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The Rudolf Steiner Archive

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Human Development and Christ-Knowledge
GA 100

21 November 1907, Basel

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Das Johannes-Evangelium VI

The Gospel of John VI

[ 1 ] Zu den wichtigsten Geheimnissen aller Geheimschulen, auch der dionysischen, gehört das sogenannte Zahlengeheimnis. Niemand vermag eine Geheimschrift zu lesen, der nicht imstande ist, das Zahlengeheimnis zu entziffern. Wo in Religionsurkunden Zahlen vorkommen, liegt immer ein tiefer Sinn zugrunde. Auch die Schule des Pythagoras ist auf das Zahlengeheimnis gegründet. Wenn es auch wahr ist, daß der Buchstabe tötet, so muß man beim Auslegen von Geheimschriften dem Buchstaben doch einen ganz gewissen Wert beimessen, sonst läuft man Gefahr, daß man in diese Schrift den Geist hineindeutet, den man darin haben will. Im Johannes-Evangelium finden wir mannigfaltige Zahlen von geheimer Bedeutung. Im fünften Vortrag war die Rede von den drei Frauen, die am Kreuz standen, von der Jungfraumutter Sophia, der Maria und der Magdalena. Im heutigen Vortrag wollen wir zunächst eine andere Zahlenbetrachtung zugrunde legen.

[ 1 ] One of the most important mysteries of all secret schools, including the Dionysian ones, is the so-called mystery of numbers. No one can read a secret script who is not able to decipher the mystery of numbers. Whenever numbers appear in religious texts, there is always a deeper meaning underlying them. The school of Pythagoras is also founded on the secret of numbers. Even if it is true that the letter kills, one must nevertheless assign a certain value to the letter when interpreting secret writings; otherwise, one runs the risk of reading into this writing the spirit one wishes to find in it. In the Gospel of John we find a variety of numbers with secret meanings. In the fifth lecture, we spoke of the three women who stood at the cross: the Virgin Mother Sophia, Mary, and Mary Magdalene. In today’s lecture, we shall first base our discussion on a different numerical analysis.

[ 2 ] Erinnern wir uns zunächst an das Gespräch des Christus Jesus mit der Samariterin (Kap. 4, 7ff.). Christus spricht die bedeutungsvollen Worte: «Fünf Männer hast du gehabt, und den du nun hast, der ist nicht dein Mann.» Und noch einmal kommt die Zahl Fünf vor, bei der Heilung des achtunddreißig Jahre lang Kranken (Kap. 5,5). Der Teich Bethesda hat fünf Hallen. Wir wollen etwas näher auf die Bedeutung dieser mystischen Fünfzahl eingehen. Betrachten wir die menschliche Wesenheit im Zusammenhang mit der Entwickelung der Menschheit. Wie wir gesehen haben, ist der Mensch zusammengesetzt aus neun Teilen, die sich aber auf sieben zurückführen lassen. In der Entwickelung des Menschen kommen nach und nach diese sieben Leiber zur Entfaltung. Beim heutigen Menschen sind noch nicht alle sieben Glieder entwickelt. Der Durchschnittsmensch ist bis zur Bewußtseinsseele entwickelt, das Geistselbst steht erst im Beginne seiner Entfaltung. Gehen wir zurück bis zu dem Zeitpunkt der Menschheitsevolution, wo der Mensch gelernt hat, bewußt zu sich «Ich» zu sagen. Diesem Zeitpunkt ging die alte atlantische Epoche voran, in welcher die Menschen noch mit dämmerhaften hellseherischen Kräften ausgestattet waren. In der Gegend von Atlantis, die dem heutigen Irland entspricht, wohnte ein atlantisches Volk, welches in der Entwickelung so weit fortgeschritten war, daß sich bei ihm die Deckung des Äther- und des physischen Kopfes herausbildete.

[ 2 ] Let us first recall the conversation between Jesus Christ and the Samaritan woman (chap. 4:7 ff.). Christ speaks these significant words: “You have had five husbands, and the man you now have is not your husband.” And once again the number five appears, in the healing of the man who had been ill for thirty-eight years (chap. 5:5). The Pool of Bethesda has five porticoes. Let us examine the significance of this mystical number five in more detail. Let us consider the human being in the context of the evolution of humanity. As we have seen, the human being is composed of nine parts, which can, however, be traced back to seven. In the development of the human being, these seven bodies gradually unfold. In modern humans, not all seven members are yet developed. The average human being has developed up to the level of the consciousness soul; the Spirit-Self is only at the beginning of its unfolding. Let us go back to the point in human evolution when human beings learned to consciously say “I” to themselves. This point was preceded by the ancient Atlantean epoch, in which human beings were still endowed with dim clairvoyant powers. In the region of Atlantis, which corresponds to present-day Ireland, lived an Atlantean people who had advanced so far in their development that the covering of the etheric and physical heads had formed in them.

[ 3 ] Dies war das zu jener Zeit am weitesten fortgeschrittene Volk, und es war bestimmt, der Träger der zukünftigen Entwickelung zu werden. Ein sehr fortgeschrittener Geist, Manu, leitete diese Gruppe gegen Osten durch das heutige Rußland nach Mittelasien in die Gegend der heutigen Wüste Gobi. Dort wurde eine Kolonie gegründet, von der aus Gruppen nach den verschiedensten Richtungen ausgesandt wurden und die Kultur dieser Gruppe verbreiteten. Dies geschah zu der Zeit, wo der atlantische Erdteil allmählich unterging. Das heutige Afrika und Europa ‚kamen allmählich aus den Fluten empor. Eine andere Atlantiergruppe zog von ihren Wohnsitzen aus nach Westen und bildete die Urbevölkerung des heutigen Amerika, bei dessen Wiederentdeckung durch die Europäer sie aufgefunden wurde. Auch nach dem Norden Europas zog eine Gruppe. Alle diese Gruppen haben ihre hellseherischen Erinnerungen in alten Sagen und Mythen bewahrt. Wenn wir diese Sagen und Mythen einmal richtig verstehen, wird manches Dunkel, das jetzt noch auf der Menschheitsgeschichte lastet, erhellt werden; dann werden wir manches jetzt noch Unverständliche verstehenlernen. Nur dürfen wir bei der Erklärung dieser Sagen und Mythen nicht pedantisch zu Werke gehen. Wir müssen wissen, in welch komplizierter Weise die hellseherischen Erfahrungen und die Phantasie bei Schaffung dieser alten Sagen mitgespielt haben. In dieser Zeit des ersten Aufleuchtens des Ich in der Persönlichkeit hat der Mensch in höherem Maße in seiner Umgebung gelebt als später. Er nahm auch weniger die äußeren Umrisse der ihn umgebenden Gegenstände wahr als vielmehr die inneren Eigenschaften und das Verhältnis, das sie zu ihm einnahmen, ob sie ihm nützlich oder schädlich, freundlich oder feindlich waren. Je mehr das Ich in der menschlichen Persönlichkeit eingeschlossen wurde, desto mehr nahmen die hellseherischen Fähigkeiten ab, während die Formen der Außenwelt mehr und mehr vor dem physischen Auge aufleuchteten. Wenn wir uns diese Tatsache vorstellen, können wir leicht begreifen, daß der Eintritt des Ich eine gewaltige Änderung hervorrief. Vorher sah der Mensch seinen eigenen Leib nicht, nun fing er an, ihn als sein Ich zu bezeichnen.

[ 3 ] This was the most advanced people of that time, and they were destined to become the bearers of future development. A highly advanced spirit, Manu, led this group eastward through what is now Russia to Central Asia, into the region of the present-day Gobi Desert. There a colony was founded, from which groups were sent out in various directions to spread the culture of this group. This took place at the time when the Atlantean continent was gradually sinking. Present-day Africa and Europe ‘gradually emerged from the floods. Another group of Atlanteans moved westward from their settlements and formed the indigenous population of present-day America, where they were found upon its rediscovery by the Europeans. A group also moved to northern Europe. All these groups have preserved their clairvoyant memories in ancient legends and myths. Once we truly understand these legends and myths, much of the darkness that still hangs over human history will be illuminated; then we will come to understand many things that are still incomprehensible to us today. However, we must not approach the interpretation of these legends and myths in a pedantic manner. We must recognize the complex interplay of clairvoyant experiences and imagination in the creation of these ancient legends. In this era of the first dawning of the “I” in the personality, human beings lived more intimately within their surroundings than they did later. They perceived not so much the outer outlines of the objects surrounding them as their inner qualities and the relationship these objects held to them—whether they were useful or harmful, friendly or hostile. The more the “I” became enclosed within the human personality, the more clairvoyant abilities diminished, while the forms of the external world became increasingly visible to the physical eye. If we have a mental image of this fact, we can easily understand that the emergence of the “I” brought about a tremendous change. Previously, human beings did not see their own bodies; now they began to regard them as their “I.”

[ 4 ] Atlantis war in der letzten Zeit ein Nebelland, mit dichtem Nebel bedeckt; es gab nicht die Abwechslung von Regen und Sonnenschein, auch nicht die Erscheinung des Regenbogens. Dieser konnte erst in der nachatlantischen Zeit entstehen, als die Nebelmassen sich verteilten. Dieses Ereignis ist im Volksbewußtsein lebendig geblieben als die Sage von Heimdall und in der Erzählung von Noah und der Arche. Die Erinnerung an das Nebelland hat sich erhalten in der nordischen Bezeichnung Niflheim, Nebelheim. Auch den Einschlag des Ich in die menschliche Persönlichkeit haben sich die nordischen Völker bewahrt in der Nibelungensage. Und zwar ist das Ich dort unter dem Symbolum des Goldes dargestellt. Das Gold war aufgelöst im Wasser, es hat sich aber zusammengezogen in den Ring, den Schatz der Nibelungen: das bisher in der ganzen Welt verteilt gewesene Ich hat sich zusammengezogen in die feste Menschenform. An der Bearbeitung dieser Sage durch Wagner kann man recht das unbewußte Empfinden des schaffenden Künstlers wahrnehmen. Wagner hatte nicht das ganze Bewußtsein dessen, was er in seinem Werke schuf, aber ein unterbewußtes Wissen leitete ihn. So dürfte zum Beispiel Wagner das zum Bewußtsein gekommene Ich im Orgelpunkt, der sich durch die ganze Ouvertüre der Oper «Rheingold» durchzieht, charakterisiert haben.

[ 4 ] In recent times, Atlantis was a land of mist, shrouded in thick fog; there was no alternation of rain and sunshine, nor did rainbows appear. Rainbows could only emerge in the post-Atlantis era, when the masses of fog began to disperse. This event has remained alive in the popular consciousness as the legend of Heimdall and in the story of Noah and the Ark. The memory of the land of mist has been preserved in the Norse name Niflheim, “Mistland.” The Norse peoples have also preserved the impact of the “I” on the human personality in the Nibelungen saga. There, the ego is represented by the symbol of gold. The gold was dissolved in water, but it has coalesced into the ring, the treasure of the Nibelungs: the ego, which had previously been scattered throughout the world, has coalesced into the solid human form. In Wagner’s adaptation of this legend, one can truly perceive the unconscious sensibility of the creative artist. Wagner was not fully conscious of what he was creating in his work, but a subconscious knowledge guided him. Thus, for example, Wagner may have characterized the ego that has come into consciousness in the pedal point that runs through the entire overture of the opera “Rheingold.”

[ 5 ] Drüben im Fernen Osten war unter der Führung einer hochentwikkelten Individualität die erste Kultur entstanden, von der die alten Veden noch Zeugnis ablegen. Der erste Einschlag dieser Kultur wurde gegeben nach Süden in der alten indischen Kultur. In den alten indischen Mythen und Sagen, den religiösen Urkunden, sind die Berichte dieser Tatsachen aufbewahrt, sie können von den Hellsehern gelesen werden. Manches scheinbar Widersprechende enthüllt sich da als tiefste Wahrheit. Diese Kultur hatte noch deutliche Erinnerungen an das frühere alte Hellsehen bewahrt und hatte noch tiefe Sehnsucht nach ihm empfunden als nach einem kostbaren, leider verlorengegangenen Gut. Die Menschen waren noch so sehr von der Wirklichkeit der geistigen Welt durchdrungen, daß sie die physische als Maja, Täuschung bezeichneten. Daher versuchten sie auch dieses verlorene Gut dadurch wiederzuerlangen, daß sie den Blick vom Irdischen weg und ständig nach dem Geistigen richteten. Dies ist der Ursprung der Jogaübungen, die durch ein Herabdämpfen des Bewußtseins in die geistige Welt hineinzuführen suchen. Sie wollten ein Zurückkehren in den alten Dämmerzustand; sie suchten den Weg, der in das verlorene Paradies zurückführt. In der ganzen atlantischen Zeit war die äußere Welt den Menschen nur in verschwommenen Umrissen wahrnehmbar gewesen. Die Atlantier lebten noch vorwiegend in der geistigen Welt. Die ganze nachatlantische Zeit bedeutet für den Geistesforscher nur eine nach und nach erfolgende Eroberung des physischen Planes. Die erste nachatlantische Kulturepoche, die indische, hatte noch wenig Sinn für das, was draußen in der physischen Natur ist, die den Eingeweihten als eine absolute Illusion galt, aus der sie in die einzige Realität, die geistige Realität, zu gelangen suchten.

[ 5 ] Over in the Far East, under the leadership of a highly developed individual, the first civilization had emerged, as attested to by the ancient Vedas. The first influence of this civilization was felt to the south, in ancient Indian culture. In the ancient Indian myths and legends, the religious records, accounts of these facts are preserved; they can be read by clairvoyants. Many things that seem contradictory are revealed there as the deepest truth. This culture had preserved clear memories of the earlier, ancient clairvoyance and still felt a deep longing for it as for a precious, unfortunately lost treasure. People were still so deeply imbued with the reality of the spiritual world that they described the physical world as maya, an illusion. Therefore, they also sought to regain this lost treasure by turning their gaze away from the earthly and constantly toward the spiritual. This is the origin of the yoga exercises, which seek to lead one into the spiritual world by dampening the consciousness. They wanted to return to the old twilight state; they sought the path leading back to the lost paradise. Throughout the entire Atlantean era, the outer world had been perceptible to people only in vague outlines. The Atlanteans still lived predominantly in the spiritual world. For the spiritual researcher, the entire post-Atlantean era signifies nothing more than a gradual conquest of the physical plane. The first post-Atlantean cultural epoch, the Indian one, still had little sense of what exists out there in physical nature, which the initiates regarded as an absolute illusion from which they sought to escape into the only reality, the spiritual reality.

[ 6 ] Der zweite Einschlag war die altpersische Kultur. Der Perser steht der Außenwelt schon näher als der Inder; er kennt die Erscheinung des Guten und des Bösen, dargestellt durch die Götter Ormuzd und Ahriman. Er sucht sich mit dem ersteren zu verbinden, um letzteren zu bekämpfen. Die Erde ist ihm ein Arbeitsfeld, um den Geist einzugliedern in das physische Dasein. Die dritte Kulturepoche ist die ägyptisch-assyrisch-chaldäisch-babylonische Kultur. Der Mensch hat einen weiteren Schritt vorwärts getan in der Eroberung des physischen Planes. Für den Perser war die Welt physisch noch ein undifferenziertes Arbeitsfeld. Jetzt wendet der Mensch schon sein Wissen an, um die Kräfte des Bodens sich dienstbar zu machen. Er kennt die Geometrie, um sein Land einzuteilen; sein Blick geht auch über die Erde hinaus zu den Sternen, und so entsteht die Astronomie.

[ 6 ] The second major influence was ancient Persian culture. The Persians are already closer to the outside world than the Indians; they recognize the existence of good and evil, represented by the gods Ormuzd and Ahriman. They seek to align themselves with the former in order to combat the latter. For them, the Earth is a field of work for integrating the spirit into physical existence. The third cultural epoch is the Egyptian-Assyrian-Chaldean-Babylonian culture. Humanity has taken another step forward in the conquest of the physical plane. For the Persians, the world was still a physically undifferentiated field of work. Now, however, humanity is already applying its knowledge to harness the forces of the earth. It knows geometry to divide up its land; its gaze also extends beyond the earth to the stars, and thus astronomy arises.

[ 7 ] Die vierte ist die griechisch-lateinische Kulturepoche. Während der Mensch sich bisher in der Wissenschaft mit der äußeren Kultur beschäftigt hat, legt er nun sein eigenes Innere, das spezifisch Menschliche in die Materie hinein. Wir sehen in den von ihm gefertigten Kunstwerken seine eigene Gestalt wiedererscheinen; in dem von ihm verfaßten Epos und Drama schildert er seine eigenen seelischen Eigenschaften. Der Römer ist der Bürger, der seine eigene Gesetzmäßigkeit hinausprojiziert und so den Staat und die Jurisprudenz herausbildet. Im fünften Zeitalter, in dem wir bis jetzt leben, hat der Mensch es in der Beherrschung der Außenwelt noch weiter gebracht. Unsere Epoche bedeutet den tiefsten Abstieg des Geistes in die Materie seit der atlantischen Zeit. Dieser Abstieg mußte kommen, wenn die Menschheit vorwärtsschreiten sollte. Nur nachdem der Geist vollständig in die Materie hinuntergestiegen ist, kann sein Aufstieg wieder beginnen. Unser Zeitalter hat eine große Wissenschaftlichkeit entwickelt, mit deren Hilfe wir die verschiedensten Naturkräfte beherrschen können. In Urzeiten, wo der Mensch seine Getreidekörner in primitiver Weise zwischen zwei Steinen zermalmte, bedurfte es keines großen Aufwandes an geistiger Kraft, um seine geringen Lebensbedürfnisse zu befriedigen. Ganz anders ist es in unserer Zeit. Denken wir nur an den ungeheuren Aufwand von geistiger Kraft, welcher notwendig ist, um die materiellen Bedürfnisse des modernen Menschen zu befriedigen. Wir haben Lokomotiven, Dampfschiffe, Telephon, elektrisches Licht. Eine Unsumme von geistiger Kraft ist hier in die Materie hineingelegt worden. Die geistigen Interessen des Menschen treten dabei aber gänzlich in den Hintergrund. Wir sehen also, daß die ganze geistige Entwickelung der Menschheit in der nachatlantischen Zeit einen Abstieg des menschlichen Geistes in die Materie bedeutet. Der Zweck dieses Abstieges ist aber die Überwindung der Materie, dieses großen Gegners des Geistes. Denn nach dem tiefsten Abstieg muß nun ein Aufsteigen zum bewußten spirituellen Leben beginnen.

[ 7 ] The fourth is the Greco-Latin cultural epoch. Whereas previously humanity had focused on external culture in the realm of science, it now infuses the material world with its own inner essence—that which is specifically human. We see his own form reappear in the works of art he creates; in the epics and dramas he writes, he depicts his own spiritual qualities. The Roman is the citizen who projects his own sense of justice outward, thereby shaping the state and jurisprudence. In the fifth epoch, in which we still live today, humanity has made even greater strides in mastering the external world. Our epoch marks the deepest descent of the spirit into matter since the Atlantean era. This descent had to occur if humanity was to move forward. Only after the spirit has descended completely into matter can its ascent begin anew. Our age has developed a high degree of scientific knowledge, with the help of which we can master the most diverse forces of nature. In ancient times, when humans ground their grains in a primitive manner between two stones, no great expenditure of spiritual energy was required to satisfy their modest needs for life. It is quite different in our time. Let us only consider the immense expenditure of spiritual energy required to satisfy the material needs of modern humanity. We have locomotives, steamships, telephones, and electric light. A vast amount of spiritual energy has been invested in matter here. Yet humanity’s spiritual interests are entirely pushed into the background in the process. We see, then, that the entire spiritual development of humanity in the post-Atlantean era signifies a descent of the human spirit into matter. The purpose of this descent, however, is the overcoming of matter, this great adversary of the spirit. For after the deepest descent, an ascent toward conscious spiritual life must now begin.

[ 8 ] Wir können den Gang der Menschheitsgeschichte in der nachatlantischen Zeit durch nebenstehende Kurve darstellen.

[ 8 ] We can illustrate the course of human history in the post-Atlantic era using the graph shown here.

[ 9 ] Dasjenige, was den Aufstieg bewirken soll, ist die Kraft des Christentums. In der Mitte der vierten Kulturepoche, noch lange bevor der tiefste Punkt der absteigenden Linie erreicht ist, geht der Stern des Christentums auf. Es erscheint der Christus Jesus als die hohe Persönlichkeit, die der Menschheit die Kraft bringt für den späteren Aufstieg in den Geist. Alle vorhergehenden Kulturepochen können auch als Vorbereitung des Christentums betrachtet werden. In der fünften Kulturepoche hat das Christentum die stärkste Belastungsprobe auszuhalten, da das materialistische Denken die spirituellen Wahrheiten des Christentums verdunkelt. Im sechsten Zeitalter wird das Christentum die Menschheit zum großen Bruderbunde vereinigen, und als Vorbote, als Verkünder dieser kommenden Zeit ist die Theosophie zu betrachten, welche die Spiritualisierung der Menschheit vorbereitet. Die im Christentum der Menschheit gegebenen Lehren sind so tief, so weisheitsvoll, daß keine kommende Religion imstande sein wird, das Christentum zu ersetzen oder zu verdrängen. Das Christentum hat die Fähigkeit in sich, sich allen Kulturformen der Zukunft anzupassen.

[ 9 ] The force that is to bring about this ascent is the power of Christianity. In the middle of the fourth cultural epoch, long before the lowest point of the descending line is reached, the star of Christianity rises. Christ Jesus appears as the exalted figure who brings humanity the strength for its later ascent into the spirit. All preceding cultural epochs can also be regarded as a preparation for Christianity. In the fifth cultural epoch, Christianity must endure its greatest trial, as materialistic thinking obscures the spiritual truths of Christianity. In the sixth epoch, Christianity will unite humanity into a great brotherhood, and Theosophy is to be regarded as the harbinger, the herald of this coming age, preparing humanity for spiritualization. The teachings given to humanity through Christianity are so profound, so full of wisdom, that no future religion will be able to replace or supplant Christianity. Christianity possesses the inherent ability to adapt to all future cultural forms.

[ 10 ] Es soll noch eine andere Seite der Menschheitsentwickelung betrachtet werden. In der atlantischen Zeit wurde der physische Körper ausgebildet, und der Mensch besaß, als der atlantische Erdteil überflutet wurde, ungefähr dieselbe Gestalt, die er heute hat. Nun begann die Ausbildung der geistigen Glieder. In der indischen Kulturepoche wurde der Ätherleib entwickelt. Das indische Volk als erster Kulturzweig der nachatlantischen Zeit war für das geistige Leben sehr empfänglich. Dies hängt mit der besonderen Ausbildung des Ätherleibes zusammen.

[ 10 ] Another aspect of human development should be considered. During the Atlantean epoch, the physical body was formed, and when the Atlantean continent was flooded, human beings had roughly the same form they have today. Now the development of the spiritual members began. During the Indian cultural epoch, the etheric body was developed. The Indian people, as the first cultural branch of the post-Atlantean era, were very receptive to spiritual life. This is connected with the special development of the etheric body.

[ 11 ] Als Zwischenbemerkung könnte folgendes eingeschaltet werden. Unsere heutige europäische Kultur ist sowohl von der altindischen als auch von der jetzigen indischen sehr verschieden, und so ist es begreiflich, daß die Mittel und Wege, welche einen Inder und einen Europäer zum spirituellen Leben führen, verschieden sein müssen. Die Jogaübungen, welche für den Inder fördernd sind, sind für den Europäer unzweckmäßig. Die Wege der Einweihung werden von den Meistern, die sie geben, ganz den jeweiligen Entwickelungsstufen der Menschheit angepaßt. Was für eine Stufe eine vortreffliche Methode ist, kann für eine andere Stufe geradezu nachteilig sein. Auch die Religionen haben nicht umsonst einander abgelöst. Wenn auch in allen ein gemeinsamer Wahrheitskern enthalten ist, so sind doch die verschiedenen ÄAußerungen dieser Wahrheit durch die Verschiedenheiten der Kulturepochen bedingt. Ein Baum ist von der Wurzel bis zur Blüte ein abgeschlossenes Ganzes, und doch ist für die Wurzel eine andere Nahrung notwendig als für die Blätter und Blüten. So ist auch für die Menschheit der verschiedenen Kulturepochen eine verschiedenartige Religions- und Einweihungsmethode erforderlich.

[ 11 ] As a side note, the following might be added. Our modern European culture differs greatly from both ancient Indian and contemporary Indian culture, and so it is understandable that the means and methods leading an Indian and a European to the spiritual life must be different. The yoga exercises that are beneficial for the Indian are unsuitable for the European. The paths of initiation are adapted by the Masters who impart them entirely to the respective stages of human development. What is an excellent method for one stage may be downright detrimental for another. Nor is it without reason that religions have succeeded one another. Even though a common core of truth is contained in all of them, the various expressions of this truth are conditioned by the differences in cultural epochs. A tree is a self-contained whole from root to blossom, and yet the root requires different nourishment than the leaves and blossoms. So too, for humanity in different cultural epochs, a different method of religion and initiation is required.

[ 12 ] In der persischen Kultur kommt der Astralleib zur Entwickelung. In der ägyptisch-assyrisch-chaldäisch-babylonischen Kultur kommt im Astralleib die Empfindungsseele zur Entwickelung. In der griechisch-lateinischen Kultur wird die Verstandesseele zur Entwickelung gebracht. Unsere eigene Kultur bringt die Bewußtseinsseele zur Entwickelung. Im sechsten Zeitraum wird das Geistselbst sich entwickeln, das heute erst in der Keimanlage vorhanden ist. Es braucht die gewaltige Antriebskraft des Christus-Geistes, um diese Keimanlage zur Entwikkelung zu bringen. Das wahre Christentum wird erst dann erblühen, wenn das Geistselbst entwickelt ist. Dann bereitet sich die Menschheit vor, die Buddhi, den Lebensgeist in sich aufzunehmen. Anfänglich wird nur eine kleine Schar von Menschen diese Kraft in sich entfalten, sie wird aber zu einem wunderbaren spirituellen Leben gelangen. Das Christentum steht heute erst am Anfange seiner Entwickelung. Die, welche sich heute vorbereiten auf die Ausbildung des Geistselbstes in ihrem Inneren, werden im nächsten Zeitraum dieses tiefere, geistige Christentum der Menschheit immer mehr zugänglich machen.

[ 12 ] In Persian culture, the astral body develops. In Egyptian-Assyrian-Chaldean-Babylonian culture, the feeling soul develops within the astral body. In Greek-Latin culture, the intellectual soul is brought to development. Our own culture brings the conscious soul to development. In the sixth epoch, the Spirit-Self will develop, which today exists only as a seed. It requires the mighty driving force of the Christ Spirit to bring this seed to development. True Christianity will only blossom once the Spirit-Self is developed. Then humanity will prepare to receive the Buddhi, the Life-Spirit, within itself. Initially, only a small group of people will unfold this power within themselves, but they will attain a wonderful spiritual life. Christianity is only at the beginning of its development today. Those who are preparing today for the formation of the Spirit-Self within themselves will, in the next epoch, make this deeper, spiritual Christianity increasingly accessible to humanity.

[ 13 ] Wir sehen, wie im dritten Zeitalter eine kleine Schar, das jüdische Volk, die Bedingungen vorbereitet, welche die Erscheinung des Christentums möglich machen; wie im vierten Zeitalter die Kraft des Christus eindringt in die physische Welt; wie im fünften Zeitalter der stärkste Herabstieg der Menschheit in die physische Welt stattfindet; wie, nachdem die Menschheit die Herrschaft über diese physische Welt errungen hat, die Menschheit im sechsten Zeitraum eine desto größere Kraft und Fähigkeit erlangt, das spirituelle Leben, das der ChristusGeist gebracht hat, in sich aufzunehmen. Christus erscheint als der Erstgeborene, der seiner Zeit weit vorausgegangene Mensch, der die Stufe bereits erreicht hat, welche die übrige Menschheit erst im sechsten Zeitraum erreichen wird. Der fünfte Zeitraum ist der materiellste der Menschheitsentwickelung.

[ 13 ] We see how, in the third age, a small group—the Jewish people—prepares the conditions that make the emergence of Christianity possible; how, in the fourth age, the power of Christ enters the physical world; how, in the fifth age, humanity’s greatest descent into the physical world takes place; how, after humanity has gained dominion over this physical world, humanity in the sixth epoch acquires all the greater power and capacity to absorb within itself the spiritual life brought by the Christ Spirit. Christ appears as the Firstborn, the human being far ahead of his time, who has already reached the stage that the rest of humanity will not attain until the sixth epoch. The fifth epoch is the most material of human development.

[ 14 ] Die geistigen Empfindungen bilden die Grundlage der körperlichen Zustände und jede Krankheit des Körpers ist der Ausdruck irgendeiner geistigen Verirrung. So ist der Aussatz, die gräßliche Krankheit des Mittelalters, ein Ausdruck im Physischen gewesen für die Furcht, welche die europäischen Völker vor den Hunnen gehabt haben. Die Hunnen waren im Verfall begriffene Nachkömmlinge der atlantischen Rasse. Ihr physischer Körper war wohl noch gesund, ihre Astralleiber dagegen waren bereits mit Fäulnisstoffen durchsetzt. Furcht und Schrecken sind ein ausgezeichneter Nährboden für die faulenden Stoffe des Astralplanes. So konnten diese faulenden Stoffe der atlantischen Volksstämme sich im Astralleib der europäischen Völker festsetzen und bewirkten von dort aus in späteren Generationen den Aussatz im physischen Körper.

[ 14 ] Mental states form the basis of physical conditions, and every physical illness is an expression of some mental aberration. Thus, leprosy, the dreadful disease of the Middle Ages, was a physical manifestation of the fear that the European peoples had of the Huns. The Huns were the declining descendants of the Atlantean race. While their physical bodies were still healthy, their astral bodies, on the other hand, were already permeated with putrid substances. Fear and terror are an excellent breeding ground for the putrefactive substances of the astral plane. Thus, these putrefactive substances of the Atlantean tribes were able to take root in the astral bodies of the European peoples and, from there, caused leprosy in the physical body in later generations.

[ 15 ] Alles lebt zuerst auf geistige Art, um sich später im physischen Körper auszudrücken. Auch die heutige Nervosität ist nur eine Folge der materialistischen Gesinnung unserer Zeit. Die weisen Lenker der Menschheit wissen, daß, wenn die Hochflut des Materialismus noch weiter anhalten würde, große Nervenkrankheitsseuchen bei uns auftauchen würden; Kinder würden bereits mit zitternden Gliedern geboren werden. Deshalb wurde die theosophische Bewegung in die Welt gebracht, um die Menschheit vor den Gefahren des Materialismus zu retten. Wer also materialistisches Denken und Fühlen verbreitet, der leistet diesen verheerenden Krankheiten Vorschub; wer den Materialismus bekämpft, der kämpft für die Gesundheit und Entwickelungsfähigkeit unseres Volkes. Der einzelne vermag zu seiner Gesundheit nichts beizutragen; er ist ein Glied der ganzen Menschheit und schöpft die Stoffe zu seiner Erhaltung aus der allen Menschen gemeinsamen Quelle. Wer tiefer hineinschaut in die Gesetze der Menschheitsentwikkelung, muß blutenden Herzens zusehen, wie der einzelne leidet und wie sein Leiden nur der Ausdruck der geistigen Verirrung der ganzen Menschheit ist. Die Theosophie ist weniger berufen, dem einzelnen Menschen zu helfen, als vielmehr der ganzen Menschheit einen Aufschwung in das Geistige zu geben und dadurch für die körperliche Gesundung der Menschheit zu wirken.

[ 15 ] Everything first exists in a spiritual form, only to later express itself in the physical body. Even today’s nervousness is merely a consequence of the materialistic mindset of our time. The wise leaders of humanity know that if the flood of materialism were to continue any longer, major epidemics of nervous disorders would break out among us; children would already be born with trembling limbs. That is why the Theosophical Movement was brought into the world, to save humanity from the dangers of materialism. Whoever spreads materialistic thinking and feeling thus encourages these devastating diseases; whoever combats materialism fights for the health and capacity for development of our people. The individual can contribute nothing to his own health; he is a member of the whole of humanity and draws the substances for his sustenance from the source common to all people. Whoever looks more deeply into the laws of human development must watch with a bleeding heart as the individual suffers and how his suffering is merely the expression of the spiritual aberration of all humanity. Theosophy is less called upon to help the individual human being than to give all of humanity an uplift into the spiritual and thereby work for the physical recovery of humanity.

[ 16 ] Im sechsten und siebenten Zeitalter wird durch die Kraft des Christus sich das Geistselbst und der Lebensgeist in denjenigen entwickeln, die sich an Christus anlehnen. Diese werden zugleich gesundes Denken und gesundes Fühlen erlangen. Das Christentum bringt die große Gesundheit und die große Heilung. Die Lebenskraft Christi überwindet alles Siechtum und den Tod. Der menschliche Leib hat sich entwickelt als fester Körper aus dem Flüssigen heraus und daher wird in der Geisteswissenschaft das flüssige Element als das leibliche Element betrachtet. Die fünf Hallen, welche den Teich Bethesda umgeben, bedeuten die fünf Zeitalter, welche der Mensch dazu verwendet, immer tiefer und tiefer in die Körperlichkeit einzudringen, und an deren Ende er gänzlich der Materie verfallen ist. Erst wenn diese fünf Zeiträume durchschritten sind, kann der Mensch gesund werden. Wer diesen fünf Hallen verfallen ist, kann nicht geheilt werden, wenn nicht der große Heiler, der Christus, an ihn herantritt. Dann geschieht das, was im fünften Kapitel des Johannes-Evangeliums beschrieben ist. So ist die Schilderung des achtunddreißig Jahre lang Kranken eine prophetische Vorausverkündigung dessen, was sich ereignet in der sechsten Epoche, wo der Mensch keine Heilmittel mehr braucht, weil er sein eigener Heiler sein wird.

[ 16 ] In the sixth and seventh ages, through the power of Christ, the Spirit-Self and the Life-Spirit will develop within those who turn to Christ. These individuals will simultaneously attain sound thinking and sound feeling. Christianity brings great health and great healing. The life force of Christ overcomes all infirmity and death. The human body has developed as a solid body out of the liquid, and therefore, in Spiritual Science, the liquid element is regarded as the physical element. The five porticoes surrounding the Pool of Bethesda symbolize the five ages during which humanity penetrates ever deeper into physicality, and at the end of which it has become completely enslaved to matter. Only after passing through these five periods can humanity become healthy. Whoever has fallen prey to these five porticoes cannot be healed unless the great Healer, Christ, approaches him. Then what is described in the fifth chapter of the Gospel of John takes place. Thus, the account of the man who had been ill for thirty-eight years is a prophetic foreshadowing of what will occur in the sixth epoch, when humanity will no longer need remedies because it will become its own healer.

[ 17 ] Im Beginn der nachatlantischen Zeit finden wir noch Überreste der Blutsverwandtschaft. Die Worte Christi: «Wer nicht verläßt Vater und Mutter..., der kann nicht mein Jünger sein», deuten auf die Menschheitsstufe im sechsten Zeitalter hin. Dann wird an Stelle der Volksgeister, der Stammes- und Rassengeister der eine allgemeine Menschheitsgeist herrschen. Dann wird der Mensch nicht mehr Sohn seines Stammes oder Volkes sein, sondern Sohn der Menschheit, Menschensohn. Auch hier ist tatsächlich Christus der erste, der diesen Namen mit Recht führt (Joh. Kap. 3, 13,14). Er verhielt sich zu jener Zeit schon so, wie sich die Menschen verhalten werden, wenn sie Menschensöhne sein werden.

[ 17 ] At the beginning of the post-Atlantean epoch, we still find remnants of blood kinship. Christ’s words: “Whoever does not leave father and mother… cannot be my disciple,” point to the stage of humanity in the sixth age. Then, in place of the national spirits, the tribal and racial spirits, a single universal spirit of humanity will reign. Then man will no longer be a son of his tribe or people, but a son of humanity, the Son of Man. Here, too, Christ is indeed the first to rightly bear this name (John 3:13–14). Even at that time, he behaved as human beings will behave when they become sons of man.

[ 18 ] Dies ist dadurch ausgedrückt, daß Christus zu der Samariterin geht — Samariter hatten ja keine Gemeinschaft mit den Juden. Was der Mensch in sich hat, was seine Entwickelung möglich macht, ist etwas Weibliches, Passives, gegenüber dem Geiste, der das Befruchtende, das männliche, aktive Prinzip darstellt. Die Folge dieser ständigen Einwirkung des männlichen auf das weibliche Prinzip ist zunächst die Entfaltung des Ätherleibes, dann des Astralleibes, der Empfindungsseele, der Verstandesseele und der Bewußtseinsseele. In der letzteren gestaltet sich dann das Geistselbst. Dies ist im Gespräch des Christus mit der Samariterin (Kap. 4,18) angedeutet mit den Worten: «Fünf Männer hast du gehabt, und den du jetzt hast, der ist nicht dein Mann.» Die fünf Männer, die das Weib gehabt hat, sind die fünf geistigen Leiber, die auf den physischen einwirkten, und der sechste, das Geistselbst, ist nicht mehr im alten Sinne der Mann. Die fünf andern sind niedere, vergängliche Stufen der Entwickelung, während der sechste, das Geistselbst, das Göttliche, Ewige darstellt. So sehen wir auch im Gespräch mit der Samariterin eine Verkündigung der kommenden Zeit durch den Christus Jesus.

[ 18 ] This is expressed by the fact that Christ goes to the Samaritan woman—after all, Samaritans had no fellowship with the Jews. What a person possesses within themselves, what makes their development possible, is something feminine and passive in relation to the spirit, which represents the fertilizing, masculine, active principle. The result of this constant influence of the masculine on the feminine principle is first the unfolding of the etheric body, then the astral body, the feeling soul, the intellectual soul, and the conscious soul. In the latter, the Spirit-Self then takes shape. This is hinted at in Christ’s conversation with the Samaritan woman (chap. 4:18) with the words: “You have had five husbands, and the one you have now is not your husband.” The five husbands the woman has had are the five spiritual bodies that acted upon the physical one, and the sixth, the Spirit-Self, is no longer a husband in the old sense. The other five are lower, transitory stages of development, while the sixth, the Spirit-Self, represents the divine and eternal. Thus, we also see in the conversation with the Samaritan woman a proclamation of the coming age by Christ Jesus.

[ 19 ] Während die fünf Leiber der Läuterung von außen bedürfen, wird das Geistselbst den Menschen selbst reinhalten. Der Leib Christi ist bereits erfüllt von Reinheit. Er will auch die Menschheit reinigen und tritt daher hin und reinigt den Tempel von Händlern und Wechslern (Kap. 2, 14-22), das heißt, er reinigt den Tempel des Heiligen Geistes, den Leib des Menschen von den ihm anhängenden niederen Prinzipien und macht ihn fähig, den Geist aufzunehmen.

[ 19 ] While the five bodies require purification from the outside, the Spirit-Self will keep the person pure from within. The Body of Christ is already filled with purity. He also wishes to purify humanity and therefore steps forward and cleanses the temple of merchants and money changers (chap. 2:14–22); that is, he cleanses the temple of the Holy Spirit, the body of man, of the lower principles clinging to it and enables it to receive the Spirit.

[ 20 ] Diese Ausführungen dürfen jedoch nicht die Vorstellung erwecken, daß die Schilderungen im Johannes-Evangelium nur als Symbole aufzufassen seien. Im Altertum war die Namengebung nicht etwas Willkürliches, sondern streng dem Charakter der Persönlichkeit angepaßt. So wahr es zum Beispiel ist, daß die drei Frauen, die am Kreuze Jesu standen, die drei Eigenschaften Bewußtseins-, Verstandes-, Empfindungsseele bezeichneten, ebenso wahr ist es, daß diese drei Personen leiblich unter dem Kreuze gestanden haben. Wenn wir das JohannesEvangelium lesen, blicken wir also sowohl auf symbolische Bilder dessen, was sich im nächsten Zeitalter auf dieser Erde verwirklichen wird, als auch auf etwas, was zu Beginn unserer Zeitrechnung wirklich eingetreten ist. Die historischen Tatsachen sind alle von den weisen, die Menschheit leitenden Mächten hingestellt als Symbole der künftigen Menschheitsentwickelung.

[ 20 ] However, these remarks should not create a mental image that the descriptions in the Gospel of John are to be understood merely as symbols. In ancient times, the giving of names was not arbitrary, but strictly adapted to the character of the individual. Just as it is true, for example, that the three women who stood at the foot of Jesus’ cross represented the three aspects of the soul—the conscious soul, the intellectual soul, and the feeling soul—so it is equally true that these three individuals were physically present at the foot of the cross. When we read the Gospel of John, we are thus looking both at symbolic images of what will be realized on this earth in the coming age and at something that actually occurred at the beginning of our era. The historical facts have all been presented by the wise powers guiding humanity as symbols of humanity’s future development.