Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Egyptian Myths and Mysteries
in Relation to the Active Spiritual Forces of the Present
GA 106

2 September 1908, Leipzig

Translate the original German text into any language:

Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Wenn wir uns fragen, was Geisteswissenschaft den Menschen sein soll, so werden wir wohl aus allerlei Empfindungen und Gefühlen heraus, die wir uns im Verlaufe unseres Arbeitens auf diesem Gebiete gebildet haben, eine Antwort immer wieder vor unsere Seele stellen: Es soll uns sein Geisteswissenschaft ein Weg zur höheren Entwickelung unserer Menschheit, des Menschentums in uns.

[ 1 ] When we ask ourselves what the purpose of the spiritual sciences should be for humanity, we will likely, based on all manner of impressions and feelings we have formed in the course of our work in this field, repeatedly pose an answer to our souls: For us, the spiritual sciences should be a path toward the higher development of our humanity—the human essence within us.

[ 2 ] Damit haben wir ein in gewisser Beziehung für jeden denkenden und fühlenden Menschen selbstverständliches Lebensziel hingestellt, ein Lebensziel, das einschließt die Erreichung der höchsten Ideale, das aber auch einschließt die Entfaltung der bedeutsamsten, tiefsten Kräfte in unserer Seele. Im Grunde haben die Besten der Menschen zu allen Zeiten sich die Frage gestellt: Wie kann der Mensch das, was in ihm veranlagt ist, richtig zur Entfaltung bringen? — Und in der mannigfachsten Art sind Antworten gegeben worden. Man kann vielleicht keine, die kürzer und bündiger ist, finden als diejenige, die aus einer tiefen Gesinnung heraus Goethe gegeben hat in den «Geheimnissen»:

[ 2 ] We have thus set forth a life goal that, in a certain sense, is self-evident to every thinking and feeling human being—a life goal that encompasses the attainment of the highest ideals, but also the unfolding of the most significant and profound forces within our soul. Essentially, the finest of humanity throughout the ages have asked themselves: How can a person properly bring to fruition what is inherent within them? — And answers have been given in the most varied ways. Perhaps no answer can be found that is shorter and more concise than the one Goethe offered, springing from a profound conviction, in *The Mysteries*:

Von der Gewalt, die alle Wesen bindet,
Befreit der Mensch sich, der sich überwindet.

From the force that binds all beings,
The person who overcomes themselves is set free.

[ 3 ] Ungeheuer viel und ein tiefer Sinn liegt in diesen Worten, denn klar und prägnant zeigen sie uns das, worauf es ankommt in bezug auf alle Entwickelung. Darauf kommt es an, daß der Mensch sein inneres Empfinden dadurch entwickelt, daß er über sich selbst hinauskommt. Dadurch finden wir, daß wir uns sozusagen über uns selbst erheben. Die Seele, die sich überwindet, die findet den Weg über sich hinaus und damit zu den höchsten Gütern der Menschheit.

[ 3 ] These words contain an immense amount of meaning and a profound insight, for they clearly and concisely show us what is essential in terms of all development. What matters is that human beings develop their inner sensibility by transcending themselves. In this way, we find that we rise, so to speak, above ourselves. The soul that overcomes itself finds the path beyond itself and thus to the highest goods of humanity.

[ 4 ] Es darf an dieses hehre Ziel der Geisteswissenschaft erinnert werden, wenn wir im Begriffe stehen, gerade ein solches Thema zu behandeln wie das, das uns hier beschäftigen soll. Es wird uns zunächst hinausführen von dem gewöhnlichen Horizonte des Lebens zu hohen Angelegenheiten. Weite Zeiträume werden wir zu überblicken haben, wenn wir behandeln sollen unseren Gegenstand, eine Zeitepoche, die sich erstrecken soll von dem alten Ägypten bis in unsere Zeit. Jahrtausende sind es, die wir zu überblicken haben, und es wird das, was wir gewinnen wollen, wirklich etwas sein, was mit unseren tiefsten Seelenangelegenheiten zusammenhängen soll, was in das Innerste unseres Seelenlebens eingreift. Denn nur scheinbar ist es, daß der Mensch dadurch, daß er zu den Höhen des Lebens strebt, sich entferne von dem, was ihm unmittelbar gegeben ist; gerade dadurch kommt er zu dem Verständnis für das, was ihn stündlich beschäftigt. Der Mensch muß von der Misere des "Tages, von dem, was der Alltag bringt, abkommen und zu den großen Ereignissen der Welt- und Völkergeschichte hinaufschauen, dann erst findet er das, was die Seele als ihr Heiligstes bewahrt. Sonderbar könnte es scheinen, wenn angedeutet wird, daß Beziehungen aufgesucht werden sollen, intime Beziehungen zwischen dem alten Ägypten, den Zeiten, in denen die gewaltigen Pyramiden und die Sphinx entstanden, und unserer eigenen Gegenwart. Es könnte vorerst etwas merkwürdig erscheinen, daß man unsere Zeit dadurch besser verstehen will, daß man den Blick so weit zurückwirft. Nun werden wir gerade darum noch über viel umfassendere, weitere Zeiträume zurückblicken müssen. Aber auch das wird uns das Ergebnis liefern, das wir vor Augen haben, das wir suchen, das Ergebnis: die Möglichkeit zu finden, über uns selbst hinauszukommen.

[ 4 ] It is worth recalling this noble goal of spiritual science as we are about to address a topic precisely like the one that concerns us here. It will first lead us beyond the ordinary horizons of life to higher matters. We will have to survey vast stretches of time as we address our subject—an epoch extending from ancient Egypt to the present day. We must take in millennia, and what we hope to gain will truly be something connected to the deepest matters of our souls, something that touches the very core of our inner life. For it is only seemingly the case that, by striving toward the heights of life, a person distances himself from what is immediately given to him; it is precisely through this that he gains an understanding of what occupies him moment by moment. A person must turn away from the misery of “the day”—from what everyday life brings—and look up to the great events of world and national history; only then will he find what the soul preserves as its most sacred treasure. It might seem strange to suggest that we should seek connections—intimate connections—between ancient Egypt, the times when the mighty pyramids and the Sphinx were built, and our own present. At first, it might seem somewhat odd to seek a better understanding of our own time by casting our gaze so far back. Yet it is precisely for this reason that we will have to look back over even more comprehensive, broader periods of time. But this, too, will yield the result we have in mind, the result we seek: the possibility of transcending ourselves.

[ 5 ] Es kann demjenigen, der sich schon mit den elementaren Begriffen der Geisteswissenschaft gründlicher beschäftigt hat, gar nicht sonderbar erscheinen, daß man den Zusammenhang sucht zwischen weit auseinanderliegenden Zeiträumen. Denn das ist ja eine Grundüberzeugung von uns, daß die Menschenseele immer wiederkehrt, daß die Erlebnisse zwischen Geburt und Tod wiederholt für den Menschen ablaufen. Die Lehre der Wiederverkörperung ist uns immer vertrauter geworden. Indem wir das überlegen, können wir fragen: Ja, diese Seelen, die heute in uns wohnen, waren schon oft da; ist es nicht möglich, daß sie auch schon einmal im alten Ägypterlande da waren, zur Zeit der ägyptischen Kulturepoche, daß dieselben Seelen in uns sind, die damals aufgeschaut haben zu den gigantischen Pyramiden und den rätselhaften Sphingen im alten Ägypten?

[ 5 ] To anyone who has already studied the basic concepts of spiritual science in depth, it cannot seem at all strange that we seek connections between periods of time that are far apart. For it is, after all, one of our fundamental convictions that the human soul returns again and again, that the experiences between birth and death are repeated for the individual. The doctrine of reincarnation has become increasingly familiar to us. As we reflect on this, we may ask: Yes, these souls that dwell within us today have been here many times before; is it not possible that they were also once present in ancient Egypt, during the Egyptian cultural epoch, that the very same souls are within us who, back then, looked up at the gigantic pyramids and the enigmatic sphinxes of ancient Egypt?

[ 6 ] Diese Frage ist zu bejahen. Es hat sich das Bild erneuert, und unsere Seelen haben aufgeschaut zu den alten Kulturdenkmälern, die sie heute wiedersehen. So sind es im Grunde dieselben Seelen, die damals gelebt haben, die durchschritten haben spätere Zeiträume und wieder erschienen sind in unserer Zeit. Und wir wissen, daß kein Leben ohne Frucht bleibt, wir wissen, daß dasjenige vorhanden ist und bleibt in der Seele, was sie an Erlebnissen und Erfahrungen durchgemacht hat, daß es in Form von Kräften, im Temperamente, in Fähigkeiten, Anlagen wieder erscheint in späteren Verkörperungen. So ist die Art, wie wir heute die Natur anschauen, wie wir das, was unsere Zeit hervorbringt, aufnehmen, die Art, wie wir heute die Welt anschauen, im alten Ägypten, dem Lande der Pyramiden, veranlagt worden. Damals sind wir so hergerichtet worden, wie wir heute hinausblicken in die physische Welt. Wie sich geheimnisvoll die weiten Zeiträume verketten, das wollen wir einmal ergründen.

[ 6 ] The answer to this question is yes. The picture has been renewed, and our souls have looked up to the ancient cultural monuments, which they now see once more. Thus, it is essentially the same souls that lived back then, who passed through later eras and have reappeared in our time. And we know that no life remains without fruit; we know that what the soul has gone through in terms of experiences and events exists and remains within it, and that it reappears in later incarnations in the form of strengths, temperaments, abilities, and aptitudes. Thus, the way we view nature today, the way we take in what our time brings forth—the way we view the world today—was laid down in ancient Egypt, the land of the pyramids. Back then, we were shaped in such a way that we now look out upon the physical world as we do today. Let us explore just how mysteriously these vast periods of time are linked together.

[ 7 ] Wenn wir den tieferen Sinn dieser Vorträge betrachten wollen, so müssen wir weit in unserer Erdenentwickelung zurückgehen. Wir wissen, daß unsere Erde sich oft verändert hat. Dem alten Ägypten gingen noch andere Kulturen voraus. Mit den Mitteln der okkulten Forschung können wir auch noch viel weiter zurückschauen, in graue Vorzeiten der Menschheitsentwickelung, und da kommen wir allerdings in solche Zeiten, in denen die Erde ganz anders aussah als heute. Es war ganz anders auf dem Boden des alten Asiens und Afrikas. Schauen wir hellseherisch hinab in uralte Zeiten, da kommen wir in jene Zeiten, wo eine gewaltige Katastrophe, durch Wasserkräfte bewirkt, auf unserer Erde stattgefunden und deren Antlitz gründlich geändert hat. Und wenn wir noch weiter zurückgehen, so kommen wir in uralte Zeiten, in denen die Erde eine ganz andere Physiognomie hatte; da kommen wir in Zeiten, wo das, was heute zwischen Europa und Amerika den Boden des Atlantischen Ozeans bildet, oben war, Land war. Da kommen wir in eine Zeit, in der unsere Seelen in ganz anderen Leibern lebten als heute, wir kommen in die alte Atlantis, in uralte Zeiten, von denen die äußere Wissenschaft uns heute noch wenig Kunde geben kann.

[ 7 ] If we wish to consider the deeper meaning of these lectures, we must go far back in the history of Earth’s evolution. We know that our Earth has changed many times. Ancient Egypt was preceded by other cultures. Through occult research, we can look back even further, into the mists of time of human evolution, and there we indeed encounter eras when the Earth looked quite different from how it does today. The landscape of ancient Asia and Africa was entirely different. If we look clairvoyantly back into ancient times, we arrive at those eras when a massive catastrophe, caused by the forces of water, took place on our Earth and thoroughly altered its face. And if we go back even further, we arrive at ancient times when the Earth had an entirely different appearance; we arrive at times when what today forms the floor of the Atlantic Ocean between Europe and America was above, was land. We arrive at a time when our souls lived in bodies quite different from those of today; we arrive in ancient Atlantis, in ancient times about which conventional science can still tell us very little today.

[ 8 ] Dann haben dutch große Wasserkatastrophen diese Länder der Atlantis ihren Untergang gefunden. Andere Formen hatten damals die Leiber der Menschen, andere Formen haben diese später angenommen. Aber die Seelen, die heute in uns wohnen, wohnten auch in den alten Atlantiern. Das waren unsere Seelen. Dann bewirkte die Wasserkatastrophe eine innere Bewegung der atlantischen Völker, einen großen Völkerzug vom Westen nach dem Osten. Diese Völker waren wir selbst. Gegen das Ende der Atlantis wurde es recht bewegt, wir selbst wanderten von Westen nach Osten, durch Irland, Schottland, Holland, Frankreich und Spanien. So wanderten die Völker nach dem Osten und bevölkerten Europa, Asien und die Nordteile von Afrika.

[ 8 ] Then great floods brought about the downfall of these lands of Atlantis. The bodies of human beings had different forms back then, and they took on different forms later on. But the souls that dwell within us today also dwelt within the ancient Atlanteans. Those were our souls. Then the flood triggered an internal migration among the Atlantean peoples—a great exodus from west to east. We ourselves were those peoples. Toward the end of Atlantis, there was great upheaval; we ourselves migrated from west to east, through Ireland, Scotland, the Netherlands, France, and Spain. Thus the peoples migrated eastward and populated Europe, Asia, and the northern parts of Africa.

[ 9 ] Nun darf man nicht glauben, daß das, was herüberzog aus dem Westen als letzter großer Völkerzug, daß dieser auf den Gebieten, die sich nach und nach als Asien, Europa, Afrika gebildet haben, keine Völker angetroffen hätte. Fast ganz Europa, die Nordteile Afrikas und große Teile Asiens waren damals schon bevölkert. Es wurden diese Landesteile nicht nur von Westen her bevölkert, sondern sie waren schon füher bevölkert worden, so daß eine im Grunde genommen fremde Bevölkerung es war, die schon da war, auf welche dieser Völkerzug stieß. Wir können uns denken, daß, als ruhigere Zeiten eintraten, sich besondere Kulturverhältnisse heraushoben. Es war zum Beispiel in der Nähe Irlands ein Gebiet, da wohnten vor der Katastrophe, die Jahrtausende hinter uns liegt, die vorgeschrittensten Teile der ganzen Erdbevölkerung. Diese Teile zogen dann durch Europa unter besonderer Führung von großen Individualitäten bis in ein Gebiet Mittelasiens, und von dort aus wurden Kulturkolonien nach den verschiedensten Gegenden gesandt. Eine solche Kolonie der nachatlantischen Zeit, die dadurch entstand, daß von jener Gruppe von Menschen eine Kolonie nach Indien geschickt wurde, traf dort schon eine Bevölkerung, die seit uralten Zeiten da war, die auch eine Kultur hatte, und indem die Kolonisten das schon Vorhandene berücksichtigten, gründeten sie die erste nachatlantische Kultur, die viele Jahrtausende alt ist, von der äußere Dokumente kaum etwas vermelden. Das, was diese sagen, liegt Jahrtausende später. In jenen bedeutsamen Sammlungen von Weisheit, die wir bezeichnen als die Sammlungen des Veda, in den alten Veden haben wir nur die letzten Nachklänge von dem, was geblieben ist von einer sehr frühen indischen Kultur, die von überirdischen Wesen geleitet wurde und begründet wurde von den heiligen Rishis. Es war eine Kultur einziger Art, von der wir uns heute nur schwache Vorstellungen machen können, denn die Veden sind nur der Abglanz jener uralt heiligen indischen Kultur.

[ 9 ] Now, one must not believe that what came from the West as the last great migration of peoples did not encounter any peoples in the regions that gradually came to be known as Asia, Europe, and Africa. Almost all of Europe, the northern parts of Africa, and large parts of Asia were already populated at that time. These regions were not only populated from the west, but had been settled earlier, so that it was essentially a foreign population that was already there, which this migration encountered. We can imagine that, as calmer times set in, distinct cultural conditions emerged. For example, there was a region near Ireland where, before the catastrophe that lies millennia behind us, the most advanced segments of the entire world’s population lived. These groups then migrated through Europe—under the special leadership of great individuals—as far as a region in Central Asia, and from there, cultural colonies were sent out to a wide variety of regions. One such colony from the post-Atlantean era—which came into being when a colony from that group of people was sent to India—encountered a population there that had been present since time immemorial and which also possessed a culture; and by taking what already existed into account, the colonists founded the first post-Atlantean culture, which is many millennia old, yet about which external documents say almost nothing. What these sources describe dates from millennia later. In those significant collections of wisdom that we refer to as the Vedas—in the ancient Vedas—we find only the faintest echoes of what remains of a very early Indian culture, one that was guided by supernatural beings and founded by the holy Rishis. It was a culture of a unique kind, about which we can form only a faint conception today, for the Vedas are merely a reflection of that ancient, sacred Indian culture.

[ 10 ] Auf diese Kultur folgte eine andere, die zweite Kulturepoche der nachatlantischen Zeit, die Kultur, aus der später die Weisheit des Zarathustra geflossen ist, die Kultur, aus der die persische hervorgegangen ist. Lange hat die indische Kultur gedauert, lange dauerte die persische Kultur, die einen Abschluß in Zarathustra erreichte.

[ 10 ] This culture was succeeded by another—the second cultural epoch of the post-Atlantean era—the culture from which the wisdom of Zarathustra later flowed, the culture from which Persian culture emerged. Indian culture endured for a long time, and Persian culture, which reached its culmination in Zarathustra, also endured for a long time.

[ 11 ] Dann entsteht, wieder unter dem Einfluß von Kolonisten, die ins Nilland geschickt wurden, die Kultur, die wir zusammenfassen können mit den vier Namen: Chaldäisch-ägyptisch-assyrisch-babylonische Kultur. In Vorderasien, in den Nordteilen Afrikas, bildete sich jene Kultur, die wir als die dritte der nachatlantischen Zeit zu bezeichnen haben, die auf der einen Seite ihren Höhepunkt in der wunderbaren chaldäischen Himmelskunde, der chaldäischen Sternenweisheit, und auf der anderen Seite in der ägyptischen Kultur erreicht hat.

[ 11 ] Then, once again under the influence of colonists sent to the Nile region, a culture emerged that we can summarize with these four names: Chaldean-Egyptian-Assyrian-Babylonian culture. In the Near East, in the northern parts of Africa, a culture took shape that we must designate as the third of the post-Atlantean era, a culture that reached its peak, on the one hand, in the marvelous Chaldean astronomy—the Chaldean wisdom of the stars—and, on the other hand, in Egyptian culture.

[ 12 ] Dann kommt ein viertes Zeitalter, das sich im Süden Europas entwickelte, das Zeitalter der griechisch-lateinischen Kultur, deren Morgenröte sich ausprägt in den Gesängen des Homer, die uns zeigt, was in den griechischen Bildwerken oftenbart werden konnte, die uns zeigt eine Dichtkunst, die so Bedeutsames hervorgebracht hat wie die Tragödien des Äschylos und Sophokles. Auch das Römertum gehört dazu. Es ist eine Epoche, die anfängt etwa im 8. Jahrhundert, 747 vor Christus, und die dauerte bis zum 14. und 15. Jahrhundert, 1413 nach Christi Geburt. Von da ab haben wir den fünften Zeitraum, in dem wir uns befinden, und dieser wird abgelöst werden von einem sechsten und siebenten Zeitraum. In diesem siebenten Zeitraum wird das alte Indertum in neuer Form auftreten.

[ 12 ] Then comes a fourth era, which developed in southern Europe: the era of Greco-Roman culture, whose dawn is reflected in the songs of Homer, which show us what could be expressed in Greek art and which reveal a poetic art that produced such significant works as the tragedies of Aeschylus and Sophocles. Roman civilization is also part of this. It is an epoch that began around the 8th century, 747 B.C., and lasted until the 14th and 15th centuries, 1413 A.D. From there, we enter the fifth period, in which we currently find ourselves, and this will be succeeded by a sixth and seventh period. In this seventh period, ancient Indian culture will reemerge in a new form.

[ 13 ] Wir werden sehen, daß ein eigenartiges Gesetz besteht, das uns verständlich macht das Wirken wunderbarer Kräfte durch diese Zeiträume hindurch und den Zusammenhang verschiedener Kulturepochen untereinander. Blicken wir zuerst auf den ersten Zeitraum, den der indischen Kultur, so werden wir finden, daß wir später diese erste Kultur wieder aufleuchten sehen in einer neuen Gestalt im siebenten Zeitraum. In einer neuen Form wird da das alte Indertum auftreten. Ganz geheimnisvolle Kräfte wirken da. Und den zweiten Zeitraum, den wir den persischen nannten, den werden wir im sechsten Zeitraum wieder aufleuchten sehen. Wir werden, nachdem unsere Kultur untergegangen sein wird, in der Kultur des sechsten Zeitraums aufleben sehen die Zarathustra-Religion. Und in unseren Vorträgen werden wir sehen, wie in unserem fünften Zeitraum eine Art Wiedererweckung stattfinden wird des dritten, des ägyptischen Zeitraums. Der vierte Zeitraum steht mitten darinnen; er ist etwas für sich, er hat nach vor- und rückwärts nicht seinesgleichen.

[ 13 ] We will see that there is a peculiar law that helps us understand the workings of miraculous forces throughout these periods and the interconnection among the various cultural epochs. If we first look at the first epoch—that of Indian culture—we will find that later on we see this first culture reemerge in a new form during the seventh epoch. The ancient Indian culture will appear there in a new form. Very mysterious forces are at work there. And the second epoch, which we called the Persian one, we will see reemerge during the sixth epoch. After our culture has come to an end, we will see the Zoroastrian religion revived in the culture of the sixth epoch. And in our lectures, we will see how, in our fifth epoch, a kind of revival of the third—the Egyptian—epoch will take place. The fourth epoch stands right in the middle of all this; it is unique in itself, with no equal either before or after it.

[ 14 ] Um dies geheimnisvolle Gesetz begreiflicher zu machen, soll noch folgendes gesagt werden. Wir wissen, daß das Indertum etwas hat, was den heutigen Menschen in seinem Humanitätsbewußtsein fremd berührt; das ist die Einteilung in bestimmte Kasten, die Einteilung in die Priesterkaste, Kriegerkaste, Händler und Arbeiter. Diese strenge Scheidung ist dem heutigen Bewußtsein fremd. In der ersten nachatlantischen Kultur war sie nicht etwas Fremdes, sondern etwas Selbstverständliches. Es konnte damals gar nicht anders sein, als daß nach den verschiedenen Befähigungen der Seelen die Menschheit eingeteilt wurde in vier Grade. Eine Härte wurde dabei keineswegs empfunden, denn die Menschen wurden durch ihre Führer eingeteilt, und die waren eine solche Autorität, daß dasjenige, was sie anordneten, selbstverständlich maßgebend war. Man sagte sich, daß die Führer, die sieben heiligen Rishis, die in der Atlantis selbst ihren Unterricht von göttlichen Wesen empfangen hatten, sehen konnten, an welchen Platz der Mensch gestellt werden mußte. So war eine solche Einteilung der Menschen etwas ganz Natürliches. Ganz anders wird eine Gruppierung der Menschen im siebenten Zeitraum eintreten. War es im ersten Zeitraum die Autorität, die die Einteilung bewirkte, im siebenten Zeitraum wird es etwas anderes sein: die Menschen werden sich gruppieren nach sachlichen Gesichtspunkten. Etwas Ähnliches sehen wir bei den Ameisen; sie bilden einen Staat, der in seinem wunderbaren Aufbau sowie auch in der Fähigkeit, eine verhältnismäßig ungeheure Aufgabe zu leisten, von keinem Menschenstaat erreicht wird. Und doch haben wir dort gerade das vertreten, was heute dem Menschen so fremd erscheint, das Kastenwesen; für jede Ameise gibt es eine partielle Aufgabe.

[ 14 ] To make this mysterious law more understandable, the following should be noted. We know that Indian culture has something that strikes modern people as alien to their sense of humanity; this is the division into specific castes—the priestly caste, the warrior caste, merchants, and workers. This strict division is foreign to modern consciousness. In the first post-Atlantean culture, it was not something foreign, but rather something taken for granted. At that time, it could not have been otherwise than that humanity was divided into four grades according to the various capacities of the souls. This was by no means perceived as harsh, for people were classified by their leaders, and these leaders held such authority that whatever they decreed was naturally regarded as definitive. It was believed that the leaders—the seven holy Rishis, who had themselves received their teachings from divine beings in Atlantis—could see exactly where each person belonged. Thus, such a classification of people was something entirely natural. The grouping of people in the seventh epoch will take place quite differently. Whereas in the first epoch it was authority that brought about the classification, in the seventh epoch it will be something else: people will group themselves according to objective criteria. We see something similar among ants; they form a society whose marvelous structure, as well as its ability to accomplish a relatively immense task, is unmatched by any human society. And yet, we find there precisely what seems so foreign to humans today—the caste system; every ant has a specific task.

[ 15 ] Was man auch heute denken mag, die Menschen werden einsehen, daß in der Teilung in sachliche Gruppen das Heil der Menschen liegt, und sie werden die Möglichkeit finden der Arbeitsteilung und doch Gleichberechtigung. Die menschliche Gesellschaft wird erscheinen wie eine wunderbare Harmonie. Das ist etwas, was wir in den Annalen der Zukunft sehen können. So wird das alte Indien wieder erscheinen. Und in einer ähnlichen Art werden gewisse Eigenarten des dritten Zeitraums wieder erscheinen im fünften Zeitraum.

[ 15 ] Whatever people may think today, they will come to realize that humanity’s salvation lies in the division into functional groups, and they will find a way to achieve both a division of labor and equality. Human society will appear as a marvelous harmony. This is something we can see in the annals of the future. Thus, ancient India will reappear. And in a similar way, certain characteristics of the third period will reappear in the fifth period.

[ 16 ] Wenn wir nun zunächst auf das blicken, was unmittelbar unser Thema einschließt, so sehen wir da auch ein gewaltiges Gebiet: Wir sehen die gigantische Pyramide, die rätselhafte Sphinx; wir werden sehen, daß die Seelen, die den alten Indern angehörten, auch in Ägypten verkörpert waren, auch heute verkörpert sind. Und wenn wir jene allgemeine Charakteristik etwas im einzelnen verfolgen, so sollen uns zunächst zwei Erscheinungen vor Augen treten, die uns zeigen werden, wie wir schon in den überirdischen . Zusammenhängen zwischen der ägyptischen und der heutigen Kultur geheimnisvolle Fäden verfolgen können. Wir haben das Gesetz der Wiederholung in den verschiedenen Zeiträumen gesehen, unendlich bedeutungsvoller wird es uns aber erscheinen, wenn wir es in der geistigen Region verfolgen.

[ 16 ] If we now turn our attention first to what is directly related to our topic, we see there as well a vast realm: we see the gigantic pyramid, the enigmatic Sphinx; we will see that the souls that belonged to the ancient Indians were also incarnated in Egypt, and are still incarnated there today. And if we examine that general characteristic in a bit more detail, two phenomena should first come to mind that will show us how we can already trace mysterious threads in the supernatural connections between Egyptian and modern culture. We have seen the law of repetition in the various historical periods, but it will appear infinitely more significant to us when we trace it in the spiritual realm.

[ 17 ] Wir alle kennen ein Bild von tiefer Bedeutung, das uns gewiß allen einmal vor die Seele getreten ist, jenes berühmte Bild des Raffael, das durch eine Verkettung verschiedener Umstände in bedeutungsvoller Art gerade bei uns in Mitteldeutschland sich befindet: ich meine die Sixtinische Madonna. Wir haben vielleicht in diesem Bilde, das ja in unzähligen Nachbildungen vor vieler Augen treten kann, bewundern gelernt die wunderbare Reinheit, die über die ganze Gestalt ausgegossen ist; wir haben vielleicht auch in dem Antlitz der Mutter, in dem eigenartigen Schweben der Gestalt, etwas empfunden, vielleicht auch etwas empfunden in dem tiefen Augenausdruck des Kindes. Und wenn wir dann rundherum die Wolkengebilde sehen, aus denen zahlreiche Engelsköpfchen erscheinen, dann haben wir ein noch tieferes Gefühl, ein Gefühl, das uns begreiflicher erscheinen läßt das ganze Bild. Ich weiß, daß ich etwas Gewagtes ausspreche, wenn ich sage: Sieht jemand ganz tief und ernstlich dieses Kind im Arme der Mutter, hinter ihm die Wolken, die sich gliedern zu einer Summe von Engelsköpfchen, dann hat er die Vorstellung: Dieses Kind ist nicht auf natürliche Art geboren, es ist eins von denen, die daneben in den Wolken schweben. Dieses Jesuskindlein ist selbst solch eine Wolkengestalt, nur etwas dichter geworden, als wenn ein solches Engelchen aus den Wolken auf den Arm der Madonna geflogen wäre. Das wäre gerade ein gesundes Empfinden. Wenn wir diesen Gefühlsinhalt in uns lebendig machen, dann wird sich unser Blick erweitern, er wird sich befreien von gewissen engen Auffassungen über die natürlichen Zusammenhänge des Daseins. Gerade aus einem solchen Bilde heraus wird sich der enge Blick erweitern können dazu, daß auch das, was nach heutigen Gesetzen geschehen muß, einmal anders gewesen sein könnte. Wir werden einsehen, daß einstmals eine andere als die geschlechtliche Zeugung bestand. Kurz, wir werden tiefe Zusammenhänge des Menschlichen mit den geistigen Kräften in diesem Bilde erblicken. Das liegt darinnen.

[ 17 ] We are all familiar with a painting of profound significance that has surely touched the soul of each of us at some point—that famous painting by Raphael, which, through a series of circumstances, has come to be housed here in Central Germany: I am referring to the Sistine Madonna. In this painting—which, of course, can be seen by many in countless reproductions—we may have learned to admire the wondrous purity that radiates throughout the entire figure; we may also have sensed something in the Mother’s face, in the figure’s unique sense of floating, and perhaps also in the deep expression in the child’s eyes. And when we then look around at the cloud formations from which numerous little angel heads emerge, we experience an even deeper feeling—a feeling that makes the entire painting seem more comprehensible to us. I know I am making a bold statement when I say: If someone looks deeply and earnestly at this child in his mother’s arms, with the clouds behind him forming a multitude of little angel heads, then he will have the thought: This child was not born in the natural way; he is one of those who float beside him in the clouds. This infant Jesus is himself such a cloud-like figure, only slightly more substantial than if such a little angel had flown down from the clouds into the Madonna’s arms. That would be precisely a healthy perception. If we bring this emotional content to life within ourselves, then our perspective will broaden; it will free itself from certain narrow conceptions of the natural interrelationships of existence. It is precisely from such an image that a narrow perspective can broaden to the realization that even what must happen according to today’s laws might once have been different. We will come to understand that there once existed a form of procreation other than sexual reproduction. In short, we will perceive deep connections between the human realm and the spiritual forces in this image. That is what lies within it.

[ 18 ] Wenn wir den Blick zurückschweifen lassen von dieser Madonna in die ägyptische Zeit, da begegnet uns etwas ganz Ähnliches, ein gleich hehres Bild. Der Ägypter hatte die Isis, jene Gestalt, an die sich das Wort knüpft: Ich bin, das da war, das da ist, das da sein wird. Meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gelüftet.

[ 18 ] If we let our gaze wander back from this Madonna to the Egyptian era, we encounter something very similar—an image just as sublime. The Egyptians had Isis, that figure to whom the words are linked: “I am that which was, that which is, and that which will be.” No mortal has yet lifted my veil.

[ 19 ] Ein tiefes Geheimnis, unter einem tiefen Schleier verborgen, offenbart sich in der Gestalt der Isis, der lieblichen Gottesgeistigkeit, der Isis, die in dem geistigen Bewußtsein des alten Ägypters, ebenso wie unsere Madonna mit dem Jesuskinde, mit dem Horuskinde dastand. In der Tatsache, daß uns diese Isis vorgeführt wird als etwas, was das Ewige in sich trägt, werden wir wieder erinnert an das Empfinden bei dem Anblick der Madonna. Tiefe Geheimnisse haben wir in der Isis zu sehen, Geheimnisse, die im Geistigen begründet sind. Eine Wiedererinnerung an die Isis ist die Madonna, die Isis erscheint wieder in der Madonna. Das ist ein solcher Zusammenhang. Wir müssen mit dem Gefühl die tiefen Geheimnisse erkennen, die einen überirdischen Zusammenhang zwischen der ägyptischen und der heutigen Kultur darstellen.

[ 19 ] A profound mystery, hidden beneath a deep veil, reveals itself in the figure of Isis, the lovely divine spirit—Isis, who, in the spiritual consciousness of the ancient Egyptians, stood alongside the Horus child just as our Madonna stands with the infant Jesus. The fact that this Isis is presented to us as something that bears the eternal within her reminds us once again of the feeling we experience at the sight of the Madonna. We must see profound mysteries in Isis—mysteries rooted in the spiritual realm. The Madonna is a reminder of Isis; Isis reappears in the Madonna. Such is the connection. We must recognize, with feeling, the profound mysteries that represent a supernatural connection between Egyptian and modern culture.

[ 20 ] Noch einen anderen Zusammenhang können wir heute hinstellen. Wir erinnern uns, wie der Ägypter seine Toten behandelte, wir erinnern uns an die Mumien, wie der Ägypter etwas darauf gab, daß die äußere physische Form lange konserviert werde, und wir wissen, daß der Ägypter seine Gräber anfüllte mit solchen Mumien, in denen er die äußere Form erhalten hatte, und daß er dem Verstorbenen in das Grab mitgab gewisse Gerätschaften, Besitztümer, als Erinnerungen an das verflossene physische Leben, Gerätschaften, die den Bedürfnissen des physischen Lebens entsprachen. So sollte das, was der Mensch im Physischen gehabt hat, erhalten bleiben. So verband der Ägypter seine Toten mit dem physischen Plan. Dieser Brauch bildete sich immer mehr heraus. Gerade das zeichnete die alte ägyptische Kultur aus.

[ 20 ] Today we can draw yet another connection. We recall how the Egyptians treated their dead; we recall the mummies and how the Egyptians placed great importance on preserving the outer physical form for a long time, and we know that the Egyptians filled their tombs with such mummies, in which the outer form had been preserved, and that they placed certain utensils and possessions in the tomb with the deceased—as mementos of the past physical life, utensils that corresponded to the needs of physical life. In this way, what the person had possessed in the physical realm was to be preserved. In this way, the Egyptians connected their dead to the physical plane. This custom became increasingly established. This, in particular, was a defining feature of ancient Egyptian culture.

[ 21 ] So etwas ist aber nicht ohne Folgen für die Seele. Denken wir daran, daß unsere Seelen in ägyptischen Körpern waren. Das ist durchaus richtig, daß unsere Seelen in diesen zu Mumien gewordenen Leibern verkörpert waren. Wir wissen aus den Darstellungen, die früher gegeben worden sind, daß dann, wenn der Mensch von seinem physischen Leib und seinem Ätherleib nach dem Tode befreit ist, daß er dann ein anderes Bewußtsein hat, daß er dann keineswegs in einem bewußtlosen Zustande in der astralischen Welt lebt. Er kann hinunterschauen aus der geistigen Welt, wenn er auch heute nicht hinaufschauen kann, er kann aber dann hinunterschauen auf die physische Erde. Da ist es nicht gleichgültig, ob der Leib als Mumie konserviert ist, oder ob dieser Leib verbrannt ist oder verwest. Es entsteht dadurch eine bestimmte Art von Zusammenhang. Wir werden den geheimnisvollen Zusammenhang sehen. Dadurch, daß im alten Ägypten eine lange Zeit die Leiber konserviert geblieben sind, haben die Seelen in der Zwischenzeit nach dem Tode etwas ganz Bestimmtes erlebt. Sie wußten, wenn sie herabschauten: das ist mein Leib. Sie waren an ihn gebunden, an diesen physischen Leib, sie hatten vor sich die Form ihres Leibes; wichtig wurde den Seelen dieser Leib, denn die Seele ist eindrucksfähig nach dem Tode. Der Eindruck, den der mumifizierte Leib gemacht hat, prägte sich tief ein, und die Seele wurde nach diesem Eindruck geformt.

[ 21 ] But something like this is not without consequences for the soul. Let us remember that our souls were in Egyptian bodies. It is absolutely true that our souls were embodied in these bodies that had become mummies. We know from the descriptions given earlier that when a person is freed from their physical body and their etheric body after death, they then have a different consciousness; they do not, by any means, live in an unconscious state in the astral world. From the spiritual world, they can look down—even if they cannot look up today—they can look down upon the physical Earth. It is not irrelevant whether the body has been preserved as a mummy, or whether it has been cremated or has decayed. This creates a certain kind of connection. We will see this mysterious connection. Because bodies were preserved for a long time in ancient Egypt, the souls experienced something very specific in the interval after death. When they looked down, they knew: “That is my body.” They were bound to it, to this physical body; they had the form of their body before them. This body became important to the souls, for the soul is receptive to impressions after death. The impression made by the mummified body was deeply imprinted, and the soul was shaped according to this impression.

[ 22 ] Nun ging diese Seele durch Verkörperungen in der griechischlateinischen Kultur hindurch, und sie lebt heute in unserer Zeit in uns. Es ist nicht wirkungslos, daß diese Seelen nach dem Tode ihren mumifizierten Leib gesehen haben, daß sie dadurch immer wieder hingelenkt wurden auf diesen Leib; gar nicht unwesentlich ist das. Sie haben ihn in ihre Sympathie aufgenommen, und die Frucht dieses Hinunterblickens tritt heute auf, im fünften Zeitraum in der Neigung, die heute die Seelen haben, großen Wert auf das äußere physische Leben zu legen. Alles das, was wir heute das Hängen an der Materie nennen, das kommt davon, daß die Seelen anschauen konnten damals aus der geistigen Welt ihre eigene Verkörperung. Dadurch hat der Mensch die physische Welt lieben gelernt, dadurch wird heute so oft gesagt, daß nur wichtig ist dieser physische Leib zwischen Geburt und Tod.

[ 22 ] Now this soul passed through incarnations within Greco-Roman culture, and today, in our time, it lives within us. It is not without effect that these souls saw their mummified bodies after death, that they were thereby repeatedly drawn back to these bodies; this is by no means insignificant. They have taken them into their hearts, and the fruit of this looking down is evident today, in the fifth epoch, in the tendency souls have today to place great value on external physical life. Everything we today call attachment to matter stems from the fact that the souls were able to gaze upon their own physical form from the spiritual world at that time. Through this, human beings have learned to love the physical world; this is why it is so often said today that only this physical body between birth and death is important.

[ 23 ] Solche Anschauungen kommen nicht aus dem Nichts. Damit soll nicht etwa eine Kritik der Mumienkultur gegeben werden, sondern es soll nur hingewiesen werden auf Notwendigkeiten, die mit der immer wiederkehrenden Verkörperung der Seele verbunden sind. Die Menschen wären in ihrer Weiterentwickelung gar nicht ohne das Hinschauen auf die Mumien ausgekommen. Heute hätte der Mensch alles Interesse an der physischen Welt verloren, hätten die Ägypter nicht den Mumienkult gehabt. Es mußte so kommen, um ein berechtigtes Interesse an der physischen Welt zu erwecken. Daß heute der Mensch sich seine Welt so eingerichtet hat, daß wir heute die Welt so sehen, wie wir sie sehen, das ist eine Folge davon, daß der Ägypter den physischen Leib nach dem Tode mumifiziert hat. Denn auch diese Kulturströmung stand unter dem Einfluß von Eingeweihten, die vorausschauen konnten. Man hat nicht aus einem Einfall heraus Mumien gemacht. Gerade damals führten hohe Individualitäten die Menschheit, welche anordneten, was richtig war. Auf Autorität hin wurde das gemacht. In den Eingeweihtenschulen hat man gewußt, daß unser Zeitraum mit dem dritten Zeitraum zusammenhängt. Diese geheimnisvollen Zusammenhänge standen damals den Priestern vor Augen, und sie ordneten gerade die Mumifizierung an, damit die Seelen die Gesinnung aufnähmen, die aus der physischen, äußeren Welt geistige Erfahrung sucht.

[ 23 ] Such views do not arise out of nowhere. This is not meant to be a criticism of mummy culture, but merely to point out the necessities associated with the ever-recurring incarnation of the soul. Humanity could not have progressed in its development at all without observing the mummies. Today, humanity would have lost all interest in the physical world had the Egyptians not practiced the cult of mummification. It had to happen this way in order to awaken a legitimate interest in the physical world. The fact that humanity has organized its world in such a way that we now see the world as we do is a consequence of the Egyptians’ practice of mummifying the physical body after death. For this cultural movement, too, was influenced by initiates who could look into the future. Mummies were not created on a whim. At that very time, humanity was guided by exalted individuals who decreed what was right. This was done on authority. In the schools of the initiates, it was known that our epoch is connected to the third epoch. These mysterious connections were clear to the priests at that time, and they specifically ordered mummification so that the souls might adopt the disposition that seeks spiritual experience from the physical, outer world.

[ 24 ] So wird die Welt durch Weisheit geleitet; das ist ein anderes Beispiel solcher Zusammenhänge. Daß die Menschen heute so denken, wie sie denken, das ist das Ergebnis dessen, was sie erlebt haben im alten Ägypten. Da blicken wir in tiefe Geheimnisse hinein, die sich in den Kulturströmungen offenbaren. Wir haben diese Geheimnisse nur erst berührt, denn das, was gezeigt worden ist an der Madonna als einer Erinnerung an die Isis, und was wir gesehen haben an der Mumifizierung, berührt nur schwach die wirklichen geistigen Zusammenhänge. Aber wir werden noch tiefer hineinleuchten in jene Verhältnisse, wir werden nicht nur das zu betrachten haben, was äußerlich erscheint, sondern wir werden zu betrachten haben, was dem Äußeren zugrunde liegt.

[ 24 ] This is how the world is guided by wisdom; this is another example of such connections. The fact that people today think the way they do is the result of what they experienced in ancient Egypt. Here we glimpse deep mysteries that reveal themselves in cultural currents. We have only just touched upon these mysteries, for what has been shown regarding the Madonna as a remembrance of Isis, and what we have seen regarding mummification, only faintly touches upon the true spiritual connections. But we will shed even deeper light on those circumstances; we will not only have to consider what appears on the surface, but we will also have to consider what underlies the outward appearance.

[ 25 ] Das äußere Leben verläuft zwischen Geburt und Tod. Ein viel längeres Leben lebt der Mensch nach dem Tode, was wir kennen als Kamaloka und die Erlebnisse in der geistigen Welt. Die Erlebnisse in den übersinnlichen Welten sind nicht etwa einförmiger als die Erlebnisse hier in der physischen Welt. Was erlebten wir denn als alte Ägypter in der anderen Welt?

[ 25 ] Outward life unfolds between birth and death. After death, a person lives a much longer life—what we know as Kamaloka and the experiences in the spiritual world. The experiences in the supersensible worlds are by no means any more monotonous than the experiences here in the physical world. What, then, did we experience as ancient Egyptians in the other world?

[ 26 ] Wenn wir den Blick an der Pyramide entlang schweifen ließen, wenn wir ihn richteten auf die Sphinx, wie ganz anders verfloß jenes Leben, wie ganz anders hat unsere Seele damals gelebt zwischen Geburt und Tod! Das läßt sich gar nicht vergleichen mit dem heutigen Leben, das hätte auch gar keinen Sinn. Und mannigfaltiger noch als die äußeren Erlebnisse sind die Erlebnisse zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Damals, als der ägyptische Zeitraum war, da erlebte die Seele etwas ganz anderes als in der griechischen Welt, als zur Zeit Karls des Großen und als in unserer Zeit. Auch in der anderen, in der geistigen Welt, findet eine Entwickelung statt, und das, was der Mensch heute zwischen dem Tode und einer neuen Geburt erlebt, ist etwas ganz anderes, als was der alte Ägypter erlebte, wenn er mit dem Tode ablegte die äußere Gestalt. Und ebenso wie die Mumifizierung in einer Eigenart sich fortgebildet hat, so daß sie die Ursache der heutigen Gesinnung ist, ebenso wie dieses äußere Leben vom dritten sich wiederholt in dem fünften Zeitraum, ebenso findet ein Fortgang der Entwickelung in jenen geheimnisvollen Welten zwischen Tod und Geburt statt. Auch das werden wir zu betrachten haben, auch da wird sich ein geheimnisvoller Zusammenhang ergeben. Und dann werden wir etwas zusammengetragen haben, um das wirklich zu begreifen, was in uns lebt, was in uns Frucht ist aus jener alten Zeit.

[ 26 ] When we let our gaze wander along the pyramid, when we directed it toward the Sphinx, how very different that life was, how very differently our soul lived back then between birth and death! That cannot be compared at all to life today; it would make no sense to do so. And even more varied than the external experiences are the experiences between death and a new birth. Back then, during the Egyptian era, the soul experienced something entirely different than in the Greek world, than in the time of Charlemagne, and than in our own time. In the other world—the spiritual world—development also takes place, and what a person experiences today between death and a new birth is something entirely different from what the ancient Egyptians experienced when they shed their outer form upon death. And just as mummification has evolved in its own unique way, so that it is the cause of today’s mindset, just as this outer life of the third epoch is repeated in the fifth, so too does a continuation of development take place in those mysterious worlds between death and birth. We will have to consider this as well; there, too, a mysterious connection will emerge. And then we will have gathered enough to truly comprehend what lives within us, what within us is the fruit of that ancient time.

[ 27 ] Allerdings werden wir da hinuntergeführt in tiefe Schächte des Labyrinthes der Erdenentwickelung. Aber gerade dadurch werden wir auch den vollen Bezug zwischen dem, was der Ägypter baute, der Chaldäer dachte, und dem, was wir heute leben, erkennen. Das, was damals gewirkt wurde, das werden wir wieder aufleuchten sehen in dem, was uns umgibt, in dem, was uns interessiert in unserer Umwelt. Physisch und geistig werden wir über diesen Zusammenhang Aufschlüsse erhalten. Dazu wird gezeigt werden, wie die Entwickelung fortschreitet, wie der vierte Zeitraum ein ganz wunderbares Verbindungsglied bildet zwischen dem dritten und fünften Zeitraum. Und so wird sich unsere Seele erheben zu den bedeutungsvollen Zusammenhängen der Welt, und die Frucht wird sein ein tiefes Verständnis dessen, was in uns lebt.

[ 27 ] However, we are led down into the deep chambers of the labyrinth of Earth’s evolution. But it is precisely through this that we will also come to recognize the full connection between what the Egyptians built, what the Chaldeans thought, and what we experience today. We will see what was accomplished back then shine forth again in what surrounds us, in what interests us in our environment. Both physically and spiritually, we will gain insights into this connection. To this end, it will be shown how evolution progresses, how the fourth epoch forms a truly wonderful link between the third and fifth epochs. And so our soul will rise to the meaningful connections of the world, and the fruit of this will be a deep understanding of what lives within us.