Spiritual-Scientific Anthropology
GA 107
23 October 1908, Berlin
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Spiritual-Scientific Anthropology, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Wir sprechen in bezug auf die äußere physische Welt von einer «Geschichte». Wir blicken zurück an der Hand äußerer Dokumente und Nachrichten in die verflossenen Zeiten der Geschichte der Völker, der Menschheit. Sie wissen ja, daß man auf diesem Wege durch die Erschließung so mancher neuerer Dokumente bis in frühe Jahrtausende vor Christi Geburt zurückblicken kann. Nun haben Sie aus den Vorträgen, die wir auf dem Felde der Geisteswissenschaft gehört haben, entnehmen können, daß wir an der Hand von okkulten Dokumenten noch viel weiter, in unbegrenzte Weiten der Vergangenheit zurücksehen können. Wir erkennen also eine äußere Geschichte der äußeren physischen Welt an. Wir wissen, wenn wir sprechen über die Lebensgewohnheiten, über die Kenntnisse, überhaupt über die Erlebnisse der Völker, welche lebten in den unmittelbar hinter uns liegenden Jahrhunderten, wenn wir über ihre Entdeckungen und Erfindungen sprechen wollen, daß wir anders sprechen müssen, als wenn wir ein oder zwei Jahrtausende zurückgehen und von den Sitten und Gewohnheiten, von den Kenntnissen und Erkenntnissen weit zurückliegender Völker sprechen. Und immer anders wird die Geschichte, wenn wir weiter zurückgehen in der Zeit. Es ziemt sich vielleicht, einmal zu fragen, ob denn das Wort «Geschichte, «historische Entwicklung» nur eine Bedeutung hat für diese äußere physische Welt, ob nur da im Laufe der Zeiten sich die Ereignisse, die Physiognomie des Geschehens ändern oder ob vielleicht das Wort Geschichte auch eine Bedeutung haben kann für die andere Seite des Daseins, für jene Seite, die wir eben gerade durch die Geisteswissenschaft beschreiben, die der Mensch zu durchleben hat in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.
[ 1 ] When referring to the external physical world, we speak of “history.” We look back, guided by external documents and records, into the past eras of the history of peoples and of humanity. As you know, by examining many recent documents, we can look back as far as the early millennia before the birth of Christ. Now, from the lectures we have heard in the field of spiritual science, you have been able to gather that, on the basis of occult documents, we can look back even much further, into the boundless expanses of the past. We thus acknowledge an external history of the external physical world. We know that when we speak of the ways of life, of knowledge, and indeed of the experiences of the peoples who lived in the centuries immediately preceding our own—when we wish to speak of their discoveries and inventions—we must speak differently than when we go back one or two millennia and speak of the customs and habits, of the knowledge and insights of peoples from a much more distant past. And history becomes ever more different as we go further back in time. It may be appropriate to ask, for once, whether the term “history, “historical development” has only one meaning for this outer, physical world—whether it is only there that, in the course of time, events and the nature of what happens change—or whether the word “history” might also have a meaning for the other side of existence, for that side which we describe precisely through spiritual science, which the human being must experience in the time between death and a new birth.
[ 2 ] Zunächst, bloß äußerlich angesehen, müssen wir uns ja sagen, daß nach alle dem, was wir wissen, das Leben des Menschen in diesen anderen, für den heutigen Menschen übersinnlichen Welten sogar ein längeres ist als das in der physischen Welt. Hat das Wort «Ge schichte» auch für diese Welt, für diese andere Seite des Daseins, eine Bedeutung? Oder sollen wir uns der Anschauung hingeben, daß in den Gefilden, die der Mensch durchlebt in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, immer alles gleichbleibt, daß es dasselbe ist, wenn wir zum Beispiel zurückgehen durch das 18., 17. Jahrhundert hindurch bis in das 8., 7., 6. Jahrhundert nach dem Erscheinen des Christus Jesus auf der Erde und noch weiter, in die vorchristlichen Jahrhunderte? Die Menschen, die mit der Geburt das irdische Dasein betreten, treffen ja mit jeder neuen Geburt andere Verhältnisse auf der Erde an. Denken wir uns einmal in die Seele eines Menschen hinein - und es sind ja unsere eigenen Seelen, um die es sich handelt -, der erschienen ist in einer Verkörperung im alten Ägypten oder im alten Persien. Stellen wir uns lebhaft vor, in welche Verhältnisse ein Mensch hineingeboren wurde, der im alten Ägypten gegenüberstand den gigantischen Pyramiden und Obelisken und all den Lebensverhältnissen, die uns in dem alten Ägypten gegeben sind. Denken wir uns, was das gerade für das Leben zwischen Geburt und Tod für Lebensverhältnisse sind. Sagen wir nun, dieser Mensch stirbt, er macht eine Zeit durch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt und wird nunmehr hineingeboren in eine Zeit des 7., 8. Jahrhunderts der nachchristlichen Epoche. Vergleichen wir die Zeiten: Wie anders stellt sich der Seele in dem irdischen Dasein die Welt dar in den Zeiten vor dem Erscheinen des Christus Jesus äußerlich hier auf dem physischen Plan! Und fragen wir weiter: Was erlebt die Seele, die vielleicht in den ersten Jahrhunderten der nachchristlichen Zeit erschienen ist und die jetzt wiederum unseren physischen Plan betritt? - Da findet sie die neueren staatlichen Einrichtungen, von denen dazumal keine Rede war. Sie erlebt das, was unsere modernen Kulturmittel gebracht haben, kurz, ein ganz anderes Bild bietet sich einer solchen Seele dar gegenüber dem, was sich ihr in den vorhergehenden Inkarnationen dargeboten hat. Und wir sind uns bewußt, wenn wir diese einzelnen Inkarnationen vergleichen, wie verschieden sie voneinander sind. Ist es da nicht berechtigt, die Frage aufzuwerfen: Wie ist es denn mit den Lebensverhältnissen eines Menschen zwischen dem Tode und der neuen Geburt, also zwischen zwei Inkarnationen? Wenn ein Mensch früher im alten Ägypten gelebt hat und nach dem Tode in die geistige Welt gegangen ist, dort bestimmte Tatsachen, bestimmte Wesenheiten gefunden hat, wenn er dann wieder ins physische Dasein trat in den ersten christlichen Jahrhunderten, wieder starb und wieder hinüberging in die andere Welt und so weiter - ist es da nicht berechtigt zu fragen, ob sich auf der anderen Seite des Daseins bei all den Erlebnissen, die der Mensch da durchmacht, nicht auch eine «Geschichte» abspielt, ob nicht auch da im Verlaufe der Zeit sich vieles ändert?
[ 2 ] First of all, looking at it purely from an external perspective, we must admit that, based on everything we know, human life in these other worlds—which are supernatural to people today—is actually longer than life in the physical world. Does the word “history” also have any meaning for this world, for this other side of existence? Or should we accept the view that in the realms that human beings experience in the time between death and a new birth, everything always remains the same—that it is the same whether, for example, we go back through the 18th and 17th centuries all the way to the 8th, 7th, 6th centuries after the appearance of Christ Jesus on Earth and even further back, into the pre-Christian centuries? After all, people who enter earthly existence at birth encounter different conditions on Earth with each new birth. Let us imagine for a moment the soul of a human being—and these are, after all, our own souls we are speaking of—who appeared in an incarnation in ancient Egypt or ancient Persia. Let us vividly imagine the circumstances into which a person was born—a person who, in ancient Egypt, stood before the gigantic pyramids and obelisks and all the living conditions that existed in ancient Egypt. Let us consider what kind of living conditions these represent for life between birth and death. Now let us say that this person dies, undergoes a period between death and a new birth, and is now reborn into the 7th or 8th century of the Christian era. Let us compare the eras: How differently does the world appear to the soul in its earthly existence during the times before the coming of Jesus Christ, outwardly here on the physical plane! And let us ask further: What does the soul experience—one who perhaps appeared in the first centuries of the Christian era and who is now entering our physical plane once again?—There it finds the newer forms of government, of which there was no mention back then. It experiences what our modern cultural achievements have brought about; in short, a completely different picture presents itself to such a soul compared to what was presented to it in its previous incarnations. And we are aware, when we compare these individual incarnations, just how different they are from one another. Is it not justified, then, to raise the question: What is the nature of a person’s life circumstances between death and rebirth—that is, between two incarnations? If a person once lived in ancient Egypt and, after death, entered the spiritual world, where they encountered certain realities and certain beings; if they then returned to physical existence in the early Christian centuries, died again, and passed over into the other world once more, and so on —is it not legitimate to ask whether, on the other side of existence, with all the experiences a person goes through there, a “story” does not also unfold, and whether, over the course of time, many things do not change there as well?
[ 3 ] Sie wissen ja, daß, wenn wir das Leben des Menschen zwischen dem Tode und der neuen Geburt schildern, wir ein allgemeines Bild davon geben, wie dieses Leben ist. Wir schildern da, ausgehend von dem Moment des Todes, wie der Mensch, nachdem sich vor seiner Seele jenes große Erinnerungstableau entwickelt hat, eintritt in die Zeit, wo seine im astralischen Leib befindlichen Triebe, Begierden, Leidenschaften, kurz, wo alles, was ihn noch an die physische Welt bindet, noch in ihm ist, wo sich das abspielt, was man gewohnt worden ist Kamaloka zu nennen, und wie der Mensch, nachdem er diese Verbindung abgestreift hat, dann in das Devachan eingeht, in eine rein geistige Welt. Und wir schildern dann weiter, was in dieser Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt für den Menschen in diesem rein geistigen Dasein sich weiter entwickelt bis zu seinem Wiederkommen in der physischen Welt. Sie haben gesehen, wie das, was wir da schildern, zunächst immer sozusagen mit Rücksicht darauf besprochen wurde, daß es sich auf die Gegenwart, auf unser unmittelbares Leben bezieht. Und so ist es auch. Man muß natürlich von irgend etwas ausgehen, man muß auf irgendeinem Posten stehen, wenn man schildert. Geradeso wie man bei Schilderungen der Gegenwart ausgehen muß von den Beobachtungen und Erfahrungen in der Gegenwart, so ist es auch bei Schilderungen über die geistige Welt notwendig, das Bild, das sich dem hellseherischen Blick darbietet für das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt, ungefähr so zu schildern, wie es sich in der Gegenwart durchschnittlich abspielt, wenn der Mensch stirbt und durch die geistige Welt einem neuen Dasein entgegenlebt. Aber für eine umfassende okkulte Beobachtung ergibt sich durchaus, daß auch für diese Welt, die der Mensch durchlebt zwischen dem Tode und der neuen Geburt, das Wort «Geschichte» eine gute Bedeutung hat. Auch da geschieht geradeso etwas, wie hier in der physischen Welt. Und ebenso wie wir aufeinanderfolgende sich unterscheidende Ereignisse erzählen, wie wir etwa anfangen bei dem 4. Jahrtausend vor Christus und die Ereignisse schildern bis in unsere nachchristliche Zeit hinein, so müssen wir für die andere Zeit des Daseins ebenso eine «Geschichte» konstatieren, müssen uns auch da bewußt werden, daß das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt in der Zeit der ägyptischen, der altpersischen oder der uralt indischen Kultur nicht genau so war, wie es zum Beispiel in unserer Zeit ist. Wenn man sich also zunächst eine vorläufige Vorstellung in unserer Gegenwart über das Kamaloka-Leben und über das Devachan-Leben gebildet hat, dann ist es wohl auch an der Zeit, diese Schilderungen auszudehnen und zu einer geschichtlichen Betrachtung dieser Welten vorzurücken. Und wir wollen, um uns über diese Dinge klar zu werden, wenn wir einiges über das Kapitel «okkulte Geschichte» vorführen, uns gleich an ganz bestimmte geistige Tatsachen halten. Wir müssen allerdings, um uns verständigen zu können, weit zurückgreifen, etwa bis in die atlantische Zeit zurück. Wir sind ja heute so weit, daß wir etwas für jeden Bekanntes voraussetzen, wenn wir von solchen Zeiten sprechen.
[ 3 ] As you know, when we describe human life between death and rebirth, we are presenting a general picture of what that life is like. Starting from the moment of death, we describe how a person—after that great tableau of memories has unfolded before their soul—enters the period when their instincts, desires, passions—in short, where everything that still binds them to the physical world is still within them—where what has come to be called Kamaloka takes place, and how, after shedding this connection, the human being then enters Devachan, a purely spiritual world. And we will then go on to describe what continues to develop for the human being during this time between death and the new birth in this purely spiritual existence, right up to his return to the physical world. You have seen how what we are describing here has, at first, always been discussed, so to speak, with the understanding that it relates to the present, to our immediate life. And that is indeed the case. Of course, one must start from somewhere; one must take a certain vantage point when describing things. Just as one must base descriptions of the present on observations and experiences in the present, so too, in descriptions of the spiritual world, it is necessary to depict the picture that presents itself to the clairvoyant gaze—of life between death and rebirth—in much the same way as it typically unfolds in the present when a person dies and passes through the spiritual world toward a new existence. But a comprehensive occult observation clearly shows that the word “history” is also quite appropriate for this world that a person experiences between death and rebirth. There, too, events unfold in much the same way as they do here in the physical world. And just as we recount a succession of distinct events—as when we begin with the 4th millennium B.C. and describe events up into our post-Christian era— so too must we acknowledge a “history” for that other phase of existence; we must also realize that life between death and rebirth during the era of Egyptian, ancient Persian, or ancient Indian culture was not exactly the same as it is, for example, in our own time. So, once we have formed a preliminary conception in our present time of life in the Kamaloka and life in the Devachan, it is surely time to expand these descriptions and move on to a historical examination of these worlds. And in order to gain clarity on these matters, when we present some points regarding the chapter on “occult history,” let us adhere strictly to very specific spiritual facts. However, in order to communicate effectively, we must go back quite far—as far back as the Atlantean era. After all, we have reached a point today where we can assume that everyone is familiar with these concepts when we speak of such times.
[ 4 ] Wir fragen uns, wie in diesen Zeiten, in denen schon von Geburt und Tod die Rede sein kann, wie da das Leben des Menschen - um einen Ausdruck zu haben - im Jens ch ausnahm. Es unterschied sich das Leben im Jenseits damals von dem Leben im Diesseits ganz anders, als es sich heute unterscheidet. Wenn der Atlantier starb, was geschah da mit seiner Seele? Sie ging über in einen Zustand, wo sie sich im eminentesten Sinne geborgen fühlte in einer geistigen Welt, in einer Welt höherer geistiger Individualitäten. Wir wissen ja, daß auch hier auf dieser physischen Erde das Leben des Atlantiers anders verlief als unser heutiges Leben. Der heutige Wechsel zwischen Wachen und Schlafen und das Unbewußtsein während der Nacht - es ist öfter davon gesprochen worden -, das war in der atlantischen Zeit nicht da. Während der Mensch hinüberschlummerte und während sich zurückzog von seinem Bewußtsein das Wissen der physischen Dinge um ihn herum, ging er ein in eine Welt des Geistigen. Da tauchte auf für ihn der Anblick von geistigen Wesenheiten. So wie er hier mit Pflanzen, Tieren, Menschen und so weiter zusammen ist bei Tag, so tauchte drüben auch während des Schlafbewußtseins auf eine Welt von niederen und höheren geistigen Wesenheiten in demselben Maße, als der Mensch einschlief. Der Mensch lebte sich in diese Welt hinein. Und wenn der Atlantier mit dem Tode hinüberging in eine jenseitige Welt, dann tauchte um so heller diese Welt der geistigen Wesenheiten, der geistigen Geschehnisse auf. Der Mensch fühlte sich in diesen atlantischen Zeiten in seinem ganzen Bewußtsein viel mehr heimisch in diesen höheren Welten, in diesen Welten geistiger Begebenheiten und geistiger Wesenheiten, als in der physischen Welt. Und wir dürfen nur in die ersten atlantischen Zeiten zurückgehen, da finden wir, daß die Menschen dieses physische Dasein so auffaßten - alle Ihre Seelen taten das so — wie einen Besuch in einer Welt, wo man eben eine Zeitlang verweilt, die aber anders ist als die eigentliche Heimat, welche nicht in dieser irdischen Sphäre verfloß.
[ 4 ] We wonder how, in those times when one could already speak of birth and death, human life—to use an expression—unfolded in the afterlife. Life in the afterlife back then differed from life in this world in a way quite different from how it differs today. When an Atlantean died, what happened to his soul? It passed into a state where it felt safe in the most profound sense—in a spiritual world, in a world of higher spiritual individualities. We know, after all, that even here on this physical Earth, the life of an Atlantean unfolded differently from our life today. The modern alternation between waking and sleeping, and the state of unconsciousness during the night—which has often been discussed—did not exist in Atlantean times. As a person drifted off to sleep and as knowledge of the physical things around them receded from their consciousness, they entered a spiritual world. There, the sight of spiritual beings appeared to them. Just as they are here among plants, animals, people, and so on during the day, so too, during the state of sleep, a world of lower and higher spiritual beings emerged to the same extent as the person fell asleep. The person immersed themselves in this world. And when the Atlantean passed over into the world beyond at death, this world of spiritual beings and spiritual events appeared all the more vividly. In those Atlantean times, human beings felt much more at home in these higher worlds—in these worlds of spiritual events and spiritual beings—than in the physical world. And we need only go back to the earliest Atlantean times to find that people viewed this physical existence—all their souls did so—as a visit to a world where one simply stays for a while, but which is different from their true home, which did not lie within this earthly sphere.
[ 5 ] Eines aber war in den atlantischen Zeiten eine Eigenartigkeit dieses Lebens zwischen dem Tode und der neuen Geburt, wovon sich der heutige Mensch schwer eine Vorstellung machen kann, weil er sie ganz verloren hat. Jene Fähigkeit, «Ich» zu sich zu sagen, sich als ein selbstbewußtes Wesen zu fühlen, sich als ein «Ich» zu empfinden, was das Wesentliche des heutigen Menschen ausmacht, das ging mit dem Verlassen der physischen Welt für den Atlantier ganz verloren. Indem er sich hinaufbewegte in die geistige Welt, sei es im Schlafe oder in höherem Maße während des Lebens zwischen dem Tode und der neuen Geburt, da setzte sich an die Stelle des Ich-Bewußtseins: «Ich bin ein selbstbewußtes Wesen», «ich bin in mir», an diese Stelle setzte sich das Bewußtsein: «Ich bin geborgen in den höheren Wesenheiten», «ich tauche gleichsam hinein in das Leben dieser höheren Wesenheiten selber». Eins fühlte sich der Mensch mit den höheren Wesenheiten, und in dem Sich-eins-Fühlen empfand er eine unendliche Seligkeit in diesem Jenseits. Und so wuchs seine Seligkeit immer mehr und mehr, je weiter er sich von dem Bewußtsein des physisch-sinnlichen Daseins entfernte. Es war ein beseligendes Leben, je weiter wir zurückgehen in der Zeit. Und wir haben es öfter gehört, worin der Sinn der Menschheitsentwicklung in dem irdischen Dasein besteht. Er besteht darin, daß der Mensch immer mehr und mehr verstrickt wird mit dem physischen Dasein auf unserer Erde. Wenn der Mensch der atlantischen Zeit in dem Schlafbewußtsein sich im Jenseits ganz zu Hause fühlte, diese Welt als hell und klar und freundlich empfand, so war dafür auch sein Bewußtsein im Diesseits noch ein halb traumhaftes. Es war noch kein rechtes Besitzergreifen des physischen Leibes vorhanden. Wenn der Mensch aufwachte, vergass er in einer gewissen Beziehung die Götter und Geister, die er im Schlafe erlebt hatte, aber er lebte sich doch nicht so hinein in das physische Bewußtsein wie heute, wenn er des Morgens aufwacht. Die Gegenstände hatten noch keine klaren Umrisse. Es war für den Atlantier immer so, wie wenn Sie an einem Nebelabend hinausgehen und die Straßenlaternen umgeben sehen mit einem Hof, mit einer Aura von allen möglichen Farben. So undeutlich waren alle Gegenstände des physischen Planes. Das Bewußtsein des physischen Planes war erst im Aufdämmern. Es war noch nicht das starke Bewußtsein des «Ich bin» in den Menschen hineingefahren. Erst gegen die letzten atlantischen Zeiten entwickelte sich immer mehr und mehr das menschliche Selbstbewußtsein, das Persönlichkeitsbewußtsein in dem Maße, als der Mensch jenes beseligende Bewußtsein im Schlafe verlor. Der Mensch eroberte sich nach und nach die physische Welt, er lernte immer mehr den Gebrauch seiner Sinne, und damit bekamen auch die Gegenstände der physischen Welt immer festere und bestimmtere Umrisse. In demselben Maße, als der Mensch sich die physische Welt eroberte, änderte sich aber auch das Bewußtsein drüben in der geistigen Welt.
[ 5 ] There was, however, one peculiarity of this life between death and new birth during the Atlantean era that is difficult for modern people to imagine, because they have lost it entirely. That ability to say “I” to oneself, to feel oneself as a self-aware being, to perceive oneself as an “I”—which constitutes the very essence of modern human beings—was completely lost to the Atlantean upon leaving the physical world. As they ascended into the spiritual world—whether in sleep or, to a greater extent, during the life between death and rebirth—the following took the place of “I”-consciousness: “I am a self-aware being,” “I am within myself”—in its place arose the awareness: “I am sheltered within the higher beings,” “I am, as it were, immersed in the very life of these higher beings.” Humanity felt at one with the higher beings, and in this sense of oneness, they experienced infinite bliss in this afterlife. And so their bliss grew more and more the further they moved away from the consciousness of physical-sensory existence. The further back we go in time, the more blissful life was. And we have often heard what the meaning of human development in earthly existence consists of. It consists in the fact that human beings become more and more entangled with physical existence on our Earth. While the human being of the Atlantean era, in the state of sleep-consciousness, felt completely at home in the afterlife—perceiving that world as bright, clear, and friendly—his consciousness in this life was, by contrast, still half-dreamlike. There was not yet a true sense of ownership of the physical body. When a person awoke, in a certain sense he forgot the gods and spirits he had experienced in sleep, but he did not immerse himself in physical consciousness as deeply as he does today when he wakes up in the morning. Objects did not yet have clear outlines. For the Atlantean, it was always as if you were to go outside on a foggy evening and see the streetlights surrounded by a halo, an aura of all kinds of colors. That is how indistinct all objects on the physical plane were. Consciousness of the physical plane was only just dawning. The strong consciousness of “I am” had not yet taken root in human beings. It was not until the latter days of the Atlantean era that human self-consciousness—the awareness of personality—developed more and more, to the extent that human beings lost that blissful consciousness during sleep. Human beings gradually conquered the physical world; they learned to use their senses more and more, and as a result, the objects of the physical world took on ever firmer and more definite outlines. To the same extent that human beings conquered the physical world, however, consciousness in the spiritual world also changed.
[ 6 ] Wir haben die verschiedenen Zeiträume der nachatlantischen Zeit verfolgt. Wir haben zurückgeschaut in die uralt indische Kultur. Wir haben gesehen, wie sich da der Mensch das Äußere so weit erobert hatte, daß er es als Maja empfand, daß er sich zurücksehnte in die Gefilde des alten geistigen Landes. Wir haben gesehen, wie in der persischen Kulturzeit die Eroberung des physischen Planes schon so weit gegangen war, daß der Mensch sich verbinden wollte mit den guten Kräften des Ormuzd, um die Kräfte der physischen Welt umzugestalten. Wir haben ferner gesehen, wie in der ägyptisch-babylonisch-chaldäisch-assyrischen Zeit die Menschen in der Feldmeßkunst, die zur Bearbeitung der Erde führte, oder auch in der Sternenkunde die Mittel fanden, die sie weiterbrachten in der Eroberung der äußeren Welt. Und endlich sahen wir, wie die griechisch-lateinische Zeit noch weiter ging, wie in Griechenland jene schöne Ehe zustande kam zwischen dem Menschen und der physischen Welt, in der griechischen Städtebildung oder auch in der griechischen Kunst. Und wir sahen, wie im vierten Zeitraum das Persönliche, das so zum ersten Male da war, auftauchte im alten römischen Recht. Während sich der Mensch früher in einem Ganzen geborgen fühlte, was noch der Abglanz war früherer geistiger Wesenheiten, fühlte sich der Römer zuerst als der Erdenbürger. Der Begriff des Bürgers kam auf.
[ 6 ] We have traced the various periods of the post-Atlantean era. We have looked back into ancient Indian culture. We have seen how, in that era, human beings had conquered the external world to such an extent that they perceived it as Maya, and longed to return to the realms of the ancient spiritual land. We have seen how, during the Persian cultural epoch, the conquest of the physical plane had already progressed so far that human beings sought to unite with the benevolent forces of Ormuzd in order to transform the forces of the physical world. We have also seen how, during the Egyptian-Babylonian-Chaldean-Assyrian period, people found the means—in the art of surveying, which led to the cultivation of the earth, or in astronomy—that advanced them in their conquest of the outer world. And finally, we saw how the Greek-Latin period went even further, how in Greece that beautiful union came about between humankind and the physical world—in Greek urban planning or in Greek art. And we saw how, in the fourth epoch, the personal—which was present for the first time—emerged in ancient Roman law. Whereas human beings had previously felt secure within a greater whole, which was still a reflection of earlier spiritual entities, the Romans first came to see themselves as citizens of the earth. The concept of the citizen arose.
[ 7 ] Die physische Welt war Stück für Stück erobert. Sie wurde dafür aber auch von dem Menschen lieb gewonnen. Die Neigungen und Sympathien des Menschen verbanden sich mit der physischen Welt, und in dem gleichen Maße, wie die Sympathie für die physische Welt wuchs, verband sich auch das Bewußtsein des Menschen mit den physischen Dingen. Aber in demselben Maße verdunkelte sich auch für den Menschen das Bewußtsein in dem Jenseits, in der Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt. Jenes beseligende Sichgeborgen-Fühlen in dem Dasein höherer geistiger Wesenheiten, das verlor der Mensch in demselben Maße im Jenseits, als er im Verlaufe der in der Geschichte sich folgenden Eroberungen der physischen Welt das Diesseits lieb gewann. Es wuchs von Stufe zu Stufe die Eroberung der physischen Welt durch den Menschen, immer neue Naturkräfte entdeckte er, immer neue Werkzeuge erfand er. Lieber und immer lieber gewann er dies Leben zwischen Geburt und Tod. Dafür aber verdunkelte sich sein altes dämmerhaftes Hellseherbewußtsein in der jenseitigen Welt. Es hörte niemals vollständig auf, aber es verdunkelte sich. Und während sich der Mensch die physische Welt eroberte, stellt die Geschichte der jenseitigen Welt einen Niedergang dar. Dieser Niedergang steht im Verhältnis zu dem Heraufsteigen der Kultur, das wir schildern, wenn wir die Menschen in den ersten primitiven Kulturanfängen betrachten, wie sie zwischen zwei Reibsteinen sich ihr Getreide zerreiben, und dann sehen, wie sie von Stufe zu Stufe aufsteigen, wie sie die ersten Entdeckungen machen, sich Werkzeuge verschaffen und gebrauchen lernen, und wie das im Laufe der Zeit immer weiter vorwärtsschreitet. Immer reicher wird das Leben auf dem physischen Plan. Der Mensch lernt gigantische Bauten aufführen. Aber indem wir so Geschichte schildern, durch die ägyptisch-babylonisch-chaldäisch-assyrische Zeit, durch die griechisch-römische Zeit hindurch bis in unsere Zeit, müssen wir allerdings einen Einschnitt machen, wenn wir einen kulturgeschichtlichen Fortgang schildern wollen. In demselben Maße müßten wir schildern einen Weg des Niederganges der Verbindung zwischen höheren Göttern und dem, was der Mensch den Göttern leisten durfte, was er tat im Sinne der geistigen Welt und inmitten der geistigen Welt. Und wir sehen, wie in den späteren Zeiten der Mensch immer mehr seine Verbindung mit den geistigen Welten und geistigen Fähigkeiten verliert. Wir müßten für das Jenseits ebenso eine Geschichte des Niederganges schreiben für die Menschen, wie wir für das Diesseits eine Geschichte des Aufschwunges, der fortlaufenden Eroberung der physischen Welt schreiben können. So ergänzen sich sozusagen geistige Welt und physische Welt, oder noch besser gesagt: so bedingen sie sich.
[ 7 ] The physical world was conquered bit by bit. But in return, humans also grew to love it. Human inclinations and sympathies became bound up with the physical world, and to the same extent that sympathy for the physical world grew, human consciousness also became bound up with physical things. But to the same extent, human consciousness of the afterlife—the time between death and rebirth—also became obscured. That blissful sense of security in the presence of higher spiritual beings—man lost it in the beyond to the same extent that he grew to love this world in the course of his successive conquests of the physical world throughout history. Humanity’s conquest of the physical world grew step by step; they discovered ever-new forces of nature and invented ever-new tools. He grew fonder and ever fonder of this life between birth and death. In return, however, his old, twilight-like clairvoyant consciousness in the world beyond grew dim. It never ceased entirely, but it did grow dim. And while humanity conquered the physical world, the history of the world beyond represents a decline. This decline stands in contrast to the rise of culture that we describe when we observe people in the earliest, most primitive stages of civilization—how they grind their grain between two stones—and then see how they advance step by step, how they make their first discoveries, acquire tools, and learn to use them, and how this process continues to advance over time. Life on the physical plane becomes ever richer. Humanity learns to erect gigantic structures. But as we trace history in this way—through the Egyptian-Babylonian-Chaldean-Assyrian period, through the Greco-Roman period, and on to our own time—we must, of course, mark a turning point if we are to describe the progression of cultural history. To the same extent, we would have to describe a path of decline in the connection between higher gods and what human beings were permitted to offer the gods—what they did in the spirit of the spiritual world and in the midst of the spiritual world. And we see how, in later times, human beings increasingly lose their connection with the spiritual worlds and their spiritual abilities. We would have to write a history of decline for humanity in the afterlife, just as we can write a history of ascent—of the ongoing conquest of the physical world—for this life. Thus, the spiritual world and the physical world complement one another, so to speak, or, better yet, they are mutually dependent.
[ 8 ] Es gibt - wie Sie ja auch wissen - eine Beziehung zwischen dieser geistigen Welt und unserer physischen Welt. Es ist ja oft gesprochen worden von den großen Vermittlern zwischen der geistigen Welt und der physischen Welt, von den Eingeweihten, von denjenigen, die zwar im physischen Leibe verkörpert sind, aber dennoch mit ihrer Seele hinaufragen in die geistige Welt zwischen Geburt und Tod, wo sonst der Mensch ganz abgeschlossen ist von der geistigen Welt, die auch in dieser Zeit Erfahrungen machen können in der geistigen Welt, sich hineinleben können in die geistige Welt. Was waren sie für den Menschen, diese mehr oder weniger großen oder kleinen Boten der geistigen Welt, wenn wir von den Spitzen derselben reden, meinetwillen von den alten heiligen Rishis der Inder, von dem Buddha, dem Hermes, Zarathustra, Moses oder all denen, die in den älteren Zeiten die großen Gottesboten waren? Wenn wir von all denen sprechen, die so Gottes- oder Geistesboten für die Menschen waren, was waren sie in bezug auf das Verhältnis zwischen der physischen und der geistigen Welt?
[ 8 ] As you well know, there is a connection between this spiritual world and our physical world. Much has been said about the great mediators between the spiritual world and the physical world—the initiates, those who, although incarnated in a physical body, yet whose souls reach up into the spiritual world between birth and death—a time when human beings are otherwise completely cut off from the spiritual world—and who, even in this era, can have experiences in the spiritual world and immerse themselves in it. What did these messengers of the spiritual world—whether great or small—mean to humanity, when we speak of the foremost among them, such as, for example, the ancient holy Rishis of India, the Buddha, Hermes, Zarathustra, Moses, or all those who in earlier times were the great messengers of God? When we speak of all those who were messengers of God or of the spirit for humanity, what were they in terms of the relationship between the physical and the spiritual world?
[ 9 ] Während ihrer Einweihung und durch ihre Einweihung erlebten sie die Verhältnisse der geistigen Welt. Sie konnten nicht nur mit ihren physischen Augen sehen und mit ihrem physischen Verstand wahrnehmen, was in der physischen Welt hier vorging, sondern sie konnten durch ihre gesteigerte Wahrnehmungsfähigkeit auch das wahrnehmen, was in der geistigen Welt vorgeht. Der Eingeweihte lebt nicht nur auf dem physischen Plan mit den Menschen, sondern er kann auch verfolgen, was die Toten tun in der Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt. Sie sind ihm ebenso vertraute Gestalten wie die Menschen auf dem physischen Plan. Daraus können Sie sehen, daß alles, was so erzählt wird als okkulte Geschichte, eben fließt aus den Erlebnissen der Eingeweihten.
[ 9 ] During their initiation—and through it—they experienced the conditions of the spiritual world. Not only could they see with their physical eyes and perceive with their physical minds what was happening here in the physical world, but through their heightened powers of perception they could also perceive what was happening in the spiritual world. The initiate does not merely live on the physical plane among human beings; he can also observe what the dead do in the period between death and rebirth. These beings are just as familiar to him as the people on the physical plane. From this you can see that everything recounted as an occult story stems precisely from the experiences of the initiates.
[ 10 ] Eine wichtige Wendung, auch für die von uns jetzt berührte Geschichte, tritt auf der Erde ein durch das Erscheinen des Christus. Und wir bekommen ein Bild von dem Fortrücken der Geschichte in der jenseitigen Welt, wenn wir uns fragen: Welche Bedeutung hat die Tat des Christus auf der Erde? Welche Bedeutung hat das Mysterium von Golgatha für die Geschichte im Jenseits?
[ 10 ] An important turning point—one that is also significant for the history we are now discussing—occurs on Earth with the appearance of Christ. And we gain a picture of the progression of history in the world beyond when we ask ourselves: What significance does the deed of the Christ on Earth have? What significance does the Mystery of Golgotha have for history in the world beyond?
[ 11 ] An verschiedenen Orten konnte ich in manchen Vorträgen hinweisen auf die einschneidende Bedeutung des Ereignisses von Golgatha für die Entwicklung der Geschichte des physischen Planes. Fragen wir jetzt einmal: Wie stellt sich das Ereignis von Golgatha dar, wenn wir es betrachten von der Perspektive des Jenseits aus? Wir kommen zur Beantwortung dieser Frage, wenn wir gerade den Zeitpunkt der Entwicklung im Jenseits ins Auge fassen, wo die Menschen am meisten herausgetreten waren auf den physischen Plan, wo das Persönlichkeitsbewußtsein am stärksten sich entwickelt hatte: den Zeitpunkt der griechisch-lateinischen Zeit. Und das ist auch der Zeitpunkt des Erscheinens des Christus Jesus auf der Erde: auf der einen Seite das intensivste Persönlichkeitsbewußtsein, die intensivste Freude an der sinnlichen Welt, auf der anderen Seite der stärkste, der gewaltigste Ruf nach der jenseitigen Welt in dem Ereignis von Golgatha, und die größte Tat, die der Überwindung des Todes durch das Leben, wie es sich in diesem Ereignis von Golgatha darstellt. Diese zwei Dinge fallen durchaus zusammen, wenn wir die physische Welt ins Auge fassen. Es war wirklich eine große Freude und eine gesteigerte Sympathie am äußeren Dasein in der griechischen Zeit. Nur solche Menschen konnten jene wunderbaren griechischen Tempel schaffen, in welchen, wie Ihnen geschildert worden ist, die Götter selber wohnten. Nur diese Menschen, die so in der physischen Welt standen, konnten jene Kunstwerke der Bildhauerei schaffen, wo eine so wunderbare Vermählung des Geistes mit der Materie zutage tritt. Dazu gehörte Freude und Sympathie für den physischen Plan. Die haben sich allmählich erst entwickelt, und wir spüren geradezu den Fortgang in der Geschichte, wenn wir vergleichen das Aufgehen des Griechen in der physischen Welt mit der erhabenen Weltanschauung, welche die ersten nachatlantischen Kulturmenschen von ihren heiligen Rishis entgegengenommen haben. Kein Interesse hatten diese an der physischen Welt, heimisch fühlten sich diese Menschen in der geistigen Welt, beseligt schauten sie noch hinauf in die Welt des Geistes, die sie zu erreichen suchten an der Hand der Lehren und Übungen, die ihnen die heiligen Rishis gaben. Zwischen diesem Verschmähen der Sinnesfreude bis zu der größten Freude an der Sinneswelt in der griechisch-lateinischen Zeit liegt ein großes Stück menschlicher Geschichte - bis zu dem Punkt, wo jene Ehe zwischen dem Geiste und der Sinneswelt zustande gekommen ist, in der beide zu ihrem Rechte kamen.
[ 11 ] In various places, during some of my lectures, I have been able to point out the profound significance of the event at Golgotha for the development of history on the physical plane. Let us now ask: How does the event at Golgotha appear when we view it from the perspective of the beyond? We can answer this question by focusing on the specific point in the development of the beyond when human beings had most fully emerged onto the physical plane, when personality consciousness had developed most strongly: the Greco-Roman era. And this is also the time of the appearance of Christ Jesus on Earth: on the one hand, the most intense sense of self, the most intense joy in the sensory world; on the other hand, the strongest, most powerful call to the world beyond in the event of Golgotha, and the greatest deed—the overcoming of death through life, as it is manifested in this event of Golgotha. These two things coincide perfectly when we consider the physical world. There was truly great joy and an heightened appreciation for external existence during the Greek era. Only such people could create those marvelous Greek temples in which, as has been described to you, the gods themselves dwelt. Only these people, who related to the physical world in this way, could create those masterpieces of sculpture in which such a wondrous union of spirit and matter is revealed. This involved joy and sympathy for the physical plane. These qualities developed only gradually, and we can truly sense the progression through history when we compare the Greeks’ immersion in the physical world with the sublime worldview that the first post-Atlantean civilized people received from their sacred rishis. These people had no interest in the physical world; they felt at home in the spiritual world, and they looked up with bliss toward the world of the spirit, which they sought to reach through the teachings and practices given to them by the holy rishis. Between this rejection of sensual pleasure and the greatest joy in the sensory world during the Greco-Roman era lies a vast stretch of human history—up to the point where that union between the spirit and the sensory world came into being, in which both found their rightful place.
[ 12 ] Was aber war das Gegenstück zu dieser Eroberung des physischen Planes in der griechisch-lateinischen Zeit in der geistigen Welt? Wer da hineinschauen kann in die geistige Welt, der weiß, daß es nicht eine Sage ist, sondern daß es wirklich auf Wahrheit beruht, was die griechischen Dichter sagen von denen, die die besten Menschen ihrer Kultur waren. Diejenigen, welche sich so ganz mit ihren Sympathien drinnen fühlten in der physischen Welt, wie fühlten sie sich in der geistigen Welt? Es ist durchaus der Wahrheit entsprechend, wenn einem solchen die Worte in den Mund gelegt werden: Lieber ein Bettler sein in der Oberwelt, als ein König im Reiche der Schatten! Der dumpfeste, der am wenigsten intensive Bewußtseinszustand trat ein gerade in dieser Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt. Bei aller Sympathie für die physische Welt verstand der Mensch nicht das Dasein in der jenseitigen Welt. Es kam ihm vor, als wenn er alles verloren hätte, und die geistige Welt schien ihm wertlos. In demselben Maße als die Sympathie für die physische Welt wuchs, in demselben Maße fühlten sich verloren drüben in der geistigen Welt die griechischen Helden. Und ein Agamemnon, ein Achill fühlten sich drüben wie ausgepreßte Wesen, wie ein Nichts in dieser Welt der Schatten. Allerdings gab es dazwischen Zeiten - denn der Zusammenhang mit der geistigen Welt ist niemals ganz verlorengegangen -, in denen auch diese Menschen mit den geistigen Wesenheiten und geistigen Tätigkeiten leben konnten. Aber der Bewußtseinszustand, der eben angedeutet worden ist, war durchaus vorhanden. So haben wir eine Geschichte der jenseitigen Welt, eine Geschichte des Niederganges, wie wir eine Geschichte des Aufschwunges haben für die diesseitige Welt.
[ 12 ] But what was the counterpart to this conquest of the physical plane during the Greco-Roman era in the spiritual world? Anyone who can look into the spiritual world knows that what the Greek poets say about those who were the finest people of their culture is not a legend, but is truly based on truth. Those who felt so completely at home in the physical world with all their sympathies—how did they feel in the spiritual world? It is entirely true to say that such a person would utter the words: “Better to be a beggar in the upper world than a king in the realm of shadows!” The dullest, least intense state of consciousness set in precisely during this time between death and rebirth. Despite all his sympathy for the physical world, the person did not understand existence in the world beyond. It seemed to them as if they had lost everything, and the spiritual world appeared worthless to them. To the same extent that their attachment to the physical world grew, to that same extent did the Greek heroes feel lost over in the spiritual world. And a figure like Agamemnon or Achilles felt over there as though they were drained of life, as though they were nothing in this world of shadows. Admittedly, there were times in between—for the connection with the spiritual world was never entirely lost—when even these people were able to live among spiritual beings and engage in spiritual activities. But the state of consciousness just described was certainly present. Thus we have a history of the world beyond, a history of decline, just as we have a history of ascent for the world of the living.
[ 13 ] Diejenigen, welche als Gottes- oder Geistesboten genannt worden sind, haben immer die Möglichkeit gehabt, herüber und hinüber zu gehen, von der einen Welt in die andere. Versuchen wir uns einmal zu vergegenwärtigen, was diese Geistesboten in den vorchristlichen Zeiten den Menschen des physischen Planes waren. Sie waren diejenigen, welche aus ihren Erfahrungen in der geistigen Welt heraus den Menschen der alten Welt sagen konnten, wie es eigentlich in der geistigen Welt ist. Freilich erlebten sie auch da drüben das ausgelöschte Bewußtsein der physischen Erdenmenschen, dafür aber auch die ganze geistige Welt in ihrer glanzvollen Fülle. Und sie konnten den Erdenmenschen Nachricht bringen, daß es eine geistige Welt gibt, und ihnen sagen, wie sie ausschaut. Zeugnis konnten sie ablegen für diese geistige Welt. Das war in diesen Zeiten ganz besonders wichtig, wo die Menschen auf dem physischen Plan immer mehr und mehr herausgingen mit ihren Interessen auf den physischen Plan. Und je mehr die Menschen die Erde eroberten, je mehr Freude und Sympathie sich einlebten in bezug auf die physische Welt, desto mehr auch mußten die Gottesboten immer betonen, daß die geistige Welt da ist. Sie konnten immer so sprechen: Dies und jenes wißt ihr von der Erde. Aber es gibt auch eine geistige Welt. Dies und das muß euch gesagt werden von der geistigen Welt - kurz, das ganze Tableau der geistigen Welt ist durch die Gottesboten den Menschen enthüllt worden. Die Menschen kannten es in den verschiedensten Religio-nen. Aber immer, wenn sozusagen diese Gottesboten herüberkamen nach ihrer Einweihung oder sonst nach einem Besuch in der geistigen Welt, da konnten sie für die physische Welt, die ja immer schöner und schöner für das Leben auf dem physischen Plan wurde, Erfrischungen und Erhebungen aus der geistigen Welt mitbringen, irgend etwas von den Schätzen der geistigen Welt. Da brachten sie die Früchte des geistigen Lebens hinein in das physische Leben. Immer war es so, daß durch das, was ihnen die Gottesboten brachten, die Menschen in den Geist hineingeführt wurden. Gewonnen hat die Welt des Physischen, das Diesseits, durch die Gottesboten und ihre Botschaften.
[ 13 ] Those who have been called messengers of God or of the spirit have always had the ability to travel back and forth, from one world to the other. Let us try to imagine what these spirit messengers meant to the people of the physical plane in pre-Christian times. They were the ones who, drawing on their experiences in the spiritual world, could tell the people of the ancient world what the spiritual world was actually like. Of course, even on the other side they experienced the dimmed consciousness of physical Earth humans, but they also experienced the entire spiritual world in all its resplendent fullness. And they were able to bring news to Earth humans that a spiritual world exists and describe what it looks like. They could bear witness to this spiritual world. This was particularly important in those times, when people on the physical plane were increasingly focusing their interests on the physical plane. And the more people conquered the Earth, the more joy and affection took root in relation to the physical world, the more the messengers of God had to emphasize that the spiritual world exists. They would often say: “You know this and that about the Earth. But there is also a spiritual world. This and that must be told to you about the spiritual world”—in short, the entire picture of the spiritual world has been revealed to humanity by God’s messengers. People were familiar with it through the most diverse religions. But whenever, so to speak, these messengers of God returned after their initiation or following a visit to the spiritual world, they were able to bring back to the physical world—which was, after all, becoming ever more beautiful for life on the physical plane—refreshment and inspiration from the spiritual world, something of the treasures of the spiritual world. Thus they brought the fruits of spiritual life into physical life. It was always the case that, through what the messengers of God brought them, people were led into the spirit. The physical world, this life, has gained much through the messengers of God and their messages.
[ 14 ] Nicht in demselben Maße konnten diese Gottesboten fruchtbar wirken für die jenseitige Welt. Sie können es sich durchaus so vorstellen: Wenn der Eingeweihte, der Gottesbote, hinübergeht in die jenseitige Welt, sind ihm die Wesen drüben geradeso Genossen wie die Wesen in der physischen Welt. Er kann zu ihnen sprechen und ihnen Mitteilung machen von dem, was in der physischen Welt vorgeht. Aber je mehr wir uns dem griechisch-lateinischen Zeitraume nähern, desto weniger Wertvolles konnte der Eingeweihte, wenn er von der Erde in das Jenseits hinüberkam, den Seelen im Jenseits bieten. Denn sie fühlten zu sehr den Verlust dessen, woran sie gehangen hatten in der physischen Welt. Nichts mehr war für sie wertvoll von dem, was ihnen der Eingeweihte erzählen konnte. So war in den vorchristlichen Zeiten im höchsten Grade fruchtbar das, was die Eingeweihten als ihre Botschaften den Menschen in der physischen Welt herüberbrachten, und so war für die geistige Welt unfruchtbar, was sie den Abgeschiedenen von der physischen Welt hinüberbringen konnten. Buddha, Hermes, Zarathustra, so große Botschaft sie den Menschen der physischen Welt brachten, so wenig konnten sie drüben erreichen. Denn sie konnten wenig erfreuliche und belebende Botschaften hinübertragen in das Jenseits.
[ 14 ] These messengers of God were not able to work as fruitfully for the world beyond to the same extent. You can certainly imagine it this way: When the initiate, the messenger of God, passes over into the world beyond, the beings there are just as much his companions as the beings in the physical world. He can speak to them and inform them of what is happening in the physical world. But the closer we approach the Greco-Latin period, the less of value the initiate could offer the souls in the beyond when he passed from Earth into the afterlife. For they felt too keenly the loss of what they had cherished in the physical world. Nothing the initiate could tell them was of value to them anymore. Thus, in pre-Christian times, what the initiates conveyed as their messages to people in the physical world was most fruitful, whereas what they could convey to those who had departed from the physical world was fruitless for the spiritual world. Buddha, Hermes, Zarathustra—no matter how great a message they brought to the people of the physical world, they could achieve so little on the other side. For they could convey few joyful and uplifting messages into the afterlife.
[ 15 ] Stellen wir jetzt das, was durch den Christus für das Jenseits geschah, was gerade sozusagen in der Zeit tiefster Dekadenz, wenn wir die okkulte Geschichte schildern, in der griechisch-lateinischen Zeit für das Jenseits der Fall ist, stellen wir das mit dem zusammen, was vorher durch die Eingeweihten geschah. Wir wissen, was das Ereignis von Golgatha für die Erdengeschichte bedeutet. Wir wissen, daß es die Besiegung des irdischen Todes durch das Leben des Geistes ist, die Überwindung allen Todes durch die Erdenevolution. Wenn wir auch heute nicht auf alles eingehen können, was das Mysterium von Golgatha bedeutet, so können wir es doch in ein paar Worten zusammenfassen: Es bedeutet den endgültigen und unumstößlichen Tatsachenbeweis, daß das Leben den Tod besiegt. Und auf Golgatha hat das Leben den Tod besiegt, hat der Geist den Keim zur endgültigen Besiegung der Materie gelegt! Was im Evangelium erzählt wird über jenen Besuch, den der Christus nach dem Ereignis von Golgatha in der Unterwelt bei den Toten getan hat, das ist nicht eine Legende ‚oder ein Symbolum. Die okkulte Forschung zeigt Ihnen, daß es eine Wahrheit ist. Ebenso wahr, wie der Christus unter den Menschen in den drei letzten Jahren des Jesus-Lebens gewandelt hat, ebenso konnten sich die Toten seines Besuches erfreuen. Unmittelbar nach dem Ereignis von Golgatha erschien er den Toten, den abgeschiedenen Seelen. Das ist eine okkulte Wahrheit. Und jetzt konnte er ihnen sagen, daß in der physischen Welt drüben der Geist unumstößlich den Sieg über die Materie davongetragen hat! Das war eine Lichtflamme in der jenseitigen Welt für die abgeschiedenen Seelen, die wie geistig-elektrisch einschlug und das erstorbene Jenseitsbewußtsein der griechisch-lateinischen Zeit anregte, eine ganz neue Phase beginnend für die Menschen zwischen dem Tode und der neuen Geburt. Und immer heller und heller wurde seit jener Zeit das Bewußtsein des Menschen zwischen dem Tode und der neuen Geburt.
[ 15 ] Let us now compare what Christ accomplished for the afterlife—which, so to speak, occurred during the period of deepest decadence, as we describe in the history of occultism, in the Greco-Roman era—with what the initiates had accomplished previously. We know what the event of Golgotha means for the history of the Earth. We know that it is the victory of the life of the Spirit over earthly death, the overcoming of all death through the evolution of the Earth. Even if we cannot go into everything today that the Mystery of Golgotha signifies, we can nevertheless summarize it in a few words: It signifies the definitive and irrefutable factual proof that life conquers death. And on Golgotha, life conquered death; the Spirit planted the seed for the final conquest of matter! What is recounted in the Gospel about Christ’s visit to the dead in the underworld after the events at Golgotha is not a legend or a symbol. Occult research shows you that it is a truth. Just as truly as Christ walked among humanity during the last three years of Jesus’ life, so too were the dead able to rejoice in his visit. Immediately after the events at Golgotha, he appeared to the dead, to the departed souls. This is an occult truth. And now he was able to tell them that in the physical world over there, the spirit had irrevocably triumphed over matter! This was a flame of light in the world beyond for the departed souls; it struck them like a spiritual-electrical shock and stirred the dormant consciousness of the afterlife that had prevailed during the Greco-Roman era, ushering in an entirely new phase for human beings between death and rebirth. And since that time, human consciousness between death and rebirth has grown ever brighter and brighter.
[ 16 ] So können wir, wenn wir Geschichte schildern, die Angaben über die Gegenwartsverhältnisse durch das ergänzen, was wir über Kamaloka und über das Devachanleben zu sagen haben, und wir müssen darauf hinweisen, daß durch das Erscheinen des Christus auf der Erde eine ganz neue Phase beginnt für das Jenseitsleben, daß die Frucht dessen, was der Christus für die Erdenevolution geleistet hat, sich auslebt in einer radikalen Änderung des Jenseitslebens. Dieser Besuch des Christus im Jenseits bedeutet Ungeheures, eine Auffrischung des Lebens im Jenseits zwischen Tod und neuer Geburt. Seit jener Zeit fühlten sich die Abgeschiedenen, die sich in diesem wichtigen Augenblick der griechisch-lateinischen Zeit, trotz aller ihrer Freude für die physische Welt, wie Schatten empfanden, so daß sie lieber Bettler sein wollten in der Oberwelt, als Könige im Reiche der Schatten, sie fühlten sich jetzt immer mehr und mehr heimisch werdend im Jenseits. Und seither ist das der Fall, daß die Menschen immer mehr und mehr hineinwachsen in die geistige Welt, und eine Periode des Aufstieges, des Aufblühens in der geistigen Welt war damit angebrochen.
[ 16 ] Thus, when we describe history, we can supplement the information about present-day conditions with what we have to say about Kamaloka and life in Devachan, and we must point out that the appearance of the Christ on Earth marks the beginning of an entirely new phase for life in the beyond—that the fruit of what the Christ has accomplished for Earth’s evolution is manifesting itself in a radical transformation of life in the beyond. This visit of the Christ to the beyond is of immense significance—a renewal of life in the beyond between death and rebirth. Since that time, those who had passed on—who, at that crucial moment in the Greco-Roman era, despite all their joy in the physical world, felt like shadows, so that they would rather be beggars in the upper world than kings in the realm of shadows—have now felt themselves becoming more and more at home in the afterlife. And since then, it has been the case that people have been growing ever more deeply into the spiritual world, and a period of ascent and flourishing in the spiritual world had thus begun.
[ 17 ] So haben wir einmal das Ereignis von Golgatha von dem Gesichtspunkte der anderen Welt aus - wenn auch nur skizzenhaft - berührt und zu gleicher Zeit darauf hingewiesen, daß es eine Geschichte für die geistige Welt geradeso gibt wie eine Geschichte für die physische Welt. Und erst dadurch, daß wir diese wirklichen Beziehungen zwischen der physischen Welt und der geistigen Welt erforschen, wird die eine Welt auch für die andere Welt im Menschenleben fruchtbar. Immer werden wir sehen, was wir gewinnen für die Betrachtung des Menschenlebens auf der Erde, wenn wir die wahren Eigenschaften der geistigen Welt vor uns hinstellen.
[ 17 ] Thus we have touched upon the event at Golgotha from the perspective of the other world—albeit only in outline—and at the same time pointed out that there is a history for the spiritual world just as there is a history for the physical world. And it is only by exploring these real connections between the physical world and the spiritual world that one world becomes fruitful for the other in human life. We will always see what we gain for our understanding of human life on Earth when we hold the true characteristics of the spiritual world before us.
