Appendix to the Public Lectures
GA 85
11 April 1914, Vienna
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Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
18. Robert Hamerling als Philosoph und Reformator
18. Robert Hamerling als Philosoph und Reformator
[ 1 ] Es würde selbstverständlich weit überschreiten die engen Grenzen eines Vortrages, wenn ich sprechen wollte auch nur übersicht[sart]ig über die gesamte Persönlichkeit Hamerlings. Gerade das, was die Welt am meisten kennt von ihm, was in der Welt am meisten gewirkt hat, die Dichtung Hamerlings, soll heute [ganz] ausgeschlossen von den Betrachtungen bleiben. Dasjenige, was Hamerling, den Philosophen ausmacht – es wird sich mancher davon eine Vorstellung machen können, der gehört, gelesen oder sonst erfahren hat, was Hamerling in der letzten Schrift seines sehr tatenreichen Wirkens in seiner «Atomistik » als Kritik und Anschauung von der Erkenntnis des Menschen niedergelegt hat. Das Vorhandensein dieser Schrift rechtfertigt [es], über ihn als Philosophen zu sprechen.
[ 1 ] Es würde selbstverständlich weit überschreiten die engen Grenzen eines Vortrages, wenn ich sprechen wollte auch nur übersicht[sart]ig über die gesamte Persönlichkeit Hamerlings. Gerade das, was die Welt am meisten kennt von ihm, was in der Welt am meisten gewirkt hat, die Dichtung Hamerlings, soll heute [ganz] ausgeschlossen von den Betrachtungen bleiben. Dasjenige, was Hamerling, den Philosophen ausmacht – es wird sich mancher davon eine Vorstellung machen können, der gehört, gelesen oder sonst erfahren hat, was Hamerling in der letzten Schrift seines sehr tatenreichen Wirkens in seiner «Atomistik » als Kritik und Anschauung von der Erkenntnis des Menschen niedergelegt hat. Das Vorhandensein dieser Schrift rechtfertigt [es], über ihn als Philosophen zu sprechen.
[ 2 ] Darüber wird sich mancher unserer Freunde gewundert haben, wie ich den einsamen, immer mehr und mehr nur im stillen Heime lebenden Sänger und Denker und Dichter einen Reformator nennen kann. Allein, wenn irgendwo oben in entsprechender Höhe, umweht von der blitzenden Bergesluft, umgeben von dem wunderbarsten Ausblicke in den herrlichen Landschaften ein Haus steht, dessen Fenster man schließt und nie aufmacht und nie hinausschaut und die Luft so sein lässt, wie das wird, wenn man kein Fenster öffnet, und sagt: Ich spüre nichts von der herrlichen Alpenluft, und so weiter, [Lücke], [so ist] es deshalb nicht [weniger] wahr, dass deshalb doch Landschaft und Alpenluft vorhanden ist. Wenn eine Zeit nicht fähig ist, das Reformatorische in einer Persönlichkeit voll auf sich wirken zu lassen, so kann einen das nicht [davon] abhalten, das innerlich Bedeutende einer Persönlichkeit [nicht] aus den Augen zu verlieren. [Ich will] mit diesem Bilde andeuten, was ich meine, wenn ich von ihm als Reformator spreche.
[ 2 ] Darüber wird sich mancher unserer Freunde gewundert haben, wie ich den einsamen, immer mehr und mehr nur im stillen Heime lebenden Sänger und Denker und Dichter einen Reformator nennen kann. Allein, wenn irgendwo oben in entsprechender Höhe, umweht von der blitzenden Bergesluft, umgeben von dem wunderbarsten Ausblicke in den herrlichen Landschaften ein Haus steht, dessen Fenster man schließt und nie aufmacht und nie hinausschaut und die Luft so sein lässt, wie das wird, wenn man kein Fenster öffnet, und sagt: Ich spüre nichts von der herrlichen Alpenluft, und so weiter, [Lücke], [so ist] es deshalb nicht [weniger] wahr, dass deshalb doch Landschaft und Alpenluft vorhanden ist. Wenn eine Zeit nicht fähig ist, das Reformatorische in einer Persönlichkeit voll auf sich wirken zu lassen, so kann einen das nicht [davon] abhalten, das innerlich Bedeutende einer Persönlichkeit [nicht] aus den Augen zu verlieren. [Ich will] mit diesem Bilde andeuten, was ich meine, wenn ich von ihm als Reformator spreche.
[ 3 ] Als Philosoph ist ja Hamerling für den, der sich nicht einschnüren will in philosophischer Fachwissenschaft, [nicht nur] eine außerordentlich interessante, sondern auch bedeutungsvolle [große Lücke] [Persönlichkeit]. In der Welt geht es [nun] einmal so, wie [damals], als Goethe als Naturforscher aufgetreten ist und die Menschen sich nur das Urteil haben bilden wollen: Der hat beim Dichten zu bleiben, ist ein Dichter, wie kann er über die Natur Erkenntnis haben? – So ist es im Grunde mit Hamerling, als er die Menschen mit seiner «Atomistik» überraschte und sie mehr oder weniger laut oder still ihm entgegenhielten das Urteil: Was will der mit einer Weltanschauung?
[ 3 ] Als Philosoph ist ja Hamerling für den, der sich nicht einschnüren will in philosophischer Fachwissenschaft, [nicht nur] eine außerordentlich interessante, sondern auch bedeutungsvolle [große Lücke] [Persönlichkeit]. In der Welt geht es [nun] einmal so, wie [damals], als Goethe als Naturforscher aufgetreten ist und die Menschen sich nur das Urteil haben bilden wollen: Der hat beim Dichten zu bleiben, ist ein Dichter, wie kann er über die Natur Erkenntnis haben? – So ist es im Grunde mit Hamerling, als er die Menschen mit seiner «Atomistik» überraschte und sie mehr oder weniger laut oder still ihm entgegenhielten das Urteil: Was will der mit einer Weltanschauung?
[ 4 ] Diejenigen, die mehr auf fachmäßigem philosophischem Boden stehen, haben mit Ausnahme ganz weniger in der «Atomistik», in der ganzen Philosophie [Hamerlings] nichts weiter gesehen als das, was ein Dichter, der kein Philosoph ist, nicht sagen und nicht verfassen darf, [und] das, weil er [als] ein Dichter von vornherein verurteilt ist, die Marke des Dilettantismus zu tragen [hat]. Hier in Österreich [hat sich] ein leitender Philosoph, Knauer, mit ihm beschäftigt und [ist ihm] auch in Universitätsvorlesungen gerecht geworden nach seinem Gesichtspunkt.
[ 4 ] Diejenigen, die mehr auf fachmäßigem philosophischem Boden stehen, haben mit Ausnahme ganz weniger in der «Atomistik», in der ganzen Philosophie [Hamerlings] nichts weiter gesehen als das, was ein Dichter, der kein Philosoph ist, nicht sagen und nicht verfassen darf, [und] das, weil er [als] ein Dichter von vornherein verurteilt ist, die Marke des Dilettantismus zu tragen [hat]. Hier in Österreich [hat sich] ein leitender Philosoph, Knauer, mit ihm beschäftigt und [ist ihm] auch in Universitätsvorlesungen gerecht geworden nach seinem Gesichtspunkt.
[ 5 ] Viel [wäre] zu sprechen, wenn ich den ganzen philosophischen Impuls Hamerlings Ihnen herausentwickeln wollte aus der philosophischen [Entwickl]ung der Menschheit, und eigentlich nur dadurch [könnte man] diesem Impuls gerecht [werden]. [Darüber], wie man denen zu begegnen hat, welche ihm den Beruf [als] solcher Philosoph absprechen, weil er ein Dichter ist, hat er sich nicht ausgesprochen.
[ 5 ] Viel [wäre] zu sprechen, wenn ich den ganzen philosophischen Impuls Hamerlings Ihnen herausentwickeln wollte aus der philosophischen [Entwickl]ung der Menschheit, und eigentlich nur dadurch [könnte man] diesem Impuls gerecht [werden]. [Darüber], wie man denen zu begegnen hat, welche ihm den Beruf [als] solcher Philosoph absprechen, weil er ein Dichter ist, hat er sich nicht ausgesprochen.
[ 6 ] Und für den, der nicht abteilen will die menschliche Betätigung nach diesen oder jenen Fächern und [der] einsieht, dass es [Lücke] herausfließen muss aus dem ganzen Menschentum, dass es der Mensch ist, auf den es vor allen Dingen ankommt, [der] wird gerade das Bedeutungsvolle [über Hamerling] wissen: Was er gewollt hat. Einige Worte von ihm [seien] hier mitgeteilt, was er als Philosophie [ansieht] und [was] das ihm sein kann.
[ 6 ] Und für den, der nicht abteilen will die menschliche Betätigung nach diesen oder jenen Fächern und [der] einsieht, dass es [Lücke] herausfließen muss aus dem ganzen Menschentum, dass es der Mensch ist, auf den es vor allen Dingen ankommt, [der] wird gerade das Bedeutungsvolle [über Hamerling] wissen: Was er gewollt hat. Einige Worte von ihm [seien] hier mitgeteilt, was er als Philosophie [ansieht] und [was] das ihm sein kann.
Ich habe mich nicht plötzlich auf die Philosophie geworfen vor längerer oder kürzerer Zeit, etwa weil ich zufällig Lust dazu bekam oder weil ich mich einmal auf einem andern Gebiete versuchen wollte. Ich habe mich mit den großen Problemen der menschlichen Erkenntnis beschäftigt von meiner frühen Jugend an, infolge des natürlichen, unabweisbaren Dranges, welcher den Menschen überhaupt zur Erforschung der Wahrheit und zur Lösung der Rätsel des Daseins treibt. Ich habe in der Philosophie niemals eine spezielle Fachwissenschaft erblicken können, deren Studium man betreiben oder beiseite lassen kann, wie das der Statistik oder der Forstwissenschaft, sondern sie stets als die Erforschung desjenigen betrachtet, was jedem das Nächste, Wichtigste und Interessanteste ist.
Ich habe mich nicht plötzlich auf die Philosophie geworfen vor längerer oder kürzerer Zeit, etwa weil ich zufällig Lust dazu bekam oder weil ich mich einmal auf einem andern Gebiete versuchen wollte. Ich habe mich mit den großen Problemen der menschlichen Erkenntnis beschäftigt von meiner frühen Jugend an, infolge des natürlichen, unabweisbaren Dranges, welcher den Menschen überhaupt zur Erforschung der Wahrheit und zur Lösung der Rätsel des Daseins treibt. Ich habe in der Philosophie niemals eine spezielle Fachwissenschaft erblicken können, deren Studium man betreiben oder beiseite lassen kann, wie das der Statistik oder der Forstwissenschaft, sondern sie stets als die Erforschung desjenigen betrachtet, was jedem das Nächste, Wichtigste und Interessanteste ist.
[ 7 ] Hat man einmal fest gegründete Überzeugungen gewonnen, dann kann man es sich nicht versagen, Partei zu ergreifen. Und wie er sich nicht wollte einseitig einschnüren lassen, [sehen wir an folgendem Satz]:
[ 7 ] Hat man einmal fest gegründete Überzeugungen gewonnen, dann kann man es sich nicht versagen, Partei zu ergreifen. Und wie er sich nicht wollte einseitig einschnüren lassen, [sehen wir an folgendem Satz]:
Ich habe mich nie als «spezifischen», ausschließlichen Poeten gefühlt. Ich habe mich vor allem als Mensch gefühlt, als ganzer, voller Mensch, und da lagen mir von allen geistigen Interessen die großen Probleme des Daseins und Lebens am nächsten.
Ich habe mich nie als «spezifischen», ausschließlichen Poeten gefühlt. Ich habe mich vor allem als Mensch gefühlt, als ganzer, voller Mensch, und da lagen mir von allen geistigen Interessen die großen Probleme des Daseins und Lebens am nächsten.
[ 8 ] Zweierlei möchte ich anknüpfen an diese Worte: erstens, dass man wünschen könnte, dass möglichst viele Seelen lernten, so zu denken in dem Zusammenhang des ganzen vollen Menschentums mit dem, was Philosophie [unleserliche Stelle] Rätsel ausmacht. Das andere ist dieses, dass man sich emporranken sollte zu einer menschenwürdigen Anschauung aus der Anschauung eines Menschen, der so tief verwoben war mit all dem, was man menschliches Denken nennen kann, wie Hamerling. Denn es heißt etwas anderes, solche Empfindung zu hegen, als liebevoll sich anzuschmiegen an einen Großen, der Vorbild der Seele sein kann. [Lücke]
[ 8 ] Zweierlei möchte ich anknüpfen an diese Worte: erstens, dass man wünschen könnte, dass möglichst viele Seelen lernten, so zu denken in dem Zusammenhang des ganzen vollen Menschentums mit dem, was Philosophie [unleserliche Stelle] Rätsel ausmacht. Das andere ist dieses, dass man sich emporranken sollte zu einer menschenwürdigen Anschauung aus der Anschauung eines Menschen, der so tief verwoben war mit all dem, was man menschliches Denken nennen kann, wie Hamerling. Denn es heißt etwas anderes, solche Empfindung zu hegen, als liebevoll sich anzuschmiegen an einen Großen, der Vorbild der Seele sein kann. [Lücke]
[ 9 ] Man möchte sagen: So, wie ein Mensch im Lauf der letzten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts drinstehen musste im Gewebe, so stand er. Man steht durchaus sogar, auch wenn man gemeint hat, vorurteilslos den Dingen gegenüberzustehen, mit den Impulsen seiner Zeit auch den großen Fragen des Daseins gegenüber. Und die Art, wie eine Zeit denkt, wie sie empfindet über die großen Probleme, das lastet auf jedem einzelnen Denker. Und gerade auf dem Denker, der mit kühner Kraft sich hineinvertiefen will in die Impulse menschlicher SeelenBetätigung, ja [der] die Rätsel lösen soll, auf dem lastet am meisten das, was die Zeit geboren hat an Gedanken und Empfindungen.
[ 9 ] Man möchte sagen: So, wie ein Mensch im Lauf der letzten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts drinstehen musste im Gewebe, so stand er. Man steht durchaus sogar, auch wenn man gemeint hat, vorurteilslos den Dingen gegenüberzustehen, mit den Impulsen seiner Zeit auch den großen Fragen des Daseins gegenüber. Und die Art, wie eine Zeit denkt, wie sie empfindet über die großen Probleme, das lastet auf jedem einzelnen Denker. Und gerade auf dem Denker, der mit kühner Kraft sich hineinvertiefen will in die Impulse menschlicher SeelenBetätigung, ja [der] die Rätsel lösen soll, auf dem lastet am meisten das, was die Zeit geboren hat an Gedanken und Empfindungen.
[ 10 ] Das, was Philosophie ist, man kann von ihm erst sprechen, seit mit dem Aufgehen des griechischen Gedankenlebens der Gedanke eingezogen ist in die abendländische Kultur. Die genauere Begründung [ist]: Mit demselben [entstand eine] neue Wachheit. Alles Sprech[en] über Philosophie, dass [eine] der Griechischen voranging, wäre dilettantisch: [Die] höchste Höhe [erreichte der Gedanke] mit Plato. Aristoteles: Wodurch konnte er seine höchste Höhe mit ihm erreichen? Weil für den Griechen das Erleben des Gedankens etwas ganz anderes war als das Erleben des Gedankens in unserer Zeit. [Es] ging ja voran der Geburt des Gedankens noch durchaus die Anschauung der Welt durch Symbole, durch Bilder mehr. Aber dieses Leben in den Welträtseln in Form von Bildern hat zur Folge, dass die Seele sich noch drinnenfühlte in der Natur. Indem der Gedanken erwachte, fing die Seele an, sich abzutrennen, und fing an, einsam zu werden.
[ 10 ] Das, was Philosophie ist, man kann von ihm erst sprechen, seit mit dem Aufgehen des griechischen Gedankenlebens der Gedanke eingezogen ist in die abendländische Kultur. Die genauere Begründung [ist]: Mit demselben [entstand eine] neue Wachheit. Alles Sprech[en] über Philosophie, dass [eine] der Griechischen voranging, wäre dilettantisch: [Die] höchste Höhe [erreichte der Gedanke] mit Plato. Aristoteles: Wodurch konnte er seine höchste Höhe mit ihm erreichen? Weil für den Griechen das Erleben des Gedankens etwas ganz anderes war als das Erleben des Gedankens in unserer Zeit. [Es] ging ja voran der Geburt des Gedankens noch durchaus die Anschauung der Welt durch Symbole, durch Bilder mehr. Aber dieses Leben in den Welträtseln in Form von Bildern hat zur Folge, dass die Seele sich noch drinnenfühlte in der Natur. Indem der Gedanken erwachte, fing die Seele an, sich abzutrennen, und fing an, einsam zu werden.
[ 11 ] Für den Griechen war der Gedanke ganz etwas anderes wie für den Menschen des neunzehnten Jahrhunderts. Das war [dasjenige], was man gewöhnlich gar nicht berücksichtigt, während es von unendlicher Bedeutung ist. Wir können heute unterscheiden, [wir können] sagen: Die Rose ist rot. Ich bilde mir den Begriff der Rose, den [Begriff] erzeugen wir, [er] ist uns[er] selb[eigenes] Produkt, [die Rose], sie offenbart ihn uns nicht so [da]zu, wie die Rose ihre Röte [offenbart]. – Die äußere Geschichte weiß nichts davon, dass diese Trennung von Wahrnehmung und Begriff erst gekommen ist im Lauf der Zeit. Für Plato [war] der Begriff genauso wahrgenommen wie die Sinneswahrnehmung. Er fühlte sich anders gegenüber dem Begriff wie gegenüber der Röte. Er kann sich noch nicht so einsam fühlen mit dem Begriff wie der moderne Mensch, und der Grieche lebt in der wahrgenommenen Gedankenwelt. Ihm ver[bürgt] die Welt zugleich alles das, was in die Seele hereinkommen will als Gedanke.
[ 11 ] Für den Griechen war der Gedanke ganz etwas anderes wie für den Menschen des neunzehnten Jahrhunderts. Das war [dasjenige], was man gewöhnlich gar nicht berücksichtigt, während es von unendlicher Bedeutung ist. Wir können heute unterscheiden, [wir können] sagen: Die Rose ist rot. Ich bilde mir den Begriff der Rose, den [Begriff] erzeugen wir, [er] ist uns[er] selb[eigenes] Produkt, [die Rose], sie offenbart ihn uns nicht so [da]zu, wie die Rose ihre Röte [offenbart]. – Die äußere Geschichte weiß nichts davon, dass diese Trennung von Wahrnehmung und Begriff erst gekommen ist im Lauf der Zeit. Für Plato [war] der Begriff genauso wahrgenommen wie die Sinneswahrnehmung. Er fühlte sich anders gegenüber dem Begriff wie gegenüber der Röte. Er kann sich noch nicht so einsam fühlen mit dem Begriff wie der moderne Mensch, und der Grieche lebt in der wahrgenommenen Gedankenwelt. Ihm ver[bürgt] die Welt zugleich alles das, was in die Seele hereinkommen will als Gedanke.
[ 12 ] Nachdem das [unleserlich] begründet [ist], sehen wir [das] Ringen danach, den Gedanken immer mehr in die Seele hineinzubekommen. Wahrnehmung betrachtet man als etwas, was sich an den Dingen offenbart noch lange Zeit; den Gedanken, von ihm weiß man, dass die Seele der Selbst-Erzeuger ist. Der Gedanke ist [ein] interessantes Problem. [Das sieht man daran], wie alle Jahrhunderte bis zum achtzehnten Jahrhundert gleichsam aus den tiefsten Impulsen der Seele heraus sich die Forderung stellen müssen: Ja, wir erleben doch den Gedanken in uns; welche Berechtigung haben wir, durch den Gedanken etwas über die Rätsel der Welt zu [verstehen] suchen? [Wir] können nicht sagen, dass das, was wir denken, irgendwo gegeben ist, wir machen doch die Gedanken.
[ 12 ] Nachdem das [unleserlich] begründet [ist], sehen wir [das] Ringen danach, den Gedanken immer mehr in die Seele hineinzubekommen. Wahrnehmung betrachtet man als etwas, was sich an den Dingen offenbart noch lange Zeit; den Gedanken, von ihm weiß man, dass die Seele der Selbst-Erzeuger ist. Der Gedanke ist [ein] interessantes Problem. [Das sieht man daran], wie alle Jahrhunderte bis zum achtzehnten Jahrhundert gleichsam aus den tiefsten Impulsen der Seele heraus sich die Forderung stellen müssen: Ja, wir erleben doch den Gedanken in uns; welche Berechtigung haben wir, durch den Gedanken etwas über die Rätsel der Welt zu [verstehen] suchen? [Wir] können nicht sagen, dass das, was wir denken, irgendwo gegeben ist, wir machen doch die Gedanken.
[ 13 ] Das [ist] ein springender Punkt der neuzeitlichen Geistesentwicklung. Etwas, [was] wie ein Blitzlicht, [wie] von einem andern Bewusstsein über den Gedanken hervorleuchtet, das ist – es tritt einem anschaulich entgegen [in demjenigen], was Goethe aus Italien schreibt, wie er das Urtier und [die] Urpflanze denken muss. Er bildet den Gedanken, aber er sagt, indem er ihn konstruiert: So muss das ein inneres Gebilde sein, was fähig machen [kann zu denken] mit der Möglichkeit des Lebens. Er war an einem Punkt, wo voll bewusst in ihm lebte: Der Gedanke ist in der Seele, aber ich kann noch tiefer hineindringen, ich habe in dem, was ich mir aktiv erarbeitet habe, was ich so [v]erarbeiten kann zu einem Gedankenbild, was ich beleben kann, da[r]auf kann ich hinuntersteigen in tiefe Schächte des Seins. Ich gehe in die Untergründe der Natur hinunter und hole aus den Höhlen des Seins heraus, was sie mir nicht offenbart, was ich aber hinter der Daseinswelt empfinde. [Lücke] Er war zu sehr positiver Geist, als d[ass] er [in der Lage war], aus diesem Gedanken, in dem sich verknoten alle modernen Weltenrätsel, vollständig auszudenken [die Schlussfolgerungen] mit allen Konsequenzen.
[ 13 ] Das [ist] ein springender Punkt der neuzeitlichen Geistesentwicklung. Etwas, [was] wie ein Blitzlicht, [wie] von einem andern Bewusstsein über den Gedanken hervorleuchtet, das ist – es tritt einem anschaulich entgegen [in demjenigen], was Goethe aus Italien schreibt, wie er das Urtier und [die] Urpflanze denken muss. Er bildet den Gedanken, aber er sagt, indem er ihn konstruiert: So muss das ein inneres Gebilde sein, was fähig machen [kann zu denken] mit der Möglichkeit des Lebens. Er war an einem Punkt, wo voll bewusst in ihm lebte: Der Gedanke ist in der Seele, aber ich kann noch tiefer hineindringen, ich habe in dem, was ich mir aktiv erarbeitet habe, was ich so [v]erarbeiten kann zu einem Gedankenbild, was ich beleben kann, da[r]auf kann ich hinuntersteigen in tiefe Schächte des Seins. Ich gehe in die Untergründe der Natur hinunter und hole aus den Höhlen des Seins heraus, was sie mir nicht offenbart, was ich aber hinter der Daseinswelt empfinde. [Lücke] Er war zu sehr positiver Geist, als d[ass] er [in der Lage war], aus diesem Gedanken, in dem sich verknoten alle modernen Weltenrätsel, vollständig auszudenken [die Schlussfolgerungen] mit allen Konsequenzen.
[ 14 ] Und dann [kam] das Hegeltum dazwischen. Das Große, was das Hegeltum geleistet hat, das können viele philosophische «Homunkulusse» nicht begreifen. Es ist der Versuch, den Gedanken so in der Seele zu beleben, dass die Seele selber im Gedanken erfasst, was Zentrum, Urquell des Lebens ist: Du stehst in dem Urquell der Gedanken drinnen. – Hegel hat etwas ungeheuer Großes geleistet, indem er die ganze Reinheit des Gedankens hingestellt hat, gezeigt hat, dass man in dem lebendigen Vermengtsein mit dem Gedanken die aller-[unleserlich] Mystik hat.
[ 14 ] Und dann [kam] das Hegeltum dazwischen. Das Große, was das Hegeltum geleistet hat, das können viele philosophische «Homunkulusse» nicht begreifen. Es ist der Versuch, den Gedanken so in der Seele zu beleben, dass die Seele selber im Gedanken erfasst, was Zentrum, Urquell des Lebens ist: Du stehst in dem Urquell der Gedanken drinnen. – Hegel hat etwas ungeheuer Großes geleistet, indem er die ganze Reinheit des Gedankens hingestellt hat, gezeigt hat, dass man in dem lebendigen Vermengtsein mit dem Gedanken die aller-[unleserlich] Mystik hat.
[ 15 ] Wo steht man, wenn man Hegel gegenübersteht in der Philosophie-Entwicklungsgeschichte? Betrachten wir eine Kornhülle und nehmen wir an, wir können ganz richtig die Natur jedes einzelnen Kornes studieren, studieren sie als Nahrungsmittel-Chemiker [und] fragen uns: Was ist das Wesen des Kornes, das es geeignet macht durch dieses oder jenes, was es enthält, gute menschliche Nahrung zu sein? Studieren [wir] alles, was das Korn [durchmacht dadurch], dass [man] es von der Ähre nehmen [muss], abbringt von der Ähre, dass es übergeht in die Verwandlung als menschliche Nahrung. Nehmen wir [das] an, wir würden dadurch völlig vergessen, dass wenigstens ein Korn dieser Ähre auch dazu verwendet werden könnte, nicht gegessen zu werden, [sondern] um den eigenen Entwicklungsimpulsen zu folgen, um in ihrer Strömung zu bleiben. Beachten Sie den Unterschied, der besteht zwischen den beiden Stadien, das Korn zu fragen: Inwiefern bist du geeignet, Nahrungsmittel zu werden? –, und dann: Wie bist du am besten geeignet, neue Pflanze zu werden?
[ 15 ] Wo steht man, wenn man Hegel gegenübersteht in der Philosophie-Entwicklungsgeschichte? Betrachten wir eine Kornhülle und nehmen wir an, wir können ganz richtig die Natur jedes einzelnen Kornes studieren, studieren sie als Nahrungsmittel-Chemiker [und] fragen uns: Was ist das Wesen des Kornes, das es geeignet macht durch dieses oder jenes, was es enthält, gute menschliche Nahrung zu sein? Studieren [wir] alles, was das Korn [durchmacht dadurch], dass [man] es von der Ähre nehmen [muss], abbringt von der Ähre, dass es übergeht in die Verwandlung als menschliche Nahrung. Nehmen wir [das] an, wir würden dadurch völlig vergessen, dass wenigstens ein Korn dieser Ähre auch dazu verwendet werden könnte, nicht gegessen zu werden, [sondern] um den eigenen Entwicklungsimpulsen zu folgen, um in ihrer Strömung zu bleiben. Beachten Sie den Unterschied, der besteht zwischen den beiden Stadien, das Korn zu fragen: Inwiefern bist du geeignet, Nahrungsmittel zu werden? –, und dann: Wie bist du am besten geeignet, neue Pflanze zu werden?
[ 16 ] Diese zwei Seiten hat der menschliche Gedanke, [der] Begriff. Man kann auf den Begriff hinschauen und fragen: Wie kann man durch den Begriff Bilder schaffen von der Außenwelt?, und kann viel Geistvolles der Erkenntnistheorie aufstellen. Bildet man dies anschaulich aus, frägt man bis zum Quell des Daseins, damit behandelt man ihn wie das Korn, das Nahrungsmittel wird. In dieser Beziehung ist Hegel der Größte, der jemals da gewesen ist. Aber [er ist] nicht dazu gelangt, zu fragen: Kann der Begriff in seiner geraden Linie sich fortbewegen, hat er innere Triebkraft, kann er Keim sein? – Nein, dann hätte er antworten müssen: Dann müsste er nicht angeschaut werden, wie er Abbild sein kann, sondern wie er eingesenkt wird in die Seele und wirkt in Meditation und so weiter und so weiter.
[ 16 ] Diese zwei Seiten hat der menschliche Gedanke, [der] Begriff. Man kann auf den Begriff hinschauen und fragen: Wie kann man durch den Begriff Bilder schaffen von der Außenwelt?, und kann viel Geistvolles der Erkenntnistheorie aufstellen. Bildet man dies anschaulich aus, frägt man bis zum Quell des Daseins, damit behandelt man ihn wie das Korn, das Nahrungsmittel wird. In dieser Beziehung ist Hegel der Größte, der jemals da gewesen ist. Aber [er ist] nicht dazu gelangt, zu fragen: Kann der Begriff in seiner geraden Linie sich fortbewegen, hat er innere Triebkraft, kann er Keim sein? – Nein, dann hätte er antworten müssen: Dann müsste er nicht angeschaut werden, wie er Abbild sein kann, sondern wie er eingesenkt wird in die Seele und wirkt in Meditation und so weiter und so weiter.
[ 17 ] Da stand die Philosophie im neunzehnten Jahrhundert vor der Aufgabe, den Begriff einzupflanzen in das menschliche Gemüt, aber vor Mitteln, mit denen man das nicht konnte. Diese Aufgabe steht heute noch vor uns; Theosophie soll die Aufgabe lösen. Ihr ist die Aufgabe nicht gegeben durch Willkür, sondern [durch] Notwendigkeit. Alles in der neuern Zeit weist darauf hin. Stellen wir uns den modernen Philosophen vor. [Wir] können ihn [uns] so vorstellen, dass er sagt: Nun sehe ich, was der Begriff mir geben kann. – Man wird so moderner Philosoph, Kantianer. Oder aber ein Mensch fühlt durch die Lebendigkeit seiner Seele, dass lebt nun etwas wie Keimkraft des Gedankens, wie Lebenserweckendes der ganzen Seele. Wer das erleben will, muss ein ganzer Mensch sein, der braucht noch nicht die Sache zu lösen, aber er kann es fühlen.
[ 17 ] Da stand die Philosophie im neunzehnten Jahrhundert vor der Aufgabe, den Begriff einzupflanzen in das menschliche Gemüt, aber vor Mitteln, mit denen man das nicht konnte. Diese Aufgabe steht heute noch vor uns; Theosophie soll die Aufgabe lösen. Ihr ist die Aufgabe nicht gegeben durch Willkür, sondern [durch] Notwendigkeit. Alles in der neuern Zeit weist darauf hin. Stellen wir uns den modernen Philosophen vor. [Wir] können ihn [uns] so vorstellen, dass er sagt: Nun sehe ich, was der Begriff mir geben kann. – Man wird so moderner Philosoph, Kantianer. Oder aber ein Mensch fühlt durch die Lebendigkeit seiner Seele, dass lebt nun etwas wie Keimkraft des Gedankens, wie Lebenserweckendes der ganzen Seele. Wer das erleben will, muss ein ganzer Mensch sein, der braucht noch nicht die Sache zu lösen, aber er kann es fühlen.
[ 18 ] Wenn wir Hamerling an einem einzigen Punkt anfassen, sehen wir in ihm den Drang, im selbstbewussten Ich so den Begriff zu finden, dass der Begriff lebendig wird. Die «Atomistik» ist ein Ringen, aber weil die Zeit noch nicht reif genug war, ein Ringen, das bedeutungsvoll lehrt, aber nicht zu dem führen konnte, wo wirklich Aussicht ist. [Lücke]
[ 18 ] Wenn wir Hamerling an einem einzigen Punkt anfassen, sehen wir in ihm den Drang, im selbstbewussten Ich so den Begriff zu finden, dass der Begriff lebendig wird. Die «Atomistik» ist ein Ringen, aber weil die Zeit noch nicht reif genug war, ein Ringen, das bedeutungsvoll lehrt, aber nicht zu dem führen konnte, wo wirklich Aussicht ist. [Lücke]
[ 19 ] Konkrete Form. Gerade [die Frage] nach Lust und Leid, die Schopenhauer und Hartmann beschäftigt, die Frage, die zum Pessimismus geführt hat. Viel [Pedanterie liegt darin], wie Hartmann aufgebracht hat, dass die Lust weit geringer ist, [und sie] als Unlust anzuführen. [Ich möchte] nur darauf hinweisen, wie Hartmann sich aufgemacht hat zu überlegen: Das ist lustvoll, das ist unlustvoll, und so weiter, und so weiter. Wie einer, der Soll und Haben macht am menschlichen Dasein, addiert oder subtrahiert; Unlust gibt den Überschuss, also [ist] Pessimismus berechtigt, die Menschen müssen danach trachten, das Leben zu verlieren. Die Rechnung ist ja schwierig nachzurechnen.
[ 19 ] Konkrete Form. Gerade [die Frage] nach Lust und Leid, die Schopenhauer und Hartmann beschäftigt, die Frage, die zum Pessimismus geführt hat. Viel [Pedanterie liegt darin], wie Hartmann aufgebracht hat, dass die Lust weit geringer ist, [und sie] als Unlust anzuführen. [Ich möchte] nur darauf hinweisen, wie Hartmann sich aufgemacht hat zu überlegen: Das ist lustvoll, das ist unlustvoll, und so weiter, und so weiter. Wie einer, der Soll und Haben macht am menschlichen Dasein, addiert oder subtrahiert; Unlust gibt den Überschuss, also [ist] Pessimismus berechtigt, die Menschen müssen danach trachten, das Leben zu verlieren. Die Rechnung ist ja schwierig nachzurechnen.
[ 20 ] Hamerling hat nicht nachgerechnet, sondern gezeigt, dass so die Rechnung nicht gemacht werden kann. Das tut das menschliche Denken, aber dieses Denken reicht nicht in die Tiefen des selbstbewussten Ich herunter, und das beweist uns die Tatsache, dass die Menschen überhaupt nicht [sich] fragen in der Praxis: Bringt mir das Leben mehr Lust oder Unlust? Würde der Verstand die eigentliche Richtschnur sein, so würden die Menschen die Rechnung nicht anstellen. Die Seele ist nicht dazu geartet. Hamerling sagt: Im Leben ist etwas, was das Leben zur Lust macht; es hängt nicht davon ab, ob Lust oder Unlust überwiegt, sondern dass [eine derartige] Kraft, die Lebenslust, im Menschen ist. Er steht beglückend für das Erkennen vor der Frage: Wie steigt man herunter in das selbstbewusste Ich des Menschen, um dort mehr zu finden, als was durch das Denken erreicht werden kann?
[ 20 ] Hamerling hat nicht nachgerechnet, sondern gezeigt, dass so die Rechnung nicht gemacht werden kann. Das tut das menschliche Denken, aber dieses Denken reicht nicht in die Tiefen des selbstbewussten Ich herunter, und das beweist uns die Tatsache, dass die Menschen überhaupt nicht [sich] fragen in der Praxis: Bringt mir das Leben mehr Lust oder Unlust? Würde der Verstand die eigentliche Richtschnur sein, so würden die Menschen die Rechnung nicht anstellen. Die Seele ist nicht dazu geartet. Hamerling sagt: Im Leben ist etwas, was das Leben zur Lust macht; es hängt nicht davon ab, ob Lust oder Unlust überwiegt, sondern dass [eine derartige] Kraft, die Lebenslust, im Menschen ist. Er steht beglückend für das Erkennen vor der Frage: Wie steigt man herunter in das selbstbewusste Ich des Menschen, um dort mehr zu finden, als was durch das Denken erreicht werden kann?
[ 21 ] Das steht als unausgesprochene, unterbewusste Forderung den Menschen gegenüber, immer tiefer in die Schächte des Selbstbewusstseins zu steigen. Da lastet dann, wenn man moderner Philosoph ist, da lastet auf einem diese moderne Philosophie, und das lastet stark. Man soll in die eigenen Schächte des Selbstbewusstseins heruntersteigen, man soll da drinnen etwas finden, wo der Begriff zum Leben sich entzündet, sodass man sich eins weiß mit den Daseinsquellen der Seele selber und aller äußerer Natur. Da steht einem gegenüber: Ja, wenn da drin die Lichtwellen schwingen, dann wirken sie auf unser Ohr [und] Auge. Da drin ist etwas ganz anderes; nur dadurch, dass es auf das Auge wirkt, ist eigentlich Licht da, nur weil da drin Luftwellen an das Ohr schlagen, ist der Ton da. Ohne diese Auffassung ist die Welt finster und stumm. Das alles lastet auf den Seelen und gerade auf den besten Seelen am meisten, denn sie sehen sich in einer Welt von Ton [und] Farben und so weiter.
[ 21 ] Das steht als unausgesprochene, unterbewusste Forderung den Menschen gegenüber, immer tiefer in die Schächte des Selbstbewusstseins zu steigen. Da lastet dann, wenn man moderner Philosoph ist, da lastet auf einem diese moderne Philosophie, und das lastet stark. Man soll in die eigenen Schächte des Selbstbewusstseins heruntersteigen, man soll da drinnen etwas finden, wo der Begriff zum Leben sich entzündet, sodass man sich eins weiß mit den Daseinsquellen der Seele selber und aller äußerer Natur. Da steht einem gegenüber: Ja, wenn da drin die Lichtwellen schwingen, dann wirken sie auf unser Ohr [und] Auge. Da drin ist etwas ganz anderes; nur dadurch, dass es auf das Auge wirkt, ist eigentlich Licht da, nur weil da drin Luftwellen an das Ohr schlagen, ist der Ton da. Ohne diese Auffassung ist die Welt finster und stumm. Das alles lastet auf den Seelen und gerade auf den besten Seelen am meisten, denn sie sehen sich in einer Welt von Ton [und] Farben und so weiter.
[ 22 ] [Es ist eine] lange Geschichte, wie sich das herangebildet hat durch Jahrhunderte und herausgebildet [wurde] durch Kant, und wie [wir es für] selbstverständlich nehmen müssen, weil man ein Geist seiner Zeit ist. So stand Hamerling da, in sich den Impuls, tief hinunterzusteigen und in sich zu finden, womit man mit dem Urquell zusammenhängt; [ihm] gegenüber [aber] die moderne Naturanschauung, die sagt, dass da nur die äußere Wirkung der Sinneswelt ist … [große Lücke]
[ 22 ] [Es ist eine] lange Geschichte, wie sich das herangebildet hat durch Jahrhunderte und herausgebildet [wurde] durch Kant, und wie [wir es für] selbstverständlich nehmen müssen, weil man ein Geist seiner Zeit ist. So stand Hamerling da, in sich den Impuls, tief hinunterzusteigen und in sich zu finden, womit man mit dem Urquell zusammenhängt; [ihm] gegenüber [aber] die moderne Naturanschauung, die sagt, dass da nur die äußere Wirkung der Sinneswelt ist … [große Lücke]
[ 23 ] [Eine] bezeichnende Äußerung von Hamerling [ist die Folgende]:
[ 23 ] [Eine] bezeichnende Äußerung von Hamerling [ist die Folgende]:
Gewisse Reize erzeugen den Geruch im Geruch-Organ. Drinnen geht etwas vor, das hat nichts zu tun mit der Rose. Wie?, ruft hier einer, der Klang ist nicht da ohne Ohr,
Gewisse Reize erzeugen den Geruch im Geruch-Organ. Drinnen geht etwas vor, das hat nichts zu tun mit der Rose. Wie?, ruft hier einer, der Klang ist nicht da ohne Ohr,
[ 24 ] und so weiter und so weiter. Der Geist des neunzehnten Jahrhunderts konnte und durfte nicht anders denken, da stand man eingespannt in die Welt der Sinnesorgane, man sollte in das selbstbewusste Ich heruntersteigen, fand aber nicht [die] innere Spannkraft, wodurch man konnte hinaufsteigen. Mit einem Menschen, der nicht viel übrig hat für philosophische Fragen, mag sich das kurios ausnehmen, aber für Philosophen [ist es] wie eingesponnen in einen Satz, ohne die Möglichkeit zu haben, irgendwie hinauszukeimen und hinein[zukommen] in den Quell des Daseins.
[ 24 ] und so weiter und so weiter. Der Geist des neunzehnten Jahrhunderts konnte und durfte nicht anders denken, da stand man eingespannt in die Welt der Sinnesorgane, man sollte in das selbstbewusste Ich heruntersteigen, fand aber nicht [die] innere Spannkraft, wodurch man konnte hinaufsteigen. Mit einem Menschen, der nicht viel übrig hat für philosophische Fragen, mag sich das kurios ausnehmen, aber für Philosophen [ist es] wie eingesponnen in einen Satz, ohne die Möglichkeit zu haben, irgendwie hinauszukeimen und hinein[zukommen] in den Quell des Daseins.
[ 25 ] Natürlich, gewöhnliche Philosophen können so etwas sagen, das geht alles in [Entwickl]ung vor, und so weiter. Menschen wie Hamerling müssen ernst machen mit solchen Dingen. Und es wird auch ernst für Hamerling, so stark wirkt auf den großen Hamerling dieses Ergebnis des Denkens des neunzehnten Jahrhunderts. Schöne Worte, wie der Mensch des neunzehnten Jahrhunderts werden könnte, [sind diese]:
[ 25 ] Natürlich, gewöhnliche Philosophen können so etwas sagen, das geht alles in [Entwickl]ung vor, und so weiter. Menschen wie Hamerling müssen ernst machen mit solchen Dingen. Und es wird auch ernst für Hamerling, so stark wirkt auf den großen Hamerling dieses Ergebnis des Denkens des neunzehnten Jahrhunderts. Schöne Worte, wie der Mensch des neunzehnten Jahrhunderts werden könnte, [sind diese]:
Leuchtet dir, lieber Leser, das nicht ein und bäumt sich dein Verstand davor auf, so lies keine Zeile weiter, denn es fehlt dir die Fähigkeit, eine Tatsache unbefangen aufzunehmen und den Gedanken festzuhalten.
Leuchtet dir, lieber Leser, das nicht ein und bäumt sich dein Verstand davor auf, so lies keine Zeile weiter, denn es fehlt dir die Fähigkeit, eine Tatsache unbefangen aufzunehmen und den Gedanken festzuhalten.
[ 26 ] Es ist eine Selbstverständlichkeit geworden, dieses EingesponnenSein. [Und jede zehnte] Persönlichkeit müsste sich diese Antwort geben, wenn man glaubt, man könnte durchbrechen den Sinnesschein wie das eine, um einzudringen in die Welt der Wirklichkeit. Es sagen viele von den unterbewussten Schächten des Seelenlebens, man sollte hinunter zu dem selbstbewussten Ich, man sollte heraus aus der bloßen Verstandeserkenntnis [unleserlich], aber wenn er so davon spricht, wie die menschliche Seele einen andern Weg einschlagen solle, man hat immer eine Empfindung, wie der Chinese [im Gedicht von Chamisso], der sich umdrehte und den Schopf vorne haben wollte, [der] aber immer hinter [ihm] ist. [So] dreht sich Bergson; Verstand tut es nicht, Intuition, er versucht sie zu fangen, aber kann es nicht, und «der Zopf, der hängt ihm hinten».
[ 26 ] Es ist eine Selbstverständlichkeit geworden, dieses EingesponnenSein. [Und jede zehnte] Persönlichkeit müsste sich diese Antwort geben, wenn man glaubt, man könnte durchbrechen den Sinnesschein wie das eine, um einzudringen in die Welt der Wirklichkeit. Es sagen viele von den unterbewussten Schächten des Seelenlebens, man sollte hinunter zu dem selbstbewussten Ich, man sollte heraus aus der bloßen Verstandeserkenntnis [unleserlich], aber wenn er so davon spricht, wie die menschliche Seele einen andern Weg einschlagen solle, man hat immer eine Empfindung, wie der Chinese [im Gedicht von Chamisso], der sich umdrehte und den Schopf vorne haben wollte, [der] aber immer hinter [ihm] ist. [So] dreht sich Bergson; Verstand tut es nicht, Intuition, er versucht sie zu fangen, aber kann es nicht, und «der Zopf, der hängt ihm hinten».
[ 27 ] Es war ein Durchhauen des Knotens, wie [bei] Hamerling, als es noch keine Geisteswissenschaft gab, der Gedanke sich selbst belebte durch Meditation; da sagte er: Das Nachdenken kann uns nicht hinunterführen, sondern durch Selbstgefühl und Willen [gelangt man dahin]. Und jetzt steht er an dem springenden Punkt. Denken wir, er hätte sich gesagt: Unter dem Geblitze ist Gefühl und Wille, wir müssen herunter; [er hätte es] nicht bloß gesagt, sondern den Gedanken hinuntergetragen da[hin], wo der Wille waltet, und vom Willen erfassen lassen – was wäre geschehen? Es wäre entstanden Geisteswissenschaft, wie das Samenkorn, das eingesetzt, [eingepflanzt] ist. An vielen Punkten steht Hamerling, [man] braucht die Gedanken nur aufzunehmen, dann sind sie so, wie wir sie in die Hand des Geistes nehmen müssten und sagen: Man handhabe sie nur recht, schließe auf die Pforte, dann wird Geisteswissenschaft daraus. Er wollte gewiss nicht so verstanden werden, dass man ihm bloß nachspricht, sondern dass sich sein[e] Begriff[e] in Seelen einleben, was er unter der Last nicht herausfinden konnte, dass sie sich herausfinden in Seelen, die sich durch seine Gedanken haben anregen lassen. Er ist ein lebendiger Geist, ein Geist, der belebt ist.
[ 27 ] Es war ein Durchhauen des Knotens, wie [bei] Hamerling, als es noch keine Geisteswissenschaft gab, der Gedanke sich selbst belebte durch Meditation; da sagte er: Das Nachdenken kann uns nicht hinunterführen, sondern durch Selbstgefühl und Willen [gelangt man dahin]. Und jetzt steht er an dem springenden Punkt. Denken wir, er hätte sich gesagt: Unter dem Geblitze ist Gefühl und Wille, wir müssen herunter; [er hätte es] nicht bloß gesagt, sondern den Gedanken hinuntergetragen da[hin], wo der Wille waltet, und vom Willen erfassen lassen – was wäre geschehen? Es wäre entstanden Geisteswissenschaft, wie das Samenkorn, das eingesetzt, [eingepflanzt] ist. An vielen Punkten steht Hamerling, [man] braucht die Gedanken nur aufzunehmen, dann sind sie so, wie wir sie in die Hand des Geistes nehmen müssten und sagen: Man handhabe sie nur recht, schließe auf die Pforte, dann wird Geisteswissenschaft daraus. Er wollte gewiss nicht so verstanden werden, dass man ihm bloß nachspricht, sondern dass sich sein[e] Begriff[e] in Seelen einleben, was er unter der Last nicht herausfinden konnte, dass sie sich herausfinden in Seelen, die sich durch seine Gedanken haben anregen lassen. Er ist ein lebendiger Geist, ein Geist, der belebt ist.
[ 28 ] Als wir [1889] ihn zur letzten Ruhe bestatteten und [wussten, wie] seit Jahren sein Körper eine richtig[e] Hölle war, der so mit den Probleme[n] des Daseins rang, da hatte man bei dem Begräbnis so recht das Gefühl, wie in diesem Menschen tragisch die großen Probleme sich zu Tode gerungen haben. So musste dieses Leben sein. Man kann sich nicht vorstellen die Seele Hamerlings in dieser Inkarnation mit einem gesunden Leibe. Wie der Herold der Gedanken in diesem Geiste lebte, so kann man ihn sich vorstellen. Wird man ihn so vorstellen, dass er mit den Gedanken, wie sie in ihm «revolutionierten», [wie sie] hinausgetreten waren in die Welt, so müsste man sich eine andre Vorstellung dazu bilden: Die Welt würde von allen Seiten gekommen sein und die Fenster zugemacht, nicht aufgemacht, und ihn so krank gemacht [haben], wie er war. Dass das notwendig war, hat er erkannt vor der Inkarnation, darum hatte er sich einen kranken Körper gewählt, dass er nicht hinaus[zu]treten brauchte. Doch er dachte, wie die andern eben nicht denken. Es hat es die Weltanschauung des neunzehnten Jahrhunderts dazu gebracht, den Monismus herauszubilden, dessen Oberhaupt Haeckel und Feldmarschall Ostwald [waren], jenen monistischen Materialismus, der, gleichgültig, ob er die Anschauung wie Huxleys, oder [Bilder], oder alles, was in die Sinneswelt hinausgeht, ablehnt. Er stellt hin den Menschen wie ein Gebilde, das nur als Seele das Ergebnis ist des Physisch-Leiblichen, und was dieses hervorbringt, ist Seele, so, wie wenn man eine Flamme angezündet hat, das Brennmaterial, das die Flamme hervorbringt, [Rauch erzeugt], so flimmert Leben und Bewusstsein aus der Oberfläche; und diese Anschauung ist nur eine Abstraktion.
[ 28 ] Als wir [1889] ihn zur letzten Ruhe bestatteten und [wussten, wie] seit Jahren sein Körper eine richtig[e] Hölle war, der so mit den Probleme[n] des Daseins rang, da hatte man bei dem Begräbnis so recht das Gefühl, wie in diesem Menschen tragisch die großen Probleme sich zu Tode gerungen haben. So musste dieses Leben sein. Man kann sich nicht vorstellen die Seele Hamerlings in dieser Inkarnation mit einem gesunden Leibe. Wie der Herold der Gedanken in diesem Geiste lebte, so kann man ihn sich vorstellen. Wird man ihn so vorstellen, dass er mit den Gedanken, wie sie in ihm «revolutionierten», [wie sie] hinausgetreten waren in die Welt, so müsste man sich eine andre Vorstellung dazu bilden: Die Welt würde von allen Seiten gekommen sein und die Fenster zugemacht, nicht aufgemacht, und ihn so krank gemacht [haben], wie er war. Dass das notwendig war, hat er erkannt vor der Inkarnation, darum hatte er sich einen kranken Körper gewählt, dass er nicht hinaus[zu]treten brauchte. Doch er dachte, wie die andern eben nicht denken. Es hat es die Weltanschauung des neunzehnten Jahrhunderts dazu gebracht, den Monismus herauszubilden, dessen Oberhaupt Haeckel und Feldmarschall Ostwald [waren], jenen monistischen Materialismus, der, gleichgültig, ob er die Anschauung wie Huxleys, oder [Bilder], oder alles, was in die Sinneswelt hinausgeht, ablehnt. Er stellt hin den Menschen wie ein Gebilde, das nur als Seele das Ergebnis ist des Physisch-Leiblichen, und was dieses hervorbringt, ist Seele, so, wie wenn man eine Flamme angezündet hat, das Brennmaterial, das die Flamme hervorbringt, [Rauch erzeugt], so flimmert Leben und Bewusstsein aus der Oberfläche; und diese Anschauung ist nur eine Abstraktion.
[ 29 ] Dasjenige, was an Wissen [da ist], ist alles ganz wahr, aber es ist so wahr, wie eben ein kleiner Teil der Wahrheit wahr ist. Es ist wahr, dass die Wirkungen, die sie untersuchen, da sind, aber diese Wirkungen werden selber erst von dem Seelischen hervorgebracht; das Seelische ist umfassender. Ist das alles Wirklichkeit? – Nein, es ist eine äußerste Abstraktion, ein Teil der Wirklichkeit. Der Mensch, der gedacht wird durch Haeckel und Ostwald, der existiert nicht, sondern der Mensch, der macht sich das zurecht und hält es zwischen Geburt und Tod fest. Und in den mineralischen Daseins-Seiten, da pulsiert das SeelischGeistige des Menschen. Die Weltanschauung wird g[e]rade auf das ganz Reale gehen und stellt eine bloße Abstraktion hin, bloßen Phantasieglauben; dass er so ringen musste, das erzeugte in ihm das Gefühl von dieser Abstraktion, von diesem Teil vom Teil des Menschen, den die Philosophen eine Wirklichkeit nennen.
[ 29 ] Dasjenige, was an Wissen [da ist], ist alles ganz wahr, aber es ist so wahr, wie eben ein kleiner Teil der Wahrheit wahr ist. Es ist wahr, dass die Wirkungen, die sie untersuchen, da sind, aber diese Wirkungen werden selber erst von dem Seelischen hervorgebracht; das Seelische ist umfassender. Ist das alles Wirklichkeit? – Nein, es ist eine äußerste Abstraktion, ein Teil der Wirklichkeit. Der Mensch, der gedacht wird durch Haeckel und Ostwald, der existiert nicht, sondern der Mensch, der macht sich das zurecht und hält es zwischen Geburt und Tod fest. Und in den mineralischen Daseins-Seiten, da pulsiert das SeelischGeistige des Menschen. Die Weltanschauung wird g[e]rade auf das ganz Reale gehen und stellt eine bloße Abstraktion hin, bloßen Phantasieglauben; dass er so ringen musste, das erzeugte in ihm das Gefühl von dieser Abstraktion, von diesem Teil vom Teil des Menschen, den die Philosophen eine Wirklichkeit nennen.
[ 30 ] Aber der Dichter blieb dabei nicht stehen, er wurde durchglüht von einem reformatorischen Impuls. Folgender Gedanke in seiner Seele pulste in ihm wie ein Gefühl, wie eine Empfindung: Der Mensch kann so töricht sein, dass er von seiner gesamten Wesenheit nur einen Teil sieht, und kann theoretisch sich das Hirngespinst [von] einem bloßen materiellen Menschen hinstellen. Damit zeigt sich nichts anderes, als dass ein solcher Mensch, der meint, besonders aufgeklärt zu sein, nur ein kleines Stück des Menschen sieht. Aber er hat etwas, so zu seinem Hirngespinst sich in einer gewissen Weise zu verhalten, und er braucht nicht dabei zu bleiben, sondern kann das in seinem Gefühlsimpuls aufnehmen, nicht bloß vorstellen: Ich bin ein Gliederbau –, sondern sich so benehmen, als wenn nur mechanische Kräfte in ihm wirken. Der Mensch hat die Freiheit, das auch auszuführen. Und er schaute auf die modernen Menschen mit ihren Typen hin. Es ist zwar wahr, es sind nicht bloß die Gliederpuppen, es ist noch etwas dahinter, aber der moderne Mensch lebt so, als wenn nur mechanische Kräfte ihn dirigierten, und er lebt das dar, er ist ein Homunkulus.
[ 30 ] Aber der Dichter blieb dabei nicht stehen, er wurde durchglüht von einem reformatorischen Impuls. Folgender Gedanke in seiner Seele pulste in ihm wie ein Gefühl, wie eine Empfindung: Der Mensch kann so töricht sein, dass er von seiner gesamten Wesenheit nur einen Teil sieht, und kann theoretisch sich das Hirngespinst [von] einem bloßen materiellen Menschen hinstellen. Damit zeigt sich nichts anderes, als dass ein solcher Mensch, der meint, besonders aufgeklärt zu sein, nur ein kleines Stück des Menschen sieht. Aber er hat etwas, so zu seinem Hirngespinst sich in einer gewissen Weise zu verhalten, und er braucht nicht dabei zu bleiben, sondern kann das in seinem Gefühlsimpuls aufnehmen, nicht bloß vorstellen: Ich bin ein Gliederbau –, sondern sich so benehmen, als wenn nur mechanische Kräfte in ihm wirken. Der Mensch hat die Freiheit, das auch auszuführen. Und er schaute auf die modernen Menschen mit ihren Typen hin. Es ist zwar wahr, es sind nicht bloß die Gliederpuppen, es ist noch etwas dahinter, aber der moderne Mensch lebt so, als wenn nur mechanische Kräfte ihn dirigierten, und er lebt das dar, er ist ein Homunkulus.
[ 31 ] Er – [Hamerling] – stellt sich vor, dass wirklich die moderne Menschenbildung so wird, dass er absieht von dem, was er in Wirklichkeit ist, dass er zu seinen Impulsen das macht, von dem sie glauben, was er ist. So entstand die «Homunkulus»-Idee, die zeitgemäße Idee, [und] hält dem modernen Menschen sein Spiegelbild vor: Du hast es ja schon dahin gebracht, auszuleben das materialistische Ideal.
[ 31 ] Er – [Hamerling] – stellt sich vor, dass wirklich die moderne Menschenbildung so wird, dass er absieht von dem, was er in Wirklichkeit ist, dass er zu seinen Impulsen das macht, von dem sie glauben, was er ist. So entstand die «Homunkulus»-Idee, die zeitgemäße Idee, [und] hält dem modernen Menschen sein Spiegelbild vor: Du hast es ja schon dahin gebracht, auszuleben das materialistische Ideal.
[ 32 ] Wohin führt dieses Ideal? Nun, es führte zur Gestalt des «Homunkulus» [in Hamerlings satirischem Versepos]. [Dieser] darf nicht aus dem Verborg[e]nen mit den geistig verbundenen Kräften hervorgegangen sein, [sondern] nach Gesetzen, die der moderne Materialismus spannt: dass er ausgestalten würde, was er sich eingebildet, was der Mensch ist. Ein ganzer Mensch ist es nicht, aber er springt aus der Retorte heraus. Sein[e] erste Tätigkeit ist, dass er zu einem Buch greift und es rezensiert, und zu dieser Eigenschaft bringt er es doch; er ist gleich nervös, er ist nur ein halber und muss halt noch einmal in die Retorte zurück, zum Menschen-Keim gemacht werden, der wohl eine Mutter hat, aber keinen Vater. Er ist halb künstlich gezeugt. Er ist das, was entstehen müsste, wenn das hinausträte in die Welt, wovon sie sich einbilden, es sei der Mensch. Man sieht es nicht, dieser Mensch ist ganz besonders geeignet, die moderne Kultur zu begründen. Er beginnt damit, Gedichte zu machen, Gescheites lernen kann er nicht. Er findet keinen Verleger, aber erobert sich einen, der die Gedichte absetzt, und da er alle möglichen Verbindungen angeknüpft hat, werden sie gut kritisiert. Wenn er die Gedichte verkauft, soll er die Tochter [des Verlegers] bekommen. Aber der Verleger gibt die Tochter einem andern Zeitung[s]redakteur.
[ 32 ] Wohin führt dieses Ideal? Nun, es führte zur Gestalt des «Homunkulus» [in Hamerlings satirischem Versepos]. [Dieser] darf nicht aus dem Verborg[e]nen mit den geistig verbundenen Kräften hervorgegangen sein, [sondern] nach Gesetzen, die der moderne Materialismus spannt: dass er ausgestalten würde, was er sich eingebildet, was der Mensch ist. Ein ganzer Mensch ist es nicht, aber er springt aus der Retorte heraus. Sein[e] erste Tätigkeit ist, dass er zu einem Buch greift und es rezensiert, und zu dieser Eigenschaft bringt er es doch; er ist gleich nervös, er ist nur ein halber und muss halt noch einmal in die Retorte zurück, zum Menschen-Keim gemacht werden, der wohl eine Mutter hat, aber keinen Vater. Er ist halb künstlich gezeugt. Er ist das, was entstehen müsste, wenn das hinausträte in die Welt, wovon sie sich einbilden, es sei der Mensch. Man sieht es nicht, dieser Mensch ist ganz besonders geeignet, die moderne Kultur zu begründen. Er beginnt damit, Gedichte zu machen, Gescheites lernen kann er nicht. Er findet keinen Verleger, aber erobert sich einen, der die Gedichte absetzt, und da er alle möglichen Verbindungen angeknüpft hat, werden sie gut kritisiert. Wenn er die Gedichte verkauft, soll er die Tochter [des Verlegers] bekommen. Aber der Verleger gibt die Tochter einem andern Zeitung[s]redakteur.
[ 33 ] Wenn ein Reformator der ist, der Zukunftsgedanken gibt, der gründet eine Zeitung, wie sie jetzt wirklich gegründet worden sind. Hamerling konnte nicht mit physischen Augen voraussehen, wie sich Zeitungen heute gründen. Ein Berliner Zeitungsgründer hat wohl nicht g[e]rade Modell gesessen, aber er war die Kopie dazu. Er geht darüber hinaus; er hat nicht nur die Kräfte, sondern die Konsequenz, das in Wirklichkeit zu übersetzen, wovor sich die andern genieren, wozu sich die Homunkulusse, will sagen Monisten, nicht verstehen können.
[ 33 ] Wenn ein Reformator der ist, der Zukunftsgedanken gibt, der gründet eine Zeitung, wie sie jetzt wirklich gegründet worden sind. Hamerling konnte nicht mit physischen Augen voraussehen, wie sich Zeitungen heute gründen. Ein Berliner Zeitungsgründer hat wohl nicht g[e]rade Modell gesessen, aber er war die Kopie dazu. Er geht darüber hinaus; er hat nicht nur die Kräfte, sondern die Konsequenz, das in Wirklichkeit zu übersetzen, wovor sich die andern genieren, wozu sich die Homunkulusse, will sagen Monisten, nicht verstehen können.
[ 34 ] [Homunkulus] lässt alle Affen suchen und sie zu Menschen heranziehen. Die Affen tun es allen Menschen voran, wunderbar geht das alles, sie gefallen sogar den konservativ gebliebenen Menschen-Frauen, kleiden sich g[e]rade so wie die modernen Menschenfrauen, und man erlebt, dass es endlich dahin kommt, dass die Menschheit von den Affen so ausgesehen hat: Das sind ja nur Menschen. Früher hat man gesagt «bestialisch», jetzt klingt es «humanisch» [bei denen], die ihn äffen. Er zieht die Konsequenz des modernen Homunkeltums, [des] Monismus. In ihm leben die [kräftigsten] und [gesündesten] Gedanken der modernen Zeit, und warum sollte er nicht Pessimist werden? Er stürzt sich in den Rhein, findet seine seelenlose Gattin, es bildet sich das Paar heraus, das sich auf [eine] ferne Insel zurückzieht, da es mit dem Affentum nicht gegangen, wo alles Mögliche fruchtet und kraftet – Eldorado. Es geht da zu, [wie] wenn die letzten Konsequenzen gezogen würden aus den modernen [Lücke]. Es ist vielleicht das Einzige nur nicht gesagt in Bezug auf das Partei[en]-Getriebe, dass es nicht mehr geht, [dass] nach Paragraf 14 regiert wurde; das war kein[e] Prophetie, sondern Wirklichkeit.
[ 34 ] [Homunkulus] lässt alle Affen suchen und sie zu Menschen heranziehen. Die Affen tun es allen Menschen voran, wunderbar geht das alles, sie gefallen sogar den konservativ gebliebenen Menschen-Frauen, kleiden sich g[e]rade so wie die modernen Menschenfrauen, und man erlebt, dass es endlich dahin kommt, dass die Menschheit von den Affen so ausgesehen hat: Das sind ja nur Menschen. Früher hat man gesagt «bestialisch», jetzt klingt es «humanisch» [bei denen], die ihn äffen. Er zieht die Konsequenz des modernen Homunkeltums, [des] Monismus. In ihm leben die [kräftigsten] und [gesündesten] Gedanken der modernen Zeit, und warum sollte er nicht Pessimist werden? Er stürzt sich in den Rhein, findet seine seelenlose Gattin, es bildet sich das Paar heraus, das sich auf [eine] ferne Insel zurückzieht, da es mit dem Affentum nicht gegangen, wo alles Mögliche fruchtet und kraftet – Eldorado. Es geht da zu, [wie] wenn die letzten Konsequenzen gezogen würden aus den modernen [Lücke]. Es ist vielleicht das Einzige nur nicht gesagt in Bezug auf das Partei[en]-Getriebe, dass es nicht mehr geht, [dass] nach Paragraf 14 regiert wurde; das war kein[e] Prophetie, sondern Wirklichkeit.
[ 35 ] Die kühnsten Ideale des lenkbaren Luftschiffes, das hinausfährt über die irdischen Sphären, [dieses] wird vom Blitz durchschlagen, als Wrack geht es hinunter – [ein] bedeutsamer Schluss. Der Mensch, der in sich nur fühlen kann die Wirkung mechanischer Kräfte, gehört zum physisch-mechanischen Kosmos und kann selber in das Mechanische übergehen, es kann nicht stillstehen, es fährt immer weiter.
[ 35 ] Die kühnsten Ideale des lenkbaren Luftschiffes, das hinausfährt über die irdischen Sphären, [dieses] wird vom Blitz durchschlagen, als Wrack geht es hinunter – [ein] bedeutsamer Schluss. Der Mensch, der in sich nur fühlen kann die Wirkung mechanischer Kräfte, gehört zum physisch-mechanischen Kosmos und kann selber in das Mechanische übergehen, es kann nicht stillstehen, es fährt immer weiter.
[ 36 ] Man sieht es, wo die Kultur der Menschheit zeigt grandiose Ideen, reformatorische Ideen, wenn sich auch niemand hat dadurch reformieren lassen, denn Kant hat einmal gesagt: Gebt mir Materie, und ich will euch eine Welt aufbauen! – Wer selber ein bisschen nach der Geisteswissenschaft die Welt durchschaut, der weiß, man hätte ihm da Materie geben können, diese Welt hatte er sich geschaffen. [Zum Beispiel beim Bild vom] Herrscher mit zwei Uhren, die gleich gehen sollten. Da ist er darauf gekommen, dass die Dauer der Welt nicht so leicht zusammenzustellen ist [Lücke]. Gebt den Monisten einmal all das, was sie sich ausdenken können als das Wesen des Menschen, sie würden glauben, Menschen zu machen. Affen schüfen [sie] vielleicht, aber Menschen sicher nicht. [Man möchte ausrufen:] Was wärest du, oh Mensch, wenn du das wärst, was das moderne Homunkeltum aus dir machen möchte!
[ 36 ] Man sieht es, wo die Kultur der Menschheit zeigt grandiose Ideen, reformatorische Ideen, wenn sich auch niemand hat dadurch reformieren lassen, denn Kant hat einmal gesagt: Gebt mir Materie, und ich will euch eine Welt aufbauen! – Wer selber ein bisschen nach der Geisteswissenschaft die Welt durchschaut, der weiß, man hätte ihm da Materie geben können, diese Welt hatte er sich geschaffen. [Zum Beispiel beim Bild vom] Herrscher mit zwei Uhren, die gleich gehen sollten. Da ist er darauf gekommen, dass die Dauer der Welt nicht so leicht zusammenzustellen ist [Lücke]. Gebt den Monisten einmal all das, was sie sich ausdenken können als das Wesen des Menschen, sie würden glauben, Menschen zu machen. Affen schüfen [sie] vielleicht, aber Menschen sicher nicht. [Man möchte ausrufen:] Was wärest du, oh Mensch, wenn du das wärst, was das moderne Homunkeltum aus dir machen möchte!
[ 37 ] Tief bedeutsam eingreifend möchte sich die Menschheit einmal erraffen, die Konsequenzen zu ziehen, nicht [sich] genieren, furchtsam zurückziehen, dann würde vor den modernen Monisten immerdar stehen ein Bild, ganz ähnlich dem Homunkel, dann würde in ihm das Schamgefühl entstehen daraus, solch ein Mensch zu sein. Und dann würde er merken, dass er kein Homunkel zu sein braucht, sondern [dass er] noch etwas anderes ist, als die moderne Phantasie aus ihm macht. Hamerlings Homunkulus bedeutet ein Stück Selbsterkenntnis der modernen Menschheit. Anfangserfolg [hat Hamerling damit] gehabt; ob viele Homunkeln kuriert worden sind, weiß man nicht. Er hat reformiert, wie man gewöhnlich meint, aber [er ist zudem der], der Kräfte in die Seele gelegt hat, die nur herbeigeholt werden brauchten, [um eine CharakterWeiterentwicklung zu bringen]. Welches ist das Schicksal derer, welche [der] Reformator … [Lücke]. Er war Reformator in einer Zeit, in welcher die Menschen keine Zeit hatten zum Reformieren; das macht [man an] einem selbst, nicht [an einem] anderen.
[ 37 ] Tief bedeutsam eingreifend möchte sich die Menschheit einmal erraffen, die Konsequenzen zu ziehen, nicht [sich] genieren, furchtsam zurückziehen, dann würde vor den modernen Monisten immerdar stehen ein Bild, ganz ähnlich dem Homunkel, dann würde in ihm das Schamgefühl entstehen daraus, solch ein Mensch zu sein. Und dann würde er merken, dass er kein Homunkel zu sein braucht, sondern [dass er] noch etwas anderes ist, als die moderne Phantasie aus ihm macht. Hamerlings Homunkulus bedeutet ein Stück Selbsterkenntnis der modernen Menschheit. Anfangserfolg [hat Hamerling damit] gehabt; ob viele Homunkeln kuriert worden sind, weiß man nicht. Er hat reformiert, wie man gewöhnlich meint, aber [er ist zudem der], der Kräfte in die Seele gelegt hat, die nur herbeigeholt werden brauchten, [um eine CharakterWeiterentwicklung zu bringen]. Welches ist das Schicksal derer, welche [der] Reformator … [Lücke]. Er war Reformator in einer Zeit, in welcher die Menschen keine Zeit hatten zum Reformieren; das macht [man an] einem selbst, nicht [an einem] anderen.
[ 38 ] Erkenne dich selbst! – Hamerling hat den Spruch treulich befolgt –, du typischer Mensch der modernen Zeit! Man braucht kein Sonntagskind zu sein, um das Homunkelschiff zu sehen, aber wenn [man es] gesehen [hat], erzeugt es den Willen, überwunden zu werden; nur die Augen nicht verschließen vor dem Homunkeltum! Immer wiederum soll die Selbsterkenntnis vom modernen Menschen geübt auch werden, um es in den kleinsten [Verschwebungen] zu erkennen und aufzusuchen. [Es] kommt darauf an, aus der Fülle der Menschennatur heraus etwas von dem Menschenwissen durch Geisteswissenschaft und auf eine Weise … [Lücke] überwindet. Man kann glauben, der Mensch [sei] zusammengesetzt aus physischen und chemischen Kräften, die wirken an ihm, man stellt ihn [so dar] mit aller Dekadenz der Moderne [Lücke?], aber auch [in der Geisteswissenschaft kann man das] auf folgende Weise: Was ist [der] Mensch? – Der besteht aus Physisch-Materiellem, Leben und so weiter, und so weiter, [bis zu] Atman. – Es wirkt zusammen wie so eine Begriffsklauberei, und [man] kann damit einen spirituellen Homunkulus fabrizieren. Hamerling hat den Homunkulus beschrieben, aber viele Theosophen tun es auch. Und … [Lücke] was in seinen Schriften pulsiert, sehr reformatorisch wirkt, möge [dadurch] in Österreich immer mehr Verständnis für ihn entstehen, möge es dahin kommen, dass hier die Fenster aufgemacht [werden und] dass hereingelassen wird die frische Alpenluft. Die gute Luft und weite Perspektiven sind auch geistig vorhanden; es weisen [dar]auf Hamerlings Schriften und [seine] weiten Geistes[perspektiven].
[ 38 ] Erkenne dich selbst! – Hamerling hat den Spruch treulich befolgt –, du typischer Mensch der modernen Zeit! Man braucht kein Sonntagskind zu sein, um das Homunkelschiff zu sehen, aber wenn [man es] gesehen [hat], erzeugt es den Willen, überwunden zu werden; nur die Augen nicht verschließen vor dem Homunkeltum! Immer wiederum soll die Selbsterkenntnis vom modernen Menschen geübt auch werden, um es in den kleinsten [Verschwebungen] zu erkennen und aufzusuchen. [Es] kommt darauf an, aus der Fülle der Menschennatur heraus etwas von dem Menschenwissen durch Geisteswissenschaft und auf eine Weise … [Lücke] überwindet. Man kann glauben, der Mensch [sei] zusammengesetzt aus physischen und chemischen Kräften, die wirken an ihm, man stellt ihn [so dar] mit aller Dekadenz der Moderne [Lücke?], aber auch [in der Geisteswissenschaft kann man das] auf folgende Weise: Was ist [der] Mensch? – Der besteht aus Physisch-Materiellem, Leben und so weiter, und so weiter, [bis zu] Atman. – Es wirkt zusammen wie so eine Begriffsklauberei, und [man] kann damit einen spirituellen Homunkulus fabrizieren. Hamerling hat den Homunkulus beschrieben, aber viele Theosophen tun es auch. Und … [Lücke] was in seinen Schriften pulsiert, sehr reformatorisch wirkt, möge [dadurch] in Österreich immer mehr Verständnis für ihn entstehen, möge es dahin kommen, dass hier die Fenster aufgemacht [werden und] dass hereingelassen wird die frische Alpenluft. Die gute Luft und weite Perspektiven sind auch geistig vorhanden; es weisen [dar]auf Hamerlings Schriften und [seine] weiten Geistes[perspektiven].
