Myths and Legends
Occult Signs and Symbols
GA 101
7 October 1907, Berlin
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Myths and Legends, Occult Signs and Symbols, tr. SOL
1. Altnordische Mythen und Sagen
1. Old Norse Myths and Legends
[ 1 ] Wir wollen in dieser und in den nächsten Stunden das betrachten, was man nennen könnte: Okkulte oder auch mystische Sinnbilder in ihren Beziehungen zur astralen und geistigen Welt. Immer wieder treten vor Ihnen diese und jene Zeichen, Symbole, Erzählungen auf; und nun kommen diejenigen, die materialistisch gesinnt sind und sagen, das sei alles Dichtung. Es wird als irgendwie aus der Volksphantasie entlehnt angenommen und nur betrachtet als eine leere Phantasterei. Oder es kommen die Gutgesinnten und spekulieren alles mögliche über das, was zum Beispiel das Pentagramm und andere Symbole bedeuten. Bei unserem Kongreß in München haben wir sogar Zeichen und Symbole zur Ausschmückung unseres Saales gebraucht und damit schon angedeutet, daß wir den okkulten Zeichen eine gewisse Bedeutung beimessen. Aber der wahre Okkultist spekuliert nicht darüber, sondern er sucht die wirklichen Tatsachen. Durch eine philosophische Spekulation können Sie nie und nimmer auf die Bedeutung eines okkulten Zeichens kommen, und vieles, was gesagt und geschrieben wird über okkulte Zeichen und ihre Bedeutung, ist vergeblich geschrieben, weil es nur aus der Spekulation, dem mehr oder weniger geistreichen Darüber-Nachdenken heraus geschrieben ist. Doch diese okkulten Zeichen sind für uns wichtig, denn sie sind etwas wie Instrumente, durch die wir hinaufkommen können in die höheren Welten.
[ 1 ] In this and the coming sessions, we will examine what might be called occult or mystical symbols in their relationship to the astral and spiritual worlds. Time and again, you encounter various signs, symbols, and stories; and then there are those with a materialistic mindset who claim that it is all fiction. It is assumed to be borrowed in some way from the popular imagination and regarded merely as empty fantasy. Or the well-meaning come along and speculate all sorts of things about what, for example, the pentagram and other symbols mean. At our congress in Munich, we even used signs and symbols to decorate our hall, thereby already indicating that we attach a certain significance to occult signs. But the true occultist does not speculate about them; rather, he seeks the real facts. Through philosophical speculation, you can never, ever arrive at the meaning of an occult sign, and much of what is said and written about occult signs and their meaning is written in vain, because it is written solely out of speculation, out of more or less ingenious pondering. Yet these occult symbols are important to us, for they are something like instruments through which we can ascend into the higher worlds.
[ 2 ] Wir haben schon manches über die Bedeutung wichtiger Symbole gehört, so zum Beispiel über das Symbolische, das sich auf die Zahl 666 bezieht, und wir haben da tief in die religiöse Urkunde der Apokalypse eindringen können. Heute soll uns etwas ganz anderes aus der Symbolik beschäftigen. Es sind Symbole, die Ihnen schon öfter vor die Seele getreten sind, die wir nun ihrem Ursprung und ihrem wirklichen Wert nach kennenlernen wollen. Bevor wir zur Besprechung dieser Symbole übergehen, müssen wir eine Vorbetrachtung über den Menschen anstellen. Sie werden gleich sehen, warum etwas scheinbar ganz und gar Entlegenes angeführt wird, um gewisse Zeichen und Symbole zu erklären.
[ 2 ] We have already heard quite a bit about the meaning of important symbols, such as the symbolism associated with the number 666, and we have been able to delve deeply into the religious text of the Apocalypse. Today, we will focus on something entirely different within the realm of symbolism. These are symbols that have often come to mind, and we now wish to explore their origins and their true value. Before we proceed to discuss these symbols, we must first consider the nature of human beings. You will soon see why something seemingly quite unrelated is being introduced to explain certain signs and symbols.
[ 3 ] Wir versetzen uns zurück an den Zeitpunkt unserer Menschheitsentwickelung, den Sie alle aus früheren Vorträgen kennen. Sie wissen, daß unserer jetzigen Zeit vorangegangen ist eine Zeit, die wir die atlantische Zeit nennen. Wo jetzt der Boden des Atlantischen Ozeans ist, zwischen Amerika und Europa, war vor Urzeiten Land, während unsere Gebiete weithin mit Wassermassen bedeckt waren. In diesem Lande wohnten unsere Vorfahren. In Wahrheit stammt der größte Teil der europäischen Bevölkerung nicht etwa aus dem Osten, sondern aus dem Westen und ist die Nachkommenschaft der atlantischen Bevölkerung. Von jenem Lande, der alten Atlantis, wo unsere Vorfahren und wir selbst in früheren Inkarnationen gewohnt haben, wanderten sie weit hinein nach Osten, als die Fluten, die jetzt den Atlantischen Ozean bilden, diesen früheren Erdteil verschlungen hatten.
[ 3 ] Let us go back to that point in human evolution that you are all familiar with from previous lectures. You know that our present age was preceded by a period we call the Atlantean era. Where the floor of the Atlantic Ocean now lies, between America and Europe, there was land in ancient times, while our regions were largely covered by vast bodies of water. Our ancestors lived in that land. In truth, the majority of the European population does not originate from the East, but from the West, and is descended from the Atlantean people. From that land, ancient Atlantis, where our ancestors and we ourselves lived in earlier incarnations, they migrated far to the East when the waters that now form the Atlantic Ocean had engulfed that former continent.
[ 4 ] Im letzten Drittel der atlantischen Zeit gliederte sich im Nordosten - in der Gegend des heutigen Irland - ein kleines Häuflein heraus aus der Bevölkerung, die als die damals vorgeschrittenste sich darstellt. Das ganze atlantische Land war bedeckt mit schweren, dichten Nebelmassen und wird deshalb in der Erinnerung der germanischen Völkerschaften «Niflheim» genannt. In diesen alten Zeiten, als die Luft fortwährend mit dichten Wassermassen geschwängert war, da war das Seelenleben auch ein ganz anderes. Es war immer noch ein altes Hellsehen vorhanden; die Menschen haben damals hineingesehen in die geistige Welt. Wenn sie sich einem Menschen genähert haben, sahen sie vor ihrer Seele gewisse Farbenerscheinungen aufsteigen, die ihnen sagten, ob ihnen dieser Mensch sympathisch oder unsympathisch war. Ebenso war es mit den Tieren; wenn sie sich einem Tiere näherten, konnten sie sehen, ob es ihnen schadete oder nicht. Ein primitives Hellsehen war also in gewisser Beziehung in der atlantischen Zeit vorhanden.
[ 4 ] In the final third of the Atlantean era, a small group emerged in the northeast—in the region of present-day Ireland—from the population that was considered the most advanced at the time. The entire Atlantic region was shrouded in heavy, dense fog and is therefore called “Niflheim” in the memory of the Germanic peoples. In those ancient times, when the air was constantly saturated with dense masses of water, spiritual life was also quite different. An ancient form of clairvoyance still existed; people at that time could see into the spiritual world. When they approached a person, they saw certain color phenomena rising before their soul, which told them whether they found that person likable or unlikable. It was the same with animals; when they approached an animal, they could see whether it would harm them or not. A primitive form of clairvoyance was thus present, in a certain sense, during the Atlantean era.
[ 5 ] Die Menschheit machte nun verschiedene Entwickelungszustände durch; sie konnte nicht stehenbleiben bei jenem alten dumpfen Hellsehen; es mußte die heutige Art des Wahrnehmens durch die Sinne eintreten. Da mußte für eine gewisse Zeit das Hellsehen zurücktreten, das aber in der Zukunft wieder zu dem heutigen hellen Tagesbewußtsein hinzuerobert werden wird. Was die Menschen heute als Grundlage unserer äußeren Kultur haben, den Gebrauch der Vernunft, den Verstand, das war nicht den alten atlantischen Hellsehern eigen, das mußte erst erobert werden. Der Mensch mußte seine Augen und Ohren, seine Sinneswahrnehmungsorgane nach außen richten; das innere geistige Auge trat für eine Zeit zurück. Als unsere Vorfahren aus der alten Atlantis nach dem Osten hinüberwanderten, da war dieses Ereignis zugleich verknüpft mit dem Verlust des alten Hellsehens und mit dem Erringen der äußeren sinnlichen Wahrnehmung, mit dem Erringen von Fähigkeiten wie Zählen, Rechnen, Urteilen.
[ 5 ] Humanity has now passed through various stages of development; it could not remain stuck in that old, dim form of clairvoyance; the modern way of perceiving through the senses had to take hold. For a certain time, clairvoyance had to take a back seat, but in the future it will be reclaimed and integrated into today’s clear, conscious awareness. What people today have as the foundation of our external culture—the use of reason, the intellect—was not characteristic of the ancient Atlantean clairvoyants; it first had to be acquired. Humanity had to direct its eyes and ears, its sensory organs, outward; the inner spiritual eye receded for a time. When our ancestors migrated from ancient Atlantis toward the East, this event was simultaneously linked to the loss of the old clairvoyance and to the attainment of external sensory perception, to the attainment of abilities such as counting, calculating, and judging.
[ 6 ] Bei jenem kleinen Häuflein in der Nähe des heutigen Irland hatte sich zuerst die Fähigkeit des Rechnens, Zählens und so weiter ausgebildet. Diese Menschen zogen zunächst nach dem Osten hinüber, und mit den hereinbrechenden Fluten des Ozeans zogen ihnen immer andere Völkerschaften nach; sie bevölkerten den Boden des heutigen Europa. So war ein zweifaches Anschauen der Dinge bei diesen Völkerschaften da: die äußere Beobachtung der Sinneswelt, das Zählen, Rechnen, Kombinieren, was dazu führte, daß die heutigen technischen Fortschritte, Maschinen, Verkehrsmittel und so weiter, errungen werden konnten. Im Herzen trugen diese Völker aber noch etwas anderes: die Erinnerung an jene Welten des Geistes, in die sie hineingeschaut hatten, und die Sehnsucht, durch irgendwelche Mittel diese geistigen Welten wieder zu erobern.
[ 6 ] It was among that small group near what is now Ireland that the ability to calculate, count, and so on first developed. These people initially migrated eastward, and as the ocean’s waters began to rise, other peoples followed in their wake; they settled the lands of what is now Europe. Thus, these peoples possessed a dual perspective on things: the external observation of the sensory world, counting, calculating, and combining—which led to the achievement of today’s technological advances, machines, means of transportation, and so on. But in their hearts, these peoples carried something else: the memory of those spiritual worlds into which they had looked, and the longing to reconquer these spiritual worlds by whatever means.
[ 7 ] Nun stellen wir uns einmal recht lebhaft diese Vorfahren im alten Europa vor. Nicht gleichzeitig haben sie alle mit dem Herüberwandern die Gabe des alten Hellsehens verloren. Viele, ja zahlreiche Leute, die herübergewandert waren, haben noch vollgültige Reste des alten Hellsehens auch nach Europa mitgebracht. Es gab viele unter diesen Vorfahren, die, wenn sie sich in der Dämmerung des Abends oder in der Nacht still hinsetzten, in ein lebhaftes Träumen versanken, das mehr als das heutige Träumen bedeutete; sie sahen noch hinein in die geistige Welt.
[ 7 ] Let us now vividly create a mental image of these ancestors in ancient Europe. They did not all lose the gift of ancient clairvoyance at the same time as they migrated here. Many—indeed, numerous—people who had migrated brought fully intact remnants of ancient clairvoyance with them to Europe. There were many among these ancestors who, when they sat quietly at dusk or at night, would sink into a vivid dreaming that meant more than the dreaming of today; they could still see into the spiritual world.
[ 8 ] Noch hatten sich unzählige Menschen nicht nur die Erinnerung daran bewahrt, sondern sogar die Fähigkeit, in gewissen Ausnahmezuständen des Lebens in die geistigen Welten hineinzublicken. Und die anderen, die diese Fähigkeit verloren hatten, hatten dafür eine Eigenschaft, die im Laufe der Entwickelung viel mehr abhanden gekommen ist, als man gewöhnlich denkt: Es gab in alten Zeiten, namentlich in der Bevölkerung Mittel- und Osteuropas, eine Eigenschaft, die weit verbreitet war, in einer Intensität, von der man sich heute keine Vorstellung macht, und das war das Vertrauen, der treue Glaube. Diejenigen, die etwas über die geistigen Welten zu sagen wußten, die fanden Gehör, sie fanden Glauben, weil Liebe und Vertrauen gerade in jenen europäischen Ländern eine große, eine bedeutsame Kraft hatten. Jenes Kritisieren und Pochen auf die eigene Überzeugung, wie man es heute findet, war etwas, woran damals überhaupt kein Mensch dachte. Diese Dinge aber sind es, die es heute notwendig machen, daß ein jeder selber zur geistigen Welt geführt wird. Das war in jener Zeit wegen des starken, großen Vertrauens nicht notwendig. Wenn wir die alte Bevölkerung Europas überblicken, sehen wir auf dem Grunde der Seelen dieser Leute, daß sie ein volles Bewußtsein hatten von den hinter der sinnlichen Welt stehenden geistigen Welten.
[ 8 ] Countless people had not only preserved the memory of this, but even retained the ability to glimpse into the spiritual worlds during certain exceptional states of life. And the others, who had lost this ability, possessed a quality that has been lost far more in the course of development than is commonly thought: In ancient times, particularly among the populations of Central and Eastern Europe, there was a quality that was widespread, with an intensity that is unimaginable today, and that was trust, faithful belief. Those who knew something to say about the spiritual worlds found a hearing; they found belief, because love and trust had a great, a significant power precisely in those European countries. That kind of criticism and insistence on one’s own convictions, as we find it today, was something no one even thought of back then. But it is these very things that make it necessary today for each person to be led into the spiritual world for themselves. That was not necessary in those days because of the strong, deep trust. When we look at the old population of Europe, we see in the depths of these people’s souls that they had a full awareness of the spiritual worlds lying behind the sensory world.
[ 9 ] Und nun wollen wir uns einmal das Werden der neuen Anschauung des nun durch seine Sinne zu den Gegenständen hinblickenden Menschen klarmachen. Ich habe schon angedeutet, daß bei jenem kleinen Häuflein im Norden, in der Nähe des heutigen Irland, ein Ereignis eintrat, durch welches das Rechnen, das Zählen und Kombinieren eine Fähigkeit des Menschen geworden ist. Ich habe schon früher angedeutet, daß dazumal des Menschen Ätherkopf hineingerückt ist in den physischen Kopf. Während früher der Teil des Ätherkopfes in der Nähe der Augenbrauen außerhalb des physischen Gehirnes war, rückte er jetzt hinein, und beide wurden eine Einheit. Dadurch erlangte der Mensch die Fähigkeit des Selbstbewußtseins, des Ichbewußtseins, er erlangte die Fähigkeit, zu urteilen und hinzuschauen zu den Gegenständen. Der Ätherkopf, der heute mit der Form des physischen Kopfes zusammenfällt, stand bei den alten Atlantiern weit vor der Stirn hervor, daher ihr Hineinsehen in die geistige Welt, ihr Hellsehen. Nun versetzen wir uns einmal in die Seele der atlantischen Bevölkerung, versetzen wir uns in jene alten Zeiten, wo die Menschen noch ihren Ätherkopf weit außerhalb ihres physischen Kopfes hatten, und versetzen wir uns dann in jene Zeiten gegen Ende der Atlantis, wo die beiden schon zusammengefallen waren. Der Atlantier konnte schauen, wie der Ätherkopf nach und nach hineinrückte, er war ja noch hellsehend, er sah das. Wie sah er nun dieses Hineinrücken des Ätherkopfes in den physischen Kopf? Als etwas ganz besonderes kam dem Atlantier dieses Hineinrücken des Ätherkopfes vor. Das wollen wir uns einmal vor die Seele rücken; ich will es Ihnen beschreiben.
[ 9 ] And now let us try to understand how the new way of seeing things developed in humans, who now perceive objects through their senses. I have already indicated that among that small group in the north, near what is now Ireland, an event occurred through which calculation, counting, and combining became human abilities. I have previously indicated that at that time the human etheric head moved into the physical head. Whereas previously the part of the etheric head near the eyebrows was outside the physical brain, it now moved inside, and the two became one. Through this, human beings gained the capacity for self-awareness, for ego-consciousness; they gained the capacity to judge and to look at objects. The etheric head, which today coincides with the form of the physical head, protruded far beyond the forehead in the ancient Atlanteans, hence their ability to look into the spiritual world, their clairvoyance. Now let us put ourselves in the soul of the Atlantean people, let us transport ourselves to those ancient times when people still had their etheric head far outside their physical head, and then let us transport ourselves to those times toward the end of Atlantis when the two had already merged. The Atlantean could see how the etheric head gradually moved inward; he was, after all, still clairvoyant, he saw this. How did he perceive this movement of the etheric head into the physical head? To the Atlantean, this movement of the etheric head seemed like something very special. Let us bring this before our soul; I will describe it to you.
[ 10 ] Woher, fragte sich der Atlantier, kommen denn die Kräfte, die mir jetzt zuteil werden? - Vorher hatte der Mensch um sich herum eine geistige Welt gesehen. Was zeigte ihm diese geistige Welt um ihn herum? Machen Sie sich das einmal ganz klar. Wenn Sie jetzt plötzlich hellsehend werden könnten, bis zu dem Grade, wie es der Atlantier war, was würde da in Ihrer Seele vorgehen? Sie würden geistige Wesenheiten um sich herum sehen. Die physische Welt würde sich bevölkern mit Wesenheiten des astralischen, des geistigen Planes, und die würden Sie sehen. Woher würde das kommen? Durch Ihre eigenen Fähigkeiten, die jetzt in Ihrer Seele schlummern, die Sie dann aber entwickelt hätten. Es würde Ihnen so erscheinen, wie wenn etwas aus Ihnen selbst herausstrahlte. Was heute aus Ihnen herausstrahlt in die Welt, das war ja damals zur Zeit der alten Atlantis erst in Sie hineingestrahlt. Alle Anschauungen, die der Mensch heute sich bilden kann in bloßen Begriffen von der geistigen Welt, das waren zu jener Zeit lebendige Wesenheiten für ihn, und der Atlantier sah, wie etwas hineinzog in ihn und in ihm Fähigkeiten anregte. Er sagte sich: Ich fange an, mit meinen Augen die Dinge zu sehen, mit meinen Ohren Geräusche, Töne zu hören, ich fange an zu sehen, was draußen sinnlich wahrnehmbar ist. - Woher kommen diese Fähigkeiten? Sie strahlten von außen in den Menschen hinein.
[ 10 ] “Where,” the Atlantean wondered, “do the powers that are now bestowed upon me come from?” — Previously, humans had seen a spiritual world around them. What did this spiritual world reveal to them? Make this very clear to yourself. If you could suddenly become clairvoyant now, to the same degree as the Atlantean was, what would happen in your soul? You would see spiritual beings all around you. The physical world would become populated with beings from the astral and spiritual planes, and you would see them. Where would this come from? Through your own abilities, which now lie dormant in your soul, but which you would then have developed. It would seem to you as if something were radiating out from within yourself. What radiates out from you into the world today was, after all, first radiated into you back in the time of ancient Atlantis. All the concepts that people today can form in mere terms about the spiritual world were, at that time, living beings to them, and the Atlantean saw how something drew into him and stimulated abilities within him. He said to himself: I am beginning to see things with my eyes, to hear sounds and tones with my ears; I am beginning to perceive what is sensually perceptible outside. — Where do these abilities come from? They radiated from the outside into the human being.
[ 11 ] Wir wollen die alte Atlantis noch einmal so recht ins Auge fassen. Das Land war bedeckt mit weiten Wassernebelmassen; diese Wassernebelmassen waren von verschiedener Dichte in der ersten und in der letzten atlantischen Zeit, namentlich waren sie in der Nähe des heutigen Irland anders als in den sonstigen Gegenden. Die Wasserund Nebelmassen waren zuerst warm und heiß. Im südlichen Teil der Atlantis waren sie noch warm, zum Teil heiß, wie warme, heiße Rauchmassen; gegen Norden zu waren sie kälter. Insbesondere gegen das Ende der atlantischen Zeit trat eine mächtige Abkühlung ein. Nun war es gerade diese Abkühlung der Nebelmassen, diese nordische Kälte, welche die neue Anschauung, das neue Seelenleben aus den Menschen herauszauberte. Niemals hätten unter den Gluten der Hitze des Südens der Intellekt, die Urteilskraft zuerst sich in der Menschheit entwickeln können. Der Atlantier in der Nähe Irlands fühlte Fähigkeiten in sich hineinströmen, die ihn so durchdrangen, daß er fähig wurde, mit seinen Sinnesorganen die Dinge draußen zu sehen, zu hören und so weiter. Er empfand das so, daß er es der Abkühlung der Luftmassen zu verdanken hatte.
[ 11 ] Let us take another close look at ancient Atlantis. The land was covered with vast masses of water vapor; these masses of water vapor varied in density during the early and late Atlantean periods; specifically, they differed in the vicinity of present-day Ireland from those in other regions. The masses of water and mist were at first warm and hot. In the southern part of Atlantis they were still warm, and in some places hot, like warm, hot masses of smoke; toward the north they were colder. Especially toward the end of the Atlantean era, a powerful cooling took place. Now it was precisely this cooling of the mist masses, this northern cold, that conjured up the new outlook, the new soul life, within human beings. Never could intellect and the power of judgment have developed in humanity first amidst the scorching heat of the south. The Atlantean living near Ireland felt abilities flowing into him that permeated him so deeply that he became capable of seeing, hearing, and so on, the things outside with his sense organs. He felt that he owed this to the cooling of the air masses.
[ 12 ] Zu dem Wahrnehmen äußerer Gegenstände durch Sinnesorgane gehören Nerven. Zu jedem unserer Sinnesorgane gehen Nerven vom Gehirn aus. Augennerven, Geruchs-, Gehörnerven und so weiter haben wir. Diese Nerven, die heute den Menschen fähig machen, die Sinneseindrücke sich zum Bewußtsein zu bringen, waren untätig, bevor die äußere sinnliche Anschauung der Dinge da war. Sie vermittelten nicht das äußere Anschauen, sie hatten eine innere Aufgabe. Der atlantische Mensch sah damals die Kräfte an sich herankommen, die diese Nerven in ihm zu Sinnesorganen machten. Er empfand diese ganze Situation so, wie wenn in den Kopf von außen hineinfluteten die Strömungen, welche dann seine Nerven im Kopf durchsetzten.
[ 12 ] The perception of external objects through the sense organs involves nerves. Nerves extend from the brain to each of our sensory organs. We have optic nerves, olfactory nerves, auditory nerves, and so on. These nerves, which today enable human beings to bring sensory impressions into consciousness, were inactive before the external sensory perception of things existed. They did not mediate external perception; they had an inner function. At that time, the Atlantean human being saw the forces approaching him that transformed these nerves within him into sensory organs. He experienced this entire situation as if currents were flooding into his head from the outside, which then permeated his nerves in the head.
[ 13 ] Nun gibt es unter den Nerven im Kopfe, die dazumal tätig wurden und die wir heute noch anatomisch nachweisen können, zwölf Paare, und zwar zehn Paare, die vom Kopfe ausgehend sich gliedern, um die einzelnen Sinnesorgane in Tätigkeit zu setzen. Wenn Sie zum Beispiel die Augen bewegen, so sind dazu die Augenmuskelnerven da und nicht der Sehnerv. Also zehn Paare, die zu den einzelnen Sinnesorganen gehen, und zwei Paare, die tiefer hinuntergehen und die den Verkehr vermitteln zwischen dem sinnlichen Wahrnehmen und der Gehirntätigkeit. Der Atlantier fühlte zwölf Strömungen in sich hineingehen, in sein Gehirn und hinunter in seinen Leib. Das sah er. Was Sie jetzt als Nerven in sich haben, wurde für sein Wahrnehmen erzeugt durch zwölf in ihn hineingehende Ströme. Wenn nun diesem Umstande, daß die Luft sich abkühlte und das ganze Niflheim ein kaltes Land wurde, die zwölf Nervenstränge verdankt werden, so war doch noch etwas anderes dazu notwendig, um die menschlichen Sinnesorgane zu gestalten. Bevor die menschlichen Sinnesorgane gestaltet waren, hatte auch das Herz noch eine ganz andere Aufgabe. Die Blutzirkulation muß eine andere gewesen sein bei einem Wesen, das sich hellseherisch, geistig die Farben und Töne der Umgebung vor die Seele zaubert, als bei dem atlantischen Menschen, dem die äußere Welt allmählich für die äußeren Sinne wahrnehmbar auftauchte. Diese Umgestaltung des Herzens hat niemals kommen können von den kalten Teilen der Atlantis. Sie mußte dadurch kommen, daß die menschliche Organisation von anderswoher angefacht wurde. Die Umgestaltung des Herzens hat der wärmere, südliche Erdstrich der Atlantis bewirkt.
[ 13 ] Now, among the nerves in the head that were active at that time and that we can still identify anatomically today, there are twelve pairs—ten of which branch out from the head to activate the individual sensory organs. For example, when you move your eyes, it is the eye muscle nerves that are involved, not the optic nerve. So there are ten pairs that go to the individual sense organs, and two pairs that go deeper down and mediate the connection between sensory perception and brain activity. The Atlantean felt twelve currents entering him, into his brain and down into his body. He saw this. What you now have within you as nerves was, for his perception, generated by twelve currents flowing into him. If the twelve nerve strands are to be credited with the fact that the air cooled and the whole of Niflheim became a cold land, something else was still necessary to form the human sensory organs. Before the human sense organs were formed, the heart, too, had a completely different function. The blood circulation must have been different in a being who clairvoyantly and spiritually conjured up the colors and sounds of the surroundings before the soul than in the Atlantean human, for whom the external world gradually emerged as perceptible to the external senses. This transformation of the heart could never have come from the cold regions of Atlantis. It had to come about because the human organism was stimulated from elsewhere. The transformation of the heart was brought about by the warmer, southern region of Atlantis.
[ 14 ] Sie müssen sich das so vorstellen, daß beide Strömungen auf den Atlantier eingewirkt haben, die kalten Ströme des Nordens und die warmen Ströme des Südens. Die warmen Ströme haben in das Herz Feuer hineinkommen lassen, sie haben es auflodern lassen zu Enthusiasmus, während der andere Teil der Menschennatur angefacht wurde vom kalten Norden. Die Strömungen, die von Norden kamen, haben des Menschen Stirn [andere Nachschrift: Hirn] so weit umgebildet, daß der Mensch ein Denker, ein sinnlich Anschauender werden konnte. Der Kopf des Atlantiers war ganz anders gebildet als der Kopf des Menschen von heute. Gerade was diese Kräfte der zwölf Ströme des Nordens bewirkt haben, das hat den Menschen zum Denker gemacht. Und die warme Strömung des Südens hat ihm sein Gefühl, seine Empfindungsart und auch seine heutige Sinnlichkeit gegeben. Das, was das Blut dadurch erhielt, strömte in das Herz ein, das dadurch ein ganz anderes Organ geworden ist. Dadurch, daß das Blut, der den Menschen ernährende Saft, die ganze Blutzirkulation, anders geworden ist, mußte auch die äußere Ernährung des Leibes eine andere werden. So können wir sagen: Von zwei Seiten her ist ann dem Menschen gearbeitet worden in jener Zeit. Es ist sein physischer Leib so umgeschaffen worden, daß er auf der einen Seite der Träger des Gehirnes werden konnte, und auf der anderen Seite so, daß der Leib mit dem Blute versorgt worden ist, das dieser umgestaltete Mensch nötig hatte.
[ 14 ] You must create a mental image of it this way: both currents influenced the Atlanteans—the cold currents of the north and the warm currents of the south. The warm currents brought fire into the heart; they set it ablaze with enthusiasm, while the other aspect of human nature was stirred by the cold north. The currents coming from the north transformed the human forehead [alternative note: brain] to such an extent that human beings could become thinkers, observers of the sensory world. The head of the Atlantean was formed quite differently from the head of the human being of today. It is precisely what these forces of the twelve currents of the North have brought about that has made the human being a thinker. And the warm current of the South has given him his feeling, his sensibility, and also his present-day sensuality. What the blood thereby received flowed into the heart, which thereby became a completely different organ. Because the blood—the sap that nourishes the human being—and the entire blood circulation had changed, the body’s external nourishment also had to change. Thus we can say: Work was done on the human being from two sides during that time. His physical body was transformed in such a way that, on the one hand, it could become the bearer of the brain, and on the other hand, so that the body was supplied with the blood that this transformed human being needed.
[ 15 ] Diese Vorgänge stellten sich der Anschauung des Atlantiers im Bilde dar. In der astralen Anschauung stellt sich ja alles im Bilde dar. Das Einfließen der geistigen Strömungen, die unsere Nerven heranbildeten, stellte sich ihm dar als zwölf aus dem kalten Norden herunterkommende Ströme; und das, was das Herz umbildete, stellte sich ihm dar als das Feuer, das von Süden heraufkam. Das, was den physischen Kopf umbildete zu dem des heutigen anschauenden Menschen, stellte sich ihm dar als das Bild des Urmenschen, und das Ernährende im Menschen stellte sich ihm dar als ein anderes Bild, als das Bild des sich ernährenden Tieres.
[ 15 ] These processes presented themselves to the Atlantean’s perception as images. In astral perception, everything does indeed present itself as images. The inflow of the spiritual currents that shaped our nerves appeared to him as twelve streams descending from the cold north; and that which transformed the heart appeared to him as the fire rising from the south. That which transformed the physical head into that of today’s perceptive human being appeared to him as the image of the primordial human, and the nourishing aspect in the human being appeared to him as another image, as the image of the feeding animal.
[ 16 ] Wie trat nun derjenige vor das Volk hin, der dies alles gesehen hatte? Wie drückte er sich aus? Er drückte sich in Bildern aus. Denn das, was wir jetzt hier gesagt haben, das würden die Leute dazumal nicht verstanden haben. Aber sie hatten sich ja noch ein altes Hellsehen bewahrt; wenn man zu ihnen in Bildern sprach, so konnten sie die großen bedeutsamen Wahrheiten verstehen. Diese Methode wurde auch an den druidischen Schulen ausgeübt. Die alten Priesterweisen sprachen zu dem Volke auf folgende Weise:
[ 16 ] How, then, did the one who had seen all this present himself before the people? How did he express himself? He expressed himself in images. For what we have just said here, the people of that time would not have understood. But they had preserved an ancient form of clairvoyance; when one spoke to them in images, they could understand the great, significant truths. This method was also practiced in the Druidic schools. The ancient priest-sages spoke to the people in the following manner:
[ 17 ] Bevor ihr habt hineinsehen können in diese Welt, die erfüllt ist von Pflanzen und Tieren, von all den Gegenständen, die ihr jetzt draußen unterscheiden könnt, war nichts da als ein finsterer, gähnender Raum, wie ein Abgrund. Ihr sahet die Bilder in den Raum hinein. Aber alles das, was jetzt da ist, ging hervor aus diesem Abgrund, aus Ginnungagap, - das ist das alte germanische Chaos. Nun erzählte man weiter: Von Norden her flossen zwölf Ströme, und von Süden her kamen die Feuerfunken. Dadurch, daß die Feuerfunken des Südens sich verbanden mit den zwölf Strömen des Nordens, entstanden zwei Wesen: der Riese Ymir und die Kuh Audhumbla.
[ 17 ] Before you were able to look into this world, which is filled with plants and animals, with all the objects you can now distinguish outside, there was nothing but a dark, yawning space, like an abyss. You saw the images within that space. But everything that is there now emerged from this abyss, from Ginnungagap—that is the ancient Germanic chaos. Now the story continued: Twelve streams flowed from the north, and sparks of fire came from the south. When the sparks of fire from the south joined with the twelve streams from the north, two beings came into being: the giant Ymir and the cow Audhumbla.
[ 18 ] Was ist nun der Riese Ymir? Ymir ist der denkende Mensch, der entstanden ist, sich herausgebildet hat aus dem Chaos - aus Ginnungagap; und die Kuh Audhumbla ist das neue Ernährende und das neue Herz. In der menschlichen Gestalt sind vereinigt der Riese Ymir und die Kuh Audhumbla.
[ 18 ] So who is the giant Ymir? Ymir is the thinking human being who came into being, who emerged from chaos—from Ginnungagap; and the cow Audhumbla is the new source of sustenance and the new heart. The giant Ymir and the cow Audhumbla are united in human form.
[ 19 ] Wie müssen wir uns vorstellen, daß der alte Druide, der Priesterweise zu den Menschen sprach? Er hatte die Weisheit, er wußte von dem, was geschehen war. Er sprach zu solchen Menschen, die sich entweder ein altes Hellsehen in Ausnahmemomenten noch erhalten hatten, oder zu solchen, die Vertrauen hatten. Er wußte, er wird verstanden, wenn er den Vorgang der Menschwerdung so erzählt, wie er sich dem astralen Sehen darbietet. Die zwölf Ströme, die aus dem Norden kommen und die zwölf Nervenpaare bilden, verbinden sich mit den Feuerfunken, die aus dem Süden hervorsprühen, die das Herz und das Ernährungssystem bilden. Das sind die beiden Kräfte, die als Riese Ymir und als Kuh Audhumbla sich darstellen wie schön wird das erzählt in der germanischen Genesis! Zwei Welten entstanden - so hören wir -: das kalte Niflheim und das heiße, flammensprühende Muspelheim. Niflheim entläßt die zwölf Ströme, Muspelheim entläßt die Feuerfunken.
[ 19 ] What mental image should we have of the old druid speaking to people in a priestly manner? He possessed wisdom; he knew what had happened. He spoke to people who had either retained an ancient clairvoyance in exceptional moments, or to those who had faith. He knew he would be understood if he recounted the process of becoming human as it presents itself to astral vision. The twelve streams coming from the north, which form the twelve pairs of nerves, unite with the sparks of fire bursting forth from the south, which form the heart and the digestive system. These are the two forces that present themselves as the giant Ymir and the cow Audhumbla—how beautifully this is told in the Germanic Genesis! Two worlds came into being—so we hear—: the cold Niflheim and the hot, flame-spewing Muspelheim. Niflheim sends forth the twelve streams, Muspelheim sends forth the sparks of fire.
[ 20 ] Und jetzt gehen wir ein Stück weiter. Wir wissen, daß damals, in jenem Moment, wo sich der Ätherleib des Kopfes mit dem physischen Kopf vereinigte, das Ich entstand als ein klares, selbstbewußtes Ich. Vorher konnte der Mensch zu sich nicht «Ich» sagen. Der Mensch fühlte sich zwar schon als ein Ich-Wesen, aber es war ihm noch nicht das Ich-Bewußtsein aufgegangen. Mit diesem Ich-Werden zusammen mußte der Mensch erkennen, was sich da umgestaltet und herausgebildet hatte. Er war im höheren Sinne ein Ich geworden.
[ 20 ] And now let us go a step further. We know that at that time, at the very moment when the etheric body of the head united with the physical head, the “I” emerged as a clear, self-aware “I.” Before that, human beings could not say “I” to themselves. Although the human being already felt himself to be an “I”-being, the consciousness of the “I” had not yet dawned upon him. Along with this becoming an “I,” the human being had to recognize what had been transformed and formed there. He had become an “I” in the higher sense.
[ 21 ] Nun betrachten wir das einmal, was alles entstanden war im Menschen. Es war das entstanden, was von den zwölf Strömen kam, das ist das, was seinen Kopf mit den Gehirnnerven durchsetzte. Es war aber auch das entstanden, was seiner Natur nach nicht mit dem Kopf zusammenhängt, dasjenige, was seiner Natur nach abstammt von der Kuh Audhumbla. Diese zwei Naturen haben sich dazumal zusammengefügt; das können Sie förmlich sehen. Versuchen Sie, sich klarzumachen, wie alles, was von den zwölf Strömen des Nordens kam, eingeschlossen ist im Schädel und im Rückenmark. Alles andere ist angesetzt; die Rippen und die darunterliegenden Organe sind das, was von Süden her kam aus den Feuerfunken, die Kuh Audhumbla; es hat sich herausgebildet aus einem ganz anderen Menschheitszustande und angegliedert an das Frühere. Was hat sich da gebildet? Das eine, das sich gebildet hat aus einem ganz anderen Menschheitszustande heraus ist das geschlechtliche Prinzip. Zwar war das Geschlechtsprinzip schon gebildet im alten Lemurien, aber erst mit dem Auftreten des Ich-Bewußtseins ist es dem Menschen auch zum Bewußtsein gekommen. Vor diesem Zeitpunkte war der Mensch mehr oder weniger unbewußt; der Geschlechtsakt ging wie in einem Traumzustande, einem dämmerhaften Zustande vor sich. Das zweite, was dem Menschen gegeben wurde, war die Gestalt des Herzens selber. Und ein drittes, das ihm gegeben wurde, das nach und nach in dieser Zeit sich herausbildete, das war die Sprache. Die Sprache ist auch ein Geschöpf der Atlantis. Ohne die Sprache können Sie sich nicht die Entwickelung des Denkens, der höheren Geistigkeit vorstellen. Und auch ohne das umgestaltete Herz und ohne das veränderte, das bewußte geschlechtliche Prinzip können Sie sich dies nicht vorstellen. So erscheint der Mensch merkwürdig gegliedert. Sein Denken, sein äußeres Anschauen sind eingegliedert worden seinem Kopfe. Beigegeben ist diesem ein dreifaches: das bewußte Geschlechtsprinzip, das bewußte Herzprinzip und die bewußte Sprache, die der Ausdruck seiner inneren Wesenheit ist.
[ 21 ] Now let us consider what had come into being within the human being. What had come into being was that which originated from the twelve streams; this is what permeated the head through the cranial nerves. But what had also developed was that which, by its very nature, is not connected to the head—that which, by its very nature, descends from the cow Audhumbla. These two natures joined together back then; you can literally see that. Try to realize how everything that came from the twelve streams of the north is enclosed within the skull and the spinal cord. Everything else is attached; the ribs and the organs beneath them are what came from the south from the sparks of fire, the cow Audhumbla; it developed from a completely different state of humanity and was attached to the earlier one. What was formed there? The one thing that formed from a completely different state of humanity is the sexual principle. True, the sexual principle had already been formed in ancient Lemuria, but it was only with the emergence of ego-consciousness that it also came to human consciousness. Before this point, human beings were more or less unconscious; the sexual act took place as if in a dreamlike state, a twilight state. The second thing given to human beings was the form of the heart itself. And a third thing that was given to them, which gradually took shape during this time, was language. Language is also a creation of Atlantis. Without language, you cannot form a mental image of the development of thought or higher spirituality. Nor can you form a mental image of this without the transformed heart and without the altered, conscious sexual principle. Thus, the human being appears to be strangely structured. His thinking and his external perception have been integrated into his head. Added to this is a threefold element: the conscious sexual principle, the conscious heart principle, and conscious language, which is the expression of his inner being.
[ 22 ] Machen wir uns nun gegenwärtig, wie sich dies der astralen Anschauung darstellt. Der astrale Seher sieht dies wiederum in einem Bilde, wie ein Baum stellt es sich ihm dar, ein Baum, der drei Wurzeln hat. Die eine Wurzel ist die Geschlechtlichkeit, die zweite ist das Herz und die dritte die Sprache. Diese drei Wurzeln sind in Korrespondenz mit dem Geistigen, dem Kopfe. Fortwährend gehen Nervenströmungen hin und her. Der Hellseher kann das so sehen, wie wenn ein Wesen fortwährend von unten nach oben und von oben nach unten läuft. Es erscheint so, wie wenn das Obere, das Geistige, fortwährend bekämpft würde durch das, was von unten kommt. Es widerstreiten sich diese beiden Strömungen. Der Mensch würde niemals in seinen unteren Gliedern leben können, ohne durch die vom Kopf kommenden zwölf Nervenströme befruchtet zu werden. Im Blute tropfen die geistigen Ernährungssäfte von oben nach unten. So sieht der Hellseher im Bilde das Werden des neuen Menschen, wie es sich in der letzten Zeit der atlantischen Epoche vorbereitet hat für die nachatlantische Zeit.
[ 22 ] Let us now consider how this appears to astral perception. The astral seer, in turn, sees this as an image; it appears to him as a tree, a tree with three roots. One root is sexuality, the second is the heart, and the third is language. These three roots correspond to the spiritual, to the head. Nervous currents constantly flow back and forth. The clairvoyant can see this as if a being were constantly running from below to above and from above to below. It appears as if the upper, the spiritual, were constantly being fought against by what comes from below. These two currents are in conflict with one another. Human beings would never be able to live in their lower limbs without being nourished by the twelve nerve currents coming from the head. In the blood, the spiritual nourishing juices flow from top to bottom. Thus the clairvoyant sees in this image the becoming of the new human being, as it was prepared in the final period of the Atlantean epoch for the post-Atlantean era.
[ 23 ] Der alte Druidenweise mußte so sprechen, daß er den Menschen sagte: So sieht man die Sache. - Die Menschen hatten ja noch das astrale Hellsehen, und so konnte er ihnen noch schildern, was er auf dem astralen Plane sah. Daher lehrte er: Was im Menschen entstanden ist und heute in ihm lebt - die Ich-Persönlichkeit -, entspringt aus drei Quellen. Das Ich, das früher schon da war, aber jetzt erst zum Bewußtsein gekommen ist, stammt aus Niflheim. Es ist aber eine Schlange da, die fortwährend an der Wurzel nagt, die aus dieser Quelle stammt, Niddhögr ist ihr Name. Hellseherisch kann man tatsächlich diese Schlange nagen sehen. Die Ausschreitungen des Geschlechtsprinzipes, das nicht im Zaume gehalten wird, nagen an dieser Wurzel des Menschen.
[ 23 ] The old Druid sage had to speak in such a way that he told the people: This is how one sees the matter. — People still possessed astral clairvoyance, and so he was able to describe to them what he saw on the astral plane. Therefore, he taught: What has arisen within the human being and lives within them today—the ego-personality—springs from three sources. The ego, which was already there in the past but has only now come into consciousness, originates from Niflheim. But there is a serpent there that constantly gnaws at the root that springs from this source; its name is Niddhögr. Through clairvoyance, one can actually see this serpent gnawing. The excesses of the sexual principle, which is not kept in check, gnaw at this root of the human being.
[ 24 ] Die zweite Wurzel ist das Herz. Aus ihm stammt das neue Leben des Menschen. Alles, was der Mensch tut, tut er unter dem Antrieb des Herzens. Er fühlt, was ihn glücklich oder unglücklich macht. Er fühlt die Gegenwart, er fühlt aber auch dasjenige, mit dem er in die Zukunft hineinwächst; das eigentliche Schicksal des Menschen wird vom Herzen empfunden. Darum sagten die Priesterweisen: An der Quelle, aus der diese Wurzel stammt, sitzen drei Nornen und spinnen die Fäden des Schicksals. Die Nornen sind Urd, die Herrin des Vergangenen, Verdhandi, die um die Gegenwart, um das Seiende und Werdende weiß, und Skuld, die kennt, was in der Zukunft sein soll. «Skuld» ist dasselbe Wort wie «Schuld». Die Zukunft entsteht dadurch, daß aus der Gegenwart etwas weiter hinausgeht, das abgetragen werden muß.
[ 23 ] The old Druid sage had to speak in such a way that he told the people: This is how one sees the matter. — People still possessed astral clairvoyance, and so he was able to describe to them what he saw on the astral plane. Therefore, he taught: What has arisen within the human being and lives within them today—the ego-personality—springs from three sources. The ego, which was already there in the past but has only now come into consciousness, originates from Niflheim. But there is a serpent there that constantly gnaws at the root that springs from this source; its name is Niddhögr. Through clairvoyance, one can actually see this serpent gnawing. The excesses of the sexual principle, which is not kept in check, gnaw at this root of the human being.
[ 25 ] An der dritten Wurzel ist Mimirs Quelle, Mimir, der den Weisheitstrank trinkt. Das ist dasjenige, was sich als Sprache ausdrückt. Und oben ragen die Wipfel des Baumes ins Geisterland hinein, und aus dem Geistigen herunter kommen Tropfen des befruchtenden Nervenfluidums. Das drückten die Priesterweisen so aus, daß sie sagten: Da oben in den Wipfeln der Weltesche weidet eine Ziege, von deren Geweih es fortwährend heruntertropft. - So wird das Untere fortwährend von dem Oberen befruchtet. Und ein Eichhörnchen läuft von oben nach unten und von unten nach oben und trägt Zankesworte hin und her: der Kampf der niederen gegen die höhere Natur.
[ 25 ] At the third root lies Mimir's spring, Mimir, who drinks the potion of wisdom. This is that which expresses itself as language. And above, the treetops of the tree reach into the spirit realm, and from the spiritual realm come down drops of the fertilizing nerve fluid. The priest-sages expressed this by saying: Up there in the treetops of the World Ash, a goat grazes, from whose antlers it drips down continuously. — Thus the lower is continually fertilized by the upper. And a squirrel runs from top to bottom and from bottom to top, carrying words of strife back and forth: the struggle of the lower against the higher nature.
[ 26 ] So stellt es die germanische Sage dar. Sie sagt: Der neue Mensch in der neuen Welt gleicht einem Baum, einer Esche, die drei Wurzeln hat. Die erste Wurzel geht nach Niflheim, in das eiskalte düstere Urland. Inmitten von Niflheim war der unausschöpfliche Brunnen Hwergelmir; zwölf Ströme entsprangen aus ihm, sie flossen durch die ganze Welt. Die zweite Wurzel ging zum Brunnen der Nornen Urd, Verdhandi und Skuld; sie saßen an seinen Ufern und spannen die Fäden des Schicksals. Die dritte Wurzel ging zu Mimirs Brunnen. Yggdrasil nannte man die Weltesche, in der sich die Weltenkräfte zusammengezogen hatten. Ein Mensch wird abgebildet in dem Moment, wo er sich seines Ich bewußt werden soll, wo aus seinem Innern heraustönen soll das Wort «Ich». «Yggdrasil» ist soviel wie «Ich-Träger». Ich-Träger ist dieser Baum. «Ygg» ist «Ich» und «drasil» ist derselbe Wortstamm wie «tragen».
[ 26 ] This is how the Germanic legend depicts it. It says: The new man in the new world is like a tree, an ash tree with three roots. The first root extends to Niflheim, the icy, gloomy primordial land. In the midst of Niflheim was the inexhaustible well Hwergelmir; twelve streams sprang from it, flowing throughout the entire world. The second root led to the well of the Norns, Urd, Verdhandi, and Skuld; they sat on its banks and spun the threads of fate. The third root led to Mimir’s well. Yggdrasil was the name given to the World Ash, in which the forces of the world had converged. A human is depicted at the moment when they are to become conscious of their self, when the word “I” is to resound from within them. “Yggdrasil” means “bearer of the self.” This tree is the bearer of the self. “Ygg” is “I” and “drasil” shares the same root as “to bear.”
[ 27 ] Nun versuchen Sie einmal, sich zu vergegenwärtigen, was alles für gelehrte und ungelehrte, für geistreiche und ungeistreiche Erklärungen zu dieser germanischen Mythe gegeben worden sind. Alle diese Erklärungen haben für den Okkultismus keinen Wert. Denn für den Okkultisten gilt der Satz, daß alles, was Zeichen sind - und auch eine Erzählung ist Zeichen -, eine reale Wirklichkeit hat in der geistigen Welt; und erst, wenn wir wissen, was einem solchen Zeichen in der geistigen Welt entspricht, erst dann erkennen wir die wahre Bedeutung der Zeichen und Mythen. Niemand kann die Kräfte für die menschliche Entwickelung, die in den alten nordischen Mythen liegen, heben und anwenden, der sich nicht in dieser Weise dem tieferen Sinn dieser Mythen nähert. Gerade durch den Okkultismus erringen wir uns die Erkenntnisse der Welt und des Menschen, die von den alten Druiden hineingelegt worden sind in die Bilder der germanischen Mythe, nicht etwa, weil sie aus einer blühenden Phantasie heraus Bilder erfinden wollten, sondern weil sie diese Bilder schauten. Kein Zeichen hat eine Berechtigung im Okkultismus, das nicht in den höheren Welten geschaut werden kann. Die alten Sagen und Mythen sind Zeichen in der physischen Welt für eine höhere Wirklichkeit. Sie sind eine Schrift, die wunderbar verzeichnet die vergangenen Zeiten. Wenn wir diese Schrift lesen können, dann blicken wir tief hinein in die Vorzeit, und zu gleicher Zeit befruchtet uns die Mythe selber.
[ 27 ] Now try to imagine all the learned and uneducated, witty and uninspired explanations that have been offered for this Germanic myth. None of these explanations have any value for occultism. For the occultist, the principle holds that everything that is a sign—and a narrative is also a sign—has a real existence in the spiritual world; and only when we know what corresponds to such a sign in the spiritual world do we recognize the true meaning of the signs and myths. No one can draw upon and apply the forces for human development that lie within the ancient Norse myths unless they approach the deeper meaning of these myths in this way. It is precisely through occultism that we gain the insights into the world and humanity that the ancient Druids embedded in the images of Germanic myth—not because they sought to invent images out of a vivid imagination, but because they beheld these images. No symbol has validity in occultism that cannot be beheld in the higher worlds. The ancient legends and myths are symbols in the physical world for a higher reality. They are a scripture that wonderfully records times past. If we can read this scripture, then we gaze deeply into antiquity, and at the same time the myth itself enriches us.
[ 28 ] Erkennen wir die Mythen in dieser Weise, so erkennen wir viel tiefer als die abstrakte Wissenschaft. Die Wissenschaft kann uns die zwölf Paar Nervenstränge zeigen; der Okkultist macht die Entstehung und den ganzen Weltenzusammenhang erkennbar. Was ist der Mensch? Ein Symbolum des Geistes, denn er ist herausgeboren aus der geistigen Welt. Er ist eine Zusammensetzung geistiger Kräfte. Erkennt sich der Mensch recht, so erkennt er sich selbst als ein Symbolum für das in ihm liegende Ewige. Dies wollen wir mitnehmen und heute in acht Tagen die Betrachtungen fortsetzen. Wir wollen darüber nachdenken im Sinne des Goetheschen Wortes «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis». Der Mensch selbst ist ein Gleichnis für das unvergängliche Geistige im Vergänglichen. Wenn der Mensch dies erkennt, geht ihm die Erkenntnis auf für seinen eigenen geistigen unvergänglichen, ewigen Wesenskern.
[ 28 ] If we perceive the myths in this way, we gain a much deeper understanding than abstract science can provide. Science can show us the twelve pairs of nerve tracts; the occultist reveals their origin and the entire context of the world. What is the human being? A symbol of the spirit, for he is born out of the spiritual world. He is a composite of spiritual forces. If the human being truly knows himself, he recognizes himself as a symbol of the eternal that lies within him. Let us take this with us and continue our reflections in eight days’ time. Let us reflect on this in the spirit of Goethe’s words: “All that is transitory is but a parable.” Man himself is a parable for the imperishable spiritual within the transitory. When man recognizes this, the realization dawns upon him of his own spiritual, imperishable, eternal core of being.
