Original Impulses of Spiritual Science
GA 96
15 October 1906, Berlin
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Original Impulses of Spiritual Science, tr. SOL
7. Karma und Einzelheiten der karmischen Gesetzmäßigkeit
7. Karma and Details of Karmic Law
[ 1 ] Wir werden heute über Karma und Einzelheiten der karmischen Gesetzmäßigkeit sprechen. Sie wissen, daß man unter Karma das große Gesetz von Ursache und Wirkung im geistigen Leben versteht und daß dieses Karmagesetz für die Geisteswissenschaft zunächst insofern in Betracht kommt, als es auf die wiederholten Erdenleben angewendet wird. Wir sprechen von Reinkarnation und Karma als von zwei zusammengehörigen Dingen. Nun wird dieses Karmagesetz, wie Sie wohl wissen, vielfach ein wenig äußerlich aufgefaßt, so als ob es sich lediglich um eine Art Belohnung und Bestrafung handeln würde, die sich von einer Inkarnation in die andere hinzieht, so daß der Mensch, wenn ihm irgend etwas Böses oder Schlimmes in diesem Leben widerfährt, sich unbedingt sagen müßte: Dies habe ich wegen irgendeiner Verschuldung im vorhergehenden Leben verdient. — Oder: Wenn ich dies oder jenes tue, wird mir im nächsten Leben der entsprechende Lohn oder die entsprechende Strafe zuteil werden. — So einfach liegt die Sache aber nicht. Wer dieses Gesetz von Karma verstehen will, muß sich schon tiefer auf die Natur des Menschen und auf seine ganze Wesenheit einlassen.
[ 1 ] Today we will discuss karma and the details of the law of karma. As you know, karma refers to the great law of cause and effect in spiritual life, and this law of karma is relevant to spiritual science primarily insofar as it applies to repeated earthly lives. We speak of reincarnation and karma as two interrelated concepts. Now, as you are well aware, this law of karma is often understood in a somewhat superficial way, as if it were merely a matter of reward and punishment that extends from one incarnation to the next, so that when something bad or terrible befalls a person in this life, they must necessarily say to themselves: “I have deserved this because of some debt from a previous life.” — Or: “If I do this or that, I will receive the corresponding reward or punishment in the next life.” — But the matter is not that simple. Anyone who wishes to understand this law of karma must delve more deeply into human nature and the whole of the human being.
[ 2 ] Von den Gegnern der Geisteswissenschaft erfährt das Gesetz von Karma und Reinkarnation, das Gesetz von den wiederholten Erdenleben, die heftigsten Angriffe, angefangen von der Redensart: Ich habe von einem Erdenleben genug — man möchte dieses Leben nicht so und so oft leben -, bis zu der Behauptung, daß es eine Lehre sei, welche zu Tatenlosigkeit, zu Resignation gegenüber einem blinden Schicksal führe. Wir werden auf solche Gegnerschaft genau eingehen und bei jedem Einwand finden können, was zu erwidern ist, wenn wir uns auf den ganzen Hergang von Karma einlassen. Dazu müssen wir uns daran erinnern — obwohl wir es schon oft gehört haben -, was der Mensch im tieferen Sinne ist.
[ 2 ] The law of karma and reincarnation—the law of repeated earthly lives—is subjected to the fiercest attacks by opponents of spiritual science, beginning with the saying: “I’ve had enough of one earthly life—I wouldn’t want to live this life over and over again”—all the way to the claim that it is a doctrine leading to inaction and resignation in the face of a blind fate. We will address such opposition in detail and, by delving into the entire process of karma, will be able to find a response to every objection. To do this, we must remember—even though we have heard it many times before—what a human being is in the deeper sense.
[ 3 ] Wie wir wissen, besteht der Mensch zunächst aus dem physischen Leib, den man mit Augen sehen und mit Händen greifen kann, den die physische Wissenschaft durchforscht und durchsucht, den die Anatomie zergliedert, den man im gewöhnlichen Leben kennt, Diesen physischen Leib betrachten viele materialistisch denkende Menschen als das einzige, was überhaupt von der menschlichen Wesenheit existiert. Als zweites Glied dieser Wesenheit haben wir den Äther- oder Lebensleib zu betrachten. Es ist das derjenige Leib, der aus einer wesentlich anderen Substanz besteht als der physische Leib. Es genügt nicht einmal zu sagen, daß die Materie, der Stoff, aus dem dieser Ätherleib besteht, wesentlich dünner sei als der Stoff des physischen Leibes. Vielmehr haben wir es mit einer völlig anderen «Stofflichkeit» zu tun. Es ist eine tätige, eine Kraftmaterie. Diese Äthermaterie, die nichts mit dem zu tun hat, was man in der Physik Äther nennt, hat etwas Schöpferisches, sie ist das eigentlich Aufbauende. Sie stellen sich den Ätherleib am besten so vor, daß er ungefähr dieselbe Form hat wie der physische Leib, aber vollständig durchscheinend ist, wenn auch nicht ganz durchsichtig — selbst für hellsichtige Menschen nicht. Er ist durchlässig; wenn er allein da wäre, könnte man also durch ihn durchgehen, zugleich ist er aber schöpferisch, so daß die physischen Organe des Menschen aus ihm heraus gebaut sind. Herz, Lunge, Leber und so weiter sind aus diesem Ätherleib heraus geschaffen. Vom materialistischen Standpunkt aus könnte gesagt werden: Da müßte beim Kinde der Ätherleib ganz klein sein. Das ist auch durchaus der Fall. Sie dürfen sich nicht daran stoßen, denn wir haben ihn mehr als Kraft zu betrachten, die unter Umständen einen kleineren Raum einnehmen kann als das, was sie dann schafft. Wir haben es hier also mit dem schaffenden Leben zu tun, mit einem schaffenden Leib, der dem physischen, im Raume tastbaren Leib zugrunde liegt. Dieser Ätherleib ist der Träger der Gewohnheiten des Menschen. Er ist vor allem der Träger des Gedächtnisses und des Temperamentes, überhaupt von alledem, was bleibende seelische Eigenschaften im Menschen sind. Wenn wir vom Seelischen des Menschen sprechen, so meinen wir nicht zuletzt das Temperament und die ursprüngliche Charakteranlage. Das drückt sich der Form nach im Ätherleibe aus.
[ 3 ] As we know, the human being consists first and foremost of the physical body—the one that can be seen with the eyes and touched with the hands, the one that physical science investigates and examines, the one that anatomy dissects, the one we know in everyday life. Many people with a materialistic outlook regard this physical body as the only aspect of the human being that actually exists. As the second aspect of this being, we must consider the etheric or life body. This is the body that consists of a substance fundamentally different from that of the physical body. It is not even sufficient to say that the matter—the substance—of which this etheric body is composed is significantly finer than that of the physical body. Rather, we are dealing with an entirely different kind of “materiality.” It is an active, force-filled substance. This etheric substance, which has nothing to do with what is called “ether” in physics, has a creative quality; it is the truly constructive force. The best way to imagine the etheric body is to picture it as having roughly the same shape as the physical body, but being completely translucent, though not entirely transparent—not even to clairvoyant people. It is permeable; if it were there alone, one could walk right through it, yet at the same time it is creative, so that the physical organs of the human being are built out of it. The heart, lungs, liver, and so on are formed from this etheric body. From a materialistic standpoint, one might say: In a child, the etheric body must be very small. That is indeed the case. You must not take offense at this, for we must regard it more as a force that, under certain circumstances, can occupy a smaller space than what it then creates. We are thus dealing here with the creative life, with a creative body that underlies the physical body, which can be perceived in space. This etheric body is the bearer of a person’s habits. Above all, it is the bearer of memory and temperament—indeed, of all that constitutes a person’s enduring soul qualities. When we speak of the human soul, we mean not least the temperament and the original character disposition. This is expressed, in terms of form, in the etheric body.
[ 4 ] Das dritte menschliche Wesensglied ist der Astralleib. Er erfüllt uns und umgibt den Menschenleib wie eine lichte Aura, in der die Triebe, Begierden und Leidenschaften sichtbar werden. Das ist oftmals beschrieben worden.
[ 4 ] The third component of the human being is the astral body. It fills us and surrounds the physical body like a luminous aura in which the drives, desires, and passions become visible. This has often been described.
[ 5 ] Ein viertes Wesensglied ist das, was im eigentlichen Selbstbewußtsein, im Ich, zum Vorschein kommt. Die anderen Glieder der menschlichen Wesenheit sind erst keimhaft veranlagt und haben ihren Sitz in diesem Ich.
[ 5 ] A fourth constituent element is that which comes to light in true self-consciousness, in the “I.” The other elements of the human being are initially present only in embryonic form and have their seat in this “I.”
[ 6 ] Im Hinblick auf die karmische Entwickelung interessieren uns vorzugsweise die eben genannten Glieder der menschlichen Wesenheit. Da müssen wir uns eines vor allen Dingen, eine Tatsache des Lebens, vorhalten, die wichtig ist. Wenn Sie auf Ihr verflossenes Leben zurücksehen und sich bis in Ihre Kindheit zurückversetzen, dann werden Sie sich sagen können, Sie haben vieles, vieles gelernt. Es gab eine Zeit, in der Sie noch nicht schreiben und lesen konnten und nichts vom Weltgeschehen, von Geschichte, Literatur und vielen anderen Dingen gewußt haben. Jetzt wissen Sie das alles, es ist Ihnen zum Eigentum der Seele geworden. Aber noch etwas anderes ist Ihnen bekannt. Sie wissen, daß man viel lernen kann und damit doch nicht viel an seiner ursprünglichen Charakter- und Temperamentsanlage ändert. Es gibt Menschen, die im Lauf ihres Lebens ungemein viel gelernt und ihre Seele mit allem möglichen Wissensinhalt gefüllt haben, die sich aber trotzdem sagen müssen: Damals bin ich jähzorrnig gewesen — und heute bin ich es noch. - Oder aber: Ich war von jeher ein phlegmatischer Mensch und bin es geblieben. Einst hatte ich diese und jene Gewohnheit, heute habe ich sie noch immer. — Es gibt allerdings auch Menschen, die an sich selber und an ihren seelischen Charakteranlagen viel umgeändert haben. Vielleicht gibt es keinen Menschen, der überhaupt nichts an seinen Anlagen umgewandelt hätte. Wenn Sie auf die Kindheit zurückblicken, so werden Sie sich am Ende doch sagen müssen, daß Sie seither manches umgeändert haben. Aber Sie werden zugleich feststellen, daß sich Beobachtung und Lernen zur Wandlung der charakterlichen Anlagen wie der Minutenzeiger der Uhr zum Stundenzeiger verhalten. Die Umänderung von Charakter und Temperament rückt langsam wie der Stundenzeiger der Uhr vor, und das Aufnehmen von Beobachtungen des Lebens geht schneller, etwa so wie der Minutenzeiger. Das hängt davon ab, daß alles, was man lernt, sich schnell in der Seele aufnehmen läßt, daß es den Astralleib zum Träger hat und sich im Astralleib ausdrückt. Wenn Sie etwas grundsätzlich Neues hören, werden Sie von einem Gefühl durchdrungen werden, das jetzt an Sie herantritt und morgen wieder vergessen ist. Oder wenn Sie einen Schmerz erleben, der mit der Zeit wieder aus dem Bewußtsein versinkt — das sind die Dinge, die man im Astralleib aufleuchten sieht, die aber wieder aus dem Astralleib verschwinden. Alles das hat den Astralleib zum Träger.
[ 6 ] With regard to karmic development, we are primarily interested in the aspects of the human being just mentioned. In this regard, we must keep in mind, above all else, one important fact of life. When you look back on your past life and transport yourself back to your childhood, you will be able to say to yourself that you have learned a great deal. There was a time when you could not yet read or write and knew nothing about world events, history, literature, and many other things. Now you know all of this; it has become part of your soul. But there is something else you know as well. You know that one can learn a great deal and yet not change much about one’s original disposition and temperament. There are people who have learned an immense amount over the course of their lives and filled their souls with all manner of knowledge, yet who must still admit: “Back then I was quick-tempered—and I still am today.” - Or: “I’ve always been a phlegmatic person, and I’ve remained so. I used to have this or that habit, and I still have it today.”—There are, however, also people who have changed a great deal about themselves and their spiritual character traits. Perhaps there is no one who has not changed anything at all about their disposition. If you look back on your childhood, you will ultimately have to admit that you have changed quite a few things since then. But you will also realize that observation and learning, in relation to the transformation of character traits, are like the minute hand of a clock in relation to the hour hand. The transformation of character and temperament progresses slowly, like the hour hand of a clock, while the assimilation of life’s observations proceeds more quickly, much like the minute hand. This is because everything one learns is quickly absorbed into the soul; it has the astral body as its vehicle and expresses itself through the astral body. When you hear something fundamentally new, you will be filled with a feeling that comes to you now but will be forgotten again tomorrow. Or when you experience a pain that eventually sinks back out of consciousness—these are the things that one sees light up in the astral body, but which then disappear from the astral body again. All of this has the astral body as its vehicle.
[ 7 ] Was also im Leben vorübergehend in uns aufleuchtet und wieder verschwindet, haftet im Astralleib. Was jedoch zum bleibenden Lebensstock des Menschen gehört, insofern es sich seelisch ausdrückt, alles was in die Gewohnheit eingeht, so daß der Mensch es sich durch lange Zeit des Lebens hindurch, vielleicht auf immer merkt, alles, was mit dem Temperament zu tun hat, das ist im Ätherleib, der dichter ist als der Astralleib. Wenn es dem Menschen gelingt, eine Gewohnheit, eine Temperamentseigenschaft zu ändern, wenn er zum Beispiel eine gewohnheitsmäßige Nachlässigkeit ablegt und ein achtsamer Mensch wird, so zeigt sich das im Ätherleib und nicht bloß im Astralleib. Wenn ein Mensch viel lernt und es so aufnimmt, daß es nach und nach ganz sein seelisches Eigentum und Bestandteil seines Inneren wird, so daß er es nicht nur weiß, sondern im tieferen Sinne besitzt, so ändert er damit die Konfiguration seines Ätherleibes. Wenn jemand einen moralischen Grundsatz aufnimmt und sich immer wieder sagen muß: Der Grundsatz besteht, daher befolge ich ihn - dann haftet er doch nur im Astralleib. Wenn er aber so in ihn einzieht, daß er nicht mehr anders kann, dann haftet er im Ätherleib. Das Übergehen vom Astralleib in den Ätherleib vollzieht sich im Leben langsam und allmählich.
[ 7 ] Thus, whatever temporarily shines within us in life and then disappears again remains imprinted in the astral body. However, whatever belongs to the human being’s enduring life essence—insofar as it expresses itself in the soul; everything that becomes a habit, so that the person retains it over a long period of life, perhaps forever; everything related to temperament—is contained in the etheric body, which is denser than the astral body. When a person succeeds in changing a habit or a trait of their temperament—for example, when they shed a habitual carelessness and become a mindful person—this is manifested in the etheric body and not merely in the astral body. When a person learns a great deal and absorbs it in such a way that it gradually becomes entirely their own in the soul and an integral part of their inner being—so that they not only know it but possess it in a deeper sense—they thereby alter the configuration of their etheric body. If someone adopts a moral principle and has to keep telling themselves, “The principle exists, therefore I follow it”—then it remains anchored only in the astral body. But if it becomes so ingrained that they can no longer act otherwise, then it is anchored in the etheric body. The transition from the astral body to the etheric body takes place slowly and gradually throughout one’s life.
[ 8 ] Nun wollen wir von der Betrachtung dieser Wesensglieder dazu übergehen, dasjenige, was Karma ist, im Zusammenhang zu überblicken. Was sich innerhalb des gleichen Erdenlebens nur langsam vollzieht, also der Übertritt von etwas, was zunächst bloß im Astralleib vorhanden ist, in den Ätherleib hinein, vollzieht sich karmisch von einer Inkarnation zur anderen in folgender Weise: Wer sich bemüht hat, moralisch richtig zu urteilen, und der in diesem Bestreben vielleicht auch noch von anderen gefördert worden ist, findet in seinem nächsten Leben die Früchte dieser Bemühungen als eine ursprüngliche Anlage seines Ätherleibes, als eine Art Gewohnheit, als Charakteranlage vor. Was jetzt im Astralleib lebt, wird im nächsten Leben Eigentum des Ätherleibes. Wenn Ihnen ein Mensch mit einer löblichen Gewohnheit begegnet, wenn diese Gewohnheit immer wieder in seinem Leben zum Ausdruck kommt, dann deutet das darauf hin, daß er im früheren Leben entsprechende Vorstellungen aufgenommen oder sich selbst vor Augen geführt hat. Neigungen und Gewohnheiten rühren von Vorstellungen, Gedanken und Begriffen her, die man sich in den vorhergehenden Leben gebildet hat. Wenn Sie das beachten, können Sie schon für das nächste Leben Vorsorge treffen, so daß Sie eine bestimmte Organisation des Ätherleibes für das nächste Leben veranlagen können. Sie können sich sagen: Ich werde in diesem Leben versuchen, mir immer und immer wieder zu sagen, daß dieses oder jenes gut und richtig ist. -— Dann wird der Ätherleib Ihnen zeigen, daß es selbstverständlich gut und richtig ist, den entsprechenden Grundsätzen zu folgen.
[ 8 ] Now, having considered these constitutional elements, let us move on to gaining an overview of what karma is in its broader context. What takes place only slowly within a single earthly life—that is, the transition of something that is initially present only in the astral body into the etheric body—unfolds karmically from one incarnation to the next in the following way: Anyone who has strived to judge morally correctly—and who may even have been encouraged in this endeavor by others—will find the fruits of these efforts in their next life as an innate disposition of their etheric body, as a kind of habit, as a character trait. What now lives in the astral body becomes part of the etheric body in the next life. When you encounter a person with a commendable habit—one that repeatedly manifests itself in their life—this indicates that in a previous life they absorbed corresponding ideas or brought them to mind. Inclinations and habits stem from ideas, thoughts, and concepts formed in previous lives. If you keep this in mind, you can already make preparations for your next life, so that you can lay the groundwork for a specific organization of the etheric body in that life. You can say to yourself: In this life, I will try to tell myself over and over again that this or that is good and right.—Then the etheric body will show you that it is, of course, good and right to follow the corresponding principles.
[ 9 ] Besonders wichtig ist hier ein Begriff, der seine karmische Beleuchtung erfahren kann. Das ist der Begriff des Gewissens. Was aus dem Gewissen eines Menschen aufsteigt, ist ebenfalls etwas Erworbenes. Der Mensch hat nur dadurch einen Gewissensschatz, einen Instinkt für das Gute, Richtige und Wahre, daß er sich in seinen verflossenen Leben, in seinen Lebenserfahrungen, in seinen Grundsätzen dieses Gewissen erst zurechtgezimmert hat. Sie können für eine Befestigung und Erhöhung dieses Gewissens sorgen, wenn Sie sich vornehmen, jeden Tag Ihre moralischen Anschauungen ein wenig zu vertiefen. Moralische Anschauungen werden zum Gewissen in dem nächsten und übernächsten Leben.
[ 9 ] One concept is particularly important here, one that can be viewed from a karmic perspective. That is the concept of conscience. What arises from a person’s conscience is also something that has been acquired. A person possesses a treasure of conscience—an instinct for what is good, right, and true—only because he has gradually built up this conscience through his past lives, his life experiences, and his principles. You can help strengthen and elevate this conscience by resolving to deepen your moral views a little each day. Moral views become the conscience in the next life and the one after that.
[ 10 ] So sehen Sie, daß dasjenige, was uns der Minutenzeiger des Lebens zeigt, zu dem wird, was der Stundenzeiger im nächsten Leben ist. Es muß nur eine gewisse Wiederholung der Grundsätze und Anschauungen in einem Leben herrschen, dann befestigen sie sich für das nächste Leben. Was im Ätherleibe eines Lebens auftritt, zeitigt die Früchte für den physischen Leib des nächsten Lebens. Gute Gewohnheiten, gute Neigungen, gute Charaktereigenschaften bereiten Gesundheit, physische Tüchtigkeit, physische Kraft, also einen gesunden physischen Leib für das nächste Leben vor. Ein gesunder physischer Leib in einem Leben weist darauf hin, daß der betreffende Mensch sich diesen physischen Leib in einem früheren Leben durch selbst erworbene Gewohnheiten und Charakteranlagen vorbereitet hat. Insbesondere besteht ein starker Zusammenhang zwischen einem ausgebildeten Gedächtnis in einem Leben und dem physischen Leibe im nächsten Leben.
[ 10 ] So you see that what the minute hand of life shows us becomes what the hour hand is in the next life. There need only be a certain repetition of principles and views in one life, and then they become established for the next life. What occurs in the etheric body of one life bears fruit for the physical body of the next life. Good habits, good inclinations, and good character traits prepare the way for health, physical fitness, and physical strength—in other words, a healthy physical body for the next life. A healthy physical body in one life indicates that the person in question has prepared this physical body in a previous life through habits and character traits acquired by their own efforts. In particular, there is a strong connection between a well-developed memory in one life and the physical body in the next life.
[ 11 ] Nehmen wir als Beispiel einen Menschen, der alles gleich wieder vergißt, und einen anderen, der ein treues Gedächtnis hat. Man braucht sich nur in bewußter Weise die erlebten Dinge ins Gedächtnis zu rufen und dies konsequent zu üben, dann wird man schließlich merken, daß man nicht nur für die Dinge ein gutes Gedächtnis bekommen hat, für welche man sich besonders trainiert hat, sondern daß dieses Gedächtnis auch noch zu einer ganz anderen Kraft wird. Und das kommt bei der spirituellen Entwickelung in Betracht. Es bildet sich das Überschauen des Vergangenen in ganz besonderer Weise aus. Wer das Gedächtnis gewissenhaft ausbildet, wird mit physischer Festigkeit, mit Gliedern, die ihm wirklich dienen können, wiedergeboren, um im nächsten Leben das zu vollführen, was er innerlich seelisch will. Ein Körper, der nicht ausführen kann, was die Seele will, rührt von einem vorhergehenden Leben her, in dem keine Sorgfalt darauf verwendet wurde, ein gesundes, gutes Gedächtnis auszubilden, sondern in dem man es bei der Schlamperei der Gedächtnislosigkeit und Vergeßlichkeit belassen hat.
[ 11 ] Let’s take, for example, a person who forgets everything immediately and another who has a reliable memory. One need only consciously recall the things one has experienced and practice this consistently; then one will eventually notice that one has not only developed a good memory for the things one has specifically trained oneself to remember, but that this memory also becomes a power of a completely different kind. And this is relevant to spiritual development. The ability to survey the past develops in a very special way. Whoever conscientiously trains their memory will be reborn with physical strength and with limbs that can truly serve them, in order to accomplish in the next life what they inwardly desire with their soul. A body that cannot carry out what the soul desires stems from a previous life in which no care was taken to develop a healthy, good memory, but in which one left it to the sloppiness of forgetfulness and absent-mindedness.
[ 12 ] Wir führen heute nur einzelne Erscheinungen an, aber Sie können sich denken, wie umfangreich dieses ganze Gebiet ist, von dem wir sprechen. Der wahre Okkultist wird sich dabei niemals auf Spekulationen einlassen. Was von mir angeführt wird, das sind keine Theorien, sondern Dinge, die an bestimmten Fällen geprüft worden sind. Dem, was hier gesagt worden ist, liegen also bestimmte Forschungsergebnisse zugrunde. Wenn soeben geschildert wurde, daß ein fester physischer Organismus, welcher der Seele gehorcht, auf ein gutes Gedächtnis im vorigen Leben zurückzuführen ist, dann sind so und so viele Fälle untersucht worden, und die entsprechenden Angaben beruhen auf den bei dieser Untersuchung festgestellten Tatsachen. Es sollen eben nur Tatsachen erzählt werden.
[ 12 ] Today we are citing only a few examples, but you can imagine how vast the entire field we are discussing is. The true occultist will never indulge in speculation. What I have cited are not theories, but facts that have been verified in specific cases. What has been said here is therefore based on specific research findings. When it was just described that a solid physical organism, which obeys the soul, can be attributed to a good memory from a previous life, then a certain number of cases have been investigated, and the corresponding information is based on the facts established during this investigation. Only facts are to be recounted.
[ 13 ] Nun drängt sich das, was sich im Ätherleibe ausbildet, im nächsten Leben in den physischen Leib hinein, so daß sich nicht nur gute Neigungen und Charaktereigenschaften und tüchtige Lebensgewohnheiten in einem gesunden physischen Leibe im nächsten Leben auswirken, sondern daß sich auch untüchtige Eigenschaften, schlechte Gewohnheiten, verderbte Neigungen in der nächsten Inkarnation in einem kranken Organismus zum Ausdruck bringen. Das ist nicht so aufzufassen, als ob eine ganz bestimmte Krankheit von einer bestimmten Eigenschaft herrühre, sondern gewisse Krankheitsdispositionen, gewisse Krankheitsanlagen führen immer auf ganz bestimmte Charakter- und Temperamentseigenschaften im vorhergehenden Leben zurück. Ein Mensch, der ein Leben mit verdorbenen Charaktereigenschaften hinter sich hat, besitzt in diesem Leben also einen Organismus, der leichter physischen Krankheiten ausgesetzt ist als der eines anderen. Ein Mensch, der mit gesunden Charaktereigenschaften, mit einem tüchtigen Temperament ausgestattet war, wird mit einem Leib wiedergeboren, der sich allen möglichen Epidemien aussetzen kann, ohne angesteckt zu werden, und umgekehrt.
[ 13 ] Now, what develops in the etheric body makes its way into the physical body in the next life, so that not only do good inclinations, character traits, and wholesome habits of life manifest themselves in a healthy physical body in the next life, but also unwholesome traits, bad habits, and corrupt inclinations manifest themselves in a sick organism in the next incarnation. This should not be understood to mean that a specific illness stems from a specific trait, but rather that certain predispositions to illness always trace back to very specific character and temperamental traits in the previous life. A person who has lived a life marked by corrupt character traits therefore possesses, in this life, an organism that is more susceptible to physical illness than that of another. A person who was endowed with healthy character traits and a robust temperament is reborn with a body that can be exposed to all manner of epidemics without becoming infected—and vice versa.
[ 14 ] Sie sehen also, daß die Dinge in der Welt kompliziert nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung zusammenhängen. Um eines anzuführen, sei ein Fall erwähnt, der bestimmten geistigen Forschungsresultaten entspricht. Es mag zunächst schockierend wirken, aber in einem theosophischen Zweige darf man das schon sagen. Jemand hatte in seinem Leben einen ganz egoistischen Erwerbssinn, eine wahre Gier nach äußerem Reichtum entwickelt. Dabei handelte es sich nicht etwa um jenes gesunde Streben nach Reichtum, das der altruistischen Absicht entspringen kann, in der Welt zu helfen und eine selbstlose Tätigkeit zu entwickeln — das ist etwas anderes -, sondern es ist von dem egoistischen Erwerbssinn die Rede, der eine bestimmte Konstitution des Ätherleibes bedingt und das Erwerbsstreben über das notwendige Maß hinaus ausbildet. Ein solcher Mensch wird sehr oft im nächsten Leben mit einem physischen Leib geboren, welcher die Anlage zu Infektionskrankheiten zeigt. Es ist in zahlreichen Fällen okkult festgestellt, daß Leute, die durch bestimmte Epidemien im jetzigen Leben leicht infizierbar sind, in ihrem früheren Leben mit einem krankhaft gesteigerten Erwerbssinn ausgestattet waren.
[ 14 ] So you see that things in the world are intricately connected according to the law of cause and effect. To give one example, let me mention a case that corresponds to certain findings in spiritual research. It may seem shocking at first, but in a Theosophical circle, one can certainly say this. Someone had developed a thoroughly selfish drive for material gain in his life—a true greed for external wealth. This was not, however, that healthy pursuit of wealth that can spring from the altruistic intention to help the world and engage in selfless activity—that is something else—but rather we are speaking of the selfish drive for material gain, which determines a certain constitution of the etheric body and develops the pursuit of wealth beyond what is necessary. Such a person is very often born in the next life with a physical body that shows a predisposition to infectious diseases. It has been occultly established in numerous cases that people who are easily infected by certain epidemics in their present life were endowed with a pathologically heightened drive for gain in their previous life.
[ 15 ] Auch anderes können wir im einzelnen anführen. So gibt es zwei Eigenschaften, die einen deutlich erkennbaren Einfluß auf die karmische Gestaltung des folgenden Lebens haben. Da ist zunächst einmal von dem starken Einfluß zu sprechen, den der bleibende Charakterzug des liebevollen, wohlwollenden Begegnens gegenüber seinen Mitmenschen ausübt. Es gibt Menschen, die bei ihren Mitmenschen alles wohlwollend aufnehmen, die ihre Umgebung liebevoll behandeln und sie teilnehmend erfassen. Bei manchen geht diese Liebe weit über die reine Menschenliebe hinaus. Sie lieben die Natur und die ganze Welt. Je mehr sich dieser Sinn des Umfassens ausgebildet hat und eine Gewohnheit der Seele geworden ist, also am Ätherleibe haftet, um so mehr hat der Mensch in einem nächsten Leben die Anlage zum Jungsein: er erhält sich lange jung. Wer also spät altert, sich lange jung und beweglich erhält, dessen Leben führt zurück auf ein früheres Erdenleben oder gar auf mehrere frühere Leben, die er in Liebe zur Umgebung verbracht hat. Um so mehr bleibt der Mensch in einer folgenden Inkarnation physisch jung, je mehr er seiner Umgebung gegenüber die Liebe ausprägt. Wer zu Antipathie gegenüber seinen Mitmenschen neigt, kommt zu einem frühen Altern. Ein Leib, der physisch früh die Zeichen des Alters zeigt, führt auf das Leben eines Kritikasters, auf ein Leben von Abneigung und Mißwollen zurück. So sieht man, daß man auf sein Leben einwirken kann, indem man bewußt in Karma eingreift. Wer in diesem Leben Liebe entfalten kann, darf versichert sein, daß er im nächsten Leben einen Leib haben wird, der junge Züge zeigt. Alle jene Menschen, die heute in einem frühen Alter Kritiken unter dem Strich schreiben, werden im nächsten Leben Leute sein, die fast mit Runzeln geboren werden. Das ist ein radikaler Ausspruch, aber ihm liegt eine starke Wahrheit zugrunde.
[ 15 ] We can also cite other examples in detail. For instance, there are two qualities that have a clearly discernible influence on the karmic shaping of the next life. First and foremost, we must mention the powerful influence exerted by the enduring trait of treating one’s fellow human beings with love and kindness. There are people who view everything in their fellow human beings with goodwill, who treat their surroundings with love, and who embrace them with compassion. For some, this love extends far beyond mere love for humanity. They love nature and the entire world. The more this sense of inclusiveness has developed and become a habit of the soul—that is, the more it is imprinted on the etheric body—the more a person will have the predisposition to youthfulness in their next life: they will remain young for a long time. Thus, whoever ages late and remains young and agile for a long time has a life that traces back to a previous earthly life—or even to several previous lives—spent in love for their surroundings. The more a person expresses love toward their surroundings, the more they will remain physically young in a subsequent incarnation. Those who tend toward antipathy toward their fellow human beings will age prematurely. A body that shows physical signs of aging early on points back to a life of constant criticism, a life of aversion and ill will. Thus, one can see that it is possible to influence one’s life by consciously intervening in karma. Those who can cultivate love in this life can be assured that in the next life they will have a body that displays youthful features. All those people who today write scathing reviews at a young age will be people in the next life who are almost born with wrinkles. This is a radical statement, but it is based on a powerful truth.
[ 16 ] So zeigen uns die karmischen Gesetze den Zusammenhang zwischen der Gesundheit und dem geistigen Leben. Daß dieser Zusammenhang allerdings nicht so mit zwei Schritten zu erreichen ist, sondern daß man schon ins einzelne gehen muß, wird niemand bestreiten. Ebensowenig kann der Satz bezweifelt werden, daß eine moralische, aufrichtige, gewissenhafte Seele der künftige Erbauer eines gesunden Leibes ist. Aber man darf das nicht von heute auf morgen erwarten und auch nicht glauben, daß der, welcher mit seelischen Fehlern behaftet ist, von heute auf morgen geheilt werden kann. Man sollte auch einsehen, daß man vom Egoismus zu einer selbstlosen Lebensweise aufsteigen muß, die nicht gleich die Früchte ihres Tuns einheimsen will. Was zur Gewohnheit wird, kann aber auch schon in diesem Leben auf den physischen Körper zurückwirken. Ein Beweis dafür ist die okkulte Entwickelung, welche nicht nur in bewußter Weise auf den Astralleib, sondern auch auf den Ätherleib Einfluß gewinnen kann. Wer eine okkulte Entwickelung durchmacht, lernt nicht nur seinen Astralleib, sondern auch seinen Ätherleib und seinen physischen Leib zu beeinflussen. Durch Umwandlung des gewohnheitsmäßigen Verhaltens kann aus einem jähzornigen Menschen ein sanfter, aus einem mit Affekten behafteten ein gleichmütiger, harmonischer Mensch werden. Der Okkultist muß seine Gewohnheiten in verhältnismäßig kurzer Zeit ändern. Die wahre Entwickelung setzt voraus, daß das, was man lernt, nicht bloß Lehre bleibt, sondern in den Ätherleib hineingeht. Dann erreicht der Okkultist auch, daß es in den physischen Leib hineingeht. Er lernt den Herzschlag, den Pulsschlag und den Atem zu beherrschen. In der okkulten Entwickelung wird das abgekürzt, was sich im gewöhnlichen Leben auf viele Inkarnationen verteilt. Das Karma wird also abgekürzt.
[ 16 ] Thus, the laws of karma reveal to us the connection between health and spiritual life. No one would dispute, however, that this connection cannot be grasped in just a few steps, but rather that one must delve into the details. Nor can there be any doubt about the statement that a moral, sincere, and conscientious soul is the future builder of a healthy body. But one must not expect this to happen overnight, nor believe that someone afflicted with spiritual flaws can be healed overnight. One should also realize that one must rise from selfishness to a selfless way of life that does not seek to reap the fruits of one’s actions immediately. However, what becomes a habit can also have an effect on the physical body even in this life. Proof of this is occult development, which can exert influence not only on the astral body but also on the etheric body in a conscious manner. Those who undergo occult development learn to influence not only their astral body but also their etheric body and their physical body. By transforming habitual behavior, a quick-tempered person can become gentle, and a person prone to emotional outbursts can become even-tempered and harmonious. The occultist must change his habits in a relatively short time. True development requires that what one learns does not remain merely a doctrine, but enters the etheric body. Then the occultist also ensures that it enters the physical body. He learns to control his heartbeat, pulse, and breath. In occult development, what is spread out over many incarnations in ordinary life is condensed. Karma is thus condensed.
[ 17 ] Manches, was wir in diesem Winter noch besprechen werden, wird uns verständlicher und durchsichtiger werden, wenn wir gewisse intimere karmische Zusammenhänge kennen werden, zum Beispiel den Unterschied zwischen einem schönen und einem häßlichen Menschen. Was liegt karmisch bei einem schönen Menschen vor? Da kommt etwas in Betracht, was zunächst unglaublich erscheint, aber es ist so. Die Schönheit des physischen Leibes ist vielfach, nicht immer, aber sehr oft eine Folge von erduldetem Leiden im vorhergehenden Leben. Leiden im vorhergehenden Leben — physisches Leiden und auch Seelenleiden — werden zur Schönheit in einem nächsten Leben, zur Schönheit des äußeren physischen Leibes. Es ist wirklich in diesen Fällen so, daß man einen Vergleich gebrauchen darf, den ich schon öfter angewendet habe. Wodurch entsteht die schöne Perle in der Perlmuschel? Eigentlich durch eine Krankheit, sie ist das Ergebnis einer Erkrankung. So ungefähr gibt es auch im karmischen Zusammenhang einen Prozeß, der den Zusammenhang von Krankheit, Leiden, mit der Schönheit darstellt. Diese Schönheit ist vielfach mit Leiden und Krankheit erkauft.
[ 17 ] Some of the things we will discuss this winter will become clearer and more transparent to us once we understand certain deeper karmic connections—for example, the difference between a beautiful person and an ugly one. What is the karmic reality behind a beautiful person? There is something to consider here that may seem unbelievable at first, but it is true. The beauty of the physical body is often—not always, but very often—a consequence of suffering endured in a previous life. Suffering in a previous life—both physical suffering and emotional suffering—becomes beauty in the next life, the beauty of the outer physical body. In these cases, it is indeed true that one may use a comparison I have employed on several occasions. How does a beautiful pearl form inside an oyster? Actually, through an illness; it is the result of a disease. In a similar way, within the karmic context, there is a process that illustrates the connection between illness, suffering, and beauty. This beauty is often bought at the price of suffering and illness.
[ 18 ] Auch die Weisheit ist vielfach mit Schmerz erkauft. Es ist nicht uninteressant, daß heute durch eine äußere Forschung in mannigfaltiger Weise bestätigt wird, was die Okkultisten seit Jahrtausenden gesagt haben: Daß die Weisheit mit Schmerzen und Leiden, mit einem entsagungsreichen, ernsten Leben im vorhergehenden Dasein zusammenhängt. Es lohnt sich gelegentlich durchaus, die äußere wissenschaftliche Forschung zu befragen. Da ist in letzter Zeit ein Buch über die Mimik des Denkens erschienen. Das Buch soll zeigen, wie sich in der Physiognomie des Menschen die Art und Weise malt, wie sein Denken gestimmt ist. Der Verfasser, der, wie man klar sieht, nicht viel vom Okkultismus weiß, hat doch durch äußerliche Beobachtung herausgefunden, daß man in der Physiognomie des Denkers einen Abdruck durchgemachter Schmerzen erkennen kann. Die gegenwärtige Wissenschaft ist im Begriff, Stück für Stück die uralte okkulte Weisheit zu bestätigen. Das wird in den nächsten Jahren noch viel mehr der Fall sein, als sich irgendein Gelehrter träumen läßt.
[ 18 ] Wisdom, too, is often bought at the price of pain. It is not without interest that external research today confirms in many ways what occultists have been saying for millennia: that wisdom is connected to pain and suffering, to a life of serious self-denial in a previous existence. It is certainly worthwhile, from time to time, to consult external scientific research. A book on the facial expressions of thought has recently been published. The book aims to show how the nature of a person’s thought patterns is reflected in their physiognomy. The author, who—as is clearly evident—knows little about the occult, has nevertheless discovered through external observation that one can discern in the physiognomy of a thinker an imprint of the pain they have endured. Modern science is in the process of confirming, bit by bit, the ancient occult wisdom. This will be the case to an even greater extent in the coming years than any scholar could ever imagine.
[ 19 ] Nun werden Sie noch leichter einsehen, daß wir uns nicht in einem blinden Glauben oder Autoritätsgefühl gegenüber gewissen Erscheinungen der Geistesgeschichte bewegen können. Wenn wir mit dem Verständnis des Karmagesetzes zum Beispiel einer solchen Erscheinung gegenüberstehen, wie es Schopenhauer ist, der über seine ganze Weltanschauung eine pessimistische Stimmung ausgegossen hat, dann muß derjenige, der tiefer sieht, nicht glauben, daß dieser Pessimismus die menschliche Grundstimmung [überhaupt] darstellt. Es ist vielmehr eine Grundstimmung seiner Seele, die karmisch in ihm vorbereitet und durch eine gewisse Konstitution seines Ätherleibes bewirkt worden ist. Diese pessimistische Stimmung eines Denkers ist nur zu verstehen, wenn man sie karmisch verfolgt. Eine so geartete Persönlichkeit hat in einem früheren Leben — das ist eine ganz konkrete Erklärung - nicht Gelegenheit gehabt, viel Gutes zu tun. Dagegen war dieser Mensch durch seine Lebensstellung und durch den Beruf dazu verurteilt, mancherlei Böses zu tun und Uhnrichtiges zu vollbringen. Und dieses Böse und Unrichtige, zu dem er in seinem früheren Leben nicht karmisch, sondern durch seinen Beruf verurteilt war, kommt ihm zurück als ein gewisses antipathisches Gefühl gegenüber der Welt, die ihm jetzt entgegentritt. Das ist die Wiederholung seiner eigenen von ihm vollbrachten Taten. Wenn Sie Karma verstehen wollen, dürfen Sie sich nicht bloß auf den fatalistischen Standpunkt stellen, daß alles vorherbestimmt ist. Zu dem, was der Mensch jetzt tut, braucht er nicht durch die vorhergehenden Leben verurteilt zu sein. Das gleicht sich oft erst im nächsten Leben aus. Die Taten sind also nicht immer die Früchte von früheren Leben, sondern finden gegebenenfalls erst ihren Ausgleich in einem künftigen Leben. Solche Taten sind gemeint, wenn von der Ursache der pessimistischen Grundstimmung bei Schopenhauer gesprochen wird.
[ 19 ] Now you will find it even easier to see that we cannot approach certain phenomena of intellectual history with blind faith or a sense of authority. When, for example, we approach a figure such as Schopenhauer—who imbued his entire worldview with a pessimistic mood—with an understanding of the law of karma, then those who see more deeply need not believe that this pessimism represents the fundamental human mood [at all]. Rather, it is a fundamental mood of his soul that was karmically prepared within him and brought about by a certain constitution of his etheric body. This pessimistic mood of a thinker can only be understood by tracing it karmically. A personality of this nature—and this is a very concrete explanation—did not have the opportunity to do much good in a previous life. On the contrary, this person was condemned, by his social position and profession, to commit various acts of evil and to do wrong. And this evil and wrongdoing—to which he was condemned in his previous life not karmically, but by virtue of his profession—returns to him as a certain antipathy toward the world that now confronts him. This is the repetition of his own deeds that he has committed. If you wish to understand karma, you must not merely adopt the fatalistic standpoint that everything is predestined. A person need not be condemned by his past lives for what he does now. This is often only balanced out in the next life. Thus, deeds are not always the fruits of past lives, but may only find their balance in a future life. It is such deeds that are meant when speaking of the cause of Schopenhauer’s pessimistic outlook.
[ 20 ] Alles was der Mensch als seine eigenen individuellen Taten vollbringt, die ganz und gar aus seiner Person hervorgehen - nicht diejenigen, die er durch seine Volksgemeinschaft, seine Familiengemeinschaft und seinen Beruf auszuführen hat -, wollen wir einmal streng abgrenzen. Zwei Hofräte können dasselbe tun, weil sie Hofräte sind, das scheiden wir aus. Aber sie können auch etwas höchst Verschiedenes an Taten vollbringen, weil sie zwei verschiedene Menschen sind. Und das betrachten wir jetzt. Was als Tat von einer Persönlichkeit ausfließt, was sie so vollbringt, das kommt ihr als ihr äußeres Schicksal im nächsten Leben entgegen. Befindet sich ein Mensch in einer glücklichen Lebenslage, ist ihm ein günstiges Schicksal zuteil geworden, so führt das auf die von ihm als Persönlichkeit vollbrachten, richtigen, gescheiten und guten Taten eines früheren Lebens zurück. Ist ein Mensch in einer schlechten Lebenslage, mißglückt ihm vieles, lebt er in ungünstigen Verhältnissen — gemeint ist die äußere Lage, nicht die Beschaffenheit des physischen Körpers -, so geht das ebenfalls auf persönlich vollbrachte Taten des vorangehenden Lebens zurück. Was der Mensch durch seinen Beruf und seine Familienzugehörigkeit vollbracht hat, das lagert sich im Temperament und im Charakter ab. Das Schicksal des Menschen ist also durch seine persönlichen Taten im vorhergehenden Leben bedingt. Umgekehrt kann sich ein Mensch ein günstiges oder ungünstiges Schicksal im nächsten Leben durch gute, kluge und richtige Taten herbeiführen.
[ 20 ] Let us draw a strict distinction between everything a person accomplishes as his own individual deeds—those that arise entirely from his own person—and those he is required to perform through his community, his family, and his profession. Two court councilors may do the same thing simply because they are court councilors; we set that aside. But they may also perform actions that are vastly different because they are two different people. And that is what we will now consider. Whatever action flows from a person’s individuality—whatever they accomplish in this way—will come back to them as their external destiny in the next life. If a person finds himself in a fortunate life situation—if he has been granted a favorable destiny—this can be traced back to the right, wise, and good deeds he accomplished as a personality in a previous life. If a person is in a difficult life situation, if many things go wrong for them, if they live in unfavorable circumstances—meaning their external situation, not the nature of their physical body—this, too, stems from the personal deeds they performed in their previous life. What a person has accomplished through their profession and family ties is imprinted in their temperament and character. A person’s fate is thus determined by their personal deeds in the previous life. Conversely, a person can bring about a favorable or unfavorable fate in the next life through good, wise, and righteous deeds.
[ 21 ] Wer mit bestimmten Persönlichkeiten zusammengeführt wird, hat die Bedingungen dazu in einem vorhergehenden Leben selber geschaffen. Er hat etwas mit diesen Menschen zu tun gehabt und sie nun selbst in seine Nähe geführt. Als Beispiel ein Fall aus der Zeit der Femgerichte. Ein Femgericht war mit einer Exekution verbunden. Der Betreffende wurde vor vermummte Richter gestellt, die das Urteil auch gleich ausführten. Hier ein Fall, wo ein Mensch verurteilt und getötet worden ist. Das Schicksal ist bis in die früheren Inkarnationen hinein okkult untersucht und verfolgt worden. Dabei stellte sich heraus, daß der von den fünf Richtern Getötete einst als Häuptling diese fünf Menschen hatte umbringen lassen. Seine einstige Tat hatte wie mit magnetischer Kraft diese fünf Menschen wieder in sein Leben hineingestellt, und sie vollzogen an ihm die Rache. Es ist das ein radikaler Fall, aber ihm liegt eine allgemeine Gesetzmäßigkeit zugrunde. Sie können nicht mit einem Menschen zusammenkommen, der in Ihr Leben eingreift, wenn Sie ihn sich nicht auf Grund früherer Beziehungen selbst in Ihr Leben hineingebracht haben. Es kann allerdings der Fall sein, daß der Mensch durch allgemeine Verhältnisse, durch Beruf oder Familienzusammengehörigkeit mit Menschen zusammengeführt wird, mit denen er früher noch nie zusammen war. Dann aber wird durch das gegenseitige Verhalten ein Zusammentreffen im nächsten Leben begründet, das nunmehr mit dem äußeren Schicksal und Leben der Beteiligten zu tun hat. Sie sehen, daß solche karmischen Vorstellungen vielfach kompliziert und nicht so einfach zu erklären sind. Es ist wichtig, diese Dinge im einzelnen zu studieren, weil wir nur dadurch das Leben wirklich verstehen.
[ 21 ] Anyone who is brought together with certain individuals has created the conditions for this themselves in a previous life. They have had some connection with these people and have now drawn them into their own circle. Here is an example from the time of the “fem courts.” A Fem court was associated with an execution. The person in question was brought before masked judges, who immediately carried out the sentence. Here is a case in which a person was sentenced and killed. Fate has been occultly investigated and traced back to earlier incarnations. It turned out that the man killed by the five judges had once, as a chieftain, ordered the killing of these five people. His past deed had, as if by magnetic force, brought these five people back into his life, and they took their revenge on him. This is a radical case, but it is based on a general law. You cannot come into contact with a person who interferes in your life unless you yourself have brought that person into your life on the basis of earlier relationships. It may, however, be the case that a person is brought together with others—through general circumstances, profession, or family ties—with whom they have never been associated before. In such cases, however, mutual behavior lays the foundation for a reunion in the next life, which is now connected to the external fate and lives of those involved. You can see that such karmic concepts are often complex and not so easy to explain. It is important to study these matters in detail, because only through this can we truly understand life.
[ 22 ] Es muß auch immer wieder darauf hingewiesen werden, daß die richtig erfaßte Karmaidee zur Erlösungslehre, wie sie sich im Christentum findet, in keinen Gegensatz gebracht werden darf. Zwar habe ich für viele von Ihnen diese Vereinbarkeit der christlichen Erlösungslehre mit der Karmaidee schon dargelegt, aber es sind ja auch neue Zuhörer da. Man findet viele Mißverständnisse. Sie rühren vielfach daher, daß viele über die Theosophie reden, die nicht viel davon verstehen. So wird behauptet, Karma bedeute schlechthin, daß der Mensch alle Wirkungen seiner Taten auf sich nehmen müsse. Wenn er etwas verbrochen habe, so könne er sich nur selbst von seinen Sünden erlösen. Von diesem Gesichtspunkte aus erklären viele Theosophen, daß es mit dem Erlösungsgedanken durch den Christus Jesus nichts auf sich hätte. Es könne die Theosophie nicht eine Erlösung durch ein anderes Wesen annehmen, denn der Mensch müsse sich ja selbst erlösen. Christliche Theologen bekämpfen das wiederum, indem sie sagen: Wir glauben an die Erlösung durch Christus Jesus, ihr aber glaubt an die Selbsterlösung. Das vereinigt sich nicht recht.
[ 22 ] It must be emphasized time and again that a correctly understood concept of karma must not be set in opposition to the doctrine of salvation as found in Christianity. Although I have already explained this compatibility between the Christian doctrine of salvation and the concept of karma to many of you, there are, of course, new listeners here as well. There are many misunderstandings. These often stem from the fact that many people speak of Theosophy without understanding much about it. For example, it is claimed that karma simply means that a person must bear all the consequences of his actions. If a person has committed a sin, it is claimed, they can only redeem themselves from their sins. From this perspective, many Theosophists argue that the idea of redemption through Christ Jesus is without merit. Theosophy, they argue, cannot accept salvation through another being, since human beings must, after all, redeem themselves. Christian theologians, in turn, counter this by saying: “We believe in salvation through Jesus Christ, but you believe in self-redemption. These two views are not really compatible.”
[ 23 ] Indessen ist Karma eine Art von Lebenskonto, das man ganz gut mit einem kaufmännischen Konto vergleichen kann. Auf der einen Seite stehen die Sollposten und auf der anderen die Habenposten. Sie werden addiert und die Bilanz wird gezogen. Es wäre ein sonderbarer Kaufmann, der sagte: Ich will keine Geschäfte mehr machen, damit meine Bilanz nicht verschoben wird. — So wie in jedem Moment des kaufmännischen Lebens ein neues Geschäft vollzogen werden kann, so kann in jedem Moment durch eine neue Tat ein neues Karma herbeigeführt werden. Wenn jemand meint: Das Leiden hat ein Mensch sich selbst zugezogen, er hat es selber verdient, also darf ich ihm nicht helfen -, so ist das Torheit. Das ist gerade so, als ob man zu einem Kaufmann, der bankrott ist, sagte: Zwanzigtausend Mark würden dir helfen, aber wenn ich sie dir gäbe, würde ich ja in dein Kontobuch störend eingreifen. — Das wäre sicher nicht der Fall. Die geliehene Summe würde nur in das Kontobuch eingeschrieben werden. So ist es auch mit dem Leben. Es muß nur ausgeglichen werden, aber es muß nicht immer von einem selbst ausgeglichen werden. Karma besagt nicht das Selbstausgleichen, sondern nur das Ausgeglichenwerden durch eine Tat. Nun nehmen Sie an, Sie seien ein reicher, mächtiger Mann, der nicht nur einem, sondern zweien helfen kann. Dann können Sie in das Karma von zweien eingreifen. Gerade weil Karma besteht, können Sie in das Lebenskonto dieser beiden eingreifen. So gibt es Menschen, die drei, vier, fünf, ja sogar Hunderten helfen können. Solche Menschen werden nicht sagen: Ich darf den anderen nicht helfen, weil ich in ihr Karma eingreife. — Sie werden ihnen vielmehr helfen.
[ 23 ] However, karma is a kind of life account that can be compared quite well to a business account. On one side are the debit entries, and on the other, the credit entries. They are added up, and the balance sheet is drawn up. It would be a strange businessman who said, “I don’t want to do any more business so that my balance sheet isn’t affected.”—Just as a new transaction can be carried out at any moment in business life, so too can new karma be brought about at any moment through a new action. If someone thinks, “A person has brought suffering upon themselves; they have earned it themselves, so I must not help them”—that is folly. It is just as if one were to say to a merchant who is bankrupt, “Twenty thousand marks would help you, but if I gave them to you, I would be interfering with your ledger.”—That would certainly not be the case. The borrowed sum would simply be recorded in the ledger. So it is with life. It merely needs to be balanced, but it does not always have to be balanced by oneself. Karma does not mean self-balancing, but only being balanced through an action. Now suppose you are a rich, powerful man who can help not just one, but two people. Then you can intervene in the karma of two people. Precisely because karma exists, you can intervene in the life accounts of these two. Thus, there are people who can help three, four, five, or even hundreds. Such people will not say: “I must not help others because I am interfering with their karma.” — Rather, they will help them.
[ 24 ] Eine solche Hilfe kann nun ein im höchsten Sinne mächtiges Wesen, das einmal in der Welt aufgetreten ist, jenen Menschen, die sich zu ihm rechnen, angedeihen lassen. Das ist der Christus Jesus. Dadurch, daß die Erlösung durch eine gewisse Art von Übel herbeigeführt ist, widerspricht sie nicht dem Karmagesetz. Die Erlösung durch Christus Jesus ist vollständig vereinbar mit dem Karmagesetz, ebenso wie die Hilfe des Reichen bei dem bankrotten Kaufmann. Die Mißverständnisse rühren davon her, daß die Theosophen das Karma nicht gründlich verstanden und die Theologen sich nicht darum gekümmert haben. Gerade durch das Wesentliche und Wichtige der Tat eines einzelnen hohen Wesens wird verbürgt, daß das Karmagesetz besteht. Wenn diese Dinge einmal in der Zukunft richtig verstanden werden, wird sich erst herausstellen, wie wenig die Theosophie Gegnerin irgendeines Bekenntnisses ist, das auf einem wahren Grund gebaut ist, und wie sehr sie erst zu einem wahren Verständnis eines solchen Bekenntnisses führt. Wenn Sie so das Karmagesetz in einigen Fällen überschaut haben, werden Sie fühlen, daß man in eine ganz tiefe Notwendigkeit innerhalb des geistigen Lebens hineinschaut. Richtig erfaßt hat das Karmagesetz freilich erst derjenige, der es nicht bloß zur theoretischen Erkenntnis macht, sondern in die ganze Empfindungs- und Gefühlswelt seines Seins aufnimmt. Dann ergießt sich innere Sicherheit und Harmonie über das ganze Leben. Und diejenigen, die immer und immer wieder behaupten, das Karmagesetz führe zur Untätigkeit und Lethargie, es bewirke, daß man sich in sein Schicksal ergäbe, es führe nicht zur Lebensfroheit und dergleichen, die haben es noch nicht versucht, mit dem Karmagesetz zu leben. Mit dem Karmagesetz zu leben, heißt Lebensmut und Hoffnung in die Seele eingießen.
[ 24 ] Such help can be bestowed upon those who count themselves among his followers by a being who is powerful in the highest sense and who once appeared in the world. That being is Christ Jesus. Because salvation is brought about through a certain kind of evil, it does not contradict the law of karma. Salvation through Christ Jesus is fully compatible with the law of karma, just as the help of the rich man to the bankrupt merchant is. The misunderstandings stem from the fact that theosophists have not thoroughly understood karma and theologians have not concerned themselves with it. It is precisely the essence and significance of the act of a single exalted being that guarantees the existence of the law of karma. Once these matters are properly understood in the future, it will become clear just how little Theosophy is opposed to any creed built on a true foundation, and how much it actually leads to a true understanding of such a creed. Once you have thus surveyed the law of karma in a few cases, you will sense that you are glimpsing a very profound necessity within spiritual life. Of course, the law of karma is truly grasped only by those who do not merely treat it as a theoretical concept, but who incorporate it into the entire realm of sensation and feeling of their being. Then inner security and harmony flow over one’s entire life. And those who claim time and again that the law of karma leads to inaction and lethargy, that it causes one to resign oneself to one’s fate, that it does not lead to a zest for life and the like—they have not yet tried to live by the law of karma. To live by the law of karma means to infuse the soul with courage and hope.
[ 25 ] Vor allen Dingen muß das Karmagesetz Licht auf unsere Zukunft werfen. Weniger müssen wir an die Vergangenheit denken als an die Zukunft. Wir haben vielfach angeführt, daß der Mensch weit in die Zukunft hineinwirken kann dadurch, daß er im Sinne des Karmagesetzes in seinem Astralleibe die künftige Konfiguration des Ätherleibes und im weiteren Verfolg die künftige Gestaltung des physischen Leibes vorbereitet. Wenn Sie das überschauen, werden Sie die ungeheure Wichtigkeit dieses Zusammenhanges ersehen, Sie werden ermessen, welche Vertiefung der Erziehungsgedanke, namentlich der Volkserziehungsgedanke unter dem Karmagesetz erfahren wird. Wird heute darauf hingewirkt, daß die Menschen im Sinne des Karmagesetzes leben und ihr zukünftiges Leben vorbereiten, dann bereiten sie zu gleicher Zeit die künftigen Volksgemeinschaften vor. Was in der Zukunft leben wird, sind ja die wiederverkörperten Menschen der Gegenwart. Gesunde Rassen in der Zukunft, und namentlich gesunde Führer der zukünftigen Rassen werden entstehen, wenn im Sinne des Karmagesetzes vernünftig in die Zukunft hinein gelebt wird. Denn wenn der einzelne Mensch sich vervollkommnet, so wirkt er damit auf die Völker- und Rassenorganismen der Zukunft zurück.
[ 25 ] Above all, the law of karma must shed light on our future. We need to think less about the past and more about the future. We have often pointed out that human beings can exert a profound influence far into the future by preparing, in accordance with the Law of Karma, the future configuration of the etheric body in their astral body and, consequently, the future form of the physical body. If you take a broad view of this, you will see the immense importance of this connection; you will appreciate the depth to which the concept of education—particularly the concept of public education—will be enriched by the Law of Karma. If efforts are made today to ensure that people live in accordance with the Law of Karma and prepare their future lives, then they are simultaneously preparing the future communities. After all, those who will live in the future are the reincarnated human beings of the present. Healthy races in the future—and especially healthy leaders of future races—will emerge if people live sensibly toward the future in accordance with the law of karma. For when the individual human being perfects himself, he thereby exerts an influence on the national and racial organisms of the future.
[ 26 ] Wie nun der eigentliche Mechanismus dieses Karma ist, das wäre zunächst auseinanderzusetzen. Damit ist die Frage gemeint, welche Kräfte wirksam sind, wenn die astralen Eigenschaften des jetzigen Lebens sich ins nächste Leben hinein auf den Ätherleib übertragen und welche Kräfte bewirken, daß die im Ätherleib veranlagten Eigenschaften des jetzigen Lebens - Gewohnheiten und Neigungen - sich auf die physische Disposition des nächsten Lebens übertragen. Noch schwieriger ist die Frage zu beantworten: Welche Kräfte wirken da, wo der Mensch sich auf Grund seiner gegenwärtigen Taten im nächsten Leben mit Äußerem umgibt; wo er nicht nur die Menschen, mit denen er etwas zu tun hat und zu tun gehabt hat, um sich herum sammelt, sondern sich auch in diejenige Naturumgebung, in die Pflanzen- und Tierwelt, in die Volks- und Gesellschaftsordnung, die er selbst zubereitet hat, hineinstellt? Wie sind diese Kräfte, die das alles wieder an den Menschen heranbringen? Wie kommt es zustande, daß zwei Menschen, die in einem früheren Leben etwas miteinander zu tun hatten und von denen der eine in Amerika und der andere in Europa wiedergeboren wird, dennoch zusammengeführt werden? Das sind die großen Fragen, die zu beantworten wir uns das nächste Mal bemühen wollen. Kurz, wie gestalten die Verhältnisse des einen Lebens die Verhältnisse des nächsten Lebens? Da wir viele Gäste haben werden, wird sich diese Frage auch für eine Betrachtung auf der Generalversammlung eignen. Es werden natürlich das nächste Mal diejenigen, die bei diesen Vorträgen zugegen waren, im Vorteil sein. «Die Technik des Karma» wird der Titel des nächsten Vortrages sein.
[ 26 ] First, we must examine the actual mechanism of this karma. This refers to the question of which forces are at work when the astral characteristics of the present life are carried over into the next life and into the etheric body, and which forces cause the characteristics of the present life—habits and inclinations—that are imprinted in the etheric body to be carried over into the physical constitution of the next life. Even more difficult to answer is the question: What forces are at work when, on the basis of his present deeds, a person surrounds himself with external circumstances in his next life—when he not only gathers around himself the people with whom he has or has had dealings, but also places himself within the natural environment, the plant and animal world, and the social and cultural order that he himself has brought about? What are these forces that bring all of this back to the human being? How is it that two people who had a connection in a previous life—one of whom is reborn in America and the other in Europe—are nevertheless brought together? These are the great questions we will endeavor to answer next time. In short, how do the circumstances of one life shape the circumstances of the next? Since we will have many guests, this question will also be suitable for discussion at the General Assembly. Of course, those who attended these lectures will have an advantage next time. “The Technique of Karma” will be the title of the next lecture.
[ 27 ] Damit hätten wir auf heute und das nächste Mal eine wichtige Lebensfrage verteilt. Ich bitte zu berücksichtigen, daß das, was gesagt worden ist, herausgegriffene Fälle waren, die auf wirklichen, positiven okkulten Tatsachen beruhen. Alles, was heute als karmischer Zusammenhang aufgedeckt worden ist, führt also auf die wirkliche Erforschung des Karma bestimmter Menschen, einzelner Individuen zurück. Karma und seine Betrachtung lehrt uns auch die Grundlage kennen, wie wir schon in diesem Leben den Zusammenhang zwischen Krankheit und einzelnen Seeleneigentümlichkeiten, namentlich der Erweckung gewisser Seelenkräfte, zu bewerten haben. So wird für die, welche hier die Vorträge über Karma in sich aufnehmen, manches in eine genauere Beleuchtung rücken, was in allgemeinen Umrissen im Architektenhaus über den Zusammenhang von Krankheit und Tod, Leiden und Übel gegeben wird. Namentlich soll in diesem Winter hier und dort darauf Rücksicht genommen werden, wie sich die geisteswissenschaftliche Weltanschauung ins Leben hineinstellt. Auf diese Weise werden wir mehr den Impuls und die Einsicht gewinnen, daß die Geisteswissenschaft nichts ist, was als unpraktisch hingestellt werden darf, sondern daß sie ins unmittelbar praktische Leben eingreift.
[ 27 ] This brings us to an important question of life, which we will divide between today and our next session. Please keep in mind that what has been said refers to specific cases based on real, positive occult facts. Everything that has been revealed today as a karmic connection thus stems from the actual study of the karma of specific people, of individual human beings. Karma and its examination also teach us the basis for how we are to assess, even in this life, the connection between illness and specific soul characteristics—namely, the awakening of certain soul forces. Thus, for those who take in the lectures on karma here, many things will come into sharper focus—things that have been presented in general terms at the Architektenhaus regarding the connection between illness and death, suffering and evil. In particular, this winter we should consider here and there how the spiritual-scientific worldview relates to life. In this way, we will gain a greater sense of the impulse and insight that spiritual science is not something that can be dismissed as impractical, but rather that it intervenes directly in practical life.
