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The Gospel of St. John
GA 103

30 May 1908 a.m., Hamburg

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Zehnter Vortrag

Tenth Lecture

[ 1 ] Uns beschäftigte das ganze Gesetz der nachatlantischen Entwickelung unserer Menschheit, und wir suchten zu verstehen, warum gerade in einem ganz bestimmten Zeitpunkte dieser nachatlantischen Entwickelung die Stiftung des Christentums stattfinden mußte. Wir haben gestern am Schluß des Vortrages erwähnt, daß das Verständnis wichtiger Fragen des Johannes-Evangeliums und des ganzen Christentums davon abhängt, daß wir gerade dieses Entwickelungsgesetz im esoterisch-christlichen Sinne gut ins Auge fassen. Nur dadurch werden wir ein volles Verständnis gewinnen können für die Bedeutung der Worte «Heiliger Geist», «Vater und Mutter Jesu». Vor allen Dingen erinnern wir uns, daß uns klar geworden ist im Laufe der letzten Vorträge, daß die nachatlantische Menschheit, also diejenige Menschheit, zu der wir im engeren Sinne selbst gehören, die sich entwickelt hat nach der atlantischen Flut, in sieben Uhnterabteilungen zerfällt. Es wird von mir absichtlich der Begriff « Unterrassen» vermieden, weil eigentlich der Begriff «Rasse» sich nicht völlig deckt mit dem, um was es sich dabei handelt. Es handelt sich um Kulturentwickelungsperioden, und das, was wir als Rassengesetz in unserer heutigen Menschheit noch erleben, ist eigentlich ein Nachklang der atlantischen Entwickelung. Diejenige Menschheitsentwikkelung, die der atlantischen Flut vorangegangen ist, also die sich zum großen Teil abgespielt hat auf jenem Kontinente, der da war zwischen dem heutigen Europa und dem heutigen Amerika, der alten Atlantis, diese Menschheitsentwickelung teilen wir auch in sieben aufeinanderfolgende Abschnitte. Für diese sieben Abschnitte gilt noch der Ausdruck «Rassen-Entwickelung». Denn diese sieben aufeinanderfolgenden Stufen der Menschheit auf der alten Atlantis waren auch noch körperlich, inner- und außer-körperlich - zum äußeren Körper rechnet man auch die innere Konfiguration des Gehirns, des Blutes und der anderen Säfte — sehr voneinander verschieden, während gar keine Rede davon sein kann, daß etwa die erste Menschheit der nachatlantischen Zeit, die alten Inder, von uns so weit verschieden waren, daß wir noch den Ausdruck «Rasse» darauf anwenden dürften. Man muß ja immer die Kontinuität der Theosophie festhalten, und daher ist es ja oft notwendig, an diesen alten Begriff der Rassen anzuknüpfen. Aber man erweckt doch zu leicht falsche Vorstellungen durch das Wort Rasse, weil man übersieht, daß das Einteilungsmotiv für die Menschheit, das wir heute haben, ein viel innerlicheres ist als das, welches mit dem Ausdruck der Rasse zusammenhängt. Und gar auf das, was unsere Kultur ablösen wird, die Kultur nach der siebenten Unterabteilung, wird überhaupt der Ausdruck Rasse nicht mehr angewendet werden dürfen, weil die Menschheit sich dann gliedern wird nach ganz anderen Grundgesetzen.

[ 1 ] We were concerned with the entire law governing the post-Atlantean development of humanity, and we sought to understand why the founding of Christianity had to take place at a very specific point in time within this post-Atlantean development. We mentioned yesterday at the end of the lecture that understanding important questions regarding the Gospel of John and Christianity as a whole depends on our clearly grasping this very law of development in the esoteric-Christian sense. Only in this way will we be able to gain a full understanding of the meaning of the words “Holy Spirit” and “Father and Mother of Jesus.” Above all, let us recall that it has become clear to us in the course of the last few lectures that post-Atlantean humanity—that is, the humanity to which we ourselves belong in the narrower sense, the one that developed after the Atlantean Flood—is divided into seven subdivisions. I deliberately avoid the term “subraces” because the concept of “race” does not actually fully correspond to what is at issue here. We are dealing with periods of cultural development, and what we still experience today as the “law of race” in our present-day humanity is actually an echo of Atlantean development. The phase of human development that preceded the Atlantic Flood—that is, the one that took place largely on the continent that once lay between present-day Europe and present-day America, ancient Atlantis—is also divided into seven successive stages. The term “racial development” still applies to these seven stages. For these seven successive stages of humanity on ancient Atlantis were still very different from one another—physically, as well as in terms of inner and outer physical characteristics (the outer body also includes the inner configuration of the brain, the blood, and the other bodily fluids)—whereas there can be no question that the first humans of the post-Atlantean era, the ancient Indians, were so different from us that we could still apply the term “race.” One must, of course, always uphold the continuity of Theosophy, and for that reason it is often necessary to build upon this ancient concept of races. But the word “race” all too easily gives rise to false notions, because people overlook the fact that the criterion for classifying humanity that we have today is a much more inner one than that associated with the term “race.” And certainly, in the culture that will succeed ours—the culture following the seventh subdivision—the term “race” will no longer be applicable at all, because humanity will then be organized according to entirely different fundamental laws.

[ 2 ] Von diesem Gesichtspunkte aus müssen Sie es nehmen, wenn wir die nachatlantische Zeit einteilen erstens in die alte indische Epoche, zweitens in die altpersische, drittens in die babylonisch-assyrisch-chaldäisch-ägyptische, viertens in die griechisch-lateinische und fünftens in die Epoche, in der wir jetzt leben; die unsrige wird abgelöst werden von einer sechsten und einer siebenten Entwickelungsepoche.

[ 2 ] You must view it from this perspective when we divide the post-Atlantean era, first, into the ancient Indian epoch; second, into the ancient Persian epoch; third, into the Babylonian-Assyrian-Chaldean-Egyptian epoch; fourth, into the Greek-Latin epoch; and fifth, into the epoch in which we now live; our own will be succeeded by a sixth and a seventh epoch of development.

[ 3 ] Wir also stehen jetzt in der fünften nachatlantischen Kulturepoche und sagen uns: Das Christentum ist eingetreten in die Menschheitsentwickelung in seiner vollen Tiefe und Bedeutung in der vierten Epoche. Es hat, soweit die Menschheit der fünften Epoche ergriffen werden konnte, gewirkt, und wir werden prophetisch voraussagen, wie es weiter wirken wird, soweit es aus der spirituellen Wissenschaft möglich ist, vorherzusagen. Wir haben aber schon gestern erwähnt, daß die Mission des Christentums vorbereitet worden ist in der dritten Kulturepoche. Die ägyptische Kultur gehört zu der dritten Kulturepoche, und aus ihrem Schoße heraus leitete das Bekennertum des Alten Testamentes die hebräische Kulturentwickelung so, daß sozusagen herausgeboren wurde aus dem Schoße der dritten Kulturepoche das Christentum, das dann voll zur Welt kam für die vierte Epoche mit dem Christus Jesus. Wir können also sagen: Die Menschheit der nachatlantischen Zeit hat erlebt einen gewissen geistigen Einfluß in der dritten Kulturepoche. Dieser Einfluß hat fortgewirkt in die vierte Epoche hinein; da konzentrierte er sich in dem Christus Jesus, wirkte weiter hinein in die fünfte Kulturepoche, in die unsrige, und wird von der unsrigen hinüberwirken in die sechste Epoche, die der unsrigen nachfolgen wird. Und nun müssen wir genau verstehen, wie diese Wirkungen geschehen sind.

[ 3 ] We are now in the fifth post-Atlantean cultural epoch and say to ourselves: Christianity entered the development of humanity in all its depth and significance during the fourth epoch. It has exerted its influence, as far as humanity in the fifth epoch has been able to grasp, and we will prophetically foretell how it will continue to exert its influence, to the extent that spiritual science makes such predictions possible. But we already mentioned yesterday that the mission of Christianity was prepared during the third cultural epoch. Egyptian culture belongs to the third cultural epoch, and from its very heart, the faith of the Old Testament guided the development of Hebrew culture in such a way that, so to speak, Christianity was born from the womb of the third cultural epoch and then came fully into the world for the fourth epoch with Jesus Christ. We can therefore say: Humanity in the post-Atlantean era experienced a certain spiritual influence during the third cultural epoch. This influence continued into the fourth epoch; there it concentrated in Christ Jesus, continued to influence the fifth cultural epoch—our own—and will carry over from ours into the sixth epoch, which will follow ours. And now we must understand precisely how these effects came about.

[ 4 ] Erinnern wir uns einmal genau, daß im Laufe der Menschheitsentwikkelung die verschiedenen Grundteile des Menschen ihre Entwickelung erleben. Erinnern wir uns daran, wie es in der letzten atlantischen Zeit war. Wir haben ausgeführt, daß in den physischen Leib hinein sich gesenkt hat der Ätherkopf, daß da der Mensch die erste Anlage empfangen hat, zu sich «Ich-bin» zu sagen. Als die atlantische Flut eintrat, war der physische Leib des Menschen von der Gewalt dieses «Ich-bin» durchdrungen; das heißt, der Mensch war damals so weit, das physische Werkzeug vorbereitet zu haben für das Ich-Bewußtsein oder das Selbstbewußtsein. Damit wir uns ganz genau verstehen: Wenn wir in die Mitte der atlantischen Zeit zurückgingen, würde kein Mensch in der Lage gewesen sein, ein solches Selbstbewußtsein zu entwickeln, um aus sich selbst heraus «Ich bin ein Ich!» oder «Ich bin» auszusprechen. Das konnte nur dadurch eintreten, daß jener Teil des Ätherkopfes, von dem wir gesprochen haben, sich verband mit dem physischen Teile des Kopfes. Damals, bis zum Untergang der Atlantis durch die atlantische Flut, bildete der Mensch das erste aus, was ausgebildet werden mußte, um ein Träger dieses Selbstbewußtseins werden zu können: er bildete die physische Gehirnanlage und die andere Gestaltung des Körpers aus. Also der physische Leib wurde bis zur atlantischen Flut hin reif, ein Ichträger zu sein.

[ 4 ] Let us recall precisely that, in the course of human evolution, the various fundamental parts of the human being undergo their own development. Let us recall what it was like during the last Atlantean epoch. We have explained that the etheric head descended into the physical body, and that it was there that the human being received the first capacity to say to himself, “I am.” When the Atlantean Flood occurred, the human physical body was permeated by the power of this “I am”; that is to say, by that time, humanity had progressed far enough to have prepared the physical instrument for “I” consciousness or self-consciousness. To be perfectly clear: If we were to go back to the middle of the Atlantean epoch, no human being would have been capable of developing such self-consciousness as to utter from within themselves, “I am an ‘I’!” or “I am.” This could only come about through the part of the etheric head we have spoken of connecting with the physical part of the head. At that time, up until the downfall of Atlantis through the Atlantean Flood, human beings developed the first elements necessary to become bearers of this self-consciousness: they developed the physical brain structure and the other aspects of the body. Thus, by the time of the Atlantean Flood, the physical body had matured to the point of being capable of bearing the “I.”

[ 5 ] Wir können also fragen: Welches war denn die Mission des Atlantiertums? Die Mission des Atlantiertums war, dem Menschen das Ich einzuimpfen, einzuprägen; und diese Mission geht dann über die atlantische Flut, die man als Sintflut beschreibt, hinüber in unsere Zeit. Aber in unserer nachatlantischen Kulturepoche muß schon wieder etwas anderes kommen: da muß langsam hineingehen in den Menschen Manas oder das Geistselbst. Mit unserer nachatlantischen Zeit beginnt der Einfluß von Manas oder Geistselbst. Wir wissen also, daß dann, wenn wir in unserer sechsten und siebenten Epoche verschiedene Verkörperungen werden durchgemacht haben, wir von Manas oder Geistselbst bereits werden überschattet sein bis zu einem gewissen Grade. Aber es bedarf einer längeren Vorbereitung für den Menschen, um überhaupt ein geeignetes Werkzeug für dieses Manas oder Geistselbst zu werden. Er hatte dazu - wenn es sich auch um Tausende von Jahren dabei handelt - vorher erst ein Ich-Träger im eigentlichen Sinne zu werden. Er mußte nicht nur seinen physischen Leib zu einem Werkzeug des Ich machen, sondern auch die anderen Glieder seiner Wesenheit. |

[ 5 ] So we may ask: What, then, was the mission of the Atlantean era? The mission of the Atlantean era was to instill the “I” in human beings, to imprint it upon them; and this mission then carries over from the Atlantean flood—which is described as the Great Flood—into our own time. But in our post-Atlantean cultural epoch, something else must come into play: Manas, or the spiritual self, must gradually take root within human beings. The influence of Manas, or the spiritual self, begins with our post-Atlantean era. We know, therefore, that by the time we have gone through various incarnations in our sixth and seventh epochs, we will already have been overshadowed by Manas, or the spiritual self, to a certain degree. But it requires a longer period of preparation for human beings to become a suitable vessel for this Manas, or spiritual self, at all. To this end—even if it takes thousands of years—they first had to become an “I-bearer” in the true sense of the word. They had to make not only their physical body a vessel for the “I,” but also the other members of their being. |

[ 6 ] In der ersten Kulturepoche der nachatlantischen Zeit macht der Mensch zuerst seinen Ätherleib zum Ich-Träger, wie er vorher seinen physischen Leib dazu gemacht hatte. Das war die alte indische Kultur. Sie besteht im wesentlichen darin, daß der Mensch die Fähigkeit erlangt, nicht nur ein physisches Werkzeug zu haben für das Ich, sondern auch einen dazu geeigneten Ätherleib. Daher ist in dieser Tabelle die erste Epoche, die alte indische Kultur, mit « Ätherleib » beschrieben (siehe Seite 181).

[ 6 ] In the first cultural epoch of the post-Atlantean era, human beings first make their etheric body the vehicle of the “I,” just as they had previously made their physical body the vehicle of the “I.” That was ancient Indian culture. It essentially consists of the human being acquiring the ability to have not only a physical instrument for the “I,” but also an etheric body suited to that purpose. Therefore, in this table, the first epoch—ancient Indian culture—is described as “etheric body” (see page 181).

[ 7 ] Wollen wir jetzt die weitere Entwickelung dieser Kulturepochen ins Auge fassen in bezug auf den Menschen, so müssen wir nicht nur oberflächlich das Seelische als astralischen Leib annehmen, sondern genauer zu Werke gehen und diejenige Gliederung des Menschen zugrunde legen, die Sie in meiner «’Theosophie» finden. Da wissen Sie, daß wir nicht bloß unterscheiden im allgemeinen die sieben Glieder des Menschen, sondern daß der mittlere Teil des Menschen wieder zerfällt in den Empfindungsleib, in die Empfindungsseele, die Verstandesseele und die Bewußtseinsseele; und dann haben wir das Geistselbst, den Lebensgeist und den Geistesmenschen. Man unterscheidet ja gewöhnlich nur sieben Glieder; das vierte, das wir unter dem Worte «Ich» zusammenfassen, müssen wir weiter gliedern, weil es in der menschlichen Entwickelung so gegliedert ist.

[ 7 ] If we now wish to consider the further development of these cultural epochs in relation to the human being, we must not merely superficially regard the soul as the astral body, but proceed more precisely and take as our basis the division of the human being that you will find in my Theosophy. There you will see that we do not merely distinguish, in general, the seven members of the human being, but that the middle part of the human being is further subdivided into the sensory body, the sensory soul, the intellectual soul, and the conscious soul; and then we have the spiritual self, the life spirit, and the spiritual human being. Usually, only seven members are distinguished; the fourth, which we summarize under the term “I,” must be further subdivided because it is structured in this way in human development.

[ 8 ] Das, was nun während der altpersischen Kulturepoche ausgebildet wird, ist der eigentliche Astralleib oder der Empfindungsleib; er ist der Träger der eigentlichen Betätigungskräfte des Menschen, daher besteht der Übergang vom Indertum zum Persertum darin, daß zum Bearbeiten der Materie übergegangen wird. Das Regen der Hände und was damit verbunden ist, das Übergehen zur Arbeit, das ist es, was diese Kulturepoche charakterisiert. Das alte Indertum war in einem viel höheren Grade, als man sich denkt, dazu geneigt, nicht die Hände zu regen, sondern in Kontemplation sich zu erheben über das Materielle zu den höheren Welten. Man mußte sich tief in sich hineinversenken, wenn man sich zurückerinnern wollte an den früheren Zustand. Daher besteht zum Beispiel die indische Yoga-Einweihung im allgemeinen darin, daß der Ätherleib eine besondere Pflege und Ausbildung erfährt.

[ 8 ] What is now developed during the ancient Persian cultural epoch is the actual astral body or the body of sensation; it is the bearer of humanity’s actual active forces, and therefore the transition from the Indian to the Persian era consists in the shift toward working with matter. The use of the hands and what is connected with it—the transition to work—is what characterizes this cultural epoch. Ancient Indian culture was, to a much greater degree than one might think, inclined not to use the hands, but rather to rise through contemplation above the material world to the higher worlds. One had to sink deep within oneself if one wished to recall that earlier state. For this reason, for example, the Indian yoga initiation generally consists of the etheric body receiving special care and training.

[ 9 ] Nun schreiten wir weiter. Die Kultur des alten Persertums besteht darin, daß das Ich in den Empfindungsleib gesenkt wird. Die Kultur der Assyrer, Babylonier, Chaldäer, Ägypter besteht darin, daß das Ich hinaufsteigt bis in die Empfindungsseele. Was ist Empfindungsseele? Was vorzüglich bei dem empfindenden Menschen sich nach außen richtet, wodurch der wahrnehmende Mensch sich betätigt mit den Augen und den anderen Sinnen und wahrnimmt draußen in der Natur den waltenden Geist. Daher wird in dieser Zeit das Auge gerichtet auf die im Raume ausgebreiteten materiellen Dinge, auf die Sterne und ihren Gang. Da wirkt auf die Empfindungsseele das, was äußerlich im Raume ausgebreitet ist. Wenig ist in der ägyptisch-chaldäischassyrisch-babylonischen Zeit von dem im Menschen schon vorhanden, was man innerliche Persönlichkeits- und Verstandeskultur nennen könnte. Das stellt sich auch der heutige Mensch nicht mehr richtig vor, wie eigentlich die ägyptische Weisheit dieser Epoche beschaflen war. Diese Weisheit war eigentlich gar nicht ein Denken, ein Spekulieren, wie das später gekommen ist; sondern wenn der Mensch den Blick hinausrichtete, empfing er das Gesetz, das er draußen mit den Sinnen ablas. Ein Ablesen der Gesetze war es, keine Begriflswissenschaft, eine Anschauungswissenschaft, eine Empfindungswissenschaft.

[ 9 ] Now let us move on. The culture of ancient Persia consists in the ego being lowered into the sensory body. The culture of the Assyrians, Babylonians, Chaldeans, and Egyptians consists in the ego rising up into the sensory soul. What is the sensory soul? It is primarily that aspect of the sensing human being that is directed outward, through which the perceiving human being engages the eyes and other senses to perceive the ruling spirit at work in nature. Therefore, in this era, the eye is directed toward the material objects spread out in space, toward the stars and their courses. What is spread out externally in space thus acts upon the soul of sensation. In the Egyptian-Chaldean-Assyrian-Babylonian era, there was little of what one might call inner personality and intellectual culture already present within human beings. Even people today cannot properly imagine what Egyptian wisdom of that epoch was actually like. This wisdom was not, in fact, a form of thinking or speculation, as it later became; rather, when a person directed their gaze outward, they perceived the law that they read from the outside world with their senses. It was a reading of the laws, not a science of concepts, but a science of observation, a science of sensation.

[ 10 ] Wenn unsere Gelehrten nachdenken würden - es ist ja ein harter Satz -, so würden sie mit Fingern sozusagen auf das, was jetzt eben ausgesprochen worden ist, hingewiesen werden, allerdings mit geistigen Fingern. Denn wenn nicht nachgedacht worden ist mit den eigentlichen inneren Verstandeskräften, so heißt das nicht mehr und nicht weniger, als daß es damals eine eigentliche Begriffswissenschaft, eine logische Wissenschaft nicht gegeben haben kann. Die hat es auch nicht gegeben! Die Geschichte weist Ihnen nach, daß der eigentliche Begründer der Logik Aristoteles ist. Hätte es früher eine Logik, eine Begriffswissenschaft gegeben - diese in ein Buch zu btingen, das würden diese Menschen schon imstande gewesen sein.

[ 10 ] If our scholars were to reflect—and this is, after all, a harsh statement—they would be pointed, so to speak, to what has just been said, though with intellectual fingers. For if they have not reflected using the true inner powers of the intellect, this means nothing more and nothing less than that there could not have been a true science of concepts, a logical science, at that time. And indeed, there was not! History proves to you that Aristotle is the true founder of logic. If there had been a logic, a science of concepts, earlier on—these people would have been capable of setting it down in a book.

[ 11 ] Eine Logik, das, was Nachdenken im Ich selber ist, wo man im Ich Begriffe verbindet und trennt, wo man also logisch urteilt, nicht abliest von den Dingen, das tritt erst in der vierten Kulturepoche ein. Daher nennen wir diese vierte Epoche die Epoche der Verstandesseele.

[ 11 ] Logic—that is, the act of thinking within the “I” itself, where concepts are combined and separated within the “I,” and where logical judgments are thus formed—does not derive from things; it first emerges in the fourth cultural epoch. Therefore, we call this fourth epoch the epoch of the intellectual soul.

[ 12 ] Und wir selbst sind in einer Epoche - ungefähr trat die Menschheit ein in diese Epoche um die Mitte des Mittelalters, vom 10., 11., 12. Jahrhundert angefangen -, wir selbst sind in der Epoche des Eintretens des Ich in die Bewußtseinsseele. So spät ist das erst gekommen. In die Bewußtseinsseele trat das Ich ein erst ungefähr um die Mitte des Mittelalters. Auch das ließe sich sehr leicht historisch belegen, und man könnte in alle Winkel hineinleuchten, wenn man Zeit hätte, auf manches hinzudeuten, was dabei in Frage kommt. Damals impfte sich dem Menschen ein ganz bestimmter Begriff ein von individueller Freiheit, von individueller Ich-Tüchtigkeit. Wenn Sie noch die erste Zeit des Mittelalters betrachten, würden Sie durchaus noch überall finden, daß der Mensch in einer gewissen Weise gilt durch das, wie er in die Gesellschaft hineingestellt ist. Man erbt vom Vater und den Angehörigen Stand und Rang und Würde, und vermöge dieser unpersönlichen Dinge, die nicht mit dem Ich bewußt verknüpft sind, handelt und arbeitet man in der Welt. Erst später, als der Handel sich ausdehnte und die Erfindungen, die neuzeitlichen Entdeckungen kamen, beginnt das Ich-Bewußtsein sich auszudehnen, und wir können sehen, daß überall in der europäischen Welt die äußeren Abbilder dieser Bewußtseinsseele in einer ganz bestimmten Art von Städteverfassungen, Städtekonstitutionen und dergleichen auftreten. Aus der Geschichte Hamburgs zum Beispiel könnte man leicht nachweisen, wie sich historisch diese Dinge entwickelt haben. Das, was man «freie Stadt» im Mittelalter nannte, das ist der äußere Abdruck dieses Hinhauchens der ichbewußten Seele durch die Menschheit. Und wenn wir jetzt einmal den Blick in die Zukunft schweifen lassen, so sagen wir: Jetzt sind wir eben daran, dieses Persönlichkeitsbewußtsein in der Bewußtseinsseele auszubilden. Alle Forderungen der neueren Zeit sind nichts anderes, als daß unbewußt die Menschen die Forderungen der Bewußtseinsseele herausbringen.

[ 12 ] And we ourselves are living in an epoch—humanity entered this epoch, roughly speaking, around the middle of the Middle Ages, beginning in the 10th, 11th, and 12th centuries—we ourselves are living in the epoch of the “I” entering the conscious soul. That is how late it actually came about. The “I” did not enter the conscious soul until around the middle of the Middle Ages. This, too, could be very easily substantiated historically, and one could shed light on every aspect of it if one had the time to point out many of the factors involved. At that time, a very specific concept of individual freedom and individual “I”-capacity took root in people. If you look at the early Middle Ages, you would still find everywhere that a person’s worth was, in a certain sense, determined by their place in society. One inherited status, rank, and dignity from one’s father and relatives, and by virtue of these impersonal things—which were not consciously linked to the “I”—one acted and worked in the world. It was only later, as trade expanded and inventions and modern discoveries emerged, that self-consciousness began to expand, and we can see that throughout the European world, the external manifestations of this conscious soul appear in a very specific form of municipal charters, city constitutions, and the like. From the history of Hamburg, for example, one could easily demonstrate how these things developed historically. What was called a “free city” in the Middle Ages is the outward imprint of this breath of the self-conscious soul through humanity. And if we now let our gaze wander into the future, we can say: We are now in the very process of developing this sense of individuality within the soul of consciousness. All the demands of modern times are nothing other than people unconsciously bringing forth the demands of the soul of consciousness.

[ 13 ] Wenn wir aber den Blick weiter schweifen lassen, erblicken wir im Geiste noch etwas anderes. Da steigt dann der Mensch auf in der nächsten Kulturepoche zu Manas oder dem Geeistselbst. Das wird eine Zeit sein, in welcher die Menschen in weit höherem Grade als heute eine gemeinsame Weisheit haben werden, sozusagen in gemeinsame Weisheit eingetaucht sein werden. Es wird beginnen etwas davon, daß man empfinden wird, daß das Ureigenste des Menschen zu gleicher Zeit das Allgemeingültigste ist. Das, was man im heutigen Sinne als individuelles Gut des Menschen auffaßt, ist noch nicht ein individuelles Gut auf einer hohen Stufe. Heute ist mit der Individualität, mit der Persönlichkeit des Menschen noch im hohen Grade verknüpft, daß die Menschen sich streiten, daß die Menschen verschiedene Meinungen haben und behaupten: Wenn man nicht verschiedener Meinung sein dürfte, würde man ja kein selbständiger Mensch sein. Gerade weil sie selbständige Menschen sein wollen, müssen sie zu verschiedenen Meinungen kommen. Aber das ist ein untergeordneter Standpunkt der Anschauung. Am friedlichsten und harmonischsten werden die Menschen sein, wenn der einzelne Mensch am individuellsten sein wird. Solange die Menschen noch nicht vom Geistselbst vollständig überschattet sind, gibt es Meinungen, die voneinander verschieden sind. Diese Meinungen sind noch nicht im wahren Innersten des Menschen empfunden.

[ 13 ] But if we let our gaze wander further, we perceive something else in the spirit. There, in the next cultural epoch, the human being ascends to Manas, or the spirit-self. This will be a time in which people will possess a shared wisdom to a far greater degree than today; they will, so to speak, be immersed in a shared wisdom. It will begin with the realization that what is most uniquely human is at the same time what is most universally valid. What is understood today as an individual asset of the human being is not yet an individual asset at a high level. Today, individuality—a person’s personality—is still so closely linked to the fact that people argue, that they hold different opinions, and assert: “If we were not allowed to hold different opinions, we would not be independent human beings.” Precisely because they want to be independent human beings, they must arrive at different opinions. But this is a subordinate perspective. People will be at their most peaceful and harmonious when each individual is at their most individual. As long as people are not yet completely overshadowed by the spiritual self, there will be opinions that differ from one another. These opinions are not yet felt in the very depths of the human being.

[ 14 ] Heute gibt es nur einige Vorläufer für die im wahren Innern empfundenen Dinge. Das sind die mathematischen und geometrischen Wahrheiten. Über die kann man nicht abstimmen. Wenn eine Million Menschen Ihnen sagen würde, daß 2x 2= 5 ist, und Sie schen es selbst im eigenen Innern ein, daß es 4 ist, so wissen Sie es, und Sie wissen auch, daß die anderen im Irrtum sein müssen — geradeso, wie wenn jemand behauptete, daß die drei Winkel eines Dreiecks nicht zusammen 180 Grad betragen.

[ 14 ] Today, there are only a few precursors to the things felt in the true inner self. These are mathematical and geometric truths. You cannot vote on them. If a million people told you that 2 × 2 = 5, and you felt within yourself that it is 4, then you know it, and you also know that the others must be mistaken—just as if someone claimed that the three angles of a triangle do not add up to 180 degrees.

[ 15 ] Das ist Manas-Kultur, wenn immer mehr empfunden werden die Quellen der Wahrheit in dem stark gewordenen Individuellen, Persönlichen des Menschen und wenn zu gleicher Zeit das, was empfunden wird als höhere Wahrheit, auch von Mensch zu Mensch übereinstimmt wie die mathematischen Wahrheiten. In diesen stimmen die Menschen heute schon überein, weil das die trivialsten Wahrheiten sind. In bezug auf die anderen Wahrheiten streiten sich die Menschen, nicht weil es über dieselbe Sache zwei verschiedene richtige Meinungen geben kann, sondern weil die Menschen noch nicht so weit gekommen sind, das alles zu erkennen und niederzukämpfen, was an persönlicher Sympathie oder Antipathie sie trennt. Würde bei den einfachen mathematischen Wahrheiten noch die eigene Meinung in Betracht kommen, so würden viele Hausfrauen vielleicht dafür stimmen, daß 2x 2=5 ist und nicht 4. Für den, der tiefer in die Natur der Dinge hineinsieht, ist es eben unmöglich, über die höhere Natur der Dinge zu streiten, es gibt nur die Möglichkeit, sich dazu hinaufzuentwickeln. Dann trifft die Wahrheit, die in der einen Seele gefunden ist, genau zusammen mit der Wahrheit in der anderen Seele; dann streitet man nicht mehr. Und das ist die Gewähr des wahren Friedens und der wahren Brüderlichkeit, weil es nur eize Wahrheit gibt, und diese Wahrheit hat wirklich etwas zu tun mit der geistigen Sonne. Denken Sie einmal, wie die einzelnen Pflanzen ordentlich wachsen; jede Pflanze wächst der Sonne zu, und es ist nur eine einzige Sonne. So wird, wenn im Verlauf der sechsten Kulturepoche das Geistselbst in die Menschen einziehen wird, tatsächlich eine geistige Sonne da sein, der sich alle Menschen zuneigen und in der sie übereinstimmen werden. Das ist die große Perspektive, die uns in Aussicht steht für die sechste Epoche. Und in der siebenten Epoche wird der Lebensgeist oder die Buddhi in einer gewissen Weise einziehen in unsere Entwickelung.

[ 15 ] This is Manas culture: when the sources of truth are increasingly perceived in the strengthened individual and personal aspects of human beings, and when, at the same time, what is perceived as a higher truth also coincides from person to person, just as mathematical truths do. People already agree on these today, because they are the most trivial truths. With regard to other truths, people argue—not because there can be two different correct opinions on the same matter, but because people have not yet reached the point where they can recognize and overcome everything that divides them in terms of personal sympathy or antipathy. If personal opinion were still a factor in simple mathematical truths, many housewives might perhaps vote that 2 × 2 = 5 and not 4. For those who look more deeply into the nature of things, it is simply impossible to argue about the higher nature of things; there is only the possibility of elevating oneself to that level. Then the truth found in one soul coincides exactly with the truth in another soul; then there is no longer any dispute. And that is the guarantee of true peace and true brotherhood, because there is only one truth, and this truth truly has something to do with the spiritual sun. Just think how each individual plant grows in its own way; every plant grows toward the sun, and there is only one sun. So when, in the course of the sixth cultural epoch, the spiritual self enters into human beings, there will indeed be a spiritual sun toward which all people will turn and in which they will be united. That is the great prospect that lies before us for the sixth epoch. And in the seventh epoch, the life spirit, or buddhi, will, in a certain sense, enter into our evolution.

[ 16 ] Das sind ferne Zukünfte, in die wir nur erahnend einen Blick hineinwerfen können. Jetzt aber sind wir uns darüber klar: Es wird eine sehr wichtige Kulturepoche sein, diese sechste; denn sie wird durch gemeinsame Weisheit Frieden und Brüderlichkeit bringen. Friede und Brüderlichkeit dadurch, daß sich dann nicht bloß für einzelne auserlesene Menschen, sondern für den in normaler Entwickelung stehenden Teil der Menschen hineinsenkt das höhere Selbst, zunächst in seiner niederen Form, als Geistselbst oder Manas. Eine Verbindung des menschlichen Ich, wie es sich so allmählich herangebildet hat, mit dem höheren Ich, mit dem einenden Ich wird dann stattfinden. Wir können das eine geistige Ehe nennen - und so nannte man auch immer in der christlichen Esoterik die Verbindung des menschlichen Ich mit dem Manas oder dem Geistselbst. Aber die Dinge hängen in der Welt tief zusammen, und der Mensch kann nicht von sich aus sozusagen die Hand ausstrecken und dieses Manas oder Geistselbst herbeiziehen; sondern noch eine viel höhere Entwickelungsstufe wird er erreichen müssen, damit er sich in bezug auf diese Dinge selber helfen könne.

[ 16 ] These are distant futures into which we can only glimpse a faint vision. But we are now certain of this: This sixth cultural epoch will be a very important one, for it will bring peace and brotherhood through collective wisdom. Peace and brotherhood will come about because the Higher Self—initially in its lower form, as the Spiritual Self or Manas—will then descend not merely upon a select few individuals, but upon that portion of humanity that is at a normal stage of development. A union will then take place between the human “I,” as it has gradually developed, and the Higher “I,” the unifying “I.” We can call this a spiritual marriage—and this is how the union of the human “I” with the Manas, or the spiritual self, has always been referred to in Christian esotericism. But things in the world are deeply interconnected, and human beings cannot, so to speak, reach out on their own and draw this Manas or spiritual self to themselves; rather, they will have to attain a much higher stage of development before they can help themselves in regard to these matters.

[ 17 ] Damit überhaupt das geschehen könne, daß der Mensch sich in der nachatlantischen Zeit vereinige mit dem höheren Ich, mußte der Menschheitsentwickelung Hilfe kommen. Wenn irgend etwas erreicht werden soll, muß es vorbereitet werden. Wenn ein Kind mit dem fünfzehnten Jahre etwas werden soll, muß man ja auch schon vom sechsten, siebenten Jahre darauf hinarbeiten. Überall muß eine Entwickelung ihre Impulse vorbereiten. Was mit der Menschheit im sechsten Zeitraum geschehen soll, mußte langsam vorbereitet werden. Es mußte von außen die Gewalt und die Kraft kommen zu dem, was dann im sechsten Zeitraum mit der Menschheit geschehen soll.

[ 17 ] For humanity to be able to unite with the higher Self in the post-Atlantean era, help had to come to human evolution. If anything is to be achieved, it must be prepared for. If a child is to become something by the age of fifteen, one must, of course, begin working toward that goal as early as the sixth or seventh year. Every process of development must prepare its own impulses. What is to happen to humanity in the sixth epoch had to be prepared gradually. The power and strength for what is to happen to humanity in the sixth epoch had to come from outside.

[ 18 ] Die erste Vorbereitung war eine noch ganz von außen aus dem Geistigen heraus wirkende, eine solche, die noch nicht heruniergestiegen war in die physische Welt. Das wird uns angedeutet durch die große Mission des hebräischen Volkes. Als Moses, der in die ägyptischen Mysterien Eingeweihte, von der geistigen Weltenleitung jenen Auftrag bekam, den wir charakterisieren konnten mit den Worten: «Sage ihnen als meinen Namen, wenn du ihnen meine Gesetze sagst, ich bin der «Ich-bin»» (2. Mose 3, 14), da war ihm mit diesen Worten aufgetragen: Bereite sie vor, indem du auf den gestaltlosen, unsichtbaren Gott hindeutest. Weise darauf hin, daß - während der Vater-Gott noch in dem Blute wirkt - für diejenigen, die es verstehen können, vorbereitet wird das «Ich-bin», das dann bis in den physischen Plan hinuntersteigen soll! - Das wurde sozusagen innerhalb der dritten Kulturepoche veranlagt. Und aus dem hebräischen Volke sehen wir die Mission entströmen, den Gott der Menschheit zu übermitteln, der dann tiefer heruntersteigt, der im Fleische erscheint. Vorher ist er verkündigt worden, nachher ist er für das äußere Auge im Fleische erschienen. Damit ist im rechten Sinne zum Ausdruck gekommen, was durch Moses vorbereitet worden war.

[ 18 ] The first stage of preparation was one that still operated entirely from the outside, from the spiritual realm—one that had not yet descended into the physical world. This is indicated to us by the great mission of the Hebrew people. When Moses, who had been initiated into the Egyptian mysteries, received that commission from the spiritual leadership—which we might characterize with the words: “Tell them, when you give them my laws, that my name is ‘I Am’” (Exodus 3:14), he was charged with these words: Prepare them by pointing to the formless, invisible God. Point out that—while the Father-God still works through the blood—for those who can understand, the “I Am” is being prepared, who is then to descend all the way down to the physical plane! - This was, so to speak, laid the groundwork for within the third cultural epoch. And from the Hebrew people we see the mission emanating to convey to humanity the God who then descends more deeply, who appears in the flesh. Beforehand, He had been proclaimed; afterward, He appeared in the flesh to the outer eye. Thus, what had been prepared through Moses was expressed in the true sense.

[ 19 ] Fassen wir diesen Zeitpunkt einmal recht ins Auge: die geistige Verkündigung durch Moses und den Abschluß dieser Verkündigung, das Erscheinen des verkündeten Messias in dem Christus. Von dieser Zeitepoche an, die wir als einen ersten Abschnitt in der Geschichte des Christentums bezeichnen könnten, wird in die Menschheitsentwickelung hinein der reale Impuls gelegt zur Einheit und Brüderlichkeit, die da kommen soll im sechsten Zeitraum. Es ist, wie wenn eine Kraft in etwas hinabversenkt wird, die dann weiter wirkt, damit die Frucht nach und nach herauskommt. So wirkte diese Kraft weiter bis in unsere Zeit hinein, bis in die Zeit, die wir schildern mußten als eine solche, in welcher die Menschheit mit ihren intellektuellen und geistigen Kräften ganz hinuntergestiegen ist in die Materie. Man könnte nun fragen: Warum mußte denn das Christentum gerade zur Welt kommen als unmittelbarer Vorläufer der tiefsten materiellen Epoche?

[ 19 ] Let us take a close look at this moment in history: the spiritual proclamation through Moses and the culmination of this proclamation—the appearance of the promised Messiah in the person of Christ. From this epoch onward—which we might call the first phase in the history of Christianity—the real impulse toward unity and brotherhood, which is to come in the sixth epoch, is laid into the development of humanity. It is as if a force were sunk into something, which then continues to work so that the fruit gradually emerges. Thus this force continued to work right up to our own time, to the era we have had to describe as one in which humanity, with its intellectual and spiritual powers, has descended entirely into matter. One might now ask: Why, then, did Christianity have to come into the world precisely as the immediate precursor to the most deeply material epoch?

[ 20 ] Denken Sie einmal, die Menschheit wäre ohne das Christentum eingetreten in diese tiefste materielle Epoche. Es wäre dann für sie unmöglich gewesen, den Impuls nach aufwärts wiederzufinden. Denken Sie sich den Impuls, der der Menschheit durch den Christus eingepflanzt worden ist, fort, und die ganze Menschheit müßte in die Dekadenz fallen, müßte mit der Materie sich auf ewig verbinden; sie würde, wie es im Okkultismus heißt, «von der Schwere der Materie erfaßt» und aus ihrer Entwickelung hinausgeworfen werden. So müssen wir uns vorstellen, daß die Menschheit in der nachatlantischen Kulturepoche einen Ruck hinuntergeht in die Materie. Und es kam in die Menschheit, bevor die niederste Stufe erreicht wurde, der andere Impuls, der wieder hinauf in die entgegengesetzte Richtung stößt. Das war der Christus-Impuls. Hätte der Christus-Impuls früher gewirkt, so wäre die Menschheit überhaupt nicht zur materiellen Entwickelung gekommen. Wäre er hineingefallen in die alte indische Kulturepoche, würde die Menschheit gewiß durchdrungen worden sein von dem spirituellen Element des Christentums, aber die Menschheit würde nie so tief hinuntergestiegen sein, daß sie alles das, was wir heute äußere physische Kultur nennen, hätte hervorbringen können.

[ 20 ] Just imagine if humanity had entered this deepest material epoch without Christianity. It would then have been impossible for it to rediscover the impulse to rise again. Imagine if the impulse implanted in humanity by Christ were to cease; all of humanity would fall into decadence, would become eternally bound to matter; it would, as occultism puts it, be “seized by the heaviness of matter” and cast out of its evolution. Thus we must imagine that humanity, in the post-Atlantean cultural epoch, takes a plunge downward into matter. And before the lowest stage was reached, another impulse entered humanity, one that propels it back upward in the opposite direction. That was the Christ impulse. Had the Christ impulse taken effect earlier, humanity would never have embarked on material development at all. Had it entered the ancient Indian cultural epoch, humanity would certainly have been permeated by the spiritual element of Christianity, but humanity would never have descended so deeply as to be able to bring forth all that we today call external physical culture.

[ 21 ] Es mag sonderbar erscheinen, wenn man sagt, ohne das Christentum gäbe es keine Eisenbahnen, Dampfschiffe usw., aber für den, der die Dinge im Zusammenhang erkennt, ist es so. Niemals würden aus der alten indischen Kulturepoche diese Kulturmittel hervorgegangen sein. Es gibt einen geheimen Zusammenhang zwischen dem Christentum und alle dem, was heute der sogenannte Stolz der Menschheit ist. Dadurch, daß das Christentum bis zum rechten Zeitpunkt wartete, hat es möglich gemacht die äußere Kultur; und dadurch, daß es zur rechten Zeit eingetreten ist, hat es möglich gemacht, daß diejenigen, die sich mit dem Christus-Prinzip verbinden, wieder sich erheben können aus der Materie.

[ 21 ] It may seem strange to say that without Christianity there would be no railroads, steamships, etc., but for those who see things in context, this is indeed the case. These cultural achievements would never have emerged from the ancient Indian cultural era. There is a secret connection between Christianity and all that which is today known as the “pride of humanity.” By waiting until the right moment, Christianity made material civilization possible; and by arriving at the right time, it made it possible for those who connect with the Christ principle to rise again out of matter.

[ 22 ] Da aber das Christentum als etwas Unverstandenes aufgenommen worden ist, ist es arg vermaterialisiert worden. Es ist so weit mißverstanden worden, daß es selbst materialistisch aufgefaßt worden ist. Und so ist es in gewisser Weise sogar eine arg verzerrte, materialistische Gestalt, die das Christentum angenommen hat im Verlaufe der Zeit, die wir eben ins Auge faßten bis zu uns hinauf und die wir als einen zweiten Abschnitt bezeichnen können. Statt zum Beispiel die höhere spirituelle Idee des Abendmahls zu begreifen, wurde das Abendmahl vermaterialisiert, wurde als grobe Substanzverwandlung vorgestellt. Und so könnten wir Hunderte und aber Hunderte von Beispielen dafür anführen, daß das Christentum als spirituelle Erscheinung nicht verstanden worden ist. Jetzt sind wir ungefähr an dem Zeitpunkte angekommen, wo diese zweite Epoche abläuft, wo notwendigerweise die Menschheit an das spirituelle Christentum anknüpfen muß, an das, was das Christentum wirklich sein soll, um den wahren geistigen Inhalt aus ihm herauszuholen. Und das wird geschehen durch die anthroposophische Vertiefung des Christentums. Indem wir Anthroposophie auf das Christentum anwenden, folgen wir der welthistorischen Notwendigkeit, die dritte christliche Zeitepoche vorzubereiten, die entgegenlebt dem Einströmen des Manas im sechsten Zeitraum. Das wird sozusagen das dritte Kapitel sein. — Das erste Kapitel ist die Zeit der Vorverkündigung des Christentums bis zum Erscheinen des Christus Jesus und ein wenig darüber hinaus. Das zweite Kapitel ist das tiefste Heruntertauchen des menschlichen Geistes in die Materie und die Vermaterialisierung selbst des Christentums. Und das dritte Kapitel soll sein die geistige Erfassung des Christentums durch anthroposophische Vertiefung.

[ 22 ] But since Christianity was accepted as something that was not understood, it has become severely materialized. It has been so deeply misunderstood that it has itself come to be regarded as materialistic. And so, in a certain sense, Christianity has even taken on a severely distorted, materialistic form over the course of the period we have just considered—up to our own time—which we can describe as a second phase. Instead of, for example, grasping the higher spiritual idea behind the Lord’s Supper, the Lord’s Supper was materialized and presented as a crude transformation of substance. And so we could cite hundreds upon hundreds of examples of how Christianity has not been understood as a spiritual phenomenon. We have now reached roughly the point in time where this second epoch is coming to an end, where humanity must necessarily connect with spiritual Christianity—with what Christianity is truly meant to be—in order to draw out its true spiritual content. And this will happen through the anthroposophical deepening of Christianity. By applying anthroposophy to Christianity, we are following the necessity of world history to prepare for the third Christian epoch, which anticipates the inflow of Manas in the sixth period. This will be, so to speak, the third chapter. — The first chapter is the period of the forerunner message of Christianity up to the appearance of Christ Jesus and a little beyond. The second chapter is the deepest plunge of the human spirit into matter and the materialization of Christianity itself. And the third chapter is to be the spiritual grasp of Christianity through anthroposophical deepening.

[ 23 ] Es hängt mit der ganzen materialistischen Entwickelung zusammen, daß eine solche Urkunde wie das Johannes-Evangelium bis zu unserer Zeit nicht verstanden worden ist. Eine materialistische Kultur, wie sie sich nach und nach herausgebildet hat, konnte das JohannesEvangelium nicht voll verstehen. Die spirituelle Kultur, die mit der anthroposophischen Bewegung beginnen muß, wird gerade dieses Dokument in seiner wahren spirituellen Gestalt verstehen und das vorbereiten, was hinüberleiten soll in die sechste Kulturepoche.

[ 23 ] It is due to the overall course of materialistic development that a text such as the Gospel of John has not been understood until now. A materialistic culture, as it has gradually taken shape, could not fully understand the Gospel of John. The spiritual culture that must begin with the anthroposophical movement will understand precisely this document in its true spiritual form and prepare the way for the transition into the sixth cultural epoch.

[ 24 ] Für denjenigen, der eine christliche Einweihung oder eine rosenkreuzerische Einweihung erlangt - übrigens auch für den, der überhaupt die Einweihung erlangt -, stellt sich eine ganz besondere Erscheinung heraus. Für ihn erlangen die Dinge, die da vorgehen, eine doppelte Bedeutung: die eine, welche sich außen abspielt in der physischen Welt, die andere, durch welche die Dinge, die sich in der physischen Welt abspielen, Fingerzeige sind für große, umfassende geistige Geschehnisse. Und so werden Sie mich verstehen, wenn ich jetzt versuche, ein wenig den Eindruck zu schildern, den bei einer bestimmten Gelegenheit derjenige hatte, der das Johannes-Evangelium geschrieben hat.

[ 24 ] For anyone who attains a Christian initiation or a Rosicrucian initiation—and, incidentally, for anyone who attains initiation at all—a very special phenomenon becomes apparent. For them, the events that take place take on a dual meaning: one that unfolds externally in the physical world, and the other through which the events in the physical world serve as pointers to great, all-encompassing spiritual occurrences. And so you will understand me when I now attempt to describe a little of the impression that the author of the Gospel of John had on a certain occasion.

[ 25 ] Es gab ein besonderes Ereignis im Verlaufe des Lebens des Christus Jesus, und dieses Ereignis geschah auf dem physischen Plane. Derjenige, der im Sinne des Johannes-Evangeliums schildert, schildert es aber als Eingeweihter. Daher stellt für ihn das Ereignis zu gleicher Zeit dar die Wahrnehmungen und Erlebnisse während des Einweihungsaktes. Denken Sie sich nun den letzten Schluß des Einweihungsaktes.

[ 25 ] There was a special event in the life of Jesus Christ, and this event took place on the physical plane. However, the one who describes it in the sense of the Gospel of John does so as an initiate. Therefore, for him, the event simultaneously represents the perceptions and experiences during the initiation rite. Now imagine the final moment of the initiation rite.

[ 26 ] Dreieinhalb Epochen, die in alten Zeiten, wie wir schon erwähnt hatten, durch dreieinhalb Tage dargestellt waren, war der Einzuweihende in einem lethargischen Schlaf. An jedem Tage erlebte der Einzuweihende etwas anderes in bezug auf die geistigen Welten. Am ersten Tage hatte er bestimmte Erlebnisse, die sich ihm als Geschehnisse in der geistigen Welt darstellten, am zweiten Tage andere und am dritten Tage wieder andere. Nun hat sich demjenigen, von dem hier die Rede ist in der betreffenden Stelle, gezeigt, was sich geistig immer zeigt für das hellseherische Vermögen: die Zukunft der Menschheit. Wissen wir die Impulse der Zukunft, so können wir sie der Gegenwart einimpfen und dadurch die Gegenwart der Zukunft entgegenführen.

[ 26 ] For three and a half epochs—which, as we have already mentioned, were represented in ancient times by three and a half days—the initiate was in a lethargic sleep. On each day, the initiate experienced something different in relation to the spiritual worlds. On the first day, he had certain experiences that appeared to him as events in the spiritual world; on the second day, others; and on the third day, still others. Now, the person referred to here in this passage was shown what always reveals itself spiritually to the clairvoyant faculty: the future of humanity. If we know the impulses of the future, we can instill them into the present and thereby guide the present toward the future.

[ 27 ] Denken Sie sich den Seher der damaligen Zeit. Er erlebte die geistige Bedeutung des ersten der geschilderten Kapitel, von da an, wo der Ruf ertönt: «Sage deinem Volk: Ich bin der «Ich-bin»», bis zur Herabkunft des Messias. Als zweites Kapitel erlebte er den Herunterstieg des Christus in die Materie. Und als drittes Kapitel erlebte er, wie allmählich die Menschheit vorbereitet wird, zu empfangen den Geist oder das Geistselbst, Manas, im sechsten Zeitraum. Und er erlebte das in einem astralen Vorgesicht. Er erlebte die Hochzeit zwischen der Menschheit und dem Geist. Das ist ein wichtiges Erlebnis, das aber die Menschheit nur dadurch äußerlich zur Ausprägung bringen kann, daß der Christus in die Zeit, in die Geschichte eingetreten ist. Vorher hat die Menschheit nicht gelebt in einer solchen Brüderlichkeit, die durch den im Innern aufgegangenen Geist herbeigeführt wird, wo Friede ist zwischen Mensch und Mensch. Vorher gab es nur die Liebe, die materiell vorbereitet war durch die Blutsverwandtschaft. Diese Liebe entwickelt sich nach und nach zur geistigen Liebe, und diese geistige Liebe senkt sich herunter. Als Schlußerfolg des dritten Kapitels der Einweihung sagen wir daher: Die Menschheit feiert ihre Ehe mit dem Geistselbst oder Manas. Das kann erst eintreten, wenn die Zeit dafür gekommen ist, wenn die Zeit reif geworden ist für das volle Verwirklichen des Impulses des Christus. Solange sie nicht gekommen ist, so lange gilt noch das Verhältnis, das sich auf die Blutsverwandtschaft begründet, so lange ist die Liebe nicht geistig. Überall, wo in den alten Urkunden von Zahlen gesprochen wird, ist von dem Geheimnis der Zahl die Rede. Und wenn wir lesen: «Am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa» (2, 1), so weiß jeder Eingeweihte, daß mit diesem «dritten Tage» etwas Besonderes gemeint ist. Was liegt da vor? Der Schreiber des Johannes-Evangeliums weist hier darauf hin, daß es sich nicht nur um ein wirkliches Erlebnis handelt, sondern zu gleicher Zeit noch um eine große, gewaltige Prophetie. Diese Hochzeit drückt aus die große Menschheitshochzeit, die sich in der Einweihung zeigte am dritten Tage. Am ersten Tage zeigte sich, was sich in der ersten Epoche abspielt beim Herübergehen von der dritten in die vierte Kulturepoche, am zweiten Tage, was sich abspielt beim Herübergehen von der vierten zur fünften Kulturepoche, und am dritten Tage das, was geschieht, wenn die Menschheit von der fünften zur sechsten Kulturepoche hinübergehen wird. Das sind die drei Tage der Einweihung. Und es mußte der ChristusImpuls warten bis zum dritten Zeitpunkt. Vorher ist der Zeitpunkt nicht da, wo er wirken kann.

[ 27 ] Imagine the seer of that time. He experienced the spiritual significance of the first of the chapters described—from the point where the call resounds: “Say to your people: I am the ‘I Am,’”—through to the descent of the Messiah. As the second chapter, he experienced the descent of Christ into matter. And as the third chapter, he experienced how humanity is gradually being prepared to receive the Spirit, or the spiritual self, Manas, in the sixth epoch. And he experienced this in an astral vision. He experienced the marriage between humanity and the Spirit. This is an important experience, but one that humanity can only bring to outward expression through the fact that Christ has entered into time and history. Before that, humanity did not live in the kind of brotherhood brought about by the Spirit that has arisen within, where there is peace between one person and another. Before that, there was only love that was materially prepared through blood kinship. This love gradually develops into spiritual love, and this spiritual love descends. As the concluding point of the third chapter of the Initiation, we therefore say: Humanity celebrates its marriage with the Spiritual Self, or Manas. This can only take place when the time for it has come, when the time has ripened for the full realization of the Christ impulse. As long as that time has not come, the relationship based on blood kinship still prevails; as long as that is the case, love is not spiritual. Wherever the ancient texts speak of numbers, they are referring to the mystery of numbers. And when we read, “On the third day there was a wedding at Cana in Galilee” (2:1), every initiate knows that this “third day” signifies something special. What is meant by this? The author of the Gospel of John points out here that this is not merely a real-life event, but at the same time a great and mighty prophecy. This wedding symbolizes the great wedding of humanity, which was revealed in the initiation on the third day. On the first day, what takes place in the first epoch during the transition from the third to the fourth cultural epoch was revealed; on the second day, what takes place during the transition from the fourth to the fifth cultural epoch; and on the third day, what will happen when humanity transitions from the fifth to the sixth cultural epoch. These are the three days of the initiation. And the Christ impulse had to wait until the third moment. Before that, the moment is not yet here when it can take effect.

[ 28 ] Im Johannes-Evangelium wird hingedeutet auf eine besondere Beziehung von «mir und dir», von «uns beiden». Dies ist es nämlich, was dort steht, nicht das absurde: «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen ?» Als die Mutter den Christus auffordert, daß er das Zeichen tue, sagt er: «Meine Zeit ist noch nicht gekommen » (2, 4), um auf Hochzeiten zu wirken, das heißt um die Menschen zusammenzuführen. Die Zeit wird erst kommen. Jetzt wirkt noch nach und wird fortwirken dasjenige, was auf Blutsbande begründet ist; daher der Hinweis auf Beziehungen zwischen Mutter und Sohn bei der Hochzeit.

[ 28 ] The Gospel of John alludes to a special relationship between “me and you,” between “the two of us.” For this is what it actually says there, not the absurd statement: “Woman, what do I have to do with you?” When the mother asks Christ to perform a sign, he says, “My hour has not yet come” (2:4), to work at weddings—that is, to bring people together. That time is yet to come. For now, what is based on blood ties continues to have an effect and will continue to do so; hence the reference to the relationship between mother and son at the wedding.

[ 29 ] Wenn wir so diese Urkunde betrachten, hebt sich uns alles real Äußerliche ab von einem bedeutsamen spirituellen Hintergrund. Wir schauen in eine abgrundartige Tiefe des geistigen Lebens hinein, wenn wir durchschauen, was ein solcher Eingeweihter, wie der Schreiber des Johannes-Evangeliums, der Menschheit geschenkt hat und was er ihr nur dadurch schenken konnte, daß der Christus seinen Impuls der Menschheitsentwickelung eingeimpft hat.

[ 29 ] When we look at this document in this way, everything that is truly external stands out against a significant spiritual backdrop. We gaze into an abysmal depth of spiritual life when we comprehend what an initiate such as the author of the Gospel of John has given to humanity—and what he could give to humanity only because Christ had instilled His impulse into the development of humanity.

[ 30 ] So haben wir gesehen, daß nicht durch eine hohle Allegorie oder Symbolik, sondern aus der astralen Wirklichkeit heraus, die der Eingeweihte erlebt, diese Dinge erklärt werden müssen. Nicht nur um eine symbolische Auslegung kann es sich hier handeln, sondern um eine Erzählung dessen, was der Eingeweihte erlebt. Wenn das nicht so hingestellt wird, erlebt man es wohl mit Recht, daß diejenigen, die da draußen stehen, sagen, die Geisteswissenschaft bringe gar nichts weiter als allegorische Auslegungen! Wenn wir nun an dieser Stelle die geisteswissenschaftliche Auslegung, so wie wir es jetzt verstanden haben, anwenden, dann lernen wir, wie durch drei Weltentage hindurch - von der dritten in die vierte, von der vierten in die fünfte und von der fünften in die sechste Kulturepoche — der Christus-Impuls innerhalb der Menschheit wirkt. Und wir sehen diese Entwickelung im Sinne des Johannes-Evangeliums so an, daß wir sagen: Der Impuls des Christus war ein so großer, daß ihn die Menschheit heute nur zum geringsten Teile verstanden hat und daß er erst in einer späteren Zeit ganz verstanden werden wird.

[ 30 ] Thus we have seen that these things must be explained not through hollow allegory or symbolism, but from the astral reality experienced by the initiate. This is not merely a matter of symbolic interpretation, but a narrative of what the initiate experiences. If this is not presented as such, one will rightly find that those on the outside say that spiritual science offers nothing more than allegorical interpretations! If we now apply the spiritual-scientific interpretation, as we have now understood it, at this point, then we learn how the Christ impulse works within humanity through three world ages—from the third into the fourth, from the fourth into the fifth, and from the fifth into the sixth cultural epoch. And we view this development in the spirit of the Gospel of John in such a way that we say: The Christ impulse was so great that humanity has understood only the smallest part of it today, and that it will be fully understood only at a later time.