Appendix to the Public Lectures
GA 85
15 September 1900, Berlin
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Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
43. Friedrich Nietzsche als Philosoph und Dichter
43. Friedrich Nietzsche als Philosoph und Dichter
[ 1 ] Der Verein zur Förderung der Kunst hatte am Sonnabend im Bürgersaal des Rathauses eine Nietzsche-Gedenkfeier veranstaltet, die einen würdigen und schönen Verlauf nahm. Das Programm eröffnete ein HarmoniumVorspiel zu «Tristan und Isolde». Dann ergriff Dr. Rudolf Steiner das Wort, um eine Darstellung Friedrich Nietzsches als Philosoph und Dichter zu geben. Die interessanten Ausführungen des Redners resümieren sich kurz dahin: Jede Beurteilung Nietzsches muss vor allen Dingen die Disharmonie seines Geistes, die Doppelpersönlichkeit des Manns zugrunde gelegt werden, woraus sich am besten eine Erklärung dafür finden lässt, dass Nietzsche als Mensch stets das Gegenteil von seinen philosophischen Theorien war und blieb. Ferner habe man sich der Erkenntnis zu unterziehen, dass Nietzsche kein Verkünder einer neuen Weltanschauung war, wie er auch kein Prophet war und keine neuen Gedanken offenbarte. Sein Werk war es nur, bereits vorhandene Gedanken und Anschauungen zu vertiefen und zu veredeln. – Diesem Vortrage folgten dann verschiedene Rezitationen Nietzsche’scher Dichtungen; ein Harmonium-Vortrag bildete den Schluss der Feier.
[ 1 ] Der Verein zur Förderung der Kunst hatte am Sonnabend im Bürgersaal des Rathauses eine Nietzsche-Gedenkfeier veranstaltet, die einen würdigen und schönen Verlauf nahm. Das Programm eröffnete ein HarmoniumVorspiel zu «Tristan und Isolde». Dann ergriff Dr. Rudolf Steiner das Wort, um eine Darstellung Friedrich Nietzsches als Philosoph und Dichter zu geben. Die interessanten Ausführungen des Redners resümieren sich kurz dahin: Jede Beurteilung Nietzsches muss vor allen Dingen die Disharmonie seines Geistes, die Doppelpersönlichkeit des Manns zugrunde gelegt werden, woraus sich am besten eine Erklärung dafür finden lässt, dass Nietzsche als Mensch stets das Gegenteil von seinen philosophischen Theorien war und blieb. Ferner habe man sich der Erkenntnis zu unterziehen, dass Nietzsche kein Verkünder einer neuen Weltanschauung war, wie er auch kein Prophet war und keine neuen Gedanken offenbarte. Sein Werk war es nur, bereits vorhandene Gedanken und Anschauungen zu vertiefen und zu veredeln. – Diesem Vortrage folgten dann verschiedene Rezitationen Nietzsche’scher Dichtungen; ein Harmonium-Vortrag bildete den Schluss der Feier.
