Introduction to the Basics of Theosophy
GA 111
25 March 1909, Arnheim
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Introduction to the Basics of Theosophy, tr. SOL
26. Einführung in die Theosophie I
26. Introduction to Theosophy I
[ 1 ] Im Allgemeinen ist die Theosophie erst seit einigen zehn Jahren bekannt, und doch hat sie immer bestanden. Hier werden wir insbesondere davon sprechen, wie sie den Bedürfnissen unserer Zeit entgegenkommt. Das Wort ‹Theosophie› stammt vom Apostel Paulus her. Er spricht von zwei Kenntnissen: eine in Bezug auf die Wahrnehmung der Welt und der Menschheit durch die Sinnesorgane, und eine, um den göttlichen Kern im Menschen zu betrachten. Durch sie steigt der Mensch in die verborgene geistige Welt. Paulus war gerufen worden, durch sein machtvolles Wort zu wirken. In Athen errichtete er eine esoterische Schule, die später weitergeführt wurde durch Dionysius den Areopagiten, und von dort aus verbreiteten sich die Geheimlehren, die wir jetzt haben. Obwohl wir in der Geschichte ihre Spuren nicht verfolgen können, so finden wir doch ab und zu inspirierte "Träger dieser Geheimlehren. Wir sehen, wie sie dieselben einigen auserwählten Schülern mitteilten, sodass Brüderschaften entstanden, wie zum Beispiel die Ritter des Heiligen Gral und später die Schulen der Rosenkreuzer. Von diesen Letzteren wird hier hauptsächlich die Rede sein. Heute werden wir über das Wesen des Menschen sprechen, so wie es von der okkulten Tradition gelehrt wird.
[ 1 ] In general, theosophy has only been known for a few decades, and yet it has always existed. Here we will discuss in particular how it meets the needs of our time. The word “theosophy” originates from the Apostle Paul. He speaks of two kinds of knowledge: one concerning the perception of the world and humanity through the sense organs, and one for contemplating the divine core within human beings. Through this knowledge, human beings ascend into the hidden spiritual world. Paul had been called to work through his powerful word. In Athens, he established an esoteric school, which was later continued by Dionysius the Areopagite, and from there the secret teachings we have today spread. Although we cannot trace their footsteps throughout history, we do occasionally find inspired “bearers of these secret teachings.” We see how they imparted these teachings to a select few disciples, giving rise to brotherhoods such as the Knights of the Holy Grail and, later, the Rosicrucian schools. It is primarily the latter that will be discussed here. Today we will speak about the nature of the human being as taught by the occult tradition.
[ 2 ] Woher stammt die Erkenntnis der geistigen Welten? Es gab immer einzelne Menschen, die eingeweiht wurden, und in ihnen zeigte sich lebendig, was in den geistigen Welten ist. Wir nehmen jene Welten nicht wahr, haben aber darum doch nicht das Recht, sie zu leugnen; ebenso wie ein Blinder irren würde, wenn er das, was wir ihm von seiner Umgebung erzählen, ableugnen würde. In unserer Mitte leben Welten voller Wesenheiten, und ebenso wie der Blinde seine Umgebung nur sehen kann, wenn er operiert wird, so müssen wir, um diese höheren Welten wahrnehmen zu können, uns einer, ich möchte sagen, geistigen Operation unterwerfen, die eben die Einweihung ist. Die geistige Wissenschaft ist ein Ergebnis des Lebens, das die Eingeweihten in diesen höheren Welten führten durch die Wahrnehmungsorgane, die sich in ihnen entwickelten [...]. Wir werden noch sehen, was nötig ist, um diese Organe in uns zu entwickeln.
[ 2 ] Where does our knowledge of the spiritual worlds come from? There have always been individuals who have been initiated, and within them what exists in the spiritual worlds has been vividly revealed. We do not perceive those worlds, but that does not give us the right to deny their existence; just as a blind person would be mistaken if he were to deny what we tell him about his surroundings. Worlds full of beings exist right in our midst, and just as a blind person can only see his surroundings after undergoing an operation, so too must we, in order to perceive these higher worlds, undergo what I would call a spiritual operation—which is precisely what initiation is. Spiritual science is the result of the life that the initiates led in these higher worlds through the organs of perception that developed within them [...]. We shall yet see what is necessary to develop these organs within ourselves.
[ 3 ] Was sieht nun der Eingeweihte? Für ihn sind die physische Welt und das, was die Physiologie und die Biologie zeigen, nur ein Teil von dem, was er sieht. Auch der physische Teil des Menschen, der von der mineralischen Welt her kommt, erscheint ihm ganz verschieden; überall sieht er Höheres. Wir werden später genauer sprechen von diesem geistigen Ursprung der physischen Welt, der der Logos ist, von dem im Johannes-Evangelium gesagt wird: «Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott.»
[ 3 ] What, then, does the initiate see? For him, the physical world and what physiology and biology reveal are only a part of what he sees. Even the physical aspect of the human being, which originates in the mineral world, appears quite different to him; everywhere he sees something higher. We will speak in more detail later about this spiritual origin of the physical world, which is the Logos, of whom it is said in the Gospel of John: “In the beginning was the Word, and the Word was with God.”
[ 4 ] Der erste Bestandteil des menschlichen Wesens ist sein physischer Leib. Dieser ist durchdrungen von dem Äther- oder Lebensleib, der das zweite Glied und schon übersinnlich ist. Der Mensch hat ihn ebenso wie alle Reiche der Natur, das Mineralreich ausgenommen, das ihn zwar auch hat, aber nicht individualisiert. Im JohannesEvangelium wird der Ätherleib das «Leben» genannt — universelles Leben. Wir werden noch sehen, was mit ihm beim Tode des Menschen geschieht.
[ 4 ] The first component of the human being is his physical body. This is permeated by the etheric or life body, which is the second component and is already supersensible. Human beings possess it, just as do all the kingdoms of nature—with the exception of the mineral kingdom, which does possess it but not in an individualized form. In the Gospel of John, the etheric body is called “life”—universal life. We shall see later what happens to it upon a person’s death.
[ 5 ] Der dritte Teil ist der Astralleib. Der Mensch nimmt in Wirklichkeit nicht nur so viel Platz im Raum ein, als er für seinen physischen Körper braucht. Er hat über diesen hinaus einen größeren, der Träger ist von Lust und Schmerz und der Empfindungen, die im täglichen Leben an uns herankommen. Nur der Mensch und die Tiere haben ihn, ein jeder für sich, die Pflanzen nicht. Er besteht aus einer besonderen Substanz, die «astralisch» genannt. Durch unser physisches Auge nehmen wir das physische Licht wahr, aber der Hellseher nimmt durch sein geistiges Auge ein anderes Licht wahr, wovon das erste nur die physische Hülle ist. Dieses zweite Licht ist das geistige oder astralische Licht, aus dem der Astralleib gewoben ist. Dieser Leib gleicht einer eiförmigen Wolke im Gegensatz zum Ätherleib, der genau der Form des physischen Körpers ähnlich ist. Das Johannes-Evangelium sagt: Und das Leben ward das Licht des Menschen. Aus diesem Lichte ist eben der Astralleib geformt. Jetzt kommt das vierte Glied, das ausschließlich dem Menschen eigen ist und ihn zum höchsten aller Geschöpfe macht. Jedes Ding hat seinen eigenen Namen, der es von den anderen Dingen unterscheidet; wir können es mit seinem Namen nennen, weil es verschieden von uns ist. Aber das «Ich» ist einzig und in allen Menschen gleich. Daher sind wir in Wirklichkeit ein einziges «Ich», und der Unterschied zwischen «Ich» und «Du ist in allen Fällen möglich, nur nicht in diesem. In diesem übersinnlichen Teil des Menschen kündigt sich das Göttliche an. Das macht aber nicht den Menschen zum Gotte. Der Mensch ist nur, wie ein Tropfen zum Meere ist; der Tropfen ist von derselben Substanz wie das Meer, ist aber darum nicht das Meer.
[ 5 ] The third part is the astral body. In reality, a human being does not occupy only as much space in the universe as is needed for his physical body. Beyond this, he has a larger body that is the vessel of pleasure and pain and of the sensations that come to us in daily life. Only humans and animals possess it—each for themselves—while plants do not. It consists of a special substance called “astral.” Through our physical eyes we perceive physical light, but the clairvoyant perceives another light through his spiritual eye, of which the former is merely the physical shell. This second light is the spiritual or astral light from which the astral body is woven. This body resembles an egg-shaped cloud, in contrast to the etheric body, which closely resembles the form of the physical body. The Gospel of John says: “And life became the light of mankind.” It is precisely from this light that the astral body is formed. Now comes the fourth member, which is unique to human beings and makes them the highest of all creatures. Every thing has its own name, which distinguishes it from other things; we can call it by its name because it is distinct from us. But the “I” is unique and the same in all human beings. Therefore, we are in reality a single “I,” and the distinction between “I” and “you” is possible in all cases except this one. In this supersensible part of the human being, the divine makes itself known. But this does not make the human being a god. Human beings are merely as a drop is to the sea; the drop is of the same substance as the sea, but is not therefore the sea.
[ 6 ] Es war das Ich, das durch Moses sprach: «Ejeh asher ejeh» - «Ich bin der Ich-bin». Dasselbe Ich war es, was die Priester «Jahve-Ichbin» nannten, die Verkündigung Gottes durch das innerste Wesen des Menschen. Der Hellseher kann beobachten, wie das Ich sich in die ganze Welt ausbreitet, in die nicht selbstbewussten Menschen — wie der primitive Mensch der lemurischen Zeit war -, das heißt in die Finsternis. Darum steht im Johannes-Evangelium: Das Licht schien in die Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht verstanden. Allmählich nur, als das Ich hinuntersteigt, wird die Finsternis — das heißt jeder einzelne Mensch - es verstehen. Dieses Verstehen des Lichtes fällt zusammen mit den Visionen der Diszipel in der Schule des Dionysius Areopagita.
[ 6 ] It was the “I” that spoke through Moses: “Ejeh asher ejeh”—“I am who I am.” It was this same “I” that the priests called “Yahweh-I-am,” the manifestation of God through the innermost being of the human being. The clairvoyant can observe how the I spreads out into the whole world, into people who lack self-awareness—as primitive humans were in the Lemurian era—that is, into darkness. That is why the Gospel of John says: The light shone into the darkness, but the darkness did not comprehend it. Only gradually, as the “I” descends, will the darkness—that is, every single human being—understand it. This understanding of the light coincides with the visions of the disciples in the school of Dionysius the Areopagite.
[ 7 ] Jetzt kommen wir zu einer ganz gewöhnlichen Tatsache unseres Lebens, die sehr wichtig ist, und doch unbeachtet gelassen wird, nämlich Wachen und Schlafen. Im Wachzustande zeigt der Mensch dem hellsehenden Auge alle seine Körper, das Ich inbegriffen, das wie ein Stern seine Strahlen aussendet. Im Schlafzustand aber ändern sich die Verhältnisse. Während der physische und der Lebensleib auf dem Bette liegen, entfernen sich der Astralleib und das Ich. Es tritt die sogenannte Bewusstlosigkeit ein, Freude und Schmerz finden nicht mehr statt. Morgens tauchen Ich und Astralleib wieder in ihr physisches Werkzeug unter.
[ 7 ] Now we come to a very ordinary fact of our lives that is extremely important, yet often overlooked: waking and sleeping. In the waking state, a person reveals all of their bodies to the clairvoyant eye, including the “I,” which radiates its light like a star. In the state of sleep, however, the circumstances change. While the physical body and the life body lie on the bed, the astral body and the “I” depart. The so-called unconsciousness sets in; joy and pain no longer occur. In the morning, the “I” and the astral body re-enter their physical vessel.
[ 8 ] Da jeder Körper nichts anderes ist als ein Mittel zur Wahrnehmung in Bezug auf die Sinnesorgane, kann der Mensch ebenso viele Welten — Welten-Offenbarungen — wahrnehmen, als er Sinne hat. Der Hellseher aber lebt in mehreren Welten, weil er die betreffenden Organe dazu entwickelt hat. Für ihn wird die geistige Welt dann eine Wirklichkeit.
[ 8 ] Since every body is nothing more than a means of perception in relation to the sense organs, a person can perceive as many worlds—world revelations—as he has senses. The clairvoyant, however, lives in multiple worlds because he has developed the relevant faculties for this purpose. For him, the spiritual world then becomes a reality.
[ 9 ] Zwischen Leben und Tod gibt es dasselbe Verhältnis wie zwischen Wachen und Schlafen, aber in gesteigertem Maße. Wir wollen später noch ausführlicher sprechen über das Leben und den Tod. Heute wollen wir aber genauer betrachten, was sich beim Tode vollzieht. Während des Lebens bleiben in normalen Verhältnissen der physische und der Lebensleib stets zusammen. Im Tode aber bleibt der physische Leib allein zurück, der Lebensleib, der Astralleib und das Ich ziehen hinaus, und der physische Leichnam löst sich in seine Elemente auf.
[ 9 ] The relationship between life and death is the same as that between waking and sleeping, but to a greater degree. We will speak in more detail about life and death later. Today, however, we want to take a closer look at what happens at the moment of death. Under normal circumstances, the physical body and the life body remain together throughout life. At death, however, the physical body remains behind alone; the life body, the astral body, and the “I” withdraw, and the physical corpse dissolves into its elements.
[ 10 ] Die erste Empfindung, die der Tote hat, ist das Gefühl, sich auszudehnen, mehr und mehr, und in seine Umgebung hineinzudringen. Es ist das ein Gefühl der größten Seligkeit, sich so vereinigt zu fühlen mit dem, von dem man vorher geschieden war. Der Hellseher kann es schon während des Lebens durchmachen. Man könnte dieses Gefühl vergleichen mit einem Sich-Auflösen im astralischen Lichte, wie der Schnee von der Sonne [aufgelöst wird]. In den Mysterien nannte man es: sich verwandeln in Dionysius. Der Tote hat jetzt vor sich sein eigenes Leben wie in einem Panorama, weil der Lebensleib, der Träger des Gedächtnisses, jetzt befreit ist vom physischen Leib, der ihn auf der Erde verdunkelte und nur mangelhafte Wahrnehmungen zuließ. Dieses Panorama bildet ein einziges Bild, das der Tote ganz objektiv und gleichgültig anschaut. Es dauert je nach der Individualität ungefähr ebenso lange, als er sich im Leben wach halten konnte. Sechsunddreißig bis achtundvierzig Stunden lang schleppt der Tote noch seinen Ätherleib mit sich, und kann sich deswegen leicht unseren physischen [...] Wahrnehmungsorganen zeigen. Dann wirft der Mensch seinen zweiten Leichnam ab; der brauchbare Teil des Lebensleibes wird von den höheren Gliedern aufgenommen, während der Rest abfällt wie Schlacken. Diese Tatsache erklärt den in der Bibel häufig vorkommenden Ausdruck: Es fiel ihm wie Schuppen von den Augen. Der Mensch nimmt etwas mit sich wie einen Extrakt seines Panoramas, worin alle seine Erfahrungen kondensiert sind. Das nimmt er mit in eine höhere Welt; diese Welt kann auch der Hellseher erreichen.
[ 10 ] The first sensation the deceased experiences is the feeling of expanding, more and more, and permeating their surroundings. It is a feeling of the greatest bliss to feel so united with that from which one was previously separated. The clairvoyant can experience this even during their lifetime. One could compare this feeling to dissolving into astral light, just as snow [melts] in the sun. In the Mysteries, this was called “transforming into Dionysus.” The deceased now has his own life spread out before him like a panorama, because the life body—the bearer of memory—is now freed from the physical body, which obscured it on Earth and allowed only imperfect perceptions. This panorama forms a single image, which the deceased views entirely objectively and impartially. Depending on the individual, this lasts approximately as long as he was able to remain awake during his life. For thirty-six to forty-eight hours, the deceased still carries his etheric body with him and can therefore easily reveal himself to our physical [...] organs of perception. Then the person sheds his second corpse; the usable part of the life body is absorbed by the higher bodies, while the rest falls away like dross. This fact explains the expression that frequently appears in the Bible: “It was as if scales had fallen from his eyes.” The person takes something with them like an extract of their life’s panorama, in which all their experiences are condensed. They take this with them into a higher world; this world can also be reached by the clairvoyant.
