Consciousness — Life — Form
GA 89
6/7 January 1906
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Consciousness — Life — Form, tr. SOL
Die Entwicklung der Erde
The Evolution of the Earth
[ 1 ] Die Erde ist der vierte der sieben Planeten, auf denen der Mensch aufeinanderfolgend seine sieben Bewußtseinszustände entwickelt. Es ist gezeigt worden, daß der Mond der Schauplatz zur Entfaltung des Bilderbewußtseins ist. Ein «Bild» ist nur ähnlich, nicht gleich seinem Gegenstande. Das Bewußtsein aber, das auf der Erde ausgebildet wird, erzeugt Vorstellungen, die in einer gewissen Beziehung «gleich» sind dem Gegenstande, zu dem sie gehören. Deshalb wird das Erdenbewußtsein auch das «Gegenstandsbewußtsein» genannt. Doch entwickelt sich dieses Gegenstandsbewußtsein erst während des vierten kleineren Erdenkreislaufes (Runde). Während der drei ersten werden die früher auf Saturn, Sonne und Mond durchgemachten Zustände kurz wiederholt. Doch muß auch hier wieder gesagt werden, daß man es nicht mit einer bloßen Wiederholung zu tun hat, sondern es gestalten sich während dieser Wiederholung der physische Körper, der Äther- und der Astralleib so um, daß sie Träger des «Ich» werden können, von dessen Entwickelung in der vierten Runde ja das Gegenstandsbewußtsein abhängt. Wenn also nach der dritten Wiederholungsrunde der Erde wieder eine Art Schlafzustand durchgemacht ist — zwischen dem sogenannten archetypischen und dem arupischen Globus — dann tritt, beim Beginn der vierten Runde alles das — zunächst arupisch — hervor, was als Ergebnis der Saturn-, Sonnen- und Mondentwikkelung zu betrachten ist. Man hat es also da zu tun mit den Nachkömmlingen der drei Mondenreiche: dem Mineralreich, das noch in gewissem Sinne pflanzlich ist, mit dem Pflanzenreiche, das etwas wie tierisches Leben hat, und mit einem Tierreiche, das höher steht als das gegenwärtige Tierreich. Diese drei Reiche bilden zusammen den von Neuem aus dem Dämmerzustand hervortretenden Planeten: die Erde. Doch ist festzuhalten, daß in dieser Erde noch die ehemalige Sonne und der ehemalige Mond mitenthalten sind. Während die Mondmanvantara zu Ende ging, haben sich ja Sonne und Mond wieder vereinigt und sind als ein Körper ins Pralaya hinübergegangen. Sie treten dann auch hier wieder als ein Körper heraus, obwohl sich schon in der dritten Erdenrunde die Tendenz zur Spaltung deutlich gezeigt hat. Nun macht die Erde — während der vierten Runde — den Rupa- und Astral-Zustand durch, und schickt sich dann an, wieder physisch zu werden.
[ 1 ] Earth is the fourth of the seven planets on which human beings successively develop their seven states of consciousness. It has been shown that the Moon is the setting for the unfolding of image consciousness. An “image” is only similar to, not identical with, its object. The consciousness, however, that is developed on Earth produces ideas that are, in a certain sense, “identical” to the object to which they belong. For this reason, Earth consciousness is also called “object consciousness.” However, this object consciousness does not develop until the fourth minor Earth cycle (round). During the first three, the states previously experienced on Saturn, the Sun, and the Moon are briefly repeated. Yet it must be emphasized once again that this is not a mere repetition; rather, during this repetition, the physical body, the etheric body, and the astral body are transformed in such a way that they can become vehicles for the “I,” upon whose development in the fourth round object consciousness depends. Thus, once the Earth has again undergone a kind of dormant state after the third cycle of repetition—between the so-called archetypal and the astral globes—then, at the beginning of the fourth cycle, everything that is to be regarded as the result of the Saturn, Sun, and Moon developments emerges—initially in the astral form. We are thus dealing here with the descendants of the three lunar kingdoms: the mineral kingdom, which is still, in a certain sense, plant-like; the plant kingdom, which possesses something akin to animal life; and an animal kingdom that stands higher than the present animal kingdom. Together, these three kingdoms form the planet emerging anew from the twilight state: the Earth. However, it must be noted that this Earth still contains the former Sun and the former Moon. As the Lunar Manvantara drew to a close, the Sun and Moon reunited and passed into Pralaya as a single body. They then re-emerge here as a single body as well, although the tendency toward separation had already become clearly evident during the third Earth cycle. Now, during the fourth round, the Earth is passing through the Rupa and Astral states and is preparing to become physical once more.
[ 2 ] Die Herausbildung dieses physischen Zustandes bei den drei genannten Reichen obliegt den «Geistern der Form». Sie bilden namentlich bei dem höchsten Reiche, dem Tier-Menschenreiche die früheren «Sinneskeime» zu wirklich geformten Sinnesorganen um. In allen früheren physischen Zuständen, welche der Mensch durchgemacht hat, hatten die Sinnesorgane noch nicht die festgefügte Form.
[ 2 ] The development of this physical state in the three kingdoms mentioned is the responsibility of the “spirits of form.” Specifically, in the highest kingdom—the animal-human kingdom—they transform the earlier “sense germs” into fully formed sense organs. In all earlier physical states that human beings have undergone, the sense organs did not yet have a fixed form.
[ 3 ] Nun hören diese Organe dadurch, daß sie eine feste Form erhalten, auf, aktiv zu sein; sie verlieren ihre Produktivität, sie werden rein passiv, geeignet zum bloßen Wahrnehmen des von außen als Gegenstände Dargebotenen. Die Produktionskraft zieht sich also von den Sinnesorganen zurück; sie geht mehr nach innen; sie bildet das Verstandesorgan. — Dieses Organ kann aber nicht gebildet werden, ohne daß wieder ein Hinabstoßen eines gewissen Teiles der menschlichen Genossen auf eine tiefere Stufe stattfindet. Jetzt aber stößt der Mensch einen Teil seines Wesens selbst in eine untergeordnete Region hinab. Er sondert einen Teil seines Wesens als die eigene niedere Natur ab. Und diese niedere Natur behält die Produktionskraft, welche die Sinnesorgane haben abgeben müssen. Diese in eine niedrigere Sphäre hinabgestoßene Produktionskraft wird zur geschlechtlichen Hervorbringungskraft, wie sie auf der Erde auftritt. Die «Geister der Form» würden alle Hervorbringungskraft und damit alles Leben erstarren machen, zur bloßen Form erhärten, wenn sie nicht diese Kraft auf einen Teil des Menschenwesens konzentrierten. Daher bewirken die Geister der Form die Geschlechtsbildung. Ohne diese müßten statt lebender Menschen Statuen entstehen.
[ 3 ] Now, by acquiring a fixed form, these organs cease to be active; they lose their productivity, become purely passive, and are suited only to the mere perception of what is presented from the outside as objects. The productive power thus withdraws from the sensory organs; it turns more inward; it forms the organ of reason. — But this organ cannot be formed without a certain part of the human essence being pushed down again to a lower level. Now, however, human beings themselves cast down a part of their own being into a subordinate region. They separate a part of their being as their own lower nature. And this lower nature retains the productive power that the sense organs have had to relinquish. This productive power, cast down into a lower sphere, becomes the sexual generative power as it appears on Earth. The “Spirits of Form” would cause all creative power—and thus all life—to solidify, hardening it into mere form, were they not to concentrate this power upon a part of the human being. Therefore, the Spirits of Form bring about the formation of the sexes. Without this, statues would arise instead of living human beings.
[ 4 ] Nun ist der ganze Vorgang mit einer völligen Umbildung der Erde verknüpft. Es entstehen solche Verhältnisse, daß die geschilderten Wesen leben können. Das wird möglich dadurch, daß die Erde — jetzt noch mit dem Monde vereint — aus dem sich abspaltet, was als Sonne zurückbleibt. Dadurch tritt die Sonne eben als selbständiger Körper der Erde entgegen. Das ist die äußere physische Bedingung für das Entstehen der äußeren Wahrnehmung, des Gegenstandsbewußtseins, und für die Herausbildung der geschlechtlichen Anlagen. Doch hat man es zu dieser Zeit noch durchaus mit einer Doppelgeschlechtigkeit zu tun. Das rührt davon her, daß die Mondenkräfte noch alle in der Erde darinnen stecken. Nur ist während dieser Zeit das Verstandesorgan, obwohl vorhanden, noch ganz untätig. Es wird erst seine Aktivität entfalten können, wenn die Geschlechts-Produktionskraft sich um die Hälfte vermindert hat, so daß ein jedes Wesen nur die Hälfte der früheren Produktionskraft sein eigen nennt. Damit ist dann die Zweigeschlechtigkeit gegeben. Äußerlich wird das bewirkt durch das Heraustreten derjenigen Kräfte aus der Erde, welche diese dann als der gegenwärtige Mond umkreisen. Wäre nun diese Abtrennung nicht erfolgt, dann hätte die ganze Erde zu einer starren Masse, zur bloßen Form werden müssen. So aber hat sich nur das aus ihr entfernt, was unbedingt fest werden mußte, und dies ist eben Mond geworden, auf dem eben das menschliche Leben nicht sich entfalten konnte. So hat sich, aus der gemeinsamen planetarischen Materie heraus, die Erde das gerettet, was produktiv sein konnte, wenn auch nur auf dem niederen Gebiete des geschlechtlichen Lebens. Der Repräsentant der «Geister der Form» ist Jehova. Er bewirkt somit die Formung der Sinnesorgane; aber er bewirkte auch, wenn er nun mehr allein wirksam wäre, die vollständige Erstarrung in der bloßen Form.
[ 4 ] Now, this entire process is linked to a complete transformation of the Earth. Conditions arise that allow the beings described to live. This becomes possible because the Earth—still united with the Moon—splits off from what remains as the Sun. As a result, the Sun appears as an independent body in relation to the Earth. This is the external physical condition for the emergence of external perception, of object consciousness, and for the development of sexual faculties. However, at this time, we are still dealing with a state of hermaphroditism. This stems from the fact that the lunar forces are still entirely contained within the Earth. However, during this period, the organ of intellect, although present, is still completely inactive. It will only be able to unfold its activity once the reproductive power has been reduced by half, so that each being possesses only half of its former reproductive power. This then establishes the state of dual sex. Externally, this is brought about by the emergence from the Earth of those forces which then orbit it as the present Moon. Had this separation not taken place, the entire Earth would have had to become a rigid mass, a mere form. But as it is, only that which was bound to become solid has been removed from it, and this has become the Moon, on which human life could not unfold. Thus, from the common planetary matter, the Earth has preserved that which could be productive, even if only in the lower realm of sexual life. The representative of the “Spirits of Form” is Jehovah. He thus brings about the formation of the sense organs; but if he were to act alone, he would also bring about complete solidification into mere form.
[ 5 ] Nun werden für den weiteren Fortgang zwei Ereignisse bedeutsam. Das Eine ist die Entstehung der beiden Geschlechter aus dem oben angegebenen Grunde. Die Form des Geschlechtlichen rührt von den Formgeistern her. Aber damit ist nicht auch schon der Zug der beiden Geschlechter füreinander, die Neigung derselben zueinander gegeben. Diese kommt davon, daß sich in dem Leben der beiden Geschlechter besondere Wesen verkörpern, welche von einem fremden Schauplatze herabsteigen: von der Venus. Durch sie wird jetzt die Liebe in ihrer untergeordnetsten Form, als Neigung der Geschlechter [zueinander], der Erde einverleibt. Diese Liebe ist dazu berufen, sich immer mehr zu veredeln, und später die höchsten Formen anzunehmen.
[ 5 ] Two events are now significant for what follows. The first is the emergence of the two sexes for the reason stated above. The form of the sexes derives from the Form Spirits. But this alone does not yet account for the mutual attraction of the two sexes, their inclination toward one another. This arises from the fact that, in the lives of the two sexes, special beings incarnate who descend from a foreign realm: from Venus. Through them, love—in its most basic form, as the attraction of the sexes [toward one another]—is now incorporated into the Earth. This love is destined to become ever more refined and, later, to assume the highest forms.
[ 6 ] So wie nun die Venuswesen das Element [der Neigung] der getrennten Geschlechter [zueinander] abgeben, so bewirken sie andrerseits auch, daß der Verstand fruchtbar werden kann. Er erhält die Hälfte der an der Geschlechtskraft ersparten Produktionsfähigkeit. Aus diesem Grunde können sich jetzt die Monaden — zunächst ihr Manasteil —, die sich, wie gezeigt, während Saturn-, Sonne- und Mond-Zyklus gebildet haben, in das Verstandesorgan herabsenken. Doch wäre das Wirken der Monaden kalt und trocken geblieben, wenn nicht der Astralleib einen solchen Einschlag erhalten hätte, daß der Mensch die Tätigkeit seines Verstandes mit einer gewissen höheren Leidenschaftlichkeit betriebe. Dieser Einschlag kam dem Menschen vom Mars her. Und diejenigen, welche ihn vermittelten, sind die luziferischen Wesenheiten, welche auf dem Monde zwar über die Stufe des späteren Erd-Menschendaseins hinausgekommen sind, es aber doch nicht so weit gebracht haben, daß sie wie die Lunar-Pitris ihre Mondentwickelung mit dem Mondmanvantara hätten abschließen können. Sie bringen, als Eingeweihte, jetzt die Mars-Astralkräfte in den Astralleib des Menschen und fachen damit in diesem die Leidenschaft für die Betätigung des Intellektes an. Damit beleben sie die Erkenntnis des Menschen; sie fachen ihn zur Selbständigkeit an. Das ist die Hilfe in der Fortentwickelung des Menschen, welche durch das luziferische Prinzip geleistet wird. Allerdings verbanden sie mit der Erkenntnis auch den Eigennutz. Denn sie entfachen ja das Denken durch die Leidenschaft, und diese bewirkt den Eigennutz. Aber nur dadurch ist es möglich geworden, daß der Mensch die Erde seinen Zwecken dienstbar gemacht hat, sie in seinen Nutzen genommen hat. Jehova hätte bloß die Form des Verstandesorgans gegeben, und die Geister. von der Venus hätten bloß in diesem einen leidenschaftslosen Sinn erweckt; denn was von ihnen nach dieser Richtung gegeben werden konnte, ist ja an die Fortpflanzungskraft abgeliefert worden.
[ 6 ] Just as the Venusian beings now relinquish the element [of attraction] between the separate sexes, so, on the other hand, they also enable the intellect to become fruitful. It receives half of the productive capacity spared from the sexual force. For this reason, the monads—initially their Manas aspect—which, as shown, formed during the Saturn, Sun, and Moon cycles, can now descend into the organ of the intellect. Yet the monads’ activity would have remained cold and dry had the astral body not received such an impulse that human beings would carry out the activity of their intellect with a certain higher passion. This influence came to humankind from Mars. And those who mediated it are the Luciferic beings who, on the Moon, had indeed advanced beyond the stage of later earthly human existence, but had not yet progressed far enough to be able, like the Lunar Pitris, to complete their lunar development with the Lunar Manvantara. As initiates, they now bring the astral forces of Mars into the human astral body and thereby stir up within it a passion for intellectual activity. In this way, they enliven human knowledge; they spur the human being toward independence. This is the contribution to human evolution made by the Luciferic principle. However, they also linked self-interest to this knowledge. For they do indeed kindle thinking through passion, and this passion gives rise to self-interest. But it is only through this that it has become possible for human beings to make the Earth serve their purposes and to use it for their own benefit. Jehovah would have merely provided the form of the organ of understanding, and the spirits from Venus would have merely awakened a dispassionate sense within it; for whatever they could have contributed in this direction has, after all, been devoted to the power of procreation.
