nicht ausgelöscht wird, aber sich neben das gewöhnliche Tageserkennen hinstellt, so hinstellt, dass er aber deutlich sich von ihm abhebt, sodass der Mensch dann wie mit zwei Persönlichkeiten sein eigenes Dasein erleben kann, die eine durch die andere kontrollieren kann, beleuchten kann dasjenige, was er im gewöhnlichen Bewusstsein im Wachzustande vom Morgen bis zum Abend hat, mit der höheren Erkenntnis, die er errungen hat, die höhere Erkenntnis wiederum kontrollieren kann durch sein gewöhnliches logisches Denken, um zu erfahren, wie sie sich mit demjenigen, was in der Sinneswelt erfahren werden kann, verträgt. Es ist ein rein seelisch-geistiges Erleben, in das uns diese höhere Erkenntnis versetzt, es ist ein seelisch-geistiges Erleben voller Inhalt, voller innerer Wirklichkeit. Geradeso wie man im gewöhnlichen Sinnesleben zu unterscheiden vermag irgendetwas bloß phantastisch Ausgedachtes von der Wirklichkeit im Leben selber, wie man unterscheiden kann die bloße Vorstellung des heißen Eisens von dem wirklichen heißen Eisen, das man berührt durch das Leben selber, so kann man unterscheiden etwas bloß phantastisch Vorgestelltes von demjenigen, was in höherer Erkenntnis wirklich angeschaut wird, was unmittelbar erlebt wird.

[ 21 ] So besteht anthroposophische Forschung in einem Vorrücken zu einer Erkenntnis, die mit einer Leichtigkeit erlebt wird wie der Traum, die aber zu gleicher Zeit in einer Festigkeit erfahren wird wie nur irgendwie das Logische in dem Erkenntniszusammenhange. Aber das eine ist bei beiden der Fall. Wird man sich aus dem einen oder aus dem anderen Bewusstseinsgebiete des Vollzusammenhanges mit seiner Leiblichkeit bewusst, dann tritt das eine wie das andere in einer solchen Form auf, dass der Traum ausgelöscht wird durch das wache Tagesleben, höchstens als Erinnerung zurückbleiben kann, aber als Erinnerung sich eben dem wachen Tagesleben eingliedert, der Inhalt der höheren Erkenntnis aber zwar nicht ausgelöscht wird, aber sich neben das gewöhnliche Tageserkennen hinstellt, so hinstellt, dass er aber deutlich sich von ihm abhebt, sodass der Mensch dann wie mit zwei Persönlichkeiten sein eigenes Dasein erleben kann, die eine durch die andere kontrollieren kann, beleuchten kann dasjenige, was er im gewöhnlichen Bewusstsein im Wachzustande vom Morgen bis zum Abend hat, mit der höheren Erkenntnis, die er errungen hat, die höhere Erkenntnis wiederum kontrollieren kann durch sein gewöhnliches logisches Denken, um zu erfahren, wie sie sich mit demjenigen, was in der Sinneswelt erfahren werden kann, verträgt. Es ist ein rein seelisch-geistiges Erleben, in das uns diese höhere Erkenntnis versetzt, es ist ein seelisch-geistiges Erleben voller Inhalt, voller innerer Wirklichkeit. Geradeso wie man im gewöhnlichen Sinnesleben zu unterscheiden vermag irgendetwas bloß phantastisch Ausgedachtes von der Wirklichkeit im Leben selber, wie man unterscheiden kann die bloße Vorstellung des heißen Eisens von dem wirklichen heißen Eisen, das man berührt durch das Leben selber, so kann man unterscheiden etwas bloß phantastisch Vorgestelltes von demjenigen, was in höherer Erkenntnis wirklich angeschaut wird, was unmittelbar erlebt wird.

[ 22 ] Aber diese Wirklichkeit, sie tritt dem Menschen so entgegen, dass sie den vollen Gegensatz ausmacht zu demjenigen, was uns im natürlichen Tode entgegentritt. Im natürlichen Tode — wir haben es gesehen — tritt uns das entgegen, dass der menschliche Leib in Anspruch genommen wird von den allgemeinen, natürlichen Weltengesetzen, die ihn auflösen, die ihm seine Form nehmen, die ihn übergehen lassen in ihr allgemeines Dasein. In der höheren Erkenntnis macht sich das Seelenleben kraftvoller, durchdringt sich mit rein seelisch-geistiger Wirklichkeit, erfasst sich in rein seelisch-geistiger Wirklichkeit. Aber es fließt nicht, wie der menschliche Leib nach dem Tode in die allgemeinen Naturgesetze ausfließt, es fließt nicht aus in die allgemeinen Naturgesetze, es fließt auch in keinerlei allgemeine Weltengesetze zunächst dieses seelisch-geistige Erleben aus.

[ 22 ] Aber diese Wirklichkeit, sie tritt dem Menschen so entgegen, dass sie den vollen Gegensatz ausmacht zu demjenigen, was uns im natürlichen Tode entgegentritt. Im natürlichen Tode — wir haben es gesehen — tritt uns das entgegen, dass der menschliche Leib in Anspruch genommen wird von den allgemeinen, natürlichen Weltengesetzen, die ihn auflösen, die ihm seine Form nehmen, die ihn übergehen lassen in ihr allgemeines Dasein. In der höheren Erkenntnis macht sich das Seelenleben kraftvoller, durchdringt sich mit rein seelisch-geistiger Wirklichkeit, erfasst sich in rein seelisch-geistiger Wirklichkeit. Aber es fließt nicht, wie der menschliche Leib nach dem Tode in die allgemeinen Naturgesetze ausfließt, es fließt nicht aus in die allgemeinen Naturgesetze, es fließt auch in keinerlei allgemeine Weltengesetze zunächst dieses seelisch-geistige Erleben aus.

[ 23 ] Man lernt in diesem seelisch-geistigen Erleben etwas kennen, von dem man sagen muss: Es ist verschieden von demjenigen, was wir sonst zwischen Geburt und Tod im wachen Tagesleben erfahren; es ist von innen angeschaut etwas, das so verschieden ist von diesem wachen Tagesleben, wie der tote Leichnam verschieden ist von dem lebendigen menschlichen Leibe, den wir an uns tragen zwischen Geburt und Tod. Wir schauen von außen etwas an in dem menschlichen Leichnam, der uns das Todesrätsel entgegentreten lässt im Gebiete der Natur; wir schauen etwas an, was in seinem innersten Wesen verschieden ist von dem, was wir in uns tragen zwischen Geburt und Tod in demselben Organismus. Und wir schauen in der höheren Erkenntnis etwas an — geistig-seelisch, innerlich —, was ebenso verschieden ist von alledem, was wir innerlich, seelisch durch unseren menschlichen Organismus, der im Tode der Leichnam wird, erleben. Man möchte sagen: Vom Leben ist auf der einen Seite der tote Leichnam für unsere äußere Anschauung abgeschieden; für unsere innere Anschauung ist abgeschieden von demselben Erleben dasjenige, was als eine geistig-seelische Wirklichkeit in der höheren Erkenntnis vor unserem Seelenblicke erschaut werden kann.

[ 23 ] Man lernt in diesem seelisch-geistigen Erleben etwas kennen, von dem man sagen muss: Es ist verschieden von demjenigen, was wir sonst zwischen Geburt und Tod im wachen Tagesleben erfahren; es ist von innen angeschaut etwas, das so verschieden ist von diesem wachen Tagesleben, wie der tote Leichnam verschieden ist von dem lebendigen menschlichen Leibe, den wir an uns tragen zwischen Geburt und Tod. Wir schauen von außen etwas an in dem menschlichen Leichnam, der uns das Todesrätsel entgegentreten lässt im Gebiete der Natur; wir schauen etwas an, was in seinem innersten Wesen verschieden ist von dem, was wir in uns tragen zwischen Geburt und Tod in demselben Organismus. Und wir schauen in der höheren Erkenntnis etwas an — geistig-seelisch, innerlich —, was ebenso verschieden ist von alledem, was wir innerlich, seelisch durch unseren menschlichen Organismus, der im Tode der Leichnam wird, erleben. Man möchte sagen: Vom Leben ist auf der einen Seite der tote Leichnam für unsere äußere Anschauung abgeschieden; für unsere innere Anschauung ist abgeschieden von demselben Erleben dasjenige, was als eine geistig-seelische Wirklichkeit in der höheren Erkenntnis vor unserem Seelenblicke erschaut werden kann.

[ 24 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! In diesem Gegenübertreten des aus der Natur uns anstarrenden Todes, wenn wir ihn, ich möchte sagen in derjenigen Form betrachten, in der er uns sich darstellt, wenn wir das Schicksal des menschlichen Leichnams nach dem Tode verfolgen, in der Gegenüberstellung dieser Tatsache des Todes und desjenigen, was in höherer Erkenntnis auftritt — wenn der Mensch die zunächst unterbewusst, man könnte auch sagen, überbewusst bestehenden Seelenkräfte in sein Seelenleben hereinbringt —, in dieser Gegenüberstellung liegt dasjenige, aus dem in einem gewissen Sinne erquellen die wichtigsten Probleme des menschlichen Lebens, selbst gerade vor der anthroposophischen Forschung. Es ist ein innerliches Sich-Konsolidieren, ein innerliches Sich-Erkraften in demjenigen, was der Mensch als sein Geistig-Seelisches erfasst. Der Mensch fühlt sich wie seinem innersten Wesen zurückgegeben, er fühlt sich ganz in sich, indem er sich in dieser seiner geistig-seelischen Wirklichkeit, abgesehen von dem Leben zwischen Geburt und Tod, erfasst.

[ 24 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! In diesem Gegenübertreten des aus der Natur uns anstarrenden Todes, wenn wir ihn, ich möchte sagen in derjenigen Form betrachten, in der er uns sich darstellt, wenn wir das Schicksal des menschlichen Leichnams nach dem Tode verfolgen, in der Gegenüberstellung dieser Tatsache des Todes und desjenigen, was in höherer Erkenntnis auftritt — wenn der Mensch die zunächst unterbewusst, man könnte auch sagen, überbewusst bestehenden Seelenkräfte in sein Seelenleben hereinbringt —, in dieser Gegenüberstellung liegt dasjenige, aus dem in einem gewissen Sinne erquellen die wichtigsten Probleme des menschlichen Lebens, selbst gerade vor der anthroposophischen Forschung. Es ist ein innerliches Sich-Konsolidieren, ein innerliches Sich-Erkraften in demjenigen, was der Mensch als sein Geistig-Seelisches erfasst. Der Mensch fühlt sich wie seinem innersten Wesen zurückgegeben, er fühlt sich ganz in sich, indem er sich in dieser seiner geistig-seelischen Wirklichkeit, abgesehen von dem Leben zwischen Geburt und Tod, erfasst.

[ 25 ] Und eine besondere Schattierung der Idee, die er bekommt von dieser Anschauung, ergibt sich für ihn, wenn er diese Idee kontrastiert mit der Idee des natürlichen Todes. Dann aber, wenn der Mensch erfahren hat durch höhere Erkenntnis diese in sich konsolidierte Wirklichkeit, dieses erkraftete geistig-seelische Leben, und dann wiederum untertaucht in den physischen Leib, das heißt nun so, wie ich es erwähnt habe, nebeneinander erlebt dasjenige Bewusstsein, das die höhere Erkenntnis gibt, neben demjenigen Bewusstsein, das an den Leib gebunden ist, das uns begleitet während des physischen Lebens zwischen Geburt und Tod vom Aufwachen bis zum Einschlafen.

[ 25 ] Und eine besondere Schattierung der Idee, die er bekommt von dieser Anschauung, ergibt sich für ihn, wenn er diese Idee kontrastiert mit der Idee des natürlichen Todes. Dann aber, wenn der Mensch erfahren hat durch höhere Erkenntnis diese in sich konsolidierte Wirklichkeit, dieses erkraftete geistig-seelische Leben, und dann wiederum untertaucht in den physischen Leib, das heißt nun so, wie ich es erwähnt habe, nebeneinander erlebt dasjenige Bewusstsein, das die höhere Erkenntnis gibt, neben demjenigen Bewusstsein, das an den Leib gebunden ist, das uns begleitet während des physischen Lebens zwischen Geburt und Tod vom Aufwachen bis zum Einschlafen.

[ 26 ] Wenn man diese beiden nebeneinander stellt, wenn man also den Menschen im gewöhnlichen physischen Dasein durchdringt mit dem, als was er sich erscheint, wenn er sein wahres, höheres Dasein erblickt, dann — meine sehr verehrten Anwesenden —, dann trifft man das Todesrätsel zum zweiten Mal, und man trifft es auf eine Weise, die sich eben dem gewöhnlichen Leben und der gewöhnlichen Wissenschaft nicht darbietet. Dann taucht man ja mit demjenigen, das sich zuerst aus dem Werkzeuge des Leibes, aus der ganzen physischen Organisation herausgehoben hat, mit dem taucht man wiederum in diese physische Organisation unter; und man erlebt jetzt diese physische Organisation noch in einer anderen Weise als im gewöhnlichen Leben. Man erlebt jetzt, was es heißt, dass wir ja dasjenige, was mit dem Tode als Leichnam von uns fällt, was nach ganz anderen physischen Gesetzen sich bewegen muss nach dem Tode als während des physischen Lebens, dass wir das ja während dieses physischen Lebens immer in uns tragen. Und man erschaut es eigentlich als einen Schein, dass dieser Augenblick des Todes wie ein Vereinzeltes im menschlichen Leben dasteht. Man erfühlt jetzt erkennend: Du trägst ja fortwährend dasjenige in dir, was du bei einem toten Menschen in physischer Beziehung mit den Zerstörungskräften vor dir siehst, du trägst diese Zerstörungskräfte immer in dir. Das ist eine bedeutsame Erkenntnis, meine sehr verehrten Anwesenden!

[ 26 ] Wenn man diese beiden nebeneinander stellt, wenn man also den Menschen im gewöhnlichen physischen Dasein durchdringt mit dem, als was er sich erscheint, wenn er sein wahres, höheres Dasein erblickt, dann — meine sehr verehrten Anwesenden —, dann trifft man das Todesrätsel zum zweiten Mal, und man trifft es auf eine Weise, die sich eben dem gewöhnlichen Leben und der gewöhnlichen Wissenschaft nicht darbietet. Dann taucht man ja mit demjenigen, das sich zuerst aus dem Werkzeuge des Leibes, aus der ganzen physischen Organisation herausgehoben hat, mit dem taucht man wiederum in diese physische Organisation unter; und man erlebt jetzt diese physische Organisation noch in einer anderen Weise als im gewöhnlichen Leben. Man erlebt jetzt, was es heißt, dass wir ja dasjenige, was mit dem Tode als Leichnam von uns fällt, was nach ganz anderen physischen Gesetzen sich bewegen muss nach dem Tode als während des physischen Lebens, dass wir das ja während dieses physischen Lebens immer in uns tragen. Und man erschaut es eigentlich als einen Schein, dass dieser Augenblick des Todes wie ein Vereinzeltes im menschlichen Leben dasteht. Man erfühlt jetzt erkennend: Du trägst ja fortwährend dasjenige in dir, was du bei einem toten Menschen in physischer Beziehung mit den Zerstörungskräften vor dir siehst, du trägst diese Zerstörungskräfte immer in dir. Das ist eine bedeutsame Erkenntnis, meine sehr verehrten Anwesenden!

[ 27 ] Man taucht mit seinem seelisch-geistigen Dasein, das man erschaut hat durch höhere Erkenntnis, in die Leiblichkeit unter und man findet jetzt erst, wie man eigentlich fortwährend die Todeskräfte in sich trägt; und wie diese Todeskräfte nun fortwährend durch die Lebenskräfte überwunden werden, wie ein fortwährender Kampf in dem menschlichen Organismus stattfindet, derjenige Kampf, der zwischen den Todeskräften und den Lebenskräften sich abspielt. Man fühlt jetzt erst, was es eigentlich bedeutet, wenn im gewöhnlichen Leben Wachen und Schlafen abwechseln. Man fühlt, dass das ganze menschliche Wesen im Schlafen ebenso aus dem physischen Leibe herausgeht, wie der Mensch mit seiner höheren Erkenntnis — die ich geschildert habe — aus diesem seinem physischen Leibe herausgeht. Aber man fühlt auch, wie der Mensch in dem gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod darauf angewiesen ist, dass er zum Ausüben der logischen Kräfte, zum Ausüben der Denkkräfte, sich seines physischen Leibes bedient. Denn wenn er nicht in seinem physischen Leibe im Schlafe ist, so bringt er es höchstens zu einem verworrenen, chaotischen Traumleben, das sogleich entschwinden muss, wenn der Mensch in den physischen Leib untertaucht. Aber man lernt durch die höhere Erkenntnis sehen im menschlichen Leibe fortwährend wirksam auch, was entgegenwirkt demjenigen, was von der Geburt bis zum Tode in uns ist an auflösenden Kräften. Man lernt erkennen, dass gerade vom Einschlafen bis zum Aufwachen dieses Gegenwirken am intensivsten ist. Und man lernt erkennen, wie das wache Leben gerade mit seinen Gedanken gebunden ist an dasjenige, was sich abgesondert zeigt mit dem Leichnam. Man lernt erkennen, wie man die Kräfte, die im Leichnam wirksam sind, eigentlich immer in sich trägt als die Kräfte des Sterbens. Und man lernt durch höhere Erkenntnis, dass wir zunächst diejenigen Gedanken, durch die wir im gewöhnlichen Leben unser Dasein durchdringen und es ordnen, es eigentlich in der richtigen Weise handhaben, dass wir diese Gedanken nicht in die höhere Erkenntnis hinauf mittragen können. In diese höhere Erkenntnis, in diese höhere Wirklichkeit — meine sehr verehrten Anwesenden — tragen wir mit von unserem gewöhnlichen Tagesleben eigentlich nur einen Teil des Gefühlslebens und des Willenslebens, und in einer höheren Welt erwerben wir uns neue Gedanken. Die Gedankensphäre, die an den physischen Leib gebunden ist und von der man einsieht: Sie ist an dasjenige im physischen Leibe gebunden, was immer in uns ist, was die Sterbekräfte sind, diese Gedankensphäre fasst man mit der höheren Erkenntnis. Man sieht auch ein, man musste das Denken, das Fühlen, das Wollen verstärken, um dasjenige, was uns im gewöhnlichen Leben der Leib trägt an Gedanken, um das Selbst zu tragen.

[ 27 ] Man taucht mit seinem seelisch-geistigen Dasein, das man erschaut hat durch höhere Erkenntnis, in die Leiblichkeit unter und man findet jetzt erst, wie man eigentlich fortwährend die Todeskräfte in sich trägt; und wie diese Todeskräfte nun fortwährend durch die Lebenskräfte überwunden werden, wie ein fortwährender Kampf in dem menschlichen Organismus stattfindet, derjenige Kampf, der zwischen den Todeskräften und den Lebenskräften sich abspielt. Man fühlt jetzt erst, was es eigentlich bedeutet, wenn im gewöhnlichen Leben Wachen und Schlafen abwechseln. Man fühlt, dass das ganze menschliche Wesen im Schlafen ebenso aus dem physischen Leibe herausgeht, wie der Mensch mit seiner höheren Erkenntnis — die ich geschildert habe — aus diesem seinem physischen Leibe herausgeht. Aber man fühlt auch, wie der Mensch in dem gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod darauf angewiesen ist, dass er zum Ausüben der logischen Kräfte, zum Ausüben der Denkkräfte, sich seines physischen Leibes bedient. Denn wenn er nicht in seinem physischen Leibe im Schlafe ist, so bringt er es höchstens zu einem verworrenen, chaotischen Traumleben, das sogleich entschwinden muss, wenn der Mensch in den physischen Leib untertaucht. Aber man lernt durch die höhere Erkenntnis sehen im menschlichen Leibe fortwährend wirksam auch, was entgegenwirkt demjenigen, was von der Geburt bis zum Tode in uns ist an auflösenden Kräften. Man lernt erkennen, dass gerade vom Einschlafen bis zum Aufwachen dieses Gegenwirken am intensivsten ist. Und man lernt erkennen, wie das wache Leben gerade mit seinen Gedanken gebunden ist an dasjenige, was sich abgesondert zeigt mit dem Leichnam. Man lernt erkennen, wie man die Kräfte, die im Leichnam wirksam sind, eigentlich immer in sich trägt als die Kräfte des Sterbens. Und man lernt durch höhere Erkenntnis, dass wir zunächst diejenigen Gedanken, durch die wir im gewöhnlichen Leben unser Dasein durchdringen und es ordnen, es eigentlich in der richtigen Weise handhaben, dass wir diese Gedanken nicht in die höhere Erkenntnis hinauf mittragen können. In diese höhere Erkenntnis, in diese höhere Wirklichkeit — meine sehr verehrten Anwesenden — tragen wir mit von unserem gewöhnlichen Tagesleben eigentlich nur einen Teil des Gefühlslebens und des Willenslebens, und in einer höheren Welt erwerben wir uns neue Gedanken. Die Gedankensphäre, die an den physischen Leib gebunden ist und von der man einsieht: Sie ist an dasjenige im physischen Leibe gebunden, was immer in uns ist, was die Sterbekräfte sind, diese Gedankensphäre fasst man mit der höheren Erkenntnis. Man sieht auch ein, man musste das Denken, das Fühlen, das Wollen verstärken, um dasjenige, was uns im gewöhnlichen Leben der Leib trägt an Gedanken, um das Selbst zu tragen.

[ 28 ] Aus diesem Grunde ist es — meine sehr verehrten Anwesenden —, warum das ganze innere Seelenleben und das ganze innere Geistesleben verstärkt, erkraftet werden muss zum Behufe der höheren Erkenntnis. Dasjenige, was wir überlassen können im gewöhnlichen Leben den Kräften des Leibes, das müssen wir in der höheren Erkenntnis geistig-seelisch selber tragen, selber leisten. Und wir erleben diese Eigenleistung. Wir erleben uns mit Gedanken, die nun nicht an die äußere, physische Leiblichkeit gebunden sind, die Weltgedanken sind. Wir erleben nicht Naturgesetze, wir erleben Weltengedanken! Wir erleben durch höhere Erkenntnis die Art, wie aus dem Weltengedanken heraus geschöpft und gestaltet wird dasjenige, was äußere Weltenoffenbarung ist. Und es legt sich auseinander für dieses höhere Bewusstsein dasjenige, was die gewöhnliche Gedankenwelt ist, und wie die Gedankenwelt ist, jene Gedankenwelt, in die man erst eintritt mit der höheren Erkenntnis. Man lernt jetzt den innigen Zusammenhang erkennen zwischen den Sterbe-, den Todeskräften in der menschlichen Natur und denjenigen Kräften, die eigentlich in unserem Denken, in unserem gewöhnlichen Vorstellen sich äußern vom [Aufwachen bis zum Einschlafen].

[ 28 ] Aus diesem Grunde ist es — meine sehr verehrten Anwesenden —, warum das ganze innere Seelenleben und das ganze innere Geistesleben verstärkt, erkraftet werden muss zum Behufe der höheren Erkenntnis. Dasjenige, was wir überlassen können im gewöhnlichen Leben den Kräften des Leibes, das müssen wir in der höheren Erkenntnis geistig-seelisch selber tragen, selber leisten. Und wir erleben diese Eigenleistung. Wir erleben uns mit Gedanken, die nun nicht an die äußere, physische Leiblichkeit gebunden sind, die Weltgedanken sind. Wir erleben nicht Naturgesetze, wir erleben Weltengedanken! Wir erleben durch höhere Erkenntnis die Art, wie aus dem Weltengedanken heraus geschöpft und gestaltet wird dasjenige, was äußere Weltenoffenbarung ist. Und es legt sich auseinander für dieses höhere Bewusstsein dasjenige, was die gewöhnliche Gedankenwelt ist, und wie die Gedankenwelt ist, jene Gedankenwelt, in die man erst eintritt mit der höheren Erkenntnis. Man lernt jetzt den innigen Zusammenhang erkennen zwischen den Sterbe-, den Todeskräften in der menschlichen Natur und denjenigen Kräften, die eigentlich in unserem Denken, in unserem gewöhnlichen Vorstellen sich äußern vom [Aufwachen bis zum Einschlafen].

[ 29 ] Wir sind in einem dumpfen Bewusstseinszustande, der es nur bis zum Traume bringt, der nur aufgehellt wird eben durch die höhere Erkenntnis und dadurch auch durchschaubar wird. Auch dieser Bewusstseinszustand bringt es nur zu der Bilderwelt des Traumes, die nicht durchzogen ist von Gedanken. Um im gewöhnlichen Bewusstsein Gedanken zu haben, muss man untertauchen in den physischen Organismus, der die Sterbe-, die Todeskräfte in sich trägt. Und hätten wir nicht diese Sterbe-, diese Todeskräfte, wir würden eben im gewöhnlichen Bewusstsein zwischen Geburt und Tod nicht eine in sich selbst geschlossene Gedankenwelt haben.

[ 29 ] Wir sind in einem dumpfen Bewusstseinszustande, der es nur bis zum Traume bringt, der nur aufgehellt wird eben durch die höhere Erkenntnis und dadurch auch durchschaubar wird. Auch dieser Bewusstseinszustand bringt es nur zu der Bilderwelt des Traumes, die nicht durchzogen ist von Gedanken. Um im gewöhnlichen Bewusstsein Gedanken zu haben, muss man untertauchen in den physischen Organismus, der die Sterbe-, die Todeskräfte in sich trägt. Und hätten wir nicht diese Sterbe-, diese Todeskräfte, wir würden eben im gewöhnlichen Bewusstsein zwischen Geburt und Tod nicht eine in sich selbst geschlossene Gedankenwelt haben.

[ 30 ] Wir erfahren jetzt, wie der Mensch sich gewissermaßen erhärten muss zu einer physischen Organisation, die sich ihm selber entreißt, die so wirkt, wie die physischen Kräfte im Tode wirken, die nur immer überwunden werden dadurch, dass der Mensch von seinem Geistig-Seelischen durchzogen wird. Man lernt erkennen jetzt diese Sterbens- und Todeskräfte dadurch, dass man eben mit dem höheren Erkennen eine Gedankenwelt hat, die nicht untertaucht in diese Sterbens-, in diese Todeskräfte. Und so stellt sich für dieses höhere Erkennen hin das geistige Leben neben den natürlichen Tod, und so lernt erkennen der Mensch, wie gerade die Gedankenkräfte — diejenigen Kräfte, welche zusammenschließen unser Leben innerlich mit der Sinneswelt, die das Äußere vermittelt —, wie diese Gedankenkräfte gebunden sind an die Auflösungs-, an die Sterbekräfte des menschlichen Organismus. Das — meine sehr verehrten Anwesenden — ist eine bedeutsame Erkenntnis, denn dadurch durchschauen wir das Todesrätsel in einer neuen Gestalt. Wir durchschauen es, dass wir den Tod nicht nur wesenhaft vor uns haben, wenn er gewissermaßen als das Endglied, als der Abschluss des physischen Lebens rätselvoll vor uns erscheint, sondern wir gewahren den Tod, wie er fortwährend zwischen Geburt und Tod in dem Menschenwesen wirkt, und wir gewahren seinen innigen Zusammenhang mit dem gewöhnlichen Gedankenleben. Damit aber — meine sehr verehrten Anwesenden — tritt uns auch das Wesenhafte dieses Gedankenlebens deutlich vor Augen.

[ 30 ] Wir erfahren jetzt, wie der Mensch sich gewissermaßen erhärten muss zu einer physischen Organisation, die sich ihm selber entreißt, die so wirkt, wie die physischen Kräfte im Tode wirken, die nur immer überwunden werden dadurch, dass der Mensch von seinem Geistig-Seelischen durchzogen wird. Man lernt erkennen jetzt diese Sterbens- und Todeskräfte dadurch, dass man eben mit dem höheren Erkennen eine Gedankenwelt hat, die nicht untertaucht in diese Sterbens-, in diese Todeskräfte. Und so stellt sich für dieses höhere Erkennen hin das geistige Leben neben den natürlichen Tod, und so lernt erkennen der Mensch, wie gerade die Gedankenkräfte — diejenigen Kräfte, welche zusammenschließen unser Leben innerlich mit der Sinneswelt, die das Äußere vermittelt —, wie diese Gedankenkräfte gebunden sind an die Auflösungs-, an die Sterbekräfte des menschlichen Organismus. Das — meine sehr verehrten Anwesenden — ist eine bedeutsame Erkenntnis, denn dadurch durchschauen wir das Todesrätsel in einer neuen Gestalt. Wir durchschauen es, dass wir den Tod nicht nur wesenhaft vor uns haben, wenn er gewissermaßen als das Endglied, als der Abschluss des physischen Lebens rätselvoll vor uns erscheint, sondern wir gewahren den Tod, wie er fortwährend zwischen Geburt und Tod in dem Menschenwesen wirkt, und wir gewahren seinen innigen Zusammenhang mit dem gewöhnlichen Gedankenleben. Damit aber — meine sehr verehrten Anwesenden — tritt uns auch das Wesenhafte dieses Gedankenlebens deutlich vor Augen.

[ 31 ] Gerade dadurch, dass gewissermaßen dasjenige, was wir gefühlsmäßig, willensmäßig in unserer Seele tragen, sich verbinden muss mit den Absterbekräften, damit es durchsetzt werden kann von der Gedankenwelt, die wir zum gewöhnlichen Leben brauchen, dadurch nimmt unser Seelenleben jenen Charakter an, den es gerade im gegenwärtigen Zeitalter zur höchsten Blüte ausgebildet hat, auf den es gerade im gegenwärtigen Zeitalter im eminentesten und auch im richtigen Sinne stolz ist.

[ 31 ] Gerade dadurch, dass gewissermaßen dasjenige, was wir gefühlsmäßig, willensmäßig in unserer Seele tragen, sich verbinden muss mit den Absterbekräften, damit es durchsetzt werden kann von der Gedankenwelt, die wir zum gewöhnlichen Leben brauchen, dadurch nimmt unser Seelenleben jenen Charakter an, den es gerade im gegenwärtigen Zeitalter zur höchsten Blüte ausgebildet hat, auf den es gerade im gegenwärtigen Zeitalter im eminentesten und auch im richtigen Sinne stolz ist.

[ 32 ] Versuchen wir einmal, uns zu versetzen in dasjenige, was diese Gedankenwelt, von der wir also jetzt wissen, dass sie an die Sterbe-, an die Todeskräfte des Menschen gebunden ist, was diese Gedankenwelt vermag. Sie vermag einzudringen in dasjenige, was auch die äußerlich tote Natur ist, und in dieser Beziehung hat die neuere Erkenntnis ihre großen, berechtigten Triumphe gefeiert. Sie hat ausgebreitet sich über das Gebiet der toten, der unorganischen, der unlebendigen Natur immer mehr und mehr; sie will durchschauen diese tote, diese unlebendige Natur in der Weise, dass sie dann auch einmal — das schwebt ihr als Ideal vor — das Hervorgehen des Lebendigen innerhalb des Toten wie eine Kombination der Kräfte, die im Toten wirken, schauen könne. Man glaubt heute in einer gewissen Beziehung, auf dem Wege zu einer solchen Erkenntnis des Organischen aus dem Unorganischen heraus zu sein. Aber man wird, selbst wenn ein solches Ideal naturwissenschaftlicher Erkenntnis, die als solche auf ihrem Gebiete durchaus berechtigt ist, wenn ein solches Ideal sich erfüllen könnte, man wird doch nur dasjenige im Lebendigen erkennen, was im Lebendigen ein Totes ist. Lassen Sie mich das in der folgenden Weise ausdrücken, meine sehr verehrten Anwesenden.

[ 32 ] Versuchen wir einmal, uns zu versetzen in dasjenige, was diese Gedankenwelt, von der wir also jetzt wissen, dass sie an die Sterbe-, an die Todeskräfte des Menschen gebunden ist, was diese Gedankenwelt vermag. Sie vermag einzudringen in dasjenige, was auch die äußerlich tote Natur ist, und in dieser Beziehung hat die neuere Erkenntnis ihre großen, berechtigten Triumphe gefeiert. Sie hat ausgebreitet sich über das Gebiet der toten, der unorganischen, der unlebendigen Natur immer mehr und mehr; sie will durchschauen diese tote, diese unlebendige Natur in der Weise, dass sie dann auch einmal — das schwebt ihr als Ideal vor — das Hervorgehen des Lebendigen innerhalb des Toten wie eine Kombination der Kräfte, die im Toten wirken, schauen könne. Man glaubt heute in einer gewissen Beziehung, auf dem Wege zu einer solchen Erkenntnis des Organischen aus dem Unorganischen heraus zu sein. Aber man wird, selbst wenn ein solches Ideal naturwissenschaftlicher Erkenntnis, die als solche auf ihrem Gebiete durchaus berechtigt ist, wenn ein solches Ideal sich erfüllen könnte, man wird doch nur dasjenige im Lebendigen erkennen, was im Lebendigen ein Totes ist. Lassen Sie mich das in der folgenden Weise ausdrücken, meine sehr verehrten Anwesenden.

[ 33 ] Wenn ich die Pflanze betrachte: Sie ist ein Lebendiges, in ihr kreisen Stoffe, in ihr wirken Kräfte. Innerhalb desjenigen, was ich in diesem Lebendigen vor Augen habe, wirken dieselben Kräfte und Gesetze, die ich in der Physik, in der Chemie erkunde; da ist ein Physisches, da ein Chemismus darinnen. Dieses Physische, dieser Chemismus, sie sind in anderer Weise da innerhalb des Lebendigen als außerhalb des Lebendigen, aber sie sind doch nur eben innerhalb dieses Lebendigen ein Unlebendiges. Und es mag gelingen, zu durchschauen, in welch besonderer Art sich dieses Unlebendige im Lebendigen darstellt, im Lebendigen offenbart, aber man bleibt doch nur beim Unlebendigen. Und man bleibt beim Unlebendigen, auch wenn man es heraufstudiert bis zum Menschen. Der Mensch trägt in sich die Kräfte, die Wirkungsweise des toten Stoffes. Aber gerade dadurch, dass er diese Wirkungsweise, diese Kräfte des toten Stoffes in sich trägt, das bedeutet ja, dass er den Tod, das Sterben, immer in sich hat. Durch höhere Erkenntnis gewinnt man Einsicht darin, dass der Mensch im gewöhnlichen Bewusstsein dadurch denkt, dass er dieses Unlebendige, dieses Unorganische, dieses fortwährend ihn mit Sterbekräften Ausrüstende, in sich trägt. Es ist ein Bedeutsames, zu durchschauen, dass der Mensch dasjenige, was er zunächst im physischen Leben als sein Höchstes anerkennt, gerade gebunden sehen muss an dasjenige, was sich fortwährend aus dem Leben loslöst, das ist, dass der Mensch denken kann, dass er fortwährend aus dem Leben loslöst die Kräfte des Toten.

[ 33 ] Wenn ich die Pflanze betrachte: Sie ist ein Lebendiges, in ihr kreisen Stoffe, in ihr wirken Kräfte. Innerhalb desjenigen, was ich in diesem Lebendigen vor Augen habe, wirken dieselben Kräfte und Gesetze, die ich in der Physik, in der Chemie erkunde; da ist ein Physisches, da ein Chemismus darinnen. Dieses Physische, dieser Chemismus, sie sind in anderer Weise da innerhalb des Lebendigen als außerhalb des Lebendigen, aber sie sind doch nur eben innerhalb dieses Lebendigen ein Unlebendiges. Und es mag gelingen, zu durchschauen, in welch besonderer Art sich dieses Unlebendige im Lebendigen darstellt, im Lebendigen offenbart, aber man bleibt doch nur beim Unlebendigen. Und man bleibt beim Unlebendigen, auch wenn man es heraufstudiert bis zum Menschen. Der Mensch trägt in sich die Kräfte, die Wirkungsweise des toten Stoffes. Aber gerade dadurch, dass er diese Wirkungsweise, diese Kräfte des toten Stoffes in sich trägt, das bedeutet ja, dass er den Tod, das Sterben, immer in sich hat. Durch höhere Erkenntnis gewinnt man Einsicht darin, dass der Mensch im gewöhnlichen Bewusstsein dadurch denkt, dass er dieses Unlebendige, dieses Unorganische, dieses fortwährend ihn mit Sterbekräften Ausrüstende, in sich trägt. Es ist ein Bedeutsames, zu durchschauen, dass der Mensch dasjenige, was er zunächst im physischen Leben als sein Höchstes anerkennt, gerade gebunden sehen muss an dasjenige, was sich fortwährend aus dem Leben loslöst, das ist, dass der Mensch denken kann, dass er fortwährend aus dem Leben loslöst die Kräfte des Toten.

[ 34 ] Und daher kommt es auch, dass in demselben Augenblick, in dem die Lebensprozesse sich erhöhen im gewöhnlichen physischen Leben — sagen wir im Fieber oder abnormen, krankhaften Zuständen —, dass dann auch das Bewusstsein des Menschen in das Krankhafte übergeht; dass der Mensch ein gesundes Bewusstsein nur haben kann, wenn die Lebenskräfte, die übersprudelnden, warmen Lebenskräfte, in Schach gehalten werden durch die Todeskräfte. Die Gedanken, wie wir sie im gewöhnlichen Leben haben, sie stellen sich in die Gemüts- und Willenskräfte, die an das Lebendige gebunden sind, sie stellen sich in diese dadurch hinein, dass sich in das menschliche Leben die Todeskräfte hineinstellen. Die bewussten Gedankenkräfte des physischen Lebens sind an Tod und Sterben gebunden, sind innerlich verbunden, innigst, mit diesen Todes-, mit diesen Sterbenskräften.

[ 34 ] Und daher kommt es auch, dass in demselben Augenblick, in dem die Lebensprozesse sich erhöhen im gewöhnlichen physischen Leben — sagen wir im Fieber oder abnormen, krankhaften Zuständen —, dass dann auch das Bewusstsein des Menschen in das Krankhafte übergeht; dass der Mensch ein gesundes Bewusstsein nur haben kann, wenn die Lebenskräfte, die übersprudelnden, warmen Lebenskräfte, in Schach gehalten werden durch die Todeskräfte. Die Gedanken, wie wir sie im gewöhnlichen Leben haben, sie stellen sich in die Gemüts- und Willenskräfte, die an das Lebendige gebunden sind, sie stellen sich in diese dadurch hinein, dass sich in das menschliche Leben die Todeskräfte hineinstellen. Die bewussten Gedankenkräfte des physischen Lebens sind an Tod und Sterben gebunden, sind innerlich verbunden, innigst, mit diesen Todes-, mit diesen Sterbenskräften.

[ 35 ] Und so rückt durch eine solche Betrachtung sich dasjenige in das rechte Licht, was uns eben gerade in der äußeren Erkenntnis des Leblosen, des Unorganischen entgegentritt. Lernt man mit seinem ganzen menschlichen Anteil kennen die Ideen-, die Begriffswelt, wie sie auftritt gerade in ihrer höchsten Ausbildung zwischen Geburt und Tod im physischen Leben, dann empfindet man sie als etwas, das in seiner Art, in seiner Wesenheit hingegeben ist an das Unlebendige, hingegeben ist auch an die äußere, tote Natur. Und man entdeckt das große Gesetz des menschlichen Daseins, das, weil in uns die Gedanken-Erkenntniskräfte mit den Todeskräften verbunden sind, wir deswegen auch nur für die gewöhnliche Erkenntnis das Unorganische, das Leblose erkennen können. Dadurch aber, dass höhere Geist-Erkenntnis, wie sie die anthroposophische Forschung anstrebt, in dieses Leben hereintritt, dadurch werden die gewöhnlichen Gedanken gewissermaßen so in eine höhere Sphäre heraufgerückt, wie dasjenige, was im Menschen fortwährend Tod und Sterben, was ein fortwährend wirkender Leichnam mit den Zerstörungskräften ist, die seine Form auflösen, wie das ins Leben heraufgerückt wird. Und wir haben — meine sehr verehrten Anwesenden — einen selbst-lebendigen Prozess vor uns in dem Übergehen von der gewöhnlichen Erkenntnis zu der anthroposophischen Erkenntnis.

[ 35 ] Und so rückt durch eine solche Betrachtung sich dasjenige in das rechte Licht, was uns eben gerade in der äußeren Erkenntnis des Leblosen, des Unorganischen entgegentritt. Lernt man mit seinem ganzen menschlichen Anteil kennen die Ideen-, die Begriffswelt, wie sie auftritt gerade in ihrer höchsten Ausbildung zwischen Geburt und Tod im physischen Leben, dann empfindet man sie als etwas, das in seiner Art, in seiner Wesenheit hingegeben ist an das Unlebendige, hingegeben ist auch an die äußere, tote Natur. Und man entdeckt das große Gesetz des menschlichen Daseins, das, weil in uns die Gedanken-Erkenntniskräfte mit den Todeskräften verbunden sind, wir deswegen auch nur für die gewöhnliche Erkenntnis das Unorganische, das Leblose erkennen können. Dadurch aber, dass höhere Geist-Erkenntnis, wie sie die anthroposophische Forschung anstrebt, in dieses Leben hereintritt, dadurch werden die gewöhnlichen Gedanken gewissermaßen so in eine höhere Sphäre heraufgerückt, wie dasjenige, was im Menschen fortwährend Tod und Sterben, was ein fortwährend wirkender Leichnam mit den Zerstörungskräften ist, die seine Form auflösen, wie das ins Leben heraufgerückt wird. Und wir haben — meine sehr verehrten Anwesenden — einen selbst-lebendigen Prozess vor uns in dem Übergehen von der gewöhnlichen Erkenntnis zu der anthroposophischen Erkenntnis.

[ 36 ] Wir erkennen die Ideen, die Begriffe der gewöhnlichen Erkenntnis als an den Tod gebunden; wir erkennen dasjenige, wonach anthroposophische Erkenntnis hinstrebt als dasjenige, was die gewöhnlichen, toten, die unlebendigen Begriffe und Ideen zum Leben auferweckt. Wir erkennen nicht nur einen formalen Erkenntnisprozess, wir erkennen eine Belebung unseres Seelenlebens; wir erkennen ein unmittelbares Hinstellen desjenigen, was nichts zu tun hat mit Geburt und Tod, was wirklich hinausgeht über Geburt und Tod, weil es nicht Anteil nimmt an den Kräften des Todes und des Sterbens. Wir erkennen das unsterbliche Teil des Menschen, wir lernen es unterscheiden von demjenigen, was fortwährend an den Tod gebunden ist, wie in höherer Erkenntnis, ich möchte sagen ersteht aus dem natürlichen Tode das geistige Leben, nicht nur eine geistige formale Erkenntnis. Daher ist es — meine sehr verehrten Anwesenden —, dass diese anthroposophische Erkenntnis zunächst befremdend an den Menschen herantritt. Sie wird gewöhnlich genommen wie eine bloße Fortsetzung der gewöhnlichen Erkenntnis. Sie ist das in vollem Sinne des Wortes, aber sie ist eine solche Fortsetzung, dass auch der Charakter, die ganze Art dieser gewöhnlichen Erkenntnis geändert wird, dass wir etwas erleben wie ein Geborenwerden eines Lebendigen innerhalb der sonst nur für das Unlebendige brauchbaren Gedanken und Ideen in denjenigen Gedanken, die ich Weltgedanken genannt habe. In der heutigen Betrachtung tritt uns eben dasjenige entgegen, in das der Mensch zunächst aufgenommen wird, wenn er als Geistig-Seelisches sich von seinem Leben zwischen Geburt und Tod trennt. Trennt sich sein Physisches durch den natürlichen Tod, dann wird sein Leibliches in die allgemeinen natürlichen Kräfte aufgenommen, seine Form zerstört. Wird das Geistig-Seelische in diejenige Welt aufgenommen, welche die höhere Erkenntnis eben erkenntnismäßig lebendig schon erreicht, dann konsolidiert sich der Mensch. Dann wird der Mensch nicht aufgelöst in die übrige Welt, dann tritt er mit seiner vollen Individualität — ja, [diese höhere Individualität wird erkraftet, intensiviert] —, er tritt mit dieser Welt in die geistige Welt ein.

[ 36 ] Wir erkennen die Ideen, die Begriffe der gewöhnlichen Erkenntnis als an den Tod gebunden; wir erkennen dasjenige, wonach anthroposophische Erkenntnis hinstrebt als dasjenige, was die gewöhnlichen, toten, die unlebendigen Begriffe und Ideen zum Leben auferweckt. Wir erkennen nicht nur einen formalen Erkenntnisprozess, wir erkennen eine Belebung unseres Seelenlebens; wir erkennen ein unmittelbares Hinstellen desjenigen, was nichts zu tun hat mit Geburt und Tod, was wirklich hinausgeht über Geburt und Tod, weil es nicht Anteil nimmt an den Kräften des Todes und des Sterbens. Wir erkennen das unsterbliche Teil des Menschen, wir lernen es unterscheiden von demjenigen, was fortwährend an den Tod gebunden ist, wie in höherer Erkenntnis, ich möchte sagen ersteht aus dem natürlichen Tode das geistige Leben, nicht nur eine geistige formale Erkenntnis. Daher ist es — meine sehr verehrten Anwesenden —, dass diese anthroposophische Erkenntnis zunächst befremdend an den Menschen herantritt. Sie wird gewöhnlich genommen wie eine bloße Fortsetzung der gewöhnlichen Erkenntnis. Sie ist das in vollem Sinne des Wortes, aber sie ist eine solche Fortsetzung, dass auch der Charakter, die ganze Art dieser gewöhnlichen Erkenntnis geändert wird, dass wir etwas erleben wie ein Geborenwerden eines Lebendigen innerhalb der sonst nur für das Unlebendige brauchbaren Gedanken und Ideen in denjenigen Gedanken, die ich Weltgedanken genannt habe. In der heutigen Betrachtung tritt uns eben dasjenige entgegen, in das der Mensch zunächst aufgenommen wird, wenn er als Geistig-Seelisches sich von seinem Leben zwischen Geburt und Tod trennt. Trennt sich sein Physisches durch den natürlichen Tod, dann wird sein Leibliches in die allgemeinen natürlichen Kräfte aufgenommen, seine Form zerstört. Wird das Geistig-Seelische in diejenige Welt aufgenommen, welche die höhere Erkenntnis eben erkenntnismäßig lebendig schon erreicht, dann konsolidiert sich der Mensch. Dann wird der Mensch nicht aufgelöst in die übrige Welt, dann tritt er mit seiner vollen Individualität — ja, [diese höhere Individualität wird erkraftet, intensiviert] —, er tritt mit dieser Welt in die geistige Welt ein.

[ 37 ] In dieser Art, dadurch, dass die menschlichen Bewusstseinskräfte fortgebildet werden, will anthroposophische Erkenntnis an das Unsterblichkeitsproblem herantreten. Und Sie sehen, meine sehr verehrten Anwesenden: Es handelt sich für diese anthroposophische Erkenntnis darum, an dieses Unsterblichkeitsproblem so heranzutreten, dass nicht bloß philosophiert wird über das Unsterbliche, sondern dass geforscht wird: Wo im Menschen ist das Unsterbliche zu finden? Es ist zu finden durch höhere Erkenntnis, wenn man dasjenige erreicht, was, indem es wiederum in den Leib zurückkehrt, den Tod in seiner fortwährenden Betätigung in uns wie objektiv erschaut und daher weiß, was allein dem Tode verfallen kann.

[ 37 ] In dieser Art, dadurch, dass die menschlichen Bewusstseinskräfte fortgebildet werden, will anthroposophische Erkenntnis an das Unsterblichkeitsproblem herantreten. Und Sie sehen, meine sehr verehrten Anwesenden: Es handelt sich für diese anthroposophische Erkenntnis darum, an dieses Unsterblichkeitsproblem so heranzutreten, dass nicht bloß philosophiert wird über das Unsterbliche, sondern dass geforscht wird: Wo im Menschen ist das Unsterbliche zu finden? Es ist zu finden durch höhere Erkenntnis, wenn man dasjenige erreicht, was, indem es wiederum in den Leib zurückkehrt, den Tod in seiner fortwährenden Betätigung in uns wie objektiv erschaut und daher weiß, was allein dem Tode verfallen kann.

[ 38 ] Es kann allein dasjenige dem Tode verfallen, was schon fortwährend in dem Schoße dieses Todes liegt. Dadurch, dass man das fortwährende Sterben durchschaut, wird der eigentliche Moment des Todes nur wie eine Art Zusammenfassung desjenigen, was immer da ist, erkannt. Und während wir unser Leben, ich möchte sagen vor dem Tode fortwährend retten, indem im physischen Leben immer überwunden werden die Todeskräfte, überwunden werden aber dadurch, dass in uns ja dasjenige immer ist, was von der höheren Erkenntnis nur erschaut wird, so wird von diesem in uns befindlichen Geistig-Seelischen gerade im physischen Tode dasjenige überwunden — völlig überwunden, ich möchte sagen in seiner Summe überwunden —, was in seinen einzelnen Addenden, in seinen einzelnen Elementen von Lebensaugenblick zu Lebensaugenblick überwunden werden muss. Wir überwinden in jedem Augenblick durch unser geistiges Leben, das mit dem Tode nichts zu tun hat, den natürlichen Tod. Und erlangt man eine solche Erkenntnis von der Überwindung der Sterblichkeit durch die Unsterblichkeit, dann tritt auch das Todesrätsel eben in jener erneuerten Gestalt vor die menschliche Seele, die ich mir erlaubte, am heutigen Abend vor Ihnen — meine sehr verehrten Anwesenden — zu schildern.

[ 38 ] Es kann allein dasjenige dem Tode verfallen, was schon fortwährend in dem Schoße dieses Todes liegt. Dadurch, dass man das fortwährende Sterben durchschaut, wird der eigentliche Moment des Todes nur wie eine Art Zusammenfassung desjenigen, was immer da ist, erkannt. Und während wir unser Leben, ich möchte sagen vor dem Tode fortwährend retten, indem im physischen Leben immer überwunden werden die Todeskräfte, überwunden werden aber dadurch, dass in uns ja dasjenige immer ist, was von der höheren Erkenntnis nur erschaut wird, so wird von diesem in uns befindlichen Geistig-Seelischen gerade im physischen Tode dasjenige überwunden — völlig überwunden, ich möchte sagen in seiner Summe überwunden —, was in seinen einzelnen Addenden, in seinen einzelnen Elementen von Lebensaugenblick zu Lebensaugenblick überwunden werden muss. Wir überwinden in jedem Augenblick durch unser geistiges Leben, das mit dem Tode nichts zu tun hat, den natürlichen Tod. Und erlangt man eine solche Erkenntnis von der Überwindung der Sterblichkeit durch die Unsterblichkeit, dann tritt auch das Todesrätsel eben in jener erneuerten Gestalt vor die menschliche Seele, die ich mir erlaubte, am heutigen Abend vor Ihnen — meine sehr verehrten Anwesenden — zu schildern.

[ 39 ] Und darin liegen die Gründe, warum Anthroposophie nicht bloß über anderes, sondern auch anders reden muss als die gewöhnliche Wissenschaft. Sie muss ihre Begriffe, ihre Ideen, die ja von geistigen Welten handeln, sie muss sie heraufführen aus demjenigen, was wir im gewöhnlichen Verstande als Begriffe und Ideen haben und was nur für das Tote anwendbar ist, weil es aus dem Tode, aus dem Sterben stammt — sie muss heraufheben diese Begriffe ins geistige Leben. Und nur derjenige kann daher eintreten in diese Gedankenwelt der Anthroposophie, der den Willen in sich trägt, von den toten Begriffen zu den lebendigen Begriffen überzugehen; der den Willen in sich trägt, die Aktivität der Seele so zu gestalten, dass er dasjenige, was im Leben erfasst werden muss, dass er dasjenige erfasst, nicht in bequemer Weise nur erfassen will das, was im Tode allein erfasst werden kann. Wir bilden heute zu einem großen Teil unsere Physiologie, unsere Anthropologie dadurch aus, dass wir den Menschen nach dem Tode betrachten und aus dem Tode das Leben herauskonstruieren. Anthroposophie versucht, dasjenige, was im Menschen an den Tod gebunden ist, zu beleben und so die innere Seelenwelt selber als lebendige Geistigkeit heraufzuholen zu einer höheren Erkenntnis.

[ 39 ] Und darin liegen die Gründe, warum Anthroposophie nicht bloß über anderes, sondern auch anders reden muss als die gewöhnliche Wissenschaft. Sie muss ihre Begriffe, ihre Ideen, die ja von geistigen Welten handeln, sie muss sie heraufführen aus demjenigen, was wir im gewöhnlichen Verstande als Begriffe und Ideen haben und was nur für das Tote anwendbar ist, weil es aus dem Tode, aus dem Sterben stammt — sie muss heraufheben diese Begriffe ins geistige Leben. Und nur derjenige kann daher eintreten in diese Gedankenwelt der Anthroposophie, der den Willen in sich trägt, von den toten Begriffen zu den lebendigen Begriffen überzugehen; der den Willen in sich trägt, die Aktivität der Seele so zu gestalten, dass er dasjenige, was im Leben erfasst werden muss, dass er dasjenige erfasst, nicht in bequemer Weise nur erfassen will das, was im Tode allein erfasst werden kann. Wir bilden heute zu einem großen Teil unsere Physiologie, unsere Anthropologie dadurch aus, dass wir den Menschen nach dem Tode betrachten und aus dem Tode das Leben herauskonstruieren. Anthroposophie versucht, dasjenige, was im Menschen an den Tod gebunden ist, zu beleben und so die innere Seelenwelt selber als lebendige Geistigkeit heraufzuholen zu einer höheren Erkenntnis.

[ 40 ] Man braucht wahrhaftig nicht auf diesem Gebiete selber Forscher zu werden — ich habe mir dieses hier öfter zu erwähnen erlaubt —, um in die Berechtigung der anthroposophischen Welt einzudringen. Derjenige, der ein Forscher wird, der hat die geistige Welt unmittelbar vor sich, wie ich sie seit Jahren hier schildere. Er schildert sie dann heraus aus demjenigen, was sich ihm ergibt, wenn er umsetzt dasjenige, was er schaut, in die Form des menschlichen Gedankens. Indem er sie aber schildert, appelliert er nun nicht nur bloß etwa an das eigene Schauen, sondern er appelliert an die innere menschliche Lebendigkeit. Und weil der Mensch diese innere Lebendigkeit in sich trägt, so wie er in sich die Sterbekräfte trägt, so kann er sich allmählich, auch wenn er nicht selber Forscher wird auf dem geisteswissenschaftlich-anthroposophischen Gebiet, ein Verständnis erwerben für dasjenige, was der Forscher aus der geistigen Welt herausholt. Zwar wird durch die Publikation solcher Schriften, wie mein Buch ist «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», darauf hingewiesen, wie jeder wenigstens zu den ersten Anfängen des eigenen Erforschens der geistigen Welt kommen kann, aber es wird ebenso hingewiesen, dass in erster Linie solche Bücher so geschrieben sind, wie sie es sind, damit jeder gewissermaßen die Rechtfertigung empfängt des Geistesforschers darüber, was dieser eigentlich tut. Dasjenige aber, was als Ideen, als Vorstellungen vor die Menschheit hintritt, das kann der gesunde Menschenverstand erfassen. Denn dieser gesunde Menschenverstand, er ist dasjenige, was sich ebenso zu den lebendigen Gedanken erheben kann, wie er stehen bleiben kann bei den toten Gedanken. Und dieses Verständnis ist kein bloßer Glaube, kein bloßes gefühlsmäßiges Verstehen, sondern es ist ein Verstehen aus der freien Menschennatur heraus, die einfach dasjenige, was in ihr an Weltenwesenheit ist, verbindet mit dem, was durch Forschung aus dieser Weltenwesenheit heraus verkündet werden kann.

[ 40 ] Man braucht wahrhaftig nicht auf diesem Gebiete selber Forscher zu werden — ich habe mir dieses hier öfter zu erwähnen erlaubt —, um in die Berechtigung der anthroposophischen Welt einzudringen. Derjenige, der ein Forscher wird, der hat die geistige Welt unmittelbar vor sich, wie ich sie seit Jahren hier schildere. Er schildert sie dann heraus aus demjenigen, was sich ihm ergibt, wenn er umsetzt dasjenige, was er schaut, in die Form des menschlichen Gedankens. Indem er sie aber schildert, appelliert er nun nicht nur bloß etwa an das eigene Schauen, sondern er appelliert an die innere menschliche Lebendigkeit. Und weil der Mensch diese innere Lebendigkeit in sich trägt, so wie er in sich die Sterbekräfte trägt, so kann er sich allmählich, auch wenn er nicht selber Forscher wird auf dem geisteswissenschaftlich-anthroposophischen Gebiet, ein Verständnis erwerben für dasjenige, was der Forscher aus der geistigen Welt herausholt. Zwar wird durch die Publikation solcher Schriften, wie mein Buch ist «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», darauf hingewiesen, wie jeder wenigstens zu den ersten Anfängen des eigenen Erforschens der geistigen Welt kommen kann, aber es wird ebenso hingewiesen, dass in erster Linie solche Bücher so geschrieben sind, wie sie es sind, damit jeder gewissermaßen die Rechtfertigung empfängt des Geistesforschers darüber, was dieser eigentlich tut. Dasjenige aber, was als Ideen, als Vorstellungen vor die Menschheit hintritt, das kann der gesunde Menschenverstand erfassen. Denn dieser gesunde Menschenverstand, er ist dasjenige, was sich ebenso zu den lebendigen Gedanken erheben kann, wie er stehen bleiben kann bei den toten Gedanken. Und dieses Verständnis ist kein bloßer Glaube, kein bloßes gefühlsmäßiges Verstehen, sondern es ist ein Verstehen aus der freien Menschennatur heraus, die einfach dasjenige, was in ihr an Weltenwesenheit ist, verbindet mit dem, was durch Forschung aus dieser Weltenwesenheit heraus verkündet werden kann.

[ 41 ] Es muss immer wiederum gerade das als Wichtigstes betont werden, dass Anthroposophie gewissermaßen sich der Welt übergibt, damit sie geprüft werde an dem gewöhnlichen, gesunden Menschenverstand. Übt man den, lässt man ihn sich ausleben in allseitiger, nicht in einseitiger Weise, dann wird man schon sehen, wie er sich anders zur Anthroposophie stellt, als man heute noch vielfach glaubt. Man kann hinsehen dann auf solche Begriffe, wie sie Herbert Spencer gibt, die nur stehen bleiben innerhalb des physischen Lebens in der Weise, wie ich es einleitend dargestellt habe; man kann andererseits hinsehen zu solchen Begriffen, wie sie Wladimir Solowjow aus dem vollen Menschenleben heraus gibt. Man wird bei Herbert Spencer sehen, warum er stehen bleiben muss beim physischen Leben, weil alles dasjenige, was er ausspricht, aus einem Denken heraus ist, das an die Sterbe-, an die Todeskräfte gebunden ist. Und man wird bei Solowjow sehen, dass er sich zwar der Begriffe bedient, welche im Westen üblich sind und die eben im höchsten Maße die Begriffsform, die an Sterben und Tod gebunden ist, enthält. Aber man wird bei Solowjow sehen, wie ihm diese Begriffe als etwas Äußerliches bleiben, wie er aber dasjenige, was er eigentlich sagen will, aus einem mystischen Dunkel und aus einer mystischen Tiefe heraus träumt und dadurch wiederum nach der anderen Seite einseitig wird.

[ 41 ] Es muss immer wiederum gerade das als Wichtigstes betont werden, dass Anthroposophie gewissermaßen sich der Welt übergibt, damit sie geprüft werde an dem gewöhnlichen, gesunden Menschenverstand. Übt man den, lässt man ihn sich ausleben in allseitiger, nicht in einseitiger Weise, dann wird man schon sehen, wie er sich anders zur Anthroposophie stellt, als man heute noch vielfach glaubt. Man kann hinsehen dann auf solche Begriffe, wie sie Herbert Spencer gibt, die nur stehen bleiben innerhalb des physischen Lebens in der Weise, wie ich es einleitend dargestellt habe; man kann andererseits hinsehen zu solchen Begriffen, wie sie Wladimir Solowjow aus dem vollen Menschenleben heraus gibt. Man wird bei Herbert Spencer sehen, warum er stehen bleiben muss beim physischen Leben, weil alles dasjenige, was er ausspricht, aus einem Denken heraus ist, das an die Sterbe-, an die Todeskräfte gebunden ist. Und man wird bei Solowjow sehen, dass er sich zwar der Begriffe bedient, welche im Westen üblich sind und die eben im höchsten Maße die Begriffsform, die an Sterben und Tod gebunden ist, enthält. Aber man wird bei Solowjow sehen, wie ihm diese Begriffe als etwas Äußerliches bleiben, wie er aber dasjenige, was er eigentlich sagen will, aus einem mystischen Dunkel und aus einer mystischen Tiefe heraus träumt und dadurch wiederum nach der anderen Seite einseitig wird.

[ 42 ] Man wird sehen an der Anthroposophie, wie sie, indem sie das Tote der westlichen Welt nicht tot sein lässt, nicht einfach als Totes herübernimmt und sich dessen als eines Ausdrucksmittels bedient, sondern indem sie das Tote selber zum Leben erweckt, wie sie dadurch von dem Sterblichen zu dem Unsterblichen hinführt.

[ 42 ] Man wird sehen an der Anthroposophie, wie sie, indem sie das Tote der westlichen Welt nicht tot sein lässt, nicht einfach als Totes herübernimmt und sich dessen als eines Ausdrucksmittels bedient, sondern indem sie das Tote selber zum Leben erweckt, wie sie dadurch von dem Sterblichen zu dem Unsterblichen hinführt.

[ 43 ] Mir scheint, meine sehr verehrten Anwesenden, dass das deutsche Mitteleuropa aus den besonderen Vorbedingungen, die für sein Denken, Fühlen und Wollen vorhanden sind — diese großen Aufschwünge, die in Goethe und denjenigen ans Tageslicht getreten sind, die gewissermaßen als innerhalb des Goetheanismus stehend bezeichnet werden können —, die Aufgabe hat, durch eine Fortleitung in der Richtung dieser Bestrebungen beide Einseitigkeiten zu vermeiden und in der Tat unsere uns an die Erde fesselnde wissenschaftliche Begriffswelt, die nur über den natürlichen Tod in Wahrheit etwas auszusagen hat, heraufzuheben zu einem geistigen Leben, das über die Unsterblichkeit etwas auszusagen hat.

[ 43 ] Mir scheint, meine sehr verehrten Anwesenden, dass das deutsche Mitteleuropa aus den besonderen Vorbedingungen, die für sein Denken, Fühlen und Wollen vorhanden sind — diese großen Aufschwünge, die in Goethe und denjenigen ans Tageslicht getreten sind, die gewissermaßen als innerhalb des Goetheanismus stehend bezeichnet werden können —, die Aufgabe hat, durch eine Fortleitung in der Richtung dieser Bestrebungen beide Einseitigkeiten zu vermeiden und in der Tat unsere uns an die Erde fesselnde wissenschaftliche Begriffswelt, die nur über den natürlichen Tod in Wahrheit etwas auszusagen hat, heraufzuheben zu einem geistigen Leben, das über die Unsterblichkeit etwas auszusagen hat.

[ 44 ] Viele werden einwenden: Diese Wissenschaft, die du als Anthroposophie schilderst, sie schwebt gewissermaßen in der Luft; man steht nicht auf einem sicheren Boden der Tatsache. Meine sehr verehrten Anwesenden! Ich habe heute versucht, Ihnen zu zeigen, wie diese Anthroposophie nur richtig verstanden werden kann, wenn man sie im Zusammenhang mit dem ganzen Weltenwerden und mit der Stellung des Menschen in diesem Weltenwerden betrachtet. Wenn wir auf das Nächste sehen, das uns hier auf der Erde umgibt, wir müssen von allem sagen: Es braucht eine Grundlage, auf der es steht. Wenn wir frei in der Luft schwebend erhalten wollten ein Irdisch-Gewichtiges, es würde hinunterfallen. Dasjenige, was uns als nächste Umgebung umgibt, braucht eine Unterlage; dasjenige, was uns als nächstes Wissen für das Leben zwischen Geburt und Tod umgibt, braucht der Tatsachen der äußeren Sinneswelt und des kombinierenden Verstandes, um geistig eine solche Unterlage zu haben. In demselben Moment, wo wir vom Erdenleben in das Weltenleben hinausschauen, wäre es töricht zu sagen, die Erde braucht eine Unterlage, worauf sie ruht, um in der Welt vorhanden sein zu können.

[ 44 ] Viele werden einwenden: Diese Wissenschaft, die du als Anthroposophie schilderst, sie schwebt gewissermaßen in der Luft; man steht nicht auf einem sicheren Boden der Tatsache. Meine sehr verehrten Anwesenden! Ich habe heute versucht, Ihnen zu zeigen, wie diese Anthroposophie nur richtig verstanden werden kann, wenn man sie im Zusammenhang mit dem ganzen Weltenwerden und mit der Stellung des Menschen in diesem Weltenwerden betrachtet. Wenn wir auf das Nächste sehen, das uns hier auf der Erde umgibt, wir müssen von allem sagen: Es braucht eine Grundlage, auf der es steht. Wenn wir frei in der Luft schwebend erhalten wollten ein Irdisch-Gewichtiges, es würde hinunterfallen. Dasjenige, was uns als nächste Umgebung umgibt, braucht eine Unterlage; dasjenige, was uns als nächstes Wissen für das Leben zwischen Geburt und Tod umgibt, braucht der Tatsachen der äußeren Sinneswelt und des kombinierenden Verstandes, um geistig eine solche Unterlage zu haben. In demselben Moment, wo wir vom Erdenleben in das Weltenleben hinausschauen, wäre es töricht zu sagen, die Erde braucht eine Unterlage, worauf sie ruht, um in der Welt vorhanden sein zu können.

[ 45 ] In der Raumeswelt hat man sich schon gewöhnt, dass der eine Weltenkörper frei den anderen im Gleichgewicht hält durch die Kräfte, die eine solche Unterlage entfalten. Indem die Wissenschaft vom Sterblichen aufsteigt zu der Wissenschaft vom Unsterblichen, muss sie sich klar werden, dass sie im Geistig-Seelischen denselben Gang machen muss desjenigen, was im Sterblichen uns entgegentritt. Für die Erkenntnis braucht sie Unterlagen. Dasjenige, was für die Welt des Unsterblichen uns entgegentritt auf den verschiedenen Gebieten, muss sich selber tragen. Und ehe wir nicht in die Lage kommen, dieses Bild zu begreifen, ehe werden wir nicht begreifen, wie anthroposophische Geisteswissenschaft ihr wirkliches Verhältnis hat zu der äußeren Wissenschaft, die sie nicht leugnet, sondern voll anerkennt. Aber Geisteswissenschaft muss nicht nur anderes erforschen als die gewöhnliche Wissenschaft, sondern sie muss anders forschen und anders reden.

[ 45 ] In der Raumeswelt hat man sich schon gewöhnt, dass der eine Weltenkörper frei den anderen im Gleichgewicht hält durch die Kräfte, die eine solche Unterlage entfalten. Indem die Wissenschaft vom Sterblichen aufsteigt zu der Wissenschaft vom Unsterblichen, muss sie sich klar werden, dass sie im Geistig-Seelischen denselben Gang machen muss desjenigen, was im Sterblichen uns entgegentritt. Für die Erkenntnis braucht sie Unterlagen. Dasjenige, was für die Welt des Unsterblichen uns entgegentritt auf den verschiedenen Gebieten, muss sich selber tragen. Und ehe wir nicht in die Lage kommen, dieses Bild zu begreifen, ehe werden wir nicht begreifen, wie anthroposophische Geisteswissenschaft ihr wirkliches Verhältnis hat zu der äußeren Wissenschaft, die sie nicht leugnet, sondern voll anerkennt. Aber Geisteswissenschaft muss nicht nur anderes erforschen als die gewöhnliche Wissenschaft, sondern sie muss anders forschen und anders reden.

[ 46 ] Das war es, was ich aus dem Wesen dieser Geisteswissenschaft heraus durch die heutige Betrachtung vor Ihre Seele stellen wollte — meine sehr verehrten Anwesenden — und was ich jetzt mit wenigen Worten so zusammenfassen möchte, dass ich sagen möchte: Gerade ein intimeres Betrachten der Stellung von Anthroposophie und Welt bringt uns zu einer ganz besonderen Anschauung über das Verhältnis vom natürlichen Tod und geistigem Leben. Aber wir gewinnen eine solche Einsicht nur, wenn wir erfüllen dasjenige, was Anthroposophie im Grunde genommen uns zuruft aus dem tieferen Weltenwesen selbst heraus, indem sie uns sagt: Mensch, willst du erkennen dasjenige, was unsterblich im Geiste lebt, so belebe erst deine Erkenntniswelt selber. Willst du das Leben im Geiste erfassen, belebe in dir erst deine Erkenntnis. Verstehe, was es heißt, wenn gesprochen wird nicht in toten, sondern in lebendigen Begriffen. Schwinge dich auf von demjenigen, was als Totes Unterlage braucht, zu demjenigen, was als Geistiges frei sich im Geistigen, in den geistigen Welten bewegt, was nicht gebunden ist an dasjenige, was in der Vergänglichkeit webt und west, was in sich selber lebt und was erfasst werden kann, wenn der Mensch gerade die großen, bedeutsamen Gegenpole vor seine Seele stellt: den natürlichen Tod an sich selbst, das geistige Leben, das er fassen kann, wenn er sich freimacht von demjenigen, was an das Vergängliche im irdischen Leben gebunden ist!

[ 46 ] Das war es, was ich aus dem Wesen dieser Geisteswissenschaft heraus durch die heutige Betrachtung vor Ihre Seele stellen wollte — meine sehr verehrten Anwesenden — und was ich jetzt mit wenigen Worten so zusammenfassen möchte, dass ich sagen möchte: Gerade ein intimeres Betrachten der Stellung von Anthroposophie und Welt bringt uns zu einer ganz besonderen Anschauung über das Verhältnis vom natürlichen Tod und geistigem Leben. Aber wir gewinnen eine solche Einsicht nur, wenn wir erfüllen dasjenige, was Anthroposophie im Grunde genommen uns zuruft aus dem tieferen Weltenwesen selbst heraus, indem sie uns sagt: Mensch, willst du erkennen dasjenige, was unsterblich im Geiste lebt, so belebe erst deine Erkenntniswelt selber. Willst du das Leben im Geiste erfassen, belebe in dir erst deine Erkenntnis. Verstehe, was es heißt, wenn gesprochen wird nicht in toten, sondern in lebendigen Begriffen. Schwinge dich auf von demjenigen, was als Totes Unterlage braucht, zu demjenigen, was als Geistiges frei sich im Geistigen, in den geistigen Welten bewegt, was nicht gebunden ist an dasjenige, was in der Vergänglichkeit webt und west, was in sich selber lebt und was erfasst werden kann, wenn der Mensch gerade die großen, bedeutsamen Gegenpole vor seine Seele stellt: den natürlichen Tod an sich selbst, das geistige Leben, das er fassen kann, wenn er sich freimacht von demjenigen, was an das Vergängliche im irdischen Leben gebunden ist!