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The Rudolf Steiner Archive

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Cosmos, Earth and Man
GA 105

5 August 1908, Stuttgart

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Wir werden uns am besten hineinfinden in unser Thema mit dem weiten Horizont, den wir uns gestellt haben, wenn wir versuchen, uns zuerst einmal eine intimere Vorstellung zu bilden von den beiden Gegensätzen, die zunächst für uns in Betracht kommen, wenn wir Welt und Erde miteinander in Beziehung setzen. Diese beiden Gegensätze sind: das Geistig-Seelische und das Physisch-Materielle. Wir wollen versuchen, sie an einer Erscheinung zu erörtern, die für den heutigen Menschen mehr oder weniger rätselhaft ist und die uns gerade aus der alten ägyptischen Weltanschauung und Lebensführung entgegentritt in dem sogenannten Tempelschlaf. Der Tempelschlaf liegt ja der anderen eigentümlichen Tatsache zugrunde, daß bei den ägyptischen Priesterweisen, und überhaupt in der alten Kultur der Menschheit, die Weisheit in innigem Zusammenhange mit der Heilkunst, mit der Gesundheit gedacht wurde. Von den innigen Beziehungen zwischen Weisheit und Gesundheit, zwischen Wissenschaft und Heilkunst macht sich der heutige Mensch gegenüber jenen alten Vorstellungen doch nur einen sehr schwachen Begriff; und es wird die Aufgabe der Geisteswissenschaft sein, die Menschheit wiederum hinzuweisen auf jenen Begriff des Geistigen, durch den Weisheit und Heilkunst und Gesundheit wieder in einen näheren Zusammenhang gebracht werden. Wir erinnern uns dabei auch an etwas, das an allerlei Ausführungen anklingt, die wir gestern gemacht haben. Wir erinnern uns dabei jener alten Gestalt, an die wir denken mußten, als wir uns das Bild der Madonna mit ihrem Kinde, so wie Raffael es in der Sixtinischen Madonna gemalt hat, vor die Seele stellten, wir erinnern uns der Isis mit dem Horuskinde. Es ist die Göttin, deren Tempel die Aufschrift trug: «Ich bin, die da war, die da ist, die da sein wird — meinen Schleier kann kein Sterblicher lüften.» Diese Göttin wurde in einen geheimnisvollen Zusammenhang mit aller Heilkunst gebracht, sie wurde geradezu als die Lehrerin der ägyptischen Priester in bezug auf die Heilkunst betrachtet. Und eine merkwürdige Rede führte man noch in den letzten Zeiten des Altertums von jener Isis; in dieser Rede werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß Isis sich noch in der Zeit, in der sie unter die Unsterblichen versetzt wurde, für die Heilkunst, für die Gesundheit der Menschen besonders interessiert hat. Das alles deutet auf sehr geheimnisvolle Zusammenhänge hin.

[ 1 ] The best way to get a feel for our topic—given the broad scope we have set for ourselves—is to first try to form a more intimate understanding of the two opposites that immediately come to mind when we relate the world and the Earth to one another. These two opposites are: the spiritual-soul aspect and the physical-material aspect. Let us attempt to discuss them in relation to a phenomenon that is more or less enigmatic to modern people and that confronts us precisely through the ancient Egyptian worldview and way of life in what is known as “temple sleep.” Temple sleep, after all, is rooted in the other distinctive fact that among the Egyptian priestly sages—and indeed in the ancient culture of humanity as a whole—wisdom was conceived as intimately connected with the art of healing and with health. Modern people, however, have only a very vague understanding of the intimate connections between wisdom and health, between science and the art of healing, when compared to those ancient conceptions; and it will be the task of spiritual science to once again direct humanity’s attention to that concept of the spiritual through which wisdom, the art of healing, and health can be brought into a closer connection. In this context, we also recall something that resonates with various remarks we made yesterday. We recall that ancient figure we were compelled to think of when we visualized the image of the Madonna with her Child, as Raphael painted it in the Sistine Madonna; we recall Isis with the child Horus. She is the goddess whose temple bore the inscription: “I am who was, who is, and who will be—no mortal can lift my veil.” This goddess was associated in a mysterious way with all the arts of healing; she was regarded, in fact, as the teacher of the Egyptian priests in matters of healing. And even in the final days of antiquity, a remarkable account was told about this Isis; in this account, we are made aware that Isis, even during the time when she was raised to the ranks of the immortals, took a special interest in the art of healing and in the health of humankind. All of this points to very mysterious connections.

[ 2 ] Nun müssen wir mit einigen Strichen uns einmal das Wesen des Tempelschlafs, der zu den Heilmitteln der ägyptischen Priester gehörte, vor die Seele stellen. Derjenige, der in irgendeiner Weise an seiner Gesundheit Schaden gelitten hatte, wurde in der Regel nicht mit äußeren Heilmitteln behandelt in jenen Zeiten; es gab deren überhaupt nur wenig, und nur in seltenen Fällen wurden sie angewendet. Dagegen wurde der Betreffende in den meisten Fällen in den Tempel gebracht und dort in eine Art Schlaf versetzt. Es war das aber kein gewöhnlicher Schlaf, sondern eine Art von somnambulem Schlaf, der so gesteigert war, daß der Betreffende fähig wurde, nicht nur chaotische Träume zu haben, sondern regelrechte Gesichte zu sehen. Er nahm während dieses Tempelschlafes ätherische Gestalten in der geistigen Welt wahr, und die Priesterweisen verstanden die Kunst, auf diese ätherischen Bilder des Menschen einzuwirken; sie konnten sie lenken und leiten. Nehmen wir an, ein solcher Kranker wurde in den Tempelschlaf versetzt. Der heilkundige Priester war an seiner Seite. Wenn der somnambule Schlaf eingetreten war, so daß der Kranke also in einer Welt von ätherischen Gestalten lebte, dann lenkte der Priester durch die Macht, die ihm durch seine Einweihung innewohnte und die nur in jenen alten Zeiten möglich war, wo noch Daseinsbedingungen herrschten, die heute gar nicht mehr oder doch nur ganz selten vorhanden sind, da lenkte er durch diese Macht, durch diese Kräfte den ganzen Schlafzustand. Und er formte und gestaltete die ätherischen Gesichte und Wesenheiten so, daß tatsächlich wie durch einen Zauber vor dem Schlafenden die Gestalten auftauchten, die einst der alte Atlantier als seine Götter gesehen hatte. Solche Göttergestalten, an die die verschiedenen Völker nur noch eine Erinnerung bewahrt haben, zum Beispiel in der germanischen, der nordischen und auch in der griechischen Mythologie, besonders aber bestimmte Gestalten, die mit dem heilenden Prinzip verbunden waren, wurden nun vor die Seele dessen gestellt, der sich im Tempelschlaf befand. Wäre der Mensch bewußt geblieben wie in seinem Tagesbewußtsein, so wäre niemals die Möglichkeit vorhanden gewesen, solche Kräfte auf ihn wirken zu lassen; das war nur in einem solchen somnambulen Schlaf möglich. Die Priesterweisen lenkten das 'Traumleben also, daß starke Kräfte in diesem ätherischen Anschauen entfesselt wurden, und diese Kräfte wirkten ordnend und harmonisierend auf die in Unordnung und Disharmonie gebrachten Leibeskräfte. Bei diesem herabgestimmten Ich-Bewußtsein war das möglich. Der Tempelschlaf hatte also eine sehr reale Bedeutung. Aber wir sehen nun auch, warum eigentlich diese heilende Wirkung der Priesterweisen in solchen Zusammenhang mit der Weisheit gebracht wurde, die den Menschen nur durch ihre Einweihung zuteil werden konnte. Dieser Zusammenhang liegt klar vor uns. Die Priesterweisen waren es ja, die durch Wiederbelebung des alten Hineinschauens in die höheren Welten gerade in ihrer Weisheit die höheren Kräfte hatten, die aus dem Geistigen strömten, wo Geistiges auf Geistiges wirken konnte. So bekamen sie die Fähigkeit, Geistiges auf Geistiges wirken zu lassen, und dadurch kam die Weisheit überhaupt in jenen innigen Zusammenhang mit dem Gesundheitsleben.

[ 2 ] Now we must briefly sketch the nature of the temple sleep, which was one of the remedies used by the Egyptian priests. In those days, anyone whose health had been impaired in any way was generally not treated with external remedies; there were very few such remedies to begin with, and they were used only in rare cases. Instead, in most cases, the person in question was taken to the temple and induced into a kind of sleep there. This was no ordinary sleep, however, but a kind of somnambulistic sleep that was so intensified that the person became capable not only of having chaotic dreams but also of seeing actual visions. During this temple sleep, he perceived ethereal forms in the spiritual world, and the priest-sages understood the art of influencing these ethereal images of the person; they could direct and guide them. Let us suppose that such a patient was put into temple sleep. The healing priest was at his side. Once the somnambulistic sleep had set in, so that the patient was living in a world of ethereal forms, the priest would guide the process through the power inherent in him by virtue of his initiation—a power that was possible only in those ancient times when conditions of existence still prevailed that no longer exist today, or at least are extremely rare— he would guide the entire state of sleep through this power, through these forces. And he shaped and formed the ethereal visions and beings in such a way that, as if by magic, the figures that the ancient Atlanteans had once seen as their gods actually appeared before the sleeper. Such divine figures, of which the various peoples have retained only a memory—for example, in Germanic, Norse, and also Greek mythology—but especially certain figures associated with the healing principle, were now presented to the soul of the one who lay in temple sleep. Had the person remained conscious as in his waking state, there would never have been any possibility of allowing such forces to act upon him; this was possible only in such a somnambulistic sleep. The priest-sages thus guided the “dream life” in such a way that powerful forces were unleashed in this ethereal vision, and these forces had an ordering and harmonizing effect on the bodily forces that had been thrown into disorder and disharmony. This was possible because of the subdued sense of self. The temple sleep thus had a very real significance. But we now also see why this healing effect of the priest-sages was actually linked to the wisdom that could be bestowed upon people only through their initiation. This connection lies clearly before us. It was the priestly sages, after all, who—by reviving the ancient practice of looking into the higher worlds—possessed, precisely through their wisdom, the higher powers that flowed from the spiritual realm, where the spiritual could act upon the spiritual. Thus they gained the ability to allow the spiritual to act upon the spiritual, and through this, wisdom came into that intimate connection with the life of health in the first place.

[ 3 ] In diesem Sich-Hinaufheben zum Geistigen war in alten Zeiten ein gesundendes Element, und es wäre gut, wenn die Menschen so etwas wieder verstehen lernten, denn dann würden sie auch die große Mission der anthroposophischen Bewegung verstehen lernen. Was ist sie denn anderes, diese Mission, als den Menschen hinaufzuführen in die geistigen Welten, daß er wieder hineinschauen kann in die Welten, aus denen er heruntergestiegen ist! Zwar wird in zukünftigen Zeiten kein somnambuler Schlaf über die Menschen verhängt werden, das Selbstbewußtsein wird voll aufrechterhalten bleiben, aber dennoch wird die starke spirituelle Kraft wirksam werden in der Menschennatur, und dann wird der Besitz von Weisheit und Einsicht in die höheren Welten wiederum etwas sein, was ordnend und gesundend auf die Menschennatur einwirken kann. Heute liegt dieser Zusammenhang des Geistigen mit dem Heilenden so verborgen, daß die Menschen, die nicht in irgendeiner Weise in die tiefere Mysterienweisheit eingeweiht sind, nicht viel davon wissen; sie können eben die feinen Tatsachen, die vorliegen, gar nicht beobachten. Wer aber tiefer hineinschauen kann, der weiß, von welchen tief innerlichen Bedingungen eine Heilung abhängen kann. Nehmen wir zum Beispiel an, ein Mensch wird von einer gewissen Krankheit befallen, von einer Krankheit, die innere Ursachen hat, nicht also etwa Schenkelbruch oder verdorbener Magen, denn dabei handelt es sich auch um äußere Ursachen. Jeder, der tiefer in diese Dinge eindringen will, wird sehr bald einsehen, daß bei einem Menschen, der sich viel und gern mit mathematischen Vorstellungen beschäftigt, ganz andere Bedingungen der Heilung vorhanden sind als bei einem anderen, der sich nicht damit beschäftigen mag. Das ist eine Tatsache, die Sie darauf hinweist, welch ein merkwürdiger Zusammenhang besteht zwischen dem geistigen Leben eines Menschen und dem, was die Bedingungen seiner äußeren Gesundheit sind. Natürlich ist das nicht so, als ob das mathematische Denken den Menschen heilte. Wir müssen das genauer erfassen: andere Bedingungen der Heilung sind notwendig bei einem Menschen, der mathematische Vorstellungen aufnehmen kann, als bei einem, der es nicht tut. Setzen wir den Fall, zwei Menschen seien von der ganz gleichen Krankheit befallen. In Wirklichkeit kommt das ja nicht vor, aber als Hypothese können wir es ja hinstellen. Der eine will nichts wissen von mathematischen Vorstellungen, der andere beschäftigt sich intensiv damit. Es könnte dann der Fall eintreten, daß es ganz unmöglich wäre, den Nichtmathematiker gesund zu machen, während Sie den anderen mit den entsprechenden Mitteln heilen können. Das ist ein ganz realer Fall.

[ 3 ] In ancient times, this lifting oneself up toward the spiritual realm was a healing element, and it would be good if people could learn to understand this again, for then they would also come to understand the great mission of the anthroposophical movement. For what else is this mission but to lead human beings up into the spiritual worlds, so that they may once again look into the worlds from which they descended! True, in the future no somnambulistic sleep will be imposed upon people; self-consciousness will be fully preserved; yet a powerful spiritual force will become active within human nature, and then the possession of wisdom and insight into the higher worlds will once again be something that can have an ordering and healing effect on human nature. Today, this connection between the spiritual and the healing is so hidden that people who are not initiated in any way into the deeper wisdom of the mysteries know little about it; they are simply unable to perceive the subtle realities that exist. But anyone who can look more deeply into these matters knows on what profound inner conditions healing can depend. Let us take, for example, a person afflicted by a certain illness—an illness with inner causes, not, say, a broken thighbone or an upset stomach, for these also involve external causes. Anyone who wishes to delve deeper into these matters will very soon realize that a person who engages frequently and willingly with mathematical concepts possesses entirely different conditions for healing than someone who does not care to engage with them. This is a fact that points to the remarkable connection between a person’s spiritual life and the conditions of their physical health. Of course, this does not mean that mathematical thinking heals a person. We must understand this more precisely: different conditions for healing are necessary for a person who is capable of grasping mathematical concepts than for one who is not. Let us suppose that two people are afflicted with the exact same illness. In reality, this does not happen, but we can consider it as a hypothetical scenario. One wants nothing to do with mathematical concepts, while the other engages with them intensively. It could then be the case that it would be completely impossible to restore the non-mathematician to health, whereas you could heal the other person with the appropriate means. This is a very real scenario.

[ 4 ] Ein anderes Beispiel: Es liegen wieder ganz andere Gesundheitsbedingungen vor bei zwei Menschen, von denen der eine ein Atheist im schlimmsten Sinne und der andere ein tief religiös veranlagter Mensch ist. Wieder kann es geschehen, daß, wenn beide von derselben Krankheit befallen werden, Sie mit denselben Heilmitteln den religiösen gesund machen und den anderen nicht. Das sind Zusammenhänge, die dem heutigen Denken — wenigstens bei dem größten Teil der Menschheit - geradezu absurd erscheinen. Und dennoch verhält es sich so.

[ 4 ] Another example: Two people may have completely different health conditions—one is an atheist in the worst sense of the word, and the other is a deeply religious person. Once again, it may happen that, if both are afflicted by the same illness, you can cure the religious person with the same remedies but not the other. These are connections that seem downright absurd to today’s way of thinking—at least to the majority of humanity. And yet, this is how it is.

[ 5 ] Woher kommt das? Das beruht darauf, daß ein ganz anderer Einfluß auf die menschliche Natur ausgeübt wird von den sogenannten sinnlichkeitsfreien als von den sinnlichkeitserfüllten Vorstellungen. Denken Sie sich einmal den Unterschied zwischen einem Menschen, der die Mathematik haßt, und einem, der sie liebt. Der eine sagt: Das alles soll ich mir denken? Ich will aber nur das haben, was ich äußerlich mit meinen Sinnen anschauen kann! - Es ist jedoch für das innerste Wesen des Menschen von großen Nutzen, in Vorstellungen zu leben, die man nicht anschauen kann; und ebenso ist es nützlich, in religiösen Vorstellungen zu leben, denn auch diese beziehen sich auf Dinge, die man eben nicht mit den Händen greifen kann, die sich nicht auf Äußeres, Materielles beziehen, die mit einem Wort sinnlichkeitsfrei sind. Das sind Dinge, die einst, wenn man wieder mehr auf das Spirituelle sehen wird, einen großen Einfluß auf pädagogische Prinzipien haben werden. Nehmen wir zum Beispiel die einfache Vorstellung: drei mal drei ist neun. Am besten bilden sich die Kinder eine solche Vorstellung, wenn es sinnlichkeitsfrei geschieht. Es ist nicht gut, wenn sie zu lange drei mal drei Bohnen nebeneinander legen, denn dann kommen sie gar nicht über die sinnliche Vorstellung hinaus. Wenn Sie aber die Kinder daran gewöhnen, vielleicht zuerst, aber nicht zu lange, an den Fingern abzuzählen, dann es aber mit dem reinen Denken mathematisch zu verfolgen, dann wirkt diese Vorstellung gesundend und ordnend auf die Kinder. Wie wenig die jetzige Zeit von solchen Dingen versteht, das sehen wir daran, daß gerade in der Pädagogik das Gegenteil geschieht. Ist nicht in unsere Schulen die Rechenmaschine eingezogen, wo an allerlei Kugeln die Addition, Subtraktion und so weiter für das sinnliche Auge klargemacht werden soll? Das, was bloß im Geiste erfaßt werden sollte, will man, wie man sagt, auf diese Weise sinnlich veranschaulichen. Das mag bequem sein, aber wer das für pädagogisch hält, weiß nichts von jener tieferen Heilpädagogik, die in der Kraft des Geistigen wurzelt. Einen Menschen, den Sie von Kindheit auf daran gewöhnt haben, in sinnlichen Vorstellungen zu leben, werden Sie, weil sein Nervensystem unter krankhaften Bedingungen lebt, nicht so leicht heilen können wie denjenigen, der von seiner Jugend auf an sinnlichkeitsfreie Vorstellungen gewöhnt ist. Je mehr Sie den Menschen daran gewöhnen, abgesehen von den Dingen zu denken, desto leichter wird es sein, ihn zu heilen. Daher war es unter den alten Traditionen immer üblich, allerlei symbolische Figuren, Dreiecke, Zahlenkombinationen zu geben; das hatte den Zweck, neben dem übrigen Wert, den diese Dinge hatten, den Menschen zu erheben von dem bloßen Anschauen dessen, was aufgezeichnet ist. Wenn ich ein Dreieck vor mich hinstelle und es bloß anschaue, so hat das keinen besonderen Wert. Wenn ich dagegen in ihm die Symbolisierung der höheren Dreiheit des Menschen erfasse, so ist das eine für den Geist gesundende Vorstellung. Und nun denken Sie sich, daß die Geisteswissenschaft den Menschen zur Anschauung des Geistigen führen wird. Wir werden hingelenkt von dem, was sich auf der Erde abspielt, zu dem, was sich auf der alten Sonne, dem Monde, dem Saturn abgespielt hat. Mit physisch-sinnlichen Augen können Sie heute die Ereignisse von damals nicht sehen, nicht mit Sinneshänden hinaufgreifen zum alten Mond, zur alten Sonne. Aber wenn Sie ohne Zuhilfenahme der äußeren sinnlichen Krücken sich hinaufheben zu den Dingen, die da einst waren, dann eignen Sie sich Vorstellungen an, die ausgleichend und harmonisierend auf Ihr ganzes Leben einwirken, auch auf das leibliche. Daher wird die Geisteswissenschaft wieder ein großes, umfassendes Heilmittel sein, wie sie es einst war in der Handhabung der alten ägyptischen Priester, die allerdings eine Herabstimmung des Ich dazu benötigten, wie sie im Tempelschlaf ausgeübt wurde.

[ 5 ] Where does this come from? It stems from the fact that so-called “senseless” ideas exert a completely different influence on human nature than those that are “full of sensibility.” Just consider the difference between a person who hates mathematics and one who loves it. One says: “Am I supposed to think all this up? But I only want what I can see externally with my senses!” - However, it is of great benefit to the innermost being of a human being to live in concepts that cannot be seen; and it is equally beneficial to live in religious concepts, for these, too, relate to things that cannot be grasped with the hands, that do not pertain to the external, material world—in a word, concepts free from sensuality. These are things that will one day—when people once again turn their attention more toward the spiritual—have a great influence on educational principles. Let’s take, for example, the simple concept: three times three is nine. Children form such a concept best when it happens in a way that is free from the senses. It is not good if they spend too long laying out three times three beans side by side, because then they never move beyond the sensory concept. But if you accustom the children—perhaps at first, but not for too long—to counting on their fingers, and then to follow the process mathematically through pure thinking, this concept has a healing and ordering effect on the children. We can see how little the present age understands such things from the fact that, particularly in education, the opposite is happening. Hasn’t the calculator made its way into our schools, where addition, subtraction, and so on are supposed to be made clear to the sensory eye through all sorts of beads? What should be grasped purely in the mind, they want—as they say—to illustrate sensually in this way. That may be convenient, but anyone who considers this to be pedagogically sound knows nothing of that deeper curative education rooted in the power of the spiritual. A person whom you have accustomed from childhood to living in sensory images—because their nervous system functions under pathological conditions—will not be as easy to heal as someone who has been accustomed to non-sensory images from their youth. The more you accustom a person to thinking independently of things, the easier it will be to heal them. That is why it was always customary in the ancient traditions to use all kinds of symbolic figures, triangles, and number combinations; the purpose of this—in addition to the other value these things held—was to lift people beyond the mere observation of what is depicted. If I place a triangle in front of me and merely look at it, that has no particular value. If, on the other hand, I perceive in it the symbolization of the higher trinity of the human being, that is a concept that is healing for the spirit. And now imagine that spiritual science will lead people to the perception of the spiritual. We are guided from what takes place on Earth to what took place on the ancient Sun, the Moon, and Saturn. With physical, sensory eyes, you cannot see the events of those times today, nor can you reach up with your sensory hands to the ancient Moon or the ancient Sun. But if, without the aid of external sensory crutches, you lift yourself up to the things that once were, then you acquire concepts that have a balancing and harmonizing effect on your entire life, including your physical life. Thus, spiritual science will once again become a great, comprehensive remedy, as it once was in the hands of the ancient Egyptian priests, who, however, required a process of attuning the ego to this end, as was practiced during the temple sleep.

[ 6 ] Die spirituelle Weltanschauung ist eine gesundende Weltanschauung. Freilich wird da mancher einwenden: Sind denn die Anthroposophen lauter gesunde Menschen, sind unter ihnen nicht auch Kranke? Wir müssen uns darüber klarwerden, daß der einzelne Mensch im Grunde genommen sehr wenig für seine Gesundheit und Krankheit kann. Ein großer Teil der Krankheitsursachen liegt außerhalb der einzelnen Persönlichkeit. Sie können heute die gesündesten Begriffe haben, die, wenn Sie unter ganz gesunden Bedingungen leben würden, Sie niemals von innen heraus krank werden ließen; aber es gibt andere Ursachen, die nicht in der Macht des individuellen Menschen von heute liegen, zum Beispiel die geheimen Ursachen von Vererbung, des Einflusses von Mensch zu Mensch, des Einflusses einer unnatürlichen Umgebung und so weiter. Das alles sind Dinge, die in geheimnisvoller Art äußere Krankheitsursachen sind; sie alle können nur durch eine gesunde anthroposophische Denkweise im Laufe der Zeiten beseitigt werden. Aber wenn man auch sieht, daß heute selbst die innerlich gesündesten Menschen krank, sogar schwer krank werden können, so darf man dennoch darin nicht ein Zeugnis dafür erblicken, daß die Geisteswissenschaft nicht im Laufe der Jahrhunderte — und ich sage Jahrhunderte, nicht Jahrtausende - gesundend auf die Menschheit wirken werde. O, es steht vor dem Blicke des Geist-Erkennenden eine Zukunft, wo es innere Krankheitsursachen nicht geben wird für diejenigen, die die inneren und äußeren Bedingungen spiritueller Weisheit herbeiführen. Äußere Ursachen wird es immer geben, die können nur dadurch beseitigt werden, daß eine im geisteswissenschaftlichen Sinne gehaltene Heilkunst immer mehr und mehr Platz greift. Wir sehen: wenn wir die Wirkung des Geistigen richtig verstehen, dann ist der Tempelschlaf nichts Rätselhaftes für uns.

[ 6 ] The spiritual worldview is a healing worldview. Of course, some will object: Are all anthroposophists healthy people, or are there not also sick people among them? We must realize that, fundamentally, the individual has very little control over his or her health and illness. A large part of the causes of illness lies outside the individual personality. You may have the healthiest concepts today—concepts that, if you were living under perfectly healthy conditions, would never cause you to become ill from within—but there are other causes that lie beyond the power of the individual human being today, for example, the hidden causes of heredity, the influence of one person on another, the influence of an unnatural environment, and so on. All these are factors that, in a mysterious way, constitute external causes of illness; they can all be eliminated only through a healthy anthroposophical way of thinking over the course of time. But even if one sees that today even the most inwardly healthy people can become ill, even seriously ill, one must nevertheless not regard this as evidence that spiritual science will not have a healing effect on humanity over the course of the centuries—and I say centuries, not millennia. Oh, before the eyes of those who recognize the spirit lies a future in which there will be no inner causes of illness for those who bring about the inner and outer conditions of spiritual wisdom. There will always be external causes; these can only be eliminated by the increasing prevalence of a healing art grounded in spiritual science. We see: if we correctly understand the effect of the spiritual, then the “temple sleep” holds no mystery for us.

[ 7 ] Was also wurde in den ätherischen Gesichten als eine gesundheitlich wirkende Macht vor den Tempelschläfer gezaubert? Die Bilder der atlantischen Götter, die wir selbst als ätherische Gestalten kannten, unter denen die Menschen einst lebten, wenn sie außerhalb ihrer physischen Leiber waren und sich im ätherischen Hellsehen befanden.

[ 7 ] So what was conjured up in the etheric visions as a healing force before the temple sleepers? The images of the Atlantean gods, whom we ourselves knew as etheric beings, among whom people once lived when they were outside their physical bodies and in a state of etheric clairvoyance.

[ 8 ] Und wenn wir nun noch weiter in der Menschheitsentwickelung zurückgehen, weit hinter die atlantische Zeit zurück, dann gelangen wir in eine Zeit, wo der Mensch erst das wurde, was er heute ist, wo der Mensch erst eintrat in die individuelle Persönlichkeit, die er heute hat. Wir nennen diese Zeit die lemurische Zeit. Der atlantische Kontinent, von dem aus sich die Völker nach Afrika, Europa, nach Asien hin verbreiteten, ging zugrunde durch gewaltige Wasserkatastrophen. Die Lemuria, jener Erdteil, auf dem die Menschheit vor der atlantischen Zeit wohnte, ging zugrunde durch Feuergewalten, durch vulkanische Katastrophen. In der lemurischen Zeit aber war es, wo der Mensch zum ersten Male überhaupt sein Ich-Bewußtsein erworben hat. Ein gewaltiger Einschnitt in der Menschheitsentwickelung war das. Wodurch erlangt der Mensch sein Ich-Bewußtsein? Es ist im allgemeinen für das heutige materialistische Denken schwer, sich diesen alten Zustand der Menschheit vorzustellen. Wenn Sie sich den damaligen Menschen so vorstellen würden, wie er heute ist, das heißt mit Fleisch und Blut, Knochen und Muskeln, dann würden Sie eine ganz falsche Vorstellung haben. Der Mensch von damals hatte eine weit flüchtigere, weichere Gestalt; fast flüssig war alles. Das, was später zu Muskeln und Knochen geworden ist, hat sich erst im Laufe der Zeiten verhärtet. Wir kommen da in eine Zeit zurück, wo noch eine ganz andere Art der Menschheitsfortpflanzung war. Der Mensch lebte damals mehr in der Umgebung der Erde, die aber nicht wie heute reine Luft war, sondern die mit allerlei Dämpfen angefüllt war. Als eine wahre Luftgestalt lebte der Mensch da, und es zogen die äußeren Strömungen ein und aus. Es war tatsächlich beinahe so, als ob wir heute eine Wolke ansehen, die fortwährend ihre Gestalt ändert, nur etwas fester und bestimmter war die Gestalt des einstigen Menschen. Damals trat auch zuerst das ein, was wir heute als die Geschlechter bezeichnen; es wurde in jenen Zeiten innerhalb des Menschengeschlechtes eine alte ungeschlechtliche Fortpflanzungsart ersetzt durch eine geschlechtliche. Das liegt allerdings Millionen und Millionen von Jahren zurück vor der gegenwärtigen Zeit.

[ 8 ] And if we now go even further back in human evolution, far beyond the Atlantean era, we arrive at a time when human beings were just becoming what they are today, when they were just beginning to develop the individual personality they possess today. We call this era the Lemurian era. The Atlantean continent, from which the peoples spread to Africa, Europe, and Asia, was destroyed by massive floods. Lemuria, the continent where humanity lived before the Atlantean era, was destroyed by the forces of fire, by volcanic catastrophes. It was, however, during the Lemurian era that human beings first acquired their sense of self. This marked a monumental turning point in human evolution. How does a human being attain this sense of self? It is generally difficult for today’s materialistic mindset to imagine this ancient state of humanity. If you were to imagine the human being of that time as he is today—that is, with flesh and blood, bones and muscles—you would have a completely false impression. The human being of that time had a far more ephemeral, softer form; everything was almost fluid. What later became muscles and bones only hardened over the course of time. We are going back to a time when the process of human reproduction was entirely different. People back then lived more in the atmosphere surrounding the Earth, which, however, was not pure air as it is today, but was filled with all kinds of vapors. People lived there as true ethereal beings, and the outer currents flowed in and out of them. It was, in fact, almost as if we were looking at a cloud today that is constantly changing its shape; only the form of early humans was somewhat more solid and defined. It was also during that time that what we now call the sexes first emerged; in those days, an ancient asexual mode of reproduction within the human race was replaced by a sexual one. That, however, took place millions and millions of years ago, long before the present day.

[ 9 ] Mit der geschlechtlichen Fortpflanzung trat erst die Einverleibung des Ich im ersten Keime in die Menschheit ein. Früher wurde der Mensch noch durch ganz andere Einflüsse dazu angeregt, seinesgleichen aus sich hervorgehen zu lassen; durch äußere Einflüsse wurde er dazu veranlaßt, durch Einflüsse, die in der Sphäre um ihn herum lagen. Das war die Fortpflanzung jener Zeit, wo der Mensch noch nicht sein Ich hatte, wo er noch mit einem dumpfen, hellseherischen Bewußtsein ausgestattet war, wo er sozusagen noch ganz im Schoße der Gottheit ruhte. Er konnte nicht sagen: «Ich bin». Was er empfand, war etwa folgendes: Er sah, daß, wenn er irgend etwas tat, es einen Eindruck auf seine Umgebung machte, und er fühlte sein Dasein in seiner Umgebung. Er konnte nicht sagen: Ich bin da -, sondern er sagte: Meine Umgebung läßt mich da sein. — Er lag im Schoße der lebendigen Erde, und die lebendigen Erdenkräfte strömten aus und ein. Damals gab es noch keine ungesunden Kräfte, da gab es noch nicht Krankheit, nicht einmal Tod in unserer heutigen Auffassung. Erst als dem Menschen mit der geschlechtlichen Fortpflanzung sein Ich ausgeliefert wurde, da erst zogen Krankheit und Tod in die Menschheit ein. Wenn wir das alles uns richtig vorstellen, dann müssen wir sagen: Damals wurde das Menschenwesen nicht von seinesgleichen befruchtet, sondern so, wie es heute atmet, so nahm es damals die Stoffe aus seiner Umgebung in sich auf; und in dieser Umgebung waren die Kräfte der Befruchtung enthalten. Was da eindrang, das befruchtete ihn, das veranlaßte ihn, seinesgleichen hervorzubringen. Und das waren gesunde Kräfte im Menschen selber und in dem, was er als seinesgleichen hervorbrachte. Die alten ägyptischen Priester aber wußten das, und sie sagten sich: Je weiter man das Anschauen der Menschen zurücklenkt in frühere Zustände, desto mehr bringt man ihn in die Bedingungen, wo es keine Krankheiten gibt. Schon das Anschauen der alten atlantischen Göttergestalten konnte gesundend wirken, mehr aber noch war das der Fall, wenn die Priester die Gesichte so lenkten, daß der Tempelschläfer jene uralten Menschengestalten vor sich hatte, die noch nicht von ihresgleichen befruchtet wurden, die aus der Umgebung heraus ihre Befruchtung erhielten. Da stand vor dem im Tempelschlaf liegenden Kranken die Gestalt der Gebärerin ihresgleichen ohne die Befruchtung durch ihresgleichen. Da stand vor ihm die hervorbringende Frau, die Frau mit dem Kinde, die da jungfräulich ist, die Göttin, die in jener lemurischen Zeit eine Genossin der Menschen war, und die mittlerweile dem Blick der Menschheit entschwunden ist. Die nannte man die heilige Isis im alten Ägypten. Die Menschheit konnte diese Isis normalerweise nur damals sehen, als der Tod noch nicht eingezogen war; da waren die Menschen in normalem Bewußtseinszustande Genossen solcher Gestalten, die sie umschwebten und die ihresgleichen auf jungfräuliche Art hervorbrachten. Und als die Isis nicht mehr die sichtbare Genossin der Menschheit war, als sie in den Kreis der Götter entrückt wurde, da interessierte sie sich immer noch aus der geistigen Welt heraus für die Gesundheit der Menschen, so sagten die Priester. Und wenn man den Menschen in abnormer Weise, wie im Tempelschlaf, zu einer Anschauung jener alten Gestalten, jenes heiligen Isisbildes brachte, dann wirkte die Göttin immer noch gesundend, denn sie ist das Prinzip im Menschen, das da war, bevor die sterbliche Hülle den Menschen umgab. Ihren Schleier hat kein Sterblicher gehoben, denn sie ist die Gestalt, die da war, als der Tod überhaupt noch nicht in die Welt gekommen war. Sie ist das im Ewigen Wurzelnde, sie ist die große heilende Wesenheit, die die Menschheit wieder erringen wird, wenn sie sich aufs neue vertiefen wird in die spirituelle Weisheit.

[ 9 ] It was only with sexual reproduction that the incorporation of the “I” into humanity first began. Previously, human beings were still prompted by entirely different influences to bring forth their own kind; external influences prompted him to do so—influences that lay in the sphere around him. This was the form of reproduction in that era when human beings did not yet possess an “I,” when they were still endowed with a dim, clairvoyant consciousness, when they still, so to speak, rested entirely in the bosom of the Deity. They could not say, “I am.” What he felt was something like this: He saw that when he did anything, it made an impression on his surroundings, and he felt his existence within his surroundings. He could not say, “I am here”—but rather he said, “My surroundings allow me to be here.” — He lay in the bosom of the living earth, and the living forces of the earth flowed in and out. At that time there were still no unhealthy forces; there was still no illness, not even death as we understand it today. Only when human beings were left at the mercy of their “I” through sexual reproduction did illness and death enter humanity. If we picture all this correctly, then we must say: Back then, the human being was not fertilized by his own kind, but just as he breathes today, so did he absorb the substances from his environment; and the forces of fertilization were contained within that environment. What penetrated him fertilized him; it caused him to bring forth his own kind. And these were healthy forces within the human being himself and in what he brought forth as his own kind. The ancient Egyptian priests, however, knew this, and they said to themselves: The further one directs people’s gaze back to earlier states, the more one brings them into conditions where there are no diseases. Even the mere sight of the ancient Atlantean divine figures could have a healing effect, but this was even more so the case when the priests directed the visions in such a way that the temple sleeper had before him those primeval human figures who had not yet been fertilized by their own kind, but who received their fertilization from their surroundings. There, before the sick person lying in temple sleep, stood the figure of the woman who gave birth to her own kind without being fertilized by her own kind. There stood before him the woman who brings forth life, the woman with the child, who is a virgin, the goddess who was a companion of humanity in that Lemurian age and who has since vanished from the sight of humanity. In ancient Egypt, she was called the holy Isis. Humanity could normally see this Isis only back then, when death had not yet taken hold; at that time, people in their normal state of consciousness were companions of such figures, who hovered around them and brought forth their own kind in a virginal manner. And when Isis was no longer the visible companion of humanity—when she was taken up into the circle of the gods—she still took an interest in the health of human beings from the spiritual world, so the priests said. And when people were led, in an extraordinary way—such as during temple sleep—to a vision of those ancient figures, of that sacred image of Isis, the goddess still exerted a healing influence, for she is the principle within humanity that existed before the mortal shell enveloped human beings. No mortal has ever lifted her veil, for she is the being who existed when death had not yet entered the world at all. She is that which is rooted in the eternal; she is the great healing being whom humanity will regain when it once again immerses itself in spiritual wisdom.

[ 10 ] So sehen wir, was geblieben ist in jenem wunderbaren Symbolum der jungfräulichen Mutter mit dem Kinde, die sich im Madonnenbilde, wir können es auf geisteswissenschaftlichem Boden mit aller Kraft sagen: in dem gesundend wirkenden Madonnenbilde erhalten hat. Denn das Madonnenbild ist — in jenen Grenzen, die erörtert worden sind - ein Heilmittel. Wenn es so behandelt wird, daß die menschliche Seele noch eine Nachwirkung hat, wenn sie im Schlafe liegt und etwa träumen kann von diesem Madonnenbilde, dann hat dieses auch heute noch eine heilende Kraft.

[ 10 ] Thus we see what has remained of that wondrous symbol of the Virgin Mother with the Child, which has been preserved in the image of the Madonna—and we can say this with all conviction on the basis of spiritual science: in the healing image of the Madonna. For the image of the Madonna is—within the limits that have been discussed—a remedy. If it is treated in such a way that it continues to have an effect on the human soul even while the soul is asleep and can, for example, dream of this image of the Madonna, then it still possesses a healing power even today.

[ 11 ] Und nun fragen wir uns: Wo lagen denn in jener Zeit, als das Menschenwesen noch nicht von seinesgleichen befruchtet wurde, wo lagen denn da die befruchtenden Kräfte?

[ 11 ] And now we ask ourselves: Where, then, at that time—when human beings were not yet fertilized by their own kind—where, then, were the fertilizing forces?

[ 12 ] Stellen Sie sich unsere Erde vor als einen festen Kern, umgeben von allerlei zähflüssigen, brodelnden Substanzen, Wasserdämpfen, und darinnen halbwässerige Bildungen, darinnen den lemurischen Menschen. Dieser Erdkörper wird bestrahlt von der Sonne, die damals noch kein menschliches Auge wahrnehmen konnte, weil die Sinnesorgane noch nicht entwickelt waren. Aber diese Sonne wirkt durch die Nebel- und Wolkenhülle hindurch, und mit der Kraft der Sonnenstrahlen nimmt die Erde auch die Befruchtungskräfte auf. Das also, was die Menschenwesen einsaugen, das fließt der Erde von den unsichtbaren geistigen Sonnenwesenheiten zu. So haben wir eine Erde, die außen beschienen wird von der Sonne, die der Mensch noch nicht sehen kann, diese Erde wird aber nicht nur von den Kräften der Wärme bestrahlt, sondern zu gleicher Zeit von derselben Kraft, die heute in der Befruchtungskraft lebt. So haben wir Sonne und Erde miteinander in Beziehung. Diese Kraft, die da auf jene ungeschlechtlich sich fortpflanzenden Menschengestalten wirkt, empfand man als eine männliche Kraft, sie war ausgegossen als ein Produkt der Sonne über die ganze Erde. So waren die Verhältnisse in der allerersten lemurischen Zeit.

[ 12 ] Imagine our Earth as a solid core surrounded by all kinds of viscous, bubbling substances and water vapor, and within that, semi-aqueous formations—and within those, the Lemurian human. This Earthly body is irradiated by the Sun, which at that time could not yet be perceived by the human eye because the sense organs were not yet developed. But this Sun acts through the veil of mist and clouds, and with the power of the sunbeams, the Earth also absorbs the fertilizing forces. Thus, what human beings absorb flows to the Earth from the invisible, spiritual solar beings. So we have an Earth that is illuminated from the outside by the Sun, which human beings cannot yet see; yet this Earth is irradiated not only by the forces of heat but, at the same time, by the very same force that today lives in the power of fertilization. Thus, the Sun and the Earth are connected. This force, which acts upon those human forms that reproduce asexually, was perceived as a masculine force; it was poured out as a product of the Sun over the entire Earth. Such were the conditions in the very earliest Lemurian period.

Pinching off of substancePinching off of substance

[ 13 ] Und dann schreiten wir in eine Zeit zurück, in welcher wiederum ganz andere Verhältnisse herrschten, in eine urferne Vergangenheit, wo noch verbunden war der heute abgespaltene Sonnenkörper mit unserer Erde. Denn einst war unsere Erde und die Sonne ein Leib. Alles Feinere und Ätherische hängt in gewisser Weise noch zusammen in diesem gemeinsamen Körper. Wir betrachten jenen Zeitpunkt, da Sonne und Erde noch wie eine Biskuitform zusammenhängen, und zwar so, daß der eine Teil, eine kleinere Kugel, nämlich die Erde und der Mond, an der Sonne hängt. Also wir stellen uns vor: die Sonne als ein großer ätherischer Leib, und daran hängend Erde und Mond zusammen. Da flossen noch die Kraftstrahlen von der Sonne mit der Erde zusammen, von der Sonne zur Erde, von der Erde zur Sonne, denn beide waren ja in gewisser Weise ein Leib.

[ 13 ] And then we go back to a time when conditions were entirely different, to a distant past when the Sun—which has since separated from our Earth—was still connected to it. For once, our Earth and the Sun were one body. Everything that is finer and more ethereal is, in a certain sense, still connected within this shared body. Let us consider that moment when the Sun and Earth were still connected like a cake pan, such that one part—a smaller sphere, namely the Earth and the Moon—hung from the Sun. So let us imagine: the Sun as a great ethereal body, with the Earth and Moon hanging from it together. At that time, the rays of force still flowed together from the Sun to the Earth and from the Earth to the Sun, for both were, in a certain sense, one body.

[ 14 ] Wir verstehen am besten den Sinn dieser Entwickelung, wenn wir uns einmal fragen, was geschehen wäre, wenn die Sonne sich ohne weiteres ganz abgewendet hätte von der Erde, nachdem sie sich herausgespalten hatte; wenn sie nicht mehr ihre Strahlungen und Strömungen der Erde zugesandt hätte, wenn sozusagen die Erde gleich nach der Abspaltung ganz allein geblieben wäre. Vertrocknet, verknöchert, erstarrt wäre alles Leben auf der Erde, Der befruchtende Einfluß der Sonne mußte bleiben. Man muß dieses Zusammenwirken von Sonne und Erde empfinden wie ein Zusammenwirken von zwei Prinzipien: das eine zur Verdichtung, zur Erstarrung führend, das andere anfeuernd, fortschreitendes Leben gebend. Und so war es auch später. Von der Sonne floß immer das, was fortschreitendes Leben ist.

[ 14 ] We can best understand the significance of this development if we ask ourselves what would have happened if the Sun had simply turned away from the Earth entirely after it had split off; if it had no longer sent its rays and currents to the Earth; if, so to speak, the Earth had been left entirely on its own immediately after the split. All life on Earth would have withered, ossified, and frozen solid; the Sun’s life-giving influence had to remain. One must perceive this interaction between the Sun and the Earth as a collaboration between two principles: one leading to densification and solidification, the other inspiring and giving rise to progressive life. And so it was later as well. From the Sun flowed, as always, that which is progressive life.

[ 15 ] Und jetzt kommen wir in eine noch frühere Zeit zurück, in eine Zeit, wo beide Körper noch eines waren, wo die Kräfte der Sonne und der Erde noch ganz zusammenflossen.

[ 15 ] And now we go back to an even earlier time, a time when the two bodies were still one, when the forces of the sun and the Earth still flowed together completely.

[ 16 ] Sie sehen: wir haben da verschiedene Entwickelungsstadien unserer Erde absolviert. Wir haben eine uralte Vergangenheit, wo die Erde noch im Sonnenleib drinnen war, wo sie noch eines mit der Sonne war; dann eine zweite Zeit, da war die Erde nurmehr lose mit der Sonne verbunden, dann eine dritte, wo beide Körper sich völlig voneinander getrennt haben. In dieser dritten Zeit ist das Ich eigentlich erst in den Menschen eingetreten, und da beginnt auch erst die geschlechtliche Fortpflanzung. Dann folgt die vierte Zeit, die atlantische Zeit, und schließlich die nachatlantische Zeit, in der wir leben.

[ 16 ] As you can see, we have gone through various stages of development on our Earth. We have an ancient past, when the Earth was still inside the Sun’s body, when it was still one with the Sun; then a second period, when the Earth was only loosely connected to the Sun; then a third, when the two bodies separated completely from one another. It was actually during this third period that the “I” first entered human beings, and that is also when sexual reproduction began. This was followed by the fourth period, the Atlantean period, and finally the post-Atlantean period, in which we now live.

[ 17 ] Für denjenigen, der tiefer hineinsieht in das Weltengewebe, steht alles das, was äußerlich sichtbar geschieht, unter der Einwirkung von geistigen Wesenheiten. Einstmals waren Sonne und Erde eines. Auf die Mondentwickelung wollen wir später noch eingehen. Da war auch dieser gemeinsame Körper von einheitlich wirkenden geistig-göttlichen Wesenheiten durchzogen. Da waren hohe geistige Wesenheiten notwendig, die das Regiment über die damals noch ungeteilten Kräfte ausüben konnten.

[ 17 ] For those who look more deeply into the fabric of the universe, everything that happens outwardly is under the influence of spiritual beings. Once upon a time, the Sun and the Earth were one. We will discuss the development of the Moon later. At that time, this common body was also permeated by spiritual-divine beings acting in unison. High spiritual beings were necessary who could exercise control over the forces that were still undivided at that time.

[ 18 ] Und nun denken wir uns die Entwickelung ein Stück fortgeschritten, den Sonnenleib sich herausziehend. Was geschieht da? Mit der Sonne gehen die höchsten Wesenheiten und die feinsten Substanzen fort; sie wirken alsdann von außen auf die Erde ein. Diejenigen Wesenheiten, die das eigentlich Lebendige, das immer sich beflügelnde Leben darstellen, sie wohnen auf der Sonne; und auf dem Erdengebiet wohnen die Wesenheiten, die, wenn sie allein bleiben würden, die Verdichtung, die Erstarrung, die Finsternis herbeiführen müßten. In diesem zweiten Stadium wirken also Licht und Finsternis zusammen.

[ 18 ] And now let us imagine that evolution has progressed a bit further, with the sun’s body expanding outward. What happens then? The highest beings and the finest substances depart with the sun; they then exert their influence on Earth from the outside. Those beings who represent what is truly alive—the ever-inspiring life—dwell on the Sun; and on Earth dwell the beings who, if left alone, would inevitably bring about densification, stagnation, and darkness. In this second stage, therefore, light and darkness work together.

[ 19 ] Im dritten Stadium der Erdentwickelung tritt für den Menschen die Begabung mit dem Ich ein. Es beginnt für ihn die Zeit, wo in ihm sein selbstbewußtes Ich wohnt. Er empfindet dieses selbstbewußte Ich namentlich in seinem Gegensatz: der Mensch verfällt immer mehr in einen Zustand, wo er ein Bewußtsein hat, das heller ist, und ein anderes, dunkles; das eine kommt ihm von der Sonne, das andere vorzugsweise von der Erde. Das Ich, der ewige Kern, muß wechseln zwischen einer Gestalt, wo er in einer ewigen Form ist, und einer solchen, die geboren werden kann und stirbt. Diejenigen Wesenheiten aber, die das, was der Mensch nur abwechselnd haben kann, immer haben, die gehen heraus aus dem Erdenkörper. Zunächst geht diejenige Wesenheit heraus, welche befruchtend wirkt, sie nimmt vorzugsweise ihren Aufenthalt auf der Sonne. Und diejenige Wesenheit, welche die Gestalt in Ständigkeit, in der Dauer erhält, die geht hinaus mit dem Monde. Es trennen sich Sonne und Mond nach und nach von der Erde ab. Mit der Sonne gehen alle die Wesenheiten hinaus, welche die Erde in ein sich überstürzendes Leben gebracht hätten, wenn sie mit ihr vereint geblieben wären; mit dem Monde ziehen die Kräfte hinaus, die Verhärtung und Erstarrung bewirkt hätten, die dauernd in ihrer Gestalt bleiben. Die Erde ist wie in der Mitte zwischen beiden. Der Mensch auf der Erde wechselt also ab in Verrichtungen, die auf der einen Seite von der Sonne und auf der anderen Seite von den Kräften des Mondes beeinflußt werden. Diese Gestalten, die früher Genossen der Menschen waren, sind sozusagen jetzt zur Sonne und zum Monde hin entrückt.

[ 19 ] In the third stage of Earth’s development, human beings are endowed with the “I.” This marks the beginning of a period in which their self-conscious “I” dwells within them. Human beings perceive this self-aware “I” particularly through its contrast: they increasingly fall into a state in which they have one consciousness that is brighter and another that is dark; the former comes to them from the sun, the latter primarily from the earth. The “I,” the eternal core, must alternate between a state in which it exists in an eternal form and one in which it can be born and die. But those entities that always possess what human beings can only possess alternately depart from the earthly body. First to depart is the entity that exerts a fertilizing influence; it takes up residence primarily on the Sun. And the entity that maintains the form in permanence, in duration, departs with the Moon. The Sun and the Moon gradually separate from the Earth. With the Sun, all those entities depart which would have plunged the Earth into a life of turmoil had they remained united with it; with the Moon, the forces depart that would have caused hardening and solidification, forces that remain permanently in their form. The Earth is, as it were, in the middle between the two. Human beings on Earth thus alternate between activities influenced on the one hand by the Sun and on the other by the forces of the Moon. These beings, who were once companions of humankind, have now, so to speak, been drawn toward the Sun and the Moon.

[ 20 ] In der vierten Periode sind diejenigen Genossen da, welche selbst schon bis zu einem ätherisch-göttlichen Leibe verdichtet sind, und die in gewisser Beziehung menschlichen Schwächen unterworfen sind. Das sind ätherische Götter, und mit ihnen lebte der Mensch während der atlantischen Zeit zusammen. Und in der nachatlantischen Zeit verliert er auch mit diesen ätherischen Göttern den Zusammenhang, er ist ganz herausgestellt in die physische Welt; wie zugeschlossen ist das Tor, das zur höheren geistigen Welt führt.

[ 20 ] In the fourth period, there are those beings who have already condensed into an etheric-divine body and who, in a certain sense, are subject to human weaknesses. These are etheric gods, and human beings lived alongside them during the Atlantean era. And in the post-Atlantean era, humanity loses its connection even with these etheric gods; it is completely cast out into the physical world; the gate leading to the higher spiritual world is shut tight.

[ 21 ] Aber aus diesen alten Zeiten verbleibt ihm etwas, was wie eine Erinnerung an die geistigen Welten wirkt, und nacheinander tritt im Menschen durch das Gesetz der Wiederholung alles das in der Erkenntnis auf, was er einst im Leben durchgemacht hatte. Im Leben hatte er einst durchgemacht eine Anzahl von Perioden, in denen er in immer verschiedenem Verhältnis zu den Göttern gestanden hatte. Jetzt macht er dieselben Perioden noch einmal durch, aber in der Erkenntnis. Auf die große atlantische Flut folgte eine Zeit der uralten indischen Kultur, wo die Menschen in ihrer Seele, in ihrem Geiste noch einmal durchlebten jene Zeit mit ihren hohen Göttern, da Erde und Sonne noch vereinigt waren. Die hohe erhabene Gottheit, die damals alles, was war, leitete und lenkte, sie durchlebte der Mensch in der ersten nachatlantischen Kulturepoche, und er nannte diese Gottheit mit einem Namen, der für spätere Zeiten als Tradition blieb: Brahman, das All-Eine. Die Gottheit, die wirklich einmal da war unter den Menschen - denn der Mensch war in der ersten Zeit der Erdenentwickelung ein Genosse des Brahman gewesen -, sie wurde in der uralt-indischen Kultur verehrt; der Mensch erlebte sie erkennend, in hoher Abstraktion.

[ 21 ] But something remains from those ancient times that acts as a memory of the spiritual worlds, and through the law of repetition, everything that a person once experienced in life gradually emerges in their consciousness. In life, he had once gone through a number of periods in which he had stood in ever-changing relationships to the gods. Now he is going through those same periods once more, but in his consciousness. The great Atlantean flood was followed by a time of the ancient Indian culture, when human beings relived in their souls and spirits that era with its high gods, when the Earth and the Sun were still united. The lofty, sublime Deity who at that time guided and directed all that existed—humanity experienced this Deity during the first post-Atlantean cultural epoch and gave it a name that remained as a tradition for later times: Brahman, the All-One. The deity who truly once existed among humankind—for in the earliest period of Earth’s development, humankind had been a companion of Brahman—was venerated in ancient Indian culture; humankind experienced this deity through recognition, in a state of high abstraction.

[ 22 ] Und dann folgte eine Kultur, da erlebte der Mensch erkennend die zweite Zeit, wo die Sonne mit den allbelebenden Kräften getrennt war von den Kräften der Finsternis. Daher empfand der Mensch dieser zweiten Kulturepoche in seiner Erkenntnis eine Gott-Zweiheit. Er wiederholte, was einst im Leben da war, in der religiösen Erkenntnis, und diese Zweiheit hat sich erhalten, als sich der Gegensatz zwischen Ormuzd und Ahriman, die gute und die verneinende Gottheit, als die persische Kultur ausbildete. Sie war nichts anderes als ein nochmaliges Durchleben dessen — aber jetzt in der Erkenntnis -, was der Mensch einst wirklich durchlebt hatte.

[ 22 ] And then came a culture in which humankind experienced, through insight, the second age, when the sun, with its life-giving powers, was separated from the forces of darkness. Therefore, the people of this second cultural epoch perceived, through their insight, a divine duality. They reenacted in religious insight what had once existed in life, and this duality was preserved as the opposition between Ormuzd and Ahriman—the good and the negative deities—took shape in Persian culture. It was nothing other than a re-experiencing—but now in insight—of what human beings had once truly lived through.

[ 23 ] Und dann kommen wir in die Zeit, wo Sonne und Mond herausgetreten waren, die Sonne mit den befruchtenden Kräften, der Mond mit den Kräften, die Gestalt gaben: für den Menschen eine vergängliche allerdings, für die Götter aber eine dauernde Gestalt. Und der Mensch empfand diesen Unterschied wiederum in dem Gegensatz zwischen jenen früheren Sonnenkräften und denen, die jetzt wirkten, und anders wirkten als vorher. Und er empfand diese Sonnenkräfte als die Kräfte des Osiris in Ägypten. Osiris ist die Kraft der Sonne, wie sie gewirkt hat in der dritten Zeit der Erdentwickelung, und wir sehen die Osirisreligion in der dritten Kulturepoche entstehen. Und Isis ist die Kraft des Mondes vor der völligen Trennung von der Erde, vor der Geschlechtertrennung, wo sie noch als jungfräuliche Fortpflanzungskraft gewirkt hat. Isis ist zum Monde entflohen, wo sie erstarrt ist.

[ 23 ] And then we come to the time when the Sun and the Moon had emerged—the Sun with its fertilizing powers, the Moon with the powers that gave form: a transient form for human beings, to be sure, but an enduring one for the gods. And humanity perceived this difference, in turn, in the contrast between those earlier solar forces and those that were now at work—and working differently than before. And humanity perceived these solar forces as the forces of Osiris in Egypt. Osiris is the force of the sun as it acted during the third period of Earth’s evolution, and we see the religion of Osiris arise during the third cultural epoch. And Isis is the power of the Moon before its complete separation from the Earth, before the separation of the sexes, when it still acted as a virginal reproductive force. Isis fled to the Moon, where she became frozen.

[ 24 ] Und in der vierten Epoche, in der griechisch-lateinischen Kultur, erlebte die Menschheit in ihrem Polytheismus einen erinnernden Nachklang an die atlantische Zeit mit ihren vielen ätherischen Göttergestalten.

[ 24 ] And in the fourth epoch, that of Greco-Latin culture, humanity experienced in its polytheism a resonant echo of the Atlantean era with its many ethereal divine figures.

[ 25 ] Und wir nun, in der fünften Kulturepoche, wir haben nichts zu wiederholen. Diesen Gedanken lassen Sie uns vor die Seele führen: Wir haben nichts zu wiederholen, keine alte Erinnerung. Denn wir haben herausgeboren eine in die Zukunft wirkende fünfte Zeit, während die vier früheren Zeiten Wiederholungen waren. Unsere Zeit muß nicht eine uralte Weisheit gebären, sondern eine neue Weisheit, die nicht nur in die Vergangenheit hineinweisen kann, sondern die prophetisch, apokalyptisch wirken muß in die Zukunft hinein. Wir sehen eine uralte Weisheit, bewahrt in den Mysterien der vergangenen Kulturepochen; eine apokalyptische Weisheit, zu der wir den Samen legen müssen, muß unsere Weisheit sein. Wir brauchen wieder ein Einweihungsprinzip, damit die ursprüngliche Verbindung mit der geistigen Welt wieder hergestellt werden kann. Das ist die Aufgabe der anthroposophischen Weltbewegung. Kein Wunder, daß so viele Menschen die Weisheit verloren haben, denn ohne das Einweihungsprinzip ist es heute schwer, Weisheit zu erringen, schwerer als früher, wo nur die Erinnerung an alte Erlebnisse aufgefrischt werden durfte, wo die Früchte früherer Entwickelungen erlebt werden konnten. Heute ist es schwer — daher begreifen wir, daß heute für den Menschen die Sinneswelt ohne Gott öde und leer ist. Aber wenn es auch erscheint, als ob die alte Geisteswelt erstorben wäre, sie ist dennoch da, wirksam und befruchtend ist sie da, und wenn die Menschen wollen, werden sie wieder Zusammenhang finden mit der geistigen Welt. Es ist dafür gesorgt worden, indem gerade da, als auszugehen schienen in der griechisch-lateinischen Zeit die alten Erinnerungen, ein wunderbarer Keim für alle folgenden Zeiten in den kalten Boden der Erde gelegt wurde, der Keim, den wir als das Christus-Prinzip bezeichnen. In der Anknüpfung an dieses Christus-Prinzip wird die apokalyptische Weisheit, die wahre, neue Geist-Erkenntnis, gefunden werden, die nicht nur erinnernd zurückweist auf vergangene Zeiten, sondern die prophetisch auf die Zukunft hindeutet und gerade dadurch den Menschen zur Tätigkeit, zum Schaffen ruft. Jene tätige, jene produktive Weisheit ist freilich hervorgegangen aus dem, was in der Vergangenheit als Same gelegt worden ist.

[ 25 ] And we now, in the fifth cultural epoch, have nothing to repeat. Let us keep this thought close to our hearts: We have nothing to repeat, no old memories. For we have brought forth a fifth epoch that reaches into the future, whereas the four earlier epochs were repetitions. Our era need not give birth to an ancient wisdom, but rather to a new wisdom that can not only point to the past but must also have a prophetic, apocalyptic effect on the future. We see an ancient wisdom preserved in the mysteries of past cultural epochs; an apocalyptic wisdom, for which we must sow the seed, must be our wisdom. We need a principle of initiation once again so that the original connection with the spiritual world can be reestablished. That is the task of the anthroposophical world movement. No wonder so many people have lost their wisdom, for without the principle of initiation, it is difficult today to attain wisdom—more difficult than in the past, when one need only refresh the memory of ancient experiences and could experience the fruits of earlier developments. Today it is difficult—which is why we understand that, for people today, the sensory world without God is bleak and empty. But even if it seems as though the ancient spiritual world has died out, it is still there—active and life-giving—and if people are willing, they will once again find a connection with the spiritual world. Provision has been made for this: precisely when the ancient memories seemed to be fading away in the Greco-Roman era, a wondrous seed for all subsequent ages was planted in the cold soil of the earth—the seed we call the Christ principle. It is in connection with this Christ Principle that apocalyptic wisdom—the true, new spiritual insight—will be found, a wisdom that not only looks back to past times in remembrance but also points prophetically toward the future, and thereby calls people to action and to creative work. That active, that productive wisdom has, of course, emerged from what was sown as a seed in the past.

[ 26 ] So sehen wir den Zusammenhang zwischen der Vergangenheit und der Zukunft, die uns auch heute schon als ein Arbeitsfeld vorliegt. Wir sehen vor uns auftauchen den ganzen Horizont der Zukunft, und wenn wir von Welt, Mensch und Erde sprechen, werden wir nicht bloß von der Vergangenheit zu sprechen haben, sondern auch von den Kräften der Zukunft; denn die Welt ist nicht bloß etwas, was mit der Vergangenheit zu tun hat, sondern was sich hineinentwickelt in die Zukunft, und unsere Erde hat noch ein großes Stück Zukunft zu absolvieren. Der Mensch aber wird noch zukünftiger sein als die Erde, und wenn wir ihn ganz kennenlernen wollen, dann müssen wir nicht nur hineinschauen in die Vergangenheit, dann müssen wir studieren, was heute wirkt und was wirken wird im großen Weltenmorgen.

[ 26 ] Thus we see the connection between the past and the future, which already presents itself to us today as a field of work. We see the entire horizon of the future unfolding before us, and when we speak of the world, humanity, and the Earth, we will not merely be speaking of the past, but also of the forces of the future; for the world is not merely something connected to the past, but something that is evolving into the future, and our Earth still has a long way to go into the future. Humanity, however, will be even more of a product of the future than the Earth, and if we wish to come to know it fully, then we must not only look into the past; we must also study what is at work today and what will be at work in the great dawn of the world.