Anthroposophy's Response
to Universal Questions
GA 108
21 November 1909, St. Gallen
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Anthroposophy's Response to Universal Questions, tr. SOL
6. Fragen des Karmagesetzes
6. Questions About the Law of Karma
[ 1 ] Über Wiederverkörperung und Karma soll heute abend im öffentlichen Vortrag gesprochen werden, und es dürfte vielleicht gerade als richtig bezeichnet werden, wenn wir hier einmal zum Gegenstand unseres Zweigvortrages jetzt eine Betrachtung wählen, die auf einige Fragen des Karmagesetzes näher eingeht und in gewisser Beziehung eine intimere Ergänzung zu dem bildet, was im öffentlichen Vortrage nur in einer allgemeinen Charakteristik gegeben werden kann.
[ 1 ] Reincarnation and karma will be the subject of tonight’s public lecture, and it might be appropriate for us to choose as the topic of our branch lecture a discussion that delves more deeply into certain questions concerning the law of karma and, in a certain sense, serves as a more intimate complement to what can only be presented in general terms during the public lecture.
[ 2 ] Karma, das große Gesetz des Daseins, das Schicksalsgesetz, man kann es sozusagen besprechen in den allerersten Anfangsgründen der Geisteswissenschaft, denn es ist etwas, das zu den elementarsten Dingen der Weltauffassung gehört. Die intimeren Fragen aber sind solche, daß, um sie zu verstehen, wiederum ein Vertrautsein mit der Geisteswissenschaft dazugehört, wie es nur gefunden werden kann, wenn man eine Weile mitgearbeitet hat in einer Arbeitsgruppe und sich nicht leere Theorien angeeignet hat, sondern das, was ganz unvermerkt aus den spirituellen Lehren in die Menschenseele einfließt: eine gewisse Art von Empfindungen und Gefühlen. Das ist ja etwas, was jeder geistig Strebende bald bemerkt, daß die Geisteswissenschaft etwas anderes ist als eine andere Weltanschauung, da sie uns solche Begriffe und Ideen gibt, die sich umwandeln in unseren Herzen in Gefühle und Empfindungen, und daß wir andere Menschen werden durch sie, Menschen mit einer ganz anderen Art und Weise, den Mitmenschen gegenüberzutreten.
[ 2 ] Karma, the great law of existence, the law of destiny—one might say it is discussed in the very foundations of spiritual science, for it is one of the most fundamental aspects of our worldview. The more intimate questions, however, are such that understanding them requires familiarity with spiritual science—a familiarity that can only be gained by having worked for a while in a study group and by having absorbed not empty theories, but rather what flows quite imperceptibly from the spiritual teachings into the human soul: a certain kind of sensations and feelings. This is something that every spiritual seeker soon realizes: that spiritual science is something other than just another worldview, since it gives us concepts and ideas that are transformed in our hearts into feelings and sensibilities, and that through it we become different people—people with an entirely different way of relating to our fellow human beings.
[ 3 ] Diese Art von Vorbereitung ist gemeint, wenn von einer relativen inneren Reife die Rede ist, die man sich in dieser Weise durch Geisteswissenschaft aneignet. Wir wissen, daß Karma zunächst bedeutet die geistige Verursachung eines späteren Ereignisses, einer späteren Eigenschaft oder Fähigkeit des Menschen durch ein Vorhergehendes. Gleichgültig, ob diese geistige Verursachung auftritt in einem Leben zwischen Geburt und Tod, oder ob sie sich als das große Schicksalsgesetz der Menschheit durch die verschiedenen Erdenleben hindurchzieht, so daß die Ursachen für etwas in einem Leben Geschehendes in einem vorhergehenden oder einem weit zurückliegenden Leben liegen - dieses Gesetz, dieses umfassende Schicksalsgesetz ist das, was wir Karma nennen. Nun kann man wahrhaftig über Karma, wenn man es in seinen Einzelheiten betrachten will, viele Monate sprechen und noch länger, und erst langsam und allmählich eignet man sich die Dinge an, die damit verknüpft sind. Daher kann man in einem Vortrage nur in erzählender Weise die Tatsachen des Karmagesetzes angeben, und darin zeigt sich dann die Reife des geisteswissenschaftlich Strebenden, daß er diese Dinge nun hinnehmen kann als Tatsachen, als Ergebnisse und dann weiter darüber nachdenkt und sie im Leben aufsucht. Das einzelne Leben zeigt in den verschiedensten Arten die Wirkungen des Karma; nur geht die menschliche Lebensbetrachtung gewöhnlich nicht sehr weit. Die Menschen überschauen gewöhnlich sich selber oder ihren Mitmenschen mit Aufmerksamkeit nur eine kurze Zeit des Lebens, weil ihr Blick nicht durch das geistige Auge geschärft ist.
[ 3 ] This is the kind of preparation meant when we speak of a relative inner maturity that one acquires in this way through spiritual science. We know that karma primarily means the spiritual causation of a future event, a future characteristic, or ability in a human being through a preceding event. Regardless of whether this spiritual causation occurs in a single life between birth and death, or whether it extends as the great law of destiny for humanity across various earthly lives—so that the causes for something that happens in one life lie in a previous or a life long past—this law, this all-encompassing law of destiny, is what we call karma. Now, if one wishes to examine karma in detail, one could truly speak of it for many months and even longer, and only slowly and gradually does one come to understand the concepts associated with it. Therefore, in a lecture one can only present the facts of the law of karma in a narrative manner; and it is here that the maturity of the aspirant to spiritual science becomes evident—that he can now accept these things as facts, as results, and then reflect further upon them and seek them out in life. Individual lives reveal the effects of karma in the most diverse ways; however, the human perspective on life does not usually extend very far. People generally observe themselves or their fellow human beings with attention only for a short period of life, because their vision is not sharpened by the spiritual eye.
[ 4 ] Wie wenig dies der Fall ist, das möchte ich zuerst erörtern, damit Sie einen Begriff davon bekommen, wie der geistige Blick im gewöhnlichen Leben anzuerziehen ist. Durch eine Art persönlichen Erlebnisses soll dies geschehen. Einige von Ihnen werden es schon wissen, daß ich fünfzehn Jahre meines Lebens damit zugebracht habe, Erzieher zu sein, wobei mir die verschiedensten Fälle erzieherischer Tätigkeit oblagen, auch schwierige vielleicht, wo Probleme vorlagen, die nur durch längeres Beobachten und Studieren gelöst werden konnten. Daß mir bei solcher Lebenstätigkeit Gelegenheit geboten war, Beobachtungen anzustellen nicht nur bei den mir unmittelbar unterstellten Kindern, sondern auch bei deren Verwandten, den Cousins, die ja immer da waren, das leuchtet ein. Man sieht dann, wie sie heranwachsen, und man kann da einen großen Kreis von in die Welt tretenden Menschen beobachten. Nun, wer dann das Leben ein wenig verfolgt, geschärft mit dem geistigen Blicke, der kann schon an solchen Einzelheiten manches wahrnehmen. So zum Beispiel war in der Zeit, als von mir jene Tätigkeit ausgeübt wurde, eine weit verbreitete, damals aber außerordentlich angesehene ärztliche Unsitte im Schwung, die darin bestand, daß man die Kinder dadurch «bei Kraft» erhalten wollte, daß man ihnen täglich ein kleines Gläschen Rotwein gab. Es war damals Mode, daß die Ärzte den kleinen Knirpsen zu einer Mahlzeit ein Gläschen Rotwein verabreichen ließen. Von den Eltern wurde diese Vorschrift gewissenhaft ausgeübt. Nun hatte ich Gelegenheit, solche Kinder zu beobachten, bei denen dies geschehen war, und solche, bei denen es nicht geschah. Man kann dann, wenn man im Leben steht, in der verschiedensten Weise wieder Menschen beobachten, die noch Kinder waren, als man sie kennengelernt hat. Die Kinder, die damals mit diesem Wein traktiert worden sind, sie sind jetzt Leute von sechsundzwanzig bis achtundzwanzig Jahren.
[ 4 ] I would like to begin by discussing just how little this is the case, so that you may gain an understanding of how to cultivate spiritual insight in everyday life. This is to be achieved through a kind of personal experience. Some of you may already know that I spent fifteen years of my life as a teacher, during which time I was responsible for a wide variety of educational situations—including, perhaps, difficult ones involving problems that could only be solved through prolonged observation and study. It stands to reason that, in the course of such work, I had the opportunity to make observations not only of the children directly under my care but also of their relatives—their cousins, who were always around. One then sees how they grow up, and one can observe a large circle of people entering the world. Now, anyone who follows life with a bit of attention, with a keen intellectual eye, can perceive many things from such details. For example, during the time I was engaged in that work, there was a widespread—though at the time highly regarded—medical malpractice in vogue, which consisted of trying to keep children “strong” by giving them a small glass of red wine every day. It was the fashion at the time for doctors to have the little ones given a small glass of red wine with a meal. Parents followed this prescription conscientiously. Now I had the opportunity to observe children to whom this had been done, and those to whom it had not. Once you’re out in the world, you can observe in all sorts of ways people who were still children when you first met them. The children who were subjected to this wine back then are now people between the ages of twenty-six and twenty-eight.
[ 5 ] Ich habe da also in der mannigfaltigsten Weise Gelegenheit gehabt, nicht bloß ein paar Jahre zu betrachten, sondern auch größere Zeiträume zu überschauen. Die Menschen, die damals, als ich sie kennenlernte, ein bis drei Jahre waren und jetzt achtundzwanzig Jahre alt sind, kann man genau in zwei Gruppen einteilen: in jene, die damals ihr Gläschen Rotwein mitbekommen hatten zur «Lebensstärkung, und in jene, die dies nicht bekamen. Die ersteren sind Leute geworden, die heute alle, im physischen Sinne geredet, mit ihrem Nervensystem - geisteswissenschaftlich geredet mit ihrem Astralleib - furchtbar zu kämpfen haben. Es sind Leute geworden, denen das fehlt, was man nennt: energisch festhalten an einem Lebensziel, Rückgrat haben; während jene, die in ihrer Jugend ohne Wein ausgekommen sind, Menschen geworden sind, die Rückgrat haben, die fest begründet sind, die wissen, was sie wollen, die nicht nötig haben, in der Zeit, in der es ihnen ihre Geschäfte am wenigsten erlauben, da und dort hingehen zu müssen zu ihrer Erholung, und die, weil sie zappelige Menschen geworden sind, diese Erholung doch nicht erhalten. Die anderen dagegen sind festere Individualitäten geworden. Ich will nicht bloß darauf hinweisen, wie es ist, wenn man nach Jahren wieder an einen solchen Menschen herantritt, sondern darauf, daß das Leben sich etwas anders ausnimmt, wenn man es auf den Zusammenhang von Ursache und Wirkung hin betrachtet, nicht bloß so weit betrachtet, als die Nase des Menschen reicht, sondern auch die größeren und tieferen Zusammenhänge der Ursachen und Wirkungen.
[ 5 ] So I’ve had the opportunity, in a wide variety of ways, not only to observe a few years, but also to take in longer periods of time. The people who were one to three years old when I first met them and are now twenty-eight years old can be divided precisely into two groups: those who were given a small glass of red wine back then to “strengthen them for life,” and those who were not. The former have become people who today, speaking in a physical sense, all struggle terribly with their nervous systems—or, in spiritual scientific terms, with their astral bodies. They have become people who lack what is called a firm commitment to a life goal, a backbone; whereas those who managed without wine in their youth have become people who have backbone, who are firmly grounded, who know what they want, who do not need—at a time when their business affairs least permit it—to have to go here and there for relaxation, and who, because they have become restless people, do not get that relaxation anyway. The others, on the other hand, have become more steadfast individuals. I do not wish merely to point out what it is like to encounter such a person again after many years, but rather to emphasize that life takes on a somewhat different appearance when viewed in terms of the relationship between cause and effect—not merely as far as one’s nose can reach, but also in terms of the broader and deeper connections between causes and effects.
[ 6 ] Auch das ist Lebensbeobachtung im höchsten Grade, wenn wir den Menschen in bezug auf die Eigenschaften, die innerer, karmischer Natur sind, zu beobachten suchen. Es ist leider Tatsache, daß gewöhnlich der Mensch nicht den Anfang des menschlichen Lebens mit seinem Ende in Zusammenhang bringt. Man beobachtet wohl Kinder, aber wer hat die Geduld, dort, wo er die Möglichkeit hat, das zu beobachten, was sich ergibt, je nachdem des Menschen Seelenleben in den ersten Kindesjahren in gewisser Weise gewesen ist, und dann wiederum, wie das Leben ist, wenn der Lebenslauf zur Neige geht? Und dennoch zeigt sich da ein ganz bestimmter karmischer Zusammenhang zwischen Anfang und Ende des Lebens. Es liegen für gewisse Dinge, die am Ende des Lebens oder in der zweiten Hälfte desselben auftreten, ganz bestimmte Ursachen in den ersten Jahren oder der Jugendzeit des Lebens zugrunde.
[ 6 ] This, too, is observation of life at the highest level, when we seek to observe human beings in terms of qualities that are of an inner, karmic nature. It is, unfortunately, a fact that people generally do not connect the beginning of human life with its end. People do observe children, but who has the patience—where they have the opportunity—to observe what emerges depending on what a person’s inner life was like in a certain way during the early years of childhood, and then again, what life is like as the course of life draws to a close? And yet there is a very definite karmic connection between the beginning and the end of life. Certain events that occur at the end of life or in its second half have very specific causes rooted in the early years or the youth of a person’s life.
[ 7 ] Nehmen wir einen konkreten Fall, zum Beispiel einen Menschen, der in früher Jugend zornig, jähzornig ist, der leicht geneigt ist, jähzornig zu werden über etwas, was in seiner Umgebung geschieht. Dieser Zorn und hauptsächlich der Jähzorn, der bei Kindern auftritt, kann eine zweifache Gestalt annehmen. Er kann sozusagen bloß das sein, was man eine Unart nennt, was in gewisser Weise bloß ein Ausbruch, ein wutartiger Ausbruch eines übergroßen Egoismus ist. Aber er kann noch etwas anderes sein. Man muß lernen, insbesondere als Erzieher, diese zwei Arten voneinander zu unterscheiden. Der Zornausbruch bei einem Kind kann auch das sein, was uns entgegentritt, wenn ein Kind sieht, daß in seiner Nähe eine Ungerechtigkeit geschieht. Ein Kind hat noch nicht die Urteilskraft, kann noch nicht mit dem Verstand sich sagen, was da geschieht. Würde man versuchen zu erklären, daß das, was da geschieht, kein Unrecht sei, so würde man bald die Überzeugung gewinnen, daß das Kind dies noch nicht verstehen kann. Daher ist es in der Weltordnung, in der geistigen Weltenführung begründet, daß das, was später als Urteilskraft auftritt, in der Kindheit in Form von Affekten, Emotionen zutage tritt. Das Kind kann noch nicht verstehen, was da geschieht, aber es wird zornig. Dieser Zorn, dieser Affekt ist eine vorhergehende Seelenverkündigung dessen, was später die Urteilskraft ist. Diese zwei Arten von Zorn und Jähzorn müssen ganz genau voneinander unterschieden werden. Der Zorn im ersten Falle muß so behandelt werden, daß also das Kind diesen Zorn womöglich dadurch auslebt, daß man es in einer richtigen Weise die Wirkungen dieses Zornes wirklich fühlen läßt und auch das Unrechte des Zornes. Denn wenn man zum Beispiel dem Kinde immer gewissermaßen aus Liebe das tut, wodurch es die Erfüllung seines Willens bekommt, dann verfehlt der Zorn seine Wirkung. Der Zorn hat immer eine Wirkung in der Seele. Wo Zorn in der Seele auftritt und nicht dadurch gelöst wird, daß er das erreicht, was er erstrebt, schlägt er sich in das Innere zurück. Und das ist gut. Deshalb nennt der Volksmund, der oftmals ein feines Gefühl für so etwas hat, an verschiedenen Orten, wo die deutsche Sprache gesprochen wird, den Zorn «Gift». Zornig sein, nennt man: sich giften. Dieses Wort ist wirklich den Tatsachen des seelischen Lebens entnommen. Der Zorn tritt in die Seele ein, und durch die Wirkung des Zornes im Inneren, wenn er sich zurückschlägt, wird der überschüssige Egoismus hinausgedrängt. Also auch der Zorn hat sein Gutes. Er ist ein Erzieher des Menschen, er wirkt wie ein solches Gift, das den überschüssigen Egoismus dämpft.
[ 7 ] Let’s take a specific case, for example, a person who, in early adolescence, is angry and quick-tempered—someone who is easily prone to flying into a rage over something happening in their surroundings. This anger—and especially the quick temper that occurs in children—can take two forms. It can, so to speak, be merely what is called a bad habit—which, in a certain sense, is simply an outburst, a rage-like outburst of excessive selfishness. But it can also be something else. One must learn—especially as an educator—to distinguish between these two types. A child’s outburst of anger can also be what we encounter when a child sees an injustice taking place near them. A child does not yet possess the power of judgment; they cannot yet use their intellect to understand what is happening. If one were to try to explain that what is happening is not wrong, one would soon realize that the child is not yet capable of understanding this. Therefore, it is rooted in the world order, in the spiritual guidance of the world, that what later manifests as the power of judgment appears in childhood in the form of affects and emotions. The child cannot yet understand what is happening, but it becomes angry. This anger, this emotion, is a preliminary expression of the soul of what will later become the power of judgment. These two types of anger—anger and sudden outbursts of anger—must be very clearly distinguished from one another. Anger in the first case must be handled in such a way that the child is allowed to work through this anger—if possible—by truly experiencing, in an appropriate manner, the effects of this anger as well as the wrongness of the anger itself. For if, for example, one always does for the child—out of love, so to speak—what enables the child to have its will fulfilled, then the anger fails to have its effect. Anger always has an effect on the soul. When anger arises in the soul and is not resolved by achieving what it seeks, it rebounds inward. And that is a good thing. That is why popular speech—which often has a keen sense for such things—refers to anger as “poison” in various regions where German is spoken. To be angry is called “to poison oneself.” This word is truly drawn from the realities of the soul’s life. Anger enters the soul, and through its inner effect—when it rebounds—excessive egoism is driven out. Thus, even anger has its good side. It is a teacher of humanity; it acts like a poison that tempers excessive egoism.
[ 8 ] Etwas ganz anderes ist der Zorn, der auftritt, wo ein Kind ein Unrecht sieht. Dieser Zorn ist ein vorausgenommenes Urteil. Es ist gerechtfertigt. In diesem Falle darf man nicht bloß zu strafen versuchen - dadurch, daß man straft, würde man den Zorn ins Innere zurückschlagen -, sondern man muß versuchen, diesen Affekt beim Kinde zu benützen, um ihm nach und nach ein Verständnis beizubringen, ihm die Urteilskraft beizubringen. Dieser Zorn ist dadurch zu überwinden, daß man die Urteilskraft entfaltet. Wird ein Kind über ein Unrecht, das es sieht, zornig, dann würde folgendes geschehen: Man würde das Kind einführen in eine Art Verständnis dafür, daß das Unrecht aus der Natur des Menschen geschieht; man würde ihm je nach seiner Reife eine Erklärung des Geschehenen geben. Dann wird ein solcher Zorn auch seine rechte Wirkung ausüben. Er wird das Kind reif machen, die Welt zu beurteilen, denn er ist ein Vorbote für die Urteilskraft. Das sei gesagt, um darauf aufmerksam zu machen, daß der Mensch nicht immer ungerechtfertigt zornig ist. Der Zorn hat seinen Wert für die Entwickelung des Menschen. Der Mensch muß sich läutern, er muß den Zorn überwinden. Der Zorn ist etwas, das dadurch wohltätig wirkt, daß es überwunden wird. Niemals könnte der Mensch zur Vollkommenbheit aufsteigen, ohne daß der Zorn überwunden wird.
[ 8 ] Anger that arises when a child witnesses an injustice is something entirely different. This anger is a preemptive judgment. It is justified. In this case, one must not merely attempt to punish—for by punishing, one would drive the anger back inward—but one must try to use this emotion in the child to gradually instill in them an understanding and teach them the power of judgment. This anger is overcome by developing the power of judgment. If a child becomes angry at an injustice they witness, the following would happen: One would guide the child toward an understanding that the injustice arises from human nature; one would provide them with an explanation of what happened, appropriate to their level of maturity. Then such anger will also have its proper effect. It will prepare the child to judge the world, for it is a harbinger of the power of judgment. This is said to draw attention to the fact that human beings are not always unjustifiably angry. Anger has its value for human development. Human beings must purify themselves; they must overcome anger. Anger is something that has a beneficial effect precisely because it is overcome. A person could never ascend to perfection without overcoming anger.
[ 9 ] Nun könnte man fragen: Warum gibt es denn in der Weltregierung den Zorn? Es gibt den Zorn, weil man stark wird durch seine Überwindung; man wird mächtiger über sich selbst dadurch, daß man ihn überwindet. Wenn man jemanden, der jenen edlen Zorn in der Jugend hatte in den Jahren, wo der Idealismus auftritt, wo ihn etwas mit Zorn erfüllte, weil er die tieferen Zusammenhänge noch nicht einzusehen vermochte, dann in seinem späteren Lebensalter beobachtet, so sieht man: im Alter tritt die gute Wirkung davon auf. Wer dagegen in der Jugend nicht in der Lage war, den Zorn zu überwinden, sich zu läutern, über seine Affekte Herr zu werden, der wird nicht leicht in späteren Jahren jene milde Aktivität erlangen, die so wohltuend berührt. Denn Milde ist gerade die Wirkung des überwundenen Zornes. Milde im Alter ist die Wirkung des überwundenen Zornes in der Jugend.
[ 9 ] Now one might ask: Why does anger exist in the world government? Anger exists because one becomes strong by overcoming it; one gains greater mastery over oneself by overcoming it. If one observes someone who experienced that noble anger in their youth—during the years when idealism emerges, when something filled them with anger because they were not yet able to grasp the deeper connections—and then observes them in later life, one sees that in old age the positive effects of that anger become apparent. On the other hand, those who in their youth were unable to overcome anger, to purify themselves, and to master their emotions will not easily attain in later years that gentle vitality that is so soothing. For gentleness is precisely the result of overcoming anger. Gentleness in old age is the result of overcoming anger in youth.
[ 10 ] Eine ganz andere Wirkung wiederum hat jene Seeleneigenschaft, welche ebenfalls in der Jugend auftritt: die Andacht. Sie besteht darin, daß der Mensch sich ein Gefühl aneignet für das, was er noch nicht durchschauen kann. Zorn ist ein Ablehnen, Andacht ein Hinaufschauen zu dem, was man noch nicht überschauen kann, ein Hinblicken auf dasjenige, dem man noch nicht gewachsen ist. Niemand kann zur Erkenntnis kommen, der nicht das über ihm Stehende in Andacht verehren kann. Andacht ist der beste Weg zur Erkenntnis. Die Menschen würden niemals zur Erkenntnis kommen, wenn sie nicht vorher aus dunklem Hintergrunde hervor jene geistigen Mächte verehrt hätten, die über ihnen stehen. Andacht ist eine Kraft, die zu dem hinaufführt, was man erringen will. Deshalb ist es im Grunde nötig, daß Andacht entwickelt werde. Der Mensch, der im späteren Leben zurückschauen kann auf viele Momente der Andacht, der wird mit Seligkeit auf sie zurückblicken. Wenn es einem vorgekommen ist, daß man in der ersten Kindheit in der Familie hat sprechen hören von einem Familienangehörigen, von dem verbreitet wird, daß er sehr verehrt werde, und wenn man als Kind dies Gefühl auch in sich aufgenommen hat, und der Tag naht, wo man diese Persönlichkeit zum ersten Male sehen kann - wenn man dann eine heilige Scheu hat, die Klinke der Tür zu drücken, hinter der die verehrte Person erscheinen soll, so ist das auch ein sehr andächtiges Gefühl, und wir werden viel im späteren Leben haben, wenn wir mehrere solcher Stimmungen in der Jugend gehabt haben.
[ 10 ] That quality of the soul, which also emerges in youth, has a completely different effect: devotion. It consists in a person developing a sense for what they cannot yet fully comprehend. Anger is a rejection; reverence is a looking up toward what one cannot yet comprehend, a gazing upon that which one is not yet equal to. No one can attain knowledge who cannot revere with reverence that which stands above them. Devotion is the best path to knowledge. People would never attain knowledge if they had not first, from a dark background, revered those spiritual powers that stand above them. Devotion is a force that leads upward toward what one wishes to achieve. That is why it is fundamentally necessary to cultivate devotion. The person who, later in life, can look back on many moments of devotion will look back on them with bliss. If one has experienced, in early childhood within the family, hearing people speak of a family member who is said to be deeply revered, and if, as a child, you also absorbed this feeling within yourself, and the day approaches when you can see this person for the first time—if you then feel a sacred hesitation to turn the doorknob behind which the revered person is to appear—then that, too, is a very devout feeling, and we will have much of it in later life if we have experienced several such moments in our youth.
[ 11 ] Andacht ist der Grund, ist die karmische Ursache von segnender Kraft in späteren Lebensjahren, in der zweiten Hälfte des Lebens. Jene Kraft, die ausfließt und uns fähig macht, den anderen Menschen ein Tröster zu sein, sie ist durch nichts anderes errungen als durch andächtige Stimmung in der Jugend. Seht Euch um, wo ein Mensch vorhanden ist, der zu anderen Menschen, die traurig sind, kommt, der dann nur da zu sein braucht, um durch seine bloße Gegenwart die Traurigen zu trösten, ihr Tröster zu sein, aktive Liebe zu verbreiten - Ihr werdet finden: die karmische Ursache zu dieser aktiven Kraft liegt in diesen Andachtsstimmungen der Jugendzeit. Die Kraft, welche als Andacht in die Seele des heranwachsenden Menschen hineingegossen wird, ist etwas Bleibendes in ihm; sie geht als eine Strömung durch die Seele und kommt als segnende Kraft im späteren Alter zum Vorschein. So könnten wir viele Fälle betrachten, wo das karmische Gesetz schon zwischen Geburt und Tod in ausgesprochener Weise wirkt.
[ 11 ] Devotion is the foundation, the karmic cause of the power to bless in later years, in the second half of life. That power, which flows forth and enables us to be a source of comfort to others, is attained through nothing other than a devotional disposition in our youth. Look around you for a person who reaches out to others who are sad, who need only be there—by their mere presence—to comfort the sorrowful, to be their comforter, and to spread active love—and you will find that the karmic cause of this active power lies in those devotional dispositions of youth. The power that is poured into the soul of the growing human being as devotion is something that remains within them; it flows through the soul and manifests as a blessing in later life. We could examine many cases where the karmic law is already at work in a pronounced way between birth and death.
[ 12 ] Wir wollen noch genauer im einzelnen Leben das Karmagesetz an einem konkreten Fall betrachten. Angenommen, ein junger Mensch hätte studiert. Im achtzehnten Jahre wäre das eingetreten, daß der Vater bankrott gemacht hätte. Der junge Mensch mußte daher aufhören zu studieren, er wird aus dem Beruf herausgerissen, zu dem er vorbereitet worden war; er muß einen anderen Berufsweg einschlagen. Nun sind ja, nicht wahr, alle Berufe gleichwertig; wir interessieren uns nur für die Tatsachen der Änderung des Berufs. Der junge Mann mußte also Kaufmann werden. Nun wird man, wenn man kein Lebensbeobachter ist, sagen: Nun ja, das Ereignis war da-, und man wird beobachten, was vorher und was nachher war. Aber einen Zusammenhang zwischen dem, was vorher und was nachher war, wird nur der herausfinden, der wirklich mit geistig geschärftem Auge das Leben beobachtet. Wenn der junge Mensch nun in dem anderen Beruf ist, und alles normal geht - ich werde nicht sagen, daß es immer so geht, aber es kann so gehen -, werden wir in den späteren Lebensjahren etwas anderes sehen können. Zunächst ist der Beruf ihm neu. Er erfaßt, was für ihn in Betracht kommt. Aber schon im einundzwanzigsten Jahre wird sich zeigen, daß bei diesem Manne etwas anders ist als bei einem Manne, der von Anfang an auf den Kaufmannsberuf vorbereitet war: Im einundzwanzigsten Jahr schon zeigt sich, daß er weniger Interesse hat für das, was ihm in seinem Berufe obliegt. Es zeigen sich gewisse Gefühle, die in seiner Seele auftreten und die ihn trennen von dem, was er tun soll, so daß er nicht mit rechter Befriedigung das tun kann, was von ihm verlangt wird. Wenn man nun nachforscht, woher das kommt, so wird man das Folgende wahrnehmen: Wenn ein besonderer Punkt eintritt, wo der Lebenslauf abgebogen wird, ein Lebensknoten, wenn zum Beispiel ein Berufswechsel eintritt, dann ist es nach dem karmischen Gesetz so, daß in den ersten Jahren wenig zu bemerken ist. Dann kommt es aber nach, so daß im einundzwanzigsten Jahre Gefühle, Empfindungen, Stimmungen sich geltend machen, die aus dem zu erklären sind, was im achtzehnten Jahr aus den Vorbereitungen für den anderen Beruf herkommt, Gefühle, die er aufgenommen hat, die er aber nicht zur Realisation geführt hat. Zunächst hat er sie zwar zurückgedrängt; sie machen sich aber doch dann so geltend, daß er sich von seinem neuen Beruf nicht mehr befriedigt fühlt. Das, was drei Jahre vor dem Berufswechsel in ihn gelegt wurde, wird drei Jahre nach diesem Wechsel so zutage treten, daß der Betreffende nicht mehr die rechte Befriedigung haben kann. Und von da aus kann die Sache so kommen, daß im zweiundzwanzigsten Jahr das vierzehnte Lebensjahr sich wiederholt, im dreiundzwanzigsten Jahr das dreizehnte. Es kann, weil im Leben sich alles durchkreuzt, auch anders kommen. Er kann im dreiundzwanzigsten Jahr zum Beispiel einen Hausstand gründen; da treten Interessen auf, die die vergangenen kreuzen und sie anders verlaufen machen. Aber das Gesetz ist trotzdem geltend. Auch in dem Falle, wenn ein neues Interesse eintritt, sind die früheren Interessen doch da, die abgebogen worden sind. An einem solchen Beispiel können Sie den Verlauf des Lebensprozesses sehen, wie er sich der Geisteswissenschaft darstellt. Das ist das wenigste, daß man durch die Geisteswissenschaft allerlei Begriffe bekommt; aber das wichtigste ist, daß man durch sie in den Lebensprozeß eindringt. Nehmen wir an - ich erzähle nie andere Fälle als solche, die vorgekommen sind; man muß sich die Gewohnheit aneignen, sich nie etwas auszudenken, sondern stets solche Fälle wählen, die wirklich vorgekommen sind -, also eine Mutter kommt zu mir, die ihren einzigen Sohn in einen anderen Lebensberuf hinüberführen muß, weil ihm der Vater entrissen worden ist. In der Welt von heute wird da kaum das Richtige geschehen, denn wahre Lebensbeobachtung ist mit der heutigen Lebensauffassung kaum zu vereinbaren. Wird solch eine Mutter mit Geisteswissenschaft bekannt, so lernt sie rechnen mit dem Karmagesetz und kann gerade eine gute Freundin werden des jungen Mannes, der über die Jahre eines solchen Berufswechsels hinweggeführt werden soll. So war es vor einiger Zeit der Fall. Eine Mutter kam zu mir und sagte: Was ist meine beste Lebensaufgabe? - Ich sagte, sie möge die paar Jahre dazu benutzen, recht sehr das Vertrauen ihres Sohnes zu erlangen. Dann bilde die Geisteswissenschaft seinen Sinn so aus, daß sie das, was sicher eintritt, ihm tragen helfen kann. Die in seine Seele verpflanzten Gefühle der Frömmigkeit würden in einer starken Weise in allen späteren Lebensjahren sich geltend machen, und sie würde das, was so sicher eintritt, auch richtig sehen können. Kommt dann einst der Sohn nach Hause und sagt: Ich weiß nicht was anfangen, mein Beruf befriedigt mich gar nicht -, dann wird sie das zurückführen können auf dasjenige, was früher vorgekommen ist. Sie wird die Ursache erkennen und wird schon aus innerem Takt herausfinden, wie sie helfend einzugreifen hat, um dem Sohn über die Schwierigkeit wegzuhelfen. Besser wird sie es sicher können, als wenn sie keine Ahnung hätte davon, wie Karma wirkt und nur glauben würde, es wachse die Stimmung, die Depression aus irgend etwas Gleichgültigem heraus. Nichts entsteht so ohne Ursache; aber oftmals liegen die Ursachen viel näher als man glaubt. Nur müssen wir solch einen Knotenpunkt beobachten, von da an das Leben zurückverfolgen und sehen, was da anders verläuft. Es ist so: Denken Sie sich, Sie haben eine Violinsaite. Sie haben sie aufgespannt und streichen sie mit einem geeigneten Gegenstand. Die Saite gibt einen gewissen Ton von sich. Wenn Sie sie nun in der Mitte festhalten, dann geht auf beiden Seiten etwas vor: die Saite schwingt auf beiden Seiten. Solche Ereignisse gibt es im Leben, von denen man feststellen kann, wie das, was vorher geschieht, sich nachher widerspiegelt.
[ 12 ] Let us examine the law of karma in even greater detail in everyday life using a specific example. Suppose a young person had been studying. At the age of eighteen, his father went bankrupt. The young person was therefore forced to stop studying; he was torn away from the profession for which he had been preparing; he had to pursue a different career path. Now, of course, not all professions are of equal value; we are only interested in the facts surrounding the change in profession. So the young man had to become a businessman. Now, if one is not an observer of life, one might say: “Well, that event happened”—and one would observe what came before and what came after. But only someone who truly observes life with a spiritually keen eye will discover a connection between what came before and what came after. Once the young man is in his new profession, and everything goes normally—I won’t say it always goes that way, but it can—we will be able to see something else in the later years of his life. At first, the profession is new to him. He is figuring out what is relevant to him. But as early as the age of twenty-one, it will become apparent that there is something different about this man compared to a man who was prepared for a career in business from the very beginning: as early as the age of twenty-one, it becomes clear that he has less interest in the duties required of him in his profession. Certain feelings arise in his soul that separate him from what he is supposed to do, so that he cannot perform the tasks required of him with true satisfaction. If one now investigates where this comes from, one will observe the following: When a particular point occurs where the course of life takes a turn—a turning point in life, such as a change of profession—then, according to the law of karma, little is noticeable in the first few years. But then it catches up with him, so that in the twenty-first year, feelings, sensations, and moods make themselves felt—feelings that can be explained by what arose in the eighteenth year from the preparations for the other career—feelings that he absorbed but did not bring to fruition. At first, he may have suppressed them; yet they eventually assert themselves to such an extent that he no longer feels satisfied with his new career. What was planted within him three years before the career change will come to light three years after that change in such a way that the person in question can no longer find true satisfaction. And from there, things may unfold such that the fourteenth year of life repeats itself in the twenty-second year, and the thirteenth year in the twenty-third. Because everything in life intersects, things may also turn out differently. For example, he may start a family in his twenty-third year; then interests arise that intersect with past ones and cause them to take a different course. But the law still holds true. Even when a new interest arises, the earlier interests—which have been diverted—are still present. From such an example, you can see the course of the life process as it appears to spiritual science. The least one gains from spiritual science is a variety of concepts; but the most important thing is that through it one penetrates into the life process. Let’s suppose—I never recount cases other than those that have actually occurred; one must cultivate the habit of never inventing anything, but always choosing cases that have truly happened—so a mother comes to me who must guide her only son toward a different life path because his father has been taken from him. In today’s world, the right thing is unlikely to happen here, for true observation of life is hardly compatible with today’s view of life. If such a mother becomes acquainted with spiritual science, she learns to reckon with the law of karma and can become a true friend to the young man who is to be guided through the years of such a career change. This was the case some time ago. A mother came to me and asked, “What is my greatest life task?” I told her to use those few years to earn her son’s deep trust. Then spiritual science would shape his character in such a way that it could help him bear what is certain to come. The feelings of piety instilled in his soul would make themselves strongly felt throughout his later years, and she would also be able to see clearly what is so certain to happen. If the son then comes home one day and says, “I don’t know what to do; my career doesn’t satisfy me at all”—then she will be able to trace this back to what happened earlier. She will recognize the cause and, guided by her inner intuition, will know how to intervene helpfully to guide her son through the difficulty. She will certainly be better able to do so than if she had no idea how karma works and merely believed that the mood or depression arose from some trivial matter. Nothing arises without a cause; but often the causes lie much closer at hand than one might think. We simply need to observe such a turning point, trace life back from there, and see what is unfolding differently. It’s like this: Imagine you have a violin string. You’ve stretched it taut and are bowing it with a suitable object. The string produces a certain sound. If you now hold it in the middle, something happens on both sides: the string vibrates on both sides. There are such events in life where one can observe how what happens beforehand is reflected afterward.
[ 13 ] Auch die Lebensmitte ist solch ein Knotenpunkt. Was in der Jugend vorbereitet wird, das kommt im Alter heraus. Es ist notwendig, diese Dinge zu beachten, damit man allmählich wirklich ein Gefühl dafür erhält, daß Geisteswissenschaft nichts Unpraktisches ist, sondern daß das ganze Leben vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkt aus praktisch gestaltet werden kann. Ein bloßes Leben in Liebe nützt nichts, wenn nicht die Weisheit mit der Liebe verbunden ist. Liebe muß sich mit Weisheit verbinden, mit Erkenntnis des Rechten. Liebe allein ist nicht genug zum Leben.
[ 13 ] Middle age, too, is such a turning point. What is prepared in youth comes to fruition in old age. It is necessary to bear these things in mind so that one gradually gains a genuine sense that spiritual science is not something impractical, but that one’s entire life can be shaped practically from the perspective of spiritual science. A life lived merely in love is of no use unless wisdom is combined with love. Love must be combined with wisdom, with the knowledge of what is right. Love alone is not enough for life.
[ 14 ] Wir können noch einen Fall erwähnen, der sich in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts zugetragen hat und genau geprüft worden ist. Eine Mutter erzog ihr Töchterchen. Wohl hatte sie gesehen, wie dieses Töchterchen ganz klein anfing, Dinge zu entwenden, etwas zu stehlen. Aber sie konnte sich in ihrer Liebe, die ja eine vorzügliche Eigenschaft ist, nicht entschließen zu strafen. Das Töchterchen stahl ein-, zweimal, ein drittes Mal, und tat noch andere Sachen; und wenn man den Lebenslauf verfolgt, so sieht man, daß das Kind eine berühmte Giftmischerin wurde. Hier haben Sie die Liebe, die nicht geeint ist mit Weisheit. Die Liebe muß mit dem Lichte der Weisheit durchdrungen sein. Liebe kann sich erst richtig entfalten, wenn sie von Weisheit durchdrungen ist. Wie anders kann man als Freund einem jungen Menschen, der sich entwickeln soll, über wichtige Momente seines Lebens hinüberhelfen, wenn man weiß, daß es ein Gesetz gibt, welches die Ursachen eines Geschehens manchmal ziemlich naheliegend zeigt, die Ursachen, die man ohne Kenntnis des Gesetzes nicht begreifen würde. So wäre es richtig, nicht nur im allgemeinen zu wissen, daß es ein Karmagesetz gibt, sondern durch Erlangung einer richtigen Weltanschauung Karma im einzelnen zu verfolgen. Das muß dem Geisteswissenschafter ernstlich obliegen, daß er sich einlebt in die konkrete Wirksamkeit dieser Gesetze und weiß, wie sie sich im Leben ausnehmen. Das ist das Allerwichtigste: nicht Phrasen über Karma zu dreschen, sondern sich darauf einlassen, die Gesetze im Leben zu verfolgen. Das ist notwendig!
[ 14 ] We can mention another case that occurred in the first half of the eighteenth century and has been thoroughly examined. A mother was raising her young daughter. She had indeed noticed that this little girl had begun, when she was very young, to take things—to steal. But in her love—which is, of course, an admirable quality—she could not bring herself to punish her. The little girl stole once, twice, a third time, and did other things as well; and if one follows her life story, one sees that the child became a notorious poisoner. Here you have love that is not united with wisdom. Love must be imbued with the light of wisdom. Love can only truly unfold when it is imbued with wisdom. How else can one, as a friend, help a young person—who is meant to develop—navigate important moments in their life, when one knows that there is a law which sometimes reveals the causes of an event quite clearly—causes that one would not understand without knowledge of the law? Thus, it would be right not only to know in general terms that there is a law of karma, but also to trace karma in specific cases by acquiring a correct worldview. It must be a serious responsibility of the spiritual scientist to immerse himself in the concrete workings of these laws and to know how they manifest in life. That is the most important thing: not to spout platitudes about karma, but to engage with it and trace the laws as they play out in life. This is essential!
[ 15 ] Nun möchte ich Ihnen noch etwas anderes sagen. Man kann auch einige Fälle herausheben, die sich beziehen auf Karma, das von einem Leben ins andere hinübergeht. Natürlich kann man sich auch da nur auf einzelne Fälle beschränken. So können wir uns einmal eine Frage vorlegen bezüglich des inneren Karma eines Menschen, welches dadurch zustande kommt, daß der Mensch im Grunde genommen im Leben immer eine zweigeteilte Wesenheit sein muß. Wenn Sie das Leben betrachten, werden Sie sich sagen müssen: wenn ein Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt, muß man zweierlei unterscheiden. Das eine ist, was er von seinen Voreltern geerbt hat. So hat zum Beispiel Schiller die Form seiner Nase von seinem Großvater geerbt; aber was das spezifisch Schillersche ist, das hat er nicht geerbt, sondern das kommt aus seinen früheren Inkarnationen, seinen früheren Verkörperungen. Auf der einen Seite ist der Strom der Vererbung dessen da, was durch Generationen hindurch sich fortpflanzt; auf der anderen Seite ist das, was der Mensch selbst von einem Leben zum anderen hinübernimmt. Wer den Blick erworben hat für das Geistige, wird sich immer fragen, wieviel ein Mensch von seinen Eltern hat, und wieviel aus seiner vorhergehenden Inkarnation stammt.
[ 15 ] Now I’d like to tell you something else. We can also highlight a few cases that relate to karma carried over from one life to the next. Of course, even here we can only limit ourselves to individual cases. So let us consider a question regarding a person’s inner karma, which arises from the fact that, fundamentally, a human being must always be a dual entity in life. When you look at life, you will have to admit: when a person enters existence through birth, two things must be distinguished. One is what they have inherited from their ancestors. For example, Schiller inherited the shape of his nose from his grandfather; but what is specifically “Schiller-like” was not inherited—rather, it comes from his earlier incarnations, his earlier embodied lives. On the one hand, there is the current of heredity—that which is passed down through generations; on the other hand, there is what the human being himself carries over from one life to the next. Anyone who has developed an eye for the spiritual will always ask himself how much a person has from his parents, and how much stems from his previous incarnation.
[ 16 ] Im rationellen Sinne kann man nicht anders unterrichten, als wenn man diese Unterscheidung treffen kann. Die Erziehungskunst wird erst die richtige Gestaltung erhalten, wenn die Menschen gelernt haben, zwischen diesen beiden Strömungen zu unterscheiden. Erst am Ende der Erdenentwickelung werden diese beiden Strömungen zusammenfließen, so daß der Mensch den Leib wird finden können, in den er hineinpaßt. In der jetzigen Zeit ist dies noch nicht möglich. Würde ein vollständiges Zusammenpassen von äußerer Leiblichkeit und innerer individueller Organisation in unserer jetzigen Zeit stattfinden, so wäre es unmöglich, daß ein Mensch durch innere Ursachen vor dem normalen Alter stirbt; denn es würde, weil Sterben nicht etwas Zufälliges ist, sondern eine Disharmonie, dann nicht vorzeitiges Sterben eintreten können, da ja Harmonie im Menschen herrschen würde. So aber kann diese Disharmonie zwischen dem Ererbten und dem aus früherer Verkörperung Mitgebrachten so stark werden, daß dadurch der Tod früher herbeigeführt wird.
[ 16 ] From a rational standpoint, one cannot teach unless one is able to make this distinction. The art of education will only take on its proper form once people have learned to distinguish between these two currents. Only at the end of Earth’s evolution will these two currents converge, so that the human being will be able to find the body into which he or she fits. At the present time, this is not yet possible. If a complete harmony between outer physicality and inner individual organization were to occur in our present time, it would be impossible for a person to die before the normal age due to inner causes; for since death is not something accidental but a disharmony, premature death could not occur, since harmony would then reign within the human being. As it is, however, this disharmony between what is inherited and what is brought over from a previous incarnation can become so strong that it brings about an early death.
[ 17 ] Der Mensch könnte, wenn er ein klein wenig auf die spirituellen Lehren eingehen wollte, heute schon die Reinkarnation mit Händen greifen - dies ist nicht bildlich, sondern wörtlich zu nehmen -, wenn nur die materialistischen Theorien die entsprechenden Tatsachen nicht unrichtig, sondern richtig deuteten. Dies kann an bestimmten Fällen nachgewiesen werden. Es gibt Menschen, die in ihrer Entwickelung noch so wenig weit vorgeschritten sind, daß sie mit ihren Empfindungen noch ganz in ihrer Empfindungsseele drin stecken. Ihr ganzes Bewußtsein hängt zusammen mit der Empfindungsseele. Und das kann man den äußeren Gesten der Menschen schon ansehen: sie verraten ja gewisse Ursachen, die im Astralleib liegen. Wenn ein Mensch noch ganz in der Empfindungsseele drin steckt, sich innerlich so recht wohl fühlt, kommt es vor, zum Beispiel wenn er eine gute Mahlzeit hatte, daß er sich auf den Leib klopft vor Behagen. Das ist ein Zeichen, daß er noch eine zu starke Empfindungsseele hat. Wenn ein Mensch tief in der Gemütsseele steckt, so kommt dies auch zum Ausdruck. Weil die Wahrheitsempfindung im Gemüt steckt, so wird ein Mensch, der in der Gemüts- oder Verstandesseele steckt, um eine Wahrheit zu beteuern, sich auf die Brust klopfen. Ein Mensch, der tief in der Bewußtseinsseele steckt, greift an die Nase, wenn er überwiegend tief über etwas nachdenkt. Am unteren Leib kommt das, was auf die Empfindungsseele Bezug hat, zum Ausdruck; was auf die Verstandes- oder Gemütsseele Bezug hat, kommt am Brustleib, und was auf die Bewußtseinsseele sich bezieht, am Kopf zum Ausdruck: man kraut sich auch hinter den Ohren. Ich sage das nur, um zu zeigen, wie das, was im Astralleibe ist, im physischen Leibe zum Ausdruck kommt.
[ 17 ] If people were willing to engage even a little with spiritual teachings, they could already grasp reincarnation with their own hands today—this is not to be taken figuratively, but literally—if only materialistic theories interpreted the relevant facts correctly rather than incorrectly. This can be demonstrated in specific cases. There are people who are still so far behind in their development that their feelings are entirely rooted in their feeling soul. Their entire consciousness is connected to the feeling soul. And this can already be seen in people’s outward gestures: they reveal certain causes that lie in the astral body. When a person is still completely immersed in the sensory soul and feels quite at ease inwardly—for example, after enjoying a good meal—it happens that they pat themselves on the chest out of contentment. This is a sign that their sensory soul is still too dominant. When a person is deeply immersed in the emotional soul, this is also evident. Because the sense of truth resides in the feeling soul, a person who is immersed in the feeling or intellectual soul will tap their chest to affirm a truth. A person who is deeply immersed in the conscious soul touches their nose when they are thinking deeply about something. That which relates to the feeling soul is expressed in the lower body; that which relates to the intellectual or emotional soul is expressed in the chest, and that which relates to the conscious soul is expressed in the head—one also scratches behind the ears. I say this only to show how what is in the astral body finds expression in the physical body.
[ 18 ] Nun kann folgendes eintreten. Der Mensch kann die höchsten Empfindungen und Ideen und Ideale, die er überhaupt zunächst in diesem Zeitenzyklus haben kann, in sein Bewußtsein aufnehmen; zum Beispiel unsere ethischen Ideale, die ja allein schon für den Menschen ein Beweis vom Dasein einer geistigen Welt sein müßten. Wenn wir uns durch eine innere Stimme für diese ethischen Ideale begeistern, uns diesen hohen Idealen hingeben, so kann die Anregung dazu nicht von außen kommen. Nun kann das so weit gehen, daß der Mensch etwas, was er ohne Ideale empfindet, in diese erhebt, so daß er nicht aus Pflichtgefühl einer bestimmten Idee nachlebt, sondern weil er eben nicht mehr anders kann. Für den, der sich durchdringen läßt von einer sittlichen Idee, wird eintreten, daß er sich so hineinlebt in diese Idee, daß er sich selbst befiehlt, was in ihrem Sinne recht ist. So müssen die Ideale in der Bewußtseinsseele aufleuchten, dann strömen sie hinunter und werden Instinkte.
[ 18 ] Now the following can occur. Human beings can take into their consciousness the highest feelings, ideas, and ideals that they can possibly have at this stage in this cycle of time; for example, our ethical ideals, which in and of themselves should be proof to human beings of the existence of a spiritual world. When we are inspired by an inner voice to embrace these ethical ideals and devote ourselves to them, the impulse for this cannot come from outside. This can go so far that a person elevates something he feels without ideals to the level of an ideal, so that he lives according to a particular idea not out of a sense of duty, but simply because he can no longer do otherwise. For those who allow themselves to be permeated by a moral idea, it will come to pass that they immerse themselves so deeply in this idea that they command themselves to do what is right in its spirit. Thus, the ideals must shine forth in the conscious soul; then they flow downward and become instincts.
[ 19 ] Wenn dies geschieht, daß der Mensch so seine Empfindungen mit seinen Idealen durchdrungen hat, dann macht sich etwas Besonderes geltend. Diese Instinkte haben das Bestreben, bis zum physischen Körper sich zum Ausdruck zu bringen. Der Mensch kann aber zwischen Geburt und Tod nicht mehr an seinem physischen Körper arbeiten. So gehen gewisse Strömungen durch den Brustkorb zum Kopfe hin. Wenn jemand für ein Ideal begeistert ist, für dasselbe glüht und voll Feuer ist, so daß er mit Liebe empfindet: das soll geschehen -, so wird er sich in diesem Leben ihm hingeben, wird alles dafür tun. Aber dies ist nicht alles. Durch diese Tätigkeit gehen Strömungen in den oberen Teil bis zum Kopfe des Menschen. Das sind Kräfte, die bis zum physischen Körper zu wirken suchen; aber sie können in diesem Leben den Kopf nicht mehr ändern, weil des Menschen physischer Leib auch dann, wenn man sich selbst in solcher Weise veredelt, nicht mehr gestaltungsfähig ist. Diese Kräfte strömen aber dennoch nach oben. Diese Strömungen bleiben dem Menschen erhalten in seiner Seele, und wenn der Mensch durch den Tod und eine neue Geburt geht, bringt er sie mit in ein neues Dasein. Hier tritt das auf, was der Phrenologie eine individuelle Berechtigung gibt: in den Höckerbildungen des Schädels kommen diese Kräfte, die so erworben sind, heraus. Man kann nicht sagen, dieser Höcker drückt das allgemein aus, sondern das, was die Individualität während des vorhergehenden Lebens auf diese Weise oft mit sich verbunden hat und was doch den Körper nicht mehr hat umbilden können, das drückt sich da aus.
[ 19 ] When this happens—when a person has so thoroughly infused their feelings with their ideals—then something special comes into play. These instincts strive to express themselves even through the physical body. However, between birth and death, a person can no longer work on their physical body. Thus, certain currents flow through the chest toward the head. When someone is inspired by an ideal, burns with passion for it, and is so filled with fervor that they feel with love, “This must happen”—then they will devote themselves to it in this life and do everything for it. But that is not all. Through this activity, currents flow into the upper part of the human being, all the way to the head. These are forces that seek to act upon the physical body; but they can no longer alter the head in this life, because the human physical body—even when one refines oneself in this way—is no longer capable of formation. Yet these forces still flow upward. These currents remain with the human being in their soul, and when the person passes through death and a new birth, they carry them into a new existence. Here we see what gives phrenology its individual validity: these forces, acquired in this way, manifest themselves in the protrusions of the skull. One cannot say that this protrusion expresses something general; rather, it expresses what the individual has often associated with themselves in this way during their previous life—and which, nevertheless, was no longer able to reshape the body.
[ 20 ] So gehen diese Anlagen durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt durch, und wir greifen wirklich, was der Mensch im vorhergehenden Leben so oft in sich hinein hat strömen lassen. Da greifen Sie wirklich Reinkarnation und Karma, wenn Sie die verschiedenen Erhabenheiten und Höcker des Kopfes betasten. Wir müssen uns aber dabei bewußt sein, daß jeder Mensch seine eigenen Gesetze hat; nicht allgemein darf man diese Höcker beurteilen, sondern ganz individuell. So greifen wir also zum Beispiel einen Höcker und wissen: es ist die Arbeit, die der Mensch an seiner Seele im vorhergehenden Leben verrichtet hat. Man kann Karma und Reinkarnation also auch greifen, mit den Händen greifen! Da kann man bis auf die Körpergestalt von der Geisteswissenschaft lernen.
[ 20 ] Thus, these bodies pass through life, moving between death and rebirth, and we truly grasp what a person has so often allowed to flow into themselves in their previous life. You truly grasp reincarnation and karma when you feel the various protrusions and bumps on the head. However, we must be aware that every person has their own laws; these bumps must not be judged in general terms, but rather on a completely individual basis. So, for example, we touch a bump and know: it is the work that the person performed on their soul in their previous life. So one can actually grasp karma and reincarnation—grasp them with one’s hands! In this way, one can learn about spiritual science right down to the physical form of the body.
[ 21 ] So wie die Körpergestalt von einem vorhergehenden in ein späteres Leben hereinlebt, so reichen auch andere Dinge hinüber. Nur muß man alle diese Dinge wirklich nicht kleinlich betrachten. Man darf nicht glauben, daß das Karmagesetz so zugeschnitten ist wie ein bürgerliches Gesetzbuch; es ist nur durch umfassende Studien zu begreifen.
[ 21 ] Just as the physical form carries over from one life to the next, so do other things. However, one really must not view all these things too narrowly. One must not believe that the law of karma is as rigidly defined as a civil code; it can only be understood through comprehensive study.
[ 22 ] Betrachten wir einmal ein großes Unglück, das einen tiefen Schmerz verursacht. Wir betrachten es vielfach falsch, weil wir immer nur darauf ausgehen, die Wirkung zu sehen. Wir sehen dann, daß ein Ereignis eingetreten ist, das uns unglücklich gemacht hat, uns aus unserer Bahn herausgeworfen hat. Wir sehen eben nur die Wirkung. Wir sollten aber die Ursache suchen. Da würden wir vielleicht folgendes finden: Ja, es gab in einem vorhergehenden Leben die Möglichkeit, sich diese oder jene Fähigkeit anzueignen. Wir haben es aber nicht getan, wir haben es versäumt. So sind wir durch die Pforte des Todes geschritten, ohne diese Fähigkeit erworben zu haben. Nun treiben uns jene Kräfte, die schon karmische Kräfte sind, im folgenden Leben zu dem Unglück hin. Hätten wir uns jene Fähigkeit in dem vorhergehenden Leben angeeignet, so hätte uns die Kraft nicht zu dem Unglück hingetrieben. Dadurch, daß dieses Unglück uns geschieht, erlangen wir nun diese Fähigkeit. Nehmen wir nun an, dieses Unglück hat uns im zwanzigsten Jahre erreicht, und im dreißigsten Jahre sehen wir darauf zurück und fragen uns: Was hat uns dazu gemacht, daß wir diese oder jene Fähigkeiten haben? so erkennen wir den Zweck dieses Unglücks. Unendliches gewinnen wir, wenn wir die Dinge nicht als Wirkung, sondern als Ursache betrachten für das, was sie aus uns machen. Das ist auch ein Erfolg der Lehre vom Karma, die Dinge als Ursache zu betrachten. Alle diese Dinge sind Einzelheiten des Gesetzes vom Karma. So sehen Sie, daß man am anthroposophischen Leben teilnehmen soll, weil man viel lernen kann, was sonst nur Allgemeinbegriff bleibt.
[ 22 ] Let’s consider a great misfortune that causes deep pain. We often view it incorrectly because we always focus solely on seeing the effect. We then see that an event has occurred that has made us unhappy, that has thrown us off course. We see only the effect. But we should look for the cause. There we might find the following: Yes, in a previous life there was an opportunity to acquire this or that ability. But we did not do so; we failed to do so. Thus, we passed through the gate of death without having acquired this ability. Now, those forces—which are already karmic forces—drive us toward misfortune in the next life. Had we acquired that ability in the previous life, that force would not have driven us toward misfortune. Because this misfortune befalls us, we now acquire this ability. Let us now suppose that this misfortune befell us in our twentieth year, and in our thirtieth year we look back on it and ask ourselves: What caused us to possess these or those abilities? In this way, we recognize the purpose of this misfortune. We gain infinitely more when we regard things not as effects but as causes of what they make of us. This, too, is a benefit of the doctrine of karma: viewing things as causes. All these things are details of the law of karma. So you see that one should participate in the anthroposophical life because one can learn much that would otherwise remain merely a general concept.
[ 23 ] Auf etwas ganz Bedeutsames, das mit dem Karmagesetz zusammenhängt, soll noch aufmerksam gemacht werden. Es könnte einem Menschen, der in die Geisteswissenschaft hineinkommt und hört, daß da die Möglichkeit besteht, sich geistige Fähigkeiten anzueignen, hinaufzuwachsen zur Hellsehergabe, beikommen zu fragen: Warum ist es immer so schwer zu lernen, was die Geisteswissenschaft sagt? - Diese Frage kann ja berechtigt sein, aber sie entspringt doch wirklich zumeist einem Mißverständnis vieler Menschen, welche Geisteswissenschaft nur oberflächlich kennenlernen, einem Mißverständnis, das sie haben über den Zusammenhang des physischen und des geistigen Lebens. Sie wissen, das physische Leben ist durchaus nicht unnötigerweise in das Menschenleben eingefügt. Es hat seine Mission, ebenso wie das Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt in der geistigen Welt.
[ 23 ] Attention should be drawn to something quite significant related to the law of karma. A person who is new to spiritual science and hears that it is possible to develop spiritual abilities—even to the point of acquiring the gift of clairvoyance—might be tempted to ask: Why is it always so difficult to learn what spiritual science teaches? — This question may well be justified, but it really stems mostly from a misunderstanding held by many people who are only superficially acquainted with spiritual science—a misunderstanding they have regarding the connection between physical and spiritual life. They know that physical life is by no means unnecessarily inserted into human existence. It has its mission, just as the life between death and a new birth in the spiritual world does.
[ 24 ] Stellen wir uns einmal die Frage: Wie steht es denn mit zwei Menschen, von denen der eine durch sein Karma aus dem vorhergehenden Lebenslauf in dieser Inkarnation nicht in der Lage ist, die Hellsehergabe zu entwickeln, sondern sich begnügen muß, fleißig anthroposophische Kenntnisse durch das Studium sich anzueignen, so daß er einsieht, wie diese Dinge zu begreifen sind - also er könnte nur durch Studium vorankommen -, und einem anderen, dem die Möglichkeit gegeben sei, seine hellseherischen Gaben zu entwickeln und einzudringen in die geistige Welt? Der letztere könnte folgende Stimmung haben. Er sagt sich: Ich sehe in die geistige Welt hinein, ich kann sehen geistige Wesenheiten, warum sollte ich denn jetzt noch Bücher studieren? Ich weiß, daß es eine geistige Welt gibt, warum sollte ich da noch Anthroposophie studieren? Das ist ja unbegründet und langweilig. - Es ist dies eine Sache, die immer wiederum vorkommt, daß Leute, die karmisch das Glück haben, hellseherisch zu sein, sich sagen: Lernen wollen wir jetzt nichts mehr; warum sollen wir jetzt studieren, was nur in trockenen Begriffen gegeben wird? - Der eine ist imstande, um so fleißiger zu studieren, aber er kann nicht zur Hellsehergabe kommen; der andere verachtet die Studien, aber sein Karma ist so günstig, daß er ein Hellseher werden kann. Wie steht es nun mit diesen Menschen nach dem Tode, wie ist das Gesamtbild? Der Mensch, der die Hellsehergabe erlangt hat zwischen Geburt und Tod, der in die geistige Welt hineinschauen und der verschiedenes sehen konnte, aber die theoretischen Begriffe nicht lernen wollte, der nicht mit logischem Denken die geisteswissenschaftlichen Angaben begreifen wollte, der das alles verachtet hat, der hat nach dem Tode gar nichts davon. Er kennt sich nicht besser aus als ohne die Hellsehergabe, die er bei Lebzeiten hatte. Jener Mensch ist sogar besser daran, der in seinem physischen Leben noch nicht hellsehen konnte, der aber nicht verhindert war, durch Lesen sich einen logischen Begriff von der geistigen Welt zu bilden.
[ 24 ] Let’s ask ourselves the following question: What about two people, one of whom, due to his karma from his previous life, is unable in this incarnation to develop the gift of clairvoyance, but must content himself with diligently acquiring anthroposophical knowledge through study, so that he understands how these things are to be grasped—that is, he could make progress only through study— and another who has been given the opportunity to develop his clairvoyant gifts and penetrate the spiritual world? The latter might have the following attitude. He says to himself: I can see into the spiritual world; I can see spiritual beings—why should I still study books? I know there is a spiritual world; why should I still study anthroposophy? That’s unfounded and boring.”—This is something that happens time and again: people who are karmically fortunate enough to possess clairvoyant abilities tell themselves, “We don’t want to learn anything more now; why should we study things that are presented only in dry concepts?” - One person is capable of studying all the more diligently, but cannot develop the gift of clairvoyance; another despises the studies, but his karma is so favorable that he can become a clairvoyant. What, then, becomes of these people after death? What is the overall picture? The person who attained the gift of clairvoyance between birth and death—who could look into the spiritual world and see various things, but who did not want to learn the theoretical concepts, who did not want to grasp the spiritual scientific teachings through logical thinking, who despised it all—that person gains absolutely nothing from it after death. They are no better off than if they had never possessed the gift of clairvoyance during their lifetime. In fact, the person who was not yet able to see clearly during their physical life but who was not prevented from forming a logical understanding of the spiritual world through reading is actually better off.
[ 25 ] Es soll dieses aber keine Anweisung sein, faul zu sein, nichts zur Entfaltung der geistigen Sinne zu tun. Kein Mensch kann wissen, ob er nicht doch noch vor seinem Tode die Hellsehergabe erlangt. Derjenige, der die geisteswissenschaftliche Weltanschauung studiert hat, dem verwandeln sich jetzt diese Begriffe in wirkliche Anschauungen. Was man sich hier erwirbt durch Begriffe, das geht nicht mehr verloren, das bleibt. Es gibt eine Verpflichtung: Wenn man noch so hoch eingeweiht wäre, wenn man noch so hoch schauen könnte, aber das Geschaute nicht mit Begriffen durchdringen könnte, so würde man doch nichts davon haben. Der Mensch soll nicht bloß beim Schauen stehenbleiben, sondern er soll alles umgießen in Begriffe, die dem physischen Leben entnommen sind. Die Menschen sind berufen, das, was sie auf Erden erfahren können, auch wirklich in sich aufzunehmen. Das, was in der geistigen Welt fehlt, muß in der physischen Welt erworben werden und muß da hinaufgetragen werden.
[ 25 ] However, this is not meant to be an instruction to be lazy or to do nothing to develop one’s spiritual senses. No one can know whether they might not still acquire the gift of clairvoyance before their death. For those who have studied the spiritual-scientific worldview, these concepts are now transformed into actual insights. What one acquires here through concepts is never lost; it remains. There is an obligation: Even if one were highly initiated, even if one could see to the highest heights, but could not penetrate what is seen with concepts, one would still gain nothing from it. Human beings should not merely stop at seeing, but should cast everything into concepts drawn from physical life. Human beings are called upon to truly take into themselves what they can experience on earth. What is lacking in the spiritual world must be acquired in the physical world and carried up from there.
[ 26 ] Das soeben Gesagte hängt zusammen mit etwas, was viel bedeutsamer ist. Es gibt eines, was die Menschen in der geistigen Welt niemals hätten kennenlernen können. Niemals hätte ein Ereignis in der geistigen Welt kennengelernt werden können, wenn der Mensch nicht heruntergeführt worden wäre auf die physische Erde und durch die Inkarnationen durchgeführt worden wäre. Alle geistigen Wesenheiten, die sich nicht inkarnieren, können ein Ereignis nicht kennenlernen: das ist der Tod. Den Tod gibt es nicht in der Astralwelt und noch weiter oben; den kann man dort nicht erleben. Daher gibt es den alten Grundsatz in der esoterischen Philosophie: Wenn Götter sterben lernen wollen, müssen sie auf die Erde gehen, um es zu lernen. - Das ist eine sehr tiefe Wahrheit. Und wiederum hängt mit dem Tode etwas anderes zusammen: Der Mensch würde niemals zum Selbstbewußtsein kommen. Nur dadurch, daß der Mensch immer wieder, wenn eine Inkarnation zu Ende geht, durch die Pforte des Todes schreitet und seine Hüllen abstreift, nur dadurch kommt er zum eigentlichen Bewußtsein des Ich. Der Mensch muß lernen, den Tod zu überwinden. Ohne daß der Tod in die Welt getreten wäre, hätte der Mensch nicht das Selbstbewußtsein kennengelernt. So mußte der Tod der große Lehrmeister der physischen Welt werden. Das hängt mit einem großen Ereignis zusammen. Wenn er niemals auf die physische Erde heruntergestiegen wäre, wenn er immer oben in den geistigen Sphären geblieben wäre, hätte der Mensch niemals erfahren können, was das größte Ereignis der Erdenentwickelung ist: das Mysterium von Golgatha.
[ 26 ] What has just been said is connected to something far more significant. There is one thing that human beings in the spiritual world could never have come to know. No event in the spiritual world could ever have been known if human beings had not been brought down to the physical Earth and guided through incarnations. All spiritual beings who do not incarnate cannot experience one event: death. Death does not exist in the astral world or in the realms above it; it cannot be experienced there. Hence the ancient principle in esoteric philosophy: If gods wish to learn about death, they must go to Earth to learn it. - This is a very profound truth. And yet another aspect is connected with death: Humanity would never have attained self-consciousness. Only by passing through the gate of death again and again as each incarnation comes to an end—and shedding its physical forms—only in this way does humanity attain true consciousness of the “I.” Humanity must learn to overcome death. Had death not entered the world, humankind would never have come to know self-awareness. Thus, death had to become the great teacher of the physical world. This is connected to a great event. If humanity had never descended to the physical earth, if it had always remained above in the spiritual spheres, it could never have experienced what is the greatest event in Earth’s evolution: the Mystery of Golgotha.
[ 27 ] Das Christus-Ereignis kann nur zwischen Geburt und Tod erfahren werden. Und gerade darin besteht die Größe dieses Ereignisses, daß ein Gott aus Himmelshöhen heruntergestiegen ist und das Schicksal der Menschen geteilt hat. Nur auf der Erde konnte er dieses Mysterium vollziehen. Niemals hätte irgendwo in der geistigen Welt das Mysterium von Golgatha aufgerichtet werden können. Um die Menschen den Sieg über den Tod zu lehren, mußte ein Gott heruntersteigen aus geistigen Höhen, um auf der Erde zu sterben. Und dieses Ereignis, vom Menschen auf Erden verstanden, das ist das Größte, was einfließen kann in die irdische Inkarnation des Menschen. Das ist das Größte, was der Mensch mitnehmen kann, wenn er die physische Erde durch die Pforte des Todes verläßt. Der Mensch könnte niemals die Größe des Christus begreifen, wenn er nicht auf der Erde lernen würde, was der Christus ist. Wenn er das auf der Erde gelernt hat, kann er es bewahren und mitbringen in die geistige Welt.
[ 27 ] The Christ event can only be experienced between birth and death. And it is precisely in this that the greatness of this event lies: that a God descended from the heights of heaven and shared in the fate of humankind. Only on Earth could He accomplish this mystery. Nowhere in the spiritual world could the Mystery of Golgotha ever have been established. In order to teach humanity the victory over death, a God had to descend from spiritual heights to die on Earth. And this event, as understood by human beings on Earth, is the greatest thing that can flow into a human being’s earthly incarnation. This is the greatest thing a human being can take with them when they leave the physical earth through the gate of death. A human being could never comprehend the greatness of Christ if they did not learn on earth what Christ is. Once they have learned this on earth, they can preserve it and bring it with them into the spiritual world.
[ 28 ] Die Menschheit hätte niemals den Christus kennenlernen können, wenn sie nicht heruntergestiegen wäre, den physischen Leib entfaltet hätte, und auf der Erde Gelegenheit gehabt hätte, eines Gottes Sterben zu verstehen. Dieses Ereignis mußte geschehen, das für alle Zukunft Bedeutung hat. Die Menschheit wird sich wiederum zurückentwickeln in die geistige Welt. Vorher wußte sie nichts von dem Christus-Impulse; auf der Erde mußte sie ihn lernen, und nun wird er hinaufgetragen, mitgenommen von all denen, die auf der Erde ein Verständnis für ihn sich erworben haben. Mit diesem Verständnis, das auf Erden nach und nach erworben wird, mit jenem Ereignisse in der Seele lebt der Mensch weiter in den folgenden Inkarnationen und auch in jenen Leben, die zwischen Tod und Geburt abfließen. Immer mehr werden die Menschen verstehen von dem, was Golgatha ist. Immer mehr wird der Christus leben. Und wenn einstmals die Erde physisch zertrümmert ist, wenn nur die Seelen, die Geister der Menschen übriggeblieben sein werden, so werden sie zurückblicken auf die Erdenevolution und sagen: Wir mußten eine Entwickelung durchmachen in einer Welt, wo wir uns vorbereitet haben auf den Christus. Dann kam dieses Mysterium, die Entwickelung ging weiter, wir verstanden immer besser das Ereignis von Palästina, wir verarbeiteten es in unseren Leben zwischen Geburt und Tod, und als dieses große Mysterium begriffen war, da war die Erde reif, wieder zu verschwinden, denn da haben wir uns einverleibt, was das Wichtigste war der ganzen Erdenevolution. Auf der Erde mußten wir sein, durchgehen mußten wir, um das zu erleben, was nirgendwo anders erlebt werden kann. Jetzt ist es in die geistige Welt heraufgetragen, aber der Ursprung dessen, was jetzt in der geistigen Welt ist, der war da unten.
[ 28 ] Humanity would never have been able to come to know the Christ if it had not descended, developed a physical body, and had the opportunity on Earth to understand the death of a God. This event—which has significance for all the future—had to take place. Humanity will once again evolve backward into the spiritual world. Before that, it knew nothing of the Christ impulse; on Earth it had to learn about it, and now it is carried upward, taken along by all those who have gained an understanding of it on Earth. With this understanding, which is gradually acquired on Earth, and with that event living in the soul, the human being lives on in subsequent incarnations and also in those lives that flow between death and birth. People will understand more and more what Golgotha is. Christ will live on more and more. And when the Earth has one day been physically shattered, when only the souls—the spirits of human beings—remain, they will look back on Earth’s evolution and say: We had to undergo a process of development in a world where we prepared ourselves for Christ. Then this Mystery came; evolution continued; we came to understand the events in Palestine ever more deeply; we processed them in our lives between birth and death; and once this great Mystery was comprehended, the Earth was ripe to disappear again, for by then we had internalized what was the most important aspect of the entire evolution of the Earth. We had to be on Earth; we had to go through it all in order to experience what cannot be experienced anywhere else. Now it has been carried up into the spiritual world, but the origin of what is now in the spiritual world was down there.
[ 29 ] So werden Ihre Seelen fühlen, wenn sie durch viele Inkarnationen gegangen sein werden, wenn die Erde als physischer Planet erstorben ist und die Menschen zu einem neuen Dasein aufgestiegen sein werden. Was ist das wichtigste Erbstück der Erdenentwickelung? Was ist das Wichtigste, das wir mitgenommen haben, und das nur einzig und allein auf der Erde erfahren und erlebt werden kann? Das Mysterium von Golgatha. Jetzt haben wir den Christus in uns. Das ist die Bedeutung des Opfers, daß der Christus heruntergestiegen ist und jenes Ereignis mitgemacht hat, welches die Menschen als den Tod erfahren: immer selbstbewußter zu werden, immer mehr Kraft zu erlangen, um so in immer höherem Maße das Karma der ChristusKraft aufzunehmen.
[ 29 ] This is how your souls will feel when they have gone through many incarnations, when the Earth has ceased to exist as a physical planet, and when humanity has ascended to a new existence. What is the most important legacy of Earth’s evolution? What is the most important thing we have taken with us—something that can be experienced and lived through only and exclusively on Earth? The Mystery of Golgotha. Now we have the Christ within us. That is the significance of the sacrifice: that the Christ descended and underwent that event which human beings experience as death—to become ever more self-aware, to gain ever more strength, and thus to absorb the karma of the Christ-force to an ever greater degree.
[ 30 ] So sehen wir, wie das Karma in diesem bedeutungsvollen Falle wirkt, und wie das Christus-Verständnis zusammenhängt mit dem gesamten Erdenkarma der Menschheit. Und die Menschheit soll den Christus in sich aufnehmen. Der Mensch kann das Erdenkarma nicht erfüllen, ohne dieses Christus-Verständnis erreicht zu haben. Und die Erreichung des Erdenzieles wird sein eine karmische Wirkung der Aneignung des Christus-Verständnisses. So können wir sagen: Das kleinste wie das größte Ereignis werden wir verstehen, wenn wir das Karmagesetz betrachten.
[ 30 ] Thus we see how karma operates in this significant case, and how the understanding of Christ is connected to the entire earthly karma of humanity. And humanity is to receive Christ within itself. Humanity cannot fulfill its earthly karma without having attained this understanding of Christ. And the attainment of the earthly goal will be a karmic effect of the assimilation of the understanding of Christ. Thus we can say: We will understand both the smallest and the greatest events when we consider the law of karma.
