Basic Elements of Esotericism
GA 93a
10 October 1905, Berlin
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Basic Elements of Esotericism, tr. SOL
XV
Lecture XV
[ 1 ] Alles was heute in der Theosophie gelehrt wird, war auch in den Schulen der Rosenkreuzer im 14. Jahrhundert enthalten. Aber die innere Schulung der Rosenkreuzerströmung war eine streng okkulte. Bei einer solchen okkulten Schulung nimmt man sehr wenig Rücksicht auf die Sprache, auf die Art und Weise, wie man sich ausdrückt. Innerhalb der Welt des 15., 16. und 17. Jahrhunderts lebte eine Art von schlichten Menschen, die nicht als besondere Gelehrte bekannt waren, auch keine besondere soziale Stellung einnahmen, die aber die okkulte Strömung der Rosenkreuzer weiterleiteten. Es waren nie sehr viele. Wirkliche Eingeweihte gab es nie mehr als sieben zu gleicher Zeit; die anderen waren Geheimschüler verschiedener Grade. Die Rosenkreuzer waren die Sendboten der weißen Loge. Von ihnen gingen in Wahrheit die weltbedeutenden Geschehnisse aus. Alles Wichtige, was in dieser Zeit geschah, führt in den letzten Fäden in die Loge der Rosenkreuzer hinein. Äußerlich haben ganz andere die Geschichte Europas gemacht, aber innerlich gesehen, waren diese die Werkzeuge der okkulten Individualitäten. Selbst Rousseau und Voltaire waren solche Werkzeuge von hinter ihnen stehenden okkulten Individualitäten. Diese okkulten Individualitäten konnten selbst nicht mit ihrem Namen auftreten. Die Anregung, die sie bei der Ausübung ihrer Mission anderen Menschen gaben, konnte äußerlich eine sehr einfache, unauffällige sein. Manchmal war die kurze Begegnung mit einem solchen schlichten Manne die Gelegenheit, bei welcher den Werkzeugen der okkulten Individualitäten der richtige Impuls gegeben wurde. Auch hinter den bedeutenden Staatsmännern stehen bis zur Französischen Revolution okkulte Mächte. Dann ziehen sie sich allmählich zurück, denn die Menschen sollen selbst Herr ihrer Geschicke werden. Zum ersten Mal sprechen Menschen als Menschen in den Reden der Französischen Revolution.
[ 1 ] Everything taught in Theosophy today was also part of the Rosicrucian schools in the 14th century. But the inner training of the Rosicrucian movement was strictly occult. In such occult training, very little attention is paid to language or the manner of expression. Within the world of the 15th, 16th, and 17th centuries lived a group of simple people who were not known as scholars nor did they hold any special social status, but who carried on the occult tradition of the Rosicrucians. There were never very many of them. There were never more than seven true initiates at any one time; the others were secret disciples of various degrees. The Rosicrucians were the emissaries of the White Lodge. In truth, it was from them that events of global significance emanated. Everything important that happened during this period ultimately traces back to the Lodge of the Rosicrucians. Outwardly, entirely different people shaped the history of Europe, but from an inner perspective, these were the instruments of occult individualities. Even Rousseau and Voltaire were such instruments of the occult individualities standing behind them. These occult individualities could not appear under their own names. The inspiration they imparted to other people as they carried out their mission could, outwardly, be very simple and unremarkable. Sometimes a brief encounter with such a simple man provided the opportunity to give the instruments of the occult individualities the right impulse. Occult powers also stood behind the great statesmen up until the French Revolution. Then they gradually withdrew, for people were to become masters of their own destinies. For the first time, people spoke as human beings in the speeches of the French Revolution.
[ 2 ] Das innere Leben blieb in den okkulten Schulen zurück. In den Schulen der Rosenkreuzer wurden jene Lehren gelehrt, die man jetzt als den elementaren Teil der Theosophie kennt. Zu jeder wichtigen Entdeckung gaben die okkulten Brüderschaften den Anlaß; dann erst spielten sich die Ereignisse draußen in der Welt ab. Voltaire war ein im eminentesten Sinne von vorwärtsstrebenden Brüderschaften getriebener Geist, denn er war im wesentlichen dazu da, um die Menschen auf ihre eigenen Füße zu stellen. Andere standen im Dienste von retardierenden Brüderschaften; so zum Beispiel Robespierre im späteren Lebensalter. Alles was verfrüht auftritt, ruft auf dem physischen Plane einen Gegenpol hervor... (Lücke im Text.)
[ 2 ] The inner life remained within the occult schools. In the schools of the Rosicrucians, those teachings were imparted that are now known as the elementary part of theosophy. The occult brotherhoods provided the impetus for every major discovery; only then did the events unfold out in the world. Voltaire was a spirit driven, in the most eminent sense, by forward-looking brotherhoods, for his essential purpose was to set people on their own feet. Others were in the service of brotherhoods that held back progress; Robespierre, for example, in his later years. Everything that appears prematurely gives rise to an opposing force on the physical plane... (Gap in the text.)
[ 3 ] In den Schulen der Rosenkreuzer wurden also dieselben Lehren gelehrt, wie jetzt durch die Theosophie. Nur war in der Welt draußen nicht von Theosophie die Rede. In den eigentlichen Geheimschulen legt man nur dann Wert auf die Sprache, wenn man die Welt belehren will. Der Geheimschüler selbst muß lernen, die Symbole, die Zeichen zu gebrauchen. Um sich aber der Welt verständlich zu machen, haben die Eingeweihten auch nur die Sprache, welche die Umwelt gebraucht. Es gab, als man das Wissen noch ganz geheim hielt, ein gewisses System von Symbolen, und jeder, der eingeweiht werden wollte, mußte die Sprache der Symbole lernen. Man legte keinen Wert auf die sprachliche Ausdrucksweise. Auch damals hatte man alle die Lehren; aber manchmal fehlten die bezeichnenden Ausdrücke. Solche Ausdrücke sind jedoch vorhanden für die okkulte Lehre in der morgenländischen Methode des Lehrens, die noch von den allerältesten Indern stammen, die den Unterricht der alten Rishis gehabt haben. Diese indischen Ausdrücke sind noch nicht von dem materialistischen Zeitalter beeinflußt. Die Worte, die die Inder geprägt haben, sind noch voll von dem Zauber des Heiligen der Ursprache. Dennoch ist das Indertum etwas, das wir für uns in Europa nicht brauchen können.
[ 3 ] In the Rosicrucian schools, therefore, the same teachings were imparted as are now taught through Theosophy. Only, in the outside world, there was no mention of Theosophy. In the actual secret schools, importance is attached to language only when one wishes to instruct the world. The secret student himself must learn to use the symbols and signs. But in order to make themselves understood by the world, the initiates also have only the language that the outside world uses. When knowledge was still kept entirely secret, there was a certain system of symbols, and anyone who wished to be initiated had to learn the language of symbols. No importance was attached to verbal expression. Even back then, all the teachings existed; but sometimes the appropriate expressions were lacking. Such expressions, however, do exist for occult teachings in the Eastern method of instruction, which still originates from the very oldest Indians who received instruction from the ancient rishis. These Indian expressions have not yet been influenced by the materialistic age. The words coined by the Indians are still full of the magic of the sacredness of the primordial language. Nevertheless, Indian culture is something we in Europe cannot make use of.
[ 4 ] Was für das indische Volk richtig ist, ist nicht auch für Europa richtig. Anfangs war ein Einschlag von Indien notwendig, weil Europa selbst zu wenig Ausdrücke ausgebildet hatte, um die Lehren einzuführen. Manche Dinge müssen auch wir noch mit indischen Worten bezeichnen. Aber alles, was heute in den okkulten Lehren vorkommt, war auch bei den Rosenkreuzern im Mittelalter und im Beginn der Neuzeit vorhanden. Für das Zentrale, worauf es ankommt, hatte man auch damals die richtigen Ausdrücke. Von Reinkarnation und Karma hat man damals äußerlich nicht sprechen können; man konnte aber diese Wahrheiten unbewußt in die europäische Kultur einfließen lassen. Paracelsus und andere Mystiker haben von Reinkarnation nicht gesprochen. Das war ganz natürlich. Sie konnten nicht davon sprechen. Aber für alles, was sich auf den irdischen Lebenslauf zwischen Geburt und Tod bezieht, hatten sie im Abendlande auch außerordentlich treffende Ausdrücke und Bezeichnungen, dagegen nicht für den Zustand der Zwischenheit zwischen zwei Inkarnationen. Eines ist damals sehr betont worden, daß das physische Leben wichtig ist für die Ausbildung der Organe der höheren Leiber. Wenn wir Wissenschaften betreiben, wenn wir intime geistige Freundschaften entwickeln, so ist das alles ein Heranbilden von Kräften, die einmal als geistige Organe wirken werden.
[ 4 ] What is true for the Indian people is not necessarily true for Europe. Initially, an influence from India was necessary because Europe itself had not developed sufficient means of expression to introduce the teachings. There are still some things that even we must describe using Indian terms. But everything that appears in the occult teachings today was also present among the Rosicrucians in the Middle Ages and at the beginning of the modern era. Even back then, they had the right terms for the essential points that matter. They could not speak openly of reincarnation and karma at that time; however, they were able to unconsciously incorporate these truths into European culture. Paracelsus and other mystics did not speak of reincarnation. That was only natural. They could not speak of it. But for everything relating to the earthly life course between birth and death, they had extraordinarily apt expressions and terms in the West; they did not, however, have them for the intermediate state between two incarnations. One point was strongly emphasized at that time: that physical life is important for the development of the organs of the higher bodies. When we pursue the sciences, when we develop close spiritual friendships—all of this serves to cultivate forces that will one day function as spiritual organs.
[ 5 ] Man hat immer in drei einheitlichen Begriffen zusammengefaßt, wie von außen her die Erziehung des physischen Planes beim Menschen in seinen verschiedenen Körpern wirken soll. Diese drei Gesichtspunkte nannte man: Weisheit, Schönheit und Gewalt oder Stärke.
[ 5 ] It has always been summarized in three uniform concepts how, from the outside, the education of the physical plane is to affect human beings in their various bodies. These three aspects were called: wisdom, beauty, and power or strength.
[ 6 ] Wenn in den mehr exoterischen Rosenkreuzerschulen, in dem äußeren Vorhof die Schüler unterwiesen wurden, so wurde ihnen gesagt: Ihr sollt Arbeiter der Zukunft sein. - Von Reinkarnation wurde nicht gesprochen. Aber der Mensch würde ja auch dann weiter wirken, wenn er nicht wieder hier im Physischen inkarniert würde. Es wurde ihm eingepflanzt, was in der Zukunft organbildend auftreten soll. Es wurde dem Schüler gesagt: Führt draußen im Alltagsleben ein Leben der Weisheit, Schönheit und Gewalt, dann werdet ihr in euern höheren Leibern solche Organe entwickeln, die für die Zukunft sind. — Bei den Freimaurern reden heute noch die JohannesMaurer davon, was für wichtige Dinge Weisheit, Schönheit und Gewalt sind, wissen aber nicht mehr, daß dadurch der Ätherleib, der Astralleib und das Ich mit ihren Organen ausgestaltet werden.
[ 6 ] When students were instructed in the more exoteric Rosicrucian schools, in the outer courtyard, they were told: “You are to be workers of the future.” - There was no mention of reincarnation. But a person would continue to work even if he were not to incarnate here in the physical world again. What was to manifest in the future as organ-forming was implanted within him. The student was told: “Lead a life of wisdom, beauty, and power out there in everyday life, and then you will develop in your higher bodies such organs that are for the future.” — Among Freemasons today, the Johannite Masons still speak of how important wisdom, beauty, and power are, but they no longer realize that through these, the etheric body, the astral body, and the I, along with their organs, are developed.
[ 7 ] Wenn im Mittelalter ein Freimaurer-Baumeister einen Dom, eine Kirche gebaut hat, so war dabei sein Name gar nicht von Wichtigkeit. Er hielt sich im Verborgenen. Auch bei der «Theologia deutsch» ist aus demselben Grunde der Verfasser nicht genannt. Er nennt sich «der Frankfurter». Kein gelehrter Forscher kann den Namen ausfindig machen. Das Bestreben dieser Menschen war, äußerlich auf dem physischen Plan zu arbeiten und keine Spuren von ihren Namen, wohl aber von ihrer Tätigkeit auf dem physischen Plan zu hinterlassen.
[ 7 ] When a Masonic master builder constructed a cathedral or a church in the Middle Ages, his name was of no importance whatsoever. He remained in the shadows. For the same reason, the author of the *Theologia deutsch* is not named. He calls himself “the Frankfurters.” No scholar has been able to identify the author’s name. The aim of these people was to work outwardly on the physical plane and to leave no trace of their names, but certainly to leave a record of their activities on the physical plane.
[ 8 ] Nehmen wir an, jemand habe den Plan und die Anregung gegeben zum Bau eines großen Domes. Er hat gewußt: die Formen des Domes schaffen in ihm ein Organ für die Zukunft. Alle solchen Werke werden in ihren Wirkungen mit dem Inneren der Seele verbunden bleiben. In der Regel bleiben aber auch die äußeren Werke so lange, daß derjenige, der sie geschaffen hat, sie wiederfindet und wiedererkennt, wenn er wiederkommt. Unter der Kanzel findet man gewöhnlich das kleine Bild des Baumeisters; daran erkennt er sich wieder. Das ist die Brücke, die geschlagen wird von einer Inkarnation zur anderen.
[ 8 ] Let us suppose that someone provided the plan and the inspiration for the construction of a great cathedral. He knew that the cathedral’s forms would create within it an organ for the future. All such works will remain connected in their effects to the innermost depths of the soul. As a rule, however, the external works also remain long enough for the one who created them to rediscover and recognize them when he returns. Beneath the pulpit one usually finds a small image of the architect; by this he recognizes himself. This is the bridge that is built from one incarnation to the next.
[ 9 ] Durch die Weisheit sollte der Ätherkörper, durch die Schönheit, zu der die Frömmigkeit gehörte, sollte der Astralkörper, und durch die Gewalt das eigentliche Ich ausgebildet werden. Der Mensch sollte ein sich selbst verleugnender Abdruck von der Außenwelt werden. Davon hat man im alten Indien noch nichts gewußt. Der Brahmanismus strebte nach einer Vervollkommnung des Selbst im Inneren... (Lücke im Text, siehe Hinweis auf S. 279).
[ 9 ] Through wisdom, the etheric body was to be formed; through beauty—which included piety—the astral body; and through power, the true self. Human beings were to become a self-denying reflection of the external world. In ancient India, people knew nothing of this yet. Brahmanism strove for the perfection of the inner Self... (gap in the text; see note on p. 279).
[ 10 ] ... aber gerade in der Mitte unseres nachatlantischen Zyklus traten diejenigen Religionslehrer auf, die auf das Aufgeben des Selbst hinwiesen. Buddha lehrte das schon. Noch mehr aber wurde dies im Abendlande kultiviert durch das Freimaurertum und das Rosenkreuzertum. Sie suchten die Vervollkommnung des Ich in der Form, die auch in der Außenwelt ist, nicht so sehr in jener, die im Inneren lebt, wie sie in Indien gepflegt wurde. In diesem Sinne sagte sich der abendländische Okkultist: Dein Ich ist nicht nur in dir, sondern in der Welt um dich herum. Aus dem Mineralreich, Pflanzen- und Tierreich haben dich die Götter herausgehoben, aber drei Reiche erschaffst du dir selbst, die drei Reiche der Weisheit, der Schönheit und der Gewalt. Diese organisieren den höheren Menschen.
[ 10 ] ... but right in the middle of our post-Atlantean cycle, those religious teachers appeared who emphasized the renunciation of the self. Buddha had already taught this. But this was cultivated even further in the West through Freemasonry and Rosicrucianism. They sought the perfection of the “I” in the form that also exists in the external world, not so much in the form that lives within, as was practiced in India. In this sense, the Western occultist said to himself: Your “I” is not only within you, but in the world around you. The gods have raised you above the mineral, plant, and animal kingdoms, but you create three kingdoms for yourself: the three kingdoms of wisdom, beauty, and power. These constitute the higher human being.
[ 11 ] Der Mensch sagte sich: Ich stehe da als Abschluß aus einer Zeit, in der sich Mineralreich, Pflanzenreich und Tierreich für mich aufgegeben haben; aus diesem Grunde ist das Selbstbewußtsein, das Ich hervorgegangen. Und wie das Ich durch die anderen gestaltet worden ist, soll es jetzt selbst die Reiche der Weisheit, der Schönheit und der Stärke ausgestalten, um sich wiederum an ihnen noch höher hinaufzuranken zu einer völligen Umgestaltung unseres Äther-, Astral- und Ich-Körpers. Diese drei Reiche sind das Reich der Wissenschaft, der Kunst und der innerlichen Stärke, die all das bedeutet, was der Wille auslebt. In diesen drei Gliedern hat der mittelalterliche Esoteriker die Mittel zur Fortentwickelung des Menschen gesehen. Nicht dem blinden Ungefähr soll die Verwandlung der Welt übergeben sein, sondern nach diesen drei Gesichtspunkten der Weisheit, der Schönheit und der Stärke sollen das Mineral-, das Pflanzen- und das Tierreich umgestaltet werden. Wenn die Erde wieder astral wird, wird alles nach diesen drei Gesichtspunkten umgestaltet sein. So mauerten und bauten die Freimaurer des Mittelalters und alle Esoteriker nach diesen drei Gesichtspunkten.
[ 11 ] Man said to himself: I stand here as the culmination of an era in which the mineral, plant, and animal kingdoms have given themselves up for me; for this reason, self-consciousness—the “I”—has emerged. And just as the “I” has been shaped by the other realms, it must now itself shape the realms of wisdom, beauty, and strength, in order to climb even higher through them toward a complete transformation of our etheric, astral, and “I” bodies. These three realms are the realms of science, art, and inner strength—which encompasses everything that the will brings to life. In these three elements, the medieval esotericist saw the means for the further development of humanity. The transformation of the world is not to be left to blind chance, but rather the mineral, plant, and animal kingdoms are to be transformed according to these three principles of wisdom, beauty, and strength. When the Earth becomes astral once more, everything will have been transformed according to these three principles. Thus, the Freemasons of the Middle Ages and all esotericists built and constructed in accordance with these three principles.
[ 12 ] In der indischen Esoterik unterscheidet man zwölf Kräfte, die den Menschen wieder ins physische Dasein ziehen. Die erste dieser Kräfte ist: Avidya = Unwissenheit. Avidya ist, was uns in das physische Dasein wieder hineinzieht, aus dem einfachen Grunde, weil wir erst dann unsere Mission auf der Erde erfüllt haben, wenn wir alles Wissen herausgezogen haben. Wir haben unsere irdische Mission dagegen nicht vollendet, solange wir noch nicht alles wissen, was wir als Wissen aus dem physischen Dasein herauszichen sollen.
[ 12 ] In Indian esotericism, a distinction is made between twelve forces that draw human beings back into physical existence. The first of these forces is: Avidya = ignorance. Avidya is what draws us back into physical existence, for the simple reason that we have only fulfilled our mission on Earth once we have extracted all knowledge. Conversely, we have not completed our earthly mission as long as we do not yet know everything that we are meant to extract as knowledge from physical existence.
[ 13 ] Nach Avidya ist das nächste, was uns zurückzieht, alles, was auf der Erde dadurch enthalten ist, daß wir es selbst gemacht haben und deshalb zu unserer Organisation gehört. Wenn ein Maurer zum Beispiel hier an einem Dom gebaut hat, ist das ein Teil seiner selbst geworden. Die zwei Dinge ziehen sich dann gegenseitig an. Was eine organisierende Tendenz für den Urheber hat, das Werk Leonardo da Vincis ebensogut wie das kleinste Werk hier, bildet ein Organ im Menschen, und daher kommt er wieder zurück. Dies alles zusammen, was der Mensch getan hat, nennt man Samskara oder organisierende Tendenzen, die den Menschen aufbauen. Das ist es, was ihn als zweites zurückzieht.
[ 13 ] According to Avidya, the next thing that draws us back is everything on Earth that is contained within us because we have created it ourselves and therefore it is part of our organization. For example, if a mason has worked on a cathedral here, it has become a part of himself. These two things then attract each other. Whatever has an organizing tendency for its creator—whether it be the work of Leonardo da Vinci or the smallest work here—forms an organ within the human being, and that is why he returns. All of this together—everything that a person has done—is called samskara, or organizing tendencies that build up the human being. That is what draws him back as the second factor.
[ 14 ] Nun kommt das dritte. Bevor der Mensch in irgendeine Inkarnation eingetreten ist, hat er nichts gewußt von einer Außenwelt. Das Selbstbewußtsein hat erst mit der ersten Inkarnation angefangen; vorher war der Mensch nicht selbstbewußt. Er mußte erst die Außendinge auf dem physischen Plan wahrnehmen, ehe er das Selbstbewußtsein entwickeln konnte. So wahr den Menschen das, was er getan hat, zurückzieht auf den physischen Plan, so wahr zieht ihn auch das Wissen von den Dingen zurück. Das Bewußtsein ist eine neue Kraft, die ihn an das bindet, was hier ist. Das ist das dritte, was den Menschen hineinzieht in ein neues Erdenleben. Dieses dritte heißt: Vijnana = Bewußtsein.
[ 14 ] Now comes the third point. Before a human being entered into any incarnation, he knew nothing of an external world. Self-awareness began only with the first incarnation; before that, a human being had no self-awareness. He first had to perceive external things on the physical plane before he could develop self-awareness. Just as what a human being has done draws him back to the physical plane, so too does knowledge of things draw him back. Consciousness is a new force that binds him to what is here. This is the third factor that draws a person into a new earthly life. This third factor is called: Vijnana = consciousness.
[ 15 ] Bis dahin sind wir noch sehr intim innerhalb der Menschenseele geblieben. Als viertes tritt nun auf, was dem Bewußtsein von außen entgegentritt, was ohne den Menschen zwar da war, was er aber erst mit seinem Bewußtsein kennengelernt hat. Dies war ohne sein früheres Dasein da, schließt sich aber erst auf, nachdem sein Bewußtsein es aufgeschlossen hat. Es ist die Trennung zwischen Subjekt und Objekt, oder wie der Sanskritist sagt, die Trennung zwischen Name und Form = Namarupa. Dadurch ist der Mensch beim äußeren Objekt angelangt. Das zieht ihn als viertes zurück, zum Beispiel die Erinnerung an ein Wesen, an das er sich geheftet hat.
[ 15 ] Up to this point, we have remained very much within the human soul. The fourth element to emerge is that which confronts consciousness from the outside—that which existed even before the human being came into being, but which he has only come to know through his consciousness. This existed prior to his earlier existence, but it only becomes accessible after his consciousness has unlocked it. It is the separation between subject and object, or, as the Sanskrit scholar says, the separation between name and form = namarupa. Through this, the human being has arrived at the external object. This draws him back as a fourth element—for example, the memory of a being to which he has become attached.
[ 16 ] Das nächste ist, was wir am äußeren Objekt als Vorstellung bilden; zum Beispiel das Bild eines Hundes ist die bloße Vorstellung, die dem Maler aber das Wesentliche ist. Es ist alles, was der Verstand aus der Sache macht: Shadayadana.
[ 16 ] The next is what we form as a concept based on an external object; for example, the image of a dog is a mere concept, but to the painter it is the essence. It is everything that the mind makes of the thing: Shadayadana.
[ 17 ] Nun geht es noch weiter herunter in das Irdische. Die Vorstellung führt uns zu dem, was wir die Berührung mit dem Dasein nennen = Sparsha. Wer am Objekt hängt, steht auf der Stufe von Namarupa. Wer sich Bilder macht, steht auf der Stufe von Shadayadana. Wer aber unterscheidet zwischen Sympathischem und Unsympathischem, der wird zu dem Schönen lieber kommen als zu dem Unschönen. Dies nennt man die Berührung mit dem Dasein = Sparsha.
[ 17 ] Now we descend even further into the earthly realm. This concept leads us to what we call contact with existence = Sparsha. Whoever clings to an object is on the level of Namarupa. Whoever forms mental images is on the level of Shadayadana. But whoever distinguishes between the pleasant and the unpleasant will prefer the beautiful to the ugly. This is called contact with existence = Sparsha.
[ 18 ] Etwas anderes als diese Berührung mit der Außenwelt ist aber noch das, was sich dabei im Inneren regt als das innere Gefühl. Jetzt trete ich selbst in Aktion, verbinde mein Gefühl mit der einen oder anderen Sache. Das ist ein neues Element. Es zieht den Menschen weiter hinein, man nennt es Vedana = das Gefühl.
[ 18 ] However, there is something else besides this contact with the outside world: what stirs within us as an inner sensation. Now I myself take action, connecting my sensation to one thing or another. This is a new element. It draws a person further in; it is called vedana = sensation.
[ 19 ] Durch Vedana entsteht nun wiederum etwas ganz Neues, nämlich der Durst nach Dasein. Die Kräfte, die den Menschen ins Dasein zurückziehen, erwachen immer mehr in ihm selbst. Die oberen Kräfte zwingen mehr oder weniger alle Menschen, sie sind nicht individuell. Zuletzt aber kommen ganz persönliche Kräfte, die ihn wieder in das Irdische hineinziehen. Das ist das achte: Trishna = Durst nach Dasein.
[ 19 ] Through vedana, something entirely new now arises: the thirst for existence. The forces that draw a person back into existence awaken more and more within him. The higher forces compel more or less all human beings; they are not individual. Ultimately, however, entirely personal forces emerge that draw him back into the earthly realm. This is the eighth: Trishna = thirst for existence.
[ 20 ] Noch subjektiver als der Durst nach Dasein ist etwas, das man nennt: Upadana = Behagen im Dasein. Bei Upadana hat der Mensch etwas mit dem Tier gemeinsam, er empfindet es nur etwas geistiger, und die Aufgabe des Menschen ist es, dieses grobe Seelenelement zu vergeistigen.
[ 20 ] Even more subjective than the thirst for existence is something called upadana = delight in existence. In upadana, humans share something in common with animals; they simply experience it in a somewhat more spiritual way, and it is the human’s task to spiritualize this coarse element of the soul.
[ 21 ] Dann kommt das individuelle Dasein selbst, die ganze frühere Inkarnation, wenn er schon einmal da war: Bhava = das individuelle Dasein, die Kraft der ganzen Totalität der vorherigen Inkarnation. Die vorherige Inkarnation zieht ihn hinein in das Dasein.
[ 21 ] Then comes individual existence itself—the entirety of the previous incarnation, if he was ever here before: Bhava = individual existence, the power of the entire totality of the previous incarnation. The previous incarnation draws him into existence.
[ 22 ] Damit haben wir eigentlich die Stufen der Nidanas bis zu der Stufe der individuellen Geburt zurückgeführt. Der Esoteriker unterscheidet nun noch zwei Stufen, die über die Zeit des individuellen Daseins hinausgehen. Er unterscheidet da ein Vorstadium, das zur Geburt gedrängt hat, bevor der Mensch jemals inkarniert war. Dies nennt man: Jati = was vor der Geburt zur Geburt gedrängt hat.
[ 22 ] This brings us back to the stages of the nidanas up to the stage of individual birth. The esotericist now distinguishes two additional stages that extend beyond the period of individual existence. He identifies a preliminary stage that impelled birth before the human being had ever incarnated. This is called: Jati = that which, before birth, impelled birth.
[ 23 ] Mit dem in die Geburt Gedrängtwerden ist zugleich etwas anderes verbunden. Tatsächlich wird uns mit der Geburt schon der Keim des Verfalls mitgegeben, das Streben, aus der individuellen Geburt wieder herauszukommen. Wir sind interessiert daran, daß dieses unser Erdendasein wieder zerfällt und wir befreit werden, alt werden und sterben können = Jaramarana. Das sind die zwölf Nidanas, die wie Stricke wirken und uns immer wieder ins Dasein zurückziehen. (Nidana bedeutet ja Strick, Schlinge.) Es sind drei Gruppen, die zusammengehören:
[ 23 ] Being thrust into birth is also connected to something else. In fact, at birth we are already endowed with the seed of decay—the striving to escape from individual birth. We are interested in seeing our earthly existence disintegrate once more so that we may be liberated, grow old, and die = Jaramarana. These are the twelve nidanas, which act like ropes and pull us back into existence again and again. (Nidana means “rope” or “noose.”) There are three groups that belong together:
| erste Gruppe | zweite Gruppe | dritte Gruppe |
|---|---|---|
| Avidya | Shadayadana | Upadana |
| Samskara | Sparsha | Bhava |
| Vijnana | Vedana | Jati |
| Namarupa | Trishna | Jaramarana |
| first group | second group | third group |
|---|---|---|
| Avidya | Shadayadana | Upadana |
| Samskara | Sparsha | Bhava |
| Vijnana | Vedana | Jati |
| Namarupa | Trishna | Jaramarana |
[ 24 ] Die Seele hat drei Glieder: Die Bewußtseinsseele als höchstes Glied, dann die Verstandesseele und die Empfindungsseele. Die erste Gruppe der Nidanas von Avidya bis Namarupa haftet an der Bewußtseinsseele; die zweite Gruppe haftet an der Verstandesseele, und die dritte von Upadana bis Jaramarana haftet an der Empfindungsseele.
[ 24 ] The soul has three components: the consciousness soul as the highest component, followed by the intellect soul and the sensation soul. The first group of nidanas, from avidya to namarupa, clings to the consciousness soul; the second group clings to the intellect soul; and the third group, from upadana to jaramarana, clings to the feeling soul.
[ 25 ] Vijnana ist das Charakteristische für die Bewußtseinsseele; Shadayadana für die Verstandesseele, und die letzteren vier sind verbunden mit der Empfindungsseele. Diese letzten vier sind beim Tier ebenso vorhanden wie beim Menschen.
[ 25 ] Vijnana is the defining characteristic of the conscious soul; Shadayadana is that of the intellectual soul, and the latter four are associated with the sensory soul. These last four are present in animals just as they are in humans.
