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Appendix to the Public Lectures
GA 85

4 June 1921, Zurich

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Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
  1. Appendix to the Public Lectures, tr. SOL

32. Zur Geschichte des Kapitalismus

32. Zur Geschichte des Kapitalismus

Diskussionsbeitrag

Diskussionsbeitrag

[ 1 ] Rudolf Steiner: Wenn ich Doktor Schuler richtig verstanden habe, so kam es ihm hauptsächlich darauf an, die Bedingungen, die Tendenzen oder Bedingungen namentlich zur Bildung aus wirtschaftlichen Interessen heraus, einmal zu betrachten. Und da ergibt sich in der Tat, wenn man diesen Gesichtspunkt in den Vordergrund rückt, da ergibt sich in der Tat, dass es lehrreich ist, dass es auch auf sehr fruchtbare Einsichten führt in Bezug auf die Vorkriegsverhältnisse unseres wirtschaftlichen Lebens, wenn man gerade diese Gliederung hier zugrunde legt.

[ 1 ] Rudolf Steiner: Wenn ich Doktor Schuler richtig verstanden habe, so kam es ihm hauptsächlich darauf an, die Bedingungen, die Tendenzen oder Bedingungen namentlich zur Bildung aus wirtschaftlichen Interessen heraus, einmal zu betrachten. Und da ergibt sich in der Tat, wenn man diesen Gesichtspunkt in den Vordergrund rückt, da ergibt sich in der Tat, dass es lehrreich ist, dass es auch auf sehr fruchtbare Einsichten führt in Bezug auf die Vorkriegsverhältnisse unseres wirtschaftlichen Lebens, wenn man gerade diese Gliederung hier zugrunde legt.

[ 2 ] Historisch genommen liegt die Sache so, dass man sagen kann: Am reinsten kam im europäisch-amerikanischen Wirtschaftsleben diese Gliederung etwa in den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts und zu Beginn dieses Jahrhunderts heraus.

[ 2 ] Historisch genommen liegt die Sache so, dass man sagen kann: Am reinsten kam im europäisch-amerikanischen Wirtschaftsleben diese Gliederung etwa in den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts und zu Beginn dieses Jahrhunderts heraus.

[ 3 ] Dazumal, in den Neunzigerjahren, war die Blüte des Liberalismus, der ja vorher gewisse Eindrücke nach allen Seiten hin gemacht hat, vorüber. Der Kapitalismus löste sich ja damals in ganz entschiedener Weise heraus aus den liberalistischen Ideen, mit denen er vorher stark verquickt war, und trat erst da, ich möchte sagen, in einer Art Reinkultur auf. Gegenüber dieser Reinkultur des Kapitalismus erstarkten gewissermaßen die beiden anderen Kategorien, die hier unter Nr. II genannt sind. Die aristokratisch-feudalistische und die andere bäuerliche Gruppe, die erstarkten; die waren vielmehr zurückgetreten schon mit ihrer bindenden Gewalt Anfang der Achtzigerjahre und in den Siebzigerjahren und erstarkten dann wiederum, ich möchte sagen, wie in einer Art von Reaktion gegen das Heraufkommen des Kapitalismus, wurde dasjenige, was man eigentlich heute unter Proletariern versteht. Fast überall, wo heute von Proletariern gesprochen wird, redet man ja eigentlich so, wie wenn der Krieg gar nicht gewesen wäre! Es ist eigentlich untunlich, heute die Kategorien in demselben Sinne anzuwenden wie zum Beispiel 1912, 1913. Aber dasjenige, was man eben unter Proletariat versteht, das bildete sich gerade zu dieser Kategorie auch Ende der Achtzigerjahre, Anfang der Neunzigerjahre aus, und zeigte sich in seiner Reinkultur. Also es ist schon so, dass das Betrachten dieser Kategorien eine gewisse Bedeutung hat, wenn man das neuzeitliche Wirtschaftsleben begreifen will.

[ 3 ] Dazumal, in den Neunzigerjahren, war die Blüte des Liberalismus, der ja vorher gewisse Eindrücke nach allen Seiten hin gemacht hat, vorüber. Der Kapitalismus löste sich ja damals in ganz entschiedener Weise heraus aus den liberalistischen Ideen, mit denen er vorher stark verquickt war, und trat erst da, ich möchte sagen, in einer Art Reinkultur auf. Gegenüber dieser Reinkultur des Kapitalismus erstarkten gewissermaßen die beiden anderen Kategorien, die hier unter Nr. II genannt sind. Die aristokratisch-feudalistische und die andere bäuerliche Gruppe, die erstarkten; die waren vielmehr zurückgetreten schon mit ihrer bindenden Gewalt Anfang der Achtzigerjahre und in den Siebzigerjahren und erstarkten dann wiederum, ich möchte sagen, wie in einer Art von Reaktion gegen das Heraufkommen des Kapitalismus, wurde dasjenige, was man eigentlich heute unter Proletariern versteht. Fast überall, wo heute von Proletariern gesprochen wird, redet man ja eigentlich so, wie wenn der Krieg gar nicht gewesen wäre! Es ist eigentlich untunlich, heute die Kategorien in demselben Sinne anzuwenden wie zum Beispiel 1912, 1913. Aber dasjenige, was man eben unter Proletariat versteht, das bildete sich gerade zu dieser Kategorie auch Ende der Achtzigerjahre, Anfang der Neunzigerjahre aus, und zeigte sich in seiner Reinkultur. Also es ist schon so, dass das Betrachten dieser Kategorien eine gewisse Bedeutung hat, wenn man das neuzeitliche Wirtschaftsleben begreifen will.

[ 4 ] Nur muss man sich darüber klar sein, dass eben da die verschiedensten Strömungen und Kräfte des sozialen Lebens ineinander wirkten, um eine solche Gliederung überhaupt möglich zu machen.

[ 4 ] Nur muss man sich darüber klar sein, dass eben da die verschiedensten Strömungen und Kräfte des sozialen Lebens ineinander wirkten, um eine solche Gliederung überhaupt möglich zu machen.

[ 5 ] Man redet heute vom Kapitalismus. Allein das Wichtige ist, dass man zuerst unterscheidet zwischen dem, was als, ich möchte sagen, historische Strömung des Kapitalismus heraufgekommen ist, [und dem], was bewirkt hat, dass sich eben kapitalistisch genannte Tendenzen in unser soziales Leben hineingemischt haben.

[ 5 ] Man redet heute vom Kapitalismus. Allein das Wichtige ist, dass man zuerst unterscheidet zwischen dem, was als, ich möchte sagen, historische Strömung des Kapitalismus heraufgekommen ist, [und dem], was bewirkt hat, dass sich eben kapitalistisch genannte Tendenzen in unser soziales Leben hineingemischt haben.

[ 6 ] Diese kapitalistischen Tendenzen haben ja immer mehr und mehr dazu geführt, dass sich das herausgebildet hat, was – wie ich glaube, 1908 – ich in einem Vortrag in Nürnberg hervorgehoben habe: dass ja der Kapitalismus dazumal deutlich schon zeigte, wie er unpersönlich wird, wie er gewissermaßen das unpersönlich-soziale Element herausgestaltete gegenüber dem früheren persönlichen Elemente, aus dem ja wiederum das Kapitalistische entstanden ist.

[ 6 ] Diese kapitalistischen Tendenzen haben ja immer mehr und mehr dazu geführt, dass sich das herausgebildet hat, was – wie ich glaube, 1908 – ich in einem Vortrag in Nürnberg hervorgehoben habe: dass ja der Kapitalismus dazumal deutlich schon zeigte, wie er unpersönlich wird, wie er gewissermaßen das unpersönlich-soziale Element herausgestaltete gegenüber dem früheren persönlichen Elemente, aus dem ja wiederum das Kapitalistische entstanden ist.

[ 7 ] Nicht wahr, ich habe damals an einem kleinen Beispiel, das ja nur historische Etappen charakterisieren will, veranschaulicht, wie der Kapitalismus aus einem persönlichen Stadium in ein unpersönliches allmählich eingetreten ist. Nehmen Sie, also sagen wir, das Rothschild-Stadium des Kapitalismus: das ist das persönliche Stadium. Es ist ja wirklich charakteristisch durch die Anekdote, die ich öfters erwähnt habe, wie Rothschild verhandelt mit einem Lederhändler im Sinne des Kapitalismus. Und während er mit diesem Lederhändler verhandelt, lässt sich anmelden der Finanzminister des Königs von Frankreich, der nun auch in kapitalistischen Dingen mit Rothschild zu verhandeln hat; dieser Finanzminister des Königs von Frankreich. Der Diener, der ihn angemeldet hat, hat vielleicht noch nicht ganz kapitalistische Tendenzen, steckt wahrscheinlich noch in handwerklich-bäuerlichen Tendenzen drinnen, sagen wir. Er meldet also den Minister an und glaubt nun, da muss eben gleich etwas geschehen, wenn er den Finanzminister des Königs von Frankreich anmeldet. Aber Rothschild sagt: er soll warten. – Der Diener geht hinaus und getraut sich fast nicht, dies dem Finanzminister des Königs von Frankreich zu sagen, dass er warten solle. Und nachdem er es schüchtern vorgebracht hat, sagt der Finanzminister ärgerlich: aber sagen Sie doch Rothschild: der Finanzminister des Königs von Frankreich ist da! – Ich habe das ja schon gesagt, – erwidert der Diener. – Nach einigem Warten reißt der Minister selber die Tür auf und sagt: Aber ich bin der Finanzminister des Königs von Frankreich. Rothschild, der die Absicht hatte, mit seinem Lederhändler erst fertig zu werden, sagt: Nehmen Sie bitte einen Stuhl, wenn Sie draußen nicht warten wollen. – Aber ich kann nicht warten. Ich bin der Finanzminister des Königs von Frankreich. – So nehmen Sie zwei Stühle; – sagte Rothschild. Das ist persönliches Element, das da ganz deutlich ersichtlich ist; das ist das persönliche Element.

[ 7 ] Nicht wahr, ich habe damals an einem kleinen Beispiel, das ja nur historische Etappen charakterisieren will, veranschaulicht, wie der Kapitalismus aus einem persönlichen Stadium in ein unpersönliches allmählich eingetreten ist. Nehmen Sie, also sagen wir, das Rothschild-Stadium des Kapitalismus: das ist das persönliche Stadium. Es ist ja wirklich charakteristisch durch die Anekdote, die ich öfters erwähnt habe, wie Rothschild verhandelt mit einem Lederhändler im Sinne des Kapitalismus. Und während er mit diesem Lederhändler verhandelt, lässt sich anmelden der Finanzminister des Königs von Frankreich, der nun auch in kapitalistischen Dingen mit Rothschild zu verhandeln hat; dieser Finanzminister des Königs von Frankreich. Der Diener, der ihn angemeldet hat, hat vielleicht noch nicht ganz kapitalistische Tendenzen, steckt wahrscheinlich noch in handwerklich-bäuerlichen Tendenzen drinnen, sagen wir. Er meldet also den Minister an und glaubt nun, da muss eben gleich etwas geschehen, wenn er den Finanzminister des Königs von Frankreich anmeldet. Aber Rothschild sagt: er soll warten. – Der Diener geht hinaus und getraut sich fast nicht, dies dem Finanzminister des Königs von Frankreich zu sagen, dass er warten solle. Und nachdem er es schüchtern vorgebracht hat, sagt der Finanzminister ärgerlich: aber sagen Sie doch Rothschild: der Finanzminister des Königs von Frankreich ist da! – Ich habe das ja schon gesagt, – erwidert der Diener. – Nach einigem Warten reißt der Minister selber die Tür auf und sagt: Aber ich bin der Finanzminister des Königs von Frankreich. Rothschild, der die Absicht hatte, mit seinem Lederhändler erst fertig zu werden, sagt: Nehmen Sie bitte einen Stuhl, wenn Sie draußen nicht warten wollen. – Aber ich kann nicht warten. Ich bin der Finanzminister des Königs von Frankreich. – So nehmen Sie zwei Stühle; – sagte Rothschild. Das ist persönliches Element, das da ganz deutlich ersichtlich ist; das ist das persönliche Element.

[ 8 ] Nehmen Sie ein etwas späteres Element, etwa ein solches, das ich 1908 in meinem Vortrage in Nürnberg erwähnt habe, das damals bereits eingetreten war: Da haben Sie das persönliche Element bereits gar nicht mehr drinnen. Es setzt sich langsam in der Geschichte fort, ist gar nicht mehr so stark darinnen. Da war schon die Tendenz eingetreten, erstens auf der einen Seite zum Überhandnehmen der Aktiengesellschaften, die das persönliche Element überhaupt unterdrückten, die das Kapital als solches wirtschaften lassen. Aber außerdem war da schon deutlich dieses Moment hervorgetreten, dass der eine bald oben, bald wieder unten ist, und der andere dann oben. So schnell, wie es jetzt geht, ist es damals noch nicht gegangen. Aber das Kapital hat gewirtschaftet, der eine war bald reich, bald arm, der andere ebenso. Das ist ja die Tendenz des Wirtschaftslebens gewesen. Und man würde interessante Resultate erzielen, wenn man das persönliche Element im Drinnenstehen im Wirtschaftsleben schon 1908 untersuchte.

[ 8 ] Nehmen Sie ein etwas späteres Element, etwa ein solches, das ich 1908 in meinem Vortrage in Nürnberg erwähnt habe, das damals bereits eingetreten war: Da haben Sie das persönliche Element bereits gar nicht mehr drinnen. Es setzt sich langsam in der Geschichte fort, ist gar nicht mehr so stark darinnen. Da war schon die Tendenz eingetreten, erstens auf der einen Seite zum Überhandnehmen der Aktiengesellschaften, die das persönliche Element überhaupt unterdrückten, die das Kapital als solches wirtschaften lassen. Aber außerdem war da schon deutlich dieses Moment hervorgetreten, dass der eine bald oben, bald wieder unten ist, und der andere dann oben. So schnell, wie es jetzt geht, ist es damals noch nicht gegangen. Aber das Kapital hat gewirtschaftet, der eine war bald reich, bald arm, der andere ebenso. Das ist ja die Tendenz des Wirtschaftslebens gewesen. Und man würde interessante Resultate erzielen, wenn man das persönliche Element im Drinnenstehen im Wirtschaftsleben schon 1908 untersuchte.

[ 9 ] Nun, es ist also der Kapitalismus als Kapitalismus allerdings da gewesen Aber nun hat dieser Kapitalismus seinerzeit eine außerordentlich stark pädagogische, volkspädagogische Wirkung gehabt. Er hat die Leute erzogen. Und die kapitalistische Denkweise ist etwas anderes als der Kapitalismus. Die kapitalistische Denkweise, die erstreckt sich dann auf den ganzen Menschen. Und nicht wahr, sagen wir, wenn einer schließlich ein paar Aktien besitzt, so ist er gewiss in einer Weise Kapitalist; aber er hat noch nicht die kapitalistische Denkweise. Wenn einer aber sozialistisch-kapitalistisch ist und die allerstärkste einzelne Persönlichkeit aus ihm spricht, so bleibt er doch bis in die letzten Faser hinein durch und durch Kapitalist. Er ist durchaus kapitalistisch, seiner ganzen Persönlichkeit nach!

[ 9 ] Nun, es ist also der Kapitalismus als Kapitalismus allerdings da gewesen Aber nun hat dieser Kapitalismus seinerzeit eine außerordentlich stark pädagogische, volkspädagogische Wirkung gehabt. Er hat die Leute erzogen. Und die kapitalistische Denkweise ist etwas anderes als der Kapitalismus. Die kapitalistische Denkweise, die erstreckt sich dann auf den ganzen Menschen. Und nicht wahr, sagen wir, wenn einer schließlich ein paar Aktien besitzt, so ist er gewiss in einer Weise Kapitalist; aber er hat noch nicht die kapitalistische Denkweise. Wenn einer aber sozialistisch-kapitalistisch ist und die allerstärkste einzelne Persönlichkeit aus ihm spricht, so bleibt er doch bis in die letzten Faser hinein durch und durch Kapitalist. Er ist durchaus kapitalistisch, seiner ganzen Persönlichkeit nach!

[ 10 ] Diese Dinge muss man durchaus ins Auge fassen. Da zeigt sich also dann, wie es nützlich ist, auf der einen Seite solche Kategorien aufzustellen; aber auf der andern Seite zeigt sich deutlich, wie diese Dinge zugleich, indem sie sich so herausgebildet haben, wie sie standen um die Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts, wie sie eigentlich im Grunde genommen überall ihr Sichselbstad-absurdum-Führen schon in sich bergen.

[ 10 ] Diese Dinge muss man durchaus ins Auge fassen. Da zeigt sich also dann, wie es nützlich ist, auf der einen Seite solche Kategorien aufzustellen; aber auf der andern Seite zeigt sich deutlich, wie diese Dinge zugleich, indem sie sich so herausgebildet haben, wie sie standen um die Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts, wie sie eigentlich im Grunde genommen überall ihr Sichselbstad-absurdum-Führen schon in sich bergen.

[ 11 ] Der reine Kapitalismus, er ging ja aus ganz notwendigen Voraussetzungen hervor. Es hätte einfach können das Wirtschaftsleben namentlich des neunzehnten Jahrhunderts gar nicht in Szene gesetzt werden können, wenn der Kapitalismus sich nicht ausgebildet hätte.

[ 11 ] Der reine Kapitalismus, er ging ja aus ganz notwendigen Voraussetzungen hervor. Es hätte einfach können das Wirtschaftsleben namentlich des neunzehnten Jahrhunderts gar nicht in Szene gesetzt werden können, wenn der Kapitalismus sich nicht ausgebildet hätte.

[ 12 ] Aber auf der andern Seite kann man sagen: Durch den Kapitalismus ist es auch niemals gelungen, etwa ganz und gar wiederum zu erobern irgendwie die soziale Ordnung. Nicht wahr, ein schlagendes Beispiel ist ja ein Staatsmann, der immerhin einen starken Einfluss gehabt hat, und im Grunde genommen so wenig persönliche Note und persönliche Valeurs hatte, dass er nicht als eine Individualität hingestellt werden kann, sondern als etwas, was typisch ist: Ein charakteristischer Mann ist der Fürst Bülow.

[ 12 ] Aber auf der andern Seite kann man sagen: Durch den Kapitalismus ist es auch niemals gelungen, etwa ganz und gar wiederum zu erobern irgendwie die soziale Ordnung. Nicht wahr, ein schlagendes Beispiel ist ja ein Staatsmann, der immerhin einen starken Einfluss gehabt hat, und im Grunde genommen so wenig persönliche Note und persönliche Valeurs hatte, dass er nicht als eine Individualität hingestellt werden kann, sondern als etwas, was typisch ist: Ein charakteristischer Mann ist der Fürst Bülow.

[ 13 ] Nun, sehen Sie, solch eine einflussreiche Persönlichkeit, die eine ungeheure Rolle gespielt hat gerade um die Wende des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts, ist der Fürst Bülow, der deutscher Reichskanzler sein kann, weil er kapitalisiert worden ist! Seine repräsentativen Pflichten, wie er sie als deutscher Reichskanzler notwendig hatte, verdankte er der großen Schenkung eines reinen Kapitalisten.

[ 13 ] Nun, sehen Sie, solch eine einflussreiche Persönlichkeit, die eine ungeheure Rolle gespielt hat gerade um die Wende des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts, ist der Fürst Bülow, der deutscher Reichskanzler sein kann, weil er kapitalisiert worden ist! Seine repräsentativen Pflichten, wie er sie als deutscher Reichskanzler notwendig hatte, verdankte er der großen Schenkung eines reinen Kapitalisten.

[ 14 ] Also hier ist die deutsche Staatskunst kapitalistisch, ich will nicht sagen «unternehmerisch» geworden, aber sie ist äußerlich, was sich dem Anscheine nach darstellt, fundiert worden. Also da haben wir eine kapitalistisch fundierte Staatsmannskunst. Die Schenkung eines Großkapitalisten macht möglich, nicht wahr, macht möglich, dass Deutschland von der Erleuchtetheit des Fürsten Bülow regiert wird!

[ 14 ] Also hier ist die deutsche Staatskunst kapitalistisch, ich will nicht sagen «unternehmerisch» geworden, aber sie ist äußerlich, was sich dem Anscheine nach darstellt, fundiert worden. Also da haben wir eine kapitalistisch fundierte Staatsmannskunst. Die Schenkung eines Großkapitalisten macht möglich, nicht wahr, macht möglich, dass Deutschland von der Erleuchtetheit des Fürsten Bülow regiert wird!

[ 15 ] Aber dieser kapitalistisch fundierte Staatskünstler setzt es als sein Ideal, bei einer sehr wichtigen Abstimmung im Reichstag hin, dass auf seinem Grabstein stehen soll einstmals: Dieser war ein agrarischer Kanzler. Dieser war also ein Kanzler, der es hielt besonders mit der aristokratisch-feudalistischen Richtung.

[ 15 ] Aber dieser kapitalistisch fundierte Staatskünstler setzt es als sein Ideal, bei einer sehr wichtigen Abstimmung im Reichstag hin, dass auf seinem Grabstein stehen soll einstmals: Dieser war ein agrarischer Kanzler. Dieser war also ein Kanzler, der es hielt besonders mit der aristokratisch-feudalistischen Richtung.

[ 16 ] Sie sehen, wie die Dinge ineinandergewirtschaftet werden.

[ 16 ] Sie sehen, wie die Dinge ineinandergewirtschaftet werden.

[ 17 ] Auf der anderen Seite – einen sehr interessanten Gesichtspunkt hat ja Doktor Schuler angegeben in dem Verhältnisse des Katholizismus, des Protestantisch-Evangelischen zum Kapitalismus. Es ist richtig, und es ist ja auch von anderer Seite ein solcher Zusammenhang bereits debattiert worden. Allein bei dieser Gelegenheit darf man doch auch wiederum auf die Gegeninstanzen aufmerksam machen, die wiederum zeigen, dass, wenn man einen solchen Gesichtspunkt geltend macht, er sich durchaus nicht in radikaler Weise aufrechterhalten lässt.

[ 17 ] Auf der anderen Seite – einen sehr interessanten Gesichtspunkt hat ja Doktor Schuler angegeben in dem Verhältnisse des Katholizismus, des Protestantisch-Evangelischen zum Kapitalismus. Es ist richtig, und es ist ja auch von anderer Seite ein solcher Zusammenhang bereits debattiert worden. Allein bei dieser Gelegenheit darf man doch auch wiederum auf die Gegeninstanzen aufmerksam machen, die wiederum zeigen, dass, wenn man einen solchen Gesichtspunkt geltend macht, er sich durchaus nicht in radikaler Weise aufrechterhalten lässt.

[ 18 ] Zunächst könnte man ja einmal schon im Ausgangspunkte der Neuzeit auf die kapitalistische Führung des Sündenablasses durch den Tetzel aufmerksam machen: Dahinter stand der reine katholische Kapitalismus. Es handelte sich nicht, wie bekannt ist, um einen Handel, der in Deutschland für Rom abgeschlossen worden wäre immer bei jedem einzelnen Ablass; sondern die ganze Geschichte war ja vom Papst längst im Vorhinein an ein Genueser Bankhaus verkauft! Man riskierte es nur in dem Bankhaus, weil man darauf rechnete, dass gerade in Deutschland möglichst viele Leute darauf hineinfallen würden. Aber der Papst hatte längst das Geld in der Tasche, als der Tetzel herumreiste. Das sind Dinge, die sich schon staatskapitalistisch nennen lassen.

[ 18 ] Zunächst könnte man ja einmal schon im Ausgangspunkte der Neuzeit auf die kapitalistische Führung des Sündenablasses durch den Tetzel aufmerksam machen: Dahinter stand der reine katholische Kapitalismus. Es handelte sich nicht, wie bekannt ist, um einen Handel, der in Deutschland für Rom abgeschlossen worden wäre immer bei jedem einzelnen Ablass; sondern die ganze Geschichte war ja vom Papst längst im Vorhinein an ein Genueser Bankhaus verkauft! Man riskierte es nur in dem Bankhaus, weil man darauf rechnete, dass gerade in Deutschland möglichst viele Leute darauf hineinfallen würden. Aber der Papst hatte längst das Geld in der Tasche, als der Tetzel herumreiste. Das sind Dinge, die sich schon staatskapitalistisch nennen lassen.

[ 19 ] Und wenn wir in die neueste Zeit gehen, finden wir doch auch im Aufgange des Kapitalismus in den Achtzigerjahren, wie zum Beispiel eines der größten, der umfassendsten [Dinge] von der [Contra-Gruppe] unternommen worden ist, eben durch die Kirche, die katholische Kirche unternommen worden ist, und durchaus darauf ausging, streng katholisch […] [unleserlich] herbeizuführen, aber auf kapitalistischem Wege. – Ich weiß nicht, ob sie hier bekannt geworden ist, diese [Contra-Geschichte]; aber es zeigt durchaus, wie die katholische Kirche nicht etwa das alte Kapitalistische in ihr Netz hereingesponnen hätte. Das alles zeigt, [wie] Dinge, die, was eben [erwähnt worden ist], wie die Kategorien, die man so streng auseinanderhalten kann, wiederum durchaus ineinanderspielen. Und dasjenige, was Proletariat ist, ist unter diesem Einflusse. Da ist es dann heute noch vorhanden. Zeigt es sich denn nicht ganz klar, dass es das Allerunfruchtbarste als […] [unleserlich] durch die Kriegserscheinungen? Nicht wahr, wenn man so sagen kann: In Reinkultur war dieses Proletarische ja gerade in Deutschland vorhanden. Nun, nicht wahr, Lorbeer braucht natürlich keiner, der nicht gerade einer proletarischen Partei angehört, irgendwie nach [Schloss] Amerongen zu tragen, und ich habe hier öfter in der Richtung gesprochen, dass solche nicht notwendig sind. Aber natürlich könnte es einem nun wirklich manchmal recht schwer werden, einen Wertunterschied zu finden zwischen S. M. [Seiner Majestät] Wilhelm II. und zwischen S. M., nämlich Sattler-Meister Fritz Ebert. Nun ist ja sogar dieser ein [bekannterer großer Mann], und nun dieser Unterschied zwischen dem berüchtigten Militarismus und den [Unterkategorien], dieser Unterschied, er ist auch ein solcher, der nicht ganz so leicht auf Kategorien zu bringen ist. Alle diese Dinge müssten eben natürlich jetzt weiter ausgeführt werden, und sie würden zeigen, dass, wie die Dinge so liegen, ja in all diesen Kategorien, die sich herausgebildet haben und die man kennen muss, kann die […] [unleserliche Stelle] aufzufassen ist. Nur wer heute noch glaubt, wenn man von Umfang des Wertes [Stenogramm bricht ab].

[ 19 ] Und wenn wir in die neueste Zeit gehen, finden wir doch auch im Aufgange des Kapitalismus in den Achtzigerjahren, wie zum Beispiel eines der größten, der umfassendsten [Dinge] von der [Contra-Gruppe] unternommen worden ist, eben durch die Kirche, die katholische Kirche unternommen worden ist, und durchaus darauf ausging, streng katholisch […] [unleserlich] herbeizuführen, aber auf kapitalistischem Wege. – Ich weiß nicht, ob sie hier bekannt geworden ist, diese [Contra-Geschichte]; aber es zeigt durchaus, wie die katholische Kirche nicht etwa das alte Kapitalistische in ihr Netz hereingesponnen hätte. Das alles zeigt, [wie] Dinge, die, was eben [erwähnt worden ist], wie die Kategorien, die man so streng auseinanderhalten kann, wiederum durchaus ineinanderspielen. Und dasjenige, was Proletariat ist, ist unter diesem Einflusse. Da ist es dann heute noch vorhanden. Zeigt es sich denn nicht ganz klar, dass es das Allerunfruchtbarste als […] [unleserlich] durch die Kriegserscheinungen? Nicht wahr, wenn man so sagen kann: In Reinkultur war dieses Proletarische ja gerade in Deutschland vorhanden. Nun, nicht wahr, Lorbeer braucht natürlich keiner, der nicht gerade einer proletarischen Partei angehört, irgendwie nach [Schloss] Amerongen zu tragen, und ich habe hier öfter in der Richtung gesprochen, dass solche nicht notwendig sind. Aber natürlich könnte es einem nun wirklich manchmal recht schwer werden, einen Wertunterschied zu finden zwischen S. M. [Seiner Majestät] Wilhelm II. und zwischen S. M., nämlich Sattler-Meister Fritz Ebert. Nun ist ja sogar dieser ein [bekannterer großer Mann], und nun dieser Unterschied zwischen dem berüchtigten Militarismus und den [Unterkategorien], dieser Unterschied, er ist auch ein solcher, der nicht ganz so leicht auf Kategorien zu bringen ist. Alle diese Dinge müssten eben natürlich jetzt weiter ausgeführt werden, und sie würden zeigen, dass, wie die Dinge so liegen, ja in all diesen Kategorien, die sich herausgebildet haben und die man kennen muss, kann die […] [unleserliche Stelle] aufzufassen ist. Nur wer heute noch glaubt, wenn man von Umfang des Wertes [Stenogramm bricht ab].