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Appendix to the Public Lectures
GA 85

31 March 1919, St. Gallen

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Appendix to the Public Lectures, tr. SOL
  1. Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge

100. Die soziale Frage

100. The Social Question

[ 1 ] Der gestern Abend im großen Schützengartensaal gehaltene Vortrag war trotz des schlechten Wetters gut besucht und trotz der Eiskellertemperatur hielten die Zuhörer tapfer bis zum Schlusse aus. Gewiss ein Beweis, dass das Thema die Zuhörer interessierte. Der Referent, der die körperliche, geistige und seelische Not der Proletarier als Ursache bezeichnete, weshalb die Arbeitermassen allein im Sozialismus ihre Rettung erhoffen können, glaubt, dass die heutige herrschende Klasse ebenso verständnislos vor der drohenden Weltrevolution steht, wie die Diplomatie einige Monate vor dem Weltkrieg keine Ahnung hatte von den donnernden Weltereignissen, die nun bald fünf Jahre über Europa dahinrollen. Die herrschende Klasse muss den Forderungen der Massen, die seelenlos in die Fron der Arbeit gespannt sind, Gehör schenken, wenn sie das Unheil verhüten will, das der Menschheit droht. Die Dreiteilung der sozialen Frage in eine körperliche, geistige und seelische, ergebe sich aus den dreifachen Nöten, die heute das Proletariat bedrücken. Bei aller Ausscheidung dieser drei Gesichtspunkte sei deshalb die Harmonie zu einem einheitlichen Ganzen doch notwendig und kein Teil könne gesunden, wenn der andere krankt. Die Loslösung der einen Sache von der anderen ist wohl mehr eine theoretische, denn in Wirklichkeit müssen sie immer ein Ganzes bilden.

[ 1 ] The lecture held last night in the large Schützengarten Hall was well attended despite the bad weather, and despite the freezing temperatures, the audience bravely stayed until the very end. This is certainly proof that the topic interested the audience. The speaker, who identified the physical, mental, and spiritual hardship of the proletariat as the reason why the working masses can hope for salvation only through socialism, believes that today’s ruling class faces the looming world revolution with just as little understanding as the diplomatic corps, a few months before World War I, had no inkling of the thunderous world events that have now been rolling across Europe for nearly five years. The ruling class must heed the demands of the masses, who are soullessly harnessed to the drudgery of labor, if it wishes to avert the calamity threatening humanity. The division of the social question into physical, intellectual, and spiritual aspects arises from the threefold hardships that oppress the proletariat today. Despite the distinction between these three aspects, harmony into a unified whole is nevertheless necessary, and no part can be healthy while another is ailing. The separation of one aspect from another is likely more theoretical; in reality, they must always form a whole.

[ 2 ] In der Diskussion, die dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag folgte, beteiligten sich die Herren C. Wild, Schriftsteller, Dr. Iklé, Arbeitersekretär Widmer und andere. Dr. Iklé glaubte, dass der Referent zu viel mit deutschen, österreichischen und großstädtischen Beispielen exemplifizierte. Wir in der Demokratie haben denn doch ganz andere Verhältnisse, als wie sie in den soeben zusammengekrachten Monarchien zu finden waren. Dieser Ansicht traten dann Genosse Widmer und der Referent wirkungsvoll entgegen. Die übrigen Ausführungen von Dr. Iklé machten auf die Schwierigkeiten aufmerksam, die der Ausführung solcher Gedanken entgegenstehen, wie sie der Referent wohl etwas hochliegend entwickelt habe. Hösli, Postbeamter, empfahl die soziale Frage mehr mit dem religiösen Motiv der Liebe zu lösen. Er glaubt, nur auf diesem Gebiet werde sie so gelöst werden können, dass sie die Menschheit vorwärtsbringt.

[ 2 ] In the discussion that followed the lecture—which was received with great applause—Mr. C. Wild, a writer, Dr. Iklé, labor secretary Widmer, and others participated. Dr. Iklé believed that the speaker relied too heavily on examples from Germany, Austria, and large cities. After all, we in a democracy have conditions quite different from those found in the monarchies that have just collapsed. Comrade Widmer and the speaker then effectively countered this view. Dr. Iklé’s remaining remarks drew attention to the difficulties that stand in the way of implementing such ideas, which the speaker had, in his view, presented in somewhat idealistic terms. Hösli, a postal clerk, recommended addressing the social question more from the religious perspective of love. He believes that only in this way can it be resolved in a manner that advances humanity.

[ 3 ] In einem längeren Schlussworte befasste sich dann der Referent nochmals mit seiner Aufgabe und setzte sich dabei mit den verschiedenen Diskussionsrednern auseinander. Leider fehlte ihm das nötige Feuer, um die kalten Füße der Zuhörer zu erwärmen, die, wie bereits bemerkt, trotz der eisigen Kälte tapfer ausharrten, aber doch herzlich froh waren, als die interessante Versammlung ihr Ende erreichte.

[ 3 ] In a lengthy closing statement, the speaker then returned to his topic and addressed the various panelists. Unfortunately, he lacked the necessary passion to warm the cold feet of the audience, who, as already noted, bravely persevered despite the freezing cold but were nonetheless heartily glad when the interesting gathering came to an end.