Nature and Spirit Beings
Their Influence on Our Visible World
GA 98
7 November 1907, Vienna
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Nature and Spirit Beings, tr. SOL
2. Esoterische Entwickelung und übersinnliche Erkenntnis
2. Esoteric Development and Super-sensory Knowledge
[ 1 ] Ich möchte heute zu Ihnen sprechen über eine Erweiterung des Themas von vorgestern, über innere oder esoterische Entwickelung und übersinnliche Erkenntnis. Dabei wird es notwendig sein, daß wir durchaus dasjenige, was wir vorgestern betrachtet haben, voraussetzen und sozusagen aufbauen auf dem, was dazumal durch unsere Seele gezogen ist. Sie haben gesehen aus dem, was wir da besprochen haben, daß es sich bei der Entwickelung des Menschen nicht um etwas handelt, was man irgendwie, sagen wir, scherzweise auffassen darf; nicht um irgend etwas handelt es sich, was man leicht nehmen darf. Auf der anderen Seite aber muß immer und immer wieder betont werden, daß man auch nicht in der gewöhnlichen trivialen Weise sprechen darf von den Gefahren der okkulten Entwickelung. Die Gefahren sind groß, aber so wie gewöhnlich gesprochen wird von diesen Gefahren, ist es nicht richtig, und da wird uns vielerlei klarwerden müssen. Machen wir uns zunächst einmal für uns selbst eine genauere Vorstellung davon, was mit demjenigen geschieht, der durch irgendwelche Übungen sich entwickelt hat, sagen wir durch Übungen, die sich in der Linie bewegen, wie im letzten Vortrag angedeutet wurde, und vergleichen wir ihn mit einem Menschen, der nicht in einer solchen Schulung sich befindet und so lebt wie jeder im Alltag. Wir kommen da zu bewußtem Verständnis, wenn wir ausgehen zum Beispiel von dem, was wir wissen über den gewöhnlichen Schlafzustand.
[ 1 ] Today I would like to speak to you about an extension of the topic we discussed the day before yesterday: inner or esoteric development and supersensory knowledge. In doing so, it will be necessary for us to take what we considered the day before yesterday as a given and, so to speak, build upon what touched our souls at that time. You have seen from what we discussed there that human development is not something to be taken, shall we say, lightly or in jest; it is not something to be taken lightly at all. On the other hand, however, it must be emphasized again and again that one must not speak in the usual, trivial way about the dangers of occult development. The dangers are great, but the way these dangers are usually discussed is not correct, and there are many things that will have to become clear to us. Let us first form a clearer mental image for ourselves of what happens to someone who has developed through certain exercises—let us say, exercises along the lines indicated in the last lecture—and let us compare them with a person who is not undergoing such training and lives like anyone else in everyday life. We arrive at a conscious understanding of this when we start, for example, from what we know about the ordinary state of sleep.
[ 2 ] Aus dem früheren Vortrage haben Sie entnommen, was der Astralleib des Menschen im gewöhnlichen Schlafzustande während der Nacht eigentlich tut. Wenn der Mensch schläft, so liegen im Bette der physische Leib und der Ätherleib; aus diesen ist der sogenannte astralische Leib mit dem Ich heraus; er hat sich herausgehoben, hat sie verlassen. Und wenn dieser astralische Leib nicht im Innern des physischen Leibes ist, nicht durch seine Werkzeuge, die Sinnesorgane, die äußere Welt beobachtet und betrachtet, wenn er nicht durch die Bewegungen und die Arbeit des physischen Leibes beschäftigt ist, dann kann der astralische Leib eine ganz andere Aufgabe übernehmen. Er schafft beiden die Ermüdung fort. Die Fortschaffung dieser Ermüdung, das ist seine Aufgabe, und der Seher kann sehen, wie dieser astralische Leib die ganze Nacht über an dem physischen und Ätherleib arbeitet von außen, um sie wieder instandzusetzen, so daß der Mensch morgens die Aufbesserung seiner Kräfte als Erquickung fühlt. Deshalb ist der Schlaf ein so guter Arzt und verliert der Mensch so viel, der nicht einen gesunden und ausreichenden Schlaf hat. Vieles, viele Dinge, die sich wie Krankheiten ausnehmen, sind ja nur Störungen im physischen und im Ätherleibe. Diese Störungen bleiben dann, wenn der astralische Leib nicht imstande ist, sie wegzuschaffen. Er ist aber imstande, diese Störungen fortzuschaffen, wenn er nicht im Leibe ist wie im wachen Zustande, sondern wenn er außerhalb des Leibes ist.
[ 2 ] From the previous lecture, you have learned what the human astral body actually does during the ordinary state of sleep at night. When a person sleeps, the physical body and the etheric body lie in bed; the so-called astral body, together with the “I,” has emerged from them; it has lifted itself out and left them. And when this astral body is not inside the physical body, when it is not observing and perceiving the external world through the physical body’s instruments—the sense organs—and when it is not occupied by the movements and work of the physical body, then the astral body can take on an entirely different task. It relieves both bodies of their fatigue. The removal of this fatigue is its task, and the seer can observe how this astral body works on the physical and etheric bodies from the outside throughout the night to restore them, so that in the morning the person feels the renewal of their strength as a refreshment. That is why sleep is such a good healer, and why a person who does not have healthy and sufficient sleep loses so much. Many things that appear to be illnesses are, in fact, merely disturbances in the physical and etheric bodies. These disturbances persist when the astral body is unable to eliminate them. However, it is capable of eliminating these disturbances not when it is within the body—as in the waking state—but when it is outside the body.
[ 3 ] Woher nun holt sich der astralische Leib jene Kräfte und Fähigkeiten, durch die er den physischen Leib sozusagen ausbessert? Schon im letzten öffentlichen Vortrag habe ich diesen Austritt des astralischen Leibes aus dem physischen und dem Ätherleib verglichen mit einer Wassermasse, die in einem Glase ist. Wenn Sie in diesem Glas tausend Wassertropfen haben und diese Tropfen alle eine Masse bilden, so ist das etwas anderes, als wenn Sie tausend Schwämmchen nehmen und jeden Wassertropfen einzeln aufsaugen; dann haben Sie diese Tropfen individualisiert, getrennt. So ist es mit dem astralischen Leib in der Nacht. Wenn Sie jetzt hier alle einschlafen, so würde das gleiche geschehen, wie wenn Sie die Schwämmchen ausdrücken und eine Wassermasse machen. Ihr astralischer Leib würde heraustreten und würde sich verbinden mit den anderen. Aber dadurch, daß sie sich verbinden, kommen die Menschen in Verbindung mit jenen harmonischen großen Geschehnissen, welche im Weltall sind. Unsere Seelen kehren in der Nacht zurück zur Harmonie der Sphären und aus diesen holt sich der astralische Leib mit dem Ich - und das ist die Seele - die Kraft, die zur Ausbesserung des physischen Leibes nötig ist.
[ 3 ] Where, then, does the astral body obtain those powers and abilities through which it, so to speak, repairs the physical body? Already in my last public lecture, I compared this departure of the astral body from the physical and etheric bodies to a mass of water in a glass. If you have a thousand drops of water in this glass and these drops all form a single mass, that is different from taking a thousand little sponges and having each one absorb a drop of water individually; in that case, you have individualized and separated those drops. So it is with the astral body at night. If all of you here were to fall asleep now, the same thing would happen as if you were to squeeze out the sponges and form a mass of water. Your astral body would step out and unite with the others. But by uniting, human beings come into contact with those great, harmonious events that take place in the universe. At night, our souls return to the harmony of the spheres, and from these the astral body—together with the “I” (which is the soul)—draws the power necessary to restore the physical body.
[ 4 ] Was geschieht nun mit einem Menschen, der einen okkulten Lehrer erhält und eine okkulte Schulung durchmacht? Er bekommt gewisse Aufgaben. Über diese kann man nur annähernd sprechen. Er bekommt Aufgaben zum Meditieren, zum Konzentrieren und so weiter. Was hat die Aufgabe, die der Lehrer dem Schüler gibt, für einen Zweck? - Sie hat den Zweck, allmählich den astralischen Leib, wenn er in der Nacht außerhalb des physischen Leibes ist, sehend zu machen. Beim gewöhnlichen Menschen ist der astralische Leib, wenn er außerhalb ist, unbewußt in der astralischen Welt, so wie Sie unbewußt in der physischen Welt wären, wenn Sie keine Sinne hätten. Haben Sie keine Sinne, dann ist die Welt für Sie nicht da. In dem Augenblick, wo dem Menschen die Anweisungen gegeben werden, die in seiner Seele schlummernden Kräfte zu erwekken, bekommt sein astralischer Leib geistige oder seelische Sinnesorgane, jene Organe, die man Lotusblumen nennt. — Das sind keine Blumen, ebensowenig wie die Lungenflügel Flügel sind; jeder weiß, daß der Habicht Flügel hat, die anders aussehen als die Lungenflügel. - Lotusblumen sind Organe, die eine Art kreisender Bewegung haben. Ein solches Organ ist unter der Stirn, einen Zentimeter unter dem Zusammenstoß der Augenbrauen, im Gehirn. Wenn an diesen Punkt intensiv gedacht wird mit gleichzeitigem Aussprechen eines bestimmten Wortes, findet eine Art Aufblitzen statt, ein Lichtwerden, und dies ist für den Seher von außen sichtbar. Das Sinnesorgan gerät in eine Art kreisender Bewegung. Man sagt, das Rad drehe sich, es wird lebendig. Beim gewöhnlichen Durchschnittsmenschen ist an dieser Stelle ein solches Organ nicht vorhanden oder höchstens in Andeutung; durch die Schulung entsteht dieses Aufblitzen, wenn der astralische Leib aus dem physischen Leib heraus ist. Es macht den Eindruck, wie wenn ein Rad sich dreht, was man als Seher von außen beobachten kann. Dieses Rad heißt Swastika. - Man kann dieses Zeichen, wie überhaupt echte Symbole, nicht spekulativ erklären. Sie sind nicht beliebig erfunden, sondern man sieht sie tatsächlich auf dem geistigen oder astralen Plan. Die Swastika ist ein Abbild dieses Sinnesorgans, und alle mehr oder weniger geistreichen Erklärungen in den theosophischen Schriften sind Unsinn. Man soll nicht allegorisch oder symbolisch in der Theosophie erklären. Das wäre das, was man sich zunächst abgewöhnen soll: alle Spekulation. Alles Herumdenken, wie die Sachen sein können, muß man sich abgewöhnen; es kommt allein nur darauf an, in die Tatsachenwelt selbst einzudringen. In der Nähe des Kehlkopfes ist die sechzehnblättrige Lotusblume, ein Organ, an dem sehr, sehr viel hängt in der menschlichen Entwickelung. In der Nähe des Herzens ist die zwölfblättrige, weiter unten die zehnblättrige und so weiter.
[ 4 ] What happens to a person who is assigned an occult teacher and undergoes occult training? He is given certain tasks. One can only speak of these in general terms. He is given tasks involving meditation, concentration, and so on. What is the purpose of the tasks the teacher assigns to the student? - Its purpose is to gradually make the astral body perceptive when it is outside the physical body at night. In the case of the ordinary person, when the astral body is outside the physical body, it is unconscious in the astral world, just as you would be unconscious in the physical world if you had no senses. If you have no senses, then the world does not exist for you. The moment a person is given instructions to awaken the powers slumbering within their soul, their astral body acquires spiritual or soul-level sense organs—those organs known as lotus flowers. — These are not flowers, any more than the lungs are wings; everyone knows that a hawk has wings that look different from the lungs. - Lotus flowers are organs that perform a kind of circular motion. One such organ is located beneath the forehead, one centimeter below the meeting point of the eyebrows, within the brain. When one concentrates intensely on this point while simultaneously uttering a specific word, a kind of flash occurs—a brightening—and this is visible to an outside observer. The sensory organ enters into a kind of circular motion. It is said that the wheel turns; it comes to life. In the ordinary, average person, such an organ is not present at this location, or at most is only hinted at; through training, this flash occurs when the astral body is outside the physical body. It gives the impression of a wheel turning, which a seer can observe from the outside. This wheel is called the swastika. - Like all genuine symbols, this sign cannot be explained speculatively. They are not arbitrarily invented, but are actually seen on the mental or astral plane. The swastika is a representation of this sense organ, and all the more or less ingenious explanations in theosophical writings are nonsense. One should not explain things allegorically or symbolically in theosophy. That is precisely what one must first learn to avoid: all speculation. One must break the habit of endlessly speculating about how things might be; the only thing that matters is penetrating the world of facts itself. Near the larynx is the sixteen-petaled lotus flower, an organ on which a great deal depends in human evolution. Near the heart is the twelve-petaled one, further down the ten-petaled one, and so on.
[ 5 ] Diese Organe entwickeln sich durch die Übungen, die der Lehrer dem Schüler gibt, so wie auch die Sinne des physischen Leibes durch Übung entwickelt werden, zum Beispiel durch die Einwirkung von Licht und Ton. Betrachten Sie geradezu das eine als einen physischen, das andere als einen geistigen Vorgang von ganz derselben Dauer. Sie dürfen nicht glauben, daß irgendwelche tumultuarischen Vorgänge, Zauberei und dergleichen den Menschen dazu führen können, diese Sinnesorgane zu entwickeln. Es sind lediglich intime Vorgänge, ein Lernen innerhalb der Gedanken, welche die Kraft in sich haben, solche Organe zu entwickeln. Dabei kommt es immer und immer wieder darauf an, daß der Mensch lernt, welche Gedanken das sind, und daß der Mensch an ein bestimmtes Organ des Leibes denkt, zum Beispiel an einen Punkt im Gehirn, der einen Zentimeter tiefer liegt als die Mitte zwischen den Augenbrauen. Wenn nun der Mensch an diesen Punkt denkt, mit einer ganz bestimmten Wortzusammensetzung, erweckt er im Innern seines astralischen Leibes gewisse Fähigkeiten. Es ist alles systematisch und, man möchte sagen, technisch bestimmt.
[ 5 ] These faculties develop through the exercises the teacher gives the student, just as the senses of the physical body are developed through practice—for example, through exposure to light and sound. Consider one of these as a physical process and the other as a spiritual process of exactly the same duration. You must not believe that any tumultuous processes, magic, or the like can lead a person to develop these sense organs. These are merely inner processes—a learning that takes place within the thoughts—which possess the power to develop such organs. In this process, it is always and repeatedly essential that the person learn which thoughts these are and that the person think of a specific organ of the body, for example, a point in the brain that lies one centimeter below the midpoint between the eyebrows. When a person thinks of this point, using a very specific combination of words, they awaken certain abilities within their astral body. It is all systematic and, one might say, technically determined.
[ 6 ] Das findet mancher äußerst wenig für sich entsprechend. Man hört immer und immer wieder Phrasen, die für den wahren Okkultisten ein Unding sind: Ich brauche keinen Lehrer, ich muß selbst im Innern meinen Lehrer finden. - In solchen Reden steckt vorerst der denkbar größte Egoismus; dann ist es auch ein Unsinn. Wenn jemand die Geometrie von diesem Gesichtspunkte aus betrachten würde, was käme da heraus? Jeder kann durch innere Entwickelung alle Bestimmungen der Geometrie finden: er wird viele tausend Jahre dazu brauchen, aber finden kann er sie. Ist aber wirklich Veranlassung dazu da, die Geometrie nochmals zu entdecken? Soll man nicht an das anknüpfen, was die Menschheit in jahrhundertelanger Arbeit gefunden hat, und weiterbauen und Nutzen stiften für die Menschheit, die uns so viel des Wissens gegeben hat? Darauf hat die Menschheit ein Anrecht. Was können wir der Menschheit in hingebungsvoller Liebe an die Lehrer der früheren Menschen ersparen! Genau so suchen wir auch hinsichtlich der inneren Entwickelung nicht für uns selbst, sondern als Arbeiter im großen Menschheitsdienste. Es waren immer Menschen da, die vorausgeeilt waren; von denen haben wir zu lernen, und wenn wir uns fürchten vor dem Beugen unter die Autorität, so ist das ein liebloser Unsinn. Arbeiten im Sinne der Lehrer der Menschheit, aufsuchen diejenigen, welche uns führen können, das ist es, was dem okkulten Lehrer wie Schüler zunächst und unbedingt notwendig ist. Diese Dinge, welche die Lehrer uns sagen, und welche durch Jahrhunderte geprüft und gekannt sind, locken aus dem astralischen Körper die Sinne heraus.
[ 6 ] Some people find this extremely unsuitable for themselves. Time and again, one hears phrases that are utter nonsense to the true occultist: “I don’t need a teacher; I must find my teacher within myself.” - Such statements reveal, first and foremost, the greatest possible selfishness; they are also nonsense. If someone were to view geometry from this perspective, what would come of it? Anyone can discover all the principles of geometry through inner development: it will take many thousands of years, but they can discover them. But is there really any reason to “rediscover” geometry? Should we not build upon what humanity has discovered through centuries of work, and continue to build upon it, bringing benefit to the humanity that has given us so much knowledge? Humanity has a right to this. What hardships might we spare humanity through our devoted love for the teachers of past generations! In the same way, when it comes to inner development, we do not seek it for ourselves, but as workers in the great service of humanity. There have always been people who have gone before us; we have much to learn from them, and if we fear submitting to authority, that is heartless nonsense. Working in the spirit of humanity’s teachers, seeking out those who can guide us—that is what is first and foremost absolutely necessary for both the occult teacher and the student. These things, which the teachers tell us and which have been tested and known for centuries, draw the senses out of the astral body.
[ 7 ] Wenn irgend jemand okkulte Lehren gibt - ein wirklicher Lehrer wird das nicht machen -, dann kommt es leicht vor, daß er dem Schüler Anweisungen gibt, wie er in der astralischen Welt Wahrnehmungen haben kann. Da kann man wahrnehmen, daß der Schüler anfängt, an seinem astralischen Leibe zu arbeiten, die Sinnesorgane herauszulocken, aber daß er dadurch viel schlechtere Gewohnheiten und Temperamentseigenschaften an den Tag legt als bevor er okkulter Schüler geworden war. Man hat sich darüber gewundert, daß in den ersten Zeiten der Theosophie viele unbegreifliche Fehltritte gemacht haben in bezug auf ihren Charakter. Schon durch die geringe Entwickelung des astralischen Leibes, welche die theosophische Lehre als Elementarlehre bewirkt hat, als sie angefangen hat bekanntzuwerden, traten ganz merkwürdige Erscheinungen auf. Zum Beispiel ein Schüler, der Kassier war, ist mit dem Gelde durchgegangen, ein anderer wieder hat noch ganz andere Sachen gemacht; auch Leute, die früher friedfertig waren, wurden streitsüchtig. Das hängt damit zusammen, daß mit dem bißchen okkulter Entwickelung, das aus den theosophischen Begriffen fließt, die schlimmen Seiten des Charakters hervorgedrängt werden, wenn sonst nichts geschieht. Doch soll niemand Furcht haben deshalb. Solchen Dingen soll eben nur Aufmerksamkeit zugewendet werden, sie sollen ernstgenommen werden. Wir wollen eben trachten, durch unsere Charakterstärke nicht in solche Verlokkungen zu verfallen. Anders ist es aber, wenn eine wirkliche systematische okkulte Schulung an den Schüler herantritt. Da ist das Arbeiten an dem astralischen Leibe ein viel ausgiebigeres, und dann ist es durchaus notwendig, daß dem physischen und dem Ätherleibe Ersatz geboten werde.
[ 7 ] If anyone teaches occult doctrines—a true teacher would not do this—it is easy for them to give the student instructions on how to have perceptions in the astral world. One can observe that the student begins to work on his astral body, bringing out the sense organs, but that as a result he exhibits much worse habits and temperamental traits than before he became an occult student. People have wondered why, in the early days of Theosophy, many made incomprehensible missteps regarding their character. Even the slight development of the astral body—brought about by theosophical teachings as “elementary science” when they first began to gain recognition—gave rise to quite peculiar phenomena. For example, one student who served as treasurer embezzled the funds, while another engaged in entirely different misdeeds; even people who had previously been peaceable became quarrelsome. This is connected to the fact that, with the little occult development that flows from theosophical concepts, the negative aspects of one’s character are brought to the fore if nothing else happens. Yet no one should be afraid because of this. Such things simply require attention; they should be taken seriously. We must simply strive, through the strength of our character, not to succumb to such temptations. The situation is different, however, when a student undergoes genuine, systematic occult training. In that case, the work on the astral body is much more extensive, and it is then absolutely necessary to provide compensation for the physical and etheric bodies.
[ 8 ] Wie ersetzt man das, was dem physischen und dem Ätherleibe entzogen wird? Dazu ist es notwendig, daß ganz bestimmte Eigenschaften im Menschen ausgebildet werden. Es ist möglich, in der menschlichen Natur und Wesenheit Eigenschaften auszubilden, durch die es der physische Leib und der Ätherleib nicht notwendig haben, in so ausgiebiger Weise ausgebessert zu werden. Denken Sie sich, Sie machen während des "Tages etwas zur Verstärkung des physischen und des Ätherleibes, zur Ausbesserung, so daß sie durch ihren eigenen Sinn und Rhythmus im Einklang mit dem großen Weltall schwingen, dann sind Sie erst imstande, die Kräfte für den astralischen Leib selbst zu verwenden. Und das muß man tun; man braucht es nicht gleich zu tun, aber es kommt die Stunde, wo es geschehen muß. Wenn der Lehrer sagt: Du mußt das Denken konzentrieren —, dann ist nicht bloß das gewöhnliche Denken gemeint. Wenn es heißt: Du mußt dich hinsetzen, einen gewöhnlichen Gedanken nehmen und keinen anderen Gedanken zulassen, ihn mit Abweisung aller anderen Gedanken möglichst intensiv denken -, so muß der Mensch eine gewisse innere Überwindung aufwenden; auf diese Überwindung kommt es an. Nicht der Gegenstand soll da interessieren und fesseln. Leicht ist es zum Beispiel an Napoleon zu denken, sehr schwer aber durch längere Zeit ununterbrochen an ein Zündhölzchen etwa zu denken. Das ist das ganz Wesentliche dabei. Dann werden Sie schon sehen, wie Sie nach einiger Zeit eine gewisse innere Kraft und Sicherheit erhalten. Man fühlt dann schon an einem inneren Erlebnis, ob es seine Wirkung getan hat.
[ 8 ] How does one replace what is taken away from the physical and etheric bodies? To do this, it is necessary for very specific qualities to be developed in the human being. It is possible to develop qualities in human nature and being that make it unnecessary for the physical body and the etheric body to be repaired to such an extensive degree. Imagine that during the “day” you do something to strengthen and restore the physical and etheric bodies so that, through their own sense and rhythm, they resonate in harmony with the great universe; only then will you be able to use the forces for the astral body itself. And this is what must be done; it need not be done immediately, but the time will come when it must be done. When the teacher says, “You must concentrate your thinking”—this does not refer merely to ordinary thinking. When it is said: “You must sit down, take an ordinary thought, and allow no other thought to intrude; think it as intensely as possible while rejecting all other thoughts”—then one must exert a certain inner effort; this effort is what matters. It is not the object itself that should be of interest or hold one’s attention. For example, it is easy to think of Napoleon, but very difficult to think of a match, say, continuously for a longer period of time. That is the very essence of the matter. Then you will see how, after some time, you gain a certain inner strength and confidence. You will then sense through an inner experience whether it has had its effect.
[ 9 ] Dann muß man dazu übergehen, initiative Handlungen vorzunehmen, die man sonst ganz gewiß nicht getan hätte. Eine ganz unbedeutende Handlung mag es sein. Es kommt nicht auf das Bedeutende der Handlung an, aber es muß eine eigene Handlung sein, eine aus ureigenster Initiative. Ein Herr, dem ich dies sagte, teilte mir nach einiger Zeit mit, er habe in seinem Büro täglich sieben Schritte nach vorne und sieben Schritte nach rückwärts getan und sich dabei die Evolution und Involution vorgestellt. Ausgezeichnet - nicht die Größe der Handlung, sondern die ureigenste Initiative ist notwendig.
[ 9 ] Then one must move on to taking proactive actions that one would otherwise certainly not have taken. It may be a completely insignificant action. The significance of the action does not matter, but it must be one’s own action, one taken entirely on one’s own initiative. A gentleman to whom I said this told me some time later that he had taken seven steps forward and seven steps backward every day in his office, while creating a mental image of evolution and involution. Excellent—it is not the magnitude of the action, but one’s own initiative that is necessary.
[ 10 ] Einigen Freunden sprach ich auch davon und erwähnte, um ein Beispiel zu geben, daß man Blumen begießen könne, wenn man nie Blumen begossen habe. Und was mußte ich erleben? Als ich die Freunde besuchte, fand ich sie alle Blumen begießend vor. Das war das Verkehrteste, was sie tun konnten, denn nicht meine Handlung sollten sie tun, sondern eine bis auf die Erfindung ureigene. Wenn man das durch lange Zeit macht, sieht man, was es für eine innere Wirkung hat. Diese Dinge harmonisieren und gleichen derart alles im physischen und im Ätherleib aus, daß beide selbst nachklingen und nicht mehr so des Ausbesserns bedürfen, so daß der astralische Leib einen Teil der Kräfte ihnen entziehen kann.
[ 10 ] I also talked to some friends about this and, to give an example, mentioned that you could water flowers even if you’d never watered them before. And what did I find? When I visited my friends, I found them all watering flowers. That was the very opposite of what they should have done, for they were not to imitate my action, but rather perform one that was entirely their own, born of their own ingenuity. If you do this over a long period of time, you will see what an inner effect it has. These things harmonize and balance everything in the physical and etheric bodies to such an extent that both continue to resonate on their own and no longer require so much correction, so that the astral body can draw some of its strength from them.
[ 11 ] Dann muß sich der Mensch in Beziehung auf Lust und Leid beherrschen. Im gewöhnlichen Leben ist er der Sklaverei der Gefühle unterworfen. Er lacht, wenn ihm etwas besonders Lächerliches geboten wird, er weint bei irgendeinem traurigen Anlaß. Der Schüler aber muß sich in der Hand haben, er muß sich nicht beherrschen lassen, sondern seinerseits Lust und Leid beherrschen. Viele meinen, sie würden auf diese Weise stumpf werden, aber das Umgekehrte ist der Fall. Wir überwinden auf diese Weise Lust und Leid, das heißt, dasjenige, was egoistische Lust und egoistischer Schmerz ist. Wir müssen den Weg finden, um gleichsam hineinzukriechen in andere Wesen, um mit ihnen zu fühlen. Es soll sich keiner von dieser Übung abhalten lassen aus Besorgnis, stumpf zu werden; er wird feiner empfinden.
[ 11 ] Then a person must exercise self-control with regard to pleasure and suffering. In ordinary life, they are subject to the slavery of their emotions. They laugh when presented with something particularly ridiculous; they cry at any sad occasion. The student, however, must keep themselves in check; they must not allow themselves to be controlled, but must instead control their own pleasure and pain. Many believe that doing so would make them numb, but the opposite is true. In this way, we overcome pleasure and pain—that is, what constitutes selfish pleasure and selfish pain. We must find the way to, as it were, crawl into other beings, to feel with them. No one should allow themselves to be deterred from this exercise out of fear of becoming numb; they will come to feel more keenly.
[ 12 ] Eine vierte Übung ist die, die ich am liebsten durch die Erzählung einer Legende charakterisiere. Diese Legende ist aus dem Leben des Christus Jesus; sie ist nicht in der Bibel zu finden, wie viele andere nicht; sie ist aus dem Persischen. Als die Jünger einst mit Christus Jesus über Land gingen, sahen sie auf dem Wege den halbverwesten Kadaver eines verendeten Hundes liegen. Welch scheußliches Aas -—, sagten die Jünger und wendeten sich mit Ekel ab. Christus Jesus aber allein blieb stehen, betrachtete den Kadaver und sagte nach einer Weile: Welch herrliche Zähne hatte das Tier. -— Er sah an dem häßlichen, verwesenden Kadaver noch die schönen Zähne. Das gibt uns einen Fingerzeig, daß wir uns aneignen sollen und aneignen müssen, in allem Häßlichen das Körnchen Schönheit, im Schlechten Gutes, im Irrtum Wahrheit zu erblicken. Diese Eigenschaft der Positivität muß geübt werden durch einige Zeit, sie gibt innere Harmonie und inneren Rhythmus.
[ 12 ] A fourth exercise is the one I most like to illustrate by recounting a legend. This legend is from the life of Jesus Christ; it cannot be found in the Bible, like so many others; it comes from Persia. Once, as the disciples were walking through the countryside with Jesus Christ, they saw the half-decayed carcass of a dead dog lying on the path. “What a hideous carcass—” said the disciples, turning away in disgust. But Jesus Christ alone stopped, looked at the carcass, and after a moment said, “What magnificent teeth that animal had.” — — He still saw the beautiful teeth in the ugly, decaying carcass. This gives us a hint that we should—and must—learn to see the grain of beauty in everything ugly, the good in the bad, and the truth in error. This quality of positivity must be practiced over time; it brings inner harmony and inner rhythm.
[ 13 ] Das fünfte ist, daß der Mensch sich einigermaßen Unbefangenheit erwirbt in bezug auf alles Neue, was ihm in der Welt entgegentritt. Man könnte auch sagen, daß er niemals durch das, was er aus der Vergangenheit gewohnt ist, die Zukunft beeinflussen darf. Das Wort: «Das glaube ich nicht» -, muß völlig aus dem Gemüt verschwinden, und wenn zu Ihnen jemand kommt und sagt, der Kirchturm sei über Nacht schief geworden, müssen Sie einen Winkel in Ihrem Herzen finden, wo Sie für möglich halten, daß wirklich alles eintreten kann. Deshalb aber dürfen Sie nicht kritiklos werden; nur darf Ihnen nichts unmöglich erscheinen. Wer das kann, der kann sehr bedeutsam wirken auf den physischen und den Ätherleib und dadurch kommen diese in einen solchen Rhythmus, daß man dem Astralleib in der Nacht zukommen läßt, was ihm Meditation und Konzentration gibt. Denn das wird erst allmählich die Menschen zur wahren wirklichen Theosophie hinführen, daß sie überall einsehen, warum alles so und nicht anders geschieht. Wer den Mechanismus des Schlafes kennt, der weiß auch, warum solche Übungen gemacht werden müssen.
[ 13 ] The fifth point is that a person must cultivate a certain degree of open-mindedness toward everything new that comes their way in the world. One could also say that they must never allow their past habits to influence the future. The phrase, “I don’t believe that”—must disappear completely from one’s mind, and if someone comes to you and says that the church tower has become crooked overnight, you must find a corner in your heart where you consider it possible that truly anything can happen. This does not mean, however, that you should become uncritical; it simply means that nothing should seem impossible to you. Whoever can do this can exert a very significant influence on the physical and etheric bodies, and through this, these bodies enter into such a rhythm that the astral body is provided at night with what gives it meditation and concentration. For it is only gradually that this will lead people toward true, real Theosophy—so that they come to understand everywhere why everything happens this way and not otherwise. Anyone who understands the mechanism of sleep also knows why such exercises must be performed.
[ 14 ] Wenn der Mensch eine Weile unter entsprechender Anleitung diese Schritte auf dem okkulten Pfade macht, wird ihm vieles sichtbar, fühlbar, erlebbar, was ihm sonst entgangen wäre. Sie dürfen nicht glauben, daß die Gefahren, die einem begegnen, sonst im Leben nicht da sind. Aber man sieht sie nicht vorher, man geht durch das Leben, aber man sieht sie nicht. Man lernt eben erst sehen, was in der geistigen Welt um uns ist, wenn man eindringen kann in die höheren Gebiete. Dasjenige zum Beispiel, was auf einer höheren Stufe der Mensch finden muß und immer finden wird, und was er ertragen muß, worauf er sich vorbereiten muß, das ist der Hüter der Schwelle. Die Menschen machen sich von ihm zumeist recht sonderbare Vorstellungen.
[ 14 ] When a person follows these steps on the occult path for a while under appropriate guidance, many things become visible, tangible, and experiential to them that would otherwise have eluded them. You must not believe that the dangers one encounters do not exist elsewhere in life. But one does not see them beforehand; one goes through life without seeing them. One only begins to see what surrounds us in the spiritual world when one is able to penetrate the higher realms. For example, what a person must encounter—and will always encounter—at a higher level, and what they must endure and prepare themselves for, is the Keeper of the Threshold. People usually have quite strange mental images of him.
[ 15 ] Was ist dieser Hüter der Schwelle? - Wir wollen heute einmal sozusagen mit Überspringen von mancherlei anderen Dingen und Erlebnissen auf dieses Erlebnis aufmerksam machen. Sie müssen sich klarsein, was der Mensch in der Regel während seines ganzen Lebens tut. Nehmen wir, in seinem wirklichen Sinne, das Kamalokaleben, das Leben nach dem Tode, wo der Mensch sozusagen noch einen gewissen Hang hat zum physisch-sinnlichen Dasein, und vergleichen wir dieses Leben mit dem, was vorgeht unmittelbar bevor das Kamalokaleben beginnt. Ein großes Erinnerungstableau tritt vor die Seele dessen, der eben den physischen Leib verlassen hat. Dann beginnt das Kamalokaleben.
[ 15 ] What is this Guardian of the Threshold? — Today, let us draw attention to this experience, so to speak, while setting aside various other matters and experiences. You must be clear about what a person generally does throughout their entire life. Let us take, in its true sense, the kamaloka life—the life after death—where a person still has, so to speak, a certain inclination toward physical-sensual existence, and let us compare this life with what takes place immediately before the kamaloka life begins. A vast tableau of memories unfolds before the soul of the one who has just left the physical body. Then the kamaloka life begins.
[ 16 ] Dieses ist sehr eigenartig. Zunächst hat es die Eigenart, daß der Mensch zurückerlebt. In der Tat lebt er sein ganzes voriges Leben rückwärts, indem er durchlebt die Ereignisse, die seinem Tod vorangegangen sind bis zu seiner Geburt. Man lebt so alle Ereignisse zurück und ist damit fertig, wenn man bei seiner Geburt angekommen ist. Man kommt an jede Stelle, die man durchgemacht hat. Sagen wir, Sie seien sechzig Jahre alt geworden, und im vierzigsten Jahr haben Sie jemand eine Ohrfeige gegeben. Wenn Sie an diesen Erinnerungspunkt im Rückwärtserleben kommen, werden Sie zu diesem Menschen hingezogen, und es wird Ihnen sozusagen eine Marke eingeprägt, die etwas Merkwürdiges ist: Sie empfinden den Schmerz, den Sie verursacht haben. Während Ihres Lebens haben Sie vielleicht Rachegefühle geleitet; jetzt empfinden Sie das, was der empfunden hat, an dem Sie sich gerächt haben oder rächen wollten. Sie erleben im Rückwärtserleben, was Sie an Empfindungen und Gefühlen ausgestreut haben. Alles, was Sie da erleben, bietet Ihnen eine Menge dessen, was Ihre Fortentwickelung in der Menschheitsgeschichte hemmt. Und ohne diese eingelagerte Marke des Schmerzes würden Sie leichter vorwärtskommen, denn diese Hemmungsmarke bleibt Ihnen als eine Kraft. Und indem Sie im Kamaloka die Kräfte rückläufig aufnehmen, werden Sie im kommenden Leben wieder durch Karma dahin geführt, die Kräfte zu verwenden zum Tilgen der Schuld, zum Gutmachen, zum Ausgleich. So beginnt dort die Sehnsucht, wieder gutzumachen, was Sie gefehlt haben, und Sie werden hingezogen dazu, wenn der Mensch wieder mit Ihnen lebt, die Sache gutzumachen. So lebt sich Karma aus.
[ 16 ] This is very peculiar. First of all, it has the peculiarity that a person relives their past. In fact, they relive their entire previous life in reverse, experiencing the events that preceded their death all the way back to their birth. One relives all these events in this way and is done with them once they reach their birth. One arrives at every point one has experienced. Let’s say you lived to be sixty years old, and in your fortieth year you slapped someone. When you reach this point in your memory during the backward experience, you are drawn to that person, and a mark is imprinted on you, so to speak—which is something remarkable: you feel the pain you caused. Throughout your life, you may have been driven by feelings of revenge; now you feel what the person felt—the one on whom you took revenge or sought to take revenge. In the backward experience, you relive the sensations and emotions you have scattered around you. Everything you experience there reveals to you a great deal of what hinders your further development in human history. And without this imprinted mark of pain, you would move forward more easily, for this inhibiting mark remains with you as a force. And as you absorb these forces in reverse in Kamaloka, karma will once again guide you in your next life to use those forces to atone for your guilt, to make amends, and to achieve balance. Thus, the longing begins there to make amends for what you have failed to do, and you will be drawn to set things right when that person lives with you again. This is how karma plays out.
[ 17 ] Ein anderes Beispiel. Vier Femerichter haben jemand zum Tode verurteilt und das Urteil ausgeführt. Warum war das geschehen? Als man das Leben aller dieser Männer zurückverfolgte, stellte sich heraus, daß im früheren Leben der Verurteilte eine Art Häuptling gewesen war und diese vier zum Tode verurteilt hatte. Da hat sich tatsächlich jener Zug, der die fünf zusammengebracht hat, im Kamalokaleben ausgebildet. So hat der Mensch immer Gelegenheit, während seines Kamalokalebens diejenigen Kräfte als Hemmungsmarken aufzunehmen, welche ihn wieder ins Leben führen, um sein Schuldkonto zu tilgen.
[ 17 ] Here is another example. Four Femer judges sentenced someone to death and carried out the sentence. Why did this happen? When they traced back the lives of all these men, it turned out that in a previous life, the condemned man had been a kind of chieftain and had sentenced these four to death. In fact, the very bond that brought the five of them together had formed during their kamalokaleben. Thus, during his kamalokaleben, a person always has the opportunity to absorb those forces as “inhibitory markers” that will lead him back into life to settle his debt.
[ 18 ] Nachdem der Mensch durch das Devachan durchgegangen ist und wieder zum Eintritt in das physische Leben kommen soll, haben Sie das Gegenbild von dem, was gleich nach dem Tode geschieht. Jetzt haben Sie eine Art von Vorhersehen, eine Art Vorschau auf dieses Leben, das Ihnen nun bevorsteht. Was er da wahrnimmt, vergißt er natürlich, wenn er nicht okkult geschult ist. Es sind Fälle nachweisbar, daß Menschen durch die Vorschau einen Schock bekommen haben und nicht hereinwollten in dieses Leben. Da stellte sich heraus, daß tatsächlich der Ätherleib nicht voll in den physischen Leib hineinging. In solchen Fällen blieb der Ätherleib des Kopfes ein ganzes Stück heraußen und bewirkte eine ganz bestimmte Art von Idiotismus.
[ 18 ] Once a person has passed through Devachan and is about to re-enter physical life, you have the opposite of what happens immediately after death. Now you have a kind of foresight, a kind of preview of this life that now lies ahead of you. Of course, unless one is trained in the occult, one forgets what one perceives there. There are documented cases in which people were so shocked by this preview that they did not want to enter this life. It turned out that, in fact, the etheric body did not fully enter the physical body. In such cases, the etheric body of the head remained quite a bit outside the physical body, resulting in a very specific form of mental retardation.
[ 19 ] Nun müssen Sie aber nicht denken, daß das Karma etwa so verläuft, daß wir alles dasjenige, was wir in einer früheren Verkörperung verursacht haben, gleich in der nächsten abzahlen können. So einfach ist das nicht. Man muß manchmal viele, viele Verkörperungen durchmachen. Wenn Sie in irgendeinem Momente zurückblikken und alles sehen könnten, was in Ihrem Astralleibe an Marken da ist, die ausgeglichen werden müssen, bevor Sie Ihren Aufstieg in gewisse Höhen des Okkulten machen können, würden Sie Ihr ganzes Schuldkonto sehen.
[ 19 ] But you mustn’t think that karma works in such a way that we can immediately pay off everything we caused in a previous incarnation in the very next one. It’s not that simple. Sometimes one must go through many, many incarnations. If, at any moment, you could look back and see all the imprints in your astral body that must be balanced before you can ascend to certain heights of the occult, you would see your entire debt account.
[ 20 ] Dieses nun tritt dem Schüler entgegen und muß ihm entgegentreten in einer sinnbildlichen und greifbaren Gestalt — dasjenige, was wir noch abzutragen haben, was uns noch hemmt: das unausgetragene Karma. Das ist der Hüter der Schwelle.
[ 20 ] This now confronts the student and must appear to him in a symbolic and tangible form—that which we still have to work off, that which still holds us back: unresolved karma. This is the Keeper of the Threshold.
[ 21 ] Es kann uns auch in ganz abnormer Weise entgegentreten. Es ist mir ein Fall bekannt, wo jemand am Ende des 18. Jahrhunderts verkörpert und dazumal mit einer ganz außerordentlichen Gier nach gewissen Taten auf dem physischen Plan behaftet war, so daß er nach dem Tode ein merkwürdiges Schicksal durchzumachen hatte. Er starb; nach sehr langer Zeit verließ er den letzten Rest des astralischen Leibes. -— Gewöhnlich fällt der astralische Leib nach Verlauf eines Drittels der verlebten Erdenzeit ab und bleibt als astralischer Leichnam zurück, bis er vergeht. Solche astralische Leichname umschwirren uns beständig und üben einen schlechten Einfluß auf die Menschen aus. — Er konnte auch nicht lange bleiben in der geistigen Welt, sondern bekam früh den Drang, wieder in das Physische hinabzugehen. Nun ist ihm das Unheil passiert, das allerdings sehr selten eintreten kann. Es kann nämlich der Fall eintreten, wenn der Mensch in das physische Dasein zurückkehrt, daß er seinen astralischen Leichnam noch vorfindet. Das ist dann sehr schlimm für ihn, denn dann wird sein jetziger astralischer Leib von dem früheren astralischen Leibe gleichsam durchtränkt, was ein furchtbares Schicksal ist. Er hat ihn dann beständig neben sich als Doppelgänger und dies ist die abnormale Art des Hüters der Schwelle. Das kann in besonderen Ausnahmefällen vorkommen.
[ 21 ] It can also confront us in a completely abnormal way. I know of a case where someone incarnated at the end of the 18th century and was, at that time, afflicted on the physical plane with an extraordinary craving for certain actions, so that after death he had to undergo a strange fate. He died; after a very long time, he shed the last remnant of his astral body. — Usually, the astral body falls away after one-third of the time spent on Earth has elapsed and remains as an astral corpse until it decays. Such astral corpses constantly hover around us and exert a harmful influence on people. — He could not remain long in the spiritual world either, but soon felt the urge to descend back into the physical realm. Now a misfortune has befallen him—one that, however, occurs very rarely. For it can happen that when a person returns to physical existence, he still finds his astral corpse there. This is very terrible for him, for his current astral body becomes, as it were, permeated by his former astral body—which is a dreadful fate. He then has it constantly beside him as a doppelgänger, and this is the abnormal form of the Keeper of the Threshold. This can occur in very exceptional cases.
[ 22 ] Bei dem aber, der auf dem Wege der okkulten Entwickelung ist, ist es notwendig, daß er in einem bestimmten Zeitpunkt seinen gewöhnlichen astralischen Leib sieht mit allen Marken seines unausgeglichenen Karmas, und er muß durch Mittel, die man dazu hat, sein unausgetragenes Karma auszugleichen suchen. Dies ist die wahre Begegnung mit dem Hüter der Schwelle. Es soll dies alles nicht gesagt sein, um gruseln zu machen, sondern um Ihnen einen Begriff zu geben, was man im wahren Sinne des Wortes Selbsterkenntnis nennt. Diese ist zweifach: Erstens ist es die Erkenntnis dessen, was das wahre Selbst auszutragen hat. Zweitens ist es die Erkenntnis des höheren Selbstes. Aber da ist Erkenntnis etwas ganz anderes. Sie können in der Bibel lesen: Adam erkannte sein Weib. — Das ist ein Ausdruck für die Befruchtung. Erkenne dich selbst, heißt: befruchte dich mit der Weisheit in dir, betrachte die Seele als weibliches Organ und befruchte dich. Willst du die Selbsterkenntnis haben, so suche in dir, dort wirst du erkennen alle deine Fehler; willst du dein höheres Selbst erkennen, dann suche außerhalb von dir, denn da ist Welterkenntnis Selbsterkenntnis. In der Sonne ist alles, denn alles ist Sonne. Wir müssen von uns loskommen. Man sagt mir: Du erzählst uns von der Entwickelung und dergleichen; wir aber wollen Erhebung der Seele, der Gefühle. - Der so spricht, ist sich selbst feind. Nicht dadurch, daß wir in uns hineingaffen, sondern dadurch, daß wir die Welt in allen Stücken, Stück für Stück, kennenlernen, werden wir selbstlos und können wir die Selbst- und Gotteserkenntnis finden.
[ 22 ] However, for one who is on the path of occult development, it is necessary that at a certain point in time he see his ordinary astral body with all the marks of his unbalanced karma, and he must seek to balance his unresolved karma through the means available for that purpose. This is the true encounter with the Keeper of the Threshold. All this is not meant to frighten you, but to give you an idea of what is called self-knowledge in the true sense of the word. This is twofold: First, it is the realization of what the true self must work through. Second, it is the realization of the higher self. But here, “knowledge” means something entirely different. You can read in the Bible: “Adam knew his wife.”—This is an expression for fertilization. “Know thyself” means: fertilize yourself with the wisdom within you; regard the soul as a female organ and fertilize yourself. If you wish to attain self-knowledge, look within yourself; there you will recognize all your faults. If you wish to recognize your higher self, then look outside yourself, for there, knowledge of the world is self-knowledge. Everything is in the sun, for everything is the sun. We must detach ourselves from ourselves. People say to me: “You tell us about evolution and such things; but we want the elevation of the soul and of the emotions.”—Those who speak this way are their own enemies. It is not by gazing inward at ourselves, but by getting to know the world in all its parts, piece by piece, that we become selfless and can find knowledge of the self and of God.
[ 23 ] Es gibt keine schlechtere Phrase als die: Man braucht nur in sich selbst hineinzuschauen. — Dort findet man aber nur das niedere Selbst. Mit Liebe soll man außen suchen und man wird finden. Ich habe Leute gekannt, die gesagt haben: Was brauche ich? Ich brauche gar nichts, denn ich bin Atma. — Und wenn sie auch fort und fort «Atma, ich bin Atma» sagen, sie bringen es nicht in das Bewußtsein, weil sie vom Atma nicht mehr wissen, als daß das Wort vier Buchstaben hat. Das In-sich-Hineinsehen führt nur zum Abschließen. Wir sind nichts als ein Glied dieser Welt. Der Finger ist nur dadurch Finger, daß er am Organismus bleibt; lösen Sie ihn los, dann ist er nicht mehr Finger. Der Finger trennt sich nicht vom Organismus; aber der Mensch, der ist so «gescheit» zu glauben, daß er sich von der Erde trennen könne, obzwar man ihn nur einige Kilometer über die Erde hinaufbringen müßte, und er vergeht. Der Mensch gehört zur Sonne, seinem Äther- und Astralleibe nach, zu einer ganzen Sonnenwelt. Es ist der größte Irrtum, das Selbst in sich finden zu wollen. Von-sich-Loskommen durch das Sich-Vertiefen in alle Einzelheiten der Welt, das ist das Richtige. Der sich in Liebe und Demut befruchtet, der findet die Gottseligkeit, während der, der Gott in sich sucht, verhärtet. So sehen Sie, daß man viel zu lernen hat, wenn man gerade den esoterischen Weg wirklich kennenlernen will. Und es kommt darauf an, daß wir über eine solche Sache den richtigen Gedanken haben. Sie brauchen nicht von früh bis abends daran zu denken, ebensowenig als es notwendig ist, daß Sie sich stets Ihren eigenen Namen vorsagen. Es genügt, wenn Sie den Gedanken wissen. Es gibt Gedanken, ohne die der Esoteriker nicht Esoteriker sein kann. Hat er sie so, wie er im gewöhnlichen Leben seine Triebe, seine Motive hat, dann bedeuten diese Gedanken Schritte für ihn, die ihn hinaufführen auf den übersinnlichen Erkenntnisplan, bedeuten für ihn ein Eindringen in die Weltenweisheit, ein in Erkenntnis Vordringen zur Liebe.
[ 23 ] There is no worse phrase than this: “One need only look within oneself.” — But there one finds only the lower self. One should seek outwardly with love, and one will find. I have known people who said: “What do I need? I need nothing at all, for I am Atma.” — And even if they keep saying “Atma, I am Atma” over and over, they do not bring it into their consciousness, because they know no more about Atma than that the word has four letters. Looking within oneself only leads to isolation. We are nothing but a part of this world. A finger is a finger only because it remains attached to the organism; detach it, and it is no longer a finger. The finger does not separate itself from the organism; but human beings are so “clever” as to believe that they can separate themselves from the Earth, even though one would only have to lift them a few kilometers above the Earth, and they would perish. Human beings belong to the Sun; in terms of their etheric and astral bodies, they belong to an entire solar world. It is the greatest error to seek the Self within oneself. Detaching oneself from the self by immersing oneself in all the details of the world—that is the right path. Those who nourish themselves with love and humility find godliness, while those who seek God within themselves become hardened. So you see that there is much to learn if one truly wishes to come to know the esoteric path. And it is essential that we have the right attitude toward such matters. You do not need to think about it from morning till night, any more than it is necessary for you to constantly repeat your own name to yourself. It is enough that you are aware of the thought. There are thoughts without which the esotericist cannot be an esotericist. If he possesses them just as he has his instincts and motives in ordinary life, then these thoughts represent steps that lead him upward onto the plane of supersensible knowledge; they signify for him a penetration into the wisdom of the worlds, an advance in knowledge toward love.
