Appendix to the Public Lectures
GA 85
4 June 1921, Zurich
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Appendix to the Public Lectures, tr. SOL
32. Zur Geschichte des Kapitalismus
32. The History of Capitalism
Diskussionsbeitrag
Discussion post
[ 1 ] Rudolf Steiner: Wenn ich Doktor Schuler richtig verstanden habe, so kam es ihm hauptsächlich darauf an, die Bedingungen, die Tendenzen oder Bedingungen namentlich zur Bildung aus wirtschaftlichen Interessen heraus, einmal zu betrachten. Und da ergibt sich in der Tat, wenn man diesen Gesichtspunkt in den Vordergrund rückt, da ergibt sich in der Tat, dass es lehrreich ist, dass es auch auf sehr fruchtbare Einsichten führt in Bezug auf die Vorkriegsverhältnisse unseres wirtschaftlichen Lebens, wenn man gerade diese Gliederung hier zugrunde legt.
[ 1 ] Rudolf Steiner: If I have understood Dr. Schuler correctly, his main concern was to examine the conditions and trends—particularly those related to education driven by economic interests. And indeed, when one brings this perspective to the forefront, it becomes clear that it is instructive and leads to very fruitful insights regarding the prewar conditions of our economic life, particularly when one takes this structure as a basis.
[ 2 ] Historisch genommen liegt die Sache so, dass man sagen kann: Am reinsten kam im europäisch-amerikanischen Wirtschaftsleben diese Gliederung etwa in den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts und zu Beginn dieses Jahrhunderts heraus.
[ 2 ] Historically speaking, it can be said that this structure was most clearly evident in European-American economic life in the 1890s and at the beginning of the 20th century.
[ 3 ] Dazumal, in den Neunzigerjahren, war die Blüte des Liberalismus, der ja vorher gewisse Eindrücke nach allen Seiten hin gemacht hat, vorüber. Der Kapitalismus löste sich ja damals in ganz entschiedener Weise heraus aus den liberalistischen Ideen, mit denen er vorher stark verquickt war, und trat erst da, ich möchte sagen, in einer Art Reinkultur auf. Gegenüber dieser Reinkultur des Kapitalismus erstarkten gewissermaßen die beiden anderen Kategorien, die hier unter Nr. II genannt sind. Die aristokratisch-feudalistische und die andere bäuerliche Gruppe, die erstarkten; die waren vielmehr zurückgetreten schon mit ihrer bindenden Gewalt Anfang der Achtzigerjahre und in den Siebzigerjahren und erstarkten dann wiederum, ich möchte sagen, wie in einer Art von Reaktion gegen das Heraufkommen des Kapitalismus, wurde dasjenige, was man eigentlich heute unter Proletariern versteht. Fast überall, wo heute von Proletariern gesprochen wird, redet man ja eigentlich so, wie wenn der Krieg gar nicht gewesen wäre! Es ist eigentlich untunlich, heute die Kategorien in demselben Sinne anzuwenden wie zum Beispiel 1912, 1913. Aber dasjenige, was man eben unter Proletariat versteht, das bildete sich gerade zu dieser Kategorie auch Ende der Achtzigerjahre, Anfang der Neunzigerjahre aus, und zeigte sich in seiner Reinkultur. Also es ist schon so, dass das Betrachten dieser Kategorien eine gewisse Bedeutung hat, wenn man das neuzeitliche Wirtschaftsleben begreifen will.
[ 3 ] Back then, in the 1990s, the heyday of liberalism—which had previously made quite an impression on all sides—had come to an end. Capitalism had, in fact, decisively broken away from the liberal ideas with which it had previously been closely intertwined, and only then, I would say, did it emerge in a sort of “pure form.” In contrast to this “pure form” of capitalism, the other two categories mentioned here under No. II grew stronger, so to speak. The aristocratic-feudalist group and the other, peasant group, grew stronger; they had, in fact, already receded in their binding influence in the early 1880s and during the 1870s, and then grew stronger again—I would say—as a sort of reaction against the rise of capitalism, becoming what we actually understand today as the proletariat. Almost everywhere people speak of “proletarians” today, they actually talk as if the war had never happened at all! It is actually impractical to apply these categories today in the same sense as, for example, in 1912 or 1913. But what we now understand as the proletariat took shape precisely as this category in the late 1880s and early 1890s, and manifested itself in its purest form. So it is certainly true that considering these categories has a certain significance if one wants to understand modern economic life.
[ 4 ] Nur muss man sich darüber klar sein, dass eben da die verschiedensten Strömungen und Kräfte des sozialen Lebens ineinander wirkten, um eine solche Gliederung überhaupt möglich zu machen.
[ 4 ] However, it is important to realize that it was precisely the interaction of the most diverse currents and forces of social life that made such a structure possible in the first place.
[ 5 ] Man redet heute vom Kapitalismus. Allein das Wichtige ist, dass man zuerst unterscheidet zwischen dem, was als, ich möchte sagen, historische Strömung des Kapitalismus heraufgekommen ist, [und dem], was bewirkt hat, dass sich eben kapitalistisch genannte Tendenzen in unser soziales Leben hineingemischt haben.
[ 5 ] People talk about capitalism today. The important thing, however, is to first distinguish between what has emerged as—I would say—a historical current of capitalism, [and that] which has caused tendencies specifically labeled as “capitalist” to become intertwined with our social life.
[ 6 ] Diese kapitalistischen Tendenzen haben ja immer mehr und mehr dazu geführt, dass sich das herausgebildet hat, was – wie ich glaube, 1908 – ich in einem Vortrag in Nürnberg hervorgehoben habe: dass ja der Kapitalismus dazumal deutlich schon zeigte, wie er unpersönlich wird, wie er gewissermaßen das unpersönlich-soziale Element herausgestaltete gegenüber dem früheren persönlichen Elemente, aus dem ja wiederum das Kapitalistische entstanden ist.
[ 6 ] These capitalist tendencies have, in fact, increasingly led to the emergence of what—as I believe 1908—I emphasized in a lecture in Nuremberg: that capitalism at that time was already clearly showing how it was becoming impersonal, how it was, so to speak, bringing out the impersonal-social element in contrast to the earlier personal element, from which capitalism itself had, in turn, arisen.
[ 7 ] Nicht wahr, ich habe damals an einem kleinen Beispiel, das ja nur historische Etappen charakterisieren will, veranschaulicht, wie der Kapitalismus aus einem persönlichen Stadium in ein unpersönliches allmählich eingetreten ist. Nehmen Sie, also sagen wir, das Rothschild-Stadium des Kapitalismus: das ist das persönliche Stadium. Es ist ja wirklich charakteristisch durch die Anekdote, die ich öfters erwähnt habe, wie Rothschild verhandelt mit einem Lederhändler im Sinne des Kapitalismus. Und während er mit diesem Lederhändler verhandelt, lässt sich anmelden der Finanzminister des Königs von Frankreich, der nun auch in kapitalistischen Dingen mit Rothschild zu verhandeln hat; dieser Finanzminister des Königs von Frankreich. Der Diener, der ihn angemeldet hat, hat vielleicht noch nicht ganz kapitalistische Tendenzen, steckt wahrscheinlich noch in handwerklich-bäuerlichen Tendenzen drinnen, sagen wir. Er meldet also den Minister an und glaubt nun, da muss eben gleich etwas geschehen, wenn er den Finanzminister des Königs von Frankreich anmeldet. Aber Rothschild sagt: er soll warten. – Der Diener geht hinaus und getraut sich fast nicht, dies dem Finanzminister des Königs von Frankreich zu sagen, dass er warten solle. Und nachdem er es schüchtern vorgebracht hat, sagt der Finanzminister ärgerlich: aber sagen Sie doch Rothschild: der Finanzminister des Königs von Frankreich ist da! – Ich habe das ja schon gesagt, – erwidert der Diener. – Nach einigem Warten reißt der Minister selber die Tür auf und sagt: Aber ich bin der Finanzminister des Königs von Frankreich. Rothschild, der die Absicht hatte, mit seinem Lederhändler erst fertig zu werden, sagt: Nehmen Sie bitte einen Stuhl, wenn Sie draußen nicht warten wollen. – Aber ich kann nicht warten. Ich bin der Finanzminister des Königs von Frankreich. – So nehmen Sie zwei Stühle; – sagte Rothschild. Das ist persönliches Element, das da ganz deutlich ersichtlich ist; das ist das persönliche Element.
[ 7 ] Isn’t it true that, back then, I used a small example—one intended merely to characterize historical stages—to illustrate how capitalism gradually transitioned from a personal stage to an impersonal one? Take, for example, the Rothschild stage of capitalism: that is the personal stage. It’s truly characteristic, as illustrated by the anecdote I’ve mentioned several times, how Rothschild negotiates with a leather merchant in the spirit of capitalism. And while he’s negotiating with this leather merchant, the finance minister of the King of France arrives to be announced—he, too, now has to negotiate with Rothschild on capitalist matters; this finance minister of the King of France. The servant who announced him may not yet have fully adopted capitalist tendencies; he is probably still steeped in artisanal and peasant ways, so to speak. So he announces the minister and believes that something must happen immediately when he announces the finance minister of the King of France. But Rothschild says: he should wait. – The servant goes out and hardly dares to tell the King of France’s Minister of Finance that he is to wait. And after he has timidly conveyed this, the Minister of Finance says angrily: “But tell Rothschild: the King of France’s Minister of Finance is here!” – “I’ve already said that,” replies the servant. – After waiting a while, the minister himself flings open the door and says: “But I am the finance minister of the King of France.” Rothschild, who had intended to finish his business with his leather merchant first, says: “Please take a seat if you don’t want to wait outside.” – “But I cannot wait. I am the finance minister of the King of France.” – “Then take two chairs,” said Rothschild. That is the personal element, which is quite clearly evident here; that is the personal element.
[ 8 ] Nehmen Sie ein etwas späteres Element, etwa ein solches, das ich 1908 in meinem Vortrage in Nürnberg erwähnt habe, das damals bereits eingetreten war: Da haben Sie das persönliche Element bereits gar nicht mehr drinnen. Es setzt sich langsam in der Geschichte fort, ist gar nicht mehr so stark darinnen. Da war schon die Tendenz eingetreten, erstens auf der einen Seite zum Überhandnehmen der Aktiengesellschaften, die das persönliche Element überhaupt unterdrückten, die das Kapital als solches wirtschaften lassen. Aber außerdem war da schon deutlich dieses Moment hervorgetreten, dass der eine bald oben, bald wieder unten ist, und der andere dann oben. So schnell, wie es jetzt geht, ist es damals noch nicht gegangen. Aber das Kapital hat gewirtschaftet, der eine war bald reich, bald arm, der andere ebenso. Das ist ja die Tendenz des Wirtschaftslebens gewesen. Und man würde interessante Resultate erzielen, wenn man das persönliche Element im Drinnenstehen im Wirtschaftsleben schon 1908 untersuchte.
[ 8 ] Take a somewhat later example, such as one I mentioned in my 1908 lecture in Nuremberg, which had already come to pass by then: In that case, the personal element is no longer present at all. It continues slowly throughout history, but is no longer as strongly present. By then, a trend had already set in: first, on the one hand, the rise of joint-stock companies, which suppressed the personal element entirely and allowed capital to operate as such. But in addition, this aspect had already become clearly evident—that one person is sometimes on top, sometimes at the bottom, and then another is on top. Things didn’t move as quickly back then as they do now. But capital was at work; one person was rich one moment and poor the next, and the same was true for another. That, after all, was the trend in economic life. And one would arrive at interesting results if one were to examine the personal element inherent in economic life as early as 1908.
[ 9 ] Nun, es ist also der Kapitalismus als Kapitalismus allerdings da gewesen Aber nun hat dieser Kapitalismus seinerzeit eine außerordentlich stark pädagogische, volkspädagogische Wirkung gehabt. Er hat die Leute erzogen. Und die kapitalistische Denkweise ist etwas anderes als der Kapitalismus. Die kapitalistische Denkweise, die erstreckt sich dann auf den ganzen Menschen. Und nicht wahr, sagen wir, wenn einer schließlich ein paar Aktien besitzt, so ist er gewiss in einer Weise Kapitalist; aber er hat noch nicht die kapitalistische Denkweise. Wenn einer aber sozialistisch-kapitalistisch ist und die allerstärkste einzelne Persönlichkeit aus ihm spricht, so bleibt er doch bis in die letzten Faser hinein durch und durch Kapitalist. Er ist durchaus kapitalistisch, seiner ganzen Persönlichkeit nach!
[ 9 ] Well, capitalism as such has certainly existed. But at the time, this capitalism had an extraordinarily strong educational effect—an effect on the general public. It educated the people. And the capitalist mindset is something different from capitalism itself. The capitalist mindset extends to the whole person. And isn’t it true that, let’s say, if someone owns a few shares, he is certainly a capitalist in a sense; but he does not yet possess the capitalist mindset. However, if someone is both socialist and capitalist, and his personality shines through with the greatest intensity, he remains a capitalist through and through to the very core. He is thoroughly capitalist, in his entire being!
[ 10 ] Diese Dinge muss man durchaus ins Auge fassen. Da zeigt sich also dann, wie es nützlich ist, auf der einen Seite solche Kategorien aufzustellen; aber auf der andern Seite zeigt sich deutlich, wie diese Dinge zugleich, indem sie sich so herausgebildet haben, wie sie standen um die Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts, wie sie eigentlich im Grunde genommen überall ihr Sichselbstad-absurdum-Führen schon in sich bergen.
[ 10 ] These are certainly things we must take into account. This shows, on the one hand, how useful it is to establish such categories; but on the other hand, it clearly reveals how these things—having developed as they did around the turn of the eighteenth and nineteenth centuries—actually, at their very core, already contain within themselves the potential to lead themselves ad absurdum.
[ 11 ] Der reine Kapitalismus, er ging ja aus ganz notwendigen Voraussetzungen hervor. Es hätte einfach können das Wirtschaftsleben namentlich des neunzehnten Jahrhunderts gar nicht in Szene gesetzt werden können, wenn der Kapitalismus sich nicht ausgebildet hätte.
[ 11 ] Pure capitalism, after all, arose from entirely necessary conditions. Economic life—particularly that of the nineteenth century—simply could not have unfolded if capitalism had not developed.
[ 12 ] Aber auf der andern Seite kann man sagen: Durch den Kapitalismus ist es auch niemals gelungen, etwa ganz und gar wiederum zu erobern irgendwie die soziale Ordnung. Nicht wahr, ein schlagendes Beispiel ist ja ein Staatsmann, der immerhin einen starken Einfluss gehabt hat, und im Grunde genommen so wenig persönliche Note und persönliche Valeurs hatte, dass er nicht als eine Individualität hingestellt werden kann, sondern als etwas, was typisch ist: Ein charakteristischer Mann ist der Fürst Bülow.
[ 12 ] But on the other hand, one could say: Capitalism has never succeeded in completely reclaiming the social order, so to speak. Isn’t it true that a striking example is a statesman who, after all, had a strong influence, yet fundamentally lacked such personal character and personal values that he cannot be portrayed as an individual, but rather as something typical: Prince Bülow is a characteristic man.
[ 13 ] Nun, sehen Sie, solch eine einflussreiche Persönlichkeit, die eine ungeheure Rolle gespielt hat gerade um die Wende des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts, ist der Fürst Bülow, der deutscher Reichskanzler sein kann, weil er kapitalisiert worden ist! Seine repräsentativen Pflichten, wie er sie als deutscher Reichskanzler notwendig hatte, verdankte er der großen Schenkung eines reinen Kapitalisten.
[ 13 ] Well, you see, Prince Bülow—who played an immense role right at the turn of the nineteenth and twentieth centuries—is such an influential figure that he was able to become German Imperial Chancellor simply because he had been “capitalized”! He owed his representative duties—which he was required to perform as German Chancellor—to a large donation from a pure capitalist.
[ 14 ] Also hier ist die deutsche Staatskunst kapitalistisch, ich will nicht sagen «unternehmerisch» geworden, aber sie ist äußerlich, was sich dem Anscheine nach darstellt, fundiert worden. Also da haben wir eine kapitalistisch fundierte Staatsmannskunst. Die Schenkung eines Großkapitalisten macht möglich, nicht wahr, macht möglich, dass Deutschland von der Erleuchtetheit des Fürsten Bülow regiert wird!
[ 14 ] So here, the art of statecraft in Germany has become capitalist—I don’t want to say “entrepreneurial”—but it has, outwardly and as it appears, been put on a solid foundation. So there we have an art of statecraft grounded in capitalism. A donation from a major capitalist makes it possible—doesn’t it?—makes it possible for Germany to be governed by Prince Bülow’s enlightened leadership!
[ 15 ] Aber dieser kapitalistisch fundierte Staatskünstler setzt es als sein Ideal, bei einer sehr wichtigen Abstimmung im Reichstag hin, dass auf seinem Grabstein stehen soll einstmals: Dieser war ein agrarischer Kanzler. Dieser war also ein Kanzler, der es hielt besonders mit der aristokratisch-feudalistischen Richtung.
[ 15 ] But this capitalist-minded statesman set as his ideal, during a very important vote in the Reichstag, that his tombstone should one day read: “This man was an agrarian chancellor.” He was, therefore, a chancellor who was particularly sympathetic to the aristocratic-feudalist movement.
[ 16 ] Sie sehen, wie die Dinge ineinandergewirtschaftet werden.
[ 16 ] You can see how things are all tied together.
[ 17 ] Auf der anderen Seite – einen sehr interessanten Gesichtspunkt hat ja Doktor Schuler angegeben in dem Verhältnisse des Katholizismus, des Protestantisch-Evangelischen zum Kapitalismus. Es ist richtig, und es ist ja auch von anderer Seite ein solcher Zusammenhang bereits debattiert worden. Allein bei dieser Gelegenheit darf man doch auch wiederum auf die Gegeninstanzen aufmerksam machen, die wiederum zeigen, dass, wenn man einen solchen Gesichtspunkt geltend macht, er sich durchaus nicht in radikaler Weise aufrechterhalten lässt.
[ 17 ] On the other hand—Dr. Schuler did raise a very interesting point regarding the relationship between Catholicism, Protestant-Evangelicalism, and capitalism. This is true, and such a connection has indeed already been debated from other perspectives. However, on this occasion, one must also draw attention to the counterexamples, which in turn show that, if one asserts such a viewpoint, it cannot be sustained in a radical manner.
[ 18 ] Zunächst könnte man ja einmal schon im Ausgangspunkte der Neuzeit auf die kapitalistische Führung des Sündenablasses durch den Tetzel aufmerksam machen: Dahinter stand der reine katholische Kapitalismus. Es handelte sich nicht, wie bekannt ist, um einen Handel, der in Deutschland für Rom abgeschlossen worden wäre immer bei jedem einzelnen Ablass; sondern die ganze Geschichte war ja vom Papst längst im Vorhinein an ein Genueser Bankhaus verkauft! Man riskierte es nur in dem Bankhaus, weil man darauf rechnete, dass gerade in Deutschland möglichst viele Leute darauf hineinfallen würden. Aber der Papst hatte längst das Geld in der Tasche, als der Tetzel herumreiste. Das sind Dinge, die sich schon staatskapitalistisch nennen lassen.
[ 18 ] To begin with, one could point out, right at the dawn of the modern era, the capitalist nature of Tetzel’s sale of indulgences: behind it all lay pure Catholic capitalism. As is well known, this was not a transaction concluded in Germany on Rome’s behalf for each and every individual indulgence; rather, the entire scheme had long since been sold by the Pope in advance to a Genoese banking house! The banking house took the risk only because it counted on as many people as possible—especially in Germany—falling for it. But the Pope had long since pocketed the money by the time Tetzel was traveling around. These are things that can already be called state capitalism.
[ 19 ] Und wenn wir in die neueste Zeit gehen, finden wir doch auch im Aufgange des Kapitalismus in den Achtzigerjahren, wie zum Beispiel eines der größten, der umfassendsten [Dinge] von der [Contra-Gruppe] unternommen worden ist, eben durch die Kirche, die katholische Kirche unternommen worden ist, und durchaus darauf ausging, streng katholisch […] [unleserlich] herbeizuführen, aber auf kapitalistischem Wege. – Ich weiß nicht, ob sie hier bekannt geworden ist, diese [Contra-Geschichte]; aber es zeigt durchaus, wie die katholische Kirche nicht etwa das alte Kapitalistische in ihr Netz hereingesponnen hätte. Das alles zeigt, [wie] Dinge, die, was eben [erwähnt worden ist], wie die Kategorien, die man so streng auseinanderhalten kann, wiederum durchaus ineinanderspielen. Und dasjenige, was Proletariat ist, ist unter diesem Einflusse. Da ist es dann heute noch vorhanden. Zeigt es sich denn nicht ganz klar, dass es das Allerunfruchtbarste als […] [unleserlich] durch die Kriegserscheinungen? Nicht wahr, wenn man so sagen kann: In Reinkultur war dieses Proletarische ja gerade in Deutschland vorhanden. Nun, nicht wahr, Lorbeer braucht natürlich keiner, der nicht gerade einer proletarischen Partei angehört, irgendwie nach [Schloss] Amerongen zu tragen, und ich habe hier öfter in der Richtung gesprochen, dass solche nicht notwendig sind. Aber natürlich könnte es einem nun wirklich manchmal recht schwer werden, einen Wertunterschied zu finden zwischen S. M. [Seiner Majestät] Wilhelm II. und zwischen S. M., nämlich Sattler-Meister Fritz Ebert. Nun ist ja sogar dieser ein [bekannterer großer Mann], und nun dieser Unterschied zwischen dem berüchtigten Militarismus und den [Unterkategorien], dieser Unterschied, er ist auch ein solcher, der nicht ganz so leicht auf Kategorien zu bringen ist. Alle diese Dinge müssten eben natürlich jetzt weiter ausgeführt werden, und sie würden zeigen, dass, wie die Dinge so liegen, ja in all diesen Kategorien, die sich herausgebildet haben und die man kennen muss, kann die […] [unleserliche Stelle] aufzufassen ist. Nur wer heute noch glaubt, wenn man von Umfang des Wertes [Stenogramm bricht ab].
[ 19 ] And if we turn to more recent times, we find that even during the rise of capitalism in the 1880s, one of the greatest and most comprehensive [undertakings] by the [Contra Group] was carried out precisely by the Church—the Catholic Church—and was entirely aimed at bringing about a strictly Catholic […] [illegible]—but through capitalist means. – I don’t know if this [Contra story] has become well-known here; but it certainly shows how the Catholic Church did not simply weave the old capitalist order into its web. All of this shows [how] things—such as what has just [been mentioned], such as the categories that one can so strictly distinguish from one another—in turn are thoroughly intertwined. And what constitutes the proletariat is under this influence. It is still present there today. Isn’t it quite clear that it is the most barren thing of all as […] [illegible] due to the manifestations of war? Isn’t it true, if one can put it that way, that in its purest form, this proletarian element was present precisely in Germany? Well, isn’t it true that no one—unless they happen to belong to a proletarian party—needs to carry laurels to [Castle] Amerongen, and I have often spoken here to the effect that such things are unnecessary. But of course, it could really be quite difficult at times to find a difference in status between His Majesty [His Majesty] Wilhelm II and His Majesty—namely, master saddler Fritz Ebert. Now, even he is a [well-known great man], and this distinction between the notorious militarism and its [subcategories]—this distinction—is also one that cannot quite be easily categorized. All these things would, of course, have to be elaborated on further now, and they would show that, as things stand, indeed in all these categories that have emerged and that one must be familiar with, the […] [illegible passage] can be understood. Only those who still believe today that, when speaking of the extent of value [stenogram breaks off].
