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Self-Knowledge and God-Knowledge I
GA 90a

28 May 1904, Berlin

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Self-Knowledge and God-Knowledge I, tr. SOL
  1. Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis I, 1st ed.

27. Über die Bedeutung der ältesten Teile des alten Testamentes

27. On the Significance of the Oldest Parts of the Old Testament

[ 1 ] Ich wollte über die Bedeutung der ältesten Teile des Alten Testamentes noch einiges sprechen, bevor ich zu anderem übergehe. Ich habe Ihnen öfters gesagt, dass man in Bezug auf die Auslegung des Alten Testamentes zu einem Punkt kommt, wo man anfängt, es mehr oder weniger wörtlich nehmen zu können. Nun erlebten wir im neunzehnten Jahrhundert ein Zeitalter, das so wenig wie möglich geeignet war, so etwas wie die fünf Bücher Moses zu begreifen. Wer diese fünf Bücher Moses begreift, der sieht sich selbst zunehmen nicht nur an Einsicht in die Welt, sondern auch zunehmen an innerer Schätzung und Verehrung gegenüber alledem, was an Schriften zu uns spricht, wie etwas, was nicht allein menschliche Stimme, sondern - lassen wir das vorläufig in unbestimmter Art ausgesprochen sein — was zu uns herabklingt von höheren Sphären, als es die menschlichen Sphären sind.

[ 1 ] I wanted to say a few more things about the significance of the oldest parts of the Old Testament before moving on to other topics. I have often told you that, when it comes to interpreting the Old Testament, one reaches a point where one begins to be able to take it more or less literally. Now, in the nineteenth century, we experienced an age that was as ill-suited as possible to comprehending something like the Five Books of Moses. Whoever comprehends these Five Books of Moses finds themselves growing not only in insight into the world, but also in inner appreciation and reverence for all the writings that speak to us—as something that is not merely a human voice, but — let us leave this, for the time being, expressed in vague terms — as something that resounds down to us from spheres higher than the human ones.

[ 2 ] In der Tat, wir könnten und werden es vielleicht auch einmal tun können, zurückgehen auf den Ursprung, auf die eigentlichen Urtheorien solcher Schriften, auf die ersten Anreger. Aber wir wollen das heute nicht tun. Wir wollen die Frage berühren, die auf eine historische Tatsache zurückgeht, zunächst, welche sich zwar mit den äußeren Mitteln des Schrifttums heute nicht feststellen lässt, die sich aber, wenn die theosophische Bewegung einmal mehr Wurzel gefasst haben wird, als ziemlich selbstverständlich ergeben wird. Also, auf eine historische Tatsache möchte ich zunächst Rücksicht nehmen. Zur Zeit, als das Christentum seinen ersten Ausgangspunkt bekommen hat, als Jesus von Nazareth lebte, da war im berühmten Alexandrien die Schule des Philon. Unter den mannigfaltigen Lehren, welche dieser Philon gab, waren diejenigen die hervorragendsten, die er seinen Schülern über die fünf Bücher des Moses gab.

[ 2 ] In fact, we could—and perhaps one day will be able to—trace these writings back to their origins, to the actual original theories behind them, to their earliest inspirers. But we will not do that today. We want to touch on a question that stems from a historical fact—one that, while it cannot be established today through the external means of scholarship, will become quite self-evident once the Theosophical Movement has taken deeper root. So, I would like to begin by considering a historical fact. At the time when Christianity first took shape, when Jesus of Nazareth was alive, there was the School of Philo in the famous city of Alexandria. Among the manifold teachings that Philo imparted, the most outstanding were those he gave his students on the Five Books of Moses.

[ 3 ] Ich bemerke, dass zu diesen Schülern auch der Evangelist gehörte, welcher das Evangelium des Johannes geschrieben hat. Der Geist lebt also in dem vierten Evangelium, welcher in den ägyptischen Schulen lebte. Diese Auslegung bedurfte einer ganz besonderen spirituellen Eigenart, und Philon sagte zunächst seinen Schülern, dass diese fünf Bücher Moses nicht geschrieben worden seien, um das auszudrücken, was zunächst in ihnen erzählt wird, sondern dass dieses nur ein äußeres Kleid sei, um tiefe innere menschliche Wahrheiten auszudrücken. Zeile für Zeile ist im Alten Testament sinnbildlich, symbolisch für menschliche innere Vorgänge zu verstehen, für solche Vorgänge, welche sich zu gleicher Zeit auch in der Zeit abspielten, das heißt die Vorgänge haben sich in den Besten des Volkes abgespielt durch viele hundert Jahre hindurch, in der Zeit in welcher Abraham nach dem kanaaischen Lande gewandert ist bis zu der Zeit, in der die Juden in die babylonische Gefangenschaft geführt worden sind. Da haben sich Vorgänge abgespielt, die sich nicht äußerlich, sondern in den Seelen abspielten, die allerdings zusammenhingen mit geschichtlichen Vorgängen. Allein, man versteht die geschichtlichen Vorgänge nicht, wenn man sie nicht in Zusammenhang bringt mit den inneren Geschehnissen. Vor allem gerieten die Schüler in eine Stimmung hinein, dass ihnen das ganze Testament als eine Offenbarung des inneren menschlichen Selbst erschien.

[ 3 ] I note that among these disciples was the evangelist who wrote the Gospel of John. The Spirit, then, lives in the fourth Gospel, just as it lived in the Egyptian schools. This interpretation required a very special spiritual disposition, and Philo first told his students that these five books of Moses had not been written to express what is initially recounted in them, but that this was merely an outer garment to express profound inner human truths. Line by line, the Old Testament is to be understood allegorically, as symbolic of inner human processes—processes that also unfolded in time, that is, the processes took place within the best of the people over many hundreds of years, from the time when Abraham wandered through the land of Canaan until the time when the Jews were taken into Babylonian captivity. Events took place there not outwardly, but within the souls—events that were, however, connected to historical events. However, one cannot understand the historical events unless one relates them to the inner events. Above all, the students were led into a state of mind in which the entire Testament appeared to them as a revelation of the inner human self.

[ 4 ] Ich will Ihnen gleich einige Proben geben. Das, was ich Ihnen erzählt habe, wurde von den Gelehrten des neunzehnten Jahrhunderts als bloße Mythe angesehen, vor allen Dingen auch die Erklärungen, die Philon gegeben hat. Er hat diese noch in eindringlicher Weise in mündlicher Auseinandersetzung gegeben. Alles das, was davon auf die Nachwelt gekommen ist, hat man als allegorische Auslegung betrachtet, dem nichts weiter beizulegen ist. Man ist im neunzehnten Jahrhundert daran gegangen, vor allen Dingen auf dem physischen Plan zu bleiben und die Tatsachen zu prüfen, die sich dem Geschichtsforscher ergeben. Wenn auch die Bibel ihrer Chronologie nach angezweifelt wurde, wenn man auch davon abgekommen war, dass die Welt 4000 Jahre vor Christi Geburt erschaffen worden ist, so nahm man doch im Anfange des neunzehnten Jahrhunderts die Bibel als eine Art historisches Dokument, als etwas, das uns Mitteilungen über geschichtliche Vorgänge machte. Man nahm die Vorgänge, die erzählt wurden — wenn sie auch ungenau erzählt wurden -, so, als wenn es auf sie ankäme. Ich rede jetzt vom Standpunkte der äußeren gelehrten Forschung. Das andere, was im okkulten Gebiete vorkam, beachtete man gar nicht.

[ 4 ] I will give you a few examples right away. What I have told you was regarded by nineteenth-century scholars as mere myth—especially the explanations given by Philo. He presented these even more forcefully in oral debates. Everything that has come down to posterity from this was regarded as an allegorical interpretation to which no further significance should be attached. In the nineteenth century, the approach was to remain primarily on the physical plane and to examine the facts that presented themselves to the historian. Even though the Bible’s chronology was called into question, and even though the belief that the world was created 4,000 years before the birth of Christ had been abandoned, at the beginning of the nineteenth century the Bible was still regarded as a kind of historical document—something that provided us with accounts of historical events. The events that were recounted—even if they were recounted inaccurately—were taken as if they were the be-all and end-all. I am now speaking from the standpoint of external scholarly research. What occurred in the occult realm was not taken into account at all.

[ 5 ] Aus der Errungenschaft der Keilschriften-Entzifferung ergab sich aber etwas. Es stellte sich heraus, dass man das, was man an Erzählungen im Alten Testament finden kann, auch in den babylonischen Sagen und Mythen findet. Namentlich schildern uns dieselben eine Weltentstehung, die ganz ähnlich ist der biblischen Weltentstehung. Auch die Geschichte vom Sündenfall wird ganz ähnlich in der babylonischen Mythe erzählt. Bezeichnend ist der Inhalt der bedeutenden Siegelabdrücke. Es ist der Abdruck, der zwei Personen unter einem Baum sitzend und eine Schlange dabei zeigt. Wir haben da auf einem Siegelabdruck, der viel älter ist als die Schriften selbst sind, den Sündenfall dargestellt. In Keilschrift also haben wir die Geschichte des Sündenfalls, die Rettung der Menschheit ähnlich wie durch Noah und so weiter, sodass man sich klar darüber wurde, dass die Auffassung, die Urkunde des Alten Testamentes beruhe auf göttlicher Offenbarung, sei unmittelbar dem Moses durch Gott gegeben worden, nicht aufrechterhalten werden konnte. Es ist selbstverständlich, dass die weltliche Gelehrsamkeit den Schluss daraus gezogen hat, dass die Juden diese Sagen nicht geoffenbart erhalten haben, sondern dass sie sie damals, als sie aus ihrer Stammesheimat heruntergekommen sind, mit hinuntergebracht haben und diese dann von außen beeinflusst worden sind.

[ 5 ] However, the achievement of deciphering cuneiform script led to a discovery. It turned out that the stories found in the Old Testament can also be found in Babylonian legends and myths. Specifically, these describe a creation myth that is very similar to the biblical one. The story of the Fall is also told in a very similar way in Babylonian mythology. The content of the significant seal impressions is particularly telling. It is the seal impression depicting two people sitting under a tree with a serpent nearby. Here, on a seal impression that is much older than the scriptures themselves, we have a depiction of the Fall of Man. Thus, in cuneiform we have the story of the Fall, the salvation of humanity similar to that through Noah, and so on, so that it became clear that the view that the Old Testament text was based on divine revelation—given directly to Moses by God—could not be sustained. It goes without saying that secular scholarship has concluded that the Jews did not receive these legends as revelations, but rather that they brought them with them when they migrated from their tribal homeland and that these legends were subsequently influenced by outside sources.

[ 6 ] Je weiter man im Alten Testament heraufkommt, desto klarer wird es. Man muss annehmen, dass das, was uns erzählt wird von Joseph, der um die Zeit der Pharaonen gelebt hat und der den Juden zu einer angesehenen Stellung in Ägypten verholfen hat, richtig ist. Und es muss ferner angenommen werden, dass es ebenso einen solchen Moses gegeben hat.

[ 6 ] The further back one goes in the Old Testament, the clearer it becomes. One must assume that what we are told about Joseph—who lived around the time of the pharaohs and who helped the Jews attain a prominent position in Egypt—is true. And one must further assume that there was indeed such a man as Moses.

[ 7 ] Da hat man wenigstens verspürt, dass es zusammen eine Geschichte geben würde. Die geschichtlichen Urkunden haben in späterer Zeit auch da wieder der rein historischen Forschung den Boden abgegraben. Wir haben Dokumente, die bezeugen, dass in der Zeit, in welcher die Geschichte mit Joseph gespielt hat, Völker, die wir nicht anders bezeichnen können als mit dem Wort Hebräer, gelebt haben in dem Lande Kanaan, und dass sie sich gewandt haben an den Pharao, um Unterstützung in einer Hungersnot zu erhalten. Diese Briefe sind in babylonischer Sprache geschrieben und an den ägyptischen Pharao gerichtet. Daraus ist zu entnehmen, dass die babylonische Sprache ein großes Ansehen gehabt haben muss. Die Sprache der Gebildeten war damals die babylonische Sprache, wie es in früheren Jahrhunderten bei uns die französische Sprache war.

[ 7 ] At least there was a sense that there would be a shared history. In later times, historical records once again undermined the foundations of purely historical research in that regard. We have documents that attest that, during the time when the story of Joseph unfolded, peoples whom we can only describe as “Hebrews” lived in the land of Canaan, and that they appealed to the pharaoh for assistance during a famine. These letters are written in the Babylonian language and addressed to the Egyptian pharaoh. From this, it can be inferred that the Babylonian language must have been held in high esteem. The language of the educated at that time was Babylonian, just as the French language was among us in earlier centuries.

[ 8 ] Es hat sich aber noch etwas anderes ergeben. Die Person des Joseph ist höchst zweifelhaft geworden. Die Geschichte hat diese Figur allmählich verflüchtigt. Es hat sich herausgestellt, dass eine Persönlichkeit, die Statthalter war in einem jüdischen Lande, identisch ist mit Joseph, sodass die Geschichte in der Bibel einem Statthalter entspricht, der die Geschichte nicht erlebt haben kann. Er hat am pharaonischen Hofe die Gesuche der Juden bei den Pharaonen befürwortet. Wir würden also nicht einen Joseph haben, der für sein Volk in der Weise gesprochen hat, wie es in der Bibel steht, sondern der sich als Statthalter der Juden angenommen hat, und dass sie auch damals den Ägypterzug gemacht haben. Heute erscheint es fraglicher denn je, dass der Zug der Israeliten nach Ägypten wirklich stattgefunden hat. Es ist ganz unmöglich, dass der Rückzug unter Moses sich so abgespielt haben kann, wie er erzählt wird. Es wird erzählt, dass die Juden in die Wüste gezogen sind, es wird dies so erzählt, als ob keine anderen Völker dort gewesen wären. Gerade in jener Zeit aber muss diese Gegend von anderen Völkern bewohnt gewesen sein, die sich mächtig dagegen gewehrt haben würden. Wenn wir also dies alles wörtlich verstehen, so schwebt alles in der Luft.

[ 8 ] However, something else has come to light. The identity of Joseph has become highly questionable. History has gradually obscured this figure. It has turned out that a figure who served as a governor in a Jewish land is identical to Joseph, so that the story in the Bible corresponds to a governor who could not have experienced the events described. At the pharaoh’s court, he advocated on behalf of the Jews before the pharaohs. We would therefore not have a Joseph who spoke on behalf of his people in the manner described in the Bible, but rather one who, as a governor, took the Jews under his protection—and that they, too, made the journey to Egypt at that time. Today it seems more questionable than ever that the Israelites’ exodus to Egypt actually took place. It is entirely impossible that the exodus under Moses could have unfolded as it is recounted. It is said that the Jews went into the desert; this is recounted as if no other peoples had been there. Yet precisely at that time, this region must have been inhabited by other peoples who would have put up a powerful resistance. So if we take all of this literally, the whole story hangs in the air.

[ 9 ] Die profane [Geschichtsschreibung] hat dazu beigetragen, die Bibel zu zerpflücken. Wenn der Kritiker anfängt, mit seiner Kritik einzusetzen, so sieht er sich vor dem Nichts stehen. Der Kritiker muss zuletzt damit enden: Ich kann gar nichts sagen. Es kann so sein, es kann aber auch anders sein - das ist der Schluss, auf den der profane Kritiker notwendig kommen muss.

[ 9 ] Secular [historiography] has contributed to the dismantling of the Bible. When the critic begins to apply his criticism, he finds himself facing a void. Ultimately, the critic must conclude: “I can’t say anything at all.” It may be one way, but it may also be another—that is the conclusion to which the secular critic must necessarily arrive.

[ 10 ] Ich kann diesbezüglich ja nur eine Skizze geben. Wenn Sie aber die Sache durchgehen, durchsehen würden, so würden Sie finden - was ich ja angedeutet habe -, dass nichts anderes das Resultat sein kann, als was ich angedeutet habe: Höhere Kritik und absolute Ergebnislosigkeit. Das hat wahrscheinlich die Wirkung, dass man sich fragen wird: Sind denn jene Auslegungen, die Philon von Alexandrien gegeben hat, dass es nur ein Spiel mit Worten ist, richtig, oder sind die alten Dokumente vielleicht in dem Sinne geschrieben, wie Philon von Alexandrien es noch wissen konnte, was aber später vergessen worden ist?

[ 10 ] I can, of course, only offer a rough outline on this matter. But if you were to go through and examine the issue, you would find—as I have indeed suggested—that the result can be nothing other than what I have indicated: higher criticism and absolute futility. This will likely lead one to ask: Are those interpretations offered by Philo of Alexandria—that it is merely a play on words—correct, or were the ancient documents perhaps written in the sense that Philo of Alexandria was still able to understand, but which was later forgotten?

[ 11 ] Nicht nur im ersten Buche Moses, sondern auch in den späteren Büchern ist eine Antwort zu finden, wenn man sie esoterisch prüft und wenn man sich fragt: Hat sich das wörtlich so abgespielt, wie es da scheinbar steht, oder waren die Schriftsteller solche, die Esoterik verfochten, waren es Geister, welche mit dem, was sie äußerlich darstellten, einen inneren Sinn verbanden? Die ganzen Gegenden, um die es sich handelt und von denen gesagt wird, dass Abraham sie durchzogen habe, dass Abraham darin in der Zeit gewohnt haben muss, die einer großen Invasion des Volkes vorangegangen war, die Gegenden im Norden des Euphrat; Persien, Indien, dann aber auch Ägypten, alle diese Gegenden waren übersät mit okkulten Schulen. Sie waren mehr oder weniger in Ruhe gelassen worden, namentlich bis zum Jahre Zweitausenfünfhundert vor Christi Geburt. Aber in der Mitte des dritten Jahrtausends vor Christi Geburt fanden große Völkerwanderungen statt. Das, was man als das babylonische Volk bezeichnet, hat sich auch in ungefähr dieser Zeit da niedergelassen. Früher waren es noch mehr Völker, die wussten, was Priesterherrschaft bedeutet.

[ 11 ] An answer can be found not only in the first book of Moses, but also in the later books, if one examines them from an esoteric perspective and asks oneself: Did events unfold literally as they appear to be described there, or were the writers advocates of esotericism—were they spirits who linked an inner meaning to what they portrayed outwardly? All the regions in question—the ones said to have been traversed by Abraham, the ones where Abraham must have lived during the time preceding a great invasion of the people—the regions north of the Euphrates; Persia, India, and then also Egypt—all these regions were dotted with occult schools. They had been left more or less undisturbed, particularly until the year 2,500 B.C. But in the middle of the third millennium B.C., great migrations of peoples took place. The people known as the Babylonians also settled there around this time. Earlier, there were even more peoples who knew what priestly rule meant.

[ 12 ] In all diesen Gegenden hatte man sieben Grade der Einweihung. Der erste Grad war der Grad der «Raben». Eingeweihte dieses Grades waren diejenigen, welche die Verbindung der Außenwelt mit den Geheimstätten besorgten. Daher sind die Raben die Kundschafter, die dem, der im Innern des Tempels ist, Nachrichten von der Außenwelt bringen, aus denen er die Möglichkeit des Wirkens finder. Wenn der alte Barbarossa von Jahrhundert zu Jahrhundert fragt, ob die Raben noch um den Berg herumfliegen, so ist das nichts als die okkulte Ausdeutung dafür, ob die Verbindung mit der Außenwelt noch besteht.

[ 12 ] In all these regions, there were seven degrees of initiation. The first degree was the degree of the “Ravens.” Those initiated into this degree were the ones who maintained the connection between the outside world and the secret sites. Therefore, the ravens are the scouts who bring news of the outside world to those inside the temple, from which they find opportunities to act. When the old Barbarossa asks, century after century, whether the ravens still fly around the mountain, this is nothing more than the occult interpretation of whether the connection with the outside world still exists.

[ 13 ] Im zweiten Grad der Einweihung waren diejenigen, die das Wort gebrauchen konnten, diejenigen, welche so viel gelernt hatten, dass sie inspiriert waren von dem spirituellen Leben. Man hieß sie die Streiter.

[ 13 ] In the second degree of initiation, those who were able to use the Word were those who had learned enough to be inspired by the spiritual life. They were called the Warriors.

[ 14 ] Im dritten Grad der Einweihung waren diejenigen, welche durch die Tat wirken konnten, welche fest standen durch ihre Kraft. Man nannte sie die «Löwen». Streiter ist derjenige, welcher durch das Wort wirkte, er ist das, was man auch Prophet nannte. Diejenigen aber, die Löwen geworden sind, wirken durch die Tat. Ihre Wirkung bleibt indessen manchmal mehr oder weniger unbemerkt. Sie werden oft gar nicht erkannt.

[ 14 ] In the third degree of initiation were those who could act through deeds, who stood firm through their strength. They were called the “Lions.” A warrior is one who acts through the word; he is what was also called a prophet. Those, however, who have become lions work through action. Their influence, however, sometimes goes more or less unnoticed. They are often not recognized at all.

[ 15 ] Die im vierten Grade Eingeweihten hießen die «Okkulten», [die im Innern des Tempels arbeiteten].

[ 15 ] Those initiated into the fourth degree were called the “Occultists,” [who worked inside the temple].

[ 16 ] Die im fünften Grad Eingeweihten wurden in jedem Lande so genannt, wie der Name des betreffenden [Volkes] war. In Indien wurden sie genannt: «Der Mensch» - «Manas». Der war erst im wahren Sinne Mensch, dem Manas aufgegangen war. Bei den Persern hießen sie «Perser», bei den alten Chaldäern hießen sie «Chaldäer. Das ganze Volk hieß ja Chaldäer, aber ganz besonders hießen so die Initiierten im fünften Grad. Deshalb hat man es auch immer verwechselt, wann das Volk und wann die initiierten Priester bezeichnet waren. Die Eingeweihten dieses Grades waren Priester, die sich mit Astronomie und Astrologie beschäftigten.

[ 16 ] Those initiated into the fifth degree were called by the name of the respective [people] in each country. In India, they were called: “The Human Being” — “Manas.” Only he in whom Manas had dawned was a human being in the true sense. Among the Persians, they were called “Persians”; among the ancient Chaldeans, they were called “Chaldeans.” The entire people were, of course, called Chaldeans, but the initiates of the fifth degree were specifically referred to by that name. That is why there was always confusion as to when the term referred to the people and when it referred to the initiated priests. The initiates of this degree were priests who studied astronomy and astrology.

[ 17 ] Die im sechsten Grade Eingeweihten hießen überall die «Sonnenläufer. Deren Leben war so rhythmisch geworden, dass es ablief so regelmäßig wie der Lauf der Sonne. Eine Verwirrung hätte er angerichtet, wenn er von seiner Bahn abgewichen wäre, so wie die Sonne eine Verwirrung anrichten würde, wenn sie einmal einen Schritt aus ihrer Bahn herausträte. Die Sonnenläufer waren diejenigen, welche dazu berufen wurden, die Völker zu regieren. Die Könige Vorderasiens, Südasiens und Ägyptens waren dazu vorbereitet dadurch, dass sie im sechsten Grade initiiert worden waren. In den Statthaltern von Ägypten haben wir also Sonnenläufer zu finden, die einen hohen Grad der Entwicklung erreicht hatten, die die Geheimsprache der Welt verstanden, und die es auch verstanden, die spirituellen Geheimnisse auszuleben. Von solchen Menschen wurde dann gesagt, dass sie ein Leben führten wie die Sonne und dass sich vor ihnen neigen Sonne, Mond und Sterne, so wie sich vor der Sonne neigen Mond und Sterne.

[ 17 ] Those initiated into the sixth degree were called “Sun-Walkers” everywhere. Their lives had become so rhythmic that they unfolded as regularly as the sun’s course. It would have caused chaos if it had deviated from its path, just as the sun would cause chaos if it were to stray even a step from its course. The Sun-Walkers were those who were called upon to rule the peoples. The kings of the Near East, South Asia, and Egypt were prepared for this through their initiation into the sixth degree. Among the governors of Egypt, then, we find Sun Runners who had attained a high degree of development, who understood the secret language of the world, and who also knew how to live out the spiritual mysteries. It was said of such people that they led a life like the sun and that the sun, moon, and stars bowed before them, just as the moon and stars bow before the sun.

[ 18 ] Von solchen Sonnenläufern oder Sonnenhelden wird in den verschiedensten Sagen und Mythen erzählt. Herkules ist nichts anderes als ein Sonnenheld. Die zwölf Arbeiten sind der Durchgang durch die zwölf Bilder des Tierkreises. Jason ist auch solch ein Sonnenläufer, der aus dem rauen Lande der Barbaren das goldene Vlies zu holen auszog. So können sie bei den verschiedenen Völkern Mythen mit Sonnenhelden finden. Die Gelehrten haben sich viel gewundert, warum die Helden der Mythen so vielfach ähnlich dargestellt werden. Man hat sich gewundert, dass das Buddha-Leben, das Leben des Herkules und des Zarathustra, das Osiris-Leben und das ChristusLeben so ähnlich sind. Wenn sie gewusst hätten, dass diese Eingeweihte waren im sechsten Grade und dass einfach erzählt worden ist das Leben eines Sonnenläufers, dann hätten sie sich nicht zu wundern brauchen. Selbst die Christus-Erzählung gehört dazu, und es geht daraus hervor, dass es wirkliche Ereignisse in ihrem Leben waren, die aber vorherbestimmt waren durch ihre Mitbrüder. Ihr Lebenslauf war Jahrtausende vorher vorgezeichnet. Man beschrieb das Leben eines Sonnenläufers vorher, denn durch Jahrtausende hindurch ist das Leben eines solchen Heros in derselben Weise abgelaufen.

[ 18 ] Such “sun-runners” or “sun heroes” are featured in a wide variety of legends and myths. Hercules is nothing other than a sun hero. The twelve labors represent the passage through the twelve signs of the zodiac. Jason is also such a sun runner, who set out from the rugged land of the barbarians to retrieve the Golden Fleece. Thus, one can find myths featuring sun heroes among various peoples. Scholars have long wondered why the heroes of myths are so often depicted in similar ways. People have marveled that the life of the Buddha, the life of Hercules and Zarathustra, the life of Osiris, and the life of Christ are so similar. If they had known that these were initiates of the sixth degree and that the life of a solar hero was simply being recounted, they would not have needed to be surprised. Even the story of Christ is part of this, and it is evident from it that these were real events in his life, though they were predetermined by his fellow initiates. The course of his life had been mapped out millennia in advance. The life of a “sun-walker” was described beforehand, for throughout the millennia, the life of such a hero has unfolded in the same way.

[ 19 ] Ich möchte Sie auf die Erzählung von Joseph aufmerksam machen. Lesen Sie sie und hören Sie, was ich zur Anleitung gesprochen haben möchte. Israel, der Vater des Joseph, machte ihm einen bunten Rock. Bei den Persern hießen die im fünften Grade Eingeweihten «Perser, bei den Israeliten hießen sie «Israeb. Es war ein wirklicher Vorgang, dass die im fünften Grade Initiierten sich an einem bestimmten Tag vor den im sechsten Grade Initiierten verbeugten. Joseph erzählt seinen Brüdern seinen Traum mit den Garben, die sich vor der seinigen verneigten, worauf die Brüder zu ihm sagten: Solltest du unser König werden und über uns herrschen? - Sie verstanden aber nicht alles. Nun sprach er sich noch deutlicher aus, indem er seinen Brüdern noch einen anderen Traum erzählte: Siehe, die Sonne und der Mond und elf Sterne neigten sich vor mir. Hier sprach Joseph davon, dass er initiiert werden will im sechsten Grade. - Lasst uns ihn in eine Grube werfen, sagten die Brüder. Die «Grube ist die Stätte der Initiation. Ein «wildes Tier» hat Josef zerrissen. Das Zerreißen der irdischen Kleider ist das Absterben des Niedrigen. Die Erzählung zeigt uns, dass Joseph herangewachsen ist zum Sonnenläufer, zum Sonnenheros.

[ 19 ] I would like to draw your attention to the story of Joseph. Read it and listen to what I would like to say by way of guidance. Israel, Joseph’s father, made him a multicolored coat. Among the Persians, those initiated into the fifth degree were called “Persians”; among the Israelites, they were called “Israeb.” It was an actual custom that those initiated into the fifth degree would bow before those initiated into the sixth degree on a specific day. Joseph told his brothers about his dream of the sheaves bowing down before his own, whereupon his brothers said to him, “Are you going to become our king and rule over us?”—but they did not understand everything. Now he expressed himself even more clearly by telling his brothers another dream: “Behold, the sun, the moon, and eleven stars bowed down to me.” Here Joseph spoke of his desire to be initiated into the sixth degree. “Let’s throw him into a pit,” said the brothers. The “pit” is the place of initiation. A “wild beast” tore Joseph apart. The tearing of earthly garments symbolizes the dying off of the lower self. The story shows us that Joseph has grown into a Sun-Walker, a Sun-Hero.

[ 20 ] Ägypten war der Ort derjenigen Tempelstätten, wo die höchsten Initiierten waren. Der siebente Grad ist der Grad der «Väter. Abraham gehörte nur in Chaldäa zu den Vätern. Moses konnte dann auch durch Joseph in die ägyptischen Mysterien eingeweiht werden, und daraus ging dann das hervor, was Moses zu seinem Volke gesprochen hat.

[ 20 ] Egypt was the site of those temple complexes where the highest-ranking initiates resided. The seventh degree is the degree of the “Fathers.” Abraham belonged to the Fathers only in Chaldea. Moses was then also able to be initiated into the Egyptian mysteries through Joseph, and from this came what Moses spoke to his people.

[ 21 ] Dies ist andeutungsweise eine Probe aus dem Unterricht, wie ihn Philon seinen Schülern hat angedeihen lassen. Die Gelehrten hatten keine Ahnung davon, dass hier geistige Vorgänge vorliegen, sondern sie glaubten, dass da wirkliche geschichtliche Vorgänge geschildert worden seien. Nun begreifen wir aber auch, weshalb der Bibelkritik nichts übrig bleibt. Sie hält sich nicht an den wirklichen Inhalt, den lässt sie zwischen den Fingern hindurchrinnen.

[ 21 ] This is, in a sense, a sample of the kind of teaching Philo imparted to his students. The scholars had no idea that these were mental processes; rather, they believed that actual historical events were being described. Now, however, we also understand why biblical criticism has nothing left to stand on. It does not adhere to the actual content; it lets it slip through its fingers.

[ 22 ] Die Juden der ersten Christen-Gemeinden erzählten die Initiation in einer ähnlichen Weise von Jesus. Der Schlüssel dazu liegt in den alten Kommentaren, die für die Bibel und die Veden vorhanden sind.

[ 22 ] The Jews of the early Christian communities described Jesus’ initiation in a similar way. The key to this lies in the ancient commentaries that exist for the Bible and the Vedas.

[ 23 ] [Geistige Vorgänge, die esoterisch gelesen werden müssen, sind auch die Märchen, beispielsweise «Die sieben Geißlein». - Den wirklichen Inhalt lässt die äußere Kritik immer durchschlüpfen, sie nimmt die Symbole als Taten. - Die Schlüssel hat die äußere Gelehrsamkeit nicht, sie weiß nicht, wie solche Sachen zu lesen sind.)

[ 23 ] [Fairy tales, such as “The Seven Little Goats,” are also mental processes that must be interpreted esoterically. - External criticism always lets the true content slip by; it takes the symbols as literal events. - External scholarship lacks the keys; it does not know how to interpret such things.)

[ 24 ] Das nächste Mal werde ich eine der bedeutsamsten Erzählungen durchnehmen, die Sie oftmals gehört haben, deren innere Bedeutung aber so unendlich tief ist wie kaum etwas anderes - die Geschichte von Kain und Abel. Einerseits haben wir den Totschlag Kains, und andererseits wird von Kain abgeleitet das ganze Menschengeschlecht. In dem die Tiere des Waldes opfernden Abel und dem die Früchte des Feldes opfernden Kain liegt das große Geheimnis.

[ 24 ] Next time, I will go through one of the most significant stories—one you have heard many times, but whose inner meaning is as infinitely deep as almost nothing else—the story of Cain and Abel. On the one hand, we have Cain’s murder; on the other hand, the entire human race is descended from Cain. The great mystery lies in Abel, who offered the animals of the forest as a sacrifice, and Cain, who offered the fruits of the field.