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The Inner Nature and Essence
of the Human Soul
GA 80b

7 March 1922, Berlin

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Das Innere der Natur und das Wesen der Menschenseele
  1. The Inner Nature and Essence of the Human Soul, tr. SOL

7. Anthroposophie in ihrem Wissenschaftscharakter

7. Anthroposophie in ihrem Wissenschaftscharakter

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Mit ihrem Wissenschaftscharakter ergeht es der Anthroposophie übel bei unseren Zeitgenossen. Die Wissenschafter finden, dass diese Anthroposophie nicht den Charakter dessen habe, was sie als Wissenschaft bezeichnen; und wiederum die Leute des Glaubens, diejenigen, welche vom religiösen Standpunkte aus vertreten eine Möglichkeit des Menschen, Wege zur geistigen Welt zu finden, die bemängeln gerade diesen wissenschaftlichen Charakter der Anthroposophie. Die Wissenschafter sind gewohnt — nach dem, was sich allerdings mit einer gewissen Größe auf naturwissenschaftlichem Boden im Laufe der letzten drei bis vier, insbesondere des neunzehnten Jahrhunderts herausgebildet hat —, dasjenige, was der sinnlichen Beobachtung zugänglich ist, was durch das Experiment zu erkunden ist, aufzunehmen, verstandesmäßig zu kombinieren, was an Einzelheiten vorliegt, und dann aufzusteigen zu gewissen Gesetzen, welche den Naturerscheinungen, die eben sinnlich wahrnehmbar sind, zugrunde liegen sollen.

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Mit ihrem Wissenschaftscharakter ergeht es der Anthroposophie übel bei unseren Zeitgenossen. Die Wissenschafter finden, dass diese Anthroposophie nicht den Charakter dessen habe, was sie als Wissenschaft bezeichnen; und wiederum die Leute des Glaubens, diejenigen, welche vom religiösen Standpunkte aus vertreten eine Möglichkeit des Menschen, Wege zur geistigen Welt zu finden, die bemängeln gerade diesen wissenschaftlichen Charakter der Anthroposophie. Die Wissenschafter sind gewohnt — nach dem, was sich allerdings mit einer gewissen Größe auf naturwissenschaftlichem Boden im Laufe der letzten drei bis vier, insbesondere des neunzehnten Jahrhunderts herausgebildet hat —, dasjenige, was der sinnlichen Beobachtung zugänglich ist, was durch das Experiment zu erkunden ist, aufzunehmen, verstandesmäßig zu kombinieren, was an Einzelheiten vorliegt, und dann aufzusteigen zu gewissen Gesetzen, welche den Naturerscheinungen, die eben sinnlich wahrnehmbar sind, zugrunde liegen sollen.

[ 2 ] Wer sich nun mit der wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit und ernsten inneren Disziplin, die durchaus unserer neueren Wissenschaft zugrunde liegen, hineingefunden hat in die Untersuchungen dieses Gebietes, der hat vielfach dann die Meinung in sich aufgenommen, dass exaktes, wirkliches, wissenschaftliches Beobachten nur möglich sei, wenn es sich halten kann an die äußere Sinneswahrnehmung und an das, was der Verstand mit den Urteilen, die er über die Sinneswahrnehmung fällt, und mit den Schlussfolgerungen, die er daraus zieht, ergründen kann. Diese Art der Forschung hat eine gewisse Sicherheit, ich möchte sagen einen gewissen Boden an demjenigen, das in seiner Existenz ja nicht abzuleugnen ist, weil es sich eben unabhängig von dem Menschen in dieser Existenz erweist und aus dieser Existenz heraus sich ihm ankündigt. Man mag, wie das bei vielen physiologisch oder auch psychologisch denkenden Persönlichkeiten der neueren Zeit der Fall ist, nun allerdings glauben, dass das, was die Sinne unmittelbar wahrnehmen, was Inhalt der menschlichen Wahrnehmung ist, bedingt ist durch die Eigentümlichkeit der Sinne, also einen gewissen subjektiven Charakter habe. Aber man ist doch sicher, wenn auch das, was man unmittelbar wahrnimmt, subjektiven Charakter hat, dass für die äußere Beobachtung dennoch ein Objektives für den Menschen zugrunde liegt, das sich dieser Beobachtung darbietet und der Forschung einen sicheren Boden liefert. Deshalb fühlen sich solche Persönlichkeiten, die gewissermaßen eingeschult sind im exakten Erforschen der äußeren Naturerscheinungen, in dem Augenblicke unsicher, wenn dieses Gebiet der äußeren Sinneswelt verlassen wird und zu anderen Gebieten aufgestiegen wird. Sie glauben dann, dass jene innere Gewissheit, welche durch Beobachtung und Experiment und durch den an sie gebundenen Verstand verbürgt wird, in dem Momente aufhört, wo man eben den Boden dieser Sinneswelt verlässt. Daher rühren dann solche Urteile, wie das, welches etwa du BoisReymond in seiner klassischen Rede «Über die Grenzen des Naturerkennens» gefällt hat, dass Wissenschaft da aufhöre, wo das Übersinnliche beginne. Wer mit dieser Gesinnung an die Anthroposophie herantritt, wird dieser selbstverständlich den wissenschaftlichen Charakter absprechen müssen, und es ist im Grunde genommen nur dieser psychologische Untergrund, der in den weitesten Kreisen heute sich auflehnt, wenn von dem Wissenschaftscharakter der Anthroposophie geredet wird.

[ 2 ] Wer sich nun mit der wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit und ernsten inneren Disziplin, die durchaus unserer neueren Wissenschaft zugrunde liegen, hineingefunden hat in die Untersuchungen dieses Gebietes, der hat vielfach dann die Meinung in sich aufgenommen, dass exaktes, wirkliches, wissenschaftliches Beobachten nur möglich sei, wenn es sich halten kann an die äußere Sinneswahrnehmung und an das, was der Verstand mit den Urteilen, die er über die Sinneswahrnehmung fällt, und mit den Schlussfolgerungen, die er daraus zieht, ergründen kann. Diese Art der Forschung hat eine gewisse Sicherheit, ich möchte sagen einen gewissen Boden an demjenigen, das in seiner Existenz ja nicht abzuleugnen ist, weil es sich eben unabhängig von dem Menschen in dieser Existenz erweist und aus dieser Existenz heraus sich ihm ankündigt. Man mag, wie das bei vielen physiologisch oder auch psychologisch denkenden Persönlichkeiten der neueren Zeit der Fall ist, nun allerdings glauben, dass das, was die Sinne unmittelbar wahrnehmen, was Inhalt der menschlichen Wahrnehmung ist, bedingt ist durch die Eigentümlichkeit der Sinne, also einen gewissen subjektiven Charakter habe. Aber man ist doch sicher, wenn auch das, was man unmittelbar wahrnimmt, subjektiven Charakter hat, dass für die äußere Beobachtung dennoch ein Objektives für den Menschen zugrunde liegt, das sich dieser Beobachtung darbietet und der Forschung einen sicheren Boden liefert. Deshalb fühlen sich solche Persönlichkeiten, die gewissermaßen eingeschult sind im exakten Erforschen der äußeren Naturerscheinungen, in dem Augenblicke unsicher, wenn dieses Gebiet der äußeren Sinneswelt verlassen wird und zu anderen Gebieten aufgestiegen wird. Sie glauben dann, dass jene innere Gewissheit, welche durch Beobachtung und Experiment und durch den an sie gebundenen Verstand verbürgt wird, in dem Momente aufhört, wo man eben den Boden dieser Sinneswelt verlässt. Daher rühren dann solche Urteile, wie das, welches etwa du BoisReymond in seiner klassischen Rede «Über die Grenzen des Naturerkennens» gefällt hat, dass Wissenschaft da aufhöre, wo das Übersinnliche beginne. Wer mit dieser Gesinnung an die Anthroposophie herantritt, wird dieser selbstverständlich den wissenschaftlichen Charakter absprechen müssen, und es ist im Grunde genommen nur dieser psychologische Untergrund, der in den weitesten Kreisen heute sich auflehnt, wenn von dem Wissenschaftscharakter der Anthroposophie geredet wird.

[ 3 ] Auf der anderen Seite stehen eben die Leute des Glaubens. Sie bestreiten der Anthroposophie oftmals nicht, dass sie das, was sie über die übersinnlichen Welten vorbringe, einkleide in Ideen und Begriffe, auch in Ideen- und Begriffszusammenhänge, die durchaus wissenschaftlichen Charakter tragen, die wenigstens bemüht sind, den wissenschaftlichen Charakter nachzubilden. Aber sie bestreiten der Anthroposophie ihre Berechtigung gerade deshalb, weil sie nach diesem Wissenschaftscharakter strebt. Denn sie sagen: Was sich aus übersinnlichen Welten dem Menschen offenbaren kann, das muss sich ihm offenbaren in den intimsten Erlebnissen seiner Seele; der Mensch muss vor allen Dingen mit Gefühl und Willensneigung zu dem hintendieren, was er aus dem Übersinnlichen empfindet, und es muss dieses Übersinnliche einen gewissen Geheimnischarakter tragen. Gerade wenn man mit seiner inbrünstig frommen, religiös gestimmten Seele vor dem Geheimnis steht, vor dem, was sich nicht der durchschaubaren Idee, dem klaren Begriff ergibt, dann könne man in sich ausbilden jene Erhebung, jene selbstlose Hingabe, welche notwendig ist für den Menschen gegenüber der übersinnlichen Welt.

[ 3 ] Auf der anderen Seite stehen eben die Leute des Glaubens. Sie bestreiten der Anthroposophie oftmals nicht, dass sie das, was sie über die übersinnlichen Welten vorbringe, einkleide in Ideen und Begriffe, auch in Ideen- und Begriffszusammenhänge, die durchaus wissenschaftlichen Charakter tragen, die wenigstens bemüht sind, den wissenschaftlichen Charakter nachzubilden. Aber sie bestreiten der Anthroposophie ihre Berechtigung gerade deshalb, weil sie nach diesem Wissenschaftscharakter strebt. Denn sie sagen: Was sich aus übersinnlichen Welten dem Menschen offenbaren kann, das muss sich ihm offenbaren in den intimsten Erlebnissen seiner Seele; der Mensch muss vor allen Dingen mit Gefühl und Willensneigung zu dem hintendieren, was er aus dem Übersinnlichen empfindet, und es muss dieses Übersinnliche einen gewissen Geheimnischarakter tragen. Gerade wenn man mit seiner inbrünstig frommen, religiös gestimmten Seele vor dem Geheimnis steht, vor dem, was sich nicht der durchschaubaren Idee, dem klaren Begriff ergibt, dann könne man in sich ausbilden jene Erhebung, jene selbstlose Hingabe, welche notwendig ist für den Menschen gegenüber der übersinnlichen Welt.

[ 4 ] Und so finden wohl gerade solche Persönlichkeiten, dass Anthroposophie, weil sie das Übersinnliche hereinbringen will in das überschaubare Element des menschlichen Bewusstseins, dadurch den Menschen beirre in seiner religiösen Empfindung, in seiner frommen Hingabe. Was sich auf das Religiöse bezieht, das müsse — so sagt man wohl — einen irrationalen Charakter tragen. Man spricht sogar den Satz aus: Die Religion müsse eine Art paradoxen Charakter tragen, sie dürfe sich nicht in das fügen, was man im wissenschaftlichen Sinne das Begreifliche nennt.

[ 4 ] Und so finden wohl gerade solche Persönlichkeiten, dass Anthroposophie, weil sie das Übersinnliche hereinbringen will in das überschaubare Element des menschlichen Bewusstseins, dadurch den Menschen beirre in seiner religiösen Empfindung, in seiner frommen Hingabe. Was sich auf das Religiöse bezieht, das müsse — so sagt man wohl — einen irrationalen Charakter tragen. Man spricht sogar den Satz aus: Die Religion müsse eine Art paradoxen Charakter tragen, sie dürfe sich nicht in das fügen, was man im wissenschaftlichen Sinne das Begreifliche nennt.

[ 5 ] Diesen beiden Auffassungen steht nun die Anthroposophie gegenüber. Es ist durchaus begreiflich, dass gegenüber den gewohnten Geistesströmungen unserer Zeit, die sich alle mehr oder weniger in eine der beiden charakterisierten Kategorien einreihen lassen, der wissenschaftliche Charakter der Anthroposophie unbegreiflich wird, schwer verständlich ist. Denn Anthroposophie sucht allerdings auf anderen Wegen, als diejenigen sind, die man gewöhnlich in der Wissenschaft anerkennt, auf wissenschaftliche Art nach dem Übersinnlichen zu kommen, und sie sucht mutig diesen Weg ins Übersinnliche zu gehen — bis zu dem Ziele, wo dieses Übersinnliche sich den menschlichen Ideen genau in derselben Weise ergibt, wie sich die äußere Natur für die Naturwissenschaft den menschlichen Ideen ergibt, und es wird der Anthroposophie gegenüber der oft starren Tendenz der Geistesströmungen unserer Zeit schwer, ihren wissenschaftlichen Charakter zu rechtfertigen. Nun wird es notwendig sein, um diesen wissenschaftlichen Charakter in der heutigen Auseinandersetzung nach gewissen Seiten hin zu charakterisieren, auf die Methodik der Anthroposophie von einer gewissen Seite her einzugehen.

[ 5 ] Diesen beiden Auffassungen steht nun die Anthroposophie gegenüber. Es ist durchaus begreiflich, dass gegenüber den gewohnten Geistesströmungen unserer Zeit, die sich alle mehr oder weniger in eine der beiden charakterisierten Kategorien einreihen lassen, der wissenschaftliche Charakter der Anthroposophie unbegreiflich wird, schwer verständlich ist. Denn Anthroposophie sucht allerdings auf anderen Wegen, als diejenigen sind, die man gewöhnlich in der Wissenschaft anerkennt, auf wissenschaftliche Art nach dem Übersinnlichen zu kommen, und sie sucht mutig diesen Weg ins Übersinnliche zu gehen — bis zu dem Ziele, wo dieses Übersinnliche sich den menschlichen Ideen genau in derselben Weise ergibt, wie sich die äußere Natur für die Naturwissenschaft den menschlichen Ideen ergibt, und es wird der Anthroposophie gegenüber der oft starren Tendenz der Geistesströmungen unserer Zeit schwer, ihren wissenschaftlichen Charakter zu rechtfertigen. Nun wird es notwendig sein, um diesen wissenschaftlichen Charakter in der heutigen Auseinandersetzung nach gewissen Seiten hin zu charakterisieren, auf die Methodik der Anthroposophie von einer gewissen Seite her einzugehen.

[ 6 ] Diese Anthroposophie fühlt sich ja in ihrem Ausgangspunkte dann am wohlsten, wenn sie voll stehen kann dort, wohin unsere Zeit naturwissenschaftlicher Denkweise, naturwissenschaftlicher Forschungsart geführt hat. Dilettantismus und Laientum gegenüber der Naturwissenschaft werden wohl vielleicht manchmal enthusiastisch berührt sein von der Anthroposophie; sie werden aber die tiefste innere Befriedigung darin nicht finden können, weil ihnen eben Anthroposophie viel zu sehr im Sinne wissenschaftlicher Denkungsart zu arbeiten scheinen wird. Aber man muss doch sagen: Anthroposophie fängt dort an, wo die heute anerkannte Wissenschaft aufhört. Die heute anerkannte Wissenschaft geht von dem äußerlich Gegebenen aus, steigt auf von diesem Gegebenen zu den Naturgesetze genannten Ideen über dieses Gegebene. Wenn wir dann innerhalb dieser Ideen leben, gewissermaßen die Ideen, die wir aus der Natur gewonnen haben, mit unserem Seelenleben verbinden, dann haben wir eine innere Anschauung über die Natur, und diese innere Anschauung befriedigt uns aus dem Grunde, weil wir den Übergang von der einen Idee in die andere klar überschauen können, weil wir innerlich gewissermaßen im ganzen Felde unserer Naturideen dasjenige klar überschaubar vor uns haben, was sich uns äußerlich für die Sinnesbeobachtung und für das Experiment in den Einzelheiten darbietet. Und wenn diese Naturwissenschaft bei diesem Erleben der Naturideen angekommen ist, dann fühlt sie sich an ihrem Ende. Anthroposophie sucht aber gerade jetzt erst zu beginnen, sie nimmt das auf, was als Naturideen in die Seele hereingekommen ist, sie schaut hin auf die Seelenverfassung, in die der Mensch sich versetzt hat, der solche Naturideen mit dieser seiner Seele vereinigt hat. Sie schaut daraufhin, in welcher Art der Mensch seine eigene Tätigkeit angewendet hat, sein Seelisches, sein Geistiges in Tätigkeit gebracht hat, während er die Natur erforscht hat, wie er dabei zu seinen Naturideen gekommen ist; sie schaut hin auf die Tätigkeit, die der Mensch während des Forschens ausgeübt hat, und sie sucht diese Tätigkeit dann weiterzubilden. Sie sucht gewissermaßen mit dem, woran Naturwissenschaft als an ihrem Ende angekommen ist, den Anfang zu machen mit einer inneren seelischen Entwicklung. Das scheint nun durchaus in das Subjektive hineinzuführen.

[ 6 ] Diese Anthroposophie fühlt sich ja in ihrem Ausgangspunkte dann am wohlsten, wenn sie voll stehen kann dort, wohin unsere Zeit naturwissenschaftlicher Denkweise, naturwissenschaftlicher Forschungsart geführt hat. Dilettantismus und Laientum gegenüber der Naturwissenschaft werden wohl vielleicht manchmal enthusiastisch berührt sein von der Anthroposophie; sie werden aber die tiefste innere Befriedigung darin nicht finden können, weil ihnen eben Anthroposophie viel zu sehr im Sinne wissenschaftlicher Denkungsart zu arbeiten scheinen wird. Aber man muss doch sagen: Anthroposophie fängt dort an, wo die heute anerkannte Wissenschaft aufhört. Die heute anerkannte Wissenschaft geht von dem äußerlich Gegebenen aus, steigt auf von diesem Gegebenen zu den Naturgesetze genannten Ideen über dieses Gegebene. Wenn wir dann innerhalb dieser Ideen leben, gewissermaßen die Ideen, die wir aus der Natur gewonnen haben, mit unserem Seelenleben verbinden, dann haben wir eine innere Anschauung über die Natur, und diese innere Anschauung befriedigt uns aus dem Grunde, weil wir den Übergang von der einen Idee in die andere klar überschauen können, weil wir innerlich gewissermaßen im ganzen Felde unserer Naturideen dasjenige klar überschaubar vor uns haben, was sich uns äußerlich für die Sinnesbeobachtung und für das Experiment in den Einzelheiten darbietet. Und wenn diese Naturwissenschaft bei diesem Erleben der Naturideen angekommen ist, dann fühlt sie sich an ihrem Ende. Anthroposophie sucht aber gerade jetzt erst zu beginnen, sie nimmt das auf, was als Naturideen in die Seele hereingekommen ist, sie schaut hin auf die Seelenverfassung, in die der Mensch sich versetzt hat, der solche Naturideen mit dieser seiner Seele vereinigt hat. Sie schaut daraufhin, in welcher Art der Mensch seine eigene Tätigkeit angewendet hat, sein Seelisches, sein Geistiges in Tätigkeit gebracht hat, während er die Natur erforscht hat, wie er dabei zu seinen Naturideen gekommen ist; sie schaut hin auf die Tätigkeit, die der Mensch während des Forschens ausgeübt hat, und sie sucht diese Tätigkeit dann weiterzubilden. Sie sucht gewissermaßen mit dem, woran Naturwissenschaft als an ihrem Ende angekommen ist, den Anfang zu machen mit einer inneren seelischen Entwicklung. Das scheint nun durchaus in das Subjektive hineinzuführen.

[ 7 ] Ja, durch das, was nun weiter gemacht werden kann, indem die gewonnenen Ideen weiterverarbeitet werden, indem ein inneres Seelenleben als eine Fortsetzung dessen gesucht wird, was in Bezug auf die äußere Natur angewendet wurde, glaubt man in das Nur-Subjektive, in das Nur-Persönliche hineinzukommen, für das also auch nur Behauptungen aufgestellt werden dürfen, die einen subjektiven Charakter tragen.

[ 7 ] Ja, durch das, was nun weiter gemacht werden kann, indem die gewonnenen Ideen weiterverarbeitet werden, indem ein inneres Seelenleben als eine Fortsetzung dessen gesucht wird, was in Bezug auf die äußere Natur angewendet wurde, glaubt man in das Nur-Subjektive, in das Nur-Persönliche hineinzukommen, für das also auch nur Behauptungen aufgestellt werden dürfen, die einen subjektiven Charakter tragen.

[ 8 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, für die ersten Schritte, die in dieser Richtung unternommen werden, ist das zweifellos der Fall. Aber wer alles verfolgt, was an Einzelheiten für diese inneren Seelenübungen zur Weiterbildung der menschlichen Seelenfähigkeiten in meinen Schriften «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», «Geheimwissenschaft im Umriss», und so weiter auseinandergesetzt ist, der wird finden, dass dieses Subjektive nur ein Übergangsstadium ist und dass man zuletzt über das Subjektive hinaus bei einem Objektiven ankommt, bei einem Objektiven, das zwar innerlich subjektiv erlebt wird — wie ja auch die Naturideen — , das aber in seiner Gewissheit, in seiner Geltung von der menschlichen Subjektivität so unabhängig ist, wie die schließlich doch auch subjektiv erarbeiteten mathematisch-geometrischen Urteile, die allerdings nur formale sind, die aber doch, trotzdem sie subjektiv erarbeitet werden, in ihrem Wahrheitscharakter von der menschlichen Subjektivität unabhängig sind. Nur durch den Gang, den die anthroposophische Forscherentwicklung nimmt, gelangt man nicht so wie im Mathematischen in ein bloß Formales hinein, sondern man gelangt in ein Gebiet hinein, in dem durchaus menschliche Geistesinhalte zustande kommen, die sich auf Realitäten beziehen. Wenn wir in der Mathematik ein Dreieck zeichnen und seine Gesetzmäßigkeit untersuchen, so ist das allerdings zunächst nur ein innerliches subjektives Erlebnis, und wir müssen es dann äußerlich auf irgendetwas anwenden, was sich der Sinnesbeobachtung ergibt, damit wir von Objektivität sprechen können. Durch die anthroposophische Methode gelangt man zu ebenso gewissen Inhalten, wie sie in der Mathematik gegeben sind, aber man gelangt zu gleicher Zeit zu Inhalten, welche in der wirklich geistig existierenden Welt ihre Bedeutung und ihre Geltung haben. Das stellt sich ja heraus, wenn man — von einem gewissen Gesichtspunkte aus kann ich das auch heute tun — diese Methoden schildert, die der anthroposophische Forscher auf das eigene innere Seelenleben anwendet, um in die übersinnliche Welt einzutreten. Ich sage: Von einem gewissen Gesichtspunkte aus kann ich das unternehmen, denn dieser anthroposophische Forschungsweg ist ein sehr komplizierter, er muss sich in vielen Einzelheiten inneren seelischen Übens ergehen, und in Bezug auf diese Einzelheiten muss ich schon auf die genannten Bücher verweisen.

[ 8 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, für die ersten Schritte, die in dieser Richtung unternommen werden, ist das zweifellos der Fall. Aber wer alles verfolgt, was an Einzelheiten für diese inneren Seelenübungen zur Weiterbildung der menschlichen Seelenfähigkeiten in meinen Schriften «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», «Geheimwissenschaft im Umriss», und so weiter auseinandergesetzt ist, der wird finden, dass dieses Subjektive nur ein Übergangsstadium ist und dass man zuletzt über das Subjektive hinaus bei einem Objektiven ankommt, bei einem Objektiven, das zwar innerlich subjektiv erlebt wird — wie ja auch die Naturideen — , das aber in seiner Gewissheit, in seiner Geltung von der menschlichen Subjektivität so unabhängig ist, wie die schließlich doch auch subjektiv erarbeiteten mathematisch-geometrischen Urteile, die allerdings nur formale sind, die aber doch, trotzdem sie subjektiv erarbeitet werden, in ihrem Wahrheitscharakter von der menschlichen Subjektivität unabhängig sind. Nur durch den Gang, den die anthroposophische Forscherentwicklung nimmt, gelangt man nicht so wie im Mathematischen in ein bloß Formales hinein, sondern man gelangt in ein Gebiet hinein, in dem durchaus menschliche Geistesinhalte zustande kommen, die sich auf Realitäten beziehen. Wenn wir in der Mathematik ein Dreieck zeichnen und seine Gesetzmäßigkeit untersuchen, so ist das allerdings zunächst nur ein innerliches subjektives Erlebnis, und wir müssen es dann äußerlich auf irgendetwas anwenden, was sich der Sinnesbeobachtung ergibt, damit wir von Objektivität sprechen können. Durch die anthroposophische Methode gelangt man zu ebenso gewissen Inhalten, wie sie in der Mathematik gegeben sind, aber man gelangt zu gleicher Zeit zu Inhalten, welche in der wirklich geistig existierenden Welt ihre Bedeutung und ihre Geltung haben. Das stellt sich ja heraus, wenn man — von einem gewissen Gesichtspunkte aus kann ich das auch heute tun — diese Methoden schildert, die der anthroposophische Forscher auf das eigene innere Seelenleben anwendet, um in die übersinnliche Welt einzutreten. Ich sage: Von einem gewissen Gesichtspunkte aus kann ich das unternehmen, denn dieser anthroposophische Forschungsweg ist ein sehr komplizierter, er muss sich in vielen Einzelheiten inneren seelischen Übens ergehen, und in Bezug auf diese Einzelheiten muss ich schon auf die genannten Bücher verweisen.

[ 9 ] Nun möchte ich aber gerade mit Bezug auf das heutige Thema, das den Wissenschaftscharakter der Anthroposophie behandeln soll, von einer Art historischer Betrachtung ausgehen, weil aus dieser der Wissenschaftscharakter dessen, was sich gegenwärtig als Anthroposophie der Menschheitszivilisation einverleiben will, vielleicht am besten ersichtlich sein wird. Wenn man nämlich heute von den Methoden spricht, durch die Anthroposophie in die übersinnlichen Welten eindringen will, so werden sehr viele unserer Zeitgenossen an Methoden erinnert, die für sie ähnliche sind, ja, die sie vielleicht sogar für dieselben halten wie die anthroposophischen.

[ 9 ] Nun möchte ich aber gerade mit Bezug auf das heutige Thema, das den Wissenschaftscharakter der Anthroposophie behandeln soll, von einer Art historischer Betrachtung ausgehen, weil aus dieser der Wissenschaftscharakter dessen, was sich gegenwärtig als Anthroposophie der Menschheitszivilisation einverleiben will, vielleicht am besten ersichtlich sein wird. Wenn man nämlich heute von den Methoden spricht, durch die Anthroposophie in die übersinnlichen Welten eindringen will, so werden sehr viele unserer Zeitgenossen an Methoden erinnert, die für sie ähnliche sind, ja, die sie vielleicht sogar für dieselben halten wie die anthroposophischen.

[ 10 ] Ich habe gerade in den letzten Wochen über die anthroposophischen Methoden in den verschiedensten Städten zu reden gehabt, und immer wieder hörte man das Urteil: Europa ist schon einmal nicht geeignet, die Menschen hinzuweisen auf den alten asiatischen Yogakultus, auf das alte Yoga-System, wo man durch innere Seelenübungen die Seele vorbereiten soll, um etwas anderes zu schauen, als sie ohne diese Übungen im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft zu schauen imstande ist. Aber die Menschen, die so urteilen, merken durchaus nicht, dass ein radikaler Unterschied ist zwischen dem, was von mir als die anthroposophischen Methoden geschildert wird und dem, was — allerdings in ein weites graues Altertum zurückgehend — in orientalischen Weisheitsschulen und orientalischen Geistesströmungen vorhanden war als Übungen der Seele, um in der Art jener Geistesströmungen zu einer anderen Welt zu kommen, als das gewöhnliche Leben sie darbietet. Wenn man nämlich auf das hinweist, was diese orientalischen Geistesschulen dem Menschen geben wollten, so wird man sogleich darauf aufmerksam, dass der alte orientalische Geistescharakter und Seelencharakter des Menschen ein durchaus anderer war, als derjenige der europäischen Menschen der Gegenwart ist.

[ 10 ] Ich habe gerade in den letzten Wochen über die anthroposophischen Methoden in den verschiedensten Städten zu reden gehabt, und immer wieder hörte man das Urteil: Europa ist schon einmal nicht geeignet, die Menschen hinzuweisen auf den alten asiatischen Yogakultus, auf das alte Yoga-System, wo man durch innere Seelenübungen die Seele vorbereiten soll, um etwas anderes zu schauen, als sie ohne diese Übungen im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft zu schauen imstande ist. Aber die Menschen, die so urteilen, merken durchaus nicht, dass ein radikaler Unterschied ist zwischen dem, was von mir als die anthroposophischen Methoden geschildert wird und dem, was — allerdings in ein weites graues Altertum zurückgehend — in orientalischen Weisheitsschulen und orientalischen Geistesströmungen vorhanden war als Übungen der Seele, um in der Art jener Geistesströmungen zu einer anderen Welt zu kommen, als das gewöhnliche Leben sie darbietet. Wenn man nämlich auf das hinweist, was diese orientalischen Geistesschulen dem Menschen geben wollten, so wird man sogleich darauf aufmerksam, dass der alte orientalische Geistescharakter und Seelencharakter des Menschen ein durchaus anderer war, als derjenige der europäischen Menschen der Gegenwart ist.

[ 11 ] Man muss durchaus, wenn man unbefangen ist, damit Ernst machen, in der menschlichen Entwicklung einen Fortgang von einer Metamorphose des Seelenlebens zu der anderen zu suchen. Wer da glaubt, im Wesentlichen war die menschliche Seelenverfassung in allen Kulturperioden dieselbe, höchstens war sie anders bei gewissen primitiven wilden Völkerstämmen, der irrt sich gar gewaltig. Wer sich unbefangen hineinzuvertiefen vermag in die Art, wie etwa die alten Veden oder andere alte Urkunden früherer Zeiten dem Menschen Weisheit der Welt zu vermitteln suchten, der wird finden, dass diese Art der Vermittlung auf eine ganz andere Empfänglichkeit im Menschen, auf eine ganz andere Seelenverfassung rechnete, und vielleicht ist sogar erst anthroposophische Forschung in der Lage, darüber Auskunft zu geben, wie sich der Mensch in dieser Beziehung im Laufe seiner Entwicklung geändert hat. Wenn man sich nämlich darin vertieft, was an Ideen, die allerdings dichterische Formen angenommen haben, über die Weltengeheimnisse zum Beispiel in den Veden entwickelt war, dann findet man, dass ein gewaltiger Unterschied besteht zwischen dieser Art, die Veden in das Seelenleben aufzunehmen, und derjenigen, die wir heute als unserer Seelenverfassung angemessen empfinden. Wir fühlen heute die Notwendigkeit, streng umrissene, scharf konturierte Ideen zu haben, Ideen, die einen anerkannt logischen Charakter tragen, die durchschaubar sind, die das Gefühl nicht unmittelbar, sondern nur mittelbar ansprechen. Das sind nur einzelne Charaktereigenschaften, die ich angeben kann. Wer aber die Weisheit, die etwa in den Veden den Menschen überliefert worden ist, zusammenstellt mit dem, was wir heute unser Wissenschafts-, unser Weisheitsstreben nennen, der wird die gewaltige Differenz schon herausfinden. Wodurch ist diese Differenz begründet?

[ 11 ] Man muss durchaus, wenn man unbefangen ist, damit Ernst machen, in der menschlichen Entwicklung einen Fortgang von einer Metamorphose des Seelenlebens zu der anderen zu suchen. Wer da glaubt, im Wesentlichen war die menschliche Seelenverfassung in allen Kulturperioden dieselbe, höchstens war sie anders bei gewissen primitiven wilden Völkerstämmen, der irrt sich gar gewaltig. Wer sich unbefangen hineinzuvertiefen vermag in die Art, wie etwa die alten Veden oder andere alte Urkunden früherer Zeiten dem Menschen Weisheit der Welt zu vermitteln suchten, der wird finden, dass diese Art der Vermittlung auf eine ganz andere Empfänglichkeit im Menschen, auf eine ganz andere Seelenverfassung rechnete, und vielleicht ist sogar erst anthroposophische Forschung in der Lage, darüber Auskunft zu geben, wie sich der Mensch in dieser Beziehung im Laufe seiner Entwicklung geändert hat. Wenn man sich nämlich darin vertieft, was an Ideen, die allerdings dichterische Formen angenommen haben, über die Weltengeheimnisse zum Beispiel in den Veden entwickelt war, dann findet man, dass ein gewaltiger Unterschied besteht zwischen dieser Art, die Veden in das Seelenleben aufzunehmen, und derjenigen, die wir heute als unserer Seelenverfassung angemessen empfinden. Wir fühlen heute die Notwendigkeit, streng umrissene, scharf konturierte Ideen zu haben, Ideen, die einen anerkannt logischen Charakter tragen, die durchschaubar sind, die das Gefühl nicht unmittelbar, sondern nur mittelbar ansprechen. Das sind nur einzelne Charaktereigenschaften, die ich angeben kann. Wer aber die Weisheit, die etwa in den Veden den Menschen überliefert worden ist, zusammenstellt mit dem, was wir heute unser Wissenschafts-, unser Weisheitsstreben nennen, der wird die gewaltige Differenz schon herausfinden. Wodurch ist diese Differenz begründet?

[ 12 ] Nun, was man heute gewöhnlich Psychologie nennt, ist ja wenig in der Lage, auf das innerlich bewegliche, so viele einzelne charakteristische wesenhafte Züge in sich tragende menschliche Seelenleben einzugehen; deshalb findet man auch heute wenig heraus, womit eigentlich das Ähnlichkeit hat, was an Weisheitsinhalt in den Veden den Menschen überliefert wird. Man kommt aber zu einiger Klarheit, wenn man nicht mit unseren scharf konturierten, intellektualistischen Begriffen den Ideengehalt der Veden vergleicht, sondern wenn man sich etwa die folgende Tatsache vor Augen stellt.

[ 12 ] Nun, was man heute gewöhnlich Psychologie nennt, ist ja wenig in der Lage, auf das innerlich bewegliche, so viele einzelne charakteristische wesenhafte Züge in sich tragende menschliche Seelenleben einzugehen; deshalb findet man auch heute wenig heraus, womit eigentlich das Ähnlichkeit hat, was an Weisheitsinhalt in den Veden den Menschen überliefert wird. Man kommt aber zu einiger Klarheit, wenn man nicht mit unseren scharf konturierten, intellektualistischen Begriffen den Ideengehalt der Veden vergleicht, sondern wenn man sich etwa die folgende Tatsache vor Augen stellt.

[ 13 ] Wir denken uns eine Menschenseele, die eben in dem Übergange lebt vom Schlafzustand zu dem Wachzustand. Wir denken sie uns durchdrungen von einem Traumesinhalt. Dieser Traumesinhalt kann wunderbare, schöne Formen annehmen, kann eine innerliche Dramatik aufzeigen, kann einen Bildcharakter haben, der durchaus poetische Stimmung an sich trägt. Gewiss, dieser Traumesinhalt darf nicht unmittelbar verglichen werden mit dem wunderbaren Weisheitsgehalt der Veden. Aber dennoch ist etwas daran, wenn das dichterische Nacherleben der Weltgeheimnisse durch die menschliche Seele von Plato empfunden wird als erwas Traumhaftes. Verfolgen wir die Seele, die aus dem Schlafzustand heraustritt, beim Übergang in den Wachzustand diese Traumbilder vor sich hat, verfolgen wir ihren Weg weiter: die Traumbilder lähmen sich allmählich ab, der Mensch nimmt Besitz von seiner Leibesnatur, insbesondere von seiner Willensnatur; denn erst wenn er von seiner vollen Willensnatur Besitz ergriffen hat, verschwindet alles Traumhafte. Dann ist er in der Lage, durch seine Leiblichkeit sich seiner Sinne zu bedienen; dann weiß er sich in Verbindung mit der physischen Außenwelt, dann weiß er den Unterschied zu fassen zwischen der Welt des Traumes und der Welt der Wirklichkeit.

[ 13 ] Wir denken uns eine Menschenseele, die eben in dem Übergange lebt vom Schlafzustand zu dem Wachzustand. Wir denken sie uns durchdrungen von einem Traumesinhalt. Dieser Traumesinhalt kann wunderbare, schöne Formen annehmen, kann eine innerliche Dramatik aufzeigen, kann einen Bildcharakter haben, der durchaus poetische Stimmung an sich trägt. Gewiss, dieser Traumesinhalt darf nicht unmittelbar verglichen werden mit dem wunderbaren Weisheitsgehalt der Veden. Aber dennoch ist etwas daran, wenn das dichterische Nacherleben der Weltgeheimnisse durch die menschliche Seele von Plato empfunden wird als erwas Traumhaftes. Verfolgen wir die Seele, die aus dem Schlafzustand heraustritt, beim Übergang in den Wachzustand diese Traumbilder vor sich hat, verfolgen wir ihren Weg weiter: die Traumbilder lähmen sich allmählich ab, der Mensch nimmt Besitz von seiner Leibesnatur, insbesondere von seiner Willensnatur; denn erst wenn er von seiner vollen Willensnatur Besitz ergriffen hat, verschwindet alles Traumhafte. Dann ist er in der Lage, durch seine Leiblichkeit sich seiner Sinne zu bedienen; dann weiß er sich in Verbindung mit der physischen Außenwelt, dann weiß er den Unterschied zu fassen zwischen der Welt des Traumes und der Welt der Wirklichkeit.

[ 14 ] Was ist denn eigentlich das Wesentliche bei diesem Übergang aus dem Schlafzustand in den Wachzustand? Wir können ja verfolgen, wie gewissermaßen der Traum immer mehr und mehr abdämmert, je mehr die Tagesvorstellungen auftauchen; die Tagesvorstellungen vertreiben das Traumhafte. Aber kein Mensch kann sich darüber unklar sein, dass es ein wirkliches seelisches Erleben ist, dem wir uns im Traume hingeben, und dass dasjenige von uns, was dann später von seiner Körperlichkeit Besitz ergreift, in diesen Traumbildern drinnen lebt. Die Traumbilder entfallen ihm, indem es untertaucht in die Körperlichkeit. Mit einer feineren Psychologie, als sie unseren Zeitgenossen zur Verfügung steht, kann man das, was ich hier andeute, in allen Einzelheiten verfolgen. Dann wird man herausfinden, wie die Seele in der Tat aus einem Zustande, den wir zunächst unbestimmt sein lassen, auftaucht durch den Traumzustand, wie sie im Traumzustande in einer Lage ist, gewissermaßen ihren Leib nicht voll zu haben. In demselben Moment, wo sie ihren Leib hat, träumt sie eben nicht mehr. Wenn nun anthroposophische Forschung auf diese Art von Tatsachen angewendet wird, ergibt sich das Folgende. Anthroposophische Forschung, wie sie heute gemeint sein muss und wie sie der Zivilisation der Gegenwart Rechnung trägt, geht zunächst darauf aus, das menschliche Gedankenleben zu entwickeln, sodass die Gedanken kräftiger, intensiver werden, als sie in der gewöhnlichen Wissenschaft und im gewöhnlichen Leben sind. Dieses Kräftigermachen der Gedanken erreicht man durch Meditation und Konzentration. Man gibt sich einem bestimmten Vorstellungsinhalt hin, wendet alle Kraft der Seele auf ihn an. Dadurch erkraftet sich die Seele so, wie sich äußerlich ein Muskel erkraftet, wenn er in der Arbeit gebraucht wird. Das ganze Gedankenleben wird ein anderes. Man fühlt allmählich, wie man nicht mehr in abstrakten, blassen Gedanken lebt, die nur durch die Außenwelt angeregt sein können, sondern wie man in den Gedanken selber lebt wie in einem Elemente, das so lebhaft ist wie sonst nur das Erleben der äußeren Sinneswelt; und indem man dann weiter und immer weiter die Kraft des Denkens entwickelt, wird man schließlich in seinem Denken frei von seiner physischen Organisation. Man entwickelt eine innere seelische Tätigkeit, welche gewissermaßen außer dem Leibe verläuft, und jetzt lernt man erst erkennen, was es heißt: innerlich verlaufende Seelentätigkeit. Zunächst verlaufen sie durch diese Übungen im bloßen Denken. Aber das Denken ist unabhängig von jeder Leiblichkeit; man kann es zu einem solchen, von aller Leiblichkeit unabhängigen Denken bringen. Dann aber, wenn man es zu einer solchen inneren Anschaulichkeit im Denken gebracht hat, kann man unterscheiden das, was im Wachleben auftritt, und das, was für den Menschen vorhanden ist vom Einschlafen bis zum Aufwachen im Schlafzustande. Denn jetzt weiß man durch unmittelbare Anschauung, dass der Mensch im Wachzustande, indem er denkt, sich zu der Tätigkeit seines Denkens des Leibes bedienen muss. Für das wache, gewöhnliche Denken ist der Leib die Grundlage. Dasjenige Denken, das uns im gewöhnlichen Bewusstsein eigen ist, kann sich gewissermaßen nicht so weit erhellen, dass es wirklich bewusst wird durch seine eigene Kraft; der Leib muss sein Helfer sein. Es muss im Leibe gedacht werden, sodass dasjenige Denken, das wir heute in der Wissenschaft und auch im gewöhnlichen Leben anwenden, einfach ein Denken mithilfe des Leibes ist. In dieser Beziehung macht gerade anthroposophische Forschung mit Bezug auf das gewöhnliche Denken den Menschen materialistischer, als er sonst gewöhnlich ist.

[ 14 ] Was ist denn eigentlich das Wesentliche bei diesem Übergang aus dem Schlafzustand in den Wachzustand? Wir können ja verfolgen, wie gewissermaßen der Traum immer mehr und mehr abdämmert, je mehr die Tagesvorstellungen auftauchen; die Tagesvorstellungen vertreiben das Traumhafte. Aber kein Mensch kann sich darüber unklar sein, dass es ein wirkliches seelisches Erleben ist, dem wir uns im Traume hingeben, und dass dasjenige von uns, was dann später von seiner Körperlichkeit Besitz ergreift, in diesen Traumbildern drinnen lebt. Die Traumbilder entfallen ihm, indem es untertaucht in die Körperlichkeit. Mit einer feineren Psychologie, als sie unseren Zeitgenossen zur Verfügung steht, kann man das, was ich hier andeute, in allen Einzelheiten verfolgen. Dann wird man herausfinden, wie die Seele in der Tat aus einem Zustande, den wir zunächst unbestimmt sein lassen, auftaucht durch den Traumzustand, wie sie im Traumzustande in einer Lage ist, gewissermaßen ihren Leib nicht voll zu haben. In demselben Moment, wo sie ihren Leib hat, träumt sie eben nicht mehr. Wenn nun anthroposophische Forschung auf diese Art von Tatsachen angewendet wird, ergibt sich das Folgende. Anthroposophische Forschung, wie sie heute gemeint sein muss und wie sie der Zivilisation der Gegenwart Rechnung trägt, geht zunächst darauf aus, das menschliche Gedankenleben zu entwickeln, sodass die Gedanken kräftiger, intensiver werden, als sie in der gewöhnlichen Wissenschaft und im gewöhnlichen Leben sind. Dieses Kräftigermachen der Gedanken erreicht man durch Meditation und Konzentration. Man gibt sich einem bestimmten Vorstellungsinhalt hin, wendet alle Kraft der Seele auf ihn an. Dadurch erkraftet sich die Seele so, wie sich äußerlich ein Muskel erkraftet, wenn er in der Arbeit gebraucht wird. Das ganze Gedankenleben wird ein anderes. Man fühlt allmählich, wie man nicht mehr in abstrakten, blassen Gedanken lebt, die nur durch die Außenwelt angeregt sein können, sondern wie man in den Gedanken selber lebt wie in einem Elemente, das so lebhaft ist wie sonst nur das Erleben der äußeren Sinneswelt; und indem man dann weiter und immer weiter die Kraft des Denkens entwickelt, wird man schließlich in seinem Denken frei von seiner physischen Organisation. Man entwickelt eine innere seelische Tätigkeit, welche gewissermaßen außer dem Leibe verläuft, und jetzt lernt man erst erkennen, was es heißt: innerlich verlaufende Seelentätigkeit. Zunächst verlaufen sie durch diese Übungen im bloßen Denken. Aber das Denken ist unabhängig von jeder Leiblichkeit; man kann es zu einem solchen, von aller Leiblichkeit unabhängigen Denken bringen. Dann aber, wenn man es zu einer solchen inneren Anschaulichkeit im Denken gebracht hat, kann man unterscheiden das, was im Wachleben auftritt, und das, was für den Menschen vorhanden ist vom Einschlafen bis zum Aufwachen im Schlafzustande. Denn jetzt weiß man durch unmittelbare Anschauung, dass der Mensch im Wachzustande, indem er denkt, sich zu der Tätigkeit seines Denkens des Leibes bedienen muss. Für das wache, gewöhnliche Denken ist der Leib die Grundlage. Dasjenige Denken, das uns im gewöhnlichen Bewusstsein eigen ist, kann sich gewissermaßen nicht so weit erhellen, dass es wirklich bewusst wird durch seine eigene Kraft; der Leib muss sein Helfer sein. Es muss im Leibe gedacht werden, sodass dasjenige Denken, das wir heute in der Wissenschaft und auch im gewöhnlichen Leben anwenden, einfach ein Denken mithilfe des Leibes ist. In dieser Beziehung macht gerade anthroposophische Forschung mit Bezug auf das gewöhnliche Denken den Menschen materialistischer, als er sonst gewöhnlich ist.

[ 15 ] Aber man lernt noch etwas anderes erkennen, nämlich, in welcher inneren Seelenverfassung man ist, wenn man sich dem leibfreien Denken hingibt, das durch Meditation und Konzentration entstanden ist, wenn man also ein denkerisches Erleben in der vom Leibe befreiten Seele hat, und man kann jetzt vergleichen, was man so erlebt, mit dem, was der Schlafzustand ist. Man lernt jetzt erkennen, dass man mit Bezug auf seinen Leib während des erkrafteten selbstständigen Gedankenlebens ebenso unabhängig ist, wie man sonst im Schlafe unabhängig ist; nur waltet im Schlafe in der unabhängigen, aus dem Leibe herausgegangenen Seele das Schwächste, das sich nur mithilfe des Leibes innerlich so erleuchten kann, dass es zum Bewusstsein kommt. Daher bleibt das Denken für den Schlafzustand unbewusst; wir sinken während des Schlafes in die Unbewusstheit hinunter. In einen ganz gleichen Zustand der Leibfreiheit treten wir ein nach der Meditation und Konzentration. Jetzt ist aber das Denken so erstarkt, dass nicht Bewusstlosigkeit eintritt, sondern Bewusstseinserfülltheit, sodass man in einem Zustande lebt, der vom Schlafzustande radikal verschieden ist, nämlich in einem Seelenleben unabhängig vom Leibe. Jetzt lernt man erst den Charakter des menschlichen Schlafes kennen. Man weiß jetzt, dass die menschliche Seele mit dem Einschlafen aus dem Leibe herausgeht, dass sie im gegenwärtigen Entwicklungszustand der Menschheit aber nur solche Gedanken hat, die sich mithilfe des Leibes innerlich erleuchten können bis zur Bewusstheit; und indem man sich ganz bewusst dazu aufgeschwungen hat, einen solchen Seelenzustand zu erreichen, der leibfrei ist und eine Inhalt-Erfülltheit hat, lernt man jetzt diesen Zustand vergleichen mit demjenigen, in dem etwa die Verfasser der Veden waren.

[ 15 ] Aber man lernt noch etwas anderes erkennen, nämlich, in welcher inneren Seelenverfassung man ist, wenn man sich dem leibfreien Denken hingibt, das durch Meditation und Konzentration entstanden ist, wenn man also ein denkerisches Erleben in der vom Leibe befreiten Seele hat, und man kann jetzt vergleichen, was man so erlebt, mit dem, was der Schlafzustand ist. Man lernt jetzt erkennen, dass man mit Bezug auf seinen Leib während des erkrafteten selbstständigen Gedankenlebens ebenso unabhängig ist, wie man sonst im Schlafe unabhängig ist; nur waltet im Schlafe in der unabhängigen, aus dem Leibe herausgegangenen Seele das Schwächste, das sich nur mithilfe des Leibes innerlich so erleuchten kann, dass es zum Bewusstsein kommt. Daher bleibt das Denken für den Schlafzustand unbewusst; wir sinken während des Schlafes in die Unbewusstheit hinunter. In einen ganz gleichen Zustand der Leibfreiheit treten wir ein nach der Meditation und Konzentration. Jetzt ist aber das Denken so erstarkt, dass nicht Bewusstlosigkeit eintritt, sondern Bewusstseinserfülltheit, sodass man in einem Zustande lebt, der vom Schlafzustande radikal verschieden ist, nämlich in einem Seelenleben unabhängig vom Leibe. Jetzt lernt man erst den Charakter des menschlichen Schlafes kennen. Man weiß jetzt, dass die menschliche Seele mit dem Einschlafen aus dem Leibe herausgeht, dass sie im gegenwärtigen Entwicklungszustand der Menschheit aber nur solche Gedanken hat, die sich mithilfe des Leibes innerlich erleuchten können bis zur Bewusstheit; und indem man sich ganz bewusst dazu aufgeschwungen hat, einen solchen Seelenzustand zu erreichen, der leibfrei ist und eine Inhalt-Erfülltheit hat, lernt man jetzt diesen Zustand vergleichen mit demjenigen, in dem etwa die Verfasser der Veden waren.

[ 16 ] Diese Verfasser der Veden konnten sich nicht eines solchen Denkens bedienen, wie wir es in unserer heutigen Zivilisationsepoche haben, und wir werden zurückgeführt zu einer Seelenverfassung älterer Stufen der Menschheitsentwicklung, in denen es der Mensch einfach als seinen natürlichen Zustand empfand, nicht durch den Leib in scharf konturierten Gedanken sich die Geheimnisse der Welt zu vermitteln, sondern wo er durch einen gewissen Instinkt seine Gedanken erkraften konnte, auch wenn sie außerhalb des Leibes sich entfalten konnten. Wir schauen zurück zu Zuständen, nicht wie wir sie heute haben, sondern zu traumhaften, dumpfen, aber doch zu Zuständen, in denen die Menschen das Wichtigste, was sie in ihrem Seelenleben entwickelten, nämlich die Anschauung der Welt, außerhalb ihres Leibes entwickelten. Man bekommt so ein Bild davon, wie die Entwicklung der Menschheit in Bezug auf die Seelenverfassung von älteren Zeiten bis in die heutige Zeit herein war. Man kann sagen, dass die letzten Reste eines früheren Zustandes noch bis in die Mitte des Mittelalters, ja bis in den Aufgang der neueren Zeit vorhanden waren. Erst das galileisch-kopernikanische Zeitalter, das die Menschen gelehrt hat, in scharfen, den mathematischen nachgebildeten Begriffen die Welt zu schauen, erst dieses Zeitalter ist vorgeschritten zu einem Erleben der Seele im Denken durch den Leib; während man bis zu diesem Zeitalter noch merkt, wie die letzten Reste in der Seelenverfassung von einem leibfreien Erkennen da sind, und je mehr man zurückgeht in ältere Zeiten, desto mehr findet man ein solches leibfreies Erkennen. Das konnte sich dann nur äußern in solchen Seelengebilden, die dem Traume ähnlich sind. Es war gewissermaßen ein Herübergehen der Menschen aus dem leibfreien in denjenigen Zustand, wo sie sich des Leibes bedienen und das entwickeln, was ihrem Hineinschauen in die geistige Welt entspricht.

[ 16 ] Diese Verfasser der Veden konnten sich nicht eines solchen Denkens bedienen, wie wir es in unserer heutigen Zivilisationsepoche haben, und wir werden zurückgeführt zu einer Seelenverfassung älterer Stufen der Menschheitsentwicklung, in denen es der Mensch einfach als seinen natürlichen Zustand empfand, nicht durch den Leib in scharf konturierten Gedanken sich die Geheimnisse der Welt zu vermitteln, sondern wo er durch einen gewissen Instinkt seine Gedanken erkraften konnte, auch wenn sie außerhalb des Leibes sich entfalten konnten. Wir schauen zurück zu Zuständen, nicht wie wir sie heute haben, sondern zu traumhaften, dumpfen, aber doch zu Zuständen, in denen die Menschen das Wichtigste, was sie in ihrem Seelenleben entwickelten, nämlich die Anschauung der Welt, außerhalb ihres Leibes entwickelten. Man bekommt so ein Bild davon, wie die Entwicklung der Menschheit in Bezug auf die Seelenverfassung von älteren Zeiten bis in die heutige Zeit herein war. Man kann sagen, dass die letzten Reste eines früheren Zustandes noch bis in die Mitte des Mittelalters, ja bis in den Aufgang der neueren Zeit vorhanden waren. Erst das galileisch-kopernikanische Zeitalter, das die Menschen gelehrt hat, in scharfen, den mathematischen nachgebildeten Begriffen die Welt zu schauen, erst dieses Zeitalter ist vorgeschritten zu einem Erleben der Seele im Denken durch den Leib; während man bis zu diesem Zeitalter noch merkt, wie die letzten Reste in der Seelenverfassung von einem leibfreien Erkennen da sind, und je mehr man zurückgeht in ältere Zeiten, desto mehr findet man ein solches leibfreies Erkennen. Das konnte sich dann nur äußern in solchen Seelengebilden, die dem Traume ähnlich sind. Es war gewissermaßen ein Herübergehen der Menschen aus dem leibfreien in denjenigen Zustand, wo sie sich des Leibes bedienen und das entwickeln, was ihrem Hineinschauen in die geistige Welt entspricht.

[ 17 ] Auf solche Zeiten müssen wir zurückschauen, wenn wir das verstehen wollen, was uns in älteren Literaturen über den Weisheitsgehalt der Welt mitgeteilt ist. Wir dürfen nicht unmittelbar diesen Weisheitsgehalt der Welt mit unseren Begriffswelten kritisieren; dann zerstören wir ihn und können ihn gerade dadurch nicht in seinem Wahrheitsgehalt erkennen. Wenn wir uns aber in dieser Weise in die älteren Zeiten zurückversetzen können, wie auch in das, wodurch diese älteren Menschen über ihr gewöhnliches Anschauen hinauskommen wollten, dann wird uns vieles verständlich werden. Für diese Menschen war ja nicht unsere Wissenschaft das Alltägliche, sondern das, was sie in ihren Bildern, in ihren instinktiven Imaginationen schauten. Das brauchten sie nicht durch besondere Übungen erst zu erreichen. Für sie musste die Aufgabe, weiter sich zu entwickeln, in etwas anderem bestehen als für uns. Wenn wir mit dieser Erkenntnis uns nun auf das einlassen, was uns überliefert ist, und besonders auch die Yoga-Übungen des Orients betrachten, so müssen wir sagen: Alle diese Yoga-Übungen zielten darauf hin, aus der Erkenntnisweise in einem leibfreien Zustande eine solche Erkenntnisweise zu erringen, die sich des Leibes als Werkzeug bedient.

[ 17 ] Auf solche Zeiten müssen wir zurückschauen, wenn wir das verstehen wollen, was uns in älteren Literaturen über den Weisheitsgehalt der Welt mitgeteilt ist. Wir dürfen nicht unmittelbar diesen Weisheitsgehalt der Welt mit unseren Begriffswelten kritisieren; dann zerstören wir ihn und können ihn gerade dadurch nicht in seinem Wahrheitsgehalt erkennen. Wenn wir uns aber in dieser Weise in die älteren Zeiten zurückversetzen können, wie auch in das, wodurch diese älteren Menschen über ihr gewöhnliches Anschauen hinauskommen wollten, dann wird uns vieles verständlich werden. Für diese Menschen war ja nicht unsere Wissenschaft das Alltägliche, sondern das, was sie in ihren Bildern, in ihren instinktiven Imaginationen schauten. Das brauchten sie nicht durch besondere Übungen erst zu erreichen. Für sie musste die Aufgabe, weiter sich zu entwickeln, in etwas anderem bestehen als für uns. Wenn wir mit dieser Erkenntnis uns nun auf das einlassen, was uns überliefert ist, und besonders auch die Yoga-Übungen des Orients betrachten, so müssen wir sagen: Alle diese Yoga-Übungen zielten darauf hin, aus der Erkenntnisweise in einem leibfreien Zustande eine solche Erkenntnisweise zu erringen, die sich des Leibes als Werkzeug bedient.

[ 18 ] Sonderbar klingt das, und dennoch, einer unbefangenen Beobachtung stellt es sich so dar! Die ältere Menschheit suchte gerade das als ihr Ziel, irgendetwas zu erreichen, was uns in der Alltäglichkeit gegeben ist. Ihnen war das scharf konturierte Denken, das wir in der Naturwissenschaft mit solchem Triumphe anwenden, nicht gegeben; sie suchten es durch ihre Übungen zu erreichen. Ja, selbst wenn man sich auf die systematisch, gut durchgeführten Yoga-Atmungsübungen einlässt, wo die sich ihnen hingebenden Persönlichkeiten nicht in der gewöhnlichen Weise den Atmungsprozess verrichten, sondern in einer abnormen, aber doch gesetzmäßigen Art, so sehen wir, dass sie darauf angelegt waren, dass man mit dem, worin man in einem leibfreien Zustand der Seele war, zu ergreifen suchte den menschlichen Leib. Man möchte sagen: Was uns wie geschenkt ist, das strebten diese Menschen durch ihre Yoga-Übungen an; wir sehen überall, wie sie sich bemühen, so zu denken, dass der Leib das Werkzeug des Denkens wird. So wirken auf den, der diesen Tatbestand voll durchschaut, die alten, bis heute erhaltenen Yoga-Übungen so, dass er sieht: Diese Menschen haben den Geisteszustand angestrebt, der uns gewissermaßen zum Teil angeboren, zum Teil anerzogen ist seit unserer Kindheit.

[ 18 ] Sonderbar klingt das, und dennoch, einer unbefangenen Beobachtung stellt es sich so dar! Die ältere Menschheit suchte gerade das als ihr Ziel, irgendetwas zu erreichen, was uns in der Alltäglichkeit gegeben ist. Ihnen war das scharf konturierte Denken, das wir in der Naturwissenschaft mit solchem Triumphe anwenden, nicht gegeben; sie suchten es durch ihre Übungen zu erreichen. Ja, selbst wenn man sich auf die systematisch, gut durchgeführten Yoga-Atmungsübungen einlässt, wo die sich ihnen hingebenden Persönlichkeiten nicht in der gewöhnlichen Weise den Atmungsprozess verrichten, sondern in einer abnormen, aber doch gesetzmäßigen Art, so sehen wir, dass sie darauf angelegt waren, dass man mit dem, worin man in einem leibfreien Zustand der Seele war, zu ergreifen suchte den menschlichen Leib. Man möchte sagen: Was uns wie geschenkt ist, das strebten diese Menschen durch ihre Yoga-Übungen an; wir sehen überall, wie sie sich bemühen, so zu denken, dass der Leib das Werkzeug des Denkens wird. So wirken auf den, der diesen Tatbestand voll durchschaut, die alten, bis heute erhaltenen Yoga-Übungen so, dass er sieht: Diese Menschen haben den Geisteszustand angestrebt, der uns gewissermaßen zum Teil angeboren, zum Teil anerzogen ist seit unserer Kindheit.

[ 19 ] Nun kann allerdings gleich die Frage entstehen: Aber ein solcher Yoga-Schüler hat doch durch seine YogaÜbungen die Geheimnisse der Welt für sein Empfinden erkundet, hat sich in wunderbare Welten eingelebt; wenn man aber vernimmt, was sie als die von ihnen vernommenen Offenbarungen schildern, so bekommt man bald den Begriff: Was sie erlebt haben, das unterscheidet sich allerdings sehr beträchtlich von dem, was wir heute mit unseren abstrakten, abgeblassten Gedanken anstreben können. Hier aber liegt eine wichtige psychologische Tatsache, die ins Auge gefasst werden muss. Was nämlich dem Menschen in einer gewissen Beziehung ein Höchstes bieten kann in seinem Verhältnis zur Welt, das ergibt sich gerade aus dem Üben, aus dem Streben, aus der innerlichen Arbeit, nicht aus dem fertigen Zustande. Die Yoga-Schüler mussten sich mit innerlichen Seelenüberwindungen erobern das Anschauen, was uns als ein Fertiges gegeben ist, und nur während dieses Ringens und durch dieses Ringen lebt man sich in die tieferen Geheimnisse der Welt ein. Ist das, was so errungen wird, angeboren oder anerzogen, nimmt man es als etwas Selbstverständliches auf, dann bietet es sich auch als das Selbstverständliche der Umgebung dar; man lebt sich nicht mehr hinein in die Weltengeheimnisse, man durchschaut einfach die Welt nach seiner Organisation in der Umgebung. Daher hat für uns, die wir auf dem Horizont stehen, zu dem sich die Yoga-Schüler erst aufschwingen mussten, das Anschauen der tieferen Weltengeheimnisse aufgehört, die die Yoga-Schüler angeschaut haben. Und heute fühlen wir die Notwendigkeit, das Üben weiter fortzusetzen, es auf anderer Stufe fortzusetzen, den Ausgangspunkt dort zu nehmen, wo die Yoga-Schüler aufgehört haben.

[ 19 ] Nun kann allerdings gleich die Frage entstehen: Aber ein solcher Yoga-Schüler hat doch durch seine YogaÜbungen die Geheimnisse der Welt für sein Empfinden erkundet, hat sich in wunderbare Welten eingelebt; wenn man aber vernimmt, was sie als die von ihnen vernommenen Offenbarungen schildern, so bekommt man bald den Begriff: Was sie erlebt haben, das unterscheidet sich allerdings sehr beträchtlich von dem, was wir heute mit unseren abstrakten, abgeblassten Gedanken anstreben können. Hier aber liegt eine wichtige psychologische Tatsache, die ins Auge gefasst werden muss. Was nämlich dem Menschen in einer gewissen Beziehung ein Höchstes bieten kann in seinem Verhältnis zur Welt, das ergibt sich gerade aus dem Üben, aus dem Streben, aus der innerlichen Arbeit, nicht aus dem fertigen Zustande. Die Yoga-Schüler mussten sich mit innerlichen Seelenüberwindungen erobern das Anschauen, was uns als ein Fertiges gegeben ist, und nur während dieses Ringens und durch dieses Ringen lebt man sich in die tieferen Geheimnisse der Welt ein. Ist das, was so errungen wird, angeboren oder anerzogen, nimmt man es als etwas Selbstverständliches auf, dann bietet es sich auch als das Selbstverständliche der Umgebung dar; man lebt sich nicht mehr hinein in die Weltengeheimnisse, man durchschaut einfach die Welt nach seiner Organisation in der Umgebung. Daher hat für uns, die wir auf dem Horizont stehen, zu dem sich die Yoga-Schüler erst aufschwingen mussten, das Anschauen der tieferen Weltengeheimnisse aufgehört, die die Yoga-Schüler angeschaut haben. Und heute fühlen wir die Notwendigkeit, das Üben weiter fortzusetzen, es auf anderer Stufe fortzusetzen, den Ausgangspunkt dort zu nehmen, wo die Yoga-Schüler aufgehört haben.

[ 20 ] Der Anfang der Yoga-Schulung ist traumhaft, instinktiv bildhaft; aber gerade zu dem, was wir heute als den eigentlichen Geist der Wissenschaft empfinden, suchte sich der Yoga-Schüler heranzuentwickeln. Wir müssen heute, weil der Geist der Wissenschaftlichkeit jetzt der natürliche Zustand der Zivilisation ist, von diesem Zustande in unserer Seelenverfassung ausgehen und ihn weiterentwickeln. Wir können also sagen: Der Yoga-Schüler hat sich bis zu unserer Art des Denkens heranentwickelt, wir müssen uns von unserer Art des Denkens weiter fortentwickeln. Der Yoga-Schüler legte alle seine Übungen daraufhin an, dass er das Denken in seine Seelentätigkeit hereinbekam. Wenn ich heute Übungen zu schildern habe, die behufs Erreichung höherer Erkenntnis gemacht werden sollen, so sage ich allerdings: Diese Übungen müssen darauf gerichtet sein, das Denken zu erkraften, es heraufzuheben — jetzt nicht bloß zur unbewussten Imagination, die dem Altertum angehört, sondern zum bewussten Freisein von der Leiblichkeit. Wir müssen wieder frei sein von der Leiblichkeit, während der YogaSchüler gerade in die Leiblichkeit hineinstrebte; wir machen also in gewisser Beziehung den entgegengesetzten Gang durch.

[ 20 ] Der Anfang der Yoga-Schulung ist traumhaft, instinktiv bildhaft; aber gerade zu dem, was wir heute als den eigentlichen Geist der Wissenschaft empfinden, suchte sich der Yoga-Schüler heranzuentwickeln. Wir müssen heute, weil der Geist der Wissenschaftlichkeit jetzt der natürliche Zustand der Zivilisation ist, von diesem Zustande in unserer Seelenverfassung ausgehen und ihn weiterentwickeln. Wir können also sagen: Der Yoga-Schüler hat sich bis zu unserer Art des Denkens heranentwickelt, wir müssen uns von unserer Art des Denkens weiter fortentwickeln. Der Yoga-Schüler legte alle seine Übungen daraufhin an, dass er das Denken in seine Seelentätigkeit hereinbekam. Wenn ich heute Übungen zu schildern habe, die behufs Erreichung höherer Erkenntnis gemacht werden sollen, so sage ich allerdings: Diese Übungen müssen darauf gerichtet sein, das Denken zu erkraften, es heraufzuheben — jetzt nicht bloß zur unbewussten Imagination, die dem Altertum angehört, sondern zum bewussten Freisein von der Leiblichkeit. Wir müssen wieder frei sein von der Leiblichkeit, während der YogaSchüler gerade in die Leiblichkeit hineinstrebte; wir machen also in gewisser Beziehung den entgegengesetzten Gang durch.

[ 21 ] Dann aber muss ich diesen Gang weiter schildern, wie dieses Üben anstreben muss, eine solche Lebendigkeit der Seele zu entwickeln, wie wir sie sonst im Erleben der äußeren Sinneswahrnehmungen haben. In den Sinneswahrnehmungen stehen wir in einer gewissen Unabhängigkeit von unserer Körperlichkeit. Die Sinne sind eingeschaltet in unsere Körperlichkeit. Relativ allerdings werden wir von unseren Sinneswahrnehmungen unabhängig; erst in unserem Denken nehmen wir voll in unsere Leiblichkeit herein, was sich uns von der Außenwelt offenbart. Erst wenn wir von diesem Denken aus, das der Yoga-Schüler erst anstrebte, uns weiterentwickeln, kommt es nun darauf an, dieses Denken selber auf einer gewissen Stufe zu unterdrücken und den Zustand herbeizuführen, der ähnlich ist dem sinnlichen Wahrnehmen, das nicht in Gedanken aufgeht, sondern das die Gedanken gewissermaßen zurücklässt im physischen Leibe. Das Wesentliche unserer behufs anthroposophischer Forschung unternommenen Übungen ist dies: Das Denken wiederum zu überwinden, sich zu einem Zustande zu erheben, der dem Menschen ein Erleben gibt gewissermaßen in einer zweiten Persönlichkeit, aber so, dass diese zweite Persönlichkeit nun das intensive, das erstarkte, das bildmäßig gewordene Denken hat, und dass zurückbleibt — durchaus voll bewusst — die gewöhnliche Persönlichkeit mit dem gesunden Menschenverstand, mit dem gesunden, an den physischen Leib gebundenen Denken.

[ 21 ] Dann aber muss ich diesen Gang weiter schildern, wie dieses Üben anstreben muss, eine solche Lebendigkeit der Seele zu entwickeln, wie wir sie sonst im Erleben der äußeren Sinneswahrnehmungen haben. In den Sinneswahrnehmungen stehen wir in einer gewissen Unabhängigkeit von unserer Körperlichkeit. Die Sinne sind eingeschaltet in unsere Körperlichkeit. Relativ allerdings werden wir von unseren Sinneswahrnehmungen unabhängig; erst in unserem Denken nehmen wir voll in unsere Leiblichkeit herein, was sich uns von der Außenwelt offenbart. Erst wenn wir von diesem Denken aus, das der Yoga-Schüler erst anstrebte, uns weiterentwickeln, kommt es nun darauf an, dieses Denken selber auf einer gewissen Stufe zu unterdrücken und den Zustand herbeizuführen, der ähnlich ist dem sinnlichen Wahrnehmen, das nicht in Gedanken aufgeht, sondern das die Gedanken gewissermaßen zurücklässt im physischen Leibe. Das Wesentliche unserer behufs anthroposophischer Forschung unternommenen Übungen ist dies: Das Denken wiederum zu überwinden, sich zu einem Zustande zu erheben, der dem Menschen ein Erleben gibt gewissermaßen in einer zweiten Persönlichkeit, aber so, dass diese zweite Persönlichkeit nun das intensive, das erstarkte, das bildmäßig gewordene Denken hat, und dass zurückbleibt — durchaus voll bewusst — die gewöhnliche Persönlichkeit mit dem gesunden Menschenverstand, mit dem gesunden, an den physischen Leib gebundenen Denken.

[ 22 ] So also muss der, welcher im heutigen Sinne eine übersinnliche Erkenntnis in unmittelbarem Erleben anstrebt, nach dieser Zweigliederung seiner Persönlichkeit hinstreben. Anthroposophie ist durchaus nicht zu verwechseln mit alledem, was irgendwelche krankhaften Zustände sind. Im Halluzinatorischen, im Visionären geht die Persönlichkeit über [in] die Halluzinationen, in die Welt von Visionen; bei der anthroposophischen Forschung bleibt die Persönlichkeit bestehen, und das leibgebundene, gewöhnliche Denken lebt weiter fort. Diejenigen Persönlichkeiten, die in die höheren Welten eintreten, leben mit dem entwickelten, metamorphosierten Denken in diese höheren Welten hinein. Dadurch ist der anthroposophische Forscher immer in der Lage, das, was er schaut, in den höheren Welten mit seiner gewöhnlichen Persönlichkeit streng kritisch zu verfolgen.

[ 22 ] So also muss der, welcher im heutigen Sinne eine übersinnliche Erkenntnis in unmittelbarem Erleben anstrebt, nach dieser Zweigliederung seiner Persönlichkeit hinstreben. Anthroposophie ist durchaus nicht zu verwechseln mit alledem, was irgendwelche krankhaften Zustände sind. Im Halluzinatorischen, im Visionären geht die Persönlichkeit über [in] die Halluzinationen, in die Welt von Visionen; bei der anthroposophischen Forschung bleibt die Persönlichkeit bestehen, und das leibgebundene, gewöhnliche Denken lebt weiter fort. Diejenigen Persönlichkeiten, die in die höheren Welten eintreten, leben mit dem entwickelten, metamorphosierten Denken in diese höheren Welten hinein. Dadurch ist der anthroposophische Forscher immer in der Lage, das, was er schaut, in den höheren Welten mit seiner gewöhnlichen Persönlichkeit streng kritisch zu verfolgen.

[ 23 ] Sehr verehrte Anwesende, das ist gerade das Wesentliche, worauf es ankommt. Wir haben uns im Verlaufe der Entwicklung dazu gebracht, dass wir wissenschaftlich in unserem Sinne zu urteilen vermögen; wir haben uns dazu erzogen, diese wissenschaftliche Methode an der Naturbeobachtung und am Experiment auszubilden. Wir kennen die Seelenverfassung, in der man sich befindet, wenn die Methoden in dem Sinne ausgebildet sind, wie man das heute exakt nennt.

[ 23 ] Sehr verehrte Anwesende, das ist gerade das Wesentliche, worauf es ankommt. Wir haben uns im Verlaufe der Entwicklung dazu gebracht, dass wir wissenschaftlich in unserem Sinne zu urteilen vermögen; wir haben uns dazu erzogen, diese wissenschaftliche Methode an der Naturbeobachtung und am Experiment auszubilden. Wir kennen die Seelenverfassung, in der man sich befindet, wenn die Methoden in dem Sinne ausgebildet sind, wie man das heute exakt nennt.

[ 24 ] Diese Ausbildung macht nun durchaus eine Voraussetzung des anthroposophischen Forschungsweges [aus]; und das, was vermöge dieser Ausbildung in der menschlichen Persönlichkeit ist, der wissenschaftliche Charakter der Seelenverfassung, wird durchaus nicht verlassen. Diese wissenschaftliche Persönlichkeit stehrt da, kritisiert, kontrolliert — und sogar erzählend — aus ihren wissenschaftlichen Begriffen heraus dasjenige, was das andere Glied der Persönlichkeit, das in die übersinnliche Welt eingetretene, erschaut. Dann aber muss man sagen: Auf der einen Seite ist die äußere Sinneswahrnehmung; die Naturwissenschaft wendet sich an sie, sie sucht die Naturgesetze, sie sucht das, was äußerlich den Sinnen erscheint, innerlich nachzuerleben in den Naturideen, welche die Naturgesetze zu ihrem Inhalt haben. In der Seelenverfassung, die sich daraus ergibt, steht der anthroposophische Forscher da. Indem die Naturideen gebildet werden an der Natur, sind wir wissenschaftlich befriedigt durch den Charakter, den diese Ideenwelt trägt. Das wissenschaftliche Überzeugtsein ist inneres Erlebnis! Nicht die Außenwelt, die Natur, sagt uns, was wissenschaftlich ist, sondern unsere eigene Methodik sagt uns, was wissenschaftlich ist. Wenn wir mit unserem gewöhnlichen Denken diesen Ideen einen Inhalt geben aus den Sinneswahrnehmungen heraus, so geben wir mit dem höheren Schauen aus dem erkrafteten Denken heraus den Ideen einen übersinnlichen Inhalt. Es ist kein anderer Denkinhalt, es ist keine andere Logik, es ist keine andere wissenschaftliche Methode, die in der gewöhnlichen Naturwissenschaft waltet, und die in dem waltet, was vom anthroposophischen Forscher übersinnlich geschaut wird und der naturwissenschaftlichen Seelenverfassung zur Schilderung übergeben wird.

[ 24 ] Diese Ausbildung macht nun durchaus eine Voraussetzung des anthroposophischen Forschungsweges [aus]; und das, was vermöge dieser Ausbildung in der menschlichen Persönlichkeit ist, der wissenschaftliche Charakter der Seelenverfassung, wird durchaus nicht verlassen. Diese wissenschaftliche Persönlichkeit stehrt da, kritisiert, kontrolliert — und sogar erzählend — aus ihren wissenschaftlichen Begriffen heraus dasjenige, was das andere Glied der Persönlichkeit, das in die übersinnliche Welt eingetretene, erschaut. Dann aber muss man sagen: Auf der einen Seite ist die äußere Sinneswahrnehmung; die Naturwissenschaft wendet sich an sie, sie sucht die Naturgesetze, sie sucht das, was äußerlich den Sinnen erscheint, innerlich nachzuerleben in den Naturideen, welche die Naturgesetze zu ihrem Inhalt haben. In der Seelenverfassung, die sich daraus ergibt, steht der anthroposophische Forscher da. Indem die Naturideen gebildet werden an der Natur, sind wir wissenschaftlich befriedigt durch den Charakter, den diese Ideenwelt trägt. Das wissenschaftliche Überzeugtsein ist inneres Erlebnis! Nicht die Außenwelt, die Natur, sagt uns, was wissenschaftlich ist, sondern unsere eigene Methodik sagt uns, was wissenschaftlich ist. Wenn wir mit unserem gewöhnlichen Denken diesen Ideen einen Inhalt geben aus den Sinneswahrnehmungen heraus, so geben wir mit dem höheren Schauen aus dem erkrafteten Denken heraus den Ideen einen übersinnlichen Inhalt. Es ist kein anderer Denkinhalt, es ist keine andere Logik, es ist keine andere wissenschaftliche Methode, die in der gewöhnlichen Naturwissenschaft waltet, und die in dem waltet, was vom anthroposophischen Forscher übersinnlich geschaut wird und der naturwissenschaftlichen Seelenverfassung zur Schilderung übergeben wird.

[ 25 ] Das ist der innere Zusammenhang. Die Yoga-Schulung hat als ihr letztes Ziel den Geist der Wissenschaft angestrebt. Wir haben ihn im Zeitalter des Galilei und Kopernikus an der äußeren Natur ausgebildet, wir führen ihn weiter zur bewussten inneren Anschauung, aber wir verleugnen ihn nicht. Wir prüfen das, was im höheren Sinne in der übersinnlichen Welt geschaut wird, genau ebenso durch dieselben Ideen, wie wir das prüfen, was durch die Augen, Ohren und anderen Sinne im äußeren Experiment ergründet werden kann. Nach Wissenschaft hat die Menschheit in ihrer Entwicklung gestrebt. Was Wissenschaft geworden ist, das ist zu einer menschlichen Seelenverfassung geworden. Diese Seelenverfassung wird bewahrt, indem durch Anthroposophie hinaufgearbeitet wird in die übersinnliche Welt.

[ 25 ] Das ist der innere Zusammenhang. Die Yoga-Schulung hat als ihr letztes Ziel den Geist der Wissenschaft angestrebt. Wir haben ihn im Zeitalter des Galilei und Kopernikus an der äußeren Natur ausgebildet, wir führen ihn weiter zur bewussten inneren Anschauung, aber wir verleugnen ihn nicht. Wir prüfen das, was im höheren Sinne in der übersinnlichen Welt geschaut wird, genau ebenso durch dieselben Ideen, wie wir das prüfen, was durch die Augen, Ohren und anderen Sinne im äußeren Experiment ergründet werden kann. Nach Wissenschaft hat die Menschheit in ihrer Entwicklung gestrebt. Was Wissenschaft geworden ist, das ist zu einer menschlichen Seelenverfassung geworden. Diese Seelenverfassung wird bewahrt, indem durch Anthroposophie hinaufgearbeitet wird in die übersinnliche Welt.

[ 26 ] Nun ist aber das Entwickeln der Gedanken nur der eine Teil dessen, was innerhalb der anthroposophischen Schulung angestrebt wird. In dem vorigen Vortrage über «Die Harmonisierung von Wissenschaft, Kunst und Religion» habe ich schon angedeutet, dass wir durch dieses Erkraften der Gedanken in Meditation und Konzentration zu der Anschauung des Geistig-Seelischen der menschlichen Wesenheit kommen, wie sie vor der Geburt oder der Empfängnis in einer geistig-seelischen Welt war. Zu dem Ewigen der Menschenseele im vorgeburtlichen Dasein schwingt man sich auf durch das Weiterentwickeln der Gedanken, wie sie in der gewöhnlichen Wissenschaft vorhanden sind. Zu dieser Gedankenentwicklung müssen aber, wenn die anthroposophische Forschung eine vollständige sein soll, noch Willensübungen hinzutreten. Wiederum kann ich nicht im Einzelnen schildern, was behufs anthroposophischer Forschung als Willensübungen unternommen werden muss; ich muss dazu auf die schon genannten Bücher verweisen, aber ich kann wieder prinzipiell einiges sagen.

[ 26 ] Nun ist aber das Entwickeln der Gedanken nur der eine Teil dessen, was innerhalb der anthroposophischen Schulung angestrebt wird. In dem vorigen Vortrage über «Die Harmonisierung von Wissenschaft, Kunst und Religion» habe ich schon angedeutet, dass wir durch dieses Erkraften der Gedanken in Meditation und Konzentration zu der Anschauung des Geistig-Seelischen der menschlichen Wesenheit kommen, wie sie vor der Geburt oder der Empfängnis in einer geistig-seelischen Welt war. Zu dem Ewigen der Menschenseele im vorgeburtlichen Dasein schwingt man sich auf durch das Weiterentwickeln der Gedanken, wie sie in der gewöhnlichen Wissenschaft vorhanden sind. Zu dieser Gedankenentwicklung müssen aber, wenn die anthroposophische Forschung eine vollständige sein soll, noch Willensübungen hinzutreten. Wiederum kann ich nicht im Einzelnen schildern, was behufs anthroposophischer Forschung als Willensübungen unternommen werden muss; ich muss dazu auf die schon genannten Bücher verweisen, aber ich kann wieder prinzipiell einiges sagen.

[ 27 ] Zur Ausbildung des Willens ist vor allem notwendig, dass wir den Willen, insofern er in das Denken hineinragt, auf eine höhere Stufe bringen, als er im gewöhnlichen Leben ist. Dazu ist eine gute Übung die, die ich als das «Rückwärtsvorstellen» bezeichne, so zum Beispiel, wenn wir unser tägliches Leben des Abends rückwärts anschauen, möglichst in Bildern, damit eine andere Kraft entwickelt werden muss, als sie in den Gedanken enthalten ist. Wenn wir so rückwärts verlaufend unser Tagesleben uns vor der Seele vorbeiziehen lassen bis in die Einzelheiten hinein, wenn wir zum Beispiel eine Treppe herabgehen, würden wir es uns bei diesem Rückwärtsvorstellen so vorstellen, dass wir von der untersten Stufe anfangen bis hinauf zu der obersten; man verliert daran nicht etwa sein ganzes Tagesleben, sondern es kann dies in kurzer Zeit gemacht werden, wenn es richtig geübt wird; wenn wir so uns gewöhnen, dem Lauf der gewöhnlichen Ereignisse entgegenzudenken, dann müssen wir den Willen anstrengen, die Ereignisse anders vorzustellen, als sie für gewöhnlich verlaufen. Wir können auch in dieser Weise eine Melodie rückwärts empfinden oder ein Drama rückwärts uns vorstellen. Dadurch entwickeln wir den Willen zu einer größeren Stärke, als er für gewöhnlich ist. Wir können solchen Übungen nun dadurch zu Hilfe kommen, dass wir noch andere Willensübungen machen. Im gewöhnlichen Leben schreiten wir ja vor — wenn wir längere Zeiten in Betracht ziehen, können wir darauf hinweisen — von Metamorphose zu Metamorphose; aber es sind die Verhältnisse, denen wir uns hingeben und die dann andere aus uns machen. Nimmt man aber diese seine Entwicklung selber in die Hand, versucht man zum Beispiel, Gewohnheiten, die man hat, sich abzugewöhnen, versucht man so, etwas sich abzugewöhnen — was vielleicht Jahre in Anspruch nimmt — und dieses Streben zu seiner Charaktereigenschaft zu machen, indem man es in den Willen aufnimmt, versucht man, nach streng umrissenem Ziele so seine Entwicklung in die Hand zu nehmen, dann wird dadurch der Wille verstärkt, und man erlangt dadurch in Bezug auf übersinnliches Schauen etwas nach anderer Richtung hin als nach der Gedankenrichtung. Das will ich durch einen Vergleich zum Ausdruck bringen.

[ 27 ] Zur Ausbildung des Willens ist vor allem notwendig, dass wir den Willen, insofern er in das Denken hineinragt, auf eine höhere Stufe bringen, als er im gewöhnlichen Leben ist. Dazu ist eine gute Übung die, die ich als das «Rückwärtsvorstellen» bezeichne, so zum Beispiel, wenn wir unser tägliches Leben des Abends rückwärts anschauen, möglichst in Bildern, damit eine andere Kraft entwickelt werden muss, als sie in den Gedanken enthalten ist. Wenn wir so rückwärts verlaufend unser Tagesleben uns vor der Seele vorbeiziehen lassen bis in die Einzelheiten hinein, wenn wir zum Beispiel eine Treppe herabgehen, würden wir es uns bei diesem Rückwärtsvorstellen so vorstellen, dass wir von der untersten Stufe anfangen bis hinauf zu der obersten; man verliert daran nicht etwa sein ganzes Tagesleben, sondern es kann dies in kurzer Zeit gemacht werden, wenn es richtig geübt wird; wenn wir so uns gewöhnen, dem Lauf der gewöhnlichen Ereignisse entgegenzudenken, dann müssen wir den Willen anstrengen, die Ereignisse anders vorzustellen, als sie für gewöhnlich verlaufen. Wir können auch in dieser Weise eine Melodie rückwärts empfinden oder ein Drama rückwärts uns vorstellen. Dadurch entwickeln wir den Willen zu einer größeren Stärke, als er für gewöhnlich ist. Wir können solchen Übungen nun dadurch zu Hilfe kommen, dass wir noch andere Willensübungen machen. Im gewöhnlichen Leben schreiten wir ja vor — wenn wir längere Zeiten in Betracht ziehen, können wir darauf hinweisen — von Metamorphose zu Metamorphose; aber es sind die Verhältnisse, denen wir uns hingeben und die dann andere aus uns machen. Nimmt man aber diese seine Entwicklung selber in die Hand, versucht man zum Beispiel, Gewohnheiten, die man hat, sich abzugewöhnen, versucht man so, etwas sich abzugewöhnen — was vielleicht Jahre in Anspruch nimmt — und dieses Streben zu seiner Charaktereigenschaft zu machen, indem man es in den Willen aufnimmt, versucht man, nach streng umrissenem Ziele so seine Entwicklung in die Hand zu nehmen, dann wird dadurch der Wille verstärkt, und man erlangt dadurch in Bezug auf übersinnliches Schauen etwas nach anderer Richtung hin als nach der Gedankenrichtung. Das will ich durch einen Vergleich zum Ausdruck bringen.

[ 28 ] Nehmen wir das menschliche Auge. Dadurch, dass es durchsichtig ist und nicht seine eigene Materialität zur Geltung bringt, sind wir in der Lage, durch das Auge zu sehen. In dem Augenblick, wo es durch Starkrankheit seine eigene Stofflichkeit zur Geltung bringt, sehen wir nicht mehr. Das Auge muss selbstlos in den menschlichen Organismus eingefügt sein, wenn es zum Sehen dienen soll. Nun will ich nicht behaupten, dass der menschliche Organismus im gewöhnlichen Leben krank ist; aber für das übersinnliche Schauen ist er ebenso wenig geeignet, wie für das gewöhnliche Schauen ein starkrankes Auge. Durch die Willensübungen wird unser Organismus gewissermaßen seelisch durchsichtig. Für gewöhnlich ist der Leib seelisch undurchsichtig; wir tragen ihn an uns, wir leben mit unserem Willen in seiner Materialität. Durch die Willensübungen wird er seelisch-geistig durchsichtig; er wird gewissermaßen ein Sinnesorgan. Wir lernen durch ihn geistig-seelisch durchschauen, wie wir physisch durch das durchsichtige Auge schauen. Wenn wir so durch unseren durchsichtig gewordenen Leib schauen, stehen wir — wie durch unser physisch-sinnliches Auge in einer physischen Außenwelt — so in einer geistigen Welt drinnen. Wir sind vorgeschritten von der Imagination zur Inspiration und zum wirklichen Drinnenstehen in einer geistig-seelischen Welt. Wir lernen in der geistig-seelischen Welt so drinnenstehen mit unserer Seele, wie wir in der physischen Welt sonst mit unserer Organisation stehen.

[ 28 ] Nehmen wir das menschliche Auge. Dadurch, dass es durchsichtig ist und nicht seine eigene Materialität zur Geltung bringt, sind wir in der Lage, durch das Auge zu sehen. In dem Augenblick, wo es durch Starkrankheit seine eigene Stofflichkeit zur Geltung bringt, sehen wir nicht mehr. Das Auge muss selbstlos in den menschlichen Organismus eingefügt sein, wenn es zum Sehen dienen soll. Nun will ich nicht behaupten, dass der menschliche Organismus im gewöhnlichen Leben krank ist; aber für das übersinnliche Schauen ist er ebenso wenig geeignet, wie für das gewöhnliche Schauen ein starkrankes Auge. Durch die Willensübungen wird unser Organismus gewissermaßen seelisch durchsichtig. Für gewöhnlich ist der Leib seelisch undurchsichtig; wir tragen ihn an uns, wir leben mit unserem Willen in seiner Materialität. Durch die Willensübungen wird er seelisch-geistig durchsichtig; er wird gewissermaßen ein Sinnesorgan. Wir lernen durch ihn geistig-seelisch durchschauen, wie wir physisch durch das durchsichtige Auge schauen. Wenn wir so durch unseren durchsichtig gewordenen Leib schauen, stehen wir — wie durch unser physisch-sinnliches Auge in einer physischen Außenwelt — so in einer geistigen Welt drinnen. Wir sind vorgeschritten von der Imagination zur Inspiration und zum wirklichen Drinnenstehen in einer geistig-seelischen Welt. Wir lernen in der geistig-seelischen Welt so drinnenstehen mit unserer Seele, wie wir in der physischen Welt sonst mit unserer Organisation stehen.

[ 29 ] Da ergibt sich, dass wir nun im Bilde etwas erleben, was wir sonst im Tode erleben: Im Tode wird der Leib abgeworfen, das Geistig-Seelische lebt fort. Dass das eine Wahrheit ist, drückt sich im Bilde für dieses leibfreie Wollen, das heißt für das Drinnenstehen in der geistigen Welt, so aus, wie sich nur durch einen Gedanken dasjenige ausdrückt, was für unsere sinnliche Umwelt gilt. Wir kommen also zu der anderen Seite der menschlichen Unsterblichkeit; wir fügen hinzu zu dem Ungeborensein das Unsterblichsein. Der anthroposophische Forscher steigt also auf zu einer wirklichen Anschauung der Unsterblichkeit.

[ 29 ] Da ergibt sich, dass wir nun im Bilde etwas erleben, was wir sonst im Tode erleben: Im Tode wird der Leib abgeworfen, das Geistig-Seelische lebt fort. Dass das eine Wahrheit ist, drückt sich im Bilde für dieses leibfreie Wollen, das heißt für das Drinnenstehen in der geistigen Welt, so aus, wie sich nur durch einen Gedanken dasjenige ausdrückt, was für unsere sinnliche Umwelt gilt. Wir kommen also zu der anderen Seite der menschlichen Unsterblichkeit; wir fügen hinzu zu dem Ungeborensein das Unsterblichsein. Der anthroposophische Forscher steigt also auf zu einer wirklichen Anschauung der Unsterblichkeit.

[ 30 ] Aber wenn man zu dieser Anschauung kommt, lernt man nun auch in einer feineren Psychologie andere Seelenzustände des gewöhnlichen Lebens in der richtigen Weise bewerten. Was im Aufwachen als Tatsachen des Seelenlebens vorhanden ist, das lernt man erkennen durch das erkraftete Denken. Deshalb führte ich auch als Beispiel das Herüberwachen der Seele durch die Traumeswelt in den Wachzustand an und knüpfte daran die Erfestigung des erkrafteten Denkens. Wenn wir aber nun Willensübungen machen, dadurch drinnenstehen in der geistigen Welt und auch das Bild unserer leibfreien Seele nach dem Tode gewinnen können, dann lernen wir auch für das gewöhnliche Leben den Moment des Einschlafens genauer kennen. Zunächst erleben wir ja das Einschlafen durchaus so, dass die scharf umrissenen Ideen, die während des Tagwachens unsere Seele durchziehen, allmählich dunkler und dunkler werden. Jetzt aber wissen wir, indem wir durch die Pforte des Schlafes gehen, wird nicht etwa unser Bewusstsein abgetötet, sondern nur abgelähmt; und indem wir erfahren, jetzt auch im erkrafteten Willen zu leben, können wir jetzt auch die Zustände betrachten, in denen die Seele ist, wenn sie nach dem Einschlafen in die geistige Welt hineingegangen ist. Da erfahren wir, wie die Seele sich immer mehr und mehr hineinlebt in eine Gesamtempfindung über die Welt, wie beim Einschlafen ganz besonders dasjenige ergriffen wird, was entgegengesetzt ist dem Bildcharakter des Träumens. Beim Aufwachen ist die Seele mehr geneigt, in Traumvorstellungen das auszudrücken, was sie während des Schlafes erlebt hat; beim Einschlafen wird allerdings auch in eine Art Traum umgesetzt, was sich von den Tagesvorstellungen abdämpft, aber man geht über zu einem allgemeinen Erleben der Weltengröße. Es werden beim Aufwachen mehr die Gedanken im Bildcharakter ergriffen, wogegen beim Einschlafen mehr die Gefühle und namentlich der hingebungsvolle Wille ergriffen wird. Kurz, man lernt jetzt erkennen, lernt psychologisch erkennen, den Übergang der Seele, wie sie ihn durchlebt bei ihrem Einschlafen, vom Erleben des eigenen Selbstes zum Hingegebensein an die Welt in Empfindung und Wille.

[ 30 ] Aber wenn man zu dieser Anschauung kommt, lernt man nun auch in einer feineren Psychologie andere Seelenzustände des gewöhnlichen Lebens in der richtigen Weise bewerten. Was im Aufwachen als Tatsachen des Seelenlebens vorhanden ist, das lernt man erkennen durch das erkraftete Denken. Deshalb führte ich auch als Beispiel das Herüberwachen der Seele durch die Traumeswelt in den Wachzustand an und knüpfte daran die Erfestigung des erkrafteten Denkens. Wenn wir aber nun Willensübungen machen, dadurch drinnenstehen in der geistigen Welt und auch das Bild unserer leibfreien Seele nach dem Tode gewinnen können, dann lernen wir auch für das gewöhnliche Leben den Moment des Einschlafens genauer kennen. Zunächst erleben wir ja das Einschlafen durchaus so, dass die scharf umrissenen Ideen, die während des Tagwachens unsere Seele durchziehen, allmählich dunkler und dunkler werden. Jetzt aber wissen wir, indem wir durch die Pforte des Schlafes gehen, wird nicht etwa unser Bewusstsein abgetötet, sondern nur abgelähmt; und indem wir erfahren, jetzt auch im erkrafteten Willen zu leben, können wir jetzt auch die Zustände betrachten, in denen die Seele ist, wenn sie nach dem Einschlafen in die geistige Welt hineingegangen ist. Da erfahren wir, wie die Seele sich immer mehr und mehr hineinlebt in eine Gesamtempfindung über die Welt, wie beim Einschlafen ganz besonders dasjenige ergriffen wird, was entgegengesetzt ist dem Bildcharakter des Träumens. Beim Aufwachen ist die Seele mehr geneigt, in Traumvorstellungen das auszudrücken, was sie während des Schlafes erlebt hat; beim Einschlafen wird allerdings auch in eine Art Traum umgesetzt, was sich von den Tagesvorstellungen abdämpft, aber man geht über zu einem allgemeinen Erleben der Weltengröße. Es werden beim Aufwachen mehr die Gedanken im Bildcharakter ergriffen, wogegen beim Einschlafen mehr die Gefühle und namentlich der hingebungsvolle Wille ergriffen wird. Kurz, man lernt jetzt erkennen, lernt psychologisch erkennen, den Übergang der Seele, wie sie ihn durchlebt bei ihrem Einschlafen, vom Erleben des eigenen Selbstes zum Hingegebensein an die Welt in Empfindung und Wille.

[ 31 ] Man lernt dasjenige erkennen, was die Gedanken ablähmt, was sie dämpft, andererseits aber auch, was die anderen Seelenkräfte in die Welt aufgehen lässt, was dann, wenn es nun in einer Art Bewusstseinszustand erlebt wird während des Wachens — und es kann erlebt werden —, denjenigen Zustand darstellt, in welchem die fromme Seele ist, jene fromme Seele, die sich ihre innere Seelenverfassung nicht in die Gedanken und Ideen kleiden lassen will, die gerade die Ideen und Gedanken abgedämpft haben will, um Empfindung und Gefühl hinzugeben an die Totalität, an die Majestät der Welt, an das Göttliche, das die Welt durchsetzt. Kurz, man lernt durch anthroposophische Forschung sowohl den Zustand kennen, wo der Mensch nach den Gedanken hinstrebt, wie auch denjenigen, wo er von den Gedanken hinwegstrebt, und man lernt beide Zustände auf einer höheren Stufe durchschauen. Man lernt erkennen, dass der Mensch so lebt, dass er sich einmal aus dem All herausbewegt zum Gebrauch seines Leibes, dass er dann wieder sich dem All zubewegt, wenn er seinen Leib wieder verlässt. Die Zustände, die davon dann ins Bewusstsein herübergenommen werden, sie sind die Zustände des alltäglichen Wissens und des alltäglichen Frommseins; aber diese Zustände werden auf eine höhere Stufe heraufgehoben im übersinnlichen Anschauen, das durch anthroposophische Schulung erreicht wird.

[ 31 ] Man lernt dasjenige erkennen, was die Gedanken ablähmt, was sie dämpft, andererseits aber auch, was die anderen Seelenkräfte in die Welt aufgehen lässt, was dann, wenn es nun in einer Art Bewusstseinszustand erlebt wird während des Wachens — und es kann erlebt werden —, denjenigen Zustand darstellt, in welchem die fromme Seele ist, jene fromme Seele, die sich ihre innere Seelenverfassung nicht in die Gedanken und Ideen kleiden lassen will, die gerade die Ideen und Gedanken abgedämpft haben will, um Empfindung und Gefühl hinzugeben an die Totalität, an die Majestät der Welt, an das Göttliche, das die Welt durchsetzt. Kurz, man lernt durch anthroposophische Forschung sowohl den Zustand kennen, wo der Mensch nach den Gedanken hinstrebt, wie auch denjenigen, wo er von den Gedanken hinwegstrebt, und man lernt beide Zustände auf einer höheren Stufe durchschauen. Man lernt erkennen, dass der Mensch so lebt, dass er sich einmal aus dem All herausbewegt zum Gebrauch seines Leibes, dass er dann wieder sich dem All zubewegt, wenn er seinen Leib wieder verlässt. Die Zustände, die davon dann ins Bewusstsein herübergenommen werden, sie sind die Zustände des alltäglichen Wissens und des alltäglichen Frommseins; aber diese Zustände werden auf eine höhere Stufe heraufgehoben im übersinnlichen Anschauen, das durch anthroposophische Schulung erreicht wird.

[ 32 ] So kann man sagen: Es wird weder der wissenschaftliche Charakter der Seele genommen, indem durch anthroposophische Schulung der Weg in die übersinnlichen Welten angetreten wird; denn was man sich errungen hat als wissenschaftliche Überzeugung, als jene Seelenverfassung, die bei der wissenschaftlichen Überzeugung vorhanden ist, das wird hinaufgetragen, wenn man zu ergründen versucht, was die genannte zweite Persönlichkeit in der übersinnlichen Welt erschaut. Andererseits aber wird das, wohinein sich die Seele selbstlos fügen will, wohinein sie untertauchen will, es wird in die Ideen hineinverwoben. Das verliert durchaus nicht seine Majestät, das verliert durchaus nicht dadurch, dass es aus dem Geheimnis herausgebracht und zur intimen inneren Anschauung gebracht wird, den Charakter seiner Heiligkeit, durch den es uns mit Frommheit, mit Ehrfurcht zu ihm aufschauen lässt. Durch die Art, wie Anthroposophie das Geheimnis als überschaubar in der Seele walten lässt, wird dem allen sein Heiligkeitscharakter nicht genommen. Und so versucht Anthroposophie die Wissenschaftlichkeit im Erkennen festzuhalten, nicht nur auf die Objekte des gewöhnlichen Erlebens anzuwenden, sondern auch im Erkennen für das Übersinnliche die Wissenschaftlichkeit festzuhalten. Sowenig der Natur, wenn wir sie in der richtigen Weise erkennen, durch die Hingebung an ihre Schönheit und an ihre majestätischen Eigentümlichkeiten etwas genommen wird, sowenig wird dem, was übersinnlicher Gehalt ist, etwas genommen, wenn es in seiner wahren Gestalt — nicht in einer abstrakten Gestalt — heruntergeholt wird in das unmittelbare menschliche Erleben.

[ 32 ] So kann man sagen: Es wird weder der wissenschaftliche Charakter der Seele genommen, indem durch anthroposophische Schulung der Weg in die übersinnlichen Welten angetreten wird; denn was man sich errungen hat als wissenschaftliche Überzeugung, als jene Seelenverfassung, die bei der wissenschaftlichen Überzeugung vorhanden ist, das wird hinaufgetragen, wenn man zu ergründen versucht, was die genannte zweite Persönlichkeit in der übersinnlichen Welt erschaut. Andererseits aber wird das, wohinein sich die Seele selbstlos fügen will, wohinein sie untertauchen will, es wird in die Ideen hineinverwoben. Das verliert durchaus nicht seine Majestät, das verliert durchaus nicht dadurch, dass es aus dem Geheimnis herausgebracht und zur intimen inneren Anschauung gebracht wird, den Charakter seiner Heiligkeit, durch den es uns mit Frommheit, mit Ehrfurcht zu ihm aufschauen lässt. Durch die Art, wie Anthroposophie das Geheimnis als überschaubar in der Seele walten lässt, wird dem allen sein Heiligkeitscharakter nicht genommen. Und so versucht Anthroposophie die Wissenschaftlichkeit im Erkennen festzuhalten, nicht nur auf die Objekte des gewöhnlichen Erlebens anzuwenden, sondern auch im Erkennen für das Übersinnliche die Wissenschaftlichkeit festzuhalten. Sowenig der Natur, wenn wir sie in der richtigen Weise erkennen, durch die Hingebung an ihre Schönheit und an ihre majestätischen Eigentümlichkeiten etwas genommen wird, sowenig wird dem, was übersinnlicher Gehalt ist, etwas genommen, wenn es in seiner wahren Gestalt — nicht in einer abstrakten Gestalt — heruntergeholt wird in das unmittelbare menschliche Erleben.

[ 33 ] So ist es, dass man nicht durch eine flüchtige Definition oder durch flüchtige logische Erörterungen über die Kriterien der Wissenschaftlichkeit sich von dem Wissenschaftscharakter der Anthroposophie überzeugen kann, sondern durch das Sich-Hineinleben in den Gang der anthroposophischen Forschung muss der, der ihn nachdenkt, sich davon überzeugen, dass hier wirkliche Wissenschaftlichkeit vorhanden ist, und zwar eine solche, die durchaus nicht verhindert, dass das Übersinnliche einen religiösen Charakter wiederum annehmen kann. Und so möchte man sagen: Anthroposophie hat durchaus den Mut, mit wissenschaftlicher Exaktheit, mit wissenschaftlicher Gesinnung und wissenschaftlicher Methode da fortzuschreiten, wo der Boden der äußeren Sinnlichkeit nicht mehr vorhanden ist. Wer dann etwa einwendet: Dann ist dort überhaupt kein Boden mehr vorhanden, der gleicht dem, der etwa Folgendes sagen würde: Wenn wir auf der Erde leben, wird ein Stein von der Erde angezogen und er fällt so lange, bis er auf ihr ruhen kann; so werden alle Dinge auf der Erde von ihr angezogen und müssen zuletzt auf dem Erdboden ruhen. Das ist wahr, solange wir uns im Umkreise des [Erd-]Planeten bewegen. In dem Augenblick aber, wo wir von den Verhältnissen auf unserer Erde aufsteigen zu den Verhältnissen in unserem Planetensystem, haben wir es mit etwas anderem zu tun; da tragen sich die Planeten gegenseitig, und es bedarf für sie keines besonderen Bodens als Unterlage. Wer da sagen wollte, es müsste ein besonderer Weltenboden da sein, damit die Planeten nicht in die Tiefe fallen, der würde eben etwas Törichtes sagen. So auch hier. Wenn man von dem, was die äußere Wissenschaft darbietet, sich mit derselben Exaktheit, die sie hat, erhebt zu dem anthroposophischen Forschungsgebiet, so tragen sich auch da die Dinge gegenseitig; da entsteht durch das gegenseitige Sich-Tragen der Einzelwahrheiten die Gesamtheit der übersinnlichen Wissenschaft, die Gesamtheit der Anthroposophie.

[ 33 ] So ist es, dass man nicht durch eine flüchtige Definition oder durch flüchtige logische Erörterungen über die Kriterien der Wissenschaftlichkeit sich von dem Wissenschaftscharakter der Anthroposophie überzeugen kann, sondern durch das Sich-Hineinleben in den Gang der anthroposophischen Forschung muss der, der ihn nachdenkt, sich davon überzeugen, dass hier wirkliche Wissenschaftlichkeit vorhanden ist, und zwar eine solche, die durchaus nicht verhindert, dass das Übersinnliche einen religiösen Charakter wiederum annehmen kann. Und so möchte man sagen: Anthroposophie hat durchaus den Mut, mit wissenschaftlicher Exaktheit, mit wissenschaftlicher Gesinnung und wissenschaftlicher Methode da fortzuschreiten, wo der Boden der äußeren Sinnlichkeit nicht mehr vorhanden ist. Wer dann etwa einwendet: Dann ist dort überhaupt kein Boden mehr vorhanden, der gleicht dem, der etwa Folgendes sagen würde: Wenn wir auf der Erde leben, wird ein Stein von der Erde angezogen und er fällt so lange, bis er auf ihr ruhen kann; so werden alle Dinge auf der Erde von ihr angezogen und müssen zuletzt auf dem Erdboden ruhen. Das ist wahr, solange wir uns im Umkreise des [Erd-]Planeten bewegen. In dem Augenblick aber, wo wir von den Verhältnissen auf unserer Erde aufsteigen zu den Verhältnissen in unserem Planetensystem, haben wir es mit etwas anderem zu tun; da tragen sich die Planeten gegenseitig, und es bedarf für sie keines besonderen Bodens als Unterlage. Wer da sagen wollte, es müsste ein besonderer Weltenboden da sein, damit die Planeten nicht in die Tiefe fallen, der würde eben etwas Törichtes sagen. So auch hier. Wenn man von dem, was die äußere Wissenschaft darbietet, sich mit derselben Exaktheit, die sie hat, erhebt zu dem anthroposophischen Forschungsgebiet, so tragen sich auch da die Dinge gegenseitig; da entsteht durch das gegenseitige Sich-Tragen der Einzelwahrheiten die Gesamtheit der übersinnlichen Wissenschaft, die Gesamtheit der Anthroposophie.

[ 34 ] So hat Anthroposophie den Mut, die Wissenschaft vom Sinnlichen zum Übersinnlichen weiterzubilden, und sie sieht darauf, dass der Wissenschaftscharakter nicht verloren geht. Aber sie ist auch nicht so kleinmütig, dass sie meint, das Geheimnis müsse unbedingt walten über dem, was übersinnliche Welt ist, damit der Mensch seine Frömmigkeit behalte. Nein! Anthroposophie hat den Mut, sich dazu zu bekennen, dass das Große nicht dadurch nur seine Größe für den Menschen hat, dass es ihm unbekannt ist, sondern es bewährt seine Größe, auch wenn es bekannt ist; und durch die Bekanntheit mit dem, was religiöser Inhalt ist, darf die Religion durchaus nicht als herabgemindert gedacht werden.

[ 34 ] So hat Anthroposophie den Mut, die Wissenschaft vom Sinnlichen zum Übersinnlichen weiterzubilden, und sie sieht darauf, dass der Wissenschaftscharakter nicht verloren geht. Aber sie ist auch nicht so kleinmütig, dass sie meint, das Geheimnis müsse unbedingt walten über dem, was übersinnliche Welt ist, damit der Mensch seine Frömmigkeit behalte. Nein! Anthroposophie hat den Mut, sich dazu zu bekennen, dass das Große nicht dadurch nur seine Größe für den Menschen hat, dass es ihm unbekannt ist, sondern es bewährt seine Größe, auch wenn es bekannt ist; und durch die Bekanntheit mit dem, was religiöser Inhalt ist, darf die Religion durchaus nicht als herabgemindert gedacht werden.

[ 35 ] So sucht sich die Anthroposophie zu rechtfertigen gegenüber den beiden Vorwürfen, die ich im Eingange der heutigen Betrachtung charakterisiert habe. Denn sie sucht erkennend hineinzudringen in die übersinnliche Welt unter voller Beachtung der Wissenschaftlichkeit und sie sucht auch den Mut zu entwickeln, das Übersinnliche herunterzutragen in das menschliche Herz. Und es ist dieses Übersinnliche groß genug, dass es das menschliche Herz so erfüllen kann, dass dieses Herz sich noch immer in wahrer Frömmigkeit entwickeln kann, auch wenn das Geheimnis offenbar wird!

[ 35 ] So sucht sich die Anthroposophie zu rechtfertigen gegenüber den beiden Vorwürfen, die ich im Eingange der heutigen Betrachtung charakterisiert habe. Denn sie sucht erkennend hineinzudringen in die übersinnliche Welt unter voller Beachtung der Wissenschaftlichkeit und sie sucht auch den Mut zu entwickeln, das Übersinnliche herunterzutragen in das menschliche Herz. Und es ist dieses Übersinnliche groß genug, dass es das menschliche Herz so erfüllen kann, dass dieses Herz sich noch immer in wahrer Frömmigkeit entwickeln kann, auch wenn das Geheimnis offenbar wird!