What was the Purpose of the Goetheanum and of Anthroposophy?
GA 84
9 April 1923, Basel
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What was the purpose of the Goetheanum, and of Anthroposophy?, tr. SOL
1. Was wollte das Goetheanum und was soll die Anthroposophie?
1. What Was the Purpose of the Goetheanum and of Anthroposophy?
[ 1 ] Die schreckliche Brandkatastrophe der letzten Silvesternacht, welche das Goetheanum vernichtet hat, das vielen, die es lieb hatten, in so schmerzlicher Erinnerung bleiben wird, diese Katastrophe mag Veranlassung geben, daß ich die heutige Betrachtung über anthroposophische Welterkenntnis und Weltanschauung an dieses Goetheanum anknüpfe. Nur eine Anknüpfung soll damit beabsichtigt sein. Die Betrachtung selber, welche ich mir erlauben werde, hier vor Ihnen anzustellen, soll sich aber in ihrer Art nicht wesentlich unterscheiden von denjenigen Betrachtungen, die ich nun schon seit vielen Jahren hier in Basel auch in demselben Saale halten durfte. Gerade gelegentlich des schrecklichen Brandunglücks kam es wiederum zutage, welche abenteuerlichen Vorstellungen sich in der Welt knüpfen an alles das, was mit diesem Goetheanum in Dornach gemeint war, und was in ihm getrieben werden sollte. Es wird gesprochen von dem schrecklichsten Aberglauben, der dort verbreitet werden soll. Es wird gesprochen von allerlei Religionsfeindlichem, das dort getrieben werden soll, ja sogar von allerlei spiritistischen Geisterzitierungen, von nebulösem Mystischen, dem man sich dort hingeben würde, und dergleichen. Gegenüber all dem möchte ich heute wenigstens skizzenhaft die Frage beantworten: Was soll jene Anthroposophie, welcher das Goetheanum gewidmet war?
[ 1 ] The terrible fire that occurred on New Year’s Eve, which destroyed the Goetheanum—a memory that will remain so painful for many who loved it—may serve as an occasion for me to link today’s reflection on anthroposophical worldview and understanding of the world to this Goetheanum. My intention is merely to establish a connection. The lecture itself, which I shall take the liberty of presenting here before you, is not, however, intended to differ significantly in character from those lectures I have been privileged to deliver here in Basel, in this very same hall, for many years now. It was precisely in the wake of the terrible fire that it once again came to light what outlandish notions are associated in the world with everything that this Goetheanum in Dornach was meant to represent, and what was supposed to take place there. People speak of the most terrible superstitions that are said to be spread there. There is talk of all manner of anti-religious activities supposedly taking place there, even of all sorts of spiritualistic séances, of nebulous mysticism to which people there are said to be indulging, and the like. In response to all this, I would like today to at least sketch out an answer to the question: What is the purpose of that anthroposophy to which the Goetheanum was dedicated?
[ 2 ] Schon an dem Namen Goetheanum nahmen ja zahlreiche Menschen Ärgernis. Man bedachte dabei nicht, aus welchen Untergründen dieser Name hervorgegangen ist, und wie er mit dem, was dort als Anthroposophie gepflegt wird, zusammenhängt. Diese Anthroposophie ist mir selbst lebendig hervorgegangen aus einer Hingabe an Goethes Weltanschauung und an Goethes ganzes Wirken seit eigentlich schon mehr als vier Jahrzehnten. Allerdings, wenn man Goethes Weltanschauung und Goethes Wirken so ins Auge faßt, daß man unmittelbar nur dasjenige nimmt, was in Goethes Werken steht, und gewissermaßen logisch ableiten will, was nun Goethisch heißen darf, dann wird man das nicht treffen, was Veranlassung gegeben hat, den Dornadier Bau gerade Goetheanum zu nennen. Allein es gibt, ich mödite sagen, eine Logik des Denkens und eine Logik des Lebens. Und derjenige, der sich nicht bloß durch eine Logik des Denkens in Goethe vertieft, sondern der die Goethesdien voller Impulse steckenden Anregungen lebendig nimmt und nun versucht, dasjenige aus ihnen zu gewinnen, was gewonnen werden kann, nachdem über die Menschheitsentwickelung so viele Jahrzehnte seit Goethes Tode hinweggegangen sind, der wird glauben, mag er sonst auch über den Wahrheitswert der Anthroposophie denken, wie er will, daß durch die lebendigen Anregungen des Goetheanismus — wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf — gerade diese Anthroposophie hat entstehen können durch Logik des Lebens, durch Erleben dessen, was in Goethe liegt, und durch Wachsenlassen in bescheidener Weise des von Goethe Angeführten.
[ 2 ] The very name “Goetheanum” was a source of offense to many people. They failed to consider the deeper roots from which this name sprang, and how it is connected to what is cultivated there as anthroposophy. For me personally, this anthroposophy has emerged as a living reality from a devotion to Goethe’s worldview and to Goethe’s entire body of work—a devotion that has actually lasted for more than four decades. However, if one approaches Goethe’s worldview and his body of work in such a way that one takes only what is directly stated in Goethe’s works and attempts, so to speak, to logically deduce what may be called “Goethian,” then one will fail to grasp what prompted the decision to name the Dornadier Building specifically the Goetheanum. Yet there is, I would say, a logic of thought and a logic of life. And the person who does not merely immerse themselves in Goethe through a logic of thought, but who takes to heart the impulses and inspirations so rich in Goethe’s works and now attempts to draw from them what can be drawn—given that so many decades have passed since Goethe’s death in the course of human development—will believe, whatever his views on the truth value of anthroposophy may be, that through the living inspirations of Goetheanism—if I may use that expression—it is precisely this anthroposophy that has been able to arise through the logic of life, through experiencing what lies within Goethe, and through humbly allowing what Goethe set in motion to grow.
[ 3 ] Nun wurde dieses Goetheanum zuerst Johannesbau genannt, und zwar von denjenigen Freunden der anthroposophischen Weltanschauung, welche vor nun mehr als zehn Jahren die Veranlassung gegeben haben, einen solchen Bau aufzuführen. Der Name Johannesbau wurde keineswegs von dem Evangelisten Johannes genommen, sondern er wurde — nicht von mir, sondern von anderen — nach einer der Figuren in meinen Mysteriendramen, Johannes Thomasius, benannt, weil zunächst dieses Goetheanum neben der Pflege des übrigen der anthroposophischen Weltanschauung der Aufführung dieser Mysterien gewidmet sein sollte. Allein es war ja selbstverständlich, daß dieser Name «Johannesbau » zu dem Mißverständnisse führen konnte, daß damit ein Anklang gegeben werden soll an den Schreiber des Johannes-Evangeliums.
[ 3 ] This Goetheanum was originally called the Johannesbau by those friends of the anthroposophical worldview who, more than ten years ago, took the initiative to have such a building constructed. The name “Johannesbau” was by no means taken from the evangelist John, but was given—not by me, but by others—in honor of one of the characters in my Mystery Dramas, Johannes Thomasius, because this Goetheanum was initially intended to be dedicated not only to fostering the rest of the anthroposophical worldview but also to the performance of these Mysteries. However, it was, of course, obvious that the name “Johannesbau” could lead to the misunderstanding that it was intended to allude to the author of the Gospel of John.
[ 4 ] Daher sprach ich es oftmals aus, und ich glaube, auch hier an dieser Stelle im Laufe der Jahre, während welcher am Goetheanum gebaut wurde, daß für mich, der ich in lebendiger Weise meine Weltanschauung von Goethe abgeleitet habe, dieser Bau ein Goetheanum ist. Und dann wurde dieser Name auch offiziell von Freunden der anthroposophischen Sache diesem Bau gegeben. Ich habe das nie anders aufgefaßt als eine Art von Dankbarkeit gegenüber dem, was man aus Goethe gewinnen kann, als einen Akt der Huldigung gegenüber der alles überragenden Persönlichkeit Goethes. Nicht als ob etwa das, was unmittelbar in Goethe gegeben ist, am besten oder am schönsten im Dornacher Goetheanum gepflegt werden sollte, sondern weil anthroposophische Weltanschauung für ihre Entstehung den tiefsten Dank fühlt gegenüber dem, was durch Goethe in die Welt gekommen ist.
[ 4 ] That is why I have often said—and I believe I have said so here as well over the years while the Goetheanum was being built—that for me, having derived my worldview from Goethe in a living way, this building is a Goetheanum. And then this name was also officially given to this building by friends of the anthroposophical cause. I have never interpreted this as anything other than a kind of gratitude for what can be gained from Goethe, as an act of homage to Goethe’s towering personality. Not as if what is directly present in Goethe should be cultivated best or most beautifully at the Goetheanum in Dornach, but because the anthroposophical worldview feels the deepest gratitude for its very origin to what came into the world through Goethe.
[ 5 ] Nimmt man so den Namen Goetheanum als hervorgehend aus einem Akt der Huldigung, hervorgehend aus einem Akt der Dankbarkeit, so wird man, wie ich glaube, keinen Anstoß daran nehmen können. Im übrigen ist es ja begreiflich, daß jemand, der unbekannt mit der anthroposophischen Weltanschauung dem Bau auf dem Dornacher Hügel entgegentrat, zunächst absonderlich berührt wurde von den beiden ineinandergefügten Kuppelbauten, von den befremdlichen Formen außen und innen und so weiter. Allein dieser Bau ist mit einer inneren künstlerischen Konsequenz herausgeflossen aus dem, was anthroposophische Weltanschauung sein soll. Und daher werde ich an dasjenige, was der Bau wollte, am besten anknüpfen können, wenn ich zunächst versuche, heute in einer etwas anderen Weise als ich es hier schon durch viele Jahre getan habe, die Frage zu beantworten: Was soll Anthroposophie?
[ 5 ] If one considers the name “Goetheanum” to have arisen from an act of homage, from an act of gratitude, then I believe no one will take offense at it. Moreover, it is understandable that someone unfamiliar with the anthroposophical worldview, upon encountering the building on the hill in Dornach, would at first be strangely struck by the two interlocking domed structures, by the unfamiliar forms both inside and out, and so on. Yet this building emerged with an inner artistic coherence from what the anthroposophical worldview is meant to be. And therefore, I will be best able to build upon what the building intended if I first attempt today—in a somewhat different way than I have done here for many years—to answer the question: What is the purpose of anthroposophy?
[ 6 ] Anthroposophie will zunächst sein eine Erkenntnis der geistigen Welt, eine solche Erkenntnis der geistigen Welt, welche sich durchaus an die Seite stellen kann dem, was wir heute in einer so großartigen Weise als Naturwissenschaft haben. Sie will sich an die Seite stellen dieser Naturwissenschaft sowohl durch wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit, wie auch dadurch, daß derjenige, der in ernster Weise nicht bloß Anthroposophie in sein Gemüt aufnehmen, sondern sie aufbauen will, daß der vor allen Dingen durchgegangen sein muß durch alle die strengen und ernsten Methoden, welche die Naturwissenschaft heute übt.
[ 6 ] Anthroposophy aims first and foremost to be a knowledge of the spiritual world—a knowledge of the spiritual world that can stand on equal footing with what we today have in such a magnificent form as the natural sciences. It seeks to stand alongside natural science both through scientific rigor and through the fact that anyone who seriously wishes not merely to take anthroposophy into their heart but to build it up must, above all, have gone through all the strict and serious methods practiced by natural science today.
[ 7 ] Durch alles das will Anthroposophie das volle Gegenteil von dem sein, was ich Ihnen ja angeführt habe als die Meinung der Welt über sie. Und man kann eigentlich gegenüber diesen Urteilen, die ich ja nur zum Teil angeführt habe, nur erstaunt sein darüber, wie es möglich ist, daß sich in der Öffentlichkeit Ideen über eine Sache festsetzen können, die das genaue Gegenteil sind von dem, was eigentlich in Wirklichkeit mit der Sache beabsichtigt wird. Denn man könnte geradezu sagen: Alles das, was ich an Meinungen der Welt angeführt habe, ist Anthroposophie nicht, sondern sie will sein eine ernste Erkenntnis der geistigen Welt.
[ 7 ] Through all of this, anthroposophy aims to be the exact opposite of what I have described to you as the world’s opinion of it. And when faced with these judgments—which I have, after all, cited only in part—one can only be astonished at how it is possible for ideas about a subject to take root in the public consciousness that are the exact opposite of what is actually intended by that subject. For one could almost say: None of the opinions I have cited from the world describe anthroposophy; rather, it aims to be a serious understanding of the spiritual world.
[ 8 ] Nun wissen Sie, daß heute alles, was überhaupt Erkenntnis der geistigen Welt sein will, mit etwas verächtlichen Blicken oder wenigstens mit großem Zweifel angesehen wird. Die wissenschaftliche Erziehung, welche die Menschheit seit drei bis vier Jahrhunderten genossen hat, war ja eine solche, daß allmählich im neunzehnten und im Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts das Urteil heraufgekommen ist: Man kann durch die strengen Methoden, die heute die Naturwissenschaft hat, dasjenige erkennen, was den Sinnen in der Umgebung des Menschen gegeben ist, und was mit Hilfe der Experimentier- und Beobachtungsmethoden der menschliche Verstand aus der Sinnesbeobachtung machen kann. Dagegen wird überall, wo man gerade glaubt, auf dem strengsten Boden dieser naturwissenschaftlichen Weltanschauung zu stehen, die Erkenntnis des Geistigen abgelehnt, indem, sei es mit einem gewissen Hochmut, sei es mit einem gewissen Kleinmut, gesagt wird, dem Geistigen gegenüber seien eben dem Menschen in seiner Erkenntnis Schranken gegeben, dem Geiste gegenüber sei der Mensch lediglich auf Glaubensvorstellungen angewiesen.
[ 8 ] Now you know that today, anything that claims to be knowledge of the spiritual world is viewed with some contempt or, at the very least, with great skepticism. The scientific education that humanity has enjoyed for the past three to four centuries was such that, gradually, in the nineteenth and early twentieth centuries, the following judgment emerged: Through the rigorous methods of modern natural science, one can recognize what is given to the senses in the human environment, and what the human intellect can derive from sensory observation with the aid of experimental and observational methods. In contrast, wherever people believe they stand on the firmest ground of this scientific worldview, knowledge of the spiritual is rejected—whether with a certain arrogance or a certain timidity—by asserting that human cognition is simply limited when it comes to the spiritual, and that in matters of the spirit, human beings are reliant solely on matters of faith.
[ 9 ] Dadurch gerade ergibt sich aber für sehr viele Menschen, die ihre Erziehung genießen durch das, was heute ja überall popularisiert wird aus der Naturwissenschaft, ein ernster innerer Seelenzwiespalt. Die Glaubensvorstellungen sind aus alten Zeiten überliefert. Man weiß nicht, daß sie auch Erkenntnisvorstellungen entsprechen, die sich auf früheren Stufen die Menschheit errungen hat, und daß diese in der Tradition, in der Überlieferung geblieben sind. Wenn sie so hingenommen werden als Glaubensvorstellungen, so versetzt sich die Seele in einen Zustand, der sie in Widerspruch bringt mit allem, in das sie sich hineinarbeitet, wenn sie das aufnimmt, was heute in so strenger Weise durch naturwissenschaftliche Methode für die Menschheit und auch für das praktische Leben erobert wird.
[ 9 ] This, however, creates a serious inner conflict for many people who derive their education from what is now widely popularized as natural science. These beliefs have been handed down from ancient times. People do not realize that these beliefs also correspond to insights that humanity attained at earlier stages of development, and that these have been preserved in tradition and handed down through the ages. When these beliefs are simply accepted as such, the soul enters a state that brings it into conflict with everything it is striving to understand as it absorbs what is being so rigorously established today through the scientific method—for humanity and for practical life alike.
[ 10 ] Dasjenige, was so erobert wird, ist ja wahrhaftig nicht etwa bloß etwas, was man Besitz einer kleinen gebildeten Menschenschar nennen könnte, sondern diese besondere Art des Denkens, die von der Naturwissenschaft herkommt, ist ja bereits eingedrungen in unseren niedersten Unterricht. Und man möchte sagen: Immer weiter und weiter, bis in die äußersten, primitivsten menschlichen Ansiedelungen hinein, überall verbreitet sich, wenn auch nicht Naturwissenschaft, so doch eben die Art der Seelenverfassung, die von der Naturwissenschaft kommt. Das macht, daß viele zwar nicht wissen, daß ihre Sehnsucht, ihre Seelensehnsucht darnach geht, über das Geistige ähnliche Vorstellungen zu gewinnen wie über das Natürliche, daß aber dennoch bei sehr vielen Menschen heute dadurch ein Seelenzwiespalt zustande kommt, der sich in allerlei Unbefriedigtheiten des Lebens äußert. Man fühlt eine gewisse innere Unruhe und Unsicherheit. Man weiß nicht recht, wie man sich mit seinen Vorstellungen, mit seinen Empfindungen in das Leben hineinstellen soll. Man schreibt das mancherlei Dingen zu; aber die wirkliche Ursache ist in dem Gesagten gelegen.
[ 10 ] What is thus conquered is truly not merely something that could be called the possession of a small, educated group of people; rather, this particular way of thinking, which stems from the natural sciences, has already penetrated even our most basic education. And one might say: further and further, all the way into the most remote, most primitive human settlements—everywhere, if not natural science itself, then at least the kind of mindset that stems from natural science is spreading. This means that although many people do not realize that their longing—their soul’s longing—is to gain similar insights into the spiritual realm as they have into the natural world, a spiritual conflict nonetheless arises in the hearts of very many people today, which manifests itself in all manner of dissatisfaction with life. One feels a certain inner restlessness and uncertainty. One does not quite know how to relate to life with one’s ideas and feelings. People attribute this to various things; but the real cause lies in what has been said.
[ 11 ] Die Menschen verlangen heute eigentlich nach wirklichen Erkenntnis-, nicht nach Glaubensvorstellungen über die geistige Welt. Solche Vorstellungen strebt Anthroposophie an. Indem sie dies tut, muß sie allerdings einen ganz anderen Erkenntnisbegriff geltend machen, als der ist, an den man sich heute gewöhnt hat. Und wenn ich charakterisieren soll, welches dieser Erkenntnisbegriff ist, so möchte ich das zunächst durch eine Art von Vergleich tun, der aber mehr sein soll als ein bloßer Vergleich, durch etwas, was direkt hineinführen soll in die Art und Weise, wie Anthroposophie das Übersinnlich-Geistige zu erkennen strebt.
[ 11 ] People today are actually seeking genuine knowledge—not mere beliefs—about the spiritual world. Anthroposophy strives to provide such knowledge. In doing so, however, it must assert a concept of knowledge that is quite different from the one to which people have become accustomed today. And if I am to characterize what this concept of knowledge is, I would like to do so first through a kind of comparison—one that is, however, meant to be more than a mere comparison—through something that is intended to lead directly into the way in which anthroposophy strives to understand the supersensible-spiritual.
[ 12 ] Denken wir zunächst an die merkwürdige Welt, die jeder gewissermaßen als die andere Seite des menschlichen Daseins, des menschlichen Bewußtseins kennt, denken wir an die Traumeswelt. Jeder kann sich vor die Seele stellen die bunten, mannigfaltigen, farbenreichen Bilder, welche ihm auftauchen aus den dunklen Tiefen des Schlafzustandes. Man findet, wenn man vom wachen Zustande aus auf die Träume hinschaut, daß diese in irgendeiner Weise Zusammenhängen mit dem, was der Mensch im wachen Zustande ist und vorstellt. Selbst wenn sie, was ja gar nicht abgeleugnet werden soll, zuweilen wie prophetische Träume wirken, es hängen diese Träume dennoch zusammen mit dem, was der Mensch erlebt hat. Nur wirkt eine, ich möchte sagen, natürlich gestaltende Phantasie in der ausschweifendsten Weise mit, um das, was der Mensch erlebt, umzugestalten. In anderer Weise hängen solche Träume zusammen mit den menschlichen leiblichen Zuständen; Atembeschwerden, zu schnelle Herzbewegung, Störungen im Organismus werden in der mannigfaltigsten Weise im Traume symbolisch erlebt.
[ 12 ] Let us first consider the strange world that everyone, in a sense, knows as the other side of human existence, of human consciousness—let us consider the world of dreams. Everyone can conjure up in their mind’s eye the vivid, varied, and colorful images that emerge from the dark depths of sleep. When one looks at dreams from the perspective of the waking state, one finds that they are in some way connected to what a person is and imagines while awake. Even if they—and this is by no means to be denied—sometimes seem like prophetic dreams, these dreams are nonetheless connected to what a person has experienced. It is simply that a—I would say—naturally creative imagination is at work in the most exuberant way to transform what a person has experienced. In another sense, such dreams are connected to a person’s physical conditions; breathing difficulties, a rapid heartbeat, and disturbances in the organism are symbolically experienced in the most varied ways in dreams.
[ 13 ] Denken wir uns einmal, nur um den Gedanken auszubilden, der hier nötig ist, der Mensch lebte in dieser Traumeswelt; er hätte keine andere Welt. Der Mensch wäre nicht imstande, aus dieser Traumeswelt jemals herauszukommen, er würde sie für seine Wirklichkeit halten. Wenn durch irgendwelche äußeren Kräfte das Menschenleben genau ebenso verliefe, wie es jetzt verläuft, wenn durch die Wirkung anderer geistiger Wesenheiten dieses Menschenleben genau ebenso verliefe, daß wir in den Städten herumgehen, unsere Arbeit tun, aber nicht mit Bewußtsein hinsehen auf diese Arbeit, sondern immer nur träumten, so würden wir als Menschen die Traumeswelt für die einzige Wirklichkeit halten, geradeso, wie der Träumer ja seine mannigfaltig ausstaffierte Traumeswelt in dem Momente des Träumens für seine Wirklichkeit hält. Wachen wir auf, dann können wir vom Standpunkt des Wachens durch die Art und Weise, wie wir dann zur Welt unserer Umgebung stehen, eigentlich erst ein Urteil über den Wirklichkeitswert und die Wirklichkeitsbedeutung des Traumes gewinnen. Innerhalb des Traumes stehenbleibend, kann man kein solches Urteil über die Wirklichkeitsbedeutung des Traumes selbst gewinnen. Inwiefern der Traum mit den Lebensreminiszenzen zusammenhängt, inwieferne er zusammenhängt mit körperlichen Zuständen, darüber ein Urteil zu gewinnen ist nur möglich von dem Standpunkte des Wachens aus. Man muß erst aufwachen, um über den Traum ein Urteil zu haben.
[ 13 ] Let us imagine, just to develop the line of thought required here, that human beings lived in this dream world; they would have no other world. Human beings would be unable to ever escape this dream world; they would regard it as their reality. If, through some external forces, human life were to unfold exactly as it does now—if, through the influence of other spiritual beings, this human life were to unfold exactly as it does, so that we walk around in cities, do our work, but did not look at this work with awareness, but were always merely dreaming, then we, as human beings, would regard the dream world as the only reality—just as the dreamer, after all, regards his richly detailed dream world as his reality at the very moment of dreaming. When we wake up, it is only then—from the standpoint of wakefulness and through the way we relate to the world around us—that we can actually form a judgment about the reality value and reality significance of the dream. Remaining within the dream, one cannot form such a judgment about the dream’s significance in terms of reality. To what extent the dream is connected to life memories, and to what extent it is connected to physical states—forming a judgment about this is only possible from the vantage point of wakefulness. One must first wake up in order to form a judgment about the dream.
[ 14 ] Nun lebt ja der Mensch auch in seinem Willen, denn der Wille ist hauptsächlich eingeschaltet beim Aufwachen in die Vorgänge der äußeren Sinneswelt, er lebt nun in den Bildern, die ihm diese Sinneswelt für seine Seele überliefert. Ein anderes Urteil als das Sich-hinein-Fühlen in die Sinneswelt, das Sich-verbunden-Empfinden mit dieser Sinneswelt haben wir gar nicht über die Wirklichkeit. Und von diesem Gesichtspunkte des, ich möchte sagen, mit seinem ganzen Seelenwesen durch den Körper Eingeschaltetseins in die Sinneswelt, von diesem Gesichtspunkte aus beurteilen wir diese Sinneswelt zunächst als die Wirklichkeit, und das, was uns der Traum vorgaukelt, als nicht zu dieser Wirklichkeit gehörig. Nun aber taucht ja bei jedem Menschen einmal die Frage auf, namentlich wenn er alles das überblickt, was die Bilder der äußeren Sinneswirklichkeit ihm geben: Wie verhält sich dasjenige, was er selbst in seinem Innern als sein Seelisch-Geistiges erlebt, zu den Verwandlungen und zu der Veränderlichkeit dieser äußeren Sinneswelt?
[ 14 ] Now, human beings also live through their will, for the will is primarily engaged when we awaken to the processes of the external sensory world; we now live in the images that this sensory world conveys to our soul. We have no other judgment of reality than this feeling of being immersed in the sensory world, this sense of being connected to it. And from this perspective—I would say, of being engaged in the sensory world through the body with one’s entire soul—from this perspective, we initially judge this sensory world to be reality, and what dreams lead us to believe to be something that does not belong to this reality. But the question inevitably arises for every human being at some point—especially when they survey all that the images of external sensory reality present to them: How does what they themselves experience inwardly as their soul-spiritual nature relate to the transformations and the changeability of this external sensory world?
[ 15 ] Die großen Fragen des Daseins tauchen auf, indem der Mensch vergleicht, was er in der äußeren Sinneswelt schaut, und was er als sein eigenes Wesen in seinem Denken und Fühlen und Empfinden in seinem Wollen aus den Tiefen seiner Menschlichkeit aufsteigen fühlt. Jene großen Fragen des Daseins, die sich einschließen etwa darin: Welchen Wirklichkeitswert hat das Seelische? — was sich dann erweitert zu der großen Frage der Seelenunsterblichkeit — die Frage nach der menschlichen Freiheit und zahlreiche andere Fragen tauchen auf. Denn der Mensch fühlt ja bald, wie ganz anders das Erlebnis ist, wenn er nach außen schaut und die Sinneseindrücke empfängt, und wenn er nach innen schaut und seine seelischen Erlebnisse hat. Und aus solchen Erfahrungen muß ja die Frage auftauchen: Ist es denn vielleicht in einer ähnlichen Weise möglich, durch eine Art zweiten Erwachens, durch ein höheres Erwachen auch von einem höheren Standpunkt aus Aufschluß über die Sinneswirklichkeit selbst zu erlangen, so wie man von der Sinneswirklichkeit aus, wenn man in natürlicher Weise erwacht am Morgen, ein Urteil gewinnt über die Traumeswelt?
[ 15 ] The great questions of existence arise when a person compares what they perceive in the external sensory world with what they feel rising from the depths of their humanity—their own essence—in their thinking, feeling, sensing, and willing. These great questions of existence include, for example: What is the reality of the soul? — which then expands into the great question of the immortality of the soul — the question of human freedom and numerous other questions arise. For a person soon senses how very different the experience is when they look outward and receive sensory impressions, and when they look inward and have their inner experiences. And from such experiences, the question must inevitably arise: Is it perhaps possible, in a similar way—through a kind of second awakening, through a higher awakening—to gain insight into sensory reality itself from a higher vantage point, just as one forms a judgment about the world of dreams based on sensory reality when one awakens naturally in the morning?
[ 16 ] Wenn man überzeugt ist davon, daß die Einbildung des Traumes ihrem Wirklichkeitswert nach nur beurteilt werden kann vom Standpunkte des Wachens, dann muß man danach streben, einen Standpunkt zu gewinnen, der nun wiederum über den Wirklichkeitswert, über den höheren Wirklichkeitswert der sinnlichen Erfahrung selber etwas aussagen kann. Und so geht die große Frage nach einer Geist-Erkenntnis danach: Können wir etwa in einem höheren Sinne aus unserem alltäglich wachenden Bewußtsein heraus noch einmal aufwachen, und ergibt sich durch ein solches zweites Aufwachen eine Erkenntnis über die Sinneswelt, so wie sich von der Sinneswelt aus eine Erkenntnis über den Traum ergibt?
[ 16 ] If one is convinced that the reality value of a dream’s imagery can be judged only from the standpoint of wakefulness, then one must strive to attain a standpoint that, in turn, can say something about the reality value—about the higher reality value—of sensory experience itself. And so the great question regarding spiritual knowledge is this: Can we, in a higher sense, awaken once more from our everyday waking consciousness, and does such a second awakening yield an understanding of the sensory world, just as an understanding of the dream arises from the sensory world?
[ 17 ] Nun kann man schon fühlen, aber eine genaue Betrachtung gibt Gewißheit darüber, wie der Traum eigentlich wirkt. Wenn man träumt, fühlt man gewissermaßen sein ganzes Seelenleben von unbestimmten Mächten ergriffen. In dem Momente, wo der Mensch aufwacht, fühlt er, daß er gewissermaßen seinen physischen Leib nun in der Hand hat. Er fühlt, daß die ausschweifenden Vorstellungen des Traumes durch den physischen Leib diszipliniert werden. Und er fühlt auch, diese Vorstellungen des Traumes sind ausschweifend aus dem Grunde, weil im Aufwachen oder im Einschlafen ein Moment da ist, wo wir den physischen Leib nicht vollständig in der Hand halten. Kann in derselben Weise, wie wir durch die Kräfte unseres Organismus selbst aus dem Traum, aus dem Schlafe überhaupt herausgerissen werden zum sinnlichen Wachsein, kann in derselben Weise durch bewußte Seelentätigkeit ein höheres, ein zweites Aufwachen bewirkt werden?
[ 17 ] One can already sense this, but a closer examination provides certainty about how dreams actually work. When one dreams, one feels, as it were, one’s entire inner life being taken over by indefinable forces. The moment a person wakes up, they feel that they now, as it were, have control over their physical body. They feel that the rambling images of the dream are being reined in by the physical body. And they also feel that these dream images are rambling for the very reason that, upon waking or falling asleep, there is a moment when we do not have complete control over the physical body. Just as we are torn from the dream—from sleep itself—and brought into sensory wakefulness by the forces of our own organism, can a higher, second awakening be brought about in the same way through conscious soul activity?
[ 18 ] Durch die Beantwortung dieser Frage, die nur beantwortet werden kann, indem man, ich möchte sagen, in einem höheren Sinne probiert, ob die Seele in sich Kräfte findet zu einem solchen höheren Erwachen, dadurch allein kann eine andere Gestalt des Erkenntnisbegriffes geschaffen werden als derjenige, den man heute gewohnt ist, und der ja nur dazu führt, daß man ein Ignorabimus, ein «Wir-werden-nicht-Erkennen» gegenüber der geistigen Welt ausspricht.
[ 18 ] By answering this question—which can only be answered by, I would say, testing—in a higher sense—whether the soul can find within itself the strength for such a higher awakening; only through this can a different conception of knowledge be created than the one we are accustomed to today—a conception that leads only to declaring an “ignorabimus,” a “we shall not know,” with regard to the spiritual world.
[ 19 ] Nun wird man sich zunächst wenden müssen — und so verfährt die Anthroposophie — an diejenigen Seelenkräfte, die wir schon haben, und wird fragen müssen: Kann aus diesen Seelenkräften heraus ein Höheres, ein noch Kräftigeres entwickelt werden, so wie das wache Seelenleben kräftiger ist als das träumende? Man wird sich sagen, auch dieses wache Seelenleben des erwachsenen Menschen ist ja allmählich entwickelt worden aus dem träumerischen Seelenleben, das wir bei unserem Antritt des Seelenlebens als ganz kleine Kinder gehabt haben. Wären wir stehengeblieben bei dem Seelenleben, das wir etwa in den ersten drei Jahren unseres Seelenlebens, unseres Erdenlebens hatten, wir würden die Welt in einer Art Traumform betrachten. Wir sind herausgewachsen aus dieser Traumform.
[ 19 ] Now we must first turn—as anthroposophy does—to the soul forces we already possess, and ask: Can something higher, something even more powerful, be developed from these soul forces, just as the waking life of the soul is more powerful than the dreaming one? One might say to oneself that even this waking life of the soul in the adult human being has, after all, gradually developed out of the dreamlike life of the soul that we had when we first entered the life of the soul as very small children. Had we remained at the stage of the life of the soul that we had, say, during the first three years of our soul life—our earthly life—we would view the world in a kind of dreamlike form. We have outgrown this dreamlike form.
[ 20 ] Das kann Mut geben, zunächst gewisse Seelenkräfte aufzusuchen, die nun noch weiter zu entwickeln sind, als sie sich seit der ersten Kindheit entwickelt haben. Und es wird sich derjenige, der es mit einer solchen Frage ernst nimmt, zunächst an eine seelische Kraft wenden, von der auch bedeutendere philosophische Geister der Gegenwart schon aus rein philosophischen Erwägungen heraus zugeben, daß sie auf eine geistige, vom Leibe mehr oder weniger unabhängige Betätigung des Menschen hinweist. Das ist unsere Erinnerungskraft, dasjenige, was in unserem Gedächtnisse lebt.
[ 20 ] This can give one the courage to first seek out certain spiritual powers that now need to be developed even further than they have been since early childhood. And anyone who takes such a question seriously will first turn to a spiritual faculty which even the most prominent philosophical minds of our time acknowledge—based on purely philosophical considerations—as pointing to a spiritual activity of the human being that is more or less independent of the body. This is our power of memory, that which lives in our memory.
[ 21 ] Vergegenwärtigen wir uns einmal, was in unserem gewöhnlichen Gedächtnisse lebt. Zunächst ist dieses Gedächtnis selbstverständlich keine Kraft, um in übersinnliche geistige Welten hinaufzudringen. Zunächst wissen wir auch von diesem Gedächtnisse, daß es in vollständiger Ordnung nur ist, wenn wir das Seelische in dem Leiblichen zum Ausdrucke bringen. Aber dennoch, etwas Eigentümliches liegt vor. Innerhalb der Erinnerungen treten auf die Bilder von Erlebnissen, die vielleicht jahrzehntelang hinter uns liegen. Je nachdem der Mensch organisiert ist, tritt in mannigfaltigen Bildern, die eigentlich den Traumbildern sehr ähnlich und nur disziplinierter sind, dasjenige auf, was wir durchgemacht haben in unserem Verhältnis zur sinnlichen Welt und zum gewöhnlichen Menschen. Und wenn unser Gedächtnis treu ist, so kommt aus den Seelentiefen heute ein lebendiges Wissen von dem herauf, was vor Jahren war, was heute nicht in sinnlicher Wirklichkeit vor uns steht. Das ist allerdings nur ganz populär gesprochen, aber man muß ja zunächst ausgehen von irgendeinem sicheren Gesichtspunkt. Und so können wir sagen: In der Erinnerung sind uns Vorstellungen gegeben, welche innerlich etwas abbilden, was zwar einmal da war, mit dem wir einmal gelebt haben, was aber zunächst nicht da ist.
[ 21 ] Let us take a moment to consider what lives in our ordinary memory. To begin with, this memory is, of course, not a force capable of penetrating into supersensible spiritual worlds. We also know that this memory is only in perfect order when we give expression to the spiritual within the physical. And yet, there is something peculiar about it. Within our memories, images of experiences that may lie decades behind us emerge. Depending on how a person is constituted, what we have gone through in our relationship to the sensory world and to ordinary people appears in manifold images—images that are actually very similar to dream images, only more disciplined. And if our memory is faithful, a living knowledge of what was years ago—what no longer stands before us in sensory reality—rises up today from the depths of the soul. This is, of course, only a very general way of speaking, but one must start from some secure point of view. And so we can say: In memory, we are given ideas that inwardly reflect something that once existed—something we once lived with—but which is not present at the moment.
[ 22 ] Und so kann die allerdings zunächst noch vage Frage entstehen, die natürlich erst eine Bedeutung bekommt, wenn man sie beantworten kann — aber wir werden sehen, daß man sie beantworten kann Kann der Mensch vielleicht durch innere geistig-seelische Arbeit eine weitere Seelenkraft, gewissermaßen eine Umwandelung der Erinnerungskraft sich erringen, durch die er nicht nur dasjenige vorstellt, was jetzt nicht mehr da ist, aber einmal da war, sondern durch die er etwas vorstellt, was zunächst im Erdenleben überhaupt durch keine Sinneswahrnehmungen und durch keine Verstandeskombinationen da ist? — Diese Frage kann nur durch ernstliche innere Seelenarbeit entschieden werden, und diese Seelenarbeit besteht darin, daß der Mensch dasjenige, worauf ja zunächst das Gedächtnis abgestellt ist, das Vorstellungsvermögen selbst, ich möchte sagen, in eine innere Erziehung nimmt.
[ 22 ] And so the question—which is admittedly still vague at first and, of course, only takes on meaning once it can be answered—may arise; but we shall see that it can be answered: Can a human being, perhaps through inner spiritual and soul work, attain a further soul power—a transformation of the power of memory, so to speak—through which he not only imagines what is no longer present but once was; but through which he can imagine something that, in earthly life, is not present at all through any sensory perceptions or intellectual combinations? — This question can only be resolved through serious inner soul work, and this soul work consists in the human being taking what memory is initially directed toward—the power of imagination itself—and, I might say, subjecting it to an inner education.
[ 23 ] Wie verlaufen denn die Vorstellungen, und wie vollzieht sich die Vorstellungstätigkeit im gewöhnlichen Leben? Nun, die äußeren Dinge machen auf uns einen Eindruck. Zunächst haben wir die sinnlichen Wahrnehmungen. Dann machen wir uns aus diesen sinnlichen Wahrnehmungen unsere Vorstellungen, die wir dann in der Erinnerung tragen. Und wir wissen ja, wenn wir etwas, was vor Jahren vor uns gestanden hat, in das wir hineinverwickelt waren, in der Vorstellung erinnerungsgemäß heraufrufen wollen, dann brauchen wir eine gewisse Kraft dazu. Aber wir wissen auch, daß der Mensch gerade, um treu die äußere Welt in seinen Vorstellungen zu haben, um nichts Phantastisches in die Bilder von dieser äußeren Welt hineinzubringen, sich passiv der äußeren Welt hingibt. Und dieses passive Sichhingeben, das noch dazu durch alle möglichen Experimentiermethoden unterstützt wird, ist ja auch das Richtige für die Naturwissenschaft. Aber man kann mit dem Vorstellungsleben noch etwas anderes anfangen. Man kann versuchen, mit innerlicher Aktivität, in innerlicher Tätigkeit Vorstellungen aufzunehmen, sie mögen einen Inhalt haben, welchen auch immer; nur müssen sie einen leicht überschaubaren Inhalt haben, der nicht suggestiv wirken kann. Schwer überschaubare Inhalte, solche Inhalte, die wir aus den Tiefen der Seele heraufholen, können leicht suggestiv wirken. Man kann nun versuchen, einen solchen einfachen Vorstellungsinhalt innerlich tätig zu verarbeiten, so daß man sich mit seinem ganzen Seelenleben diesem Inhalte immer wieder und wieder hingibt.
[ 23 ] How do concepts arise, and how does the process of conceptualization take place in everyday life? Well, external things make an impression on us. First, we have sensory perceptions. Then, based on these sensory perceptions, we form our concepts, which we then carry in our memory. And we know, of course, that when we want to recall in our imagination—as we remember it—something that stood before us years ago and in which we were involved, we need a certain amount of effort to do so. But we also know that, precisely in order to faithfully represent the external world in their ideas—and to avoid introducing anything fantastical into the images of this external world—people passively surrender themselves to the external world. And this passive surrender—which is, moreover, supported by all manner of experimental methods—is, of course, the right approach for the natural sciences. But one can do something else with the life of the imagination. One can try, through inner activity and inner effort, to take in images—whatever their content may be; they must simply have a content that is easily grasped and cannot have a suggestive effect. Content that is difficult to grasp—content that we draw up from the depths of the soul—can easily have a suggestive effect. One can now try to process such simple imaginative content through inner activity, so that one surrenders to this content again and again with one’s entire soul life.
[ 24 ] Ich habe die Technik, möchte ich sagen, einer solchen Hingabe an ein aktives Vorstellungsleben in meinen Büchern «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft» genauer beschrieben; hier will ich das Prinzipielle angeben. Wenn man sich immer wieder und wieder diesem Inhalte hingibt, ganz unabhängig davon, ob die Vorstellungen, die man innerlich verarbeitet, auf denen man innerlich ruht, die man innerlich in Verbindung bringt, in denen man sein ganzes Seelenleben aufgehen läßt, ob diese Vorstellungen äußerlich dies oder jenes bedeuten, wenn man sich so diesem Inhalte hingibt, dann merkt man allmählich, daß in diesem innerlichen Arbeiten, im Denken und Vorstellen, eine merkwürdige Lebendigkeit sich entwickelt, eine Lebendigkeit, die man eben erst kennenlernen muß, um über sie ein Urteil haben zu können. Lernt man sie kennen, dann fängt man auch an, etwa in der folgenden Weise zu denken. Man sagt sich: Wie ein Muskel, mit dem man immer arbeitet, sich verstärkt, so verstärkt sich gerade die Denkkraft unseres Seelenlebens, wenn man in dieser Weise, indem man sich nicht den Eindrücken der Außenwelt passiv hingibt, sondern indem man innerlich arbeitet, wenn man in dieser Weise vorstellungsgemäß ganz lebendig innerlich sein Seelenleben immer wieder und wieder in eine gewisse Verfassung bringt. Auf diese Art gelangt man endlich dazu, daß in der Tat das Denken, das sich sonst auch für die Erinnerungsbilder schattenhaft ausnimmt, das sich eben in bloß angeschauten Bildern erschöpft, einen innerlich, aber geistig-seelisch erfüllt, so wie man sich mit seinem Atmen, mit seiner Blutzirkulation im Leben erfüllt empfindet. Es strömt, wenn ich so sagen darf, Lebenskraft in das aktiv gewordene Denken ein.
[ 24 ] I have described the technique—if I may say so—of such devotion to an active life of imagination in more detail in my books *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds* and *The Secret Science*; here I wish to outline the fundamental principles. If one devotes oneself to this content again and again—quite regardless of whether the images one processes inwardly, on which one rests inwardly, which one connects inwardly, and in which one allows one’s entire soul life to be absorbed, have this or that external meaning—if one devotes oneself to this content in this way, then one gradually notices that in this inner work, in thinking and imagining, a remarkable vitality develops—a vitality that one must first come to know in order to be able to form a judgment about it. Once one comes to know it, one also begins to think in the following manner. One says to oneself: Just as a muscle that is constantly exercised grows stronger, so too does the power of thought in our inner life grow stronger when, in this way—not by passively surrendering to the impressions of the external world, but by working inwardly—when, in this way, through the power of imagination, one brings one’s inner life, in a fully alive manner, into a certain state again and again. In this way, one finally reaches the point where thinking—which otherwise appears merely as a shadow even in the images of memory, which is exhausted in mere visual images—fills one inwardly, yet spiritually and soulfully, just as one feels filled with life through one’s breathing and blood circulation. Life force, if I may say so, flows into thinking that has become active.
[ 25 ] Ja, wahre Anthroposophie als Geist-Erkenntnis ist etwas, was auf innerlichen intimen Methoden der Seele beruht, nicht auf irgendwelchen Geisterzitationen, sondern darauf, daß die Seele selber ihre Erkenntniskräfte umkehrt, um sie zu etwas anderem zu machen. Und wenn der Mensch in dieser Weise immer mehr und mehr sein Denken erkraftet, so kommt er einmal, sei es auch nach Jahren, zu einem ganz besonderen inneren Erlebnis, zu dem Erlebnis, das man so schildern kann: Wenn man nur äußere Gegenstände oder äußere Handlungen erinnert, dann taucht man bis in eine gewisse Tiefe des Seelenlebens hinunter, und aus dieser Tiefe muß man dann die Erinnerungen herausschöpfen. Wenn man aber so, wie ich es geschildert habe, lebendig arbeitet an seinem Denken, dann kommt man endlich dazu, mit diesem Denkleben genau zu wissen, man taucht tiefer hinunter, als die Kraft der Erinnerung reicht.
[ 25 ] Yes, true anthroposophy as spiritual knowledge is something that is based on the soul’s innermost, most intimate methods—not on any kind of spiritual quotations, but on the soul itself turning its powers of cognition inside out in order to transform them into something else. And when a person strengthens their thinking more and more in this way, they will eventually—even if it takes years—arrive at a very special inner experience, an experience that can be described as follows: When one recalls only external objects or external actions, one delves down to a certain depth of the soul life, and from this depth one must then draw up the memories. But when one works actively on one’s thinking in the way I have described, one finally reaches a point where, through this life of thought, one knows with certainty that one is delving deeper than the power of memory can reach.
[ 26 ] Das ist ein wichtiges Erlebnis, wenn man dazu gekommen ist, die Erinnerungen gewissermaßen wie eine Art Niveau zu betrachten, bis zu dem man hinuntertaucht beim gewöhnlichen Bewußtsein, und von dem aus man die Erinnerungsvorstellungen heraufholt, und wenn man dann spürt, wie tiefer unten ein anderes Niveau liegt im Seelenleben, zu dem man jetzt hinuntergedrungen ist, und von dem man durch das erkraftete Denken nun Vorstellungen heraufschöpfen kann, die nicht dieselben sind, denen man sich zuerst hingegeben hat, sondern die nun ganz andere sind. Und während man durch die Erinnerung vorstellen kann das, was nicht mehr da ist, aber einmal da war im Menschenleben, so erfährt man jetzt, wie man von diesem tieferen Niveau aus, wenn man aus ihm heraufschöpft, zu Vorstellungen kommt über etwas, das man sonst im Leben niemals hat.
[ 26 ] This is an important experience once one has come to regard memories, so to speak, as a kind of level to which one descends in ordinary consciousness, and from which one draws up the images of memory, and when one then senses how much deeper down lies another level in the life of the soul, to which one has now descended, and from which, through strengthened thinking, one can now draw up images that are not the same as those to which one first gave oneself over, but are now entirely different. And while one can use memory to imagine what is no longer there but once was in one’s life, one now experiences how, by drawing up from this deeper level, one arrives at images of something one would otherwise never have in life.
[ 27 ] Jetzt ist man durch dieses Erkenntnistor in die geistige Welt eingedrungen. Und die erste Erfahrung, die sich da ergibt, ist diese, daß man einen wirklichen tableauartigen Rückblick auf sein gesamtes bisher verbrachtes Erdenleben gewinnt. Man möchte sagen: Wie in einem einzigen Augenblicke — das ist etwas radikal gesprochen, aber es ist fast so — liegt, indem förmlich die Zeit in Raum verwandelt ist, das bisherige Erdenleben vor dem Bewußtsein ausgebreitet in mächtigen Bildern. Aber diese Bilder unterscheiden sich doch von dem, was man etwa gewinnen würde, wenn man sich hinsetzen und in der Erinnerung alles heraufholen würde, was man aus seinem Erdenleben heraufholen kann, und nun sozusagen fortlaufende Vorstellungen bis nahe zu seiner Geburt hin aus diesem Erdenleben gewinnen würde.
[ 27 ] One has now entered the spiritual world through this gateway of knowledge. And the first experience that arises there is this: one gains a true, tableau-like retrospective view of one’s entire earthly life up to that point. One might say: As if in a single moment—that is putting it rather radically, but it is almost like that—with time literally transformed into space, one’s earthly life up to that point lies spread out before one’s consciousness in powerful images. But these images are nevertheless different from what one might experience, for example, if one were to sit down and recall everything one could from one’s earthly life, and were now, so to speak, to gain a continuous sequence of impressions from that earthly life extending back nearly to one’s birth.
[ 28 ] Das Tableau, das man auf die geschilderte Weise bekommt, unterscheidet sich ganz wesentlich von dem letzteren. Die in der gewöhnlichen Erinnerung doch passiv gebildeten Vorstellungen enthalten überhaupt mehr die Art und Weise, wie die Außenwelt an einen herangetreten ist. In der Erinnerung lebt man etwa in dem, wie ein Mensch einem begegnet ist, wie ein Mensch auf einen gewirkt hat, wie ein Mensch einem Freundschaft entgegenbrachte; oder man lebt darin, wie ein Naturereignis auf einen gewirkt hat, welchen Eindruck dieses Naturereignis auf einen gemacht hat, was man an Leid und Freude von diesem Naturereignis oder von dem Einflüsse des Menschen erfahren hat und so weiter.
[ 28 ] The mental picture one obtains in the manner described differs quite significantly from the latter. The images formed passively in ordinary memory generally reflect more the way in which the external world has approached one. In memory, one relives, for example, how a person encountered one, how a person affected one, how a person showed one friendship; or one relives how a natural phenomenon affected one, what impression this natural phenomenon made on one, what suffering and joy one experienced from this natural phenomenon or from the influence of the person, and so on.
[ 29 ] Dasjenige, was man in dem Tableau hat, wie ich es geschildert habe, das man erlangt durch das erkraftete, verstärkte Denken, das ist: Man schaut sich selber, wie man durch seine eigenen Temperamentseigenschaften, durch seinen Charakter, durch das, was in einem selber als Sehnsucht, als Liebe gelebt hat, sich einem andern Menschen genähert hat. Während einem die bloße Erinnerung dasjenige gibt, was von außen einem entgegengetragen wird, gibt einem dieses Erinnerungstableau mehr das, was man selbst beigetragen hat zu dem Erlebnis, was aus einem selber herausgekommen ist. Und wenn man bei der gewöhnlichen Erinnerung etwa einem Naturereignis gegenüber dasjenige hat, was dieses Naturereignis an Leid oder Freude gebracht hat, wie also die Außenwelt auf einen gewirkt hat, so hat man in dem Erinnerungstableau mehr, sagen wir, die Sehnsucht, sich irgendeiner Gegend der Erde zu nähern, auf welcher man dieses Erlebnis hatte. Das, was man selber dazugetan hat, das erlebt man in diesem Erinnerungstableau. Kurz, es ist, ich möchte sagen, abgelenkt von der Außenwelt dieser Totaleindruck, den man von seinem Leben hat, und es ist in diesem Totaleindruck alles das enthalten, was eigene Tätigkeit des Lebens war. Man sieht sich wirklich wie einen zweiten Menschen. Indem man dieses Erinnerungstableau hat, hat man nicht viel Eindruck von seinem physischen Raumesleib; aber man fühlt sich in alledem darinnen, was man zum Erlebnis gebracht hat, und man fühlt zu gleicher Zeit, wie alles, was man da zum Erlebnis gebracht hat, gewissermaßen eine ätherisch strömende Welt ist. Und man lernt zu gleicher Zeit erkennen mit dieser ätherisch strömenden Welt, welche in mächtigen Bildern wie in einem fortströmenden Flusse das eigene Leben enthält, wie diese ätherisch verlaufende Welt des eigenen Daseins zusammenhängt mit der allgemeinen ätherischen Welt. Wenn man als physischer Mensch mit seinen physischen Sinnen der Außenwelt gegenübersteht, so fühlt man sich selber innerhalb seiner Haut eingeschlossen. Man fühlt die anderen Dinge als äußere Dinge. Man fühlt einen strengen Kontrast zwischen Subjekt und Objekt, wenn ich mich philosophisch ausdrücken will. Das ist nicht der Fall, wenn man nun in ein verstärktes Denken, in die fluktuierende Welt, ich möchte sagen, des zweiten Menschen, des Zeitmenschen gegenüber dem physischen, leiblichen Raumesmenschen eintritt.
[ 29 ] What one finds in the tableau, as I have described it—which is attained through focused, intensified thinking—is this: One observes how, through one’s own temperamental traits, through one’s character, and through what has been experienced within oneself as longing and love, one has drawn closer to another person. While mere memory provides what is conveyed to you from the outside, this tableau of memories gives you more of what you yourself have contributed to the experience—what has come from within you. And whereas in ordinary memory—for example, regarding a natural event—one has the suffering or joy that this event brought, that is, how the external world affected one, in the tableau of memory one has more, let’s say, the longing to return to a particular part of the earth where one had that experience. What one has contributed oneself—that is what one experiences in this tableau of memories. In short, I would say that this overall impression one has of one’s life is detached from the external world, and it contains everything that constituted one’s own active participation in life. One truly sees oneself as a second person. By having this tableau of memories, one has little sense of one’s physical, spatial body; but one feels oneself to be present within everything one has brought to experience, and at the same time one feels how everything one has brought to experience there is, in a sense, an ethereally flowing world. And at the same time, one learns to recognize, through this ethereal, flowing world—which contains one’s own life in powerful images, as in a flowing river—how this ethereal, flowing world of one’s own existence is connected to the general ethereal world. When one faces the external world as a physical human being with one’s physical senses, one feels oneself enclosed within one’s skin. One perceives other things as external objects. One feels a sharp contrast between subject and object, to put it philosophically. This is not the case when one enters into a heightened state of thinking, into the fluctuating world—I might say—of the “second human,” the “human of time,” as opposed to the physical, corporeal “human of space.”
[ 30 ] Man kann wirklich von einem Zeitleib sprechen, denn man empfindet wie auf einmal dieses ganze bisher verbrachte Erdenleben, und man fühlt dieses bisher verbrachte Erdenleben sich bewegend in einer allgemeinen, ihm gleichen Welt. EinenSinn bekommt es, zu sagen: Zu der harten, dichten physischen Welt tritt eine feinere Welt hinzu, in der man strömend sein Leben vollbracht hat, eine ätherische Welt. Man lernt jetzt erst erkennen, was eine ätherische Welt ist, und was man selber als zweiter Mensch, als zweites Menschenwesen in dieser ätherischen Welt ist. Aber damit hat man erst die erste Stufe des Übersinnlich-Geistigen beschritten. Man weiß gewissermaßen in unmittelbarer Anschauung nur deshalb, weil man sich selber fühlt als geistseelisches Wesen innerhalb einer geist-seelischen Welt, man weiß, daß die ganze Welt durchwellt und durchwebt ist von einer geistig-seelischen Wesenheit, welche man selber in sich hält. Aber mehr weiß man zunächst noch nicht. Und man weiß vor allen Dingen zunächst noch nicht von einer anderen geistig-seelischen Welt, als diejenige ist, die einen als Erdenmenschen verbindet mit der umgebenden, eben auch ätherischen Welt.
[ 30 ] One can truly speak of a “body of time,” for one suddenly perceives one’s entire earthly life lived up to that point, and one feels this earthly life moving within a universal world that is akin to it. It makes sense to say: Alongside the hard, dense physical world there is a finer world in which one has lived one’s life in a flowing manner—an ethereal world. Only now does one begin to recognize what an ethereal world is, and what one oneself is as a second human being, as a second human entity, in this ethereal world. But with this, one has only taken the first step into the supersensible-spiritual realm. One knows, as it were, through direct perception—simply because one feels oneself to be a spiritual-soul being within a spiritual-soul world—that the entire world is permeated and interwoven by a spiritual-soul being that one holds within oneself. But for the time being, one knows no more than that. And above all, one does not yet know of any spiritual-soul world other than the one that connects one, as an earthly human being, to the surrounding world—which is, in fact, the etheric world.
[ 31 ] Aber man kann nun weitergehen. Hat man einmal diese Fähigkeit erlangt, im Ätherischen sich zu erleben, die ätherische Welt mit sich zu erleben, dann kann man aufsteigen zu einer anderen Art der Ausbildung der Seelenkräfte. Sie besteht darinnen, daß man, ich möchte sagen, den entgegengesetzten Vorgang des zuerst Charakterisierten in der Seele bewirkt. Zuerst versuchte man, das Denken innerlich recht aktiv, recht lebendig zu machen, so daß man statt des passiven Denkens ein innerlich regsames Strömen und Kräften und Wellen und Weben in sich hat. Nun muß man versuchen, dasjenige, was man als Gedanken, als frei in der Seele schwebenden Gedanken in diese Seele versetzt hat, mit derselben innerlichen Willkür und Willenskraft wieder zu unterdrücken.
[ 31 ] But we can now go further. Once one has attained this ability to experience oneself in the etheric realm—to experience the etheric world together with oneself—one can then ascend to another form of training the soul’s powers. This consists in bringing about, so to speak, the opposite process of what was first described in the soul. At first, one tried to make thinking quite active and quite alive within oneself, so that instead of passive thinking, one has within oneself an inwardly vibrant flow of forces, waves, and weaving. Now one must try to suppress, with the same inner arbitrariness and willpower, that which one has introduced into the soul as thoughts—as thoughts floating freely within the soul.
[ 32 ] Alles, was ich Ihnen schildere, muß sich bei den Seelenübungen, auf die ich hinziele, so ausführen lassen, wie der Mathematiker seine Probleme ausführt. So daß der Mensch mit voller Besonnenheit das alles ausführt, daß nichts von irgendwelcher falschen Mystik, von Träumerei oder gar von Suggestion oder dergleichen darinnen ist. Mit derselben, ich möchte sagen, nüchternen Kälte — denn die Wärme und der Enthusiasmus kommen durch das, was man dann sieht, nicht durch die Methode —, mit derselben nüchternen Kälte, mit der man geometrische Probleme löst, muß man in der Seele seine Übungen anstellen. Aber trotzdem stellt sich eines heraus. Wenn man dazu kommt, dieses erkraftete Denken zu haben bei den Vorstellungen, die man dann bekommt, namentlich bei den Vorstellungen des bisherigen Lebens, die einen ganz erfüllen können, wenn man auf ihnen ruhen will, dann kommt man schwer von ihnen los. Aber man muß die starke Kraft in sich entwickeln, ebenso die Vorstellungen wiederum zu unterdrücken, wie man sie selbst in eigener Tätigkeit hervorrufen kann. Man muß mit anderen Worten die Fähigkeit gewinnen, alles Vorstellen, alles Denken im Bewußtsein auszulöschen, nachdem man es in höchster Regsamkeit angefacht hat. Das Auslöschen der gewöhnlichen Vorstellungen ist schon sehr schwer; aber es ist verhältnismäßig leicht gegenüber dem Auslöschen von solchen Vorstellungen, die man zuerst durch eine gesteigerte Aktivität in sein Bewußtsein versetzt hat.
[ 32 ] Everything I describe to you must be carried out in the spiritual exercises I am aiming for in the same way that a mathematician solves his problems. So that the person carries out all of this with complete composure, ensuring that there is nothing in it of any kind of false mysticism, daydreaming, or even suggestion or the like. With the same—I would say—sober detachment—for warmth and enthusiasm arise from what one then sees, not from the method itself—with the same sober detachment with which one solves geometric problems, one must carry out these exercises within the soul. But one thing nevertheless becomes apparent. When one comes to possess this strengthened thinking in relation to the mental images that then arise—namely, the images of one’s life up to that point, which can completely fill one if one chooses to rest upon them—it becomes difficult to detach oneself from them. But one must develop the strong inner power to suppress these mental images just as one can evoke them through one’s own activity. In other words, one must acquire the ability to erase all imagination, all thought from one’s consciousness after having stirred it up to the highest degree of activity. Erasing ordinary images is already very difficult; but it is relatively easy compared to erasing those images that one has first brought into one’s consciousness through heightened activity.
[ 33 ] Daher bedeutet auch dieses Auslöschen etwas ganz anderes. Und gelangt man, wiederum durch lange Übungen aber man kann diese Übungen gleichzeitig mit den anderen machen, so daß beide Fähigkeiten auch wiederum gleichzeitig auftreten — gelangt man dahin, durch lange Übungen dieses herbeizuführen, daß man ebenso kraftvolle aktive Denkprozesse in das Bewußtsein bringen kann, wie sie wieder auslöschen, dann kommt über die Seele etwas, was ich nun nennen möchte — Ausdrücke muß man ja haben für diese Dinge — das innere Schweigen der Menschenseele.
[ 33 ] Therefore, this “erasing” also means something entirely different. And if one succeeds—again through long practice, though one can perform these exercises simultaneously with the others, so that both abilities occur at the same time—if one succeeds, through long practice, in bringing equally powerful active thought processes into consciousness as those that erase them, then something comes over the soul that I would now like to call — one must, after all, have terms for these things — the inner silence of the human soul.
[ 34 ] Dieses innere Schweigen kennt man in dem Bewußtsein des gewöhnlichen Lebens eben gar nicht. Das erste, was der Geistesforscher, der den anthroposophischen Weg forschend gehen will, braucht, ist das verstärkte Vorstellungs-, das verstärkte Denkleben, wodurch er in der angedeuteten Weise zur Selbsterkenntnis kommt. Das andere ist, daß er sich ausbilden muß ein vollständig leeres Bewußtsein, wodurch alles, was sonst an Denken, Fühlen und Wollen in der Seele ist, zum Schweigen gebracht wird; zum Schweigen gebracht wird aber erst, nachdem diese Seelentätigkeit vorher in der höchsten Weise gesteigert worden ist. Dann ist dieses Schweigen der Seele etwas ganz Besonderes. Und ich kann dieses Schweigen der Seele, das gewissermaßen die zweite Stufe der Geist-Erkenntnis darstellt, etwa in der folgenden Weise schildern.
[ 34 ] This inner silence is something completely unknown to the consciousness of ordinary life. The first thing the spiritual researcher who wishes to follow the anthroposophical path needs is a heightened life of imagination and thought, through which he attains self-knowledge in the manner described. The other requirement is that they must cultivate a completely empty consciousness, through which everything else in the soul—thinking, feeling, and willing—is brought to silence; but this silence is achieved only after these soul activities have first been heightened to the highest degree. Then this silence of the soul is something quite special. And I can describe this silence of the soul—which, in a sense, represents the second stage of spiritual knowledge—in roughly the following way.
[ 35 ] Denken wir uns, wir seien in einer großen Stadt, wo furchtbarer Tumult ist. Ganz betäubt werden wir von dem Tumult. Wir gehen aus dieser Stadt weg, entfernen uns. Wenn wir eine Weile gegangen sind, so hören wir hinten noch die Geräusche, hören das Pfeifen und Dröhnen, aber es ist schon etwas stiller geworden. Und je weiter wir gehen, desto stiller wird es. Kommen wir endlich in die Stille des Waldes, so kann es sein, daß um uns herum Ruhe ist. Wir haben den ganzen Weg durchgemacht von tobenden Geräuschen bis zur äußeren Ruhe. Aber ich kann jetzt weitergehen. Das wird zwar in der äußeren Wirklichkeit nicht eintreten, aber der Begriff wird ein vollständig realer, wenn man zu dem kommt, was ich eben bezeichnet habe als Schweigen der Seele.
[ 35 ] Let’s imagine we’re in a big city where there’s a terrible commotion. We are completely overwhelmed by the commotion. We leave this city behind and walk away. After walking for a while, we can still hear the sounds behind us—the whistling and roaring—but it has already grown somewhat quieter. And the farther we go, the quieter it becomes. When we finally reach the silence of the forest, it may be that there is peace all around us. We have gone through the entire journey from raging noises to outward stillness. But now I can go further. Although this will not actually happen in external reality, the concept becomes fully real when one arrives at what I have just described as the silence of the soul.
[ 36 ] Ich will einmal einen ganz trivialen Vergleich gebrauchen: Man kann ein gewisses Vermögen haben und immer mehr und mehr davon ausgeben. Dann hat man immer weniger, und zuletzt gar nichts. Dann hat man «Null»Vermögen. Man kann aber noch weitergehen, man kann Schulden machen. Dann hat man weniger als nichts. Das kennt man aus der Mathematik. Man hat weniger als nichts. So kann es nun auch mit der Ruhe werden, mit dem Schweigen. Es kann gewissermaßen von dem Geräusch der Welt aus hergestellt werden die vollständige Stille, gleich Null. Dann kann es aber noch heruntergehen, stiller werden als die Stille, die gleich Null ist, immer stiller und stiller werden, negative Stille, negative Ruhe, mehr als Ruhe. Und so wird es, wenn man dies verstärkte Seelenleben auslöscht, in der Seele schweigsamer als das bloße, wenn ich mich so ausdrücken darf, Null-Schweigen. Es wird eine nach der entgegengesetzten Seite hin zielende Ruhe im Seelenleben hergestellt, ein Schweigen, das mehr ist als das bloße Schweigen, wenn wir im gewöhnlichen Bewußtsein ruhig sind.
[ 36 ] Let me use a very trivial comparison: You can have a certain amount of wealth and keep spending more and more of it. Then you have less and less, and eventually nothing at all. Then you have “zero” wealth. But you can go even further—you can go into debt. Then you have less than nothing. We know this from mathematics. You have less than nothing. The same can happen with stillness, with silence. In a sense, complete silence—equal to zero—can be created out of the noise of the world. But it can go even further down, becoming quieter than the silence that is equal to zero, becoming quieter and quieter—negative silence, negative stillness, more than stillness. And so it is that when one extinguishes this intensified inner life, the soul becomes more silent than mere—if I may put it this way—“zero silence.” A tranquility is established in the inner life that points toward the opposite pole, a silence that is more than mere silence, as when we are calm in ordinary consciousness.
[ 37 ] Und wenn wir vorgedrungen sind zu diesem Schweigen, wenn die Seele fühlt, daß sie gewissermaßen der Welt entrückt ist, nicht nur indem die Welt um die Seele herum still ist, sondern indem die Seele fühlt, die Welt kann nur ruhig sein gleich Null; du aber selber, du Seele, bist in einer tieferen Schweigsamkeit, als die Schweigsamkeit der Welt ist — dann, wenn dieses eintritt, wenn diese negative Schweigsamkeit eintritt, dann beginnt von der anderen Seite des Daseins her die geistige Welt zu sprechen, wirklich zu sprechen. Sonst unterbricht man selbst als Mensch mit den in der Luft nach außen geformten Worten die Ruhe der Welt. Indem man diese Ruhe, die tiefer ist als die Nullruhe, dieses Schweigen, das tiefer ist als das bloße Schweigen, in sich hergestellt hat, beginnt es aus der geistigen Welt heraus zu sprechen, eine Sprache aber, in die man sich erst hineingewöhnen muß, eine Sprache, die ganz und gar nicht etwa ähnlich ist der Wortsprache, eine Sprache, die sich einem so gestaltet, daß man sich nach und nach in sie hineingewöhnt, indem man dasjenige nimmt, was man gut aus der Sinneswelt kennt, Farben, Töne, kurz alles was man aus der Sinneswelt kennt. Das braucht man, um nach den Erlebnissen, die man mit diesen Sinneserfahrungen hatte, die besonderen Eindrücke der geistigen Welt zu schildern.
[ 37 ] And when we have reached this silence, when the soul feels that it is, as it were, removed from the world—not only because the world around the soul is silent, but because the soul feels that the world can only be as still as nothing; but you yourself, O soul, are in a silence deeper than the silence of the world—then, when this occurs, when this negative silence sets in, then the spiritual world begins to speak from the other side of existence, to speak truly. Otherwise, as a human being, one oneself disrupts the world’s stillness with words formed outwardly in the air. By establishing within oneself this stillness, which is deeper than the stillness of zero, this silence, which is deeper than mere silence, the spiritual world begins to speak—but in a language one must first grow accustomed to, a language that is not at all similar to spoken language, a language that takes shape for you in such a way that you gradually become accustomed to it by drawing upon what you know well from the sensory world—colors, sounds, in short, everything you know from the sensory world. You need this in order to describe, based on the experiences you have had with these sensory perceptions, the particular impressions of the spiritual world.
[ 38 ] Ich will auf einige Details aufmerksam machen. Nehmen wir an, wir haben in diesem innerlichen Schweigen der Seele etwas erlebt, was auf uns den Eindruck macht: Aus Geistestiefen heraus ist etwas da, was gewissermaßen aggressiv auf uns losgeht, was auf uns in einer gewissen erregenden Weise wirkt. Zunächst ist das ein geistiges Erlebnis, man weiß, daß das Geistige sich offenbart. Man vergleicht nun das, was man so erlebt, mit einem Erlebnis, das man in der Sinneswelt gehabt hat, und man bekommt dann heraus: Das Erlebnis, das man in der Sinneswelt hat, ist ungefähr dasjenige, was man bei der Wirksamkeit der gelben Farbe hat. Geradeso, wie man ein Wort prägt, um in der Sinneswelt etwas auszudrücken, so nimmt man jetzt die gelbe Farbe, um dieses Geist-Erlebnis auszudrücken, oder in einem anderen Falle nimmt man einen Ton, um dieses Geist-Erlebnis auszudrücken. Wie man die Sprache gebraucht, um sich über die Sinneswelt auszudrücken, so redet man von dem, was man an Sinnesqualitäten, an Sinneseindrücken hat, über dasjenige, was man aus der geistigen Welt auf geistige Art im Schweigen der Seele empfängt.
[ 38 ] I would like to draw attention to a few details. Let us suppose that, in this inner silence of the soul, we have experienced something that makes an impression on us: from the depths of the spirit, there is something that, in a sense, attacks us aggressively, something that affects us in a certain stirring way. First of all, this is a spiritual experience; one knows that the spiritual is revealing itself. One then compares what one has experienced in this way with an experience one has had in the sensory world, and one comes to realize: The experience one has in the sensory world is roughly the same as the one one has when exposed to the effect of the color yellow. Just as one coins a word to express something in the sensory world, so one now uses the color yellow to express this spiritual experience, or in another case, one uses a tone to express this spiritual experience. Just as one uses language to express oneself regarding the sensory world, so one speaks of one’s sensory qualities and impressions in relation to what one receives from the spiritual world in a spiritual way within the silence of the soul.
[ 39 ] Und so schildert man die geistige Welt. So habe ich sie geschildert in meinem Buche «Theosophie» und in meinem Buche «Geheimwissenschaft», und man muß nur diese Schilderung in der richtigen Weise verstehen. Man muß verstehen, daß dem Schweigen der Seele gegenüber eine neue Sprache entsteht. Während man die äußere artikulierte Sprache hat, um nach außen als Mensch hinauszureden, tönt uns von der geistigen Welt etwas herein, was man gewissermaßen mit anschaulichen Worten belegen muß, was dann aber nur mit der entsprechenden Feinheit geschaut werden kann, was dann übersetzt werden kann in die Menschensprache, wenn man sie belegen will mit Worten, die eben aus der Sinneswahrnehmung gebildet sind.
[ 39 ] And this is how one describes the spiritual world. This is how I have described it in my book *Theosophy* and in my book *Esoteric Science*, and one need only understand this description correctly. One must understand that, in contrast to the silence of the soul, a new language arises. While we have external, articulated language to express ourselves outwardly as human beings, something resounds to us from the spiritual world that must, in a sense, be rendered in vivid words—but which can then only be perceived with the appropriate subtlety and translated into human language if one wishes to express it in words derived from sensory perception.
[ 40 ] Und gelangt man nun dazu, wenn man auf diese Weise die Erfahrungen der schweigenden Seele erlebt, zu erkennen: Was du da zuerst gehabt hast, diese Welt des verstärkten Denkens, das ist ja im Grunde genommen nur ein Bild, ein Bild von dem, was du jetzt erst schaust, wofür du jetzt erst eine Sprache hast, ein Bild, von dem du eingedrungen bist in das Schweigen der Seele. Jetzt spricht durch das Schweigen der Seele die Geisteswelt zu dir. Und jetzt kommt man auch in die Lage, dieses ganze Lebenstableau, das man sich erst gebildet hat, das das Erdenleben ätherisch vor uns hinzaubert, auch auszulöschen, so daß gegenüber dem eigenen Leben, wie wir es auf Erden führen, nun auch die innere Schweigsamkeit der Seele auftritt. Die Illusion jenes Ichs,das nur mit dem physischen Leibe leben kann, die hört jetzt auf.
[ 40 ] And when one experiences the experiences of the silent soul in this way, does one come to realize: What you had at first—that world of intensified thought—is, after all, merely an image: an image of what you are only now beholding, for which you now have a language, an image through which you have penetrated into the silence of the soul. Now the spiritual world speaks to you through the silence of the soul. And now one is also able to erase this entire tableau of life that one has formed—the one that earthly life conjures up before us in an ethereal way—so that, in contrast to one’s own life as we lead it on earth, the inner stillness of the soul now also emerges. The illusion of that “I” which can live only with the physical body now comes to an end.
[ 41 ] Derjenige, der zu stark durch einen theoretischen oder praktischen Egoismus an seinem Ich festhält, der kommt nicht dazu, dieses Schweigen der Seele gegenüber dem eigenen Lebenstableau herzustellen. Bekämpft man den theoretischen und praktischen Egoismus, wird man sich klar darüber, daß man zunächst ja dieses Ich dadurch hat, daß man sich im physischen Leben seines Körpers bedienen kann, daß der Körper uns die Möglichkeit gibt, zu uns Ich zu sagen. Kommt man dann von diesem körperlichen IchEmpfinden in das, was ich als ätherische Welt geschildert habe, hinein, wo man zusammenströmt mit der Welt, wo die Welt ätherisch eins ist mit dem eigenen Ätherischen, dann kommt man schon dazu, an diesem Ich nicht mehr festzuhalten, und dann erlebt man dasjenige, von dem dieses Lebenstableau, zu dem man sich auf geschwungen hat, ein Abbild ist. Man erlebt sein vorirdisches Dasein. Man erlebt dieses vorirdische Dasein, in welchem man in einer geistigen Welt war, bevor man durch die Empfängnis und Geburt in einen physischen Menschenleib herabgestiegen ist. Antroposophie redet nicht aus philosophischen Spekulationen heraus über die Unsterblichkeit, über die Ewigkeit der menschlichen Seele, sondern sie redet davon, wie man sich zunächst durch eine besondere Entwickelung der Seelenkräfte zu der Anschauung des Seelenwesens, bevor es heruntergestiegen ist auf die Erde, durchringt.
[ 41 ] Those who cling too strongly to their “I” through theoretical or practical egoism will not be able to achieve this silence of the soul in the face of their own life’s tableau. If one combats theoretical and practical egoism, one realizes that one has this “I” in the first place precisely because one can make use of one’s body in physical life—that the body gives us the possibility of saying “I” to ourselves. When one then moves from this physical sense of “I” into what I have described as the ethereal world—where one merges with the world, where the world is ethereally one with one’s own ethereal nature—one is already able to let go of clinging to this “I,” and one then experiences that which this tableau of life, toward which one has aspired, is a reflection of. One experiences one’s pre-earthly existence. One experiences this pre-earthly existence, in which one was in a spiritual world before descending into a physical human body through conception and birth. Anthroposophy does not speak of immortality or the eternity of the human soul based on philosophical speculation; rather, it speaks of how one first strives—through a specific development of the soul’s powers—to gain insight into the soul’s nature before it descended to Earth.
[ 42 ] Jetzt erscheint tasächlich der schweigenden Seele die ewig in der Geisteswelt daseiende Seele in unmittelbarer Anschauung. Wie man in der Erinnerung hinschaut auf das, was man auf Erden erlebt hat, wie da das Verflossene des Erdenlebens in der Vorstellung aufwacht, so wachen jetzt, nachdem man die Sprache der Geisterwelt, so wie ich es geschildert habe, in der schweigenden Seele kennengelernt hat, so wachen jetzt auf diejenigen Ereignisse, die überhaupt nicht im Erdenleben vorhanden sind, durch die sich der Mensch vorbereitet hat zu diesem Erdenleben, bevor er in dieses Erdenleben heruntergestiegen ist.
[ 42 ] Now, in fact, the soul that exists eternally in the spiritual world appears to the silent soul in immediate vision. Just as one looks back in memory at what one has experienced on Earth, just as the past of one’s earthly life awakens in the imagination, so now—after one has become acquainted with the language of the spirit world in the silent soul, as I have described—those events that are not at all present in earthly life, through which the human being prepared for this earthly life before descending into it, now awaken.
[ 43 ] Und jetzt schaut man hin auf das, was man war, bevor man in das Erdenleben heruntergestiegen ist. Solange man noch das Lebenstableau angesehen hat, solange wußte man: Geistdurchwebt und geistdurchwellt bin ich selber, ist die Welt; aber es ist gewissermaßen ein zwar feiner ätherischer, aber noch eine Art Naturgeist, den man in der Welt findet, und als den man sich selber erlebt. Jetzt aber, indem man in das vorirdische Dasein hineinschaut und sich verbunden hat mit dem, was Vater und Mutter geben in der Geburt, indem man dieses sieht, sieht man die Einheit zwischen moralischer Weltordnung und physischer Weltordnung. In diesem vorirdischen Dasein liegen alle die Kräfte, die dann in Nachbildern während des physischen Erdenlebens sich ausgestalten. Da sieht man dann, wie auch im physischen Erdenleben die geistigen Kräfte am Menschenleibe walten und weben. Man bewundert den Bau des menschlichen Gehirns, wie er sich allmählich herausgestaltet. Man lenkt seine Aufmerksamkeit darauf, wie undifferenziert dieses Gehirn war, als das Kind geboren wurde, wie es geworden ist im siebten Lebensjahre, etwa in der Zeit des Zahnwechsels. Man lenkt seinen Blick hin auf die inneren plastischen Gestaltungskräfte. Man bleibt nicht stehen bei dem unbestimmten Worte der Vererbung.
[ 43 ] And now one looks back upon what one was before descending into earthly life. As long as one was still observing the tableau of life, one knew: I myself, and the world, are interwoven with and permeated by spirit; but it is, so to speak, a kind of nature spirit—albeit a fine, ethereal one—that one finds in the world and experiences as oneself. Now, however, by looking into one’s pre-earthly existence and connecting with what the father and mother impart at birth, by seeing this, one perceives the unity between the moral world order and the physical world order. In this pre-earthly existence lie all the forces that then take shape in afterimages during physical life on earth. There one sees how, even in physical life on earth, the spiritual forces govern and weave their way through the human body. One marvels at the structure of the human brain as it gradually takes shape. One directs one’s attention to how undifferentiated this brain was when the child was born, and how it has developed by the seventh year of life, around the time of tooth replacement. One turns one’s gaze toward the inner, formative forces. One does not stop at the vague term “heredity.”
[ 44 ] Man weiß, was das Kind allein in den ersten Lebensjahren herausarbeitet an plastischer Ausgestaltung seines Gehirns und seines ganzen Organismus, das ist die Nachwirkung, das Nachbild dessen, was als umfangreiche, universelle Ereignisse erlebt worden ist in der geistigen Welt, wo man ebenso inmitten geistiger Wesenheiten war, wie man inmitten der Wesen der Naturreiche und des Menschen auf Erden ist. Und man lernt jetzt erkennen, wie die geistige Welt in die physische Erdenwelt herein wirkt, wie in alledem, was in uns innerlich organisierend tätig ist, die Nachwirkungen dieses vorirdischen Daseins enthalten sind. Da lernt man sich seelisch-geistig innerhalb des PhysischLeiblichen kennen.
[ 44 ] We know that what the child develops on its own in the first years of life in terms of the plastic formation of its brain and its entire organism is the aftereffect, the afterimage of what was experienced as extensive, universal events in the spiritual world, where one was just as much in the midst of spiritual beings as one is in the midst of the beings of the natural kingdoms and of humanity on Earth. And we are now learning to recognize how the spiritual world influences the physical world on Earth, how the aftereffects of this pre-earthly existence are contained in everything that works to organize us from within. In this way, we come to know ourselves soul- and spirit-wise within our physical bodies.
[ 45 ] Und im weiteren Verlaufe muß zu dem, was ich schon geschildert habe, noch ein Drittes hinzutreten. Ich habe ja schon aufmerksam darauf gemacht, daß man die Illusion des Ich zunächst überwinden muß, daß man überwinden muß, was der gewöhnliche alltägliche theoretische oder praktische Egoismus ist, daß man einsehen muß, dieses Ich des Erdenlebens ist ja an den physischen Leib gebunden, und in der Empfindung des physischen Leibes lebt zunächst das Ich auf. Aber es steht da schon im physischen Erdenleben etwas, das, wenn ich es nenne, vielleicht so ein leises erkenntnistheoretisches Gruseln dem einen oder dem andern verursachen könnte, weil es gewöhnlich gar nicht zu den Erkenntniskräften gerechnet wird, weil man es vielleicht horribel findet, das zu den Erkenntniskräften zu rechnen. Aber es muß dennoch geschehen. Und daß es geschehen muß, das sieht derjenige ein, der in der Weise, wie ich es geschildert habe, erst zu dem denkenden Erkraften, dann zu dem Schweigen der Seele gekommen ist. Es muß als Drittes hinzutreten eine höhere Ausbildung, eine intensivere Ausbildung dessen, was im gewöhnlichen Leben da ist als die Liebe, die Liebe zu den Menschen, die Liebe zu der Natur, die Liebe zu allen unseren Werken, die Liebe zu unseren Taten; all das, was schon im gewöhnlichen Leben da ist, kann gerade angefacht werden dadurch, daß man in der geschilderten Weise den theoretischen und praktischen Egoismus wegbringt. Die Liebe muß sich steigern. Und indem sich diese Liebe steigert, indem sich die Liebekraft, das Aufgehen in anderes hinzugesellt zu dem verstärkten Denken und zu dem Schweigen der Seele, kommt man an ein Drittes. Man kommt jetzt zum erkennenden Eingreifen der wahren Gestalt des menschlichen Ich, indem man nicht nur das vorirdische Dasein kennenlernt, sondern indem man jetzt dadurch erkennen lernt, daß eine verstärkte Liebekraft die anderen ausgebildeten, verstärkten Erkenntniskräfte weiter energisiert. Man gelangt dazu, nun genau zu erleben: Alles, was du dir errungen hast, das hat ja nichts mehr mit dem physischen Leibe zu tun; du erlebst dich selber außer dem physischen Leibe, du erlebst die Welt so, wie du sie durch den physischen Leib nicht erleben kannst. Du erlebst statt Naturerscheinungen geistige Wesenheiten. Du erlebst dich selber nicht als eine natürliche Wesenheit zwischen Geburt und Tod, du erlebst dich als eine geistige Wesenheit im vorirdischen Dasein.
[ 45 ] And as we proceed, a third element must be added to what I have already described. I have already pointed out that one must first overcome the illusion of the “I,” that one must overcome what is ordinary, everyday, theoretical, or practical egoism, and that one must realize that this “I” of earthly life is bound to the physical body, and that the “I” initially comes to life in the sensation of the physical body. But there is already something present in physical earthly life that, if I were to name it, might perhaps cause a slight epistemological shudder in one person or another, because it is usually not counted among the powers of cognition at all—perhaps because people find it horrifying to count it among the powers of cognition. But it must nevertheless happen. And that it must happen is something that anyone who, in the way I have described, has first come to the thinking powers and then to the silence of the soul can see. A third element must be added: a higher, more intense development of what is already present in ordinary life—love for people, love for nature, love for all our works, love for our deeds; all that which is already present in ordinary life can be kindled precisely by eliminating theoretical and practical egoism in the manner described. Love must intensify. And as this love intensifies—as the power of love, the merging with the other, joins the strengthened thinking and the silence of the soul—one arrives at a third stage. One now arrives at the discerning perception of the true form of the human “I,” not only by coming to know pre-earthly existence, but also by learning to recognize that a strengthened power of love further energizes the other developed, strengthened powers of cognition. One comes to experience this precisely: Everything you have attained has nothing more to do with the physical body; you experience yourself outside the physical body; you experience the world in a way you cannot through the physical body. Instead of natural phenomena, you experience spiritual beings. You do not experience yourself as a natural being between birth and death; you experience yourself as a spiritual being in pre-earthly existence.
[ 46 ] Hat man sich das errungen, und tritt dazu eine erhöhte, eine verstärkte Liebefähigkeit, die Möglichkeit, sich aufzuopfern in dem, was man da schaut, sich hinzugeben mit seinem ganzen leibbefreiten Sein, dann tritt die Erkenntnis von dem ein, was man in unmittelbarer Gegenwart hat, unabhängig vom physischen und auch ätherischen Menschenleibe. Man erlangt eine unmittelbare Anschauung desjenigen, was in einem ruht, und was durch die Pforte des Todes in das nachirdische Dasein geht, wo wir wiederum eintreten in eine geistige Welt. Dadurch, daß der Mensch kennengelernt hat, was er ist im leibfreien Zustande, dadurch lernt er auch dasjenige kennen, was leibfrei weiterexistiert, wenn der physische Leib mit dem Tode abgelegt ist.
[ 46 ] Once this has been attained, and if this is accompanied by an elevated, intensified capacity for love—the ability to sacrifice oneself for what one beholds there, to devote oneself with one’s entire body-liberated being—then the realization of what one has in the immediate presence sets in, independent of the physical and even the etheric human body. One gains a direct perception of that which dwells within one, and of that which passes through the gate of death into the afterlife, where we once again enter a spiritual world. By coming to know what one is in a bodyless state, one also comes to know that which continues to exist in a bodyless form once the physical body has been laid aside at death.
[ 47 ] Sie sehen, alles läuft darauf hinaus, zur Anschauung zu kommen über das Ewige der Menschenseele. Aber man gelangt dadurch überhaupt zu der Anschauung des wahren Ich, jenes Ich, das durch die Geburt, durch den Tod geht, das im Leibe, man kann nicht sagen wohnt, sondern im Leibe ruht. Aber dieses Ich lernt man zugleich erkennen, wie es sich bewegt, wie es tätig ist in der geistigen Welt im vorirdischen Dasein. Man lernt es so erkennen, wie man hier im sinnlich-physischen Dasein den Menschen durch sinnliche Anschauung kennenlernt. Wie der Mensch da herumgeht zwischen den Naturdingen, zwischen den Naturereignissen, zwischen anderen Menschen, so lernt man erkennen, wie die Seele im vorirdischen Dasein in der geistigen Welt, ich möchte sagen, sich herumbewegt. Aber man lernt auch erkennen, wie da ihr Bewegen, ihr Verhalten abhängig ist von einem früheren Erdenleben. Ich sagte, man lernt erkennen die Einheit des Moralischen und des Natürlichen, man lernt erkennen, wie der Mensch im vorirdischen Dasein nicht nur von Geistigem durchsetzt ist, sondern auch von moralischen Impulsen. Während man, wenn man das ätherische Lebenstableau vor sich hat, bloß dazu kommt, einzusehen, daß die ganze Welt von Geist durchwallt ist, lernt man nun erkennen, daß unser seelisch-geistiges Wesen im vorirdischen Dasein durchpulst war von den moralischen Impulsen, die dann im Gedächtnisse, die überhaupt in der moralischen Anlage während des physischen Lebens auftreten. Man lernt die Einheit der moralischen und der physischen Welt kennen.
[ 47 ] You see, it all boils down to gaining insight into the eternal nature of the human soul. But through this one arrives at a perception of the true “I”—that “I” which passes through birth and death, which does not so much “dwell” in the body as “rest” within it. At the same time, one learns to recognize this “I” as it moves and acts in the spiritual world during pre-earthly existence. One learns to recognize it in the same way that one comes to know a human being here in sensory-physical existence through sensory perception. Just as a human being moves about among natural objects, among natural phenomena, and among other human beings, so one learns to recognize how the soul, in its pre-earthly existence in the spiritual world—I would say—moves about. But one also learns to recognize how its movements and behavior there depend on a previous earthly life. I said that one learns to recognize the unity of the moral and the natural; one learns to recognize how, in pre-earthly existence, a human being is permeated not only by the spiritual but also by moral impulses. Whereas, when one has the etheric tableau of life before one, one merely comes to realize that the entire world is permeated by spirit, one now learns to recognize that our soul-spiritual being in pre-earthly existence was pulsed through by the moral impulses that then arise in memory—and indeed in the moral disposition—during physical life. One comes to know the unity of the moral and the physical world.
[ 48 ] Aber man lernt auch erkennen, wie in dieser moralischphysischen Welt, die die Seele im Geistigen durchlebt hat die physische Welt nur in den Bildern, die in den Geist hinaufleuchten vom physischen Dasein —, wie die Seele, wie das eigentliche Ich des Menschen in der geistigen Welt in Gemäßheit des vorigen Daseins lebt. Ja, wenn man über die Illusion des gewöhnlichen Erden-Ichs hinauskommt, wenn man zu geistigem Anschauen kommt, dann kommt man dazu, das Ich zu erkennen, wie es schon hindurchgegangen ist durch die geistige Welt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wie es sich innerhalb dieser mit moralischen Impulsen ausgerüsteten Welt verhalten hat gemäß seinem vorigen Erdenleben, und wie es als eine innerliche Bestimmung zum Schicksal all das in dieses Erdenleben hereinträgt, was wir dann sehen, wie es sich in den Neigungen des Menschen auslebt, wie es sich auslebt in der besonderen Färbung jener Sehnsucht, durch die der Mensch im Erdenleben zu dem oder jenem getrieben wird.
[ 48 ] But one also learns to recognize how, in this moral-physical world—which the soul has already lived through in the spiritual realm, where the physical world exists only in the images that shine up into the spirit from physical existence—the soul, the true “I” of the human being, lives in the spiritual world in accordance with its previous existence. Yes, when one transcends the illusion of the ordinary earthly “I,” when one attains spiritual insight, one comes to recognize the “I” as it has already passed through the spiritual world between death and a new birth, how it has behaved within this world endowed with moral impulses in accordance with its previous earthly life, and how, as an inner destiny, it brings into this earthly life everything that we then see playing out in a person’s inclinations, as well as in the particular character of that longing through which a person is driven toward this or that in earthly life.
[ 49 ] Das beeinträchtigt nicht die Freiheit. Die Freiheit ist in gewissen Grenzen geradeso vorhanden, wie wir frei sind, wenn wir uns ein Haus gebaut haben, es zu beziehen oder nicht zu beziehen; aber wir werden es beziehen, weil wir es ja aus einem gewissen Grunde für uns gebaut haben. Ebenso bleiben wir frei, auch wenn wir wissen, daß wir in unserem physischen Leibe bestimmte Triebe haben, da oder dorthin im Leben uns zu wenden oder so oder so unsern Aufenthalt zu nehmen. Auf der einen Seite können wir das betrachten als ein Schicksal, das wir uns gewoben haben aus früheren Erdenleben heraus, aus der Welt, die nicht nur Geistgesetze enthält, die auch moralische Gesetze enthält, durch die wir hindurchgegangen sind, und welche das, was wir in einem vorigen Erdenleben gewesen sind, durchsetzt haben mit bestimmten geistigen Impulsen und daraus unser Schicksal für unser Erdenleben gebildet haben. Ebenso aber bemerken wir, wenn wir in der vorher geschilderten Weise dasjenige anschauen, was aus dem vorherigen Erdenleben stammt, daß es das Ewige ist der Seele, was unser Schicksal während des Erdenlebens bestimmt hat. Das tragen wir hinaus in die Welt, nachdem wir die Pforte des Todes durchschritten haben, indem wir das, was seelisch, moralisch ist, mit unserem Seelischen vereinigt haben, um es weiter in Einklang zu bringen nach unserem Verhalten mit den Anforderungen der moralischen Welt, und dann wiederum, ich möchte sagen, mit dem resultierenden Ergebnis aus dem, was wir im Leben waren, und dem, was die geistige Welt zwischenTod und neuer Geburt aus uns macht, in ein neues Erdenleben herunterzukommen.
[ 49 ] This does not impair freedom. Freedom exists within certain limits, just as we are free, once we have built a house, to move into it or not to move into it; but we will move into it because we built it for ourselves for a certain reason. Likewise, we remain free even when we know that we have certain impulses within our physical body to turn this way or that in life, or to settle down in one way or another. On the one hand, we can regard this as a destiny we have woven for ourselves out of previous earthly lives, out of the world that contains not only spiritual laws but also moral laws—laws through which we have passed and which have imbued what we were in a previous earthly life with certain spiritual impulses, thereby shaping our destiny for this earthly life. But just as surely, when we view what stems from our previous earthly life in the manner described above, we realize that it is the eternal aspect of the soul that has determined our destiny during our earthly life. We carry this out into the world after we have passed through the gate of death, having united what is spiritual and moral with our own soul, in order to bring it further into harmony—in accordance with our conduct—with the demands of the moral world; and then, I would say, with the resulting outcome of what we were in life and what the spiritual world makes of us between death and a new birth, to descend into a new earthly life.
[ 50 ] So handelt es sich wirklich darum, ein gewisses Erkenntnisvermögen erst auszubilden, durch das man in die geistige Welt hinaufschauen kann. Bedenken Sie, nicht jeder Mensch ist durch seine Veranlagung ein Mathematiker. Sogar wird es den meisten Menschen sehr schwer, diese eigentlich nur in der Phantasie zu schöpfenden, sagen wir, geometrischen Vorstellungen zu haben. In der Natur ist ja die Geometrie nicht unmittelbar darinnen, aber wir verstehen die Natur durch die Geometrie. Wir müssen aber die Geometrie erst erschaffen in uns, und durch die Geometrie erschaffen wir Gebilde, die uns einführen in das Gebilde des Toten. In ebensolcher innerlichen Strenge erschaffen wir innerliches Anschauen, indem wir ausbilden das verstärkte Denken, das Schweigen der Seele, die zur Erkenntniskraft gewordene Liebe. Nur daß wir dann das Lebendige ergreifen, das Empfindende, das Selbstbewußte. Wie wir durch die Mathematik das Leblose ergreifen, so ergreifen wir, indem wir ganz nach mathematischer Art vorgehen und streng und exakt eine Art von Schauen ausbilden, verständnisvoll das Lebendige, das Empfindende, das Selbstbewußte.
[ 50 ] So it is really a matter of first developing a certain capacity for insight that allows one to look up into the spiritual world. Consider this: not everyone is a mathematician by nature. In fact, most people find it very difficult to form these—let’s say—geometric concepts, which can really only be created in the imagination. Geometry is not directly present in nature, but we understand nature through geometry. But we must first create geometry within ourselves, and through geometry we create forms that introduce us to the form of the dead. With precisely this same inner rigor, we create inner vision by cultivating intensified thinking, the silence of the soul, and love transformed into the power of knowledge. Only then do we grasp the living, the sentient, the self-conscious. Just as we grasp the inanimate through mathematics, so too—by proceeding entirely in a mathematical manner and rigorously and precisely cultivating a kind of perception—do we comprehensively grasp the living, the sentient, the self-conscious.
[ 51 ] So darf man sagen: Wer im Ernste Anthroposophie treibt, der treibt sie so, als ob er genötigt wäre, dem strengsten Mathematiker Rechenschaft zu geben über das, was er mit seinen Erkenntniskräften macht. Das Ausbilden mathematischer Vorstellungen ist, wenn man so sagen darf, die elementare Anthroposophie. Und wenn man für das Tote der Welt gelernt hat, dieses Selbstschöpferische der Mathematik auszubilden, dann bekommt man schon den Antrieb, auch weiterhin die Erkenntnisarten auszubilden, die dann zum Schauen dessen führen, was ich Ihnen angeführt habe. Man lernt die Welt in einem anderen Inhalte kennen: die tote Welt, wenn man sie mathematisch kennenlernt — Mathematik ist elementare Anthroposophie —, die lebendige, empfindende, selbstbewußte Welt, wenn man sie anthroposophisch verständnisvoll verfolgen kann.
[ 51 ] So one may say: Anyone who seriously practices anthroposophy does so as if compelled to give an account to the most rigorous mathematician of what he does with his powers of cognition. The development of mathematical concepts is, if I may put it that way, elementary anthroposophy. And once one has learned to cultivate this self-creative aspect of mathematics for the inanimate world, one is already motivated to continue developing the forms of knowledge that then lead to the perception of what I have described to you. One comes to know the world in a different way: the inanimate world, when one comes to know it mathematically—mathematics is elementary anthroposophy—and the living, sentient, self-conscious world, when one can follow it with anthroposophical understanding.
[ 52 ] Daher darf nicht mit dem, was man im gewöhnlichen Leben Hellsehen oder dergleichen nennt, verwechselt werden, was in Anthroposophie auftritt zur Erkenntnis der geistigen Welt. Wenn man das, was in Anthroposophie auftritt zur Erkenntnis der geistigen Welt, Hellsehen nennt man kann ja den Ausdruck gebrauchen —, dann muß man ebenso, wie man bei der Mathematik von Exaktheit spricht, von exaktem Hellsehen, von exakter Clairvoyance sprechen gegenüber der verworrenen mystischen Clairvoyance, die man gewöhnlich im Auge hat, wenn man von Clairvoyance spricht.
[ 52 ] Therefore, what occurs in anthroposophy for the purpose of perceiving the spiritual world must not be confused with what is commonly referred to in everyday life as clairvoyance or the like. If one calls what occurs in anthroposophy for the purpose of perceiving the spiritual world “clairvoyance”—and one may well use that term—then one must speak of “exact clairvoyance,” just as one speaks of “exactness” in mathematics, in contrast to the confused, mystical form of clairvoyance that one usually has in mind when speaking of “clairvoyance.”
[ 53 ] Nun, man wird vielleicht den Eindruck empfangen haben von meiner Schilderung, daß Sie sich sagen werden: Ja, das ist schwierig. — Ja, es ist schwierig, es ist nicht leicht! Daher unterlassen es auch sehr viele Leute, die sich ein Urteil bilden wollen über das, was in Dornach vorgeht, die ihnen schwierige Sache kennenzulernen, und beurteilen sie, wie Sie das triviale, verworrene Hellsehen und dergleichen beurteilen. Und es kommt dann alles das zustande, was ich im Anfange meines Vortrags gesagt habe. Diejenige Anthroposophie aber, um die es sich handelt, ist eine exakte Erkenntnisart, die aber jeder geradeso verstehen kann mit seinem gesunden Menschenverstand, wie man ein Bild verstehen kann, ohne daß man selber Maler zu sein braucht. Um Anthroposophie zu bekommen, muß man anthroposophischer Forscher sein, um ein Bild zu malen, muß man Maler sein; aber alles, was ich geschildert habe, kann man mit dem gesunden Menschenverstand einsehen, wenn man sich nur nicht selber Hemmnisse und Hindernisse in den Weg legt.
[ 53 ] Well, you may have gotten the impression from my description that you’ll say to yourself: Yes, that’s difficult. — Yes, it’s difficult; it’s not easy! That is why so many people who want to form an opinion about what is happening in Dornach refrain from getting to know this difficult subject and instead judge it the same way they judge trivial, confused clairvoyance and the like. And then everything I mentioned at the beginning of my lecture comes to pass. But the kind of anthroposophy we are talking about here is an exact form of knowledge, one that anyone can understand just as easily with their common sense as one can understand a painting without needing to be a painter themselves. To grasp anthroposophy, one must be an anthroposophical researcher; to paint a picture, one must be a painter; but everything I have described can be understood with common sense, provided one does not place obstacles and hindrances in one’s own path.
[ 54 ] Um ein Bild zu malen, muß man Maler sein. Um es zu beurteilen, muß man die gesunde menschliche Natur walten lassen. Um Anthroposophie aufzubauen, muß man Geistesforscher sein. Um Anthroposophie zu verstehen, muß man nur sein gesundes, von naturwissenschaftlichen und ähnlichen Vorurteilen ungetrübtes freies Menschengemüt demjenigen entgegenhalten, was dann als Schilderung, mehr oder weniger gut natürlich, herauskommt. Aber Anthroposophie ist ja erst in ihrem Anfänge, und was ich heute vielleicht nicht gut geschildert habe, es wird schon mit der Zeit immer besser und besser geschildert werden. Und dann wird die Zeit kommen, die ja schließlich für alles, was als Neues in der Menschheit aufgetreten ist, einmal gekommen ist. Wie lange hat es gedauert, bis man die kopernikanische Weltanschauung akzeptiert hat! Sie hat nicht minder alle Begriffe, die man bis dahin gehabt hat, umgewälzt. Heute ist sie eine Selbstverständlichkeit und wird in den Schulen gelehrt. Was heute für die Leute der Ausbund der Phantastik, des Unsinns und vielleicht der Tollheit ist — so war es ja auch bei der kopernikanischen Weltanschauung —, das wird nachher eine Selbstverständlichkeit. Anthroposophie kann warten, bis sie eine Selbstverständlichkeit ist.
[ 54 ] To paint a picture, one must be a painter. To judge it, one must let one’s sound human nature take the lead. To develop anthroposophy, one must be a researcher of the spirit. To understand anthroposophy, one need only hold up one’s healthy, free human mind—unclouded by scientific or similar prejudices—to whatever emerges as a description, however well or poorly it may be expressed. But anthroposophy is, after all, still in its infancy, and what I may not have described well today will, in time, be described better and better. And then the time will come—as it has, after all, for everything new that has emerged in human history. How long did it take for people to accept the Copernican worldview! It no less revolutionized all the concepts people had held up to that point. Today it is taken for granted and is taught in schools. What today seems to people to be the epitome of fantasy, nonsense, and perhaps even madness—just as it was with the Copernican worldview—will eventually become a matter of course. Anthroposophy can wait until it becomes a matter of course.
[ 55 ] Im Dornacher Goetheanum sollte zunächst diese Anthroposophie gepflegt werden. Daher haben, lassen Sie mich das am Schlüsse anführen, vor mehr als zehn Jahren Freunde unserer Sache den Plan gefaßt und mich mit der Ausführung dieses Planes beauftragt — ich war nur der Ausführende —, um dieser Anthroposophie eine Stätte zu bauen. Diese Stätte wurde eben das Goetheanum. Wäre Anthroposophie eine theoretische Weltanschauung oder auch ein bloßer Reformgedanke, was würde geschehen sein in dem Augenblicke, wo der Gedanke aufgetaucht ist, der Anthroposophie ein Heim zu bauen? Man würde zu einem Baumeister gegangen sein, der hätte in einem antiken, oder Renaissance- oder gotischen oder Rokoko-Stil oder dergleichen eben ein Haus aufgebaut. Aber Anthroposophie ist nicht irgend etwas, was bloß theoretisch, bloß als wissenschaftliche Erkenntnis wirkt, Anthroposophie geht in den ganzen Menschen über, nimmt den ganzen Menschen in Anspruch. Das merkt der anthroposophische Forscher sehr bald.
[ 55 ] This anthroposophy was initially to be cultivated at the Goetheanum in Dornach. Therefore—and let me mention this in conclusion—more than ten years ago, friends of our cause conceived a plan and entrusted me with its execution—I was merely the executor—to build a home for this anthroposophy. That home became the Goetheanum. If anthroposophy were a theoretical worldview or even merely a reformist idea, what would have happened the moment the idea arose to build a home for anthroposophy? One would have gone to an architect who would have built a house in an antique, Renaissance, Gothic, Rococo, or similar style. But anthroposophy is not something that operates merely theoretically or merely as scientific knowledge; anthroposophy permeates the whole human being and engages the whole human being. The anthroposophical researcher realizes this very soon.
[ 56 ] Sehen Sie, man braucht seinen Kopf, wenn man sich Gedanken über die äußere Natur machen will, oder wenn man philosophische Spekulationen machen will, erst recht. Dasjenige, was man in der Weise schaut, wie ich es Ihnen für die geistige Welt geschildert habe gegenüber der schweigenden Seele, das ist etwas, was sich flüchtiger darstellt. Man braucht Geistesgegenwart, um es rasch aufzufassen. Aber man braucht auch seinen ganzen Menschen dazu. Der Kopf reicht nicht aus. Der ganze menschliche Organismus muß sich in den Dienst des Geistes stellen, um das nun in das Gedächtnis, in die Erinnerung hereinzubringen, was man ohne den Leib geistig schaut. Lassen Sie mich, um das zu illustrieren, eine persönliche Erfahrung, etwas Persönliches anführen.
[ 56 ] You see, one needs one’s head if one wants to reflect on the external natural world, or if one wants to engage in philosophical speculation—all the more so. What one perceives in the way I have described to you regarding the spiritual world in relation to the silent soul is something that presents itself in a more fleeting manner. You need presence of mind to grasp it quickly. But you also need your whole being for this. The mind alone is not enough. The entire human organism must place itself at the service of the spirit in order to bring into memory and recollection what one perceives spiritually without the body. To illustrate this, let me cite a personal experience, something personal.
[ 57 ] Ich habe zum Beispiel niemals die Gewohnheit, irgendeinen Vortrag so vorzubereiten, wie man eben Vorträge vorbereitet, sondern ich habe die Gewohnheit, die Gedanken, die sich zu einem Vortrag als notwendig erweisen, eben geistig zu erleben, wie man auch dasjenige, was man als Ergebnisse der geistigen Forschung haben will, geistig erleben muß. Aber das bloße Denken, in das ja herübergetragen werden muß, was man im verstärkten Denken und in der menschlichen Seele erlebt hat, das bloße Kopfdenken reicht dazu nicht aus. Man muß inniger verbunden werden mit dem ganzen Menschen, wenn man dann aussprechen will, was man im Reiche des Geistes erlebt. Da gibt es verschiedene Anhaltspunkte, um das auch wirklich in das gewöhnliche Bewußtsein hereinzubringen, daß man davon reden kann. Ich habe im Gebrauche, eigentlich alles das, was sich mir ergibt aus der geistigen Welt, immer mit dem Stift in der Hand aufzuschreiben, zu formulieren, entweder in Worten oder in irgendwelchen Zeichnungen. Dadurch ist die Anzahl meiner Notizbücher viele Wagenladungen. Ich habe sie aber nicht wieder angeschaut. Sie sind da; sie sind nur dagewesen, um mit dem ganzen Menschen das zu verbinden, was im Geiste erforscht wird, so daß es sozusagen nicht bloß mit dem Kopf aufgefaßt ist, um in Worten mitgeteilt zu werden, sondern mit dem ganzen Menschen erlebt ist.
[ 57 ] For example, I never have the habit of preparing a lecture in the way that lectures are usually prepared; rather, I have the habit of mentally experiencing the thoughts that prove necessary for a lecture—just as one must mentally experience what one wishes to attain as the results of spiritual research. But mere thinking—into which, after all, one must carry over what one has experienced in deepened thinking and in the human soul—mere intellectual thinking is not sufficient for this. One must become more intimately connected with the whole human being if one then wishes to express what one has experienced in the realm of the spirit. There are various points of reference for truly bringing this into ordinary consciousness so that one can speak of it. I have made it a habit to always write down and formulate—with a pen in hand—everything that comes to me from the spiritual world, either in words or in drawings of some kind. As a result, I have enough notebooks to fill many wagonloads. But I haven’t looked at them again. They are there; they were only there to connect what is explored in the spirit with the whole person, so that it is, so to speak, not merely grasped by the mind to be communicated in words, but is experienced by the whole person.
[ 58 ] Anthroposophie ergreift eben den ganzen Menschen. Dadurch wird sie noch in einer anderen Beziehung ein Ausdruck der Goetheschen Weltanschauung. Sie ist zunächst ein Ausdruck der Goetheschen Weltanschauung, indem sie angeregt worden ist durch die Art und Weise, wie Goethe das Pflanzenleben, das Tierleben betrachtete in seinen Metamorphosen, in seinen Verwandlungen. In dieser Goetheschen Betrachtung wird der Gedanke so lebendig, daß dann versucht wird, ihn so zu verstärken, wie ich es geschildert habe. Aber Goethe war auch diejenige Persönlichkeit, welche die Brücke hinübergebaut hat von dem Erkennen zur Kunst. Goethe hat ja aus seiner künstlerischen Überzeugung heraus das schöne Wort ausgesprochen: Die Kunst ist eine Offenbarung geheimer Naturgesetze, die ohne diese Kunst niemals offenbar würden. — Das heißt, Goethe wußte, in der wirklichen Erkenntnis ergreift man geistiges Walten und Weben, das man dann dem Stoff einpflanzt, sei es als Plastiker, sei es als Musiker, sei es als Maler. Goethe wußte, wie die Phantasie eine Art willkürlicher Projektion desjenigen ist, was der Mensch in seiner reinen Gestalt mit dem Geiste erleben kann.
[ 58 ] Anthroposophy encompasses the whole human being. In this way, it becomes an expression of Goethe’s worldview in yet another respect. It is, first of all, an expression of Goethe’s worldview in that it was inspired by the way Goethe viewed plant life and animal life in their metamorphoses, in their transformations. In this Goethean perspective, the idea becomes so vivid that one then seeks to amplify it in the way I have described. But Goethe was also the figure who built the bridge from knowledge to art. Out of his artistic conviction, Goethe uttered the beautiful words: “Art is a revelation of secret laws of nature that would never be revealed without this art.” — That is to say, Goethe knew that in true knowledge one grasps spiritual forces at work, which one then imbues into the material—whether as a sculptor, a musician, or a painter. Goethe knew how the imagination is a kind of arbitrary projection of what a human being can experience in its pure form through the spirit.
[ 59 ] Solche Erkenntnis, die so im Leben des Geistes wurzelt, wie die Anthroposophie, die strömt von selbst auch in das künstlerische Schaffen ein. Sie wirkt in das künstlerische Schaffen hinein, wenn man den Menschen auf die Art erkennt, wie ich es dargestellt habe, daß man die vorirdischen Kräfte hereinspielen sieht in sein irdisch-leibliches Dasein. Dann hat man das Gefühl: Mit den bloßen Begriffen, mit dem bloßen Verstände, da fassest du den Menschen nicht. Du mußt in einem bestimmten Punkt übergehen lassen deine abstrakten Begriffe in künstlerisches Anschauen, damit du fühlst: Der Mensch ist von der Natur als ein Kunstwerk geschaffen.
[ 59 ] Such insight, which is so deeply rooted in the life of the spirit—as is anthroposophy—naturally flows into artistic creation as well. It influences artistic creation when one perceives the human being in the way I have described—seeing how pre-earthly forces play a role in his earthly, physical existence. Then one has the feeling: You cannot grasp the human being with mere concepts, with mere intellect alone. At a certain point, you must allow your abstract concepts to give way to artistic contemplation, so that you feel: Human beings are created by nature as works of art.
[ 60 ] Selbstverständlich kann darüber leicht gespottet werden, denn nichts ist den Menschen heute greulicher, als wenn man sagt, es solle etwas, um erkannt zu werden, künstlerisch aufgefaßt werden. Aber man mag noch so lange deklamieren darüber, daß der Mensch logisch sein soll und nicht künstlerisch, wenn er erkennen soll — wenn die Natur künstlerisch wirkt, so kommt man ihr eben mit der Logik nicht bei. Da muß man übergehen in die künstlerische Anschauung, um die eigentlichen Geheimnisse der Natur zu erkennen. Das meinte Goethe, wenn er sagt: Die Kunst ist eine Manifestation geheimerNaturgesetze, die ohne sie niemals offenbar würden.—Das meinte Goethe auch, als er nach langer Sehnsucht Italien erreichte und sein Ideal der Kunst erlangt zu haben glaubte und sagte: Sehe ich diese Kunstwerke an, so habe ich den Gedanken, daß die Griechen bei der Schaffung ihrer Kunstwerke nach denselben Gesetzen verfuhren, nach denen die Natur schafft, und denen ich auf der Spur bin. — Goethe ist eine Persönlichkeit, die immer das, was bloß Erkenntnisverfassung der Seele ist, übergehen lassen will in das Kunstwerk. Weil Anthroposophie dieser Gesinnung auch ist, konnte nicht einfach zu einem Baumeister gegangen und gesagt werden: Baue uns eine Hülle für die Anthroposophie — und dann hätte der sie gebaut in Renaissance- oder antikem oder in Rokoko-Stil und so weiter —, sondern es mußte eine ganz andere Anschauung und Lebensauffassung und Kunstauffassung zugrunde liegen.
[ 60 ] Of course, it’s easy to scoff at this, for nothing is more abhorrent to people today than to be told that something must be approached artistically in order to be understood. But no matter how long one may declaim that a person should be logical rather than artistic in order to understand—if nature operates artistically, then logic simply cannot grasp it. One must therefore turn to the artistic perspective in order to discern the true mysteries of nature. This is what Goethe meant when he said: Art is a manifestation of secret laws of nature that would never be revealed without it.—That is also what Goethe meant when, after a long yearning, he reached Italy and believed he had attained his ideal of art, saying: “When I look at these works of art, I am struck by the thought that the Greeks, in creating their works of art, followed the same laws by which nature creates, and which I am now tracing.” —Goethe is a figure who always seeks to transform what is merely a state of the soul’s perception into a work of art. Because anthroposophy shares this mindset, one could not simply go to an architect and say, “Build us a shell for anthroposophy”—and then have him build it in the Renaissance, classical, or Rococo style, and so on—but rather, it had to be based on an entirely different worldview, outlook on life, and conception of art.
[ 61 ] Ich habe oftmals das, was da zugrunde liegen mußte, verglichen in einer etwas banalen Weise mit dem Verhältnis der Nußschale zu dem Nußkern. Der Nußkern, den wir essen, ist nach bestimmten Gestaltungsgesetzen gebildet, aber die Nußschale auch nach denselben Gestaltungsgesetzen. Sie können sich nicht denken, daß von außen eine Schale der Nuß angepaßt wäre. Aus denselben Bildungsgesetzen entsteht die Schale wie der Kern. So mußte der äußere sichtbare Bau in seinen Formen, in dem, was gemalt wurde in den Kuppeln, in dem, was sonst plastisch hineingestellt wurde, nach denselben Gesetzen, gewissermaßen wie die Schale dessen gebildet werden, was darinnen durch das Wort, durch die gesprochene oder gesungene Kunst verkündet worden ist. Wie die Nußschale zur Nuß, so mußte sich dieser Bau verhalten zu dem, was drinnen gepflegt worden ist. Das hat sich auch nicht nur nach meiner Überzeugung, sondern nach der Überzeugung von vielen wirklich ergeben. Wir haben Eurythmie-Vorstellungen gehabt, Vorstellungen aus der Kunst, die in der Bewegung eine besondere Sprache hat, wo das Bühnenbild in bewegten Menschen oder Menschengruppen besteht, und die Bewegungen nicht Tanzbewegungen und nicht mimische Bewegungen sind, sondern eine wirklich sichtbare Sprache, wir haben da eine ausdrucksvolle Bewegungskunst entwickelt auf der Bühne des Goetheanums. Die Linien, in denen die menschliche Seele sich ausgelebt hat in der eurythmischen Kunst, sie harmonisierten sich in einer schönenWeise mit den Linien an den Architraven, den Linien an den Kapitälen der Säulen, mit der ganzen Form des Baues, mit der Malerei des Baues. Was darinnen gepflegt wurde, und die äußere Umhüllung waren eines. Wenn vom Podium aus gesprochen wurde, wenn dasjenige, was in geistiger Anschauung erkannt worden war, in Worte geprägt wurde und in den Zuschauerraum hineintönte, so war das, was man vom Podium aus sprach, der Kern; das, was im Innern lebte. Die künstlerische Form mußte dem Kern entsprechen. Der Baustil in allen seinen Einzelheiten mußte aus demselben Impuls, aus denselben Quellen hervorgehen wie die Anthroposophie selbst. Denn die Anthroposophie ist keine abstrakte theoretische Erkenntnis, sondern ein Ergreifen des Lebens, des vollen Lebens. Sie wird daher von selbst zur Kunst. Sie erfüllt, was wiederum Goethe gesagt hat: «Wer Wissenschaft und Kunst besitzt, hat auch Religion, wer jene beiden nicht besitzt, der habe Religion.»
[ 61 ] I have often compared what must lie at the root of this, in a somewhat banal way, to the relationship between the nut shell and the nut kernel. The nut kernel, which we eat, is formed according to certain laws of form, but the nut shell is also formed according to the same laws of form. You cannot imagine that a shell could be adapted to the nut from the outside. The shell arises from the same laws of formation as the kernel. Thus, the outer, visible structure—in its forms, in what was painted on the domes, and in whatever else was sculpturally incorporated—had to be formed according to the same laws, as it were, like the shell of that which was proclaimed within through the Word, through spoken or sung art. Just as the nut shell relates to the nut, so this structure had to relate to what was cultivated within it. This has indeed turned out to be the case, not only according to my own conviction, but also according to the conviction of many others. We have presented eurythmy performances—performances rooted in an art form that possesses a unique language of movement, where the stage design consists of moving individuals or groups of people, and where the movements are neither dance nor mime, but a truly visible language; we have developed an expressive art of movement on the stage of the Goetheanum. The lines through which the human soul expressed itself in the art of eurythmy harmonized beautifully with the lines on the architraves, the lines on the capitals of the columns, with the entire form of the building, and with the building’s paintings. What was cultivated within and the outer shell were one and the same. When a speech was delivered from the podium—when what had been perceived in spiritual contemplation was cast into words and resounded into the auditorium—what was spoken from the podium was the core: that which lived within. The artistic form had to correspond to this core. The architectural style, in all its details, had to spring from the same impulse, from the same sources as anthroposophy itself. For anthroposophy is not an abstract theoretical insight, but a grasping of life, of full life. It therefore becomes art of its own accord. It fulfills what Goethe also said: “Whoever possesses science and art also possesses religion; whoever does not possess those two, let him have religion.”
[ 62 ] Ich möchte sagen: Als etwas, in dem zusammengefaßt ist alles das, was an Formen lebte, und was jemals gesagt oder künstlerisch hätte dargestellt werden können im Goetheanum, sollte dienen eine neun Meter hohe plastische
[ 62 ] I would like to say: As something that encapsulates everything that ever took shape and everything that could ever have been said or artistically represented at the Goetheanum, a nine-meter-high sculpture should serve as
[ 63 ] Gruppe aus Holz, in der der Menschheitsrepräsentant als Christus dargestellt war in der Versuchung von Ahriman und Luzifer. Nicht als ob Anthroposophie mit irgendeiner Sektenbildung etwas zu tun hätte. Anthroposophie ist weit davon entfernt, irgendeiner religiösen Überzeugung gegnerisch gegenüberzutreten oder etwa gar eine neue Religion begründen zu wollen. Aber Anthroposophie hat die Möglichkeit, zu zeigen, wie nach dem Höhepunkte der religiösen Entwickelung, nach dem Menschheits-Repräsentanten Christus hin, nach dem im Leibe des Jesus von Nazareth verkörperten Christus-Gotte, wie nach dem hin auch die wirkliche Geist-Erkenntnis hintendiert, wie man das Bild dieses Mittelpunktes aller Erdenentwickelung, das Bild des Geheimnisses von Golgatha, in der Geist-Erkenntnis braucht. Religiös gestimmt wird der Mensch ganz gewiß durch Anthroposophie, eine Religionsgründung aber ist Anthroposophie nicht.
[ 63 ] A wooden sculpture in which the representative of humanity was depicted as Christ during the temptation by Ahriman and Lucifer. Not that anthroposophy has anything to do with the formation of any kind of sect. Anthroposophy is far from opposing any religious belief or, indeed, seeking to establish a new religion. But anthroposophy has the potential to show how, after the high point of religious development—toward the representative of humanity, Christ; toward the Christ-God embodied in the body of Jesus of Nazareth—how true spiritual knowledge also tends toward this, how one needs the image of this center of all earthly development, the image of the Mystery of Golgotha, is needed in spiritual knowledge. Anthroposophy certainly inspires a religious disposition in people, but it is not a new religion.
[ 64 ] Was Anthroposophie künstlerisch im Goetheanum hat leisten wollen, das sollte eben hervorgehen aus denselben Impulsen, aus denen auch das gesprochene Wort, der Gesang hervorgeht. Und man kann ja sogar das sagen: Trat man auf das Podium — ich möchte in aller Bescheidenheit das aussprechen —, so waren die Formen der Säulen, die ganze Form der Innenarchitektur, der Innenplastik und der Innenmalerei, alles das war wie eine Mahnung, die Worte in einem Sinne zu halten, der an das Wesen des Menschen wirklich heranging. Es war wie eine fortwährende Aufforderung an den Redner, in würdiger Weise sein Wort hineinzustellen in diesen Bau.
[ 64 ] What anthroposophy sought to achieve artistically at the Goetheanum was to arise from the very same impulses from which the spoken word and song also arise. And one might even say this: When one stepped onto the podium—and I say this in all modesty—the forms of the columns, the entire design of the interior architecture, the interior sculpture, and the interior painting—all of this served as a reminder to keep one’s words true to a meaning that truly touched upon the essence of the human being. It was like a constant invitation to the speaker to place his words within this building in a dignified manner.
[ 65 ] Also eine äußere Umhüllung für die Anthroposophie, die ganz aus dem Geiste der Anthroposophie heraus, aber für das sinnliche Anschauen da war, sollte der Bau sein. Da war nichts Symbolisches, nichts Allegorisches. Der ganze Bau war so geschaffen in seiner Architektur, in seiner Plastik, in seiner Malerei, in allem, was an ihm war, daß dasjenige, was lebendig in Geistesschau ergriffen wurde, sich auslebte; nicht indem man verstandesmäßig symbolische Formen brachte, sondern was man an lebendigen Ideen, an bewegten innerlichen Gedanken über die geistige Welt hatte, das lebte sich aus in der unmittelbaren künstlerischen Empfindung, in der unmittelbaren Anschauung. Im ganzen Bau war kein Symbolum, und wenn man sagt, der Bau hätte etwas Symbolisches gehabt, so redet man eben so wie diejenigen, die über Anthroposophie reden, ohne sie kennenzulernen.
[ 65 ] The building was thus intended to be an outer shell for anthroposophy—one that arose entirely from the spirit of anthroposophy but was designed for sensory perception. There was nothing symbolic or allegorical about it. The entire building was designed—in its architecture, its sculpture, its painting, and in every aspect of it—so that what was vividly grasped in spiritual vision could find full expression; not by introducing symbolic forms through intellectual reasoning, but rather by allowing the living ideas and the dynamic inner thoughts about the spiritual world to find their full expression in immediate artistic feeling and direct perception. There was not a single symbol in the entire building, and when people say that the building had something symbolic about it, they are speaking just as those who talk about anthroposophy without knowing it.
[ 66 ] Und so war der Bau für das Auge, was Anthroposophie für die Seele des Menschen sein soll. Anthroposophie soll ja sein diejenige Geistesart, welche erkennt, wie die Sehnsucht nach einer Erschließung des Übersinnlich-Geistigen die gegenwärtige Menschheit durchzittert und durchzuckt, wie die gegenwärtige Menschheit durch ihre wissenschaftliche Erziehung, die ganz allgemein populär werden will und schon in gewissem Grade geworden ist, nicht mehr stehenbleiben kann bei überlieferten Glaubensvorstellungen, wie Erkenntnisvorstellungen kommen müssen, die auch in die übersinnliche Welt hinaufstreben, und wie Unruhe und Unbefriedigtheit der Seele aus dem Nichtvorhandensein solcher Erkenntnisvorstellungen hervorgehen.
[ 66 ] And so architecture was to the eye what anthroposophy is meant to be to the human soul. Anthroposophy is meant to be the very spirit that recognizes how the longing to explore the supersensible-spiritual realm shakes and pierces present-day humanity, and how present-day humanity, through its scientific education—which seeks to become widely popular and has already become so to a certain degree— can no longer remain content with traditional beliefs; how concepts of knowledge must emerge that also aspire toward the supersensible world; and how restlessness and dissatisfaction of the soul arise from the absence of such concepts of knowledge.
[ 67 ] Anthroposophie will der Gegenwart dienen, um in der rechten Weise dem zu dienen, was die Menschen von dieser Gegenwart aus in die nächste Zukunft hinein brauchen. Was Anthroposophie unsichtbar den Menschenseelen sein will, als Hülle, als Heim, das hat das Goetheanum für das Auge sein wollen. Wäre das Goetheanum nur ein symbolischer Bau gewesen, der Schmerz um seinen Verlust wäre kein so großer, denn man könnte ja in der Erinnerung die Sadie immer wieder wachrufen. Aber das Goetheanum war nichts für die bloße Erinnerung. Das Goetheanum war etwas, was, wie jedes Kunstwerk sich unmittelbar der Anschauung, sich unmittelbar der Sinnenwelt hinstellen will, was vom Geiste für die Sinnenwelt künden wollte. Daher ist mit dem Niederbrennen des Goetheanums alles das verloren, was das Goetheanum hat sein wollen. Aber es hat vielleicht doch gezeigt, daß Anthroposophie nichts einseitig Theoretisches sein will, nicht eine bloße Erkenntnis sein will, sondern ein Lebensinhalt nach allen Seiten sein kann und sein soll. Deshalb mußte sie in einem eigenen Stil ihr Heim erbauen.
[ 67 ] Anthroposophy seeks to serve the present in order to properly serve what people need, from this present moment into the near future. Just as anthroposophy seeks to be invisible to human souls—as a shell, as a home—so the Goetheanum sought to be visible to the eye. Had the Goetheanum been merely a symbolic structure, the pain of its loss would not be so great, for one could always recall its image in memory. But the Goetheanum was not meant merely for memory. The Goetheanum was something that, like every work of art, sought to present itself directly to the eye, directly to the sensory world—something that sought to proclaim the spirit to the sensory world. Therefore, with the burning of the Goetheanum, everything that the Goetheanum sought to be has been lost. But perhaps it has shown that anthroposophy does not wish to be a one-sided theory, nor a mere form of knowledge, but can and should be a way of life in every respect. That is why it had to build its home in a style of its own.
[ 68 ] Es wollte das Goetheanum den Geist vor das Auge stellen, den die Anthroposophie vor die Seele stellt. Und es soll die Anthroposophie vor die menschliche Seele stellen, was diese Seele eigentlich aus dem innersten Bedürfnis der Neuzeit heraus für eine Anschauung, eine Erkenntnis, ein künstlerisches Erfassen der geistigen Welt verlangt, was die Seelen verlangen, weil sie immer mehr und mehr fühlen, daß sie nur dadurch, daß sie die volle Menschenbestimmung erleben, die volle Menschenwürde erfühlen können.
[ 68 ] The Goetheanum sought to place before the eye the spirit that anthroposophy places before the soul. And anthroposophy is meant to present to the human soul what that soul actually demands—out of the innermost need of the modern age—in terms of a vision, an insight, and an artistic grasp of the spiritual world; what souls demand because they feel more and more that only by experiencing their full human destiny can they truly feel their full human dignity.
[ 69 ] Das Goetheanum, es konnte abbrennen. Eine Schicksalskatastrophe hat es hinweggenommen. Der Schmerz derjenigen, die es lieb gehabt, ist wegen seiner Größe nicht zu schildern. Dasjenige, was aus denselben Quellen, aus denen die Anthroposophie fließt, und durch sie der Menschheit dienen will, für das sinnliche Auge geschaffen werden mußte, das mußte aus physischem Stoff geformt werden. Und wie der menschliche Leib selber gerade nach meiner heutigen Schilderung das sinnliche Abbild und die sinnliche Wirkung des ewigen Geistigen ist, dann aber mit dem Tode abfällt, so daß sich das Geistige in anderen Formen entwickelt, so konnte auch dasjenige — lassen Sie mich jetzt die Betrachtung schließen, indem ich sozusagen das Dornacher Unglück vergleiche mit dem, was sich auch sonst im Weltenlaufe vollzieht —, so konnte dasjenige, was aus Stoff geprägt werden mußte, um fürs Auge hingestellt zu werden, von den physischen Flammen verzehrt werden. Das aber, was Anthroposophie soll, das ist aus dem Geiste heraus gebaut; über das können nur Flammen des Geistes kommen. So wie das menschliche Geist-Seelische über das Leibliche siegt, wenn dieses vernichtet wird im Tode, so fühlt sich Anthroposophie lebendig, trotzdem sie ihr Dornacher Heim, das Goetheanum verloren hat. Und gesagt werden darf: Physische Flammen, sie konnten, was für das Auge aus dem äußeren physischen Stoff auferbaut werden mußte, zerstören; was als Anthroposophie da sein soll zur Weiterentwickelung der Menschheit, das ist aus dem Geiste heraus gebaut, das wird durch die Flammen des geistigen Lebens nicht aufgezehrt, nicht getötet. Die Flammen des geistigen Lebens sind nicht verzehrende Flammen, sie sind verstärkende Flammen, sie sind Flammen, die erst recht Leben geben. Und dasjenige Leben, das als Erkenntnisleben der höheren Welt durch Anthroposophie sich offenbaren soll, das muß durch die Flammen höchster menschlicher, seelischer und geistiger Begeisterung gehärtet werden. Dann wird Anthroposophie sich weiter wandeln.
[ 69 ] The Goetheanum—it could have burned down. A catastrophic act of fate swept it away. The pain of those who loved it is too great to describe. That which, flowing from the same sources as anthroposophy and seeking through it to serve humanity, had to be created for the physical eye—that had to be formed from physical matter. And just as the human body itself—according to my description today—is the physical image and physical manifestation of the eternal spiritual, but then falls away with death, so that the spiritual develops in other forms, so too—let me now conclude this reflection by comparing, so to speak, the Dornach disaster with what otherwise takes place in the course of world history— so that which had to be shaped from matter in order to be presented to the eye could be consumed by the physical flames. But what anthroposophy is meant to be is built from the spirit; only flames of the spirit can touch it. Just as the human spirit-soul triumphs over the physical body when it is destroyed in death, so anthroposophy feels alive, even though it has lost its home in Dornach, the Goetheanum. And it may be said: Physical flames were able to destroy what had to be built up for the eye out of external physical matter; but what is meant to exist as anthroposophy for the further development of humanity is built from the spirit; it is not consumed or killed by the flames of spiritual life. The flames of spiritual life are not consuming flames; they are strengthening flames; they are flames that give life all the more. And the life that is to be revealed through anthroposophy as the life of knowledge of the higher world must be tempered by the flames of the highest human, soul, and spiritual enthusiasm. Then anthroposophy will continue to transform itself.
[ 70 ] Wer so im Geistigen lebt, der empfindet zwar nicht minder den Schmerz über den Hingang des Irdischen, allein er weiß auch, daß das Erheben über all das darin liegt, daß man weiß, gerade durch die Geist-Erkenntnis gelangt man zu der Überzeugung: Der Geist wird doch immer über den Stoff siegen und sich immer neuerdings in Stoff verwandeln.
[ 70 ] Those who live in this spiritual way certainly feel no less pain at the passing of the earthly, but they also know that the true transcendence lies in the realization that it is precisely through spiritual knowledge that one arrives at the conviction: The spirit will always triumph over matter and will continually transform itself into matter anew.
