Human Development and Christ-Knowledge
GA 100
22 June 1907, Kassel
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Human Development and Christ-Knowledge, tr. SOL
Theosophie und Rosenkreuzertum VII
Theosophy and Rosicrucianism VII
[ 1 ] Wir haben heute zu sprechen von dem, was man das Gesetz vom Karma nennt, das Gesetz von Ursache und Wirkung in der geistigen Welt. Wir müssen uns zunächst an die letzten Vorträge erinnern, die uns gezeigt haben, wie der gesamte Lebenslauf sich abspielt in einer Reihe von Verkörperungen, so daß Sie alle schon oft auf der Welt da waren und auch noch oft wiederkehren werden. Wir werden später hören, wie es nicht richtig ist, wenn man annimmt, daß in alle Ewigkeit nach vor- und rückwärts diese Verkörperungen sich wiederholen, vielmehr werden wir sehen, daß sie einstmals begonnen haben und daß es eine Zeit geben wird, wo sie wieder aufhören werden, wo der Mensch in anderer Weise sich weiterentwickeln wird.
[ 1 ] Today we are going to discuss what is known as the law of karma, the law of cause and effect in the spiritual world. First, we must recall the previous lectures, which showed us how the entire course of life unfolds in a series of incarnations, so that all of you have been here on Earth many times before and will return many times yet. We will hear later that it is incorrect to assume that these incarnations will repeat themselves back and forth for all eternity; rather, we will see that they began at one time and that there will come a time when they will cease, when human beings will continue to evolve in a different way.
[ 2 ] Wir betrachten also zunächst jenen Zeitraum, in welchem solche Wiederverkörperungen stattfinden, und wir müssen uns klar darüber sein, daß alles, was man Schicksal nennt in bezug auf Charakter und innere Eigenschaften, wie auch auf unser äußeres Schicksal und unsere Lebenslage, verursacht ist durch unsere früheren Verkörperungen, und daß, was wir in diesem Leben treiben, wieder seine Wirkung hat für die folgenden Leben. So zieht sich das große Gesetz von Ursache und Wirkung durch alle unsere Verkörperungen hindurch.
[ 2 ] We shall therefore first consider the period during which such reincarnations take place, and we must be clear that everything we call fate—in terms of character and inner qualities, as well as our external fate and life circumstances—is caused by our previous incarnations, and that what we do in this life will in turn have an effect on our subsequent lives. Thus, the great law of cause and effect runs through all our incarnations.
[ 3 ] Wir wollen uns einmal klarmachen, wie dieses Gesetz in der ganzen Welt wirkt, nicht nur in der geistigen Welt, sondern auch in der physischen.
[ 3 ] Let us take a moment to understand how this law operates throughout the entire world—not only in the spiritual world, but also in the physical world.
[ 4 ] Nehmen Sie an, Sie haben zwei Krüge mit Wasser; dann nehmen Sie eine Eisenkugel, die Sie bis zur Glut erhitzt haben, und lassen sie in den ersten Krug Wasser hineinfallen. Was tritt ein? Das Wasser zischt, und die Kugel kühlt sich ab. Nehmen Sie dann die Kugel heraus und werfen Sie sie in den zweiten Krug: da zischt das Wasser nicht mehr und die Kugel kühlt sich nicht mehr wesentlich ab. Die Kugel verhält sich also in den beiden Fällen ganz verschieden: das, was sie im zweiten Fall getan hat, hätte sie nicht getan, wenn sie nicht vorher in den ersten Krug hineingeworfen worden wäre. Also ist das Betragen im zweiten Falle die Wirkung dessen, was im ersten Krug mit ihr geschehen ist. Einen solchen Zusammenhang nennt man Karma. Es ist also das Karma der Kugel, daß sie in dem zweiten Kruge nicht mehr zischt und sich nicht abkühlt. — Und nun auch ein Beispiel aus dem Tierreich, woran Sie ersehen, daß die Folgezustände abhängen vom vorherigen Leben. Nehmen Sie die Tiere, die in die Höhlen von Kentucky eingewandert sind: durch die völlige Entziehung des Sonnenlichtes werden allmählich die Augen rückgebildet. Die Stoffe, die sonst für die Augen verwendet werden, wandern zu andern Organen, und dadurch verkümmern die Augen; die Tiere werden dadurch allmählich blind. Und nun ist es das Schicksal aller Nachkommen, blind geboren zu werden. Wären die Eltern nicht eingewandert in die dunklen Höhlen, so hätten die Nachkommen nicht das Schicksal, blind zu sein. Dieser Zustand der Blindheit ist also die Folge einer früheren Tätigkeit, des Einwanderns in die finsteren Höhlen.
[ 4 ] Suppose you have two jugs of water; then take an iron ball that you have heated until it glows red-hot and drop it into the first jug of water. What happens? The water hisses, and the ball cools down. Then take the ball out and throw it into the second pitcher: the water no longer sizzles, and the ball no longer cools down significantly. The ball thus behaves quite differently in the two cases: it would not have done what it did in the second case if it had not first been thrown into the first pitcher. Thus, the behavior in the second case is the effect of what happened to it in the first pitcher. Such a connection is called karma. It is therefore the ball’s karma that it no longer fizzes or cools down in the second pitcher. — And now an example from the animal kingdom, from which you can see that subsequent conditions depend on previous life. Take the animals that have migrated into the caves of Kentucky: due to the complete absence of sunlight, their eyes gradually atrophy. The tissues that would otherwise be used for the eyes are redirected to other organs, causing the eyes to wither; as a result, the animals gradually go blind. And now it is the fate of all their offspring to be born blind. Had the parents not migrated into the dark caves, their offspring would not be destined to be blind. This condition of blindness is therefore the consequence of an earlier action—the migration into the dark caves.
[ 5 ] Die Geisteswissenschaft sagt: Alles, was in der Welt geschieht, ist abhängig vom Karma. Karma ist das allgemeine Weltengesetz. — Auch die Bibel erzählt gleich im Anfang von diesem Karma. Sie sagt nämlich: «Im Anfang schuf Gott die Welt.» Wenn man das so oberflächlich liest, wie heute im allgemeinen gelesen wird, da merken Sie nicht, daß das im Sinne des Karmagesetzes ist; Sie merken es aber ohne weiteres, wenn Sie zum Beispiel den Urtext dieser alten Urkunde nehmen, in welcher uns von diesem Schaffen gesprochen wird, oder wenn Sie eine der ältesten Übersetzungen der Urkunde ins Lateinische nehmen, wie zum Beispiel diejenige aus der Septuaginta, die ja heute noch für die gesamte katholische Kirche als die maßgebende Übersetzung des Alten Testamentes und besonders der Genesis angesehen wird. Und da ist es ja wohl gerade im Hinblick auf einen solchen Einführungszyklus, der Sie ja doch Stück für Stück mit den ungeheuren Tiefen der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung bekanntmachen soll, nicht unzweckmäßig, wenn wir einmal einen Schritt abseits unseres eigentlichen Themas machen.
[ 5 ] Spiritual science teaches that everything that happens in the world depends on karma. Karma is the universal law of the world. — Even the Bible speaks of this karma right at the beginning. It says, “In the beginning, God created the world.” If you read this as superficially as people generally do today, you won’t realize that this is in accordance with the law of karma; but you will readily notice it if, for example, you consult the original text of this ancient document, which tells us of this act of creation, or if you consult one of the oldest Latin translations of the document, such as the Septuagint, which is still regarded today by the entire Catholic Church as the authoritative translation of the Old Testament and especially of Genesis. And precisely in view of such an introductory cycle—which is, after all, intended to acquaint you, step by step, with the immense depths of the spiritual-scientific worldview—it is not inappropriate for us to take a step away from our actual topic for a moment.
[ 6 ] Der heutige Mensch hat ja eigentlich gar keine Verbindung mehr mit dem lebendigen Wort. Die Sprache ist einerseits zu einem konventionellen Verständigungsmittel geworden, und andererseits zur Geschäftssprache. Ganz anders war es, als das Wort geprägt wurde in den alten Zeiten: da hatte der Mensch noch einen lebendigen Zusammenhang mit dem Wort. Ja, in den allerältesten Zeiten hatte der einzelne Buchstabe, der zur Zusammensetzung des Wortes führte, eine tiefe Bedeutung. Der heutige Mensch hat ja keine Ahnung mehr davon, was durch die Seele eines alten hebräischen Weisen zog, wenn er das Wort «bara» aussprach, das in der Genesis im ersten Satze steht, und das von der Nachwelt, das heißt zunächst von der lateinischen Welt, mit «creare» und von uns mit «schaffen» übersetzt worden ist. Was ist der tiefe Sinn des Wortes «bara»? Wir haben in unserer deutschen Sprache noch denselben Stamm «bar» in dem Wort «gebären».
[ 6 ] People today actually have no connection whatsoever with the living word. On the one hand, language has become a conventional means of communication, and on the other, it has become the language of business. It was quite different when the word was first coined in ancient times: back then, people still had a living connection with the word. Indeed, in the very earliest times, each individual letter—which came together to form the word—had a profound meaning. People today have no idea what stirred the soul of an ancient Hebrew sage when he uttered the word “bara,” which appears in the very first sentence of Genesis and has been translated by later generations—first by the Latin world as “creare” and by us as “to create.” What is the deep meaning of the word “bara”? In our German language, we still find the same root “bar” in the word “gebären” (to give birth).
[ 7 ] Nun liegt dem Worte «Karma» die Wurzel «kr» zugrunde, die ja auch dem Worte «creare» zugrunde liegt, so daß, wenn man lateinisch «creare» — schaffen sagt, dies nichts anderes bedeutet als: es tritt etwas auf durch die Wirkung früherer Zustände; das heißt also, es tritt etwas auf, das karmisch durch etwas Früheres bedingt ist.
[ 7 ] The word “karma” is derived from the root “kr,” which is also the root of the word “creare”; thus, when one says “creare” — to create — in Latin, it means nothing other than: something occurs as a result of earlier conditions; that is to say, something occurs that is karmically conditioned by something that happened earlier.
[ 8 ] Nun kann man ja von Karma im heutigen Sinne erst sprechen seit dem luziferischen Einschlag, also von dem Augenblicke an, wo der Mensch eine Schuld auf sich genommen hat, und deshalb haftet auch an allem, was mit dem Worte Karma in Verbindung steht, immer etwas von dem Begriffe Schuld. Creare also heißt: etwas hervorbringen, was durch frühere Zustände karmisch verschuldet ist, während noch in dem Stamme «bar» nichts von dieser karmischen Bedingtheit liegt. Wie kommt das? Das kommt zweifellos daher, daß der alte Hebräer noch viel inniger mit der geistigen Welt im Zusammenhang stand und sich noch vollkommen klar war, daß damals, als die Elohim die Welt schöpferisch ersannen, noch von keinem Karma die Rede sein konnte in dem Sinne, wie wir gewöhnlich von Karma sprechen. In der lateinischen Epoche der Menschheitsentwickelung war aber der Mensch, wie wir ein anderes Mal sehen werden, schon vollkommen von der geistigen Welt abgeschnürt, und er konnte sich deshalb sogar das schöpferische Ersinnen der Elohim gar nicht anders denken, als in dem karmischen Zusammenhang darinnenstehend.
[ 8 ] Now, one can only speak of karma in the modern sense since the Luciferic impact—that is, from the moment when human beings took on guilt—and for this reason, everything associated with the word “karma” always carries with it an element of the concept of guilt. “Creare,” then, means to bring forth something that is karmically owed due to past conditions, whereas in the root “bar” there is none of this karmic conditioning. How is this so? It undoubtedly stems from the fact that the ancient Hebrews were still much more intimately connected with the spiritual world and were still perfectly aware that back when the Elohim creatively conceived the world, there could be no question of karma in the sense in which we usually speak of it. In the Latin epoch of human development, however, as we shall see on another occasion, human beings were already completely cut off from the spiritual world, and therefore could not even conceive of the creative conception of the Elohim except as being embedded within a karmic context.
[ 9 ] Aber sowohl das Wort «bara» wie auch das Wort «creare» heißt niemals: Gott hat die Welt aus dem Nichts geschaffen; denn beiden Worten liegt der Sinn zugrunde: Gott hat frühere Zustände in neue überfließen lassen; ebenso wie die Mutter das Kind nicht aus dem Nichts gebiert, sondern gebären heißt: das Kind tritt sichtbar in die Welt hinaus aus dem früheren verborgenen Zustande im Mutterleibe.
[ 9 ] But neither the word “bara” nor the word “creare” ever means that God created the world out of nothing; for the meaning underlying both words is that God caused earlier states to flow into new ones; just as a mother does not give birth to a child out of nothing, but rather, to give birth means that the child visibly emerges into the world from its earlier hidden state in the womb.
[ 10 ] Sie sehen, wie man da den Sinn der Bibel verdrehen kann. Zuerst hat die Theologie gesagt: Gott hat die Welt aus dem Nichts geschaffen —, weil diese Theologie ja nichts mehr von den dem Erdendasein vorangehenden kosmischen Entwickelungsperioden wußte, und darüber sind ganze Bibliotheken geschrieben worden. Aber alle diese Theologen haben gekämpft wie Don Quijote gegen Windmühlen. Man muß jedoch immer wissen, wogegen man kämpfen will; das heißt, man muß immer den ursprünglichen Sinn der alten Urkunden klarlegen.
[ 10 ] You can see how the meaning of the Bible can be twisted in this way. At first, theology claimed: God created the world out of nothing—because this theology knew nothing about the cosmic periods of development that preceded earthly existence, and entire libraries have been written on this subject. But all these theologians fought like Don Quixote against windmills. One must, however, always know what one is fighting against; that is, one must always clarify the original meaning of the ancient texts.
[ 11 ] Wenn wir nun dieses Gesetz vom Karma uns so denken, wie es in der Tat gedacht werden muß, als der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung nicht nur hier für das physische Leben zwischen Geburt und Tod, sondern auch für das Leben nach dem Tode in der geistigen Welt, dann wird gerade dieses Karmagesetz zum Erleuchter des eigenen Lebens. Die Einsicht in dieses Karmagesetz gibt nicht nur eine tiefe Befriedigung für unseren Verstand, sondern im tiefsten Sinne auch für unser Gemüt, und es gibt uns die rechte Einsicht in unser Verhältnis zur Welt. Sie werden immer klarer einsehen, welch eine tiefe Bedeutung es hat, und wie erst die richtige Einsicht in dieses Karmagesetz es uns ermöglicht, das Leben mit unserer Umwelt harmonisch zu gestalten. Es klärt uns nicht über solche Welträtsel auf, die man erst ausspintisieren muß, sondern über solche, die uns in der Tat auf Schritt und Tritt im Leben begegnen. Oder sind es etwa nicht Lebensrätsel, wenn man sieht, wie scheinbar ohne Schuld der eine Mensch geboren wird in Not und Elend, und wie bei einem andern die schönsten Anlagen durch die soziale Lage, in die ihn sein Leben gestellt hat, verkümmern müssen? Wir fragen uns oft im Leben: Wie kommt es, daß dieser Mensch so in Not und Elend geboren wird ohne seine Schuld, und der andere, ohne sein Dazutun, im Überfluß und Reichtum, so daß er schon an der Wiege umstellt ist von zärtlich liebenden Eltern? — Das sind Fragen, über die nur der Leichtsinn der heutigen Menschen hinwegschauen kann.
[ 11 ] If we now conceive of this law of karma as it must in fact be conceived—as the connection between cause and effect, not only here in physical life between birth and death, but also in the life after death in the spiritual world—then this very law of karma becomes the illuminator of our own lives. Insight into this law of karma provides not only deep satisfaction for our intellect but also, in the deepest sense, for our soul, and it gives us the right understanding of our relationship to the world. You will come to see ever more clearly what profound significance it holds, and how only a correct understanding of this law of karma enables us to live in harmony with our surroundings. It does not shed light on those mysteries of the world that one must first conjure up, but rather on those that we actually encounter at every turn in life. Or are they not, in fact, life’s mysteries when we see how one person is born into hardship and misery seemingly through no fault of their own, while another’s finest talents are forced to wither away due to the social circumstances into which life has placed them? We often ask ourselves in life: How is it that this person is born into such hardship and misery through no fault of their own, while another, through no action of their own, is born into abundance and wealth, so that they are surrounded by tender, loving parents right from the cradle? — These are questions that only the thoughtlessness of people today can overlook.
[ 12 ] Je tieferen Einblick in das Karmagesetz wir gewinnen, um so mehr werden wir sehen, daß alle Härte schwindet, die auf den ersten Blick scheinbar vorhanden ist, wenn man das Karmagesetz nur oberflächlich betrachtet. Wir werden uns dann immer klarer darüber werden, wie es kommt, daß eben der eine Mensch in diesen, der andere in jenen Verhältnissen im Leben stehen muß. Eine Härte kann und muß man nur dann in der einen oder andern Lebenslage erblicken, wenn wir nur das eine Leben betrachten. Wenn wir aber wissen, daß dieses eine Leben die absolute Wirkung früherer Taten ist, dann schwindet diese Härte vollständig, dann sehen wir ein, daß der Mensch sich sein Leben selbst zubereitet.
[ 12 ] The deeper our insight into the law of karma becomes, the more we will see that all the harshness that seems to exist at first glance—when one considers the law of karma only superficially—fades away. We will then become increasingly clear about why one person must find themselves in these circumstances in life, while another in those. One can and must perceive hardship in one life situation or another only if we consider just this one life. But when we know that this one life is the absolute consequence of past deeds, then this hardship vanishes completely, and we come to realize that each person shapes their own life.
[ 13 ] Es könnte nun jemand sagen: Ja, aber das ist doch etwas Furchtbares, wenn man denken muß, der Mensch hätte alles das, was ihn hier im Leben an Schicksalsschlägen trifft, selbst verschuldet! — Da müssen wir uns einmal klarmachen, daß das Karmagesetz nicht für sentimental Brütende ist, sondern daß es ein Gesetz der Tat ist, das uns stark macht, das uns Mut und Hoffnung gibt. Denn wenn wir auch das Leben so, wie es uns mit all seinen Härten trifft, uns selbst gemacht haben, so wissen wir doch auch, daß es ein Gesetz ist, dessen Hauptbedeutung nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft liegt. Wenn wir auch in der Gegenwart durch die Wirkung vergangener Taten noch so bedrückt sind, wird doch gerade die Einsicht in das Karmagesetz ihre Früchte tragen in späteren Leben. Je nachdem wir uns verhalten, werden die Früchte dieser Taten in künftigen Leben sein, denn keine Tat ist vergebens getan. Und wieviel theosophischer ist es, das Karmagesetz als Gesetz der Tat aufzufassen! Denn, was wir auch tun, den Früchten dieser Taten werden wir nicht entgehen. Je schlechter es uns in diesem Leben geht, je besser wir das ertragen, um so besser wird es uns in künftigen Leben gehen. So ist das Karmagesetz ein Gesetz, welches die Lebensrätsel löst, die uns auf Schritt und Tritt begegnen.
[ 13 ] Now someone might say: Yes, but isn’t it terrible to think that a person is himself to blame for all the misfortunes that befall him in this life! — We must realize that the law of karma is not for sentimental brooding, but that it is a law of action that strengthens us and gives us courage and hope. For even if we have brought upon ourselves the life that befalls us with all its hardships, we also know that it is a law whose primary significance lies not in the past but in the future. Even if we are still weighed down in the present by the effects of past actions, it is precisely our understanding of the law of karma that will bear fruit in future lives. Depending on how we conduct ourselves, the fruits of these actions will be reaped in future lives, for no action is done in vain. And how much more theosophical it is to understand the law of karma as a law of action! For whatever we do, we cannot escape the fruits of those actions. The worse our circumstances are in this life, the better we endure them, the better our circumstances will be in future lives. Thus, the law of karma is a law that solves the mysteries of life that we encounter at every turn.
[ 14 ] Wie hängt nun dasLeben vorher mit dem späteren Leben zusammen? Klar müssen wir uns darüber sein, daß alles, was wir als innerliche Wirkungen äußerlicher Erlebnisse haben, als Lust und Leid, seine Wirkungen in kommenden Leben hat.
[ 14 ] How, then, is this life connected to future lives? We must be clear that everything we experience as the inner effects of external events—whether pleasure or suffering—has its effects in future lives.
[ 15 ] Nun wissen Sie ja, daß alles, was als Lust, Leid, Freude, Schmerz in uns lebt, Dinge sind, deren Träger der Astralleib ist. Alles das nun, was der Astralleib in diesem Leben erlebt, und ganz besonders, wenn diese Erlebnisse immer öfter wiederholt werden, das zeigt sich im nächsten Leben als Eigenschaft des Ätherleibes. Die Freude, die Sie in dem einen Leben an einem Gegenstand in Ihrer Seele immer und immer wieder wachrufen, bewirkt, daß Sie im nächsten Leben eine tiefe Neigung und Vorliebe für diesen Gegenstand haben werden. Neigung und Vorliebe sind aber Charaktereigenschaften und haben als Träger den Ätherleib, so daß, was der Astralleib im Leben vorher bewirkt, Eigenschaften des Ätherleibes im nächsten Leben werden. Was Sie in diesem Leben wiederholt erleben, das kommt in Ihrem folgenden Leben als Grundcharakter. Ein melancholisches Temperament kommt daher, daß der Mensch im vorigen Leben viele traurige Eindrücke gehabt hat, die ihn immer wieder in eine traurige Stimmung versetzt haben; dadurch hat eben der nächste Ätherleib eine Neigung für eine traurige Stimmung. Umgekehrt ist es bei denen, die allem im Leben eine gute Seite abgewinnen, die dadurch in ihrem Astralleib Lust und Freude, frohe Erhebung erzeugt haben; das gibt im nächsten Leben eine bleibende Charaktereigenschaft des Ätherleibes und bewirkt ein heiteres Temperament. Wenn der Mensch aber, trotzdem ihn das Leben in eine harte Schule nimmt, all das Traurige kraftvoll überwindet, dann wird im nächsten Leben sein Ätherleib geboren mit einem cholerischen Temperament. Man kann also, wenn man all das weiß, geradezu sich seinen Ätherleib für das nächste Leben vorbereiten.
[ 15 ] Now you know that everything within us—whether pleasure, sorrow, joy, or pain—is carried by the astral body. Everything that the astral body experiences in this life—and especially when these experiences are repeated more and more often—manifests in the next life as a quality of the etheric body. The joy that you evoke in your soul time and again in one life in response to a particular object will cause you to have a deep inclination and fondness for that object in the next life. But inclination and preference are character traits, and their vehicle is the etheric body; thus, what the astral body brings about in the previous life becomes characteristics of the etheric body in the next life. What you repeatedly experience in this life emerges as a fundamental character trait in your next life. A melancholic temperament arises because a person experienced many sad impressions in a previous life that repeatedly put them in a sad mood; as a result, the next etheric body develops a tendency toward a sad mood. The opposite is true for those who find a positive side to everything in life, thereby generating delight, joy, and a sense of elation in their astral body; this results in a lasting character trait of the etheric body in the next life and gives rise to a cheerful temperament. But if a person, even though life puts him through a hard school, powerfully overcomes all that is sad, then in the next life his etheric body will be born with a choleric temperament. So, knowing all this, one can actually prepare one’s etheric body for the next life.
[ 16 ] Diejenigen Eigenschaften nun, die der Ätherleib in dem einen Leben hat, die erscheinen im nächsten Leben im physischen Leib. Wenn also jemand schlechte Gewohnheiten und Charaktereigenschaften hat und nichts dagegen tut, sie sich abzugewöhnen, tritt das im nächsten Leben als eine Disposition des physischen Leibes auf, und das ist tatsächlich die Disposition zu Krankheiten. So sonderbar sich das auch für Sie anhören mag, aber diese Disposition für bestimmte Krankheiten, und besonders für Infektionskrankheiten, rührt tatsächlich her von schlechten Gewohnheiten im vorhergehenden Leben. Also haben wir es mit dieser Einsicht auch in der Hand, uns Gesundheit oder Krankheit für das nächste Leben zu bereiten. Wenn wir uns eine schlechte Gewohnheit abgewöhnen, machen wir uns im nächsten Leben physisch gesund und widerstandsfähig gegen Infektionen. So kann man schon für das kommende Leben für Gesundheit sorgen, wenn man bestrebt ist, nur edle Eigenschaften zu pflegen.
[ 16 ] The qualities that the etheric body possesses in one life appear in the physical body in the next life. So if someone has bad habits and character traits and does nothing to break them, this manifests in the next life as a predisposition in the physical body—and that is, in fact, a predisposition to illness. As strange as this may sound to you, this predisposition to certain illnesses—and especially to infectious diseases—actually stems from bad habits in a previous life. With this insight, we therefore have the power to determine whether we will experience health or illness in our next life. If we break a bad habit, we make ourselves physically healthy and resistant to infections in our next life. In this way, we can ensure our health for the life to come by striving to cultivate only noble qualities.
[ 17 ] Und nun ein Drittes, was außerordentlich wichtig ist für die richtige Auffassung des Karmagesetzes: das ist die richtige Bewertung unserer Taten selbst in diesem Leben. Bisher haben wir ja nur von dem gesprochen, was innerhalb des Menschen sich abspielt; was aber der Mensch tut in diesem Leben, das heißt also, wie er sich mit seinen Taten der Umwelt gegenüber verhält, das zeigt seine Wirkung im nächsten Leben eben in dieser Umwelt.
[ 17 ] And now a third point, which is extremely important for a correct understanding of the law of karma: this is the correct assessment of our actions in this very life. So far, we have spoken only of what takes place within the human being; but what a person does in this life—that is, how he behaves toward his environment through his actions—has its effect in the next life precisely within this environment.
[ 18 ] Durch eine schlechte Gewohnheit an und für sich habe ich noch nichts getan; wenn mich aber diese schlechte Gewohnheit zur Tat treibt, dann verändere ich durch diese Tat die Außenwelt. Und alles das eben, was so eine Wirkung in der physischen Außenwelt hat, das kommt uns als äußeres Schicksal im nächsten Leben in der Außenwelt wieder zurück. Also die Taten des physischen Leibes in diesem Leben, die werden zu unserem Schicksal in dem folgenden Leben. Das erfahren wir durch das Hineingestelltsein in diese oder jene Lebenslage. Ob also der Mensch in dieser oder jener Lebenslage glücklich oder unglücklich wird, das hängt von den Taten seines vorherigen Lebens ab. Hierhin gehört wieder als treffendes und belehrendes Beispiel dasjenige von dem Fememord, das uns zeigt, wie die Tat als äußere Tat des einen Lebens im nächsten Leben auf den Menschen als Schicksal zurückfällt.
[ 18 ] I have not yet done anything simply because of a bad habit in and of itself; but when this bad habit drives me to act, then through that action I change the external world. And everything that has such an effect on the physical external world comes back to us as external fate in the next life in the external world. Thus, the actions of the physical body in this life become our destiny in the next life. We experience this through being placed in one situation or another. Whether a person is happy or unhappy in a given situation, then, depends on the actions of their previous life. Here again, the example of the murder serves as a fitting and instructive illustration, showing us how an action—as an external act in one life—returns to the person as fate in the next life.
[ 19 ] Das sind also in kurzen Linien gezeichnet die karmischen Zusammenhänge beim einzelnen Menschen. Wir dürfen aber nicht nur beim einzelnen Menschen von Karma sprechen; der Mensch darf sich nicht als Einzelwesen betrachten, das wäre grundfalsch, genau so falsch, als wenn der einzelne Finger an unserer Hand sich als Einzelwesen fühlen wollte. Genau so weit, wie der Finger kommen würde, wenn er sich vom Organismus absondern würde, würde der Mensch kommen, wenn er sich einige Meilen über die Erde erheben würde. So ist der Mensch, wenn er in die Geisteswissenschaft eindringt, geradezu gezwungen, an der Hand dieser Erkenntnis einzusehen, daß er sich nicht der Täuschung hingeben darf, auf sich selbst als Einzelwesen zu bestehen. So ist es in der physischen und noch viel mehr in der geistigen Welt. Der Mensch gehört der ganzen Welt an und hat auch sein Schicksal in der Gesamtheit. Das Karma betrifft nicht nur den einzelnen Menschen, sondern es geht auch über das Leben von ganzen Völkern dahin. Ein Beispiel dafür: Sie alle wissen, daß es im Mittelalter eine Seuche, die Miselsucht gegeben hat; das ist eine Art Aussatz. Erst im 16. Jahrhundert verschwindet sie aus Europa. Es gab eine ganz besondere Ursache, daß diese Seuche gerade im Mittelalter auftrat, und zwar eine geistige Ursache. Der Materialist ist natürlich geneigt, eine derartige ansteckende Krankheit auf Bazillen zurückzuführen, aber die physische Ursache ist es nicht allein, die bei einer solchen Krankheit in Betracht kommt. Das ist geradeso, wie wenn einer durchgeprügelt wird, und man sollte untersuchen, warum dieser durchgeprügelt ist. Der Einsichtsvolle wird ohne weiteres finden, daß die Ursache der Prügel darauf beruht, daß es in dem Dorf einige Menschen gibt, die sehr roh sind. Es wäre aber in diesem Falle eine geradezu törichte Folgerung — wie es im obigen Falle die materialistische ist —, wenn einer käme und sagte, daß der Mann seine blauen Beulen auf dem Rücken hat, kommt einzig und allein davon her, daß die Stöcke so und so oft auf seinen Rücken niedergegangen sind. Die rein materialistische Ursache der blauen Flecken sind zweifellos die auf den Rücken niedergegangenen Stöcke, die tiefere Ursache sind aber doch die rohen Menschen. Und so hat auch diese Krankheit, neben der materialistischen Ursache der Bazillen, auch eine geistige.
[ 19 ] So, in brief, these are the karmic connections within the individual human being. However, we must not speak of karma only in relation to the individual human being; human beings must not regard themselves as isolated entities—that would be fundamentally wrong, just as wrong as if a single finger on our hand were to try to feel itself as an isolated entity. Just as far as a finger would go if it separated itself from the organism, so far would a human being go if he were to rise a few miles above the Earth. Thus, when a human being delves into spiritual science, he is virtually compelled, by virtue of this insight, to realize that he must not succumb to the delusion of insisting on himself as an isolated being. This is true in the physical world and even more so in the spiritual world. Human beings belong to the whole world, and their destiny is also found within the whole. Karma affects not only the individual human being but also extends across the lives of entire peoples. An example of this: You all know that in the Middle Ages there was a plague known as “miselsucht”; this is a form of leprosy. It did not disappear from Europe until the 16th century. There was a very specific reason why this plague occurred precisely in the Middle Ages—namely, a spiritual cause. The materialist is, of course, inclined to attribute such a contagious disease to germs, but the physical cause is not the only factor to be considered in such a disease. It is just as if someone were beaten up, and one were to investigate why this person was beaten. The discerning person will readily see that the cause of the beating lies in the fact that there are some people in the village who are very brutal. But in this case, it would be a downright foolish conclusion—just as the materialistic one is in the above example—if someone were to come along and say that the man’s bruises on his back stem solely and exclusively from the fact that the sticks came down on his back such-and-such a number of times. The purely materialistic cause of the bruises is undoubtedly the sticks that struck his back, but the deeper cause is, after all, the brutal people. And so this illness, in addition to the materialistic cause of the germs, also has a spiritual one.
[ 20 ] Ein ganz analoges Beispiel bietet das Weinen. Die geistige Ursache ist die Traurigkeit, die materielle dagegen die Sekretion der Tränendrüsen. Man sollte es kaum für möglich halten, daß ein sogar recht bedeutender Gelehrter der Gegenwart es fertiggebracht hat, denselben törichten Schluß zu ziehen wie oben, denn er hat den geradezu ungeheuerlichen Satz aufgestellt: Der Mensch weint nicht, weil er traurig ist, sondern der Mensch ist traurig, weil er weint!
[ 20 ] Crying provides a very similar example. The mental cause is sadness, while the physical cause is the secretion of the lacrimal glands. It is hard to believe that even a quite prominent contemporary scholar could have managed to draw the same foolish conclusion as above, for he has put forward the downright outrageous statement: “A person does not cry because he is sad, but rather, a person is sad because he cries!”
[ 21 ] Doch zurück zur Miselsucht. Sie müssen in diesem Falle, wenn Sie geistig die tiefere Ursache dieser Krankheit erklären wollen, zurückblicken auf ein bedeutsames historisches Ereignis: auf das Ereignis, als von Osten her große Völkermassen über Europa hinwegstürmten und dieses Europa in Furcht und Schrecken setzten. Diese asiatischen Scharen waren Völker, die auf der alten Atlantierstufe stehengeblieben und daher im Niedergang begriffen waren, also Völker, die den Niedergangs-,sozusagen den Fäulnischarakter besonders stark in ihrem Astralleib hatten. Wären diese Völkerschaften über Europa herübergestürmt, ohne daß die Europäer sich erregt oder erschreckt hätten, dann wäre nichts passiert. So aber verursachten diese Horden Angst und Schrecken und Bestürzung; ganze Völkerschaften in Europa erlebten diese Angstund Schreckenszustände. Und nun mischte sich der faule Astralstoff der Hunnen mit den von Angst und Furcht und Grauen durchwühlten Astralleibern der überfallenen Völker. Die degenerierten Astralleiber der asiatischen Stämme Juden ihre schlechten Stoffe auf diese furchtdurchwühlten Astralleiber der Europäer ab, und diese Fäulnisstoffe bewirkten eben, daß später die physische Wirkung der Krankheit auftrat. Das ist in Wahrheit die tiefe geistige Ursache des Aussatzes im Mittelalter. Es tritt also etwas, was geistig verursacht ist, in späterer Zeit im physischen Körper auf. Nur wer dieses Gesetz von Karma kennt und es zu durchschauen vermag, ist dazu berufen, in den Geschichtsverlauf tätig einzugreifen.
[ 21 ] But back to melancholy. In this case, if you wish to explain the deeper cause of this illness from a spiritual perspective, you must look back to a significant historical event: the event when vast masses of people swept across Europe from the East and plunged Europe into fear and terror. These Asian hordes were peoples who had remained stuck at the old Atlantean stage and were therefore in decline—that is, peoples who possessed the character of decline, or decay, so to speak, particularly strongly in their astral bodies. If these peoples had swept across Europe without the Europeans becoming agitated or terrified, then nothing would have happened. But as it was, these hordes caused fear, terror, and consternation; entire peoples in Europe experienced these states of fear and terror. And now the putrid astral substance of the Huns mingled with the astral bodies of the attacked peoples, which had been ravaged by fear, dread, and horror. The degenerated astral bodies of the Asian tribes—the Jews—transferred their harmful substances to these astral bodies of the Europeans, which had been ravaged by fear, and these putrid substances were precisely what caused the physical manifestation of the disease to occur later on. This is, in truth, the deep spiritual cause of leprosy in the Middle Ages. Thus, something that is spiritually caused manifests itself at a later time in the physical body. Only those who know this law of karma and are able to penetrate it are called upon to actively intervene in the course of history.
[ 22 ] Nun will ich Ihnen etwas sagen, was zur Begründung der theosophischen Weltanschauung beigetragen hat, und das ist das Folgende: Das Karma wirkt sich ja aus, gerade wie beim einzelnen Menschen, so auch bei den Völkern, ja bei der ganzen Menschheit. Wer nun den Gang der Geschichte des europäischen Geisteslebens verfolgt, der weiß, daß seit etwa vierhundert Jahren der Materialismus heraufgekommen ist. In der Wissenschaft ist dieser Materialismus am unschuldigsten, denn da können alle Fehler jederzeit eingesehen und ausgeglichen werden. Viel schädlicher wirkt er sich schon aus im praktischen Leben, wo ja alles in den Gesichtspunkt materieller Interessen gestellt wird. Aber nie hätte der Materialismus Platz gegriffen im praktischen Leben, wenn nicht die Menschen dazu eine Vorliebe gehabt hätten. Es hätte auch keinen Büchner und so weiter gegeben, wenn nicht der Mensch vorher das Materielle so geliebt hätte. Am allerschädlichsten wirkt sich aber der Materialismus aus auf dem Gebiete des religiösen Lebens, das heißt in der Kirche; gerade sie steuert seit Jahrhunderten auf den Materialismus hin. Wieso? Wenn Sie zurückgehen in die ursprünglichen Zeiten des ersten Christentums, hätten Sie nie gehört, daß man angenommen hätte, daß sich das Siebentagewerk wirklich in sieben Tagen vollzogen hätte, wie es ja heute tatsächlich vielfach angenommen wird, und daß man unter dem «siebenten Tag» sich so etwas vorstellen kann, als ob sich einer nach einer schweren körperlichen Arbeit auf einen Stuhl setzt und ausruht. Von der Wirklichkeit dieses Siebentagewerkes weiß das materialistische Zeitalter nichts mehr. Der Theosophie ist es erst wieder vorbehalten, der Menschheit über den wahren Sinn dieser alten Urkunde, der Genesis, Aufklärung zu geben.
[ 22 ] Now I would like to tell you something that has contributed to the foundation of the theosophical worldview, and that is the following: Karma takes effect, just as it does in the case of the individual human being, so too in the case of nations, indeed, of all humanity. Anyone who traces the course of European intellectual history knows that materialism has been on the rise for about four hundred years. In science, this materialism is the least harmful, for there all errors can be recognized and corrected at any time. It has a far more damaging effect in practical life, where everything is viewed from the perspective of material interests. But materialism would never have taken hold in practical life if people had not had a predisposition toward it. There would also have been no Büchner and so on if people had not previously loved the material so much. Materialism, however, has its most harmful effect in the realm of religious life—that is, in the Church; it is precisely the Church that has been heading toward materialism for centuries. Why? If you go back to the early days of Christianity, you would never have heard anyone assume that the Creation in seven days actually took place in seven days—as is indeed widely assumed today—or that the “seventh day” could be imagined as something like a person sitting down on a chair to rest after hard physical labor. The materialistic age knows nothing more of the reality of this seven-day creation. It is once again up to Theosophy to enlighten humanity about the true meaning of this ancient text, Genesis.
[ 23 ] Und diese materialistische Auffassung in der Religion, die hat sich in das Leben der Völker sogar am allertiefsten hineingefressen. Und immer mehr wird dieser Materialismus gerade auf religiösem Gebiete herrschen, und immer weniger wird man gerade auf dieser Seite einsehen, daß es auf den Geist ankommt und nicht auf das PhysischMaterielle. Sie werden ohne weiteres zugeben, daß das materielle Denken, Fühlen und Wollen immer mehr eingezogen ist in die ganze Lebensauffassung der Menschheit, und dies prägt sich schließlich im Gesundheitszustand der nachfolgenden Generationen aus.
[ 23 ] And this materialistic view of religion has eaten its way into the very depths of people’s lives. And this materialism will increasingly prevail, particularly in the religious sphere, and people will find it ever harder to recognize, precisely in this area, that what matters is the spirit and not the physical-material. They will readily admit that materialistic thinking, feeling, and willing have become increasingly ingrained in humanity’s entire outlook on life, and this ultimately manifests itself in the health of future generations.
[ 24 ] Ein Zeitalter mit gesunder Lebensauffassung, das schafft für die Menschen einen starken Mittelpunkt im Inneren, das macht sie zu in sich geschlossenen Persönlichkeiten, so daß die Nachkommen stark und kräftig werden. Ein Zeitalter aber, das nur an die Materie glaubt, erzeugt Nachkommen, bei denen im Leibe auch alles seine eigenen Wege geht, nichts im Mittelpunkte liegt, wodurch eben Anzeichen von Neurasthenie und Nervosität entstehen. Dies würde immer mehr und mehr überhandnehmen, wenn der Materialismus auch in Zukunft die Weltanschauung bliebe. Der geistigSchauende kann Ihnen ganz genau sagen, was kommen würde, wenn der Materialismus nicht sein Gegengewicht fände in einer festen Geistesrichtung. Geisteskrankheiten würden epidemisch werden, ebenso würden Kinder schon bei ihrer Geburt an Nervosität und Zittererscheinungen leiden, und die weitere Folge der materiellen Gesinnung ist ein solcher nicht in sich konzentrierter Menschenschlag, wie wir ihn heute schon sehen. Damals, vor nun etwa drei Jahrzehnten, war es vor allem dieser Gedanke und diese Voraussicht, wie es der Menschheit gehen würde, wenn nicht ein geistiges Heilmittel gegen diese Auswirkung des Materialismus angewandt würde, die zur Inaugurierung der theosophischen Bewegung führte. Man kann ja viel streiten über ein Heilmittel, aber alle Einwendungen können wenig genieren; die Hauptsache ist, daß es hilft. Und so ist es auch mit der Heilwirkung der TTheosophie. Sie will das verhüten, was unweigerlich eintreten würde, wenn die Menschen so im Materialismus weitergehen würden.
[ 24 ] An age characterized by a healthy outlook on life creates a strong inner center for people, making them well-balanced individuals, so that their descendants grow up strong and vigorous. An age, however, that believes only in matter produces offspring in whom everything within the body follows its own course, with nothing at the center—which is precisely what gives rise to signs of neurasthenia and nervousness. This would become increasingly rampant if materialism were to remain the prevailing worldview in the future. The spiritual seer can tell you with complete precision what would happen if materialism did not find its counterbalance in a firm spiritual orientation. Mental illnesses would become epidemic; likewise, children would suffer from nervousness and tremors even at birth; and the further consequence of a materialistic mindset is a type of humanity that lacks inner focus, as we are already seeing today. Back then, some three decades ago, it was above all this thought and this foresight—regarding what would become of humanity if a spiritual remedy were not applied against this effect of materialism—that led to the inauguration of the Theosophical Movement. One can certainly argue at length about a remedy, but all objections matter little; the main thing is that it helps. And so it is with the healing effect of Theosophy. It seeks to prevent what would inevitably occur if people were to continue down this path of materialism.
[ 25 ] So sehen Sie,wie man — wenn man im tieferen Sinne über das Karmagesetz denkt — den Menschen nicht als Einzelwesen betrachten kann, sondern auch als in der ganzen Gemeinschaft unter dem Karmagesetz stehend. Das Karmagesetz ist nicht für die, welche nur an ein ganz blindes Schicksal glauben wollen. Wer das Karmagesetz so auffassen würde, der würde es vollständig verkennen. Und doch findet man immer wieder Menschen, die diesem Irrtum verfallen. So sagt der eine: Ich weiß, ich kann nichts dafür, daß mir dies und jenes zustößt, das ist halt mein Karma, das muß ich ausleben. — Der andere sagt: Ich sehe da einen Notleidenden, dem darf ich nicht helfen, denn es ist ja seine Schuld, daß ihn das trifft; es ist sein Karma, das muß er ausleben! Das alles ist ja nun eine ganz unsinnige Auslegung des Karmabegriffes!
[ 25 ] So you see how—when one thinks about the law of karma in a deeper sense—one cannot regard human beings as isolated individuals, but must also see them as subject to the law of karma within the entire community. The law of karma is not for those who wish to believe only in a completely blind fate. Anyone who were to understand the law of karma in this way would be completely misinterpreting it. And yet, time and again, one finds people who fall into this error. One person says: “I know I can’t help it that this or that happens to me; that’s just my karma, and I have to live it out.” — Another says: “I see someone in distress, but I must not help them, for it is their own fault that this has befallen them; it is their karma, and they must work it out!” All of this is, of course, a completely nonsensical interpretation of the concept of karma!
[ 26 ] Um sich eine sehr leicht begreifliche Vorstellung vom Karmagesetz zu machen, können Sie es vergleichen mit dem kaufmännischen Gesetz von Soll und Haben. Wie der Kaufmann in all seinem Handeln diesem Gesetz unterliegt, so ist es auch im Leben mit dem Karma. Durch alles, was Sie im verflossenen Leben Gutes oder Böses getan haben, sind Ihre Posten nach Soll und Haben gestimmt. Alle guten Eigenschaften sind auf der Soll —, alle schlechten auf der Habenseite Ihres Karma gebucht.
[ 26 ] To get a very easy-to-understand idea of the law of karma, you can compare it to the business principle of debits and credits. Just as a merchant is subject to this principle in all his dealings, so it is with karma in life. Based on everything you have done—good or bad—in your past life, your ledger is balanced between debits and credits. All good qualities are recorded on the debit side, and all bad qualities on the credit side of your karma.
[ 27 ] Man soll aber nicht sagen: Da darf ich nicht eingreifen. — Das wäre genau so töricht, als wenn ein Kaufmann nach Abschluß der Bilanz sagen wollte: Jetzt darf ich kein Geschäft mehr machen, denn sonst verändere ich meine Bilanz. — Genau so, wie der Kaufmann durch jeden guten Abschluß seine Bilanz verbessert, so verbessere ich auch durch jede gute Tat mein Karma. Genau so, wie es dem Kaufmann jederzeit freisteht, einen Posten auf die eine, Soll, oder auf die andere Seite, Haben, seines Kontos zu setzen, so auch dem Menschen im Kontobuch des Lebens. Der Mensch ist immer frei in seinem Handeln, nicht etwa trotz des Karmagesetzes, sondern gerade unter Berücksichtigung desselben. Gerade wenn wir wissen, daß alles, was wir tun, und zwar aus voller Freiheit tun, seine Wirkungen in diesem Kontobuch des Lebens haben wird, gerade deshalb können wir demjenigen nicht recht geben, der nicht dem Elenden hilft. Das ist genau so, als wenn ein Kaufmann vor dem Konkurs steht und uns um ein Darlehen von zwanzigtausend Mark bittet. Werden Sie ihm nicht die zwanzigtausend Mark geben, wenn Sie wissen, daß es ein tüchtiger Geschäftsmann ist, der sich mit diesem Darlehen wieder emporarbeiten kann? So ist es auch bei dem Elenden: dem helfen Sie sein Karma auszubessern, auf daß sich sein Schicksal nach dem Guten wende, und zugleich verbessern Sie Ihr eigenes Karma durch diese gute Tat. So ist das Karmagesetz in der Tat ein Gesetz für ein werktätiges Eingreifen im täglichen Leben. Und daß man das Karmagesetz gerade von dieser Seite richtig verstehen lernt, das ist besonders wichtig, wenn wir es im Verhältnis zum Christentum betrachten. Da herrschen heute gerade auf theologischer Seite schwere Mißverständnisse. Die Theologen von heute sagen: Wir lehren, daß durch den Tod am Kreuz die Sünden vergeben sind, und Ihr lehrt das Karmagesetz; das aber steht doch in einem Widerspruch dazu. — Das ist aber nur ein scheinbarer Widerspruch, weil das Karmagesetz einfach nicht verstanden wird. Und umgekehrt gibt es Theosophen, die da sagen, daß sie ihrerseits wieder den Sühnetod nicht annehmen können; diese aber verstehen das Karmagesetz ebensowenig.
[ 27 ] But one should not say: “I must not intervene here.” — That would be just as foolish as if a businessman, after closing his books, were to say: “Now I must not do any more business, because otherwise I will alter my balance sheet.” — Just as the merchant improves his balance sheet with every successful transaction, so too do I improve my karma with every good deed. Just as the merchant is free at any time to post an entry on one side—the debit—or the other—the credit—of his account, so too is the human being in the ledger of life. Human beings are always free in their actions, not in spite of the law of karma, but precisely because they take it into account. Precisely because we know that everything we do—and do so of our own free will—will have its effects in this ledger of life, we cannot agree with those who refuse to help the suffering. It is exactly as if a merchant were on the verge of bankruptcy and asked us for a loan of twenty thousand marks. Wouldn’t you give him the twenty thousand marks if you knew he was a capable businessman who could use this loan to get back on his feet? The same is true of the destitute: by helping them, you enable them to improve their karma so that their fate may take a turn for the better, and at the same time, you improve your own karma through this good deed. Thus, the law of karma is indeed a law for active intervention in daily life. And learning to understand the law of karma correctly from precisely this perspective is particularly important when we consider it in relation to Christianity. There are serious misunderstandings today, especially on the theological side. Today’s theologians say: “We teach that sins are forgiven through death on the cross, and you teach the law of karma; but that is surely a contradiction.” — But this is only an apparent contradiction, because the law of karma is simply not understood. Conversely, there are Theosophists who say that, for their part, they cannot accept the atoning death; yet they understand the law of karma just as little.
[ 28 ] Nehmen Sie an: Sie helfen einem Menschen und greifen ein in sein Schicksal und wenden es zum Guten. Wenn Sie nun zwei Menschen helfen könnten, widerspräche das doch dem Karmagesetz ebensowenig. Nehmen Sie nun an, Sie seien eine Individualität, die dazu berufen wäre, ein Übel in der Welt zu tilgen durch eine gewisse Tat: widerspricht das etwa dem Karmagesetz? So hat die Christus-Wesenheit im größten Umfang nichts anderes getan — analog dem obigen Beispiel als ein Mensch, der nicht nur Hunderten oder Tausenden, sondern der ganzen Menschheit durch seine Tat geholfen hat. So ist der Erlösungstod, der stellvertretende Sühnetod Christi, durchaus übereinstimmend mit dem Karmagesetz, ja er ist nur zu begreifen im Hinblick auf dieses Karmagesetz. Nur wer es nicht versteht, kann da einen Widerspruch finden. Es ist ebensowenig ein Widerspruch mit dem Karmageserz, als es ein Widerspruch ist, wenn ich einem einzelnen Elenden helfe.
[ 28 ] Suppose you help a person and intervene in their fate, turning it for the better. If you could now help two people, that would be no less consistent with the law of karma. Now suppose you were an individual called upon to eradicate an evil in the world through a certain act: would that contradict the law of karma? In the broadest sense, the Christ Being has done nothing else—analogous to the example above, like a person who, through his or her act, has helped not only hundreds or thousands, but all of humanity. Thus, the redemptive death—Christ’s vicarious atoning death—is entirely consistent with the law of karma; indeed, it can only be understood in light of this law of karma. Only those who do not understand it can find a contradiction there. It is no more a contradiction to the law of karma than it is a contradiction when I help a single person in distress.
[ 29 ] Sie müssen im Hinblick auf das Karmagesetz an die Zukunft denken, denn wir schreiben durch eine jede Tat in unser Kontobuch einen Posten ein, der seine Früchte tragen wird. Nur solange man in den Kinderkrankheiten der Theosophie steckte, konnte man einen Widerspruch zwischen Christentum und Karmagesetz finden.
[ 29 ] You must think of the future in light of the law of karma, for with every action we record an entry in our ledger that will bear fruit. Only while we were still in the teething phase of theosophy could one find a contradiction between Christianity and the law of karma.
[ 30 ] Aus der Einsicht heraus in dieses Karmagesetz wird uns manches klar. Erstens können wir genau nachweisen den Zusammenhang zwischen der jetzigen Körperentwickelung und früheren Lebensläufen. Zum Beispiel bereitet ein Leben voller Liebe vor für eine Entwickelung im nächsten Leben, die den Menschen lange jung erhält; dagegen wird ein frühzeitiges Altern bewirkt durch viel Antipathie im vorigen Leben. Zweitens: ein besonders selbstsüchtiger Erwerbssinn schafft für das folgende Leben Dispositionen für Infektionskrankheiten. Drittens ist es besonders interessant, daß zum Beispiel Schmerzen, und namentlich gewisse Krankheiten, die man durchmacht, bewirken, daß im nächsten Leben ein schöner Körper auftritt. Ein solcher Einblick läßt uns manche Krankheit leichter tragen.
[ 30 ] Understanding this law of karma clarifies many things for us. First, we can clearly demonstrate the connection between our current physical development and past lives. For example, a life filled with love prepares us for a development in the next life that keeps a person young for a long time; conversely, premature aging is caused by a great deal of antipathy in a previous life. Second, a particularly selfish drive for material gain creates a predisposition to infectious diseases in the next life. Third, it is particularly interesting that, for example, pain—and especially certain illnesses one endures—results in a beautiful body in the next life. Such insight makes it easier for us to bear many illnesses.
[ 31 ] Im Hinblick und Einblick in solche Schicksalszusammenhänge hat einer der größten Bibelforscher, Fabre d’Olivet, ein schönes Bild gebraucht, das uns klarmacht, wie die Dinge im Leben verkettet sind. Er sagt: Seht euch die Perle in der Muschel an: das Tier darin mußte eine Krankheit erleiden, und aus dieser Krankheit heraus entsteht die schöne Perle. — Und so hängt in der Tat oft Krankheit in diesem Leben zusammen mit dem, was das nächste Leben verschönt.
[ 31 ] In light of and with insight into such connections of fate, one of the greatest Bible scholars, Fabre d’Olivet, used a beautiful image that makes it clear to us how things in life are linked. He says: Look at the pearl inside the oyster: the creature within had to suffer an illness, and from that illness the beautiful pearl is formed. — And so, indeed, illness in this life is often connected to what beautifies the next life.
[ 32 ] Wie das in einzelnen andern Richtungen noch ausgebildet werden kann, davon morgen.
[ 32 ] We'll discuss tomorrow how this can be further developed in other areas.
Frage nach den «Sünden wider den Geist».
Question about the “sins against the Spirit.”
[ 33 ] Es gibt Sünden, die hervorgerufen werden dadurch, daß der Mensch einen physischen Leib hat, daß der Mensch einen Ätherleib hat, daß der Mensch einen Astralleib hat. Innerhalb des Astralleibes geht der Geist auf; der Mensch wird bewußt. Er kann also sündigen. Diese Sünden können dem Menschen abgenommen werden. Aber wenn wir so sündigen, daß wir innerhalb unseres Bewußtseins sündigen, da wird fremde Hilfe unwirksam. Und weil die Weltenordnung weise ist, wird sie uns in diesem Falle die Hilfe auch gar nicht angedeihen lassen. Es ist das gerade so, als wenn, in dem eben angeführten Beispiel, der Kaufmann, der vor dem Ruin steht und uns um ein Darlehen bittet, unwürdig dieses Beistandes ist; denn dann wäre es unklug, wenn wir ihm helfen wollten. So ist es auch im Weltengange; da wo es unweise wäre, uns zu helfen, da wird uns nicht geholfen.
[ 33 ] There are sins that arise from the fact that a human being has a physical body, an etheric body, and an astral body. Within the astral body, the spirit awakens; the human being becomes conscious. Thus, he is capable of sinning. These sins can be taken away from the human being. But when we sin in such a way that we sin within our own consciousness, outside help becomes ineffective. And because the cosmic order is wise, it will not grant us any help in this case. It is just as if, in the example just cited, the merchant who is on the verge of ruin and asks us for a loan were unworthy of this assistance; for then it would be unwise for us to help him. So it is in the course of the universe as well; where it would be unwise to help us, we will not be helped.
[ 34 ] «Sünde wider den Geist» ist Sünde, die wir im Astralleib begehen, wo wir ein Bewußtsein davon haben.
[ 34 ] “Sin against the Spirit” is a sin we commit in the astral body, where we are conscious of it.
