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The Rudolf Steiner Archive

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The Gospel of St. John
GA 103

30 May 1908 p.m., Hamburg

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Elfter Vortrag

Eleventh Lecture

[ 1 ] Sollen wir unsere ganzen Kursusbetrachtungen zuspitzen auf die tiefere Erfassung des Johannes-Evangeliums, auf die Worte «Vater und Mutter Jesu» und dadurch auf das Wesen des Christentums im Sinne des Johannes-Evangeliums überhaupt, dann müssen wir uns einmal jetzt die Materialien erwerben, um den Mutter- und VaterBegriff in seinem geistigen Sinne zu verstehen, wie er gemeint ist im Johannes-Evangelium und zu gleicher Zeit in seinem wirklichen Sinne. Denn es handelt sich nicht um allegorische und symbolische Ausdeutungen.

[ 1 ] If we are to focus all our reflections in this course on a deeper understanding of the Gospel of John, on the words “Father and Mother of Jesus,” and thereby to the very essence of Christianity as understood in the Gospel of John, then we must now acquire the necessary materials to understand the concepts of “mother” and “father” in their spiritual sense, as intended in the Gospel of John, and at the same time in their literal sense. For this is not a matter of allegorical or symbolic interpretations.

[ 2 ] Da müssen wir vor allem verstehen, was es heißt: sich mit den höheren geistigen Welten zu vereinigen, sich bereitzumachen, die höheren Welten aufzunehmen. Wir müssen dabei das Wesen der Einweihung, insbesondere im Hinblick auf das Johannes-Evangelium ins Auge fassen. Wer ist ein Eingeweihter?

[ 2 ] Above all, we must understand what it means to unite with the higher spiritual worlds, to prepare ourselves to receive the higher worlds. In doing so, we must consider the essence of initiation, particularly in light of the Gospel of John. Who is an initiate?

[ 3 ] Zu allen Zeiten der nachatlantischen Menschheitsentwickelung war ein Eingeweihter der, der sich erheben konnte über die äußere physisch-sinnliche Welt und eigene Erlebnisse, eigene Erfahrungen haben konnte in den geistigen Welten, der also die geistige Welt so erlebt, wie der Mensch durch seine äußeren Sinne, Augen, Ohren und so weiter, die physisch-sinnliche Welt erlebt. Ein solcher Eingeweihter ist also ein Zeuge für die geistigen Welten und ihre Wahrheit. Das ist das eine. Dann kommt aber noch etwas wesentlich anderes hinzu, was jeder Eingeweihte als eine besondere Eigenschaft während der Einweihung erwirbt, das ist, daß er sich auch erhebt über die Gefühle und Empfindungen, die innerhalb der physischen Welt durchaus nicht nur berechtigt, sondern auch tief notwendig sind, die aber nicht in derselben Weise in der geistigen Welt vorhanden sein können.

[ 3 ] Throughout the entire post-Atlantean evolution of humanity, an initiate was one who could rise above the outer physical-sensory world and have personal experiences in the spiritual worlds—that is, one who experiences the spiritual world in the same way that a human being experiences the physical-sensory world through their outer senses: eyes, ears, and so on. Such an initiate is therefore a witness to the spiritual worlds and their truth. That is one aspect. But then there is something else entirely different that every initiate acquires as a special quality during initiation: namely, that he also rises above the feelings and sensations that are not only entirely justified but also deeply necessary within the physical world, yet cannot exist in the same way in the spiritual world.

[ 4 ] Mißverstehen Sie das nicht und fassen Sie das nicht so auf, als ob der, der als Eingeweihter imstande ist, außer der physischen Welt auch noch die geistige Welt zu erleben, sich nun alle anderen menschlichen Gefühle und Empfindungen abgewöhnen muß, die hier in der physischen Welt Wert haben, und dafür eintauscht die anderen Gefühle für die höheren Welten. So ist es nicht. Er tauscht nicht das eine für das andere ein, sondern er erwirbt sich eines zum andern hinzu. Wenn der Mensch auf der einen Seite seine Gefühle vergeistigen muß, muß er auf der anderen Seite auch wiederum um so stärker jene Gefühle haben, die zum Arbeiten in der physischen Welt brauchbar machen. In dem Sinne ist es aufzufassen, wenn man für den Eingeweihten das Wort braucht: Er muß in einer gewissen Beziehung ein heimatloser Mensch werden. Nicht, als ob er der Heimat und der Familie im geringsten Grade entfremdet werden müßte, solange er in der physischen Welt lebt, sondern das Wort hat höchstens insofern etwas damit zu tun, als durch Aneignung der entsprechenden Gefühle in der geistigen Welt die Gefühle für die physische Welt eine feinere, schönere Ausbildung erfahren werden. Was ist ein «heimatloser Mensch»? Ohne dies Prädikat kann niemand im wahren Sinne des Wortes die Einweihung erlangen. Ein «heimatloser Mensch» sein heißt: Ein Mensch darf keine Spezialsympathien in der geistigen Welt entwickeln, die ähnlich sind jenen Spezialsympathien, die der Mensch hier in der physischen Welt für einzelne spezielle Gebiete und Zusammenhänge hat. Der einzelne Mensch in der physischen Welt gehört zu diesem oder jenem Volke, zu dieser oder jener Familie, zu dieser oder jener Staatsgemeinschaft; das ist alles recht so. Dies braucht er nicht zu verlieren, hier braucht er das. Wenn er aber diese Gefühle anwenden wollte in der geistigen Welt, würde er eine sehr schlimme Mitgift mitbringen für die geistige Welt. Da heißt es nicht, irgendeine Sympathie für etwas zu entwickeln, sondern alles auf sich objektiv wirken zu lassen, nach dem im Objekte liegenden Wert. Man könnte auch sagen, wenn das allgemein verstanden würde: Ein objektiver Mensch im vollen Sinne des Wortes muß der Eingeweihte werden.

[ 4 ] Do not misunderstand this, and do not interpret it to mean that someone who, as an initiate, is capable of experiencing not only the physical world but also the spiritual world, must now give up all other human feelings and sensations that have value here in the physical world, exchanging them for feelings related to the higher worlds. That is not the case. He does not exchange one for the other, but rather acquires one in addition to the other. If, on the one hand, a person must spiritualize his feelings, he must, on the other hand, possess all the more strongly those feelings that make him capable of working in the physical world. It is in this sense that the saying about the initiate must be understood: In a certain respect, he must become a homeless person. Not that he must become estranged in the slightest from his homeland and family as long as he lives in the physical world, but the phrase has something to do with this only insofar as, through the acquisition of the corresponding feelings in the spiritual world, his feelings for the physical world will undergo a finer, more beautiful development. What is a “homeless person”? Without this quality, no one can attain initiation in the true sense of the word. To be a “homeless person” means: A person must not develop any special affinities in the spiritual world that are similar to those special affinities a person has here in the physical world for individual specific regions and contexts. The individual in the physical world belongs to this or that people, to this or that family, to this or that nation; that is all well and good. He need not lose this; he needs it here. But if he were to apply these feelings in the spiritual world, he would bring a very harmful burden with him into the spiritual world. There, it is not a matter of developing any kind of sympathy for something, but rather of allowing everything to affect one objectively, according to the value inherent in the object. One could also say, if this were generally understood: An objective person in the full sense of the word must become the initiate.

[ 5 ] Nun ist die Menschheit gerade durch ihre Entwickelung auf unserer Erde herausgekommen aus einer früheren, mit dem alten dämmerhaften hellseherischen Bewußtsein verbundenen Heimatlosigkeit. Wir haben ja gesehen, wie die Menschheit heruntergestiegen ist aus den geistigen Sphären in die physische Welt. In den ursprünglichen geistigen Sphären gab es so etwas wie Patriotismus und dergleichen nicht. Als die Menschen herunterstiegen aus den geistigen Sphären, bevölkerte der eine Teil die Erde hier, der andere Teil bevölkerte sie dort; und da wurden die einzelnen Menschengruppen bestimmter Gebiete ein Abklatsch dieser Gebiete. Glauben Sie nicht, daß der Neger bloß aus inneren Gründen schwarz wurde, sondern auch durch die Anpassung an sein Erdgebiet ist er schwarz geworden, und mit den Weißen verhält es sich ebenso. Und ebenso wie die großen Unterschiede in bezug auf Farbe und Rasse, so sind auch die kleineren Unterschiede der Völkerindividualitäten dadurch entstanden, daß der Mensch etwas angenommen hat durch den Zusammenhang mit seiner Umgebung. Das hängt aber auch wieder zusammen mit der Spezialisierung der Liebe auf der Erde. Dadurch, daß sich die Menschen unähnlich geworden sind, wurde die Liebe zuerst in kleinen Gemeinschaften begründet. Nach und nach erst, aus den kleinen Gemeinschaften heraus, können sich die Menschen hinentwickeln zu einer großen Liebesgemeinschaft, wie sie sich konkret gerade durch die Einpflanzung des Geistselbstes entwickeln wird. So mußte der Eingeweihte gleichsam vorausnehmen, wozu die Menschheitsentwickelung wieder drängt: alle Schranken zu überwinden, zu überbrücken, den großen Frieden, die große Harmonie und Brüderlichkeit auszubilden. Der Eingeweihte muß in seiner Heimatlosigkeit schon von vornherein immer die gleichen Keime aufnehmen zu der großen Bruderliebe. Das wurde symbolisch angedeutet in alten Zeiten dadurch, daß geschildert wird, was der Eingeweihte alles für Wanderungen durchgemacht hat, zum Beispiel bei Pythagoras. Warum wurde das geschildert? Damit er mit seinen Gefühlen, die innerhalb der inneren Gemeinschaft ausgebildet werden, allem gegenüber objektiv werde.

[ 5 ] Now, it is precisely through its evolution on Earth that humanity has emerged from an earlier state of rootlessness associated with the old, twilight-like clairvoyant consciousness. We have seen, after all, how humanity descended from the spiritual spheres into the physical world. In the original spiritual spheres, there was no such thing as patriotism or the like. When human beings descended from the spiritual spheres, one group settled here on Earth, another group settled there; and thus the individual human groups in certain regions became a reflection of those regions. Do not think that the Black person became black merely for internal reasons; rather, he also became black through adaptation to his region on Earth, and the same is true of white people. And just as there are great differences in color and race, so too have the smaller differences in national characteristics arisen because human beings have adopted certain traits through their connection with their surroundings. But this, in turn, is also connected to the specialization of love on Earth. Because human beings have become dissimilar, love was first established within small communities. Only gradually, starting from these small communities, can human beings evolve into a great community of love—as will indeed come to pass through the implantation of the spiritual self. Thus, the initiate had to, as it were, anticipate what human evolution is once again striving toward: overcoming and bridging all barriers, and fostering great peace, great harmony, and brotherhood. In his state of homelessness, the initiate must, from the very beginning, always absorb the same seeds of this great brotherly love. This was symbolically indicated in ancient times by descriptions of all the journeys the initiate had undergone, for example, in the case of Pythagoras. Why was this described? So that, with the feelings cultivated within the inner community, he might become objective toward everything.

[ 6 ] Nun ist es die Aufgabe des Christentums, den Impuls zu dieser Brüderlichkeit, das, was der Eingeweihte immer als einzelnen Impuls hatte, der ganzen Menschheit beizubringen. Fassen wir einmal ins Auge jene tiefste Idee des Christentums, daß der Christus der Geist der Erde ist und die Erde der Leib oder das Kleid des Christus. Und nehmen wir das wörtlich; denn wir haben gesagt, daß wir eine solche Urkunde wie das Johannes-Evangelium in den einzelnen Worten auf die Goldwaage legen müssen. Was erfahren wir in bezug auf «das Kleid» der Erde, wenn wir die Entwickelung überblicken? Wir erfahren, daß zunächst dieses Kleid der Erde, das heißt die festen Teile der Erde getrennt wurden. Der eine ergriff von dem, der andere von jenem Besitz. Das eine gehörte dem, das andere dem. Der Besitz, die Erweiterung der Persönlichkeit durch Aneignung von Eigentum, das ist, in was man in einer gewissen Beziehung das Kleid, das der Christus, der Geist der Erde, trägt, geteilt hat im Laufe der Zeit. Nur eines konnte nicht geteilt werden, sondern gehörte allen, das ist die Lufthülle, die um die Erde herum ist. Und aus dieser Lufthülle heraus, wie uns in der Paradiesesmythe angedeutet wird, wurde dem Menschen der lebendige Odem eingeblasen. Damit haben wir die erste Anlage des Ich im physischen Leibe. Die Luft kann nicht geteilt werden.

[ 6 ] Now it is the task of Christianity to teach all of humanity the impulse toward this brotherhood—that which the initiate has always experienced as an individual impulse. Let us consider for a moment that deepest idea of Christianity: that Christ is the Spirit of the Earth, and the Earth is the body or the garment of Christ. And let us take this literally; for we have said that we must weigh a text such as the Gospel of John on a gold scale, word by word. What do we learn regarding “the garment” of the Earth when we survey its development? We learn that, to begin with, this garment of the Earth—that is, the solid parts of the Earth—were separated. One took possession of one part, the other of another. One belonged to one, the other to the other. Possession—the expansion of the personality through the acquisition of property—is what, in a certain sense, the garment worn by Christ, the Spirit of the Earth, has been divided into over the course of time. Only one thing could not be divided but belonged to all: the atmosphere surrounding the Earth. And from this atmosphere, as the myth of Paradise suggests, the breath of life was breathed into humankind. This marks the first emergence of the “I” in the physical body. Air cannot be divided.

[ 7 ] Versuchen wir einmal, ob uns der, der das Christentum am tiefsten im Johannes-Evangelium schildert, dies irgendwie andeutet:

[ 7 ] Let’s see if the one who describes Christianity most profoundly in the Gospel of John hints at this in any way:

«Und sie zerissen sein Kleid; den Rock aber, den zerissen sie nicht.» (Vgl. 19, 23/24)

“And they tore his garment; but they did not tear his tunic.” (See 19:23–24)

[ 8 ] Hier haben Sie das Wort, das Ihnen Aufschluß gibt, wie die Erde als Ganzes samt ihrer Lufthülle der Leib oder das Kleid und der Rock des Christus ist. In Kontinente und Gebiete ist das Kleid des Christus geteilt worden, nicht aber der Rock. Die Luft ist nicht geteilt worden, sie gehört allen gemeinsam. Sie ist das äußere materielle Symbolum für die den Erdkreis umspielende Liebe, die später sich realisieren wird.

[ 8 ] Here is the word that explains how the Earth as a whole, together with its atmosphere, is the body, or the tunic and the robe, of Christ. Christ’s tunic has been divided into continents and regions, but not His robe. The atmosphere has not been divided; it belongs to everyone in common. It is the outer, material symbol of the love that surrounds the globe, which will later be realized.

[ 9 ] Und in vielen anderen Beziehungen muß das Christentum die Menschen dahin bringen, als Menschheit etwas aufzunehmen von dem alten Einweihungsprinzip. Wollen wir das verstehen, dann müssen wir einmal die Einweihung charakterisieren. Es genügt für uns, wenn wir im wesentlichen die drei Haupttypen der Einweihung ins Auge fassen: die alte Yoga-Einweihung, die eigentlich spezifisch christliche Einweihung und die, die eigentlich für den heutigen Menschen die absolut passende ist, die christlich-rosenkreuzerische Einweihung. Und nun wollen wir einmal schildern, wie die Einweihung überhaupt im Prinzip für alle drei Einweihungsformen verläuft, was sie ist und was sie vorstellt.

[ 9 ] And in many other respects, Christianity must lead people to embrace, as humanity, something of the ancient principle of initiation. If we are to understand this, we must first characterize initiation. It is sufficient for us to consider, in essence, the three main types of initiation: the ancient yogic initiation, the specifically Christian initiation, and the one that is absolutely most suitable for people today—the Christian-Rosicrucian initiation. And now let us describe how initiation generally proceeds in principle for all three forms of initiation, what it is, and what it represents.

[ 10 ] Wodurch wird ein Mensch fähig, in die geistigen Welten hineinzuschauen? Nun, wodurch sind Sie fähig geworden, die physische Welt wahrzunehmen? Der physische Leib hat Sinnesorgane dafür. Wenn Sie die Menschheitsentwickelung weit zurück verfolgen, dann werden Sie finden, daß in Urzeiten der Mensch noch nicht Augen zum Sehen, Ohren zum Hören hatte in der physischen Welt, sondern daß das alles noch «undifferenzierte, gleichgültige Organe» waren, wie Goethe sagt. Zum Beweis dafür können Sie daran denken, wie gewisse niedere Tiere heute noch diese gleichgültigen Organe haben. Punkte haben gewisse niedere Tiere, wodurch sie nur Licht und Dunkel unterscheiden können. Und aus diesen gleichgültigen Organen ist nach und nach herausplastiziert, herausgeformt worden, was Auge und Ohr ist. Das ist hineingearbeitet worden in die plastische Substanz des physischen Leibes. Und indem Ihr Auge ausmodelliert worden ist, entstand für Sie die physische Welt der Farben, indem Ihr Ohr herausmodelliert worden ist, entstand die physische Welt der Töne.

[ 10 ] What enables a person to look into the spiritual worlds? Well, what has enabled you to perceive the physical world? The physical body has sensory organs for that. If you trace human evolution far back, you will find that in primeval times, human beings did not yet have eyes to see or ears to hear in the physical world, but that all of these were still “undifferentiated, indifferent organs,” as Goethe says. As proof of this, you can consider how certain lower animals still possess these indifferent organs today. Certain lower animals have simple sensory points through which they can distinguish only between light and darkness. And from these indifferent organs, the eye and the ear were gradually sculpted and shaped. This was worked into the plastic substance of the physical body. And as your eye was sculpted, the physical world of colors came into being for you; as your ear was sculpted, the physical world of sounds came into being.

[ 11 ] Niemand hat ein Recht zu sagen, daß eine Welt nicht wirklich sei; er darf nur sagen: Ich nehme sie nicht wahr. Denn die Welt im wirklichen Sinne sehen heißt: Ich habe Organe, sie wahrzunehmen. Man darf sagen: Ich kenne nur diese oder jene Welt; man darf aber nicht sagen: Ich lasse die Welt, die der andere wahrnimmt, nicht gelten. Denn der, der so spricht, verlangt, daß auch die anderen nichts anderes wahrnehmen dürfen als er; er verlangt autoritativ, daß nur das gilt, was er sieht. Wenn heute jemand auftritt und sagt: Das ist eine anthroposophische 'Träumerei, so etwas, wie es die Anthroposophen behaupten, gibt es nicht, - so beweist er nur, daß er und seinesgleichen solche Welten nicht wahrnehmen. Wir stellen uns auf den Ja-Standpunkt der Dinge. Wer aber nur das gelten läßt, was er wahrnimmt, der verlangt nicht nur, daß wir das zugeben, was er weiß, sondern der will autoritativ entscheiden über das, was er nicht weiß. Es gibt keine schlimmere Intoleranz als die, die heute von der offiziellen Wissenschaft der Geisteswissenschaft entgegengebracht wird, und die wird sich noch zu einer viel schlimmeren entwickeln, als sie jemals vorhanden war. Sie tritt unter den verschiedensten Formen auf. Die Menschen haben gar kein Bewußtsein dafür, daß sie irgend etwas sagen, was sie gar nicht sagen dürften. Bei vielen Versammlungen, die aus recht guten Christen bestehen, kann man es hören: Die Anthroposophen reden von irgendeiner christlichen Geheimlehre, aber das Christentum bedarf keiner Geheimlehre; denn es darf nur das gelten, was auch das einfache, schlichte Gemüt wahrnehmen und verstehen kann! — das heißt natürlich nichts anderes, als was er, der einzelne, der gerade redet, wahrnehmen und verstehen kann. Also er verlangt, daß keiner etwas anderes verstehe und wahrnehme als er. Die Unfehlbarkeit des Papstes wird mit Recht in solchen christlichen Versammlungen nicht zugegeben. Aber die Unfehlbarkeit der eigenen Persönlichkeit wird heute im weitesten Umfange, auch bei Christen, für die eigene Person in Anspruch genommen. Die Anthroposophie wird vom Standpunkte des Papsttums aus bekämpft, wo sich jeder selbst zu einer Art von Päpstlein aufwirft.

[ 11 ] No one has the right to say that a world is not real; one may only say: “I do not perceive it.” For to see the world in the true sense means: “I have the senses to perceive it.” One may say, “I know only this or that world”; but one must not say, “I do not accept the world that others perceive.” For whoever speaks in this way demands that others, too, perceive nothing other than what he does; he authoritatively demands that only what he sees be considered valid. If someone were to come forward today and say, “This is anthroposophical ‘daydreaming’; there is no such thing as what the anthroposophists claim”—he would only prove that he and his kind do not perceive such worlds. We take the affirmative stance toward these matters. But anyone who accepts only what he perceives not only demands that we acknowledge what he knows, but also seeks to decide authoritatively on matters he does not know. There is no worse intolerance than that which official science directs toward spiritual science today, and this will develop into something far worse than it has ever been. It manifests itself in the most diverse forms. People are completely unaware that they are saying things they really ought not to say. At many gatherings of quite good Christians, one can hear it: The anthroposophists speak of some kind of Christian esoteric teaching, but Christianity has no need for esoteric teachings; for only what even the simple, unpretentious mind can perceive and understand may be considered valid! — which, of course, means nothing other than what he, the individual who is speaking at that moment, can perceive and understand. Thus, he demands that no one understand or perceive anything other than what he does. The infallibility of the Pope is rightly not acknowledged in such Christian gatherings. But the infallibility of one’s own personality is claimed today to the greatest extent, even among Christians, for one’s own person. Anthroposophy is opposed from the standpoint of the papacy, where everyone sets himself up as a sort of little pope.

[ 12 ] Wenn wir bedenken, daß die physisch-sinnliche Welt dadurch für uns vorhanden ist, daß die einzelnen Organe in den physischen Leib hineinziseliert worden sind, dann wird es auch nicht mehr auffällig erscheinen, wenn gesagt wird: Die Wahrnehmung in einer höheren Welt beruht darauf, daß in die höheren Glieder der menschlichen Wesenheit, in Ätherleib und astralischen Leib, solche höhere Organe hineingebaut werden. Der physische Leib ist heute mit seinen Organen in dieser Weise schon ausgerüstet, der Ätherleib und Astralleib noch nicht; da müssen sie erst hineinziseliert werden. Sind sie darinnen, dann entsteht das, was man die Wahrnehmung in den höheren Welten nennt.

[ 12 ] If we consider that the physical-sensory world exists for us because the individual organs have been incorporated into the physical body, then it will no longer seem surprising when it is said: Perception in a higher world is based on the fact that such higher organs are built into the higher members of the human being—the etheric body and the astral body. The physical body, with its organs, is already equipped in this way today; the etheric body and astral body are not yet; they must first be chiseled into them. Once they are there, what is called perception in the higher worlds comes into being.

[ 13 ] Wir wollen jetzt davon sprechen, wie man diese Organe in den Äther- und Astralleib hineinbaut. Wir sagten, daß bei dem, der die Einweihung anstrebt und erhält, die höheren Organe herausmodelliert werden. Wie macht man das? Es handelt sich darum, daß man den Astralleib des Menschen abfaßt da, wo er in seiner Reinheit zu haben ist. Während der astralische Leib im Tagwachen untergetaucht ist in den physischen Leib, wirken die Kräfte des physischen Leibes auf den Astralleib; da hat man ihn also nicht frei. Da folgt er dem, was der physische Leib will, da kann man sozusagen nichts anfangen mit ihm. Man kann etwas anfangen mit ihm, man kann nur dann ihn modellieren, wenn er im Schlafe aus dem physischen Leibe heraus ist. Nur dadurch kann der Astralleib eines Menschen die höheren Sinnesorgane ausgebildet erhalten, daß man sie ihm hineinziseliert, während er außerhalb des physischen Leibes ist, im Schlafe. Nun kann man aber am schlafenden Menschen nicht herumhantieren. Das wäre beim heutigen Menschen nicht möglich, wenn er das, was mit ihm geschieht, wahrnehmen soll. Wenn Sie ihn im bewußtlosen Zustande haben, kann er das nicht wahrnehmen. Hier scheint ein Widerspruch vorzuliegen, denn der Astralleib ist sich seines Zusammenhanges mit dem physischen Leibe nicht bewußt, während der Mensch schläft. Aber indirekt geht es zu machen dadurch, daß man während des Tagwachens auf den physischen Leib wirkt, so daß die Eindrücke, die der physische Leib während des Tagwachens erhält, im Astralleib bleiben, wenn dieser sich herauszieht. Geradeso wie sonst im Astralleib die Eindrücke, die er durch die umliegende physische Welt erhält, eingedrückt sind, so muß man etwas ganz Spezifisches mit dem physischen Leibe anfangen, damit das sich in den astralischen Leib eindrückt und dann in der entsprechenden Weise ausgebildet wird. Das geschieht nun, indem der Mensch nicht immer so in den Tag hineinlebt, wie es sonst der Fall ist, und Eindrücke von da und dort hereinkommen läßt, sondern indem er in der durch eine methodische Schulung vorgeschriebenen Art sein inneres Leben in die Hand nimmt. Man nennt das Meditation, Konzentration oder Kontemplation. Das sind Übungen, die ebenso streng vorgeschrieben sind in den entsprechenden Schulen wie in den Laboratorien das Mikroskopieren und so weiter. Wenn ein Mensch solche Übungen macht, wirken sie so intensiv auf ihn ein, daß der astralische Leib, wenn er herausrutscht während des Schlafes, sich plastisch umgestaltet. Gerade so wie der Schwamm hier, solange ich ihn in meiner Hand habe, sich den Formen der Hand anpaßt, aber sobald ich ihn wieder loslasse, sich wieder nach den Kräften formt, die in ihm sind, ebenso ist es mit dem astralischen Leibe: Wenn er im Schlafe aus der Leiblichkeit heraustritt, folgt er den astralischen Kräften, die in ihm angelegt sind. So muß man während des Tagwachens diejenigen geistigen Verrichtungen vornehmen, durch welche in der Nacht der astralische Leib sich so plastisch gestaltet, daß er in sich die Organe bildet zum höheren Wahrnehmen.

[ 13 ] Let us now discuss how these organs are incorporated into the etheric and astral bodies. We said that in the person who strives for and receives initiation, the higher organs are shaped out. How is this done? It involves taking the human astral body where it can be found in its purest form. While the astral body is immersed in the physical body during waking hours, the forces of the physical body act upon the astral body; thus, it is not free at that time. It follows the will of the physical body, and one cannot, so to speak, do anything with it. One can only begin to shape it when it has emerged from the physical body during sleep. The only way for a person’s astral body to develop the higher sense organs is by chiseling them into it while it is outside the physical body, during sleep. However, one cannot tamper with a sleeping person. This would not be possible with modern humans if they were to perceive what is happening to them. If they are in an unconscious state, they cannot perceive it. Here a contradiction seems to arise, for the astral body is not aware of its connection to the physical body while the person is asleep. But this can be achieved indirectly by acting upon the physical body during waking hours, so that the impressions the physical body receives during the day remain in the astral body when it withdraws. Just as the impressions the astral body receives from the surrounding physical world are otherwise imprinted upon it, one must do something quite specific with the physical body so that this is imprinted upon the astral body and then developed in the corresponding way. This happens when a person does not simply go about their day as is usually the case, allowing impressions to come in from here and there, but rather takes control of their inner life in the manner prescribed by methodical training. This is called meditation, concentration, or contemplation. These are exercises that are just as strictly prescribed in the relevant schools as microscopy and so on are in laboratories. When a person performs such exercises, they have such an intense effect on him that the astral body, when it slips out during sleep, undergoes a plastic transformation. Just as this sponge, as long as I hold it in my hand, adapts to the shape of my hand, but as soon as I let it go, it reassumes the form determined by the forces within it—so it is with the astral body: when it steps out of the physical body during sleep, it follows the astral forces inherent within it. Thus, during waking hours, one must engage in those spiritual activities through which, during the night, the astral body takes on such a malleable form that it forms within itself the organs necessary for higher perception.

[ 14 ] Nun kann man diese Meditation in dreifacher Weise einrichten. Man kann mehr auf das Gedankenmaterial Rücksicht nehmen, auf das, was man Weisheitselemente, reine Gedankenelemente nennt, das ist dann die Yogaschulung, die hauptsächlich mit dem Gedankenelement, der Kontemplation, arbeitet. Man kann aber auch mehr auf das Gefühl wirken durch dessen besondere Ausbildung, das ist die spezifisch christliche Richtung. Und man kann durch Kombinierung von Gefühl und Willen wirken, das ist dann die christlich-rosenkreuzerische Methode. Auf die Yogaschulung einzugehen, würde zu weit führen; es hätte auch keinen Zusammenhang mit dem JohannesEvangelium. An der spezifisch christlichen Einweihung wollen wir uns klarmachen, worauf diese Einweihung beruht. Sie müssen das so auffassen, daß ein Mensch in den heutigen Gesellschaftskreisen diese Einweihung kaum durchmachen könnte. Sie erfordert eine zeitweilige Isolation des Menschen. Aber die Rosenkreuzer- Methode ist gerade dazu da, daß der Mensch, ohne seine Pflichten zu verletzen, sich hinaufarbeiten kann in die höheren Welten. Das aber, was im Prinzip gilt, können wir uns auch an der christlichen Einweihung vollständig klarmachen.

[ 14 ] Now, this meditation can be approached in three different ways. One can focus more on the material of thought—on what are called elements of wisdom, pure elements of thought—and this constitutes the yoga training, which works primarily with the element of thought, or contemplation. One can, however, also focus more on the emotions through their specific cultivation; this is the specifically Christian approach. And one can work by combining emotion and will; this is then the Christian-Rosicrucian method. To go into detail about yogic training would take us too far afield; it would also have no connection to the Gospel of John. Regarding the specifically Christian initiation, let us clarify what this initiation is based on. You must understand that a person in today’s social circles could hardly undergo this initiation. It requires a temporary isolation of the individual. But the Rosicrucian method exists precisely so that a person can work their way up into the higher worlds without neglecting their duties. And we can fully grasp this fundamental principle through the Christian initiation as well.

[ 15 ] Diese Einweihungsmethode arbeitet ausschließlich mit dem Gefühle, und zwar werde ich Ihnen sieben Gefühlserlebnisse anzugeben haben, sieben Gefühlsstufen, durch deren Durchleben der astralische Leib wirklich so beeinflußt wird, daß er seine Organe während der Nacht entwickelt. Wollen wir uns einmal klarmachen, wie der christliche Schüler leben muß, damit er diese Stufen durchmacht.

[ 15 ] This method of initiation works exclusively with feelings; specifically, I will describe to you seven emotional experiences—seven stages of feeling—which, when lived through, truly influence the astral body in such a way that it develops its organs during the night. Let us consider how the Christian disciple must live in order to pass through these stages.

[ 16 ] Die erste Stufe ist das, was man nennt die «Fußwaschung ». Da wird dem Schüler von dem Lehrer gesagt: Sieh dir an die Pflanze. Sie wurzelt im Boden; der mineralische Boden ist ein niedrigeres Wesen als die Pflanze. Wenn sich die Pflanze ihr Wesen vorhalten könnte, müßte sie zum Boden sagen: Zwar bin ich das höhere Wesen, aber ohne daß du bist, könnte ich nicht bestehen; denn aus dir, Boden, ziehe ich meine Nahrung zum größten Teile. Und könnte die Pflanze das in Gefühle umsetzen, so müßte sie sich herunterneigen zum Steine und sagen: Zu dir neige ich mich, du niedrigeres Wesen, Stein, denn dir verdanke ich mein Dasein. -— Und wenn wir zum Tier hinaufsteigen, so müßte in ähnlicher Weise das Tier sich zur Pflanze verhalten und sagen: Zwar bin ich höher als die Pflanze, aber dem niederen Reiche verdanke ich mein Dasein. - Und wenn wir in dieser Weise weiter hinaufsteigen und zum Menschen kommen, so müßte jeder, der etwas höher steht auf der sozialen Stufenleiter, sich zu der niedrigeren Stufe herunterneigen und sagen: Der niedrigeren Stufe verdanke ich mein Dasein! — Und so geht das hinauf bis zu dem Christus Jesus. Die Zwölf, die ihn umgeben, sind eine Stufe niedriger als er; aber wie die Pflanze sich aus dem Stein herausentwickelt, so wächst der Christus Jesus heraus aus den Zwölfen. Er neigt sich herunter zu den Zwölfen und sagt: Euch verdanke ich mein Dasein.

[ 16 ] The first stage is what is called the “foot-washing.” Here, the teacher tells the student: Look at the plant. It is rooted in the soil; the mineral soil is a lower being than the plant. If the plant could reflect on its nature, it would have to say to the soil: ‘Though I am the higher being, without you I could not exist; for it is from you, the soil, that I draw most of my nourishment.’ And if the plant could translate this into feelings, it would have to bow down to the stone and say: ‘To you I bow, you lower being, stone, for I owe my existence to you.’ — — And if we ascend to the animal, the animal would likewise have to relate to the plant and say: “Although I am higher than the plant, I owe my existence to the lower kingdom.” — And if we continue ascending in this way and come to the human being, then everyone who stands somewhat higher on the social ladder would have to bow down to the lower level and say: “I owe my existence to the lower level!” — And so it continues upward all the way to Christ Jesus. The Twelve who surround him are one level lower than he is; but just as the plant develops out of the stone, so Christ Jesus grows out of the Twelve. He bends down toward the Twelve and says: “I owe my existence to you.”

[ 17 ] Wenn der Lehrer dem Schüler das erklärt hatte, dann sagte er ihm: Wochenlang mußt du dich diesem kosmischen Gefühle hingeben, wie das Höhere sich dem Niederen neigen muß; und wenn du das gründlich in dir ausgebildet hast, dann erlebst du ein inneres und ein äußeres Symptom. — Diese sind aber nicht das Wesentliche, sondern zeigen nur an, daß der Betreflende genügend geübt hatte. Wenn so der physische Leib genug beeinflußt war von der Seele, zeigte sich ihm dies in dem äußeren Symptom, daß er ein Gefühl hatte, wie wenn Wasser seine Füße umspülte. Das ist ganz reales Gefühl. Und ein anderes reales Gefühl ist, daß er in einer gewaltigen Vision im Astralen wie vor sich hat die Fußwaschung, das Herunterneigen des höheren Selbstes zu dem niederen Selbste. Da erlebt der Mensch im Astralen das, was man im Johannes-Evangelium als historische Tatsache geschildert findet.

[ 17 ] Once the teacher had explained this to the student, he told him: “For weeks on end, you must surrender yourself to this cosmic feeling—just as the higher must bow to the lower; and once you have thoroughly developed this within yourself, you will experience an inner and an outer symptom.” — But these are not the essential point; they merely indicate that the person in question has practiced sufficiently. When the physical body had been sufficiently influenced by the soul, this manifested to him in the external symptom of a sensation as if water were washing over his feet. This is a very real sensation. And another real sensation is that, in a powerful vision in the astral realm, they see before them the washing of the feet—the bending down of the higher self toward the lower self. There, in the astral realm, the person experiences what is described as a historical fact in the Gospel of John.

[ 18 ] Die zweite Stufe besteht darin, daß dem Schüler gesagt wird: Du mußt in dir noch ein anderes Gefühl entwickeln. Du mußt dir vorstellen, wie es wäre, wenn alle möglichen Schmerzen und Leiden der Welt herantreten an dich, - empfinden, wie es wäre, wenn du ausgesetzt wärest dem Ansturm aller möglichen Hindernisse, und du mußt dich in das Gefühl versetzen, daß du aufrecht stehen mußt, wenn auch alles Elend der Welt an dich herankommt! Dann gibt es, wenn der Schüler das genügend geübt hat, wieder zwei Symptome: Das eine ist ein Gefühl, wie wenn er geschlagen würde von allen Seiten, und als zweites hat er in einer astralen Vision die «Geißelung» vor sich. — Ich erzähle etwas, was Hunderte von Menschen erlebt haben, wodurch sie die Fähigkeit erlangt haben, hinaufzusteigen in die geistigen Welten.

[ 18 ] The second step involves telling the student: You must develop yet another feeling within yourself. You must imagine what it would be like if all the pain and suffering in the world were to come at you—feel what it would be like if you were exposed to the onslaught of every possible obstacle—and you must put yourself in the mindset that you must stand tall, even if all the misery in the world were to come at you! Then, once the student has practiced this sufficiently, two symptoms arise again: one is a feeling as if he were being struck from all sides, and the second is that he sees the “flagellation” before him in an astral vision. — I am recounting something that hundreds of people have experienced, through which they have attained the ability to ascend into the spiritual worlds.

[ 19 ] Als Drittes hatte der Schüler sich vorzustellen, daß das Heiligste, was er hat, wofür er mit dem ganzen Ich eintritt, mit Spott und Hohn übergossen wird. Da mußte er sich sagen: Ich muß, was auch kommen mag, aufrecht stehen und für das, was mir heilig ist, eintreten! — Wenn er sich darin eingelebt hatte, hatte er etwas wie Stiche im Kopf, und als astrale Vision erlebte er die «Dornenkrönung». Wieder muß gesagt werden: Nicht auf die Symptome kommt es an, aber sie treten ein als Folge der Übungen. Und es wird auch dafür gesorgt, daß von Suggestion und Autosuggestion gar nicht die Rede sein kann.

[ 19 ] Third, the student had to imagine that the most sacred thing he possesses—the thing he defends with his whole being—is being showered with scorn and derision. He had to tell himself: “No matter what may come, I must stand firm and defend what is sacred to me!” — Once he had become accustomed to this, he felt something like stinging sensations in his head, and he experienced the “Crowning with Thorns” as an astral vision. Again, it must be said: It is not the symptoms that matter, but they occur as a consequence of the exercises. And care is also taken to ensure that there can be no question of suggestion or autosuggestion.

[ 20 ] Das Vierte ist das, daß dem Schüler sein Leib, den er hat, in seinem Gefühl so fremd werden muß wie ein äußerer Gegenstand, zum Beispiel ein Stück Holz, und daß er nicht zu seinem Leibe «Ich» sagt. Das muß ihm so zum Gefühl werden, daß er sagt: Ich trage meinen Leib mit mir herum, wie ich meinen Rock mit mir herumtrage! Er verbindet sein Ich nicht mehr mit seinem Leibe. Dann tritt etwas ein, was man nennt die «Blutsprobe». Was in vielen Fällen ein krankhafter Zustand sein kann, ist in diesem Falle, weil alles Krankhafte ausgeschaltet sein muß, eine Folge der Meditation. An den Füßen, an den Händen und an der rechten Seite der Brust zeigen sich die sogenannten Blutsmale; und als inneres Symptom sieht er in einer astralen Vision die «Kreuzigung ».

[ 20 ] The fourth point is that the student’s own body must become as foreign to him, in his perception, as an external object—for example, a piece of wood—and that he must not refer to his body as “I.” This must become such a feeling for him that he says: I carry my body around with me, just as I carry my coat around with me! He no longer associates his “I” with his body. Then something occurs that is called the “blood test.” What in many cases can be a pathological condition is, in this case—because everything pathological must be eliminated—a consequence of the meditation. So-called bloodstains appear on the feet, hands, and right side of the chest; and as an inner symptom, he sees the “crucifixion” in an astral vision.

[ 21 ] Nur kurz können wir die fünfte, sechste und siebente Gefühlsstufe schildern.

[ 21 ] We can only briefly describe the fifth, sixth, and seventh levels of emotion.

[ 22 ] Die fünfte Stufe besteht in dem, was man nennt den «mystischen Tod». Durch die Gefühle, die man den Schüler auf dieser Stufe erleben läßt, erlebt er etwas, was sich ihm so darstellt, als ob sich in einem Augenblick vor alles physisch Sichtbare ein schwarzer Vorhang stellt und als ob alles verschwände. Dieser Moment ist noch durch etwas anderes wichtig, was man erlebt haben muß, wenn man wirklich zur christlichen Einweihung im wahren Sinne des Wortes dringen will. Man erlebt dann, daß man hinuntertauchen kann in die Urgründe des Bösen, des Schmerzes, des Kummers und Leides. Und alles, was an Bösem auf dem Grunde der Menschenseele lebt, kann man auskosten, wenn man hinuntersteigt in die Hölle. Das ist das «Niedersteigen in die Hölle». Hat man das erlebt, dann ist es, wie wenn der schwarze Vorhang zerreißt - und man sieht hinein in die geistige Welt.

[ 22 ] The fifth stage consists of what is called the “mystical death.” Through the feelings that the student is led to experience at this stage, he experiences something that appears to him as if, in an instant, a black curtain were drawn over everything physically visible and as if everything were vanishing. This moment is significant for another reason as well—something one must experience if one truly wishes to attain Christian initiation in the truest sense of the word. One then experiences the ability to plunge down into the very depths of evil, pain, sorrow, and suffering. And one can fully experience all the evil that dwells at the bottom of the human soul when one descends into hell. This is the “descent into hell.” Once one has experienced this, it is as if the black curtain were torn apart—and one sees into the spiritual world.

[ 23 ] Das Sechste ist das, was man die «Grablegung und Auferstehung » nennt. Das ist die Stufe, wo der Schüler sich eins fühlt mit dem ganzen Erdenleib; wie hineingelegt und zusammengehörig mit dem ganzen Erdenplaneten fühlt er sich. Sein Leben hat sich erweitert zu planetarischem Leben.

[ 23 ] The sixth is what is called the “Burial and Resurrection.” This is the stage where the student feels at one with the entire earthly body; he feels as if he were placed within and is one with the entire Earth. His life has expanded into planetary life.

[ 24 ] Das siebente Gefühl kann man mit Worten nicht schildern. Nur der könnte es schildern, der imstande wäre, zu denken ohne das Instrument des physischen Gehirnes; und für das gibt es keine Sprache, weil unsere Sprache nur Bezeichnungen hat für den physischen Plan. Daher kann nur hingewiesen werden auf diese Stufe. Sie übersteigt alles, wovon sich der Mensch sonst eine Vorstellung macht. Man nennt sie die «Himmelfahrt» oder die völlige Aufnahme in die geistige Welt.

[ 24 ] The seventh sensation cannot be described in words. Only someone capable of thinking without the physical brain as an instrument could describe it; and there is no language for that, because our language has terms only for the physical plane. Therefore, one can only point to this level. It transcends everything else that human beings can otherwise conceive of. It is called the “Ascension” or complete absorption into the spiritual world.

[ 25 ] Da schließt die Skala der Gefühle ab, in die sich der Schüler während des Tagwachens in völliger innerer Sammlung versetzen muß. Wenn sich der Schüler diesen Erlebnissen hingegeben hat, dann wirken sie so stark auf den Astralleib, daß sich in der Nacht die inneren Wahrnehmungsorgane ausbilden, sich plastisch gestalten. — In der Rosenkreuzer-Einweihung wird nicht diese siebengliedrige Gefühlsskala durchgemacht, aber es ist dieselbe Wirkung da, die wir eben besprochen haben.

[ 25 ] This concludes the scale of emotions into which the student must immerse himself during the morning vigil in a state of complete inner concentration. Once the student has surrendered to these experiences, they have such a powerful effect on the astral body that, during the night, the inner organs of perception develop and take on a tangible form. — In the Rosicrucian initiation, this sevenfold scale of emotions is not traversed, but the same effect we have just discussed is present.

[ 26 ] So sehen Sie, daß es bei der Einweihung darauf ankommt, den astralischen Leib auf dem Umwege durch die Tageserlebnisse so zu beeinflussen, daß er, wenn er ganz frei ist, in der Nacht sich selbst eine neue plastische Gestalt gibt. Wenn der Mensch sich selbst auf diese Weise als Astralwesen eine plastische Gestalt gegeben hat, ist der Astralleib eigentlich ein neues Wesensglied des Menschen geworden. Er ist dann ganz und gar durchdrungen von Manas oder Geistselbst.

[ 26 ] As you can see, the point of initiation is to influence the astral body—indirectly, through daily experiences—in such a way that, once it is completely free, it takes on a new, three-dimensional form of its own during the night. When a person has thus given themselves a three-dimensional form as an astral being, the astral body has in fact become a new component of the human being. It is then completely permeated by Manas, or the spiritual self.

[ 27 ] Wenn nun der astralische Leib so gegliedert ist, handelt es sich darum, daß das, was so in ihm plastisch ausgebildet worden ist, auch in den Ätherleib hineingebracht wird. Geradeso, wie wenn Sie mit einem Petschaft auf Siegellack drücken und dann der Name des Petschafts nicht nur im Petschaft, sondern auch im Siegellack ist, so muß der Astralleib in den Ätherleib untertauchen und das, was er nun hat, in den Ätherleib hineindrücken.

[ 27 ] Now that the astral body is structured in this way, the task is to ensure that what has been formed so vividly within it is also brought into the etheric body. Just as when you press a seal into sealing wax and the name on the seal appears not only on the seal itself but also in the sealing wax, so the astral body must submerge itself into the etheric body and imprint what it now possesses onto the etheric body.

[ 28 ] Das erste Verfahren, das Bearbeiten des Astralleibes, ist bei allen Einweihungsmethoden dasselbe. Nur in der Übertragung auf den Ätherleib unterscheiden sich die einzelnen Methoden. Von diesem Unterschiede werden wir morgen sprechen und zeigen, wie sich die drei Methoden der Einweihung, die sich als die tiefsten Entwickelungsimpulse im Laufe der nachatlantischen Zeit ergeben haben, voneinander unterscheiden, und was überhaupt die Einweihung für eine Bedeutung hat für die Menschheitsentwickelung. Dann werden uns auch diejenigen Partien des Johannes-Evangeliums völlig klar werden, die wir noch nicht besprechen konnten.

[ 28 ] The first process—the working with the astral body—is the same in all methods of initiation. It is only in the transition to the etheric body that the individual methods differ. We will discuss these differences tomorrow and show how the three methods of initiation—which have emerged as the deepest impulses for development in the post-Atlantean era—differ from one another, and what significance initiation holds for human development in general. Then those passages of the Gospel of John that we have not yet been able to discuss will also become completely clear to us.