An Impetus for Renewal in Culture and Science
Berlin University Course
GA 81
11 March 1922, Berlin
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An Impetus for Renewal in Culture and Science, tr. SOL
7. Anthroposophie und Sprachwissenschaft
7. Anthroposophy and Linguistics
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Die Veranstalter dieses Hochschulkurses haben gewünscht, daß ich an jedem Morgen durch einige Ausführungen die Betrachtungen des Tages einleite, und so muß es denn wohl auch sein, daß ich die heutige Tagesarbeit in einer gewissen aphoristischen Weise durch eine Besprechung eröffne. Ich bin mir bewußt, daß dies gerade am heutigen Tage nicht ganz leicht ist. Bei einem kurzen Kurse, den ich einmal vor einem kleineren Kreise in Stuttgart über diejenigen Dinge hielt, die heute zur Sprache gebracht werden sollen, war es mir ganz besonders klar geworden, wie man wirklich viel Zeit braucht, um diejenigen umstrittenen Dinge zu besprechen, die heute besprochen werden sollen. So möchte ich denn nur einiges über den Geist der Betrachtung vorausschicken, der durch Anthroposophie gefordert ist in bezug auf die Anschauung der menschlichen Sprache.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! The organizers of this university course have asked that I open each morning’s session with a few remarks to set the tone for the day’s discussions, and so it is only fitting that I begin today’s session in a somewhat aphoristic manner with a brief discussion. I am aware that this is not entirely easy, especially today. During a short course I once gave to a small group in Stuttgart on the very topics to be discussed today, it became particularly clear to me just how much time is actually needed to discuss the controversial issues that are on the agenda today. I would therefore like to begin by saying a few words about the spirit of contemplation required by anthroposophy with regard to the understanding of human language.
[ 2 ] Wenn von der Sprache die Rede ist, und wenn man sich das Ziel setzt, die Sprache wissenschaftlich zu behandeln, so muß man sich darüber klar sein, daß man es gegenüber der Sprache als Objekt einer wissenschaftlichen Behandlung nicht so leicht hat wie zum Beispiel gegenüber der außer dem Menschen gelegenen Natur oder auch gegenüber der physischen Natur des Menschen. In diesen Fällen hat man nämlich wenigstens ein für die Wahrnehmung klar umrissenes Objekt. Gewiß, man kann dann noch darüber diskutieren, inwiefern dem Objekt eine Wahrnehmung zugrundeliegt, oder inwiefern es bloß als Wirkung einer unbekannten Ursache vom menschlichen Erkenntnisvermögen erfaßt wird. Aber das sind dann Diskussionen, die rein innerhalb des Gedanklichen verlaufen. Was der wissenschaftlichen Betrachtung als Objekt vorliegt, ist ein abgeschlossener Gegenstand, der eben gegeben ist.
[ 2 ] When discussing language, and when one sets out to treat language scientifically, one must be aware that dealing with language as the object of scientific inquiry is not as straightforward as, for example, dealing with nature outside of human beings or even with the physical nature of human beings. In those cases, one has at least an object clearly delineated by perception. Certainly, one can still discuss to what extent the object is based on perception, or to what extent it is merely grasped by human cognitive faculties as the effect of an unknown cause. But these are discussions that take place purely within the realm of thought. What presents itself as an object to scientific inquiry is a self-contained entity that is simply given.
[ 3 ] Das ist beim Sprachlichen durchaus nicht der Fall. Beim Sprachlichen liegt ein großer Teil dessen, was sich entfaltet, indem der Mensch spricht, schon in den unbewußten Regionen des menschlichen Seelenlebens. Es schlägt schon etwas herauf aus diesen unbewußten Regionen, und was da heraufschlägt, das wird dann verbunden mit bewußten Elementen, die gewissermaßen wie die Oberwellen sich hinbewegen auf einem unbewußten oder unterbewußten Strom. Und das, was augenblicklich im Bewußtsein präsent ist, was gegenwärtig ist während wir sprechen, das ist eigentlich nur teilweise das für die Sprache im Wesentlichen in Betracht kommende Objekt, der eigentliche Gegenstand. Man kann, auch wenn man innerhalb der gegenwärtigen Sprachgewohnheiten des Menschenwesens stehen bleibt, sich schon eine gewisse Möglichkeit aneignen, die Sprache als Objekt in das Bewußtsein hereinzubringen, auch während man spricht. Ich möchte Ihnen dafür in bescheidener Weise ein Beispiel anführen, das dieses vielleicht veranschaulichen kann.
[ 3 ] This is by no means the case with language. In language, a large part of what unfolds as a person speaks already lies in the unconscious regions of the human soul. Something already wells up from these unconscious regions, and what wells up there is then connected with conscious elements that, in a sense, move like harmonics on an unconscious or subconscious current. And what is immediately present in consciousness—what is present while we speak—is actually only partially the object that is essentially relevant to language, the actual subject matter. Even while remaining within the current linguistic habits of human beings, one can already acquire a certain ability to bring language as an object into consciousness, even while speaking. I would like to humbly offer an example that might illustrate this.
[ 4 ] Ich habe zu Weihnachten in Dornach am Goetheanum einen Vortragszyklus zu halten gehabt über pädagogisch-didaktische Gegenstände. Dieser Vortragszyklus war zunächst dadurch veranlaßt, daß eine Reihe englischer Lehrer und Lehrerinnen diesen Vortragszyklus, zu dem sie kommen wollten, verlangten. Als aber bekannt wurde, daß dieser Kursus stattfinden sollte, fanden sich dann aus allen Ländern des Westens und Mitteleuropas, namentlich aus der Schweiz auch, Leute zusammen, die nun ebenfalls diesen Vortragszyklus hören wollten. Weil nun dieser Kursus nicht in dem weit über 900 Personen fassenden großen Saal des Goetheanum gehalten werden konnte, sondern nur in einem kleinen Saal stattfinden konnte, war ich genötigt, die Vorträge jeweilig zweimal hintereinander zu halten. Nun glaubte ich schon von vornherein, daß es in einem gewissen Grade notwendig sei, die englisch sprechenden Menschen abzusondern von denjenigen, die anderen Nationalitäten angehören — nicht etwa aus politischen Gründen; der Vortragskursus — das bemerke ich ausdrücklich — war durchaus auch für die Engländer deutsch gesprochen; denn wenn die Leute etwas über Anthroposophie hören wollen, wo es auch immer ist, wird von mir immer deutsch zu ihnen gesprochen. Ich denke, das ist auch etwas, wodurch man seine «Deutschheit» dokumentieren kann, und wodurch dem deutschen Wesen und der deutschen Sprache gedient werden kann.
[ 4 ] At Christmas, I was to give a series of lectures at the Goetheanum in Dornach on topics related to education and teaching. This series of lectures was initially prompted by the fact that a number of English teachers had requested it and wanted to attend. But when word got out that this course was to take place, people from all over Western and Central Europe—including Switzerland—began to gather, as they, too, wanted to attend this lecture series. Since this course could not be held in the Goetheanum’s large hall, which seats well over 900 people, but could only take place in a small hall, I was compelled to deliver each lecture twice in succession. Now, I believed from the outset that it was necessary, to a certain extent, to separate the English-speaking people from those of other nationalities—not for political reasons; the lecture series—and I emphasize this—was delivered entirely in German even for the English attendees; for whenever people wish to hear about anthroposophy, wherever that may be, I always speak to them in German. I think this is also a way to demonstrate one’s “Germanness” and to serve the German spirit and the German language.
[ 5 ] Nun hatte ich in einem dieser Vorträge die ethische, die sittliche Erziehung zu erörtern. Ich versuchte im Laufe des Vortrages darzustellen, wie das Kind hinzuführen ist zu denjenigen Stufen des inneren Erlebens, die eine gewisse ethisch-sittliche Verfassung in dem Kinde herbeiführen können. — Wenn ich heute wieder vor Persönlichkeiten sprechen würde, die in derselben Weise zuhören, wie manche gestern zugehört haben, so würde man wieder das, was ich aus unmittelbarem Erlebnis heraus spreche, konstruiert nennen können, wie das gestern gegenüber dem geschehen ist, was ich über die Trinität gesagt habe. Allein, Dr. Rittelmeyer hat ja darauf so deutlich geantwortet mit dem Vergleich zwischen dem Kopf und dem Buch, wie ich es aus begreiflichen Gründen nicht habe tun wollen.
[ 5 ] In one of these lectures, I was to discuss ethical and moral education. In the course of the lecture, I attempted to illustrate how a child can be guided toward those stages of inner experience that can bring about a certain ethical and moral disposition in the child. — If I were to speak again today before people who listen in the same way that some listened yesterday, what I say—drawn from direct experience—might again be called contrived, just as happened yesterday with regard to what I said about the Trinity. However, Dr. Rittelmeyer responded so clearly to this with the comparison between the head and the book—a comparison I, for understandable reasons, did not wish to make.
[ 6 ] Ich mußte also in diesem Vortrage über ethisch-sittliche Erziehung zeigen, wie das Kind geführt werden muß, damit bei ihm in der richtigen Weise entfacht werden: Dankbarkeitsgefühle, Interesse an der Welt, Liebe zu der Welt und zum eigenen Handeln und Tun; und ich mußte dann zeigen, wie durch Liebe zum eigenen Handeln und Tun heranentwickelt wird das, was im Menschen als Pflicht gefühlt wird. Nun war es notwendig, diese Dreiheit aus dem unmittelbaren Leben heraus mit diesen drei Worten — wir reden ja heute von der Sprache — zu bezeichnen. Ich kam also von den ersten beiden Stufen — Dankbarkeit und Liebe — zu der dritten Stufe: Pflicht. Aber trotzdem ich den Vortrag zweimal zu halten hatte, einmal von 10 bis 11 Uhr für die englischen Zuhörer, das zweite Mal von 11 bis 12 Uhr für die anderen Nationalitäten, die im wesentlichen in ihrer Gemütsstimmung das Mitteleuropäische hatten, mußte ich nun tatsächlich diesen Vortrag, der eigentlich einfach ein Parallelvortrag sein sollte, an diesem Tage ganz anders für die Engländer halten als für die Deutschen, weil ich mich hineinzuleben versuchte in die Stimmung der Zuhörer. Etwas ähnliches war zwar auch für die anderen Tage notwendig, aber an diesem Tage war es ganz besonders notwendig.
[ 6 ] So in this lecture on ethical and moral education, I had to show how a child must be guided so that the following are properly awakened in him: feelings of gratitude, an interest in the world, and love for the world and for one’s own actions and deeds; and I then had to show how, through love for one’s own actions and deeds, that which is felt in a person as duty is developed. Now it was necessary to describe this triad, drawn from immediate life, using these three words—since we are speaking today about language. So I moved from the first two stages—gratitude and love—to the third stage: duty. But even though I had to give the lecture twice—once from 10 to 11 a.m. for the English audience, and the second time from 11 a.m. to 12 p.m. for the other nationalities, whose general disposition was essentially Central European— I actually had to deliver this lecture—which was really just meant to be a parallel presentation—quite differently for the English than for the Germans on that day, because I tried to attune myself to the mood of the audience. While something similar was also necessary on the other days, it was particularly necessary on this day.
[ 7 ] Warum war das so? Ja, während ich in der Stunde von 11 bis 12 über Pflicht sprach vor Leuten, die durchaus aus dem Empfinden heraus zuhörten, aus dem die deutsche Sprache gebildet worden ist, hatte ich in der ersten Stunde von 10 bis 11 vor Leuten zu sprechen, welche das, was ich über den Pflicht-Impuls zu sagen hatte, aus dem heraus empfanden, zu dem sie «duty» sagen. Nun ist es etwas ganz anderes, was jemand in der Seele hat, wenn er das Wort «Pflicht» ausspricht, oder wenn er das Wort «duty» ausspricht, und ich mußte einfach in den Vortrag von 11 bis 12 Uhr einfließen lassen diejenige Nuance des Erlebens, die sich ergibt, wenn man zu den Menschen von «Pflicht» spricht. Denn sagt man «Pflicht», so schlägt man mit diesem Worte einen Impuls an, der aus dem Gemütsleben kommt, der unmittelbar das Erleben hinüberführt zu etwas, das — wenn ich es als Verbum aussprechen will — mit «pflegen» zu tun hat, mit dem Hinausfließen des Gefühls von dem Tätigsein zu dem, worauf sich die Tätigkeit bezieht. Das liegt in dem Impulse, den man mit dem Worte «Pflicht» bezeichnet. Etwas ganz anderes lebt in der Seele, wenn man diesen Impuls mit dem Worte «duty» bezeichnet; denn ebenso, wie das Wort «Pflicht» auf das Gemüt hindeutet, so deutet das Wort «duty» auf den Intellekt, auf den Geist, auf das, was einen innerlich dirigiert, so wie einen der Gedanke dirigiert, wenn man zum Handeln übergeht. Man kann sagen: «Pflicht» wird erfüllt aus innerer Liebe und Hingebung, «duty» wird erfüllt aus dem Grunde, weil man, wenn man seine Menschenwürde fühlt, sich sagen muß: Du mußt einem dich durchdringenden Gesetz gehorchen, mußt dich hingeben einem Gesetz, das du intellektuell erfassest. Das ist nur annähernd charakterisiert. Aber ich will damit zum Ausdruck bringen, wie die innerlichen Erlebniskomplexe ganz andere sind bei dem einen und bei dem anderen Worte, trotzdem im Lexikon für das deutsche Wort «Pflicht» das englische Wort «duty» steht. Das aber überträgt sich auf den ganzen Volksgeist, auf die ganze Volksseele, und in der Sprache haben Sie eine Nuance der ganzen Volksseele. Sie werden sehen, daß es in der Seele des Mitteleuropäers in dieser Beziehung ganz anders aussieht als in der Seele anderer Nationalitäten, und daß sich das Seelenleben ganz anders in der Sprache auslebt beim Mitteleuropäer als beim Engländer.
[ 7 ] Why was that? Yes, while I was speaking about “Pflicht” from 11 to 12 in front of people who listened with a sense of feeling that is the very foundation of the German language, I had to speak during the first hour, from 10 to 11, in front of people who understood what I had to say about the impulse of “Pflicht” in terms of what they call “duty.” Now, it is something entirely different that a person carries in their soul when they say the word “Pflicht” versus when they say the word “duty,” and I simply had to weave into the lecture from 11 a.m. to 12 p.m. that particular nuance of experience that arises when one speaks to people about “Pflicht.” For when one says “Pflicht,” one triggers with this word an impulse that arises from the life of the soul, which immediately leads the experience toward something that—if I were to express it as a verb—has to do with “nurturing,” with the outflow of feeling from the act of doing toward that to which the action relates. This lies in the impulse that is designated by the word “Pflicht.” Something quite different lives in the soul when one describes this impulse with the word “duty”; for just as the word “Pflicht” points to the emotions, so the word “duty” points to the intellect, to the spirit, to that which directs one inwardly, just as thought directs one when one proceeds to action. One might say: “Pflicht” is fulfilled out of inner love and devotion, while “duty” is fulfilled for the reason that, when one feels one’s human dignity, one must tell oneself: You must obey a law that permeates you; you must submit to a law that you grasp intellectually. This is only a rough characterization. But I want to use this to express how the inner complexes of experience are entirely different for one word compared to the other, even though the dictionary lists the English word “duty” as the equivalent of the German word “Pflicht.” This, however, carries over into the entire national spirit, into the entire national soul, and in language you find a nuance of the entire national soul. You will see that in this regard, the soul of the Central European looks quite different from that of other nationalities, and that the inner life finds a completely different expression in language among Central Europeans than among the English.
[ 8 ] Wer nun keinen Sinn dafür hat, daß das, was Sie aus den unterbewußten Tiefen der Seele in die Sprache hineinnehmen, schon eine ganze Stufe tiefer liegt als das, was im Bewußtsein erlebt wird, der hat eigentlich nicht wirklich ein sauberes Objekt für die [wissenschaftliche Betrachtung der] Sprache. Man muß sich darüber klar sein: Bei der Naturbetrachtung sind die Objekte da, oder man stellt sie etwa durch äußere Hantierungen sich sauber her, wobei man aber wiederum die Objekte außerhalb von sich selbst hat und deshalb durchaus verfolgen kann. Betrachtet man die Sprache, so ist es notwendig, daß man zuerst einen Bewußtseinsprozeß durchmacht, um darauf zu kommen, was eigentlich das wirkliche Objekt ist, das man zu betrachten hat. So darf man, wenn es sich um die Sprache handelt, nicht bloß das betrachten, was im menschlichen Bewußtsein lebt, sondern man muß bei der Betrachtung der Sprache das ganze Lebendige im Auge haben, das sich im Sprechen und in der Sprache auslebt.
[ 8 ] Anyone who fails to grasp that what you draw from the subconscious depths of the soul into language lies an entire level deeper than what is experienced in consciousness does not, in fact, have a truly clear object for the [scientific study of] language. One must be clear about this: In the observation of nature, the objects are already there, or one can isolate them neatly through external manipulation; in doing so, however, the objects remain outside of oneself and can therefore be thoroughly examined. When observing language, it is necessary to first undergo a process of consciousness in order to arrive at what the actual object of observation really is. Thus, when it comes to language, one must not merely consider what exists in human consciousness; rather, when examining language, one must keep in mind the entire living reality that manifests itself in speech and language.
[ 9 ] Diese Vorbereitung für die wissenschaftliche Sprachbetrachtung wird im Grunde genommen ja sehr wenig gemacht. Würde sie gemacht, so würde man, wenn man, sagen wir Sprachgeschichte oder vergleichende Sprachwissenschaft treibt, das tiefe Bedürfnis haben, überall erst den Gegenstand irgendeiner Sprache, den inneren unbewußten Inhalt, diese unterbewußte Substanz, die im Sprechen nur zum Teil bewußt zum Ausdruck kommt, ins Auge zu fassen.
[ 9 ] This kind of preparation for the scientific study of language is, in fact, rarely undertaken. If it were done, then when engaging in, say, the history of language or comparative linguistics, one would feel a deep need to first focus on the essence of any given language—its inner, unconscious content, that subconscious substance which is only partially expressed consciously in speech.
[ 10 ] Nun kommt dazu noch etwas anderes, nämlich daß bei den verschiedenen Stufen der Menschheitsentwicklung dieser Grad der Bewußtheit, der mit der Sprache verbunden ist, eben ein ganz verschiedener war. Ein ganz anderer war er zum Beispiel in den Zeiten, in welchen die Quelle der Sanskritsprache liegt; ein anderer war er in der Zeit, in der die griechische Sprache gebildet worden ist, ein anderer ist er bei uns hier in Deutschland — aber hier werden die Nuancen immer kleiner und kleiner und unbemerkbarer — und ein anderer ist er zum Beispiel in England. Es sind schon große Verschiedenheiten im inneren Erleben bei der Handhabung der englischen Sprache durch einen Engländer oder durch einen Amerikaner, wenn ich nur die groben Unterschiede hier ins Auge fasse. Wer aber auf das Dialekt-Studium eingehen kann, wer also zum Beispiel darauf eingeht, was die verschiedenen Dialekte der deutschen Sprache den Menschen erleben lassen, wenn sie gehandhabt werden, der merkt auch daran, was da alles an komplizierten Seelenimpulsen hineinläuft in das, was dann in der Sprache, im Sprachorganismus zum Ausdruck kommt. Es ist zum Beispiel durchaus nicht etwa grundlos, daß die Griechischsprechenden, wenn sie «Sprache» sagten, und wenn sie «Vernunft» sagten, im wesentlichen dasselbe empfanden und beides in einem Worte zusammenfaßten, weil das Erleben innerhalb des Wortes und das Erleben innerhalb des Gedankens, innerhalb der Vorstellung, bei der griechischen Handhabung der Sprache noch bis zu einem gewissen Grade unterschiedlos zusammenflossen, während unsere heutige Zeitepoche Unterschiedlichkeiten in dieser Beziehung zeigt. Der Grieche fühlte durchaus, wenn er sprach, wie im Worte selbst hinrollte der Gedanke. Für ihn war der Gedanke die «Seele» und das Wort, das hinströmte, war der «Leib», das äußere Kleid, sagen wir, der in den Gedanken hinströmenden Wortseele. Wir fühlen heute, wenn wir uns den Prozeß klar zum Bewußtsein bringen, etwa so, wie wenn wir auf der einen Seite das Wort aussprechen würden — das Wort strömt dahin, indem wir es aussprechen —, und auf der anderen Seite der Gedanke gewissermaßen oben auf dem Strom der Worte schwimmt; er ist aber schon wieder deutlich unterscheidbar von dem Strom der Worte.
[ 10 ] Now there is something else to consider: namely, that at the various stages of human development, this level of consciousness associated with language was, in fact, quite different. It was quite different, for example, in the times when the Sanskrit language originated; it was different in the era when the Greek language was formed; it is different here in Germany—though here the nuances become smaller and smaller and less noticeable—and it is different, for example, in England. There are indeed great differences in inner experience when an Englishman or an American uses the English language, even if I consider only the broadest distinctions here. But anyone who can delve into the study of dialects—that is, anyone who, for example, examines what the various dialects of the German language allow people to experience when they are used—will also notice from this the multitude of complex psychological impulses that flow into what is then expressed in language, in the linguistic organism. It is, for example, by no means without reason that Greek speakers, when they said “language” and when they said “reason,” essentially felt the same thing and summed both up in a single word—because the experience within the word and the experience within the thought, within the concept, in the Greek use of language still merged without distinction to a certain degree, whereas our present era exhibits differences in this regard. When speaking, the Greek certainly felt how the thought flowed within the word itself. For him, the thought was the “soul,” and the word that flowed forth was the “body”—the outer garment, so to speak, of the soul of the word flowing within the thought. Today, when we bring this process clearly into our consciousness, we feel something like this: on the one hand, we pronounce the word—the word flows forth as we speak it—and on the other hand, the thought floats, as it were, atop the stream of words; yet it is already clearly distinguishable from the stream of words.
[ 11 ] Gehen wir zum Beispiel ins Sanskrit zurück, dann ist es nötig, erst wirkliche psychologische Prozesse durchzumachen, psychische Vorgänge zu erleben, damit wir in die Lage kommen, wirklich innerlich dasjenige zu haben, was in der Zeit, da die Sanskritsprache ihre Quelle hatte, bei einem Worte erlebt wurde. Wir dürfen das Sanskrit durchaus nicht etwa mit denselben Gefühlen gegenüber dem Sprechen, gegenüber der Sprache betrachten, wie wir eine heutige Sprache betrachten.
[ 11 ] If we go back to Sanskrit, for example, it is necessary first to undergo genuine psychological processes and experience psychological phenomena so that we can truly possess within ourselves what was experienced in connection with a word at the time when the Sanskrit language had its origins. We must by no means regard Sanskrit with the same feelings toward speech and language as we have toward a modern language.
[ 12 ] Nehmen wir zum Beispiel ein sehr bekanntes Wort: «manas». Sie werden, wenn Sie ein Lexikon aufschlagen, für «manas» die mannigfaltigsten Worte finden: Geist, Verstand, Gemüt, manchmal auch Zorn, Zornmütigkeit und so weiter. Im Grunde genommen kommt man durch solche Übersetzungen dem inneren Worterlebnis, das einmal da war und das in älteren Zeiten für die Menschen sehr deutlich innerlich erlebbar war, nicht nahe. Innerhalb derjenigen Zeitepoche, wo das Sanskrit in seiner vollen Lebendigkeit lebte, war überhaupt die menschliche Seelenverfassung noch anders als sie heute ist, und zwar wesentlich anders. Wir müssen uns darüber klar sein, daß in der Menschheitsentwicklung schon so etwas vorhanden ist wie eine tiefgehende Umwandlung der Seelenverfassung des Menschen. Ich habe jene eine große Umwandlung hier wiederholt charakterisiert, die etwa in die Mitte des 15. Jahrhunderts gesetzt werden darf. Aber es gibt, indem man in der Menschheitsentwicklung heraufsteigt, immer wieder solche Epochengrenzen, und nur wenn man in der Geschichte auch das innere seelische Leben des Menschen wirklich verfolgen kann, kommt man darauf, was da eigentlich vorhanden war, und woran das Spracherleben teilgenommen hat.
[ 12 ] Let’s take, for example, a very well-known word: “manas.” If you look it up in a dictionary, you will find a wide variety of translations for “manas”: spirit, mind, soul, and sometimes even anger, irascibility, and so on. Essentially, such translations fail to capture the inner experience of the word that once existed—an experience that people in earlier times could perceive very clearly within themselves. During that era when Sanskrit was fully alive, the human soul’s constitution was fundamentally different from what it is today—in fact, significantly different. We must be clear that in the course of human development, there has indeed been something like a profound transformation of the human soul’s constitution. I have repeatedly described here that one great transformation, which can be dated to around the middle of the 15th century. But as one moves back through human development, there are always such epochal boundaries, and only when one can truly trace the inner spiritual life of human beings throughout history does one come to understand what actually existed then and how the experience of language was part of it.
[ 13 ] Es war in der Zeit, in der so etwas wie das Wort «manas» noch lebendig innerlich ergriffen worden ist, durchaus etwas vorhanden, was ich nennen möchte das Erleben der Lautbedeutung. In einer ungeheuer intensiven Weise empfand man das, was innerlich erlebt wurde bei den Lauten, die wir heute als m, als a, als n und als s bezeichnen. Das Seelenleben ging noch bis zu einem hohen Grade — wenn auch traumhaft, aber doch im Traume bewußt — mit dem mit, was innerlich im Organismus lebte, während die Vokale und die Konsonanten ausgesprochen wurden. Wer dann mit einer solchen wissenschaftlichen Ausrüstung verfolgt, wie die Sprache im Menschen lebt, der findet, daß alles, was konsonantisch ist, darauf beruht, daß der Mensch sich mit seinem eigenen Wesen in äußere Vorgänge, in Dinghaftes, hineinversetzt, und das innere Leben der Dinge mit seinen eigenen inneren, aber zurückgehaltenen Gebärden nachahmen will. Konsonanten sind zurückgehaltene Gebärden, nicht sichtbar werdende Gebärden, die aber in ihrem Inhalt durchaus dasjenige erfassen, was äußerlich im Rollen des Donners, im Zucken des Blitzes, im Hinrollen des Windes und so weiter erlebt werden kann. Ein inneres Sichhineinversetzen in die äußeren Dinge ist vorhanden, indem der Konsonant erlebt wird. Man will eigentlich, wenn ich mich so ausdrücken darf, durch Gebärden nachahmen, was äußerlich lebt und webt; man hält die Gebärde zurück, sie verwandelt sich im Innern und kommt in dieser Verwandlung im Konsonanten zum Vorschein.
[ 13 ] In the time when something like the word “manas” was still vividly experienced inwardly, there was certainly something present that I would like to call the experience of the meaning of sounds. In an incredibly intense way, people sensed what was experienced inwardly in the sounds we today designate as m, a, n, and s. To a high degree—albeit in a dreamlike state, yet consciously within that dream—the life of the soul was still in harmony with what lived inwardly within the organism while the vowels and consonants were being pronounced. Anyone who then, armed with such scientific insight, traces how language lives within human beings will find that everything consonantal is based on the fact that human beings project their own being into external processes—into the material world—and seek to imitate the inner life of things with their own inner, yet restrained, gestures. Consonants are restrained gestures—gestures that do not become visible—but which, in their content, fully capture what can be experienced externally in the rumbling of thunder, the flashing of lightning, the rolling of the wind, and so on. An inner immersion into external things is present in the experience of the consonant. One actually seeks—if I may put it this way—to imitate through gestures what lives and weaves externally; one restrains the gesture, it transforms internally, and in this transformation it comes to light in the consonant.
[ 14 ] Dagegen lebt im Menschen, indem er sich der äußeren Natur entgegenstellt, eine Summe von Sympathien und Antipathien. Diese Sympathien und Antipathien, die ein inneres Erleben darstellen, gebären aus sich heraus den gesamten Vokalismus; so daß der Mensch, indem er in der Sprache lebt, so lebt, daß er im konsonantischen Wesen die äußere Welt nachbildet, aber metamorphosiert, daß er dagegen im Vokalischen sein eigenes inneres Verhältnis zur äußeren Welt darstellt. — Das ist etwas, was, wenn man auf die konkrete Tatsache des Spracherlebens eingeht, auch mit dem heutigen Seelenleben durchaus erfaßt, durchschaut werden kann. Es handelt sich bei dem, was als Imagination geschildert wird, nicht um irgendwelche Phantasien, sondern darum, daß zum Beispiel dieser innere Prozeß des Spracherlebens wirklich erschaut werden kann.
[ 14 ] In contrast, within human beings—as they confront the external natural world—there exists a sum of sympathies and antipathies. These sympathies and antipathies, which constitute an inner experience, give rise to the entire system of vowels; so that, in living through language, a person lives in such a way that, through the consonantal element, he reproduces the external world—but in a transformed form—while, through the vowel element, he expresses his own inner relationship to the external world. — This is something that, when one delves into the concrete reality of the experience of language, can be fully grasped and understood even within today’s spiritual life. What is described as “imagination” is not a matter of mere fantasies, but rather the fact that, for example, this inner process of the experience of language can truly be perceived.
[ 15 ] Nun war aber in den älteren Zeiten, in denen das Sanskrit seine Quelle hat, noch etwas in der Menschenseele lebendig wie eine traumhafte Imagination. Nicht ein solches scharf konturiertes Vorstellen, wie wir es heute haben, war damals dem Menschen eigen, sondern ein Leben in Bildern, in Imaginationen — allerdings nicht solche Imaginationen, wie wir sie heute in der Anthroposophie meinen, die vollbewußt sind wie unsere scharf konturierten Begriffe, sondern traumhaft instinktive Imaginationen waren da. Aber diese traumhaften Imaginationen wirkten als Kraft. Gehen wir zurück bis zu dem angedeuteten Zeitraume, so kann man sagen: Diese Imaginationen lebten als lebendige Kraft in dem Menschen; er verspürte sie, wie er Hunger und Durst verspürte, nur in einem leiseren Sinne. Man malte innerlich in einer Art, die natürlich nicht ein Malen im heutigen Sinne ist, die sich aber so auslebte, daß man das Vokalische innerlich aufträgt, wie wir die Farben auf eine Fläche auftragen, und daß man dann ins Konsonantische mit diesem Vokalisieren sich hineinlebt, so wie wenn man, indem man die Farben nebeneinander setzt, die Grenzen und die Konturen hervorbringt. Es ist ein innerliches Nacherleben eines Imaginierens, das aber ein objektives Nacherleben der äußeren Natur darstellt. Es ist ein Erleben der traumhaften Imaginationen. Man gibt sich diesen Imaginationen hin und stülpt die innerlich wirksamen Imaginationen durch die Sprachorgane aus dem Organismus in die Worte.
[ 15 ] In the earlier times, however, from which Sanskrit has its origins, there was still something alive in the human soul like a dreamlike imagination. It was not a sharply defined conceptualization, as we have it today, that was characteristic of human beings back then, but rather a life in images, in imaginations—though not the kind of imaginations we mean today in anthroposophy, which are fully conscious like our sharply defined concepts, but rather dreamlike, instinctive imaginations. Yet these dreamlike imaginations acted as a force. If we go back to the period I have alluded to, we can say: These imaginations lived as a living force within human beings; they felt them just as they felt hunger and thirst, only in a more subtle sense. One painted inwardly in a way that, of course, is not painting in the modern sense, but which unfolded in such a way that one applied the vowel sounds inwardly, just as we apply colors to a surface, and that one then immersed oneself in the consonants through this vocalization, just as when, by placing colors side by side, one brings out the boundaries and contours. It is an inner reliving of an act of imagination, which, however, represents an objective reliving of external nature. It is an experience of dreamlike imaginings. One surrenders to these imaginings and channels the imaginings active within, through the speech organs, from the organism into words.
[ 16 ] Nur auf diese Weise stellt man sich den innerlichen Vorgang des Spracherlebens so vor, wie er einmal in der Menschheitsentwicklung gelebt hat. Wenn man dann Ernst macht mit einer solchen Betrachtung, zum Beispiel mit dem Erleben des Lautes, den wir heute m nennen, so merkt man beim Erleben dieses Lautes, daß er einmal an der Grenze dessen stand, was Konsonant und Vokal ist. So wie wenn wir heute ein Bild malen und dann die Farben, die nun zu ihren inneren Grenzen ihre äußeren Grenzen haben, nicht weiter fortsetzen in die Fläche hinein, so wurde etwas ausgesprochen bei dem Worte «manas». Und beim a wurde etwas gefühlt wie menschliche Innerlichkeit. Und wenn ich das ganze Wort manas so umschreiben wollte, müßte ich sagen: In jenen alten Zeiten lebten die Menschen mit ihren traumhaften Imaginationen in der Sprache, so wie wir bewußt die Sprache erleben. Wir leben heute mit Bezug auf die Sprache nicht mehr in Traumvorstellungen, sondern unser Bewußtsein liegt über der Sprache. Die alten traumhaften Imaginationen flossen fortwährend in die Sprache. Und so fühlte, wer das Wort «manas» aussprach, sich wie in einer Art von Schale drinnen; er fühlte seinen physischen Menschenleib, namentlich insofern dieser flüssig-wässerig ist, wie in einer Art von Schale, und den übrigen Leib wie getragen von einer Art Luftkörper. Das alles wurde traumhaft erlebt, wenn in alten Zeiten das Wort «manas» ausgesprochen wurde. Man fühlte nicht so, wie wir uns heute im Seelenleben fühlen, sondern man fühlte sich als Träger des Seelenlebens — und das Seelenhafte selber erlebte man wie aus den außerirdischen und außermenschlichen Kräften der Schale gegeben.
[ 16 ] Only in this way can one envision the inner process of language experience as it was once lived in the course of human development. If one then takes such a consideration seriously—for example, by experiencing the sound we now call “m”—one realizes, upon experiencing this sound, that it once stood at the boundary between what is a consonant and what is a vowel. Just as when we paint a picture today and do not extend the colors—which now have their outer boundaries at their inner limits—further into the surface, so something was expressed in the word “manas.” And in the “a,” something was felt akin to human inner life. And if I were to describe the entire word “manas” in this way, I would have to say: In those ancient times, people lived with their dreamlike imaginings within language, just as we consciously experience language today. Today, with regard to language, we no longer live in dreamlike imaginings, but our consciousness lies above language. The ancient dreamlike imaginings flowed continuously into language. And so, whoever uttered the word “manas” felt as if they were inside a kind of shell; they felt their physical human body—especially insofar as it is fluid and watery—as if in a kind of shell, and the rest of the body as if carried by a kind of airy body. All of this was experienced in a dreamlike way when the word “manas” was uttered in ancient times. One did not feel as we do today in our soul life, but rather felt oneself to be the bearer of the soul life—and the soul aspect itself was experienced as emanating from the extra-earthly and extra-human forces of the shell.
[ 17 ] Diese Empfindung muß man erst rege machen, wenn man einen älteren Wortinhalt verstehen will. Und man muß wissen, daß, wenn wir heute unser Ich empfinden, das innere Seelenerlebnis ein ganz anderes ist, als das war, was etwa bei dem Wort «ego» erlebt worden ist oder was von den Menschen. früherer Zeiten bei dem Wort «aham» der Sanskritsprache erlebt worden ist. Wir erleben heute unser Ich als etwas, was ganz und gar wie in einem Punkte zusammengezogen ist, in einem Punkte, auf den wir als den Mittelpunkt unseres Innenwesens alle unsere Seelenkräfte beziehen.
[ 17 ] One must first awaken this feeling if one wishes to understand the original meaning of a word. And one must realize that when we perceive our “I” today, the inner spiritual experience is quite different from what was experienced, for example, with the word “ego” or what people in earlier times in connection with the Sanskrit word “aham.” Today we experience our “I” as something that is entirely concentrated in a single point—a point to which we relate all our soul forces as the center of our inner being.
[ 18 ] Diese Empfindung lag nicht den älteren Offenbarungen des Ich-Begriffes zugrunde. In diesen älteren Zeiten fühlte man auch das Ich noch als etwas, was getragen worden ist; man fühlte sich nicht im Ich drinnen. Man fühlte auch das Ich gewissermaßen wie auf den Wogen des seelischen Lebens wie etwas Selbständiges schwimmend. Was man aber so fühlte, deutete man in dem Lautzusammenhang nicht an; so daß eigentlich das, was in dem Sanskritwort «aham» liegt, etwas ist, was um das Ich herum ist, was das Ich trägt. Und während wir das Ich innerlich als einen Willensimpuls haben — denn so wird es heute wirklich erlebt —, der innerlich unser Wesen durchstrahlt, sagen wir als ein Mittelpunkt innerhalb einer Wärmequelle, die die Wärmestrahlen — um einen Vergleich zu gebrauchen — nach allen Seiten hinstrahlt, so fühlte der Grieche oder sogar noch der Lateiner das Ich wie eine Kugel von Wasser, und diese Wasserkugel ganz durchdrungen von Luft. Es ist etwas anderes, zu erleben die sich in einer Wasserkugel ausbreitende Luft, oder zu erleben das innerliche Strahlen eines Wärmemittelpunktes und Wärme nach allen Seiten der Kugel hinstrahlen, die dann — wenn wir den Vergleich ganz genau gebrauchen — als eine Luftkugel erfaßt werden muß. — Das alles sind Symbole. Aber die Worte der Sprache sind ja in diesem Sinne auch Symbole, und wer das Recht bestreitet, daß man die Worte als Symbole bezeichnet, der wird überhaupt nicht in eine solche Betrachtung einrücken können.
[ 18 ] This sensation did not underlie the earlier manifestations of the concept of the “I.” In those earlier times, the “I” was still perceived as something that was being carried; one did not feel oneself to be inside the “I.” One also felt the “I,” as it were, floating like something independent upon the waves of soul life. But what one felt in this way was not indicated in the linguistic context; so that, in fact, what lies in the Sanskrit word “aham” is something that surrounds the “I,” something that carries the “I.” And while we inwardly experience the “I” as a impulse of will—for that is truly how it is experienced today—which radiates inwardly through our being, as it were, a center within a source of heat that radiates heat rays—to use a comparison—in all directions, the Greeks—and even the Latins—perceived the “I” as a sphere of water, and this sphere of water entirely permeated by air. It is one thing to experience the air spreading out within a sphere of water, and quite another to experience the inner radiance of a focal point of heat and the heat radiating in all directions from the sphere, which—if we use the analogy very precisely—must then be conceived as a sphere of air. — All of these are symbols. But the words of language are, in this sense, also symbols, and anyone who disputes the right to describe words as symbols will be unable to engage in such a line of thought at all.
[ 19 ] So ist es notwendig, wenn man Sprachwissenschaft treiben will, daß man sich erst hineinlebt in das, was eigentlich Gegenstand der Sprachwissenschaft werden muß. Und da findet man eben, daß in älteren Zeiten die Sprache durchaus einen ganz anderen Charakter hatte als den, der etwa in den heutigen Zivilisationssprachen liegt; und man findet weiter, daß das Körperliche, das Leibliche einen viel größeren Anteil hatte am Zustandekommen des Lautlichen, am Zustandekommen der Konfiguration eines Wortes. Der Mensch gab viel mehr sein Inneres [in die Sprache]. Daher auch haben Sie in dem Worte «manas» das m im Anfang, weil es den Menschen in sich abschließt, konturiert.
[ 19 ] Thus, if one wishes to engage in linguistics, it is necessary first to immerse oneself in what must actually become the subject of linguistics. And there one discovers that in earlier times, language had a character entirely different from that found, for example, in the languages of modern civilization; and one further discovers that the physical, the bodily, played a much greater role in the formation of sound and in the formation of a word’s structure. People projected much more of their inner being [into language]. That is also why the word “manas” begins with an “m”—because it encloses and outlines the human being within itself.
[ 20 ] Wenn man Bezeichnungen in der Sanskritsprache vor sich hat, merkt man sehr bald, daß man darin das Erleben des Konsonantischen und des Vokalischen hat, man merkt, wie in der Tat ein innerliches Einleben in die äußeren Vorgänge und äußeren Dinghaftigkeiten da ist, und wie dadurch, daß im Konsonantischen nachgeahmt wird, im Vokalischen Sympathien und Antipathien empfunden werden, der Wortprozeß und der Sprachprozeß zustandekommen. Das ist in den alten Zeiten in einer viel körperlicheren Schattierung zustandegekommen. Es war ein viel volleres Erleben in dem älteren Spracherleben. Das kann man heute noch erleben. Wenn Sie heute einen das Sanskrit oder überhaupt eine orientalische Zivilisationssprache sprechenden Menschen hören, so hören Sie, wie das, was er ertönen läßt, aus seinem ganzen Menschen heraus, einschließlich aus der Leiblichkeit, ertönt, und wie die Sprache musikalischen Charakter annimmt, weil sie aus einem solchen inneren Erleben kommt wie das Musikalische. Denn erst in einer späteren Phase der Menschheitsentwicklung hat sich in der Sprache das Musikalische abgetrennt von dem Logischen, also von dem Seelenleben in bloßen Vorstellungen.
[ 20 ] When one encounters terms in the Sanskrit language, one very soon realizes that they embody the experience of the consonantal and the vocalic, one notices how there is, in fact, an inner immersion in external processes and external material realities, and how—through the imitation of consonants and the perception of sympathies and antipathies in the vowels—the process of word formation and the process of language come about. In ancient times, this took place in a much more physical manner. There was a much fuller experience in the older experience of language. One can still experience this today. If you hear someone today speaking Sanskrit or any language of an Eastern civilization, you will hear how what they utter resounds from their entire being, including their physicality, and how the language takes on a musical character because it arises from an inner experience akin to that of music. For it was only in a later phase of human development that the musical aspect of language became separated from the logical—that is, from the soul life expressed in mere concepts.
[ 21 ] Das kann man wiederum auch heute noch merken. Wenn Sie zum Beispiel vergleichen das innere Erleben in der deutschen und in der englischen Sprache, so ist es so, daß bei der englischen Sprache der Prozeß des In-abstrakten-Vorstellungen-Lebens weiter fortgeschritten ist. Wenn wir heute in der deutschen Sprache leben wollen, müssen wir uns ja in diejenigen Formen der Sprache hineinleben, welche mit dem Neuhochdeutschen heraufgekommen sind. Die Dialekte lassen unsere Seele durchaus noch untertauchen in ein viel intensiveres vitales Erleben. Das eigentliche geistige Erleben der Sprache ist erst im Hochdeutschen möglich. Daher ist auch eine solche Gestalt wie Hegel, die ganz aus diesem Geiste herausgeboren ist, daß die Vorstellung gesondert für sich ist und doch wieder ganz gebunden an ein besonderes Element der Sprache erlebt wird, aus diesen Voraussetzungen zustandegekommen und Hegel läßt sich deshalb in Wirklichkeit nicht in eine westliche Sprache übersetzen. Denn da erlebt man das Sprachliche noch unmittelbar.
[ 21 ] This is still evident today. If, for example, you compare the inner experience in the German and English languages, you will find that in English, the process of living in abstract concepts is more advanced. If we want to live in the German language today, we must immerse ourselves in those forms of language that emerged with New High German. The dialects still allow our soul to immerse itself in a much more intense, vital experience. The true spiritual experience of language is only possible in High German. That is why a figure such as Hegel—who was born entirely out of this spirit, in which the concept stands apart yet is experienced as wholly bound to a particular element of language—arose from these conditions; and that is why Hegel cannot, in reality, be translated into a Western language. For there, the linguistic is still experienced directly.
[ 22 ] Wenn Sie nach dem Westen gehen, merken Sie überall in dem Erleben, das die Seele entfaltet, wenn sie dem Sprachgebrauch hingegeben ist: Es erlebt zwar die Seele intensiv, es wird aber überall das Sprachliche herausgeworfen aus dem unmittelbaren Seelenerleben; es fließt der Strom der Sprache dahin, und fortwährend wird gewissermaßen aus dem fließenden Wasser etwas herausgebildet wie Eisschollen, die wie ein fester Inhalt auf den Wogen dahinrollen — zum Beispiel im Englischen. Wenn wir dagegen das Hochdeutsche sprechen, können wir merken, wie man in dem Strom der Sprache ebenfalls ein Flüssiges hat, aber es sind noch nicht Eisblöcke darin, die schon herausgefallen wären aus dem Sprachlichen, das verbunden ist mit dem Geistig-Seelischen des Menschen.
[ 22 ] As you journey westward, you notice everywhere in the experience that the soul unfolds when it is immersed in the use of language: Although the soul experiences this intensely, the linguistic element is constantly cast out of the immediate experience of the soul; the stream of language flows on, and continually, as it were, something is formed from the flowing water—like ice floes rolling along the waves as a solid substance—for example, in English. When we speak High German, on the other hand, we can notice how there is likewise a fluidity in the stream of language, but there are not yet blocks of ice in it that have already fallen out of the linguistic realm, which is connected to the spiritual-soul aspects of the human being.
[ 23 ] Kommt man nach Osten, so findet man diesen Prozeß auf einer noch weiter rückwärts liegenden Stufe. Da sieht man nun nicht Eisschollen, die herausgeworfen werden aus dem Strom der Sprache, und die nicht etwa fest verbunden mit ihm sind; da wird auch nicht wie im Hochdeutschen die vollständige Adäquatheit des Gedankens mit dem Wort erlebt, sondern es wird das Wort so erlebt, daß man es in seinem Organismus behält, während wiederum der Gedanke etwas ist, dem die Worte entfließen, und dem man nachläuft, der eigentlich vor einem einhergeht.
[ 23 ] If one travels eastward, one finds this process at an even earlier stage of development. There, one does not see ice floes being cast out of the stream of language, nor are they firmly connected to it; nor is there, as in High German, a sense of the thought’s complete equivalence to the word; rather, the word is experienced in such a way that one retains it within one’s own system, while the thought, in turn, is something from which words flow, something one pursues, something that actually precedes one.
[ 24 ] Das sind die Dinge, die man durchmachen muß, wenn man das Sprachliche wirklich erfassen will. Und man kann das nicht durchmachen, wenn man nicht wenigstens bis zu einem gewissen Grade diejenige Anschauung aufnimmt, die Goethe für die Betrachtung der lebendigen Pflanzenwelt ausgebildet hat, und die, wenn sie in innerlichem Erleben und innerlichem Üben konsequent verfolgt wird, zu dem imaginativen Vorstellen führt, das in der Anthroposophie gemeint ist. Überhaupt, wer die Sprache betrachten will, muß sie so betrachten, daß er die innerliche Metamorphose des Sprachorganisierens erlebt, erlebt in ihrer Konkretheit; denn dann erst hat er das vor sich, was eigentlich der Sprachprozeß ist. Solange man sich nicht aufschwingen kann zu einer solchen innerlichen Betrachtung der Sprache, solange betrachtet man eben die Sprache äußerlich, und man kann nicht bis zu dem eigentlichen lebendigen Objekt der Sprache vordringen. Daher ist alles mögliche an Sprachtheorien heraufgekommen. Das Denken über die Sprache ist ja in vieler Beziehung zu einem Denken über den Ursprung der Sprache geworden; eine ganze Anzahl von Theorien ist da heraufgekommen. Wilhelm Wundt hat sie in seiner Sprachtheorie aufgezählt und kritisch zerpflückt.
[ 24 ] These are the things one must go through if one truly wants to grasp language. And one cannot go through this process unless one adopts, at least to a certain degree, the perspective that Goethe developed for the observation of the living plant world—a perspective which, when consistently pursued through inner experience and inner practice, leads to the imaginative perception referred to in anthroposophy. In general, anyone who wishes to contemplate language must do so in such a way as to experience the inner metamorphosis of language organization—to experience it in its concreteness; for only then does one have before oneself what the language process actually is. As long as one cannot rise to such an inner contemplation of language, one merely observes language externally and cannot penetrate to the actual living object of language. Hence, all manner of theories of language have emerged. Reflection on language has, in many respects, become a reflection on the origin of language; a whole host of theories has emerged in this regard. Wilhelm Wundt enumerated them in his theory of language and critically dissected them.
[ 25 ] Es ist damit ja so, wie man es heute auf vielen Gebieten erlebt, und wie man es gestern beobachten konnte. Wenn nämlich die Träger irgendeiner wissenschaftlichen Richtung sich heute zum vollen Nachdenken erheben und das betrachten, was ihnen die Wissenschaft, die sie vertreten, heute darbietet, dann fangen sie an vom «Untergang» zu reden. Das ist eigentlich nicht das, was Ihnen die Anthroposophie sagen will. Im Grunde genommen ist ja zum Beispiel gestern von der Anthroposophie aus sehr wenig von Untergang geredet worden; sehr wohl aber ist von denen, die heute in der Theologie drinnenstehen, von dem von ihnen erlebten Untergang gesprochen worden.
[ 25 ] It is, in fact, just as we experience it today in many fields, and as we could observe yesterday. For when the proponents of any scientific school of thought today rise to full reflection and consider what the science they represent presents to them today, they begin to speak of “decline.” That is not actually what anthroposophy seeks to convey to you. After all, from the perspective of anthroposophy, very little was said yesterday about decline; however, those who are deeply involved in theology today have certainly spoken of the decline they have experienced.
[ 26 ] Ähnlich spricht man auch, wenn man über die Sprache philosophiert, von den untergehenden Theorien, zum Beispiel von der «Erfindungstheorie». Wundt zählt die verschiedenen Theorien auf. Nach der Erfindungstheorie ist die Sprache so entstanden, daß die Menschen gewissermaßen festgesetzt haben die Bezeichnungen für die Dinge; aber das findet der heutige Mensch nicht mehr angemessen, denn, so meint er, wie sollten die Stummen die Sprachformen haben festsetzen können, wenn auch noch so primitive? Als zweite zählt Wundt die «Wundertheorie» auf, die darauf ausgeht, daß die Sprache dem Menschen in einem gewissen Entwicklungsstadium als ein Geschenk des Schöpfers gegeben worden ist. Aber das hat ja gestern schon Dr. Geyer ausgeführt, daß es heute für einen halbwegs anständigen Wissenschafter das nicht mehr gibt, an Wunder zu glauben; das ist verboten, und damit ist auch die Wundertheorie nicht mehr möglich. Dann wird als weitere die «Nachahmungstheorie» aufgezählt, die schon Elemente enthält, die eine partielle Berechtigung haben, weil das konsonantische Element der Sprache auf einem viel innerlicheren Prozeß beruht, als man sich gewöhnlich vorstellt. Dann wird die «Naturlauttheorie» angeführt; sie besagt, daß aus innerlichem Erleben heraus der Mensch in bezug auf die Sprache anstrebte, daß sich die Worte in lautlicher Beziehung decken sollten mit dem, was man draußen in der Natur wahrnimmt und mit Sympathie oder Antipathie verfolgt. Diese Theorien könnten auch anders definiert werden. Aber es ist heute ja möglich, daß auch auf dem Boden derjenigen, die diese Theorien kritisieren, gezeigt wird, wie diese Theorien alle nicht das eigentliche Objekt der Sprache erfassen können.
[ 26 ] Similarly, when philosophizing about language, one speaks of theories that are falling out of favor, such as the “invention theory.” Wundt lists the various theories. According to the theory of invention, language arose in such a way that humans, so to speak, established the names for things; but modern people no longer find this plausible, for, they argue, how could the mute have established linguistic forms—however primitive they might have been? Second, Wundt lists the “miracle theory,” which posits that language was given to humans at a certain stage of development as a gift from the Creator. But as Dr. Geyer already explained yesterday, for any halfway decent scientist today, believing in miracles is no longer an option; it is forbidden, and thus the miracle theory is no longer tenable either. Next, the “Imitation Theory” is listed, which already contains elements that have some merit, because the consonantal element of language is based on a much more internal process than is generally imagined. Next, the “natural sound theory” is cited; it posits that, stemming from inner experience, humans sought—in relation to language—for words to correspond phonetically to what is perceived in the natural world and observed with sympathy or antipathy. These theories could also be defined differently. But it is indeed possible today, even from the standpoint of those who criticize these theories, to demonstrate how none of these theories can capture the true nature of language.
[ 27 ] Sehr verehrte Anwesende, die Sache ist eben durchaus so, daß Anthroposophie — auch wenn die Leute sagen, sie brauchten nicht auf sie zu warten — dennoch in einer gewissen Beziehung zeigen kann, was sie an Fruchtbarem zu geben in der Lage ist, wodurch — selbst auf solchem Gebiete, wie es die Sprachwissenschaft ist — erst die sauberen, die reinlichen Objekte zu finden sind, an denen dann die Betrachtung angestellt werden kann. Man kann ja selbstverständlich über alles mögliche reden, auch über die Sprache, selbst wenn man sie als ein wirklich sauberes Objekt noch gar nicht hat. Aber Anthroposophie trägt eben in sich jenen tieferen Charakter der Wissenschaftlichkeit, der darauf ausgeht, zuerst einmal sich klar zu werden, welche Art von Wirklichkeit auf einem bestimmten Gebiete gefunden werden kann, so daß dann der Zusammenhang dessen, was wir als Wahrheit, als Erkenntnis von diesen Gebieten durchdringen, mit diesem Wirklichkeitsgebiete auch tatsächlich innerlich erlebt werden kann. Und wenn, wie es gestern hier geschehen ist, dann mit Bezug auf das, was in so ehrlicher Arbeit, die nicht leichter ist als die in anderen Wissenschaften, gesagt wird, diese Anthroposophie stecke ihre Nase in alles mögliche hinein, so muß erwidert werden: Gewiß, es hat sich gezeigt, daß diese Anthroposophie im Laufe ihrer Entwicklung ihre Nase auch in alles hineinstecken mußte. Wenn es aber nicht bei der Oberflächlichkeit bleibt, dieses Aperçu zu prägen: «Die Anthroposophie steckt ihre Nase in alles mögliche hinein» —, sondern wenn man dazu fortschreiten möchte, dasjenige einmal wirklich ins Auge zu fassen und es ernsthaft zu studieren, was dabei herauskommt, wenn die Anthroposophie ihre Nase in alles steckt, dann erst, wenn man zu dieser zweiten Stufe des Verhältnisses zur Anthroposophie übergeht, wird sich zeigen, wie fruchtbar die Anthroposophie ist, und inwiefern sie ihre Berechtigung hat gegenüber dem ersten Urteil, das doch nur aus einer oberflächlichen Betrachtung hervorgeht!
[ 27 ] Ladies and gentlemen, the fact is that anthroposophy—even if people say they didn’t need to wait for it—can nevertheless, in a certain sense, demonstrate what fruitful contributions it is capable of making, through which—even in a field such as linguistics—one can first find the clear, unadulterated objects upon which one can then base one’s analysis. Of course, one can talk about all sorts of things, including language, even if one does not yet have it as a truly clear object of study. But anthroposophy embodies precisely that deeper scientific character which aims first and foremost to clarify what kind of reality can be found in a particular field, so that the connection between what we perceive as truth—as knowledge gained from these fields—and this realm of reality can then actually be experienced inwardly. And if, as happened here yesterday, it is said—with reference to what is stated in such honest work, which is no easier than that in other sciences—that this anthroposophy sticks its nose into all sorts of things, then the reply must be: Certainly, it has become apparent that, in the course of its development, this anthroposophy has indeed had to stick its nose into everything. But if one does not stop at the superficiality of characterizing it with the remark: “Anthroposophy sticks its nose into all sorts of things” —but if one wishes to go further and actually take a close look at what emerges when anthroposophy sticks its nose into everything, and to study it seriously, then only when one moves on to this second stage of engagement with anthroposophy will it become clear how fruitful anthroposophy is, and to what extent it is justified in the face of that initial judgment, which arises only from a superficial observation!
