Appendix to the Public Lectures
GA 85
8 January 1905, Munich
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Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
64. Weltgesetz und Menschenschicksal
64. Weltgesetz und Menschenschicksal
[ 1 ] Am zweiten Vortragsabend sprach Dr. R. Steiner über das Thema «Weltgesetz und Menschenschicksal». Bezugnehmend auf das vor Kurzem gefeierte Weihnachtsfest deutete er darauf hin, wie dieses in allen Religionen [als] das Licht- und Sonnenfest große Bedeutung gewann und wie es mit dem Gedächtnis der großen Religionsstifter und Führer der Menschheit verbunden wurde, der vollkommenen weisen Menschen, die im Altertume als Sonnenhelden bezeichnet wurden, insofern ihr Leben so ein Leben des Lichtes und ein der Erleuchtung gewidmetes war und insofern es bereits zur rhythmischen Regelmäßigkeit und Gesetzmäßigkeit vervollkommnet war gleich dem rhythmischen Gang des Gestirns. Wie diese älteren Brüder der Menschheit, so müssen auch alle Menschen dieses vollkommene gesetzmäßige rhythmische Leben durch ihre Entwicklung noch erreichen. Die Entwicklung im ganzen Universum strebt von Disharmonie zur Harmonie, vom Kampfe zur Ruhe. Wie im Makrokosmos, so ist auch im Mikrokosmos, in des Menschen eigenen Innern zunächst der Kampf der Willensregungen und Leidenschaften, der Kampf, den die Berührung mit der Umwelt hervorruft, vorherrschend. Das Sonderdasein stehe zunächst im Kampfe mit der Welt. Diese Disharmonien müssen in Harmonie verwandelt werden. Der Mensch erreiche sie, wenn er sich von seinen niedrigen widerstrebenden Leidenschaften und Begierden in geistiger Erhebung zu reinigen suche, und wenn er das Verlangen, das die Ursache seines materiellen Seins und seines irdischen Kampfes sei, und das ihn an das Einzelne fesselt, umzuwandeln suche in selbstlose, unpersönliche Liebe und Hingebung an die Umwelt, an das Sein. Die äußere Welt unterliegt dem großen Weltgesetz, das die Inder das des Kama (Karma) nennen, das heißt dem der ursächlichen Verkettungen aller Handlungen und aller Existenzen und der ausgleichenden Entwicklung. Durch die Verkörperung werde die ursprünglich indifferente Seele dem Weltengesetz unterworfen. Alle Handlungen, die dem Begehren entspringen, finden ihre Folgen nach diesem Gesetz. Mit der Verkörperung beginnt für die unschuldige Seele der Kampf zwischen Gut und Böse und der allmähliche Ausgleich dieser Gegensätze nach diesem Entwicklungsgesetze. Die Seele sammle aber derart ihre Erfahrungen, gewinne Fähigkeiten im Kampfe, sie werde derart innerlich immer reicher und inhaltsvoller. Das Resultat ihres Verhaltens im Lebenskampfe bestimme immer wieder ihr Schicksal, bis sie im endlichen geistigen Siege, erhaben über die Disharmonie der Leidenschaften, zur inneren Harmonie und in Liebe zur Harmonie mit der Welt gelangt, wieder kamafrei geworden sei. Inhaltsvoll, statt wie am Ausgangspunkte inhaltsleer, sei sie dann zur höchsten göttlichen Erkenntnis und, überpersönlich geworden, zum allgemeinen göttlichen Sein gelangt. Der Gang durch die Seelenwelt erfolge so nach dem Weltgesetz der allmählichen Umgestaltung und Ausgleichung rhythmisch wie der Gang der Sonne. Mit tiefem Verständnis dieses Lebens und Entwicklungsgesetzes, des Zusammenklanges von Menschenschicksal und Weltgesetz sagt Angelus Silesius: «Ich selbst muss Sonne sein; ich muss mit meinen Strahlen das farbenlose Bild der ganzen Gottheit malen.» Die Vorträge des gewandten Redners, an die sich eine längere Diskussion anschloss, wurde[n] von dem gewählten Auditorium sehr beifällig aufgenommen.
[ 1 ] Am zweiten Vortragsabend sprach Dr. R. Steiner über das Thema «Weltgesetz und Menschenschicksal». Bezugnehmend auf das vor Kurzem gefeierte Weihnachtsfest deutete er darauf hin, wie dieses in allen Religionen [als] das Licht- und Sonnenfest große Bedeutung gewann und wie es mit dem Gedächtnis der großen Religionsstifter und Führer der Menschheit verbunden wurde, der vollkommenen weisen Menschen, die im Altertume als Sonnenhelden bezeichnet wurden, insofern ihr Leben so ein Leben des Lichtes und ein der Erleuchtung gewidmetes war und insofern es bereits zur rhythmischen Regelmäßigkeit und Gesetzmäßigkeit vervollkommnet war gleich dem rhythmischen Gang des Gestirns. Wie diese älteren Brüder der Menschheit, so müssen auch alle Menschen dieses vollkommene gesetzmäßige rhythmische Leben durch ihre Entwicklung noch erreichen. Die Entwicklung im ganzen Universum strebt von Disharmonie zur Harmonie, vom Kampfe zur Ruhe. Wie im Makrokosmos, so ist auch im Mikrokosmos, in des Menschen eigenen Innern zunächst der Kampf der Willensregungen und Leidenschaften, der Kampf, den die Berührung mit der Umwelt hervorruft, vorherrschend. Das Sonderdasein stehe zunächst im Kampfe mit der Welt. Diese Disharmonien müssen in Harmonie verwandelt werden. Der Mensch erreiche sie, wenn er sich von seinen niedrigen widerstrebenden Leidenschaften und Begierden in geistiger Erhebung zu reinigen suche, und wenn er das Verlangen, das die Ursache seines materiellen Seins und seines irdischen Kampfes sei, und das ihn an das Einzelne fesselt, umzuwandeln suche in selbstlose, unpersönliche Liebe und Hingebung an die Umwelt, an das Sein. Die äußere Welt unterliegt dem großen Weltgesetz, das die Inder das des Kama (Karma) nennen, das heißt dem der ursächlichen Verkettungen aller Handlungen und aller Existenzen und der ausgleichenden Entwicklung. Durch die Verkörperung werde die ursprünglich indifferente Seele dem Weltengesetz unterworfen. Alle Handlungen, die dem Begehren entspringen, finden ihre Folgen nach diesem Gesetz. Mit der Verkörperung beginnt für die unschuldige Seele der Kampf zwischen Gut und Böse und der allmähliche Ausgleich dieser Gegensätze nach diesem Entwicklungsgesetze. Die Seele sammle aber derart ihre Erfahrungen, gewinne Fähigkeiten im Kampfe, sie werde derart innerlich immer reicher und inhaltsvoller. Das Resultat ihres Verhaltens im Lebenskampfe bestimme immer wieder ihr Schicksal, bis sie im endlichen geistigen Siege, erhaben über die Disharmonie der Leidenschaften, zur inneren Harmonie und in Liebe zur Harmonie mit der Welt gelangt, wieder kamafrei geworden sei. Inhaltsvoll, statt wie am Ausgangspunkte inhaltsleer, sei sie dann zur höchsten göttlichen Erkenntnis und, überpersönlich geworden, zum allgemeinen göttlichen Sein gelangt. Der Gang durch die Seelenwelt erfolge so nach dem Weltgesetz der allmählichen Umgestaltung und Ausgleichung rhythmisch wie der Gang der Sonne. Mit tiefem Verständnis dieses Lebens und Entwicklungsgesetzes, des Zusammenklanges von Menschenschicksal und Weltgesetz sagt Angelus Silesius: «Ich selbst muss Sonne sein; ich muss mit meinen Strahlen das farbenlose Bild der ganzen Gottheit malen.» Die Vorträge des gewandten Redners, an die sich eine längere Diskussion anschloss, wurde[n] von dem gewählten Auditorium sehr beifällig aufgenommen.
