What was the Purpose of the Goetheanum and of Anthroposophy?
GA 84
30 April 1923, Prague
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What was the purpose of the Goetheanum, and of Anthroposophy?, tr. SOL
8. Die Menschenentwickelung und Menschenerziehung im Lichte der Anthroposophie
8. Human Development and Education in the Light of Anthroposophy
[ 1 ] Wie eine tiefe geistige Mahnung tönt herüber aus dem griechischen Altertum das Wort, an den Menschen gerichtet: «Erkenne dich selbst!» Und man darf wohl dieses Wort beziehen auf die allgemeine Menschenerkenntnis, nicht so sehr auf die persönliche, und es wird damit die Menschenerkenntnis gewissermaßen als der Gipfel bezeichnet alles menschlichen Wissens und Strebens. Und wir können ja auch fühlen aus der Art und Weise, wie dieses Wort zu uns herübertönt, daß es nicht bloß im wissenschaftlich-theoretischen Sinne gemeint ist, sondern daß es durchaus gemeint ist als ein geistiges Mahnwort im moralisch-religiösen Sinne. Und man möchte sagen: Nach Ablauf einer vieles in sich schließenden geistigen Entwickelungsepoche der Menschheit steht heute vor unserer Seele eine Art Gegenwort. Dieses Gegenwort ist zwar schon vor nahezu fünfzig Jahren ausgesprochen und heute in einer gewissen Weise sogar vergessen worden, aus dem Bewußtsein der Menschen entschwunden. Dennoch lebt die ganze moderne Seelenverfassung, dasjenige, was man heute als die großen Seelenkonflikte in sich trägt, unter dem Einfluß dieses neueren Wortes. EsistdasWort, das Du Bois-Reymond ausgesprochen hat, das Wort: «Wir können nicht erkennen», das Wort: «Ignoramus, Ignorabimus». Wenn auch viele heute hinaus zu sein glauben über das Bekenntnis zu diesem Worte; in der Art und Weise, wie wir uns erkennend und glaubend als Menschen zur Welt verhalten, steckt noch heute intensiv dieses Wort dahinter. Es ist gewissermaßen das ausgesprochene oder unausgesprochen bleibende Bekenntnis zu den Ergebnissen der naturwissenschaftlichen Forschung in ihrer Bedeutung für eine allgemeine Welterkenntnis und Lebensansicht.
[ 1 ] Like a profound spiritual admonition, the words addressed to humankind echo from ancient Greece: “Know thyself!” And one may well apply this saying to the general understanding of humanity, rather than to the personal, and in doing so, the understanding of humanity is, in a sense, designated as the pinnacle of all human knowledge and striving. And we can indeed sense from the way this phrase resonates with us that it is not meant merely in a scientific-theoretical sense, but is very much intended as a spiritual admonition in a moral-religious sense. And one might say: Following the conclusion of an epoch of humanity’s spiritual development that encompassed so much, a kind of counter-word now stands before our soul. This counter-word was, to be sure, spoken nearly fifty years ago and has today, in a certain sense, even been forgotten, having vanished from people’s consciousness. Nevertheless, the entire modern state of the soul—that which today harbors the great inner conflicts—lives under the influence of this more recent statement. It is the statement that Du Bois-Reymond uttered: “We cannot know,” the words: “Ignoramus, Ignorabimus.” Even though many today believe they have moved beyond a commitment to this phrase, the way we, as human beings who seek to understand and believe, relate to the world is still deeply shaped by it today. It is, in a sense, the spoken—or unspoken—commitment to the findings of scientific research and their significance for a general understanding of the world and a view of life.
[ 2 ] Nun aber wird jeder, der das geistige Leben seit Jahrzehnten mitgemacht hat und der angesehen hat, wie sich dieses geistige Leben heraufentwickelt hat im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte, nicht anders können, als dasjenige, was heute als Erkenntnis angesehen wird, gewissermaßen zu rechtfertigen gegenüber der Naturwissenschaft. Die Naturwissenschaft hat ja in bezug auf Erforschung der äußeren Sinnenwelt so Großartiges geleistet; sie hat so Großartiges geleistet in bezug auf Anwendung von Instrumenten, von Experimentiermethoden für die Erforschung dieser äußeren Sinnenwelt und ihrer großen Gesetze und sie hat erhärtet und bekräftigt dasjenige, was sie erkannt hat, durch die mannigfaltigen empirisch-technisch-praktischen Anwendungen, ohne die wir uns ja unser modernes Leben gar nicht mehr denken können. Diese Naturwissenschaft geht davon aus, eine Erkenntnis von der Welt zu gewinnen, die so unabhängig wie möglich ist von dem, was der Mensch aus seinen Wünschen und aus seinen Vorurteilen und Vorempfindungen zu den Erkenntnissen des Wesens der Dinge und der Weltvorgänge hinzubringen kann. Und gerade durch die Ausschaltung alles persönlichen Wesens hat die Naturwissenschaft ihre ganzen Erfolge erzielt. Nun wird aber gerade derjenige, der ganz ehrlich auf dem Boden der Naturwissenschaft steht, der durchschaut, wie segensreich diese Naturwissenschaft eben für die Erkenntnis der äußeren Natur gewirkt hat, aus der Handhabung der angewendeten Methoden heraus sich immer mehr und mehr sagen müssen: Zu denjenigen Regionen, in denen das menschliche Seelisch-Geistige waltet, kann gerade die Naturwissenschaft, wie sie sich heute ausgebildet hat, nicht vordringen. Man möchte sagen, nicht wegen ihrer Mängel, sondern gerade wegen ihrer Vorzüge.
[ 2 ] Now, however, anyone who has been part of spiritual life for decades and who has observed how this spiritual life has developed over the course of the last three to four centuries cannot help but, in a sense, justify what is regarded today as knowledge in the face of the natural sciences. After all, natural science has achieved such magnificent things in the exploration of the external sensory world; it has achieved so much in the application of instruments and experimental methods for the study of this external sensory world and its great laws, and it has substantiated and confirmed its findings through the manifold empirical, technical, and practical applications without which we can no longer even conceive of our modern life. This natural science aims to gain an understanding of the world that is as independent as possible from what human beings might bring to their understanding of the nature of things and worldly processes through their desires, prejudices, and preconceptions. And it is precisely by eliminating all personal bias that natural science has achieved all its successes. Yet it is precisely those who stand entirely honestly on the ground of natural science—those who recognize just how beneficial this natural science has been for understanding external nature—who, through the application of these methods, must increasingly come to realize: Science, as it has developed today, cannot penetrate the realms in which the human soul and spirit reign. One might say, not because of its shortcomings, but precisely because of its merits.
[ 3 ] Überblickt man dasjenige, was auf den verschiedenen Gebieten der Naturwissenschaft geleistet worden ist, so wird man sich sagen: diese Naturwissenschaft strebt ja natürlich auch darnach, wiederum zurückzukommen zum Menschen. Sie strebt darnach, ihre Methoden anzuwenden auf das Wesen des Menschen. Aber sie kann nicht mehr als das äußerliche, körperliche, leibliche Wesen des Menschen erforschen. Wir sehen das am besten dann, wenn die naturwissenschaftliche Methode an den Menschen herangeht, zur experimentellen Seelenkunde wird, und mit einer wirklich großartigen naturwissenschaftlichen Forschungsmethode heute zu Werke geht. Wir sehen da, wie die seelischen Äußerungen in der menschlichen Konstitution untersucht werden. Aber wir werden gewahr, daß wir durch alle diese Untersuchungen gerade an dasjenige nicht herankommen können, was das Ewige in der Menschennatur genannt werden kann, was dasjenige in der Menschennatur genannt werden muß, demgegenüber der Mensch die tiefe Sehnsucht in sich trägt, es in seiner wahren Wesenheit zu erkennen, und von dem er zunächst wenigstens Hoffnung hat, daß es sich für ihn ergibt als über die Grenze des irdischen Lebens, als über Geburt und Tod hinausliegend und hinauswirkend. Nichts soll hier gegen solche experimentelle Methoden, wie die der experimentellen Seelenkunde, eingewendet werden. Gerade der Boden jener Forschung, von dem aus ich mir erlaube, heute abend zu Ihnen zu sprechen, erkennt diese Methoden in ihrer vollen Gültigkeit an. Aber gerade weil sie von diesem Gesichtspunkte aus auch in ihren Grenzen durchschaut werden können, deshalb muß gesagt werden, daß diese Methoden an das eigentliche Wesen des Seelisch-Geistigen nicht herantreten können. Und das war es auch, was einzelne einsichtige Forscher zu dem Bekenntnisse nötigte, daß die Naturwissenschaft eben an das nicht heranreichen kann, was auf der einen Seite das Wesen der Materie selbst, auf der anderen Seite das Wesen des menschlichen Bewußtseins ist. Aber wenn der Mensch nicht erforschen kann, wie sein Bewußtsein, das heißt sein in ihm wirkendes Seelisches, die Materie ergreift, dann muß er Abschied nehmen von jener großen Forderung: «Erkenne dich selbst!» Dann hätten wir abgeschlossen jenen Zeitraum menschlicher Geistesentwickelung seit dem griechischen Altertum mit dem Mahnworte «Erkenne dich selbst!» als einer zwar schönen, gewaltigen — aber dennoch nur einer Illusion der Menschheit. Dann müssen wir bekennen: diese Forderung ist nicht zu erfüllen. Je tiefer man eindringt in den Geist der Naturforschung, desto mehr muß man vom Gesichtspunkt der Anthroposophie recht geben denjenigen, welche vom «Ignorabimus» der Naturwissenschaft sprechen, welche davon sprechen, daß der Naturforschung eben Grenzen gezogen sind, die sie ihrerseits nicht überschreiten kann. Es fragt sich aber, ob das menschliche Gemüt sich ohne weiteres bei der Feststellung solcher Grenzen beruhigen kann und ob es von vornherein dasjenige, was in dieser Beziehung das Menschenherz an Wünschen in sich trägt, als etwas besonders Vorurteilsvolles nicht zu berücksichtigen sucht.
[ 3 ] If one surveys what has been accomplished in the various fields of the natural sciences, one will say to oneself: these natural sciences naturally also strive to return to the human being. They strive to apply their methods to the essence of the human being. But it can investigate nothing more than the outer, physical, bodily nature of the human being. We see this most clearly when the scientific method is applied to the human being, becomes experimental psychology, and is carried out today using a truly magnificent scientific research method. We see there how the psychological manifestations in the human constitution are examined. But we realize that through all these investigations we cannot approach precisely that which can be called the eternal in human nature—that which must be called the aspect of human nature toward which the human being carries within himself a deep longing to recognize it in its true essence, and regarding which he at least initially harbors the hope that it will reveal itself to him as lying beyond the boundaries of earthly life, as extending and exerting its influence beyond birth and death. Nothing is to be said here against such experimental methods as those of experimental psychology. It is precisely the foundation of that research from which I take the liberty of speaking to you this evening that acknowledges these methods in their full validity. But precisely because they can also be seen through—even within their limitations—from this perspective, it must be said that these methods cannot approach the true essence of the soul-spiritual. And this was also what compelled certain discerning researchers to acknowledge that natural science simply cannot reach what is, on the one hand, the essence of matter itself, and on the other, the essence of human consciousness. But if human beings cannot investigate how their consciousness—that is, the soul working within them—grasps matter, then they must bid farewell to that great imperative: “Know thyself!” Then we would have brought to a close that period of human spiritual development since Greek antiquity, with the exhortation “Know thyself!” as something beautiful and powerful—yet nothing more than an illusion of humanity. Then we must admit: this demand cannot be fulfilled. The deeper one delves into the spirit of natural science, the more one must, from the standpoint of anthroposophy, agree with those who speak of the “Ignorabimus” of natural science—those who say that natural science has limits that it, for its part, cannot transcend. The question arises, however, whether the human mind can readily find peace in the recognition of such limits, and whether it does not, from the outset, seek to disregard—as something particularly prejudiced—the very desires that the human heart harbors in this regard.
[ 4 ] Darauf sucht Antwort zu geben dasjenige, was ich heute abend Ihnen charakterisieren möchte als anthroposophische Forschung. Sie sucht zu erkennen, inwiefern diese Forderung des Gemütes irgendwie berechtigt ist. Viele Menschen der Gegenwart sehen auf dasjenige, was die Naturwissenschaft auf der einen Seite Großartiges leistete, und sie fühlen andererseits: an das eigentliche Seelisch-Geistige kann Naturwissenschaft nicht heran. Und so wenden sich viele von denen, die beim Bekenntnis von den Grenzen des menschlichen Wissens nicht stehen bleiben wollen, zu der oder jener Art von Mystik, jener mystischen Anschauungsweise, welche versucht, dasjenige, was sich auf das Ewige des menschlichen Wesens bezieht, durch Versenkung in das eigene Innere zu erreichen. Und durch solche mystische Versenkung ist ja manches Schöne aus den Tiefen der Menschenseele, aus den Tiefen des sonst im Unterbewußten oder Unbewußten bleibenden Lebens heraufgeholt worden. Durch solche mystische Versenkung sind so manche Menschen dazu gekommen zu glauben, daß das, was da aus den Tiefen der Seele heraufgeholt wird, was im Menschen so vorhanden ist, unmittelbar im göttlich-geistigen Dasein wurzelt, so daß, indem man es heraufholt, man das Göttlich-Geistige im Erkennen des Menschen selbst zur Offenbarung brächte, und dadurch zur Erforschung des Ewigkeitscharakters des Menschen und zum Zusammenhange des Menschen mit dem Göttlichen vordringe.
[ 4 ] What I would like to describe to you this evening as anthroposophical research seeks to provide an answer to this question. It seeks to understand to what extent this demand of the soul is in any way justified. Many people today look at the magnificent achievements of natural science on the one hand, and on the other hand feel that natural science cannot touch upon what is truly soul-and-spiritual. And so many of those who do not wish to stop at acknowledging the limits of human knowledge turn to one form or another of mysticism—that mystical way of viewing the world which attempts to reach what pertains to the eternal aspect of the human being through contemplation of one’s own inner self. And through such mystical contemplation, many beautiful things have indeed been brought forth from the depths of the human soul, from the depths of life that otherwise remains in the subconscious or unconscious. Through such mystical contemplation, many people have come to believe that what is brought up from the depths of the soul—what is present within the human being—is directly rooted in divine-spiritual existence, so that by bringing it up, one would bring the divine-spiritual to revelation in human cognition itself, and thereby advance toward an exploration of the eternal nature of the human being and the connection between the human being and the divine.
[ 5 ] So steht derjenige, der heute die großen Fragen des menschlichen Seelendaseins aufwirft, ich möchte sagen, zwischen zwei Klippen, welche der Erkenntnis unübersteigliche Grenzen zu setzen scheinen: die naturwissenschaftliche auf der einen Seite, die mystische auf der anderen Seite. So viel aber auch die Mystik verspricht, so Schönes und Großartiges auch von vielen Mystikern heraufgeholt wird aus der menschlichen Seele, vor einer wirklich an der Wissenschaft geschulten und disziplinierten Erkenntnis konnten die meisten mystischen Versuche eben nicht bestehen. Denn derjenige, der durch die gewissenhaften Methoden der Naturwissenschaft gewöhnt worden ist, alle Dinge zu beurteilen, auch die im Menschen selbst sind, der findet alsbald, wie dasjenige, was der Mystiker oft aus den Tiefen seiner Seele herausholt, dennoch nichts anderes ist, als dasjenige, was er vielleicht in irgendeiner Weise an Jahren weit zurückliegend in der Außenwelt an Vorstellungen, an Gefühlen erhalten, erworben hat, welche dann von ihm noch vielleicht durch eine schön wirkende Phantasie zu gewaltigen Bildern angewachsen sind, welche Vorstellungen und Gefühlsinhalte dann aber, indem sie sich in die Tiefen des Menschenwesens herabgesenkt haben, von dem Organismus des Menschen, der für die äußere Erkenntnis einen so geheimen sinnvollen Zusammenhang mit dem Seelischen hat, verändert worden sind. Und gerade dem tiefen Seelenkenner offenbart es sich, wie dasjenige, was man, auf mystische Weise gewonnen, für ewig hält, nichts anderes ist, als verändertes, ja, durch den menschlichen Organismus selbst verändertes Erinnerungsergebnis.
[ 5 ] Thus, anyone who raises the great questions of the human soul’s existence today stands, I would say, between two cliffs that seem to set insurmountable limits on knowledge: the natural scientific on one side, the mystical on the other. But no matter how much mysticism promises, and no matter how beautiful and magnificent many mystics draw from the human soul, most mystical endeavors simply could not stand up to knowledge that is truly trained and disciplined by science. For those who, through the rigorous methods of natural science, have become accustomed to judging all things—including those within human beings themselves—soon discover that what the mystic often draws from the depths of his soul is, after all, nothing other than what he may have acquired in some way, many years ago, from the external world in the form of ideas and feelings, which may then have been transformed by his vivid imagination into powerful images—but these ideas and emotional contents, having sunk into the depths of the human being, have been altered by the human organism, which has such a secret, meaningful connection with the soul in relation to external cognition. And it is precisely to the profound connoisseur of the soul that it is revealed how that which, having been gained in a mystical way, is held to be eternal, is nothing other than an altered—indeed, by the human organism itself altered—result of memory.
[ 6 ] Und so gesteht man sich zuletzt, wenn man an tieferes Erleben, an die großen Fragen des Menschendaseins, herantreten will: Die Naturwissenschaft gibt keine Möglichkeit, in diese Frage irgendwie hereinzudringen. Sie schließt ihre Erkenntnisse in einem Gebiet ab, so daß man mit ihren Erkenntnissen nur das Äußerliche des Menschen erkennen kann, daß man mit ihr nicht an den Menschen herankommt. Das ist zuletzt das notwendige Geständnis, das man sich machen muß. Gerade ernste und ehrlich gemeinte Naturwissenschaft kommt nicht an den Menschen heran. Und Mystik, sie kommt so, wie sie zunächst meistens auftritt, nicht aus dem Menschen heraus. Die Naturwissenschaft kommt, indem sie in die Welt eindringt, von der Welt nicht zum Menschen; die Mystik kommt, indem sie in den Menschen eindringt, von dem Menschen nicht in die Welt hinaus. Wenn man dann empfindungsgemäß dasjenige, was sich der Seele ergibt aus diesen beiden Ausblicken, so recht auf sich wirken läßt, dann frägt man sich doch noch einmal: Ist es nicht vielleicht möglich, auch noch hinauszugehen über dasjenige, was Mystik auf der einen Seite gibt, und was Naturerkenntnis auf der anderen Seite gibt?
[ 6 ] And so, ultimately, if one wishes to approach deeper experiences—the great questions of human existence—one must admit: Natural science offers no way to penetrate these questions in any way. It confines its findings to a specific realm, so that through its findings one can perceive only the outward aspects of the human being; it does not allow one to approach the human being itself. Ultimately, this is the necessary admission one must make. Serious and sincere natural science, in particular, does not come close to the human being. And mysticism, as it usually first appears, does not arise from within the human being. Natural science, by penetrating the world, comes from the world but not to the human being; mysticism, by penetrating the human being, comes from the human being but not out into the world. If one then allows what arises in the soul from these two perspectives to truly take effect, in accordance with one’s own feelings, one asks oneself once again: Is it not perhaps possible to go even beyond what mysticism offers on the one hand, and what scientific knowledge offers on the other?
[ 7 ] Nun habe ich mir schon erlaubt, in dem Vortrage, den ich vor einigen Tagen in der «Urania» halten durfte, darauf aufmerksam zu machen, wie Anthroposophie als Geistesforschung bestrebt ist, auf dasjenige genau hinzuschauen, was der Mensch sich aneignet in der Erinnerung. Und so stellt sich doch zuletzt die Erinnerung als dasjenige heraus, was vertieft werden kann. Auch heute möchte ich, gerade wie vor einigen Tagen, mich nicht in tiefe philosophische, erkenntnistheoretischeErörterungen einlassen, sondern beim populären Bewußtsein bleiben. Diese Erörterungen könnten gemacht werden; aber das, was von dem Gesichtspunkt, von dem hier gesprochen wird, gemeint ist, werden wir am besten verstehen, wenn ich beim Populären bleibe.
[ 7 ] I have already taken the liberty, in the lecture I was allowed to give a few days ago at the “Urania,” of pointing out how anthroposophy, as a spiritual science, strives to examine closely precisely what a person assimilates into their memory. And so, ultimately, memory turns out to be that which can be deepened. Today, just as a few days ago, I do not wish to delve into deep philosophical or epistemological discussions, but rather to remain within the realm of popular consciousness. Such discussions could be had; but we will best understand what is meant from the perspective being discussed here if I stick to the popular level.
[ 8 ] Was in unserer Erinnerung lebt, was den Inhalt unserer Person voll macht dadurch, daß wir in jedem Augenblick in der Lage sind, dasjenige, was wir durchgemacht haben, vor unsere Augen zu zaubern, ist ja hereingetragen in die Menschenseele durch die Eindrücke aus der Außenwelt. Es sind Sinneseindrücke, die wir aufnehmen und mit unseren Vorstellungen verarbeiten, und die unbekannterweise im Menschen sich verändern und die dann wieder heraufkommen; die freiwirkend heraufkommen, oder mit Mühe, wenn der Mensch sie braucht, vom Menschen aus der Seele heraufgeholt werden. Und wenn wir uns das vergegenwärtigen wollen, was da eigentlich für die menschliche Seele in der Erinnerung lebt, so können wir zu nichts anderem kommen, als uns zu sagen: Es ist wie etwas, was aus dem Spiegel der Seele, der tief und immerwährend in unserem menschlichen Sein liegt, wenn auch nach langer Zeit, zurückgespiegelt wird. Die Außenwelt spiegelt sich in unserer Seele, indem wir das Gedächtnis haben, indem wir Erinnerungsfähigkeit haben. Und wie gesagt, wenn ich der Kürze der Zeit und der Umstände halber jetzt auch nicht unmittelbar in der Lage bin, das Wesen dieses Seelenspiegels zu erörtern, so wird das Bild zu unserer Verständigung genügen. Wir gelangen mit unserer Erinnerung nicht auf den Grund des Wesens unserer Seele. Genau so, wie, wenn wir einen Spiegel vor uns haben, wir dasjenige, was vor dem Spiegel ist, aus dem Spiegel sehen, so bietet uns die Erinnerung in den mystisch heraufgebrachten Vorstellungen nichts anderes, als das Spiegelbild der äußeren Welt. Will man ansichtig werden desjenigen, was hinter dem Spiegel ist, dann muß der Spiegel entweder weggenommen werden, oder der Spiegel muß zerschlagen werden. In einem gewissen Sinne müssen wir diesen inneren Spiegel, diese Kraft des Erinnerungsvermögens in uns durchbrechen, um tiefer in unser Wesen hineinzuschauen. Und wir durchbrechen diesen Seelenspiegel, das heißt wir gehen auch über dasjenige, was uns dieser Spiegel als Mystik erscheinen läßt, noch tiefer in das menschliche Wesen hinein, wenn wir unser Denken, das wir sonst durch Experimente anregen lassen, innerlich zur Aktivität bringen, wenn wir meditierend und uns konzentrierend auf einen bestimmten Gedankeninhalt immer wieder die seelischen Kräfte stärken.
[ 8 ] What lives on in our memory—what fills the essence of our being by enabling us at any moment to conjure up before our eyes what we have experienced—is, after all, brought into the human soul through impressions from the outside world. These are sensory impressions that we take in and process through our concepts, and which, unbeknownst to us, undergo changes within us and then resurface—either spontaneously, or with effort, when we need them, brought up from the depths of our soul. And if we wish to bring to mind what actually lives in the human soul through memory, we can come to no other conclusion than to say to ourselves: It is like something that is reflected back—even after a long time—from the mirror of the soul, which lies deep and everlasting within our human being. The external world is reflected in our soul through our memory, through our capacity to remember. And as I said, even if—due to time constraints and circumstances—I am not currently in a position to discuss the nature of this mirror of the soul in detail, this image will suffice for our understanding. Our memory does not take us to the very core of our soul’s essence. Just as when we have a mirror before us, we see in the mirror what is in front of it, so too does memory, in the mystical concepts evoked, offer us nothing other than the reflection of the external world. If one wishes to behold what lies behind the mirror, then the mirror must either be removed or shattered. In a certain sense, we must break through this inner mirror—this power of memory within us—in order to look deeper into our being. And we shatter this mirror of the soul—that is, we go even deeper into the human being, beyond what this mirror presents to us as mysticism—when we internally activate our thinking, which we otherwise allow to be stimulated by experiments, and when, through meditation and concentration on a specific thought, we repeatedly strengthen our soul forces.
[ 9 ] Ich habe es im Urania-Vortrag genau beschrieben, ich habe es in meinen Büchern besprochen, wie man durch eine besondere Betätigung des Denkens noch unter den Erinnerungsspiegel herunterkommen kann, wie man tiefer in sein Wesen hineinschauen kann. Da könnte man vermuten, daß man dann hereinschauen würde in dasjenige, was unsere physische Organisation ist. Denn zweifellos: Für das gewöhnliche Bewußtsein dringen wir seelisch nur bis zum Erinnerungsspiegel vor, und dabei verändern die Vorgänge der physischen Organisation das Bild von außen, das wir im Seelenspiegel erblicken, zu einem Zerrbild. Schaffen wir uns aber ein immer mehr aktiviertes Denken, mit dem wir innerlich leben wie mit unserem Blute und unserem Atem, so daß sich unser ganzer Mensch beteiligt an diesem innerlich lebendigen Denken, dringen wir tiefer in unser Menschenwesen ein, dann enthüllt sich uns nicht ein physischer Mensch, dann enthüllt sich uns ein Geistig-Seelisches, das nur durch dieses erkraftete, erstarkte Denken offenbar werden kann. Dann enthüllt sich uns dasjenige am Menschen, was durchaus geistig-seelischer Natur ist, was dem Bewußtsein unbewußt bleibt, was aber durch sein eigenes Wesen zeigt, daß es vorhanden war, bevor der Mensch durch die Geburt, ja durch die Empfängnis, sein irdisches Dasein angetreten hat.
[ 9 ] I described it in detail in the Urania lecture; I have discussed it in my books—how, through a particular exercise of thought, one can descend even below the mirror of memory, how one can look deeper into one’s own being. One might suppose that one would then be looking into what constitutes our physical organization. For there is no doubt: for ordinary consciousness, we penetrate psychically only as far as the mirror of memory, and in the process, the processes of the physical organization distort the external image we behold in the mirror of the soul into a distorted reflection. But if we cultivate an ever more active form of thinking—one with which we live inwardly as with our blood and our breath, so that our entire being participates in this inwardly living thought—and if we penetrate deeper into our human nature, then what is revealed to us is not a physical human being, but rather a spiritual-soul aspect that can only be revealed through this invigorated, strengthened thinking. Then what is revealed to us in the human being is that which is entirely of a spiritual-soul nature, which remains unconscious to consciousness, but which, through its very nature, shows that it existed before the human being began its earthly existence through birth—indeed, through conception.
[ 10 ] Daß dies der Fall sein kann, macht man sich begreiflich, wenn man sich sagt, wie ja die Erinnerung durch ihren eigenen Inhalt uns anzeigt, daß wir es nicht zu tun haben mit der Vorstellung eines gegenwärtigen Ereignisses, sondern mit einem vergangenen, so haben wir dieselbe Gewißheit über den Charakter unseres Erlebens, wenn wir an das gekennzeichnete Erlebnis herantreten, das uns tiefer führt als die mystische Versenkung. Dann erlangen wir ein Geistesbild von alledem, was das eigentlich Schaffende ist in jener ersten Lebensepoche des Menschen, in der ja am Sinnes-Nervensystem, am Gehirn und an der übrigen Organisation des Menschen eine so wunderbare plastische Tätigkeit ausgeübt wird. Aber wir verfolgen durch eine solche Versenkung das menschliche seelisch-geistige Wesen über Geburt und Tod hinaus, wir schauen hinein in eine geistige Welt, in der wir waren als geistig-seelische Menschenwesen mit unserem Wesenskern, bevor wir hinabgestiegen sind in diese Erdenwelt und uns umkleidet haben mit demjenigen, was uns unsere Vorfahren gegeben haben, mit einem physischen Menschenleibe.
[ 10 ] That this can be the case becomes clear when we consider that, just as memory—through its very content—shows us that we are not dealing with the representation of a present event but with a past one, so too do we have the same certainty regarding the nature of our experience when we approach the experience described, which leads us deeper than mystical contemplation. Then we gain a spiritual picture of all that is truly creative in that first epoch of human life, in which such a wondrous, formative activity is exerted upon the sensory-nervous system, the brain, and the rest of the human organism. But through such contemplation, we trace the human soul-spiritual being beyond birth and death; we look into a spiritual world in which we existed as spiritual-soul human beings with our essential core before we descended into this earthly world and clothed ourselves in what our ancestors gave us: a physical human body.
[ 11 ] Es ist durchaus so, daß man zu dieser Anschauung kommt, nicht nur durch jene nebulose Begabung des Menschen, die man heute als «Hellsehen» bezeichnet. Wenn man auch für das, wovon ich jetzt gesprochen habe, das Wort «Hellsehen» verwendet, so muß man dieses ansprechen als exaktes Hellsehen. Denn derjenige, der sich auf den Boden der geistigen Forschung begibt wie ein exakter Wissenschaftler, aktiviert das Denken so, daß dieses Denken aus dem Menschen nicht nur hervorholt die Erinnerungsvorstellungen, sondern Dinge, die unter dem Erinnerungsvermögen liegen, die schaffend im Menschen waren, bevor das Erinnerungsvermögen sich entwickelt hatte, bevor der Mensch sein irdisches Dasein angetreten hat.
[ 11 ] It is certainly true that one arrives at this perspective not only through that nebulous human faculty which is today referred to as “clairvoyance.” Even if the term “clairvoyance” is used for what I have just described, it must be understood as precise clairvoyance. For the person who approaches spiritual research like a precise scientist activates their thinking in such a way that this thinking draws forth from the human being not only memories, but also things that lie beneath the power of memory—things that were creative within the human being before the power of memory had developed, before the human being began their earthly existence.
[ 12 ] Das ist die eine Seite, zu der sich anthroposophische Forschung wendet, wenn sie vor den beiden charakterisierten Prinzipien steht. Sie sucht das Geistige durch exakte Gedankenverarbeitung zu vertiefen und gelangt nach der einen Seite hin über die Geburt hinaus zur Erkenntnis des ewigen Wesenskernes des Menschen. Aber ebenso, wie man das, was der Mystiker so schön als seine Versenkung ausbildet, was ihn zu Illusionen führt, wie man das erkennen muß, wenn man zu einer wissenschaftlichen Erkenntnis gelangen und nicht stehen bleiben will bei denjenigen Punkten, bei denen der Mystiker oft stehen bleibt, wie man gewissermaßen in der Fortsetzung des Mystischen die Erkenntnis des vorgeburtlichen Menschen erstreben muß, ebenso muß man auf der anderen Seite durch die Vertiefung der naturwissenschaftlichen Forschung versuchen, einen weiteren Schritt in der geistigen Erkenntnis zu machen. Und das ergibt sich in der folgenden Weise.
[ 12 ] This is the one aspect that anthroposophical research turns to when confronted with the two principles described above. It seeks to deepen the spiritual through precise thought processes and, on this one side, goes beyond birth to the knowledge of the eternal core of the human being. But just as one must recognize what the mystic so beautifully cultivates as his contemplation—which leads him to illusions—if one wishes to arrive at scientific knowledge and not remain stuck at those points where the mystic often remains, and just as one must, so to speak, strive for knowledge of the pre-birth human being as a continuation of the mystical path, so, on the other hand, one must attempt, through the deepening of scientific research, to take a further step in spiritual knowledge. And this unfolds in the following way.
[ 13 ] Ja, wir kommen zu Grenzen, gerade wenn wir in ehrlicher Weise die naturwissenschaftlichen Methoden auf die Welt anwenden; wir kommen zu Grenzen, gerade wenn wir sie in realer Weise auf die Naturvorgänge anwenden, wir kommen da zu Grenzen, die wir in dem Begriff «materielles Bewußtsein» und so weiter formulieren. Aber es ist etwas anderes, in diesen Grenzen zu stehen und zu sagen, darüber kann das Menschenwesen nicht hinaus, da muß man sich beruhigen, oder aber zu beginnen, gerade an diesen Grenzen aus seinem ganzen Menschen heraus zu ringen, indem man sagt: Vielleicht rühren diese Grenzen davon her, daß man die Fähigkeiten, die man in sich trägt, hier begrenzt, um die Naturwissenschaft vollkommen zu machen — dann aber eben doch, wenn man weiterringt, seine ganzen menschlichen Fähigkeiten einsetzt, um mit diesen Vorstellungen, die nun Grenzen gewinnen werden, zu ringen; vielleicht kommt man dann über diese Grenzen hinaus. — Ich weiß, daß sich leicht ein Einwand ergibt; man wird sagen: Ja, es ist ja so gut, so segensreich, daß die Naturwissenschaft es verstanden hat, das Menschliche auszuschließen von den naturwissenschaftlichen Methoden, sich an Messen, Zählen, an die Ergebnisse der Waage zu halten und so weiter, also dasjenige, was man als Forschungsmethoden bezeichnet, was man erkennt, loszulösen von dem Menschen. Es ist gefährlich, den Menschen wieder hineinzumischen.
[ 13 ] Yes, we encounter limits precisely when we apply scientific methods to the world in an honest way; we encounter limits precisely when we apply them to natural processes in a realistic way; there we encounter limits that we express in the concept of “material consciousness” and so on. But it is one thing to stand within these limits and say, “Human beings cannot go beyond this; we must resign ourselves to it,” and quite another to begin, precisely at these limits, to struggle with one’s whole being, saying: Perhaps these limits stem from the fact that we restrict the abilities we possess within ourselves in order to perfect the natural sciences—but then, if we continue to struggle, employing all our human abilities to grapple with these concepts, which will now be constrained by limits, perhaps we can transcend those limits. — I know that an objection arises easily; people will say: Yes, it is indeed so good, so beneficial, that the natural sciences have understood how to exclude the human element from scientific methods—by adhering to measuring, counting, the results of the scales, and so on—that is, to detach what is called research methods, what is known, from the human being. It is dangerous to mix the human element back in.
[ 14 ] Wenn man dies in der Art tut, wie die anthroposophische Forschung es will, nämlich daß man zuerst voll stehe auf dem Gesichtspunkte der Naturwissenschaft, daß man sich vollständig durchgerungen hat, in objektiver Weise losgelöst zu haben die Forschungsmethoden vom Menschen und das persönliche Ringen eingeführt zu haben in das Losgelöste, dann kommt doch etwas anderes heraus. Dann achtet man die Forderung der Naturwissenschaft und führt zugleich das Menschliche ein in das Objektive der Naturwissenschaft. Und da muß man schon sagen: Hat man sich durchdrungen mit der Erkenntnis der Naturwissenschaften seit den letzten Jahrhunderten, besonders des neunzehnten Jahrhunderts, indem man sich gewissermaßen seelisch durchaus erfüllt hat mit dem, was der Geist der Naturwissenschaften ist, und kann man dann dennoch mit seiner ganzen Persönlichkeit sich hingeben, gerade an die Dinge, die die Naturwissenschaft schildert, dann wird eine Gabe der menschlichen Natur, die sonst durchaus nicht als eine Erkenntniskraft betrachtet wird, zu einer Erkenntniskraft. Diese Hingabe an etwas, was als etwas Objektives errungen ist, sie wird zuletzt auch zu einer objektiven Ausgestaltung der menschlichen Liebe. Wenn man mit voller Achtung der naturwissenschaftlichen Denkweise, nachdem man vom naturwissenschaftlichen Gesichtspunkte aus, soweit es möglich ist, die Welterscheinungen überschaut hat, sich dieser Denkweise entäußern kann, wenn man so viel Heroismus beim Forschen aufbringt, daß man sich in das naturwissenschaftlich Gegebene mit einer solchen Hingabe versenkt, wie man sich sonst nur versenkt, wenn man in der Welt Liebe, besonders menschliches Lieben, entwickelt, dann wird die Liebe selbst zur Erkenntnis, und dann dringt man mit der Liebe, die die Metamorphose durchgemacht hat, um zur Erkenntniskraft zu werden, hinter dasjenige, was die Naturwissenschaft zu geben vermag.
[ 14 ] If one does this in the manner prescribed by anthroposophical research—namely, by first standing firmly on the ground of natural science, by having fully resolved to objectively detach the research methods from the human element, and by introducing the personal struggle into that detached framework—then something different emerges. Then one respects the demands of natural science while at the same time introducing the human element into the objectivity of natural science. And here one must say: If one has imbued oneself with the insights of the natural sciences over the past centuries—especially the nineteenth century—by, so to speak, filling one’s soul completely with the spirit of the natural sciences, and if one can then nevertheless devote oneself with one’s entire personality precisely to the things that science describes, then a gift of human nature—which is otherwise not at all regarded as a power of cognition—becomes a power of cognition. This devotion to something that has been attained as an objective reality ultimately becomes an objective expression of human love. When, with full respect for the scientific way of thinking, after having surveyed the phenomena of the world from the scientific point of view as far as possible, and can then detach oneself from this way of thinking—if one brings such heroism to one’s research that one immerses oneself in the scientific findings with a devotion one would otherwise only muster when developing love in the world, especially human love, —then love itself becomes knowledge, and then, with the love that has undergone a metamorphosis to become a power of knowledge, one penetrates beyond what natural science is capable of providing.
[ 15 ] Das ist die Arbeit nicht eines Tages, sondern langer Epochen des Menschenlebens, hindurchzudringen zu denjenigen Wesenheiten, die hinter den Grenzen des Naturwissenschaftlichen liegen. Was sich aber dann ergibt, ist Folgendes: In dem Augenblicke, wo man gewissermaßen jene Grenzen durchbricht und hinter die Kulissen schaut, die aufgerichtet sind durch die naturwissenschaftliche Erkenntnis, wird | einem an dem Menschen selbst merkwürdigerweise etwas durchsichtig, was vorher immer undurchsichtig geblieben ist: Wir wachen des Morgens auf, verbringen unser Tagewerk mit wachendem Bewußtsein aus den Kräften des Erdenfühlens und unserer Seele heraus, wir schlafen des Abends ein. Dasjenige, was geschieht mit dem Seelisch-Geistigen im Physisch-Leiblichen, das entzieht sich dem menschlichen Bewußtsein. Was da hereinspielt in das menschliche Leben, sind die verworrenen Träume ohne Erkenntniswert. So daß wir sagen können: Die gesamte Entwickelung des menschlichen Lebens setzt sich zusammen aus demjenigen, was wir wachend durchleben und demjenigen, was wir schlafend verbringen. Und wir achten nicht darauf, daß, wenn wir zurückschauen, wir immer den Morgen an den Abend anstückeln, und dasjenige aus dem Bewußtsein herausfallen lassen, was wir mit ihm nicht erreichen können, was sich dem Bewußtsein entzieht, daß wir ausschalten die Strecken, die wir verschlafen haben. Nun fragt es sich, ob denn für den Menschen dasjenige, was ihm seelisch-geistig der Schlaf gibt, nicht ebenso wichtig sein könne wie dasjenige, was ihm der Wachzustand gibt.
[ 15 ] This is not the work of a single day, but of long epochs of human life: to penetrate to those entities that lie beyond the boundaries of the natural sciences. But what then becomes apparent is this: At the very moment when one, so to speak, breaks through those boundaries and looks behind the scenes set up by scientific knowledge, something in human beings themselves—which had previously always remained opaque—strangely becomes transparent: We wake up in the morning, go about our daily work with a waking consciousness arising from the forces of our connection to the earth and from our soul, and we fall asleep in the evening. What happens to the soul-spiritual within the physical-bodily realm eludes human consciousness. What plays a role in human life there are the confused dreams devoid of any value for understanding. So that we can say: The entire development of human life is composed of what we experience while awake and what we experience while asleep. And we do not realize that, when we look back, we always link the morning to the evening, and let fall out of our consciousness that which we cannot reach with it—that which eludes consciousness—so that we exclude the periods we have slept through. The question now arises as to whether what sleep provides a person in the soul-spiritual sense might not be just as important as what the waking state provides.
[ 16 ] Gewiß, für das äußere Leben kann nur der Wachzustand in Betracht kommen, und je mehr sich die Zivilisation zugewendet hat der bloßen Beachtung des äußeren Lebens, desto mehr gibt sie etwas auf die Beobachtung des wachen Zustandes. Aber für das Leben der Menschen selbst — das haben auch schon besonnene Philosophen zugestanden — ist dasjenige, was geschieht in dem reichlichen Drittel des Erdenlebens, das wir verschlafen, nicht minder wesentlich als das, das wir durchwachen. Aber es zeigt sich anschaulich erst dann, wenn wir die die Dinge bezeichnenden Grenzen nach dem Ringen mit der Natur durch letzte Vorstellungen . durchbrochen haben. Dann geschieht das, daß der leere Erlebnisraum, den wir sonst durchschlafen, der sonst außer dem Träumen ein Nichts für uns enthält, daß sich dieser leere Erkenntnisraum mit Inhalt anfüllt, daß wir lernen, auf dasjenige hinzuschauen, was sich sonst in die Finsternis des Schlafes hüllt. Wie wir zurückschauen können auf das, was sich im Wachen als jene Erkenntnis gibt, die wir als physisch-sinnliche Menschen mit der Erde und ihren Erscheinungen erlebt haben, so ergibt sich jetzt die Erkenntnis geistig-seelischer Art von jenem Zustande, in dem der Mensch vom Einschlafen bis zum Aufwachen steht. Es erhellt sich die Finsternis zwischen Einschlafen und Aufwachen, dieses Drittel unseres Lebens wird uns durchsichtig, und das, was wir erblicken, das ist dann unser wahres Ich, die Gestalt von Denken, Fühlen und Wollen. Wir erblicken dasjenige, was in uns, ohne daß es unser Bewußtsein weiß, fortwährend arbeitet an unserem geistig-seelischen Menschenwesen, und wir durchschauen den Inhalt als dasjenige, was durch die Pforte des Todes von uns getrennt ist, wenn wir den physischen Leichnam ablegen. Indem uns der Schlaf durchsichtig wird, lernen wir erkennen die wahre Natur der menschlichen Unsterblichkeit. Wenn wir durch das Mystische hindurchschauen, wenn wir weitergehen als die gewöhnliche Mystik, lernen wir das vorgeburtliche Wesen des Menschen kennen, wenn wir Naturwissenschaft ehrlich nehmen, aber zu ringen anfangen an der Grenze, lernen wir kennen, was der Mensch an unsterblichem Dasein in sich trägt. Und so setzt sich für uns das Menschenwesen in seiner Entwickelung zusammen, indem wir gewissermaßen in dieser Art sehen, wie ein vorgeburtliches Menschenwesen hineindringt in die physische Menschenorganisation, ich möchte sagen, immer mehr und mehr in dieser physischen Menschenorganisation untergeht, wie die physische Menschenorganisation immer mächtiger und mächtiger wird, wie dasjenige, was durch die Geburt eingezogen ist in den Menschen, im physischen Menschendasein in der weiteren Entwickelung des Menschen immer mehr und mehr schwindet, wie sozusagen der Mensch von dieser Seite aus immer mehr und mehr ein physisch-leibliches Wesen wird. Aber in demselben Maße, in dem diese Entwickelung verläuft, in demselben Maße, in dem der uns angeborene Geist, die uns angeborene Seele in dem physischen Leibe untertauchen, so taucht auf dasjenige, was uns, wenn wir den Schlaf betrachten, als das zukünftige Wesen des Menschen erscheint. |
[ 16 ] Certainly, only the waking state can be taken into account when it comes to external life, and the more civilization has turned its attention to the mere observation of external life, the more it has neglected the observation of the waking state. But for human life itself—as even level-headed philosophers have conceded—what happens during the ample third of our earthly existence that we spend asleep is no less essential than what we experience while awake. Yet this becomes vividly apparent only when, after our struggle with nature, we have broken through the boundaries that define things by means of ultimate concepts. Then what happens is that the empty space of experience—which we otherwise sleep through, and which, apart from dreams, contains nothing for us—this empty space of cognition fills with content; we learn to look toward that which otherwise shrouds itself in the darkness of sleep. Just as we can look back upon what, in waking life, presents itself as the knowledge we have experienced—as physical, sensory human beings—with the Earth and its phenomena, so too does knowledge of a spiritual-soul nature now emerge from that state in which the human being exists between falling asleep and waking up. The darkness between falling asleep and waking up is illuminated; this third of our life becomes transparent to us, and what we behold is then our true self—the form of thinking, feeling, and willing. We perceive that which, unbeknownst to our consciousness, is constantly at work within us on our spiritual-soul being, and we see through to its essence as that which is separated from us through the gate of death when we shed the physical body. As sleep becomes transparent to us, we learn to recognize the true nature of human immortality. When we look beyond the mystical, when we go beyond ordinary mysticism, we come to know the pre-birth nature of the human being; when we take natural science seriously but begin to grapple with its limits, we come to know what the human being carries within itself of immortal existence. And so the human being, in its development, takes shape for us as we see, so to speak, how a pre-birth human being penetrates into the physical human organism, I would say, is increasingly absorbed into this physical human organization, as the physical human organization becomes ever more powerful, as that which has been drawn into the human being through birth gradually fades away more and more in physical human existence as the human being develops further, as, so to speak, the human being becomes more and more a physical-bodily being from this perspective. But to the same extent that this development proceeds, to the same extent that our innate spirit and our innate soul submerge within the physical body, there emerges that which, when we observe sleep, appears to us as the future being of the human being. |
[ 17 ] Indem wir immer mehr hinsehen gegen das Ende des normalen Menschenlebens, sehen wir, wie andererseits auftaucht gegenüber dem untergehenden geistigen Menschenleben des vorgeburtlichen Daseins, das geistig-seelische Wesen des geistigen nachtodlichen Menschendaseins. Da sehen wir in jedem einzelnen Zeitpunkte des Erdenlebens ein Maß dessen, was der Mensch sich mitgebracht hat aus den Ewigkeitswelten ins Erdendasein, was er sich zimmert, um es hindurchzutragen durch die Pforte des Todes in eine geistige Welt; erkennend dringen wir zur Unsterblichkeit vor. Der Weg, den ich Ihnen schildere, um durch Überschreitung der Mystik, der Naturwissenschaft zur Erkenntnis des Menschen zu kommen, ist keiner, den man abtun kann, indem man ihn obenhin als «hellseherisch» bezeichnet; das ist ein Weg, bei dem man weiß, wie jeder Schritt auf den vorhergehenden so folgt, wie der Mathematiker weiß, wie eine mathematische Ableitung auf die andere folgt. Der Weg, den ich Ihnen skizzieren konnte — wobei ich auf die genannten Bücher verweise —, ist der Weg der Anthroposophie, jener Weg, welcher erkenntnismäßig, so daß man über jeden Schritt dem strengen Mathematiker Rechenschaft ablegen könnte, zum Ungeborensein und Unsterblichsein der Menschenseele hinführt, und der zeigt, wie man dann nicht mit der Naturwissenschaft innerhalb der Welt stehen zu bleiben hat, um in den Menschen hereindringen zu können, wie man nicht in der Mystik beim Menschen stehen bleiben muß, um an die Welt heranzudringen, sondern wie man erkenntnismäßig Weltendasein mit der Erkenntnis des Menschendaseins verbinden kann. Wenn so genügend Naturwissenschaft, wenn so genügend Mystik weitergeführt wird, dann wird sich für die künftige Geisteszivilisation der Menschheit wiederum die Möglichkeit bieten, das Wort, das an den Menschen so gewaltig mahnend herantritt, das Wort «Erkenne dich selbst!» zu erfüllen.
[ 17 ] As we look more and more toward the end of normal human life, we see how, in contrast to the fading spiritual life of prenatal existence, the spiritual-soul being of spiritual human existence after death emerges. There, in every single moment of earthly life, we see a measure of what the human being has brought with them from the worlds of eternity into earthly existence—what they craft for themselves to carry through the gate of death into a spiritual world; through this recognition, we advance toward immortality. The path I am describing to you—to arrive at an understanding of the human being by transcending both mysticism and natural science—is not one that can be dismissed by casually labeling it “clairvoyant”; it is a path in which one knows how each step follows the previous one, just as the mathematician knows how one mathematical derivative follows another. The path I have been able to outline for you—referring, in doing so, to the books mentioned—is the path of anthroposophy, that path which, in terms of knowledge, leads to the pre-birth and immortality of the human soul in such a way that one could account for every step to the strictest mathematician, and which shows that one need not remain within the realm of natural science to penetrate into the human being, nor must one remain within mysticism to approach the world, but rather how one can, through knowledge, unite worldly existence with the understanding of human existence. If natural science and mysticism are both pursued sufficiently in this way, then the possibility will once again present itself for the future spiritual civilization of humanity to fulfill the word that approaches humanity with such powerful urgency: “Know thyself!”
[ 18 ] Eine solche Erkenntnis, wie ich sie eben geschildert habe, unterscheidet sich allerdings von der Erkenntnis, die an das Nervensystem gebunden ist, die im wesentlichen eine Kopferkenntnis ist. Und gestatten Sie mir, daß ich eine persönliche Bemerkung mache, die aber vollkommen sachlich ist. Indem man als Geistesforscher versucht, in dieses Gebiet einzudringen, das ich bezeichne als Welten, die man vor der Geburt und nach dem Tode zu durchlaufen hat, ist man sich bewußt: Du kommst nicht aus mit demjenigen Denken, das dir sonst im Leben dient, du mußt ein erkraftetes Denken entwickeln, das den ganzen Menschen in Anspruch nimmt. — Man wird nicht zum Medium dadurch; aber es muß doch der ganze Mensch von einem solchen Denken in Anspruch genommen werden. Ein solches Denken dringt in das Empfinden, in das Gefühl ein, beansprucht sogar, daß der Mensch sich ihm mit seinem ganzen Willensinhalt ergibt. Dabei ist das Denken über geistige Inhalte wiederum so, daß man es nicht in gewöhnlicher Weise dem Gedächtnis einverleiben kann wie ein anderes. Auch da mache ich eine persönliche Bemerkung: Sehen Sie, wenn der Geistesforscher einen solchen Vortrag hält, wie ich hier, dann kann er einen solchen nicht wie sonst wissenschaftliche Vorträge vorbereiten. Dann würde er nur an das Gedächtnis appellieren. Aber was durch eine solche Vertiefung entstanden ist, das läßt sich nicht dem Gedächtnis einverleiben, das muß in jedem Augenblick immer wieder erlebt werden. Es kann zwar heruntergebracht werden in jene Regionen, wo wir über unsere Erkenntnis Worte machen, aber man muß sich mit seinem ganzen Menschen darum bemühen. Und deshalb ist es von mir tief erlebt, daß ich nun nur in der Lage bin, dasjenige, was mir gelingt in der geistigen Welt zu forschen, der menschlichen Sprache einzuverleiben, — und indem man es der menschlichen Sprache einverleibt, so verleibt es sich auch dem Gedächtnis ein; es gelingt mir nur, wenn ich einige Striche zeichne oder aufschreibe, so daß nicht nur der Kopf, sondern auch die ganzen anderen Organsysteme beteiligt sind. Man muß das Bedürfnis fühlen, das eine oder das andere zu Hilfe zu nehmen, denn man kommt nicht zurecht, es fluktuiert, wenn man es mit dem Kopfe fassen will. Das Wesentliche daran ist, daß ich dem Gedanken durch Striche Ausdruck verleihe und ihn so fixiere. So kann man bei mir ganze Wagenladungen von alten Notizbüchern finden, die ich nie wieder ansche. Sie sind auch nicht dazu da, sondern damit dasjenige, was ich mit Mühe aus dem Geiste herausgeholt habe, so weit gebracht werden kann, um es in Worte einzukleiden und es damit an das Gedächtnis heranzubringen. Hat man es geschrieben, hat man mit etwas anderem in seinem Organismus an der geistigen Produktion teilgenommen als bloß mit dem Kopfe, mit den Gedanken, dann ist man imstande, dasjenige, was einem entfliehen will, festzuhalten. Die übrige Organisation des Menschen ist ja zunächst unbeteiligt, unbewußt schlafender als die Kopfvorgänge, und wenn wir irgend etwas unserem Willen einverleiben, so nehmen wir jene Organe in Anspruch, die in einem solchen Zustande befindlich sind, den wir im Wachzustand als schlafend bezeichnen. Wir wachen ja eigentlich nur in unseren Gedanken, in unseren Vorstellungen, denn wie dasjenige, was wir vorstellen, als Willensentschluß hinunterdringt in unseren Organismus, um ganz zur Hand- oder zur Fingerbewegung zu werden, bleibt im gewöhnlichen Bewußtsein ganz in Finsternis getaucht. Was zwischen dem Vorgang im Gehirn bis zur Bewegung geschieht, das wird nur der Geistesforscher erkennen. Und so vertraut man eben die geistige Erkenntnis, die nicht gewöhnliches Kopfwissen ist, der ganzen menschlichen Organisation an. Dadurch, daß man sich aus dem ganzen Menschen heraus Menschenerkenntnis erwirbt, ist man imstande, diese Menschenerkenntnis, die das Vorgeburtliche und Nachtodliche dinghaft nehmen kann, in ganz anderer Weise auf das praktische Leben anzuwenden, als man ohne diese wahre Erkenntnis des Menschenwesens dazu imstande ist.
[ 18 ] Such knowledge, as I have just described it, differs, however, from the knowledge that is bound to the nervous system—which is essentially intellectual knowledge. And allow me to make a personal remark, one that is, however, entirely objective. As a researcher of the spiritual realm, when one attempts to penetrate this area—which I describe as the worlds one must pass through before birth and after death—one becomes aware: You cannot get by with the kind of thinking that otherwise serves you in life; you must develop a strengthened form of thinking that engages the whole person. — This does not make one a medium; yet such thinking must engage the whole person. Such thinking penetrates into sensation and feeling, and even demands that the person surrender to it with the full content of their will. At the same time, thinking about spiritual content is such that it cannot be incorporated into memory in the usual way, like any other kind of knowledge. Here, too, I would like to make a personal remark: You see, when a researcher of the spiritual world gives a lecture such as this one, he cannot prepare it in the same way as he would a typical scientific lecture. If he did, he would be appealing solely to memory. But what has arisen through such deep immersion cannot be incorporated into memory; it must be relived anew at every moment. It can, of course, be brought down into those realms where we express our insights in words, but one must engage one’s whole being in this endeavor. And that is why I have deeply experienced that I am now only able to incorporate into human language what I succeed in researching in the spiritual world—and by incorporating it into human language, it also becomes embedded in memory; I succeed only when I draw a few lines or write them down, so that not only the head but also all the other organ systems are involved. One must feel the need to resort to one method or another, for one cannot manage it—it fluctuates—if one tries to grasp it with the mind alone. The essential point is that I give expression to the thought through lines and thus fix it in place. That is why one can find whole cartloads of old notebooks of mine that I never look at again. They are not meant for that purpose, but rather so that what I have painstakingly extracted from my mind can be brought to the point where it can be clothed in words and thus brought within the reach of memory. Once you have written it down—once you have participated in the creative process with more than just your head and your thoughts, but with other parts of your organism—then you are able to hold on to that which threatens to slip away. The rest of the human organism is, after all, initially uninvolved—unconsciously dormant even more so than the processes of the mind—and when we incorporate anything into our will, we draw upon those organs that are in a state which, while awake, we describe as sleeping. We are, in fact, awake only in our thoughts, in our mental images; for how that which we imagine penetrates our organism as a decision of the will to become a movement of the hand or finger remains entirely shrouded in darkness in ordinary consciousness. What happens between the process in the brain and the resulting movement can only be recognized by the researcher of the spirit. And so one entrusts spiritual insight—which is not ordinary intellectual knowledge—to the entire human organism. By acquiring knowledge of the human being from within the whole person, one is able to apply this knowledge—which can grasp the pre-birth and post-death realms as concrete realities—to practical life in a completely different way than one would be able to without this true understanding of the human being.
[ 19 ] Nun wagen diejenigen, die auf dem Boden der anthroposophischen Forschung stehen, ich möchte sagen, durch eine Schicksalsfügung, die allerdings auch auf die anderen Gebiete der Menschenerziehung sich erstreckt, Pädagogik und Didaktik, Menschenerziehung ins praktische Leben einzuführen. Derjenige, der sich mit einer Menschenerkenntnis durchdringt, die hervorgeholt ist aus solcher Forschung, wie ich angeführt habe, der eignet sich einen feineren Instinkt, einen vergeistigten Instinkt an für alles dasjenige, was im Menschen sich entwickelt durch die verschiedenen Lebensalter hindurch von der Geburt bis zum Tode. Wir müssen dann nur den Mut haben, die Menschenentwickelung, deren Erkenntnis wir brauchen, auf einer höheren Stufe so anzusehen, wie wir sonst irgend etwas mit strengen wissenschaftlichen Methoden, was innerhalb der wissenschaftlichen Welt liegt, anschauen.
[ 19 ] Now those who stand on the ground of anthroposophical research—I would say, through a twist of fate that, however, also extends to the other fields of human education, namely pedagogy and didactics—dare to introduce human education into practical life. Those who imbue themselves with an understanding of the human being derived from such research as I have described acquire a more refined instinct—a spiritualized instinct—for everything that develops within the human being throughout the various stages of life, from birth to death. We need only have the courage to view human development—the understanding of which we require—on a higher level, just as we otherwise view anything within the scientific world using rigorous scientific methods.
[ 20 ] Da ergibt sich zum Beispiel Folgendes: Wir denken ja immer nach, wie eigentlich die Schicksalswirkung des Seelisch-Geistigen im Physisch-Leiblichen des Menschen sein könnte. Aber wir beachten nicht, daß wir ja für solche Fragen nicht die Methoden der Spekulation anwenden sollen, sondern auch auf solche Fragen die Methoden der Beobachtung anwenden sollen. Wenn wirkliche Menschenbeobachtung menschlich entwickelt ist, dann sehen wir — ich spreche da vom populären Gesichtspunkte —, wie in dem ersten Lebensalter des Kindes, von der Geburt bis zum Zahnwechsel, in einer wunderbaren Weise gerade die bedeutendsten Fähigkeiten des Menschen sich herauslösen aus unbestimmten Tiefen seines Wesens. Wir sehen, wie jene Dynamik sich entwickelt, durch die der Mensch sich als ein aufrecht gehendes Wesen in seinem Gleichgewicht in die Welt hineinstellt, wie die Sprache, wie das Denken herauskommt aus der Tiefe des Seelenwesens und sich körperlich auslebt. Aber das, was wir sehen, es gipfelt organisch im Zahnwechsel. Dieser hat ja das Eigentümliche an sich, daß er ein einmaliges Ereignis im menschlichen Leben ist. Es wiederholt sich nicht, was im Zahnwechsel geschieht. Gewissermaßen ein Schlußpunkt wird mit einer Summe von Kräften in die menschliche Organisation gemacht. Nur derjenige, der diese menschliche Organisation nicht kennt, kann glauben, daß der Zahnwechsel für sich allein dasteht. Nein, er steht nicht für sich da, er steht da als der äußerlich wahrnehmbare Ausdruck für das, was im ganzen menschlichen Organismus vor sich geht. Der Mensch macht etwas durch, was er im späteren Leben nicht mehr durchmachen wird, sonst würde er ja in periodischer Reihenfolge immer die Zähne wechseln. Aber derjenige, der den Menschen beobachtet, kennt diese bedeutende Verwandlung des geistig-seelischen Wesens des. Menschen in jenem Zeitabschnitt. Aber man beachtet jenen Umschwung nicht, der sich in dieser Lebensepoche des Menschen vollzieht. Sollte ich das darstellen, was die Pädagogen und Didaktiker wissen sollten, was der Menschenerkenntnis, von der ich hier sprechen will, zugrunde liegt, so würde das weit über den Rahmen eines Vortrages hinausgehen, und daher will ich bloß skizzieren.
[ 20 ] This leads, for example, to the following: We are always pondering what the effect of the soul-spiritual on the physical-bodily aspect of the human being might actually be. But we fail to realize that we should not apply the methods of speculation to such questions; rather, we should also apply the methods of observation to them. When genuine observation of human beings is developed in a truly human way, then we see—I am speaking here from a popular perspective—how, in the earliest stage of a child’s life, from birth until the teeth begin to fall out, the most significant human faculties emerge in a wondrous way from the indeterminate depths of the child’s being. We see how that dynamic develops through which the human being, as an upright creature, establishes itself in balance within the world; how language and thought emerge from the depths of the soul and find physical expression. But what we see culminates organically in the change of teeth. This event has the distinctive characteristic of being a once-in-a-lifetime occurrence in human life. What happens during the change of teeth does not repeat itself. In a sense, a full stop is placed within the human organism, bringing together a sum of forces. Only someone who is unfamiliar with this human organism could believe that the change of teeth stands alone. No, it does not stand alone; it stands as the outwardly perceptible expression of what is taking place throughout the entire human organism. A person goes through something that they will never experience again in later life; otherwise, they would keep losing and regrowing their teeth in a periodic cycle. But anyone who observes human beings is aware of this significant transformation of the human being’s spiritual and soul nature during that period of life. Yet people do not take note of the transformation that takes place during this phase of a person’s life. If I were to describe what educators and pedagogues should know—the foundation of the understanding of the human being that I wish to discuss here—it would go far beyond the scope of a lecture, and so I shall merely sketch it out.
[ 21 ] Man betrachte zum Beispiel das Gedächtnis. Betrachtet man es oberflächlich, dann sagt man sich, das Gedächtnis tritt in einer gewissen Weise auf bis zum Zahnwechsel, dann verändert es sich etwas. Aber es ist etwas anderes, das Gedächtnis vor dem Zahnwechsel und das Gedächtnis nach dem Zahnwechsel. Für solche intime Kraftäußerungen des menschlichen Wesens haben wir heute eben aus der wissenschaftlichen Gesinnung heraus nicht die richtige Beobachtungsbegabung. Für eine richtige Beobachtung zeigt sich, daß das wunderbare Gedächtnis vor dem Zahnwechsel nichts anderes, als die Vollziehung von innen heraus sich äußernder Gewohnheiten ist. Aus den Kräften, der Macht der Gewohnheit baut sich das Gedächtnis bis zum Zahnwechsel auf. Wenn es sich handelt um eine Erinnerung, die man mit einer gewohnheitsmäßigen Bewegung vergleichen kann, dann kann man sagen, daß für das Gedächtnis eine Vorstellung die andere nach sich zieht.
[ 21 ] Take memory, for example. If one considers it superficially, one might say that memory functions in a certain way until the teeth begin to fall out, and then it changes somewhat. But memory before the change of teeth is something different from memory after the change of teeth. Today, precisely because of our scientific mindset, we lack the proper observational skills for such intimate expressions of human nature. A proper observation reveals that the marvelous memory before the change of teeth is nothing other than the fulfillment of habits that manifest from within. Memory develops up to the time of the first tooth loss from the forces—the power—of habit. When it comes to a memory that can be compared to a habitual movement, one can say that, for memory, one image follows another.
[ 22 ] Kurz, dasjenige, was wir Gedächtnis nennen, macht eine Metamorphose durch, indem das Kind den Zahnwechsel um das siebente Lebensjahr passiert. Es macht eine Metamorphose durch von dem mehr physisch-leiblichen Erleben zu dem geistig-seelischen Erleben. Wer einmal einsetzt mit einer solchen Beobachtung, dem ergeben sich weitere, die ungeheuer charakteristisch sind für die weitere Menschenentwickelung. Da sieht man zum Beispiel, wenn man Beobachtungsinstinkt sich erworben hat, wenn man sich einverleibt die Erkenntnis der geistigen Forschung, daß das Kind bis zum Zahnwechsel ein nachahmendes Wesen ist. Natürlich, man darf solche Dinge nicht grob nehmen, aber das Kind ist in dem ersten Lebensabschnitt gewissermaßen ein einziges großes Sinnesorgan. Wir können das ganze Leben des Kindes im ersten Lebensabschnitt vergleichen mit einem einzigen Sinnesorgan, wir können es vergleichen mit der innerlichen Organisation des Auges. Wie das Auge aufnimmt das ÄAußereund durch Aufwendung der Willenskraft, durch das Werkzeug des Organischen innerlich aufbaut das Bild von dem, was als Eindruck auf das Organische ausgeübt wird, so ist das Kind fortwährend bestrebt, in Nachahmung, die herauskommt aus der inneren Wesenheit, das wiederzugeben, was in seiner Umgebung vorhanden ist. Das Kind ist ganz Sinnesorgan, ganz wirkendes Sinnesorgan. Weil eben das ganze Wesen des Kindes als Sinnesorgan wirkt, wird von dem Kinde nicht nur dasjenige aus seiner Umgebung nachgeahmt und innerlich durchlebt, in träumerischem Zustande, ganz unbewußt, was äußerliche Bewegung, Geste, was Sprachlaut ist, was Gedanke im Sprachlaut ist, sondern es ergibt sich immer — und das ist das Eigentümliche — von diesem Ausgangspunkte: Das nachahmende Kind beobachtet die moralische Bedeutung der Geste, die Vater und Mutter machen. Die moralische Bedeutung zum Beispiel des Gesichtsausdruckes hat ihre Gegenäußerung im Sinne des Kindes, sie gräbt sich ein in das Kind, in die physische Organisation. Bis in die Gefäße hinein organisiert sich das Kind, indem es mitfühlt, was in seiner Umgebung geschieht. Erst wenn man die Tragweite dessen ins Auge fassen wird, wird man in Wirklichkeit unterscheiden können, was ererbt ist und was in dieser Weise in der ersten kindlichen Lebensepoche nachahmend aus der Umgebung erworben wird. Dann wird man jene wunderbare Wechselwirkung sehen zwischen der Umgebung und dem Kinde, und der wirkliche, für den nüchternen Erkenner mystische Begriff der Wissenschaft von der Vererbung wird auf eine ganz andere Grundlage gestellt werden können. Da zeigt sich aber auch, welche besondere Natur der Mensch hereinbringt, indem er als geistig-seelisches Wesen durch die Geburt in das Erdendasein hereintritt mit einem Ätherleib, womit man etwas bezeichnet, was dem heutigen Vorstellungsleben ungewohnt ist. Dasjenige, was das Kind charakterisiert, ist ein leiblichreligiöses Wesen. Es ist tatsächlich so, daß das Kind mit seinem Leibe an die physische Außenwelt und deren moralischen Inhalt hingegeben ist, wie wir in der religiösen Stimmung an etwas, das sich uns als göttlich erweist, hingegeben sein können. Es ist in einer leiblich-religiösen Stimmung; weil diese Stimmung lediglich leiblich-religiös ist, hat sie natürlich nicht die Stimmung der Frömmigkeit und dergleichen Zustände in sich, die dann später zur seelischen Religiosität werden. Aber können wir die Entwickelung des Menschen verfolgen, so sehen wir, wie dasjenige, was im Leibe west bis zum Zahnwechsel, dann verändert erscheint, wie dasjenige, was in der ersten Epoche ganz im LeiblichPhysischen beschlossen ist, in Fühlens- und Willensimpulse einzieht. Und wenn wir das Kind in die Volksschule bringen, müssen wir uns klar werden: da macht das innere Leben des Kindes eine Metamorphose durch. Da wird das, was leiblich-physisches Erleben war, nach dem erwähnten Schlußpunkte, den der Zahnwechsel bildet, was in der leiblich-physischen Entwickelung aufgetreten ist, zum Teil zurückgelassen und tritt in anderer Form als Seelisch-Geistiges auf, tritt auf als Seele und Gefühl. Dasjenige, was zuerst in den Wachstumskräften war, in den plastisch gestaltenden Kräften, was als Geistig-Seelisches im Leibe gewirkt hat im Zahnwechsel, von dem löst sich ein Teil los und verwandelt sich in das freie Seelisch-Geistige nach dem Zahnwechsel. Und was wir als das Wachstum bezeichnen, was im Leibe gewirkt, stufenweise wandelt es sich um in das Geistig-Seelische. Wenn wir dies beachten und wenn wir ausgerüstet sind mit dieser Erkenntnis, dann stehen wir als Lehrer und Erzieher mit unserer ganzen Gesinnung und unserem ganzen Wissen dem zu erziehenden Kinde richtig gegenüber. Dann wissen wir, daß in diesem physisch-leiblich-sinnlichen Wesen, das für seine Umwelt in einer religiösen Hingabestimmung ist, wie in dieses hereinwächst einem LeiblichReligiösen gegenüber das geistig-seelische Wesen, das im vorirdischen Dasein da war. Versetzen wir uns einmal in die Seele eines Erziehers, der dem Kinde so gegenübersteht. Er wird sich seiner Verantwortung bewußt sein, er weiß, daß ihn die Geisteswelten heruntergeschickt haben, um ein Wesen, das er durch seine leiblichen Äußerungen zu erraten, zu enträtseln hat, zu leiten. Er wird so vor dem Wesen stehen, daß er sich in Hingabe hergibt, mitzuhelfen, daß alles dasjenige, was im Kinde mitgebracht ist aus geistigseelischen Welten, wirklich zur Erscheinung kommen kann. Und mit Ehrfurcht vor seinem Berufe wird der Erzieher vor dem Kinde stehen, da er mit jedem Monat, mit jedem Jahr sieht, daß das alles, was es sich mitgebracht hat aus der geistig-seelischen Welt, sich verwandelt zum PhysischLeiblichen. Und er wird hinschauen auf die Art und Weise, wie er auf das Kind wirken kann, und er wird gewahr werden können dasjenige, was leiblich-physisch war vor der Umwandlung, in der ersten Epoche bis zum Zahnwechsel; in der zweiten Epoche, vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife, wandelt es sich als Übergang in das Seelische, und erst mit der Geschlechtsreife wandelt es sich um in das Geistige. Der Mensch tritt uns dann so entgegen, daß, was in seiner Organisation in den ersten Kindesjahren erlebt worden ist, sich nun auslebt in seiner geistigen Erfassung der Welt: das Leiblich-Religiöse wird geistig-religiös. Jetzt merken wir den Zusammenhang, wie dasjenige, was leiblich ist, seelischgeistig wird. Jetzt spekulieren wir nicht mehr über PhysischLeibliches, über Geist und Seele, jetzt sehen wir, wie in den verschiedenen Lebensaltern in der Menschenentwickelung das eine Mal das Geistig-Seelische sich unmittelbar offenbart, das andere Mal sehen wir, wie das geistig-seelische Ewigkeitswesen im Leiblich-Physischen wirkt. Jetzt gewinnen wir Menschenanschauung auf Grundlage der Wechselwirkung zwischen Leib und Seele, auf Grund einer Menschenbeobachtung, die zur Grundlage einer richtigen Menschenerziehung wird.
[ 22 ] In short, what we call memory undergoes a metamorphosis as the child goes through the process of losing baby teeth around the age of seven. It undergoes a metamorphosis from a more physical, bodily experience to a spiritual, soul-based experience. Once one begins making such observations, further insights emerge that are immensely characteristic of human development as it proceeds. For example, once one has developed an instinct for observation and internalized the findings of spiritual research, one sees that until the change of teeth, the child is an imitative being. Of course, one must not take such things too literally, but in the first stage of life the child is, in a sense, a single, large sensory organ. We can compare the child’s entire life in this first stage to a single sensory organ; we can compare it to the inner organization of the eye. Just as the eye takes in the external world and, through the exertion of the will and by means of the organic structure, builds up internally the image of what is impressed upon it, so the child is constantly striving, through imitation arising from its inner being, to reproduce what is present in its surroundings. The child is entirely a sensory organ, an active sensory organ. Precisely because the child’s entire being functions as a sensory organ, the child not only imitates and inwardly experiences—in a dreamlike state, entirely unconsciously—what constitutes external movement, gesture, speech sounds, and the thought contained in speech sounds, but—and this is the distinctive feature—the following always arises from this starting point: The imitating child observes the moral significance of the gestures made by its father and mother. The moral significance of, for example, a facial expression finds its counterpart in the child’s consciousness; it becomes ingrained in the child, in its physical constitution. The child organizes itself right down to the level of its blood vessels by empathizing with what is happening in its surroundings. Only when we grasp the full scope of this will we truly be able to distinguish between what is inherited and what is acquired in this imitative way from the environment during the child’s earliest years. Then one will see that wonderful interaction between the environment and the child, and the true concept of the science of heredity—which is mystical to the sober observer—will be able to be placed on an entirely different foundation. But this also reveals the special nature that the human being brings with them when, as a spiritual-soul being, they enter earthly existence at birth with an etheric body—a term that refers to something unfamiliar to today’s conception of reality. What characterizes the child is a physical-religious being. It is indeed the case that the child is devoted with its body to the physical external world and its moral content, just as we, in a religious mood, can be devoted to something that reveals itself to us as divine. It is in a physical-religious mood; because this mood is purely physical-religious, it naturally does not contain the mood of piety or similar states that later develop into spiritual religiosity. But if we trace human development, we see how what existed within the body up to the change of teeth then appears transformed; how what was entirely confined to the physical-bodily realm in the first epoch begins to flow into impulses of feeling and will. And when we send the child to elementary school, we must realize that the child’s inner life undergoes a metamorphosis. At that point, what was physical-bodily experience—after the aforementioned turning point marked by the change of teeth, that which occurred in physical-bodily development—is partly left behind and emerges in a different form as soul-spiritual, appearing as soul and feeling. That which was initially present in the forces of growth—in the plastic, formative forces—and which acted as a spiritual-soul element within the body during the change of teeth: a part of this detaches itself and transforms into the free spiritual-soul element after the change of teeth. And what we call growth—that which has been at work in the body—gradually transforms into the spiritual-soul aspect. If we bear this in mind and are equipped with this insight, then as teachers and educators we will approach the child we are educating correctly, with our whole attitude and all our knowledge. Then we know that within this physical, bodily, and sensory being—who is in a state of religious devotion to their environment—the spiritual-soul being that existed in pre-earthly existence grows into this being, just as a bodily-religious being would. Let us put ourselves in the shoes of an educator who stands before the child in this way. He will be aware of his responsibility; he knows that the spiritual worlds have sent him down to guide a being whom he must discern and unravel through its physical expressions. He will stand before the child in such a way that he devotes himself to helping ensure that everything the child has brought with them from the spiritual and soul worlds can truly come to manifestation. And with reverence for his calling, the educator will stand before the child, for with every month, with every year, he sees that everything the child has brought with it from the spiritual-soul world is being transformed into the physical-bodily realm. And he will observe the ways in which he can influence the child, and he will be able to perceive what was physical before the transformation—in the first epoch, up to the change of teeth; in the second epoch, from the change of teeth to sexual maturity, it transforms as a transition into the soul, and only with sexual maturity does it transform into the spiritual. The human being then appears to us in such a way that what was experienced in his or her constitution during the early childhood years now finds expression in his or her spiritual grasp of the world: the physical-religious becomes spiritual-religious. Now we perceive the connection: how that which is physical becomes soul-spiritual. Now we no longer speculate about the physical-bodily, about spirit and soul; now we see how, in the various stages of human development, at one time the spiritual-soul aspect reveals itself directly, and at another time we see how the spiritual-soul being of eternity works within the physical-bodily. Now we gain an understanding of the human being based on the interaction between body and soul, grounded in the observation of human beings, which becomes the foundation for proper human education.
[ 23 ] Durch Schicksalsfügung hat sich die Möglichkeit ergeben, dasjenige, was sich aus solcher Beobachtung ergibt, praktisch didaktisch und pädagogisch anzuwenden in den Jahren, in denen man imstande ist, die Schicksale des Kindes zu lenken. In Stuttgart wurde durch Herrn Emil Molt die «Waldorf-Schule» als freie Volksschule gegründet, zu der später noch die unteren Klassen der Mittelschule hinzukamen. Die Leitung wurde mir übergeben. Ich konnte nun diejenigen Methoden bringen, die sich aus der geschilderten Menschenerkenntnis ergeben. Da handelt es sich darum, daß man zunächst beiseite läßt, was man sonst «Lehrziel» nennt, daß man das abliest von der Menschenentwickelung selbst.
[ 23 ] By a twist of fate, the opportunity has arisen to apply the insights gained from such observations in a practical, didactic, and pedagogical way during the years when one is able to guide a child’s development. In Stuttgart, Mr. Emil Molt founded the “Waldorf School” as an independent elementary school, to which the lower grades of the middle school were later added. The leadership was entrusted to me. I was now able to introduce the methods that arise from the understanding of human nature described above. This involves, first of all, setting aside what is otherwise called the “learning objective” and deriving it directly from human development itself.
[ 24 ] Ich habe das, was ich geschildert habe, nur skizzenhaft dargestellt, aber es nimmt sich so aus, daß man von Tag zu Tag in neuer Gestalt an dem Kind beobachten kann durch den pädagogischen Instinkt, der durch die Arbeit mit dem Kind, am Kind entsteht, daß man dadurch ablesen kann, wie das kindliche Leben verläuft; daß man ablesen kann, was man in jeder Woche, in jedem Monat zu tun hat, daß man es sich von der Wesenheit des Menschen diktieren läßt, was man als Erzieher an das Kind heranzubringen hat: zum Beispiel, daß zunächst, wenn man das Kind in die Volksschule gibt, das Kind in dieser Entwickelungsphase einen ganz selbstverständlichen Widerwillen hat gegen das unmittelbare Schreiben- und Lesenlernen. Und das kann man begreifen. Bedenken Sie, daß ja diese sonderbaren Zeichen, die wir Buchstaben nennen, durch die wir lesen und schreiben, die ja etwas dem Menschen ganz Fremdes sind, entstanden sind aus den ursprünglichen Schriftzeichen in einer langen Kulturentwickelung. Die ursprüngliche Schrift ist ja entstanden aus den Bildern und Zeichen von dem, was sie darstellte; sie war noch näher im Ausdruck dem, was sie bedeutete; da war sie noch ähnlich dem, was man unmittelbar wahrnahm. Das Kind, das zur Schule kommt und die abgeleiteten Schriftzeichen lernen soll, fühlt keine Verwandtschaft mit den seinem Empfinden fremden Zeichen. Dieses Verständnis erwacht erst mit der Geschlechtsreife und ist ein ganz anderes als das zwischen dem sechsten und achten Jahre und zwischen dem vierzehnten, fünfzehnten, sechszehnten Lebensjahre. Das Kind, weil es erst seelisch da ist, ist angewiesen auf das Bildhafte, das sich ihm so ergibt, wie die Sinneswahrnehmung und Sinnesanschauung. Erkennt man dies, dann wird man für dieses Lebensalter die richtigen Erziehungsimpulse hereinbringen; dann muß man aber zu jenen Dingen übergehen, zu denen wir übergingen in unserer Schulpraxis in unserer Schule in Stuttgart. Es handelt sich darum, das Kind zu einem malenden Zeichnen, zu einem zeichnenden Malen zu bringen. Man muß sie sich nicht nur mit dem Kopfe, den Augen betätigen lassen,sondern mit dem ganzen Menschen beschäftigen lassen, und es ist wunderbar, was herauskommt an merkwürdiger Bildhaftigkeit, was die Kinder zeichnend malend, malend zeichnend erreichen. Lenkt man das in richtiger Weise, so kann man herausentwickeln aus dem, was den Kindern nahe liegt, die Buchstaben, das Schreiben, das Lesen. Wir lassen das Lesen nach dem Schreiben lernen, weil beim Lesen der Mensch nur kopfmäßig beteiligt ist, beim Schreiben jedoch mit dem ganzen Menschen.
[ 24 ] I have only sketched out what I have described, but it appears that, day by day, one can observe the child in new ways through the pedagogical instinct that arises from working with the child and on the child, and that one can thereby discern how the child’s life unfolds; that one can discern what needs to be done each week, each month, and that one allows the essence of the human being to dictate what one, as an educator, must impart to the child: for example, that initially, when the child enters elementary school, the child in this phase of development has a completely natural aversion to learning to read and write directly. And that is understandable. Consider that these peculiar symbols we call letters—through which we read and write, and which are, after all, something entirely foreign to human beings—arose from the original written symbols over the course of a long cultural evolution. Original writing, after all, arose from the images and symbols of what it represented; it was still closer in expression to what it signified; at that time, it was still similar to what one perceived directly. The child who starts school and is expected to learn these derived written symbols feels no connection to symbols that are alien to his or her sensibilities. This understanding only awakens with sexual maturity and is quite different from that experienced between the ages of six and eight and between the ages of fourteen, fifteen, and sixteen. Because the child is only just emerging psychologically, it relies on the pictorial, which presents itself just as sensory perception and sensory observation do. Once this is recognized, one can introduce the appropriate educational impulses for this age; but then one must move on to those things to which we moved in our school practice at our school in Stuttgart. The aim is to guide the child toward drawing that is painting, and painting that is drawing. One must not only engage them with their heads and eyes, but involve their whole being, and it is wonderful to see the remarkable imagery that emerges—what the children achieve through drawing while painting and painting while drawing. If this is guided in the right way, one can develop—from what is familiar to the children—letters, writing, and reading. We have them learn to read after they have learned to write, because in reading, a person is involved only intellectually, whereas in writing, the whole person is engaged.
[ 25 ] Das ist ein Beispiel, wie wir versuchen, aus Menschenerkenntnis heraus in praktischer Pädagogik und Didaktik dasjenige zu erreichen, was Menschenerziehung erreichen soll. Derjenige, der da schaut, wie der Mensch veranlagt ist in bezug auf sein religiöses Leben, der findet auch die Möglichkeit, die sittlich-religiösen Impulse hereinzubringen. Auf diese Weise enthüllt sich dann das Folgende: Es ist merkwürdig, wie Kinder, die zwischen dem neunten und zehnten Lebensjahr stehen, im ersten Drittel des zweiten Lebensabschnittes, wie solche Kinder in diesem Lebensabschnitte etwas durchmachen. Das alles spielt sich unbewußt ab. Wir sehen, wie das Kind, indem es den Zahnwechsel überschritten hat, den Übergang findet vom nachahmenden Wesen zu demjenigen Wesen, das auf die Autorität des Erziehers und Lehrers hin sich alles aneignet. Sie werden demjenigen, der vor dreißig Jahren die «Philosophie der Freiheit» geschrieben hat, glauben, daß er nicht an Sie herantreten wird als ein Anwalt für die Autorität, aber gerade, wenn man aus jener «Philosophie der Freiheit» erkannt hat, was Freiheit bedeutet, dann kann man auch ermessen, daß es aus der Gesetzmäfßigkeit des Menschen heraus ist, daß das Kind vom Zahnwechsel an bis zum Zeitpunkt der Geschlechtsreife ein Wesen ist, das vollkommen nachahmt dasjenige, was es beim Lehrer oder Erzieher sieht. Wir sehen, daß es nicht nur durch die Sprache sich nach ihm richten will, aus seiner inneren Gesetzmäßigkeit heraus, sondern daß es nach der ganzen menschlichen Lebensäußerung sich nach ihm richten will. Wenn das Kind sich in dieses notwendige, selbstverständliche Autoritätsgefühl hereingelebt hat, sieht man, wie es zwischen dem neunten und zehnten Lebensjahr ein Art Krisis durchmacht. Alles geschieht gefühlsund empfindungsgemäß, es gibt sich nicht Rechenschaft darüber; aber das Kind kommt an den Erzieher heran und will etwas Besonderes. Und wenn wir es in Worte kleiden wollen, so meint das Kind: Bis dahin war das Schöne schön, weil der Lehrer und Erzieher es für schön gehalten hat, bis dahin war das Wahre wahr, weil der Lehrer und Erzieher es für wahr gehalten hat. — Von diesem Zeitpunkte an aber empfindet es: Wer rechtfertigt diese Autorität vor der gesamten Welt, woher hat sie das Wahre und Schöne als wahr und schön? Das Kind macht eine Krisis durch, es weiß nichts von dem, was ich hier formuliert habe, empfindet nur so etwas. Und wir müssen als Lehrer und Erzieher diesen Moment beobachten, daß das rechte Wort, wenn nötig, fort und fort gesprochen werde vom Erzieher zum Kinde. Denn es handelt sich darum: Von demjenigen, was wir da tun in diesem Krisisaugenblicke, hängt das ganze spätere Leben ab, ob es lebensfreudig und sicher ist oder ob es fremd und innerlich wie gelähmt ist.
[ 25 ] This is an example of how we try, based on an understanding of human nature, to achieve in practical pedagogy and didactics what human education is meant to achieve. Those who observe how a person is predisposed with regard to their religious life will also find the opportunity to introduce moral and religious impulses. In this way, the following becomes apparent: It is remarkable how children between the ages of nine and ten—in the first third of the second stage of life—go through certain changes during this period. All of this takes place unconsciously. We see how the child, having passed through the stage of tooth replacement, makes the transition from an imitative being to one who, under the authority of the educator and teacher, assimilates everything. You will believe the man who wrote *The Philosophy of Freedom* thirty years ago when he says that he will not approach you as an advocate for authority, but precisely when one has recognized from that *Philosophy of Freedom* what freedom means, one can also appreciate that it is inherent in human nature that, from the time of tooth replacement until the onset of puberty, the child is a being who perfectly imitates what he or she sees in the teacher or educator. We see that the child wants to model itself on the teacher not only through language—out of its inner nature—but also in every aspect of human expression. Once the child has become accustomed to this necessary, self-evident sense of authority, one can observe how it goes through a kind of crisis between the ages of nine and ten. Everything happens in accordance with feelings and sensations; the child is not consciously aware of it; but the child approaches the educator and wants something special. And if we were to put it into words, the child would say: Up to that point, beauty was beautiful because the teacher and educator considered it beautiful; up to that point, truth was true because the teacher and educator considered it true. — From this point on, however, the child senses: Who justifies this authority before the whole world? Where does it get the truth and beauty to call them true and beautiful? The child is going through a crisis; it knows nothing of what I have formulated here, but simply feels something like this. And we, as teachers and educators, must observe this moment so that the right words are spoken again and again, if necessary, by the educator to the child. For this is the crux of the matter: the child’s entire future life depends on what we do in this moment of crisis—whether it will be joyful and secure, or whether it will be alienated and inwardly paralyzed.
[ 26 ] Darauf weist uns eine solche Erziehungsmethode des Menschen, daß wir dasjenige tun müssen als Erzieher, was dem ganzen Leben frommt. Dann werden wir, wenn wir in eine solche Lebensbeobachtung eindringen, sehen, wie etwas, was im kindlichen Lebensalter richtig in das Kind hereingebracht wird, erst im späteren Leben zur Reife kommt. Ich will Ihnen hier ein Beispiel anführen. Wir kennen Menschen, welche, wenn sie älter geworden, vielleicht wenn sie schon sehr alt geworden sind und in irgendeine Gesellschaft hereinkommen, so brauchen sie gar nicht viel zu reden, sie sind etwas, was Ruhe, Frieden, was etwas Segnendes in die Gesellschaft hereinbringt. Das sind Menschen, die oftmals nur durch die Nuance der Worte, durch die Art und Weise wie sie sprechen, in großartiger Weise mit moralischen Impulsen, Gnade spendend auf ihre Mitwelt wirken können. Gibt man sich nicht zufrieden mit der Beobachtung des Lebens in kürzeren Zeiträumen, und gibt man sich die Mühe und kann man das ganze Menschenleben beobachten, dann weiß man, daß solche Menschen, die so segensbringend wirken, als Kinder das Glück hatten, zu anderen Menschen oder zu etwas, was ihnen entgegengebracht wurde, verehrend aufzuschauen. Aus dieser Verehrung zwischen dem zehnten und vierzehnten Lebensjahr entwickelt sich dasjenige, was uns zu Wohltätern macht im späteren Lebensalter, was ich, bildlich ausgedrückt, so sagen will: Keine Hand kann sich segnend erheben im späteren Lebensalter, die nicht gelernt hat im kindlichen Lebensalter, sich zum Gebet zu falten. Das soll nur bildhaft darauf hinweisen, wie eine wahre Menschenerkenntnis solches an das Kind heranbringt, daß wachse und lebe das Gefühl für das moralisch Gute, die Antipathie für das Böse, daß es wachse, wie der menschliche Leib selbst wächst. Man hat das Gefühl, wenn man scharfe Konturen in Definitionen an das Kind heranbringt, daß das so wäre, wie wenn man dem kindlichen Organismus Fesseln anlegen würde. Wir müssen dem Kinde Begriffe, Impulse geben, die wachsen können wie der Organismus, die geistig-seelisch wachsen können, die geistig in sich tragen die innere Möglichkeit, immer reicher und reicher zu werden, auf daß man später in der Erinnerung froh zurückblickt, daß das kindliche Leben aufsprießt in dem altgewordenen Menschenkörper. Durch wenige Bilder möchte ich Ihnen zeigen, wie eine wirkliche Menschenerkenntnis, die so errungen wird, wie ich es gleich zu Anfang meines Vortrages geschildert habe, auf die Pädagogik und Entwickelung des Kindes Anwendung findet. Man wird ja sehen an der Schule von Stuttgart, wie Ihnen diese wird beweisen müssen, was ich Ihnen hier geschildert habe, wie sie gewissermaßen den lebenspraktischen Beweis erbringt, der ingewissem Grade vorliegt, wenn wir in bezug auf die Ergebnisse auch bescheiden sein wollen.
[ 26 ] This method of educating human beings shows us that, as educators, we must do what is beneficial for life as a whole. Then, when we delve into such an observation of life, we will see how something that is properly instilled in a child during early childhood only comes to maturity later in life. Let me give you an example. We know people who, when they have grown older—perhaps when they have become very old—and enter a gathering, do not need to speak much at all; they are a source of calm, peace, and blessing for the group. These are people who, often simply through the nuance of their words and the way they speak, can have a profound effect on those around them, bestowing moral impulses and grace. If one does not content oneself with observing life over short periods of time, but instead makes the effort to observe the entire course of a human life, then one comes to realize that such people—who have such a blessed effect on others—had the good fortune as children to look up to other people or to something that was offered to them with reverence. From this reverence, experienced between the ages of ten and fourteen, develops what makes us benefactors in later life—which I would like to express figuratively as follows: No hand can be raised in blessing in later life that has not learned, in childhood, to fold itself in prayer. This is merely a figurative way of pointing out how a true understanding of human nature instills in the child a sense of moral goodness and an aversion to evil—so that these may grow and live, just as the human body itself grows. One gets the feeling that presenting a child with sharply defined concepts is like shackling the child’s developing organism. We must give the child concepts and impulses that can grow along with the organism, that can grow spiritually and emotionally, that carry within them the inner potential to become ever richer and richer, so that later, looking back with joy, one can see that the child’s life continues to sprout within the now-aged human body. Through a few examples, I would like to show you how a genuine understanding of human nature—achieved in the way I described at the very beginning of my lecture—applies to pedagogy and the child’s development. You will see at the school in Stuttgart—which will have to prove to you what I have described here—how it provides, so to speak, practical proof of this in life, which exists to a certain degree, even if we wish to remain modest regarding the results.
[ 27 ] Es könnte nun eingewender werden, daß nur derjenige Interesse haben kann für eine solche Menschenerkenntnis, der durchgemacht hat, was zum Hineinschauen in die geistige Welt befähigt. So ist es aber nicht. Obwohl, wer den Erkenntnisweg durchgemacht hat, der geschildert ist zum Beispiel in dem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» selbst nachprüfen kann, was die Geistesforschung sagt, so ist das zur Beurteilung nicht einmal notwendig, wie jeder, der nicht selbst Maler ist, die Schönheit eines Bildes beurteilen kann. Zwar kann allein nur der Forscher die geistige Welt schildern; diejenigen aber, die sich gesunden Menschensinn bewahrt haben, können durchaus durchschauen die Wahrheit oder Unwahrheit desjenigen, was aus der geistigen Welt erforscht wird. Deshalb darf man nicht diejenigen, die sich zu dieser Geistesforschung bekennen, als eine Sekte darstellen oder als blind schildern.
[ 27 ] One might now object that only those who have undergone the experiences that enable them to glimpse into the spiritual world can have an interest in such knowledge of human nature. But that is not the case. Although anyone who has followed the path of knowledge described, for example, in the book *How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?* can verify for themselves what spiritual research says, this is not even necessary for making a judgment—just as anyone who is not a painter themselves can still judge the beauty of a painting. It is true that only the researcher can describe the spiritual world; however, those who have retained sound common sense are perfectly capable of discerning the truth or falsehood of what is discovered through spiritual research. Therefore, one must not portray those who profess this spiritual research as a sect or describe them as blind.
[ 28 ] Das will Anthroposophie nicht sein, sie will eine Fortsetzung sein der wissenschaftlichen Forschung, die sich durch Jahrhunderte hindurch bis zur Kulmination im neunzehnten Jahrhundert entwickelt hat, in deren Entwickelung wir heute noch stehen. Nur in diesen Richtlinien kann sie zur wirklichen Menschenerkenntnis werden und dadurch zur Grundlage einer menschheitsgemäßen und der Menschenwürde gemäßen Menschenerziehung. Denn nicht aus der Erkenntnis der Welt allein kommen wir im Leben zurecht, da weder Naturwissenschaft noch Mystik den Menschen zur vollen Erkenntnis seines Menschenwesens führen können. Denn es ist mit ihr wie mit dem Atmen: sie muß eine Wechselwirkung sein, gewissermaßen ein Einatmen und Ausatmen, zwischen Welterkenntnis und Menschenerkenntnis. Solche Erkenntnis allein kann aber nur die Grundlage sein einer Erziehung, die das Geistig-Seelische bis zu seiner Umwandlung ins Physisch-Leibliche verfolgt, eine Grundlage für das, was am Zustand der menschlichen Kultur einer Umwandlung bedarf. Denn derjenige, der das heutige Leben betrachtet, wird sich sagen können: Durch äußere Umwandlung kann nicht umgewandelt werden dieser Zustand, durch sie allein kann nicht herbeigeführt werden, was wir zum Fortgange unserer Zivilisation, die bedroht ist, wünschen, sondern allein durch dasjenige, was aus dem Geiste kommt, und nur diejenigen Menschentaten, Menschenhandlungen werden sich dem sozialen Fortschritte einfügen, die vom Geiste getragen sind.
[ 28 ] Anthroposophy does not seek to be that; it seeks to be a continuation of scientific research, which has developed over the centuries, culminating in the nineteenth century, and whose development we are still part of today. Only within these guidelines can it become a true understanding of the human being and thereby the foundation for an education that is in keeping with humanity and human dignity. For we cannot navigate life based on knowledge of the world alone, since neither natural science nor mysticism can lead the human being to a full understanding of their own human nature. For it is like breathing: it must be an interaction—a kind of inhaling and exhaling, so to speak—between knowledge of the world and knowledge of the human being. Such knowledge alone, however, can be the foundation of an education that pursues the spiritual-soul aspect all the way to its transformation into the physical-bodily aspect—a foundation for what requires transformation in the state of human culture. For anyone who observes life today will be able to say to themselves: This state cannot be transformed through external change alone; what we desire for the future of our civilization—which is under threat—cannot be brought about by external change alone, but only through that which comes from the spirit; and only those human deeds and actions that are sustained by the spirit will contribute to social progress.
[ 29 ] Lassen Sie mich kurz zusammenfassen: Geist-Erkenntnis gibt dem Menschen, in Geist getaucht, die Ideen, die sein ganzes Wesen erfüllen können, die zu geisterfüllten Taten, zu geisterfüllten Handlungen und zu einem geisterfüllten sozialen, zu einem geistig in Liebe getränkten menschlichen Zusammenleben führen können. Und das ist dasjenige, was wir für die nächste Zukunft am allernotwendigsten haben werden.
[ 29 ] Let me briefly summarize: Spiritual insight gives a person, immersed in the Spirit, the ideas that can fill their entire being—ideas that can lead to spirit-filled deeds, spirit-filled actions, and a spirit-filled social life—a human coexistence steeped in love. And that is precisely what we will need most of all in the near future.
