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Myths and Legends
Occult Signs and Symbols
GA 101

28 October 1907, Berlin

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Myths and Legends, Occult Signs and Symbols, tr. SOL
  1. Mythen und Sagen, Okkulte Zeichen und Symbole, 2nd ed.

5. Germanische und Persische Mythologie

5. Germanic and Persian Mythology

[ 1 ] Wir haben uns an den letzten Abenden unserer Zweigarbeit mit der okkulten Erklärung mitteleuropäischer Sagen und Mythen beschäftigt und haben dabei gesehen, welch tiefe Wahrheiten und Erkenntnisse in diesen Sagen und Mythen enthalten sind. Gerade heute vor vierzehn Tagen, als wir auf die allertiefsten und allerwichtigsten solcher Wahrheiten aufmerksam machen durften, konnten wir einen Blick werfen auf eine verwandte Mythologie, auf die persische, die drüben in Asien entstanden ist, und die durchaus verwandt ist mit dem, was wir auf europäischem Boden als germanische oder ähnliche Mythologien haben. Wir haben gesehen, was sich hinter dem Namen der persischen Amshaspands verbirgt und hinter dem Namen der achtundzwanzig bis einunddreißig Izards. Wir haben die Kräfte, welche von diesen Geistern des astralischen Raumes ausgehen, wiedergefunden in den zwölf Paar Nerven, die von unserem Haupte ausgehen, und in den achtundzwanzig bis einunddreißig Paar Nerven, die von unserem Rückgrat ausgehen.

[ 1 ] Over the past few evenings of our branch work, we have been exploring the occult interpretation of Central European legends and myths, and in doing so we have seen what profound truths and insights are contained within these legends and myths. Just two weeks ago, as we were drawing attention to the deepest and most important of these truths, we were able to take a look at a related mythology—the Persian one, which originated over in Asia and is quite closely related to what we have on European soil as Germanic or similar mythologies. We have seen what lies behind the name of the Persian Amshaspands and behind the name of the twenty-eight to thirty-one Izards. We have rediscovered the forces emanating from these spirits of the astral realm in the twelve pairs of nerves emanating from our head and in the twenty-eight to thirty-one pairs of nerves emanating from our spine.

[ 2 ] In der deutschen Mythe und überhaupt der europäischen Mythe wird uns erzählt, daß die drei Götter Wotan, Wili und We — die auch zuweilen unter anderen Namen auftreten — den Menschen erschufen. Als sie einmal am Meeresstrande gingen, fanden sie dort zwei Bäume, und aus diesen Bäumen, Ask und Embla, schufen sie das erste Menschenpaar. Wotan gab diesen ersten Menschen den Geist und das allgemeine seelische Leben, Wili gab die Gestalt, Verstand und Bewegung, und We gab Antlitz, Sprache, Gehör und Gesicht. Wenn wir dies in der europäischen Mythe hören und uns auch bereits überzeugen konnten von dem tiefen Sinn der sonstigen Mythen, so werden wir gewiß auch in dieser Dreizahl und in der Begabung des Menschen mit verschiedenen Eigenschaften durch die Dreizahl der Götter etwas Tieferes suchen dürfen. Wir werden aber gut daran tun, wenn wir die Menschwerdung, wie sie in der mitteleuropäischen Mythe erzählt wird, anknüpfen an die Form, wie uns die Menschwerdung in der verwandten persischen Mythologie entgegentritt. Da erscheint sie in einen großen Zusammenhang hineingestellt. Dabei kann uns zu gleicher Zeit über die mythenbildende geistige Kraft der Menschen und über die Wesenheit und die Natur des Menschen und seines Zusammenhanges mit der Erde etwas ganz Besonderes aufgehen. Wir wissen ja, daß Mythen und Sagen nicht durch Spekulationen gedeutet werden dürfen, nicht durch Spekulationen ihr Sinn gesucht werden darf, sondern daß wir versuchen müssen, in dem ursprünglichen schöpferischen Volksgeist auf der einen Seite und in den Gaben der eingeweihten Priester auf der anderen Seite uns die Ursprünge des menschlichen Wissens und Erkennens, wie sie uns in der Sage entgegentreten, klarzulegen.

[ 2 ] In German mythology, and indeed in European mythology in general, we are told that the three gods Wotan, Wili, and We—who sometimes appear under other names—created humankind. Once, while walking along the seashore, they found two trees there, and from these trees, Ask and Embla, they created the first human couple. Wotan gave these first humans the spirit and general spiritual life, Wili gave them form, intellect, and movement, and We gave them a face, speech, hearing, and sight. If we hear this in European mythology and have already been convinced of the deep meaning of other myths, we may certainly also seek something deeper in this triad and in the endowment of human beings with various qualities through the triad of gods. We would do well, however, to connect the Incarnation, as recounted in Central European mythology, with the form in which the Incarnation appears to us in the related Persian mythology. There it appears set within a larger context. At the same time, something quite special may dawn on us regarding the myth-forming spiritual power of human beings, as well as the essence and nature of the human being and their connection to the earth. We know, after all, that myths and legends must not be interpreted through speculation, nor must their meaning be sought through speculation, but that we must strive to clarify, on the one hand, within the original creative folk spirit and, on the other hand, within the gifts of the initiated priests, the origins of human knowledge and cognition as they appear to us in the legend

[ 3 ] Sagen und Mythen sind nichts anderes als astralische, geistige Anschauungen. Wir haben gesehen, wie wirklich der alte Germane oder der Angehörige der alten europäischen Bevölkerung die Weltenesche Yggdrasil auf dem astralen Plan gesehen hat, wie er die zwölf Strömungen vernommen hat, die als Kräfte in sein Haupt hineingingen und seine zwölf Hauptesnerven bildeten. Das alles haben wir als astralische Wirkungen kennengelernt und nicht durch irgendeine phantastische, geistreiche Spekulation.

[ 3 ] Legends and myths are nothing other than astral, spiritual visions. We have seen how the ancient Germanic people or the members of the ancient European population truly perceived the World Tree Yggdrasil on the astral plane, how they sensed the twelve currents that entered their heads as forces and formed their twelve cranial nerves. We have come to know all of this as astral effects, and not through some fanciful, clever speculation.

[ 4 ] Nun wollen wir uns zuerst einmal die persische Mythe von dem Weltentstehen und dem Menschengeschicke ganz kurz und skizzenhaft vor Augen führen. Dabei wollen wir aber bedenken, daß das urpersische Volk — das alte persische Volk, nicht dasjenige, das Sie in der Geschichte kennengelernt haben, sondern das, von dem eigentlich diese Göttersagen stammen — zu dem vorgeschobensten Bestandteil der Völkermassen gehörte, welche von der alten Atlantis nach dem Osten hingewandert sind. Als die alte Atlantis hinuntergeschwemmt worden ist, da waren es die Völkerschaften, die später nach Indien hinunterzogen und sich mit den dort ansässigen Völkern vermischten, und diejenigen, die auf dem Boden des heutigen Persien, Baktrien, Medien seßhaft wurden, die am weitesten nach Osten zogen; die anderen Völker waren auf dem Boden des heutigen Europa zurückgeblieben.

[ 4 ] Let us first briefly and sketchily review the Persian myth of the creation of the world and the fate of humanity. In doing so, however, let us bear in mind that the primordial Persian people—the ancient Persian people, not the ones you have learned about in history, but those from whom these myths of the gods actually originate—belonged to the most advanced segment of the masses of people who migrated eastward from ancient Atlantis. When ancient Atlantis was swept away, it was the peoples who later migrated southward to India and intermingled with the local populations, and those who settled in the lands of present-day Persia, Bactria, and Media—who moved the farthest east—while the other peoples remained in the lands of present-day Europe.

[ 5 ] Bei allen diesen Völkerschaften bildeten sich die Mythen und Sagen in den verschiedensten Arten und Gestaltungen aus, und bei allen war das, was in den Bildern ihre Mythologien erzählten, nichts anderes als das, was einzelne sehen konnten, entweder dauernd oder in besonderen Zuständen, mit ihren schwachen, aber noch immer vorhandenen hellseherischen Fähigkeiten. Gesehen haben die Menschen das, was die Mythen und Sagen erzählen. Aus diesem astralischen Anschauen heraus erzählten die Angehörigen dieses Volksteiles, der sich über die Gegend des heutigen Persien ausdehnte, was sie sahen und was dann der große Religionsstifter Zarathustra in eine gewisse Form kleidete und zur Abrundung brachte. Wir wollen uns das, was die Leute da erzählten, einmal in ganz kurzer Skizze vor Augen führen. Sie führen alles, was existiert, zurück auf einen einheitlichen Weltengrund, den sie nannten «Zaruana Akarana». Dies war ein gemeinschaftlicher Urgrund, aus dem nach dieser Anschauung alles entsprungen ist, alles, was Mineral, Pflanze, Tier und Mensch ist, aber auch alles, was höheres Geistiges ist, soweit es für die Menschen wahrnehmbar ist. Wenn man diesen Ausdruck «Zaruana Akarana» übersetzen wollte, müßte man es tun mit «leuchtender Urgrund» oder «leuchtender Untergrund». Nun ging aus diesem «leuchtenden Urgrund» eine Gottheit hervor mit Eigenschaften der Güte, mit Eigenschaften der intellektuellen geistigen Vollkommenheit, eine weise, gute, geistige Wesenheit, Ormuzd, und eine andere Wesenheit, die diesem guten Geiste Ormuzd widerstrebte. Diese andere geistige Wesenheit wird gewöhnlich genannt Ahriman. So haben wir also innerhalb der persischen Mythen und Sagen diese beiden geistigen Wesenheiten: Ormuzd und Ahriman; eine gute Gottheit und eine böse Widersacher-Gottheit. Ahriman könnte man ins Deutsche übersetzen mit dem Ausdruck «der Widerstand-Leistende» oder «der Gegnerisch-Gesinnte»; das wäre der Sinn dieses Ausdruckes.

[ 5 ] Among all these peoples, myths and legends took shape in the most diverse forms and manifestations, and for all of them, what their mythologies depicted in images was nothing other than what individuals could see—either constantly or in specific states—using their weak but still existing clairvoyant abilities. People saw what the myths and legends recount. Based on this astral vision, the members of this group of peoples, who were spread across the region of present-day Persia, recounted what they saw, and the great religious founder Zarathustra then clothed this in a certain form and brought it to completion. Let us briefly sketch out what the people there recounted. They trace everything that exists back to a unified cosmic foundation, which they called “Zaruana Akarana.” This was a communal primordial ground from which, according to this view, everything sprang—everything that is mineral, plant, animal, and human, but also everything that is higher spiritual, insofar as it is perceptible to humans. If one were to translate the expression “Zaruana Akarana,” one would have to do so as “luminous primordial ground” or “luminous foundation.” Now, from this “luminous primal source” emerged a deity with qualities of goodness, with qualities of intellectual and spiritual perfection—a wise, good, spiritual being, Ormuzd—and another being who opposed this good spirit, Ormuzd. This other spiritual being is usually called Ahriman. Thus, within Persian myths and legends, we have these two spiritual beings: Ormuzd and Ahriman; a good deity and an evil adversary deity. Ahriman could be translated into English with the expression “the one who offers resistance” or “the one of an adversarial disposition”; that would be the meaning of this term.

[ 6 ] Wenn wir nun zu diesen geistigen Wesenheiten in ein Verhältnis bringen wollen die Amshaspands und die Izards, dann müssen wir uns vorstellen, daß von dem Ormuzd ausstrahlten, ausströmten die höheren geistigen Wesenheiten, die wir als Amshaspands und Izards kennengelernt haben. Sie sind die Scharen, durch die Ormuzd wirkt, so daß er der höchste Regent ist, der ihnen die Plätze anweist, sie einteilt nach den zwölf Monaten des Jahres und den achtundzwanzig oder einunddreißig Tagen des Monats, nach denen sie ihre Herrschaft wechseln. Nun erzählt aber die persische Mythe von Ahriman: Er stammt auch von dem allgemeinen «leuchtenden Urgrund» ab, aber er hat sich von Anfang an widerspenstig gezeigt und sich aufgelehnt, er hat entgegengestellt den sechs Amshaspands seine sechs bösen Geister, die Devas oder Devs, niedere und höhere. Sie müssen sich also vorstellen, daß gleichsam jeder der Amshaspands einen Widersacher hat, und so, wie die Amshaspands zu dem Regenten Ormuzd gehören, so gehören diese Devas, im Sinne der persischen Mythe, zu der Gefolgschaft des Ahriman. Er hat seine Scharen aufgestellt, damit sie in einem lange währenden Kampf immerfort entgegentreten den guten Scharen der Amshaspands. Und ebenso hat er seine zahllosen Scharen der niederen Devas gegen die Scharen der Izards aufgestellt.

[ 6 ] If we now wish to relate the Amshaspands and the Izards to these spiritual beings, we must create a mental image of the higher spiritual beings we have come to know as Amshaspands and Izards that radiated and flowed forth from Ormuzd. They are the hosts through whom Ormuzd acts, so that he is the supreme ruler who assigns them their places, dividing them according to the twelve months of the year and the twenty-eight or thirty-one days of the month, according to which they alternate their rule. Now, however, the Persian myth tells of Ahriman: He too descends from the universal “luminous primal source,” but from the very beginning he has shown himself to be rebellious and has risen up in revolt; he has set against the six Amshaspands his six evil spirits, the Devas or Devs, both lower and higher. You must therefore create a mental image of each of the Amshaspands having an adversary, and just as the Amshaspands belong to the ruler Ormuzd, so these Devas, in the sense of the Persian myth, belong to the retinue of Ahriman. He has arrayed his hosts so that they may continually oppose the good hosts of the Amshaspands in a long-lasting battle. And likewise, he has arrayed his countless hosts of lower devas against the hosts of the Izards.

[ 7 ] Es zeigt uns also diese persische Mythe alle Ereignisse der Welt in gewisser Weise verstrickt in einen lange währenden Kampf. Alles, was sich heute ereignet, ist im Sinne dieser persischen Mythe so anzusehen, daß es der Ausfluß ist dieses Kampfes. Was geschieht, müßte man eigentlich so darstellen, daß bei einem solchen Geschehen in der Welt auf der einen Seite die Kräfte des Guten stehen, die von den Amshaspands und den Izards ausgehen, und auf der anderen Seite die Kräfte des Bösen, die von den Devas ausgehen. Erst wenn wir das Aufeinanderwirken der guten und bösen Kräfte verstehen, werden wir nach der persischen Mythe die Geschehnisse und Tatsachen der gegenwärtigen Welt verstehen.

[ 7 ] This Persian myth thus shows us that all events in the world are, in a certain sense, entangled in a long-standing struggle. Everything that happens today must be viewed, in the sense of this Persian myth, as the outflow of this struggle. What happens should actually be portrayed in such a way that, in the face of such events in the world, on one side stand the forces of good, emanating from the Amshaspands and the Izards, and on the other side the forces of evil, emanating from the Devas. Only when we understand the interplay of the forces of good and evil will we, according to the Persian myth, understand the events and facts of the present world.

[ 8 ] Wir müssen uns nun fragen: Sind die Erzählungen, die uns in diesen Bildern entgegentreten, auch astralische Anschauungen, sind sie astralische Wahrnehmungen? Wir werden sehen, daß sie es bis ins kleinste hinein sind. Zum Verständnis dieser Tatsache wird Ihnen der Umstand helfen, daß eine gewisse Rolle im alten persischen Kultus das spielt, was man nennen könnte: die Verehrung des Feuers. Diese Verehrung des Feuers darf man sich aber nicht so vorstellen, daß etwa das physische Feuer angebetet worden wäre; das ist nicht der Fall. Weder ist es angebetet worden, noch knüpft sich an das physische Feuer irgendein besonderer Kultus. Dieses physische Feuer ist für die persische Mythe und für den persischen Kultus nichts anderes als ein Symbolum, ein äußerer Ausdruck für eine gewisse geistige Kraft, die im Feuer waltet. Für den Geist des Feuers ist das äußere, physische Feuer der Ausdruck.

[ 8 ] We must now ask ourselves: Are the narratives that confront us in these images also astral visions; are they astral perceptions? We shall see that they are, down to the very smallest detail. To understand this fact, it will help you to know that what might be called the “worship of fire” plays a certain role in the ancient Persian cult. However, one must not form a mental image of this worship of fire that implies that physical fire was worshipped; that is not the case. Nor was it worshipped, nor is any particular cult associated with physical fire. For Persian mythology and for the Persian cult, this physical fire is nothing other than a symbol, an outward expression of a certain spiritual power that reigns in fire. The outer, physical fire is the expression of the spirit of fire.

[ 9 ] Nun wollen wir einmal sehen, woher diese Feuerverehrung kommt. Sie hat nämlich einen tiefen okkulten Ursprung. Erinnern wir uns daran, wie in unserer theosophischen Weltanschauung der Hergang bei der Weltentstehung erzählt wird. Wir wissen, daß unsere Erde einmal vereinigt war mit dem, was sie heute als Mond begleitet, daß der Mond erst von einer gewissen Zeit an sich von ihr abgetrennt hat; wir wissen, daß in noch früheren Zeiten unsere Erde vereint war mit dem, was heute Sonne ist. Das waren die zwei wichtigen kosmischen Ereignisse, die dem Werden des Menschen vorangegangen sind. Diese drei Weltkörper — Sonne, Mond und Erde bildeten einstmals nur einen einzigen Körper, was wir uns so vorstellen können, wie wenn wir Sonne, Mond und Erde durcheinander mengten und daraus einen einzigen großen Weltkörper bilden würden. Zuerst trennte sich die Sonne heraus, und während sie früher den Wesen ihr Licht vom Innern der Erde her gegeben hatte, sandte sie es nun von außen auf die Erde und deren Wesen. Das war zu der Zeit, als die Erde noch den Mond in sich hatte. Der Mond war es, der die schlechten Kräfte in sich hatte, und diese schlechten Kräfte mußten heraus. Wäre der Mond darinnengeblieben, so hätte die Erde niemals die Entwickelung durchmachen können, die sie zum Schauplatz der gegenwärtigen Menschheit werden ließ.

[ 9 ] Now let us see where this worship of fire comes from. It has, in fact, a deep occult origin. Let us recall how our theosophical worldview describes the process of the world’s creation. We know that our Earth was once united with what now accompanies it as the Moon, that the Moon only separated from it at a certain point in time; we know that in even earlier times our Earth was united with what is now the Sun. These were the two important cosmic events that preceded the emergence of humanity. These three celestial bodies—the Sun, the Moon, and the Earth—once formed a single body, which we can imagine as if we were to mix the Sun, the Moon, and the Earth together and form a single great celestial body from them. First, the Sun separated itself, and whereas it had previously given its light to beings from within the Earth, it now sent it from the outside onto the Earth and its beings. This was at the time when the Earth still contained the Moon within itself. It was the Moon that held the evil forces within itself, and these evil forces had to be expelled. Had the Moon remained inside, the Earth would never have been able to undergo the development that made it the stage for present-day humanity.

[ 10 ] Als der Mond sich abgetrennt hatte, war der Mensch noch nicht in seiner heutigen Gestalt auf der Erde; er war noch nicht seelenbegabt, soweit er überhaupt als physisches Wesen da war. Unmittelbar nachdem der Mond sich von der Erde abgetrennt hatte, führte diese menschliche Gestalt noch ein Pflanzendasein. Es war in dieser menschlichen Gestalt, die auf der vom Mond verlassenen Erde vorhanden war, nichts anderes als die Anlage zum heutigen physischen Leib und heutigen Ätherleib. Das, was heute als astralischer Leib im Menschen vorhanden ist, das war dazumal noch nicht vereinigt mit dem Irdischen. So wie heute die Wolken in der Luft schweben, so schwebten dazumal die astralischen Leiber herum, die sich dann später in die physischen Menschenleiber hineinsenkten. Und die Menschenleiber, die als physische Vorfahren des heutigen Menschen herumwandelten, waren in einem immerwährenden Schlafzustande. Wie die Pflanzen in einem immerwährenden Schlafzustande sind, so war der damalige Mensch in einer Art von Schlafzustand, er war erst begabt mit dem physischen und dem ätherischen Leib. Bis zu jenem Zeitpunkt gab es auf der Erde überhaupt noch kein Wesen, das die für die heutige Menschheit und höhere Tierwelt wichtigste Eigenschaft hatte, die Eigenschaft des roten, warmen Blutes: die Innenwärme.

[ 10 ] When the Moon had separated from the Earth, human beings did not yet exist on Earth in their present form; they had not yet been endowed with a soul, insofar as they existed at all as physical beings. Immediately after the Moon had separated from the Earth, this human form still led a plant-like existence. In this human form, which existed on the Earth abandoned by the Moon, there was nothing other than the potential for today’s physical body and today’s etheric body. What today exists in humans as the astral body was not yet united with the earthly at that time. Just as clouds float in the air today, so did the astral bodies float about back then, which later sank into the physical human bodies. And the human bodies that walked about as the physical ancestors of today’s human beings were in a state of perpetual sleep. Just as plants are in a state of perpetual sleep, so too was the human of that time in a kind of sleep; he was endowed only with the physical and etheric bodies. Up to that point, there was not a single being on Earth that possessed the most important characteristic for today’s humanity and the higher animal kingdom—the characteristic of red, warm blood: inner warmth.

[ 11 ] Würden Sie mit mir in der Zeit zurückgehen und die Wesen des alten Mondes untersuchen, so würden Sie finden, daß alle diese Wesen des alten Mondes, auf dem die Vorfahren des heutigen Menschen ja schon vorhanden waren, noch die Wärme ihrer Umgebung hatten, so wie heute noch die niederen Tiere, die diese Stufe beibehalten haben. Sie hatten, wie man sagt, wechselwarme Leibessäfte, sie hatten die Wärme ihrer Umgebung. Das, was als Innenwärme im Menschen und den höheren Tieren auftritt, und das, was dazugehört, das rote Blut, war in den damaligen Wesen noch keineswegs drinnen.

[ 11 ] If you were to go back in time with me and examine the beings of the ancient Moon, you would find that all these beings of the ancient Moon—on which the ancestors of modern humans were already present—still possessed the warmth of their surroundings, just as lower animals that have retained this stage still do today. They had, as one says, cold-blooded bodily fluids; they possessed the warmth of their surroundings. What appears as internal warmth in humans and higher animals—and what belongs to it, namely red blood—was by no means present within the beings of that time.

[ 12 ] Nun haben wir aber gehört, daß gleichzeitig mit der Trennung der Sonne und des Mondes von der Erde ein anderes Weltereignis stattfand: der Durchgang des Mars durch die Erde. Die Substanzen der beiden Weltkörper Mars und Erde waren dazumal so dünn, daß der Mars seiner Substanz nach durch den Erdenkörper hindurchgehen konnte. Er ließ einen Stoff zurück, den die Erde früher nicht hatte: das Eisen. Das Eisen gliederte sich der Erde erst ein durch den Marsdurchgang, und dieses Eisen war die notwendige Vorbedingung, daß sich rotes Blut bilden konnte. Was war die Folge? Als der Mond von der Erde weggegangen war und die Erde für sich allein zurückblieb, war die Erde in einer Art von feurigem Zustand; sie war umflossen von einer Wärmeatmosphäre. Und jetzt kommen wir zu einer Vorstellung, die ich Sie bitte ganz genau zu fassen. Denken Sie sich alle die Wärme, die heute in den Leibern der Millionen von Menschen und Tieren mit warmem Blut, die die Erde bewohnen, drinnen ist, heraus, denken Sie sich, daß sie lebte als Wärmeatmosphäre um die Erde herum: dann haben Sie ungefähr den Zustand, in dem die Erde war, unmittelbar nachdem der Mond weggegangen war.

[ 12 ] Now, however, we have heard that at the same time the Sun and the Moon separated from the Earth, another cosmic event took place: the passage of Mars through the Earth. The substances of the two celestial bodies, Mars and Earth, were so thin at that time that Mars, in terms of its substance, was able to pass through the Earth’s body. It left behind a substance that the Earth did not previously possess: iron. Iron was first incorporated into the Earth through the passage of Mars, and this iron was the necessary prerequisite for the formation of red blood. What was the result? When the Moon had departed from the Earth and the Earth was left on its own, the Earth was in a kind of fiery state; it was enveloped by a warm atmosphere. And now we come to a mental image that I ask you to grasp very precisely. Imagine all the heat that is contained today within the bodies of the millions of warm-blooded humans and animals inhabiting the Earth; imagine that it existed as a warm atmosphere surrounding the Earth: then you have roughly the state in which the Earth was immediately after the Moon had departed.

[ 13 ] Die Wesen hatten die Innenwärme noch nicht, die Wärme umfloß unmittelbar den ganzen Erdball, sie war noch draußen. Wir können uns also die Erde in dieser Zeit vorstellen als einen noch flüssigen Körper, in dem die Metalle in der verschiedensten Weise aufgelöst waren, und der von diesem Feuer- oder Wärmemeer umgeben war. In dieses Wärmemeer sandte die Sonne, die draußen war, ihre Lichtstrahlen hinein. Für den Okkultisten ist nun Licht keineswegs bloß physisches Licht, sondern dieses physische Licht ist der körperhafte, der leibliche Ausdruck für Geist. So strömte mit den Sonnenstrahlen auf die Erde herein das Wesen der Geister der Sonne. Licht als Ausdruck der Lichtgeistigkeit strömte herein in die Feueratmosphäre, in die Wärmeatmosphäre der Erde. Stellen Sie sich das nur ganz lebhaft vor. Sie haben die Erde, sie ist umgeben von der Wärmeatmosphäre, und in diese hineinfallend die Sonnenstrahlen, die aber für uns Geistesstrahlen sind. Dadurch, daß diese Sonnengeister in den Sonnenstrahlen in die Erdenwärme hineinfallen, bildete sich zuerst die gemeinschaftliche Seele, der gemeinschaftliche Astralleib der ganzen Menschheit und der höheren Tiere. Unten auf dem Erdboden, da waren diese schlafenden Menschenpflanzen, die einen Ätherleib und einen physischen Leib hatten. Und so, wie es heute wäre, wenn Sie, die Sie alle hier sitzen, jetzt plötzlich einschlafen würden — was ja nicht zu wünschen wäre! —, dann alle Ihre Astralleiber aus Ihren physischen Leibern herausgehen und sich vermischen würden miteinander, so war es dazumal; nur vermischten sie sich damals noch stärker, sie waren eine ununterschiedene Masse, als sie die gemeinschaftliche Wärme hatten, in die das Licht der Sonne, das der Ausdruck des Geistes war, hineinschien. Man nennt bekanntlich den Astralleib des heutigen Menschen auch Aura, weil er für den heutigen Seher eine Lichterscheinung darstellt, die den Menschen umflort, etwa so, wie wenn Sie sich eine ovale, eiförmige Lichtgestalt denken würden, die von allen Seiten aus dem Menschen hervorstrahlt. So war dazumal der astralische Leib des Menschen in dieser Wärmeatmosphäre der Erde enthalten, er war noch nicht aufgeteilt in die einzelnen Astralleiber; und in diese strahlte das Licht der Sonne hinein, das der Träger der Geistigkeit der Sonne war.

[ 13 ] The beings did not yet possess inner warmth; the heat directly enveloped the entire globe—it was still outside. We can therefore create a mental image of the Earth at that time as a still-molten body in which metals were dissolved in the most varied ways, and which was surrounded by this sea of fire or heat. The sun, which was outside, sent its rays of light into this sea of heat. For the occultist, light is by no means merely physical light; rather, this physical light is the corporeal, physical expression of spirit. Thus, with the sun’s rays, the essence of the spirits of the sun streamed down upon the Earth. Light, as an expression of the spirit of light, streamed into the fiery atmosphere, into the Earth’s atmosphere of heat. Just imagine this very vividly. You have the Earth, surrounded by the atmosphere of warmth, and falling into it are the sunbeams—which for us, however, are spiritual rays. Through the fact that these sun spirits fall into the Earth’s warmth within the sunbeams, the collective soul, the collective astral body of all humanity and the higher animals, first took shape. Down on the ground were these sleeping human plants, who had an etheric body and a physical body. And just as it would be today if all of you sitting here were to suddenly fall asleep—which, of course, would not be desirable! —, then all your astral bodies would emerge from your physical bodies and mingle with one another; so it was back then; only they mingled even more strongly at that time, they were an undifferentiated mass, as they possessed the collective warmth into which the light of the sun, which was the expression of the Spirit, shone. As is well known, the astral body of modern humans is also called the aura, because to the modern seer it appears as a luminous phenomenon that envelops the human being, much as if you were to imagine an oval, egg-shaped luminous form radiating from the human being on all sides. Thus, in those days, the astral body of the human being was contained within this warm atmosphere of the Earth; it had not yet been divided into individual astral bodies; and the light of the sun, which was the bearer of the sun’s spirituality, shone into them.

[ 14 ] Nun stellen Sie sich einmal kosmisch-universell Ihr eigenes Werden in der damaligen Zeit vor. Das, was heute Ihr physischer und ätherischer Leib ist, was damals Pflanzendasein hatte, das wuchs gleichsam aus der Erde heraus, es war ureigenstes Erdenerzeugnis. Und was heute als Seele und Geist in Ihnen lebt, das kam aus der die Erde umgebenden Atmosphäre, das sog Ihr physischer und ätherischer Leib allmählich ein. Und das hatte sich vorbereitet in einer gemeinschaftlichen Aura der Erde, die äußerlich leiblich vorgestellt werden muß als gemeinschaftliche Wärme, die durchleuchtet und durchstrahlt ist von dem geisterfüllten Sonnenlicht. So haben Sie die Wärme, die einstmals die Erde umflorte, aufgenommen. Was heute in Ihrem warmen Blute lebt, ist ein Teil dieses die Erde umfließenden Urfeuers. Würde man heute alle Wärme wieder aus den Tier- und Menschenleibern herausholen können, so würde man den alten Zustand des Urfeuers wieder herholen können. Was heute als Wärme im Innern lebt, ist die aufgeteilte Wärme, die als Wärmemeer die Erde umfloß, und in diesen gemeinschaftlichen Blutkörper floß hinein das Licht. Auch dieses Licht ist aufgeteilt worden, nach und nach, und hat des Menschen höhere Geistigkeit geschaffen. In den bloß physisch-ätherischen Leibern war natürlich nur dumpfe, niedere Geistigkeit vorhanden. Was heute im Kopfe des Menschen wurzelt, die höhere Geistigkeit, dasjenige, was durch die Einströmungen der Amshaspands gebildet worden ist, das stammt her von den geistigen Kräften der Sonne.

[ 14 ] Now create a mental image, on a cosmic and universal scale, of your own development during that time. What is now your physical and etheric body—which back then existed as a plant—grew, as it were, out of the earth; it was the earth’s very own creation. And what lives within you today as soul and spirit came from the atmosphere surrounding the Earth; your physical and etheric body gradually absorbed it. And this had been prepared in a collective aura of the Earth, which must be imagined as a collective warmth in your mental image, illuminated and radiated through by the spirit-filled sunlight. Thus you have absorbed the warmth that once enveloped the Earth. What lives today in your warm blood is a part of this primal fire flowing around the Earth. If one could today extract all the warmth from the bodies of animals and humans, one would be able to restore the ancient state of the primal fire. What lives today as warmth within is the divided warmth that once flowed around the Earth as a sea of warmth, and into these communal blood bodies the light flowed. This light, too, has been divided, little by little, and has created the higher spirituality of the human being. In the purely physical-etheric bodies, of course, only a dull, lower spirituality was present. What is rooted in the human head today—the higher spirituality, that which was formed by the inflow of the Amshaspands—originates from the spiritual forces of the Sun.

[ 15 ] Und jetzt denken Sie sich in das astrale Anschauen des Hellsehers hinein. Was sieht er? Er sieht, wie die Erde entsteht, wie der Mond sich abtrennt; die Erde ist umgeben von Feuernebel, von der gemeinschaftlichen Wärme, in die hineinstrahlt, sie innerlich wunderbar durchleuchtend, die Weltenweisheit. Die Weltenweisheit, die von der Sonne kommt, sie macht die sonnendurchstrahlte Erde zur Erdenaura. Das sieht der astrale Hellseher. Und der alte persische Hellseher nannte das «Aura Mazda», die große Aura, Ahura Mazdao, die große Weisheitsaura, aus der die einzelnen Auren der Menschen hervorgegangen sind. Ormuzd ist nur ein verwandelter Ausdruck für Ahura Mazdao, die große Aura.

[ 15 ] And now try to imagine yourself in the astral vision of the clairvoyant. What does he see? He sees the Earth coming into being, the Moon separating from it; the Earth is surrounded by a fiery mist, by the collective warmth into which the wisdom of the worlds radiates, illuminating it from within in a wondrous way. The wisdom of the worlds, which comes from the Sun, transforms the sun-drenched Earth into the Earth’s aura. This is what the astral clairvoyant sees. And the ancient Persian clairvoyant called this “Aura Mazda,” the great aura, Ahura Mazdao, the great aura of wisdom from which the individual auras of human beings have emerged. Ormuzd is merely a transformed expression for Ahura Mazdao, the great aura.

[ 16 ] Nun gehen wir ein Stück weiter. Wodurch konnte dieser Zustand herbeigeführt werden, den in so großer, gewaltiger Weise der astralische Hellseher wahrnehmen muß, wenn er sich in diese Zeit zurückversetzt, dieser Zustand, der geschildert ist in der persischen Mythe, die ja eine Nacherzählung der Ergebnisse des astralischen Hellsehens ist? Dadurch wurde dieser Zustand herbeigeführt, daß auch mit der Sonne geistige Wesenheiten verknüpft sind. Für den Materialisten strömen aus der Sonne bloß die physischen Sonnenstrahlen. Für den aber, der die Dinge okkult durchschaut, ist es so, daß mit dem Sonnenlicht die Kräfte der geistigen Bewohner der Sonne auf die Erde herabströmen. Ebenso, wie die Erde von Menschen bewohnt wird, wird auch die Sonne bewohnt von mächtigen Wesenheiten, die sich von den Erdenwesenheiten dadurch unterscheiden, daß sie viel, viel weiter entwickelt sind als die Menschen. Die Genesis, das Alte Testament, nennt diese Sonnenbewohner die Elohim, Lichtwesen. So wahr die Menschen einen Körper aus Fleisch haben, so wahr haben diese Sonnenbewohner einen Körper aus Licht. Sie sind Lichtwesen. Und ihre Kräfte sind nicht begrenzt in engem Raum, sie können herausstrahlen bis herunter auf die Erde. Die Taten der Sonnengeister, der Elohim, strömen allen Erdenwesen zu mit dem Sonnenlicht. In jedem Lichtstrahl, in jedem Sonnenstrahl haben wir die Taten der Sonnenbewohner zu sehen. Die Menschen werden erst dann auf dieser Stufe sein, wenn die Erde den Zustand des Vulkan erreicht haben wird. Sie wissen, die Entwickelung der Erde geht aus von Saturn über Sonne, Mond, Erde, Jupiter, Venus bis zum Vulkan, den wir als die letzte Verkörperung der Erde angeben. Wenn die Erde sich zum Vulkanzustande entwickelt haben wird, dann werden die Menschen auf der Stufe sein, auf welcher die jetzigen Sonnenbewohner in ihrem Entwickelungsgang heute sind. So finden wir auch, wo die Amshaspands heute wohnen. Ihre eigentliche Heimat haben sie in der Sonne, und von dort aus senden sie uns durch das Sonnenlicht ihre Taten zu.

[ 16 ] Now let us go a step further. What could have brought about this state, which the astral clairvoyant must perceive in such a grand, powerful way when he transports himself back to that time—this state described in the Persian myth, which is, after all, a retelling of the results of astral clairvoyance? This state was brought about by the fact that spiritual beings are also connected to the sun. For the materialist, only the physical rays of the sun stream forth from the sun. But for those who perceive things occultly, it is the case that along with the sunlight, the forces of the spiritual inhabitants of the sun stream down to Earth. Just as the Earth is inhabited by human beings, so too is the sun inhabited by powerful beings who differ from earthly beings in that they are far, far more highly developed than humans. Genesis, the Old Testament, calls these inhabitants of the sun the Elohim, beings of light. Just as humans have a body of flesh, so these inhabitants of the sun have a body of light. They are beings of light. And their powers are not confined to a narrow space; they can radiate down to the Earth. The deeds of the sun spirits, the Elohim, flow to all earthly beings with the sunlight. In every ray of light, in every ray of sunlight, we can see the deeds of the sun dwellers. Humans will only reach this stage once the Earth has attained the state of the Volcano. You know that the Earth’s evolution proceeds from Saturn through the Sun, Moon, Earth, Jupiter, and Venus to the Volcano, which we designate as the Earth’s final incarnation. When the Earth has developed into the volcanic state, then humanity will be at the stage where the current inhabitants of the Sun are in their course of development today. Thus we also find where the Amshaspands dwell today. Their true home is in the Sun, and from there they send us their deeds through the sunlight.

[ 17 ] Dadurch konnte gerade das im Menschen entstehen, was ich Ihnen als die Taten der Amshaspands beschrieben habe. Diese schickten ihre zwölf Ströme in das menschliche Haupt hinein und bewirkten dadurch, daß der Mensch das Denken entwickeln konnte, daß er seine Geistigkeit entwickelte. Auf dem Monde hatten erst die Izards an dem Menschen gearbeitet und die achtundzwanzig Rückenmarksnerven ausgebildet. Dann kam dazu die Begabung des Menschen mit den zwölf Kopfnerven, die von den Amshaspands, den Heerscharen des Ahura Mazdao, herrühren. Jedesmal aber blieben beim Entwickelungsgange eines Weltenkörpers gewisse Wesenheiten zurück. Sie kommen nicht mit. Nicht nur Gymnasiasten bleiben sitzen, sondern auch Weltwesen bleiben zurück auf einer Stufe, über welche die anderen schon hinausgelangt sind. Während des Mondendaseins der Erde sind die Elohim, die Sonnen-Lichtgeister, bis zu jener Stufe emporgestiegen, die es ihnen ermöglicht, in der Sonne zu leben und ihre Taten der Erde und der Erdenmenschheit zuzusenden. Andere Geister, die damals schon mit den Elohim auf derselben Stufe waren, sind zurückgeblieben, «sitzengeblieben»; sie vermochten ihre Entwickelung auf dem alten Monde nicht so weit zu bringen, daß sie ein höheres Dasein mit der Sonne als Schauplatz beginnen konnten. Es war diesen zurückgebliebenen Geistern daher zunächst nicht beschieden, in den Sonnenstrahlen zu wirken, von außen herein zu wirken. Sie mußten vielmehr in ihrer Weiterentwickelung das, was sie noch nicht auf dem Mond durchgemacht hatten, in einem niedrigeren Dasein suchen, das mit der Erde selbst, mit dem Erdenschauplatz verbunden war.

[ 17 ] This is precisely what allowed that which I have described to you as the deeds of the Amshaspands to arise within human beings. They sent their twelve streams into the human head, thereby enabling human beings to develop thinking and to cultivate their spirituality. On the Moon, the Izards had first worked on humanity and formed the twenty-eight spinal nerves. Then came the endowment of humanity with the twelve cranial nerves, which originate from the Amshaspands, the hosts of Ahura Mazdao. But each time, certain beings were left behind during the developmental process of a world body. They do not come along. It is not only college students who fail a grade; world beings, too, remain behind at a stage that the others have already surpassed. During the Earth’s lunar existence, the Elohim, the sun’s light spirits, ascended to that level which enables them to live in the sun and send their deeds to the Earth and to Earth’s humanity. Other spirits, who were already on the same level as the Elohim at that time, have remained behind, “stuck”; they were unable to advance their development on the old Moon far enough to begin a higher existence with the Sun as its setting. It was therefore not initially destined for these spirits who had remained behind to work within the rays of the Sun, to work from the outside in. Rather, in their further development, they had to seek what they had not yet experienced on the Moon in a lower existence connected to the Earth itself, to the earthly realm.

[ 18 ] Worin bestand der neue Zustand, der nun auf der Erde hervortrat, der den Wesen neue Eigenschaften gab? Er zeigte sich darin, daß die Wärmeatmosphäre, die Wärmeumgebung nun hineinging in das Blut. Es entstand das warme Blut. In diesem Zustand suchten die zurückgebliebenen Geisterscharen in ihrer Entwickelung das nachzuholen, was sie vorher nicht haben erreichen können. Sie suchten die Taten, die sie nicht in die Sonnenstrahlen hineinlegen konnten, nun in die Wärme, die zum Innenleben sich umformte, hineinzutragen.

[ 18 ] What was the nature of the new condition that now emerged on Earth, endowing beings with new qualities? It manifested itself in the fact that the warm atmosphere, the warm environment, now entered into the blood. Warm blood came into being. In this state, the backward-remaining hosts of spirits sought to make up for in their development what they had previously been unable to achieve. They sought to carry into the warmth—which was transforming into inner life—the deeds they had been unable to place within the sunbeams.

[ 19 ] Stellen wir uns das einmal plastisch vor, wie das die hellseherische Anschauung sehen kann. [Während der folgenden Ausführungen wurde an die Tafel gezeichnet, die Zeichnung ist jedoch von den Mitschreibern nicht festgehalten worden.] Wir sehen, daß in des Menschen Haupt und Rückgrat einströmen die Taten der Amshaspands und der Izards, die von Ahura Mazdao ausgehen, während sich das Innere des Menschen füllt mit dem warmen Blute. Der Menschenleib saugt gleichsam das warme Blut ein, es wird von allen Seiten von außen in das Innere des Leibes hineingeleitet. Und es begleitete, wenn wir die okkulte Anatomie des Menschen untersuchen, einen jeden solchen Strom, der von den Gegenden des Ahura Mazdao, des Ormuzd, hergesandt wurde, ein anderer Strom, der mit der von außen einströmenden Wärme den Nervenstrom begleitete; den Nervenstrom begleitete die Blutbewegung. Mit diesem einströmenden warmen Blut gingen in den Menschen die Kräfte derjenigen Geister hinein, die zurückgeblieben waren; das waren die Scharen des Ahriman, die jetzt mit der Wärme ebenso ihre Kräfte in den Menschen hineinsandten wie die Amshaspands ihre Lichtkraft. Es ist also so, daß wir einem jeden der Ströme der Amshaspands entgegengesandt haben einen Blutstrom. In diesem roten Blutstrom, der den Nervenströmungen parallel fließt, fließen mit die Gegenmächte der Devas. Den Amshaspands fließt in dem roten Blut das entgegen, was von den Gegnern der Amshaspands und Izards kommt, von den Devas, den Scharen des Ahriman. Und jetzt fühlen wir im Blute pulsieren dasjenige, was von den Scharen des Ahriman kam.

[ 19 ] Let us visualize this vividly, as the clairvoyant perception can see it. [During the following explanation, a drawing was made on the blackboard; however, the note-takers did not record the drawing.] We see that the deeds of the Amshaspands and the Izards, emanating from Ahura Mazdao, flow into the human head and spine, while the interior of the human being fills with warm blood. The human body, as it were, draws in the warm blood; it is channeled from all sides, from the outside into the interior of the body. And when we examine the occult anatomy of the human being, we find that every such stream sent forth from the regions of Ahura Mazdao, of Ormuzd, was accompanied by another stream that, together with the warmth flowing in from the outside, accompanied the nerve current; the nerve current was accompanied by the movement of the blood. With this inflowing warm blood, the forces of those spirits who had remained behind entered into human beings; these were the hosts of Ahriman, who now sent their forces into human beings with the warmth just as the Amshaspands sent their light force. It is thus the case that we have sent a stream of blood to meet each of the streams of the Amshaspands. In this red stream of blood, which flows parallel to the nerve currents, the opposing forces of the Devas also flow. Flowing toward the Amshaspands in the red blood is that which comes from the opponents of the Amshaspands and Izards, from the Devas, the hosts of Ahriman. And now we feel pulsating in the blood that which came from the hosts of Ahriman.

[ 20 ] Das also, was der Hellseher auf dem astralischen Plan einströmen sehen kann in den physischen Leib, finden wir tief und geistvoll wiedergegeben in der persischen Mythe. Wir sehen das Zusammenwirken des großen Lichtes Ahura Mazdao mit der einströmenden Wärme, die das Blut zu der Kraft im Menschen macht, die es ist. Nun wissen wir, daß das Blut der Ausdruck des Ich ist. Und so sehen wir, wie alles dasjenige, was aus der großen Weisheit, aus Ahura Mazdao herausströmt — dadurch, daß ihm entgegenstehen im Blute die Strömungen des Ahriman —, von dem Egoismus begleitet wird. Es strömt der Egoismus in die ganze geistige Tätigkeit des Menschen hinein. Wir sehen ihn richtig einströmen, wenn wir uns dieser Imagination hingeben. In dieser Weise müssen Sie richtig bildlich sich emporarbeiten zur Anschauung dessen, was auf unserer Erde geschehen ist.

[ 20 ] What the clairvoyant can see flowing into the physical body on the astral plane is profoundly and spiritually reflected in the Persian myth. We see the interaction of the great light Ahura Mazda with the inflowing warmth that makes the blood the life-giving force in human beings that it is. Now we know that the blood is the expression of the ego. And so we see how everything that flows out of the great wisdom, out of Ahura Mazda—because it is opposed in the blood by the currents of Ahriman—is accompanied by egoism. Egoism flows into the entire spiritual activity of the human being. We see it flowing in clearly when we give ourselves over to this imagination. In this way, you must work your way up visually to a clear vision of what has happened on our Earth.

[ 21 ] Und jetzt erinnern wir uns, daß ja diese Geister, die zurückgeblieben waren von dem Mondendasein, die es nicht gebracht haben bis zum Sonnendasein, daß diese Geister auf dem Monde ja dieselbe Art von Wesenheiten waren wie die Sonnengeister, die Scharen des Ahura Mazdao, welche über das Mondendasein hinausgelangt sind. Sie hatten auf dem Monde die Ich-Stufe erreicht; sie blieben nur zurück und haben sich gerade diese Stufe bewahrt. Solange sie auf dem Monde waren, waren die Geister des Ahura Mazdao, des Ormuzd, und die Geister des Ahriman auf derselben Stufe, von gleicher Art, sie waren ichartiger Natur. Dieses Ich, das ursprüngliche Ich, Zaruana Akarana, ist das göttliche Ich, das noch nicht eingezogen ist in den Leib, das noch im Schoße der Gottheit ruht. Da, wo dieses Ich sich soweit entwickelt hatte, daß es ein Sonnendasein hat erhalten können, da bildete es einen solchen astralischen Leib, der unter der Herrschaft des Ormuzd steht. Aber diesem ist eine niedrigere Kraft eingegliedert, die Kraft der zurückgebliebenen Scharen des Ahriman.

[ 21 ] And now let us recall that these spirits, who remained behind from the lunar existence and did not make it to the solar existence, were in fact the same kind of beings on the moon as the solar spirits—the hosts of Ahura Mazdao—who had transcended the lunar existence. They had reached the “I” stage on the Moon; they simply remained behind and preserved precisely this stage. As long as they were on the Moon, the spirits of Ahura Mazdao, of Ormuzd, and the spirits of Ahriman were on the same level, of the same kind; they were of an “I”-like nature. This I, the original I, Zaruana Akarana, is the divine I that has not yet entered the body, that still rests in the bosom of the Deity. Where this I had developed to the point of being able to attain a solar existence, there it formed an astral body that stands under the dominion of Ormuzd. But incorporated into this is a lower power, the power of the remnants of Ahriman.

[ 22 ] So haben Sie jetzt entstehen sehen dieses vierte Glied der menschlichen Natur, das Ich, und das dritte Glied des Menschen, den Astralleib, der durchgeistigt ist von zwei Wesenheiten. In ihm sind eingegliedert die guten Kräfte des Ormuzd und die Kräfte der egoistischen Natur, des Ahriman. Das Ich ist hineingestellt in den Kampf, der im eigenen Astralleib wütet, zwischen den guten Kräften und den bösen Kräften; es ist die ursprüngliche Wesenheit Zaruana Akarana, die sich spaltet in die guten, die wahren Kräfte des Astralleibes, und in die entgegengesetzten, die die Kräfte Ahrimans sind. Ahriiman oder Angramainyu heißt soviel wie der Widerstand-Leistende oder der Oppositionsgeist. So verstehen wir, wie tatsächlich eine solche Mythe nichts anderes ist als die WiedererzähJung dessen, was die alten astralischen Hellseher gesehen haben.

[ 22 ] Thus you have now seen the emergence of this fourth element of human nature, the “I,” and the third element of the human being, the astral body, which is imbued with the spirit of two entities. Incorporated within it are the good forces of Ormuzd and the forces of the egoistic nature, Ahriman. The ego is placed in the midst of the struggle raging within one’s own astral body between the good forces and the evil forces; it is the original being Zaruana Akarana, which divides into the good, true forces of the astral body, and into their opposites, which are the forces of Ahriman. Ahriman or Angramainyu means “the one who offers resistance” or “the spirit of opposition.” Thus we understand how, in fact, such a myth is nothing other than the retelling of what the ancient astral clairvoyants saw.

[ 23 ] Nun wollen wir einmal diese von der Sonne auf die Erde wie auch auf den Menschen herunterstrahlenden Kräfte näher ins Auge fassen. Was die persische Mythe Ormuzd oder Ahura Mazdao nennt, ist eigentlich ein Ausdruck für «große Seele», es ist das gleiche wie das, was der Hellene Psyche nennt; und das, was wir unter dem menschlichen Astralleibe verstehen, ist die «kleine Seele». Die menschliche Seele ist zusammengesetzt aus Denken, Fühlen und Wollen. Das sind die drei Grundkräfte der Seele, die für den Okkultisten eigentlich drei selbständige Wesenheiten sind; wir werden das später noch genauer kennenlernen. So, wie sich die menschliche Seele in diese drei Teile gliedert, so gliedert sich die große Seele, die große Aura auch in drei Glieder. Dieser gleiche Zug ist zu finden in der persischen wie in der mitteleuropäischen Mythe. Die mitteleuropäische Mythe nennt nun diese drei Grundkräfte Wotan, Wili und We; wobei Wotan die denkende, Wili die wollende und We die fühlende Kraft darstellt.

[ 23 ] Let us now take a closer look at these forces that radiate down from the sun onto the earth and onto human beings. What the Persian myth calls Ormuzd or Ahura Mazda is actually an expression for “great soul”; it is the same as what the Greeks call Psyche; and what we understand as the human astral body is the “little soul.” The human soul is composed of thinking, feeling, and willing. These are the three fundamental forces of the soul, which for the occultist are actually three independent entities; we will explore this in greater detail later. Just as the human soul is divided into these three parts, so too is the great soul, the great aura, divided into three parts. This same feature can be found in both Persian and Central European mythology. Central European mythology refers to these three fundamental forces as Wotan, Wili, and We, with Wotan representing the thinking force, Wili the willing force, and We the feeling force.

[ 24 ] Besonders tief können wir uns in das ganze astralische Anschauen dieser alten Zeiten hineinleben, wenn wir sehen, wie uns in der Silbe «We» nachklingt eine ursprüngliche Bezeichnung für die fühlende Kraft. Tatsächlich ist alles höhere Fühlen, auch wenn es lustvolles Fühlen ist, hervorgegangen aus dem Weh, aus dem Schmerz. Und wieso? Stellen Sie sich noch einmal die ursprüngliche Menschengestalt vor, die gleichsam heraussproßte aus der Erde, den Pflanzenmenschen mit physischem Leib und Ätherleib. So wie er damals hervorsproßte, waren die Sinne nur als Anlage da, so wie eine Blüte schon im Pflanzenkeime enthalten ist. Der Mensch konnte noch nicht sehen. Solche Augen, wie wir sie heute haben, entstanden erst in langer, langer Entwickelung. Diese Augen, die heute die Herrlichkeit des Sonnenlichtes sehen, wie sind sie entstanden nach der okkulten Physiologie? Ursprünglich, als nur der physische Leib und der Ätherleib vorhanden waren, war hier an diesen Stellen, wo jetzt die Augen sind, nichts. Diese Stellen erwiesen sich aber als besonders empfindlich für die der Erde zugesandten Sonnenstrahlen. Und was die Sonne zuerst als Eindruck bewirkte, das war Schmerz. Da entstanden an diesen Stellen zwei leidende Punkte am Menschenleibe, Schmerzstellen, die dauernd verletzt wurden. Es war genau so, wie wenn Sie sich schneiden würden und sich Schorf an jener Stelle bildet. So bildete sich auch an jenen empfindlichen Stellen Schorf, und aus diesem Schorf formte sich nach und nach der herrliche Wunderbau des Auges; allerdings nach langer, langer Entwickelung. Das, was der Schmerz herausgerissen hatte aus dem Leibe, das wurde zum herrlichen Auge.

[ 24 ] We can immerse ourselves particularly deeply in the astral vision of those ancient times when we see how the syllable “We” echoes an original designation for the power of feeling. In fact, all higher feeling—even when it is pleasurable—has emerged from sorrow, from pain. And why is that? Imagine once more the original human form that, as it were, sprouted from the earth—the plant-man with a physical body and an etheric body. Just as he sprouted back then, the senses were present only as potential, just as a flower is already contained within the plant seed. Human beings could not yet see. Eyes such as we have today only came into being through a long, long process of development. These eyes, which today behold the splendor of sunlight—how did they come into being according to occult physiology? Originally, when only the physical body and the etheric body existed, there was nothing here in these places where the eyes are now. These places, however, proved to be particularly sensitive to the sun’s rays sent to Earth. And what the sun first caused as an impression was pain. Thus, two points of suffering arose in these places on the human body—points of pain that were constantly injured. It was exactly as if you were to cut yourself and a scab were to form at that spot. In the same way, a scab formed at those sensitive spots, and from this scab the magnificent, wondrous structure of the eye gradually took shape—albeit after a long, long evolution. That which the pain had torn out of the body became the magnificent eye.

[ 25 ] Gar nichts kann als Genuß, als Lust in der Welt entstehen, was nicht den Schmerz zu seiner Grundlage hat. Genau wie die Sättigung mit ihrem Genuß den Hunger zur Voraussetzung hat, so hat alle Erkenntnis und auch alle Freude den Schmerz zu ihrer Grundlage. Das ist auch der Grund, warum in der Tragödie der Schmerz wie die Ahnung einer erwarteten Erlösung uns befriedigt. Alles, was in der Zukunft eine Vollkommenheit haben wird, macht in der Gegenwart den Schmerz- und Leidenszustand durch. Aber das bietet uns Trost, weil wir wissen, daß dasjenige, was heute Schmerz und Leid ist, in der Zukunft Vollkommenheitszustände sein werden. Überwundener Schmerz wird in der Zukunft Vollkommenheit. Die heutigen vollkommenen Augen verdanken ihr Dasein den früheren schmerzerfüllten Punkten am Menschenleibe; Schmerz, der überwunden wurde. Das meinte der Eingeweihte Paulus, als er das gewaltige Wort aussprach: «Alle Kreatur seufzet unter Schmerzen, der Annahme an Kindesstatt harrend», oder «Alle Kreatur ängstigt sich im Daseinsschmerz und harret der Annahme an Kindesstatt», was nichts anderes ausdrückt als die Sehnsucht nach einem einst wieder zu erreichenden Kindschaftsverhältnis zu Gott. Wer das Dasein begreift, sieht den Schmerz durch das ganze Dasein fluten.

[ 25 ] Nothing in the world can arise as pleasure or delight that does not have pain as its foundation. Just as satiety, with its pleasure, requires hunger as a prerequisite, so all knowledge and all joy have pain as their foundation. This is also the reason why, in tragedy, pain satisfies us like the foreboding of an expected redemption. Everything that will attain perfection in the future must first undergo a state of pain and suffering in the present. But this offers us comfort, because we know that what is pain and suffering today will be states of perfection in the future. Overcome pain becomes perfection in the future. Today’s perfect eyes owe their existence to the earlier pain-filled points on the human body; pain that has been overcome. This is what the initiate Paul meant when he uttered the powerful words: “All creation groans in pain, awaiting adoption as children,” or “All creation is in anguish in the pain of existence and awaits adoption as children,” which expresses nothing other than the longing for a relationship of sonship with God to be regained one day. Whoever comprehends existence sees pain flooding through all of existence.

[ 26 ] Jetzt stellen wir uns die guten Geister vor, ob wir sie wie in der persischen Mythe Ormuzd oder wie in der germanischen Mythe Wotan, Wili und We nennen, wie sie zuströmen, diese Sonnenkräfte. Als die Wasser der Atlantis sich verloren hatten und die Sonne freigeworden war, da wirkten sie in den Sonnenstrahlen und durchdrangen die Luft. Deshalb sind die Lichtgeister zugleich auch Luftgeister, die man beschrieb als Wotans wildes Heer; man empfand diese Geister in den drei Teilen Wotan, Wili und We. Wir wollen uns davon ein Bild machen, wie es sich dem astralischen Hellseher darstellt. Nehmen Sie den Menschen; als er noch Pflanzenmensch war, aus physischem und Ätherleib bestehend. Die Sonne wirkte mit ihrer Kraft ein: durch Wotan in das Denken, durch Wili, der alles Willensartige gibt, und durch We, der alles Gefühlsartige gibt; alles Gefühlsartige ruht im Weh, das fühlen wir aus dem Namen heraus.

[ 26 ] Now let us create a mental image of the good spirits—whether we call them Ormuzd, as in the Persian myth, or Wotan, Wili, and We, as in the Germanic myth—and how these solar forces pour forth. When the waters of Atlantis had receded and the sun was set free, they worked within the sun’s rays and permeated the air. That is why the spirits of light are at the same time spirits of the air, described as Wotan’s wild host; these spirits were perceived in the three aspects of Wotan, Wili, and We. Let us form a picture of this as it appears to the astral clairvoyant. Take the human being; when he was still a plant-human, consisting of a physical and an etheric body. The sun exerted its power: through Wotan into thinking, through Wili, who gives everything related to the will, and through We, who gives everything related to feeling; everything related to feeling rests in Weh—we sense this from the name itself.

[ 27 ] Wie muß das nun erzählt werden, wenn es sachgemäß erzählt werden soll? Wotan, Wilii und We gingen am Meeresstrand; sie fanden dort Pflanzen, und sie begabten diese Pflanzen mit ihren Kräften: Wotan mit Geist und dem allgemeinen seelischen Leben, Wili mit Gestalt, Verstand und Bewegung, mit allem, was im Willen wurzelt, We mit Antlitz und Farbe, mit Sprache, Gehör und Gesicht, mit alle dem, was in den Gefühlen wurzelt. So entstanden die ersten Menschen. In diesen Bildern der mitteleuropäischen Mythe vom Gang der drei Götter am Meeresstrande, vom Finden der Bäume und dem Begaben der Bäume mit den göttlichen Kräften und Eigenschaften, erkennen wir, wie diese in der Sonne lebenden Geister aus ihrer großen Aura ihre Kräfte gaben und in die einzelne Menschenaura einströmen ließen. Durch den Okkultismus können wir die Dinge wieder wörtlich nehmen. Wir sehen, wie den Bildern der Mythologie wirkliche Tatsachen zugrunde liegen; und wir schauen tief hinein in die hellseherischen Schauungen des Weisen, der in den Mysterienstätten lehrte, und der das, was er astralisch wahrnahm, dem bis zu einem gewissen Grade noch hellsehenden Volke in imaginativen Bildern erzählen konnte. Er gab dem Volke Wahrheiten, die er erfuhr in einem halbwachen, hellseherischen Zwischenzustande. Er wußte, bei jenen Menschen, die noch einen gewissen Grad von Hellsehen hatten, konnte er auf Verständnis rechnen. Wenn wir vom Gesichtspunkte des Okkultismus aus uns in die Seele solcher Vorfahren versenken, weitet sich der Blick. Niemals kann dann über uns der Hochmut und Eigendünkel der Aufklärerei kommen, der da sagt: Wie haben wir es so herrlich weit gebracht! — Ist es nicht ein furchtbarer Hochmut, der Dünkel der Menschen des 19. Jahrhunderts, daß gegenüber den Wahrheiten, die das 19. Jahrhundert gefunden hat, alles andere, was die Menschen vorher gewußt haben, nur kindliche Phantasie sei, und daß das, was heute gefunden wird, für alle Zeiten gelten müsse? Ist es nicht ein furchtbarer Hochmut, wenn diejenigen, die heute auf den Kathedern der Universitäten und Gerichtssäle predigen, und jene, die herumkurieren, behaupten, daß die einzige Form der Wahrheit das sei, was die letzten Jahrzehnte hervorgebracht haben? Sie halten sich für demütig, aber es ist der ärgste Hochmut, der in dieser Gesinnung steckt. Über diese Gesinnung hinaus bringt den Geistsucher die Anschauung — die sein Herz, seine Gedanken und seine Seele ergreifen muß —, daß auch andere Zeiten die Wahrheit besessen haben, nur in anderer Form, daß es viele Formen der Wahrheit gibt. Und auch über den andern Hochmut kommt er hinüber, daß für alle Ewigkeit das gelten soll, was von den heutigen Gelehrten gesagt wird. Wie sich seit unseren Vorfahren die Formen des Wissens geändert haben, wie sie in Bildern erzählt haben, was wir heute in anderer Form, in der Form des Okkultismus verkündigen, so werden künftige Zeiten die Wahrheit nicht in unseren Formen verkündigen, sondern in anderen Formen, die weit über die unsrigen hinausgewachsen sein werden. Wir wissen, daß die Wahrheit ewig ist, wir wissen aber auch, daß sie in den verschiedensten Formen durch die Menschenseelen fließt.

[ 27 ] How, then, should this be told if it is to be told properly? Wotan, Wilii, and We walked along the seashore; there they found plants, and they endowed these plants with their powers: Wotan with spirit and the general life of the soul, Wili with form, intellect, and movement, with everything rooted in the will, We with countenance and color, with speech, hearing, and sight, with everything rooted in the emotions. Thus the first human beings came into being. In these images from the Central European myth of the three gods walking along the seashore, of finding the trees and endowing them with divine powers and qualities, we recognize how these spirits living in the sun bestowed their powers from their great aura and allowed them to flow into the individual human aura. Through occultism, we can take these things literally once again. We see how the images of mythology are based on real facts; and we look deeply into the clairvoyant visions of the sage who taught in the mystery temples and who could recount what he perceived astral-ly to the people—who were still clairvoyant to a certain degree—in imaginative images. He gave the people truths that he experienced in a semi-awake, clairvoyant intermediate state. He knew that with those people who still possessed a certain degree of clairvoyance, he could count on their understanding. When we immerse ourselves in the souls of such ancestors from the perspective of occultism, our vision broadens. Then the arrogance and self-importance of the Enlightenment can never take hold of us, the arrogance that says: How wonderfully far we have come! — Is it not a terrible arrogance, the conceit of nineteenth-century people, to claim that, compared to the truths the nineteenth century has discovered, everything else that people knew before is merely childish fantasy, and that what is discovered today must apply for all time? Is it not a terrible arrogance when those who preach today from the lecterns of universities and courtrooms, and those who go about prescribing remedies, claim that the only form of truth is what the last few decades have produced? They consider themselves humble, but it is the worst kind of arrogance that lies in this attitude. Beyond this mindset, the seeker of truth is led by the insight—which must take hold of his heart, his thoughts, and his soul—that other times, too, have possessed the truth, only in a different form, that there are many forms of truth. And he also transcends the other form of arrogance, namely that what is said by today’s scholars is to apply for all eternity. Just as the forms of knowledge have changed since the time of our ancestors—just as they once expressed in images what we now proclaim in a different form, in the form of occultism—so too will future generations proclaim the truth not in our forms, but in other forms that will have far surpassed our own. We know that truth is eternal, but we also know that it flows through human souls in the most diverse forms.

[ 28 ] Das eine ist, daß unser Blick sich weitet; und das andere ist, wie solche Erkenntnisse in unser Inneres lebendig einfließen müssen. Das werden wir einsehen, wenn wir das Folgende bedenken: Was ist denn eigentlich dieser astralische Leib, den wir in uns tragen? Er ist ein Stück dieser großen Weisheitsaura, ein Stück der Aura Mazda, die der Weisheitskörper der ganzen Erde ist, und der Kräfte von der Sonne zuströmen. So gehen wir herum auf der Erde und fühlen, daß wir Träger sind der Sonnenkräfte, die eingeflossen sind in die Erdenaura. Da wächst unser Gefühl für etwas, was wir ausbilden müssen: daß dieser menschliche Leib und diese menschlichen Leiber uns übergeben sind von der großen Weltenweisheit, dem großen Weltengeist. Man nennt im Okkultismus den menschlichen Leib auch einen Tempel. Und wir tragen die Verantwortung dafür, daß wir das wieder zum leuchtenden Urgrund zurückbringen, was wir be kommen haben, zurückbringen in einer entsprechenden Veredelung, Läuterung und Vervollkommnung. So lernen wir uns eins zu fühlen mit dem Weltendasein. Nicht in phantastischer Weise, sondern stückweise lernen wir, ein Ton zu sein in der großen Orchestermusik, die den Kosmos durchklingt und die wir als Sphärenmusik bezeichnen. Da wächst unser Verantwortungsgefühl, zu gleicher Zeit ein gewisses Hochgefühl, verbunden aber mit Demutsgefühlen im richtigen Gleichgewicht. Das gibt uns die Lehre der Theosophie: Sie lehrt uns in genauer Weise, nicht bloß, daß wir Menschen sind und was für Menschen wir sind, sondern sie macht uns zu geistigen Menschen, die wissen, was ihr Anteil ist in dem geistig-kosmischen Dasein. Das ist die Ethik, die Morallehre, die aus der Erkenntnis fließt. Wenn wir das erfassen, dann pulsieren moralische Gefühle durch uns, die nichts haben von Sentimentalität und Philistrosität. Eine natürliche Morallehre geht durch uns, wenn wir die Morallehre als eine unmittelbare Folge der Erkenntnis empfinden. Die Theosophie kann gar nicht anders, wenn sie richtig verstanden wird, als den Menschen die höchsten moralischen Begriffe zu bringen, weil sie das Wissen, die Erkenntnis davon bringt, wie der Mensch hineingestellt ist in den ganzen Weltenzusammenhang. Niemals wird die Theosophie sich herbeilassen zu Ermahnungen und Moralpredigten. Niemand wird besser, wenn man ihn ermahnt: Sei gut! oder: Tue das, denn es ist gut! —, denn das führt den Menschen unter allen Umständen zu Sentimentalität und Philistrosität. Die Theosophie zeigt uns, was der Mensch ist und welches sein Zusammenhang mit der ganzen Welt ist, und sie betrachtet es in gewisser Weise als nicht ganz schamvoll, wenn man an den Menschen heranrückt mit moralischen Grundsätzen, weil der Mensch so geartet ist, daß er aus Erkenntnis — dann, wenn er sich selbst erkennt —, ganz von selbst der richtigen Moral folgt. Nicht im niederen, sondern im höheren Sinne empfindet es der Okkultist wie eine Verletzung des geistigen Schamgefühls, wenn er sich direkt, unmittelbar an die Gefühle der Menschen wenden sollte. Er wendet sich direkt an die Erkenntnis, aber er stellt solche Erkenntnis so hin, daß sich dem Menschen die Gefühle daran angliedern. Er stellt die objektiven Tatsachen vor den Menschen hin, dann kommen schon die Gefühle. Er tritt dem Menschen nicht nahe, weil er den größten Respekt hat vor dem Menschen, und weil er den Sinn dafür hat, daß in jedem Menschen der sich vervollkommnende Mensch zu achten und zu schätzen ist. Lernt der Mensch die Wahrheit, dann wird er gut, denn die Seele der Wahrheit ist die Güte. Nimmt der Mensch die Erkenntnis der Wahrheit auf, so nimmt er damit die Güte auf. Aus der niederen Erkenntnis folgt diese Güte nicht, aber aus der höheren Erkenntnis folgt sie. Deshalb sollte im Grunde genommen durch die theosophische Strömung der Wille zum Erkennen in den Menschen fließen, denn das ist der sichere Weg zur Vollkommenheit, zum Guten.

[ 28 ] On the one hand, our perspective broadens; on the other, such insights must flow vividly into our inner being. We will come to understand this when we consider the following: What, in fact, is this astral body that we carry within us? It is a part of this great aura of wisdom, a part of the aura of Mazda, which is the body of wisdom of the entire Earth, and into which forces from the Sun flow. Thus we walk upon the Earth and feel that we are bearers of the solar forces that have flowed into the Earth’s aura. Thus our sense grows of something we must cultivate: that this human body and these human bodies have been entrusted to us by the great world wisdom, the great world spirit. In occultism, the human body is also called a temple. And we bear the responsibility for returning what we have received back to the luminous source, returning it through appropriate refinement, purification, and perfection. Thus we learn to feel at one with the existence of the world. Not in a fanciful way, but step by step we learn to be a note in the great orchestral music that resounds through the cosmos and which we call the music of the spheres. There our sense of responsibility grows, along with a certain elation, yet balanced with feelings of humility in the right proportion. This is what theosophy teaches us: It teaches us precisely, not merely that we are human beings and what kind of human beings we are, but it makes us spiritual human beings who know what their part is in spiritual-cosmic existence. This is the ethics, the moral teaching, that flows from knowledge. When we grasp this, moral feelings pulse through us that have nothing of sentimentality or philistinism about them. A natural moral teaching flows through us when we perceive moral teaching as a direct consequence of knowledge. Theosophy, when properly understood, cannot help but bring the highest moral concepts to humanity, because it brings the knowledge and understanding of how humanity is situated within the entire context of the world. Theosophy will never stoop to admonitions and moral lectures. No one becomes a better person by being told: “Be good!” or “Do this, for it is good!”—for that leads people, under all circumstances, to sentimentality and philistinism. Theosophy shows us what a human being is and what their relationship to the whole world is, and it regards it, in a certain sense, as not entirely improper to approach people with moral principles, because human nature is such that, through knowledge—when they come to know themselves—they follow the right morality quite of their own accord. Not in a base sense, but in a higher sense, the occultist perceives it as a violation of spiritual modesty if he were to address human feelings directly and immediately. He addresses knowledge directly, but he presents such knowledge in such a way that human feelings naturally attach themselves to it. He presents the objective facts to people, and then the feelings follow. He does not intrude upon people because he has the greatest respect for them, and because he understands that the human being striving toward perfection must be respected and valued in every person. When a person learns the truth, they become good, for the soul of truth is goodness. When a person takes in the knowledge of truth, they thereby take in goodness. This goodness does not follow from lower knowledge, but it does follow from higher knowledge. Therefore, fundamentally, the theosophical movement should instill in people the will to know, for that is the sure path to perfection, to goodness.

[ 29 ] Und damit haben wir zu gleicher Zeit gesehen, wie sich für uns aus solchen Betrachtungen eine unmittelbar praktische Lebensfrage ergibt, und wie sich die spirituellen Weistümer in unsere Kultur und in unser ganzes Leben einleben.

[ 29 ] And in doing so, we have seen how such reflections give rise to a directly practical question of life for us, and how spiritual wisdom becomes an integral part of our culture and our entire lives.