Appendix to the Public Lectures
GA 85
25 January 1919, Dornach
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Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
27. Zur Klassischen Walpurgisnacht – Ansprache zur Eurythmie I
27. Zur Klassischen Walpurgisnacht – Ansprache zur Eurythmie I
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Bevor wir mit der Aufführung beginnen, möchte ich mir erlauben, alle die verehrten Gäste, die heute erschienen sind, auf das Herzlichste willkommen zu heißen. Es ist uns eine besondere Freude, dass Sie diesem außerordentlich bedeutsamen Stück Goethe’schen Schaffens, das wir heute zur Darstellung bringen wollen in unserer Schreinerei hier, Ihre Aufmerksamkeit zuwenden wollen. Ich werde mir nur gestatten, ein paar Worte dieser Aufführung und ihren Absichten voranzuschicken. Man darf sagen, dass die Szene, die wir hier zur Aufführung bringen, wirklich ganz tief hineinschauen lässt auf der einen Seite in die bedeutungsvollsten inneren Kräfte der Goethe-Seele, in die Goethe’sche Weltanschauung, auf der anderen Seite hineinschauen lässt in das Wesen der höheren künstlerischen Entwicklung des Menschen überhaupt. Man darf sagen, dass, trotzdem diese Partie des Goethe’schen «Faust» von denen, die wir hier darstellen, eine Szene ist, die wenig bis heute noch gewürdigt ist, dass sie doch das Allerbezeichnendste für Goethes und für das neuere künstlerische und Erkenntnisschaffen überhaupt darstellt. Wir fühlen uns, indem wir hier unsere anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft treiben, tatsächlich ganz besonders vereinigt mit dieser Goethe’schen Weltanschauung, mit diesem Goetheanismus. Und diese Vereinigung, dieses Übereinstimmen mit der Goethe’schen Weltanschauung neuerer Zeiten aufgrund der Goethe’schen Weltanschauung soll ja dadurch zum Ausdruck kommen, dass jetzt unsere Freie Hochschule für Geisteswissenschaft, die wir hier errichten wollen, auch «Goetheanum» genannt wird. Dasjenige, was vor allen Dingen auffällt bei einem solchen Stück Goethe’schen Schaffens, das ist, dass nach der einen Seite und der einen Richtung hin wirklich höchstes menschliches Erkenntnisstreben den Impuls, die innere Kraft dieser Dichtung ausmacht, und auf der anderen Seite ganz harmonisches, in sich vollkommenstes Künstlerisches in ihm dargestellt wird.
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Bevor wir mit der Aufführung beginnen, möchte ich mir erlauben, alle die verehrten Gäste, die heute erschienen sind, auf das Herzlichste willkommen zu heißen. Es ist uns eine besondere Freude, dass Sie diesem außerordentlich bedeutsamen Stück Goethe’schen Schaffens, das wir heute zur Darstellung bringen wollen in unserer Schreinerei hier, Ihre Aufmerksamkeit zuwenden wollen. Ich werde mir nur gestatten, ein paar Worte dieser Aufführung und ihren Absichten voranzuschicken. Man darf sagen, dass die Szene, die wir hier zur Aufführung bringen, wirklich ganz tief hineinschauen lässt auf der einen Seite in die bedeutungsvollsten inneren Kräfte der Goethe-Seele, in die Goethe’sche Weltanschauung, auf der anderen Seite hineinschauen lässt in das Wesen der höheren künstlerischen Entwicklung des Menschen überhaupt. Man darf sagen, dass, trotzdem diese Partie des Goethe’schen «Faust» von denen, die wir hier darstellen, eine Szene ist, die wenig bis heute noch gewürdigt ist, dass sie doch das Allerbezeichnendste für Goethes und für das neuere künstlerische und Erkenntnisschaffen überhaupt darstellt. Wir fühlen uns, indem wir hier unsere anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft treiben, tatsächlich ganz besonders vereinigt mit dieser Goethe’schen Weltanschauung, mit diesem Goetheanismus. Und diese Vereinigung, dieses Übereinstimmen mit der Goethe’schen Weltanschauung neuerer Zeiten aufgrund der Goethe’schen Weltanschauung soll ja dadurch zum Ausdruck kommen, dass jetzt unsere Freie Hochschule für Geisteswissenschaft, die wir hier errichten wollen, auch «Goetheanum» genannt wird. Dasjenige, was vor allen Dingen auffällt bei einem solchen Stück Goethe’schen Schaffens, das ist, dass nach der einen Seite und der einen Richtung hin wirklich höchstes menschliches Erkenntnisstreben den Impuls, die innere Kraft dieser Dichtung ausmacht, und auf der anderen Seite ganz harmonisches, in sich vollkommenstes Künstlerisches in ihm dargestellt wird.
[ 2 ] Es ist bei Goethe wirklich das überwunden, was so leicht, wenn aus Erkenntniskräften heraus gedichtet wird, was so leicht als ein Fehler, als ein Mangel auftritt; es ist vermieden, die Sache zum abstrakten, philiströsen Lehrgedicht zu machen. trotzdem reinstes, echtestes Erkenntnisstreben, höchstes menschliches Erkenntnisstreben der Sache zugrunde liegt, ist doch zugleich wirkliche, echte Künstlerschaft, vollendetes Kunstwerk vorhanden. Und Goethe durfte zu seinem Freunde Eckermann ja sagen, nachdem ihm diese Partien vom II. Teil seines «Faust» gelungen waren, dass diejenigen, die als Eingeweihte in die tieferen Dinge hineinsehen wollen, die da zugrunde liegen, manches Menschenrätsel hineingeheimnisst finden werden in diese Dinge, dass aber durch die echt künstlerisch ausgestaltete, dramatische Bilderfolge auch dem naiven Gemüte, das nicht eingehen will auf das Tieferhineingeheimnisste, in vollem Sinne Genüge geschehen ist.
[ 2 ] Es ist bei Goethe wirklich das überwunden, was so leicht, wenn aus Erkenntniskräften heraus gedichtet wird, was so leicht als ein Fehler, als ein Mangel auftritt; es ist vermieden, die Sache zum abstrakten, philiströsen Lehrgedicht zu machen. trotzdem reinstes, echtestes Erkenntnisstreben, höchstes menschliches Erkenntnisstreben der Sache zugrunde liegt, ist doch zugleich wirkliche, echte Künstlerschaft, vollendetes Kunstwerk vorhanden. Und Goethe durfte zu seinem Freunde Eckermann ja sagen, nachdem ihm diese Partien vom II. Teil seines «Faust» gelungen waren, dass diejenigen, die als Eingeweihte in die tieferen Dinge hineinsehen wollen, die da zugrunde liegen, manches Menschenrätsel hineingeheimnisst finden werden in diese Dinge, dass aber durch die echt künstlerisch ausgestaltete, dramatische Bilderfolge auch dem naiven Gemüte, das nicht eingehen will auf das Tieferhineingeheimnisste, in vollem Sinne Genüge geschehen ist.
[ 3 ] Man darf auf der anderen Seite vielleicht mit Recht hervorheben, wie gerade an solchen Dingen wie dieses Stück, das den Schluss des II. Aktes des II. Teiles vom Goethe’schen «Faust» bildet, den Schluss der sogenannten «Klassischen Walpurgisnacht«, wie in diesen Dingen ganz besonders hervortritt die intensivste, innerlichste Grundehrlichkeit des Goethe’schen Strebens und sein fortwährendes Ringen. Sehen Sie, Goethe hat diesen «Faust» als junger Mann begonnen. Als junger Mann standen ihm die großen Menschheitsziele, die er in seinem «Faust» dichterisch ausdrücken wollte, vor dem geistigen Auge. Sechzig Jahre hat er, immer wieder und wieder den Faust vornehmend, aber in dieser Zeit nun weiterarbeitend, gerungen, nicht nur die Dichtung äußerlich zu vollenden, sondern sie zu der Höhe menschlicher Anschauung, menschlicher Selbsterkenntnis und menschlicher Selbsterfassung zu führen.
[ 3 ] Man darf auf der anderen Seite vielleicht mit Recht hervorheben, wie gerade an solchen Dingen wie dieses Stück, das den Schluss des II. Aktes des II. Teiles vom Goethe’schen «Faust» bildet, den Schluss der sogenannten «Klassischen Walpurgisnacht«, wie in diesen Dingen ganz besonders hervortritt die intensivste, innerlichste Grundehrlichkeit des Goethe’schen Strebens und sein fortwährendes Ringen. Sehen Sie, Goethe hat diesen «Faust» als junger Mann begonnen. Als junger Mann standen ihm die großen Menschheitsziele, die er in seinem «Faust» dichterisch ausdrücken wollte, vor dem geistigen Auge. Sechzig Jahre hat er, immer wieder und wieder den Faust vornehmend, aber in dieser Zeit nun weiterarbeitend, gerungen, nicht nur die Dichtung äußerlich zu vollenden, sondern sie zu der Höhe menschlicher Anschauung, menschlicher Selbsterkenntnis und menschlicher Selbsterfassung zu führen.
[ 4 ] Dieses Stück, das wir hier heute vorführen, gehört dem höchsten Greisenalter, aber auch dem reifsten Alter des Goethe’schen Schaffens an. Wenige Jahre vor seinem Tode hat er dieses Stück erst ausgearbeitet, also nachdem er sechzig Jahre an dieser Dichtung gestrebt und gerungen hat. Und man darf sagen: Bei Goethe stellen sich diese Dinge so dar, dass er nicht eine abgezogene theoretische Erkenntnis anstrebt, die niemandem als höchstens dem, der gelehrte Impulse in sich hat, frommen kann, sondern dass er, durch wirkliche Selbsterkenntnis, wirkliche Selbstanschauung ein volles, ehrliches Hineinstellen des Menschen in das unmittelbar wirkliche Leben anstrebt.
[ 4 ] Dieses Stück, das wir hier heute vorführen, gehört dem höchsten Greisenalter, aber auch dem reifsten Alter des Goethe’schen Schaffens an. Wenige Jahre vor seinem Tode hat er dieses Stück erst ausgearbeitet, also nachdem er sechzig Jahre an dieser Dichtung gestrebt und gerungen hat. Und man darf sagen: Bei Goethe stellen sich diese Dinge so dar, dass er nicht eine abgezogene theoretische Erkenntnis anstrebt, die niemandem als höchstens dem, der gelehrte Impulse in sich hat, frommen kann, sondern dass er, durch wirkliche Selbsterkenntnis, wirkliche Selbstanschauung ein volles, ehrliches Hineinstellen des Menschen in das unmittelbar wirkliche Leben anstrebt.
[ 5 ] Und so liegt denn zugrunde auch diesem Stück, das wir heute Ihnen darstellen wollen, die große Frage der menschlichen Selbsterkenntnis, des menschlichen Selbsterfassens. Und Goethe steht ganz auf dem Boden einer geistigen Weltauffassung, indem er gerade durch solche Dinge, durch die man so tief in die innersten Meinungen, in die innersten Überzeugungen seiner Seele hineinschaut, indem er gerade in einer solchen Dichtung zeigen will, wie der Mensch nimmermehr dadurch, dass er beim gewöhnlichen Bewusstsein stehen bleibt, dass er sich nur seiner Sinne und des Verstandes, der an das Gehirn gebunden ist, bedient, zur wirklichen Selbsterkenntnis kommen kann. Goethe will sagen durch eine solche Dichtung: Derjenige, der nur erkennen will durch die körperlichen Organe, der nicht das Geistig-Seelische loslösen will von den körperlichen Organen, um im Übersinnlichen, im rein Geistigen zu erkennen, der kann nur zu einem Homunkulus, zu einem Menschen, der eine abstrakt unvollendete Idee ist, kommen, nicht aber zu einem Vollmenschen. Denn diese Dichtung soll gerade darstellen, wie der Mensch den Weg machen will durch übersinnliche Weltanschauung vom Homunkulus zum Homo, von dem bloßen abstrakten Verstand des äußeren Wesens des Menschen zu dem Vollmenschen, der sich in die ganze Wirklichkeit kraftvoll hineinzustellen vermag. Das wusste Goethe, dass man nicht durch die gewöhnliche Erkenntnis, durch das gewöhnliche Bewusstsein zu mehr kommt, als zu einem unvollendeten Menschen, den er darstellt durch das Bild des mittelalterlichen alchemistischen Homunkulus. Er wollte wahrlich nicht mit dieser Beschreibung des Homunkulus, der in der Phiole über die Bühne wie ein kleines Zwergmännlein geht, er wollte nicht mittelalterlichen Aberglauben irgendwie aufwärmen. Er wollte diesen alchemistischen Homunkulus nur als das Bild gebrauchen für die Idee, die man im gewöhnlichen Leben sich vom Menschen macht, und die sich zu dem wahren Menschen verhält wie das, was da in der Phiole Ihnen als eine kleine Lichtgestalt entgegentreten wird, sich zu dem verhält, was man erkennt, wenn man in wirklich übersinnlicher Anschauung, in geistiger Anschauung den Menschen zu durchdringen versucht in einer wahrhaftigen Selbsterkenntnis. Aber Goethe war zu gleicher Zeit nicht nur tiefinnerlich in seinem Erkenntnisstreben ehrlich, grundehrlich, er war zugleich bescheiden. Und so wollte er nicht eigene Bilder geben, sondern er führte den Menschen und sich selber in griechische Vorzeit. Er wusste ganz genau, dass in dem, was oberflächliche Gelehrsamkeit nur als Mythe, nur als äußerliche Mythologie ansieht, dass da in alten Zeiten etwas lag, wodurch die menschliche Seele sich in höhere Regionen, in übersinnliche Erkenntnis versetzt, dass da die Wahrheit viel mehr zu finden ist als in abstrakter, moderner Wissenschaft. Im Grunde genommen ist es das Enteilen in einen besonderen Bewusstseinszustand.
[ 5 ] Und so liegt denn zugrunde auch diesem Stück, das wir heute Ihnen darstellen wollen, die große Frage der menschlichen Selbsterkenntnis, des menschlichen Selbsterfassens. Und Goethe steht ganz auf dem Boden einer geistigen Weltauffassung, indem er gerade durch solche Dinge, durch die man so tief in die innersten Meinungen, in die innersten Überzeugungen seiner Seele hineinschaut, indem er gerade in einer solchen Dichtung zeigen will, wie der Mensch nimmermehr dadurch, dass er beim gewöhnlichen Bewusstsein stehen bleibt, dass er sich nur seiner Sinne und des Verstandes, der an das Gehirn gebunden ist, bedient, zur wirklichen Selbsterkenntnis kommen kann. Goethe will sagen durch eine solche Dichtung: Derjenige, der nur erkennen will durch die körperlichen Organe, der nicht das Geistig-Seelische loslösen will von den körperlichen Organen, um im Übersinnlichen, im rein Geistigen zu erkennen, der kann nur zu einem Homunkulus, zu einem Menschen, der eine abstrakt unvollendete Idee ist, kommen, nicht aber zu einem Vollmenschen. Denn diese Dichtung soll gerade darstellen, wie der Mensch den Weg machen will durch übersinnliche Weltanschauung vom Homunkulus zum Homo, von dem bloßen abstrakten Verstand des äußeren Wesens des Menschen zu dem Vollmenschen, der sich in die ganze Wirklichkeit kraftvoll hineinzustellen vermag. Das wusste Goethe, dass man nicht durch die gewöhnliche Erkenntnis, durch das gewöhnliche Bewusstsein zu mehr kommt, als zu einem unvollendeten Menschen, den er darstellt durch das Bild des mittelalterlichen alchemistischen Homunkulus. Er wollte wahrlich nicht mit dieser Beschreibung des Homunkulus, der in der Phiole über die Bühne wie ein kleines Zwergmännlein geht, er wollte nicht mittelalterlichen Aberglauben irgendwie aufwärmen. Er wollte diesen alchemistischen Homunkulus nur als das Bild gebrauchen für die Idee, die man im gewöhnlichen Leben sich vom Menschen macht, und die sich zu dem wahren Menschen verhält wie das, was da in der Phiole Ihnen als eine kleine Lichtgestalt entgegentreten wird, sich zu dem verhält, was man erkennt, wenn man in wirklich übersinnlicher Anschauung, in geistiger Anschauung den Menschen zu durchdringen versucht in einer wahrhaftigen Selbsterkenntnis. Aber Goethe war zu gleicher Zeit nicht nur tiefinnerlich in seinem Erkenntnisstreben ehrlich, grundehrlich, er war zugleich bescheiden. Und so wollte er nicht eigene Bilder geben, sondern er führte den Menschen und sich selber in griechische Vorzeit. Er wusste ganz genau, dass in dem, was oberflächliche Gelehrsamkeit nur als Mythe, nur als äußerliche Mythologie ansieht, dass da in alten Zeiten etwas lag, wodurch die menschliche Seele sich in höhere Regionen, in übersinnliche Erkenntnis versetzt, dass da die Wahrheit viel mehr zu finden ist als in abstrakter, moderner Wissenschaft. Im Grunde genommen ist es das Enteilen in einen besonderen Bewusstseinszustand.
[ 6 ] Und so sehen wir gleich, wie die Bilder an sich genossen werden können. Sie werden vorgeführt bekommen vom Anfange an die Sirenen. Diese Sirenen, man kann sie als Bilder hinnehmen, aber man kann zugleich ganz im Sinne des eben vorhin erwähnten Goethe’schen Ausspruches, die tiefere Bedeutung erkennen, dass durch ihren Sang der Mensch herausgelockt wird aus seinem bloßen Sinnesleben in diejenige Welt hinein, in die er sonst nur bewusstlos im Schlafe hineintritt. Wir sehen daher eine Mondlandschaft, und nächtliche Tatsachen sehen wir vor den Menschen sich abspielen, die Sirenen, die ihn herausholen in die übersinnliche Welt. Wir sehen dann, wie die griechischen Mythengestalten auftreten, die Goethe, ich möchte sagen, zum Ersatz eigener Imaginationen, eigener Bilder für die übersinnliche Welt darstellt.
[ 6 ] Und so sehen wir gleich, wie die Bilder an sich genossen werden können. Sie werden vorgeführt bekommen vom Anfange an die Sirenen. Diese Sirenen, man kann sie als Bilder hinnehmen, aber man kann zugleich ganz im Sinne des eben vorhin erwähnten Goethe’schen Ausspruches, die tiefere Bedeutung erkennen, dass durch ihren Sang der Mensch herausgelockt wird aus seinem bloßen Sinnesleben in diejenige Welt hinein, in die er sonst nur bewusstlos im Schlafe hineintritt. Wir sehen daher eine Mondlandschaft, und nächtliche Tatsachen sehen wir vor den Menschen sich abspielen, die Sirenen, die ihn herausholen in die übersinnliche Welt. Wir sehen dann, wie die griechischen Mythengestalten auftreten, die Goethe, ich möchte sagen, zum Ersatz eigener Imaginationen, eigener Bilder für die übersinnliche Welt darstellt.
[ 7 ] Wir sehen dann die Nereiden, dämonische Meergewalten, und die Tritonen auftreten. Aber damit bringt Goethe in Zusammenhang, was er nun eigentlich darstellen will: den Weg vom abstrakten, theoretischen Menschlein, vom Homunkulus, zum Vollmenschen, zum Homo; da bringt er das in Zusammenhang mit jener griechischen Mysterienlehre, die ihre Heimat in Samothrake, auf einer geheimnisvollen Insel hatte. In Samothrake wurden die sogenannten Kabiren verehrt. Das waren dämonische Gewalten, die die Griechen nur mit einer ungeheuren Ehrfurcht betrachteten. Denn was auch griechische Weltanschauung sonst darstellt an Großem, an Bedeutendem, der Grieche wusste: Was er über die Unsterblichkeit der Seele, was er über die Ewigkeit des Menschen seiner Weltanschauung einverleibt hatte, das wurde gelehrt in den Tempel zu Samothrake, für die der Grieche solche tiefe Hochachtung hatte; und in jenen primitiven, elementaren Göttergestalten, von denen wir keine äußere historische Kenntnis haben, zu denen keine moderne Gelehrsamkeit führt, versuchten sie jene Weisheit nachzuempfinden. Sie werden dann in diesen Kabiren, in den drei Kabiren, die auftreten – die andern bleiben verborgen, wie die Dichtung selbst sagt, weil sie nicht äußerlich dargestellt werden können –, Sie werden dasjenige sehen, was man heute nachkonstruieren kann. Stoßen Sie sich ja nicht an der eigentümlichen, primitiven Art, in der diese Göttergestalten dargestellt sind. Sie sollen repräsentieren jene Urgewalten der Welt, die mit dem menschlichen Werden zusammenhängen. Und das menschliche Werden vom Menschlein zum Menschen, vom Homunkulus zum Homo, das will Goethe künstlerisch und empfindungsgemäß darstellen. Aber er ist innerlich grundbescheiden. Man wird ja auch immer bescheidener und bescheidener, je weiter man in der Erkenntnis vorrückt. Reif werden bedeutet in Bezug auf Erkenntnis und künstlerisches Streben bescheidener werden. Und so sagt sich auch Goethe: Wir können vor uns stellen die heilige Kabiren-Lehre, durch die die Griechen glaubten, das Werden des wahren Menschen zu erkennen; aber wir dringen nicht ganz ein.
[ 7 ] Wir sehen dann die Nereiden, dämonische Meergewalten, und die Tritonen auftreten. Aber damit bringt Goethe in Zusammenhang, was er nun eigentlich darstellen will: den Weg vom abstrakten, theoretischen Menschlein, vom Homunkulus, zum Vollmenschen, zum Homo; da bringt er das in Zusammenhang mit jener griechischen Mysterienlehre, die ihre Heimat in Samothrake, auf einer geheimnisvollen Insel hatte. In Samothrake wurden die sogenannten Kabiren verehrt. Das waren dämonische Gewalten, die die Griechen nur mit einer ungeheuren Ehrfurcht betrachteten. Denn was auch griechische Weltanschauung sonst darstellt an Großem, an Bedeutendem, der Grieche wusste: Was er über die Unsterblichkeit der Seele, was er über die Ewigkeit des Menschen seiner Weltanschauung einverleibt hatte, das wurde gelehrt in den Tempel zu Samothrake, für die der Grieche solche tiefe Hochachtung hatte; und in jenen primitiven, elementaren Göttergestalten, von denen wir keine äußere historische Kenntnis haben, zu denen keine moderne Gelehrsamkeit führt, versuchten sie jene Weisheit nachzuempfinden. Sie werden dann in diesen Kabiren, in den drei Kabiren, die auftreten – die andern bleiben verborgen, wie die Dichtung selbst sagt, weil sie nicht äußerlich dargestellt werden können –, Sie werden dasjenige sehen, was man heute nachkonstruieren kann. Stoßen Sie sich ja nicht an der eigentümlichen, primitiven Art, in der diese Göttergestalten dargestellt sind. Sie sollen repräsentieren jene Urgewalten der Welt, die mit dem menschlichen Werden zusammenhängen. Und das menschliche Werden vom Menschlein zum Menschen, vom Homunkulus zum Homo, das will Goethe künstlerisch und empfindungsgemäß darstellen. Aber er ist innerlich grundbescheiden. Man wird ja auch immer bescheidener und bescheidener, je weiter man in der Erkenntnis vorrückt. Reif werden bedeutet in Bezug auf Erkenntnis und künstlerisches Streben bescheidener werden. Und so sagt sich auch Goethe: Wir können vor uns stellen die heilige Kabiren-Lehre, durch die die Griechen glaubten, das Werden des wahren Menschen zu erkennen; aber wir dringen nicht ganz ein.
[ 8 ] Und so stellt denn Goethe andere Geheimnisse des Griechentums neben die Lehre der Kabiren. Homunkulus, das Menschlein, dasjenige, was man erfassen kann durch die bloße Sinnes-Erkenntnis, das sucht Mensch zu werden an der Hand des alten Naturphilosophen Thales.
[ 8 ] Und so stellt denn Goethe andere Geheimnisse des Griechentums neben die Lehre der Kabiren. Homunkulus, das Menschlein, dasjenige, was man erfassen kann durch die bloße Sinnes-Erkenntnis, das sucht Mensch zu werden an der Hand des alten Naturphilosophen Thales.
[ 9 ] Allein Goethe will eben ausdrücken, dass weder die einseitige Naturanschauung noch die einseitige Mystik führen kann zu wirklicher menschlicher Selbsterkenntnis, Selbstauffassung. Goethe war kein einseitiger Mystiker, kein einseitiger Naturphilosoph. Er wollte beide Klippen durchwandern. Er wollte durch eine wirkliche Selbsterkenntnis vordringen zur Menschenauffassung und zum wirklichen kraftvollen Hineinstellen des Menschen in die wahre Welt. Daher lässt er auftreten den alten Meergott Nereus, der im Grunde genommen in sich vereint in höchster Entfaltung alles dasjenige, was der Mensch an kritischem Urteilsvermögen hat. Aber auch daran kann keine Befriedigung gefunden werden. Denn Nereus ist der alte Griesgram, der durch seine selbst bis zur prophetischen Gabe gesteigerte kritische Kraft nur aburteilt über die Menschen, aber nicht das Geheimnis dem Homunkulus enthüllen kann, nicht enthüllen kann, was der Mensch eigentlich ist und wie der Mensch wird, er verweist auf Proteus, auf denjenigen Naturdämonen, der sich verwandeln kann, und der zu gleicher Zeit der Dämon der sich verwandelnden Gestalten ist.
[ 9 ] Allein Goethe will eben ausdrücken, dass weder die einseitige Naturanschauung noch die einseitige Mystik führen kann zu wirklicher menschlicher Selbsterkenntnis, Selbstauffassung. Goethe war kein einseitiger Mystiker, kein einseitiger Naturphilosoph. Er wollte beide Klippen durchwandern. Er wollte durch eine wirkliche Selbsterkenntnis vordringen zur Menschenauffassung und zum wirklichen kraftvollen Hineinstellen des Menschen in die wahre Welt. Daher lässt er auftreten den alten Meergott Nereus, der im Grunde genommen in sich vereint in höchster Entfaltung alles dasjenige, was der Mensch an kritischem Urteilsvermögen hat. Aber auch daran kann keine Befriedigung gefunden werden. Denn Nereus ist der alte Griesgram, der durch seine selbst bis zur prophetischen Gabe gesteigerte kritische Kraft nur aburteilt über die Menschen, aber nicht das Geheimnis dem Homunkulus enthüllen kann, nicht enthüllen kann, was der Mensch eigentlich ist und wie der Mensch wird, er verweist auf Proteus, auf denjenigen Naturdämonen, der sich verwandeln kann, und der zu gleicher Zeit der Dämon der sich verwandelnden Gestalten ist.
[ 10 ] Goethe war eben durchaus Darwinianer vor Darwin. Aber er hat die Darwin’sche Grundanschauung noch durchaus geistig zu erfassen verstanden. Er hat sich bemüht, die Umformung der Naturgestalten von den einfachen Naturgebilden bis hinauf zum Menschen zu verfolgen. Deshalb lässt er auch als eine derjenigen Mächte, die vielleicht lösen können das Menschheitsrätsel, den Proteus, in den verschiedenen Gestalten auftreten, der sich selber verwandelt, daher mit den Verwandlungen bekannt sein könnte. Proteus tritt auf als Schildkröte, dann als Mensch, dann als Delfin. Aber all das bringt den Menschen nur nahe – das sagt Goethe in seiner Grundehrlichkeit und Grundbescheidenheit –, nur nahe der Erkenntnis. Dasjenige aber, was aber erlangt werden soll, das ist, hinauszudringen in diejenige Natursphäre, wo da waltet und webt im Naturdasein dieselbe Kraft, die im menschlichen Werden lebt. Das tritt vor unser geistiges Auge, indem die Galatee, die Tochter des Meergottes Nereus, auf ihrem Muschelwagen herangeführt wird.
[ 10 ] Goethe war eben durchaus Darwinianer vor Darwin. Aber er hat die Darwin’sche Grundanschauung noch durchaus geistig zu erfassen verstanden. Er hat sich bemüht, die Umformung der Naturgestalten von den einfachen Naturgebilden bis hinauf zum Menschen zu verfolgen. Deshalb lässt er auch als eine derjenigen Mächte, die vielleicht lösen können das Menschheitsrätsel, den Proteus, in den verschiedenen Gestalten auftreten, der sich selber verwandelt, daher mit den Verwandlungen bekannt sein könnte. Proteus tritt auf als Schildkröte, dann als Mensch, dann als Delfin. Aber all das bringt den Menschen nur nahe – das sagt Goethe in seiner Grundehrlichkeit und Grundbescheidenheit –, nur nahe der Erkenntnis. Dasjenige aber, was aber erlangt werden soll, das ist, hinauszudringen in diejenige Natursphäre, wo da waltet und webt im Naturdasein dieselbe Kraft, die im menschlichen Werden lebt. Das tritt vor unser geistiges Auge, indem die Galatee, die Tochter des Meergottes Nereus, auf ihrem Muschelwagen herangeführt wird.
[ 11 ] Sie ist die Repräsentantin, sie ist diejenige Kraft, die darstellt alles Werden und Wesen in der Natur. Dringt man ein in dieses Werden und Wesen in der Natur, dann ist man bei derjenigen Kraft, die auch den Menschen aus dem geistigen in das physische Dasein ruft.
[ 11 ] Sie ist die Repräsentantin, sie ist diejenige Kraft, die darstellt alles Werden und Wesen in der Natur. Dringt man ein in dieses Werden und Wesen in der Natur, dann ist man bei derjenigen Kraft, die auch den Menschen aus dem geistigen in das physische Dasein ruft.
[ 12 ] Es ist außerordentlich bedeutsam, dass Nereus weder noch Proteus selber das Rätsel des Menschen lösen wollen, sondern dass hingewiesen wird darauf, wie dieses Menschenrätsel nur gelöst werden kann, wenn man zu gleicher Zeit in die tiefen Naturrätsel eindringt. Galatee, die Repräsentantin der alles Kosmische, alles Weltliche durchdringenden Liebeskraft, sie wird in dieser Szene vor das Seelenauge gestellt. Aber Goethe sucht die verschiedensten Wege.
[ 12 ] Es ist außerordentlich bedeutsam, dass Nereus weder noch Proteus selber das Rätsel des Menschen lösen wollen, sondern dass hingewiesen wird darauf, wie dieses Menschenrätsel nur gelöst werden kann, wenn man zu gleicher Zeit in die tiefen Naturrätsel eindringt. Galatee, die Repräsentantin der alles Kosmische, alles Weltliche durchdringenden Liebeskraft, sie wird in dieser Szene vor das Seelenauge gestellt. Aber Goethe sucht die verschiedensten Wege.
[ 13 ] Er lässt auch auftreten zum Beispiel die Telchinen von Rhodus, jene Kräfte, welche uns daran erinnern, dass Goethe auch auf dem Wege des rein künstlerischen Erfassens der Welt dem Menschenrätsel nahezukommen suchte. Sie sind, diese Telchinen, zu gleicher Zeit die Urschmiede, die alten Schmiede, die dem Neptun den Dreizack geschmiedet haben. Sie sind auch die alten Künstler. Sie erinnern daran, dass Goethe erst selbst in seiner italienischen Reise, die einer tiefen Sehnsucht in ihm entsprang, nach Italien zu fahren, dass Goethe selbst auf dem Wege des künstlerischen Anschauens, dem großen Erkenntnisrätsel nahekommen wollte.
[ 13 ] Er lässt auch auftreten zum Beispiel die Telchinen von Rhodus, jene Kräfte, welche uns daran erinnern, dass Goethe auch auf dem Wege des rein künstlerischen Erfassens der Welt dem Menschenrätsel nahezukommen suchte. Sie sind, diese Telchinen, zu gleicher Zeit die Urschmiede, die alten Schmiede, die dem Neptun den Dreizack geschmiedet haben. Sie sind auch die alten Künstler. Sie erinnern daran, dass Goethe erst selbst in seiner italienischen Reise, die einer tiefen Sehnsucht in ihm entsprang, nach Italien zu fahren, dass Goethe selbst auf dem Wege des künstlerischen Anschauens, dem großen Erkenntnisrätsel nahekommen wollte.
[ 14 ] Also auch Proteus verweist darauf, dass man durch die Kunst wohl weiter kommt, dass man durch sie aber nicht wirklich herankommt an die menschliche Wesenheit und das Erfassen des menschlichen Werdens. Wie der Mensch in die Sinneswelt hineingestellt ist, aber über diese Sinneswelt ins Übersinnliche hineinschaut, um sich selbst zu erkennen, das tritt uns ja so schön entgegen, indem uns vorgeführt werden die Doriden, die Schwestern der Nereiden, welche die Schifferknaben gerettet haben aus dem Schiffbruch. Die dämonischen Geistgewalten, die Doriden, die übersinnlichen Gewalten wollen sich vereinigen mit dem auf der Erde Befindlichen, mit den Schifferknaben. Da sehen wir unmittelbar nebeneinandergerückt das Sinnliche und das Übersinnliche, nach dessen Durchdringung, nach dessen gegenseitigem Verhältnis der Mensch ja unablässig streben muss. Allein diese Repräsentation, die durch die Vereinigung der Schifferknaben mit den übersinnlichen Doriden gegeben wird, «die Götter wollen’s nicht leiden» (Vers 8419). Das ist es, was die Menschenseele immer empfindet. Man muss streben in das Übersinnliche, allein man muss immer wieder und wiederum zurückkehren in das Sinnliche. Es lässt sich nicht eine dauernde Durchdringung des Übersinnlichen und des Sinnlichen hier in der physischen Welt anstreben. Das tritt in dieser Szene mit den Schifferknaben und den Doriden so ganz besonders drastisch hervor.
[ 14 ] Also auch Proteus verweist darauf, dass man durch die Kunst wohl weiter kommt, dass man durch sie aber nicht wirklich herankommt an die menschliche Wesenheit und das Erfassen des menschlichen Werdens. Wie der Mensch in die Sinneswelt hineingestellt ist, aber über diese Sinneswelt ins Übersinnliche hineinschaut, um sich selbst zu erkennen, das tritt uns ja so schön entgegen, indem uns vorgeführt werden die Doriden, die Schwestern der Nereiden, welche die Schifferknaben gerettet haben aus dem Schiffbruch. Die dämonischen Geistgewalten, die Doriden, die übersinnlichen Gewalten wollen sich vereinigen mit dem auf der Erde Befindlichen, mit den Schifferknaben. Da sehen wir unmittelbar nebeneinandergerückt das Sinnliche und das Übersinnliche, nach dessen Durchdringung, nach dessen gegenseitigem Verhältnis der Mensch ja unablässig streben muss. Allein diese Repräsentation, die durch die Vereinigung der Schifferknaben mit den übersinnlichen Doriden gegeben wird, «die Götter wollen’s nicht leiden» (Vers 8419). Das ist es, was die Menschenseele immer empfindet. Man muss streben in das Übersinnliche, allein man muss immer wieder und wiederum zurückkehren in das Sinnliche. Es lässt sich nicht eine dauernde Durchdringung des Übersinnlichen und des Sinnlichen hier in der physischen Welt anstreben. Das tritt in dieser Szene mit den Schifferknaben und den Doriden so ganz besonders drastisch hervor.
[ 15 ] Dann zeigt Goethe, wie man allerdings dem Rätsel des Menschen nahekommt, indem man gewissermaßen bewusst sehend, schauend in der Welt lebt, indem man im Geistig-Seelischen ist, abgetrennt von den Kräften des Leibes, wie man aber immer wiederum doch gezwungen ist, zum Sinnlich-Physischen der Welt zurückzukehren. Stellen Sie sich vor, dass man die geistige Welt, in der man im Schlafe ist, nicht bewusstlos erlebte, sondern dass man unmittelbar vor dem Aufwachen das Menschenrätsel so vor sich hätte, wie Goethe es hier auf der Bühne darstellt, dass man also empfinden würde in dem die Welt Durcheilen mit dem Muschelwagen der Galatee das Erleben der Werdekraft, der Geburtskraft, der Liebeskraft alles Daseins, und dass man dann aufwachen würde. Man würde übersinnlich geschaut haben in einem Traum, der mehr als ein Traum ist, den Homo, nicht den Homunkulus. Man würde aber zerschellen, indem man wieder hereindringt ins wache Dasein, indem man mit physischen Augen die Lichtstrahlen, die physischen Farben sieht, mit physischen Ohren die physischen Töne hört, mit physischem Getaste die physischen Dinge spürt. Man bringt dasjenige, was man nur im Übersinnlichen erblickt hatte, in die physische Welt, ins Sinnliche, und es zerschellt, es zerschellt so, dass dasjenige, was man im Geiste geschaut hat, in die Luft, in das Licht, in alles das, was physische Augen und Ohren wahrnehmen können, sich hineinergießt. Das ist es, was Goethe darstellen will. Der Mensch ist imstande, hinaufzugehen in das Übersinnliche. Allein sobald er wieder in die physische Welt zurückkommt, zerschellt alles. Das macht das Ergreifende des Schlusses der klassischen Walpurgisnacht, das Übergehen von der Nacht zum Tag, vom Mondenschein zum Sonnenschein, das macht das Ergreifende dieses Schlusses. Es ist so, wie wenn der Mensch empfinden würde sein Bewusstsein von seiner übersinnlichen, von seiner Geistnatur wie zerschellt an dem, was er wiederum mit physischen Augen und Ohren sehen und hören kann.
[ 15 ] Dann zeigt Goethe, wie man allerdings dem Rätsel des Menschen nahekommt, indem man gewissermaßen bewusst sehend, schauend in der Welt lebt, indem man im Geistig-Seelischen ist, abgetrennt von den Kräften des Leibes, wie man aber immer wiederum doch gezwungen ist, zum Sinnlich-Physischen der Welt zurückzukehren. Stellen Sie sich vor, dass man die geistige Welt, in der man im Schlafe ist, nicht bewusstlos erlebte, sondern dass man unmittelbar vor dem Aufwachen das Menschenrätsel so vor sich hätte, wie Goethe es hier auf der Bühne darstellt, dass man also empfinden würde in dem die Welt Durcheilen mit dem Muschelwagen der Galatee das Erleben der Werdekraft, der Geburtskraft, der Liebeskraft alles Daseins, und dass man dann aufwachen würde. Man würde übersinnlich geschaut haben in einem Traum, der mehr als ein Traum ist, den Homo, nicht den Homunkulus. Man würde aber zerschellen, indem man wieder hereindringt ins wache Dasein, indem man mit physischen Augen die Lichtstrahlen, die physischen Farben sieht, mit physischen Ohren die physischen Töne hört, mit physischem Getaste die physischen Dinge spürt. Man bringt dasjenige, was man nur im Übersinnlichen erblickt hatte, in die physische Welt, ins Sinnliche, und es zerschellt, es zerschellt so, dass dasjenige, was man im Geiste geschaut hat, in die Luft, in das Licht, in alles das, was physische Augen und Ohren wahrnehmen können, sich hineinergießt. Das ist es, was Goethe darstellen will. Der Mensch ist imstande, hinaufzugehen in das Übersinnliche. Allein sobald er wieder in die physische Welt zurückkommt, zerschellt alles. Das macht das Ergreifende des Schlusses der klassischen Walpurgisnacht, das Übergehen von der Nacht zum Tag, vom Mondenschein zum Sonnenschein, das macht das Ergreifende dieses Schlusses. Es ist so, wie wenn der Mensch empfinden würde sein Bewusstsein von seiner übersinnlichen, von seiner Geistnatur wie zerschellt an dem, was er wiederum mit physischen Augen und Ohren sehen und hören kann.
[ 16 ] Dies, was Goethe in so schöner, so vollkommener Kunst umfasst hat – nach meiner Ansicht wenigstens –, das, sehr verehrte Anwesende, wollen wir mit unseren Mitteln, mit dem Mittel der Eurythmie, jener Gebärdenkunst, die nicht aus willkürlichen Gebärden heraus gegeben sein will, soll, wie andere Gebärdenkunst der Gegenwart, sondern die aus einer wirklichen Erfassung des Gebärdenlebens gegeben ist, mit Hilfe dieser Eurythmie wollen wir dies zur Darstellung bringen. Diese unsere Gebärdenkunst ist innerlich gesetzmäßig, so wie die Musik selbst. Und wie bei Abfassung eines Musikstückes oder in dem Spielen desselben niemand willkürlich Töne ergreifen darf, so werden auch hier keine Gebärden willkürlich aus eigener innerer Regung heraus gemacht werden; sondern so gesetzmäßig geht es zu in dieser Eurythmie wie in harmonischer und melodischer Gesetzmäßigkeit der Musik selber.
[ 16 ] Dies, was Goethe in so schöner, so vollkommener Kunst umfasst hat – nach meiner Ansicht wenigstens –, das, sehr verehrte Anwesende, wollen wir mit unseren Mitteln, mit dem Mittel der Eurythmie, jener Gebärdenkunst, die nicht aus willkürlichen Gebärden heraus gegeben sein will, soll, wie andere Gebärdenkunst der Gegenwart, sondern die aus einer wirklichen Erfassung des Gebärdenlebens gegeben ist, mit Hilfe dieser Eurythmie wollen wir dies zur Darstellung bringen. Diese unsere Gebärdenkunst ist innerlich gesetzmäßig, so wie die Musik selbst. Und wie bei Abfassung eines Musikstückes oder in dem Spielen desselben niemand willkürlich Töne ergreifen darf, so werden auch hier keine Gebärden willkürlich aus eigener innerer Regung heraus gemacht werden; sondern so gesetzmäßig geht es zu in dieser Eurythmie wie in harmonischer und melodischer Gesetzmäßigkeit der Musik selber.
[ 17 ] Das ist dasjenige, was vielleicht wirklich geeignet sein kann in der Gegenwart, diesen leider nicht genugsam ergriffenen Teil Goethe’scher Kunst und Goethe’schen Erkenntnisstrebens zugleich zu veranschaulichen. Und das ist es, was angestrebt werden sollte durch eine solche Darstellung wie diejenige, die wir mit unseren schwachen Mitteln versuchen. Und es macht uns eine besondere Freude, dass Sie Ihre Aufmerksamkeit zuwenden dieser Blüte der Goethe’schen Dichtung, einer der Blüten der Goethe’schen Dichtung und der Blüten der Menschheit überhaupt.
[ 17 ] Das ist dasjenige, was vielleicht wirklich geeignet sein kann in der Gegenwart, diesen leider nicht genugsam ergriffenen Teil Goethe’scher Kunst und Goethe’schen Erkenntnisstrebens zugleich zu veranschaulichen. Und das ist es, was angestrebt werden sollte durch eine solche Darstellung wie diejenige, die wir mit unseren schwachen Mitteln versuchen. Und es macht uns eine besondere Freude, dass Sie Ihre Aufmerksamkeit zuwenden dieser Blüte der Goethe’schen Dichtung, einer der Blüten der Goethe’schen Dichtung und der Blüten der Menschheit überhaupt.
