Original Impulses of Spiritual Science
GA 96
28 January 1907, Berlin
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Original Impulses of Spiritual Science, tr. SOL
14. Das Vaterunser: Eine Esoterische Betrachtung
14. The Lord's Prayer: An Esoteric Consideration
[ 1 ] Was ich heute sagen will, bezieht sich auf die Frage: Inwiefern zeigen uns an ganz bestimmten Beispielen die Religionsbekenntnisse ihre geisteswissenschaftliche, oder sagen wir, geheimwissenschaftliche Grundlage? - Nur einen ganz kleinen, aber dafür unendlich wichtigen Abschnitt aus diesem Kapitel über die geheimwissenschaftliche Grundlage der Religionen möchte ich Ihnen heute erzählen. Sie werden sehen, daß es sich um eine allen, auch den naivsten Menschen unserer Kultur bekannte Tatsache handelt, eine geistige Tatsache, innerhalb welcher die tiefsten geheimwissenschaftlichen Wahrheiten und Gründe verborgen sind, die man nur suchen muß, um zu sehen, wie weisheits- und geheimnisvoll die Verkettungen innerhalb des Geisteslebens der Menschheit sind.
[ 1 ] What I wish to say today concerns the question: To what extent do religious creeds reveal to us, through very specific examples, their spiritual-scientific—or, shall we say, esoteric-scientific—foundation? —Today I would like to share with you just a very small, yet infinitely important section from this chapter on the esoteric-scientific foundation of religions. You will see that this concerns a fact known to everyone in our culture, even the most naive, a spiritual fact within which the deepest esoteric truths and reasons are hidden—one need only seek them to see how wise and mysterious the interconnections within humanity’s spiritual life are.
[ 2 ] Das, wovon wir ausgehen wollen, sei die Frage nach dem christlichen Gebet. Sie alle kennen das, was man heute das christliche Gebet nennt. Es ist öfter auch schon hier besprochen worden, und mancher hat sich wohl gefragt: Wie verhält sich dieses christliche Gebet zur geisteswissenschaftlichen Weltanschauung? — Durch diese Weltanschauung haben die Mitglieder der geisteswissenschaftlichen Bewegung in den letzten Jahren etwas gehört von einer anderen Form der Erhebung des Menschen, der menschlichen Seele, zu den göttlich-geistigen Weltmächten, von der Meditation, von jener Art, in sich einen geistigen Inhalt zu erleben, irgend etwas von dem, was uns gegeben ist von den großen führenden Geistern der Menschheit oder von dem geistigen Inhalt der großen Kulturen, in die sich der Mensch versenkt, und was ihm die Mittel gibt, für eine kurze Zeit in seiner Seele mit den göttlich-geistigen Strömungen in der Welt zusammenzufließen.
[ 2 ] Let us begin with the question of Christian prayer. You are all familiar with what is today called Christian prayer. It has been discussed here on several occasions, and some of you have probably asked yourselves: How does this Christian prayer relate to the spiritual-scientific worldview? — Through this worldview, members of the spiritual science movement have in recent years heard of another form of the elevation of the human being—the human soul—to the divine-spiritual powers of the world; of meditation; of that way of experiencing a spiritual content within oneself, something of what has been given to us by the great guiding spirits of humanity or from the spiritual content of the great cultures into which one immerses oneself—and which provides the means to merge, for a brief time, within one’s soul with the divine-spiritual currents in the world.
[ 3 ] Wer meditiert, und sei es in der einfachsten Art, durch irgendeine der von den geistigen Führern der Menschheit stammenden Meditationsformeln, wer meditiert und sich also im Geiste irgendeine der Formeln, irgendeinen der bedeutenden Gedankeninhalte gegenwärtig sein läßt — Sie wissen, es kann nicht jeder Gedankeninhalt sein, sondern es muß ein solcher sein, der von den Meistern der Weisheit und des Zusammenklangs der Empfindungen gegeben wird -, wer meditiert und diese Formeln in seinem Herzen leben läßt, der durchlebt ein Zusammenfließen mit der höheren Geistigkeit, es durchströmt ihn eine höhere Kraft. Er lebt in ihr. Er schafft zunächst Kraft, um seine gewöhnlichen Geisteskräfte daran zu stärken, zu heben, zu beleben, und wenn er genügend Geduld und Ausdauer hat und diese Kraft vielleicht bis zur moralischen und intellektuellen Stärkung in sich hat einfließen lassen, dann kommt auch der Zeitpunkt, wo tiefere, in jeder Menschenseele schlummernde Kräfte geweckt werden können durch einen solchen Meditationsinhalt. Von der einfachsten moralischen Stärkung und Kräftigung bis zu den höchsten Gebieten des hellseherischen Vermögens gibt es alle möglichen Stufen, welche durch ein solches Meditieren erreicht werden können. Für die meisten Menschen ist die Erreichung höherer Stufen hellseherischer Fähigkeiten nur eine Frage der Zeit, der Geduld und Energie. Dieses Meditieren wird gewöhnlich als eine mehr morgenländische Art, sich zu seinem Gotte zu erheben, angesehen. Im Abendlande, namentlich innerhalb der christlichen Gemeinschaft, kennt man an seiner Stelle das Gebet, das Gebet, durch das sich der Christ zu seinem Gotte erhebt, durch das der Christ versucht, in seiner Art Eingang zu gewinnen in die höheren Welten.
[ 3 ] Whoever meditates—even in the simplest way, using any of the meditation formulas originating from humanity’s spiritual guides—whoever meditates and thus allows any of these formulas, any of these significant thoughts, to be present in their mind—you know, it cannot be just any thought, but must be one given by the Masters of Wisdom and the Harmony of Feelings—whoever meditates and allows these formulas to live in their heart experiences a merging with the higher spirituality; a higher power flows through them. He lives within it. He first generates strength to fortify, elevate, and invigorate his ordinary mental faculties, and if he has sufficient patience and perseverance and has allowed this power to flow into himself—perhaps to the point of moral and intellectual strengthening—then the time will also come when deeper powers, slumbering in every human soul, can be awakened through such a form of meditation. From the simplest moral strengthening and fortification to the highest realms of clairvoyant ability, there are all manner of stages that can be attained through such meditation. For most people, attaining higher stages of clairvoyant ability is merely a matter of time, patience, and energy. This form of meditation is generally regarded as a more Eastern way of rising to one’s God. In the West, particularly within the Christian community, prayer is practiced in its place—the prayer through which the Christian rises to his God, through which the Christian seeks, in his own way, to gain access to the higher worlds.
[ 4 ] Nun müssen wir uns vor allen Dingen klarmachen, daß dasjenige, was heutzutage vielfach als Gebet angesehen wird, keineswegs im urchristlichen Sinne und am wenigsten im Sinne des Stifters der christlichen Religion, des Christus Jesus selbst, als Gebet gelten würde. Im wirklichen christlichen Sinne ist es nimmermehr ein Gebet, wenn irgendein einzelner Mensch sich von seinem Gotte etwas erbetet, was seine eigenen persönlichen und egoistischen Wünsche befriedigen soll. Wenn irgend jemand die Erfüllung persönlicher Wünsche erfleht oder erbetet, so kommt er natürlich sehr bald dahin, ganz außer acht zu lassen die Universalität und das Umfassende in der Gewährung dessen, was durch das Gebet erstrebt wird. Er setzt voraus, daß die Gottheit gerade seine Wünsche besonders befriedige. Ein Bauer, der diese oder jene Frucht angebaut hat, braucht vielleicht Regen, ein anderer neben ihm braucht Sonnenschein. Der eine betet um Regen, der andere um Sonnenschein. Was soll da die göttliche Weltordnung und Fürsorge tun? Gar nicht daran zu denken, was die göttliche Weltordnung und Fürsorge tun soll, wenn zwei Heere einander gegenüberstehen und ein jedes von ihnen betet, daß sie ihm den Sieg verleihen soll, und ein jedes seinen Sieg als den einzig gerechten ansieht. Da wird man gleich sehen, wie wenig ein solches den persönlichen Wünschen entspringendes Gebet an Universalität und allgemeiner Menschlichkeit in sich hat und wie selbst die Gewährung von seiten eines Gottes nur der einen Partei der Bittenden entsprechend sein kann. Man läßt eben, wenn man in solcher Weise betet, dasjenige Gebet außer acht, durch das der Christus Jesus die Grundstimmung angegeben hat, die in jedem Gebet vorherrschend sein soll, jenes Gebet, das heißt: «Vater, laß diesen Kelch an mir vorüberziehen, doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.» Dies ist die christliche Grundstimmung des Gebetes. Was auch immer erfleht und erbetet wird, diese Grundstimmung muß als heller Zwischenton in der Seele des Betenden leben, wenn er christlich beten will. Dann wird dasjenige, was Gebetsformel ist, bloß ein Mittel für den Menschen, sich hinaufzuheben in höhere geistige Gebiete, um den Gott in sich fühlen zu können. Dann wird aber auch diese Gebetsformel den Ausschluß eines jeden egoistischen Wunsches und Willensimpulses bewirken im Sinne der Worte: «Nicht mein, sondern dein Wille geschehe.» Sie wird ein Aufgehen, ein SichHineinversenken in diese göttliche Welt ergeben. Wird dann diese Gemütsstimmung als die wirkliche Gebetsstimmung erreicht, dann ist das christliche Gebet genau dasselbe — nur mit einer mehr gefühlsmäßigen Färbung -, was die Meditation ist. Und nichts anderes war dieses christliche Gebet ursprünglich, als was die Meditation ist. Die Meditation ist nur mehr gedankenmäßig, und es wird durch sie versucht, durch die Gedanken der großen Führer der Menschheit den Zusammenklang mit den göttlichen Strömungen, die durch die Welt gehen, zu erreichen. Im Gebet wird dasselbe in einer mehr gefühlsmäßigen Art erreicht.
[ 4 ] First and foremost, we must realize that what is often regarded as prayer today would by no means be considered prayer in the early Christian sense, and least of all in the sense intended by the founder of the Christian religion, Christ Jesus himself. In the true Christian sense, it is never a prayer when any individual asks God for something intended to satisfy his own personal and selfish desires. When anyone implores or asks for the fulfillment of personal wishes, he naturally very soon comes to completely disregard the universality and comprehensiveness involved in the granting of what is sought through prayer. He assumes that the Deity will specifically fulfill his wishes. A farmer who has grown this or that crop may need rain, while another next to him needs sunshine. One prays for rain, the other for sunshine. What is the divine world order and providence to do in such a case? One need not even consider what the divine world order and providence are to do when two armies face each other, each praying that victory be granted to them, and each regarding its own victory as the only just one. There one will immediately see how little such a prayer—arising from personal desires—possesses in terms of universality and general humanity, and how even a grant from God can correspond only to one of the parties making the request. When one prays in this way, one disregards the very prayer through which Jesus Christ set the fundamental tone that should prevail in every prayer—that prayer which says: “Father, let this cup pass from me; yet not my will, but yours be done.” This is the fundamental Christian spirit of prayer. Whatever is implored and requested, this fundamental spirit must live as a bright undertone in the soul of the person praying if they wish to pray in a Christian manner. Then the prayer formula itself becomes merely a means for the person to elevate themselves into higher spiritual realms in order to feel God within themselves. But then this prayer formula will also bring about the exclusion of every selfish desire and impulse of the will, in the spirit of the words: “Not my will, but yours be done.” It will result in a merging, a sinking into this divine world. If this state of mind is then attained as the true spirit of prayer, then Christian prayer is exactly the same—only with a more emotional tone—as meditation. And originally, this Christian prayer was nothing other than what meditation is. Meditation is more intellectual in nature, and through it one seeks, by means of the thoughts of humanity’s great leaders, to achieve harmony with the divine currents that flow through the world. In prayer, the same is achieved in a more emotional manner.
[ 5 ] So also sehen wir, daß sowohl im Gebet wie in der Meditation dasjenige gesucht wird, was man die Vereinigung der Seele mit den durch die Welt gehenden göttlichen Strömungen nennen kann, dasjenige, was auf der höchsten Stufe die sogenannte Unio mystica, die mystische Vereinigung mit der Gottheit, ist. Davon ist der Anfang im Gebet, davon ist der Anfang in der Meditation. Niemals könnte sich der Mensch mit seinem Gotte vereinigen, niemals mit den höheren geistigen Wesenheiten in Verbindung kommen, wenn er nicht selbst ein Ausfluß dieser göttlich-geistigen Wesenheit wäre.
[ 5 ] Thus we see that both in prayer and in meditation, one seeks what may be called the union of the soul with the divine currents flowing through the world—that which, at the highest level, is the so-called *Unio mystica*, the mystical union with the Divine. This is the beginning in prayer; this is the beginning in meditation. Man could never unite with his God, nor could he ever come into contact with the higher spiritual beings, if he were not himself an emanation of this divine-spiritual being.
[ 6 ] Der Mensch ist, wie wir alle wissen, zweifacher Natur. Er hat zunächst jene vier Glieder der menschlichen Wesenheit, die wir schon oft hier angeführt haben: den physischen Leib, den Äther- oder Lebensleib, den Astralleib und das Ich. Innerhalb des Ich hat er dann die Anlage für die Zukunft: Manas, Buddhi, Atma oder das Geistselbst, den Lebensgeist und den Geistesmenschen.
[ 6 ] As we all know, human beings are of a dual nature. First, they possess the four components of human existence that we have often mentioned here: the physical body, the etheric or life body, the astral body, and the I. Within the “I,” they then possess the potential for the future: Manas, Buddhi, Atma, or the Spiritual Self, the Life Spirit, and the Spiritual Human.
[ 7 ] Wenn wir die Verbindung dieser zwei Wesenheiten richtig erkennen wollen, so müssen wir uns ein wenig zurückversetzen in die Zeit der Menschbeitsentstehung. Sie alle wissen aus den früheren Vorträgen, daß der Mensch, so wie er heute ist, den Zusammenklang darstellt aus den zwei Wesenheiten: den drei Anlagen für die Zukunft, Manas, Buddhi, Atma, den oberen drei Gliedern, und den unteren vier Gliedern, physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich; und daß er als ein solcher Mensch sich herausgebildet hat in einer urfernen Vergangenheit, die wir das lemurische Zeitalter der Erde nennen.
[ 7 ] If we wish to correctly understand the connection between these two entities, we must take a step back in time to the origins of humankind. You all know from previous lectures that human beings, as they are today, represent the harmony of these two entities: the three faculties for the future—Manas, Buddhi, and Atma—the three higher members, and the four lower members—the physical body, the etheric body, the astral body, and the ego; and that humanity, as such, developed in a distant past that we call the Lemurian Age of the Earth.
[ 8 ] Wenn wir zurückgehen durch unsere heutige Epoche zur griechisch-lateinischen, zur ägyptisch-assyrisch-chaldäischen bis zur persischen und indischen Kultur, dann kommen wir, wenn wir immer weiter und weiter zurückgehen, allmählich zu jener großen atlantischen Flut, die in den Sintflutsagen aller Völker angedeutet ist, und wir kommen dann zu jenen Vorfahren, die in dem Lande gelebt haben, das zwischen Europa und Amerika gelegen war und das wir Atlantis nennen. Weiter zurückgehend, kommen wir noch zu Vorfahren, die in uralten Zeiten in einem Lande gelebt haben, das damals zwischen Australien und Indien lag. Erst in der Mitte dieser Epoche hat sich das, was wir die obere Dreiheit des Menschen nennen, Geistselbst, Lebensgeist und Geistmensch, mit dem vereinigt, was wir die vier niederen Glieder der menschlichen Natur, physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich, nennen.
[ 8 ] If we trace our way back through our present era to the Greco-Latin, Egyptian-Assyrian-Chaldean, and on to the Persian and Indian cultures, then as we go further and further back, we gradually arrive at that great Atlantean flood, which is alluded to in the flood myths of all peoples, and we then arrive at those ancestors who lived in the land that lay between Europe and America, which we call Atlantis. Going even further back, we come to ancestors who lived in ancient times in a land that was then situated between Australia and India. It was not until the middle of this epoch that what we call the upper triad of the human being—the spiritual self, the life spirit, and the spiritual human—united with what we call the four lower members of human nature: the physical body, the etheric body, the astral body, and the ego.
[ 9 ] Wir werden uns die Sache in der richtigen Weise vorstellen, wenn wir sie uns so denken: Damals gab es in der lemurischen Epoche auf dieser Erde als höchstes Wesen noch nicht einen physischen Menschen in unserem Sinne, sondern es gab nur eine Art höchste tierische Hülle unseres heutigen Menschen, ein Wesen oder eine Summe von Wesenheiten, die damals aus den vier niederen Gliedern der menschlichen Natur bestand. Dasjenige, was die höhere menschliche Wesenheit ist, das, was ewig ist in der menschlichen Natur, was sich durch die drei Anlagen: Manas, Budhi, Atma in Zukunft weiter und weiter entwickeln wird, das ruhte bis dahin im Schoße der Gottheit. Wollen Sie sich jene Tatsache vorstellen, wie sie sich zu jener Zeit zutrug, wenn auch in etwas trivialer, so doch anschaulicher Weise, dann stellen Sie sich vor, daß alle die Menschen, die heute in der ganzen Menschheit leben, bis zu jenem Momente sich Leiber aufgebaut hatten, die es ihnen ermöglichten, die menschliche Seele aufzunehmen, vergleichbar dem Schwamme, der das Wasser aufzunehmen vermag.
[ 9 ] We will understand the matter correctly if we think of it this way: Back then, during the Lemurian epoch on this Earth, the highest being was not yet a physical human being in our sense, but rather a kind of highest animal form of our present-day human being—a being or a collective of entities that at that time consisted of the four lower members of human nature. That which constitutes the higher human being—that which is eternal in human nature, and which will continue to develop further and further in the future through the three faculties of Manas, Budhi, and Atma—remained until then in the bosom of the Deity. If you wish to imagine that fact as it occurred at that time—albeit in a somewhat trivial, yet more vivid way—then imagine that all the people who live today within the whole of humanity had, up to that moment, built up bodies that enabled them to receive the human soul, comparable to a sponge that is able to absorb water.
[ 10 ] Denken Sie sich ein Gefäß mit Wasser. In diesem Wasser können Sie nimmermehr unterscheiden, wo der eine Tropfen aufhört und der andere anfängt. Denken Sie sich nun aber eine Anzahl kleiner Schwämmchen in diese Wassermasse hineingetaucht, so wird jedes dieser Schwämmchen einen Teil der Wassermasse aufsaugen. Was vorher in dem Gefäß als einheitliche Wassermasse war, ist jetzt auf viele Schwämmchen verteilt. So war es damals mit den menschlichen Seelen, wenn wir diesen trivialen Vergleich gebrauchen dürfen. Vorher ruhten sie unselbständig in dem Schoße des göttlichen Urgeistes, ohne Individualität, wurden dann aber aufgesaugt von den Menschenleibern und dadurch individualisiert wie das Wasser durch die Schwämmchen.
[ 10 ] Imagine a vessel filled with water. In this water, you can never distinguish where one drop ends and another begins. But now imagine a number of small sponges submerged in this mass of water; each of these sponges will absorb a portion of the water. What was previously a uniform mass of water in the vessel is now distributed among many sponges. So it was with human souls back then, if we may use this trivial comparison. Previously, they rested in a non-autonomous state in the bosom of the divine Primordial Spirit, without individuality; but they were then absorbed by human bodies and thereby individualized, just as the water is by the sponges.
[ 11 ] Was damals von den einzelnen Leibern, den vier unteren Gliedern, aufgesaugt wurde, ging weiter bis in unsere Zeit, immer weiter sich entwickelnd, geht auch noch weiter in die Zukunft hinein und wird sich immer weiter und weiter entwickeln. Es wurde in der sogenannten Geistes- oder Geheimwissenschaft immer die obere Dreiheit genannt, und als Schema für diesen in der Mitte der lemurischen Rasse entstandenen Menschen wurde, namentlich in der pythagoreischen Schule, das Dreieck und das Viereck gewählt, so daß sich für den zusammengesetzten Menschen nachstehendes Schema ergibt.
[ 11 ] What was absorbed at that time by the individual bodies—the four lower members—has continued into our own time, evolving ever further; it will continue even further into the future and will keep evolving further and further. In what is known as spiritual or esoteric science, the upper trinity has always been referred to, and as a diagram for this human being who emerged in the middle of the Lemurian race—particularly in the Pythagorean school—the triangle and the square were chosen, resulting in the following diagram for the composite human being.


[ 12 ] Nun kann man aber, wie Sie sich jetzt leicht vorstellen werden, dieses Obere, dieses Ewige, das durch alle Inkarnationen hindurchgeht, von zwei Gesichtspunkten aus betrachten. Man kann es einerseits als den urewigen Bestand der Menschheit betrachten, andererseits aber auch als Teil der göttlichen Wesenheit, den sie damals abgegeben hat als ein Stück oder einen Tropfen ihres eigenen Inhalts, und der nun versenkt ist in das viergliedrige menschliche Gefäß, so daß, was heute in uns Menschen ruht, ein in Selbständigkeit individualisierter Tropfen der Gottheit ist. So kommen Sie dazu, einzusehen, daß Sie die drei höheren Glieder der menschlichen Natur, das Ewige derselben, nicht bloß als die drei höchsten Prinzipien der Menschennatur betrachten können, sondern auch als drei Prinzipien in der Gottheit selbst. Die Sache ist also so, daß das, was die drei höchsten Glieder der Menschennatur sind, gleichzeitig die drei niederen Glieder der dem Menschen nächststehenden Gottheit darstellen. Wenn Sie die Prinzipien jener Gottheiten, die dazumal den Seelentropfen an die Menschheit abgegeben haben, aufzählen wollten, so müßten Sie, während Sie beim Menschen mit dem physischen Leibe anfangen, mit dem Äther-, dem Astralleib und dem Ich fortfahren, und von Manas bis zu Atma hinaufgehen, mit Manas anfangen, mit Budhi und Atma fortfahren und hinaufgehen zu den Prinzipien, die noch über dem Atma liegen und von denen sich der heutige Mensch erst eine Vorstellung machen kann, wenn er ein Schüler der Eingeweihten wird. So also sehen Sie, daß wir die drei Prinzipien des Menschen, die er in sich schließt als seinen Inhalt, auch als drei göttliche Prinzipien anschauen können.
[ 12 ] Now, however, as you can easily imagine, this Higher Self, this Eternal Self that passes through all incarnations, can be viewed from two perspectives. On the one hand, one can regard it as the primordial essence of humanity; on the other hand, however, one can also regard it as a part of the divine essence that humanity once yielded—as a fragment or a drop of its own substance—and which is now immersed in the fourfold human vessel, so that what now resides within us humans is a drop of the divinity that has become individualized in its own right. In this way, you come to realize that you cannot regard the three higher members of human nature—its eternal aspect—merely as the three highest principles of human nature, but also as three principles within the divinity itself. The fact is, therefore, that what constitutes the three highest members of human nature simultaneously represents the three lower members of the divinity closest to humankind. If you were to list the principles of those deities who, in times past, bestowed the soul-drops upon humanity, you would have to begin with the physical body in humans, continue with the etheric body, the astral body, and the “I,” and ascend from Manas to Atma—beginning with Manas, continuing with Budhi and Atma, and ascending to the principles that lie even above Atma, of which modern man can form a conception only when he becomes a disciple of the Initiates. So you see that we can regard the three principles of the human being—which he contains within himself as his essence—as three divine principles as well.
[ 13 ] Nun wollen wir sie heute einmal nicht als menschliche, sondern als göttliche Prinzipien erfassen und ihrer Natur nach beschreiben. Jenes höchste Prinzip, das im Menschen das Atma ist, das er am Ende seiner irdischen oder sagen wir seiner jetzigen planetarischen Laufbahn ausbilden wird, können wir im Sinne der Geistes- oder Geheimwissenschaft dadurch charakterisieren, daß wir seine Urwesenheit mit etwas vergleichen, das dem heutigen Menschen nur andeutungsweise bekannt ist: nämlich mit dem, was der Mensch als Wille in sich hat. Willensartiger Natur, eine Art Wollen ist der Grundcharakter dieses höchsten göttlichen Prinzipes im Menschen. Was beim Menschen heute am schwächsten ausgebildet ist in seiner inneren Wesenheit, der Wille, das wird in der Zukunft, wenn der Mensch immer höher und höher steigen wird, sein vorzüglichstes Prinzip sein.
[ 13 ] Today, let us consider them not as human principles but as divine ones, and describe them according to their nature. That highest principle, which in human beings is the Atma—and which they will develop at the end of their earthly, or let us say, their present planetary career—can be characterized in the sense of spiritual or esoteric science by comparing its primordial essence to something known to modern human beings only in a vague sense: namely, to what human beings possess within themselves as will. A will-like nature, a kind of volition, is the fundamental character of this highest divine principle within human beings. What is currently the least developed aspect of human inner being—the will—will become humanity’s most preeminent principle in the future, as human beings ascend ever higher and higher.
[ 14 ] Heute ist der Mensch im wesentlichen ein erkennendes Wesen, und sein Wille ist eigentlich noch nach den mannigfaltigsten Seiten hin eingeschränkt. Der Mensch kann die Welt um sich herum, bis zu einem gewissen Grade, in ihrer Universalität begreifen. Denken Sie aber, wie wenig er von dem, was er begreifen kann, auch zu wollen vermag, wie wenig er Macht über das hat, was er erkennen kann. Was er aber heute noch nicht hat, das wird ihm die Zukunft bringen: Sein Wille wird immer mächtiger werden, bis er sein großes Ziel erreicht haben wird, welches man in der Geisteswissenschaft das große Opfer nennt. Dieses besteht in jener Macht des Willens, wo das Wesen, das da will, imstande ist, sich ganz hinzugeben, nicht nur das Wenige hinzugeben, was der Mensch mit seinen schwachen Gefühls- und Willensmächten hinzugeben vermag, sondern das ganze Sein hinzugeben, als eine bis ins Stoffliche hineingehende Wesenheit sich ausfließen zu lassen.
[ 14 ] Today, human beings are essentially beings of cognition, and their will is, in fact, still limited in a multitude of ways. Human beings can, to a certain degree, comprehend the world around them in its universality. But consider how little of what they can comprehend they are also able to will, how little power they have over what they can recognize. Yet what they do not yet possess today, the future will bring them: Their will will become ever more powerful until they have attained their great goal, which in spiritual science is called the great sacrifice. This consists in that power of the will whereby the being who wills is capable of surrendering himself completely—not merely surrendering the little that a human being is capable of surrendering with his weak powers of feeling and will, but surrendering his entire being, allowing himself to flow out as an entity that extends into the material realm.
[ 15 ] Sie werden eine Vorstellung bekommen von dem, was damit gemeint ist, von dem großen Opfer, der höchsten Ausprägung des Willens in der Gottnatur, wenn Sie sich folgendes vorstellen: Denken Sie sich, Sie stünden vor einem Spiegel, und Ihr Bild schaut Sie aus diesem Spiegel an. Dieses Bild ist eine Illusion, die Ihnen vollständig gleicht. Denken Sie ferner, Sie wären dadurch gestorben, daß Sie Ihr eigenes Sein, Ihr Fühlen, Denken, Ihr Wesen hinopfern, um dieses Bild zu beleben, dieses Bild zu dem zu machen, was Sie selbst sind. Sich selbst aufzuopfern und sein Leben an das Bild abzugeben, das ist es, was die Geisteswissenschaft zu allen Zeiten die Emanation, das Ausfließen, genannt hat. Wenn Sie das tun könnten, dann würden Sie sehen, daß Sie nicht mehr da sind, weil Sie alles abgegeben haben zur Auferweckung des Lebens und des Bewußtseins im Bilde.
[ 15 ] You will get an idea of what this means—of the great sacrifice, the highest expression of will in the divine nature—if you imagine the following: Imagine that you are standing in front of a mirror, and your reflection is looking back at you from that mirror. This reflection is an illusion that is completely like you. Imagine further that you have died by sacrificing your own being—your feelings, your thoughts, your very essence—in order to bring this image to life, to make this image into what you yourself are. To sacrifice oneself and surrender one’s life to the image—that is what spiritual science has always called emanation, the outflow. If you could do that, you would see that you are no longer there, because you have surrendered everything to awaken life and consciousness within the image.
[ 16 ] Wenn der Wille auf solcher Stufe angelangt ist, daß er zu vollbringen imstande ist, was man das große Opfer nennt, dann schafft, schöpft er ein Universum, groß oder klein, und dieses Universum ist ein Spiegelbild, das seine Aufgabe durch das Wesen des Schöpfers selbst bekommt. Dadurch haben wir charakterisiert, was der schöpferische Wille in der göttlichen Wesenheit ist.
[ 16 ] When the will has reached a level where it is capable of accomplishing what is called the great sacrifice, then it creates—it brings into being—a universe, large or small, and this universe is a reflection that receives its purpose from the very essence of the Creator. In this way, we have characterized what the creative will is in the divine essence.
[ 17 ] Dasjenige, was wir als zweites Prinzip zu charakterisieren haben in der Gottheit, sofern sie in die Menschheit eingeflossen ist, das ist durch diesen Vergleich auch schon gegeben: es ist das Spiegelbild selber. Versetzen Sie sich so lebhaft in eine Gottheit, die, welterschaffend, der Mittelpunkt des Universums ist. Wenn Sie sich hier in diesem Raume einen Punkt denken und statt der Wände, deren sechs da sind, umgeben von einer im Inneren spiegelnden Hohlkugel, dann werden Sie sich als Mittelpunkt nach allen Seiten gespiegelt sehen. Sie haben das Bild einer Gottheit als Willensmittelpunkt, die sich nach allen Seiten spiegelt, und dieser Spiegel ist das Bild der Gottheit selber und das Universum zugleich. Denn, was ist ein Universum? Es ist nichts anderes als ein Spiegel des Wesens der Gottheit.
[ 17 ] What we must characterize as the second principle in the Deity—insofar as it has flowed into humanity—is already evident from this comparison: it is the reflection itself. Imagine yourself vividly as a Deity who, as the creator of the world, is the center of the universe. If you imagine a point here in this room and, instead of the six walls, picture it surrounded by a hollow sphere that reflects inward, then you will see yourself, as the center, reflected in all directions. You have the image of a deity as the center of will, reflecting in all directions, and this mirror is both the image of the deity itself and the universe. For what is a universe? It is nothing other than a mirror of the essence of the deity.
[ 18 ] Daß aber das Universum lebt und webt, das rührt daher, weil die Gottheit emaniert, wenn sie das große Opfer bringt, wenn sie ihr Universum spiegelt, wie wir es soeben bei dem Beispiel der Belebung des Spiegelbildes betrachtet haben. Das ganze Universum ist belebt von dem universellen Willen, der sich in unendlicher Mannigfaltigkeit ausdrückt. Diesen Prozeß der unendlichen Vermannigfaltigung, der unendlichen Vervielfältigung, diese Wiederholung der Gottheit nennt man in aller Geheim- oder Geisteswissenschaft, im Gegensatz zum Willen, das «Reich». Der Wille ist also der Mittelpunkt, der Spiegel des Willens ist das Reich, so daß Sie den Willen mit Atma, dem Geistmenschen, das Reich, oder das Spiegelbild des Willens, mit der Buddhi oder dem Lebensgeist vergleichen können.
[ 18 ] But the fact that the universe lives and weaves stems from the fact that the Deity emanates when it makes the great sacrifice, when it mirrors its universe, as we have just considered in the example of the animation of the mirror image. The entire universe is animated by the universal Will, which expresses itself in infinite diversity. This process of infinite diversification, of infinite multiplication—this repetition of the Deity—is called the “Realm” in all esoteric or spiritual sciences, in contrast to the Will. The Will is thus the center; the mirror of the Will is the Realm, so that you can compare the Will to Atma, the spiritual human, and the Realm—or the mirror image of the Will—to Buddhi, or the life spirit.
[ 19 ] Nun ist dieses Reich ein solches, daß es in einer unendlichen Mannigfaltigkeit das Wesen des Göttlichen wiedergibt. Sehen Sie sich einmal dieses Reich in seinem Umkreis an, insofern es unser Reich ist, unsere Mannipfaltigkeit, unser Universum, sehen Sie es sich an in seinem sichtbaren Teil, in den Mineralien, Pflanzen, Tieren und Menschen. In jedem einzelnen dieser Wesen ist das Reich manifestiert, und man ahnt das heute noch in dem Ausdruck unserer Sprache, insofern als man diese großen Gebiete unseres Universums Reiche, also Mineralreich, Pflanzenreich, Tierreich nennt. Wenn man aber auch die Einzelheiten betrachtet, so sind auch alle Einzelheiten göttlicher Natur. In allen spiegelt sich die Natur gerade so, wie sich in der Hohlkugel der Mittelpunkt spiegeln würde. So auch sieht derjenige, der im Sinne der Geheimforschung die Welt ansieht, in jedem Mineral, jeder Pflanze, jedem Tier und jedem Menschen den Gott gespiegelt, einen Ausdruck und Abdruck des Göttlichen.
[ 19 ] Now, this realm is such that it reflects the essence of the Divine in infinite diversity. Take a look at this realm in its entirety, insofar as it is our realm, our diversity, our universe; look at it in its visible part—in the minerals, plants, animals, and human beings. In each and every one of these beings, the kingdom is manifested, and we can still sense this today in the expressions of our language, insofar as we call these vast realms of our universe “kingdoms”—that is, the mineral kingdom, the plant kingdom, and the animal kingdom. But when we consider the details as well, we see that all details, too, are of a divine nature. Nature is reflected in all of them just as the center would be reflected in a hollow sphere. Likewise, those who view the world through the lens of esoteric research see God reflected in every mineral, every plant, every animal, and every human being—an expression and imprint of the Divine.
[ 20 ] In unendlich abgestuften Wesenheiten und in unendlicher Mannigfaltigkeit erscheint im Reiche die Gottheit, und man unterscheidet die einzelnen Wesenheiten im Sinne der Geheimwissenschaft — wenn man auf dieser hohen Stufe steht, daß man sie als Ausflüsse des Göttlichen betrachten kann — dadurch, daß ihnen ihr «Name» gegeben wird. Der Name ist dasjenige, was der Mensch dann als die einzelne Wesenheit denkt, er ist dasjenige, wodurch die einzelnen Glieder dieser großen Mannigfaltigkeit voneinander unterschieden werden. Er ist das dritte der drei höchsten menschlichen Prinzipien, die herausfließen aus dem Göttlichen, und würde dem Manas oder dem Geistselbst entsprechen. Die Geheimwissenschaft der verschiedenen Religionen hat also gelehrt, naiv gelehrt, was ausgeflossen ist aus der Gottheit und eingeflossen ist in euch und zu eurem ewigen Bilde wurde.
[ 20 ] In infinitely graded entities and in infinite diversity, the Divinity manifests itself in the Kingdom, and one distinguishes the individual entities in the sense of esoteric science—if one stands at that high level where one can regard them as emanations of the Divine—by giving them their “name.” The name is what the human being then conceives as the individual entity; it is that through which the individual members of this great diversity are distinguished from one another. It is the third of the three highest human principles that flow forth from the Divine, and would correspond to the Manas or the Spiritual Self. The esoteric teachings of the various religions have thus taught—naively taught—what has flowed forth from the Divinity and flowed into you, becoming your eternal image.
[ 21 ] Wollt ihr euch in dem finden, wozu ihr euch am Ende erheben sollt, da werdet ihr finden, daß es willensartiger Natur ist.
[ 21 ] If you wish to discover that to which you are ultimately meant to ascend, you will find that it is of a volitional nature.
[ 22 ] Wollt ihr euch erheben zu dem, was der Träger dieses Willens, dieses Atma ist, zu der Buddhi — im Göttlichen stellt es dar das Reich.
[ 22 ] Do you wish to rise to that which is the bearer of this will, this Atma, to the Buddhi—in the Divine, it represents the realm.
[ 23 ] Und wollt ihr euch erheben zu dem, was ihr erkennt an Namen, Begriffen oder Ideen der Dinge - im Göttlichen stellt es sich dar als Name.
[ 23 ] And if you wish to rise to that which you recognize as the names, concepts, or ideas of things—in the Divine, it manifests as a name.
[ 24 ] Was wir jetzt hier durchgenommen haben, ist eine uralte Lehre, die sagt, daß aus Name, Reich und Wille jenes Glied der Gottheit besteht, das als der ewige Teil in die menschliche Natur eingeflossen ist. So haben wir das, was man die höhere Dreiheit des Menschen nennt, als einen Teil des Göttlichen erkannt.
[ 24 ] What we have just discussed here is an ancient teaching that states that the Name, the Kingdom, and the Will constitute that aspect of the Godhead which has flowed into human nature as its eternal component. Thus, we have recognized what is called the higher trinity of the human being as a part of the Divine.
[ 25 ] Um unsere Betrachtung zu vervollständigen, lassen Sie uns jetzt noch einen Blick auf die niederen vier Glieder des vergänglichen Menschen werfen. Von den höheren drei Gliedern wissen wir, daß sie eigentlich von dem andern Aspekte aus betrachtet werden können, indem wir sie als Glieder der Gottheit betrachten. Die vier niederen Glieder der menschlichen Wesenheit können wir in ähnlicher Weise als Glieder der vergänglichen Welt betrachten und als Glieder des Menschen.
[ 25 ] To complete our discussion, let us now take a look at the four lower aspects of the mortal human being. We know that the three higher aspects can actually be viewed from the other perspective, by considering them as aspects of the Deity. In a similar way, we can regard the four lower aspects of the human being as aspects of the transitory world and as aspects of the human being.
[ 26 ] Betrachten Sie den physischen Leib. Er ist aus denselben Stoffen und denselben Kräften zusammengesetzt wie ringsherum die scheinbar leblose Welt. Dieser physische Leib könnte nicht bestehen, wenn nicht fortwährend Stoff und Kraft aus der ihn umgebenden physischen Welt in ihn einfließen würden und ihn immer und immer wieder von neuem aufbauten. Eigentlich ist der physische Körper für alles, was wir in ihm haben, eine fortwährende Durchgangsstation. Aus und ein fließen die Stoffe, die eigentlich ebenso das äußere Universum ausmachen, wie sie zeitweise in uns sind. Öfter ist es hier schon erwähnt worden, daß im Laufe von sieben Jahren der ganze stoffliche Zusammenhang des Menschenleibes sich erneuert. In keinem von Ihnen sind heute die Stoffe, die vor zehn Jahren in ihm waren. Der Mensch erneuert immer wieder den Stoff seines physischen Körpers. Das, was damals in uns war, ist heute ganz woanders, draußen in der Natur verteilt, und anderes ist in uns eingezogen. Das Leben des Körpers bedingt ein fortwährendes Ein- und Austreten des Stoffes.
[ 26 ] Consider the physical body. It is composed of the same substances and the same forces as the seemingly lifeless world around it. This physical body could not exist if matter and force were not constantly flowing into it from the physical world surrounding it, rebuilding it over and over again. In fact, the physical body is a continuous waystation for everything we possess within it. The substances flow in and out; they constitute the external universe just as much as they are temporarily within us. It has been mentioned here many times that over the course of seven years, the entire material composition of the human body is renewed. None of you today contain the same substances that were in you ten years ago. Human beings continually renew the matter of their physical bodies. What was within us back then is now somewhere else entirely—scattered throughout nature—and other matter has taken its place within us. The life of the body involves a continuous flow of matter in and out.
[ 27 ] Wie wir die drei höheren Glieder der Menschennatur als Teile der Gottheit betrachtet haben, so können wir die vier Teile der niederen Menschennatur als Teile der göttlichen Natur ansehen.
[ 27 ] Just as we have regarded the three higher elements of human nature as parts of the Godhead, so we can regard the four parts of lower human nature as parts of the divine nature.
[ 28 ] Den physischen Leib können wir als Teil des stofflichen Teiles unseres Planeten betrachten; seine Substanz ist von unserem stofflichen Planeten genommen und geht wieder zu diesem zurück. Wenn wir den Ätherleib betrachten, so müssen wir ihn ebenfalls als ein Glied dessen ansehen, was uns hier umgibt, und ebenso den Astralleib.
[ 28 ] We can regard the physical body as part of the material aspect of our planet; its substance is drawn from our material planet and returns to it. When we consider the etheric body, we must likewise regard it as a part of what surrounds us here, and the same applies to the astral body.
[ 29 ] Betrachten wir den Lebensleib oder den Ätherleib und den Astralleib einmal im Zusammenhang. Sie wissen, daß der Astralleib der Träger von allem ist, was an Trieben, Begierden und Leidenschaften im Menschen lebt, der Träger von allem, was als Freude und Leid, Lust und Schmerz in der Menschenseele auf und ab wogt, daß der Lebens- oder Ätherleib aber die mehr bleibenden, die länger andauernden seelischen Eigenschaften bewahrt, darstellt und der Träger von ihnen ist.
[ 29 ] Let us consider the life body, the etheric body, and the astral body in context. You know that the astral body is the bearer of all the drives, desires, and passions that live within a person—the bearer of everything that surges up and down in the human soul as joy and sorrow, pleasure and pain—while the life body, or etheric body, preserves, represents, and serves as the bearer of the more enduring, longer-lasting qualities of the soul.
[ 30 ] Ich habe schon öfter vor Ihnen die Entwickelung des Lebens- oder Ätherleibes und des Astralleibes mit dem Stunden- und dem Minutenzeiger einer Uhr verglichen. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, daß, wenn ihr euch erinnert an das, was ihr gewußt und erlebt habt als achtjähriges Kind, und an das, was ihr jetzt wisset und erlebt habt, ein großer Unterschied wahrzunehmen sein wird. Unendlich viel habt ihr gelernt, viele Vorstellungen aufgenommen; von dem, was ihr damals tatet, ist vieles in den Erlebnissen von Freude und Leid an eurer Seele vorübergezogen; nicht nur an ihr vorübergezogen, sondern durch sie hindurchgegangen. Aber vergleicht ihr jetzt das damit, was euer Temperament, euer Charakter, eure bleibenden Neigungen sind, dann werdet ihr darauf kommen, daß, wenn ihr mit acht Jahren ein jähzorniges Kind wart, ihr es wahrscheinlich im jetzigen Lebensalter noch sein werdet. Die meisten Menschen behalten so ihr ganzes Leben lang das, was als Grundlage ihres Wesens in ihnen liegt. Es ist hier schon öfter betont worden, daß die Geheimschulung nicht in theoretischem Lernen besteht, sondern darin, daß man auf die sonst so stationären Gebilde des Ätherleibes die Evolution richtet. Mehr hat der Schüler getan, wenn er eine von diesen Eigenschaften seines Temperaments, seiner Grundneigung umgeändert und dadurch den Stundenzeiger der Uhr etwas schneller vorwärtsgerückt hat, als es sonst geschehen wäre. Alles dasjenige, was sich so langsam entwikkelt — die bleibenden Neigungen, die bleibenden Temperamentseigenschaften, die bleibenden Gewohnheiten -—, ist im Äther- oder Lebensleib verankert. Alles das, was sich vergleichsweise so rasch ändert wie der Minutenzeiger der Uhr, ist im Astralleib verankert.
[ 30 ] I have often compared the development of the life body or etheric body and the astral body to the hour and minute hands of a clock. I have pointed out that if you recall what you knew and experienced as an eight-year-old child, and compare it to what you now know and have experienced, you will perceive a great difference. You have learned an infinite amount and absorbed many ideas; much of what you did back then has passed before your soul in experiences of joy and sorrow—not merely passed before it, but passed right through it. But if you now compare this with your temperament, your character, and your enduring inclinations, you will come to realize that if you were a quick-tempered child at age eight, you will likely still be so at your present age. Most people retain throughout their entire lives what lies within them as the foundation of their being. It has often been emphasized here that esoteric training does not consist of theoretical learning, but rather in directing evolution toward the otherwise stationary structures of the etheric body. The student has accomplished more if he has transformed one of these qualities of his temperament or his fundamental disposition and thereby moved the hour hand of the clock forward a little faster than it would otherwise have done. Everything that develops so slowly—the enduring inclinations, the enduring traits of temperament, the enduring habits—is anchored in the etheric or life body. Everything that changes comparatively as quickly as the minute hand of a clock is anchored in the astral body.
[ 31 ] Wenn ihr das jetzt auf des Menschen Umgebung, auf unser Leben in der Außenwelt anwendet, dann werdet ihr sehen, daß ihr durch dasjenige, was eure Gewohnheiten, Temperamente, bleibenden Neigungen sind, mit eurem Zeitalter, eurem Volke, eurer Familie zusammenhängt. Gerade diejenigen Eigenschaften, welche der Mensch als bleibende, stationäre in sich hat, wird man nicht nur in ihm, sondern in allen finden, mit denen er in irgendeiner Weise zusammengehört, also in seiner Familie, seinem Volke und so weiter. Die einzelnen Angehörigen eines Volkes sind daran zu erkennen, daß sie gemeinsame Gewohnheiten und Temperamente haben. Dieser Grundstock von Neigungen und Gewohnheiten des Menschen, der geändert werden muß, wenn er eine höhere spirituelle Entwickelung durchmachen soll, ist dasjenige, was sein höheres Wesen ausmacht. Man sagt daher von einem solchen Menschen, daß er ein heimatloser Mensch sei, weil er den Ätherleib, durch den er sonst mit dem Volke verbunden ist, ändern muß.
[ 31 ] If you now apply this to a person’s environment, to our life in the outside world, you will see that you are connected to your era, your people, and your family through your habits, temperaments, and enduring inclinations. It is precisely those qualities that a person possesses as enduring and constant within himself that one will find not only in him but in all those with whom he is connected in any way—that is, in his family, his people, and so on. The individual members of a people can be recognized by the fact that they share common habits and temperaments. This foundation of human inclinations and habits—which must be transformed if a person is to undergo higher spiritual development—is what constitutes his higher being. Such a person is therefore said to be “homeless,” because he must transform the etheric body through which he is otherwise connected to his people.
[ 32 ] Wenn wir uns also das Zusammenleben mit den Gemeinschaften betrachten, in die wir hineingeboren sind, dann finden wir die Eigenschaften, durch die wir einer Familie, einem Volke angehören, durch die wir etwas Verwandtes mit den Angehörigen dieses Volkes fühlen, auch den Eigenschaften ähnlich, die in unserem Zeitalter leben. Denken Sie sich, wie wenig Sie sich würden verstehen können, wenn heute ein Angehöriger des alten griechischen Volkes vor Sie hintreten würde. Sein Ätherleib ist schon zu sehr verschieden von dem Ätherleibe des gegenwärtigen Menschen. Durch die gemeinschaftlichen Eigenschaften im Ätherleibe verstehen sich die Menschen. Dasjenige aber, wodurch sich die Menschen herausheben aus dem, was sie gemeinschaftlich haben, dasjenige, wodurch sie in der Familie, im Volke ein Besonderes sind, doch wieder ein Einzelwesen für sich, und nicht bloß Franzose, nicht bloß Deutscher, nicht bloß Familienangehöriger, sondern ein besonderes Glied des Volkes, der Familie und so weiter, das herauswachsen kann aus der Summe der Merkmale seines Geschlechts, das ist im Astralleib verankert, davon ist der Astralleib der Träger. Der Astralleib enthält also mehr das Individuelle, das Persönliche.
[ 32 ] So when we consider our coexistence with the communities into which we were born, we find that the qualities through which we belong to a family or a people—and through which we feel a kinship with the members of that people—are similar to the qualities that are alive in our own age. Just imagine how little you would be able to understand one another if a member of the ancient Greek people were to stand before you today. His etheric body is already too different from that of modern humans. It is through the shared characteristics in the etheric body that people understand one another. But that which sets people apart from what they have in common—that which makes them unique within the family or the nation— yet at the same time an individual in their own right—not merely a Frenchman, not merely a German, not merely a family member, but a unique member of the nation, the family, and so on—that which can emerge from the sum of the characteristics of their lineage is anchored in the astral body; the astral body is its bearer. The astral body thus contains more of the individual, the personal.
[ 33 ] Der Mensch kann also, wenn er durch seinen Äther- oder Lebensleib Fehler begeht, mehr ein Sünder werden im Kreise seiner Mitmenschen, mehr die sozialen Pflichten versäumen, die von Mensch zu Mensch spielen und das menschliche Gesellschaftsleben möglich machen. Diejenigen Sünden aber, die mehr individueller Natur sind, durch die der Mensch nur als besondere Persönlichkeit fehlt, das sind Verfehlungen, die durch die Eigenschaften des Astralleibes herbeigeführt werden.
[ 33 ] Thus, when a person commits errors through his etheric or life body, he is more likely to become a sinner in the eyes of his fellow human beings, more likely to neglect the social duties that bind people together and make human social life possible. However, those sins that are more individual in nature—through which a person fails only as a distinct personality—are transgressions brought about by the qualities of the astral body.
[ 34 ] In aller Geheimwissenschaft hat man von jeher dasjenige, was Fehler gegen die Gemeinschaft ist, was aus dem fehlerhaften Ätherleibe fließt, als «Schuld» bezeichnet. Das gewöhnliche, triviale Wort «Schulden» hat einen ganz ähnlichen Ursprung wie das moralische Wort «Schuld», das das bezeichnet, was man dem andern moralisch schuldig geworden ist. Die Schuld ist also etwas, was auf fehlerhafte Eigenschaften des Ätherleibes zurückzuführen ist. Das aber, was als fehlerhafte Eigenschaft dem Astralleib anhaftet, das nennt man «Versuchung». Versuchung ist dasjenige, wodurch der einzelne eine persönliche Sünde auf sich nimmt. Nun bleibt noch die Verfehlung des Ich, der eigentlichen Persönlichkeit. Diese Verfehlung des Ich, dasjenige, wodurch das Ich im besonderen fallen kann, ist angedeutet in der Paradiesesmythe: dazumal, als des Menschen Seele heruntergestiegen ist vom Schoße der Gottheit und zum ersten Male in den irdischen Leib eingezogen ist, also aufgenommen worden ist von dem irdischen Leib wie der Tropfen Wasser von dem Schwämmchen, ist seine höhere Seele zur Ichheit geworden.
[ 34 ] In all esoteric sciences, that which constitutes a fault against the community—that which flows from the flawed etheric body—has always been referred to as “guilt.” The common, trivial word “debt” has an origin quite similar to that of the moral term “guilt,” which refers to what one is morally indebted to another. Guilt is thus something that can be traced back to flawed qualities of the etheric body. But what adheres to the astral body as a flawed quality is called “temptation.” Temptation is that through which the individual takes on a personal sin. Now there remains the transgression of the “I,” the actual personality. This transgression of the “I”—that through which the “I” in particular can fall—is alluded to in the myth of Paradise: back when the human soul descended from the bosom of the Deity and entered the earthly body for the first time—that is, was absorbed by the earthly body like a drop of water by a sponge—its higher soul became the “I.”
[ 35 ] Diese höhere Seele, diese Ichheit kann innerhalb des Ich Fehler begehen. Der Mensch kann nicht nur durch fehlerhafte Eigenschaften des Äther- und Astralleibes fallen, sondern es gibt eine Grundmöglichkeit, zu sündigen, die herbeigeführt wird dadurch, daß der Mensch überhaupt zur Selbständigkeit gekommen ist. Der Mensch mußte ja, um allmählich in bewußter Weise zur Freiheit und Selbständigkeit aufzusteigen, durch Selbstsucht und Egoismus durchgehen. Er ist herabgestiegen als Seele, die ein Glied der Gottheit wat, die nicht in Egoismus verfallen kann. Niemals bildet sich ein Glied in einem Organismus ein, eine Selbständigkeit zu sein. Würde sich zum Beispiel ein Finger dies einbilden, er würde sich abreißen und verdorren. Diese Selbständigkeit, zu der der Mensch sich entwickeln muß und die erst ihre volle Bedeutung dann haben wird, wenn die Grundeigenschaft der Selbständigkeit die Selbstlosigkeit ist, würde niemals haben entstehen können, wenn sie nicht ausgegangen wäre von der Selbstsucht.
[ 35 ] This higher soul, this sense of self, can commit errors within the “I.” Human beings can fall not only because of flawed qualities of the etheric and astral bodies, but there is also a fundamental possibility of sinning that arises from the very fact that human beings have attained independence in the first place. After all, in order to gradually and consciously ascend to freedom and independence, human beings had to pass through selfishness and egotism. They descended as souls that were once a part of the Divinity, which cannot fall into egotism. No part of an organism ever imagines itself to be independent. If, for example, a finger were to imagine this, it would break off and wither away. This independence, toward which human beings must develop and which will only attain its full significance when the fundamental quality of independence is selflessness, could never have come into being if it had not originated in self-interest.
[ 36 ] Die Selbstsucht zog ein in den menschlichen Leib, und dadurch wurde der Mensch ein selbstsüchtiges, egoistisches Wesen. So sehen wir, wie das Ich allen Trieben und Neigungen des Leibes folgt. Der Mensch frißt seinen Nebenmenschen auf, er folgt allen möglichen Trieben und Begierden, er ist ganz verstrickt in das irdische Gefäß wie der Tropfen Wasser in das Schwämrmchen.
[ 36 ] Selfishness took root in the human body, and as a result, man became a selfish, egotistical being. Thus we see how the “I” follows all the drives and inclinations of the body. Man devours his fellow man; he follows all manner of drives and desires; he is completely entangled in the earthly vessel, just as a drop of water is in the little sponge.
[ 37 ] Dasjenige, was der Mensch dadurch, daß er ein solches Ich-Wesen, ein eigentlich selbständiges Wesen geworden ist, sündigen konnte, wird angedeutet in der Paradiesesmythe. Während er früher aus dem Allgemeinen geschöpft hat, wie der Tropfen, der noch im Wasser ist, der seine Kraft aus der gemeinschaftlichen Wassermasse herausschöpft, so hat er jetzt alle Antriebe in sich selber. Dies bezeichnet man durch das Hineinbeißen in den Apfel in der Paradiesesmythe; und nicht umsonst — denn alle wirklichen Wortbedeutungen, sofern sie der Geheimwissenschaft angehören, haben einen tiefen inneren Zusammenhang -, nicht umsonst heißt im Lateinischen Malum «das Übel» und «der Apfel». Das Wort «Übel» wird in der Geheimwissenschaft niemals für etwas anderes angewendet als für eine Verfehlung aus dem Ich heraus.
[ 37 ] The very fact that human beings, by becoming such “I”-beings—truly independent beings—were capable of sinning is hinted at in the myth of Paradise. Whereas he formerly drew from the universal, like a drop still in the water that draws its power from the collective mass of water, he now has all his impulses within himself. This is symbolized by the biting into the apple in the myth of Paradise; and not without reason—for all true meanings of words, insofar as they pertain to esoteric science, have a deep inner connection—not without reason does the Latin word *malum* mean both “evil” and “apple.” In esoteric science, the word “evil” is never used to refer to anything other than a transgression originating from the “I.”
[ 38 ] Übel ist also Verfehlung aus dem Ich heraus, Schuld ist die Verfehlung, die der Ätherleib im sozialen Leben begeht im Zusammenleben mit den Menschen. Versuchung ist dasjenige, was den Astralleib treffen kann, insofern er individuell, persönlich fehlerhaft ist. Die Verfehlung des Äther- oder Lebensleibes ist also Schuld; die Verfehlung des Astralleibes ist also Versuchung; die Verfehlung des Ich ist also Übel.
[ 38 ] Evil, then, is a transgression originating from the “I”; guilt is the transgression committed by the etheric body in social life as it interacts with other people. Temptation is that which can affect the astral body insofar as it is individually and personally flawed. The transgression of the etheric or life body is therefore guilt; the transgression of the astral body is therefore temptation; the transgression of the “I” is therefore evil.
[ 39 ] Wenn wir das Verhältnis der vier niederen Glieder der menschlichen Natur zur Umwelt, zum planetarischen Umleib betrachten, so sehen wir, daß der physische Leib fortwährend physischen Stoff als Nahrungsstoff aufnimmt und dadurch seine Existenz aufrechterhält. Wir sehen, daß das Leben des Lebens- oder Ätherleibes in der Endlichkeit dadurch zustande kommt, daß der Mensch mit seinen Mitmenschen, in deren Gemeinschaft er hineingewachsen ist, diese Gemeinschaft aufrechterhält. Wir sehen, daß der Astralleib sich dadurch aufrechterhält, daß er der Versuchung nicht unterliegt. Und wir sehen endlich, daß das Ich sich dadurch aufrechterhält und seine Entwickelung durchmacht in der richtigen Weise, wenn es dem nicht unterliegt, was man das Übel nennt.
[ 39 ] When we consider the relationship of the four lower members of human nature to the environment—to the planetary body—we see that the physical body continually takes in physical matter as nourishment and thereby sustains its existence. We see that the life of the life body—or etheric body—in the finite world comes about through the fact that the human being, having grown up within a community of fellow human beings, sustains that community. We see that the astral body sustains itself by not succumbing to temptation. And finally, we see that the “I” sustains itself and undergoes its development in the proper way when it does not succumb to what is called evil.
[ 40 ] Jetzt denken Sie sich einmal diese ganze Menschennatur, die niedere Vierheit und die höhere Dreiheit, vor Ihre Seele gerückt, so daß Sie sich sagen können: In dem einzelnen Menschen lebt ein göttlicher Tropfen, und der Mensch ist in seiner Entwickelung zu dem Göttlichen hin, zur Ausprägung seiner tiefsten innersten Natur. — Hat er einmal diese tiefste innerste Natur ausgeprägt, dann hat er durch allmähliche Entwickelung sein eigenes Wesen in dasjenige verwandelt, was im Christentum der «Vater» genannt wird. Was verborgen in der menschlichen Seele ruht, was als das große Ziel der Menschheit vorschwebt, das ist der «Vater im Himmel». Will der Mensch sich zu dem hin entwickeln, dann muß er die Kraft haben, seine höhere Dreiheit und seine niedere Vierheit zu dem Punkte zu entwickeln, daß sie in richtiger Weise den physischen Leib erhalten: Der Äther- oder Lebensleib muß mit den Menschen so leben, daß ein Ausgleich stattfindet mit dem, was als Schuld in ihm lebt, der Astralleib darf nicht in der Versuchung untergehen und der Ich-Leib nicht im Übel. Hinaufstreben muß der Mensch durch die drei höheren Glieder zu dem Vater im Himmel, durch den Namen, durch das Reich und durch den Willen. Der Name muß als ein solcher empfunden werden, daß er geheiligt werde. — Siehe die Dinge um dich herum an, sie sind in ihrer Mannigfaltigkeit ein Ausdruck der Gottheit! Sagst du ihren Namen, so faßt du sie als Glieder in der göttlichen Weltordnung. Was du auch in deiner Umgebung haben magst, gelte als heilig; und in dem Namen, den du ihm gibst, sieh etwas, das es zu einem Glied der göttlichen Wesenheit macht. Heilig halte es, wachse hinein in das Reich, das ein Ausfluß der Gottheit ist, und entwickle dich hinauf zu jenem Willen, der ein Atma, aber zu gleicher Zeit ein Glied der Gottheit sein wird.
[ 40 ] Now imagine all of human nature—the lower fourfold nature and the higher threefold nature—brought before your soul, so that you can say to yourself: Within each individual human being lives a divine spark, and the human being is, in his or her development, moving toward the divine, toward the full expression of his or her deepest, innermost nature. — Once he has brought this deepest, innermost nature to full expression, then, through gradual development, he has transformed his own being into that which in Christianity is called the “Father.” What lies hidden within the human soul, what stands before us as the great goal of humanity—that is the “Father in Heaven.” If a human being wishes to develop toward this, then he must have the strength to develop his higher Trinity and his lower Quaternity to the point where they properly sustain the physical body: The etheric or life body must live in such harmony with the human being that a balance is achieved with what lives within him as guilt; the astral body must not succumb to temptation, nor the ego body to evil. Human beings must strive upward through the three higher members toward the Father in heaven—through the Name, through the Kingdom, and through the Will. The Name must be perceived as such that it may be hallowed. — Look at the things around you; in their diversity, they are an expression of the Divinity! When you speak their name, you grasp them as members of the divine world order. Whatever you may have in your surroundings, regard it as holy; and in the name you give it, see something that makes it a member of the divine Being. Hold it sacred, grow into the realm that is an emanation of the Divine, and evolve toward that Will, which will be an Atma, yet at the same time a part of the Divine.
[ 41 ] Nun denken Sie sich einen Menschen, der in der Meditation sich ganz versenkt in diesen Sinn der Entwickelung, und diesen Sinn, diese sieben Glieder der Entwickelung in sieben Bitten in einem Gebet . zusammenfassen soll. Wie wird er da sagen?
[ 41 ] Now imagine a person who, in meditation, is completely absorbed in this concept of development and is to summarize this concept—these seven stages of development—into seven petitions in a prayer. What will he say?
[ 42 ] Um auszudrücken, was durch dieses Gebet erreicht werden soll, wird er, bevor er die sieben Bitten ausspricht, sagen: «Vater unser, der du bist in dem Himmel.» Damit wird auf den tiefsten Seelengrund der menschlichen Natur hingedeutet, auf das innerste Wesen des Menschen, das dem geistigen Reiche gemäß der christlichen Esoterik angehört. Die drei ersten Bitten beziehen sich auf die drei höheren Glieder der Menschennatur, auf den göttlichen Inhalt des Menschen: «Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme zu uns. Dein Wille geschehe—.»
[ 42 ] To express what this prayer is intended to achieve, before reciting the seven petitions, he will say: “Our Father, who art in heaven.” This points to the deepest core of human nature, to the innermost being of the human being, which, according to Christian esotericism, belongs to the spiritual realm. The first three petitions refer to the three higher aspects of human nature, to the divine essence of the human being: “Hallowed be Thy name. Thy kingdom come. Thy will be done—.”
[ 43 ] Nun gehen wir über von dem geistigen Reiche zu dem irdischen Reich: «Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden.» Die vier letzten Bitten beziehen sich auf die vier niederen Glieder der Menschennatur.
[ 43 ] Now let us turn from the spiritual realm to the earthly realm: “Thy will be done on earth as it is in heaven.” The last four petitions refer to the four lower aspects of human nature.
[ 44 ] Was werden wir von dem physischen Leibe sagen, damit er unterhalten wird im planetarischen Leben? «Gib uns heute unser täglich Brot.»
[ 44 ] What shall we say about the physical body so that it may be sustained in planetary life? “Give us this day our daily bread.”
[ 45 ] Was werden wir sagen von dem Äther- oder Lebensleib? «Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.» Der Ausgleich dessen, was durch die Verfehlungen des Äther- oder Lebensleibes geschieht.
[ 45 ] What shall we say about the etheric or life body? “Forgive us our debts, as we also forgive our debtors.” The balancing of what occurs as a result of the transgressions of the etheric or life body.
[ 46 ] Was werden wir sagen in bezug auf den Astralleib? «Führe uns nicht in Versuchung.»
[ 46 ] What shall we say regarding the astral body? “Lead us not into temptation.”
[ 47 ] Und was werden wir sagen in bezug auf das Ich? «Erlöse uns von dem Übel.»
[ 47 ] And what shall we say regarding the self? “Deliver us from evil.”
[ 48 ] So sehen Sie in den sieben Bitten des Vaterunsers nichts anderes als den Ausdruck dafür, daß die menschliche Seele, wenn sie sich in der richtigen Weise dazu erhebt, von dem göttlichen Willen die einzelnen Teile des Menschen in eine solche Entwickelung zu bringen erfleht, daß der Mensch seinen richtigen Lebensweg durch das Universum findet, daß er alle Teile seiner Natur in der richtigen Weise entwickelt. Das Vaterunser ist also ein Gebet, durch das sich der Mensch in den Momenten, wo er es braucht, erheben soll zu dem Sinn der Entwickelung seiner siebengliedrigen Menschennatur, und die sieben Bitten sind dann, wenn sie auch im naivsten Menschen auftreten, der sie gar nicht verstehen kann, Ausdruck der geisteswissenschaftlichen Anschauung der Menschennatur.
[ 48 ] Thus, in the seven petitions of the Lord’s Prayer, you see nothing other than the expression of the fact that the human soul, when it elevates itself in the proper way, implores the divine will to guide the individual parts of the human being toward such a development that the person may find his or her proper path through the universe and develop all parts of his or her nature in the proper way. The Lord’s Prayer is thus a prayer through which a person, in moments of need, is to rise to an understanding of the purpose of the development of their sevenfold human nature; and the seven petitions, even when they arise in the most naive person—who cannot understand them at all—are an expression of the spiritual-scientific view of human nature.
[ 49 ] Alles, was an Meditationsformeln jemals in großen Religionsgesellschaften existiert hat, ist aus der Geheimwissenschaft entsprungen. Sie können alle wirklichen Gebete hernehmen und Wort für Wort zergliedern, niemals werden Sie finden, daß es nur beliebig aneinandergereihte Worte sind. Nicht daß man einem dunklen Triebe gefolgt ist und schöne Worte aneinandergereiht hat, nein, die großen Weisen haben aus den Weisheitslehren, die man heute Geisteswissenschaft nennt, die Gebetsformeln gewonnen. Keine wirkliche Gebetsformel gibt es, die nicht aus dem großen Wissen herausgeboren ist, und der große Eingeweihte, der Stifter des Christentums, Christus Jesus, hat in dem Augenblicke, wo er das Gebet gelehrt hat, die sieben Glieder der menschlichen Natur im Auge gehabt, hat in seinem Gebete dieser siebengliedrigen Natur des Menschen Ausdruck gegeben.
[ 49 ] Every form of meditation that has ever existed in major religious communities has sprung from the secret science. You can take any genuine prayer and analyze it word for word; you will never find that it consists merely of words strung together at random. It is not that one has followed some obscure impulse and strung together beautiful words; no, the great sages derived their prayer formulas from the teachings of wisdom that are today called spiritual science. There is no true prayer formula that has not been born of this great knowledge, and the great Initiate, the founder of Christianity, Christ Jesus, had the seven members of human nature in mind at the very moment he taught prayer; in his prayer, he gave expression to this sevenfold nature of man.
[ 50 ] So sind die Gebete alle geordnet. Wären sie nicht so geordnet, so hätten sie keine Kraft, durch Jahrtausende hindurch zu wirken. Nur das nach dieser Richtung Geordnete hat auch im naiven Menschen die Kraft, zu wirken in dem Menschen, der gar nicht einmal den Sinn der Worte versteht.
[ 50 ] This is how all the prayers are arranged. If they were not arranged in this way, they would lack the power to be effective over the course of millennia. Only what is arranged in this manner has the power to affect even the most unsophisticated person—someone who does not even understand the meaning of the words.
[ 51 ] Ein Vergleich dessen, was in der Seele des Menschen lebt, mit dem, was in der Natur sich abspielt, wird dies klarer machen. Betrachtet eine Pflanze: sie entzückt euch und ihr braucht nichts zu wissen von den großen, universellen Gesetzen, die sie hervorgebracht haben. Die Pflanze ist da, und ihr könnt euch an ihr erheben. Sie könnte nicht geschaffen sein, wenn nicht die urewigen Gesetze in sie ausgeflossen wären. Das naive Gemüt braucht diese Gesetze nicht zu verstehen. Soll aber die Pflanze geschaffen sein, so muß sie aus den Gesetzen hervorgehen. Soll das Gebet ein wirksames Gebet sein, dann darf es nicht beliebig erfunden, sondern muß aus den urewigen Gesetzen der Weisheit hervorgegangen sein, wie die Pflanze aus den urewigen Gesetzen der Weisheit hervorgegangen ist. Kein Gebet hat wirkliche Bedeutung für Verständige und Unverständige, wenn es nicht aus der Urweisheit hervorgegangen ist.
[ 51 ] A comparison of what lives in the human soul with what takes place in nature will make this clearer. Consider a plant: it delights you, and you need know nothing of the great, universal laws that brought it into being. The plant is there, and you can be uplifted by it. It could not have been created unless the eternal laws had flowed into it. The simple mind need not understand these laws. But if the plant is to be created, it must arise from these laws. If prayer is to be an effective prayer, it must not be arbitrarily invented but must have emerged from the eternal laws of wisdom, just as the plant has emerged from the eternal laws of wisdom. No prayer has any real meaning for the wise or the unwise unless it has emerged from primordial wisdom.
[ 52 ] Heute ist das Zeitalter für die Menschen, die so lange die Pflanze betrachtet und sich an ihr erbaut haben, wo sie hingeführt werden können zu dem weisheitsvollen Inhalt der Gesetze. Durch zwei Jahrtausende hindurch haben die Christen so gebetet, wie der naive Mensch eine Pflanze anschaut. In Zukunft wird er die Kraft des Gebetes erkennen aus der tiefen Urweisheit heraus, aus welcher das Gebet geflossen ist. Alle Gebete, insbesondere das Zentral-, das Mittelpunktsgebet des christlichen Lebens, das Vaterunser, sind ein Ausdruck dieser Urweisheit. Und wie sich das Licht in sieben Farben, der Grundton in sieben Tönen in der Welt zum Ausdruck bringen, so bringt sich das siebenartig sich zu seinem Gotte erhebende Menschenleben in den sieben verschiedenen Erhebungsgefühlen, die sich auf die siebengliedrige Natur des Menschen beziehen, in den sieben Bitten des Vaterunser zum Ausdruck.
[ 52 ] Today is the age for people who have long contemplated the plant and drawn inspiration from it, an age in which they can be led to the wisdom contained in the laws. For two millennia, Christians have prayed in the same way that a naive person gazes at a plant. In the future, they will recognize the power of prayer stemming from the deep primordial wisdom from which prayer has flowed. All prayers—especially the central, focal prayer of Christian life, the Lord’s Prayer—are an expression of this primordial wisdom. And just as light manifests itself in the world through seven colors and the fundamental tone through seven notes, so too does human life—rising toward its God in sevenfold ways—express itself in the seven distinct feelings of elevation that relate to the sevenfold nature of the human being, in the seven petitions of the Lord’s Prayer.
[ 53 ] So ist das Vaterunser, vor der Seele des Anthroposophen stehend, der Ausdruck des siebengliedrigen Menschen.
[ 53 ] Thus, the Lord's Prayer, as it stands before the soul of the anthroposophist, is the expression of the sevenfold human being.
