The Gospel of St. John
GA 103
31 May 1908, Hamburg
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The Gospel of John, tr. SOL
Zwölfter Vortrag
Twelfth Lecture
[ 1 ] Wir sind gestern fortgeschritten bis zur Besprechung jener Veränderung, die mit dem astralischen Leibe des Menschen vorgeht durch Meditation, Konzentration und andere Übungen, die durch die verschiedenen Einweihungsmethoden gegeben werden. Wir haben gesehen, daß dadurch der astralische Leib herausgearbeitet wird, so daß er die Organe in sich aufnimmt, die er braucht, um in die höheren Welten hineinzuschauen, und wir haben gesagt, daß bis dahin - obzwar die Übungen sich ganz nach den entsprechenden Kulturperioden richten - doch das Prinzip der Einweihung überall eigentlich dasselbe ist. Die große prinzipielle Verschiedenheit beginnt erst, wenn das Nächste, was nunmehr hinzukommen muß, eintreten soll. Damit der Mensch nämlich wirklich in die höheren Welten hineinschauen kann, ist es notwendig, daß das, was im astralischen Teil herausgearbeitet ist an Organen, sich abdrückt, ausprägt im Ätherleib, daß es also hineingedrückt wird in den Ätherleib.
[ 1 ] Yesterday we proceeded to discuss the transformation that takes place in the human astral body through meditation, concentration, and other exercises taught in the various methods of initiation. We have seen that this process refines the astral body so that it incorporates the organs it needs to perceive the higher worlds, and we have stated that up to this point—although the exercises are entirely tailored to the respective cultural periods—the principle of initiation is essentially the same everywhere. The great difference in principle begins only when the next step—which must now be added—is to take place. For in order for a human being to truly look into the higher worlds, it is necessary that the organs developed in the astral body be imprinted and expressed in the etheric body—that is, that they be imprinted into the etheric body.
[ 2 ] Man nennt mit einem alten Ausdruck die Bearbeitung des astralischen Leibes auf dem Umwege durch Meditation und Konzentration «Katharsis», Reinigung. Diese Katharsis oder Reinigung hat ja das Ziel, alles das aus dem astralischen Leibe herauszuwerfen, was ihn hindert, harmonisch und regulär organisiert zu sein, so daß er höhere Organe erlangen kann; denn er ist veranlagt zu diesen höheren Organen, man braucht nur sozusagen die Kräfte bloßzulegen, die in ihm sind.
[ 2 ] An ancient term is used to describe the process of working on the astral body indirectly through meditation and concentration: “Katharsis,” or purification. The purpose of this catharsis, or purification, is to expel from the astral body everything that prevents it from being harmoniously and regularly organized, so that it may attain higher organs; for it is predisposed to these higher organs—one need only, so to speak, lay bare the powers that lie within it.
[ 3 ] Wir sagten, es könnten die verschiedensten Methoden angewendet werden, um diese Katharsis herbeizuführen. Sehr weit kann der Mensch in bezug auf diese Katharsis schon kommen, wenn er zum Beispiel alles das, was in meiner «Philosophie der Freiheit» steht, so innerlich durchgenommen und erlebt hat, daß er das Gefühl hat: Das Buch war für mich eine Anregung, aber ich kann jetzt die Gedanken genau so, wie sie dastehen, eigentlich selbst reproduzieren. Wenn sich jemand zu diesem Buch so verhält -— denn so ist es geschrieben -, wie sich etwa ein Virtuose mit dem Spielen eines Stückes auf dem Klavier verhält zu dem Komponisten des Stückes, so daß er das Ganze in sich selbst produziert - natürlich in der entsprechenden Weise -, dann kann schon durch die in sich streng gegliederte Gedankenfolge dieses Buches bis zu einem hohen Grade die Katharsis herbeigeführt werden. Denn es. kommt eben bei solchen Dingen, wie dieses Buch es ist, darauf an, daß die Gedanken alle so gesetzt sind, daß sie zur Wirksamkeit kommen. Bei vielen anderen Büchern der Gegenwart ist es so, daß man im Grunde genommen, wenn man nur die Systematik ein bißchen anders gestaltet, das eine früher, das andere später sagen kann. Bei der «Philosophie der Freiheit» ist das nicht möglich. Da kann man ebensowenig die Seite 150 etwa ;5o Seiten früher stellen in dem Inhalt, wie man bei einem Hund die Hinterbeine mit den Vorderbeinen auswechseln kann. Denn dieses Buch ist ein gegliederter Organismus, und das Durcharbeiten der Gedanken dieses Buches bewirkt so etwas wie eine innere Trainierung. So gibt es verschiedene Methoden, um die Katharsis herbeizuführen. Der, der sie nicht herbeigeführt hat, wenn er dieses Buch durchgenommen hat, braucht nicht zu denken, daß es nicht richtig ist, was ich sage, sondern eher, daß er es nicht richtig oder nicht energisch und gründlich genug durchgearbeitet hat.
[ 3 ] We said that a wide variety of methods could be used to bring about this catharsis. A person can already come very far with regard to this catharsis if, for example, they have internalized and experienced everything in my Philosophy of Freedom to such an extent that they feel: The book was an inspiration to me, but I can now actually reproduce the thoughts exactly as they are presented. If someone approaches this book—for that is how it is written—in the same way that, say, a virtuoso approaches the composer of a piece when playing it on the piano, so that he produces the whole within himself—in the appropriate manner, of course—then the strictly structured sequence of thoughts in this book alone can bring about catharsis to a high degree. For with works such as this book, it is precisely essential that the thoughts be arranged in such a way that they take effect. With many other contemporary books, it is the case that, essentially, if one were to reorganize the structure just a little differently, one could say one thing earlier and another later. With The Philosophy of Freedom, that is not possible. One can no more move page 150, for example, about 50 pages earlier in the text than one can swap a dog’s hind legs for its front legs. For this book is a structured organism, and working through its ideas brings about something like inner training. Thus, there are various methods for bringing about catharsis. Anyone who has not experienced it after working through this book need not think that what I am saying is incorrect, but rather that they have not worked through it correctly or with sufficient energy and thoroughness.
[ 4 ] Nun aber kommt etwas anderes in Betracht, das ist, daß dann, wenn diese Katharsis eingetreten ist, wenn im astralischen Leibe ausgebildet sind die astralen Sinnesorgane, das Ganze abgedrückt werden muß im Ätherleibe. Nun hat man in den vorchristlichen Einweihungen die Sache so gemacht: Nachdem der Schüler die entsprechenden Vorübungen durchgemacht hatte, die man ihn oft jahrelang hat durchmachen lassen, sagte man: Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo der astralische Leib so weit ist, daß er seine astralen Erkenntnisorgane hat; jetzt können diese ihren Abdruck erfahren im Ätherleib. - Da wurde dann der betreffende Schüler einer Prozedur unterworfen, die heute — wenigstens für unsere Kulturepoche — nicht nur nicht notwendig ist, sondern auch nicht im Ernst ausführbar ist. Er wurde durch dtreieinhalb Tage hindurch in einen lethargischen Zustand gebracht. Da wurde er so behandelt, daß nicht nur das für ihn eintrat in diesen dreieinhalb Tagen, was jede Nacht im Schlaf eintritt: daß der astralische Leib aus dem physischen Leib und dem Ätherleib heraustritt, sondern es wurde bis zu einem gewissen Grade auch der Ätherleib herausgehoben, und es wurde auch dafür Sorge getragen, daß der physische Leib intakt blieb und der Betreffende nicht inzwischen starb. Jetzt war der Ätherleib befreit von den Kräften des physischen Leibes, die auf ihn wirken. Man hatte jetzt sozusagen den Ätherleib elastisch und plastisch, und wenn man jetzt in ihn hineinsenkte, was im astralischen Leibe an Sinnesorganen ausgebildet war, dann erhielt der Ätherleib einen Abdruck des ganzen Astralleibes. Wenn dann der Betreffende durch den Hierophanten wieder in den Normalzustand . gebracht wurde, wenn Astralleib und Ich wieder mit dem physischen Leib und Ätherleib vereinigt wurden — das war eine Prozedur, die der Hierophant-Initiator verstand -, dann war für ihn nicht nur die Katharsis da, sondern auch das, was man die « Erleuchtung » nennt, «Photismos ». Der Betreffende konnte jetzt in der Welt, die um ihn herum war, alle diejenigen Dinge wahrnehmen, die nicht nur physischsinnlich sind, sondern er konnte die geistigen Wahrnehmungsorgane gebrauchen, das heißt, er sah das Geistige und konnte es wahrnehmen. Aus diesen zwei Vorgängen, der Reinigung oder Läuterung und der Erleuchtung, bestand im wesentlichen die Einweihung.
[ 4 ] But now there is something else to consider: namely, that once this catharsis has taken place—once the astral sense organs have developed in the astral body—the whole process must be imprinted in the etheric body. In pre-Christian initiations, this was done as follows: After the student had completed the necessary preliminary exercises—which often took years—it was said: “Now the time has come when the astral body is ready, having developed its astral organs of perception; now these can be imprinted in the etheric body.” — The student in question was then subjected to a procedure that today—at least for our cultural epoch—is not only unnecessary but also impossible to carry out in earnest. He was induced into a lethargic state for three and a half days. He was treated in such a way that during those three and a half days, not only did what occurs every night during sleep take place—namely, the astral body stepping out of the physical body and the etheric body—but the etheric body was also lifted out to a certain degree, and care was taken to ensure that the physical body remained intact and that the person in question did not die in the meantime. Now the etheric body was freed from the forces of the physical body acting upon it. The etheric body was now, so to speak, elastic and malleable, and when the sensory organs formed in the astral body were then immersed into it, the etheric body received an imprint of the entire astral body. When the individual was then brought back to the normal state by the hierophant—when the astral body and the “I” were reunited with the physical body and the etheric body—a procedure the hierophant-initiator understood—then the individual experienced not only catharsis but also what is called “enlightenment,” “Photismos.” The initiate could now perceive, in the world around him, all those things that are not merely physical or sensory; moreover, he could use his spiritual organs of perception—that is, he saw the spiritual realm and could perceive it. These two processes—purification or catharsis and enlightenment—essentially constituted the initiation.
[ 5 ] Nun ist im Laufe der Menschheitsentwickelung für den Menschen eine solche Phase eingetreten, daß es nach und nach unmöglich wurde, ohne eine weitgehende Störung aller Funktionen den Ätherleib so herauszubringen aus dem physischen Leib, weil ja die ganze nachatlantische Entwickelung darauf hinauslief, daß sich der Ätherleib immer mehr und mehr befestigte im physischen Leibe. Es war daher notwendig, andere Methoden auszuführen, die darauf hinausgehen, daß ohne die Trennung von physischem Leib und Ätherleib der Astralleib, wenn er genügend entwickelt ist innerhalb der Katharsis, wenn er von selbst wieder hineingeht in den physischen und Ätherleib, dann trotz des Hindernisses des physischen Leibes zu einem Abdruck seiner Organe im Ätherleibe kommt. Das, was eintreten mußte, ist also, daß stärkere Kräfte in Meditation und Konzentration wirken mußten, damit starke Impulse im Astralleib seien, welche die Widerstandskraft des physischen Leibes überwinden können.
[ 5 ] Now, in the course of human evolution, a phase has been reached in which it has gradually become impossible to separate the etheric body from the physical body without causing a significant disruption of all bodily functions, since the entire post-Atlantean development has led to the etheric body becoming increasingly anchored within the physical body. It was therefore necessary to employ other methods aimed at ensuring that, without separating the physical body from the etheric body, the astral body—if sufficiently developed through the catharsis—would, upon returning of its own accord into the physical and etheric bodies, leave an imprint of its organs in the etheric body despite the obstacle posed by the physical body. What had to happen, therefore, was that stronger forces had to be at work in meditation and concentration so that powerful impulses would arise in the astral body capable of overcoming the resistance of the physical body.
[ 6 ] Zunächst kam dann die eigentlich spezifisch christliche Einweihung, die es notwendig macht, daß der Mensch sich den Prozeduren unterwirft, die gestern als die sieben Stufen geschildert worden sind. Wenn der Mensch diese Gefühle und Empfindungen durchmacht, wird sein astralischer Leib so intensiv bearbeitet, daß er — vielleicht erst nach Jahren, aber doch früher oder später - plastisch seine Wahrnehmungsorgane formt und sie dann in den Ätherleib hineindrückt, um dadurch den Menschen zu einem Erleuchteten zu machen. Diese Art der Einweihung, die die spezifisch christliche ist, könnte ausführlich nur beschrieben werden, wenn ich nicht nur mehrere Tage, sondern vielleicht zwei Wochen jeden Tag einen Vortrag über alle Einzelheiten halten könnte. Darauf kommt es aber nicht an. — Es handelte sich gestern darum, gewisse Einzelheiten in der christlichen Einweihung Ihnen anzugeben. Wir wollen uns ja nur mit dem Prinzip bekanntmachen. — Dadurch, daß der Mensch so etwas durchmacht, ist er in der Tat in der Lage, ohne den dreieinhalb Tage dauernden lethargischen Schlaf die Einweihung zu erlangen, namentlich wenn der christliche Schüler fortdauernd meditiert über die Sätze des JohannesEvangeliums. Wenn er die ersten Sätze des Johannes-Evangeliums: «Im Urbeginne war das Wort» bis zu der Stelle «voller Hingabe und Wahrheit» jeden Tag auf sich wirken läßt, sind sie eine ungeheuer bedeutsame Meditation. Diese Kraft haben sie in sich. Denn dieses Johannes-Evangelium ist überhaupt in seiner Ganzheit nicht bloß dazu da, gelesen und mit dem Intellekt verstanden zu werden, sondern es muß innerlich ganz erlebt und gefühlt werden. Dann ist es selbst eine Kraft, die der Einweihung zu Hilfe kommt und für sie arbeitet, und dann werden «Fußwaschung», «Geißelung» und andere innere Vorgänge als astralische Visionen, ganz entsprechend dem, wie sie im Johannes-Evangelium vom 13. Kapitel ab selbst beschrieben werden, erlebt.
[ 6 ] First came the initiation that is specifically Christian, which requires the individual to submit to the procedures described yesterday as the seven stages. When a person goes through these feelings and sensations, their astral body is so intensely transformed that—perhaps only after years, but sooner or later—it plastically shapes their organs of perception and then presses them into the etheric body, thereby transforming the person into an enlightened being. This type of initiation, which is specifically Christian, could be described in detail only if I could give a lecture on all the particulars not just for several days, but perhaps for two weeks, every day. But that is not the point. — Yesterday’s purpose was to provide you with certain details regarding Christian initiation. After all, we simply want to familiarize ourselves with the principle. — By undergoing such an experience, a person is in fact able to attain initiation without the three-and-a-half-day lethargic sleep, particularly if the Christian student meditates continuously on the verses of the Gospel of John. If he allows the first verses of the Gospel of John— “In the beginning was the Word” up to the passage “full of devotion and truth,” they constitute an immensely significant meditation. They possess this power within them. For the Gospel of John, in its entirety, is not merely meant to be read and understood intellectually, but must be fully experienced and felt inwardly. Then it becomes a power in itself that aids initiation and works on its behalf, and then the “washing of the feet,” the “scourging,” and other inner processes are experienced as astral visions, exactly as they are described in the Gospel of John beginning in chapter 13.
[ 7 ] Die Rosenkreuzer-Initiation aber, obwohl sie durchaus auf christlichem Boden steht, arbeitet mehr mit anderen symbolischen Vorstellungen, die die Katharsis herbeiführen, namentlich mit Imaginationsbildern. Das ist wiederum eine Modifikation, die angewendet werden mußte, weil die Menschheit wieder ein Stück in der Entwickelung weitergeschritten war und weil sich die Einweihungsmethode dem anpassen muß, was die Menschheit nach und nach entwickelt hat. | Nun müssen wir verstehen, daß der Mensch im Grunde doch ein ganz anderer wird, als er früher war, wenn er diese Einweihung erlangt. Während er früher nur seinen Umgang gehalten hat mit den Dingen der physischen Welt, erlangt er dann die Möglichkeit, ebenso umzugehen mit den Vorgängen und Wesen der geistigen Welt. Das setzt voraus, daß der Mensch in einem viel realeren Sinne die Erkenntnis erlangt als in jenem abstrakten, nüchternen, prosaischen Sinne, wie man gewöhnlich von Erkenntnis spricht. Für den, der geistige Erkenntnis erlangt, ist der Erkenntnisprozeß etwas ganz anderes noch. Er ist etwas, was ganz und gar eine Verwirklichung des schönen Spruches ist: «Erkenne dich selbst!» Aber es ist das Gefährlichste auf dem Erkenntnisgebiete, diesen Spruch in mißverständlicher Weise aufzufassen; und das geschieht heute nur allzu häufig. Diesen Spruch legen sich manche Leute so aus: sie sollen nicht mehr in der Welt herumschauen, sondern in ihr eigenes Innere hineingaffen und alles Geistige in diesem ihrem Innern suchen. Dies ist eine sehr mißverstandene Auffassung des Spruches, denn das bedeutet er gar nicht. Der Mensch muß sich klar sein, daß eine wirkliche höhere Erkenntnis auch eine Entwickelung ist von einem Standpunkte, den der Mensch erreicht hat, zu einem Standpunkt, den er vorher nicht erreicht hatte. Übt man Selbsterkenntnis auf die Weise, daß man nur in sich hineinbrütet, so sieht man nur, was man bisher schon hatte. Dadurch erlangt der Mensch aber nichts Neues, sondern nur eine im heutigen Sinne gemeinte Erkenntnis des eigenen niederen Ich. Dieses Innere ist nur der eine Teil, der zur Erkenntnis notwendig ist. Der andere Teil, der zur Erkenntnis gehört, muß hinzukommen. Ohne die zwei Teile geht es nicht. Durch das Innere kann der Mensch dazu kommen, die Organe in sich zu entwickeln, durch die man erkennt. Aber ebensowenig wie das Auge als äußeres Sinnesorgan durch ein Hineinblicken in sich selber die Sonne erkennen würde, sondern eben nach außen auf die Sonne blicken muß, so muß auch das innere Erkenntnisorgan nach außen, das heißt nach dem geistigen Außen, hinblicken, um wirklich zu erkennen. Der Begriff «Erkenntnis» hatte in den Zeiten, als man die geistigen Dinge noch realer auffaßte, einen viel tieferen, realeren Sinn als heute. Lesen Sie in der Bibel, was es heißt: « Adam erkannte sein Weib» (I. Mose 4,1 u. 25), oder dieser oder jener der Patriarchen «erkannte sein Weib». Sie brauchen nicht weit zu gehen, um es dahin zu verstehen, daß damit gemeint ist die Befruchtung; und wenn man den Spruch «Erkenne dich selbst» im Griechischen betrachtet, heißt es nicht: Gaffe in dein Inneres hinein, sondern: Befruchte dein Selbst mit dem, was aus der geistigen Welt dir zuströmt! Erkenne dich selbst! heißt: Befruchte dich selbst mit dem Inhalte der geistigen Welt!
[ 7 ] The Rosicrucian initiation, however, although it is firmly rooted in Christianity, draws more heavily on other symbolic concepts that bring about catharsis, namely on images of the imagination. This, in turn, is a modification that had to be made because humanity had advanced a step further in its development, and because the method of initiation must adapt to what humanity has gradually developed. | Now we must understand that, when a person attains this initiation, he fundamentally becomes a completely different person than he was before. Whereas previously they dealt only with the things of the physical world, they then gain the ability to deal just as readily with the processes and beings of the spiritual world. This presupposes that human beings attain knowledge in a far more real sense than in that abstract, sober, prosaic sense in which one usually speaks of knowledge. For those who attain spiritual knowledge, the process of knowing is something entirely different still. It is something that is entirely a realization of the beautiful saying: “Know thyself!” But the most dangerous thing in the realm of knowledge is to misunderstand this saying; and this happens all too often today. Some people interpret this saying as follows: they should no longer look around in the world, but instead gaze into their own inner being and seek everything spiritual within themselves. This is a very misunderstood interpretation of the saying, for that is not what it means at all. One must realize that true higher knowledge is also a development from a point of view one has already reached to a point of view one had not previously attained. If one practices self-knowledge by merely brooding inwardly, one sees only what one already possessed. Through this, however, one gains nothing new, but only an understanding—in the modern sense—of one’s own lower self. This inner aspect is only one part necessary for knowledge. The other part, which is essential to knowledge, must be added. Without both parts, it is impossible. Through the inner self, a person can come to develop within themselves the organs through which one perceives. But just as the eye, as an external sense organ, would not perceive the sun by looking inward at itself—but must instead look outward toward the sun—so too must the inner organ of perception look outward, that is, toward the spiritual exterior, in order to truly perceive. In times when spiritual matters were still understood as more real, the concept of “knowledge” had a much deeper, more real meaning than it does today. Read in the Bible what it says: “Adam knew his wife” (Genesis 4:1 and 25), or that this or that patriarch “knew his wife.” You need not look far to understand that this refers to conception; and if you consider the saying “Know thyself” in Greek, it does not mean: “Stare into your inner self,” but rather: “Fertilize your self with what flows to you from the spiritual world!” “Know thyself!” means: Fertilize yourself with the contents of the spiritual world!
[ 8 ] Zweierlei ist dazu nötig: daß der Mensch sich präpariert durch Katharsis und Erleuchtung, dann aber sein Inneres frei Öffnet der geistigen Welt. Das Innere des Menschen dürfen wir in diesem Erkenntniszusammenhang vergleichen mit dem Weiblichen, das Äußere mit dem Männlichen. Das Innere muß für die Aufnahme des höheren Selbstes empfänglich gemacht werden. Ist es empfänglich, dann strömt aus der geistigen Welt des Menschen höheres Selbst in den Menschen ein. Denn wo ist des Menschen höheres Selbst? Ist es da drinnen im persönlichen Menschen? Nein! Auf Saturn, Sonne und Mond war das höhere Selbst ausgegossen über den ganzen Kosmos. Damals war das Ich des Kosmos ausgegossen über den Menschen, und dieses Ich muß der Mensch auf sich wirken lassen. Er muß dieses Ich wirken lassen auf sein vorher präpariertes Inneres. Das heißt: Geläutert und gereinigt, veredelt, der Katharsis unterworfen werden muß des Menschen Inneres, mit anderen Worten, sein Astralleib. Dann kann er erwarten, daß das äußere Geistige zu seiner Erleuchtung in ihn einströmt. Das geschieht, wenn der Mensch so weit vorbereitet ist, daß . er seinen Astralleib der Katharsis unterworfen und dadurch seine inneren Erkenntnisorgane ausgebildet hat. Dann ist der Astralleib, wenn er jetzt untertaucht in den Ätherleib und physischen Leib, unter allen Umständen so weit, daß die Erleuchtung, der Photismos, erfolgt. Das, was wirklich eintritt, ist eben, daß der Astralleib seine Organe abdruckt im Ätherleibe, wodurch dann bewirkt wird, daß der Mensch um sich herum eine geistige Welt wahrnimmt, daß also sein Inneres, der astralische Leib, empfängt, was ihm der Ätherleib zu bieten vermag, was ihm der Ätherleib heraussaugt aus dem ganzen Kosmos, aus dem kosmischen Ich.
[ 8 ] Two things are necessary for this: that the person prepare themselves through catharsis and enlightenment, and then freely open their inner self to the spiritual world. In this context of understanding, we may compare the inner self of the human being to the feminine, and the outer self to the masculine. The inner self must be made receptive to the higher self. Once it is receptive, the higher self flows into the human being from the spiritual world. For where is the human being’s higher self? Is it inside the individual human being? No! On Saturn, the Sun, and the Moon, the higher self was poured out over the entire cosmos. At that time, the “I” of the cosmos was poured out over the human being, and the human being must allow this “I” to take effect within them. They must allow this “I” to act upon their previously prepared inner being. This means: Man’s inner being—in other words, his astral body—must be purified, refined, and subjected to catharsis. Only then can he expect the outer spiritual realm to flow into him for his enlightenment. This happens when a person is sufficiently prepared—that is, when he has subjected his astral body to catharsis and thereby developed his inner organs of perception. Then, when the astral body is now immersed in the etheric body and the physical body, it is, under all circumstances, ready for enlightenment—the photismos—to occur. What actually happens is precisely that the astral body imprints its organs onto the etheric body, thereby causing the human being to perceive a spiritual world around himself—that is, his inner being, the astral body, receives what the etheric body is able to offer him, what the etheric body draws out from the entire cosmos, from the cosmic I.
[ 9 ] Die christliche Esoterik nannte diesen gereinigten, geläuterten astralischen Leib, der in dem Augenblick, wo er der Erleuchtung unterworfen ist, nichts von den unreinen Eindrücken der physischen Welt in sich enthält, sondern nur die Erkenntnisorgane der geistigen Welt, die «reine, keusche, weise Jungfrau Sophia». Durch alles das, was der Mensch aufnimmt in der Katharsis, reinigt und läutert er seinen astralischen Leib zur «Jungfrau Sophia». Und der « Jungfrau Sophia » kommt entgegen das kosmische Ich, das Welten-Ich, das die Erleuchtung bewirkt, das also macht, daß der Mensch Licht um sich herum hat, geistiges Licht. Dieses Zweite, das zur « Jungfrau Sophia » hinzukommt, nannte die christliche Esoterik -— und nennt es auch heute noch — den «Heiligen Geist». So daß man im christlich-esoterischen Sinne ganz richtig spricht, wenn man sagt: Der christliche Esoteriker erreicht durch seine Einweihungsvorgänge die Reinigung und Läuterung seines astralischen Leibes; er macht seinen astralischen Leib zur « Jungfrau Sophia » und wird überleuchtet - wenn Sie wollen, können Sie es überschattet nennen — von dem «Heiligen Geiste», von dem kosmischen Welten-Ich. Und der, der also erleuchtet ist, der mit anderen Worten im Sinne der christlichen Esoterik den «Heiligen Geist» in sich aufgenommen hat, redet fortan dann in einem anderen Sinne. Wie redet er? Er redet so, daß es nicht seine Meinung ist, wenn er über Saturn, Sonne, Mond redet, über die verschiedenen Glieder der menschlichen Wesenheit, über die Vorgänge der Weltentwickelung. Seine Ansichten kommen dabei ganz und gar nicht in Betracht. Wenn ein solcher über den Saturn redet, redet der Saturn aus ihm. Wenn er über die Sonne redet, redet die geistige Wesenheit der Sonne aus ihm. Er ist das Instrument; sein Ich ist untergegangen, das heißt für solche Augenblicke unpersönlich geworden, und das kosmische Welten-Ich ist es, das sich seiner als Werkzeug bedient, um durch ihn zu sprechen. Daher darf man bei den wirklichen esoterischen Lehren, die aus der christlichen Esoterik herauskommen, nicht von Ansichten oder Meinungen reden. Das ist im höchsten Sinne des Wortes nicht richtig. Die gibt es da nicht. Derjenige, der im Sinne der christlichen Esoterik mit der richtigen Gesinnung von der Welt spricht, sagt sich: Nicht darauf kommt es an, daß ich den Leuten sage, da waren zwei Pferde draußen, das eine gefällt mir weniger gut, ich glaube, daß das ein faules Pferd ist. Worauf es ankommt, ist, daß ich den anderen die Pferde beschreibe und die Tatsachen wiedergebe! Darum handelt es sich, daß mit Ausschluß jeder persönlichen Meinung das Beobachtete aus der geistigen Welt erzählt wird. In jedem geisteswissenschaftlichen Lehrsystem muß einfach die Tatsachenfolge erzählt werden; das darf mit den Ansichten desjenigen, der da erzählt, gar nichts zu tun haben.
[ 9 ] Christian esotericism called this purified, refined astral body—which, at the moment it is subjected to enlightenment, contains none of the impure impressions of the physical world, but only the organs of perception of the spiritual world—the “pure, chaste, wise Virgin Sophia.” Through everything that a person takes in during the catharsis, they purify and refine their astral body into the “Virgin Sophia.” And the “Virgin Sophia” is met by the cosmic Self, the World-Self, which brings about enlightenment—that is, which causes a person to be surrounded by light, spiritual light. This second entity, which joins the “Virgin Sophia,” was called—and is still called today—the “Holy Spirit” in Christian esotericism. Thus, in the Christian-esoteric sense, it is entirely correct to say: Through his initiation processes, the Christian esotericist achieves the purification and refinement of his astral body; he transforms his astral body into the “Virgin Sophia” and is illuminated—or, if you will, overshadowed—by the “Holy Spirit,” by the cosmic World-I. And the one who is thus enlightened—who, in other words, in the sense of Christian esotericism, has taken the “Holy Spirit” into himself—speaks from then on in a different way. How does he speak? He speaks in such a way that it is not his own opinion when he speaks of Saturn, the Sun, the Moon, the various members of the human being, or the processes of world evolution. His own views are entirely irrelevant in this context. When such a person speaks of Saturn, Saturn speaks through him. When he speaks of the Sun, the spiritual being of the Sun speaks through him. He is the instrument; his ego has receded—that is, has become impersonal for such moments—and it is the cosmic World-Ego that makes use of him as a tool to speak through him. Therefore, when it comes to the true esoteric teachings that stem from Christian esotericism, one must not speak of views or opinions. That is not correct in the highest sense of the word. There are none there. The one who speaks of the world in the spirit of Christian esotericism with the right attitude says to himself: What matters is not that I tell people, “There were two horses out there; I don’t like one of them very much; I think that one is a lazy horse.” What matters is that I describe the horses to others and recount the facts! That is what it is all about: recounting what has been observed in the spiritual world while excluding all personal opinion. In every system of spiritual science, the sequence of facts must simply be recounted; this must have absolutely nothing to do with the views of the person recounting it.
[ 10 ] So haben wir zwei Begriffe zunächst in ihrer geistigen Bedeutung kennengelernt. Wir haben kennengelernt das Wesen der «Jungfrau Sophia», das der geläuterte Astralleib ist, und kennengelernt haben wir das Wesen des «Heiligen Geistes», des kosmischen Welten-Ichs, das von der «Jungfrau Sophia» empfangen wird und aus dem betreffenden astralischen Leib heraus dann sprechen kann.
[ 10 ] Thus, we have first become acquainted with the spiritual meaning of these two concepts. We have come to know the nature of the “Virgin Sophia,” which is the purified astral body, and we have come to know the nature of the “Holy Spirit,” the cosmic World-I, which is received by the “Virgin Sophia” and can then speak from within the astral body in question.
[ 11 ] Noch etwas anderes, eine noch höhere Stufe ist zu erlangen, das ist: jemandem helfen zu können, ihm die Impulse geben zu können, beides zu erlangen. Die Menschen unserer Evolutionsepoche können die « Jungfrau Sophia», den geläuterten Astralleib, und den «Heiligen Geist», die Erleuchtung, in der geschilderten Weise empfangen. Geben konnte der Erde das, was dazu notwendig ist, nur der Christus Jesus. Er hat dem geistigen Teil der Erde die Kräfte eingeimpft, die es möglich machen, daß überhaupt das geschehen kann, was mit der christlichen Einweihung geschildert worden ist. Wodurch ist dies gekommen?
[ 11 ] There is yet another, even higher level to attain, namely: being able to help someone, to give them the impetus to attain both. The people of our evolutionary epoch can receive the “Virgin Sophia,” the purified astral body, and the “Holy Spirit,” enlightenment, in the manner described. Only Christ Jesus could give the Earth what is necessary for this. He instilled in the spiritual part of the Earth the powers that make it possible for what has been described in connection with Christian initiation to happen at all. How did this come about?
[ 12 ] Zweierlei müssen wir zu dessen Verständnis herbeitragen. Wir müssen uns erstens mit etwas rein Geschichtlichem bekanntmachen: mit der Art der Namengebung, die eine ganz andere war in der Zeit, als die Evangelien geschrieben wurden, als sie heute ist.
[ 12 ] There are two things we must consider in order to understand this. First, we must familiarize ourselves with a purely historical matter: the practice of naming, which was quite different in the time when the Gospels were written than it is today.
[ 13 ] Diejenigen, die heute die Evangelien auslegen, verstehen das Prinzip der Namengebung zur Zeit der Evangelien gar nicht und reden daher nicht so, wie sie reden müßten. Es ist ja außerordentlich schwierig zu schildern, wie das Prinzip der Namengebung damals war. Aber wir können es uns doch verständlich machen, wenn wir es auch nur skizzenhaft andeuten können. Denken Sie sich, wir würden bei einem Menschen, der uns entgegentritt, nicht stehen bleiben bei jenem gar nicht zu ihm gehörigen Namen, den er auf den abstrakten Wegen erhält, die nun einmal heute für die Namengebung üblich sind, sondern wir würden lauschen und achtgeben, welches seine hervorragendsten Eigenschaften, das hervorstechendste Merkmal in seinem Charakter ist, und wir würden in der Lage sein, hellseherisch die tiefere Grundlage seines Wesens zu erforschen, und würden dann nach den wichtigsten Eigenschaften, die wir ihm glauben beilegen zu müssen, seinen Namen ihm geben.
[ 13 ] Those who interpret the Gospels today do not understand the principle of naming at the time of the Gospels at all and therefore do not speak as they ought to. It is, after all, extremely difficult to describe what the principle of naming was like back then. But we can still make sense of it if we can at least sketch out a rough outline. Imagine that, when encountering a person, we would not dwell on the name that does not belong to him at all—the name he receives through the abstract processes that are simply customary for naming today—but rather we would listen and pay attention to his most outstanding qualities, the most striking feature of their character, and we would be able to clairvoyantly explore the deeper foundation of their being, and would then give them a name based on the most important qualities we believe they possess.
[ 14 ] Würden wir eine solche Namengebung einmal befolgen, dann wür den wir ungefähr auf einer niederen, elementaren Stufe etwas Ähnliches ausführen, was diejenigen ausgeführt haben bei einer Namengebung, die im Sinne des Schreibers des Johannes-Evangeliums Namen gegeben haben. Wenn ich mich recht verständlich machen wollte, wie der Schreiber des Johannes-Evangeliums bei seiner Namengebung zu Werke ging, müßte ich jetzt sagen: Dieser Schreiber des JohannesEvangeliums hat sich die äußere geschichtliche Mutter des Jesus auf ihre hervorstechendsten Eigenschaften hin angesehen und hat nun gesagt: Wo finde ich einen Namen für sie, der ihr Wesen am vollkommensten ausdrückt? Und weil sie durch die früheren Inkarnationen, die sie durchgemacht hatte, bis zu der geistigen Höhe gekommen war, auf der sie stand, weil sie in ihrer äußeren Persönlichkeit gleichsam als ein Abdruck, als eine Offenbarung erschien dessen, was man in der christlichen Esoterik nennt die «Jungfrau Sophia», so nannte er die Mutter des Jesus die «Jungfrau Sophia». So hat sie immer geheißen in den esoterischen Stätten, wo das Christentum esoterisch gelehrt worden ist: die «Jungfrau Sophia». Exoterisch läßt er sie überhaupt unbenannt, gegenüber den anderen Evangelisten, die den Profan-Namen Maria für sie gewählt haben. Er durfte nicht den Profan-Namen nehmen. Johannes mußte im Namen ausdrücken die tiefe weltgeschichtliche Entwickelung. Das tut er, indem er andeutet, daß sie nicht Maria genannt werden kann, vielmehr stellt er neben sie ihre Schwester Maria, Kleophas’ Weib, und nennt sie einfach «Jesu Mutter». Dadurch deutet er an, daß er ihren Namen nicht nennen will, daß er öffentlich nicht bekanntgegeben werden kann. In esoterischen Kreisen nannte man sie immer die « Jungfrau Sophia». Sie war diejenige, die als äußere historische Person repräsentiert die «Jungfrau Sophia ».
[ 14 ] If we were to follow such a naming convention, we would be doing something similar—albeit at a lower, more elementary level—to what those did when they assigned names in the manner of the writer of the Gospel of John. If I wanted to explain clearly how the writer of the Gospel of John went about his naming, I would have to say: This writer of the Gospel of John looked at the outward, historical mother of Jesus in terms of her most striking characteristics and then asked himself: Where can I find a name for her that most perfectly expresses her essence? And because, through the earlier incarnations she had undergone, she had reached the spiritual height at which she stood; because her outer personality appeared, as it were, as an imprint, as a revelation of what is called in Christian esotericism the “Virgin Sophia”—he therefore named the mother of Jesus the “Virgin Sophia.” Thus she has always been known in the esoteric circles where Christianity has been taught esoterically: the “Virgin Sophia.” Exoterically, he leaves her completely unnamed, in contrast to the other evangelists, who chose the profane name Mary for her. He was not permitted to use the profane name. John had to express, through her name, the profound development of world history. He does this by implying that she cannot be called Mary; rather, he places her sister Mary—the wife of Cleophas—beside her and simply calls her “the mother of Jesus.” In doing so, he implies that he does not wish to name her, that her name cannot be publicly revealed. In esoteric circles, she was always called the “Virgin Sophia.” She was the one who, as an external historical figure, represented the “Virgin Sophia.”
[ 15 ] Wollen wir jetzt weiter vordringen in das Wesen des Christentums und seines Begründers, so müssen wir noch ein anderes Mysterium vor unsere Seele hinstellen. Wir müssen uns klar sein darüber, daß wir unterscheiden müssen zwischen dem, was man in der christlichen Esoterik nennt «Jesus von Nazareth», und dem, was man nennt den «Christus Jesus», den Christus in dem Jesus von Nazareth. Was heißt das? Das heißt folgendes.
[ 15 ] If we now wish to delve deeper into the essence of Christianity and its founder, we must bring yet another mystery before our souls. We must be clear that we need to distinguish between what is called “Jesus of Nazareth” in Christian esotericism and what is called “Christ Jesus”—the Christ within Jesus of Nazareth. What does that mean? It means the following.
[ 16 ] Wir haben es zunächst zu tun in der historischen Persönlichkeit des Jesus von Nazareth mit einem hochentwickelten Menschen, der durch viele Inkarnationen hindurchgegangen und wiederverkörpert ist nach einer hohen Entwickelungsperiode, der dadurch hingezogen wurde zu einer so reinen Mutter, daß der Schreiber des JohannesEvangeliums sie nennen durfte die «Jungfrau Sophia». Wir haben es also zu tun mit einem hochstehenden Menschen, dem Jesus von Nazareth, der in seiner Entwickelung schon in der vorhergehenden Inkarnation weit vorangekommen war und in diese Inkarnation auf einer hohen geistigen Stufe eintrat.
[ 16 ] In the historical figure of Jesus of Nazareth, we are dealing first and foremost with a highly evolved human being who had passed through many incarnations and reincarnated after a long period of development, and who was thereby drawn to a mother so pure that the writer of the Gospel of John was permitted to call her the “Virgin Sophia.” We are thus dealing with a highly evolved human being, Jesus of Nazareth, who had already advanced far in his development during his previous incarnation and entered this incarnation at a high spiritual level.
[ 17 ] Die anderen Evangelisten außer dem Schreiber des JohannesEvangeliums sind nicht in einem so hohen Maße erleuchtet wie der Schreiber des Johannes-Evangeliums. Ihnen ist vielmehr die sinnliche, wirkliche Welt offen, in der sie ihren Meister und Messias wandeln sehen als Jesus von Nazareth. Dagegen sind ihnen die geheimeren spirituellen Zusammenhänge, wenigstens in denjenigen Höhen verborgen, in die der Schreiber des Johannes-Evangeliums blickt. Sie müssen daher einen ganz besonderen Wert darauf legen, daß sich in dem Jesus von Nazareth dasjenige auslebt, was immerdar gelebt hat im Judentum, was immer im Judentum sich fortgepflanzt hat als der dutch alle Generationen gehende Gott der Juden, der Vater. Daher drücken sie das auch aus. Sie sagen: Wenn wir die Abstammung des Jesus von Nazareth durch die Generationen zurückverfolgen, so können wir nachweisen, daß wirklich in ihm das Blut rinnt, das durch die Generationen hindurchgeronnen ist. — Sie geben daher die Geschlechtsregister an, und zwar entsprechend dem, wie sie selbst wiederum auf den verschiedenen Stufen der Entwickelung stehen. Matthäus kommt es vor allem darauf an, daß er zeigt: Wir haben in dem Jesus von Nazareth einen Menschen vor uns, in dem der Vater Abraham lebt; das Blut des Vaters Abraham ist heruntergeronnen bis zu ihm. Daher gibt er das Geschlechtsregister an bis zu Abraham (Matth. i, i-17). Er steht auf einem materielleren Standpunkt als Lukas. Letzterem kommt es darauf an, nicht nur zu zeigen, daß der Gott in Jesus lebte, der schon in Abraham lebte, sondern ihm kommt es darauf an, zu zeigen, daß man die Abstammung, die Blutsfolge noch weiter hinauf bis zu Adam verfolgen kann, und Adam war ein Sohn der Gottheit selbst, das heißt er gehörte der Zeit an, wo die Menschen erst aus der Geistigkeit in die Leiblichkeit übergegangen sind (Lukas 3, 23-38). Darauf kommt es beiden, Matthäus und Lukas, an: zu zeigen, daß dieser zeitliche Jesus von Nazareth voll darinnen steckt in dem, was auf die göttliche Vaterschaft selbst zurückführt.
[ 17 ] The other evangelists, with the exception of the author of the Gospel of John, are not as highly enlightened as the author of the Gospel of John. Rather, the sensory, tangible world is open to them, in which they see their Master and Messiah walking as Jesus of Nazareth. In contrast, the more hidden spiritual connections are concealed from them—at least at those heights to which the author of the Gospel of John looks. They must therefore place particular emphasis on the fact that in Jesus of Nazareth is lived out that which has always lived within Judaism—that which has always been passed down in Judaism as the God of the Jews, the Father, who has been present through all generations. That is why they express this as well. They say: If we trace the lineage of Jesus of Nazareth back through the generations, we can prove that the blood flowing through him is truly the same blood that has flowed through the generations. — They therefore cite the genealogical records, in accordance with their own respective stages of development. For Matthew, the most important thing is to show: In Jesus of Nazareth we have before us a human being in whom the Father Abraham lives; the blood of the Father Abraham has flowed down to him. That is why he lists the genealogy all the way back to Abraham (Matt. 1:1–17). He takes a more materialistic standpoint than Luke. For Luke, it is not only a matter of showing that the God who already lived in Abraham lived in Jesus, but it is also a matter of showing that one can trace the lineage, the bloodline, even further back to Adam—and Adam was a son of the Godhead itself, that is, he belonged to the time when human beings first transitioned from the spiritual to the physical (Luke 3:23–38). This is what matters to both Matthew and Luke: to show that this temporal Jesus of Nazareth is fully immersed in that which traces back to the divine Fatherhood itself.
[ 18 ] Dem Schreiber des Johannes-Evangeliums, der in das Spirituelle blickte, kam es darauf nicht an; denn ihm kam es nicht an auf das Wort: «Ich und der Vater Abraham sind eins», sondern er wollte zeigen: Jeden Augenblick gibt es im Menschen ein Ewiges, das vor dem Vater Abraham im Menschen war. Es war im Urbeginn der Logos, der da heißt «Ich-bin ». Früher, als alle äußeren Dinge und Wesenheiten waren, war er; er war im Urbeginn.
[ 18 ] To the writer of the Gospel of John, who looked into the spiritual realm, this was not the point; for he was not concerned with the words, “I and Father Abraham are one,” but rather wanted to show that in every moment there is something eternal within the human being that existed within the human being even before Father Abraham. In the beginning was the Logos, who is called “I Am.” Before all external things and beings came into being, he was; he was in the beginning.
[ 19 ] Es handelte sich also für die, die mehr schildern wollten den Jesus von Nazareth und auch nur ihn schildern konnten, darum, zu zeigen, wie das Blut von Anfang an herunterrann durch die Generationen. Wichtig war es ihnen, zu zeigen, daß im Joseph, dem Vater des Jesus von Nazareth, lebte das Blut, das durch die Generationen herunterfloß.
[ 19 ] For those who wanted to describe Jesus of Nazareth—and could describe only him—the goal was to show how the blood had flowed down through the generations from the very beginning. It was important to them to show that the blood flowing down through the generations lived on in Joseph, the father of Jesus of Nazareth.
[ 20 ] Hier würde es natürlich, wenn wir ganz esoterisch sprechen könnten, notwendig sein, über den Begriff der sogenannten «unbefleckten Empfängnis» zu sprechen, der «Conceptio immaculata », der aber nur im allerengsten Kreise erörtert werden kann. Aber er gehört zu den tiefsten Mysterien, die es überhaupt gibt; und die Mißverständnisse, die sich an diesen Begriff knüpfen, rühren davon her, daß die Menschen nicht wissen, was überhaupt unter der Conceptio immaculata verstanden werden muß. Die Menschen glauben, es bedeutet, daß keine Vaterschaft da wäre. Das ist es nicht, sondern eine viel tiefere, geheimnisvollere Sache liegt dahinter. Und mit dem, was dahinter liegt, ist gerade dasjenige vereinbar, was die andern Evangelisten zeigen wollen: daß Joseph der Vater ist. Würden sie das in Abrede stellen, so würde es völlig sinnlos sein, was sie sich zu zeigen bemühen. Sie wollen zeigen, daß der alte Gott im Jesus von Nazareth lebt. Lukas insbesondere will es deutlich zeigen. Daher führt er die ganze Geschlechtsfolge bis hinauf zu Adam und dann zu Gott. Wie käme er sonst zu diesem Resultat, wenn er eigentlich nur sagen wollte: Ich zeige euch, daß dieser Stammbaum existiert, aber eigentlich hat der ganze Joseph gar nichts damit zu tun. Es wäre doch sonderbar, wenn sich die Leute bemühten, den Joseph als eine so wichtige Persönlichkeit hinzustellen, und ihn dann wiederum abschieben von dem ganzen Vorgang.
[ 20 ] Here, of course, if we could speak in entirely esoteric terms, it would be necessary to discuss the concept of the so-called “Immaculate Conception,” the “Conceptio immaculata”—a topic that can, however, only be discussed within the very narrowest circle. But it is one of the deepest mysteries that exist at all; and the misunderstandings associated with this concept stem from the fact that people do not know what the Conceptio immaculata actually means. People believe it means that there is no paternity. That is not the case; rather, a much deeper, more mysterious reality lies behind it. And what lies behind it is precisely compatible with what the other evangelists seek to demonstrate: that Joseph is the father. If they were to deny this, what they are striving to show would be completely meaningless. They want to show that the ancient God lives in Jesus of Nazareth. Luke, in particular, wants to make this clear. That is why he traces the entire genealogy all the way back to Adam and then to God. How else could he arrive at this conclusion if he actually only wanted to say: “I am showing you that this genealogy exists, but in reality, Joseph has nothing to do with it at all.” It would be strange, after all, if people went to such lengths to portray Joseph as such an important figure, only to then sideline him from the entire narrative.
[ 21 ] Nun aber haben wir es bei dem Ereignis von Palästina nicht bloß zu tun mit dieser hochentwickelten Persönlichkeit des Jesus von Nazareth, die viele Inkarnationen durchgemacht und sich so hoch entwickelt hatte, daß sie eine so hervorragende Mutter brauchte, sondern wir haben es noch mit einem zweiten Mysterium zu tun.
[ 21 ] However, in the case of the events in Palestine, we are not merely dealing with this highly evolved personality, Jesus of Nazareth—who had undergone many incarnations and had evolved to such a high degree that he needed such an outstanding mother—but we are also dealing with a second mystery.
[ 22 ] Als der Jesus von Nazareth dreißig Jahre alt war, war er auch noch durch das, was er in seiner damaligen Inkarnation erlebt hatte, so weit gekommen, daß er einen Prozeß vollziehen konnte, der in Ausnahmefällen vollzogen werden kann. Wir wissen, daß der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Dieser viergliedrige Mensch ist der Mensch, der unter uns lebt. Wenn der Mensch auf einer gewissen Entwickelungshöhe steht, ist es ihm möglich, in einem bestimmten Zeitpunkt sein Ich herauszuholen aus den drei Leibern und diese intakt als vollkommen heile Leiber zurückzulassen. Dieses Ich geht dann in die geistige Welt, und die drei Leiber bleiben zurück. Diesem Prozeß begegnen wir zuweilen in der Weltenentwickelung. Bei irgendeinem Menschen tritt es ein, daß ein besonders hoher, entrückter Augenblick da ist, der unter Umständen sich auch über einen längeren Zeitraum ausdehnen kann. Da geht das Ich fort, geht in die geistige Welt; und weil die drei Leiber so hoch entwickelt sind durch das Ich, das in ihnen war, sind sie brauchbare Werkzeuge für eine noch höhere Wesenheit, die von ihnen Besitz nimmt. Im dreißigsten Jahre des Jesus von Nazareth nimmt nun von dessen physischem Leibe, Ätherleibe und Astralleibe dasjenige Wesen Besitz, das wir den Christus genannt haben. Dieses Christus-Wesen konnte sich nicht in einem gewöhnlichen Kindesleibe inkarnieren, sondern nur in einem Leibe, der erst durch ein hochentwickeltes Ich dazu vorbereitet war. Denn dieses Christus-Wesen war vorher noch niemals in einem physischen Leibe inkarniert gewesen. Von dem dreißigsten Jahre ab haben wir es also mit dem Christus im Jesus von Nazareth zu tun.
[ 22 ] When Jesus of Nazareth was thirty years old, he had, through what he had experienced in his previous incarnation, reached a point where he was able to undergo a process that can be accomplished only in exceptional cases. We know that the human being consists of a physical body, an etheric body, an astral body, and the I. This fourfold human being is the one who lives among us. When a human being reaches a certain level of development, it becomes possible for them, at a specific moment, to extract their I from the three bodies and leave these behind intact as perfectly whole bodies. This “I” then enters the spiritual world, and the three bodies remain behind. We occasionally encounter this process in the course of world evolution. For some people, there comes a particularly elevated, transcendent moment that, under certain circumstances, may even extend over a longer period of time. Then the “I” departs, entering the spiritual world; and because the three bodies have been so highly developed by the “I” that was within them, they become useful instruments for an even higher being who takes possession of them. In the thirtieth year of Jesus of Nazareth’s life, the being we have called the Christ takes possession of his physical body, etheric body, and astral body. This Christ-being could not incarnate in an ordinary child’s body, but only in a body that had first been prepared for this by a highly developed “I.” For this Christ-being had never before been incarnated in a physical body. From the age of thirty onward, then, we are dealing with the Christ in Jesus of Nazareth.
[ 23 ] Was war da eingetreten in Wahrheit? In Wahrheit war diese Leiblichkeit des Jesus von Nazareth, die er zurückgelassen hatte, so reif, so vollendet, daß in sie eindringen konnte der Sonnenlogos, das Wesen der sechs Elohim, wie wir es beschrieben haben als das geistige Wesen der Sonne. Es konnte sich für drei Jahre in dieser Leiblichkeit inkarnieren, konnte Fleisch werden. Der Sonnenlogos, der hineinscheinen kann durch die Erleuchtung in den Menschen, er selbst, der Heilige Geist, tritt ein, das Welten-Ich, das kosmische Ich tritt ein, und es spricht fortan der Sonnenlogos in diesen drei Jahren aus dem Jesuskörper. Der Christus spricht aus dem Jesuskörper die drei Jahre hindurch. Dieser Vorgang wird angedeutet im Johannes-Evangelium und auch in den anderen Evangelien als das Herabsteigen der Taube, des Heiligen Geistes auf den Jesus von Nazareth. Im esoterischen Christentum wird das so gesagt, daß in diesem Augenblicke das Ich des Jesus von Nazareth dessen Körper verläßt und daß in ihm fortan der Christus-Geist ist, der aus ihm spricht, um zu lehren und zu wirken. Das ist das erste Ereignis, das geschieht, im Sinne des JohannesEvangeliums. Jetzt haben wir den Christus im Astralleibe, Ätherleibe und physischen Leibe des Jesus von Nazareth. Der Christus wirkt in dem Sinne, wie wir das beschrieben haben, bis zu dem Mysterium von Golgatha. Was geschieht auf Golgatha?
[ 23 ] What had actually taken place? In truth, the physical body of Jesus of Nazareth, which he had left behind, was so mature, so perfected, that the Solar Logos—the essence of the six Elohim, as we have described it as the spiritual essence of the sun—could enter into it. It was able to incarnate in this physical form for three years, to become flesh. The Solar Logos, which can shine into human beings through enlightenment—the Holy Spirit Himself—enters; the World-I, the cosmic I, enters; and from then on, for these three years, the Solar Logos speaks from the body of Jesus. Christ speaks from the body of Jesus throughout these three years. This process is alluded to in the Gospel of John and also in the other Gospels as the descent of the dove, the Holy Spirit, upon Jesus of Nazareth. In esoteric Christianity, it is said that at this moment the I of Jesus of Nazareth leaves his body and that from then on the Christ Spirit is within him, speaking through him to teach and work. This is the first event that takes place, according to the Gospel of John. Now we have the Christ in the astral body, etheric body, and physical body of Jesus of Nazareth. The Christ works in the manner we have described up to the Mystery of Golgotha. What happens on Golgotha?
[ 24 ] Auf Golgatha geschieht das Folgende. Wir fassen den Augenblick ins Auge, der der eigentlich wichtige ist, wo das Blut fließt aus den Wunden des Gekreuzigten. Nun will ich das, was da geschieht, mit etwas anderem vergleichen, damit Sie mich besser verstehen.
[ 24 ] The following takes place on Golgotha. Let us focus on the moment that is truly significant—the moment when blood flows from the wounds of the Crucified One. Now I would like to compare what is happening there to something else, so that you may understand me better.
[ 25 ] Denken Sie sich, Sie hätten hier ein Gefäß mit Wasser. In diesem Wasser wäre aufgelöst ein Salz, so daß das Wasser ziemlich durchsichtig wäre. Dadurch, daß Sie das Wasser erwärmt haben, haben Sie eine Salzlösung gemacht. Nun kühlen Sie das Wasser ab. Das Salz lagert sich ab, und Sie sehen, wie von unten an das Salz sich verdichtet und unten sich ablagert. Das ist der Vorgang für den, der nur mit physischen Augen sieht. Für den aber, der mit geistigen Augen sieht, geschieht noch etwas anderes. Während sich unten das Salz verdichtet, durchströmt nach oben der Geist des Salzes das Wasser und erfüllt es. Das Salz kann nur dadurch dichter werden, daß der Geist des Salzes das Salz verläßt und sich im Wasser ausbreitet. Wer die Dinge kennt, der weiß, daß da, wo eine Verdichtung geschieht, auch immer eine Vergeistigung stattfindet. Was also sich nach unten verdichtet, hat sein Gegenbild nach dem Geistigen, nach oben. Ganz genau ebenso wie dann, wenn dieses Salz nach unten sickert und sich da verdichtet, der Geist des Salzes ausströmt und sich nach oben hin verbreitet, ebenso war nicht nur ein physischer Vorgang vorhanden, als das Blut herausrann aus den Wunden des Erlösers, sondern indem das Blut herausrann, war das wirklich begleitet von einem geistigen Vorgange. Und dieser geistige Vorgang besteht darin, daß der Heilige Geist, der da aufgenommen war bei der Taufe, sich mit der Erde verband, daß der Christus selbst einfloß in das Wesen der Erde. Von jetzt an war die Erde verwandelt. Denn das liegt dem zugrunde, was Ihnen in den früheren Vorträgen gesagt worden ist: man hätte sehen können, wenn man von einem fernen Stern auf die Erde geblickt haben würde, daß das ganze Aussehen der Erde mit dem Ereignis von Golgatha sich veränderte. Es sollte sich der Sonnenlogos mitteilen der Erde, ein Bündnis mit der Erde schließen, der Geist der Erde werden. Der Weg, durch den er das getan, besteht darin, daß er im dreißigsten Jahre des Jesus von Nazateth in dessen Leiber eingezogen ist, drei Jahre darin gewirkt hat und dann für die Erde erhalten worden ist.
[ 25 ] Imagine you have a container of water here. A salt would be dissolved in this water, so that the water would be fairly clear. By heating the water, you have created a salt solution. Now let the water cool. The salt precipitates, and you see how the salt condenses from the bottom up and settles there. This is the process for those who see only with their physical eyes. But for those who see with spiritual eyes, something else happens as well. While the salt condenses at the bottom, the spirit of the salt flows upward through the water and fills it. The salt can only become denser when the spirit of the salt leaves the salt and spreads throughout the water. Those who understand these things know that wherever condensation occurs, spiritualization always takes place as well. Thus, what condenses downward has its spiritual counterpart upward. Just as when this salt seeps downward and condenses there, the spirit of the salt flows out and spreads upward, so too was there not merely a physical process when the blood flowed from the Savior’s wounds; rather, as the blood flowed, it was truly accompanied by a spiritual process. And this spiritual process consists in the Holy Spirit, who was received at baptism, uniting with the Earth—in Christ Himself flowing into the very essence of the Earth. From that moment on, the Earth was transformed. For this lies at the heart of what was told to you in earlier lectures: if one had looked down upon the Earth from a distant star, one would have seen that the entire appearance of the Earth changed with the event at Golgotha. The Solar Logos was to commune with the Earth, to enter into a covenant with the Earth, to become the Spirit of the Earth. The way in which he did this was by entering into the body of Jesus of Nazareth in his thirtieth year, working within it for three years, and then being preserved for the Earth.
[ 26 ] Und nun handelt es sich darum, daß in dem wirklichen Christen eine Wirkung dieses Ereignisses sein muß, daß es etwas geben muß, wodurch der wirkliche Christ nach und nach die Anlage zu einem im christlichen Sinne geläuterten astralischen Leib erhält. Es mußte für den Christen etwas da sein, wodurch er seinen astralischen Leib nach und nach ähnlich machen kann einer «Jungfrau Sophia», um dadurch den «Heiligen Geist» in sich aufzunehmen, der ja sonst auch ausgebreitet sein könnte auf der Erde, aber nicht empfangen werden könnte von dem, dessen astralischer Leib nicht ähnlich ist der «Jungfrau Sophia». Es mußte etwas da sein, was die Kraft in sich enthält, den menschlichen Astralleib zu einer «Jungfrau Sophia » zu machen.
[ 26 ] And now the point is that this event must have an effect on the true Christian; there must be something through which the true Christian gradually acquires the potential for an astral body purified in the Christian sense. There had to be something for the Christian through which he could gradually make his astral body similar to a “Virgin Sophia,” in order thereby to receive the “Holy Spirit” within himself—a Spirit that might otherwise be spread out over the earth but could not be received by one whose astral body is not similar to the “Virgin Sophia.” There had to be something that contained within itself the power to transform the human astral body into a “Virgin Sophia.”
[ 27 ] Wo liegt diese Kraft? Diese Kraft liegt darin, daß der Christus Jesus dem Jünger, den er lieb hatte, also dem Schreiber des Johannes-Evangeliums, die Mission übertragen hat, aus seiner Erleuchtung heraus wahr und getreulich die Vorgänge in Palästina aufzuschreiben, damit die Menschen sie auf sich wirken lassen können. Lassen die Menschen das genügend auf sich wirken, was im Johannes-Evangelium aufgeschrieben ist, dann ist ihr astralischer Leib auf dem Wege, eine «Jungfrau Sophia » zu werden, und er wird dann empfänglich für den « Heiligen Geist». Er wird allmählich empfänglich durch die Stärke der Impulse, die vom Johannes-Evangelium ausgehen, wahres Geistiges zu fühlen und später zu erkennen. Das hat der Christus Jesus dem Schreiber des Johannes-Evangeliums gegeben, diese Mission, diesen Auftrag. Sie brauchen nur das Evangelium zu lesen, Sie finden es darin: Am Kreuze stand Jesu Mutter — die «Jungfrau Sophia» im esoterischen Sinne des Christentums — und vom Kreuz herab spricht der Christus zu dem Jünger, den er lieb hatte:
[ 27 ] Where does this power lie? This power lies in the fact that Christ Jesus entrusted the disciple whom he loved—that is, the author of the Gospel of John—with the mission to record the events in Palestine truthfully and faithfully from his enlightenment, so that people might allow them to take effect within themselves. If people allow what is written in the Gospel of John to take sufficient effect upon them, then their astral body is on the path to becoming a “Virgin Sophia,” and it will then become receptive to the “Holy Spirit.” Through the strength of the impulses emanating from the Gospel of John, it gradually becomes capable of sensing and, later, recognizing true spiritual reality. This is what Christ Jesus gave to the writer of the Gospel of John—this mission, this commission. You need only read the Gospel; you will find it there: At the foot of the cross stood Jesus’ mother—the “Virgin Sophia” in the esoteric sense of Christianity—and from the cross, Christ speaks to the disciple whom he loved:
«Das ist fortan deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.» (19, 27)
“From now on, she is your mother! And from that moment on, the disciple took her into his home.” (19:27)
[ 28 ] Das heißt: Diejenige Kraft, die in meinem astralischen Leib war und ihn befähigt hat, ein Träger zu werden für den Heiligen Geist, diese Kraft. übertrage ich auf dich; du sollst niederschreiben das, was dieser astralische Leib durch seine Entwickelung erlangen konnte! - «Und der Jünger nahm sie zu sich», das heißt, er schrieb das JohannesEvangelium. Und das Johannes-Evangelium ist dasjenige Evangelium, in dem der Schreiber verborgen hat die Kräfte zur Entfaltung der «Jungfrau Sophia». Am Kreuz wird ihm die Mission erteilt, sie als seine Mutter anzunehmen, der wahre, echte Interpret des Messias zu sein. Eigentlich heißt das also: Lebt euch ganz in den Sinn des Johannes-Evangeliums hinein, erkennt es spirituell; es hat die Kraft, euch zur christlichen Katharsis zu führen, es hat die Kraft, euch die « Jungfrau Sophia» zu geben; dann wird auch der mit der Erde vereinigte Heilige Geist euch die Erleuchtung - Photismos im christlichen Sinne zuteil werden lassen! - Und dies, was die intimsten Schüler erfahren hatten dazumal in Palästina, das war so stark, daß sie fortan wenigstens die Anlage in sich hatten, im Geiste zu sehen. Die intimsten Schüler hatten diese Anlage in sich aufgenommen. Denn dieses Im-GeistigenSehen im christlichen Sinne besteht darin, daß der Mensch seinen astralischen Leib so umgestaltet durch die Kraft des Ereignisses von Palästina, daß äußerlich, physisch-sinnlich nicht da zu sein braucht, was der Mensch sehen soll.
[ 28 ] That is to say: The power that was in my astral body and enabled it to become a vessel for the Holy Spirit—that power—I am transferring to you; you are to write down what this astral body was able to attain through its development! - “And the disciple took her into his home”—that is, he wrote the Gospel of John. And the Gospel of John is the one in which the writer has concealed the forces necessary for the unfolding of the “Virgin Sophia.” On the cross, he is given the mission to accept her as his mother and to be the true, authentic interpreter of the Messiah. In essence, this means: Immerse yourselves fully in the spirit of the Gospel of John; recognize it spiritually; it has the power to lead you to Christian catharsis; it has the power to give you the “Virgin Sophia”; then the Holy Spirit, united with the Earth, will also bestow upon you enlightenment—photismos in the Christian sense! - And what the closest disciples had experienced back then in Palestine was so powerful that from then on they at least possessed the potential within themselves to see in the Spirit. The closest disciples had absorbed this capacity within themselves. For this “seeing in the spirit” in the Christian sense consists in the human being transforming his astral body through the power of the event in Palestine to such an extent that what the human being is to see need not be present outwardly, in a physical-sensory sense.
[ 29 ] Der Mensch hat dann noch etwas, womit er in das Geistige hineinsieht. Es gab solche intime Schüler. Diejenige, die in dem Flecken Bethanien den Christus Jesus gesalbt hat, sie hatte die starke Kraft zum geistigen Sehen aus dem Ereignis von Palästina bekommen, und sie ist zum Beispiel eine derjenigen, welche zuerst vernehmen, daß das, was in Jesus gelebt hat, vorhanden ist nach dem Tode, auferstanden ist. Sie hatte diese Möglichkeit. Woher hat sie diese Möglichkeit? Dadurch, daß die inneren Sinnesorgane ihr aufgegangen sind. — Wird uns das gesagt? Ja. Wir werden unterrichtet davon, daß Maria von Magdala hingeführt wird an das Grab, daß der Leichnam fort ist und sie da am Grabe zwei geistige Gestalten sieht. Man sieht diese zwei geistigen Gestalten immer, wenn ein Leichnam längere Zeit da ist. Man sieht auf der einen Seite den Astralleib, und man sieht auf der anderen Seite das, was sich nach und nach als Ätherleib loslöst und in den Weltenäther übergeht. Ganz abgesehen vom physischen Leibe sind zwei geistige Gestalten da, die der geistigen Welt angehören.
[ 29 ] Human beings also possess something that enables them to glimpse into the spiritual realm. There were such intimate disciples. The woman who anointed Christ Jesus in the village of Bethany had received the powerful ability to see into the spiritual realm from the events in Palestine, and she is, for example, one of those who first perceive that what lived within Jesus continues to exist after death—that He has risen. She possessed this ability. Where did she get this ability? Because her inner sense organs had opened up. — Is this told to us? Yes. We are told that Mary Magdalene is led to the tomb, that the body is gone, and that she sees two spiritual figures there at the tomb. These two spiritual forms are always visible when a body has been there for some time. On the one hand, one sees the astral body, and on the other, one sees what gradually detaches itself as the etheric body and passes into the world ether. Quite apart from the physical body, there are two spiritual forms present that belong to the spiritual world.
«Da gingen die Jünger wieder heim.
Maria aber stand vor dem Grabe und weinte draußen. Als sie nun weinte, guckte sie in das Grab.
Und siehet zween Engel in weißen Kleidern sitzen.» (20, 10-12)
“Then the disciples went home again.
But Mary stood outside the tomb, weeping. As she wept, she looked into the tomb.
And she saw two angels sitting there in white robes.” (20:10–12)
[ 30 ] Sie sah das, da sie durch die Kraft und Gewalt des Ereignisses von Palästina hellseherisch geworden war. Und sie sah noch mehr: den Auferstandenen sah sie. War es denn notwendig, daß sie dazu hellseherisch war? Trauen Sie sich zu, daß sie einen Menschen, den Sie in physischer Gestalt vor ein paar Tagen gesehen haben, wenn Sie ihn nach ein paar Tagen vor sich haben, dann nicht genau wiedererkennen?
[ 30 ] She saw this because the power and intensity of the events in Palestine had given her clairvoyant vision. And she saw even more: she saw the Risen One. Was it really necessary for her to have clairvoyant powers to do so? Do you really think that if you saw a person in physical form just a few days ago, you wouldn’t recognize him exactly when he stood before you again after a few days?
«Und als sie das sagte, wandte sie sich zurück und siehet Jesum stehen und weiß nicht, daß es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Weib, was weinest du? Wen suchest du? Sie meinet, es sei der Gärtner.» (20, 14-15)
“And as she said this, she turned around and saw Jesus standing there, but she did not realize it was Jesus. Jesus said to her, ‘Woman, why are you weeping? Who are you looking for?’ She thought he was the gardener.” (20:14–15)
[ 31 ] Und damit uns das möglichst genau gesagt wird, wird uns das nicht bloß einmal gesagt, sondern auch bei der nächsten Erscheinung des Auferstandenen, als Jesus erschien am See Genezareth.
[ 31 ] And so that this might be made as clear as possible to us, it is not merely told to us once, but also at the next appearance of the Risen One, when Jesus appeared at the Sea of Gennesaret.
«Als es aber Morgen war, stand Jesus am Ufer; aber die Jünger wußten nicht, daß es Jesus war.» (21, 4)
“When morning came, Jesus was standing on the shore, but the disciples did not realize it was Jesus.” (21:4)
[ 32 ] Die esoterischen Schüler finden ihn da. Diejenigen, welche die volle Kraft des Ereignisses von Palästina aufgenommen hatten, konnten sich da hineinfinden und sehen, daß es der auferstandene Jesus ist, den man im Geistigen sehen konnte.
[ 32 ] The esoteric students find him there. Those who had absorbed the full power of the events in Palestine were able to find their way there and see that it was the risen Jesus, whom one could see in the spiritual realm.
[ 33 ] Wenn nun die Jünger und die Maria von Magdala ihn auch sahen, so gab es aber doch einige unter ihnen, die etwas weniger begabt waren, die hellseherische Kraft zu entfalten. Zu ihnen gehörte zum Beispiel der Thomas. Von dem Thomas wird Ihnen gesagt, daß er das erstemal nicht dabei war, als die Jünger den Herrn gesehen hatten; und er selbst sagt, er müsse erst seine Hände in seine Wunden legen, er müsse erst eine leibliche Berührung mit dem Auferstandenen haben. Was geschieht? Es sollte jetzt auch noch versucht werden, ihm nachzuhelfen, damit er geistsichtig wurde. Wie geschieht denn das? Es geschieht im Sinne der Worte:
[ 33 ] Although the disciples and Mary Magdalene also saw him, there were still some among them who were somewhat less gifted when it came to developing clairvoyant powers. Thomas, for example, was one of them. You are told that Thomas was not present the first time the disciples saw the Lord; and he himself says that he must first place his hands into His wounds, that he must first have physical contact with the Risen One. What happens? An attempt was now made to help him so that he might gain spiritual vision. How does this happen? It happens in accordance with the words:
«Und über acht Tage waren abermal seine Jünger drinnen und Thomas mit ihnen. Kommt Jesus, da die Türen verschlossen waren, und tritt mitten ein und spricht: Friede sei mit euch!
Darnach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her, und siehe meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig.» (20, 26-27)Und du wirst etwas sehen, wenn du dich nicht bloß auf das Gesicht von außen verläßt, sondern dich durchdringst mit der inneren Kraft! 1«Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen hast, Thomas, so glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.» (20, 29).
“Eight days later, his disciples were inside again, and Thomas was with them. Jesus came, even though the doors were locked, and stood in their midst and said, ‘Peace be with you!’
Then he said to Thomas, ‘Put your finger here and see my hands; reach out your hand and place it in my side. Do not be unbelieving, but believe.’” (20:26–27)And you will see something if you do not rely solely on outward appearances, but allow yourself to be permeated by the inner power! 1“Jesus said to him, ‘Because you have seen me, Thomas, you believe. Blessed are those who have not seen and yet have believed.’” (20:29).
[ 34 ] Diese innere Kraft, die ausgehen soll von dem Ereignis in Palästina, nennt man den «Glauben ». Das ist keine triviale, sondern eine innere hellsichtige Kraft. - Durchdringe dich mit der inneren Kraft, dann brauchst du nicht mehr bloß das für wirklich zu halten, was du äußerlich siehst; denn selig sind die, die wissen können von dem, was sie nicht äußerlich sehen!
[ 34 ] This inner power, which is to emanate from the event in Palestine, is called “faith.” This is not a trivial power, but an inner, clairvoyant power. - Imbue yourself with this inner power, and then you will no longer need to regard as real only what you see externally; for blessed are those who can know what they do not see externally!
[ 35 ] So wird gezeigt, daß wir es zu tun haben mit der vollen Realität und Wahrheit der Auferstehung und daß diese Auferstehung allein derjenige voll erkennen kann, der mit der inneren Kraft, in das Geistige hineinzuschauen, sich erst ausstattet.
[ 35 ] This demonstrates that we are dealing with the full reality and truth of the Resurrection, and that this Resurrection can be fully understood only by those who first equip themselves with the inner strength to look into the spiritual realm.
[ 36 ] Dies wird Ihnen das letzte Kapitel des Johannes-Evangeliums verständlich machen, wo immer mehr und mehr darauf hingewiesen wird, wie allerdings die intimsten Schüler des Christus Jesus dadurch, daß das Ereignis sich vor ihnen vollzogen hat, zu der «Jungfrau Sophia» gekommen waren. Aber als sie das erstemal standhalten sollten, wirklich ein geistiges Ereignis schauen sollten, waren sie noch geblendet und mußten sich erst zurechtfinden. Sie wußten nicht, daß das derselbe war, der früher bei ihnen war. — Hier ist etwas, was wir mit den subtilsten Begriffen erfassen müssen; denn der grobmaterialistische Geist würde sagen: Dann ist doch also an der Auferstehung gerüttelt! — Ganz wörtlich ist das Wunder der Auferstehung zu nehmen und sogar so, wie er gesagt hat:
[ 36 ] This will help you understand the last chapter of the Gospel of John, where it is emphasized more and more how even the closest disciples of Christ Jesus came to the “Virgin Sophia” precisely because the event had taken place before their very eyes. But when they were first called upon to endure this—to truly witness a spiritual event—they were still blinded and had to find their bearings. They did not know that it was the same One who had been with them before. — Here is something we must grasp with the most subtle concepts; for the crudely materialistic mind would say: “Then the Resurrection is called into question!” — The miracle of the Resurrection must be taken quite literally, and even as He said:
«Ich bleibe bei euch alle Tage bis an das Ende des Zeitalters, des Weltenalters!» (Matth. 28, 20)
“I am with you always, even to the end of the age, the age of the world!” (Matt. 28:20)
[ 37 ] Er ist da und er wird wiederkommen, zwar nicht in einer fleischlichen Gestalt, aber in einer solchen Gestalt, daß die Menschen, die sich bis dahin durch die Kraft des Johannes-Evangeliums entwickelt haben, ihn sehen, ihn wirklich wahrnehmen können und nicht mehr ungläubig sind, wenn sie die geistige Kraft haben, ihn zu sehen. Diese Mission hat die anthroposophische Bewegung: denjenigen Teil der Menschheit, der sich vorbereiten lassen will, auf die Wiederkunft des Christus auf Erden vorzubereiten. Das ist die welthistorische Bedeutung der anthroposophischen Geisteswissenschaft: die Menschheit vorzubereiten und ihr die Augen geöffnet zu halten, wenn der Christus im sechsten Kulturabschnitt wiederum erscheint, wirksam unter den Menschen, so daß sich für einen großen Teil der Menschheit das vollziehen kann, was uns angedeutet ist in der Hochzeit zu Kana.
[ 37 ] He is here, and he will return—not in a physical form, but in such a form that those who have developed themselves by that time through the power of the Gospel of John will be able to see him, truly perceive him, and will no longer be unbelievers if they possess the spiritual power to see him. This is the mission of the anthroposophical movement: to prepare that part of humanity that is willing to be prepared for the return of Christ to Earth. This is the world-historical significance of anthroposophical spiritual science: to prepare humanity and to keep its eyes open when Christ appears again in the sixth cultural epoch, active among human beings, so that what is hinted at to us in the Wedding at Cana may come to pass for a large part of humanity.
[ 38 ] So nimmt sich die anthroposophische Weltanschauung aus wie eine Testamentsvollstreckung des Christentums. Um zum wahren Christentum geführt zu werden, wird der Mensch in Zukunft jene spirituellen Lehren aufnehmen müssen, welche die anthroposophische Weltanschauung zu geben vermag. Mögen gegenwärtig auch noch viele Leute sagen: Ach, Anthroposophie ist etwas, was eigentlich dem wahren Christentum widerspricht! Aber das sind jene kleinen Päpste, die über das entscheiden wollen, wovon sie nichts wissen, die zum Dogma machen wollen: das, wovon sie nichts wissen, sei auch nicht da.
[ 38 ] Thus, the anthroposophical worldview appears to be the fulfillment of Christianity’s legacy. In order to be led to true Christianity, people will in the future have to embrace those spiritual teachings that the anthroposophical worldview is able to offer. Many people may still say today: “Oh, anthroposophy is something that actually contradicts true Christianity!” But these are the little popes who want to decide matters about which they know nothing, who want to turn into dogma the idea that what they do not know does not exist.
[ 39 ] Diese Intoleranz wird in Zukunft immer größer werden, und das Christentum wird die stärkste Gefahr gerade von jener Seite erleben, wo die Leute sind, die gegenwärtig gerade glauben, gute Christen sich nennen zu können. Durch die Namenchristen wird das Christentum in der Geisteswissenschaft schwere Angriffe erfahren. Denn alle Begriffle werden sich wandeln müssen, wenn ein wirkliches spirituelles Verständnis des Christentums heranrücken soll. Vor allem wird das Vermächtnis des Schreibers des Johannes-Evangeliums, die große Schule der « Jungfrau Sophia», das Johannes-Evangelium selbst, sich immer mehr in die Seelen einleben und verstanden werden müssen. Tiefer aber in das Johannes-Evangelium kann nur die Geisteswissenschaft einführen. Es sollte in diesen Vorträgen nur.eine Probe davon gegeben werden, wie die Geisteswissenschaft einführen kann in das JohannesEvangelium; denn es ist unmöglich, das ganze Johannes-Evangelium zu erklären. Es heißt selbst im Johannes-Evangelium:
[ 39 ] This intolerance will continue to grow in the future, and Christianity will face its greatest danger precisely from those who currently believe they can call themselves good Christians. Through these nominal Christians, Christianity will face severe attacks in spiritual science. For all concepts will have to change if a true spiritual understanding of Christianity is to take hold. Above all, the legacy of the author of the Gospel of John—the great school of “Virgin Sophia”—and the Gospel of John itself will have to take root more and more in people’s souls and be understood. But only spiritual science can lead us deeper into the Gospel of John. These lectures are intended merely to offer a sample of how spiritual science can introduce us to the Gospel of John; for it is impossible to explain the entire Gospel of John. It is even stated in the Gospel of John itself:
«Es sind auch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; so sie aber sollten eins nach dem andern geschrieben werden, achte ich, die Welt würde die Bücher nicht begreifen, die zu schreiben wären.» (21, 25)
“There are also many other things that Jesus did; but if they were all written down one by one, I suppose the world could not contain the books that would be written.” (21:25)
[ 40 ] Ebensowenig wie das Johannes-Evangelium selber in allen Einzelheiten ausführlich sein konnte in bezug auf das Ereignis von Palästina, ebensowenig kann der längste Vortragszyklus alles das bringen, was in dem Johannes-Evangelium an spirituellem Inhalt darinnen liegt. Deshalb begnügen wir uns mit den Andeutungen, die diesmal gegeben werden konnten. Begnügen wir uns aber in dem Sinne, daß durch solche Andeutungen gerade das wirkliche Testament des Christentums im Verlaufe der Menschheitsentwickelung ausgeführt wird. Und lassen wir dies alles in dem Sinne auf uns wirken, daß wir die Kraft haben, festzustehen auf dem Boden dessen, was wir im JohannesEvangelium erkennen, wenn andere kommen, die da sagen: Ihr gebt uns zu komplizierte Begriffe, viele Begriffe, die man sich erst aneignen soll, um das Evangelium zu begreifen, denn das Evangelium ist für die Einfachen und Naiven da, und denen darf man nicht mit vielen Begriffen und Vorstellungen kommen! - So sagen gegenwärtig viele. Sie berufen sich vielleicht auf einen anderen Spruch:
[ 40 ] Just as the Gospel of John itself could not go into every detail regarding the events in Palestine, so too the longest series of lectures cannot convey all the spiritual content contained in the Gospel of John. Therefore, let us be content with the hints that could be given on this occasion. But let us be content in the sense that through such hints, the true testament of Christianity is carried out in the course of human development. And let us allow all this to take effect upon us in such a way that we have the strength to stand firm on the ground of what we recognize in the Gospel of John when others come who say: “You are giving us concepts that are too complicated—many concepts that one must first master in order to understand the Gospel—for the Gospel is meant for the simple and the naive, and one must not burden them with many concepts and ideas!”—This is what many say today. They may refer to another saying:
«Selig sind die Armen im Geiste, denn ihnen wird das Himmelreich werden.» (Matth. 5, 3)
“Blessed are the poor in spirit, for theirs is the kingdom of heaven.” (Matt. 5:3)
[ 41 ] Auf einen solchen Ausspruch kann man sich nur so lange berufen, solange man ihn nicht richtig versteht. Denn er heißt wirklich:
[ 41 ] One can only invoke such a statement as long as one does not understand it correctly. For what it really means is:
«Selig sind die Bettler im Geiste, denn sie werden in sich selbst die Reiche der Himmel erlangen.»
“Blessed are the beggars in spirit, for they will attain the kingdom of heaven within themselves.”
[ 42 ] Das heißt: Diejenigen, die da sind wie die Bettler um Geist, die an Geist immer mehr aufnehmen wollen, die finden in sich die Reiche der Himmel!
[ 42 ] In other words: Those who are like beggars for the Spirit, who wish to absorb more and more of the Spirit, will find the kingdoms of heaven within themselves!
[ 43 ] Man hat gegenwärtig nur zu sehr die Meinung, daß alles Religiöse identisch sei mit allem Primitiven und Einfachen. Man sagt: Der Wissenschaft gestehen wir es zu, daß sie viele und komplizierte Begriffe habe; dem Glauben und der Religion aber gestehen wir das nicht zu. Glaube und Religion - so sagen viele «Christen» — müssen einfach und naiv sein! Das verlangen sie; und manche mögen sich dabei berufen auf eine Anschauung, die vielleicht wenig genannt wird, die aber jetzt doch viel in den Gemütern spukt und die Voltaire, einer der großen Lehrer des Materialismus, geäußert hat: Wer da will ein Prophet sein, der muß Glauben finden, denn das, was er vorbringt, muß ihm geglaubt werden, und nur das Einfache, das immer wieder in seiner Einfachheit wiederholt wird, das allein findet Glauben.
[ 43 ] These days, people are all too quick to assume that everything religious is identical to everything primitive and simple. They say: We acknowledge that science has many complex concepts; but we do not grant the same to faith and religion. Faith and religion—so say many “Christians”—must be simple and naive! That is what they demand; and some may invoke a view that is perhaps rarely mentioned, but which nevertheless haunts many minds today and which Voltaire, one of the great teachers of materialism, expressed: “Whoever wishes to be a prophet must find faith, for what he puts forward must be believed, and only that which is simple—repeated again and again in its simplicity—finds faith.”
[ 44 ] So ist es vielfach gegenwärtig bei vielen Propheten, den wahren und falschen. Sie bemühen sich, etwas zu sagen und es immer wieder zu wiederholen, und die Leute lernen es glauben, weil es immer wiederholt wird. Der Vertreter der Geisteswissenschaft soll und will kein solcher Prophet sein. Er will überhaupt kein Prophet sein. Und man mag ihm noch so sehr sagen: Ja, du wiederholst ja nicht nur, sondern immer wieder werden die Dinge von anderen Seiten beleuchtet, immer wieder werden die Dinge in anderer Weise besprochen, — wenn so von ihm gesagt wird, bezichtigt er sich keines Fehlers. Ein Prophet will, daß man an ihn glaubt; die Geisteswissenschaft will aber nicht zum Glauben, sondern zum Erkennen führen. Deshalb nehmen wir Voltaites Ausspruch im andern Sinn auf: «Das Einfache wird geglaubt und ist Sache des Propheten», sagt er. «Das Mannigfaltige aber wird erkannt», sagt die Geisteswissenschaft.
[ 44 ] This is often the case today with many prophets, both true and false. They strive to say something and repeat it over and over again, and people come to believe it because it is repeated so often. The representative of spiritual science should not and does not wish to be such a prophet. He does not wish to be a prophet at all. And no matter how much people may say to him: “Yes, you do not merely repeat things, but time and again you shed light on them from different angles, time and again you discuss them in different ways”—when such things are said of him, he does not admit to any fault. A prophet wants people to believe in him; spiritual science, however, does not seek to lead to belief, but to knowledge. That is why we take Voltaire’s saying in the opposite sense: “The simple is believed and is the province of the prophet,” he says. “But the manifold is known,” says spiritual science.
[ 45 ] Versuchen wir, immer mehr uns damit bekannt zu machen, daß Geisteswissenschaft etwas ist, was mannigfaltig ist, nicht ein Glaubensbekenntnis, sondern ein Weg zur Erkenntnis, daß sie daher die Mannigfaltigkeit erträgt. Deshalb scheuen wir uns nicht, vieles herbeizutragen, um eine der wichtigsten Urkunden des Christentums, das Johannes-Evangelium, zu verstehen. Deshalb versuchten wir, die mannigfaltigsten Materialien herbeizutragen, die uns in die Lage versetzen, die tiefen Wahrheiten des Johannes-Evangeliums immer mehr zu verstehen; zu verstehen, wie die leibliche Mutter des Jesus eine äußere Offenbarung, ein Abbild ist für die «Jungfrau Sophia » ; was für den Mysterienschüler, den Christus lieb hatte, geistig die «Jungfrau Sophia» gilt; wie dann noch für die anderen Evangelisten, die auf leibliche Abkunft schauen, hineinspielt der leibliche Vater, der seine Bedeutung da hat, wo es auf die äußere Ausprägung des Gottesbegriffes im Blute ankommt; was ferner für Johannes der «Heilige Geist » bedeutet, durch den der Christus in Jesus gezeugt wurde während der drei Jahre, der Geist, der uns angedeutet wird symbolisch dadurch, daß herunterstieg die Taube bei der Johannes-Taufe.
[ 45 ] Let us strive to become increasingly familiar with the fact that spiritual science is multifaceted—not a creed, but a path to knowledge—and that it therefore embraces diversity. That is why we do not shy away from bringing in a wide variety of material to help us understand one of the most important texts of Christianity, the Gospel of John. That is why we have sought to bring together the most diverse materials, which enable us to understand the profound truths of the Gospel of John more and more deeply; to understand how the physical mother of Jesus is an outward manifestation, an image of the “Virgin Sophia ”; what the “Virgin Sophia” signifies spiritually for the initiate whom Christ loved; and how, for the other evangelists who focus on physical descent, the biological father plays a role—his significance lies in the external expression of the concept of God through blood; furthermore, for John, this signifies the “Holy Spirit,” through whom Christ was begotten in Jesus during the three years—the Spirit symbolically indicated to us by the dove descending at John’s baptism.
[ 46 ] Verstehen wir also zu nennen den «Heiligen Geist» den Vater des Christus Jesus, der ausgeboren hat in den Leibern des Jesus den Christus, so werden wir, wenn wir eine Sache von allen Seiten erfassen können, leicht finden, daß diejenigen Schüler, die weniger eingeweiht waren, uns auch nicht ein so tiefes Bild von den Ereignissen in Palästina geben konnten als der Jünger, den der Herr lieb hatte. Und wenn die Leute gegenwärtig von den Synoptikern sprechen, die ihnen einzig und allein maßgebend sind, so beweist das nur, daß die Leute nicht den Willen haben, sich aufzuschwingen zu dem Verständnis der wahren Gestalt des Johannes-Evangeliums. Denn jeder gleicht dem Geist, den er begreift!
[ 46 ] If we understand, then, that the “Holy Spirit” is the Father of Christ Jesus, who was born into the body of Jesus the Christ, then—if we are able to grasp a matter from all sides—we will easily find that those disciples who were less initiated could not give us as profound a picture of the events in Palestine as the disciple whom the Lord loved. And when people today speak of the Synoptic Gospels—which they regard as their sole and definitive authority—this only proves that they lack the will to rise to an understanding of the true nature of the Gospel of John. For everyone resembles the spirit they comprehend!
[ 47 ] Versuchen wir das, was wir lernen können durch die anthroposophische Geisteswissenschaft über das Johannes-Evangelium, zum Gefühl, zur Empfindung zu machen, so werden wir erfahren, daß das Johannes-Evangelium nicht nur eine Lehrschrift, sondern eine Kraft ist, die in unserer Seele wirken kann.
[ 47 ] If we try to transform what we can learn through anthroposophical spiritual science about the Gospel of John into a feeling, into a sensation, we will discover that the Gospel of John is not merely a doctrinal text, but a force that can work within our souls.
[ 48 ] Haben diese kurzen Vorträge in Ihnen das Gefühl hervorgerufen, daß das Johannes-Evangelium nicht nur das enthält, was hier ausgesprochen ist, sondern daß es auch auf dem Umweg durch Worte die Kraft enthält, die die Seele selbst weiter bringt, dann ist das richtig verstanden worden, was eigentlich mit diesen Vorträgen gemeint ist. Denn mit diesen Vorträgen ist nicht nur gemeint etwas für den Verstand, für das intellektuelle Auffassungsvermögen; sondern das, was durch das intellektuelle Auffassungsvermögen seinen Umweg nimmt, soll sich verdichten zu Gefühlen und Empfindungen, und die Gefühle und Empfindungen sollen ein Resultat sein aus den Einzelheiten, die vorgetragen worden sind. Wenn das in einem gewissen Sinne richtig verstanden wird, dann wird man auch verstehen, was es heißt, die anthroposophische Bewegung habe die Sendung, das Christentum zur Weisheit zu erheben, das Christentum auf dem Umwege durch die spirituelle Weisheit richtig zu verstehen. Man wird verstehen, daß das Christentum erst im Anfang seines Wirkens ist und seine wahre Mission erst dann erfüllen wird, wenn es in seiner wahren, das heißt geistigen Gestalt verstanden wird. Je mehr diese Vorträge in diesem Sinne aufgefaßt werden, desto mehr sind sie begriffen in dem Sinne, wie sie gemeint waren.
[ 48 ] If these short lectures have given you the feeling that the Gospel of John contains not only what has been expressed here, but also—through the circuitous path of words—the power that carries the soul itself forward, then you have correctly understood what these lectures are actually meant to convey. For these lectures are not intended merely as food for the mind or for intellectual comprehension; rather, what takes its circuitous path through intellectual comprehension is meant to condense into feelings and sensations, and these feelings and sensations are to arise from the details that have been presented. If this is understood correctly in a certain sense, then one will also understand what it means that the anthroposophical movement has the mission to elevate Christianity to wisdom—to understand Christianity correctly through the detour of spiritual wisdom. One will understand that Christianity is only at the beginning of its work and will fulfill its true mission only when it is understood in its true, that is, spiritual form. The more these lectures are understood in this sense, the more they are grasped in the way they were intended.
