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Appendix to the Public Lectures
GA 85

12 January 1906, Strasbourg

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Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
  1. Appendix to the Public Lectures, tr. SOL

77. Der Ursprung der Welt und des Menschen vom theosophischen Standpunkt

77. Der Ursprung der Welt und des Menschen vom theosophischen Standpunkt

[ 1 ] Ein zahlreiches Publikum, das sich aus allen Klassen der Gesellschaft rekrutierte, hatte sich am Freitagabend im großen Saal der Aubette versammelt, um Herrn Rudolf Steiner, den Generalsekretär der Theosophischen Gesellschaft in Berlin, die Theorie der Herkunft des Universums und des Menschen vom theosophischen Standpunkt darlegen zu hören. Als Ausgangspunkt machte er darauf aufmerksam, dass angesichts der wahrlich beunruhigenden Diversität und Vielfalt der Phänomene der Mensch selbstverständlich dazu verleitet ist, das intime Band, das sie verbindet, zu suchen und auf diese Weise logischerweise auf die Idee der Evolution kommt. Ebenso wie die Naturwissenschaften, die daraus ein ganzes System ableiteten, hat in gleicher Weise auch die Theosophie die Evolutionstheorie übernommen. Nur, während die Naturwissenschaftler einzig die materielle, äußere Seite der Natur sehen und studieren, erstreben die Theosophen die Kenntnis der spirituellen Entitäten, die Spiritualisierung der Ergebnisse der Naturwissenschaft. Die Theosophie ist also nicht in direkter Opposition zu den Naturwissenschaften; sie sucht eher diese zu ergänzen.

[ 1 ] Ein zahlreiches Publikum, das sich aus allen Klassen der Gesellschaft rekrutierte, hatte sich am Freitagabend im großen Saal der Aubette versammelt, um Herrn Rudolf Steiner, den Generalsekretär der Theosophischen Gesellschaft in Berlin, die Theorie der Herkunft des Universums und des Menschen vom theosophischen Standpunkt darlegen zu hören. Als Ausgangspunkt machte er darauf aufmerksam, dass angesichts der wahrlich beunruhigenden Diversität und Vielfalt der Phänomene der Mensch selbstverständlich dazu verleitet ist, das intime Band, das sie verbindet, zu suchen und auf diese Weise logischerweise auf die Idee der Evolution kommt. Ebenso wie die Naturwissenschaften, die daraus ein ganzes System ableiteten, hat in gleicher Weise auch die Theosophie die Evolutionstheorie übernommen. Nur, während die Naturwissenschaftler einzig die materielle, äußere Seite der Natur sehen und studieren, erstreben die Theosophen die Kenntnis der spirituellen Entitäten, die Spiritualisierung der Ergebnisse der Naturwissenschaft. Die Theosophie ist also nicht in direkter Opposition zu den Naturwissenschaften; sie sucht eher diese zu ergänzen.

[ 2 ] Die Theosophie ist, um es genau zu sagen, die Wissenschaft von Gott; aber da Gott unfassbar ist, muss man auf eine theoretische Erkenntnis von Gott verzichten. Die Theosophie ist in Wahrheit die Lehre vom angenommenen göttlichen Keim im Menschen; sie sieht die Welt nicht mit den körperlichen Augen, sondern mit den Augen des Geistes, und, geradeso wie ein Blinder, welchem eine Operation das Sehvermögen geschenkt hat, verblüfft ist vom Erscheinungsbild der Gegenstände, die er bisher nur vom Hör- und Tastsinn usw. kannte, in der gleichen Art erkennt die Theosophie den Dingen neue Eigenschaften und Eigenheiten zu … Der Redner stützte hier seine These auf zahlreiche Zitate, die er von berühmten Naturforschern und Philosophen lieh, so etwa von Leibniz.

[ 2 ] Die Theosophie ist, um es genau zu sagen, die Wissenschaft von Gott; aber da Gott unfassbar ist, muss man auf eine theoretische Erkenntnis von Gott verzichten. Die Theosophie ist in Wahrheit die Lehre vom angenommenen göttlichen Keim im Menschen; sie sieht die Welt nicht mit den körperlichen Augen, sondern mit den Augen des Geistes, und, geradeso wie ein Blinder, welchem eine Operation das Sehvermögen geschenkt hat, verblüfft ist vom Erscheinungsbild der Gegenstände, die er bisher nur vom Hör- und Tastsinn usw. kannte, in der gleichen Art erkennt die Theosophie den Dingen neue Eigenschaften und Eigenheiten zu … Der Redner stützte hier seine These auf zahlreiche Zitate, die er von berühmten Naturforschern und Philosophen lieh, so etwa von Leibniz.

[ 3 ] Was den Ursprung des Universums betrifft, so hat uns die Naturwissenschaft sehr überzeugende Erklärungen gegeben. Sie konnte uns mit einer unerschütterlichen Gewissheit Daten über die geografische oder klimatische Lage der Welt liefern, über Flora und Fauna, über die anatomische Konstitution und das Leben des Menschen in den am längsten vergangenen Epochen; aber die Seele, das geistige Leben, sie hat sie ignoriert. Hier beginnt die Aufgabe der Theosophie. Die Mittel, derer sie sich bedient, um theoretische Kenntnisse zu erlangen, sind diese drei Bewusstseinszustände: Der Zustand des Wachens, der Zustand des Traumes und der Zustand des Schlafes. Der Redner zeigt auf, dass die drei Bewusstseinszustände den drei Phasen der geistigen Evolution entsprechen.

[ 3 ] Was den Ursprung des Universums betrifft, so hat uns die Naturwissenschaft sehr überzeugende Erklärungen gegeben. Sie konnte uns mit einer unerschütterlichen Gewissheit Daten über die geografische oder klimatische Lage der Welt liefern, über Flora und Fauna, über die anatomische Konstitution und das Leben des Menschen in den am längsten vergangenen Epochen; aber die Seele, das geistige Leben, sie hat sie ignoriert. Hier beginnt die Aufgabe der Theosophie. Die Mittel, derer sie sich bedient, um theoretische Kenntnisse zu erlangen, sind diese drei Bewusstseinszustände: Der Zustand des Wachens, der Zustand des Traumes und der Zustand des Schlafes. Der Redner zeigt auf, dass die drei Bewusstseinszustände den drei Phasen der geistigen Evolution entsprechen.

[ 4 ] Der Zeitraum, in welchem wir uns gegenwärtig befinden, ist der Wachzustand. Früher waren wir im Schlafzustand, ein Zustand der vagen Unbestimmtheit, wo der Mensch nur Bilder wahrnahm, die er nicht kombinieren, zu denen er sich keine Idee bilden konnte, so unfähig, wie er war, zu überlegen, so seiner Intelligenz unbewusst, wie er war. Die Naturforscher fanden als charakteristisch für die Menschen dieses Zeitraums Skelette mit abgeplattetem Schädel, Indiz des niedrigen Niveaus, auf dem der Intellekt sich damals befand. Aber die Materie war damals noch weich, und durch die Wahrnehmung von Bildern gelangten die Menschen dazu, die Glieder ihres Leibes zu modifizieren. Es war also das Bilderbewusstsein, das die Lebenskraft des Menschen in jenem Zeitraum ausmachte: Die Kunst des Kombinierens und des Verstehens wurde in der Folge von Naturkräften erreicht. Durch die Evolution sind wir also zum jetzigen Wachzustand gekommen.

[ 4 ] Der Zeitraum, in welchem wir uns gegenwärtig befinden, ist der Wachzustand. Früher waren wir im Schlafzustand, ein Zustand der vagen Unbestimmtheit, wo der Mensch nur Bilder wahrnahm, die er nicht kombinieren, zu denen er sich keine Idee bilden konnte, so unfähig, wie er war, zu überlegen, so seiner Intelligenz unbewusst, wie er war. Die Naturforscher fanden als charakteristisch für die Menschen dieses Zeitraums Skelette mit abgeplattetem Schädel, Indiz des niedrigen Niveaus, auf dem der Intellekt sich damals befand. Aber die Materie war damals noch weich, und durch die Wahrnehmung von Bildern gelangten die Menschen dazu, die Glieder ihres Leibes zu modifizieren. Es war also das Bilderbewusstsein, das die Lebenskraft des Menschen in jenem Zeitraum ausmachte: Die Kunst des Kombinierens und des Verstehens wurde in der Folge von Naturkräften erreicht. Durch die Evolution sind wir also zum jetzigen Wachzustand gekommen.

[ 5 ] Im Bewusstseinszustand, in dem sich der Mensch früher befand und der dem Schlafzustand ohne Traum entspricht, konnte der Mensch nicht einmal Bilder produzieren. Er hatte nur eine Klangvorstellung der Welt. Die Wesen von damals befanden sich in einem «Zustand der Inspiration». Auch heute noch gibt es Menschen, die diese Inspiration besitzen: Bei Goethe (zum Beispiel) war dies der Fall. Als einzige Zerebralfähigkeit besaß der Mensch damals den Willen.

[ 5 ] Im Bewusstseinszustand, in dem sich der Mensch früher befand und der dem Schlafzustand ohne Traum entspricht, konnte der Mensch nicht einmal Bilder produzieren. Er hatte nur eine Klangvorstellung der Welt. Die Wesen von damals befanden sich in einem «Zustand der Inspiration». Auch heute noch gibt es Menschen, die diese Inspiration besitzen: Bei Goethe (zum Beispiel) war dies der Fall. Als einzige Zerebralfähigkeit besaß der Mensch damals den Willen.

[ 6 ] Vor diesem Zeitraum war das Universum ohne Seele. Die Seelen kamen von einer höheren Welt, aus der sie von Gott hergenommen wurden, der auch die Leiber vorbereitete, um sie zu empfangen. Alle Körper sind beseelt: Die Sonne, die Erde, und so weiter. Die Erde ist zum Beispiel durch die Seele der Sonne beseelt.

[ 6 ] Vor diesem Zeitraum war das Universum ohne Seele. Die Seelen kamen von einer höheren Welt, aus der sie von Gott hergenommen wurden, der auch die Leiber vorbereitete, um sie zu empfangen. Alle Körper sind beseelt: Die Sonne, die Erde, und so weiter. Die Erde ist zum Beispiel durch die Seele der Sonne beseelt.

[ 7 ] So war also zur Zeit der Schöpfung der Welt der Geist der einzige Träger und der einzige Produzent; noch heute ist er der einzige schöpferische Akteur und Antrieb in der Natur.

[ 7 ] So war also zur Zeit der Schöpfung der Welt der Geist der einzige Träger und der einzige Produzent; noch heute ist er der einzige schöpferische Akteur und Antrieb in der Natur.

[ 8 ] Wir bedauern, dass wir hier nur eine schwache Zusammenfassung des interessanten Vortrags von Herrn Steiner geben können. Besonders schade ist es unserer Meinung nach, dass wir hier den Ton der tiefen Überzeugung, die Ehrlichkeit eines Apostels, die in der Rede durchdrang, nicht wiedergeben können. Herr Steiner beendete seine interessanten Darlegungen, indem er die Hoffnung aussprach, dass einmal der Tag kommen würde, wo die theosophische Idee von der ganzen Welt angenommen werde.

[ 8 ] Wir bedauern, dass wir hier nur eine schwache Zusammenfassung des interessanten Vortrags von Herrn Steiner geben können. Besonders schade ist es unserer Meinung nach, dass wir hier den Ton der tiefen Überzeugung, die Ehrlichkeit eines Apostels, die in der Rede durchdrang, nicht wiedergeben können. Herr Steiner beendete seine interessanten Darlegungen, indem er die Hoffnung aussprach, dass einmal der Tag kommen würde, wo die theosophische Idee von der ganzen Welt angenommen werde.

[ 9 ] Das Publikum, das mit lebhafter Aufmerksamkeit dem interessanten Vortrag Herrn Steiners zugehört hatte, übertrug seine Befriedigung am Ende der Sitzung in warmen Applaus.

[ 9 ] Das Publikum, das mit lebhafter Aufmerksamkeit dem interessanten Vortrag Herrn Steiners zugehört hatte, übertrug seine Befriedigung am Ende der Sitzung in warmen Applaus.