The Inner Nature and Essence
of the Human Soul
GA 80b
12 February 1922, Stuttgart
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The Inner Nature and Essence of the Human Soul, tr. SOL
5. Natürlicher Tod und geistiges Leben
5. Natural Death and Spiritual Life
[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Die Anthroposophie, welche ich nun schon seit vielen Jahren hier vertreten darf, wird zunächst aus einem ganz bestimmten Grunde befremdend aufgenommen, und zwar darum, weil sie aus ihren besonderen Erkenntnisweisen heraus nicht nur über anderes zu sprechen genötigt ist, als man heute auf wissenschaftlichem Boden gewöhnt ist, sondern weil sie genötigt ist, auch in anderer Art zu sprechen, eine andere Ausdrucksweise zu haben. Dies aber — meine sehr verehrten Anwesenden — führt nicht nur etwa in äußerer, formaler Weise in das Wesen des Anthroposophischen hinein, sondern führt, wie gerade die Betrachtungen des heutigen Abends für einen bestimmten Fall zeigen möchten, tief hinein in das ganze Wesen anthroposophischer Weltauffassung.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! Anthroposophy, which I have had the privilege of representing here for many years now, is initially met with bewilderment for a very specific reason: namely, because, based on its particular methods of knowledge, it is not only compelled to speak of things other than what we are accustomed to on scientific grounds today, but also because it is compelled to speak in a different way, to use a different mode of expression. But this—my esteemed audience—does not merely lead into the essence of anthroposophy in an external, formal way; rather, as this evening’s reflections on a specific case aim to show, it leads deeply into the very essence of the anthroposophical worldview.
[ 2 ] Die Ideen, die Vorstellungen, in denen Anthroposophie aussprechen muss dasjenige, was sie in einer gewissen Art durch sogenannte übersinnliche Erkenntnisse gewinnt, sie haben gegenüber denjenigen Vorstellungen, an die man heute im wissenschaftlichen Leben gewöhnt ist, etwas, man darf wohl sagen, Lebendigeres, etwas, das sich, ohne die wissenschaftliche Grundlage zu verlassen, abhebt in einer gewissen Weise von demjenigen, was nur gebunden ist an die äußere, durch die Sinne wahrnehmbare, durch den Verstand zu erreichende Tatsachenwelt. Von dieser äußeren Tatsachenwelt wendet sich Anthroposophie zu einer anderen Tatsachenwelt hin, und von dieser anderen Tatsachenwelt muss sie eben nicht nur anderes verkünden, als die Sinne zu sehen in der Lage sind, sondern sie muss auch in anderer Art sprechen.
[ 2 ] The ideas and concepts through which anthroposophy must express what it gains, in a certain sense, through so-called supersensible knowledge, have something about them— one might well say, a livelier quality—something that, without departing from the scientific foundation, stands out in a certain way from that which is bound solely to the external world of facts, perceptible through the senses and accessible to the intellect. Anthroposophy turns away from this external world of facts toward another world of facts, and regarding this other world of facts, it must not only proclaim things that go beyond what the senses are capable of perceiving, but it must also speak in a different way.
[ 3 ] Dies kann nun ganz besonders auffallen an jener Tatsache, die des Menschen irdisches Schicksal am allerintensivsten bezeichnet: die Tatsache des Todes. Denn mit der Tatsache des Todes hängen ja zusammen des Menschen Hoffnungen, mit seinem eigenen Wesen über den Tod hinausgehen zu können; mit dem Todesproblem hängt zusammen das Unsterblichkeitsproblem. Und über das Unsterblichkeitsproblem heute zu sprechen, gilt ja als unwissenschaftlich.
[ 3 ] This is particularly evident in the fact that most intensely defines human destiny on earth: the fact of death. For linked to the fact of death are humanity’s hopes of transcending death through its very nature; and linked to the problem of death is the problem of immortality. And to speak of the problem of immortality today is, after all, considered unscientific.
[ 4 ] Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, man muss, wenn man eine so grundlegende Frage, ein so grundlegendes Lebensrätsel ins Auge fasst, man muss gerade dann aufmerksam machen darauf, wie über die verschiedenen Erdengebiete hinüber in der allermannigfaltigsten Weise gerade auch die Art des Denkens sich äußert. Ich möchte sagen: Wir hier, innerhalb der deutschen Welt Mitteleuropas, sind gerade mit solchen Fragen wie eingekeilt zwischen dem Westen und dem Osten. Und ich möchte nur einleitungsweise auf die westliche Art des Denkens und auf die östliche Art des Denkens hinweisen, um dann zu zeigen, wie es vielleicht gerade eben dem deutschen Geiste obliegt, dadurch, dass er die Einseitigkeiten des Westens und des Ostens vermeidet, zu einer höheren Erkenntnis auf diesem Gebiete zu kommen.
[ 4 ] Now—my esteemed audience—when one considers such a fundamental question, such a fundamental mystery of life, one must, precisely at that moment, draw attention to how the very nature of thought manifests itself in the most diverse ways across the various regions of the world. I would like to say: We here, within the German-speaking world of Central Europe, find ourselves caught between the West and the East precisely because of such questions. And I would like, by way of introduction, to point out the Western way of thinking and the Eastern way of thinking, in order to then show how it may well be the task of the German spirit, by avoiding the one-sidedness of both the West and the East, to arrive at a higher understanding in this area.
[ 5 ] Blicken wir nach dem Westen hinüber, so begegnet uns vor allen Dingen ein Denker, welcher auch in tiefgehender Weise seit fast einem Jahrhundert beeinflusst hat das mitteleuropäische und das osteuropäische Denken, ein Denker, der insbesondere auf die naturwissenschaftlichen Begriffe Mitteleuropas mehr Einfluss gewonnen hat, als man sich gewöhnlich bewusst ist. Es ist Herbert Spencer. Er betrachtet das menschliche Leben, und am interessantesten ist es, seine Lebensbetrachtung da anzufassen, wo er sie auf das Erziehungsproblem anwendet. Er frägt: Welches muss das eigentliche Ziel der menschlichen Erziehung sein? Und er kommt darauf — wie gesagt, ich will das nur einleitungsweise erwähnen, nicht ausführen —, er kommt darauf, zu sagen, das eigentliche Ziel der Erziehung müsse sein, richtige Eltern und Erzieher aus allen Menschen zu machen. Nun, dasjenige, was er so als Erziehungsziel hinstellt, mag uns heute vielleicht weniger interessieren, wohl aber der Grund, warum er gerade dieses Erziehungsziel als das seinige anerkennt. Er sagt: Die menschliche Entwicklung findet einen gewissen Abschluss in dem Augenblick, wo der Mensch fortpflanzungsfähig wird, wo der Mensch also eintritt in die Geschlechtsreife. Und wenn nun die Kraft, seinesgleichen hervorzubringen, das Höchste ist, das der Mensch im Lebenslaufe erreichen kann, so muss auch das höchste Ziel der Erziehung dieses sein, diese Nachkommen in der entsprechenden Weise zu erziehen und zu unterrichten. Und mehr aus dem ganzen Zusammenhang als aus dieser einzelnen Behauptung geht bei diesem westlichen Denker hervor, dass er eigentlich ein sicheres erkenntnismäßiges Betrachten des Menschen nur darinnen sieht, die natürlichen Vorgänge bis zu ihrem Gipfel, bis zur Hervorbringung des Gleichen zu verfolgen, dass er gewissermaßen alles dasjenige, was dann der Mensch gerade am bedeutsamsten anzustreben hat, nachdem er die Geschlechtsreife erreicht hat, dass er alle sogenannte geistige Entwicklung nur wie eine Art Überbau, nur wie eine Art Anhängsel, könnte man fast sagen, an die sichere natürliche Grundlage der enschenentwicklung ansieht.
[ 5 ] When we look westward, we encounter, above all, a thinker who has profoundly influenced Central and Eastern European thought for nearly a century—a thinker who has exerted more influence on the scientific concepts of Central Europe, in particular, than is generally realized. That person is Herbert Spencer. He contemplates human life, and it is most interesting to examine his view of life where he applies it to the problem of education. He asks: What must be the true goal of human education? And he concludes—as I said, I only want to mention this by way of introduction, not elaborate on it—he concludes by saying that the true goal of education must be to make proper parents and educators out of all people. Now, what he presents as the goal of education may perhaps interest us less today, but the reason why he recognizes precisely this educational goal as his own certainly does. He says: Human development reaches a certain conclusion at the moment when a person becomes capable of procreation—that is, when a person enters sexual maturity. And if the power to produce one’s own kind is the highest achievement a person can attain in the course of life, then the highest goal of education must also be to raise and instruct these offspring in the appropriate manner. And it is evident from the overall context—more so than from this single assertion—that this Western thinker actually sees a reliable, epistemological understanding of humanity only in tracing natural processes to their pinnacle, to the production of one’s own kind; that, in a sense, he regards everything that a human being then has to strive for most significantly, once he has reached sexual maturity, and that he regards all so-called intellectual development merely as a kind of superstructure, merely as a kind of appendage—one might almost say—to the secure natural foundation of human development.
[ 6 ] Nun ist es außerordentlich interessant, diesem im eminentesten Sinne westlichen Denker gegenüberzustellen einen östlichen Denker: Wladimir Solowjow, den bedeutsamsten russischen Denker der neuesten Zeit, der sein Leben in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts verbracht hat, es mit dem Ende des verflossenen Jahrhunderts auch beschlossen hat, dessen bedeutendste Werke also durchaus noch in die Gegenwart geschichtlich hineinreichen. Aus ganz anderem Geist, aus ganz anderen seelischen Untergründen hören wir diesen östlichen Denker sprechen; indem — man möchte sagen —, trotzdem er sich ganz in westlichen und mitteleuropäischen Gedankenformen ausdrückt, der ganze Orient noch gemüts- und gefühlsmäßig nachklingt, der überall dasjenige, was er zu sagen hat, in einer warmen, tief innigen Weise nuanciert.
[ 6 ] Now it is extraordinarily interesting to contrast this thinker—who is Western in the most eminent sense—with an Eastern thinker: Vladimir Soloviev, the most significant Russian thinker of recent times, who lived during the second half of the nineteenth century, whose life came to an end with the close of that century, and whose most significant works thus still extend historically into the present. We hear this Eastern thinker speak from a completely different spirit, from entirely different spiritual depths; for—one might say—even though he expresses himself entirely in Western and Central European forms of thought, the entire Orient still resonates in his mood and feelings, nuancing everything he has to say in a warm, deeply heartfelt way.
[ 7 ] Solowjow spricht nun auch über den menschlichen Lebenslauf. Und er sagt: Zwei Ziele müsse der Mensch haben im Leben. Das eine Ziel könne nur sein das Erstreben der Vollkommenheit durch immer weiteres und weiteres Vorrücken in der Erkenntnis der Wahrheit, das andere aber müsse sein, sich einzuleben in dasjenige, was dem Menschen die Unsterblichkeit gibt. Man möchte jetzt sagen: Nicht aus abstrakten Begriffen heraus, sondern aus dem Vollmenschlichen heraus redet Solowjow weiter, indem er sagt: Das Leben, das sich nur vervollkommnen würde in der Wahrheit, es wäre sinnlos, wenn ihm nicht die Unsterblichkeit zur Seite stünde, denn ohne die Unsterblichkeit wäre das Streben nach Wahrheit, nach Vollkommenheit in der Wahrheit, sinnlos, ein einfaches Verglimmen, ein Vergehen des Wesenhaften; das Nach-Wahrheit-Streben wäre sinnlos. Und eine Unsterblichkeit ohne das Streben nach Wahrheit wäre ebenso sinnlos; das Leben wäre ein Weltbetrug, ohne dass dem Wahrheitsstreben die Tatsache der Unsterblichkeit zur Seite stünde. Und aus solchen Gedankenuntergründen heraus spricht Solowjow scharf gerade gegen dasjenige — nicht Herbert Spencer bei dieser Gelegenheit erwähnend, aber dasjenige besprechend —, was Herbert Spencer als Ziel hinsetzt der Menschheitsentwicklung. Er sagt: Man nehme nur einmal an, dass diese Menschheitsentwicklung lediglich darinnen bestehen würde, dass die einzelnen Generationen weitere Generationen hervorbrächten, also das Gleiche immer das Gleiche; ein abrollendes Rad dieser Art wäre das Sinnloseste, was zu denken wäre.
[ 7 ] Soloviev now also speaks about the human life journey. And he says: A person must have two goals in life. One goal can only be the pursuit of perfection through ever-greater progress in the knowledge of truth, but the other must be to become attuned to that which grants a person immortality. One might now say: Soloviev continues to speak not from abstract concepts, but from the very essence of humanity, when he says: A life that were to be perfected solely in truth would be meaningless if it were not accompanied by immortality, for without immortality, the pursuit of truth—the pursuit of perfection in truth—would be meaningless, a mere fading away, a passing of the essential; the pursuit of truth would be meaningless. And immortality without the pursuit of truth would be just as meaningless; life would be a universal deception if the pursuit of truth were not supported by the reality of immortality. And drawing on these underlying thoughts, Soloviev speaks out sharply against precisely that—without mentioning Herbert Spencer on this occasion, but discussing it nonetheless—which Herbert Spencer sets as the goal of human development. He says: Let us just suppose for a moment that this human development consisted solely in individual generations producing further generations—that is, the same thing over and over again; a rolling wheel of this kind would be the most senseless thing one could imagine.
[ 8 ] Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, wenn man tiefer eingeht auf dasjenige, was den beiden völlig entgegengesetzten Anschauungen zugrunde liegt, so findet man ein ganz verschiedenartiges Hineinleben in das Seelenleben. Man findet bei Herbert Spencer eine restlose Bekanntschaft mit denjenigen Begriffen, die sich als wissenschaftliche Begriffe in den letzten Jahrhunderten in der Menschheitsentwicklung heraufgebildet haben, und man findet bei ihm die Anschauung, dass Wahrheit, dass Erkenntnis nur errungen werden kann mit solchen Begriffen. Man findet bei Solowjow, dass er zwar ganz und gar sich ausspricht in denselben Begriffswelten, in denen auch der westliche Denker sich ausspricht, man findet bei ihm aber zugleich, dass er aus etwas im Menschen heraus redet, das in diesen Begriffen nicht aufgeht, das sich dieser Begriffe gewissermaßen nur wie einer Sprache bedient. Und man hat das Gefühl: Alte Zeiten menschlicher Kulturentwicklung, alte Zeiten menschlichen Denkens leben mit einer religiös gefärbten Weltanschauung in Wladimir Solowjow, in dem Denker des Ostens, sich herauf, und ein Tieferes in der Menschennatur spricht, als dasjenige ist, das in den äußeren, sinnengemäßen und verstandesmäßigen Vorstellungen sich aussprechen kann.
[ 8 ] Now—my esteemed audience—if one delves more deeply into what underlies these two completely opposing views, one finds a very different approach to the inner life of the soul. In Herbert Spencer, one finds a thorough familiarity with the concepts that have emerged as scientific concepts in the course of human development over the past few centuries, and one finds in him the view that truth and knowledge can be attained only through such concepts. In Soloviev, one finds that although he expresses himself entirely within the same conceptual frameworks as Western thinkers, one also finds that he speaks from something within the human being that is not subsumed by these concepts—that, in a sense, merely makes use of these concepts as a language. And one has the feeling that ancient times of human cultural development, ancient times of human thought, come to life in Vladimir Soloviev—the thinker of the East—through a religiously colored worldview, and that something deeper in human nature speaks than that which can be expressed in external, sensory, and rational concepts.
[ 9 ] Aber während wir bei Spencer wohl, ich möchte sagen die streng geschürzte Logik finden, während man bei ihm im Elemente einer gewissen Sicherheit der Begriffe und Ideen sich bewegt, wenn man ihm nachdenkt, findet man bei Solowjow, wie zugrunde liegt etwas, das sich nicht in der gleichen Sicherheit festhalten lässt; man findet bei ihm etwas, welches das Sich-Hinausschwingen über die Begriffswelt der alten Denker, der alten Streber nach Weltanschauung, wiederum erneuern will. Und man fühlt sich in der neueren Zeit, gerade wenn man über die tiefsten Rätsel des Menschendaseins spricht, zwischen diese beiden Welten hineingestellt. Vielleicht aber darf man sagen: Es ist das Geschick Mitteleuropas, die beiden Einseitigkeiten in der Entwicklungsweise zu beobachten und einen Weg, der über beide hinausgeht, zu suchen, der dann hineinführt in eine wirkliche übersinnliche Welt, in der das Problem des Todes auf der einen Seite, dasjenige der Unsterblichkeit auf der anderen Seite wirklich in einer befriedigenden Weise vor die menschliche Seele treten kann. Diesen Weg — meine sehr verehrten Anwesenden — versucht anthroposophische Forschungsweise.
[ 9 ] But while in Spencer we find—I would say—a rigorously structured logic, and while reflecting on his work one moves within the realm of a certain certainty of concepts and ideas, in Soloviev one finds, as an underlying foundation, something that cannot be held fast with the same certainty; one finds in him something that seeks to renew the act of soaring beyond the conceptual world of the ancient thinkers, the ancient seekers of a worldview. And in modern times, especially when discussing the deepest mysteries of human existence, one feels placed between these two worlds. But perhaps one may say: It is the destiny of Central Europe to observe these two one-sided approaches in the course of development and to seek a path that transcends both, a path that then leads into a truly supersensible world, in which the problem of death on the one hand and that of immortality on the other can truly present themselves to the human soul in a satisfying way. This path—my esteemed audience—is what the anthroposophical method of research seeks to pursue.
[ 10 ] Anthroposophische Forschungsweise kann weder stehen bleiben bei der westlichen Begriffswelt noch bei jener Welt, die sich, ich möchte sagen äußerlich nur der Begriffe wie einer Sprache bedient, die aber aus einem mehr oder weniger mystischen Dunkel, das gerade das orientalische Wesen charakterisiert, schöpft. Anthroposophische Forschungsweise muss auf der einen Seite es vermeiden, in dieses mystische Dunkel sich hinein zu verlieren, auf der anderen Seite muss sie versuchen, dasjenige, was den bloß in Begriffen lebenden Menschen immerzu nur innerhalb der Sinneswelt halten will, auch zu überwinden. Das aber kann sich ganz besonders zeigen, wenn man zunächst äußerlich ins Auge fasst eben dasjenige, was sich als das intensivste Schicksalsmäßige in das menschliche Leben hineinstellt, wenn man ins Auge fasst den Tod, um dann aufzusteigen auch in der Erkenntnis von der Erfassung des Todes zu der Erfassung der Unsterblichkeit.
[ 10 ] The anthroposophical method of research can neither remain confined to the Western conceptual framework nor to that world which—I would say—externally makes use only of concepts, much like a language, but which draws from a more or less mystical obscurity that characterizes the very essence of the East. On the one hand, the anthroposophical method of research must avoid losing itself in this mystical obscurity; on the other hand, it must strive to overcome that which seeks to confine the human being—who lives solely within concepts—permanently within the sensory world. This becomes particularly evident when one first considers, from an external perspective, precisely that which presents itself as the most intense element of fate in human life—when one considers death—in order then to ascend, through the understanding gained from the experience of death, to an understanding of immortality.
[ 11 ] Der Tod, er tritt uns innerhalb der Natur selbst, der der Mensch ja mit einer Seite seines Wesens angehört, als das große Rätsel des Daseins entgegen. Und könnte man ihn erkenntnismäßig anknüpfen auf der einen Seite an dasjenige, was als das Ziel des menschlichen Lebenslaufes Herbert Spencer hinstellt — die Erzeugung des Gleichen —, könnte man ihn anknüpfen auf der anderen Seite an dasjenige, wofür nun einen nicht-logischen, sondern einen rein menschheitlichen Appell Wladimir Solowjow richtet an die Unsterblichkeit, dann würde man der menschlichen Erkenntnis erst denjenigen Abschluss geben, welcher sie von einem bloßen, die äußere Welt beherrschenden Faktor zu einem solchen macht, der nun auch das Innerliche des Menschen mit Sicherheit und mit einem festen Halt durch das Leben tragen kann.
[ 11 ] Death confronts us within nature itself—to which human beings, after all, belong with one aspect of their being—as the great mystery of existence. And if, on the one hand, one could intellectually link it to what Herbert Spencer presents as the goal of the human life course—the production of the like—and, on the other hand, link it to that for which one cannot -logical but a purely human appeal—Vladimir Soloviev directs toward immortality—then one would finally provide human knowledge with the kind of conclusion that transforms it from a mere factor dominating the external world into one that can now also carry the inner self of human beings through life with certainty and a firm foundation.
[ 12 ] Sehen wir doch hin — meine sehr verehrten Anwesenden —, wie sich der Tod im natürlichen Dasein gerade des Menschen äußert; und ich bemerke ausdrücklich: Ich werde heute nur sprechen über den menschlichen Tod, nicht über die Arten des Todes, wie wir sie etwa verfolgen können in der Tierwelt und sogar bis in die Pflanzenwelt hinunter. Innerhalb der Menschenwelt — wie tritt uns der Tod entgegen? Er schließt sich in einem gewissen Sinne zusammen in einen einzigen Augenblick — eben in den Augenblick des Lebensabschlusses —, und das macht ihn so rätselhaft. Wir durchleben unser Leben, wir erfreuen uns dieses unseres Lebens, genießen es, wenden es an im äußeren Menschheits- und Weltengebiete, und werden uns in diesem Erleben des Daseins zunächst des Todes unmittelbar nicht bewusst, sondern nur bewusst eben wie eines Rätsels über eine Tatsache, dass dieses Leben, wie wir es alltäglich leben, eben beschließt.
[ 12 ] Let us consider—my esteemed audience—how death manifests itself in the natural existence of human beings in particular; and I would like to emphasize: Today I will speak only of human death, not of the various forms of death that we might observe in the animal kingdom or even down to the plant kingdom. Within the human realm—how does death confront us? In a certain sense, it is condensed into a single moment—namely, the moment when life comes to an end—and that is what makes it so enigmatic. We live out our lives, we take delight in this life of ours, enjoy it, apply it in the outer realms of humanity and the world, and in this experience of existence we are not initially directly aware of death, but are only aware of it as a mystery surrounding the fact that this life, as we live it day to day, simply comes to an end.
[ 13 ] Wenn man nun diese Einzeltatsache des Lebens vor seine Seele hinstellt, was findet man denn da eigentlich? Der Mensch lässt zurück von seinem Leben in der physischen Welt dasjenige, was wir Leichnam nennen. Die Stoffe, die Kräfte, sie sind in diesem Leichnam in einem gewissen Zusammenhange; sie sind, wenn der Mensch als physisches Wesen Leichnam geworden ist, in einem solchen Zusammenhange, in dem sie nicht bleiben können, aus dem sie heraustreten müssen, und zwar heraustreten müssen durch dieselben Kräfte, durch dieselben Naturgesetze, die wir äußerlich mit unseren Sinnen und mit unserem Verstande in aller Welt finden, in die wir sinnengemäß hineingestellt sind. Man muss sagen: In einem gewissen Sinne wird der menschliche Stoff- und Kräftezusammenhang mit dem Eintritt des Todes übernommen von derjenigen Welt, aus der wir eigentlich von der Geburt bis zum Tode unsere Erkenntnisse, sofern sie Sinnes- und Verstandeserkenntnisse sind, schöpfen.
[ 13 ] When one now places this single fact of life before one’s soul, what does one actually find there? Human beings leave behind from their life in the physical world that which we call the corpse. The substances and forces are arranged in a certain configuration within this corpse; once the human being, as a physical being, has become a corpse, they exist in a relationship from which they cannot remain, from which they must emerge—and indeed must emerge through the very same forces, through the very same laws of nature that we find externally with our senses and our intellect throughout the world in which we are placed as sensory beings. One must say: In a certain sense, upon the onset of death, the human interplay of matter and forces is taken over by that world from which we actually draw our knowledge—insofar as it is knowledge derived from the senses and the intellect—from birth to death.
[ 14 ] Und worinnen besteht eigentlich dasjenige, was diese äußere Welt mit dem menschlichen Leichnam macht? Es besteht darin, dass sie diesen menschlichen Leichnam auflöst, dass sie seine Form zerstört, dass sie — mit anderen Worten — ihn übergehen lässt aus dem individuellen Dasein, in das er zusammengeschlossen war von der Geburt bis zum Tode, in ein allgemeines physisches Weltendasein. Wir blicken hin auf dieses physische Weltendasein, müssen es zunächst nennen: «Abschluss des Lebens», müssen uns gestehen, wenn wir die Prozesse verfolgen, welche der menschliche Leichnam durchmacht von dem Eintritt des Todes weiterhin, bis er im Weltenlaufe gänzlich aufgelöst ist, es sind Prozesse, welche durchaus ungleich sind denjenigen, die sich — wenn auch zunächst der menschlichen Erkenntnis unbekannt — doch mit aller Deutlichkeit abspielen bis zum Tode hin. Denn sobald der Tod eintritt, sobald die äußeren Weltenkräfte den menschlichen Leichnam übernehmen, gehen seine Bestandteile, seine Kräfte andere Wege zunächst für das äußere Sinnesdasein, als sie gegangen sind zwischen Geburt und Tod.
[ 14 ] And what, exactly, does this external world do to the human body? It consists in the fact that it dissolves this human body, that it destroys its form, that—in other words—it causes it to pass from the individual existence in which it was bound from birth to death into a general physical existence in the world. We look at this physical existence in the world and must first call it: “the end of life”; we must admit, as we observe the processes the human corpse undergoes from the moment of death onward until it is completely dissolved in the course of the world, that these processes are entirely unlike those which—though initially unknown to human cognition—nevertheless unfold with the utmost clarity up until death. For as soon as death occurs, as soon as the outer forces of the world take over the human body, its constituents and forces take paths that are, at first, different from those they followed between birth and death, at least as far as outer sensory existence is concerned.
[ 15 ] Zwischen Geburt und Tod werden sie zusammengehalten durch ein Etwas, mag man dieses Etwas nun als das oder jenes auffassen, man mag es vielleicht sogar leugnen und alles dasjenige, was vorliegt, hinschieben in einen bloßen, anderen Zusammenhang während des Lebens, als derjenige ist nach dem Tod, aber man muss wenigstens diesen Zusammenhang einen anderen nennen. Und so stellt sich auf der einen Seite hin der menschliche physische Leib nach dem Tode, aufgenommen von den allgemeinen Naturkräften, auf der anderen Seite dieser selbe menschliche Leib, entrückt der allgemeinen Auflösung, immer wieder und wiederum sich erneuernd von der Geburt bis zum Tode, sich in seiner individuellen Gestaltung erhaltend. Der Kontrast, der polarische Gegensatz ist zunächst ein großer, und fragen muss es sich: Wie kann Erkenntnis mit diesem polarischen Gegensatz zurechtkommen?
[ 15 ] Between birth and death, they are held together by something; one may conceive of this something as this or that; one might even deny it and attribute everything that exists to a mere, different context during life than the one that exists after death, but one must at least call this context something else. And so, on the one hand, there stands the human physical body after death, absorbed by the general forces of nature; on the other hand, there stands this very same human body, removed from general dissolution, renewing itself again and again from birth to death, preserving itself in its individual form. The contrast, the polar opposition, is initially a great one, and the question must be asked: How can knowledge come to terms with this polar opposition?
[ 16 ] Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, sie wird nie zurechtkommen, wenn sie nicht appelliert an dasjenige, was anthroposophische Forschung in das wissenschaftliche Leben einführen will dasjenige, was ich in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» als einen Weg zu kennzeichnen versucht habe, der über die bloße sinnliche und über die Verstandes-Erkenntnis hinausführt, dadurch, dass sich der Mensch bewusst wird gewisser tieferer, in der Menschenseele vorhandener Erkenntniskräfte, die nur vom gewöhnlichen Bewusstsein nicht angewendet werden. Diese Kräfte sind immer in der menschlichen Seele da. Das gewöhnliche Bewusstsein lässt sie im Unbewussten liegen, der höhere Erkenntnisweg holt sie durch Meditation, durch Konzentration herauf; er gibt sich gewissen Übungen, intimen Seelenübungen, hin, durch die er das Denken, das Fühlen, das Wollen verstärkt, in der Seele dadurch intensivere Erlebnisse hervorruft für dieses Seelenleben, als die gewöhnlichen sind, dadurch sich aber auch hinausschwingt über dasjenige, was die gewöhnliche Erkenntnis leisten kann.
[ 16 ] Now—my esteemed audience—it will never succeed unless it draws upon that which anthroposophical research seeks to introduce into scientific life—that which I have attempted to describe in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* as a path that leads beyond mere sensory and intellectual knowledge, by making the human being aware of certain deeper powers of cognition present in the human soul, which are simply not utilized by ordinary consciousness. These powers are always present in the human soul. Ordinary consciousness leaves them in the unconscious; the higher path of knowledge brings them to the surface through meditation and concentration; it devotes itself to certain exercises—intimate exercises of the soul—through which it strengthens thinking, feeling, and willing, thereby evoking in the soul more intense experiences of this inner life than are ordinary, and thereby also transcends what ordinary cognition can achieve.
[ 17 ] Ich kann heute nicht eingehen auf eine Charakteristik dieses besonderen Weges, die ich ja öfter hier gegeben habe. Andeutungsweise wird das in meinem Vortrage am nächsten Dienstag hier in Stuttgart geschehen. Heute will ich nur darauf hinweisen, dass dieser Weg ja darin besteht, dass Kräfte der Seele, die jeder Mensch auf dem Grunde seiner Seele hat, heraufgehoben werden durch Meditation, durch Konzentration des Seelenlebens, heraufgehoben werden und angewendet werden auf die Welt.
[ 17 ] I cannot go into detail today about the nature of this particular path, which I have, after all, described here on several occasions. I will touch on this briefly in my lecture next Tuesday here in Stuttgart. Today I simply want to point out that this path consists in bringing to the surface—through meditation and the concentration of the soul’s life—the spiritual forces that every human being possesses at the very core of their soul, and applying them to the world.
[ 18 ] Und was tritt dadurch ein? Dadurch — meine sehr verehrten Anwesenden — tritt zu den beiden Bewusstseinszuständen, in denen der Mensch wechselt im gewöhnlichen Leben, ein dritter hinzu. Die beiden Bewusstseinszustände, die ich meine, sind derjenige, den wir vom Morgen bis zum Abend haben, der unser gewöhnliches Seelenleben umschließt, der auch alles dasjenige umschließt, was die äußere Wissenschaft für zugänglich ansieht — es ist eben der Zustand des Wachens; der andere Bewusstseinszustand kann eigentlich nicht einmal im richtigen Sinne ein Bewusstseinszustand zunächst genannt werden — es ist der Zustand des Schlafes. Aber aus diesem Zustande heraus taucht auf das merkwürdige Leben des menschlichen Träumens — jenes menschlichen Träumens, das vielleicht in abergläubischer Weise von dem einen hingenommen wird, das von dem anderen zunächst angestaunt wird, von einem Dritten als etwas Rätselhaft-Unbekanntes betrachtet wird, das aber doch sehr viele Leute darauf aufmerksam macht, dass ja vielleicht die Hinlenkung des Seelenblickes gerade auf dieses Herauftauchen der Traumwellen aus den tiefen Meeresuntergründen des menschlichen Seelenlebens für die Erkenntnis des Gesamtlebens eine besondere Wichtigkeit haben könnte. Gewiss kann Anthroposophie nicht das Geringste zu tun haben mit irgendwelchem Traumes-Aberglauben, aber sie muss, wenn sie zwar nicht irgendwelche Erkenntnis aus dem Traumleben hervorholt — das liegt ihr ganz ferne —, doch hinweisen als auf etwas tief Rätselvolles und für das Leben Wichtiges in der Traumwelt. Sie muss doch Folgendes sagen zu ihrer Rechtfertigung.
[ 18 ] And what happens as a result? As a result—my esteemed audience—a third state of consciousness is added to the two states of consciousness between which a person alternates in ordinary life. The two states of consciousness I am referring to are the one we experience from morning to night, which encompasses our ordinary inner life and also encompasses everything that external science considers accessible—it is, in fact, the waking state; the other state of consciousness cannot, strictly speaking, even be called a state of consciousness at first—it is the state of sleep. But out of this state emerges the wondrous life of human dreaming—that human dreaming which is perhaps accepted by some in a superstitious manner, marveled at by others at first, and regarded by a third group as something mysterious unknown—but which nevertheless draws the attention of many people to the fact that perhaps directing the soul’s gaze precisely toward this emergence of dream waves from the deep oceanic depths of human soul life could be of particular importance for the understanding of life as a whole. Certainly, anthroposophy cannot have the slightest connection with any kind of superstition about dreams, but while it does not derive any knowledge from dream life—that is entirely foreign to it—it must nevertheless point to the dream world as something deeply mysterious and important for life. It must, after all, say the following in its defense.
[ 19 ] Ist denn nicht dasjenige, dem sich die gewöhnliche Erkenntnis hingibt, auch etwas Lebensabgewandtes, wenn wir uns in der gewöhnlichen robusten Weise dem Leben hingeben, wenn wir vom Morgen bis zum Abend nur unter Anstrengung unseres physischen Leibes in der Welt unser Dasein hinleben? Es kann dadurch nicht dasjenige zustande kommen, was wir auch im gewöhnlichen Leben Erkenntnis nennen. Die feineren Begriffe, die intimeren Zusammenhänge über die Welt, die durch die Erkenntnis gesucht werden, sie [hängen] ab — zunächst in formeller Weise ab — von der äußeren, robusten Art des Lebens. Man muss sich gewissermaßen an einen Ort des Daseins zurückziehen im Erkennen, der abseits von dem äußeren Leben liegt. Und dennoch, man muss zugeben, dass durch dasjenige, das man an diesem abseitigen Orte in inniger Weise erkundet, indem man beobachtet, experimentiert, und dadurch auch mit der Beobachtung, mit dem Experiment aus dem gewöhnlichen Daseinslaufe hinweggeht, dass dadurch gerade Licht in das Leben hineinkommt; dass also Licht in das Leben hineinkommt von etwas, das sich vom Leben zurückzieht. Könnte es denn nicht auch so sein, dass zwar die rätselvolle Traumeswelt zunächst für das äußere, robuste Leben bedeutungslos wäre, dass sie aber gerade in ihrer Abseitigkeit, und zwar in einer Abseitigkeit in einem höheren Sinne als es die gewöhnliche Erkenntnis ist, dass sie gerade dadurch auf das Leben in seinem Wesen hinweise?
[ 19 ] Is not that to which ordinary cognition is devoted also something turned away from life, when we devote ourselves to life in the usual, robust way, when from morning to evening we simply live out our existence in the world through the exertion of our physical bodies? This cannot give rise to what we call “knowledge” even in ordinary life. The finer concepts, the more intimate connections regarding the world that are sought through knowledge, depend—at least in a formal sense—on the external, robust way of life. In a sense, one must withdraw to a place of existence in the process of cognition that lies apart from external life. And yet, one must admit that through what one explores intimately in this secluded place—by observing, experimenting, and thereby also stepping away from the ordinary course of life through observation and experimentation—light actually enters into life; that is, light enters into life from something that withdraws from life. Could it not also be the case that, although the enigmatic world of dreams might at first seem meaningless to outward, robust life, it is precisely in its remoteness—and indeed in a remoteness in a higher sense than ordinary cognition—that it points to the very essence of life?
[ 20 ] Und in der Tat, diese Traumeswelt, dasjenige, was aus der Zeit, die wir zubringen zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, in das Wachbewusstsein hinüberklingt und herüberschwingt, das enthält etwas, das in der Tat weiter ausgebildet werden kann. Und diese weitere Ausbildung geschieht eben gerade durch die höhere Erkenntnis des Menschen, durch die Erringung eines dritten Bewusstseinszustandes. Durch Verstärkung von Denken, Fühlen und Wollen wird etwas erreicht, was auf der einen Seite ähnlich ist der Schlafenswelt, aus der das Träumen heraufflutet, und auf der anderen Seite wieder völlig entgegengesetzt ist. Wenn wir sagen, wir schlafen ein, lassen wir aus der Schlafenswelt den Traum heraufklingen; so müssen wir sagen: In der Welt des übersinnlichen Bewusstseins, in welche die anthroposophische Forschung eindringen will, da findet nun nicht ein Einschlafen, sondern im Gegenteil ein höheres Aufwachen statt. Es findet statt ein Erleben in einer Welt, die ähnlich und wieder ganz verschieden von der Traumeswelt ist; ähnlich insoferne, als dass sie, wenn wir mit der Traumeswelt, die ja in Augenblicken, sagen wir, des Aufwachens an uns vorüberhuscht, wenn wir mit ihr untertauchen in das volle physisch-leibliche Leben, aufhört, sogleich demjenigen Leben weicht, das die willensdurchflossenen Gedanken durchsetzt. Dasjenige Leben im Bewusstsein, das in der angedeuteten Art erreicht wird, kann ebenso aufhören und muss ebenso aufhören, wenn es untertaucht in die gewöhnliche menschliche Leiblichkeit. So wie der Traum verglimmt, so hört das höhere Bewusstsein auf, wenn es in die Leiblichkeit untertaucht. Dieses Aufwachen, dieses höhere Erwecktsein, wenn ich mich des viel umstrittenen Ausdrucks bedienen darf, das schwebt, ich möchte sagen in einer ebensolchen Leichtigkeit, wie die Traumeswelt ist — aber auf der anderen Seite ihr deshalb entgegengesetzt, weil es in ebenso strengem Sinne durchsetzt ist von den sicheren Gedanken wie das wache Tageserkennen.
[ 20 ] And indeed, this dream world—that which resonates and carries over into waking consciousness from the time we spend between falling asleep and waking up—contains something that can indeed be further developed. And this further development occurs precisely through the higher knowledge of the human being, through the attainment of a third state of consciousness. By strengthening thinking, feeling, and willing, we achieve something that, on the one hand, is similar to the world of sleep from which dreaming wells up, and on the other hand, is completely opposite to it. When we say we fall asleep, we allow the dream to well up from the world of sleep; thus we must say: In the world of supersensible consciousness, into which anthroposophical research seeks to penetrate, there is not a falling asleep, but on the contrary, a higher awakening. What takes place is an experience in a world that is similar to—and yet entirely different from—the world of dreams; similar insofar as, when we immerse ourselves in full physical-bodily life—and the dream world, which, after all, flits past us in moments, let us say, of waking—ceases, it immediately gives way to that life permeated by will-infused thoughts. That life of consciousness, attained in the manner described, can just as easily cease—and must just as easily cease—when it is immersed in ordinary human physicality. Just as the dream fades away, so does the higher consciousness cease when it is immersed in physicality. This awakening, this higher state of alertness—if I may use the much-debated term—hovers, I would say, with a lightness just like that of the dream world—yet is, on the other hand, its opposite because it is permeated, in an equally rigorous sense, by certain thoughts, just as waking daytime perception is.
[ 21 ] So besteht anthroposophische Forschung in einem Vorrücken zu einer Erkenntnis, die mit einer Leichtigkeit erlebt wird wie der Traum, die aber zu gleicher Zeit in einer Festigkeit erfahren wird wie nur irgendwie das Logische in dem Erkenntniszusammenhange. Aber das eine ist bei beiden der Fall. Wird man sich aus dem einen oder aus dem anderen Bewusstseinsgebiete des Vollzusammenhanges mit seiner Leiblichkeit bewusst, dann tritt das eine wie das andere in einer solchen Form auf, dass der Traum ausgelöscht wird durch das wache Tagesleben, höchstens als Erinnerung zurückbleiben kann, aber als Erinnerung sich eben dem wachen Tagesleben eingliedert, der Inhalt der höheren Erkenntnis aber zwar nicht ausgelöscht wird, aber sich neben das gewöhnliche Tageserkennen hinstellt, so hinstellt, dass er aber deutlich sich von ihm abhebt, sodass der Mensch dann wie mit zwei Persönlichkeiten sein eigenes Dasein erleben kann, die eine durch die andere kontrollieren kann, beleuchten kann dasjenige, was er im gewöhnlichen Bewusstsein im Wachzustande vom Morgen bis zum Abend hat, mit der höheren Erkenntnis, die er errungen hat, die höhere Erkenntnis wiederum kontrollieren kann durch sein gewöhnliches logisches Denken, um zu erfahren, wie sie sich mit demjenigen, was in der Sinneswelt erfahren werden kann, verträgt. Es ist ein rein seelisch-geistiges Erleben, in das uns diese höhere Erkenntnis versetzt, es ist ein seelisch-geistiges Erleben voller Inhalt, voller innerer Wirklichkeit. Geradeso wie man im gewöhnlichen Sinnesleben zu unterscheiden vermag irgendetwas bloß phantastisch Ausgedachtes von der Wirklichkeit im Leben selber, wie man unterscheiden kann die bloße Vorstellung des heißen Eisens von dem wirklichen heißen Eisen, das man berührt durch das Leben selber, so kann man unterscheiden etwas bloß phantastisch Vorgestelltes von demjenigen, was in höherer Erkenntnis wirklich angeschaut wird, was unmittelbar erlebt wird.
[ 21 ] Thus, anthroposophical research consists of an advance toward a form of knowledge that is experienced with a lightness akin to a dream, yet at the same time is experienced with a firmness that is in some way comparable to the logical within the context of knowledge. But both aspects are present in both cases. When one becomes aware, from one or the other realm of consciousness, of the full connection with one’s physicality, then both appear in such a way that the dream is erased by waking daily life, remaining at most as a memory, but as a memory it becomes integrated into waking daily life; the content of the higher insight, however, is not erased, but stands alongside ordinary daily cognition—standing in such a way that it clearly stands out from it—so that a person can then experience their own existence as if with two personalities, one of which can control the other, can illuminate what they experience in ordinary waking consciousness from morning to evening with the higher knowledge they have attained, and in turn can examine that higher knowledge through their ordinary logical thinking to determine how it harmonizes with what can be experienced in the sensory world. This higher insight transports us into a purely soul-spiritual experience; it is a soul-spiritual experience full of content, full of inner reality. Just as in ordinary sensory life one is able to distinguish something merely imagined from reality in life itself—just as one can distinguish the mere idea of hot iron from the actual hot iron one touches through life itself—so too can one distinguish something merely imagined from that which is truly beheld in higher knowledge, that which is directly experienced.
[ 22 ] Aber diese Wirklichkeit, sie tritt dem Menschen so entgegen, dass sie den vollen Gegensatz ausmacht zu demjenigen, was uns im natürlichen Tode entgegentritt. Im natürlichen Tode — wir haben es gesehen — tritt uns das entgegen, dass der menschliche Leib in Anspruch genommen wird von den allgemeinen, natürlichen Weltengesetzen, die ihn auflösen, die ihm seine Form nehmen, die ihn übergehen lassen in ihr allgemeines Dasein. In der höheren Erkenntnis macht sich das Seelenleben kraftvoller, durchdringt sich mit rein seelisch-geistiger Wirklichkeit, erfasst sich in rein seelisch-geistiger Wirklichkeit. Aber es fließt nicht, wie der menschliche Leib nach dem Tode in die allgemeinen Naturgesetze ausfließt, es fließt nicht aus in die allgemeinen Naturgesetze, es fließt auch in keinerlei allgemeine Weltengesetze zunächst dieses seelisch-geistige Erleben aus.
[ 22 ] But this reality confronts human beings in such a way that it stands in complete contrast to what we encounter in natural death. In natural death—as we have seen—we are confronted with the fact that the human body is subject to the general, natural laws of the world, which dissolve it, strip it of its form, and cause it to pass into their general existence. In higher knowledge, the life of the soul becomes more powerful, permeates itself with purely soul-spiritual reality, and is encompassed within purely soul-spiritual reality. But it does not flow out—as the human body flows out into the general laws of nature after death—it does not flow out into the general laws of nature; nor does this soul-spiritual experience initially flow out into any general laws of the universe.
[ 23 ] Man lernt in diesem seelisch-geistigen Erleben etwas kennen, von dem man sagen muss: Es ist verschieden von demjenigen, was wir sonst zwischen Geburt und Tod im wachen Tagesleben erfahren; es ist von innen angeschaut etwas, das so verschieden ist von diesem wachen Tagesleben, wie der tote Leichnam verschieden ist von dem lebendigen menschlichen Leibe, den wir an uns tragen zwischen Geburt und Tod. Wir schauen von außen etwas an in dem menschlichen Leichnam, der uns das Todesrätsel entgegentreten lässt im Gebiete der Natur; wir schauen etwas an, was in seinem innersten Wesen verschieden ist von dem, was wir in uns tragen zwischen Geburt und Tod in demselben Organismus. Und wir schauen in der höheren Erkenntnis etwas an — geistig-seelisch, innerlich —, was ebenso verschieden ist von alledem, was wir innerlich, seelisch durch unseren menschlichen Organismus, der im Tode der Leichnam wird, erleben. Man möchte sagen: Vom Leben ist auf der einen Seite der tote Leichnam für unsere äußere Anschauung abgeschieden; für unsere innere Anschauung ist abgeschieden von demselben Erleben dasjenige, was als eine geistig-seelische Wirklichkeit in der höheren Erkenntnis vor unserem Seelenblicke erschaut werden kann.
[ 23 ] In this soul-spiritual experience, one comes to know something about which one must say: It is different from what we otherwise experience in waking daily life between birth and death; viewed from within, it is something as different from this waking daily life as a dead corpse is from the living human body that we carry within us between birth and death. From the outside, we look at something in the human corpse that confronts us with the mystery of death in the realm of nature; we look at something that, in its innermost essence, is different from what we carry within us between birth and death in the same organism. And in higher knowledge, we look at something—spiritually and soulfully, inwardly—that is just as different from everything we experience inwardly, soulfully, through our human organism, which becomes a corpse in death. One might say: On the one hand, the dead corpse is separated from life for our external perception; for our inner perception, what is separated from the same experience is that which, as a spiritual-soul reality, can be beheld by our soul’s gaze in higher knowledge.
[ 24 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! In diesem Gegenübertreten des aus der Natur uns anstarrenden Todes, wenn wir ihn, ich möchte sagen in derjenigen Form betrachten, in der er uns sich darstellt, wenn wir das Schicksal des menschlichen Leichnams nach dem Tode verfolgen, in der Gegenüberstellung dieser Tatsache des Todes und desjenigen, was in höherer Erkenntnis auftritt — wenn der Mensch die zunächst unterbewusst, man könnte auch sagen, überbewusst bestehenden Seelenkräfte in sein Seelenleben hereinbringt —, in dieser Gegenüberstellung liegt dasjenige, aus dem in einem gewissen Sinne erquellen die wichtigsten Probleme des menschlichen Lebens, selbst gerade vor der anthroposophischen Forschung. Es ist ein innerliches Sich-Konsolidieren, ein innerliches Sich-Erkraften in demjenigen, was der Mensch als sein Geistig-Seelisches erfasst. Der Mensch fühlt sich wie seinem innersten Wesen zurückgegeben, er fühlt sich ganz in sich, indem er sich in dieser seiner geistig-seelischen Wirklichkeit, abgesehen von dem Leben zwischen Geburt und Tod, erfasst.
[ 24 ] Ladies and gentlemen! In this confrontation with death, which stares at us from nature—when we consider it, I might say, in the form in which it presents itself to us; when we trace the fate of the human corpse after death; in the juxtaposition of this fact of death and that which arises through higher knowledge—when a person brings into their inner life the soul forces that initially exist subconsciously, one might also say, superconsciously—into his soul life—in this juxtaposition lies the very source from which, in a certain sense, the most important problems of human life spring forth, even those that lie directly before anthroposophical research. It is an inner consolidation, an inner strengthening within that which the human being grasps as his spiritual-soul life. Human beings feel as if they have been restored to their innermost being; they feel fully at one with themselves when they grasp this reality of their spirit and soul, apart from the life between birth and death.
[ 25 ] Und eine besondere Schattierung der Idee, die er bekommt von dieser Anschauung, ergibt sich für ihn, wenn er diese Idee kontrastiert mit der Idee des natürlichen Todes. Dann aber, wenn der Mensch erfahren hat durch höhere Erkenntnis diese in sich konsolidierte Wirklichkeit, dieses erkraftete geistig-seelische Leben, und dann wiederum untertaucht in den physischen Leib, das heißt nun so, wie ich es erwähnt habe, nebeneinander erlebt dasjenige Bewusstsein, das die höhere Erkenntnis gibt, neben demjenigen Bewusstsein, das an den Leib gebunden ist, das uns begleitet während des physischen Lebens zwischen Geburt und Tod vom Aufwachen bis zum Einschlafen.
[ 25 ] And a particular nuance of the idea he derives from this perspective emerges for him when he contrasts this idea with that of natural death. But then, when a person has experienced through higher knowledge this reality consolidated within themselves—this spiritually and psychologically invigorated life— and then immerses themselves once more in the physical body—that is to say, as I have mentioned, the consciousness derived from higher knowledge is experienced side by side with the consciousness bound to the body, which accompanies us during physical life between birth and death, from waking to falling asleep.
[ 26 ] Wenn man diese beiden nebeneinander stellt, wenn man also den Menschen im gewöhnlichen physischen Dasein durchdringt mit dem, als was er sich erscheint, wenn er sein wahres, höheres Dasein erblickt, dann — meine sehr verehrten Anwesenden —, dann trifft man das Todesrätsel zum zweiten Mal, und man trifft es auf eine Weise, die sich eben dem gewöhnlichen Leben und der gewöhnlichen Wissenschaft nicht darbietet. Dann taucht man ja mit demjenigen, das sich zuerst aus dem Werkzeuge des Leibes, aus der ganzen physischen Organisation herausgehoben hat, mit dem taucht man wiederum in diese physische Organisation unter; und man erlebt jetzt diese physische Organisation noch in einer anderen Weise als im gewöhnlichen Leben. Man erlebt jetzt, was es heißt, dass wir ja dasjenige, was mit dem Tode als Leichnam von uns fällt, was nach ganz anderen physischen Gesetzen sich bewegen muss nach dem Tode als während des physischen Lebens, dass wir das ja während dieses physischen Lebens immer in uns tragen. Und man erschaut es eigentlich als einen Schein, dass dieser Augenblick des Todes wie ein Vereinzeltes im menschlichen Leben dasteht. Man erfühlt jetzt erkennend: Du trägst ja fortwährend dasjenige in dir, was du bei einem toten Menschen in physischer Beziehung mit den Zerstörungskräften vor dir siehst, du trägst diese Zerstörungskräfte immer in dir. Das ist eine bedeutsame Erkenntnis, meine sehr verehrten Anwesenden!
[ 26 ] If one compares these two side by side—that is, if one penetrates the human being in his ordinary physical existence with what he appears to be when he beholds his true, higher existence—then, my esteemed audience, then one encounters the mystery of death for a second time, and one encounters it in a way that simply does not present itself to ordinary life and ordinary science. Then one plunges back into this physical organization with that which has first emerged from the instrument of the body, from the entire physical organization; and one now experiences this physical organization in a different way than in ordinary life. One now experiences what it means that we always carry within us during this physical life that which falls away from us with death as a corpse—that which, after death, must move according to entirely different physical laws than during physical life. And one actually perceives it as an illusion that this moment of death stands as an isolated event in human life. One now senses with understanding: You constantly carry within you that which you see in a dead person, in a physical sense, as the forces of destruction before you; you always carry these forces of destruction within you. This is a significant realization, my esteemed audience!
[ 27 ] Man taucht mit seinem seelisch-geistigen Dasein, das man erschaut hat durch höhere Erkenntnis, in die Leiblichkeit unter und man findet jetzt erst, wie man eigentlich fortwährend die Todeskräfte in sich trägt; und wie diese Todeskräfte nun fortwährend durch die Lebenskräfte überwunden werden, wie ein fortwährender Kampf in dem menschlichen Organismus stattfindet, derjenige Kampf, der zwischen den Todeskräften und den Lebenskräften sich abspielt. Man fühlt jetzt erst, was es eigentlich bedeutet, wenn im gewöhnlichen Leben Wachen und Schlafen abwechseln. Man fühlt, dass das ganze menschliche Wesen im Schlafen ebenso aus dem physischen Leibe herausgeht, wie der Mensch mit seiner höheren Erkenntnis — die ich geschildert habe — aus diesem seinem physischen Leibe herausgeht. Aber man fühlt auch, wie der Mensch in dem gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod darauf angewiesen ist, dass er zum Ausüben der logischen Kräfte, zum Ausüben der Denkkräfte, sich seines physischen Leibes bedient. Denn wenn er nicht in seinem physischen Leibe im Schlafe ist, so bringt er es höchstens zu einem verworrenen, chaotischen Traumleben, das sogleich entschwinden muss, wenn der Mensch in den physischen Leib untertaucht. Aber man lernt durch die höhere Erkenntnis sehen im menschlichen Leibe fortwährend wirksam auch, was entgegenwirkt demjenigen, was von der Geburt bis zum Tode in uns ist an auflösenden Kräften. Man lernt erkennen, dass gerade vom Einschlafen bis zum Aufwachen dieses Gegenwirken am intensivsten ist. Und man lernt erkennen, wie das wache Leben gerade mit seinen Gedanken gebunden ist an dasjenige, was sich abgesondert zeigt mit dem Leichnam. Man lernt erkennen, wie man die Kräfte, die im Leichnam wirksam sind, eigentlich immer in sich trägt als die Kräfte des Sterbens. Und man lernt durch höhere Erkenntnis, dass wir zunächst diejenigen Gedanken, durch die wir im gewöhnlichen Leben unser Dasein durchdringen und es ordnen, es eigentlich in der richtigen Weise handhaben, dass wir diese Gedanken nicht in die höhere Erkenntnis hinauf mittragen können. In diese höhere Erkenntnis, in diese höhere Wirklichkeit — meine sehr verehrten Anwesenden — tragen wir mit von unserem gewöhnlichen Tagesleben eigentlich nur einen Teil des Gefühlslebens und des Willenslebens, und in einer höheren Welt erwerben wir uns neue Gedanken. Die Gedankensphäre, die an den physischen Leib gebunden ist und von der man einsieht: Sie ist an dasjenige im physischen Leibe gebunden, was immer in uns ist, was die Sterbekräfte sind, diese Gedankensphäre fasst man mit der höheren Erkenntnis. Man sieht auch ein, man musste das Denken, das Fühlen, das Wollen verstärken, um dasjenige, was uns im gewöhnlichen Leben der Leib trägt an Gedanken, um das Selbst zu tragen.
[ 27 ] One immerses one’s soul-spiritual being—which one has come to perceive through higher knowledge—into physicality, and only then does one realize how one actually carries the forces of death within oneself at all times; and how these forces of death are now constantly overcome by the life forces; how a constant struggle takes place within the human organism—the struggle that unfolds between the forces of death and the life forces. Only now does one feel what it actually means when, in ordinary life, waking and sleeping alternate. One feels that the entire human being steps out of the physical body during sleep, just as the human being, with the higher insight I have described, steps out of this physical body. But one also feels how, in ordinary life between birth and death, a person is dependent on using his physical body to exercise his logical faculties and his powers of thought. For when a person is not in their physical body during sleep, they experience at most a confused, chaotic dream life that must vanish immediately when the person returns to their physical body. But through higher knowledge, one also learns to perceive what is constantly at work within the human body to counteract the dissolving forces that are present within us from birth to death. One learns to recognize that this counteracting force is most intense precisely from the moment of falling asleep until waking up. And one learns to recognize how waking life, precisely through one’s thoughts, is bound to that which manifests itself separately from the physical body. One comes to recognize how the forces at work in the physical body are in fact always carried within oneself as the forces of dying. And through higher insight, one learns that the very thoughts through which we permeate and organize our existence in ordinary life—and through which we actually manage it in the right way—are thoughts that we cannot carry up into this higher insight. Into this higher insight, into this higher reality—my dear friends here present—we actually carry with us from our ordinary daily life only a part of our emotional and volitional life, and in a higher world we acquire new thoughts. The sphere of thought that is bound to the physical body—and of which one realizes: it is bound to that which is always within us in the physical body—namely, the forces of death—this sphere of thought is grasped through higher knowledge. One also realizes that one must strengthen thinking, feeling, and willing in order to carry not only the thoughts that the body carries for us in ordinary life, but also the Self.
[ 28 ] Aus diesem Grunde ist es — meine sehr verehrten Anwesenden —, warum das ganze innere Seelenleben und das ganze innere Geistesleben verstärkt, erkraftet werden muss zum Behufe der höheren Erkenntnis. Dasjenige, was wir überlassen können im gewöhnlichen Leben den Kräften des Leibes, das müssen wir in der höheren Erkenntnis geistig-seelisch selber tragen, selber leisten. Und wir erleben diese Eigenleistung. Wir erleben uns mit Gedanken, die nun nicht an die äußere, physische Leiblichkeit gebunden sind, die Weltgedanken sind. Wir erleben nicht Naturgesetze, wir erleben Weltengedanken! Wir erleben durch höhere Erkenntnis die Art, wie aus dem Weltengedanken heraus geschöpft und gestaltet wird dasjenige, was äußere Weltenoffenbarung ist. Und es legt sich auseinander für dieses höhere Bewusstsein dasjenige, was die gewöhnliche Gedankenwelt ist, und wie die Gedankenwelt ist, jene Gedankenwelt, in die man erst eintritt mit der höheren Erkenntnis. Man lernt jetzt den innigen Zusammenhang erkennen zwischen den Sterbe-, den Todeskräften in der menschlichen Natur und denjenigen Kräften, die eigentlich in unserem Denken, in unserem gewöhnlichen Vorstellen sich äußern vom [Aufwachen bis zum Einschlafen].
[ 28 ] For this reason, my esteemed audience, the entire inner life of the soul and the entire inner life of the spirit must be strengthened and invigorated for the sake of higher knowledge. What we can leave to the forces of the body in ordinary life, we must bear and accomplish ourselves, spiritually and soulfully, in higher knowledge. And we experience this personal achievement. We experience ourselves through thoughts that are no longer bound to the outer, physical body—thoughts of the world. We do not experience the laws of nature; we experience thoughts of the world! Through higher knowledge, we experience the way in which that which is the outer revelation of the world is drawn forth and shaped from the world-thought. And what the ordinary world of thought is—and what that world of thought is like, the very world of thought into which one first enters through higher knowledge—unfolds before this higher consciousness. One now learns to recognize the intimate connection between the forces of dying and death in human nature and those forces that actually manifest themselves in our thinking, in our ordinary imagination, from [waking up to falling asleep].
[ 29 ] Wir sind in einem dumpfen Bewusstseinszustande, der es nur bis zum Traume bringt, der nur aufgehellt wird eben durch die höhere Erkenntnis und dadurch auch durchschaubar wird. Auch dieser Bewusstseinszustand bringt es nur zu der Bilderwelt des Traumes, die nicht durchzogen ist von Gedanken. Um im gewöhnlichen Bewusstsein Gedanken zu haben, muss man untertauchen in den physischen Organismus, der die Sterbe-, die Todeskräfte in sich trägt. Und hätten wir nicht diese Sterbe-, diese Todeskräfte, wir würden eben im gewöhnlichen Bewusstsein zwischen Geburt und Tod nicht eine in sich selbst geschlossene Gedankenwelt haben.
[ 29 ] We are in a dull state of consciousness that reaches only as far as the dream, a state that is illuminated only by higher knowledge and thereby becomes transparent. This state of consciousness, too, extends only to the imagery of the dream, which is not permeated by thoughts. In order to have thoughts in ordinary consciousness, one must immerse oneself in the physical organism, which carries within it the forces of dying and death. And if we did not have these forces of dying and death, we would not have a self-contained world of thought in ordinary consciousness between birth and death.
[ 30 ] Wir erfahren jetzt, wie der Mensch sich gewissermaßen erhärten muss zu einer physischen Organisation, die sich ihm selber entreißt, die so wirkt, wie die physischen Kräfte im Tode wirken, die nur immer überwunden werden dadurch, dass der Mensch von seinem Geistig-Seelischen durchzogen wird. Man lernt erkennen jetzt diese Sterbens- und Todeskräfte dadurch, dass man eben mit dem höheren Erkennen eine Gedankenwelt hat, die nicht untertaucht in diese Sterbens-, in diese Todeskräfte. Und so stellt sich für dieses höhere Erkennen hin das geistige Leben neben den natürlichen Tod, und so lernt erkennen der Mensch, wie gerade die Gedankenkräfte — diejenigen Kräfte, welche zusammenschließen unser Leben innerlich mit der Sinneswelt, die das Äußere vermittelt —, wie diese Gedankenkräfte gebunden sind an die Auflösungs-, an die Sterbekräfte des menschlichen Organismus. Das — meine sehr verehrten Anwesenden — ist eine bedeutsame Erkenntnis, denn dadurch durchschauen wir das Todesrätsel in einer neuen Gestalt. Wir durchschauen es, dass wir den Tod nicht nur wesenhaft vor uns haben, wenn er gewissermaßen als das Endglied, als der Abschluss des physischen Lebens rätselvoll vor uns erscheint, sondern wir gewahren den Tod, wie er fortwährend zwischen Geburt und Tod in dem Menschenwesen wirkt, und wir gewahren seinen innigen Zusammenhang mit dem gewöhnlichen Gedankenleben. Damit aber — meine sehr verehrten Anwesenden — tritt uns auch das Wesenhafte dieses Gedankenlebens deutlich vor Augen.
[ 30 ] We now learn how human beings must, so to speak, harden themselves into a physical organization that wrests itself away from them, that acts in the same way as the physical forces do in death—forces that can only be overcome when human beings are permeated by their spiritual and soul aspects. We come to recognize these forces of dying and death precisely because, through higher knowledge, we possess a world of thought that does not sink into these forces of dying and death. And so, for this higher understanding, spiritual life stands alongside natural death, and thus the human being learns to recognize how precisely the powers of thought—those forces that inwardly connect our life with the sensory world, which mediates the external—how these powers of thought are bound to the forces of dissolution and dying within the human organism. That—my dear friends here present—is a significant insight, for through it we perceive the mystery of death in a new light. We come to understand that death is not merely an essential reality before us—appearing, as it were, as the final link, the conclusion of physical life—but rather we perceive death as it continually works within the human being between birth and death, and we perceive its intimate connection with ordinary thought life. But with this—my esteemed audience—the very essence of this life of thought also becomes clearly evident to us.
[ 31 ] Gerade dadurch, dass gewissermaßen dasjenige, was wir gefühlsmäßig, willensmäßig in unserer Seele tragen, sich verbinden muss mit den Absterbekräften, damit es durchsetzt werden kann von der Gedankenwelt, die wir zum gewöhnlichen Leben brauchen, dadurch nimmt unser Seelenleben jenen Charakter an, den es gerade im gegenwärtigen Zeitalter zur höchsten Blüte ausgebildet hat, auf den es gerade im gegenwärtigen Zeitalter im eminentesten und auch im richtigen Sinne stolz ist.
[ 31 ] Precisely because what we carry within our souls—in terms of feeling and will—must, so to speak, unite with the forces of decay so that it can be permeated by the world of thought we need for ordinary life, it is precisely through this that our soul life takes on the character that has reached its highest flowering in the present age—a character of which it is, in the present age, most eminently and rightly proud.
[ 32 ] Versuchen wir einmal, uns zu versetzen in dasjenige, was diese Gedankenwelt, von der wir also jetzt wissen, dass sie an die Sterbe-, an die Todeskräfte des Menschen gebunden ist, was diese Gedankenwelt vermag. Sie vermag einzudringen in dasjenige, was auch die äußerlich tote Natur ist, und in dieser Beziehung hat die neuere Erkenntnis ihre großen, berechtigten Triumphe gefeiert. Sie hat ausgebreitet sich über das Gebiet der toten, der unorganischen, der unlebendigen Natur immer mehr und mehr; sie will durchschauen diese tote, diese unlebendige Natur in der Weise, dass sie dann auch einmal — das schwebt ihr als Ideal vor — das Hervorgehen des Lebendigen innerhalb des Toten wie eine Kombination der Kräfte, die im Toten wirken, schauen könne. Man glaubt heute in einer gewissen Beziehung, auf dem Wege zu einer solchen Erkenntnis des Organischen aus dem Unorganischen heraus zu sein. Aber man wird, selbst wenn ein solches Ideal naturwissenschaftlicher Erkenntnis, die als solche auf ihrem Gebiete durchaus berechtigt ist, wenn ein solches Ideal sich erfüllen könnte, man wird doch nur dasjenige im Lebendigen erkennen, was im Lebendigen ein Totes ist. Lassen Sie mich das in der folgenden Weise ausdrücken, meine sehr verehrten Anwesenden.
[ 32 ] Let us try to imagine what this world of thought—which we now know to be bound to the dying and death forces of the human being—is capable of. It is capable of penetrating what is also outwardly dead nature, and in this regard, modern science has celebrated its great and well-deserved triumphs. It has spread more and more across the realm of dead, inorganic, lifeless nature; it seeks to penetrate this dead, this lifeless nature in such a way that it might one day—this is the ideal it holds before itself—be able to perceive the emergence of the living within the dead as a combination of the forces at work within the dead. Today, in a certain sense, it is believed that we are on the path to such an understanding of the organic arising from the inorganic. But even if such an ideal of scientific knowledge—which, as such, is entirely justified in its own field—were to be realized, one would still recognize in the living only that which is dead within the living. Let me express this in the following way, ladies and gentlemen.
[ 33 ] Wenn ich die Pflanze betrachte: Sie ist ein Lebendiges, in ihr kreisen Stoffe, in ihr wirken Kräfte. Innerhalb desjenigen, was ich in diesem Lebendigen vor Augen habe, wirken dieselben Kräfte und Gesetze, die ich in der Physik, in der Chemie erkunde; da ist ein Physisches, da ein Chemismus darinnen. Dieses Physische, dieser Chemismus, sie sind in anderer Weise da innerhalb des Lebendigen als außerhalb des Lebendigen, aber sie sind doch nur eben innerhalb dieses Lebendigen ein Unlebendiges. Und es mag gelingen, zu durchschauen, in welch besonderer Art sich dieses Unlebendige im Lebendigen darstellt, im Lebendigen offenbart, aber man bleibt doch nur beim Unlebendigen. Und man bleibt beim Unlebendigen, auch wenn man es heraufstudiert bis zum Menschen. Der Mensch trägt in sich die Kräfte, die Wirkungsweise des toten Stoffes. Aber gerade dadurch, dass er diese Wirkungsweise, diese Kräfte des toten Stoffes in sich trägt, das bedeutet ja, dass er den Tod, das Sterben, immer in sich hat. Durch höhere Erkenntnis gewinnt man Einsicht darin, dass der Mensch im gewöhnlichen Bewusstsein dadurch denkt, dass er dieses Unlebendige, dieses Unorganische, dieses fortwährend ihn mit Sterbekräften Ausrüstende, in sich trägt. Es ist ein Bedeutsames, zu durchschauen, dass der Mensch dasjenige, was er zunächst im physischen Leben als sein Höchstes anerkennt, gerade gebunden sehen muss an dasjenige, was sich fortwährend aus dem Leben loslöst, das ist, dass der Mensch denken kann, dass er fortwährend aus dem Leben loslöst die Kräfte des Toten.
[ 33 ] When I look at a plant: it is a living being; substances circulate within it, and forces are at work within it. Within what I see before me in this living being, the same forces and laws are at work that I explore in physics and chemistry; there is a physical aspect to it, and a chemical aspect. This physical aspect and this chemical aspect exist within the living being in a different way than they do outside of it, but they are nonetheless merely non-living elements within this living being. And one may succeed in discerning the particular way in which this non-living aspect manifests itself within the living, reveals itself in the living, but one still remains confined to the non-living. And one remains confined to the non-living, even when one studies it all the way up to the human being. The human being carries within himself the forces, the mode of action of dead matter. But precisely because he carries within himself this mode of action, these forces of dead matter, this means that he always has death and dying within him. Through higher insight, one comes to understand that, in ordinary consciousness, the human being thinks precisely because he carries within himself this inanimate, this inorganic, this which continually endows him with the forces of death. It is significant to realize that what human beings initially recognize as their highest achievement in physical life is, in fact, bound to that which is constantly detaching itself from life—that is, that human beings are able to think, and in doing so, they are constantly detaching the forces of death from life.
[ 34 ] Und daher kommt es auch, dass in demselben Augenblick, in dem die Lebensprozesse sich erhöhen im gewöhnlichen physischen Leben — sagen wir im Fieber oder abnormen, krankhaften Zuständen —, dass dann auch das Bewusstsein des Menschen in das Krankhafte übergeht; dass der Mensch ein gesundes Bewusstsein nur haben kann, wenn die Lebenskräfte, die übersprudelnden, warmen Lebenskräfte, in Schach gehalten werden durch die Todeskräfte. Die Gedanken, wie wir sie im gewöhnlichen Leben haben, sie stellen sich in die Gemüts- und Willenskräfte, die an das Lebendige gebunden sind, sie stellen sich in diese dadurch hinein, dass sich in das menschliche Leben die Todeskräfte hineinstellen. Die bewussten Gedankenkräfte des physischen Lebens sind an Tod und Sterben gebunden, sind innerlich verbunden, innigst, mit diesen Todes-, mit diesen Sterbenskräften.
[ 34 ] And this is also why, at the very moment when the life processes intensify in ordinary physical life—say, during a fever or in abnormal, pathological states—human consciousness also shifts into a pathological state; that a person can have a healthy consciousness only when the life forces—the effervescent, warm life forces—are kept in check by the forces of death. The thoughts we have in ordinary life insert themselves into the emotional and volitional forces that are bound to the living; they insert themselves into these forces precisely because the forces of death enter into human life. The conscious powers of thought in physical life are bound to death and dying; they are intimately, most deeply, connected to these forces of death and dying.
[ 35 ] Und so rückt durch eine solche Betrachtung sich dasjenige in das rechte Licht, was uns eben gerade in der äußeren Erkenntnis des Leblosen, des Unorganischen entgegentritt. Lernt man mit seinem ganzen menschlichen Anteil kennen die Ideen-, die Begriffswelt, wie sie auftritt gerade in ihrer höchsten Ausbildung zwischen Geburt und Tod im physischen Leben, dann empfindet man sie als etwas, das in seiner Art, in seiner Wesenheit hingegeben ist an das Unlebendige, hingegeben ist auch an die äußere, tote Natur. Und man entdeckt das große Gesetz des menschlichen Daseins, das, weil in uns die Gedanken-Erkenntniskräfte mit den Todeskräften verbunden sind, wir deswegen auch nur für die gewöhnliche Erkenntnis das Unorganische, das Leblose erkennen können. Dadurch aber, dass höhere Geist-Erkenntnis, wie sie die anthroposophische Forschung anstrebt, in dieses Leben hereintritt, dadurch werden die gewöhnlichen Gedanken gewissermaßen so in eine höhere Sphäre heraufgerückt, wie dasjenige, was im Menschen fortwährend Tod und Sterben, was ein fortwährend wirkender Leichnam mit den Zerstörungskräften ist, die seine Form auflösen, wie das ins Leben heraufgerückt wird. Und wir haben — meine sehr verehrten Anwesenden — einen selbst-lebendigen Prozess vor uns in dem Übergehen von der gewöhnlichen Erkenntnis zu der anthroposophischen Erkenntnis.
[ 35 ] And so, through such contemplation, that which confronts us precisely in our external perception of the inanimate, the inorganic, is placed in its proper light. If one comes to know, with one’s entire human nature, the world of ideas and concepts as it appears precisely in its highest form between birth and death in physical life, then one perceives it as something that, in its nature and essence, is devoted to the inanimate and also to external, lifeless nature. And one discovers the great law of human existence: because the powers of thought and cognition within us are connected to the forces of death, we can therefore perceive only the inorganic, the lifeless, through ordinary cognition. But through the entry into this life of higher spiritual knowledge—as pursued by anthroposophical research— ordinary thoughts are, so to speak, raised into a higher sphere, just as that which in the human being is a constant process of death and dying—a constantly active corpse with the destructive forces that dissolve its form—is raised into life. And we have—my dear friends here present—a self-sustaining process before us in the transition from ordinary knowledge to anthroposophical knowledge.
[ 36 ] Wir erkennen die Ideen, die Begriffe der gewöhnlichen Erkenntnis als an den Tod gebunden; wir erkennen dasjenige, wonach anthroposophische Erkenntnis hinstrebt als dasjenige, was die gewöhnlichen, toten, die unlebendigen Begriffe und Ideen zum Leben auferweckt. Wir erkennen nicht nur einen formalen Erkenntnisprozess, wir erkennen eine Belebung unseres Seelenlebens; wir erkennen ein unmittelbares Hinstellen desjenigen, was nichts zu tun hat mit Geburt und Tod, was wirklich hinausgeht über Geburt und Tod, weil es nicht Anteil nimmt an den Kräften des Todes und des Sterbens. Wir erkennen das unsterbliche Teil des Menschen, wir lernen es unterscheiden von demjenigen, was fortwährend an den Tod gebunden ist, wie in höherer Erkenntnis, ich möchte sagen ersteht aus dem natürlichen Tode das geistige Leben, nicht nur eine geistige formale Erkenntnis. Daher ist es — meine sehr verehrten Anwesenden —, dass diese anthroposophische Erkenntnis zunächst befremdend an den Menschen herantritt. Sie wird gewöhnlich genommen wie eine bloße Fortsetzung der gewöhnlichen Erkenntnis. Sie ist das in vollem Sinne des Wortes, aber sie ist eine solche Fortsetzung, dass auch der Charakter, die ganze Art dieser gewöhnlichen Erkenntnis geändert wird, dass wir etwas erleben wie ein Geborenwerden eines Lebendigen innerhalb der sonst nur für das Unlebendige brauchbaren Gedanken und Ideen in denjenigen Gedanken, die ich Weltgedanken genannt habe. In der heutigen Betrachtung tritt uns eben dasjenige entgegen, in das der Mensch zunächst aufgenommen wird, wenn er als Geistig-Seelisches sich von seinem Leben zwischen Geburt und Tod trennt. Trennt sich sein Physisches durch den natürlichen Tod, dann wird sein Leibliches in die allgemeinen natürlichen Kräfte aufgenommen, seine Form zerstört. Wird das Geistig-Seelische in diejenige Welt aufgenommen, welche die höhere Erkenntnis eben erkenntnismäßig lebendig schon erreicht, dann konsolidiert sich der Mensch. Dann wird der Mensch nicht aufgelöst in die übrige Welt, dann tritt er mit seiner vollen Individualität — ja, [diese höhere Individualität wird erkraftet, intensiviert] —, er tritt mit dieser Welt in die geistige Welt ein.
[ 36 ] We recognize the ideas and concepts of ordinary knowledge as bound to death; we recognize that which anthroposophical knowledge strives toward as that which brings the ordinary, dead, lifeless concepts and ideas to life. We recognize not merely a formal process of cognition, but a revitalization of our soul life; we recognize the direct presentation of that which has nothing to do with birth and death, that which truly transcends birth and death because it does not partake in the forces of death and dying. We recognize the immortal part of the human being; we learn to distinguish it from that which is perpetually bound to death. As in higher knowledge—I would say—spiritual life arises from natural death, not merely a formal spiritual cognition. That is why—my esteemed audience—this anthroposophical knowledge initially strikes people as strange. It is usually taken as a mere continuation of ordinary knowledge. It is that in the full sense of the word, but it is such a continuation that even the character, the very nature of this ordinary knowledge, is transformed, so that we experience something like the birth of a living being within the thoughts and ideas—which are otherwise useful only for the inanimate—in those thoughts I have called “world-thoughts.” In today’s reflection, we are confronted precisely with that into which a human being is first absorbed when, as a spiritual-soul being, he separates from his life between birth and death. When his physical body is separated through natural death, his physical form is absorbed into the general natural forces, and his form is destroyed. If the spiritual-soul aspect is received into that world which higher knowledge has already reached in a living, cognitive sense, then the human being consolidates. Then the human being is not dissolved into the rest of the world; rather, with his full individuality—indeed, [this higher individuality is strengthened and intensified]—he enters the spiritual world together with this world.
[ 37 ] In dieser Art, dadurch, dass die menschlichen Bewusstseinskräfte fortgebildet werden, will anthroposophische Erkenntnis an das Unsterblichkeitsproblem herantreten. Und Sie sehen, meine sehr verehrten Anwesenden: Es handelt sich für diese anthroposophische Erkenntnis darum, an dieses Unsterblichkeitsproblem so heranzutreten, dass nicht bloß philosophiert wird über das Unsterbliche, sondern dass geforscht wird: Wo im Menschen ist das Unsterbliche zu finden? Es ist zu finden durch höhere Erkenntnis, wenn man dasjenige erreicht, was, indem es wiederum in den Leib zurückkehrt, den Tod in seiner fortwährenden Betätigung in uns wie objektiv erschaut und daher weiß, was allein dem Tode verfallen kann.
[ 37 ] In this way—by further developing the powers of human consciousness—anthroposophical knowledge seeks to approach the problem of immortality. And you see, my esteemed audience: For this anthroposophical insight, the aim is to approach the problem of immortality in such a way that one does not merely philosophize about the immortal, but rather investigates: Where in the human being is the immortal to be found? It can be found through higher knowledge when one attains that which, by returning once more to the body, objectively perceives death in its ceaseless activity within us and thus knows what alone can fall prey to death.
[ 38 ] Es kann allein dasjenige dem Tode verfallen, was schon fortwährend in dem Schoße dieses Todes liegt. Dadurch, dass man das fortwährende Sterben durchschaut, wird der eigentliche Moment des Todes nur wie eine Art Zusammenfassung desjenigen, was immer da ist, erkannt. Und während wir unser Leben, ich möchte sagen vor dem Tode fortwährend retten, indem im physischen Leben immer überwunden werden die Todeskräfte, überwunden werden aber dadurch, dass in uns ja dasjenige immer ist, was von der höheren Erkenntnis nur erschaut wird, so wird von diesem in uns befindlichen Geistig-Seelischen gerade im physischen Tode dasjenige überwunden — völlig überwunden, ich möchte sagen in seiner Summe überwunden —, was in seinen einzelnen Addenden, in seinen einzelnen Elementen von Lebensaugenblick zu Lebensaugenblick überwunden werden muss. Wir überwinden in jedem Augenblick durch unser geistiges Leben, das mit dem Tode nichts zu tun hat, den natürlichen Tod. Und erlangt man eine solche Erkenntnis von der Überwindung der Sterblichkeit durch die Unsterblichkeit, dann tritt auch das Todesrätsel eben in jener erneuerten Gestalt vor die menschliche Seele, die ich mir erlaubte, am heutigen Abend vor Ihnen — meine sehr verehrten Anwesenden — zu schildern.
[ 38 ] Only that which already lies continually in the bosom of death can succumb to death. By seeing through this continual dying, the actual moment of death is recognized merely as a kind of summary of what is always there. And while we continually save our lives—I would say, from death—by constantly overcoming the forces of death in physical life—and we overcome them precisely because within us there is always that which is perceived only through higher knowledge—it is precisely this spiritual-soul aspect within us that overcomes, in physical death, that which—completely overcomes, I would say overcome in its totality—that which, in its individual components, in its individual elements, must be overcome from one moment of life to the next. In every moment, through our spiritual life—which has nothing to do with death—we overcome natural death. And when one attains such an insight into the overcoming of mortality through immortality, then the mystery of death also presents itself to the human soul in precisely that renewed form which I took the liberty of describing to you this evening—my esteemed audience.
[ 39 ] Und darin liegen die Gründe, warum Anthroposophie nicht bloß über anderes, sondern auch anders reden muss als die gewöhnliche Wissenschaft. Sie muss ihre Begriffe, ihre Ideen, die ja von geistigen Welten handeln, sie muss sie heraufführen aus demjenigen, was wir im gewöhnlichen Verstande als Begriffe und Ideen haben und was nur für das Tote anwendbar ist, weil es aus dem Tode, aus dem Sterben stammt — sie muss heraufheben diese Begriffe ins geistige Leben. Und nur derjenige kann daher eintreten in diese Gedankenwelt der Anthroposophie, der den Willen in sich trägt, von den toten Begriffen zu den lebendigen Begriffen überzugehen; der den Willen in sich trägt, die Aktivität der Seele so zu gestalten, dass er dasjenige, was im Leben erfasst werden muss, dass er dasjenige erfasst, nicht in bequemer Weise nur erfassen will das, was im Tode allein erfasst werden kann. Wir bilden heute zu einem großen Teil unsere Physiologie, unsere Anthropologie dadurch aus, dass wir den Menschen nach dem Tode betrachten und aus dem Tode das Leben herauskonstruieren. Anthroposophie versucht, dasjenige, was im Menschen an den Tod gebunden ist, zu beleben und so die innere Seelenwelt selber als lebendige Geistigkeit heraufzuholen zu einer höheren Erkenntnis.
[ 39 ] And therein lie the reasons why anthroposophy must not only speak about different things, but also speak differently than ordinary science. It must take its concepts and ideas—which, after all, deal with spiritual worlds—and raise them up from what we ordinarily understand as concepts and ideas, which are applicable only to the dead because they originate from death and dying; it must elevate these concepts into spiritual life. And therefore, only those who possess the will to move from dead concepts to living concepts can enter this world of thought that is anthroposophy; who possesses the will to shape the soul’s activity in such a way that they grasp what must be grasped in life, rather than merely seeking, in a complacent manner, to grasp what can be grasped only in death. Today, we develop our physiology and anthropology largely by observing human beings after death and reconstructing life from death. Anthroposophy seeks to enliven that which in the human being is bound to death, and thus to raise the inner world of the soul itself—as living spirituality—to a higher level of knowledge.
[ 40 ] Man braucht wahrhaftig nicht auf diesem Gebiete selber Forscher zu werden — ich habe mir dieses hier öfter zu erwähnen erlaubt —, um in die Berechtigung der anthroposophischen Welt einzudringen. Derjenige, der ein Forscher wird, der hat die geistige Welt unmittelbar vor sich, wie ich sie seit Jahren hier schildere. Er schildert sie dann heraus aus demjenigen, was sich ihm ergibt, wenn er umsetzt dasjenige, was er schaut, in die Form des menschlichen Gedankens. Indem er sie aber schildert, appelliert er nun nicht nur bloß etwa an das eigene Schauen, sondern er appelliert an die innere menschliche Lebendigkeit. Und weil der Mensch diese innere Lebendigkeit in sich trägt, so wie er in sich die Sterbekräfte trägt, so kann er sich allmählich, auch wenn er nicht selber Forscher wird auf dem geisteswissenschaftlich-anthroposophischen Gebiet, ein Verständnis erwerben für dasjenige, was der Forscher aus der geistigen Welt herausholt. Zwar wird durch die Publikation solcher Schriften, wie mein Buch ist «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», darauf hingewiesen, wie jeder wenigstens zu den ersten Anfängen des eigenen Erforschens der geistigen Welt kommen kann, aber es wird ebenso hingewiesen, dass in erster Linie solche Bücher so geschrieben sind, wie sie es sind, damit jeder gewissermaßen die Rechtfertigung empfängt des Geistesforschers darüber, was dieser eigentlich tut. Dasjenige aber, was als Ideen, als Vorstellungen vor die Menschheit hintritt, das kann der gesunde Menschenverstand erfassen. Denn dieser gesunde Menschenverstand, er ist dasjenige, was sich ebenso zu den lebendigen Gedanken erheben kann, wie er stehen bleiben kann bei den toten Gedanken. Und dieses Verständnis ist kein bloßer Glaube, kein bloßes gefühlsmäßiges Verstehen, sondern es ist ein Verstehen aus der freien Menschennatur heraus, die einfach dasjenige, was in ihr an Weltenwesenheit ist, verbindet mit dem, was durch Forschung aus dieser Weltenwesenheit heraus verkündet werden kann.
[ 40 ] One truly does not need to become a researcher in this field oneself—as I have often taken the liberty of mentioning here—in order to grasp the validity of the anthroposophical worldview. Those who become researchers have the spiritual world directly before them, just as I have been describing it here for years. They then describe it based on what emerges for them when they translate what they perceive into the form of human thought. But in describing it, they appeal not merely to their own perception, but to the inner vitality of the human being. And because human beings carry this inner vitality within themselves, just as they carry within themselves the forces of death, they can gradually—even if they do not themselves become researchers in the field of spiritual science and anthroposophy—acquire an understanding of what the researcher brings forth from the spiritual world. Admittedly, the publication of works such as my book *How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?* it is pointed out how anyone can at least take the first steps toward their own exploration of the spiritual world; yet it is also pointed out that, first and foremost, such books are written as they are so that everyone may, in a sense, receive the spiritual researcher’s justification for what he actually does. But what presents itself to humanity as ideas and concepts can be grasped by common sense. For this common sense is that which can rise to living thoughts just as it can remain with dead thoughts. And this understanding is not mere faith, not merely an emotional grasp, but rather an understanding arising from free human nature, which simply connects that which is of the world’s essence within it with what can be revealed through research from this world’s essence.
[ 41 ] Es muss immer wiederum gerade das als Wichtigstes betont werden, dass Anthroposophie gewissermaßen sich der Welt übergibt, damit sie geprüft werde an dem gewöhnlichen, gesunden Menschenverstand. Übt man den, lässt man ihn sich ausleben in allseitiger, nicht in einseitiger Weise, dann wird man schon sehen, wie er sich anders zur Anthroposophie stellt, als man heute noch vielfach glaubt. Man kann hinsehen dann auf solche Begriffe, wie sie Herbert Spencer gibt, die nur stehen bleiben innerhalb des physischen Lebens in der Weise, wie ich es einleitend dargestellt habe; man kann andererseits hinsehen zu solchen Begriffen, wie sie Wladimir Solowjow aus dem vollen Menschenleben heraus gibt. Man wird bei Herbert Spencer sehen, warum er stehen bleiben muss beim physischen Leben, weil alles dasjenige, was er ausspricht, aus einem Denken heraus ist, das an die Sterbe-, an die Todeskräfte gebunden ist. Und man wird bei Solowjow sehen, dass er sich zwar der Begriffe bedient, welche im Westen üblich sind und die eben im höchsten Maße die Begriffsform, die an Sterben und Tod gebunden ist, enthält. Aber man wird bei Solowjow sehen, wie ihm diese Begriffe als etwas Äußerliches bleiben, wie er aber dasjenige, was er eigentlich sagen will, aus einem mystischen Dunkel und aus einer mystischen Tiefe heraus träumt und dadurch wiederum nach der anderen Seite einseitig wird.
[ 41 ] It must always be emphasized, time and again, that what is most important is that anthroposophy, so to speak, submits itself to the world so that it may be tested against ordinary, sound common sense. If one exercises this common sense—allowing it to play out in a comprehensive, rather than one-sided, way—then one will see that it takes a different stance toward anthroposophy than is still widely believed today. One can then look at concepts such as those presented by Herbert Spencer, which remain confined to physical life in the manner I described in the introduction; on the other hand, one can look at concepts such as those presented by Vladimir Soloviev, which arise from the fullness of human life. With Herbert Spencer, one will see why he must remain confined to physical life, because everything he expresses stems from a mode of thinking bound to the forces of dying and death. And with Soloviev, one will see that, although he makes use of concepts that are common in the West—and which, in fact, embody to the highest degree the conceptual form bound to dying and death— But one will see in Soloviev how these concepts remain external to him, while what he actually wants to say he dreams forth from a mystical darkness and a mystical depth, and thereby becomes one-sided in the opposite direction.
[ 42 ] Man wird sehen an der Anthroposophie, wie sie, indem sie das Tote der westlichen Welt nicht tot sein lässt, nicht einfach als Totes herübernimmt und sich dessen als eines Ausdrucksmittels bedient, sondern indem sie das Tote selber zum Leben erweckt, wie sie dadurch von dem Sterblichen zu dem Unsterblichen hinführt.
[ 42 ] We shall see in anthroposophy how, by not allowing what is dead in the Western world to remain dead—by not simply adopting it as something dead and using it as a means of expression—but rather by bringing what is dead back to life, it thereby leads us from the mortal to the immortal.
[ 43 ] Mir scheint, meine sehr verehrten Anwesenden, dass das deutsche Mitteleuropa aus den besonderen Vorbedingungen, die für sein Denken, Fühlen und Wollen vorhanden sind — diese großen Aufschwünge, die in Goethe und denjenigen ans Tageslicht getreten sind, die gewissermaßen als innerhalb des Goetheanismus stehend bezeichnet werden können —, die Aufgabe hat, durch eine Fortleitung in der Richtung dieser Bestrebungen beide Einseitigkeiten zu vermeiden und in der Tat unsere uns an die Erde fesselnde wissenschaftliche Begriffswelt, die nur über den natürlichen Tod in Wahrheit etwas auszusagen hat, heraufzuheben zu einem geistigen Leben, das über die Unsterblichkeit etwas auszusagen hat.
[ 43 ] It seems to me, my esteemed audience, that German Central Europe, given the unique preconditions that exist for its thinking, feeling, and willing—those great surges that came to light in Goethe and in those who, in a sense, can be described as belonging to the Goethean movement— has the task, by continuing in the direction of these aspirations, of avoiding both extremes and, in fact, of elevating our scientific conceptual world—which binds us to the earth and, in truth, has something to say only about natural death—to a spiritual life that has something to say about immortality.
[ 44 ] Viele werden einwenden: Diese Wissenschaft, die du als Anthroposophie schilderst, sie schwebt gewissermaßen in der Luft; man steht nicht auf einem sicheren Boden der Tatsache. Meine sehr verehrten Anwesenden! Ich habe heute versucht, Ihnen zu zeigen, wie diese Anthroposophie nur richtig verstanden werden kann, wenn man sie im Zusammenhang mit dem ganzen Weltenwerden und mit der Stellung des Menschen in diesem Weltenwerden betrachtet. Wenn wir auf das Nächste sehen, das uns hier auf der Erde umgibt, wir müssen von allem sagen: Es braucht eine Grundlage, auf der es steht. Wenn wir frei in der Luft schwebend erhalten wollten ein Irdisch-Gewichtiges, es würde hinunterfallen. Dasjenige, was uns als nächste Umgebung umgibt, braucht eine Unterlage; dasjenige, was uns als nächstes Wissen für das Leben zwischen Geburt und Tod umgibt, braucht der Tatsachen der äußeren Sinneswelt und des kombinierenden Verstandes, um geistig eine solche Unterlage zu haben. In demselben Moment, wo wir vom Erdenleben in das Weltenleben hinausschauen, wäre es töricht zu sagen, die Erde braucht eine Unterlage, worauf sie ruht, um in der Welt vorhanden sein zu können.
[ 44 ] Many will object: This science that you describe as anthroposophy is, in a sense, up in the air; one does not stand on the solid ground of fact. Ladies and gentlemen! Today I have tried to show you how this anthroposophy can only be properly understood when viewed in the context of the entire evolution of the world and of humanity’s place within that evolution. When we look at the things closest to us here on Earth, we must say of everything: It needs a foundation upon which to stand. If we wanted to keep something with earthly weight floating freely in the air, it would fall down. That which surrounds us as our immediate environment needs a foundation; that which surrounds us as the knowledge necessary for life between birth and death needs the facts of the external sensory world and the reasoning intellect in order to have such a spiritual foundation. At the very moment we look out from earthly life into the life of the worlds, it would be foolish to say that the Earth needs a foundation upon which to rest in order to exist in the world.
[ 45 ] In der Raumeswelt hat man sich schon gewöhnt, dass der eine Weltenkörper frei den anderen im Gleichgewicht hält durch die Kräfte, die eine solche Unterlage entfalten. Indem die Wissenschaft vom Sterblichen aufsteigt zu der Wissenschaft vom Unsterblichen, muss sie sich klar werden, dass sie im Geistig-Seelischen denselben Gang machen muss desjenigen, was im Sterblichen uns entgegentritt. Für die Erkenntnis braucht sie Unterlagen. Dasjenige, was für die Welt des Unsterblichen uns entgegentritt auf den verschiedenen Gebieten, muss sich selber tragen. Und ehe wir nicht in die Lage kommen, dieses Bild zu begreifen, ehe werden wir nicht begreifen, wie anthroposophische Geisteswissenschaft ihr wirkliches Verhältnis hat zu der äußeren Wissenschaft, die sie nicht leugnet, sondern voll anerkennt. Aber Geisteswissenschaft muss nicht nur anderes erforschen als die gewöhnliche Wissenschaft, sondern sie muss anders forschen und anders reden.
[ 45 ] In the physical world, we have already become accustomed to the idea that one celestial body freely maintains the balance of another through the forces that such a foundation generates. As science ascends from the mortal to the immortal, it must realize that in the spiritual-soul realm it must follow the same path as that which confronts us in the mortal realm. For knowledge, it needs a foundation. That which confronts us in the various realms of the immortal world must be self-sustaining. And until we are able to grasp this picture, we will not understand how anthroposophical spiritual science relates to external science, which it does not deny but fully acknowledges. But spiritual science must not only investigate different subjects than ordinary science; it must also investigate them differently and speak of them differently.
[ 46 ] Das war es, was ich aus dem Wesen dieser Geisteswissenschaft heraus durch die heutige Betrachtung vor Ihre Seele stellen wollte — meine sehr verehrten Anwesenden — und was ich jetzt mit wenigen Worten so zusammenfassen möchte, dass ich sagen möchte: Gerade ein intimeres Betrachten der Stellung von Anthroposophie und Welt bringt uns zu einer ganz besonderen Anschauung über das Verhältnis vom natürlichen Tod und geistigem Leben. Aber wir gewinnen eine solche Einsicht nur, wenn wir erfüllen dasjenige, was Anthroposophie im Grunde genommen uns zuruft aus dem tieferen Weltenwesen selbst heraus, indem sie uns sagt: Mensch, willst du erkennen dasjenige, was unsterblich im Geiste lebt, so belebe erst deine Erkenntniswelt selber. Willst du das Leben im Geiste erfassen, belebe in dir erst deine Erkenntnis. Verstehe, was es heißt, wenn gesprochen wird nicht in toten, sondern in lebendigen Begriffen. Schwinge dich auf von demjenigen, was als Totes Unterlage braucht, zu demjenigen, was als Geistiges frei sich im Geistigen, in den geistigen Welten bewegt, was nicht gebunden ist an dasjenige, was in der Vergänglichkeit webt und west, was in sich selber lebt und was erfasst werden kann, wenn der Mensch gerade die großen, bedeutsamen Gegenpole vor seine Seele stellt: den natürlichen Tod an sich selbst, das geistige Leben, das er fassen kann, wenn er sich freimacht von demjenigen, was an das Vergängliche im irdischen Leben gebunden ist!
[ 46 ] That is what I wanted to present to your souls—my esteemed audience—through today’s reflection, drawing from the very essence of this spiritual science, and what I would now like to summarize in a few words by saying: It is precisely a more intimate consideration of the relationship between anthroposophy and the world that leads us to a very special perspective on the connection between natural death and spiritual life. But we gain such insight only when we fulfill what anthroposophy, in essence, calls out to us from the very depths of the world’s being itself, by telling us: Human being, if you wish to recognize that which lives immortally in the spirit, first enliven your own world of knowledge. If you wish to grasp life in the spirit, first enliven your own knowledge within yourself. Understand what it means when we speak not in dead but in living concepts. Rise up from that which, being dead, requires a foundation, to that which, as spiritual, moves freely within the spiritual, in the spiritual worlds—that which is not bound to what weaves and exists in transience, that which lives within itself, and that which can be grasped when the human being places precisely the great, significant opposites before his soul: natural death itself, and the spiritual life that one can grasp when one frees oneself from that which is bound to the transitory aspects of earthly life!
