Cosmogony
GA 94
13 June 1906, Paris
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Cosmogony, tr. SOL
Siebzehnter Vortrag
Lecture Seventeen
[ 1 ] Es gibt sieben Lebensgeheimnisse, von denen man bis heute außerhalb der okkulten Bruderschaften noch niemals gesprochen hat. Erst in der gegenwärtigen Zeitepoche ist es möglich, exoterisch davon zu sprechen. Man nennt sie auch die sieben unaussprechlichen oder namenlosen Geheimnisse.
[ 1 ] There are seven mysteries of life that, to this day, have never been discussed outside of occult fraternities. Only in the present era has it become possible to speak of them exoterically. They are also called the seven unspeakable or nameless mysteries.
[ 2 ] Wir wollen versuchen, vom vierten Geheimnis zu sprechen, dem [Geheimnis der Geburt und] des Todes.
[ 2 ] Let us try to speak about the fourth mystery, the [mystery of birth and] death.
[ 3 ] Dies sind die Geheimnisse:
[ 3 ] These are the secrets:
[ 4 ] Erstens: Das Geheimnis des Abgrunds.
[ 4 ] First: The Secret of the Abyss.
[ 5 ] Zweitens: Das Geheimnis der Zahl. Man kann es in der pythagoreischen Philosophie studieren.
[ 5 ] Second: The Mystery of Numbers. It can be studied in Pythagorean philosophy.
[ 6 ] Drittens: Das Geheimnis der Alchimie. Dieses kann man durch die Werke von Paracelsus und Jakob Böhme begreifen.
[ 6 ] Third: The Secret of Alchemy. This can be understood through the works of Paracelsus and Jakob Böhme.
[ 7 ] Viertens: Das Geheimnis [der Geburt und] des Todes.
[ 7 ] Fourth: The mystery [of birth and] death.
[ 8 ] Fünftens: Das Geheimnis des Bösen, das berührt wird in der Apokalypse.
[ 8 ] Fifth: The mystery of evil, which is touched upon in the Book of Revelation.
[ 9 ] Sechstens: Das Geheimnis des Wortes, des Logos.
[ 9 ] Sixth: The mystery of the Word, the Logos.
[ 10 ] Siebentens: Das Geheimnis der Gottseligkeit; es ist das zutiefst verborgene Geheimnis.
[ 10 ] Seventh: The mystery of godliness; it is the most deeply hidden mystery.
[ 11 ] Erinnern wir uns, daß wir auf dem Planeten, der unserer Erde voranging, auf dem alten Mond, drei Naturreiche unterschieden haben, die von den Reichen auf der Erde ganz verschieden sind. Unser Mineralreich existierte noch nicht. Es ist geboren aus der Verdichtung, aus der Kristallisation, dem Mineralisch-Pflanzlichen des Mondes. Unsere Pflanzenwelt ist aus dem Pflanzlich-Tierischen der Mondenentwickelung entsprossen. Und was gegenwärtig die Tierwelt ist, entstammt dem, was auf dem Monde der Tiermensch war. Wir sehen also, daß jedes dieser Mondreiche auf der Erde einen Abstieg zur Materialisation hin durchmachte. Ebenso verhält es sich mit den Wesen, die auf dem Mond über dem Tiermenschen standen: den Feuergeistern. Die Menschen jener Zeit atmeten jenes Feuer, wie wir heute die Luft atmen. Deshalb ist das Feuer in den Legenden und Mythen gewissermaßen die erste Manifestation der Götter geblieben. Goethe macht im «Faust» eine Anspielung darauf, wenn er sagt:
[ 11 ] Let us recall that on the planet that preceded our Earth—the ancient Moon—we distinguished three kingdoms of nature that are entirely different from the kingdoms on Earth. Our mineral kingdom did not yet exist. It was born out of the condensation and crystallization of the Moon’s mineral-vegetative substance. Our plant world sprang from the plant-animal aspect of the Moon’s evolution. And what is now the animal world originated from what was the animal-human on the Moon. We see, then, that each of these lunar kingdoms underwent a descent toward materialization on Earth. The same is true of the beings who stood above the animal-human on the Moon: the fire spirits. The people of that time breathed that fire just as we breathe the air today. That is why, in legends and myths, fire has, in a sense, remained the first manifestation of the gods. Goethe alludes to this in Faust when he says:
Ein bißchen Feuerluft, die ich bereiten werde,
Hebt uns behend von dieser Erde.
A little fiery breath, which I will prepare,
Will lift us swiftly from this earth.
[ 12 ] Diese Feuergeister des alten Mondes verkörpern sich innerhalb der Erdenentwickelung in der Luft. Sie sind also auch in eine dichtere Materialität herabgestiegen, in die Luft, die wir gegenwärtig ein- und ausatmen. Sie sind diese Luftsubstanz, die um uns und in uns lebt und die Erde mit ihrer Atmosphäre einhüllt.
[ 12 ] These fire spirits of the ancient moon manifest themselves in the air as part of the Earth’s evolution. They have thus also descended into a denser form of matter—the air that we currently breathe in and out. They are this air substance that lives around us and within us and envelops the Earth with its atmosphere.
[ 13 ] Wenn diese Geister nun also bis zum Luftelement herabgestiegen sind, wenn die Mondenreiche auf diese Art eine Involutions-Entwickelung durchgemacht haben, so ist es zu dem Zweck geschehen, daß der Mensch, dank ihrer Tätigkeit, sich bis zur Vergöttlichung emporheben könne. In der Tat hat eine doppelte Bewegung innerhalb eines jeden der beiden Mondenreiche stattgefunden: die unterste Partie ist herabgestiegen, während die uns nächststehende aufgestiegen ist. So hat sich der Tiermensch in zwei Gruppen gespalten, von denen die eine, unter dem Einfluß der Atmung und der Tätigkeit der zu Luftgeistern umgebildeten Feuergeister, an der Herausformung ihres Gehirns arbeitete, während die zurückgebliebene Gruppe zum Tierreich hinabstieg. Diese Spaltung findet sich wieder bis hinein in die Konstitution des Menschen selbst, dessen untere Partie sich dem Tier nähert, während die obere Partie dem Geistigen zustrebt. Je nachdem das eine oder andere Merkmal mehr oder weniger ausgeprägt war, bildeten sich nach und nach zwei verschiedene Menschenarten heraus: die eine, entsprechend ihrer niedrigeren Natur, vornehmlich an die Erde gebunden, die andere, höher entwickelte, losgelöst von der Erde. Die erstgenannten fielen in die Tierheit zurück. Die anderen konnten den göttlichen Funken in sich aufnehmen, das Ich-Bewußtsein. So ist die Beziehung, die tatsächlich zwischen Mensch und Tier besteht, und insonderheit zum Affen. Das physische Korrelat zu dieser geistigen Entwickelung wurde das Wachstum, die Entfaltung des menschlichen Gehirns, das zu einem Tempel wurde, in dem die Gottheit Wohnung nehmen konnte.
[ 13 ] If these spirits have now descended to the element of air, if the lunar realms have thus undergone a process of involution, it is so that human beings, thanks to their activity, may rise to the state of deification. In fact, a dual movement has taken place within each of the two lunar realms: the lowest part has descended, while the part closest to us has ascended. Thus, the animal-man split into two groups, one of which, under the influence of the breathing and the activity of the fire spirits who had been transformed into air spirits, worked on the formation of its brain, while the group that remained behind descended into the animal kingdom. This division is reflected right down into the constitution of human beings themselves, whose lower part approaches the animal, while the upper part strives toward the spiritual. Depending on whether one or the other characteristic was more or less pronounced, two different types of human beings gradually emerged: one, in keeping with its lower nature, primarily bound to the earth; the other, more highly developed, detached from the earth. The former fell back into animality. The latter were able to receive the divine spark within themselves—the sense of self. Such is the relationship that actually exists between humans and animals, and in particular with apes. The physical counterpart to this spiritual development was the growth and unfolding of the human brain, which became a temple in which the divine could dwell.
[ 14 ] Aber wenn nur diese Entwickelung sich vollzogen hätte, hätte doch noch etwas gefehlt. Es hätte Mineralien gegeben, Pflanzen, Tiere, ja Menschen mit entwickeltem Gehirn, fähig, die gegenwärtige Menschenform zu erreichen. Aber etwas wäre auf dem Mondenstandpunkt stehengeblieben. Auf dem alten Mond gab es weder Geburt noch Tod.
[ 14 ] But if only this development had taken place, something would still have been missing. There would have been minerals, plants, animals, and even humans with developed brains, capable of reaching the present human form. But something would have remained at the lunar stage. On the ancient Moon, there was neither birth nor death.
[ 15 ] Man stelle sich das menschliche Wesensgefüge vor ohne den physischen Leib: es gäbe keinen Tod, die Wesenserneuerung würde sich auf eine andere Art vollziehen als durch die gegenwärtige Geburt. Teile des Astralleibs, des Ätherleibs würden sich durch Austausch erneuern, aber die Zusammensetzung bliebe konstant. Das Zentrum bliebe unveränderlich, die Oberflächen allein wären der Ort des Austauschs mit der äußeren Umgebung. So war es auf dem Mond: der Mensch machte lediglich Metamorphosen durch, weder Geburt noch Tod, sondern eine unaufhörliche Umgestaltung. Aber in diesem Stadium war er noch nicht zum Selbstbewußtsein gelangt. Die Götter, die ihn gebildet hatten, waren um ihn, hinter ihm, aber nicht in ihm. Sie waren ihrerseits das, was der Baum ist für den Zweig oder was das Gehirn ist für die Hand. Die Hand bewegt sich, aber das Bewußtsein von der Bewegung ist im Gehirn. Der Mensch war ein Zweig am göttlichen Baum, und wenn seine Entwickelung auf der Erde diesen Zustand nicht geändert hätte, wäre sein Gehirn nur eine Blüte an diesem göttlichen Baum gewesen, seine Gedanken würden sich auf dem Spiegel seiner Physiognomie gezeigt haben, aber er hätte nichts gewußt von seinen eigenen Gedanken. Unsere Erde wäre eine Welt von Wesen gewesen, begabt mit Gedanken, aber nicht mit Selbstbewußtsein, eine Welt von Statuen, die durch die Götter, und namentlich durch Jahve oder Jehova beseelt wären. Was ist geschehen, um die Lage der Dinge zu verändern, und wie ist der Mensch zur Unabhängigkeit gelangt?
[ 15 ] Imagine the structure of the human being without the physical body: there would be no death, and the renewal of the being would take place in a different way than through present-day birth. Parts of the astral body and the etheric body would be renewed through exchange, but their composition would remain constant. The center would remain unchanging; only the surfaces would be the site of exchange with the external environment. This was how it was on the Moon: human beings merely underwent metamorphoses—neither birth nor death, but a ceaseless transformation. But at this stage, they had not yet attained self-consciousness. The gods who had formed him were around him, behind him, but not within him. They were, in their turn, what the tree is to the branch or what the brain is to the hand. The hand moves, but the awareness of the movement lies in the brain. Man was a branch on the divine tree, and if his development on Earth had not altered this state, his brain would have been merely a blossom on that divine tree; his thoughts would have been reflected in the mirror of his physiognomy, but he would have known nothing of his own thoughts. Our Earth would have been a world of beings endowed with thoughts but not with self-awareness—a world of statues animated by the gods, and specifically by Yahweh or Jehovah. What happened to change the state of affairs, and how did humankind attain independence?
[ 16 ] Gibt es in einer Schule mehrere Klassen, so gibt es Kinder, die alle durchlaufen, und andere, die nicht bis dahin gelangen. Die Götter von der Gefolgschaft des Jahve waren soweit, in das menschliche Gehirn herabsteigen zu können. Aber andere Geister, die auf dem Monde zu den Feuergeistern zählten, hatten ihre Entwickelung nicht beendet, und anstatt auf der Erde in das Gehirn des Menschen einzudringen, verbanden sie sich mit seinem Astralleib. Dieser Astralleib besteht aus Instinkten, Wünschen, Leidenschaften. Hier hinein zogen sich solche Feuergeister zurück, die ihr Entwickelungsziel auf dem Monde nicht erreicht hatten. Sie erlangten eine Wohnstätte in der tierischen Natur des Menschen, wo die Leidenschaften entstehen, und gleichzeitig gaben sie diesen Leidenschaften einen höheren Schwung. Sie ließen den Enthusiasmus in das Blut und in den Astralleib einströmen. Die Jehovagötter hatten die reine, kalte Form der Idee gegeben; aber durch diese Geister, die man luziferische nennen kann, wurde der Mensch fähig, sich für die Ideen zu begeistern und leidenschaftlich für oder gegen sie Partei zu nehmen. Wenn die Jehovagötter das menschliche Gehirn modelliert haben, so haben die luziferischen Geister dieses Gehirn mit den physischen Sinnen verknüpft durch die Verzweigungen der Nerven, die in die Sinnesorgane endigen. Luzifer lebt in uns ebenso lange wie Jehova.
[ 16 ] If there are several classes in a school, there are children who progress through them all, and others who do not make it that far. The gods of Yahweh’s retinue were ready to descend into the human brain. But other spirits, who were among the fire spirits on the Moon, had not completed their evolution, and instead of penetrating the human brain on Earth, they united with the human astral body. This astral body consists of instincts, desires, and passions. It was into this realm that those fire spirits who had not attained their goal of evolution on the Moon withdrew. They found a dwelling place in the animal nature of human beings, where passions arise, and at the same time they imparted a higher impetus to these passions. They allowed enthusiasm to flow into the blood and into the astral body. The Jehovah gods had provided the pure, cold form of the idea; but through these spirits—which may be called Luciferic—human beings became capable of becoming enthusiastic about ideas and of passionately taking sides for or against them. If the Jehovah gods shaped the human brain, the Luciferian spirits linked that brain to the physical senses through the nerve pathways that terminate in the sensory organs. Lucifer lives within us just as long as Jehovah does.
[ 17 ] Alles, was durch die Sinne fließt und dem Menschen ein objektives Bewußtsein von seiner Umgebung gibt, verdankt er den luziferischen Geistern. Verdankt er den Göttern das Gedankenleben, so verdankt er Luzifer, daß er dessen bewußt wird. Luzifer lebt in seinem Astralleib und betätigt sich in seinem durch die Nerven vermittelten Sinnesleben. Deshalb spricht die Schlange in der Genesis: Eure Augen werden aufgetan werden. — Man kann diese Worte buchstäblich nehmen, denn im Laufe der Zeit haben die luziferischen Geister die Sinne des Menschen erschlossen.
[ 17 ] Everything that flows through the senses and gives human beings an objective awareness of their surroundings is owed to the Luciferic spirits. While human beings owe their life of thought to the gods, they owe it to Lucifer that they become aware of it. Lucifer lives in his astral body and is active in his sensory life, which is mediated through the nerves. That is why the serpent in Genesis says: “Your eyes will be opened.” — One can take these words literally, for over time the Luciferic spirits have opened up human beings’ senses.
[ 18 ] Durch die Sinne individualisiert sich das Bewußtsein. Ohne den Bezug auf die Sinneswelt wären die Gedanken des Menschen nichts als Reflexe von der Gottheit, Akte des Glaubens, nicht des Wissens. Die Widersprüche zwischen dem Glauben und der Wissenschaft kommen von diesem doppelten Ursprung des menschlichen Gedankens her. Der Glaube wendet sich zu den ewigen Ideen, zu den Urmüttern, die sich von den Göttern ableiten; die Wissenschaft, die Kenntnis der äußeren Welt durch die Sinne, kommt von den luziferischen Geistern. Der Mensch ist geworden, was er ist, indem er das luziferische Prinzip mit der göttlichen Vernunft verbunden hat. Diese Verbindung zweier entgegengesetzter Prinzipien in ihm gibt ihm die Möglichkeit zum Bösen, aber gleichzeitig auch das Mittel, sein Selbstbewußtsein zu erlangen, kritisch zu prüfen und frei zu sein. Nur einem Wesen, das zur Individualisierung veranlagt ist, konnte durch diesen Gegensatz der Elemente in seinem Inneren geholfen werden. Hätte der Mensch, als er in die Materie hinabstieg, nur die von Jehova verliehene Form empfangen, so wäre er unpersönlich geblieben. .
[ 18 ] Consciousness becomes individualized through the senses. Without reference to the sensory world, human thoughts would be nothing but reflections of the divine—acts of faith, not of knowledge. The contradictions between faith and science stem from this dual origin of human thought. Faith turns to the eternal ideas, to the primordial mothers derived from the gods; science—the knowledge of the external world through the senses—comes from the Luciferic spirits. Humanity has become what it is by uniting the Luciferic principle with divine reason. This union of two opposing principles within humanity gives it the capacity for evil, but at the same time also the means to attain self-consciousness, to exercise critical judgment, and to be free. Only a being predisposed toward individualization could be aided by this contrast of elements within. Had human beings, upon descending into matter, received only the form bestowed by Jehovah, they would have remained impersonal. .
[ 19 ] Luzifer ist also das Prinzip, das es dem Menschen erlaubt, wahrhaft ein von den Göttern unabhängiger Mensch zu werden. Der im Menschen sich offenbarende Christus oder der Logos ist das Prinzip, das ihm erlaubt, wiederum zur Gottheit aufzusteigen.
[ 19 ] Lucifer is thus the principle that allows human beings to truly become independent of the gods. Christ, or the Logos, who is revealed in human beings, is the principle that allows them, in turn, to ascend to divinity.
[ 20 ] In vorchristlicher Zeit waltete im Menschen das Jehovaprinzip, das ihm seine Form verlieh, und das Luziferprinzip, das ihn individualisierte. Er war geteilt zwischen dem Gehorsam gegenüber dem Gesetz und der Auflehnung des Individuums. Doch das Christusprinzip kam, um zwischen den beiden das Gleichgewicht herzustellen, indem es lehrte, im Inneren des Individuums selbst das Gesetz zu finden, das zuerst von außen gegeben worden war. Das erklärt Paulus, der von der Freiheit und von der Liebe das christliche Prinzip recht eigentlich ableitet: das Gesetz hat den alten Bund regiert wie die Liebe den neuen. — Wir finden also beim Menschen drei Prinzipien, die untrennbar und zu seiner Entwickelung notwendig sind: Jehova, Luzifer, Christus.
[ 20 ] In pre-Christian times, the human being was governed by the Jehovah principle, which gave him his form, and the Lucifer principle, which individualized him. He was torn between obedience to the law and the rebellion of the individual. But the Christ principle came to establish a balance between the two by teaching that the law—which had initially been given from without—is to be found within the individual himself. This is explained by Paul, who derives the Christian principle quite literally from freedom and love: the law governed the old covenant just as love governs the new. — We thus find in human beings three principles that are inseparable and necessary for their development: Jehovah, Lucifer, and Christ.
[ 21 ] Aber Christus Jesus ist nicht bloß ein unbestimmtes Prinzip in der Welt. Er ist ein Wesen, das nur einmal, in einem geschichtlich bestimmten Moment erschienen ist. In menschlicher Gestalt hat er durch sein Wort und Leben einen Zustand der Vollendung enthüllt, den alle Menschen am Ende der Zeiten durch ihren eigenen freien Willen erreichen werden. Er ist erschienen auf dem Höhepunkt einer furchtbaren Krise, als die herabsteigende Entwickelungslinie der Menschheit im Begriffe war, ihren tiefsten Punkt in der Materialisierung zu erreichen.
[ 21 ] But Christ Jesus is not merely an indefinite principle in the world. He is a being who appeared only once, at a specific moment in history. In human form, through his word and life, he revealed a state of perfection that all people will attain at the end of time through their own free will. He appeared at the height of a terrible crisis, when humanity’s downward trajectory of development was on the verge of reaching its lowest point in materialization.
[ 22 ] Sollte das Christus-Prinzip in den Menschen zur Erweckung kommen, war es notwendig, daß es auf der Erde in einem Menschen zur Erscheinung kam und daß der Christus gelebt hat.
[ 22 ] For the Christ principle to be awakened in human beings, it was necessary for it to manifest itself on earth in a human being and for Christ to have lived.
[ 23 ] Das Karma und der Christus sind der Inbegriff der ganzen Evolution. Das Karma ist das Gesetz von Ursache und Wirkung in der geistigen Welt; es ist die Spirale der Entwickelung. Die ChristusKraft schaltet sich in die Entwickelung dieser karmischen Linie als richtunggebende Achse ein. Diese Kraft findet sich seit der Ankunft des Christus auf der Erde im Grunde jeder menschlichen Seele.
[ 23 ] Karma and Christ are the embodiment of the entire process of evolution. Karma is the law of cause and effect in the spiritual world; it is the spiral of evolution. The Christ Force intervenes in the evolution of this karmic line as a guiding axis. Since the arrival of the Christ on Earth, this force has been present at the core of every human soul.
[ 24 ] Aber wenn man im Karma nichts anderes sieht als eine dem Menschen auferlegte Notwendigkeit, sein Unrecht wieder gutzumachen und seine Irrtümer abzubüßen durch eine unversöhnliche Gerechtigkeit, die von einer Verkörperung zur anderen wirkt, so unterstützt man den gelegentlichen Einwand, daß das Karmagesetz die Erlöserrolle des Christus aufhebe. In Wirklichkeit ist das Karma auf der einen Seite eine Erlösung des Menschen durch sich selbst, durch sein eigenes Bemühen, durch seinen stufenweisen Aufstieg zur Freiheit im Laufe der Wiederverkörperungen, und anderseits dasjenige, was den Menschen dem Christus annähert. Denn die Christus-Kraft ist der Grundimpuls, der den Menschen in Freiheit zur Umwandlung des unversöhnlichen Gesetzes führt, und die Quelle dieses Impulses ist die Person und das Beispiel des Christus Jesus. Nicht mehr ist es nötig, im Karma ein Verhängnis zu sehen; vielmehr ist es als das notwendige Mittel zu verstehen, um die höchste Freiheit, das Leben in Christus, zu erreichen - eine Freiheit, die man nicht erreicht, indem man der Ordnung der Dinge mißtraut, sondern indem man sie begreift. Das Karma hebt weder die Gnade noch den Christus auf, es findet sie im Gegenteil der ganzen Evolution zugeordnet.
[ 24 ] But if one sees karma as nothing more than a necessity imposed on human beings to make amends for their wrongs and atone for their errors through an unforgiving justice that operates from one incarnation to the next, then one lends credence to the occasional objection that the law of karma nullifies Christ’s role as Savior. In reality, karma is, on the one hand, the redemption of humankind through itself—through its own efforts, through its gradual ascent toward freedom over the course of reincarnations—and, on the other hand, that which brings humankind closer to Christ. For the Christ-force is the fundamental impulse that leads humanity, in freedom, toward the transformation of the unforgiving law, and the source of this impulse is the person and example of Jesus Christ. It is no longer necessary to view karma as a fate; rather, it must be understood as the necessary means to attain the highest freedom—life in Christ—a freedom that is not attained by distrusting the order of things, but by understanding it. Karma does not negate either grace or Christ; on the contrary, it finds them integrated into the whole of evolution.
[ 25 ] Ein anderer Einwand ist der, den man machen kann vom Gesichtspunkt der östlichen Weisheit. Die Idee eines Erlösers, der den Menschen zu Hilfe kommt, so sagt man, unterdrückt die logischen Verknüpfungen des Karma und setzt an die Stelle des großen universellen Entwickelungsgesetzes das unvermittelte Eingreifen einer wundersamen Gnade. Es ist nur gerecht, daß derjenige, der die Fehler begangen hat, auch ihre Schwere trägt.
[ 25 ] Another objection is one that can be raised from the perspective of Eastern wisdom. The idea of a savior who comes to humanity’s aid, it is said, suppresses the logical connections of karma and replaces the great universal law of evolution with the direct intervention of miraculous grace. It is only fair that the one who has committed the errors should also bear their weight.
[ 26 ] Das ist jedoch ein Irrtum. Das Karma ist das Gesetz von Ursache und Wirkung für die geistige Welt, wie die Mechanik das Gesetz von Ursache und Wirkung in der materiellen Welt ist. In jedem Moment des Lebens stellt das Karma etwas dar wie die Bilanz eines Geschäftsmannes, die exakte Ziffer von Soll und Haben. Mit jeder Handlung, sie sei gut oder schlecht, vermehrt der Mensch sein Soll oder sein Haben. Wer einen Akt der Freiheit nicht zugeben möchte, würde einem Kaufmann gleichen, der nicht das Risiko einer neuen Geschäftsunternehmung eingehen möchte und sich immer auf dem gleichen Stande der Geschäftsbilanz halten würde.
[ 26 ] However, this is a misconception. Karma is the law of cause and effect in the spiritual world, just as mechanics is the law of cause and effect in the material world. At every moment of life, karma represents something like a businessman’s balance sheet—the exact total of debits and credits. With every action, whether good or bad, a person increases their debits or their credits. Anyone who refuses to admit to an act of free will would be like a businessman who refuses to take the risk of a new business venture and would always keep his balance sheet at the same level.
[ 27 ] Eine rein logische Auffassung von Karma würde es verbieten, einem Menschen im Unglück zu helfen. Aber gerade da würde der Fatalismus sich als falsch erweisen, und die Hilfe, die wir einem anderen aus freien Stücken erweisen, eröffnet einen neuen Abschnitt in seinem Schicksal. Unsere Schicksale sind gewoben aus solchen Impulsen, solchen Gnadenerweisungen. Wenn wir aber die Idee einer individuellen Hilfe akzeptieren, können wir dann nicht auch verstehen, daß jemand, der sehr viel mehr vermag als wir, nicht nur einem einzelnen helfen kann, sondern allen Menschen, ja einen neuen Impuls in die ganze Menschheit hineintragen kann? Nun, solcherart ist die Tat eines Mensch gewordenen Gottes, die nicht geschah, um den Gesetzen des Karma zu widersprechen, sondern um zu ihrer Erfüllung zu verhelfen.
[ 27 ] A purely logical conception of karma would forbid us from helping a person in misfortune. But it is precisely there that fatalism would prove to be false, and the help we offer another of our own free will opens a new chapter in that person’s destiny. Our destinies are woven from such impulses, such acts of grace. But if we accept the idea of individual help, can we not also understand that someone who is capable of much more than we are can help not only a single person, but all people—indeed, can impart a new impulse to all of humanity? Well, such is the deed of a God made man, which did not occur to contradict the laws of karma, but to help bring them to fulfillment.
[ 28 ] Das Karma und der Christus ergänzen sich wie das Mittel zur Erlösung und der Erlöser. Durch das Karma wird die Tat des Christus ein kosmisches Gesetz, und durch das Christus-Prinzip, den geoffenbarten Logos, erreicht das Karma sein Ziel, nämlich die Befreiung der Seelen zum Selbstbewußtsein und ihre Wesensgleichheit mit Gott. Das Schicksalsgesetz ist die stufenweise Erlösung, der Christus ist der Erlöser.
[ 28 ] Karma and the Christ complement each other like the means of salvation and the Savior. Through karma, the work of the Christ becomes a cosmic law, and through the Christ principle—the revealed Logos—karma achieves its goal: the liberation of souls to self-consciousness and their oneness with God. The law of destiny is gradual salvation; the Christ is the Savior.
[ 29 ] Wenn die Menschen sich mit diesen Ideen durchdringen würden, würden sie fühlen, daß sie zueinander gehören, und würden das Gesetz begreifen, das in den okkulten Bruderschaften herrscht: daß jeder für den anderen leidet und lebt.
[ 29 ] If people were to let these ideas take root within them, they would feel that they belong to one another and would understand the law that governs the occult brotherhoods: that each one suffers and lives for the other.
[ 30 ] Wir werden in der Zukunft einen Punkt erreichen, wo das Prinzip der äußeren Erlösung für jeden Menschen zusammenfallen wird mit der Tätigkeit des Erlösers im Menscheninneren.
[ 30 ] In the future, we will reach a point where the principle of external salvation for every human being will coincide with the Savior’s work within the human being.
[ 31 ] Nicht die Offenbarung, sondern die Wahrheit macht die Menschen frei: «Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.»
[ 31 ] It is not revelation, but the truth that sets people free: “You will know the truth, and the truth will set you free.”
[ 32 ] Der Weg unserer Entwickelung führt zur Freiheit. Wenn der Mensch all das in sich erweckt haben wird, was prophetisch im Christus-Prinzip enthalten ist, wird er frei geworden sein. Denn wenn die Notwendigkeit das Gesetz der materiellen Welt ist, so herrscht die Freiheit in der geistigen Welt. Die Freiheit erobert man nur schrittweise, und sie wird im Menschen in ihrer Totalität nicht früher zur Erscheinung kommen als zu dem Zeitpunkt seiner Entwickelung, wenn seine Natur wahrhaft durchgeistigt sein wird.
[ 32 ] The path of our development leads to freedom. When human beings have awakened within themselves all that is prophetically contained in the Christ principle, they will have become free. For while necessity is the law of the material world, freedom reigns in the spiritual world. Freedom is attained only gradually, and it will not manifest itself in its entirety within a person until that stage of his development when his nature is truly spiritualized.
