Nature and Spirit Beings
Their Influence on Our Visible World
GA 98
25 December 1907, Cologne
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4. «Die Geheimnisse» Ein Weihnachts- und Ostergedicht von Goethe
4. “The Mysteries” A Christmas and Easter poem by Goethe
[ 1 ] Wer diese Nacht im Kölner Dom war, konnte dort mit Lichtschrift die drei Buchstaben sehen: CMB. Sie bedeuten bekanntlich die Namen der sogenannten Heiligen Drei Könige, nach der Tradition der christlichen Kirche Caspar, Melchior, Balthasar genannt. Für Köln rufen diese Namen ja ganz besondere Erinnerungen wach. Es gibt eine alte Sage, daß die Gebeine dieser Heiligen Drei Könige, nachdem diese Bischöfe geworden und gestorben waren, einige Zeit darnach hierher gebracht worden seien, nach Köln. In Verbindung damit steht eine andere Sage, welche erzählt, daß ein dänischer König einmal hierher gekommen sei, nach Köln, und drei Kronen für die Heiligen Drei Könige mitgebracht habe. Als er wieder nach Hause kam, hatte er einen Traum. Es erschienen ihm im Traum die drei Könige und reichten ihm drei Becher: der erste Becher enthielt Gold, der zweite Becher Weihrauch und der dritte Becher Myrrhen. Als der dänische König erwachte, waren die drei Könige verschwunden, die Becher aber waren geblieben; sie standen vor ihm: die drei Gaben, die er zurückbehalten hatte aus seinem Traum.
[ 1 ] Anyone who was at Cologne Cathedral that night could see the three letters “CMB” displayed in light. As is well known, they stand for the names of the so-called Three Kings, traditionally called Caspar, Melchior, and Balthasar in the Christian Church. For Cologne, these names evoke very special memories. There is an old legend that the remains of these Three Kings—after they had become bishops and died—were brought here to Cologne some time later. Connected to this is another legend, which tells that a Danish king once came here to Cologne and brought three crowns for the Three Kings. When he returned home, he had a dream. In his dream, the three kings appeared to him and handed him three cups: the first cup contained gold, the second cup incense, and the third cup myrrh. When the Danish king awoke, the three kings had vanished, but the cups remained; they stood before him: the three gifts he had kept from his dream.
[ 2 ] In dieser Sage liegt etwas außerordentlich 'Tiefes. Es wird uns angedeutet, daß der König sich im Traum erhob zu einem gewissen Einblick in die geistige Welt, wobei ihm kund wurde, was die symbolische Bedeutung sei dieser drei Könige, dieser drei Magier aus dem Morgenlande, die da opferten Gold, Weihrauch und Myrrhen bei der Geburt des Christus Jesus. Und von dieser Erkenntnis blieb ihm zurück ein bleibendes Gut: diejenigen drei menschlichen Tugenden, welche symbolisch angedeutet sind in dem Gold, dem Weihrauch und den Myrrhen: Selbsterkenntnis im Golde; Selbstfrömmigkeit, das heißt die Frömmigkeit des innersten Selbstes, auch Selbsthingabe zu nennen, in dem Weihrauch; und Selbstvervollkommnung und Selbstentwickelung, oder auch die Bewahrung des Ewigen im Selbst, in den Myrrhen.
[ 2 ] There is something extraordinarily “profound” in this legend. It suggests to us that the king, in a dream, attained a certain insight into the spiritual world, through which he came to understand the symbolic meaning of these three kings—these three Magi from the East—who offered gold, frankincense, and myrrh at the birth of Jesus Christ. And from this insight, he was left with a lasting gift: those three human virtues symbolically represented by gold, frankincense, and myrrh—self-knowledge in gold; self-piety—that is, the piety of the innermost self, also called self-surrender—in the frankincense; and self-perfection and self-development, or the preservation of the eternal within the self, in the myrrh.
[ 3 ] Wodurch ist dem Könige die Möglichkeit geworden, diese drei Tugenden als Gaben aus einer anderen Welt zu empfangen? Ihm ist diese Möglichkeit dadurch geworden, daß er versuchte, mit seiner ganzen Seele einzudringen in ein solch tiefes Symbolum, wie es beschlossen liegt in den drei Königen, die ihre Gaben dem Christus Jesus opferten.
[ 3 ] How did the king come to have the opportunity to receive these three virtues as gifts from another world? He gained this opportunity by striving with all his soul to penetrate such a profound symbol as is embodied in the three kings who offered their gifts to Christ Jesus.
[ 4 ] Viele, viele Züge in der Christus-Legende sind da, die uns tief hineinführen in die verschiedensten Bedeutungen dessen, was gemeint ist mit dem Christus-Prinzip und dem, was es wirken soll in der Welt. Zu diesen tiefsten Zügen der Christus-Legende gehört die Anbetung und Opferung der drei Magier, der drei Könige aus dem Morgenlande, und nicht ohne ein tieferes Verständnis dürfen wir herantreten an diese grundlegende Symbolik der christlichen Tradition. Später hat sich die Anschauung herausgebildet, daß der erste König der Repräsentant war der asiatischen Völkerschaften, der zweite der Könige der Repräsentant der europäischen Völker und der dritte der Könige der Repräsentant der afrikanischen Völkerschaften. Man sah immer mehr da, wo man das Christentum als die Religion irdischer Harmonie verstehen wollte, in den drei Königen und ihrer Huldigung ein Zusammenfließen der verschiedenen Strömungen und religiösen Richtungen in der Welt zu dem einen Prinzip, zu dem Christus-Prinzip.
[ 4 ] There are many, many elements in the Christ Legend that lead us deep into the diverse meanings of what is meant by the Christ Principle and what it is intended to bring about in the world. Among these deepest aspects of the Christ Legend is the adoration and offering of the three Magi, the three kings from the East, and we must approach this fundamental symbolism of the Christian tradition with a deeper understanding. Later, the view emerged that the first king represented the Asian peoples, the second the European peoples, and the third the African peoples. Increasingly, where one sought to understand Christianity as the religion of earthly harmony, the Three Kings and their homage were seen as a convergence of the various currents and religious movements in the world into a single principle—the Christ principle.
[ 5 ] Diejenigen, die damals, als diese Legende eine solche Ausgestaltung bekam, eingedrungen waren in die Mysterienprinzipien des esoterischen Christentums, die sahen in dem Christus-Prinzip nicht bloß eine Kraft, die eingegriffen hatte in die Menschheitsentwickelung, sondern sie sahen in dem Wesen, das sich verkörperte in dem Jesus von Nazareth, eine kosmische, eine Weltenkraft, eine Kraft, die weit hinausging über das bloß in unserer Zeit herrschende Menschliche. Sie sahen in dem Christus-Prinzip eine Kraft, die allerdings für den Menschen ein in ferner Zukunftsentwickelung legendes Menschenideal darstellt, aber ein solches Ideal, dem sich der Mensch nur annähern kann, wenn er die ganze Welt immer mehr im Geiste begreift. Sie sahen im Menschen zunächst ein kleines Wesen, eine kleine Welt, einen Mikrokosmos, der ihnen ein Abbild war des Makrokosmos, der großen, umfassenden Welt, die alles enthält, was der Mensch zunächst mit den äußeren Sinnen wahrnehmen, mit Augen sehen, mit Ohren hören kann, die aber auch alles das enthält, was der Geist wahrnehmen konnte, was der niederste und was auch der hellsichtigste Geist wahrnehmen konnte. Denn so erschien die Welt dem esoterischen Christen in der ersten Zeit. Alles, was er sah an Vorgängen am Himmelsgewölbe, was er sah an Vorgängen auf unserer Erde, was er sah als Donner und Blitz, als Sturm und Regen und Sonnenschein, als den Gang der Gestirne, als den Aufgang und Untergang der Sonne, als den Aufgang und Untergang des Mondes, alles das war ihm Gebärde, war ihm etwas wie Mimik, war ihm äußerer Ausdruck innerer geistiger Vorgänge.
[ 5 ] Those who, at the time this legend took on such a form, had penetrated the mystery principles of esoteric Christianity saw in the Christ principle not merely a force that had intervened in human evolution, but they saw in the being who incarnated as Jesus of Nazareth, a cosmic, world-encompassing force—a force that extended far beyond the merely human realm that prevails in our time. They saw in the Christ principle a force that, while representing for humanity an ideal lying in the distant future of human development, is an ideal that humanity can only approach by increasingly comprehending the entire world in spirit. They saw in the human being, first and foremost, a small being, a small world, a microcosm that was to them a reflection of the macrocosm—the great, all-encompassing world that contains everything a human being can initially perceive with the external senses, see with the eyes, and hear with the ears, but which also contains everything that the spirit could perceive—what even the most limited spirit and even the most clairvoyant spirit could perceive. For this is how the world appeared to the esoteric Christian in the early days. Everything he saw in the events of the heavens, everything he saw in the events on our Earth—thunder and lightning, storms and rain and sunshine, the course of the stars, the rising and setting of the sun, the rising and setting of the moon—all of this was a gesture to him, something like facial expressions, an outward manifestation of inner spiritual processes.
[ 6 ] Der esoterische Christ sieht das Weltengebäude an, wie er einen menschlichen Körper ansieht. Wenn er den Menschenkörper ansieht, zerfällt ihm dieser in verschiedene Glieder: Kopf, Arme, Hände und so weiter. Wenn er den Menschenkörper ansieht, sieht er an ihm Handbewegungen, Bewegungen der Augen, Bewegungen der Gesichtsmuskeln, aber die Glieder und die Bewegungen der einzelnen Glieder sind ihm der Ausdruck der inneren geistigen und seelischen Erlebnisse. Und so, wie er in den Gliedern des Menschen und deren Bewegungen hineinschaute in das Ewige, Seelische desselben, so schaute der esoterische Christ in den Bewegungen der Gestirne, in dem Licht, das aus den Gestirnen den Menschen zuströmt, im Auf- und Untergang der Sonne und im Auf- und Untergang des Mondes, in all dem schaute er den äußeren Ausdruck göttlich-geistiger Wesenheiten, die den Raum durchfluten. Alle diese Naturereignisse waren ihm Taten der Götter, Gesten der Götter, Mimik der göttlich-geistigen Wesenheiten. Aber auch alles dasjenige, was im Menschengeschlecht geschieht, wenn die Menschen soziale Gemeinschaften gründen, wenn die Menschen sich sittlichen Geboten unterwerfen, ihr Handeln untereinander durch Gesetze regeln, wenn sie sich Werkzeuge schaffen aus den Kräften der Natur, zwar mit den Kräften der Natur, aber so, wie sie die Natur ihnen unmittelbar nicht in der Art gegeben hat, alles das, was der Mensch mehr oder weniger unbewußt tut, war für den esoterischen Christen äußerer Ausdruck inneren göttlich-geistigen Waltens.
[ 6 ] The esoteric Christian views the structure of the world just as he views a human body. When he looks at the human body, it breaks down into various parts for him: head, arms, hands, and so on. When he looks at the human body, he observes the movements of the hands, the eyes, and the facial muscles, but to him, the limbs and the movements of the individual limbs are expressions of inner spiritual and soul experiences. And just as he looked into the eternal, soul-level essence of a human being through the limbs and their movements, so, too, did the esoteric Christian look into the movements of the celestial bodies, into the light streaming from the celestial bodies toward humanity, into the rising and setting of the sun and the rising and setting of the moon—in all of this he saw the outward expression of divine-spiritual beings that permeate space. All these natural phenomena were to him the deeds of the gods, the gestures of the gods, the facial expressions of the divine-spiritual beings. But also everything that happens within the human race—when people establish social communities, when they submit to moral precepts, regulate their interactions through laws, when they create tools from the forces of nature, indeed with the forces of nature, but not in the form in which nature had directly provided them—all that which human beings do more or less unconsciously was, for the esoteric Christian, an outward expression of inner divine-spiritual governance.
[ 7 ] Aber nicht bei solchen allgemeinen Formen blieb der esoterische Christ stehen, sondern er wies hin auf ganz bestimmte einzelne Gesten, einzelne Teile der Weltenphysiognomie, der Weltenmimik, um in diesen einzelnen Teilen ganz bestimmte Ausdrücke für das Geistige zu sehen. Er wies hin auf die Sonne und sagte: Die Sonne ist nicht bloß ein äußerer, physischer Körper. Dieser äußere, physische Sonnenkörper ist der Körper einer seelisch-geistigen Wesenheit, die waltet über seelisch-geistige Wesenheiten, welche die Regierer, die Leiter aller Erdengeschicke sind; die da sind die Leiter aller äußeren, natürlichen Geschehnisse auf der Erde, aber auch die Leiter alles dessen, was geschieht im menschlichen, sozialen Leben, im gesetzlichen Verhalten aller Menschen untereinander. — Wenn er hinaufsah zur Sonne, der esoterische Christ, so verehrte er in der Sonne die äußere Offenbarung seines Christos. Zunächst war ihm der Christos die Seele der Sonne, und was der esoterische Christ sagte, war dieses: Vom Anfang an war die Sonne der Körper des Christos, aber die Menschen auf der Erde und die Erde selbst waren noch nicht reif, zu empfangen das geistige Licht, das Christus-Licht, das ausströmt von der Sonne. Daher mußten die Menschen vorbereitet werden auf das Christus-Licht.
[ 7 ] But the esoteric Christian did not stop at such general forms; rather, he pointed to very specific individual gestures, individual aspects of the world’s physiognomy and facial expressions, in order to see very specific expressions of the spiritual in these individual aspects. He pointed to the sun and said: The sun is not merely an external, physical body. This external, physical body of the sun is the body of a soul-spiritual being who presides over soul-spiritual beings who are the rulers, the leaders of all earthly destinies; who are the guides of all external, natural events on Earth, but also the guides of everything that happens in human and social life, in the lawful conduct of all people toward one another.” — When the esoteric Christian looked up at the sun, he revered in the sun the outer manifestation of his Christ. At first, the Christ was for him the soul of the sun, and what the esoteric Christian said was this: From the beginning, the sun was the body of the Christ, but the people on Earth and the Earth itself were not yet ready to receive the spiritual light—the Christ-light—that radiates from the sun. Therefore, people had to be prepared for the Christ-light.
[ 8 ] Und nun sah der esoterische Christ hinauf zum Monde, und er sah, wie der Mond zurückspiegelt das Licht der Sonne, aber schwächer als das Licht der Sonne selber ist, und da sagte er sich: Schaue ich mit meinen physischen Augen in die Sonne, so werde ich geblendet von ihrem strahlenden Licht; schaue ich in den Mond, dann werde ich nicht geblendet, er gibt mir das strahlende Sonnenlicht abgeschwächt zurück. - In diesem abgeschwächten Sonnenlicht, in diesem Mondenlicht, das auf die Erde niederstrahlt, sah der esoterische Christ den physiognomischen Ausdruck des alten JehovaPrinzips, den Ausdruck für die Religion des alten Gesetzes. Und er sagte: Bevor das Christus-Prinzip, die Sonne der Gerechtigkeit, auf der Erde erscheinen konnte, mußte das Jahve-Prinzip vorbereitend, abgeschwächt im Gesetz, dieses Licht der Gerechtigkeit auf die Erde herabsenden. |
[ 8 ] And now the esoteric Christian looked up at the moon, and he saw how the moon reflects the light of the sun, though more faintly than the light of the sun itself, and then he said to himself: If I look at the sun with my physical eyes, I am blinded by its radiant light; but when I look at the moon, I am not blinded; it reflects the radiant sunlight back to me in a softened form.”—In this softened sunlight, in this moonlight that shines down upon the earth, the esoteric Christian saw the physiognomic expression of the ancient Jehovah principle, the expression of the religion of the Old Law. And he said: Before the Christ principle, the Sun of Righteousness, could appear on Earth, the Yahweh principle—in a preparatory, attenuated form within the Law—had to send this light of righteousness down to Earth. |
[ 9 ] So war dasjenige, was im alten Jehova-Prinzipe, im alten Gesetze liegt — das geistige Licht des Mondes -, für den esoterischen Christen das zurückgeworfene Geisteslicht des höheren Christus-Prinzips. Und mit den Bekennern der ältesten Mysterien sah der esoterische Christ, auch noch bis tief in das Mittelalter hinein, in der Sonne den Ausdruck des die Erde regierenden geistigen Lichtes, des Christus-Lichtes, im Monde den Ausdruck des zurückgeworfenen Christus-Lichtes, das in seiner unmittelbaren Art die Menschen blenden würde. Und in der Erde selber sah der esoterische Christ mit den Bekennern der ältesten Mysterien dasjenige, was ihm zuzeiten verdeckte, verhüllte das blendende Sonnenlicht des Geistes. Er sah in der Erde ebenso den physischen Ausdruck eines Geistes, wie er in allen übrigen Körpern den Ausdruck für ein Geistiges erblickte. Er stellte sich vor, wenn die Sonne wahrnehmbar auf die Erde scheint, wenn sie vom Frühling an und durch den Sommer hindurch ihre Strahlen hinunterschickt und heraustreibt aus der Erde alles sprießende und sprossende Leben, wenn sie dann ihren Höhepunkt in den langen Sommertagen erreicht hat, dann stellte sich der esoterische Christ vor, daß die Sonne das äußere aufsprießende Leben, das physische Leben versorgt. In den Pflanzen, die aus dem Boden aufsprießen, in den Tieren, die hier ihre Fruchtbarkeit in diesen Zeiten entfalten konnten, sah der esoterische Christ dasselbe Prinzip auf äußere, physische Art, das er in den Wesen sah, für welche die Sonne der äußere Ausdruck ist. Dann aber, wenn die Tage kürzer werden, wenn es dem Herbste, dem Winter zugeht, da sagte der esoterische Christ: Es zieht die Sonne ihre physische Kraft immer mehr und mehr von der Erde zurück. In demselben Maße aber, wie die physische Kraft der Sonne von der Erde zurückgezogen wird, wächst die geistige Kraft, und sie fließt dann am stärksten der Erde zu, wenn jene Tage kommen, die die kürzesten sind, mit den langen Nächten, in den Zeiten, die nachher fixiert worden sind durch das Weihnachtsfest. - Nicht sehen kann der Mensch diese geistige Kraft der Sonne. Er würde sie sehen, sagte der esoterische Christ, wenn in ihm die innere Kraft geistigen Schauens vorhanden wäre. Und ein Bewußtsein hatte der esoterische Christ noch von dem, was als Grundüberzeugung und Grunderkenntnis bei den Mysterienschülern in den ältesten Zeiten bis hinauf in die neuere Zeit war.
[ 9 ] Thus, what lies in the ancient principle of Jehovah, in the ancient Law—the spiritual light of the moon—was, for the esoteric Christian, the reflected spiritual light of the higher Christ principle. And, along with the adherents of the most ancient mysteries, the esoteric Christian—even well into the Middle Ages—saw in the sun the expression of the spiritual light governing the earth, the Christ-light, and in the moon the expression of the reflected Christ-light, which, in its direct form, would blind human beings. And in the Earth itself, the esoteric Christian, along with the adherents of the oldest mysteries, saw that which at times concealed and veiled the dazzling sunlight of the Spirit. He saw in the Earth just as much the physical expression of a Spirit as he saw in all other bodies the expression of something spiritual. He created a mental image of himself when the sun visibly shines upon the earth, when from spring onward and throughout the summer it sends down its rays and drives forth from the earth all sprouting and budding life, and when it has reached its zenith in the long summer days—then the esoteric Christian created a mental image of himself as the sun nourishes the outward, sprouting life, the physical life. In the plants that sprout from the ground, in the animals that were able to develop their fertility during these times, the esoteric Christian saw the same principle in an outer, physical form that he saw in the beings for whom the sun is the outer expression. But then, when the days grow shorter, as autumn and winter approach, the esoteric Christian said: The Sun is drawing its physical power back from the Earth more and more. But to the same extent that the Sun’s physical power is drawn back from the Earth, the spiritual power grows, and it flows most strongly toward the Earth when those days arrive that are the shortest, with the long nights—in the times that have since been marked by the Christmas festival. - Human beings cannot see this spiritual power of the sun. They would see it, said the esoteric Christian, if the inner power of spiritual vision were present within them. And the esoteric Christian still had an awareness of what had been a fundamental conviction and insight among the students of the Mysteries from the earliest times right up to more recent times.
[ 10 ] In jenen Nächten, die heute durch das Weihnachtsfest fixiert sind, wurden die Mysterienschüler vorbereitet zur Wahrnehmung innerer geistiger Schauung, so daß sie sehen konnten innerlich, geistig dasjenige, was sich seiner physischen Kraft nach in diesen Zeiten am meisten von der Erde zurückzieht. In der langen Weihnachtswinternacht war der Mysterienschüler so weit gebracht, daß ihm um Mitternacht die Schauung aufgehen konnte. Dann verhüllt die Erde nicht mehr die Sonne, die hinter der Erde stand. Sie wurde durchsichtig für ihn. Er sah durch die transparente Erde hindurch das geistige Licht der Sonne, das Christus-Licht. Festgehalten wurde diese Tatsache, die ein tiefes Erlebnis der Mysterienschüler wiedergibt, in dem Ausdruck: Die Sonne um Mitternacht sehen.
[ 10 ] On those nights, which are now associated with the Christmas festival, the mystery students were prepared to experience inner spiritual vision, so that they could see inwardly and spiritually that which, in terms of its physical power, withdraws most from the earth during these times. During the long Christmas winter night, the initiate was brought to a point where, at midnight, the vision could dawn upon him. Then the Earth no longer veiled the Sun, which stood behind it. It became transparent to him. He saw through the transparent Earth the spiritual light of the Sun—the Christ-light. This fact, which reflects a profound experience of the mystery students, was captured in the expression: “To see the Sun at midnight.”
[ 11 ] Es gibt Gegenden, in denen die Kirchen, die sonst den ganzen Tag offen sind, um die Mittagsstunde geschlossen werden. Dies ist eine Tatsache, welche das Christentum in Zusammenhang bringt mit den Traditionen uralter Religionsbekenntnisse. Innerhalb uralter religiöser Bekenntnisse sagten die Mysterienschüler aus ihrer Erfahrung heraus: Mittags, wenn die Sonne am höchsten steht, wenn sie die stärkste physische Kraft entfaltet, dann schlafen die Götter, und den tiefsten Schlaf schlafen sie im Sommer, wenn die Sonne ihre stärkste physische Kraft entfaltet. Sie wachen aber am stärksten in der Weihnachtsnacht, wenn die äußere physische Kraft der Sonne am schwächsten ist.
[ 11 ] There are regions where churches, which are otherwise open all day, are closed around noon. This is a fact that links Christianity to the traditions of ancient religious beliefs. Within these ancient religious beliefs, the initiates of the mysteries stated, based on their experience: At noon, when the sun is at its highest, when it exerts its greatest physical power, the gods sleep, and they sleep most deeply in the summer, when the sun exerts its greatest physical power. But they are most alert on Christmas Eve, when the sun’s external physical power is at its weakest.
[ 12 ] Wir sehen: Alle Wesen, die ihre äußere physische Kraft entfalten wollen, blicken zur Sonne auf, wenn die Sonne hinaufsteigt im Frühling; sie streben danach, die äußere physische Sonnenkraft zu empfangen. Dann aber, wenn am Sommermittag die physische Kraft der Sonne am stärksten von der Sonne nach der Erde fließt, dann ist ihre geistige Kraft am schwächsten. In der Wintermitternacht aber, wenn die Sonne die schwächste physische Kraft zur Erde hinabstrahlt, dann sieht der Mensch den Geist der Sonne durch die für ihn transparent gewordene Erde hindurch. Der esoterische Christ empfand, daß er durch die Vertiefung in die christliche Esoterik immer mehr und mehr sich annäherte jener Kraft des inneren Schauens, durch die er sein Empfinden und Denken, seine Willensimpulse ganz erfüllen konnte im Hineinblicken in diese geistige Sonne. Und dann wurde der Mysterienschüler gebracht zu einer Vision, die eine höchst reale Bedeutung hatte: Solange die Erde undurchsichtig ist, erscheinen die einzelnen Teile der Erde bewohnt von Menschen, welche einzelne Glaubensbekenntnisse entfalten; aber das einigende Band ist nicht da. Zerstreut sind die Menschenrassen wie die Klimate, zerstreut sind die Meinungen der Menschen auf der Erde, aber ein verbindendes Glied ist nicht da. In dem Maße aber, wie die Menschen beginnen, durch die innere Kraft des Schauens durch die Erde hindurch in die Sonne zu schauen, in dem Maße als ihnen der Stern durch die Erde hindurch erscheint, einigen sich die Bekenntnisse der Menschen zur großen, einheitlichen Menschenbruderschaft. Und diejenigen, welche die getrennten großen Menschenmassen geleitet haben in der Wahrheit der höheren Plane zur Einweihung in die höheren Welten, sie wurden vorgestellt als die Magier. Drei waren sie, dieweil an den verschiedensten Orten der Erde die verschiedensten Kräfte zum Ausdruck kommen. In verschiedener Weise mußte daher die Menschheit geleitet werden. Als einigende Kraft aber erscheint der Stern, der hinter der Erde aufgeht. Er leitet die zerstreuten Menschen zusammen, und da opfern sie der physischen Verkörperung des Sonnensterns, der da erschienen war als Stern des Friedens. So hat man kosmischmenschlich die Religion des Friedens, der Harmonie, des Weltenfriedens, der Menschenbruderschaft in Zusammenhang gebracht mit den alten Magiern, welche die besten Gaben, die sie für die Menschheit hatten, niederlegten an der Wiege des verkörperten Menschensohnes.
[ 12 ] We see that all beings who wish to develop their outer physical strength look up to the sun as it rises in the spring; they strive to receive the sun’s outer physical power. But then, at midday in summer, when the sun’s physical power flows most strongly from the sun to the earth, its spiritual power is at its weakest. At midnight in winter, however, when the sun radiates its weakest physical power toward the earth, human beings see the spirit of the sun through the earth, which has become transparent to them. The esoteric Christian felt that, through deepening his immersion in Christian esotericism, he was drawing ever closer to that power of inner vision through which he could fully fill his feelings, thoughts, and impulses of will as he gazed into this spiritual sun. And then the mystery student was led to a vision that had a most real significance: As long as the Earth is opaque, the individual parts of the Earth appear to be inhabited by people who profess different creeds; but the unifying bond is absent. The human races are scattered like the climates; the opinions of people on Earth are scattered, but there is no connecting link. But to the extent that people begin, through the inner power of vision, to look through the Earth toward the Sun—to the extent that the star appears to them shining through the Earth—the creeds of humankind unite into the great, unified brotherhood of humanity. And those who have guided the separate great masses of people in the truth of the higher planes toward initiation into the higher worlds were presented as the Magi. There were three of them, since the most diverse forces find expression in the most diverse places on Earth. Humanity therefore had to be guided in various ways. But the star that rises behind the Earth appears as a unifying force. It brings the scattered people together, and there they offer sacrifices to the physical embodiment of the Sun, which had appeared as the Star of Peace. Thus, from a cosmic-human perspective, the religion of peace, harmony, world peace, and human brotherhood has been associated with the ancient magi, who laid down the finest gifts they had for humanity at the cradle of the incarnated Son of Man.
[ 13 ] Die Sage hat das schön festgehalten, indem sie sagte: jener dänische König habe sich erhoben zu der Erkenntnis der Magier, der drei Könige, und da er sich erhoben hat, haben sie ihm ihre drei Gaben zurückgelassen: erstens die Gabe der Weisheit in der Selbsterkenntnis, zweitens die Gabe der hingebungsvollen Frömmigkeit in der Selbsthingabe, und drittens die Gabe des Sieges des Lebens über den Tod in der Kraft und Pflege des Ewigen in dem Selbst.
[ 13 ] The legend beautifully captures this by saying that the Danish king rose to the level of understanding of the Magi, the Three Kings, and when he rose, they left him their three gifts: first, the gift of wisdom through self-knowledge; second, the gift of devoted piety through self-sacrifice; and third, the gift of life’s victory over death through the power and nurturing of the Eternal within the self.
[ 14 ] Alle diejenigen, die so das Christentum verstanden haben, haben in ihm gesehen die tiefe geisteswissenschaftliche Idee der Vereinheitlichung der Religionen. Denn sie waren der Anschauung, ja, sie waren der festen Überzeugung, daß derjenige, der so erfaßt das Christentum, hinwandeln kann zu dem höchsten Entwickelungsgrade der Menschheit.
[ 14 ] All those who understood Christianity in this way saw in it the profound idea of Spiritual Science concerning the unification of religions. For they held the view—indeed, they were firmly convinced—that whoever grasps Christianity in this way can progress toward the highest stage of human development.
[ 15 ] Einer der letzten Deutschen, die in dieser Weise esoterisch das Christentum erfaßt haben, ist Goethe, und Goethe hat uns diese Art des Christentums, diese Art des Religionsausgleichs, diese Art der Theosophie niedergelegt in dem tiefen Gedicht «Die Geheimnisse», das wohl Fragment geblieben ist, aber das uns in tief bedeutsamer Weise die innere Seelenentwickelung eines Menschen zeigt, der durchdrungen und überzeugt ist von den eben angedeuteten Gefühlen und Ideen.
[ 15 ] One of the last Germans to have grasped Christianity in this esoteric way was Goethe, and Goethe has bequeathed to us this form of Christianity, this form of religious synthesis, this form of theosophy in the profound poem “The Mysteries,” which has indeed remained a fragment, but which reveals to us in a profoundly meaningful way the inner spiritual development of a person who is imbued with and convinced of the feelings and ideas just mentioned.
[ 16 ] Wir hören zuerst, wie Goethe uns hinweisen will auf den Pilgerpfad eines solchen Menschen, und wie er uns andeutet, daß dieser Pilgerpfad auf manche Irrwege führen kann, daß es nicht leicht ist für den Menschen, ihn zu finden, und daß man Geduld und Hingabe haben muß, um das Ziel zu erreichen. Wenn der Mensch diese besitzt, dann wird er finden das Licht, das er sucht. Hören wir den Anfang des Gedichtes:
[ 16 ] First, we hear how Goethe seeks to draw our attention to the pilgrim’s path of such a person, and how he suggests to us that this path can lead down many wrong turns, that it is not easy for a person to find it, and that one must have patience and devotion to reach the goal. If a person possesses these qualities, then he will find the light he seeks. Let us listen to the beginning of the poem:
Ein wunderbares Lied ist euch bereitet;
Vernehmt es gern, und jeden ruft herbei!
Durch Berg’ und Täler ist der Weg geleitet;
Hier ist der Blick beschränkt, dort wieder frei,
Und wenn der Pfad sacht in die Büsche gleitet,
So denket nicht, daß es ein Irrtum sei;
Wir wollen doch, wenn wir genug geklommen,
Zur rechten Zeit dem Ziele näher kommen.Doch denke niemand, daß mit vielem Sinnen
Das ganze Lied er je enträtseln werde:
Gar viele müssen vieles hier gewinnen,
Gar manche Blüten trägt die Mutter Erde;
Der eine geht mit düsterm Blick von hinnen,
Der andre weilt mit fröhlicher Gebärde:
Ein jeder soll nach seiner Lust genießen,
Für manchen Wandrer soll die Quelle fließen.
A wonderful song has been prepared for you;
Listen to it with joy, and call everyone here!
The path winds through mountains and valleys;
Here the view is limited, there it opens up again,
And when the path gently slips into the bushes,
Do not think that it is a mistake;
For when we have climbed far enough,
We shall draw nearer to our goal at the right time.But let no one think that by pondering long and hard
He will ever unravel the whole song:
Many must gain much here,
Mother Earth bears many a blossom;
One departs with a gloomy gaze,
Another lingers with a cheerful demeanor:
Each shall enjoy it as he pleases,
For many a wanderer, the spring shall flow.
[ 17 ] In diese Situation hinein werden wir versetzt. Ein Pilger wird uns gezeigt, der uns, wenn wir ihn fragen würden, dem Verstande nach nicht sagen könnte dasjenige, was wir eben als esoterische christliche Idee ausgeführt haben, ein Pilger aber, in dessen Herz und Seele diese Ideen leben, umgewandelt in Gefühle. Nicht leicht ist es, alles zu finden, was in dieses Gedicht, das «Die Geheimnisse» heißt, hineingeheimnißt ist. Goethe hat es klärlich angedeutet: ein Prozeß, der in demjenigen Menschen stattfindet, in dem sich die höchsten Ideen, Gedanken und Vorstellungen umwandeln in Gefühle und Empfindungen. Wodurch findet diese Umwandlung statt?
[ 17 ] We are placed in this situation. We are shown a pilgrim who, if we were to ask him, could not rationally explain what we have just described as an esoteric Christian idea—but a pilgrim in whose heart and soul these ideas live, transformed into feelings. It is not easy to uncover everything that is hidden in this poem, titled “The Mysteries.” Goethe clearly hinted at it: a process that takes place within the human being, in which the highest ideas, thoughts, and mental images are transformed into feelings and sensations. Through what means does this transformation take place?
[ 18 ] Wir leben durch viele Verkörperungen hindurch, von einer Inkarnation zur anderen Inkarnation. In einer jeden lernen wir mehr und gar mancherlei; eine jede gibt viele Gelegenheiten, neue Erfahrungen zu sammeln. Es ist nicht möglich, daß wir alles mit allen Einzelheiten von einer Inkarnation in die andere tragen. Wenn der Mensch wiedergeboren wird, braucht nicht alles aufzuleben, was er früher gelernt hat, in allen seinen Einzelheiten. Aber wenn der Mensch in einer Inkarnation viel gelernt hat, wenn er dann stirbt und wiedergeboren wird, brauchen zwar nicht alle seine Ideen wieder aufzuleben, aber er lebt mit den Früchten seines früheren Lebens wieder auf, mit den Früchten seines Lernens. Sein Empfinden, sein Fühlen entsprechen den Erkenntnissen seiner früheren Verkörperungen.
[ 18 ] We live through many incarnations, from one incarnation to the next. In each one, we learn more and a wide variety of things; each one provides many opportunities to gain new experiences. It is not possible for us to carry everything, down to the last detail, from one incarnation to the next. When a person is reborn, not everything they have learned in the past needs to be revived in all its details. But if a person has learned a great deal in one incarnation, when he then dies and is reborn, not all of his ideas need to resurface, but he does come back to life with the fruits of his previous life, with the fruits of his learning. His perceptions and feelings correspond to the insights gained in his previous incarnations.
[ 19 ] Wir haben hier in Goethes Gedicht ein Wundervolles ausgedrückt, indem uns ein Mensch entgegentritt, der in den einfachsten Worten — wie aus Kindermund, nicht in ausgesprochenen Verstandes- und Ideenformen — die höchste Weisheit kundtut als Frucht früherer Erkenntnisse. Er hat diese Erkenntnisse umgewandelt in Gefühl und Empfindung und ist dadurch berufen, andere zu leiten, die vielleicht mehr an Vorstellungen gelernt haben. Einen solchen Pilger mit reifer Seele, die viel umgewandelt hat in unmittelbares Gefühl und Empfindung, was sie in früheren Inkarnationen an Erkenntnissen gesammelt hat, einen solchen Pilger haben wir in dem Bruder Markus vor uns. Er wird als Angehöriger einer geheimen Bruderschaft mit einer wichtigen Mission zu einer anderen geheimen Bruderschaft geschickt.
[ 19 ] Here, in Goethe’s poem, something wonderful is expressed: a person appears before us who, in the simplest of words—as if from a child’s mouth, not in the form of abstract concepts or ideas—proclaims the highest wisdom as the fruit of earlier insights. He has transformed these insights into feeling and sensation and is thereby called to guide others who may have learned more through mental images. We have before us in Brother Markus such a pilgrim with a mature soul, one who has transformed much of what he gathered in earlier incarnations into direct feeling and sensation. As a member of a secret brotherhood, he is sent on an important mission to another secret brotherhood.
[ 20 ] Er wandert durch mancherlei Gegenden, und da er müde ist, kommt er an einen Berg. Er wandert zuletzt den Pfad hinauf zum Gipfel. Ein jeder Zug in diesem Gedicht ist von tiefer Bedeutung. Als er den Berg erstiegen hat, sieht er in einem nahen Tale ein Kloster. Dieses Kloster ist die Wohnstätte einer anderen Bruderschaft, zu der er hingeschickt ist. Über dem Tor des Klosters sieht er etwas Besonderes. Er sieht da das Kreuz, aber in besonderer Art: das Kreuz von Rosen umwunden! Und er spricht da ein bedeutungsvolles Wort, das nur derjenige verstehen kann, der da weiß, wie oft und oft jenes Kennwort in den geheimen Bruderschaften gesprochen worden ist: «Wer hat dem Kreuze Rosen zugesellt?» Und aus der Mitte des Kreuzes sieht er drei Strahlen wie von der Sonne ausgehen. Er braucht sich nicht in Begriffen die Bedeutung dieses tiefen Symbolums vor die Seele zu rufen. Es lebt in seiner Seele, seiner reifen Seele, Empfindung und Gefühl dafür. Seine reife Seele kennt alles, was darin liegt.
[ 20 ] He wanders through various regions, and, being tired, comes upon a mountain. He finally makes his way up the path to the summit. Every line in this poem is deeply meaningful. Once he has climbed the mountain, he sees a monastery in a nearby valley. This monastery is the home of another brotherhood to which he has been sent. Above the monastery gate, he sees something remarkable. There he sees the cross, but in a special way: the cross entwined with roses! And there he utters a meaningful phrase that only those who know how often that password has been spoken in the secret brotherhoods can understand: “Who has adorned the cross with roses?” And from the center of the cross, he sees three rays emanating as if from the sun. He does not need to conjure up the meaning of this profound symbol in his mind through concepts. The intuition and feeling for it live within his soul, his mature soul. His mature soul knows all that lies within it.
[ 21 ] Was bedeutet das Kreuz? Er weiß, daß das Kreuz mancherlei ausdrückt; unter vielem anderem auch die dreifache niedere Natur des Menschen: den physischen Leib, den Ätherleib und den Astralleib. In ihm wird das Ich geboren. In dem Rosenkreuz haben wir den vierfachen Menschen: im Kreuz den physischen Menschen, den Äthermenschen und den astralischen Menschen, und in den Rosen das Ich. Warum Rosen für das Ich? Das esoterische Christentum fügte die Rosen dem Kreuze zu, weil es in dem Christus-Prinzip die Aufforderung erblickte, das Ich, soweit es geboren wird in den drei Leibern, zu erhöhen zu einem immer höheren und höheren Ich. In dem Christus-Prinzip sah es die Kraft, dieses Ich immer mehr und mehr hinaufzutragen.
[ 21 ] What does the cross signify? He knows that the cross expresses many things; among many others, it also represents the threefold lower nature of the human being: the physical body, the etheric body, and the astral body. It is within the cross that the “I” is born. In the Rose Cross, we have the fourfold human being: in the cross, the physical human being, the etheric human being, and the astral human being; and in the roses, the “I.” Why roses for the “I”? Esoteric Christianity added the roses to the cross because it saw in the Christ principle the call to elevate the “I”—insofar as it is born within the three bodies—to an ever higher and higher “I.” In the Christ principle, it saw the power to lift this “I” higher and higher.
[ 22 ] Das Kreuz ist das Zeichen des Todes in einem ganz besonderen Sinne. Auch das drückt Goethe an einer anderen Stelle schön aus, wenn er sagt:
[ 22 ] The cross is the symbol of death in a very special sense. Goethe also expresses this beautifully elsewhere when he says:
Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
And as long as you don't have that,
This: Die and Be Reborn!
You are but a gloomy guest
On this dark earth.
[ 23 ] Stirb und werde, überwinde dasjenige, was dir zunächst gegeben ist in den niederen drei Leibern. Töte es ab, aber töte es nicht ab, um den Tod zu begehren, sondern läutere das, was in diesen drei Leibern ist, damit du in dem Ich erringst die Kraft, immer mehr Vervollkommnung aufzunehmen. Dadurch, daß du abtötest, was dir in den drei niederen Leibern gegeben ist, zieht ein in das Ich die Kraft der Vervollkommnung. In dem Ich soll der Christ in dem Christus-Prinzip die Kraft der Vervollkommnung bis zum Blut in sich aufnehmen. Bis in das Blut soll wirken diese Kraft.
[ 23 ] Die and be reborn; overcome what is initially given to you in the three lower bodies. Put it to death, but do not do so out of a desire for death; rather, purify what is within these three bodies so that you may attain, within the “I,” the strength to receive ever greater perfection. By putting to death what has been given to you in the three lower bodies, the power of perfection flows into the “I.” In the “I,” the Christian is to absorb the power of perfection within himself—even down to the blood—in accordance with the Christ principle. This power is to work down to the very blood.
[ 24 ] Das Blut ist der Ausdruck für das Ich. In den roten Rosen sah der esoterische Christ dasjenige, was in dem vom Christus-Prinzip gereinigten und geläuterten Blut und damit geläuterten Ich, den Menschen hinaufleitet zu seiner höheren Wesenheit, dasjenige, was den Astralleib umwandelt in das Geistselbst, den Ätherleib in Lebensgeist, den physischen Leib in den Geistesmenschen. So tritt uns in dem mit dem dreifachen Strahl verbundenen Rosenkreuz das Christus-Prinzip in tiefer Symbolik entgegen. Der Pilger, Bruder Markus, der hier ankommt, weiß: Er ist an einem Orte, wo man den tiefsten Sinn des Christentums versteht.
[ 24 ] Blood is the expression of the “I.” In the red roses, the esoteric Christian saw that which, in the blood purified and refined by the Christ principle—and thus in the refined “I”—leads the human being upward to his higher being; that which transforms the astral body into the Spirit-Self, the etheric body into the Life-Spirit, and the physical body into the Spirit-Man. Thus, in the Rose Cross associated with the threefold ray, the Christ principle appears to us in profound symbolism. The pilgrim, Brother Markus, who arrives here, knows: He is in a place where the deepest meaning of Christianity is understood.
Ermüdet von des Tages langer Reise,
Die auf erhabnen Antrieb er getan,
An einem Stab nach frommer Wandrer Weise
Kam Bruder Markus, außer Steg und Bahn,
Verlangend nach geringem Trank und Speise,
In einem Tal am schönen Abend an,
Voll Hoffnung in den waldbewachsnen Gründen
Ein gastfrei Dach für diese Nacht zu finden.Am steilen Berge, der nun vor ihm stehet,
Glaubt er die Spuren eines Wegs zu sehn,
Er folgt dem Pfade, der in Krümmen gehet,
Und muß sich steigend um die Felsen drehn;
Bald sieht er sich hoch über’s Tal erhöhet,
Die Sonne scheint ihm wieder freundlich schön,
Und bald sieht er mit innigem Vergnügen
Den Gipfel nah vor seinen Augen liegen.Und nebenhin die Sonne, die im Neigen
Noch prachtvoll zwischen dunkeln Wolken thront;
Er sammelt Kraft, die Höhe zu ersteigen,
Dort hofft er seine Mühe bald belohnt.
Nun, spricht er zu sich selbst, nun muß sich zeigen,
Ob etwas Menschlichs in der Nähe wohnt!
Er steigt und horcht und ist wie neu geboren:
Ein Glockenklang erschallt in seinen Ohren.Und wie er nun den Gipfel ganz erstiegen,
Sieht er ein nahes, sanft geschwungnes Tal.
Sein stilles Auge leuchtet von Vergnügen;
Denn vor dem Walde sieht er auf einmal
In grüner Au ein schön Gebäude liegen.
So eben trifft’s der letzte Sonnenstrahl:
Er eilt durch Wiesen, die der Tau befeuchtet,
Dem Kloster zu, das ihm entgegen leuchtet.Schon sieht er dicht sich vor dem stillen Orte,
Der seinen Geist mit Ruh und Hoffnung füllt,
Und auf dem Bogen der geschlossnen Pforte
Erblickt er ein geheimnisvolles Bild.
Er steht und sinnt und lispelt leise Worte
Der Andacht, die in seinem Herzen quillt,
Er steht und sinnt: Was hat das zu bedeuten?
Die Sonne sinkt und es verklingt das Läuten.Das Zeichen sieht er prächtig aufgerichtet,
Das aller Welt zu Trost und Hoffnung steht,
Zu dem viel tausend Geister sich verpflichtet,
Zu dem viel tausend Herzen warm gefleht,
Das die Gewalt des bittern Tods vernichtet,
Das in so mancher Siegesfahne weht:
Ein Labequell durchdringt die matten Glieder,
Er sieht das Kreuz, und schlägt die Augen nieder.Er fühlet neu, was dort für Heil entsprungen,
Den Glauben fühlt er einer halben Welt;
Doch von ganz neuem Sinn wird er durchdrungen,
Wie sich das Bild ihm hier vor Augen stellt:
Es steht das Kreuz mit Rosen dicht umschlungen.
Wer hat dem Kreuze Rosen zugesellt?
Es schwillt der Kranz, um recht von allen Seiten
Das schroffe Holz mit Weichheit zu begleiten.Und leichte Silber-Himmelswolken schweben,
Mit Kreuz und Rosen sich empor zu schwingen.
Und aus der Mitte quillt ein heilig Leben
Dreifacher Strahlen, die aus einem Punkte dringen;
Von keinen Worten ist das Bild umgeben,
Die dem Geheimnis Sinn und Klarheit bringen.
Im Dämmerschein, der immer tiefer grauet,
Steht er und sinnt und fühlet sich erbauet.
Weary from the day’s long journey,
Which he had undertaken with noble resolve,
Leaning on a staff in the pious manner of a pilgrim,
Brother Markus, off the beaten path,
Longing for a little drink and food,
Arrived in a valley on that beautiful evening,
Full of hope in the wooded glades
To find a hospitable roof for the night.On the steep mountain that now stands before him,
He believes he sees the traces of a path,
He follows the path, which winds its way,
And must wind his way upward around the rocks;
Soon he finds himself high above the valley,
The sun shines upon him once more, beautifully and warmly,
And soon, with deep delight,
He sees the summit lying close before his eyes.And beside him, the sun, as it begins to set
Still sits magnificently enthroned amid dark clouds;
He gathers strength to scale the height,
There he hopes his efforts will soon be rewarded.
“Now,” he says to himself, “now it must become clear,
Whether anything human dwells nearby!”
He climbs and listens and feels as if reborn:
The sound of a bell rings in his ears.And now that he has fully climbed the summit,
He sees a nearby, gently curving valley.
His quiet eyes shine with delight;
For before the forest he suddenly sees
A beautiful building lying in a green meadow.
Just as the last ray of sunlight strikes it:
He hurries through meadows moistened by dew,
Toward the monastery that shines out to meet him.Already he sees himself close to the quiet place,
Which fills his spirit with peace and hope,
And on the arch of the closed gate
He beholds a mysterious image.
He stands and ponders, murmuring soft words
Of devotion welling up in his heart,
He stands and ponders: What does this mean?
The sun sinks, and the ringing of the bells fades.He sees the sign standing majestically erect,
Which stands as comfort and hope to the whole world,
To which many thousands of spirits are devoted,
To which many thousands of hearts have warmly prayed,
Which destroys the power of bitter death,
Which flies on so many a banner of victory:
A refreshing spring permeates his weary limbs,
He sees the cross and lowers his eyes.He feels anew the salvation that sprang from there,
He senses the faith of half the world;
Yet he is filled with a wholly new sense,
As the image presents itself before his eyes:
There stands the cross, densely entwined with roses.
Who has placed roses upon the cross?
The wreath swells, all around
To gently enfold the rugged wood.And light, silvery clouds of heaven float,
Soaring upward with the cross and roses.
And from the center wells up a holy life
Of threefold rays emanating from a single point;
No words surround the image,
That might bring meaning and clarity to the mystery.
In the twilight, which grows ever darker,
He stands and ponders, feeling uplifted.
[ 25 ] Dasjenige, was als der Geist des tiefsten Christentums zu finden ist innerhalb dieses Gebäudes, drückt sich aus durch dieses von Rosen umwundene Kreuz, und da nun der Pilger eintritt, wird er wirklich empfangen von diesem Geist. Da er eintritt, wird er gewahr, daß in diesem Hause waltet nicht diese, nicht jene Religion der Welt, sondern daß in diesem Hause waltet die höhere Einheit der Religionen der Welt. Innerhalb dieses Hauses bekundet er einem alten Mitglied jener Bruderschaft, die hier ist, in wessen Auftrag und warum er da sei. Er wird empfangen, und er hört, daß in diesem Hause ganz zurückgezogen lebt eine Bruderschaft von zwölf Brüdern. Diese zwölf Brüder sind die Repräsentanten verschiedener Menschengruppen auf der Erde; jeder einzelne der Brüder ist der Repräsentant eines Religionsbekenntnisses. Nicht wird man finden, daß hier einer aufgenommen wird, wenn er noch jung an Jahren ist, wenn er noch unreif ist, sondern man wird aufgenommen, wenn man sich umgesehen hat in der Welt, wenn man sich durchgerungen hat durch der Welten Lust und der Welten Leid, wenn man gearbeitet und gewirkt hat in der Welt und sich emporgerungen hat zu einem freien Ausblick über sein eng begrenztes Gebiet. Dann erst wird man eingereiht und aufgenommen in den Kreis der Zwölf. Und diese Zwölf, von denen ein jeder darstellt, repräsentiert ein Religionsbekenntnis der Welt, sie leben hier in Frieden und Harmonie miteinander; denn sie werden geführt von einem Dreizehnten, der sie alle überragt in der Vollkommenheit des menschlichen Selbstes, der sie alle überragt an weitem Umblick über menschliche Verhältnisse.
[ 25 ] That which is found within this building as the spirit of the deepest Christianity is expressed through this cross entwined with roses, and as the pilgrim enters, he is truly welcomed by this spirit. As he enters, he realizes that it is not this or that religion of the world that reigns in this house, but rather the higher unity of the world’s religions. Inside this house, he tells an elder member of the brotherhood present here on whose behalf and for what purpose he has come. He is welcomed, and he learns that a brotherhood of twelve brothers lives in complete seclusion within this house. These twelve brothers represent various groups of people on Earth; each brother represents a religious denomination. One will not find that anyone is admitted here while still young in years or still immature; rather, one is admitted only after having surveyed the world, having struggled through the world’s pleasures and the world’s sorrows, having worked and acted in the world, and having risen to a free perspective beyond one’s narrowly limited sphere. Only then is one admitted and accepted into the circle of the Twelve. And these Twelve, each of whom represents a religious creed of the world, live here in peace and harmony with one another; for they are led by a Thirteenth who surpasses them all in the perfection of the human self, who surpasses them all in his broad perspective on human affairs.
[ 26 ] Und wie wird von Goethe angedeutet, daß dieser Dreizehnte der Repräsentant wahrer Esoterik, der Träger des Bekenntnisses vom rosigen Kreuze ist? Es wird uns angedeutet von Goethe dadurch, daß gesagt wird: Er war unter uns. Jetzt sind wir in die größte Trauer versetzt, weil er uns verlassen will; er will scheiden von uns. Aber er findet es recht, jetzt von uns zu scheiden. Er will aufsteigen in höhere Regionen, wo er nicht mehr braucht in einem irdischen Leib sich zu offenbaren.
[ 26 ] And how does Goethe suggest that this Thirteenth is the representative of true esotericism, the bearer of the creed of the Rosy Cross? Goethe suggests this to us by saying: “He was among us.” Now we are overcome with the deepest sorrow because he wants to leave us; he wants to part from us. But he considers it right to part from us now. He wants to ascend to higher realms, where he no longer needs to reveal himself in an earthly body.
[ 27 ] Er darf hinaufsteigen. Denn er ist aufgestiegen zu einem Punkt, den Goethe so darlegt, daß er sagt: Es gibt für jedes Bekenntnis die Möglichkeit, sich der höchsten Einheit anzunähern. — Wenn jede der zwölf Religionen reif ist, die Harmonie zu begründen, dann kann der Dreizehnte, der vorher die Harmonie äußerlich hergestellt hat, entschweben. Und schön wird uns gesagt, wodurch man diese Vervollkommnung des Selbstes erringt. Es wird uns erst die Lebensgeschichte des Dreizehnten erzählt; aber der Bruder, der den Pilger Markus aufgenommen hat, weiß noch manches andere, was der große Führer der Zwölf nicht sagen konnte. Einige Züge von tief esoterischer Bedeutung werden nun von diesem Bruder dem Pilger Markus erzählt. Da wird erzählt: als der Dreizehnte geboren wurde, habe ein Stern sein Erdendasein verkündet. Eine unmittelbare Anknüpfung ist das an den Stern, der die Heiligen Drei Könige geführt hat und an dessen Bedeutung. Dieser Stern hat eine bleibende Bedeutung; er gibt den Weg an zur Selbsterkenntnis, Selbsthingabe und Selbstvervollkommnung. Es ist der Stern, der das Verständnis eröffnet für die Gaben, die der dänische König durch die im Traum ihm gewordene Erscheinung empfing, der Stern, der da erscheint bei der Geburt eines jeden, der reif ist, das Christus-Prinzip in sich aufzunehmen.
[ 27 ] He may ascend. For he has risen to a point that Goethe describes as follows: For every creed, there is the possibility of drawing closer to the highest unity. — When each of the twelve religions is ripe to establish harmony, then the Thirteenth, who previously established harmony externally, can ascend. And we are beautifully told how one attains this perfection of the self. First, we are told the life story of the Thirteenth; but the brother who took in the pilgrim Markus knows many other things that the great leader of the Twelve could not say. This brother now recounts to the pilgrim Markus certain details of profound esoteric significance. It is told that when the Thirteenth was born, a star heralded his earthly existence. This is directly linked to the star that guided the Three Wise Men and to its significance. This star has enduring significance; it points the way to self-knowledge, self-surrender, and self-perfection. It is the star that opens the understanding of the gifts the Danish king received through the vision that came to him in a dream—the star that appears at the birth of everyone who is ready to receive the Christ principle within themselves.
[ 28 ] Und anderes zeigte sich noch. Es zeigte sich, daß er sich bis zu jener Höhe der religiösen Harmonie entwickelt hatte, die den Frieden und die Harmonie der Seele bringt. Tief bedeutsam symbolisiert ist das darin, daß, als der Dreizehnte erscheint in der Welt, ein Geier herabstürzt; aber anstatt verheerend zu wirken, verbreitet er Frieden um sich unter den Tauben. Noch anderes wird uns gesagt. Als die kleine Schwester in der Wiege liegt, windet sich eine Otter um sie. Der Dreizehnte, noch ein Kind, tötet die Otter. Wunderbar angedeutet ist darin, wie eine reife Seele - denn nur eine reife Seele kann nach vielen Inkarnationen so etwas erreichen — schon in früher Jugend die Otter tötet, das heißt, die niedere astralische Wesenheit überwindet. Die Otter ist das Symbol für die niedere astrale Wesenheit. Die Schwester ist der eigene Ätherleib, um den sich der Astralleib windet. Der Schwester tötet er die Otter.
[ 28 ] And other things became apparent as well. It became clear that he had developed to that level of religious harmony which brings peace and harmony to the soul. This is symbolized in a deeply significant way by the fact that, when the Thirteenth appears in the world, a vulture swoops down; but instead of wreaking havoc, it spreads peace among the doves. We are told something else as well. As the little sister lies in her cradle, an otter coils around her. The Thirteenth, still a child, kills the otter. This wonderfully suggests how a mature soul—for only a mature soul can achieve such a thing after many incarnations—kills the otter even in early youth, that is, overcomes the lower astral entity. The otter is the symbol of the lower astral being. The sister is one’s own etheric body, around which the astral body winds itself. He kills the otter for his sister.
[ 29 ] Dann wird uns erzählt, wie er sich gehorsam in das fügte, was zunächst das Elternhaus von ihm verlangt. Dem rauhen Vater gehorchte er. Die Seele wandelt um ihre Erkenntnisse, Ideen und Gedanken. Dann entwickeln sich in der Seele Heilkräfte, wodurch heilend in der Welt gewirkt werden kann. Wunderkräfte entwikkeln sich; sie finden ihren Ausdruck darin, daß er mit seinem Schwert einen Quell aus dem Felsen hervorlockt. Absichtlich findet man hier gezeigt, wie seine Seele den Spuren der Schrift folgt.
[ 29 ] We are then told how he obediently submitted to what his parents initially demanded of him. He obeyed his harsh father. The soul evolves through its insights, ideas, and thoughts. Then healing powers develop within the soul, through which healing effects can be brought about in the world. Miraculous powers develop; they find their expression in the fact that he uses his sword to draw a spring from the rock. It is deliberately shown here how his soul follows the path laid out in Scripture.
[ 30 ] So reift allmählich heran der Obere, der Repräsentant der Menschheit, der Auserlesene, welcher hier in der Gemeinschaft der Zwölf - des großen geheimen Ordens, der unter dem Rosenkreuzer-Symbol für die Menschheit die Mission übernommen hat, die in der Welt ausgebreiteten Bekenntnisse zu harmonisieren — als der Dreizehnte wirkt. So werden wir zuerst in tiefsinniger Weise bekannt gemacht mit der Seelenverfassung dessen, der bisher geleitet hat die Bruderschaft unserer Zwölf.
[ 30 ] Thus the Elder, the representative of humanity, the Chosen One, gradually matures; here, within the Community of the Twelve—the great secret order that, under the Rosicrucian symbol, has taken on the mission for humanity to harmonize the creeds spread throughout the world—he acts as the Thirteenth. Thus, we are first introduced in a profound way to the state of soul of the one who has thus far guided the Brotherhood of our Twelve.
Er klopft zuletzt, als schon die hohen Sterne
Ihr helles Auge zu ihm nieder wenden.
Das Tor geht auf und man empfängt ihn gerne
Mit offnen Armen, mit bereiten Händen.
Er sagt, woher er sei, von welcher Ferne
Ihn die Befehle höh’rer Wesen senden.
Man horcht und staunt. Wie man den Unbekannten
Als Gast geehrt, ehrt man nun den Gesandten.Ein jeder drängt sich zu, um auch zu hören.
Und ist bewegt von heimlicher Gewalt,
Kein Odem wagt den seltnen Gast zu stören,
Da jedes Wort im Herzen widerhallt.
Was er erzählet, wirkt wie tiefe Lehren
Der Weisheit, die von Kinderlippen schallt:
An Offenheit, an Unschuld der Gebärde
Scheint er ein Mensch von einer andern Erde.Willkommen, ruft zuletzt ein Greis, willkommen,
Wenn deine Sendung Trost und Hoffnung trägt!
Du siehst uns an; wir alle stehn beklommen,
Obgleich dein Anblick unsre Seele regt:
Das schönste Glück, ach! wird uns weggenommen,
Von Sorgen sind wir und von Furcht bewegt.
Zur wicht’gen Stunde nehmen unsere Mauern
Dich Fremden auf, um auch mit uns zu trauern:Denn, ach, der Mann, der alle hier verbündert,
Den wir als Vater, Freund und Führer kennen,
Der Licht und Mut dem Leben angezündet,
In wenig Zeit wird er sich von uns trennen,
Er hat es erst vor kurzem selbst verkündet;
Doch will er weder Art noch Stunde nennen:
Und so ist uns sein ganz gewisses Scheiden
Geheimnisvoll und voller bittren Leiden.Du sichest alle hier mit grauen Haaren,
Wie die Natur uns selbst zur Ruhe wies:
Wir nahmen keinen auf, den, jung an Jahren,
Sein Herz zu früh der Welt entsagen hieß.
Nachdem wir Lebens Lust und Last erfahren,
Der Wind nicht mehr in unsre Segel blies,
War uns erlaubt, mit Ehren hier zu landen,
Getrost, daß wir den sichern Hafen fanden.Dem edlen Manne, der uns hergeleitet,
Wohnt Friede Gottes in der Brust;
Ich hab’ ihn auf des Lebens Pfad begleitet,
Und bin mir alter Zeiten wohl bewußt;
Die Stunden, da er einsam sich bereitet,
Verkünden uns den nahenden Verlust.
Was ist der Mensch, warum kann er sein Leben
Umsonst, und nicht für einen Bessern geben?Dies wäre nun mein einziges Verlangen:
Warum muß ich des Wunsches mich entschlagen?
Wie viele sind schon vor mir hingegangen!
Nur ihn muß ich am bittersten beklagen.
Wie hätt’ er sonst so freundlich dich empfangen!
Allein er hat das Haus uns übertragen;
Zwar keinen noch zum Folger sich ernennet,
Doch lebt er schon im Geist von uns getrennet.Und kommt nur täglich eine kleine Stunde,
Erzählet, und ist mehr als sonst gerührt:
Wir hören dann aus seinem eigenen Munde,
Wie wunderbar die Vorsicht ihn geführt;
Wir merken auf, damit die sichre Kunde
Im kleinsten auch die Nachwelt nicht verliert;
Auch sorgen wir, daß einer fleißig schreibe,
Und sein Gedächtnis rein und wahrhaft bleibe.Zwar vieles wollt’ ich lieber selbst erzählen,
Als ich jetzt nur zu hören stille bin:
Der kleinste Umstand sollte mir nicht fehlen,
Noch hab ich alles lebhaft in dem Sinn;
Ich höre zu und kann es kaum verhehlen,
Daß ich nicht stets damit zufrieden bin:
Sprech ich einmal von allen diesen Dingen,
Sie sollen prächtiger aus meinem Munde klingen.Als dritter Mann erzählt’ ich mehr und freier,
Wie ihn ein Geist der Mutter früh verhieß,
Und wie ein Stern bei seiner Taufe Feier
Sich glänzender am Abendhimmel wies,
Und wie mit weiten Fittichen ein Geier
Im Hofe sich bei Tauben niederließ;
Nicht grimmigstoßend und wie sonst zu schaden,
Er schien sie sanft zur Einigkeit zu laden.Dann hat er uns bescheidentlich verschwiegen,
Wie er als Kind die Otter überwand,
Die er um seiner Schwester Arm sich schmiegen,
m die Entschlafne fest gewunden fand.
Die Amme floh und ließ den Säugling liegen;
Er drosselte den Wurm mit sichrer Hand:
Die Mutter kam und sah mit Freudebeben
Des Sohnes Taten und der Tochter Leben.Und so verschwieg er auch, daß eine Quelle
Vor seinem Schwert aus trocknem Felsen sprang,
Stark wie ein Bach, sich mit bewegter Welle
Den Berg hinab bis in die Tiefe schlang:
Noch quillt sie fort so rasch, so silberhelle,
Als sie zuerst sich ihm entgegen drang,
Und die Gefährten, die das Wunder schauten,
Den heißen Durst zu stillen kaum getrauten.Wenn einen Menschen die Natur erhoben,
Ist es kein Wunder, wenn ihm viel gelingt;
Man muß in ihm die Macht des Schöpfers loben,
Der schwachen Ton zu solcher Ehre bringt:
Doch wenn ein Mann von allen Lebensproben
Die sauerste besteht, sich selbst bezwingt;
Dann kann man ihn mit Freuden andern zeigen
Und sagen: Das ist er, das ist sein eigen!Denn alle Kraft dringt vorwärts in die Weite,
Zu leben und zu wirken hier und dort;
Dagegen engt und hemmt von jeder Seite
Der Strom der Welt und reißt uns mit sich fort:
In diesem innern Sturm und äußern Streite
Vernimmt der Geist ein schwer verstanden Wort:
Von der Gewalt, die alle Wesen bindet,
Befreit der Mensch sich, der sich überwindet.
He knocks at last, just as the high stars
Turn their bright eyes down toward him.
The gate opens, and he is welcomed gladly
With open arms, with outstretched hands.
He says where he is from, from what distant place
The commands of higher beings have sent him.
They listen and marvel. Just as they honored the stranger
as a guest, so now they honor the messenger.Everyone presses forward to hear as well.
And is moved by a secret power;
No breath dares disturb the rare guest,
For every word echoes in their hearts.
What he recounts seems like profound teachings
Of wisdom that resounds from a child’s lips:
In the openness and innocence of his manner
He seems a man from another world.“Welcome,” cries an old man at last, “welcome,”
If your mission brings comfort and hope!
You look at us; we all stand anxiously,
Though the sight of you stirs our souls:
The greatest happiness, alas! is taken from us,
We are moved by worries and by fear.
At this crucial hour, our walls
Welcome you, stranger, to mourn with us as well:For, alas, the man who unites us all here,
Whom we know as father, friend, and leader,
Who has kindled light and courage in our lives,
In a short while he will part from us,
He himself announced it only recently;
Yet he will not name either the manner or the hour:
And so his certain departure
Remains a mystery, full of bitter suffering.You see all here with gray hair,
As nature herself has led us to rest:
We accepted none who, young in years,
Was called to renounce the world too soon.
Having experienced life’s joys and burdens,
When the wind no longer blew into our sails,
We were permitted to land here with honor,
Reassured that we had found a safe harbor.To the noble man who guided us here,
May God’s peace dwell in his heart;
I have accompanied him on life’s path,
And am well aware of times gone by;
The hours when he prepares himself in solitude,
Proclaim to us the approaching loss.
What is man, why cannot he give his life
In vain, and not for a better one?This would now be my only desire:
Why must I renounce this wish?
How many have gone before me!
Only him must I mourn most bitterly.
How else could he have welcomed you so kindly!
Yet he has entrusted the house to us;
Though he has not yet appointed a successor,
He already lives, in spirit, separated from us.And he comes only for a short hour each day,
Tells us stories, and is more moved than usual:
We then hear from his own lips,
How wonderfully providence has guided him;
We take note, so that this certain account
Is not lost to posterity, even in the smallest detail;
We also ensure that someone writes it down diligently,
And that his memory remains pure and true.Truly, I would much rather tell these things myself,
Than remain silent now, merely listening:
I should not want to miss even the smallest detail,
Nor have I yet forgotten anything vividly;
I listen and can hardly conceal
That I am not always satisfied with this:
If I were to speak of all these things myself,
They will sound more magnificent coming from my own mouth.As the third man, I would tell the story more fully and freely,
How a spirit foretold his mother’s fate early on,
And how a star, during his baptismal ceremony,
Shone more brightly in the evening sky,
And how, with wide wings, a vulture
Settled among the doves in the courtyard;
Not swooping menacingly or seeking to harm as usual,
He seemed to gently invite them to harmony.Then he modestly kept silent about
How, as a child, he overpowered the otter,
Which he found clinging to his sister’s arm,
Tightly coiled around the sleeping girl.
The wet nurse fled and left the infant behind;
He strangled the creature with a steady hand:
The mother came and, trembling with joy,
Beheld her son’s deeds and her daughter’s life.And so he also kept silent about the fact that a spring
Sprang from dry rock before his sword,
Strong as a stream, winding its way with rippling waves
Down the mountain into the depths:
It still gushes forth so swiftly, so silvery-clear,
Just as it first surged toward him,
And the companions who witnessed the miracle,
Hardly dared to quench their burning thirst.When nature has exalted a man,
It is no wonder that he achieves so much;
One must praise in him the power of the Creator,
Who raises the weak clay to such honor:
But when a man, of all life’s trials
Endures the most bitter—conquering himself;
Then one can joyfully point him out to others
And say: This is he, this is his own!For all strength surges forward into the vastness,
To live and to act here and there;
In contrast, from every side
The current of the world constricts and hinders us, sweeping us along:
In this inner storm and outer strife
The spirit hears a word that is hard to understand:
From the force that binds all beings,
The person who overcomes himself is set free.
[ 31 ] So ist dieser Mensch, der sich, das heißt dasjenige Ich, das dem Menschen zunächst zugeteilt ist, überwunden hatte, zum Oberen geworden der eben charakterisierten auserlesenen Bruderschaft. Und so leitet er die Zwölf. Er hat sie geleitet bis zu dem Punkte, wo sie jetzt so reif sind, daß er sie verlassen darf.
[ 31 ] Thus, this person—who had overcome himself, that is, the “I” initially assigned to him—became the leader of the select brotherhood just described. And so he guides the Twelve. He has guided them to the point where they are now so mature that he may leave them.
[ 32 ] Unser Bruder Markus wird dann weiter hineingeleitet in die Räume, wo die Zwölf wirken. Wie wirkten sie? Es ist dieses Wirken von einer besonderen Art, und wir werden aufmerksam gemacht, daß dieses Wirken ein Wirken in der geistigen Welt ist. Der Mensch, dessen Augen bloß nach dem physischen Plan hinschauen, dessen Sinne bloß das Physische sehen und dasjenige, was vom Menschen in der physischen Welt geschieht, kann sich nicht leicht denken, daß es noch eine andere Arbeit gibt, die unter Umständen viel wesentlicher und wichtiger ist als dasjenige, was äußerlich auf dem physischen Plan gearbeitet wird. Die Arbeit von den höheren Planen aus ist viel wichtiger für die Menschheit. Allerdings muß die Bedingung erfüllt werden, daß, wer auf den höheren Planen arbeiten will, zuerst absolviert haben muß die Arbeit auf dem physischen Plan. Diese Zwölf, sie hatten es. Deshalb bedeutet ihr Zusammenwirken etwas Hohes für den Menschheitsdienst.
[ 32 ] Our brother Markus is then led further into the rooms where the Twelve are at work. How were they working? Their work is of a special kind, and we are made aware that this work takes place in the spiritual world. A person whose eyes are fixed solely on the physical plane, whose senses perceive only the physical and what happens in the physical world, cannot easily conceive that there is another kind of work that, under certain circumstances, is far more essential and important than what is done outwardly on the physical plane. Work carried out from the higher planes is far more important for humanity. However, the condition must be met that whoever wishes to work on the higher planes must first have completed the work on the physical plane. These Twelve had done so. That is why their collaboration signifies something noble in the service of humanity.
[ 33 ] Unser Bruder Markus wird hineingeführt in den Raum, wo die Zwölf zu ihren gemeinsamen Versammlungen zusammen waren, und da tritt ihm entgegen in einer tiefen Symbolik die Art ihres Zusammenwirkens. Was jeder der Brüder beizutragen hat aus seiner besonderen Eigenart heraus in diesem Zusammenwirken, das drückt sich aus in einem besonderen Symbolum über dem Sitze eines jeden der Zwölf. Da sieht man mancherlei Symbole, die in sinniger Art in der verschiedensten Weise ausdrücken, was ein jeder beizutragen hat zur gemeinsamen Arbeit, die in spirituellem Wirken besteht, so daß diese Ströme hier zusammenfließen zu einem Strom spirituellen Lebens, der die Welt durchflutet, und der durchkraftet die übrige Menschheit. Es gibt solche Brüderschaften, solche Zentren, von denen hinausgehen solche Ströme und hineinwirken in die übrige Menschheit.
[ 33 ] Our brother Markus is led into the room where the Twelve used to gather for their meetings, and there, in a deeply symbolic way, the nature of their collaboration becomes apparent to him. What each of the brothers has to contribute, based on his own unique character, to this collaboration is expressed in a special symbol above the seat of each of the Twelve. There one sees various symbols that express, in a meaningful way and in the most diverse forms, what each one has to contribute to the common work, which consists of spiritual activity, so that these streams converge here into a single stream of spiritual life that floods the world and imparts its power to the rest of humanity. There are such brotherhoods, such centers, from which such streams flow out and work their way into the rest of humanity.
[ 34 ] Über dem Sitze des Dreizehnten sieht Bruder Markus von neuem das Zeichen: das Kreuz mit Rosen umwunden, dieses Zeichen, das zu gleicher Zeit ein Symbol ist für die viergliedrige Menschennatur und das in den roten Rosen das Symbolum ist für das geläuterte Bluts- oder Ich-Prinzip, das Prinzip für den höheren Menschen. Und dann sehen wir, wie dasjenige, was durch dieses Zeichen überwunden werden soll, als ein besonderes Symbol angebracht ist links und rechts vom Sitze dieses Dreizehnten. Rechts sieht er den feuerfarbenen Drachen: der stellt dar des Menschen astralische Wesenheit.
[ 34 ] Above the seat of the Thirteenth, Brother Markus sees the sign once again: the cross entwined with roses—this sign, which is at the same time a symbol of the fourfold human nature and, in the red roses, the symbol of the purified blood or “I” principle, the principle of the higher human being. And then we see how that which is to be overcome by this sign is depicted as a special symbol to the left and right of the Thirteenth’s seat. To the right, he sees the fiery-colored dragon: it represents the human astral entity.
[ 35 ] Man wußte sehr wohl in der christlichen Esoterik, daß des Menschen Seele hingegeben sein kann an die drei niederen Leiber. Ist sie ihnen hingegeben, dann waltet in ihr das niedere Leben der dreifachen Leiblichkeit; das drückt sich aus in der astralischen Wahrnehmung durch den Drachen. Das ist kein bloßes Symbolum, sondern ein sehr reales Zeichen. Im Drachen drückt sich aus, was zunächst überwunden werden muß. In den Leidenschaften, in diesen Kräften des astralischen Feuers, die dem physischen Menschen angehören, in diesem Drachen sah jene christliche Esoterik, aus deren Geist heraus dieses Gedicht geschrieben worden ist und die innerhalb Europas sich ausgebreitet hat, dasjenige, was die Menschheit aus der heißen Zone empfangen hatte, aus dem Süden. Aus dem Süden stammt derjenige Teil des Menschen, den die Menschheit sich mitgebracht hat als die heiße Leidenschaft, die mehr nach der unteren Sinnlichkeit gerichtet ist. Als ersten Impuls, diese zu bekämpfen und zu überwinden, ahnte man das, was herabfloß in den Einflüssen des kühleren Nordens. Der Einfluß des kälteren Nordens, das Hinabsteigen des Ich in die dreifache Leiblichkeit, wird nach einem alten Symbolum, das aus dem Sternbild des Bären genommen ist, ausgedrückt durch das Hineinstrecken der Hand in eines Bären Rachen. Überwunden wird die niedere Menschennatur, dasjenige, was im feurigen Drachen sich ausdrückt. Und was sich so erhalten hat im höher gearteten Tierwesen, wurde dargestellt im Bären; und das Ich, das sich über die Drachennatur hinaus entwikkelt hat, wurde mit einer tiefen Bezüglichkeit durch das Hineinstrecken der Menschenhand in des Bären Rachen dargestellt. Zu beiden Seiten des Rosenkreuzes erscheint dasjenige, was vom Rosenkreuz überwunden werden muß, und das Rosenkreuz ist es, was den Menschen auffordert, sich höher und höher hinauf zu läutern.
[ 35 ] It was well known in Christian esotericism that the human soul can be surrendered to the three lower bodies. If it is surrendered to them, then the lower life of the threefold physicality reigns within it; this is expressed in astral perception through the dragon. This is not merely a symbol, but a very real sign. The dragon expresses what must first be overcome. In the passions, in these forces of astral fire that belong to the physical human being—in this dragon—that Christian esotericism, in whose spirit this poem was written and which spread throughout Europe, saw that which humanity had received from the hot zone, from the south. From the south comes that part of the human being which humanity has brought with it as the fiery passion that is more directed toward lower sensuality. As the first impulse to combat and overcome this, people sensed what flowed down through the influences of the cooler north. The influence of the colder north—the descent of the “I” into the threefold physical body—is expressed, according to an ancient symbol taken from the constellation of the Bear, by reaching one’s hand into a bear’s throat. What is overcome is the lower human nature, that which finds expression in the fiery dragon. And what has thus been preserved in the higher animal realm was represented by the bear; and the “I,” which has developed beyond the dragon nature, was depicted with profound significance by the stretching of the human hand into the bear’s throat. On either side of the Rosicrucian symbol appears that which must be overcome by the Rosicrucian symbol, and it is the Rosicrucian symbol that calls upon human beings to purify themselves higher and higher.
[ 36 ] So stellt tatsächlich das Gedicht das Prinzip des esoterischen Christentums uns in tiefster Weise dar und bringt uns vor allen Dingen das zur Anschauung, was uns bei einem solchen Fest wie dieses, das wir heute begehen, ganz besonders vor die Seele treten soll.
[ 36 ] Indeed, the poem presents the principle of esoteric Christianity to us in the deepest way and, above all, brings to our attention what should particularly touch our souls on a festival such as the one we are celebrating today.
[ 37 ] Von dem ältesten der hier weilenden zur Bruderschaft gehörenden Brüder wird dem Pilger Markus ausdrücklich bedeutet, daß das, was sie hier zusammen tun, im Geiste geschieht, daß das spirituelles Leben ist. Diese Arbeit für die Menschheit auf dem spirituellen Plan bedeutet etwas Besonderes. Die Brüder haben erfahren des Lebens Lust und Leid. Sie haben Kämpfe draußen durchgemacht, sie haben Arbeit verrichtet draußen in der Welt. Nun sind sie hier, aber es wird auch hier fort und fort gearbeitet an der Fortentwickelung der Menschheit. Es wird dem Pilger Markus bedeutet: Du hast jetzt so viel gesehen, wie dem Schüler gezeigt werden kann, dem das erste Tor geöffnet wird. Man zeigte dir in bedeutsamen Symbolen, wie des Menschen Aufstieg sein soll. Aber das zweite Tor umschließt höhere Geheimnisse: wie an der Menschheit gearbeitet wird von höheren Welten aus. Und diese höheren Geheimnisse kannst du erst nach längerer Vorbereitung erfahren; erst dann kannst du durch das andere Tor eintreten.
[ 37 ] The oldest of the brothers belonging to the Brotherhood who are staying here expressly tells the pilgrim Markus that what they do together here takes place in the spirit—that this is the spiritual life. This work for humanity on the spiritual plane holds special significance. The brothers have experienced both the joys and the sorrows of life. They have endured struggles out there; they have performed work out there in the world. Now they are here, but even here, work continues unceasingly on the further development of humanity. It is made clear to the pilgrim Markus: You have now seen as much as can be shown to a student to whom the first gate is opened. You were shown, through significant symbols, how humanity’s ascent should take place. But the second gate encloses higher mysteries: how humanity is guided from the higher worlds. And you can only experience these higher mysteries after a long period of preparation; only then can you enter through the other gate.
[ 38 ] Tiefe Geheimnisse kommen in diesem Gedichte zum Ausdruck.
[ 38 ] Deep mysteries are expressed in this poem.
Wie frühe war es, daß sein Herz ihn lehrte,
Was ich bei ihm kaum Tugend nennen darf;
Daß er des Vaters strenges Wort verehrte,
Und willig war, wenn jener rauh und scharf
Der Jugend freie Zeit mit Dienst beschwerte,
Dem sich der Sohn mit Freuden unterwarf,
Wie, elternlos und irrend, wohl ein Knabe
Aus Not es tut um eine kleine Gabe.Die Streiter mußt’ er in das Feld begleiten,
Zuerst zu Fuß bei Sturm und Sonnenschein,
Die Pferde warten, und den Tisch bereiten,
Und jedem alten Krieger dienstbar sein.
Gern und geschwind lief er zu allen Zeiten
Bei Tag und Nacht als Bote durch den Hain;
Und so gewohnt für andre nur zu leben,
Schien Mühe nur ihm Fröhlichkeit zu geben.Wie er im Streit mit kühnem muntern Wesen
Die Pfeile las, die er am Boden fand,
Eilt’ er hernach die Kräuter selbst zu lesen,
Mit denen er Verwundete verband:
Was er berührte, mußte gleich genesen,
Es freute sich der Kranke seiner Hand:
Wer wollt’ ihn nicht mit Fröhlichkeit betrachten!
Und nur der Vater schien nicht sein zu achten.Leicht, wie ein segelnd Schiff, das keine Schwere
Der Ladung fühlt und eilt von Port zu Port,
Trug er die Last der elterlichen Lehre;
Gehorsam war ihr erst- und letztes Wort;
Und wie den Knaben Lust, den Jüngling Ehre,
So zog ihn nur der fremde Wille fort.
Der Vater sann umsonst auf neue Proben,
Und wenn er fordern wollte, mußt’ er loben.Zuletzt gab sich auch dieser überwunden,
Bekannte tätig seines Sohnes Wert;
Die Rauhigkeit des Alten war verschwunden,
Er schenkt’ auf einmal ihm ein köstlich Pferd;
Der Jüngling ward vom kleinen Dienst entbunden,
Er führte statt des kurzen Dolchs ein Schwert:
Und so trat er geprüft in einen Orden,
Zu dem er durch Geburt berechtigt worden.So könnt’ ich dir noch tagelang berichten,
Was jeden Hörer in Erstaunen setzt;
Sein Leben wird den köstlichsten Geschichten
Gewiß dereinst von Enkeln gleichgesetzt;
Was dem Gemüt in Fabeln und Gedichten
Unglaublich scheint und es doch hoch ergötzt,
Vernimmt es hier und mag sich gern bequemen,
Zwiefach erfreut für wahr es anzunehmen.Und fragst du mich, wie der Erwählte heiße,
Den sich das Aug’ der Vorsicht ausersah?
Den ich zwar oft, doch nie genugsam preise,
An dem so viel Unglaubliches geschah?
Humanus heißt der Heilige, der Weise,
Der beste Mann, den ich mit Augen sah:
Und sein Geschlecht, wie es die Fürsten nennen,
Sollst du zugleich mit seinen Ahnen kennen.Der Alte sprach’s und hätte mehr gesprochen,
Denn er war ganz der Wunderdinge voll,
Und wir ergötzen uns noch manche Wochen
An allem, was er uns erzählen soll;
Doch eben ward sein Reden unterbrochen,
Als gegen seinen Gast das Herz am stärksten quoll.
Die andern Brüder gingen bald und kamen,
Bis sie das Wort ihm von dem Munde nahmen.Und da nun Markus nach genoßnem Mahle
Dem Herrn und seinen Wirten sich geneigt,
Erbat er sich noch eine reine Schale
Voll Wasser, und auch die ward ihm gereicht.
Dann führten sie ihn zu dem großen Saale,
Worin sich ihm ein seltner Anblick zeigt.
Was er dort sah, soll nicht verborgen bleiben,
Ich will es euch gewissenhaft beschreiben.Kein Schmuck war hier, die Augen zu verblenden,
Ein kühnes Kreuzgewölbe stieg empor,
Und dreizehn Stühle sah er an den Wänden
Umher geordnet, wie im frommen Chor,
Gar zierlich ausgeschnitzt von klugen Händen;
Es stand ein kleiner Pult an jedem vor.
Man fühlte hier der Andacht sich ergeben
Und Lebensruh und ein gesellig Leben.Zu Häupten sah er dreizehn Schilde hangen,
Denn jedem Stuhl war eines zugezählt.
Sie schienen hier nicht ahnenstolz zu prangen,
Ein jedes schien bedeutend und gewählt,
Und Bruder Markus brannte vor Verlangen
Zu wissen, was so manches Bild verhehlt;
Im mittelsten erblickt er jenes Zeichen
Zum zweitenmal, ein Kreuz mit Rosenzweigen.Die Seele kann sich hier gar vieles bilden,
Ein Gegenstand zieht von dem andern fort;
Und Helme hängen über manchen Schilden,
Auch Schwert und Lanze sieht man hier und dort,
Die Waffen, wie man sie von Schlachtgefilden
Auflesen kann, verzieren diesen Ort:
Hier Fahnen und Gewehre fremder Lande,
Und, seh’ ich recht, auch Ketten dort und Bande!Ein jeder sinkt vor seinem Stuhle nieder,
Schlägt auf die Brust in still Gebet gekehrt;
Von ihren Lippen tönen kurze Lieder,
In denen sich andächt’ge Freude nährt;
Dann segnen sich die treu verbundnen Brüder
Zum kurzen Schlaf, den Phantasie nicht stört:
Nur Markus bleibt, indem die andern gehen,
Mit einigen im Saale schauend stehen.So müd’ er ist, wünscht er noch fort zu wachen,
Denn kräftig reizt ihn manch und manches Bild:
Hier sieht er einen feuerfarbnen Drachen,
Der seinen Durst in wilden Flammen stillt;
Hier einen Arm in eines Bären Rachen,
Von dem das Blut in heißen Strömen quillt;
Die beiden Schilder hingen, gleicher Weite,
Beim Rosenkreuz zur recht’ und linken Seite.Wohin er auch die Blicke kehrt und wendet,
Je mehr erstaunt er über Kunst und Pracht,
Mit Vorsatz scheint der Reichtum hier verschwendet,
Es scheint, als habe sich nur alles selbst gemacht.
Soll er sich wundern, daß das Werk vollendet?
Soll er sich wundern, daß es so erdacht?
Ihn dünkt, als fang er erst, mit himmlischem Entzücken,
Zu leben an in diesen Augenblicken.Du kommst hierher auf wunderbaren Pfaden,
Spricht ihn der Alte wieder freundlich an;
Laß diese Bilder dich zu bleiben laden,
Bis du erfährst, was mancher Held getan;
Was hier verborgen, ist nicht zu erraten,
Man zeige denn es dir vertraulich an;
Du ahnest wohl, wie manches hier gelitten,
Gelebt, verloren ward, und was erstritten.Doch glaube nicht, daß nur von alten Zeiten
Der Greis erzählt, hier geht noch manches vor;
Das, was du siehst, will mehr und mehr bedeuten;
Ein Teppich deckt es bald und bald ein Flor.
Beliebt es dir, so magst du dich bereiten:
Du kamst, o Freund, nur erst durch’s erste Tor;
Im Vorhof bist du freundlich aufgenommen,
Und scheinst mir wert ins Innerste zu kommen.
How early it was that his heart taught him,
What I can scarcely call a virtue in him;
That he revered his father’s stern word,
And was willing, when the latter, harsh and sharp,
Burdened his youth’s free time with duty,
To which the son joyfully submitted,
Just as, parentless and wandering, a boy
Might do so out of necessity for a small gift.He had to accompany the warriors into the field,
At first on foot through storm and sunshine,
Tending the horses and setting the table,
And be of service to every old warrior.
Willingly and swiftly he ran at all times
Day and night as a messenger through the grove;
And so accustomed to living only for others,
It seemed that toil alone brought him joy.As he fought with a bold and cheerful spirit
He gathered the arrows he found on the ground,
Then he hurried to gather herbs himself,
With which he bound the wounded:
Whatever he touched was healed at once,
The sick rejoiced at his touch:
Who would not look upon him with joy!
And only his father seemed not to regard him.Light as a sailing ship that feels no weight
From its cargo and hastens from port to port,
He bore the burden of his parents’ teachings;
Obedience was their first and last word;
And just as play is a boy’s delight and honor a young man’s,
So only the will of others drew him away.
The father devised new tests in vain,
And whenever he wanted to demand, he had to praise.At last, even he conceded defeat,
Actively acknowledging his son’s worth;
The old man’s harshness had vanished,
And suddenly he gifted him a magnificent horse;
The young man was released from his menial duties,
And instead of a short dagger, he carried a sword:
And so, having been tested, he entered a religious order,
To which he had been entitled by birth.Thus I could tell you for days on end,
What leaves every listener in awe;
His life will surely one day be equated by his grandchildren
With the most delightful tales;
What seems unbelievable to the mind in fables and poems
Yet delights it greatly,
It hears here and is glad to accept it,
Twice as pleased to believe it to be true.And if you ask me what the Chosen One’s name is,
Whom the eye of prudence singled out?
Whom I praise often, yet never sufficiently,
To whom so many incredible things happened?
Humanus is the name of the saint, the sage,
The finest man I have ever seen with my own eyes:
And his lineage, as the princes call it,
You shall come to know along with his ancestors.The old man spoke these words and would have spoken more,
For he was full of wondrous things,
And we will delight for many weeks to come
In all that he is to tell us;
But just then his speech was interrupted,
As his heart swelled most strongly toward his guest.
The other brothers came and went frequently,
Until they took the words from his mouth.And now that Mark, having enjoyed his meal,
Bowed to the Lord and his hosts,
He asked for another clean bowl
Full of water, and that, too, was handed to him.
Then they led him to the great hall,
Where a rare sight presented itself to him.
What he saw there shall not remain hidden,
I will describe it to you faithfully.There was no ornamentation here to dazzle the eyes,
A bold cross vault soared upward,
And he saw thirteen chairs along the walls
Arranged in a circle, as in a devout choir,
Exquisitely carved by skilled hands;
A small lectern stood before each one.
Here one felt oneself surrendered to devotion
And the tranquility of life and a communal existence.Above them he saw thirteen shields hanging,
For each chair had one assigned to it.
They did not seem to flaunt ancestral pride here,
Each one seemed significant and carefully chosen,
And Brother Markus burned with longing
To know what so many an image conceals;
In the center, he glimpsed that symbol
for the second time: a cross with rose branches.The soul can conjure up many things here,
one object drawing the eye away from another;
and helmets hang above many a shield,
swords and lances can also be seen here and there,
Weapons, such as might be gathered from the battlefields
Adorn this place:
Here are banners and rifles from foreign lands,
And, if I see correctly, chains and ribbons there as well!Each one sinks to his knees before his chair,
Striking his chest in silent prayer;
Short songs ring from their lips,
In which devout joy is nourished;
Then the faithfully united brothers
Bless one another for a brief sleep undisturbed by fantasy:
Only Markus remains, as the others leave,
Standing with a few others, gazing around the hall.As weary as he is, he still wishes to stay awake,
For many a vision powerfully stirs him:
Here he sees a fiery-colored dragon,
Quenching its thirst in wild flames;
Here, an arm in a bear’s maw,
From which blood gushes in hot streams;
The two shields hung, of equal width,
To the right and left of the Rose Cross.Wherever he turns his gaze,
The more he marvels at the art and splendor;
The wealth here seems to have been squandered on purpose,
It seems as if everything created itself.
Should he be surprised that the work is complete?
Should he be surprised that it was conceived this way?
It seems to him as if, with heavenly delight,
He is only now beginning to truly live in these moments.You have come here along wondrous paths,
The old man addresses him again in a friendly tone;
Let these images invite you to stay,
Until you learn what many a hero has done;
What is hidden here cannot be guessed,
Unless it is revealed to you in confidence;
You can well imagine how much has been suffered here,
Lived, lost, and what was won.But do not think that the old man speaks only of ancient times
—much is still happening here;
What you see will mean more and more;
A tapestry will soon cover it, and soon a pile carpet.
If it pleases you, you may prepare yourself:
You have come, O friend, only through the first gate;
You have been warmly welcomed in the forecourt,
And you seem to me worthy of entering the innermost sanctum.
[ 39 ] Nach kurzer Ruhe lernt unser Bruder Markus zunächst wenigstens etwas ahnen von dem Innern. Er hat in bedeutsamen Symbolen den Aufstieg des menschlichen Selbst auf seine Seele wirken lassen, und als er nach kurzer Ruhe durch ein Zeichen geweckt wird, kommt er an ein Tor, das er aber verriegelt findet. Und er hört einen merkwürdigen Dreiklang: drei Schläge und wie durchflutet das Ganze von einem Flötenspiel. Er kann nicht hineinschauen, nicht sehen, was im Raume dort geschieht.
[ 39 ] After a brief rest, our brother Markus begins to sense at least something of what lies within. He has allowed the ascent of the human self to take effect upon his soul through meaningful symbols, and when, after a brief rest, he is awakened by a sign, he comes to a gate, which he finds locked. And he hears a strange triad: three beats, and the whole thing seems to be permeated by the sound of a flute. He cannot look inside; he cannot see what is happening in that room.
[ 40 ] Es braucht uns nichts mehr gesagt zu werden als diese paar Worte, um in tiefsinniger Art hinzudeuten auf das, was den Menschen erwartet, wenn er sich den geistigen Welten nähert, wenn er so weit geläutert und vervollkommnet ist durch die Arbeit an seinem Selbst, daß er hindurchgegangen ist durch die astralische Welt und sich dann den höheren Welten nähert - jenen Welten, in denen die geistigen Urbilder der Dinge hier auf Erden zu finden sind -, wenn er sich dem nähert, was im esoterischen Christentum die Himmelswelt genannt wird. Dann nähert er sich ihm zunächst durch eine Welt von flutenden Farben, und er tritt dann ein in eine Welt der Töne, in die Weltenharmonie, den Sphärenklang. Die geistige Welt ist eine Welt der Töne. Es muß sich einleben in diese geistige Welt derjenige, der sein höheres Ich hinaufentwickelt hat zu höheren Welten. Gerade Goethe ist es, der das höhere Erleben einer Welt geistigen Tönens deutlich zum Ausdruck gebracht hat in seinem «Faust», als er ihn zum Himmel entrückt sein läßt, und die Himmelswelt sich ihm durch Tönen offenbart.
[ 40 ] Nothing more needs to be said to us than these few words to point, in a profound way, to what awaits a person when he approaches the spiritual worlds—when he has been purified and perfected through work on himself to such an extent that he has passed through the astral world and is then approaching the higher worlds —those worlds in which the spiritual archetypes of things here on Earth are to be found—when he approaches what is called the heavenly world in esoteric Christianity. Then he first approaches it through a world of flowing colors, and he then enters a world of sounds, the harmony of the worlds, the music of the spheres. The spiritual world is a world of sounds. One who has developed his higher Self up to the higher worlds must become attuned to this spiritual world. It is Goethe, in particular, who clearly expressed the higher experience of a world of spiritual sound in his Faust, when he has Faust raptured into heaven and the heavenly world reveals itself to him through sounds.
Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang ...
The sun resounds in the ancient way
A song of rivalry in the spheres of brotherhood ...
[ 41 ] Die physische Sonne tönt nicht, aber die geistige Sonne tönt. Goethe hält das Bild fest, als Faust nach langen Irrfahrten hinaufversetzt wird in die geistigen Welten:
[ 41 ] The physical sun does not sound, but the spiritual sun does. Goethe captures this image when Faust, after a long odyssey, is transported upward into the spiritual realms:
Tönend wird für Geistes-Ohren
Schon der neue Tag geboren ...
Es drommetet, es posaunet; ...
Unerhörtes hört sich nicht.
Resounding to the ears of the spirit
The new day is already dawning...
It thunders, it trumpets; ...
The unheard cannot be heard.
[ 42 ] Durch die symbolische Farbenwelt des Astralen hindurch nähert sich der Mensch, wenn er sich weiter hinaufentwickelt, der Welt der Sphärenharmonie, dem devachanischen Gebiet, dem, was geistige Musik ist. Nur leise, leise nach außen gehend, ertönt unserem Bruder Markus, als er das erste Tor, das Tor des Astralen, durchschritten hat, der Klang der innern Welt, die hinter unserer äußeren Welt ist, jener Welt, die umwandelt die niedere Welt des Astralischen in diejenige höhere Welt, die von dem Dreiklang durchflossen ist. Und indem wir zur höheren Welt hinaufkommen, wandelt sich des Menschen niedere Natur um in die höhere Dreiheit: es wandelt sich unser Astralleib in das Geistselbst, der Ätherleib in den Lebensgeist, der physische Leib in den Geistesmenschen.
[ 42 ] As human beings continue to evolve upward, they pass through the symbolic world of astral colors and approach the world of spherical harmony, the Devachanic realm—that which is spiritual music. Only very softly, very softly radiating outward, does the sound of the inner world—the world that lies beyond our outer world, the world that transforms the lower astral realm into the higher world permeated by the triad—resound to our brother Markus as he passes through the first gate, the gate of the astral. And as we ascend to the higher world, the lower nature of the human being is transformed into the higher Trinity: our astral body is transformed into the Spirit-Self, the etheric body into the Life-Spirit, and the physical body into the Spirit-Man.
[ 43 ] Bruder Markus ahnt zunächst in der Sphärenmusik den Dreiklang der höheren Natur, und indem er eins wird mit dieser Sphärenmusik, geht ihm die erste Ahnung auf von der Verjüngung des Menschen, der mit den geistigen Welten in Verbindung tritt. Er sieht wie im Traum durch den Garten schweben die verjüngte Menschheit in der Form der drei Jünglinge, die drei Fackeln tragen. Das ist der Moment, wo die Seele des Markus am Morgen aufgewacht ist aus der Finsternis, und wo die Finsternis noch etwas da ist; das Licht hat sie noch nicht durchdrungen. Aber gerade in dieser Zeit kann die Seele hineinschauen in die geistige Welt. Sie kann hineinschauen in die geistigen Welten, wie sie hineinschauen kann, wenn der SommerMittag vergangen ist, wenn die Sonne immer schwächer wird und der Winter eingetreten ist, und dann in der Mitternacht durch die Erde hindurchscheint das Christus-Prinzip in der Weihenacht.
[ 43 ] Brother Markus first senses in the music of the spheres the triad of higher nature, and as he becomes one with this music of the spheres, he gains his first glimpse of the rejuvenation of the human being who enters into communion with the spiritual worlds. He sees, as if in a dream, the rejuvenated humanity floating through the garden in the form of three youths carrying three torches. This is the moment when Markus’s soul awoke in the morning from the darkness, and when the darkness is still somewhat present; the light has not yet penetrated it. But it is precisely at this time that the soul can look into the spiritual world. It can look into the spiritual worlds just as it can when the summer noon has passed, when the sun grows ever weaker and winter has set in, and then, at midnight, the Christ principle shines through the earth on Christmas Eve.
[ 44 ] Durch das Christus-Prinzip wird der Mensch hinaufgebracht zu der höheren Dreiheit, die dem Bruder Markus in den drei Jünglingen sich darstellt, welche die verjüngte Menschheit darstellen. Das ist das, was Goethe ausgedrückt hat in dem Spruch:
[ 44 ] Through the Christ Principle, human beings are raised to the higher Trinity, which appears to Brother Markus in the form of the three youths who represent rejuvenated humanity. This is what Goethe expressed in the saying:
Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
And as long as you don't have that,
This: Die and Be Born!
You are merely a gloomy guest
On this dark earth.
[ 45 ] Jedes Jahr aufs neue soll dem, der das esoterische Christentum versteht, die Weihenacht hindeuten darauf, daß das, was in der äußeren Welt geschieht, Mimik, Gebärde ist für inneres, geistiges Geschehen. Die äußere Kraft der Sonne lebt sich aus in der Frühlings- und Sommer-Sonne. In der Heiligen Schrift ist diese äußere Sonnenkraft, die nur Verkündigung ist der inneren, geistigen Kraft der Sonne, ausgedrückt im Johannes, dagegen die innere, geistige Kraft in dem Christus. Und indem die physische Kraft der Sonne immer mehr herabsinkt, steigt die geistige Kraft und wird immer stärker und stärker, bis sie um Weihnachten am stärksten ist. Dies liegt den Worten im Johannes-Evangelium zugrunde: Ich muß sinken, Er aber muß steigen. - Und Er steigt und steigt und erscheint da, wo die Sonnenkraft wiederum die äußere physische Kraft erlangt hart.
[ 45 ] Every year anew, for those who understand esoteric Christianity, the Night of the Epiphany is meant to point out that what happens in the outer world is a reflection, a gesture, of inner, spiritual events. The outer power of the sun manifests itself in the spring and summer sun. In the Holy Scriptures, this outer power of the sun—which is merely a manifestation of the sun’s inner, spiritual power—is expressed in the Gospel of John, whereas the inner, spiritual power is expressed in Christ. And as the physical power of the sun steadily wanes, the spiritual power rises and grows stronger and stronger, until it reaches its peak around Christmas. This underlies the words in the Gospel of John: “I must decrease, but He must increase.”—And He rises and rises and appears where the sun’s power once again attains its outer, physical strength.
[ 46 ] Damit der Mensch in dieser äußeren, physischen Kraft nunmehr verehren, anbeten kann diese geistige Sonnenkraft, muß er erkennen lernen die Bedeutung des Weihnachtsfestes. Für den Menschen, der diese Bedeutung nicht erkennt, ist die neue Kraft der Sonne nichts anderes als wiederum die alte physische Kraft. Der aber, der sich mit den Impulsen bekannt gemacht hat, die das esoterische Christentum und gerade das Weihnachtsfest ihm geben soll, der wird in der wachsenden Kraft des Sonnenkörpers den äußeren Leib des inneren Christus sehen, der durch die Erde hindurchstrahlt, der sie belebt und befruchtet, so daß die Erde selbst der Träger der Christus-Kraft, des Erdgeistes wird. So wird uns dasjenige, was uns in jeder Weihnachtsnacht geboren wird, jedesmal aufs neue geboren. Der Christus wird uns im Innern den Mikrokosmos im Makrokosmos wahrnehmen lassen, und diese Wahrnehmung wird uns höher und höher hinaufleiten.
[ 46 ] In order for human beings to now revere and worship this spiritual power of the Sun within this outer, physical force, they must learn to recognize the significance of the Christmas festival. For those who do not recognize this significance, the new power of the Sun is nothing more than the old physical force once again. But the one who has become acquainted with the impulses that esoteric Christianity—and Christmas in particular—is meant to impart to him will see in the growing power of the solar body the outer body of the inner Christ, who shines through the Earth, enlivening and fertilizing it, so that the Earth itself becomes the bearer of the Christ force, the Earth Spirit. Thus, that which is born to us every Christmas night is born anew each time. Christ will enable us to perceive within ourselves the microcosm within the macrocosm, and this perception will lead us higher and higher.
[ 47 ] Was lange schon den Menschen etwas Äußerliches geworden ist, die Feste, sie werden in ihrer tiefen Bedeutung wiederum erscheinen für den Menschen, wenn er durch diese tiefe Esoterik hingeführt wird zu dem Wissen, daß das, was außen in der Natur geschicht als Donner und Blitz, Sonnenaufgang und -untergang, Mondaufgang und -untergang, Geste und Physiognomie ist für geistiges Dasein. Und an den wichtigen Punkten, die in unseren Festen abgesteckt sind, soll der Mensch erkennen, daß dann auch in der geistigen Welt sich Bedeutsames abspielt. Dann wird er dadurch hingeleitet werden zu der verjüngenden geistigen Kraft, die uns in den drei Jünglingen angedeutet wird, die das Ich nur gewinnen kann in der Hingabe an die Außenwelt, nicht, indem es sich egoistisch vor ihr abschließt. Es gibt aber keine Hingabe an die Außenwelt, wenn die Außenwelt nicht vom Geist durchdrungen ist. Daß dieser Geist erscheinen soll jedes Jahr aufs neue, für alle Menschen, selbst für die Schwächsten, als Licht in der Finsternis, das soll jedes Jahr aufs neue den Menschen in Herz und Seele geschrieben werden.
[ 47 ] What has long since become something external to human beings—the festivals—will once again reveal their profound significance to them when, through this deep esotericism, they are led to the knowledge that what occurs externally in nature—such as thunder and lightning, sunrise and sunset, moonrise and moonset, gestures, and physiognomy—is of spiritual significance. And at the significant points marked by our festivals, people will come to recognize that significant events are also taking place in the spiritual world. Through this, they will be guided toward the rejuvenating spiritual power symbolized by the three youths—a power that the “I” can attain only through devotion to the outer world, not by selfishly shutting itself off from it. But there can be no devotion to the outer world unless that outer world is permeated by the Spirit. That this Spirit is to appear anew each year, for all people—even the weakest—as a light in the darkness—this is to be inscribed anew each year in the hearts and souls of human beings.
[ 48 ] Das wollte Goethe auch in diesem Gedicht «Die Geheimnisse» ausdrücken. Es ist ein Weihnachts- und zugleich ein ÖsterGedicht. Tiefe Geheimnisse des esoterischen Christentums will es andeuten. Wenn wir das, was Goethe hat andeuten wollen aus den tiefen Geheimnissen des rosenkreuzerischen Christentums, auf uns wirken lassen, wenn wir seine Kraft auch nur zum Teile in uns aufnehmen, dann werden wir wenigstens für einige in unserer Umgebung zu Missionaren werden; wir werden es erreichen, diese Feste wiederum zu etwas Geist- und Lebensvollem zu gestalten.
[ 48 ] Goethe also sought to express this in his poem “The Mysteries.” It is both a Christmas poem and an Easter poem. It seeks to allude to the profound mysteries of esoteric Christianity. If we allow what Goethe sought to allude to—drawn from the profound mysteries of Rosicrucian Christianity—to take effect within us, if we absorb even a portion of its power, then we will become missionaries, at least for some among those around us; we will succeed in transforming these festivals once again into something full of spirit and life.
Nach kurzem Schlaf in einer stillen Zelle
Weckt unsern Freund ein dumpfer Glockenton.
Er rafft sich auf mit unverdroß’ner Schnelle,
Dem Ruf der Andacht folgt der Himmelssohn.
Geschwind bekleidet, eilt er nach der Schwelle,
Es eilt sein Herz voraus zur Kirche schon,
Gehorsam, ruhig, durch Gebet beflügelt;
Er klinkt am Schloß, und findet es verriegelt.Und wie er horcht, so wird in gleichen Zeiten
Dreimal ein Schlag auf hohles Erz erneut,
Nicht Schlag der Uhr und auch nicht Glockenläuten,
Ein Flötenton mischt sich von Zeit zu Zeit;
Der Schall, der seltsam ist und schwer zu deuten,
Bewegt sich so, daß er das Herz erfreut,
Einladend ernst, als wenn sich mit Gesängen
Zufriedne Paare durcheinander schlängen.Er eilt ans Fenster, dort vielleicht zu schauen,
Was ihn verwirrt und wunderbar ergreift;
Er sieht den Tag im fernen Osten grauen,
Den Horizont mit leichtem Duft gestreift.
Und - soll er wirklich seinen Augen trauen?
Ein seltsam Licht, das durch den Garten schweift:
Drei Jünglinge mit Fackeln in den Händen
Sieht er sich eilend durch die Gänge wenden.Er sieht genau die weißen Kleider glänzen,
Die ihnen knapp und wohl am Leibe stehn,
Ihr lockig Haupt kann er mit Blumenkränzen,
Mit Rosen ihren Gurt umwunden sehn;
Es scheint, als kämen sie von nächt’gen Tänzen,
Von froher Mühe recht erquickt und schön.
Sie eilen nun und löschen, wie die Sterne,
Die Fackeln aus, und schwinden in die Ferne.
After a brief sleep in a quiet cell
A muffled toll of the bell awakens our friend.
He rises with undaunted haste,
The Son of Heaven follows the call to prayer.
Quickly dressed, he hurries to the threshold,
His heart already races ahead to the church,
Obedient, calm, inspired by prayer;
He rings the lock and finds it bolted.And as he listens, at regular intervals
A blow on hollow metal is heard three times anew,
Not the striking of a clock, nor the ringing of bells,
A flute’s note mingles from time to time;
The sound, which is strange and hard to interpret,
Moves in such a way that it delights the heart,
Invitingly solemn, as if, accompanied by songs,
Content couples were winding their way through one another.He hurries to the window, perhaps to see there,
What confuses him and fills him with wonder;
He sees the day breaking in the distant east,
Brushing the horizon with a light fragrance.
And—should he really trust his eyes?
A strange light wandering through the garden:
Three young men with torches in their hands
He sees them hurrying through the corridors.He sees clearly their white robes gleaming,
Fitting them snugly and well,
He sees their curly heads adorned with wreaths of flowers,
And roses entwined around their sashes;
It seems as though they’ve just returned from nighttime dances,
Refreshed and beautiful from their joyful exertions.
Now they hurry on and, like the stars,
Extinguish their torches and fade into the distance.
