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Notes from Mathilde Scholl 1904–1906
GA 91

3 September 1906 p.m., Landin

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Kosmologie und menschliche Evolution, 1st ed.
  1. Notes from Mathilde Scholl 1904–1906, tr. SOL

12. Der Abstieg des Menschen

12. Der Abstieg des Menschen

[ 1 ] Es wäre töricht und vermessen, wenn wir glauben, die ganze Wahrheit erkennen zu können, und doch kann jeder Mensch dahin gelangen, die Wahrheit zu finden. Das ganze Licht der Sonne in uns aufnehmen vermögen wir nicht, aber alle können wir in ihrem Lichte leben, alle können wir mit unserem Auge die Sonne schauen. Viele Strahlen der Sonne können uns bestrahlen, erleuchten und erwärmen, aber das ganze Licht, die ganze Wärme, das ganze Leben der Sonne vermögen wir nicht aufzunehmen. Die Sonne ist wohl für uns alle ganz da, aber wir umfassen sie nicht. So ist auch die Wahrheit für uns ungeteilt da, aber ihren ganzen Strahlenglanz zu umfassen, dazu reicht unsere Kraft nicht hin. Wie nun ein Sonnenstrahl, der in das Dunkel fällt, genügt, um das Dunkel zu erhellen, so genügt auch ein Strahl aus dem geistigen Licht, um uns den Weg zu zeigen zum Geistigen.

[ 1 ] Es wäre töricht und vermessen, wenn wir glauben, die ganze Wahrheit erkennen zu können, und doch kann jeder Mensch dahin gelangen, die Wahrheit zu finden. Das ganze Licht der Sonne in uns aufnehmen vermögen wir nicht, aber alle können wir in ihrem Lichte leben, alle können wir mit unserem Auge die Sonne schauen. Viele Strahlen der Sonne können uns bestrahlen, erleuchten und erwärmen, aber das ganze Licht, die ganze Wärme, das ganze Leben der Sonne vermögen wir nicht aufzunehmen. Die Sonne ist wohl für uns alle ganz da, aber wir umfassen sie nicht. So ist auch die Wahrheit für uns ungeteilt da, aber ihren ganzen Strahlenglanz zu umfassen, dazu reicht unsere Kraft nicht hin. Wie nun ein Sonnenstrahl, der in das Dunkel fällt, genügt, um das Dunkel zu erhellen, so genügt auch ein Strahl aus dem geistigen Licht, um uns den Weg zu zeigen zum Geistigen.

[ 2 ] Einmal kommt für einen jeden von uns der Moment, wo solch ein Lichtstrahl in das Dunkel der Seele fällt. Und dann gewinnt der Mensch, der bis dahin nur im Dunkeln unsicher getappt hatte, die Hoffnung, einst ganz im Lichte wandeln zu können. Wir sind für das Licht bestimmt. Einstmals wandelten wir auch im Licht, aber wie die Kinder an der Hand unserer göttlichen Leiter und Führer.

[ 2 ] Einmal kommt für einen jeden von uns der Moment, wo solch ein Lichtstrahl in das Dunkel der Seele fällt. Und dann gewinnt der Mensch, der bis dahin nur im Dunkeln unsicher getappt hatte, die Hoffnung, einst ganz im Lichte wandeln zu können. Wir sind für das Licht bestimmt. Einstmals wandelten wir auch im Licht, aber wie die Kinder an der Hand unserer göttlichen Leiter und Führer.

[ 3 ] Es war nicht das selbst errungene Licht. Um es uns selbst zu erringen, mussten wir in das Dunkel eine Zeit lang hinabsteigen und darin verweilen. Aber nur eine Zeit lang. In uns blieb die Sehnsucht nach dem verlorenen Lichtreich. Im Dunkel ist unsere Heimat nicht. Aber der Mensch musste sich selbst das Recht auf diese Heimat erwerben. Nur das Selbst-Erworbene hat Wert. Im Dunkel lernte der Mensch zuerst den selbst erworbenen Besitz schätzen. Aber was er auch alles im Dunkel sich aneignete, es konnte ihn nicht befriedigen - weil das Sehnen nach seiner Heimat stark war. Da wurde ihm ein Tor aufgetan zu dem Reich des Lichtes - und ein Strahl fiel hindurch, der ihm den Weg zeigte, auf dem er dahin gelangen konnte. Nur wer durch dieses Tor hindurchging, konnte den Weg ins Lichtreich finden. Einer kam, der ihm diesen Weg zeigte und der ihm sagte: Du musst erst durch diese enge Pforte hindurchgehen. Dazu musst du arm werden und alles zurücklassen, was du im Reich des Dunkels erworben hast. Solange du an dem Besitze, den du dir erworben, hängst, kannst du nicht den Fuß über die Schwelle dieses Tores setzen. Und nun entstand ein Kampf im Menschen; er sehnte sich zurück in das Lichtreich; aber selbst musste er sich den Eingang erringen, und zwar dadurch, dass er alles andere Errungene aufgab.

[ 3 ] Es war nicht das selbst errungene Licht. Um es uns selbst zu erringen, mussten wir in das Dunkel eine Zeit lang hinabsteigen und darin verweilen. Aber nur eine Zeit lang. In uns blieb die Sehnsucht nach dem verlorenen Lichtreich. Im Dunkel ist unsere Heimat nicht. Aber der Mensch musste sich selbst das Recht auf diese Heimat erwerben. Nur das Selbst-Erworbene hat Wert. Im Dunkel lernte der Mensch zuerst den selbst erworbenen Besitz schätzen. Aber was er auch alles im Dunkel sich aneignete, es konnte ihn nicht befriedigen - weil das Sehnen nach seiner Heimat stark war. Da wurde ihm ein Tor aufgetan zu dem Reich des Lichtes - und ein Strahl fiel hindurch, der ihm den Weg zeigte, auf dem er dahin gelangen konnte. Nur wer durch dieses Tor hindurchging, konnte den Weg ins Lichtreich finden. Einer kam, der ihm diesen Weg zeigte und der ihm sagte: Du musst erst durch diese enge Pforte hindurchgehen. Dazu musst du arm werden und alles zurücklassen, was du im Reich des Dunkels erworben hast. Solange du an dem Besitze, den du dir erworben, hängst, kannst du nicht den Fuß über die Schwelle dieses Tores setzen. Und nun entstand ein Kampf im Menschen; er sehnte sich zurück in das Lichtreich; aber selbst musste er sich den Eingang erringen, und zwar dadurch, dass er alles andere Errungene aufgab.

[ 4 ] Je mehr er nun den Strahl des Lichtes aufnahm in seinem Herzen, desto mehr fühlte er das, was er im Reich des Dunkels erworben hatte und was ihm bis dahin wertvoll schien, als schwere Bürde, die ihn immer mehr drückte - bis er schließlich diese Bürde abwarf. Und da hatte auch sein Fuß die Schwelle der Pforte überschritten, und er sah hinein in den vollen Glanz der Geistersonne und breitete sein Arme aus und ließ sich erfüllen mit Licht und Wärme. Und ein Strahl der Sonne drang bis in sein Herz, und auf diesem Strahl stand sein Name, und aus der Lichtwelt tönte ihm sein Name entgegen. Und in dem Licht sah er eine Gestalt, die wie zum Segen die Arme ausbreitete, und aus den Händen dieser Gestalt strahlten die wunderbarsten Farben und fluteten in Melodien durch das Lichtreich, und er sah, wie der Strahl, der sein Herz traf, aus der Hand dieses Lichtwesens hervorleuchtete. Nun rief er seine Brüder im Reich des Dunkels und zeigte auch ihnen den Weg zum Lichtreich, und je mehr er auf diesen Weg brachte, desto lichter wurde es um ihn, desto lieblicher tönten die Melodien um ihn und desto näher rückte er dem Wesen in dem Lichte. So baute er sich Stufe auf Stufe auf durch seine Hingabe und sein Mitleid und stieg empor zu dem Thron des Lichts und durfte anbeten in unbeschreiblicher Wonne zu [unleserlich] dessen, der da droben stand.

[ 4 ] Je mehr er nun den Strahl des Lichtes aufnahm in seinem Herzen, desto mehr fühlte er das, was er im Reich des Dunkels erworben hatte und was ihm bis dahin wertvoll schien, als schwere Bürde, die ihn immer mehr drückte - bis er schließlich diese Bürde abwarf. Und da hatte auch sein Fuß die Schwelle der Pforte überschritten, und er sah hinein in den vollen Glanz der Geistersonne und breitete sein Arme aus und ließ sich erfüllen mit Licht und Wärme. Und ein Strahl der Sonne drang bis in sein Herz, und auf diesem Strahl stand sein Name, und aus der Lichtwelt tönte ihm sein Name entgegen. Und in dem Licht sah er eine Gestalt, die wie zum Segen die Arme ausbreitete, und aus den Händen dieser Gestalt strahlten die wunderbarsten Farben und fluteten in Melodien durch das Lichtreich, und er sah, wie der Strahl, der sein Herz traf, aus der Hand dieses Lichtwesens hervorleuchtete. Nun rief er seine Brüder im Reich des Dunkels und zeigte auch ihnen den Weg zum Lichtreich, und je mehr er auf diesen Weg brachte, desto lichter wurde es um ihn, desto lieblicher tönten die Melodien um ihn und desto näher rückte er dem Wesen in dem Lichte. So baute er sich Stufe auf Stufe auf durch seine Hingabe und sein Mitleid und stieg empor zu dem Thron des Lichts und durfte anbeten in unbeschreiblicher Wonne zu [unleserlich] dessen, der da droben stand.