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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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The Principle of Spiritual Economy
in Relation to Reincarnation
GA 109

3 June 1909, Budapest

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10. Die Theosophie des Rosenkreuzers

10. The Theosophy of the Rosicrucians

[ 1 ] Es wird in diesem Zyklus meine Aufgabe sein, Ihnen ein Bild theosophischer Weltanschauung darzulegen, und zwar soll dieses vom Gesichtspunkte der sogenannten Rosenkreuzermethode aus gegeben werden. Und ich bitte Sie, diese Bezeichnung: «Rosenkreuzermethode» nicht dahin mißzuverstehen, daß etwa gesprochen werden soll über eine geschichtliche Entwickelung des Rosenkreuzertums, daß eine historische Darstellung darüber gegeben werden soll. Die Bezeichnung «Rosenkreuzermethode» soll nur sagen, daß Theosophie dargestellt werden soll nach jener Methode, nach der sie immer in den Geheimschulen Europas dargestellt worden ist seit dem 13. und 14. Jahrhundert, und die man eben die Rosenkreuzerschulung nennt.

[ 1 ] My task in this series will be to present to you a picture of the theosophical worldview, and I will do so from the perspective of what is known as the Rosicrucian method. And I ask you not to misunderstand the term “Rosicrucian method” to mean that we are going to discuss the historical development of Rosicrucianism or that a historical account of it will be given. The term “Rosicrucian method” simply means that Theosophy is to be presented according to the method by which it has always been taught in the secret schools of Europe since the 13th and 14th centuries—a method known as Rosicrucian training.

[ 2 ] Sie wissen, daß 'Theosophie dasjenige ist, was sich in alten Zeiten als Wahrheit über die Menschheit ergossen hat, um in den Herzen überall einen Grundstock menschlicher Erkenntnis zu bilden. Je weiter wir aber zurückgehen, je geheimer werden diese Erkenntnisse gehalten. Warum? Ich werde in diesen Vorträgen darauf noch zurückkommen, warum diese universelle Weisheit einzelnen, die reif dazu befunden wurden, in geheimen Schulen und Pflegestätten mitgeteilt worden ist. Einzelnen, die nicht nur zu lernen, sondern etwas mit sich vorzunehmen hatten, was ihre ganze Seele umwandelte, so daß sie hellsichtig wurden. Dadurch erhielten sie Einsicht in höhere Welten. Und solche wurden dann hinausgeschickt, gleichsam als Sendboten, die berufen waren, die andern zu lenken und zu leiten. Nun besteht aber der Fortschritt darin, daß immer mehr Menschen da sind, die durch ihr Urteil und durch ihren Verstand fähig sind, diese Weisheit zu begreifen. Daher ist es notwendig geworden, daß immer mehr von dem öffentlich bekanntgegeben wird, was früher geheimgehalten wurde.

[ 2 ] You know that “Theosophy is that which, in ancient times, flowed forth as truth concerning humanity in order to form a foundation of human knowledge in hearts everywhere. But the further back we go, the more secret these insights are kept. Why? I will return to this in these lectures—why this universal wisdom was imparted to individuals deemed ready for it in secret schools and sanctuaries. To individuals who were not only to learn, but to undertake something that would transform their entire soul, so that they became clairvoyant. Through this, they gained insight into higher worlds. And such individuals were then sent out, as it were, as messengers, called to guide and lead others. Progress, however, lies in the fact that there are now more and more people who, through their judgment and intellect, are capable of comprehending this wisdom. Therefore, it has become necessary to make more and more of what was formerly kept secret publicly known.

[ 3 ] Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde durch äußere Verhältnisse, die wir noch kennenlernen werden, die Notwendigkeit herbeigeführt, eine große Menge, eine bedeutende Summe von Erkenntnissen der Geheimwissenschaft zum Heil und Fortschritt der Menschheit in die Öffentlichkeit einfließen zu lassen. Im 19. Jahrhundert sagten sich die Hüter dieses Wissens: In früheren Zeiten haben die Mitteilungen über geistige Dinge, wie sie in den Religionen oder anderswie an den Menschen herangekommen sind, genügt, um die Bedürfnisse des Menschen in bezug auf das Ewige zu befriedigen. Doch die Bedürfnisse der Menschheit ändern sich. - Und so mußten diese Hüter der Urweltweisheit erkennen, daß immer mehr Menschen in der Zukunft da sein werden, deren Seelen nicht mehr befriedigt werden können durch die alten Formen der Mitteilung geistiger Belange. Für solche nun ist es möglich, in der Theosophie Befriedigung zu finden. Es entspringt die Theosophie, diese neue Form der Mitteilung, der in der neueren Zeit beobachteten Wahrnehmung eines Menschheitsbedürfnisses. Die Hüter des geheimen Wissens haben natürlich gewußt, daß solche Zeiten kommen würden, aber erst in einem bestimmten Zeitpunkt war es nötig, die Vorbereitung zum Einfließenlassen dieser Weisheit zu treffen und sich zu sagen: Wir müssen Sorge tragen, daß diese Geheimnisse auch von dem Verstande des 19. und 20. Jahrhunderts erfaßt werden können. — Dies geschah im 13. und 14. Jahrhundert. Sehr wenige waren es damals, die dieses Zeitpunktes der Vorbereitung innerhalb Europas gewahr wurden. Es waren die ersten Rosenkreuzer, diejenigen, die sich geschart haben um eine bedeutsame Individualität, die unter dem Schlagnamen «Christian Rosenkreutz» bekannt ist. Christian Rosenkreutz, er war es, der sich im deutlichsten Sinne sagen konnte: Wir haben in den Mysterien ein Wissen, einen Weisheitsschatz erhalten von dem Übersinnlichen. Lassen wir es dabei bewenden, so dürfen wir hoffen, daß wir auch in Zukunft das machen können, was bisher geschehen ist: daß wir einzelne, in unseren Schulen herangereifte Menschen, wenn sie die Geheimnisse der Urweltweisheit gelernt und geschaut haben, hinausschicken, um andere zu belehren. Diese alte Methode der Verbreitung der Urweltweisheit soll fortgesetzt werden, aber es muß noch anderes vorbereitet werden. - Er war imstande, sich sagen zu können: Eine weit größere Menge von Menschen wird kommen, die verlangen wird nach der Urweltweisheit. Wir könnten sie in der Form mitteilen, die wir jetzt dafür haben. Doch um sie so anzunehmen, dazu gehört ein hoher Grad des Glaubens und der Anerkennung unserer Autorität, der aber immer mehr und mehr in der Menschheit verschwinden wird. Je mehr die Urteilskraft in den Menschen wachsen wird, desto weniger werden sie den Lehrern so wie früher glauben. - Für die frühere Form der Mitteilung war Glauben und Vertrauen die Voraussetzung. Jetzt mußte man sich sagen: Es werden Leute kommen, die selbst werden prüfen wollen dasjenige, was ihnen mitgeteilt wird. Diese werden sagen: Wir wollen denselben logischen Verstand, den wir bei Betrachtung der Sinneswelt gebrauchen, anwenden bei dem, was ihr uns sagt. Zugegeben, daß zum Erforschen des Geistigen auch noch etwas anderes notwendig ist als dieser Verstand, so wollen wir doch mit demselben prüfen. - Deshalb war es im Beginn unserer Zeit[epoche] notwendig, die Urweltweisheit in neue Formen zu gießen. Das war die Arbeit der Rosenkreuzer: die Urweltweisheit so zu gestalten, daß sie nach und nach die Anpassung finden konnte an den modernen Geist und die moderne Seele.

[ 3 ] Over the course of the 19th century, external circumstances—which we will come to learn about—gave rise to the need to make a large body of knowledge from the esoteric sciences available to the public for the benefit and progress of humanity. In the 19th century, the guardians of this knowledge said to themselves: In earlier times, the teachings about spiritual matters—as they were conveyed to people through religions or other means—were sufficient to satisfy humanity’s needs regarding the eternal. But humanity’s needs are changing. - And so these guardians of ancient wisdom had to recognize that in the future there would be more and more people whose souls could no longer be satisfied by the old forms of communicating spiritual matters. For such people, it is now possible to find fulfillment in Theosophy. Theosophy, this new form of communication, springs from the recognition of a human need observed in more recent times. The guardians of the secret knowledge naturally knew that such times would come, but it was not until a specific moment that it became necessary to make preparations for the infusion of this wisdom and to say to themselves: We must ensure that these mysteries can also be grasped by the minds of the 19th and 20th centuries. — This took place in the 13th and 14th centuries. Very few people at that time were aware of this moment of preparation within Europe. They were the first Rosicrucians, those who gathered around a significant individual known by the pseudonym “Christian Rosenkreutz.” Christian Rosenkreutz—it was he who could say, in the clearest sense: “In the mysteries, we have received knowledge, a treasure of wisdom, from the supersensible.” If we leave it at that, we may hope that in the future we will be able to continue doing what has been done so far: sending out individual people who have matured in our schools—once they have learned and beheld the mysteries of primordial wisdom—to teach others. This ancient method of spreading primordial wisdom is to be continued, but other preparations must also be made. - He was able to tell himself: A far greater number of people will come who will seek the primordial wisdom. We could impart it to them in the form we currently use. But to accept it in this way requires a high degree of faith and recognition of our authority—a degree that will, however, disappear more and more from humanity. The more people’s power of judgment grows, the less they will believe the teachers as they did in the past. - Faith and trust were the prerequisites for the earlier form of communication. Now we had to realize: There will be people who will want to examine for themselves what is communicated to them. They will say: We want to apply the same logical reasoning that we use when observing the sensory world to what you tell us. Even if we admit that something other than this reasoning is necessary for exploring the spiritual realm, we still want to use it to examine it. - That is why, at the beginning of our era, it was necessary to cast the primordial wisdom into new forms. This was the work of the Rosicrucians: to shape the primordial wisdom in such a way that it could gradually adapt to the modern mind and the modern soul.

[ 4 ] Was ist Theosophie nach Rosenkreuzermethode? Theosophie an sich ist immer und überall dasselbe. Ein Theosoph nach Rosenkreuzerart ist heute ein Theosoph des 19. und 20. Jahrhunderts. Seine Weisheit ist in ihren Formen genau dem angepaßt, was heute die Menschen verstehen wollen und was sie haben müssen. Was ist das Spezifische unserer Zeit? Der Gang der Menschheitsentwickelung war ja so, daß die Menschen immer mehr und mehr sich befreunden mußten mit der äußeren physischen Wirklichkeit. Blicken Sie zurück in alte Zeiten, zum Beispiel auf die alte ägyptische Kultur, mit welch einfachen Mitteln und Kräften die Menschen arbeiteten, ihre Bauwerke selbst aufführten, ihre persönlichen Bedürfnisse befriedigten. Schauen Sie sich dagegen unser heutiges Leben an, mit seinem ganzen raffinierten Aufwand von Arbeitsleistung für das physische Behagen. Welch eine ungeheure Summe von Geisteskraft und Gedankenarbeit wird da für tägliche physische Bedürfnisse verschwendet! Es war natürlich nötig, ja geradezu die Aufgabe der westlichen Welt, die äußere Kultur so zu gestalten, die äußere Natur so zu beherrschen, daß der physische Plan wirklich vom Menschengeist beherrscht wird. Eine solche Welt, wie die unsrige es geworden ist, braucht andere Mittel, um die Weisheit der Geheimschulen aufnehmen zu können, als jene alte Zeit. Wenn wir dagegen das Wissen der Chaldäer und ihre Erkenntnisse in bezug auf spirituelles Wissen vergleichen mit unserem heutigen Wissen, dann stehen allerdings die Chaldäer turmhoch über uns. Wir bewundern heute einen Kopernikus, einen Galilei, das, was die äußere Wissenschaft zu verzeichnen hat, aber das ist alles Kinderspiel gegenüber der alten Weisheit der Chaldäer. Für den heutigen Forscher ist der Planet Mars zum Beispiel ein äußerer Körper eben, dessen Gang und Bewegung man bemessen kann; die Chaldäer aber wußten dazu noch, welche Kräfte und Wesen mit dem Mars zusammenhängen, welcher göttliche Wille das alles lenkt, welcher Zusammenhang zwischen diesen Kräften und dem Menschen besteht. Das Geheimnisvolle, das Walten dieser geistigen Kräfte war ihnen kund. Deshalb ist der heutige Forscher so hilflos gegenüber dem inneren Wesen dieser alten chaldäischen Kultur. Die äußeren Mittel zu ihrer Erforschung, die hat er, die inneren aber nicht. ’Theosophen und Rosenkreuzer haben die spirituellen inneren Mittel, um in ihren Geist einzudringen.

[ 4 ] What is Theosophy according to the Rosicrucian method? Theosophy in and of itself is always and everywhere the same. A Rosicrucian theosophist today is a theosophist of the 19th and 20th centuries. The forms of his wisdom are precisely adapted to what people today want to understand and what they need. What is unique about our time? The course of human development has been such that people have had to become more and more familiar with external physical reality. Look back to ancient times—for example, to ancient Egyptian culture—and see the simple means and forces people used to work, to erect their own buildings, and to satisfy their personal needs. Compare that, however, with our life today, with all its sophisticated effort expended on labor for physical comfort. What an immense amount of mental energy and intellectual labor is wasted there on daily physical needs! It was, of course, necessary—indeed, it was the very task of the Western world—to shape external culture and master external nature in such a way that the physical realm is truly governed by the human spirit. A world such as ours has become requires different means to assimilate the wisdom of the mystery schools than those of ancient times. If, on the other hand, we compare the knowledge of the Chaldeans and their insights regarding spiritual knowledge with our knowledge today, then the Chaldeans certainly tower far above us. Today we admire a Copernicus, a Galileo, and the achievements of external science, but all of that is child’s play compared to the ancient wisdom of the Chaldeans. For today’s researcher, for example, the planet Mars is merely an external body whose orbit and motion can be measured; the Chaldeans, however, also knew which forces and beings are connected to Mars, which divine will guides it all, and what connection exists between these forces and human beings. The mystery, the workings of these spiritual forces, were known to them. That is why today’s researcher is so helpless in the face of the inner essence of this ancient Chaldean culture. He possesses the external means for its investigation, but not the inner ones. “Theosophists and Rosicrucians possess the spiritual, inner means to penetrate its spirit.”

[ 5 ] Die großen Namen unserer wissenschaftlichen Autoritäten, von denen man heute liest, wie sie die Tonzylinder und -scherben ausgraben, auf denen die alte babylonische Weisheit eingeprägt ist, sie stehen dem gegenüber wie ein dreijähriges Kind vor einem elektrischen Apparat. Der Forscher weiß nicht, was anfangen mit dem, was er da ausgräbt: so gewaltig, so weit hinausdringend war damals das spirituelle Wissen. Der äußeren Wissenschaft aber war es erst möglich, mit dem Verstande und durch die äußeren Mittel unserer Kultur das zu schaffen, was wir heute - und mit Recht - als die großen Kulturfortschritte der letzten Jahrhunderte bewundern. Eine solche Zeit aber braucht eine andere Art des Denkens, des Empfindens, um das Geistige zu verstehen. Hier darf vielleicht eine Warnung eingeflochten werden. Man spricht heute so viel von höheren oder tieferen Entwickelungsgraden. Man streitet sich herum, ob der Buddha oder der Christus größer sei. Aber das ist ganz gleichgültig. Darauf kommt es nicht an. Nicht, ob die assyrische höher oder unsere Weisheit tiefer steht, ist wichtig. Wir leben in der materialistisch gesinnten Gegenwart und wir brauchen das Einfließen des spirituellen Wissens in unsere Kultur, damit das Sehnen der Menschheit darnach befriedigt werde. Und in solcher Art, wie der heutige Mensch dieses Wissen braucht, gibt es ihm die Rosenkreuzerweisheit. Das, was hier gesagt wird, klingt vielleicht etwas gewagt, aber bitte, nehmen Sie es jetzt hin, später wird sich das alles klären. Ist doch die rosenkreuzerische Weisheit mehr mißverstanden worden als irgend etwas anderes in der Welt.

[ 5 ] The great names of our scientific authorities, whom we read about today as they excavate the clay cylinders and shards on which ancient Babylonian wisdom is inscribed, stand before them like a three-year-old child facing an electrical appliance. The researcher does not know what to make of what he is excavating: so immense, so far-reaching was spiritual knowledge back then. But it was only through external science—using the intellect and the external means of our culture—that we were able to achieve what we today—and rightly so—admire as the great cultural advances of the past centuries. Such a time, however, requires a different way of thinking and feeling in order to understand the spiritual. Perhaps a word of caution should be woven into this discussion here. Today, there is so much talk of higher or deeper levels of development. People argue back and forth about whether the Buddha or Christ was greater. But that is entirely irrelevant. It does not matter. It is not important whether Assyrian wisdom is higher or our own wisdom is deeper. We live in a materialistically minded present, and we need spiritual knowledge to flow into our culture so that humanity’s longing for it may be satisfied. And the Rosicrucian wisdom provides this knowledge in the way that people today need it. What is being said here may sound a bit bold, but please accept it for now; it will all become clear later. After all, Rosicrucian wisdom has been more misunderstood than anything else in the world.

[ 6 ] So wie die Dinge sich abspielten, geschah es, daß einst die große Individualität des Christian Rosenkreutz voraussah, welche Forderungen des Verständnisses tatsächlich von seiten der rationalistisch denkenden Menschen kommen würden, und wie es schon damals notwendig geworden war, alles geistige Wissen in eine Form zu gießen, die sich zu dem gestalten würde, was die Forderung der heutigen Zeit ist. Wir müssen uns klarmachen, daß die Rosenkreuzer es viel schwerer hatten als irgendeine ähnliche Bewegung von früher, denn ihr anfängliches Wirken im 13. und 14. Jahrhundert fiel in die Zeit des immer näher herankommenden Materialismus hinein. Alle die modernen Errungenschaften, wie Dampfmaschinen, Telegraph und so weiter mußten den Menschen vollends auf den physischen Plan herausstellen. Die Rosenkreuzer hatten zu arbeiten für ein Zeitalter, das mathematisch denken muß. Sie mußten in diesem Sinne ihre Vorbereitungen treffen, mußten daher auch am meisten mißverstanden werden. Über Rosenkreuzerei können Siesich deshalbauch nicht unterrichten durch das, was öffentlich darüber bekanntgegeben wird. Nichts von dem, was im Rosenkreuzertum gepflegt wurde, ist eigentlich in dieser Literatur zu finden. Die tiefsten spirituellen Wahrheitsinhalte der Rosenkreuzer wurden so aufgefaßt, als ob man Spirituelles in alchimistischen Küchen mit Retorten und so weiter zubereiten könne. Durch diese Auffassung der Alchimie kam jenes materialistische Zerrbild des Rosenkreuzertums zustande, wie es heute geboten wird. Vorzubereiten hatten die Rosenkreuzer eine Wissenschaft, durch welche sie nach und nach ihre Weisheit in die Welt einfließen lassen konnten.

[ 6 ] As events unfolded, it so happened that the great individuality of Christian Rosenkreutz once foresaw what demands for understanding would in fact come from rationally minded people, and how it had already become necessary even then to cast all spiritual knowledge into a form that would take shape as what is required in the present age. We must realize that the Rosicrucians had it much harder than any similar movement of the past, for their early work in the 13th and 14th centuries coincided with the era of ever-advancing materialism. All the modern achievements—such as steam engines, the telegraph, and so on—were bound to place humanity entirely on the physical plane. The Rosicrucians had to work for an age that must think mathematically. They had to make their preparations with this in mind, and consequently were also the most misunderstood. You cannot, therefore, learn about Rosicrucianism from what is publicly reported about it. Nothing of what was cultivated in Rosicrucianism can actually be found in this literature. The deepest spiritual truths of the Rosicrucians were interpreted as if spiritual matters could be prepared in alchemical laboratories with retorts and the like. This view of alchemy gave rise to the materialistic caricature of Rosicrucianism as it is presented today. The Rosicrucians were preparing a science through which they could gradually infuse their wisdom into the world.

[ 7 ] Aus alledem ersehen Sie, daß, wenn wir den heutigen Menschen Theosophie vortragen, wir ihnen Rosenkreuzertheosophie vortragen müssen. Mit der Anwendung älterer Formen könnten wir einige Menschen gewinnen, aber das müßten Menschen sein, die nicht mit allen Fasern ihres Seins mit der heutigen Welt und Kultur zusammenhängen. Es gibt solche Egoisten, die sich der Gegenwartsaufgabe entziehen; wir wollen diese Gegenwart und ihre Formen aber ernst nehmen. Wir müssen unser Zeitalter so nehmen, wie es ist, aber geistig auf es einzuwirken suchen. In diesem Sinne hat die Rosenkreuzertheosophie ihre Aufgabe aufzufassen.

[ 7 ] From all this you can see that when we present theosophy to people today, we must present Rosicrucian theosophy to them. By using older forms, we might win over a few people, but these would have to be people who are not bound by every fiber of their being to today’s world and culture. There are those egoists who shirk the task of the present; we, however, wish to take this present and its forms seriously. We must accept our age as it is, but seek to influence it spiritually. It is in this sense that Rosicrucian theosophy must understand its task.

[ 8 ] Im Laufe der Verhandlungen des Kongresses haben Sie ja Gelegenheit gehabt zu sehen, wie fruchtbar diese Theosophie zu wirken vermag; zum Beispiel wie sie eingreift in die Medizin. Lassen Sie nur die Medizin sich so materialistisch weiterentwickeln: wenn Sie vierzig Jahre voraussehen könnten, Sie würden erschrecken, in welch brutaler Weise diese Medizin vorgehen wird, bis zu welchen Formen des Todes die Menschen von dieser Medizin da kuriert würden. - Wie erforscht denn die Medizin heute die Wirkung ihrer Heilmittel? Nun, an dem Menschenmaterial, das sie in den Spitälern und anderwärts findet, also durch äußerliche Beobachtung. Spirituelle Weisheit aber ist eine solche, die in die inneren Zusammenhänge des Geistigen hineinwirkt, die weiß, was im Physischen dem Spirituellen entspricht. Eine völlige Neuschöpfung alles medizinischen Wissens wird ausgehen von dem, was man Rosenkreuzerei nennt. Dieses ist aber nur ein Gebiet. Vergleichen Sie unsere komplizierten Lebensbedingungen von heute mit denen der alten Chaldäer. Denken Sie, welch eine Summe von Verstandeskraft und Kombinationsvermögen aufgewendet wird, um einen Scheck, den man in New York ausstellt, in Tokio einzulösen. Eine so geartete Zeit, die eine solche Kultur mit solchen Mitteln über den Erdball hin gesponnen hat, die braucht andere spirituelle Methoden als frühere Zeiten. Der Okkultist weiß dieses. Es reicht einfach das heutige Denken nicht aus, um das Chaos der äußeren Verhältnisse und Aufgaben, in die der Mensch immer mehr hineingeraten wird, zu bezwingen. Das Denken wird erstarren. Heute stehen wir in einer Übergangszeit, aber bald wird das Denken nicht mehr flüssig und geschmeidig genug sein, um die komplizierten Verhältnisse einzufangen und umzugestalten. Warum wir also Theosophie verbreiten? Um praktische Wirkungen zu erzielen. Theosophische Gedanken machen das Denken elastischer, flüssiger, ermöglichen raschere Überschau über größere Zusammenhänge. So hat das Rosenkreuzertum alle Gebiete des Lebens zu befruchten. Damit Sie sehen, wie praktisch Theosophie wirkt, nehmen Sie das kleine Heftchen, das ich über «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft» geschrieben habe. Das darin Enthaltene können Sie einfach ohne Rosenkreuzertheosophie nicht wissen. Nicht Theorie soll sie bleiben, sondern ein Handanlegen an das praktische tägliche Leben soll sie werden. Suchen Sie das in den früheren Formen der Theosophie: es ist einfach nicht da. Die Rosenkreuzertheosophie ist da, um des Menschen geistige Sehnsuchten zu befriedigen, und auch um den Geist einfließen zu lassen in die täglichen Verrichtungen. Rosenkreuzertheosophie ist nicht da für den Salon oder den Einsiedler, sondern für die ganze Menschheitskultur.

[ 8 ] During the course of the Congress proceedings, you have had the opportunity to see just how fruitful this Theosophy can be; for example, how it influences medicine. Just let medicine continue to develop in such a materialistic way: if you could look forty years into the future, you would be horrified at the brutal methods this medicine will employ, and at the forms of death to which people will be “cured” by it. — How does medicine today investigate the effects of its remedies? Well, by observing the human subjects it finds in hospitals and elsewhere—that is, through external observation. Spiritual wisdom, however, is one that works into the inner connections of the spiritual realm, that knows what in the physical corresponds to the spiritual. A complete re-creation of all medical knowledge will spring from what is called Rosicrucianism. But this is only one field. Compare our complicated living conditions today with those of the ancient Chaldeans. Consider the sheer amount of intellectual power and analytical ability expended to cash a check issued in New York in Tokyo. An age such as this—which has spun a culture of this kind across the globe using such means—requires different spiritual methods than those of earlier times. The occultist knows this. Today’s way of thinking is simply not sufficient to overcome the chaos of external circumstances and tasks into which humanity is increasingly being drawn. Thinking will become rigid. Today we are in a transitional period, but soon thinking will no longer be fluid and flexible enough to grasp and reshape these complex circumstances. So why do we spread Theosophy? To achieve practical results. Theosophical ideas make thinking more flexible and fluid, enabling a quicker grasp of broader contexts. In this way, Rosicrucianism is meant to enrich all areas of life. To see how practically Theosophy works, take the little booklet I wrote on “The Education of the Child from the Perspective of Spiritual Science.” You simply cannot know what is contained therein without Rosicrucian Theosophy. It is not meant to remain theory, but rather to become a hands-on application to practical daily life. Look for this in the earlier forms of Theosophy: it simply isn’t there. Rosicrucian Theosophy exists to satisfy humanity’s spiritual longings and also to allow the spirit to flow into daily activities. Rosicrucian Theosophy is not meant for the salon or the hermit, but for the entire culture of humanity.

[ 9 ] Die Weisheit ist immer eine. Doch so, wie der einzelne Mensch lebt und sich immer weiter entwickelt, so auch die Menschheit als Ganzes. Und darum müssen die Formen der ihnen offenbarten Weisheit, dem Entwickelungsgange der Menschen entsprechend, sich ändern. Die großen Lehrer der Menschheit wirken unter uns heute wie immer. Wir auch, die wir jetzt als Seelen hier gegenwärtig sind, waren schon früher verkörpert, sind durch alle Entwickelungsperioden hindurchgegangen, die griechisch-lateinische, die ägyptisch-chaldäische, und weiter abwärts in der Zeit, um immer neue und neue Errungenschaften aufzunehmen, um immer Neues zu lernen. Denken Sie sich eine Seele, die verkörpert war, als die gigantischen Pyramiden, die geheimnisvollen Sphinxe sie in Ägypten umgaben! Wie anders wirkte das auf diese Seele als dasjenige, was sie heute umgibt. Solange die Erde Neues bieten kann - und die Erde schreitet dauernd fort -, so lange nimmt auch die Seele immer wieder Neues auf. Die Seele ist nicht zum Vergnügen der Götter auf der Erde verkörpert, sondern um zu lernen. Anders sah die Erde aus, als die Seele sie in ihrer ersten Verkörperung betrat, anders wird sie ausschauen in ihrer letzten. Erst dann kommen wir auf diese Erde wieder, wenn wir Neues auf ihr lernen können; darum ist die Zeitdauer zwischen den Verkörperungen so groß. Nehmen wir nur an, wie anders das nördliche Gebiet von Europa ausgeschaut hat als heute, allein nur landschaftlich, zu der Zeit, als der Christus hier auf der Erde wandelte. Nicht zweimal betreten wir die Erde, ohne Neues lernen zu können. Alles in der Welt ist in Entwickelung. Entwickelung aber heißt, jeweilig später Neues zu verarbeiten und darzuleben.

[ 9 ] Wisdom is always one. But just as each individual human being lives and continues to evolve, so too does humanity as a whole. And that is why the forms in which wisdom is revealed to them must change in accordance with the course of human evolution. The great teachers of humanity are at work among us today, as they always have been. We, too, who are now present here as souls, were once incarnated; we have passed through all periods of development—the Greco-Latin, the Egyptian-Chaldean, and further back in time—in order to take in ever new achievements and to learn ever new things. Imagine a soul that was incarnated when the gigantic pyramids and the mysterious sphinxes surrounded it in Egypt! How differently that must have affected that soul compared to what surrounds it today. As long as the Earth has something new to offer—and the Earth is constantly progressing—the soul will continue to absorb new things time and again. The soul is not incarnated on Earth for the amusement of the gods, but to learn. The Earth looked different when the soul first entered it in its first incarnation, and it will look different in its last. We will return to this Earth only when we can learn something new here; that is why the interval between incarnations is so long. Let us just imagine how different the northern region of Europe looked from today—in terms of landscape alone—at the time when Christ walked here on Earth. We do not set foot on Earth twice without being able to learn something new. Everything in the world is in a state of development. But development means processing and living out new things as they arise.

[ 10 ] Aber nicht nur die Menschen, sondern alle Wesen entwickeln sich. Wir werden hier den Pfad zu suchen haben zu Wesenheiten, die auf höheren Stufen stehen als der Mensch, doch tritt der Mensch vielfach schon in diesem Leben zu ihnen in Beziehung. Auch diese höheren Wesenheiten unterliegen dem Gesetze der Entwickelung, und wie unsere Seelen vor Jahrtausenden anders waren, so auch die sich offenbarenden Wesen in früheren Zeiten. Auch sie lernen fortwährend. Und wenn wir von einem der höheren Wesen sprechen, die zu uns heruntergestiegen sind, um uns mit den Mitteln des Geistes die Geheimnisse der höheren Welten zu verkündigen, so müssen wir uns sagen: das ist eine erhabene Kunst, die muß man erlernen. Sogar wenn man ein Gott ist, muß man das lernen. Denn anders muß man sprechen zu den Menschen von heute, anders zu denen, die vor zehntausend Jahren gelebt haben. Die höheren Wesen machen ebenso ihre Entwickelung durch wie die Menschen. Und was während der Kongreßverhandlungen von mir über das Ereignis von Damaskus gesagt worden ist, zeigt, wie höhere Wesen sich entwickeln. Nehmen Sie an, es wäre einer hellsehend gewesen zweitausend Jahre vor der Erscheinung des Christus Jesus. Ein geistig Schauender sieht ja nicht nur die äußere Umwelt, sondern auch alles das, was zur geistigen Sphäre der Aura der Erde gehört. Wie die Menschen von einer Aura umgeben sind, so sind es auch die Weltenkörper. Und den Geist eines Weltenkörpers, man lernt ihn sehen. Ein geistig Schauender vor zweitausend Jahren hätte etwas ganz anderes in der Erdenaura gesehen als einer vor tausend Jahren und als einer, der heute hellsehend geworden ist. Geradeso wie das Bild der Natur äußerlich, so ändert sich auch um uns das Bild der geistigen Welt, in die man hineinschaut.

[ 10 ] But it is not only human beings who evolve; all beings do. Here we will have to seek the path to beings who stand on higher levels than humans, yet humans often come into contact with them even in this life. These higher beings, too, are subject to the law of evolution, and just as our souls were different millennia ago, so too were the beings who revealed themselves in earlier times. They, too, are constantly learning. And when we speak of one of the higher beings who have descended to us to reveal the mysteries of the higher worlds through spiritual means, we must tell ourselves: this is a sublime art that must be learned. Even if one is a god, one must learn this. For one must speak differently to the people of today than to those who lived ten thousand years ago. The higher beings undergo their own evolution just as human beings do. And what I said during the congress proceedings about the Damascus event shows how higher beings evolve. Suppose there had been a clairvoyant two thousand years before the appearance of Christ Jesus. A spiritual seer, after all, sees not only the external environment but also everything that belongs to the spiritual sphere of the Earth’s aura. Just as human beings are surrounded by an aura, so too are the celestial bodies. And one learns to see the spirit of a celestial body. A clairvoyant two thousand years ago would have seen something entirely different in the Earth’s aura than one from a thousand years ago or one who has become clairvoyant today. Just as the outward image of nature changes, so too does the image of the spiritual world around us, into which one looks.

[ 11 ] Von einem Ereignis will ich sprechen, auf das ich später noch zurückkommen werde: vom brennenden Dornbusch und der Verkündigung auf dem Sinai. Was heißt das? Was ist da mit dem Moses vorgegangen? Seine hellseherische Kraft hatte sich bis zu einem gewissen Punkte entwickelt, und er hat das Übersinnliche in dem Sinnlichen wahrgenommen. Der Nichthellseher hätte da einfach ein Naturereignis wahrgenommen. Moses aber sah in dem brennenden Dornbusch dasjenige Wesen, das sich ihm ankündigte als der «Ich bin der Ich bin!» Und er hat gewußt, daß dieses Wesen da ist, daß jenes Feuer nicht nur äußeres Feuer war, sondern daß dahinter sich Geistiges verbirgt. Ihm hat sich da ein Wesen geoffenbart, das innig mit der ganzen ferneren Menschheitsentwickelung verbunden ist, das sich den Namen gab: «Ich bin der Ich-bin.» Was wußten nun alle Moses-Schüler? Sie haben es in den damaligen Mysterienschulen gelernt: Dasselbe Wesen, das sich auf dem Sinai geoffenbart hat, das wird heruntersteigen auf die Erde und wohnen in einem Menschenleib und drei Jahre in einem Menschen sprechen, und dieser Mensch wird sein der Christus Jesus. Das wußten die Eingeweihten. Das wußte auch der Saulus, der später ein Paulus wurde. Aber er sagte sich: Gewiß, dieses Wesen gibt es, und es wird auf die Erde herabsteigen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, daß es durch den schmachvollen Tod am Kreuze endigen wird, jenes Wesen, das sich im brennenden Dornbusch als Jahve geoffenbart hat. - Was konnte ihn nun überzeugen? Das Ereignis von Damaskus. In dem Augenblicke, da er hellsehend wurde und die Erdenaura für ihn sichtbar ward und er darinnen den Christus schaute, den lebendigen Christus, der sich ihm zeigte als derselbe, der am Kreuze gestorben ist, da wurde Saulus zum Paulus.

[ 11 ] I want to speak of an event to which I will return later: the burning bush and the revelation on Mount Sinai. What does this mean? What happened to Moses there? His clairvoyant power had developed to a certain extent, and he perceived the supernatural within the physical world. Someone without clairvoyant powers would have simply perceived a natural phenomenon. Moses, however, saw in the burning bush the Being who revealed Himself to him as “I am who I am!” And he knew that this Being was there, that the fire was not merely an external fire, but that something spiritual lay hidden behind it. A being revealed itself to him who is intimately connected with the entire future development of humanity, a being who gave himself the name: “I am who I am.” What, then, did all of Moses’ disciples know? They had learned it in the mystery schools of that time: The very same Being who revealed Himself on Mount Sinai would descend to Earth, dwell in a human body, and speak through a human being for three years—and that human being would be Christ Jesus. The initiates knew this. Saul, who later became Paul, knew it as well. But he said to himself: Certainly, this Being exists, and it will descend to Earth. But I cannot imagine that it will meet a shameful death on the cross—that Being who revealed Himself as Yahweh in the burning bush. —What, then, could convince him? The event at Damascus. At the moment when he became clairvoyant and the earth’s aura became visible to him, and he saw within it the Christ—the living Christ, who revealed himself to him as the very one who had died on the cross—at that moment, Saul became Paul.

[ 12 ] Das aber konnte man erst zu jener Zeit sehen. Früher, vor zweitausend Jahren, da war der Christus noch nicht in der Erdenaura, da war er noch in der Sonne sichtbar. Zarathustra sah die Sonne von einer Aura umgeben: Ahura Mazdao nannte er sie, die große Aura des Ormuzd. Dieses Wesen aber ist heruntergestiegen, hat sich erst dem Moses im brennenden Dornbusch geoffenbart und hat dann als Mensch unter uns gewohnt in dem Leibe des Jesus von Nazareth. «Ich bin das Licht der Welt», konnte der Christus daher von sich sagen. Vorher hätte keiner so sprechen können, weil das Licht der Welt vorher in keinem gelebt hat.

[ 12 ] But this could only be seen at that time. Earlier, two thousand years ago, the Christ was not yet in the Earth’s aura; He was still visible in the sun. Zarathustra saw the sun surrounded by an aura: he called it Ahura Mazdao, the great aura of Ormuzd. But this being descended, first revealing himself to Moses in the burning bush, and then dwelling among us as a human being in the body of Jesus of Nazareth. “I am the light of the world,” Christ could therefore say of himself. Before that, no one could have spoken in this way, because the light of the world had not yet dwelt in anyone.

[ 13 ] Diese Dinge wollen wir ausarbeiten bis zu ihrem vollen Verständnis. Heute aber soll nur angedeutet werden, daß das Christus-Wesen sich nicht immer so offenbaren konnte wie zum Beispiel im Falle von Paulus. Die Christus-Wesenheit mußte sich das erst erwerben; sie mußte ihre Kraft so weit entwickeln, daß sie sich in solcher Weise offenbaren konnte. Vor zweitausend Jahren wäre ihr das noch nicht möglich gewesen. Es macht jede Seele in jeder Verkörperung Fortschritte. Das ist wichtig, darauf kommt es bei den führenden Individualitäten an. Wir müssen erkennen, daß der Christus nicht immer derselbe ist, wir müssen ihn in seinen spezifischen Wirkungsweisen erkennen, darin, wie auch er fortschreitet von Entwickelung zu Entwickelung. Und es ist für den Menschen ein überwältigendes Gefühl der Erhebung, wenn er erkennt, wie - gleich seiner Seele und deren Inkarnation und Fortschritten - auch die geistigen Wesenheiten immer höher und höher steigen und immer mächtiger und mächtiger werden. Das gibt das lebendige Gefühl für die Entwickelung. Es kommt gerade in der Rosenkreuzertheosophie darauf an, zu zeigen, wie ein solches Wesen, wie der Christus, gewirkt hat einst und jetzt, wie bei Moses und bei Paulus, und daran zu sehen, wie auch ein solches Wesen fortschreitet. Das gibt einen intimeren Begriff von der Entwickelung.

[ 13 ] We want to explore these matters until we fully understand them. Today, however, we will merely suggest that the Christ-being was not always able to reveal itself as it did, for example, in the case of Paul. The Christ-being first had to earn that ability; it had to develop its power to the point where it could reveal itself in that way. Two thousand years ago, this would not yet have been possible for it. Every soul makes progress in every incarnation. This is important; it is what matters when it comes to leading individualities. We must recognize that the Christ is not always the same; we must recognize him in his specific modes of action, in the way he, too, progresses from one stage of development to the next. And it is an overwhelming feeling of exaltation for human beings when they realize how—just as with their own souls, their incarnations, and their progress—spiritual beings, too, rise higher and higher and become more and more powerful. This gives a living sense of evolution. In Rosicrucian theosophy, it is precisely a matter of showing how such a being as Christ has worked in the past and in the present—as with Moses and Paul—and of seeing how even such a being continues to progress. This provides a deeper understanding of evolution.

[ 14 ] Betrachten wir einmal ein Kind. Es wird geboren, es erblickt, so heißt der technische Ausdruck, das Licht der Welt, es verändert sich, und gerade in den allerersten Lebenswochen verändert es sich besonders schnell, es geht da der Entwickelungsgang gegenüber späteren Epochen am schnellsten vor sich. Die äußere materialistische Wissenschaft kann sogar da vieles feststellen. Sie kann zum Beispiel beobachten, wenn sie das Gehirn untersucht — das ist mit äußeren Mitteln festzustellen -, wie beim Kinde da oben am Kopf, an der Stelle, die lange Zeit noch weich bleibt, die Schädelteile sich erst später zusammenschließen und das Gehirn sich allmählich gestaltet. Gliederung und Verbindung hat die Aufgabe, ein Instrument zu bilden für das, was das Kind erst später können wird: denken; es soll Wahrnehmungen verbinden. Der Hellscher sieht nun an dem Kinde, wie es in den allerersten Tagen und Wochen der Entwickelung umgeben ist von mächtig wirkenden Kräften, die dem zweiten Wesensteil des Menschen, dem Ätherleibe, angehören. Wir wissen, daß dieser beim heutigen Menschen etwa dieselbe Größe hat wie der physische Leib, beim Kinde aber noch sehr weit über den physischen Leib herausragt, besonders am Kopf. Und da ist nun auch dieses Arbeiten der Kräfte, das wie ein Lichtspiel sich ausnimmt für den Hellseher, besonders lebhaft. Es ist wunderbar anzusehen, wie gewisse Kräfte aus dem Körper von unten heraufschießen, wie es dann von oben herunterstrahlt, vom Genick, von allen Seiten her und da, wo sich die Haare wirbeln, in ein lebendiges Spiel der Kräfte ausstrahlt, zu einem astralisch-ätherischen Lichtspiel wird im Ätherleib des Kindes, das sich dann mit der Zeit immer mehr verliert. In diesem Lichtspiel liegen die Kräfte, die jene physischen Verbindungsglieder im Gehirn schaffen. Das Gehirn wird erst in der Zeit gestaltet, wenn das Kind schon geboren ist, und zwar aus einer geistigen Substanz heraus. Vierzig bis fünfzig Kräfteströme können Sie da zusammenarbeiten sehen - aus ihnen ist der Lichtkörper zusammengesetzt -, ein wunderbares Schauspiel, wenn Sie so das Kind in den ersten Lebenswochen beobachten. Allmählich dringt dieser Lichtkörper in das Gehirn des Kindes hinein, ist dann drinnen. Erst war der Ätherleib des Kindes draußen, er umgab den Kopf, war ganz primitiv; ihn umgab ein Lichtkörper, aus dem er Kräfte sammelte, und nun geht er allmählich in den Kopf des Kindes hinein, sitzt da drinnen als der komplizierte Ätherorganismus. Das ist das Wundervolle an der Entwickelung, daß alles Physische aus der geistigen Welt heraus konstruiert ist, aus dem Geistigen heraus gearbeitet ist, welches wir dann selbst aufnehmen. Das Seelische hat sich zuerst die Behausung ausgearbeitet, in der es dann wohnt. So sehen wir, wie es in der kleinen Welt geschieht, im menschlichen Gehirn des Kindes; so ist es auch in der großen Welt. Schauen Sie auf eine besonders vorgeschrittene Individualität wie die des Jesus von Nazareth, in dessen Leib drei Jahre lang als Seele der Christus gewohnt hat. Geradeso wie beim Kinde der Ätherleib sich das physische Gehirn selbst zubereitet, um dann später dahineinzuziehen, so hat sich der Christus auch zuvor die Stätte zubereitet, darinnen er wohnen konnte. Das mußte er aber erst sich erarbeiten. Erst hat er sozusagen nur äußerlich mit der Erde zusammengehangen, sie hat ihn aber noch nicht in sich aufnehmen können. Die Besten aber haben an ihr so gearbeitet, daß der Christus ihr immer näher und näher kommen konnte, und er selbst, der Christus, hat dabei mitgeholfen. Wer hat denn den Körper des Jesus von Nazareth so umgestaltet und zuletzt soweit gebracht, daß er den Christus aufnehmen konnte? Der Christus selber hat das getan. Erst hat er von außen an ihm gearbeitet und nachher konnte der Christus selbst in den Menschen einziehen.

[ 14 ] Let’s consider a child. It is born; it sees the light of day—as the technical term goes—it changes, and especially in the very first weeks of life, it changes particularly rapidly; the process of development proceeds most rapidly there compared to later stages. Even at this stage, external, materialistic science can observe many things. For example, when examining the brain—which can be determined by external means—it can observe how, at the top of the child’s head, in the area that remains soft for a long time, the parts of the skull do not fuse until later, and the brain gradually takes shape. The task of structuring and connecting is to form an instrument for what the child will only be able to do later: to think; it is meant to connect perceptions. The clairvoyant now sees in the child, during the very first days and weeks of development, how it is surrounded by powerfully acting forces that belong to the second part of the human being, the etheric body. We know that in modern humans this body is roughly the same size as the physical body, but in children it still extends far beyond the physical body, especially at the head. And it is here that the activity of these forces—which appears to the clairvoyant like a play of light—is particularly vivid. It is a marvel to behold how certain forces shoot up from the lower parts of the body, how they then radiate down from above—from the nape of the neck, from all sides—and, where the hair swirls, radiate outward in a living interplay of forces, becoming an astral-etheric play of light within the child’s etheric body, which then gradually fades away over time. Within this play of light lie the forces that create those physical connecting links in the brain. The brain is not formed until after the child is born, and it is formed from a spiritual substance. You can see forty to fifty streams of force working together there—the light body is composed of them—a marvelous spectacle when you observe the child in this way during the first weeks of life. Gradually, this light body penetrates into the child’s brain and settles there. At first, the child’s etheric body was outside, surrounding the head; it was quite primitive. It was surrounded by a light body from which it drew forces, and now it gradually enters the child’s head, residing there as a complex etheric organism. That is the marvelous thing about development: that everything physical is constructed from the spiritual world, fashioned from the spiritual, which we then take in ourselves. The soul has first fashioned the dwelling in which it then resides. Thus we see how this happens in the small world, in the child’s human brain; and so it is in the greater world as well. Consider a particularly advanced individuality such as that of Jesus of Nazareth, in whose body Christ dwelt as a soul for three years. Just as in a child the etheric body prepares the physical brain itself so that the Christ can later move into it, so too did the Christ first prepare the place in which he could dwell. But he first had to work this out for himself. At first, he was, so to speak, connected to the Earth only externally, but the Earth was not yet able to take him in. But the best among them worked upon it in such a way that Christ could come closer and closer to it, and Christ himself helped in this process. Who, then, transformed the body of Jesus of Nazareth and ultimately brought it to the point where it could receive Christ? Christ himself did this. First, he worked on it from the outside, and afterward Christ himself was able to enter into the human being.

[ 15 ] Gleiches geschieht in der kleinen Welt wie in der großen. Und nur dadurch, daß diese Wesen, die über uns stehen, sich auch entwickeln, ist überhaupt Entwickelung möglich. Erst dadurch, daß der Christus sich übersinnlich zeigen konnte, ist er der planetarische Geist der Erde geworden. Das Mikrokosmische entspricht immer dem Makrokosmischen.

[ 15 ] The same thing happens in the small world as in the large one. And it is only because these beings who stand above us also evolve that evolution is possible at all. It was only because Christ was able to reveal himself in a supersensory way that he became the planetary spirit of the Earth. The microcosmic always corresponds to the macrocosmic.

[ 16 ] Nicht einmal das erste Kapitel des Rosenkreuzertums konnte ich heute vor Sie hinstellen, sondern nur erst die Art und Weise charakterisieren, wie der Mensch der Gegenwart denken und empfinden lernen soll. Denn die wahre Bedeutung des «Erkenne dich selbst» liegt darin, daß wir in dieser Weise die Weltenentwickelung verfolgen. Wo ist unser Selbst? Doch nicht in uns allein. Das zu denken wäre egoistisch. Es ist herausgebaut und herausgeboren aus dem ganzen Weltenall und auch unser Aufstieg soll uns dazu führen, in dem ganzen Kosmos aufzugehen. Hineinstellen will die Selbsterkenntnis den Menschen in die ganze Welt, um ihm da zu zeigen den wahren Sinn des Wortes: Selbsterkenntnis.

[ 16 ] Today I was unable to present even the first chapter of Rosicrucianism to you, but could only begin by describing the way in which people of the present day should learn to think and feel. For the true meaning of “Know thyself” lies in the fact that we follow the evolution of the world in this way. Where is our self? Surely not within us alone. To think so would be selfish. It is built up and born out of the entire universe, and our ascent, too, is meant to lead us to merge with the entire cosmos. Self-knowledge seeks to place the human being within the whole world in order to reveal to him there the true meaning of the phrase: self-knowledge.