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Notes from Mathilde Scholl 1904–1906
GA 91

4 September 1906 p.m., Landin

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Kosmologie und menschliche Evolution, 1st ed.
  1. Notes from Mathilde Scholl 1904–1906, tr. SOL

13. Licht auf den Weg I

13. Licht auf den Weg I

Bevor das Auge sehen kann, muss es der Tränen sich entwöhnen.

Bevor das Auge sehen kann, muss es der Tränen sich entwöhnen.

[ 1 ] Das heißt, bevor die Seelenwelt unserem Blick sich eröffnet, müssen wir die eigene Seele so beherrschen, dass sie zum Mittel wird, wodurch wir alles Seelische verstehen können. Tränen werden dem Auge durch den eigenen Schmerz entlockt. Solange die Seele durch eigenen Schmerz bewegt ist, kann sie nicht zum Scherauge werden für den dem physischen Auge verborgenen Schmerz anderer Wesen. Aber zuerst muss die Seele vorbereitet werden durch eigenen Schmerz das Seelenorgan zum Schen muss durch eigenen Schmerz entwickelt werden. Aber in Tätigkeit kann es erst treten, wenn es über den eigenen Schmerz hinauswächst, wenn der Mensch Schmerz empfinden kann, ohne sich dadurch erschüttern zu lassen, wenn er vollkommene Gelassenheit sich erworben hat. - Dann wird die Fähigkeit des Schmerzempfindens umgewandelt in die Fähigkeit, den Schmerz anderer Wesen wahrzunehmen, ihn zu sehen als etwas Wirkliches. Jeder Schmerz ist dazu da, den Menschen eine Stufe höher zu heben, sein Empfinden aus einem menschlichen, bewegten leidenschaftsvollen in ein göttliches, gelassenes, abgeklärtes umzuwandeln. Dann kann erst in seine Seele die Seele seiner Mitgeschöpfe spiegeln. Sein inneres Auge tut sich auf; er lernt sehen in der Seelenwelt.

[ 1 ] Das heißt, bevor die Seelenwelt unserem Blick sich eröffnet, müssen wir die eigene Seele so beherrschen, dass sie zum Mittel wird, wodurch wir alles Seelische verstehen können. Tränen werden dem Auge durch den eigenen Schmerz entlockt. Solange die Seele durch eigenen Schmerz bewegt ist, kann sie nicht zum Scherauge werden für den dem physischen Auge verborgenen Schmerz anderer Wesen. Aber zuerst muss die Seele vorbereitet werden durch eigenen Schmerz das Seelenorgan zum Schen muss durch eigenen Schmerz entwickelt werden. Aber in Tätigkeit kann es erst treten, wenn es über den eigenen Schmerz hinauswächst, wenn der Mensch Schmerz empfinden kann, ohne sich dadurch erschüttern zu lassen, wenn er vollkommene Gelassenheit sich erworben hat. - Dann wird die Fähigkeit des Schmerzempfindens umgewandelt in die Fähigkeit, den Schmerz anderer Wesen wahrzunehmen, ihn zu sehen als etwas Wirkliches. Jeder Schmerz ist dazu da, den Menschen eine Stufe höher zu heben, sein Empfinden aus einem menschlichen, bewegten leidenschaftsvollen in ein göttliches, gelassenes, abgeklärtes umzuwandeln. Dann kann erst in seine Seele die Seele seiner Mitgeschöpfe spiegeln. Sein inneres Auge tut sich auf; er lernt sehen in der Seelenwelt.

Bevor das Ohr vermag zu hören, muss die Empfindlichkeit ihm schwinden.

Bevor das Ohr vermag zu hören, muss die Empfindlichkeit ihm schwinden.

[ 2 ] Wir müssen lernen, das, was uns aus der Stimme, dem Wort des andern Menschen entgegentönt, nicht persönlich aufzufassen - weder durch Eitelkeit das Angenehme noch durch Verletztsein das Unangenehme. Was uns der andere sagt, muss uns nicht mehr verletzten, als ob er es einem uns ganz gleichgültigen Menschen gesagt hätte. Es darf uns nicht berühren. Haben wir unsere Seele so verfeinert, dass sie frei ist von aller Eitelkeit, so können die groben Schwingungen des verletzenden Wortes im Ohr keinen Eindruck hinterlassen. - Sie mögen herandringen an unsere Seele und vernommen werden, aber einziehen und Verheerungen anrichten können sie nicht. Überwindung aller persönlichen Eitelkeit, allen Gefühls für die Wichtigkeit des eigenen Wesens gegenüber den andern, das ist es, was uns befähigt, die Worte höherer Wesen zu vernehmen. Dem empfindlichen Ohr werden diese Klänge durch die eigenen Seelenschwingungen übertönt.

[ 2 ] Wir müssen lernen, das, was uns aus der Stimme, dem Wort des andern Menschen entgegentönt, nicht persönlich aufzufassen - weder durch Eitelkeit das Angenehme noch durch Verletztsein das Unangenehme. Was uns der andere sagt, muss uns nicht mehr verletzten, als ob er es einem uns ganz gleichgültigen Menschen gesagt hätte. Es darf uns nicht berühren. Haben wir unsere Seele so verfeinert, dass sie frei ist von aller Eitelkeit, so können die groben Schwingungen des verletzenden Wortes im Ohr keinen Eindruck hinterlassen. - Sie mögen herandringen an unsere Seele und vernommen werden, aber einziehen und Verheerungen anrichten können sie nicht. Überwindung aller persönlichen Eitelkeit, allen Gefühls für die Wichtigkeit des eigenen Wesens gegenüber den andern, das ist es, was uns befähigt, die Worte höherer Wesen zu vernehmen. Dem empfindlichen Ohr werden diese Klänge durch die eigenen Seelenschwingungen übertönt.