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The Rudolf Steiner Archive

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At the Gates of Theosophy
GA 95

28 August 1906, Stuttgart

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Siebenter Vortrag

Seventh Lecture

[ 1 ] Heute möchte ich sprechen über die Wirkungen des Karmagesetzes durch die einzelnen Menschenleben hindurch. Zuvor aber lassen Sie mich bemerken, daß natürlich eine jede solche Auseinandersetzung lückenhaft sein muß, da keine Spekulationen, keine ausgedachten Fälle vorgebracht werden, sondern, wie es im Okkultismus eigentlich immer sein soll, nur Tatsachen, nur Dinge, über die Erfahrungen vorliegen. Es wird also nur gesagt, dieses oder jenes tritt ein, wenn man wirklich einen Menschen beobachtet hat, der in einem solchen Falle war. Einzig und allein aus der Erfahrung heraus wird über die karmischen Zusammenhänge gesprochen werden.

[ 1 ] Today I would like to speak about the effects of the law of karma throughout individual human lives. But first, let me note that, of course, any such discussion must be incomplete, since no speculations or hypothetical cases will be presented; rather, as should always be the case in occultism, only facts will be presented—only things for which there is empirical evidence. Thus, it will only be stated that this or that occurs when one has actually observed a person who was in such a situation. Karmic connections will be discussed solely on the basis of experience.

[ 2 ] Wir haben schon gestern die Tatsache berührt, wie am meisten für den Menschen die brennende Lebensfrage wichtig ist: Wodurch kommt überhaupt unser Schicksal zustande, wodurch die verschiedenen Verhältnisse und Anlagen bei der Geburt?

[ 2 ] Yesterday we already touched on the fact that the most pressing question in life for human beings is this: What determines our fate in the first place, and what determines our various circumstances and dispositions at birth?

[ 3 ] Wenn wir diese karmischen Zusammenhänge verstehen wollen, dann müssen wir wiederum Rücksicht nehmen auf das, was wir sagten über die Zusammensetzung des Menschen aus seinen verschiedenen Leibern: dem physischen Leib, dem Ätherleib und dem Astralleib, und darinnen der Ich-Leib, in dem ja der übrige, der höhere Teil des Menschen eingeschlossen ist. Bei den karmischen Zusammenhängen wird uns vorzugsweise die Frage beschäftigen, wie die Ursachen mit Wirkungen in diesen verschiedenen Leibern zusammenhängen.

[ 3 ] If we wish to understand these karmic connections, we must once again take into account what we said about the composition of the human being, consisting of his various bodies: the physical body, the etheric body, and the astral body—and within these, the “I”-body, which encompasses the remaining, higher part of the human being. When considering karmic connections, we will focus primarily on the question of how causes and effects are related within these various bodies.

[ 4 ] Betrachten wir zunächst einmal den physischen Leib, soweit er für das Karmagesetz in Betracht kommt. Alle unsere Tätigkeiten geschehen in der physischen Welt; wir müssen am selben Orte mit einem Menschen sein — natürlich nicht wörtlich genommen -, um ihm Freude oder Schmerz zufügen zu können. Unser Tun hängt ab von den Bewegungen unseres physischen Körpers und allem, was überhaupt von ihm bedingt wird. Mit unseren Taten in diesem physischen Leben hängt unser äußeres Schicksal im späteren Leben zusammen. Das äußere Schicksal ist gleichsam die Umgebung, die Verhältnisse, in die wir hineingeboren werden. Wer schlechte Taten verrichtet hat, bereitet sich eine schlechte Umgebung, und umgekehrt. Das ist das erste wichtige karmische Gesetz: Die Taten in einem vorhergehenden Leben bedingen das äußere Schicksal.

[ 4 ] Let us first consider the physical body, insofar as it is relevant to the law of karma. All our actions take place in the physical world; we must be in the same place as another person—not to be taken literally, of course—in order to be able to cause them joy or pain. Our actions depend on the movements of our physical body and everything that is in any way determined by it. Our external destiny in future lives is linked to our actions in this physical life. External destiny is, so to speak, the environment and circumstances into which we are born. Those who have committed evil deeds bring upon themselves a bad environment, and vice versa. This is the first important karmic law: the deeds of a previous life determine one’s external destiny.

[ 5 ] Ein zweites Grundgesetz ergibt sich aus folgendem. Wir wollen einmal einen Blick auf die Entwickelung eines Menschen werfen. Im Laufe des Lebens nimmt der Mensch sehr viele Vorstellungen, Begriffe, Empfindungen und Erfahrungen auf; er lernt außerordentlich viel. Dadurch gehen große Veränderungen im Menschen vor sich. Denken Sie nur einmal ein paar Jahre zurück, ehe Sie von Theosophie wußten; wie viele neue Vorstellungen haben Sie seitdem gewonnen, wie hat sich das Leben danach verändert! All dieses hat den Astralleib verändert, denn der Astralleib, weil er der dünnste und feinste ist, macht am schnellsten die Veränderungen durch.

[ 5 ] A second fundamental law arises from the following. Let us take a look at a person’s development. Over the course of a lifetime, a person absorbs a great many ideas, concepts, feelings, and experiences; they learn an extraordinary amount. As a result, major changes take place within the person. Just think back a few years, to before you knew about Theosophy; how many new ideas have you gained since then, and how has your life changed as a result! All of this has transformed the astral body, for the astral body—being the thinnest and most subtle—undergoes these changes most rapidly.

[ 6 ] Viel weniger verändert sich der Mensch nach Temperament, Charakter und Neigungen. Ein jähzorniges Kind zum Beispiel ändert sich nur sehr langsam. Temperament, Charakter und Neigungen erhalten sich oft das ganze Leben hindurch. Rasch geht im Leben die Veränderung der Erfahrungen und Vorstellungen vor sich, langsam die Veränderung von Temperament, Charakter und Neigungen. Sie sind sehr zäh, sie ändern sich wohl auch etwas, aber nur außerordentlich langsam. Sie stehen zu dem, was man lernt, im selben Verhältnis etwa wie der kleine Zeiger der Uhr zum großen. Das kommt daher, daß alles dies am Ätherleibe hängt, und der verändert sich nur langsam, weil er aus einer viel weniger verwandlungsfähigen Materie besteht als der Astralleib. Am langsamsten aber verändert sich der physische Leib. Er ist etwas, was sozusagen einmal veranlagt ist und so ziemlich mit denselben Dispositionen das ganze Leben hindurch bleibt. Wir werden später sehen, wie der Einzuweihende auch seinen physischen Leib ändern und wie er auf seinen Ätherleib wirken kann. Jetzt müssen wir erst einmal betrachten, wie sich diese Dinge über das Leben hinaus erstrecken.

[ 6 ] People change much less in terms of temperament, character, and inclinations. A quick-tempered child, for example, changes only very slowly. Temperament, character, and inclinations often remain constant throughout one’s entire life. Changes in experiences and ideas occur rapidly in life, while changes in temperament, character, and inclinations occur slowly. They are very tenacious; they do change somewhat, but only extremely slowly. They stand in roughly the same relationship to what one learns as the small hand of a clock does to the large one. This is because all of this is attached to the etheric body, and the etheric body changes only slowly because it consists of a substance that is far less malleable than the astral body. The physical body, however, changes most slowly of all. It is, so to speak, predetermined once and remains more or less the same throughout one’s entire life. We will see later how the initiate can also change his physical body and how he can influence his etheric body. For now, we must first consider how these things extend beyond life.

[ 7 ] Die Vorstellungen, Empfindungen und so weiter eines langen Lebens, die den Astralleib umändern, werden erst im nächsten Leben eine eingreifende Veränderung im Ätherleib hervorrufen. Will man daher dafür sorgen, daß man im nächsten Leben mit guten Neigungen und Gewohnheiten geboren wird, so muß man versuchen, in seinem jetzigen Leben dies möglichst in seinem Astralleib vorzubereiten. Wenn sich also jemand bemüht, viele gute Taten zu tun, so wird er mit Neigungen zu guten Taten geboren. Das wird eine Eigenschaft des Ätherleibes. Wenn jemand zum Beispiel mit gutem Gedächtnis geboren werden will, so muß er hier möglichst viel Erinnerungsübungen machen, muß öfters Rückblicke nehmen auf die einzelnen Jahre seines Lebens und auf das Gesamtleben. Dadurch bildet er im Astralleib etwas aus, was im nächsten Leben eine Eigenschaft des Ätherleibes wird: eine gute Gedächtnisanlage. Ein Mensch, der in seinem Leben nur so durch die Welt rast, der wird im nächsten Leben so geboren, daß er wenig haften kann an einzelnen Dingen der Umgebung. Wer dagegen viel intim zusammenlebt mit einer bestimmten Umgebung, wird mit einer besonderen Vorliebe für alles, was eine solche Umgebung gebildet hat, geboren werden.

[ 7 ] The thoughts, feelings, and so on accumulated over a long life, which transform the astral body, will not bring about a profound change in the etheric body until the next life. Therefore, if one wishes to ensure that one is born in the next life with good inclinations and habits, one must try to prepare for this as much as possible in one’s astral body during this present life. Thus, if someone strives to perform many good deeds, they will be born with a disposition toward good deeds. This becomes a characteristic of the etheric body. If, for example, someone wishes to be born with a good memory, they must do as many memory exercises as possible in this life and frequently look back on the individual years of their life and on their life as a whole. In this way, they develop something in the astral body that will become a characteristic of the etheric body in the next life: a good memory. A person who merely races through life will be born in the next life in such a way that he or she can attach little importance to individual things in the environment. On the other hand, someone who lives in close harmony with a particular environment will be born with a special fondness for everything that has shaped that environment.

[ 8 ] Nun kann man auch die verschiedenen Temperamente so richtig auf das Vorleben zurückführen, denn die Temperamente sind ja Eigenschaften des Ätherleibes.

[ 8 ] Now one can also trace the various temperaments back to past lives, since the temperaments are, after all, characteristics of the etheric body.

[ 9 ] Der Choleriker hat einen starken Willen, er ist mutig, kühn, tatendurstig und hat den Drang, viel zu tun. Von weltgeschichtlichen Persönlichkeiten waren es zum Beispiel Alexander der Große, Hannibal, Cäsar, Napoleon; das waren Choleriker. Es zeigt sich diese Charakteranlage schon beim Kinde. Ein solches Kind will eine führende Rolle spielen bei seinen Spielkameraden.

[ 9 ] The choleric person has a strong will; he is courageous, bold, eager for action, and has an urge to do a lot. Among historical figures, for example, Alexander the Great, Hannibal, Caesar, and Napoleon were all choleric types. This character trait is already evident in childhood. Such a child wants to play a leading role among his or her playmates.

[ 10 ] Der Melancholiker beschäftigt sich viel mit sich selbst; dadurch kommt er leicht dazu, sich abzusondern. Er denkt viel nach, hauptsächlich darüber, wie die Umgebung auf ihn wirkt. Er zieht sich gern zurück, ist leicht mißtrauisch. Das zeigt sich wiederum schon beim Kinde: Es zeigt nicht gern seine Spielsachen, hat Angst, es würde ihm etwas genommen und möchte zu allem gern ein Schlüsselchen haben.

[ 10 ] The melancholic person is very self-absorbed; as a result, he or she tends to isolate himself or herself. He or she thinks a great deal, mainly about how his or her surroundings affect him or her. He or she likes to withdraw and is easily suspicious. This is already evident in children: they are reluctant to show their toys, are afraid that something might be taken from them, and would love to have a little key for everything.

[ 11 ] Der Phlegmatiker hat für nichts recht Interesse, er verträumt viel, ist untätig, faul und sucht den Sinnengenuß.

[ 11 ] The phlegmatic person has little interest in anything; he daydreams a lot, is inactive, lazy, and seeks sensual pleasure.

[ 12 ] Der Sanguiniker dagegen hat leicht erregbares Interesse für alles, es hält aber nicht an, es verfliegt leicht und rasch, er wechselt viel und oft seine Liebhabereien.

[ 12 ] The sanguine person, on the other hand, takes an easily aroused interest in everything, but it does not last; it fades easily and quickly, and he changes his interests frequently and often.

[ 13 ] Das sind die vier Grundcharakterzüge, die ein Mensch haben kann. Gewöhnlich hat der Mensch eine Mischung von allen vier Temperamenten; man kann aber immer mehr oder weniger einen Grundton finden. Diese vier Temperamente drücken sich im Ätherleib aus. Es gibt also vier verschiedene Hauptarten von Ätherleibern. Diese haben wiederum verschiedene Strömungen und Bewegungen, die sich in einer bestimmten Grundfarbe im Astralleib ausdrücken. Das ist nicht etwa vom Astralleib abhängig, es zeigt sich nur darin.

[ 13 ] These are the four basic traits a person can possess. Usually, a person has a mixture of all four temperaments; however, one can always identify a predominant one to a greater or lesser extent. These four temperaments are expressed in the etheric body. There are, therefore, four different main types of etheric bodies. These, in turn, have different currents and movements that are expressed in a specific basic color in the astral body. This does not depend on the astral body; it merely manifests itself in it.

[ 14 ] Das melancholische Temperament wird karmisch besonders dann hervorgerufen, wenn ein Mensch im vorhergehenden Leben gezwungen war, im kleinsten, engsten Kreise zu leben, viel für sich allein zu sein, immer nur sich mit sich selbst zu beschäftigen, so daß er kein Interesse für anderes in sich wecken konnte. Wer dagegen viel kennengelernt hat, wer mit vielen Dingen zusammengekommen ist und sie nicht bloß angeschaut hat, mit dem das vorige Leben hart umgegangen ist, der wird ein Choleriker. Wenn man ein angenehmes Leben ohne viele Kämpfe und Mühsale hatte oder auch wenn man viel gesehen hat, an vielem vorbeigekommen ist, es aber nur angesehen hat, so wird man ein Phlegmatiker oder Sanguiniker. Alles, was im Astralleib in diesem Leben geschieht, geht karmisch im nächsten Leben im Grundwesen auf den nächstdichteren Leib, den Ätherleib über.

[ 14 ] The melancholic temperament is particularly brought about karmically when a person was forced in a previous life to live within the smallest, most confined circle, to spend a great deal of time alone, and to be constantly preoccupied only with himself, so that he could not awaken any interest in anything else within himself. On the other hand, someone who has experienced a great deal, who has encountered many things and not merely observed them—and whose previous life was harsh—will become a choleric. If one has had a pleasant life without many struggles and hardships, or even if one has seen a great deal and encountered many things but has only observed them, one will become a phlegmatic or a sanguine. Everything that happens in the astral body in this life is karmically transferred in the next life, in its fundamental nature, to the next closest body—the etheric body.

[ 15 ] Daraus kann man ersehen, wie man arbeiten kann für sein nächstes Leben, und in den okkulten Schulen wird bewußt in dieser Richtung an dem Menschen gearbeitet. Zwar war das früher noch mehr der Fall als heute. Das hängt mit den zyklischen Veränderungen der Entwickelung zusammen. Vor etwa fünftausend Jahren hatte der Geheimlehrer eine ganz andere Aufgabe. Damals hatte er für die Menschen mehr als Gruppen zu sorgen; die Menschen waren noch nicht so weit, daß jeder für sich zu sorgen hatte. Man arbeitete bewußt daran, daß ganze Kategorien und Gruppen von Menschen im nächsten Leben harmonisch zusammenstimmten. Die Menschen werden aber immer individueller, immer selbständiger, so daß der Geheimlehrer heute nicht mehr einen Menschen als Mittel zum Zweck benutzen kann, sondern jeden einzelnen als Zweck behandeln muß, jeden einzelnen so weit bringen muß, als es für diesen möglich ist. In den ältesten Kulturen, zum Beispiel in Indien, wurde die ganze Bevölkerung in vier Kasten geteilt und so an ihnen gearbeitet, daß die Menschen im nächsten Leben in eine bestimmte Kaste hineinpaßten. Die Ausbildung der Menschen war systematisch darauf eingerichtet, für Jahrtausende hinaus zu sorgen, für Jahrtausende das Weltbild umzumodeln, und gerade das gab den okkulten Führern die große Macht.

[ 15 ] From this, one can see how one can work toward one’s next life, and in the occult schools, conscious work is done with people in this direction. Admittedly, this was even more the case in the past than it is today. This is related to the cyclical changes in evolution. About five thousand years ago, the secret teacher had a completely different task. At that time, he had to care for people more as groups; people were not yet ready to take care of themselves individually. Conscious effort was made to ensure that entire categories and groups of people would harmonize with one another in their next lives. However, people are becoming increasingly individual and independent, so that today the Secret Teacher can no longer use a person as a means to an end, but must treat each individual as an end in themselves, guiding each one as far as is possible for them. In the most ancient cultures, for example in India, the entire population was divided into four castes, and work was done with them in such a way that people would fit into a specific caste in the next life. The education of people was systematically designed to ensure the future for millennia to come, to reshape the worldview for millennia, and it was precisely this that gave the occult leaders their great power.

[ 16 ] Wie wirkt der Mensch nun auf seinen Ätherleib ein im Hinblick auf das nächste Leben? Alles, was der Mensch an seinem Ätherleib ausbildet, entwickelt sich, wenn auch sehr langsam, und die Erziehung kann dafür sorgen, ganz bestimmte Gewohnheiten heranzuziehen. Das, was im Ätherleib im einen Leben vorgeht, kommt im nächsten Leben im physischen Leibe zum Dasein. Alle Neigungen und Gewohnheiten des jetzigen Ätherleibes geben im nächsten Leben die Disposition zu Gesundheit oder Krankheit. Gute Neigungen, gute Gewohnheiten geben die Disposition zur Gesundheit; üble Neigungen, üble Gewohnheiten erscheinen im nächsten Leben als Disposition zu bestimmten Krankheiten. Der Vorsatz, der feste Wille, sich eine schlechte Gewohnheit abzugewöhnen, wirkt schon in den tiefergelegenen Leib hinunter und gibt so die Disposition zur Gesundheit. Besonders gut ist beobachtet worden, wie die Disposition zu Infektionskrankheiten im physischen Leibe auftritt. Nicht, ob man eine Krankheit bekommt - das hängt ja von den Taten ab -, sondern ob man dazu disponiert ist, ob man ihr mehr oder weniger ausgesetzt ist, hängt von den Neigungen des vorhergehenden Lebens ab. Infektionskrankheiten führen merkwürdigerweise zurück auf einen besonders ausgebildeten egoistischen Erwerbssinn im vorigen Leben.

[ 16 ] How, then, does a person influence their etheric body with regard to the next life? Everything a person develops in their etheric body evolves, albeit very slowly, and education can help foster very specific habits. What takes place in the etheric body in one life comes to be manifested in the physical body in the next life. All the inclinations and habits of the present etheric body determine the predisposition to health or illness in the next life. Good inclinations and good habits create a predisposition to health; bad inclinations and bad habits appear in the next life as a predisposition to certain illnesses. The resolve, the firm will, to break a bad habit already extends down into the deeper bodies and thus creates a predisposition toward health. It has been particularly well observed how the predisposition to infectious diseases arises in the physical body. It is not whether one contracts a disease—that depends, after all, on one’s actions—but whether one is predisposed to it, whether one is more or less exposed to it; this depends on the inclinations of the previous life. Strangely enough, infectious diseases can be traced back to a particularly pronounced, self-centered drive for material gain in the previous life.

[ 17 ] Wenn man sich informieren will über Gesundheit und Krankheit, so muß man bedenken, wie viele Dinge da zusammenwirken. Krankheiten brauchen nicht bloß ein Einzelkarma zu sein, es gibt auch ein Volkskarma in bezug auf Krankheiten.

[ 17 ] If you want to learn about health and illness, you must consider how many factors interact. Illnesses need not be the result of individual karma alone; there is also collective karma with regard to illnesses.

[ 18 ] Ein interessanter Fall, wie eigentümlich die Dinge im geistigen Leben zusammenhängen, ist die Einwanderung der Hunnen und der Mongolenstämme, die sich von Asien her nach dem Westen ergossen. Diese Völkerschaften, die Mongolen, waren Nachzügler der Atlantier. Während die Inder und Germanen und andere sich weiter aufwärtsentwickelten, waren die Mongolen die auf einer gewissen Stufe stehengebliebenen Brüder. Geradeso wie sich auf der Entwickelungsbahn des Menschen die Tiere abgegliedert haben, so gliedern sich auch niedrigere Völker und Rassen ab. Diese Völkerschaften, die Mongolen, waren zurückgebliebene Atlantier, die sich physisch hinunterentwickelten. Im Astralleib solcher zurückgebliebener Menschen sieht man reichliche astralische Verwesungsstoffe. Die Mongolen stießen auf die Germanen und auf die andern mitteleuropäischen Völker, die von Furcht und Schrecken ergriffen wurden. Furcht und Schrecken sind aber Eigenschaften des Astralleibes; in ihnen gedeihen vorzüglich solche astrale Verwesungsstoffe. So wurden die europäischen Astralleiber infiziert, und diese Infektion kam dann in den späteren Generationen im physischen Leibe heraus, aber nicht für das Individuum, sondern für ganze Völkerschaften. Das war der Aussatz, die Miselsucht, die schreckliche Krankheit, die im Mittelalter solche Verheerungen anrichtete. Diese Krankheit war die physische Folge des Einflusses auf den Astralleib.

[ 18 ] An interesting example of how peculiarly things are interconnected in spiritual life is the migration of the Huns and the Mongol tribes, who poured westward from Asia. These peoples, the Mongols, were stragglers from the Atlanteans. While the Indians, the Germanic peoples, and others continued to evolve upward, the Mongols were the brothers who had remained stagnant at a certain stage. Just as animals have branched off along the path of human evolution, so too do lower peoples and races branch off. These peoples, the Mongols, were backward Atlanteans who had physically devolved. In the astral bodies of such backward people, one sees abundant astral substances of decay. The Mongols encountered the Germanic peoples and the other Central European peoples, who were seized by fear and terror. Fear and terror, however, are qualities of the astral body; such astral substances of decay thrive particularly well in them. Thus, the European astral bodies became infected, and this infection then manifested in the physical body in later generations—not for the individual, but for entire peoples. This was leprosy, the dreadful disease that wreaked such havoc in the Middle Ages. This disease was the physical consequence of the influence on the astral body.

[ 19 ] Die philologische Forschung können Sie hier nicht zu Rate ziehen, weil sie von diesen astralischen Einflüssen nichts weiß. Aber schon in den Namen können Sie Hinweise finden für die Abstammung von der alten atlantischen Rasse: Attila, der Hunnenführer, heißt in der nordischen Sprache Attila, das heißt einer, der von den Atlantiern abstammt.

[ 19 ] You cannot consult philological research here, because it knows nothing of these astral influences. But even in the names themselves, you can find clues to their descent from the ancient Atlantean race: Attila, the leader of the Huns, is called Attila in the Nordic language, which means “one who descends from the Atlanteans.”

[ 20 ] So haben Volkskrankheiten ihre Begründungen. Im Altertum wußte man noch um solche Dinge, und die Bibel drückte sie durch eine Wahrheit aus, die eben oft mißverstanden wird: «Der da heimsuchet der Väter Missetat bis in das dritte und vierte Glied»; denn damit sind nicht die aufeinanderfolgenden individuellen Inkarnationen gemeint, sondern die Generationen, diese Art von Volkskarma. Das ist wörtlich zu nehmen, wie überhaupt viele solcher Aussprüche wörtlicher zu nehmen sind, als man glaubt.

[ 20 ] This is how widespread diseases come about. In ancient times, people were still aware of such things, and the Bible expressed them through a truth that is often misunderstood: “He who punishes the iniquity of the fathers to the third and fourth generation”; for this does not refer to successive individual incarnations, but to generations—this kind of collective karma. This is to be taken literally, just as many such sayings are to be taken more literally than one might think.

[ 21 ] Man muß erst die religiösen Urkunden zu lesen verstehen lernen. Da gibt es vier Stufen. Der naive Mensch in alten Zeiten trat ihnen so gegenüber, daß er sie wörtlich nahm. Das war dann, als die Menschen gescheit wurden, immer weniger und weniger der Fall. Die klug gewordenen Liberalen, die Freigeister, legten die Urkunden jeder nach seiner Art aus, und so kam es, daß vieles nicht ausgelegt, sondern untergelegt wurde. Dann gibt es noch eine Stufe, die Symboliker. Das sind diejenigen, die alles symbolisch auslegen, sowohl die alten Mythen und Sagen wie auch das Leben des Christus Jesus. Natürlich hängt das alles von der Klugheit des einzelnen ab, denn man kann kluge und weniger kluge Bilder formen. Aber es gibt noch eine vierte Stufe, das ist der Geheimwissende, der nun wieder alles wörtlich verstehen kann, weil er durch seine geistige Erkenntnis die Zusammenhänge durchschaut.

[ 21 ] One must first learn to understand how to read religious texts. There are four stages to this. In ancient times, the naive person approached them by taking them literally. As people became more enlightened, this was less and less the case. The liberals, who had become more discerning—the free thinkers—interpreted the texts according to their own understanding, and so it came to pass that much was not interpreted but simply set aside. Then there is yet another stage: the symbolists. These are the ones who interpret everything symbolically—both the ancient myths and legends as well as the life of Jesus Christ. Of course, all of this depends on the wisdom of the individual, for one can form wise images as well as less wise ones. But there is still a fourth stage: that of the initiate, who can once again understand everything literally because, through spiritual insight, he sees through the connections.

[ 22 ] Aus dem Gesagten ersehen Sie, wie im physischen Leben das herauskommt, was im geistigen Leben, in Gefühlen und Gewohnheiten früher vorhanden war. Man kann daraus einen wichtigen praktischen Grundsatz ableiten: Sorgt man in günstiger Weise für die Gewohnheiten der Menschen, so verbessert man nicht nur in den nächsten Generationen das sittliche, sondern auch das gesundheitliche Leben eines Volkes, und umgekehrt. Das ist dann Volkskarma.

[ 22 ] From what has been said, you can see how what was previously present in one’s spiritual life—in feelings and habits—manifests itself in physical life. An important practical principle can be derived from this: If one fosters people’s habits in a beneficial way, one improves not only the moral life but also the physical health of a people in future generations—and vice versa. This is what is known as national karma.

[ 23 ] Heutzutage ist eine Krankheit viel verbreitet, die man vor hundert Jahren kaum gekannt hat; nicht als ob man sie nicht erkannt hätte, aber sie war wirklich nicht verbreitet: Das ist die Nervosität. Diese eigentümliche Krankheitsform ist die Folge der materialistischen Weltanschauung des 18. Jahrhunderts. Ohne das Vorausgehen dieser materiellen Denkgewohnheiten wäre sie nie zustande gekommen. Der Geheimlehrer weiß, daß, wenn der Materialismus noch Jahrzehnte fortdauern würde, er eine verheerende Wirkung auf die Volksgesundheit haben würde. Würde diesen materiellen Denkgewohnheiten nicht gesteuert, so würden später die Menschen nicht nur gewöhnlich nervös sein, sondern die Kinder würden zitternd geboren werden und nicht nur die Umgebung empfinden, sondern an jeder Umgebung eine Schmerzempfindung haben. Vor allem würden die Geisteskrankheiten sich ungeheuer rasch verbreiten: Irrsinnsepidemien würden in den nächsten Jahrzehnten auftreten. Das war auch die Gefahr, welcher die Menschheit zusteuerte: epidemische Geisteskrankheiten. Und dieses Weltbild der Zukunft war die wahre Ursache, weshalb sich die okkulten Führer der Menschheit, die Meister der Weisheit, in die Notwendigkeit versetzt sahen, etwas von der spirituellen Weisheit in die allgemeine Menschheit einfließen zu lassen. Nur eine solche spirituelle Weltanschauung kann den kommenden Generationen wieder eine gute Gesundheitsanlage geben. Sie sehen, die Theosophie ist eine tiefe, aus dem Bedürfnis der Menschheit heraus geschöpfte Bewegung.

[ 23 ] Today, there is a widespread illness that was virtually unknown a hundred years ago; not that it had not been recognized, but it was truly not widespread: this is nervousness. This peculiar form of illness is the result of the materialistic worldview of the 18th century. Without the preceding development of these materialistic habits of thought, it would never have come into being. The Secret Teacher knows that if materialism were to continue for decades to come, it would have a devastating effect on public health. If these materialistic habits of thought were not curbed, people would not only become generally nervous in the future, but children would be born trembling and would not merely perceive their surroundings but experience pain in every environment. Above all, mental illnesses would spread at an alarming rate: epidemics of insanity would arise in the coming decades. That was also the danger toward which humanity was heading: epidemic mental illness. And this worldview of the future was the true reason why the occult leaders of humanity—the Masters of Wisdom—felt compelled to infuse some spiritual wisdom into the general population. Only such a spiritual worldview can restore a sound constitution to future generations. You see, Theosophy is a profound movement born out of the needs of humanity.

[ 24 ] Vor einem Jahrhundert noch war ein «nervöser» Mensch einer, der starke Nerven hatte, Nerven wie Stricke. Schon aus der Umwandlung des Wortsinns kann man ersehen, wie da etwas ganz Neues in die Welt gekommen ist.

[ 24 ] A century ago, a “nervous” person was someone who had strong nerves—nerves of steel. Just by looking at how the literal meaning of the word has changed, one can see how something entirely new has come into the world.

[ 25 ] Wie steht nun das Karmagesetz zur physischen Vererbung? Die physische Vererbung spielt eine große Rolle. Wir wissen, daß sich im Sohn gewisse Eigenschaften des Vaters und der Voreltern wiederfinden; zum Beispiel gab es in der Familie Bach innerhalb zweihundertfünfzig Jahren achtundzwanzig bedeutende Musiker. Bernoulli war ein bedeutender Mathematiker, und acht bedeutende Mathematiker folgten in seiner Familie. Das ist alles Vererbung — sagt man; aber das ist nur zum Teil wahr. Um zum Beispiel ein bedeutender Musiker zu werden, dazu gehört nicht bloß, daß man in der Seele die musikalischen Anlagen ausgebildet hat, sondern man muß auch physisch ein entsprechend gutes Ohr haben. Was nun rein physisch ist in der Musikerfamilie, die feinen Gehörorgane, das vererbt sich von den Eltern auf das Kind.

[ 25 ] How does the law of karma relate to physical heredity? Physical heredity plays a major role. We know that certain characteristics of the father and ancestors are found in the son; for example, there were twenty-eight notable musicians in the Bach family over a period of two hundred and fifty years. Bernoulli was a notable mathematician, and eight notable mathematicians followed in his family. People say that this is all heredity—but that is only partly true. For example, to become a great musician, it is not enough merely to have developed musical aptitude in one’s soul; one must also physically possess a correspondingly good ear. What is purely physical in a family of musicians—the refined auditory organs—is inherited from the parents to the child.

[ 26 ] In einer Familie, in der viel Musik gepflegt wird, gibt es also gute, für die Musik ausgebildete Ohren. Wenn sich nun eine Seele mit stark ausgebildeten Anlagen für Musik verkörpert, da ist es verständlich, daß sie nicht in eine Familie hineingeboren wird, wo gar keine Musik getrieben wird - da müßte sie ja verkümmern -, sondern da hinein, wo geeignete physische Organe vorhanden sind. Es stimmt das ausgezeichnet mit dem Karmagesetz zusammen.

[ 26 ] In a family where music is a central part of life, there are therefore ears that are well-trained for music. Now, when a soul with a strong aptitude for music incarnates, it is understandable that it would not be born into a family where music is not practiced at all—for there it would wither away—but rather into one where suitable physical organs are present. This fits perfectly with the law of karma.

[ 27 ] Ebenso kann es mit dem moralischen Mut sein. Findet eine Anlage dazu nicht das geeignete Blut, so verkommt sie, Sie sehen, man muß also vorsichtig sein in der Wahl seiner Eltern! Nicht das Kind sieht den Eltern ähnlich, sondern es wird da geboren, wo ihm die Eltern am meisten ähnlich sind.

[ 27 ] The same may be true of moral courage. If a predisposition for it does not find the right blood, it withers away—so, as you can see, one must be careful in choosing one’s parents! It is not the child who resembles the parents, but rather the child is born where the parents are most like him.

[ 28 ] Nun wird gefragt: Wird dadurch nicht die Mutterliebe beeinträchtigt? — Das ist durchaus nicht der Fall. Gerade weil die tiefste Sympathie schon vor der Geburt besteht, geht dieses Kind zu der Mutter hin, so daß die Liebe ihrem Ursprung nach eigentlich noch weiter zurückverlegt wird; sie setzt sich nach der Geburt nur fort. Das Kind hat die Mutter schon geliebt vor der Geburt; kein Wunder, daß nachher die Mutter diese Liebe erwidert. So wird die Mutterliebe nicht etwa hinweggeleugnet, sondern erst ihren richtigen Ursachen nach erklärt.

[ 28 ] Now the question arises: Doesn’t this undermine a mother’s love? — That is by no means the case. Precisely because the deepest affection already exists before birth, the child is drawn to the mother, so that the origin of this love actually lies even further back; it merely continues after birth. The child already loved the mother before birth; no wonder, then, that the mother later reciprocates this love. Thus, a mother’s love is not denied, but rather explained in terms of its true causes.

[ 29 ] Davon dann morgen mehr.

[ 29 ] More on that tomorrow.