Self-Knowledge and God-Knowledge II
GA 90b
26 June 1905, Berlin
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Self-Knowledge and God-Knowledge II, tr. SOL
12. Über das Johannes-Evangelium
12. On the Gospel of John
[ 1 ] Da es heute das letzte Mal ist, dass wir uns vor den Ferien sehen, so möchte ich heute gerne kurz einen Gegenstand besprechen, welcher wahrhaftig richtig geeignet ist, dem Menschen Nahrung für die Ferienzeit zu geben. Worauf wir heute einige Blicke werfen wollen, das soll der Geist des Johannes-Evangeliums sein. Dieses Evangelium wird heute von den gelehrten Theologen als dasjenige angesehen, das für die religiöse Bildung des Menschen die geringste Bedeutung haben soll.
[ 1 ] Since today is the last time we will see each other before the holidays, I would like to briefly discuss a topic that is truly well-suited to providing people with spiritual nourishment for the holiday season. What we’d like to take a closer look at today is the spirit of the Gospel of John. This Gospel is currently regarded by learned theologians as the one that is said to have the least significance for a person’s religious education.
[ 2 ] Man nennt die drei ersten Evangelien die drei synoptischen Evangelien und man ist der Anschauung, dass diese drei Evangelisten bis zu einem gewissen Grade treu über das berichten, was sich zwischen den Jahren 3 und 33 in Palästina abgespielt habe. Dagegen sind die heutigen Theologen der Meinung, dass das Johannes-Evangelium eine Art Dichtung sei und nicht eigentlich Tatsachen bringe. Sie stellen es in die Ecke und betrachten es als eine Art von inbrünstigem Bekenntnis seines Verfassers, aber sie wollen sich nicht danach richten.
[ 2 ] The first three Gospels are called the three Synoptic Gospels, and it is generally believed that these three evangelists provide, to a certain extent, a faithful account of what took place in Palestine between the years 3 and 33. In contrast, modern theologians believe that the Gospel of John is a form of fiction and does not actually present facts. They set it aside and regard it as a kind of fervent confession by its author, but they do not wish to base their beliefs on it.
[ 3 ] Wir wollen nun versuchen, ein wenig in die Bedeutung und die Kraft dieses Johannes-Evangeliums einzudringen. Für den, dem es die Hauptsache ist, in den Geist des Christentums und in die Aufgaben unserer nächsten Zukunft einzudringen, für den ist das JohannesEvangelium das wichtigste, und nur einem Missverständnis unserer Zeit ist es zuzuschreiben, dass das Johannes-Evangelium heute in die Ecke gestellt wird. Die Mystiker wussten, dass das Johannes-Evangelium ein Buch des Lebens ist. Schon einmal habe ich etwas Ähnliches erwähnt. Wer das Johannes-Evangelium vom dreizehnten Kapitel an liest, der liest nicht nur ein Buch, der lässt nicht nur die Kunde von gewissen Tatsachen in sich einfließen, sondern ein jeder Satz ist eine Quelle von okkulten Kräften. Und wenn wir dieses Evangelium von dort ab lesen, dann erzeugen wir in uns selbst spirituelle Kräfte, dann werden wir andere Menschen. Nicht darauf kommt es an, dass wir die Sätze auswendig können, sondern dass wir ihren Sinn erleben, dass wir eins damit werden. Der Okkultist sagt: Ein jeder Satz vom dreizehnten Kapitel ab ist so für dich geschrieben, dass er zunächst ein inneres menschliches Erlebnis bedeutet. Es geht in uns etwas vor, wenn wir uns ganz darin vertiefen und den Zaubersinn der Worte auf uns wirken lassen. Es leuchten Dinge in uns auf, die wir vorher nicht gekannt haben, und dadurch begreifen wir unsere Aufgabe für die nächste Zukunft.
[ 3 ] Let us now try to delve a little into the meaning and power of the Gospel of John. For those whose primary concern is to delve into the spirit of Christianity and the tasks of our immediate future, the Gospel of John is the most important text, and it is only due to a misunderstanding of our time that the Gospel of John is marginalized today. The mystics knew that the Gospel of John is a book of life. I have mentioned something similar before. Whoever reads the Gospel of John beginning with the thirteenth chapter is not merely reading a book; they are not merely allowing the knowledge of certain facts to sink in—rather, every sentence is a source of occult powers. And when we read this Gospel from that point onward, we generate spiritual powers within ourselves; we become different people. What matters is not that we memorize the sentences, but that we experience their meaning, that we become one with them. The occultist says: Every sentence from the thirteenth chapter onward is written for you in such a way that it first and foremost signifies an inner human experience. Something stirs within us when we immerse ourselves completely in it and allow the magical meaning of the words to take effect on us. Things within us that we did not know before begin to shine, and through this we come to understand our task for the near future.
[ 4 ] Schon in unseren letzten Stunden habe ich gesagt, dass wir vor einer bedeutungsvollen Aufgabe stehen, dass wir unserer Aufgabe nur dann gewachsen sein können, wenn wir sie im Geistigen erfassen, wenn wir überhaupt den Geist unserer Zeit in uns aufgenommen haben, und dieser Geist ist überhaupt der Geist des wahren, echten Christentums.
[ 4 ] Even in our last few hours, I said that we are facing a significant task, that we can only rise to the challenge if we grasp it in the spiritual realm, if we have truly internalized the spirit of our time—and this spirit is, in fact, the spirit of true, authentic Christianity.
[ 5 ] Worauf ist denn die Kultur in den letzten Jahrzehnten hingesteuert? Auf den äußeren Besitz, auf eine solche Einrichtung der äußeren, materiellen Welt, dass diese äußere Welt möglichst behaglich ist, möglichst die äußeren, sinnlichen Bedürfnisse befriedigt. Auch die höchsten geistigen Fortschritte haben nur dazu gedient, das Sinnenleben behaglich zu machen. Ebenso haben alle unsere Erfindungen, alle unsere Fortschritte in der Technik, die Anstrengungen unserer größten Denker und so weiter uns nur Mittel geliefert, um dasjenige zu befriedigen, was die Bedürfnisse unserer Sinne sind. Das Tier geht auf die Weide und nährt sich, und der Mensch hat in den letzten Jahrhunderten seine Vernunft angestrengt, um schließlich auch nur dieselben Bedürfnisse zu befriedigen. Versenken wir uns einmal ganz da hinein: Welche Geisteskraft gehört dazu, um die Eisenbahn, das Telefon, die Dampfmaschine und so weiter zu erfinden; und wir verwenden sie, um unsere Nahrungsbedürfnisse zu befriedigen. [Wir sprechen durch das Telefon, wir fahren mit der Eisenbahn nach den fernsten Gegenden der Erde. Und wozu? Weshalb telefonieren wir und weshalb fahren wir mit der Eisenbahn? Wir telefonieren, um irgendeine Menge Getreide zu bekommen, wir fahren mit der Eisenbahn, um Dinge, die rein sinnlichen Bedürfnissen dienen, zu erhalten.] Letzten Endes gebrauchen wir die Mittel unserer Kultur, damit die Menschen ihre rein sinnlich-materiellen Bedürfnisse stillen können. Es ist so, als wenn in raffiniertester Weise das Tierreich in uns seine sinnlichen Bedürfnisse befriedigen will.
[ 5 ] What, then, has culture been striving toward in recent decades? Toward external possessions, toward organizing the external, material world in such a way that this external world is as comfortable as possible and satisfies external, sensory needs as much as possible. Even the greatest intellectual advances have served only to make our sensory life more comfortable. Likewise, all our inventions, all our technological advances, the efforts of our greatest thinkers, and so on, have provided us only with the means to satisfy the needs of our senses. An animal goes out to pasture and feeds itself, and in recent centuries, human beings have strained their reason only to ultimately satisfy the very same needs. Let us immerse ourselves fully in this for a moment: What intellectual power is required to invent the railroad, the telephone, the steam engine, and so on; and yet we use them to satisfy our nutritional needs. [We speak on the telephone; we travel by railroad to the farthest corners of the earth. And for what purpose? Why do we make phone calls, and why do we travel by railroad? We make phone calls to obtain a certain amount of grain; we ride the railroad to acquire things that serve purely sensual needs.] Ultimately, we use the means of our culture so that people can satisfy their purely sensual and material needs. It is as if, in the most sophisticated way, the animal realm within us seeks to satisfy its sensual needs.
[ 6 ] In urfernen Zeiten der Vergangenheit war das anders. Da verschafften sich jene primitiven Menschen in der allereinfachsten Weise das Nötige für ihr materielles Dasein, während dagegen aber die spirituellen Bedürfnisse des Menschen im Vordergrund standen. Das alles ist, was das materielle Leben betrifft, heute raffinierter geworden. Eingesponnen hat sich der Mensch in ein Netz des Verstandes und der Vernunft, um nur dem äußeren Leben Genüge zu verschaffen. Aber in jener Zeit, zu der wir den Blick zurückwenden, stand eine hohe spirituelle Bewegung im Mittelpunkt des Lebens. Die Menschen waren einfach, aber es zeigt sich uns eine hohe geistige Kultur. Innerhalb jener Volksmassen gab es Stätten, in denen hochentwickelte spirituelle Wesenheiten sich in den Besitz hoher geistiger Kräfte setzten, mit denen sie eine geistige Kultur bewirkten. Ein Strom spirituellen Lebens ging von diesen Mysterienstätten aus. [In einfachen Fabeln und Märchen erzählten die Mysterienpriester der großen Menge von ihren Weisheiten.] Märchen erzählte der alte Druidenpriester, die uns sehr elementar vorkommen können, die aber aus tiefster, spiritueller Einsicht hervorgegangen sind. [Aber sie sind nicht, wie unsere phantastischen Gelehrten glauben, von dem kindlichen Geist der Volksphantasie geschaffen, sondern sie sind hervorgegangen aus tiefer spiritueller Erkenntnis.] Die Kobolde, Undinen, Nixen, die heute für Aberglauben und Phantasie gehalten werden, entstammten dem lebendigen Verkehr mit den höchsten geistigen Wesenheiten, die andere Plane bewohnten. Denn wir sind von geistigen Welten umgeben. Die astrale Welt ist aber überall, sie ist ebenso [belebt und ebenso] farbig und tönend wie unsere [physische] Welt, [nein, sie ist sogar viel tönender und viel farbiger].
[ 6 ] In the distant past, things were different. Back then, those primitive people obtained the necessities for their material existence in the simplest possible way, while, in contrast, their spiritual needs took center stage. As far as material life is concerned, all of this has become more sophisticated today. Human beings have entangled themselves in a web of intellect and reason, solely to satisfy their external lives. But in that era to which we turn our gaze, a lofty spiritual movement stood at the center of life. People were simple, yet a high spiritual culture is revealed to us. Within those masses of people there were places where highly developed spiritual beings acquired great spiritual powers, with which they brought about a spiritual culture. A stream of spiritual life flowed from these mystery sites. [Through simple fables and fairy tales, the mystery priests imparted their wisdom to the masses.] The old Druid priest told fairy tales that may seem very elementary to us, but which sprang from the deepest spiritual insight. [But they were not, as our fanciful scholars believe, created by the childlike spirit of popular imagination; rather, they arose from deep spiritual insight.] The goblins, undines, and water nymphs, which today are regarded as superstition and fantasy, originated in living communion with the highest spiritual beings who inhabited other planes. For we are surrounded by spiritual worlds. The astral world, however, is everywhere; it is just as [animated and just as] colorful and resonant as our [physical] world—[no, it is even much more resonant and much more colorful].
[ 7 ] Das alles tritt vor den vorgeschrittenen Menschen, [dem die Chakrams geöffnet sind; er sieht eine neue Welt, etwa so wie derjenige, der vorher blind oder taub gewesen ist und dann durch irgendeinen Umstand sehend oder hörend wurde]. Besonders lernt er eine ganze Reihe neuer Wesenheiten kennen, die auf dem physischen Plan nicht sichtbar werden können, weil sie bis zu diesem Stoff nicht kommen können, sondern weil sie im Astralstoff ihre Körperlichkeit haben. Aus dem Verkehr mit diesen höheren Wesenheiten stammen die Sagen und Märchen. Die spirituellen Kräfte wirkten in unserem heutigen Sinne damals Wunder. Die primitiven Zustände, von denen die Naturforscher uns erzählen, sind nicht richtig. Ihre materiellen Bedürfnisse befriedigten diese Menschen in der einfachsten Weise, aber dagegen nahmen sie Teil an dem spirituellen Leben jener höheren Persönlichkeiten.
[ 7 ] All of this unfolds before the advanced individual, [whose chakras are open; he sees a new world, much like someone who was previously blind or deaf and then, through some circumstance, came to see or hear]. In particular, they come to know a whole range of new beings who cannot be seen on the physical plane because they cannot reach that level of matter, but rather because their physical form exists in the astral substance. The legends and fairy tales stem from contact with these higher beings. Spiritual forces worked miracles in our present-day sense back then. The primitive conditions described to us by natural scientists are not accurate. These people satisfied their material needs in the simplest way possible, but in contrast, they participated in the spiritual life of those higher beings.
[ 8 ] [Ihre Staats- und Geschlechterverbände waren durchdrungen von der spirituellen Kraft der geistigen Wesenheiten.] Ein Ameisenhaufen [oder ein Bienenstock] ist viel vernünftiger eingerichtet als mancher heutige Staat. Wo ist aber für ein heutiges Staatswesen in diesem Sinne der Leiter? Hinter all jenen Staaten früher aber stand die Intelligenz, und jene Individualitäten, von denen hier die Rede ist, beherrschten mit ihren spirituellen Einsichten alles, was um sie herum war. Das äußere Leben war einfach und primitiv, dahinter aber stand ein spirituelles Leben. So ist die Welt der sinnbildliche Abdruck eines höheren geistigen Lebens.
[ 8 ] [Their political and kinship associations were imbued with the spiritual power of spiritual beings.] An anthill [or a beehive] is organized much more rationally than many modern states. But where is the guiding force for a modern state in this sense? Behind all those states of the past, however, stood intelligence, and those individuals of whom we speak here governed everything around them with their spiritual insights. Outer life was simple and primitive, but behind it lay a spiritual life. Thus, the world is the symbolic imprint of a higher spiritual life.
[ 9 ] Auch heute leben die, die im Besitz der höheren geistigen Kräfte sind, die in die höheren Welten hineinschauen, die Rat pflegen können mit Wesen höherer Welten. Aber es ist ihre Bestimmung geworden, dass sie eine Weile zurücktreten mussten, dass sie sich im Hintergrund halten mussten.
[ 9 ] Even today, there are those who possess higher spiritual powers, who can glimpse into the higher worlds, and who are able to consult with beings from those higher worlds. But it has become their destiny that they had to step back for a while, that they had to remain in the background.
[ 10 ] Im Laufe der letzten Jahrtausende ist die Welle des Materialismus immer höher und die Welle des Spirituellen immer mehr hinuntergestiegen. So leben sie heute im Verborgenen, diese Meister [der Weisheit und] des Zusammenklanges der Empfindungen, und so wissen nur diejenigen von ihnen, die durch besondere Schulung sich den Zugang zu ihnen eröffnen.
[ 10 ] Over the course of the last few millennia, the tide of materialism has risen ever higher, while the tide of spirituality has ebbed ever lower. Thus, these masters [of wisdom and] of the harmony of the senses live in seclusion today, and so only those who, through special training, have opened the way to them are aware of their existence.
[ 11 ] Seit zwei Jahrtausenden hat eine andere Kraft die Menschheit geführt; aber diese Kraft hat heute erst das erste Kapitel hier auf der Erde entwickelt: Das ist das Christentum.
[ 11 ] For two millennia, another force has guided humanity; but it is only today that this force has begun to unfold its first chapter here on Earth: Christianity.
[ 12 ] Das Christentum hat die Aufgabe, zunächst den Menschen, der den materiellen Plan betreten sollte, bewusst zu führen. Wir müssen noch immer die Vergleiche aus den Tierstaaten herholen, wenn wir wissen wollen, wie unsere Vorfahren von den geistigen Wesenheiten geführt wurden. Wir wollen noch einmal ein Bild gebrauchen, das einem den ganzen Umschlag klar machen kann. An den ägyptischen Pyramiden arbeitete ein Heer von Sklaven, und zwar in einer Weise, von der der Mensch sich heute keine Ahnung machen könnte. Aber ein jeder hatte ein Bewusstsein: «Dieses Leben ist eines unserer vielen — aber viele werde ich auf dieser Erde leben; und so wie der, der heute befiehlt, wo ich Sklave bin, so werde ich auch einstmals befehlen.» - So ward ihnen das Leben erträglich. Sie wussten, wenn sie jetzt leiden, dann hatten sie den Grund dazu in früheren Leben gelegt. Sie wussten, dass sie hier auf der Erde Besucher sind. Das machte ein ganz anderes Kulturbewusstsein aus.
[ 12 ] Christianity has the task, first and foremost, of consciously guiding the human being who is to enter the material plane. We must still draw on comparisons from the animal kingdoms if we want to understand how our ancestors were guided by spiritual beings. Let us once again use an image that can make the entire transformation clear. A vast army of slaves worked on the Egyptian pyramids in ways that people today cannot even begin to imagine. But each one was conscious of this: “This life is one of many—but I will live many lives on this Earth; and just as the one who commands me today, while I am a slave, so too will I one day command.” - This is what made their lives bearable. They knew that if they were suffering now, they had laid the groundwork for it in previous lives. They knew that they were visitors here on Earth. This gave rise to an entirely different cultural consciousness.
[ 13 ] Aber so durfte es nicht bleiben, denn die Menschen haben eine ganz andere Aufgabe. Wir sollen nicht bloße Besucher sein, wir sollen die Erde so umgestalten, dass alles Materielle immer geistiger wird, wir sollen den Geist in die Erde hineinarbeiten. Alles, was wir der Erde tun, haben wir dem Gotte getan, ganz gleich, was wir fertig bringen, alle sind Glieder einer großen Kette. Wir sind die Boten der Gottheit, und die Erde muss einst zu einem goldenen Zeitalter, zu einem Paradies werden; die Menschen müssen als frei schaffende Wesen die Erde umgestalten.
[ 13 ] But things could not remain that way, for human beings have an entirely different mission. We are not meant to be mere visitors; we are meant to transform the Earth in such a way that everything material becomes increasingly spiritual—we are meant to work the Spirit into the Earth. Everything we do to the Earth, we have done to God; no matter what we accomplish, all are links in a great chain. We are the messengers of the Divine, and the Earth must one day become a golden age, a paradise; human beings, as freely creative beings, must transform the Earth.
[ 14 ] Dazu musste der Mensch auf der Erde vorbereitet werden, indem er zunächst den Blick auf zum Himmel richtete. Aber dann musste eine Zeit kommen, wo der Mensch die Wichtigkeit des Materiellen einsah - einsah, dass jeder Handgriff wichtig ist. Alles, was scheinbar nichtig ist, wird auf anderen Planen einstmals wichtig werden.
[ 14 ] To this end, humanity on Earth had to be prepared by first turning its gaze toward the heavens. But then a time had to come when humanity recognized the importance of the material world—realized that every action matters. Everything that seems trivial will one day become important on other planes.
[ 15 ] Eine Erziehung sollte das Christentum werden: zunächst den Blick von dem Spirituellen ablenken. Den Dingen auf der Erde sollte eine solche Wichtigkeit beigelegt werden, dass der Mensch zweier Jahrtausende gar nicht an das Spirituelle denken sollte. So gab es ein Zeitalter, in dem das Spirituelle zurücktrat. Den Zusammenhang mit dem Spirituellen hatten die Menschen vergessen, aber dafür sollte ihnen auch ein Bewusstsein bleiben davon. [Deshalb ist der Christus Jesus erschienen, damit sie es ertragen können durch zwei Jahrtausende, das Leben im Irdischen zu führen.] Deshalb ist der Christus auf die Erde gekommen; daher hat er auch in der Verklärungsszene seinen Jüngern den Auftrag gegeben, von der Wiederverkörperung nichts zu sagen. Der Christus sagte dabei: Der Elias ist wiedergekommen, und die Menschen haben ihn nicht erkannt. Da legte er ihnen die Wiederverkörperungslehre klar; sie sollten aber nichts davon sagen, als bis er wieder erschienen sei.
[ 15 ] Christianity was to become a form of education: first, to divert attention away from the spiritual. Such importance was to be attached to earthly matters that people for two millennia would not even think about the spiritual. Thus, there was an age in which the spiritual receded into the background. People had forgotten their connection to the spiritual, but they were also meant to retain some awareness of it. [That is why Christ Jesus appeared—so that they might endure living an earthly life for two millennia.] That is why Christ came to Earth; that is also why, in the Transfiguration scene, he instructed his disciples not to speak of reincarnation. Christ said at that time: “Elijah has returned, and people did not recognize him.” Then he clearly explained the doctrine of reincarnation to them; but they were not to speak of it until he had appeared again.
[ 16 ] [Die Wiederverkörperungslehre ist eine echt christliche Lehre. Petrus, Jakobus und Johannes wählte er aus, um die Verklärung mitzuerleben. Die Zeitunterschiede verschwinden, Moses und Elias werden sichtbar. Aus der Frage der Jünger: Was sagen denn die Schriftgelehrten, Elias müsse vorher wiederkommen? - geht hervor, dass man von der Wiederverkörperungslehre wusste. Da sprach sich Jesus so aus: Elias ist schon gekommen, aber sie haben ihn nicht erkannt.
[ 16 ] [The doctrine of reincarnation is a truly Christian teaching. He chose Peter, James, and John to witness the Transfiguration. The differences in time disappear; Moses and Elijah become visible. From the disciples’ question—“What do the scribes say, that Elijah must return first?”—it is clear that they were familiar with the doctrine of reincarnation. Then Jesus said: “Elijah has already come, but they did not recognize him.”
[ 17 ] Er legte ihnen die Wiederverkörperung dar, aber er sagte: Saget niemand etwas davon, bis ich wieder erschienen bin. Das Wiedererscheinen bezieht sich auf unser eigenes Zeitalter.]
[ 17 ] He explained reincarnation to them, but he said, “Do not tell anyone about this until I have appeared again.” The “reappearance” refers to our own era.]
[ 18 ] Seit zwei Jahrtausenden haben die Menschen sich immer mehr in die materielle Welt hineingelebt - der Christus war ihr Führer. Aber nunmehr ist die Menschheit berufen, den Christus wieder in sich zu erleben. Der Okkultist weiß von der Wahrheit:
[ 18 ] For two millennia, people have become increasingly immersed in the material world—Christ was their guide. But now humanity is called upon to experience Christ within itself once again. The occultist knows the truth:
Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Zeit. [Mt 28,20]
I am with you always, even to the end of the age. [Mt 28:20]
[ 19 ] Damit sind immer das Ende einer laufenden und der Aufgang einer neuen Zeit gemeint. [Christus war in den sogenannten gemeinsamen Astralkörper der Menschen erhöht. Die Zeit wird kommen, wo er wieder da sein wird, die Zeit wird kommen, wo jeder, wenn auch in anderer Weise, wissen wird, dass der Christus ätherisch wiedererscheinen wird.]
[ 19 ] This always refers to the end of a current era and the dawn of a new one. [Christ was exalted into what is called the collective astral body of humanity. The time will come when He will be here again; the time will come when everyone, albeit in different ways, will know that Christ will reappear in the etheric.]
[ 20 ] Es wird die Zeit kommen, wo ein jeder in ganz anderem Lichte wissen wird, was der Christus eigentlich ist. In Glorie wird der Christus auf der Erde wiedererscheinen, und dann wird das zweite Kapitel des Christentums beginnen. Das «neue Evangelium» wird dann beginnen -, das «neue Evangelium ist das Johannes-Evangelium. Ein richtiges Verständnis des alten Evangeliums ist das JohannesEvangelium.
[ 20 ] The time will come when everyone will understand, in a completely different light, what Christ actually is. The Christ will reappear on Earth in glory, and then the second chapter of Christianity will begin. The “new Gospel” will then begin—the “new Gospel” is the Gospel of John. A correct understanding of the old Gospel is the Gospel of John.
[ 21 ] Durch die materialistische Wissenschaft kam die Sache auf von dem «schlichten Mann aus Nazareth». Es kam den Theologen darauf an, in rein materialistischer Weise die Geschehnisse in Palästina nach ihrem Standpunkt des Liberalismus zu deuten. Der Materialismus war eine notwendige Erscheinung; aber vielfach wird er missverstanden, und auch die Theologie wurde von diesem Missverständnis ergriffen. [Auch die Schule Harnacks betont, dass es auf das Geschichtliche ankomme. Purer Materialismus ist es. Wir bekämpfen sie nicht, denn wir wissen, dass sie notwendig ist. Der materialistische Unverstand hat eben auch die Theologen ergriffen. Und dieser materialistische Unverstand wird jetzt an den Universitäten und an den Schulen gelehrt. Sie spotten ihrer selbst und wissen und merken es nicht.]
[ 21 ] Materialist scholarship brought the story of the “simple man from Nazareth” to light. Theologians sought to interpret the events in Palestine in a purely materialist manner, in accordance with their liberal viewpoint. Materialism was a necessary phenomenon; but it is often misunderstood, and theology, too, has been gripped by this misunderstanding. [Harnack’s school, too, emphasizes that what matters is the historical record. This is pure materialism. We do not oppose it, for we know that it is necessary. Materialistic folly has simply taken hold of theologians as well. And this materialistic folly is now being taught at universities and in schools. They mock themselves without even knowing or realizing it.]
[ 22 ] Ein neues Verständnis für das Christentum wird erwachen, und bewusst muss der Mensch dem entgegengehen - eine lichtvolle Kultur, in der nicht Gewalt drohen wird, in der der Geist der Eingeweihten über die Seelen hin fluten und ein anderes Zeitalter bringen wird.
[ 22 ] A new understanding of Christianity will dawn, and humanity must consciously move toward it—a culture of light in which violence will pose no threat, in which the spirit of the initiated will flow over the souls and usher in a new age.
[ 23 ] Nicht nur geistig und psychisch werden wir auf dieses Zeitalter hingeführt, nicht in Lethargie können wir verharren; der letzte Augenblick steht vor uns. Die Weltgeschichte steht im Zusammenhang mit der geistigen Welt.
[ 23 ] We are being led toward this age not only spiritually and psychologically; we cannot remain in lethargy; the final moment lies before us. World history is interconnected with the spiritual world.
[ 24 ] Heute gibt es eine Krankheit, die die Krankheit der Krankheiten ist - ‹Nervosität› nennen wir sie. Die hat die frühere Zeit in dieser Weise nicht gekannt. Wenn dem jungen Bewusstsein unseres Zeitalters nichts anderes wird sagen können, wie groß die materialistische Gefahr ist, das Nervöse sollte es den Menschen sagen. Noch vor einem Jahrhundert war «nervös» der, der seine Muskeln gebrauchen konnte. Nun ist eine neue Sache aufgetreten: eine Empfindlichkeit, die bis an die äußeren Sinne geht - bis dahin hat uns der Materialismus getrieben. Materielles in der äußeren Welt hat sein Gegenbild im Nervösen, und so wie das Streben im Materiellen um sich greifen wird, in demselben Maße werden die Menschen ihre Nerven weiter ruinieren.
[ 24 ] Today there is an illness that is the illness of all illnesses—we call it “nervousness.” The past did not know it in this way. If the young consciousness of our age cannot convey anything else about the magnitude of the materialistic danger, it should at least tell people about nervousness. Just a century ago, “nervous” referred to someone who could use their muscles. Now a new phenomenon has emerged: a sensitivity that extends to the external senses—that is how far materialism has driven us. The material in the external world has its counterpart in nervousness, and just as the pursuit of the material gains ground, so too will people continue to ruin their nerves to the same extent.
[ 25 ] Der jetzt in Wien verstorbene Baron Rothschild war eine Signatur für dieses Beispiel. Zwanzig Millionen hat er hinterlassen für eine Stiftung zugunsten nervenkranker Menschen. Er hat dieses Vermögen zusammengerafft als kranker Mann sein Leben lang. Mit ruinierten Nerven trat er sein Leben an, und so ging er auch davon hinaus. Es ist nicht zu trennen: Das Jagen und Hasten und bloße Denken an das Materielle mit dem Zusammenbruch des Nervensystems. Zur Pflege nervöser Menschen sollen die zwanzig Millionen sein - eine Signatur für die Ruinierung des Nervensystems. — Jene tiefe Verwandtschaft zwischen dem Spirituellen und dem äußeren physischen Leben kennt der Okkultist — das kennt aber noch nicht der heutige Mensch.
[ 25 ] Baron Rothschild, who has now passed away in Vienna, was a prime example of this. He left twenty million for a foundation to benefit people with nervous disorders. He amassed this fortune throughout his life as a sick man. He began his life with his nerves in shambles, and that is how he left this world. There is an inseparable link: the chasing and rushing and mere preoccupation with material things are linked to the breakdown of the nervous system. The twenty million is intended for the care of people with nervous disorders—a signature of the ruin of the nervous system. —The occultist knows this deep connection between the spiritual and the outer physical life—but modern man does not yet know it.
[ 26 ] Besonders im Materiellen leben die heutigen Ärzte. Aber wir wissen, dass die Wahrheit an den Tag kommen wird. Wollen wir nicht, dass die materielle Gesinnung die Menschen auch physisch ruiniert, so müssen wir das spirituelle Leben auch wieder ergreifen. Alle, die das nicht einsehen, sagen: Hinter uns die Sündflut! Es wird sich rächen, dass viele heute nichts mehr wissen wollen von einem Eindringen in die Tiefen der mystischen Schriften des Christentums. Ein anderes Morgenrot leuchtete in unserer Zeit, wenn die christlichen Kirchen besser verstünden, was das Christentum ist. Mit gewaltigen Hieroglyphen ist in das Bibelbuch auch unser Zeitalter eingetragen: Wer verrät den Christus Jesus? Derjenige, der die dreißig Silberlinge hat, der den materiellen Besitz darstellt. Am Anfang der christlichen Ära ist der göttliche Geist hinuntergestiegen. Heruntergestiegen ist der christliche Geist, um auch das irdische Tal zu heiligen, und wer nicht daran denkt, dass er mitberufen ist, ein anderes Zeitalter heraufzuführen, der verletzt seine tiefste Verantwortlichkeit. Einer zweitausendjährigen Erziehung musste der Mensch die Hand bieten. Judas aus Kariot musste das Opfer bringen. - Er musste den Christus den materiellen Kräften des Lebens überliefern. Dadurch, dass die Menschheit den dreißig Silberlingen gefolgt ist, ist der Christus hinein verschwunden in den astralen Plan. Durch den Verrat des Judas wird Ihnen charakterisiert, was die Aufgabe des Christentums während der zweitausend Jahre war. Aber eine andere Aufgabe steht heute dem Christentum bevor. Wir haben wieder uns nur an die Pforten zu legen, aus denen die Worte heraustönen, die damals zu den Aposteln gesprochen worden sind:
[ 26 ] Today’s doctors are particularly preoccupied with material things. But we know that the truth will come to light. If we do not want this materialistic mindset to ruin people physically as well, we must rediscover the spiritual life. All those who fail to see this say: “Let the flood of sin be behind us!” There will be consequences for the fact that so many today no longer wish to delve into the depths of Christianity’s mystical writings. A different dawn would shine in our time if the Christian churches better understood what Christianity is. Our age, too, is inscribed in the Bible with powerful hieroglyphs: Who betrays Christ Jesus? The one who has the thirty pieces of silver, who represents material possessions. At the beginning of the Christian era, the divine Spirit descended. The Christian Spirit descended to sanctify the earthly valley as well, and whoever fails to realize that he is called to usher in a new age violates his deepest responsibility. Humanity had to lend a hand to a two-thousand-year-long process of education. Judas of Kariot had to make the sacrifice—he had to hand Christ over to the material forces of life. Because humanity followed the thirty pieces of silver, Christ vanished into the astral plane. Judas’s betrayal characterizes what the task of Christianity has been over the course of two thousand years. But a different task now lies before Christianity. Once again, we must place ourselves at the very gates from which resound the words spoken to the Apostles at that time:
[Ich sage euch, Elias ist schon gekommen.) [Mt 17,12]
[I tell you, Elijah has already come.) [Mt 17:12]
[ 27 ] Das Christentum von heute heißt «Theosophie und ein falsches Christentum ist es, das die Theosophie verleugnet. Hat einer der heutigen Theologen nachgedacht über die Bibelstelle Johannes 13, Vers 16?
[ 27 ] Today’s Christianity is called “Theosophy,” and it is a false Christianity that denies Theosophy. Has any of today’s theologians reflected on the Bible passage in John 13:16?
Der Knecht ist nicht größer als sein Herr, noch der Apostel größer als der ihn gesandt hat.
A servant is not greater than his master, nor is an apostle greater than the one who sent him.
[ 28 ] Man möchte es begreifen, dass die Menschen nicht über eine so wichtige Sache nachdenken, wenn es umgekehrt dastehen würde: Der Herr ist nicht größer als sein Knecht und der ihn gesandt hat, nicht größer als der Apostel.
[ 28 ] One would think that people would reflect on such an important matter if the situation were reversed: The Lord is not greater than his servant, and the one who sent him is not greater than the apostle.
[ 29 ] Es schließt sich die an die Fußwaschung an. Sie kennen sie, diese bedeutsame Szene. Petrus weigert sich zunächst, bittet dann aber, dass ihm der Meister auch den ganzen Leib wasche. Dann deutet der Meister darauf hin, dass einer nicht rein sei, dass der ihn verraten werde.
[ 29 ] This follows the washing of the feet. You are familiar with this significant scene. Peter initially refuses, but then asks the Master to wash his whole body as well. The Master then points out that one of them is not pure, that he will betray him.
[ 30 ] [Wenn du dich nicht waschen lässest, so hast du keinen Teil an mir.] [Joh 13,8] ... Wer rein ist, braucht nur die Füße gewaschen zu haben. Ihr seid rein, aber nicht alle.) [Joh 13,10]
[ 30 ] [If you do not let me wash you, you have no part in me.] [John 13:8] ... Whoever is clean needs only to have his feet washed. You are clean, but not all of you.) [John 13:10]
[ 31 ] In dieses Kapitel ist das ganze Geheimnis der gegenwärtigen Menschen hineingeheimnist. Im Grunde sollte die Erziehung der letzten zwei Jahrtausende eine Fußwaschung sein. Während auf der einen Seite Judas steht mit dem Wissen [mit den dreißig Silberlingen], wäscht Christus den anderen die Füße.
[ 31 ] The entire mystery of modern humanity is enshrined in this chapter. Essentially, the education of the last two millennia was meant to be a foot-washing. While Judas stands on one side with his knowledge [of the thirty pieces of silver], Christ washes the feet of the others.
[ 32 ] Betrachten wir unseren physischen Leib und unseren Astralkörper. Der physische Körper steht in dieser physischen Welt drinnen. Dieselben Kräfte physischer und chemischer Art, die draußen [in den Steinen und in den Maschinen] wirken, wirken auch in unserem physischen Körper. Unser Astralkörper bekommt seine Bestimmung durch die Triebe und Leidenschaften.
[ 32 ] Let us consider our physical body and our astral body. The physical body is situated within this physical world. The same physical and chemical forces that are at work outside [in stones and machines] are also at work within our physical body. Our astral body derives its purpose from our instincts and passions.
[ 33 ] Was wollte nun Christus mit der Fußwaschung tun? Schon öfter habe ich gesagt, dass der physische Körper des heutigen Menschen das Vollendetste und Bedeutsamste, und dass er seine anderen Körper erst wieder dahin bringen müsse.
[ 33 ] What, then, was Christ’s purpose in washing the disciples’ feet? I have often said that the physical body of modern man is the most perfected and significant, and that he must first bring his other bodies back to that state.
[ 34 ] Nehmen Sie als ein Beispiel dafür ein Stück des Oberschenkelknochens. Kein Techniker könnte ein solches Stück besser zusammenfügen. Weise und vollkommen ist unser physischer Körper aufgebaut, ein Abdruck höchster Weisheit. Wäre der physische Körper nur auf der Erde, so wäre die physische Welt vollkommener. Es gibt keine niedrigen Verrichtungen in unserem physischen Körper. Das ist das, was erst der Astralleib dort hinunterwirkt. Nichts ist sündhaft, was der physische Körper wirkt, nur der Astralleib ist sündhaft. Der Astralkörper arbeitet als der Feind unseres physischen Körpers, und Sünde und Unrecht werden dadurch im physischen Körper hervorgerufen.
[ 34 ] Take, for example, a piece of the femur. No technician could assemble such a piece any better. Our physical body is constructed wisely and perfectly—a reflection of the highest wisdom. If the physical body were the only thing on Earth, the physical world would be more perfect. There are no menial tasks in our physical body. It is the astral body that acts down upon it. Nothing the physical body does is sinful; only the astral body is sinful. The astral body acts as the enemy of our physical body, and sin and wrongdoing are thereby brought about in the physical body.
[ 35 ] Der Astralkörper musste sich dem physischen anpassen. Er musste während der letzten zwei Jahrtausende heruntersteigen - der Christus musste heruntersteigen, er musste verraten werden. Er musste diejenigen Dinge finden, wodurch er am besten dem physischen Körper dienen kann. Die Leidenschaften mussten sich über das physische Leben ergießen. Judas mit dem Geldbeutel musste einziehen, um den Einklang mit der physischen Welt herbeizuführen. [Lücke in der Mitschrift]
[ 35 ] The astral body had to adapt to the physical body. It had to descend over the last two millennia—Christ had to descend; he had to be betrayed. He had to find the means by which he could best serve the physical body. The passions had to pour out over physical life. Judas, with the moneybag, had to enter the scene to bring about harmony with the physical world. [Gap in the transcript]
[ 36 ] [Wir werden erst fertig mit diesen Dingen, wenn wir wieder das spirituelle Leben erreicht haben.] Nicht ungestraft hat sich der Astralkörper mit der materiellen Welt verbunden - er ist darin untergegangen. So wie wir Menschen mit dem Astralkörper im physischen Körper wohnen, so wohnen höhere Wesen mit ihrem höheren Geist-Körper in unserem Astralkörper; und die können ihren Astralkörper ebenso missbrauchen, wie wir es mit dem physischen tun. Das sind die Diaboloi, die Dämonen. Judas ist ergriffen worden von den Dämonen. [Der Satan fuhr in ihn, heißt es.] Das entspricht einer wirklichen Tatsache. Judas hat zwar den Astralkörper heruntergeführt [aber nicht ohne Beisein jener Macht, welche den Astralkörper missbraucht]. Jetzt aber müssen wir uns freimachen von Judas.
[ 36 ] [We will not be done with these things until we have regained our spiritual life.] The astral body did not unite with the material world without consequence—it was lost within it. Just as we humans dwell in the physical body with our astral body, so do higher beings dwell in our astral body with their higher spirit-body; and they can abuse their astral body just as we do with the physical one. These are the Diaboloi, the demons. Judas was seized by the demons. [It is said that Satan entered him.] This corresponds to a real fact. Judas did indeed degrade his astral body [but not without the presence of that power which abuses the astral body]. But now we must free ourselves from Judas.
[ 37 ] Unser physischer Körper ist ein Siegelabdruck der Vollkommenheitund Weisheit; daher wird der Okkultist sagen: Die vollkommenen Götter haben den physischen Leib in der Vollkommenheit geschaffen und der Astralkörper muss erst in diese Vollkommenheit hineinwachsen; er muss selbst göttlich werden. Das Astrale muss sich reinigen, so wie sich das Physische gereinigt hat, indem es hinunterkommt bis in die physische Welt, die durch die Erde repräsgntiert wird. Und wenn wir auf die Erde niedersteigen, müssen wir uns die Füße reinigen; und wenn der Astralkörper zur Erde niedersteigt, dann müssen die Füße besonders rein sein. Er muss hinuntersteigen können in die materielle Welt, alles mitmachen können, aber dabei rein bleiben.
[ 37 ] Our physical body is an imprint of perfection and wisdom; therefore, the occultist will say: The perfect gods created the physical body in perfection, and the astral body must first grow into this perfection; it must itself become divine. The astral must purify itself, just as the physical has purified itself by descending into the physical world, which is represented by the Earth. And when we descend to Earth, we must cleanse our feet; and when the astral body descends to Earth, its feet must be especially pure. It must be able to descend into the material world, participate in everything, yet remain pure in the process.
[ 38 ] Wollen diejenigen, welche jetzt in ihrem Astralkörper leben und ihn veredeln wollen, ihre Aufgabe erfüllen, dann müssen sie sich diese Weise zum Vorbild nehmen. In unserer Zeit ist der Astralkörper der Diener des physischen Leibes; denn im physischen Leibe lebt der Gott. Und es wäre schlimm für den Menschen, wollte er seinen physischen Leib unter den Astralleib stellen. «Herr» ist das, was in unserem physischen Leib wirkt, und der ‹Knecht› ist der Astralleib. Er selbst- der Gott - hat den physischen Leib vollkommen gemacht; ausgesandt hat er den Astralkörper und ihn für immer unter den Einfluss spiritueller Kräfte gestellt, die ihn vollkommen und immer vollkommener machen sollen. Das macht uns zu Knechten, und es wäre Überhebung von uns, wollten wir uns höher stellen als die in der Natur wirkenden höheren Kräfte. Wir sollen uns erbauen an der göttlichen Natur [und uns erbauen an den Sonnenstrahlen, an den Bahnen der Planeten und so weiter] und uns nicht darüber stellen, sonst verletzen wir dies Gebot [das ausgesprochen ist in dem Worte: Der Knecht - der astralische Mensch - ist nicht größer als der, welcher den physischen Leib geschaffen hat].
[ 38 ] If those who now live in their astral body and wish to refine it are to fulfill their task, they must take this way as their model. In our time, the astral body is the servant of the physical body; for God dwells within the physical body. And it would be disastrous for a person to place his physical body beneath the astral body. The “Lord” is that which acts within our physical body, and the “servant” is the astral body. God Himself has perfected the physical body; He has sent forth the astral body and placed it forever under the influence of spiritual forces intended to make it perfect and ever more perfect. This makes us servants, and it would be arrogance on our part to place ourselves above the higher forces at work in nature. We are to be uplifted by divine nature [and by the sun’s rays, the orbits of the planets, and so on] and not to place ourselves above it; otherwise, we violate this commandment [which is expressed in the words: “The servant—the astral human—is not greater than the one who created the physical body.”]
[ 39 ] Heute wird uns vom theosophischen Standpunkt eine so tiefe Stelle verständlich, wenn es heißt: Der Apostel ist nicht größer als sein Meister. Solche Worte wirken ähnlich, wie die Devas einstmals gewirkt haben. Und die haben wie unsere Vorfahren gewirkt, da war
[ 39 ] Today, from a theosophical perspective, we can understand such a profound passage when it says: “The apostle is not greater than his master.” Such words have a similar effect to that which the devas once had. And they acted as our ancestors did, when there was
[ 40 ] die Stimme der Meister in den Volksmärchen und Volkssagen — da ist. der Herr drinnen. Unsere materielle Weisheit ist stümperhaft und knechtisch geworden; hier ist uns gesagt, dass sich der Knecht nicht über den Herrn erheben soll [Lücke in der Mitschrift].
[ 40 ] The voice of the masters in folk tales and legends—there is the Lord within. Our material wisdom has become amateurish and servile; here we are told that the servant should not exalt himself above the Lord [gap in the transcript].
[ 41 ] Am Rand sei hier dazu gefügt: Demütiger wie Schelling und Hegel kann man kein Bekenntnis ablegen. [Hegel, Fichte, Saint-Martin, Baader - sie alle sagen]: Es wird eine Zeit kommen, wo alles das, was materielle Wissenschaft ist, [was Erkenntnis der äußeren Sinnenwelt ist,] wie Kinderspiel angesehen werden wird - und wir werden wieder wie Kinder dastehen und uns niederwerfen vor den alten Sagen und die uralte Weisheit dort suchen.
[ 41 ] As a side note, it should be added here: One cannot make a more humble confession than Schelling and Hegel did. [Hegel, Fichte, Saint-Martin, Baader—they all say]: A time will come when everything that constitutes material science [that is, knowledge of the external sensory world] will be regarded as child’s play—and we will stand there again like children, prostrating ourselves before the ancient legends and seeking ancient wisdom there.
[ 42 ] [Diese Zeit ist gekommen. Wir suchen diese Weisheit in jedem Religionsbekenntnis.] Wir wissen, dass wir Christen sind; und verkennen wir nicht unsere Aufgabe, jetzt spirituell zu wirken; desto bessere Christen und desto bessere Theosophen werden wir. Es gibt keine bessere Anleitung dazu als das Johannes-Evangelium. Leben wir mit dem Johannes-Evangelium, dann leben wir in eine neue Zukunft des Christentums hinein; dann befolgen wir auch den Satz, dass der Knecht sich nicht über den Meister stellen soll. Kommen Sie aber mit der materiellen, stüumperhaften Weisheit und Kritik dort hinein, wollen Sie es meistern, dann ist es ein Frevel und Vermessenheit — bevor der Mensch das Buch erkannt hat. Erkennen und Verstummen und in Demut sich hingeben dem, was in diesen Schriften wurzelt, zu nichts anderem, als diese Zeitaufgabe zu erfüllen, haben uns die Meister den Zusammenklang der uralten Wahrheiten wieder gelehrt. Sie haben selbst an dem Aufbau unserer Welt gearbeitet. - So redet der, der vom theosophischen Standpunkt in das Getriebe der Welt hingeschaut hat, nicht als von einer Theorie, sondern aus dem Wissen heraus, das an den Quellen selbst geschöpft ist.
[ 42 ] [This time has come. We seek this wisdom in every religious denomination.] We know that we are Christians; and if we do not fail to recognize our duty to work spiritually now, we will become better Christians and better theosophists. There is no better guide to this than the Gospel of John. If we live by the Gospel of John, then we are living into a new future for Christianity; then we are also following the principle that the servant should not place himself above the Master. But if you approach it with materialistic, amateurish wisdom and criticism, seeking to master it, then it is sacrilege and presumption—before one has truly understood the book. To recognize, to fall silent, and to surrender in humility to what is rooted in these writings—for no other purpose than to fulfill this task of our time—this is how the Masters have taught us once more the harmony of the ancient truths. They themselves have worked at the construction of our world. — Thus speaks one who has looked into the workings of the world from the theosophical standpoint, not as if speaking of a theory, but from knowledge drawn directly from the sources themselves.
[ 43 ] Wer an den Stufen der Weisheit gesessen hat - vor unseren älteren, vollkommeneren Brüdern -, wer ihre Füße geküsst und ihre Stimme vernommen hat, der holt seine Worte selbst heraus aus der Zukunft, die ihm apokalyptisch voranleuchtet; der kann wieder sprechen, wie es einstmals gestattet war, prophetisch zu sprechen, und er wird die Kraft haben über das zu sprechen, was einstmals kommen wird.
[ 43 ] Whoever has sat at the feet of wisdom—before our elder, more perfect brothers—whoever has kissed their feet and heard their voice, draws his words directly from the future, which shines ahead of him like an apocalypse; such a one can speak again as it was once permitted to speak prophetically, and will have the power to speak of what is yet to come.
[ 44 ] Diese Kraft geben uns die großen Meister, die die Siegelbewahrer sind - in deren Dienst wir uns stellen. Weil wir den Pulsschlag der Zukunft zu vernehmen glauben, und weil wir wissen, was aus den Tönen der Zukunft zu uns spricht, deshalb sind wir Theosophen, weil wir gar nicht anders können. - Und wenn wir den Geisteshauch durch unsere Seelen strömen lassen, dann sind wir echte Theosophen. Dieser Geist ist ein Geist der Anbetung und Demut. Christus ist geboren aus dem Geist; und wird der Geist uns wieder tragen, dann werden wir wieder echte Christen werden.
[ 44 ] This power is given to us by the great Masters, who are the Keepers of the Seals—in whose service we place ourselves. Because we believe we can hear the pulse of the future, and because we know what the sounds of the future are telling us, that is why we are Theosophists—because we simply cannot help but be so. - And when we allow the breath of the Spirit to flow through our souls, then we are true Theosophists. This Spirit is a Spirit of worship and humility. Christ was born of the Spirit; and if the Spirit carries us once more, then we will become true Christians again.
[ 45 ] Wirken wir so zusammen da, wo wir immer sein mögen, wie Brüder; ein jeglicher ist nicht zu schwach dazu; ein jeder kann es: zu wirken im Sinne des Lichtes, das uns von unserm größten Meister Christus-Jesus kommt. So werden wir uns wiederfinden - im Herbst - und versuchen, weiter einzudringen in die Hallen des geistigen Lebens.
[ 45 ] Let us work together wherever we may be, as brothers; no one is too weak for this; everyone can do it: to work in the spirit of the light that comes to us from our greatest Master, Christ Jesus. Thus we will meet again—in the fall—and strive to delve deeper into the halls of spiritual life.
