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Introduction to the Basics of Theosophy
GA 111

31 March 1909, Rome

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32. Einführung in die Theosophie VII

32. Introduction to Theosophy VII

[ 1 ] Langsam und allmählich wird sich dasjenige entwickeln, was im Keime auf Golgatha sich vollzog. Mit diesem Mysterium wurde die Brücke geschlagen von der Vergangenheit zur Zukunft hin: Das Seelenleben der Menschheit wurde ganz umgewandelt. Dieses kommt besonders deutlich zum Ausdruck in zwei großen Geistern, die den Weg für das Christentum vorbereiteten: Augustinus und Thomas von Aquino. Um sie richtig zu verstehen, ist es notwendig, einen Blick auf das alte Mysterienwesen zu werfen, wo das Höchste, das an Wissen erreicht werden konnte, gelehrt wurde. Ohne diesen Blick ist es unmöglich, gründlich solche eigenartigen Persönlichkeiten zu verstehen. Wie wir wissen, gab es bei allen Völkern sogenannte Mysterien. Hier werden wir nur ihre Grundzüge besprechen. Die Mysterien waren Einrichtungen, die sowohl Kirche wie Schule in sich einschlossen. Was dort zuerst erteilt wurde, war die Lehre von dem Ursprung der Schöpfung und seiner Fortsetzung, aber keine öde Lehre wie die moderne Schöpfungslehre, sondern eine Erkenntnis, die bis an das hellsichtige Erschauen geführt wurde. In den wahren Mysterien gab es keine Trennung zwischen Glauben und Erkenntnis. Sie teilten sich in höhere und niedere Mysterien. In den Letzteren wurde in großartigen Bildern die Evolution der Erde beschrieben, sodass alles von Kunst und Schönheit getränkt und durchdrungen war. Kunst, Religion und Erkenntnis wurden alle aus derselben Quelle geschöpft.

[ 1 ] Slowly and gradually, what took place in embryonic form on Golgotha will unfold. This Mystery built a bridge from the past to the future: the spiritual life of humanity was completely transformed. This is expressed particularly clearly in two great thinkers who prepared the way for Christianity: Augustine and Thomas Aquinas. To understand them properly, it is necessary to take a look at the ancient mystery traditions, where the highest knowledge attainable was taught. Without this perspective, it is impossible to thoroughly understand such unique personalities. As we know, all peoples had what were called mysteries. Here we will discuss only their basic features. The mysteries were institutions that encompassed both church and school. What was first imparted there was the teaching about the origin of creation and its continuation—but not a dry doctrine like the modern theory of creation, rather a knowledge that led all the way to clairvoyant perception. In the true Mysteries, there was no separation between faith and knowledge. They were divided into higher and lower Mysteries. In the latter, the evolution of the Earth was described in magnificent imagery, so that everything was steeped in and permeated by art and beauty. Art, religion, and knowledge were all drawn from the same source.

[ 2 ] Derjenige, der noch höher kommen wollte, bekam elementare und allgemeine Übungen. Was wir heute theosophisches Wissen nennen, war damals nur die Vorbereitung. Daran wurden Übungen geknüpft wie diejenigen, die wir in den vorigen Vorträgen beschrieben haben, obwohl in anderer Art, nicht christlich oder rosenkreuzerisch. Lange Jahre hindurch wurde auf diese Weise der Astralleib organisiert. Dann geschah Folgendes, was aber heute wegen der geänderten Verhältnisse nicht mehr notwendig ist: Als der Hierophant sah, dass der Astralleib genügend reif geworden war, wurde der Einzuweihende dreieinhalb Tage lang in einen todähnlichen Zustand gebracht wie der Leib des Lazarus. Bei dieser Gelegenheit wurde auch sein Ätherleib fast ganz aus dem physischen Leib zusammen mit den anderen höheren Leibern entfernt. In diesen dreieinhalb Tagen hatte der Diszipel die Vision der geistigen Welt. Er wurde erleuchtet, konnte bis in die höchsten Regionen gelangen und alles schauen, was sich auf Vergangenheit und Zukunft bezieht. Waren die dreieinhalb Tage vorüber, dann wurde der Diszipel aufgeweckt, und dann konnte er erzählen, was in den Höhen geschieht. Er hatte schauen können, wie der führende Geist unserer Evolution, der Christus, einmal ebenfalls demselben Prozess unterliegen und dreieinhalb Tage lang im Grabe liegen würde. Durch diese Tatsache wurden die Mysterien eine geschichtliche Wirklichkeit. Das Mysterium von Golgatha war der Höhepunkt desjenigen, was in den niederen Mysterien stattfand. In ihm wurde zu wirklicher Tatsache dasjenige, was vorher nur eine Ahnung war. Mit den Übungen der Imagination und so weiter hatte das Ich des Schülers seinen Astralleib umgewandelt; durch das Mysterium von Golgatha aber wurde auch sein Ätherleib umgewandelt. So viel, als von dem Astralleib umgewandelt war, wurde zum Manas, Geistselbst - der eigentliche Geist -, das höhere Ich. So viel, als vom Ätherleib umgewandelt wird, bildet das Budhi, Lebensgeist. Danach versucht der Schüler, auch seinen physischen Leib umzuwandeln, wodurch Atma entsteht - Atma = Atmung -, weil in Wirklichkeit die Umwandlung des physischen Leibes durch besondere Atmungsübungen geschieht. Nur durch die Entstehung von Budhi kann der Mensch den Christus als geistige Wesenheit erkennen und schauen.

[ 2 ] Those who wished to advance even further were given elementary and general exercises. What we today call theosophical knowledge was, at that time, merely a preparation. This was accompanied by exercises such as those we have described in previous lectures, although of a different nature—neither Christian nor Rosicrucian. For many years, the astral body was organized in this way. Then the following occurred, though it is no longer necessary today due to changed circumstances: When the hierophant saw that the astral body had matured sufficiently, the initiate was placed in a death-like state for three and a half days, like the body of Lazarus. On this occasion, his etheric body was also almost completely separated from the physical body, along with the other higher bodies. During these three and a half days, the disciple had visions of the spiritual world. He was enlightened, was able to ascend to the highest regions, and could see everything pertaining to the past and the future. Once the three and a half days were over, the disciple was awakened, and he was then able to recount what happens in the higher realms. He had been able to see how the guiding Spirit of our evolution, the Christ, would one day likewise undergo the same process and lie in the tomb for three and a half days. Through this fact, the Mysteries became a historical reality. The Mystery of Golgotha was the culmination of what took place in the lower mysteries. In it, what had previously been only a hunch became a real fact. Through the exercises of imagination and so on, the student’s “I” had transformed his astral body; but through the Mystery of Golgotha, his etheric body was also transformed. The portion of the astral body that had been transformed became the Manas, the spiritual self—the actual spirit—the higher “I.” The portion of the etheric body that is transformed forms the Budhi, the life spirit. Afterward, the student attempts to transform his physical body as well, through which Atma arises—Atma = breath—because, in reality, the transformation of the physical body occurs through special breathing exercises. Only through the emergence of Budhi can a human being recognize and behold the Christ as a spiritual being.

[ 3 ] Warum musste der Astralleib erst entfernt werden? Weil er, wenn er mit dem physischen Leibe verbunden geblieben wäre, nicht die Kraft gehabt hätte, Eindrücke in den Ätherleib einzuprägen. Der Christus aber hat uns von dieser Probe der dreieinhalb Tage befreit, und durch ihn sind auch die oben genannten Übungen möglich geworden ohne die Hineinmischung des Hierophanten. Das erste Beispiel davon haben wir in Saulus, als er Paulus wurde. In dem, was mit ihm auf dem Wege nach Damaskus geschah, müssen wir etwas Ähnliches wie die Einweihung sehen. Die wenigen Augenblicke genügten bei ihm, weil er im vorhergehenden Leben die Reife erlangt hatte. Die Verbindungspunkte mit dem, was man in vorhergehenden Inkarnationen gelernt hat, können getrennt sein durch Zwischenzeiten von einigen Inkarnationen, können aber auch erst spät in einem Leben erscheinen.

[ 3 ] Why did the astral body have to be removed first? Because if it had remained connected to the physical body, it would not have had the power to imprint impressions on the etheric body. Christ, however, has freed us from this three-and-a-half-day trial, and through him the exercises mentioned above have also become possible without the intervention of the hierophant. We see the first example of this in Saul, when he became Paul. We must view what happened to him on the road to Damascus as something similar to an initiation. Those few moments were sufficient for him because he had attained maturity in his previous life. The points of connection with what one has learned in previous incarnations may be separated by intervals of several incarnations, but they may also appear only late in a single life.

[ 4 ] Dies macht es begreiflich, warum die Bekehrung von Saulus, das heißt das Sich-Verbinden mit seiner vorhergehenden Entwicklung, in einem verhältnismäßig reifen Alter stattfand. Dazu kommt, dass Paulus sich nicht bis in die höheren Welten zu erheben brauchte, um den Christus zu schauen, wie das für einen anderen Eingeweihten in der vorchristlichen Zeit notwendig gewesen wäre. Christus war fortan auf der Erde, intim verbunden mit dem Astralleib der Erde. Ein hellsehender Beobachter, der von einem andern Stern aus hätte beobachten können, hätte die große Umwandlung gesehen, die durch das Mysterium von Golgatha hervorgebracht wurde. Früher musste man alles in den Mysterien lernen und begreifen, um Erkenntnis zu erlangen. Jetzt vollziehen sich die Sachen anders, und Beweise davon sind Augustinus und Thomas von Aquino. Vor ihrer Zeit wäre es nutzlos gewesen, über die geistigen Hierarchien zu diskutieren, weil niemand, der nicht eingeweiht war, sie schauen konnte. Diese Unfähigkeit zum Schauen war der Tatsache zuzuschreiben, dass schon sechshundert Jahre vor unserer Zeitrechnung die Mysterien aufgehört hatten und die Einweihungen nicht mehr stattfanden. An Stelle der wahren Mysterien kamen die Schulen der Philosophie, und an Stelle der Einweihung wurde die Philosophie gesetzt. Diese war aber nicht immer so ein abstraktes System, wie es die heutige ist, sie war im Gegenteil - besonders im Anfang — eine mehr oder weniger vollkommene Reminiszenz an die Mysterien. Aristoteles ist der Letzte, von dem wir eine solche Philosophie haben; in ihm aber ist der Nachklang von den Mysterien schon auf das geringste Maß zurückgebracht. Nach Aristoteles kam es sogar so weit, dass ganz vergessen wurde, dass jede Philosophie auf die Weisheit der Mysterien zurückzuführen ist. Später haben wir nur noch eine Einfiltrierung von abstrakten Begriffen, so etwas wie ein Strohdach. Der erste Schritt vorwärts wird durch das Mysterium von Golgatha gekennzeichnet. Bis dahin waren die menschlichen Fähigkeiten wenig entwickelt, zum Beispiel die Vernunft. Der Mensch konnte keine Fortschritte machen, weil sein Verstand an die Sinnesorgane gebunden war. Es sollte die Zeit kommen, in der sein Verstand sich unabhängig entwickeln konnte. Denn mit dem bloßen Verstand hätte man nicht begreifen können, was sich auf Golgatha vollzog. Als aber der Christus die sinnliche Welt verließ, entstanden unzählige Wiederholungen von seinem Äther- und Astralleibe, die dazu bestimmt waren, hineinverwoben zu werden in die Leiber derjenigen, die geeignet waren, das Christentum zu verbreiten. Einer von diesen war Augustinus, der, als er beim Hinuntersteigen zum physischen Dasein, um sich wiederum zu verkörpern, sich einen neuen Ätherleib bilden wollte, eben in seinen Ätherleib eine von diesen Wiederholungen des Ätherleibes des Christus hineinverwoben bekam. So kam er dazu, in sich selbst die Quellen von seiner Lehre über die wahre Form der christlichen Mystik zu finden. Aber weil er nur den Ätherleib des Christus in sich hatte, war sein Ich dem Irrtum unterworfen, und er konnte ein Spielball der Leidenschaften werden. So entwickelte Augustinus sein Ich, verfiel aber auch in Irrtümer und machte alle Stadien des Zweifels in Bezug auf die Lehre Christi durch. Es war bei ihm wie ein höherer Materialismus; denn auch damals bestand schon der Fehler, alles vermaterialisieren zu wollen. Nur derjenige, der sich davon befreit, versteht die Dinge des Geistes. Als dann endlich Augustinus das Christentum fand in den Worten des Johannes und des Paulus, da fing in ihm der Ätherleib des Christus zu wirken an. Er spricht nämlich nicht von dem physischen Leib, sondern von dem Ätherleib, der dasselbe ist wie das, was er ‹Soma› nennt. Er spricht von dem Astralleib als der ‹Sin›, und von dem Ich sagt er, dass es sich in ihm erheben kann durch die Reinigung. Die Umwandlung des Astralleibes nennt er ‹das Ergreifen der Wahrheit› und die vom Ätherleib nennt er ‹das Sich-Erfreuen und Genießen der geistigen Dinge›. Und von dem höchsten Grad der Vergeistigung spricht er als von der «Vision». Die Schriften des Augustinus sind uns eine gute Vorbereitung, weil in ihnen die innere Entwicklung des Mystikers dargestellt wird. Der Augenblick, in dem er in die geistige Welt gelangt, ist deutlich zu erkennen. Augustinus ist der beste Dolmetscher der Paulusbriefe.

[ 4 ] This explains why Saul’s conversion—that is, his integration with his prior development—took place at a relatively mature age. In addition, Paul did not need to ascend into the higher worlds to behold the Christ, as would have been necessary for another initiate in pre-Christian times. From then on, the Christ was on Earth, intimately connected with the Earth’s astral body. A clairvoyant observer who could have watched from another star would have seen the great transformation brought about by the Mystery of Golgotha. In the past, one had to learn and comprehend everything within the mysteries in order to attain knowledge. Now things unfold differently, and Augustine and Thomas Aquinas are evidence of this. Before their time, it would have been futile to discuss the spiritual hierarchies, because no one who was not initiated could perceive them. This inability to perceive was due to the fact that as early as six hundred years before our era, the mysteries had ceased and initiations were no longer taking place. In place of the true Mysteries came the schools of philosophy, and philosophy was substituted for initiation. However, philosophy was not always such an abstract system as it is today; on the contrary—especially in the beginning—it was a more or less perfect reminiscence of the Mysteries. Aristotle is the last from whom we have such a philosophy; in him, however, the echo of the Mysteries has already been reduced to the bare minimum. After Aristotle, it even reached the point where it was completely forgotten that all philosophy can be traced back to the wisdom of the Mysteries. Later on, we have only an infiltration of abstract concepts—something like a thatched roof. The first step forward is marked by the Mystery of Golgotha. Until then, human faculties—such as reason—were underdeveloped. Human beings could make no progress because their intellect was bound to the sense organs. The time was to come when their intellect could develop independently. For with mere intellect alone, it would have been impossible to comprehend what took place on Golgotha. But when Christ left the physical world, countless replicas of his etheric and astral bodies came into being, destined to be woven into the bodies of those who were suited to spread Christianity. One of these was Augustine, who, as he descended into physical existence to incarnate once more and sought to form a new etheric body, had one of these replicas of the Christ’s etheric body woven into his own etheric body. Thus he came to find within himself the sources of his teaching on the true form of Christian mysticism. But because he possessed only the etheric body of Christ within himself, his “I” was subject to error, and he could become a plaything of the passions. Thus Augustine developed his “I,” but also fell into errors and went through all the stages of doubt regarding the teachings of Christ. It was like a form of higher materialism in his case; for even then the error of wanting to materialize everything already existed. Only those who free themselves from this can understand the things of the spirit. When Augustine finally found Christianity in the words of John and Paul, the etheric body of Christ began to work within him. For he speaks not of the physical body, but of the etheric body, which is the same as what he calls the “soma.” He speaks of the astral body as the “Sin,” and of the “I” he says that it can rise within him through purification. He calls the transformation of the astral body “the grasping of truth,” and that of the etheric body he calls “the delighting in and enjoying of spiritual things.” And he speaks of the highest degree of spiritualization as “Vision.” The writings of Augustine are a good preparation for us, because they depict the inner development of the mystic. The moment in which he enters the spiritual world is clearly recognizable. Augustine is the best interpreter of the Epistles of Paul.

[ 5 ] Nehmen wir jetzt den anderen großen Vertreter des Christentums: Thomas von Aquino. Vergleichen wir ihn mit Augustinus, so sehen wir, dass er nicht wie dieser in Irrtümer befangen war und dass er seit den Kinderjahren weder Zweifel noch Unglauben gekannt hatte, weil Urteil und Überzeugung ihren Sitz haben im Astralleib, und er in seinem eigenen Astralleib einverwoben bekommen hatte den des Christus. Eine Einpflanzung irgendeines Prinzips in einen Menschenleib kann nur stattfinden, wenn eine äußere Tatsache den natürlichen Lauf der Dinge ändert. Als Thomas nämlich noch ein Kind war, schlug der Blitz in seiner Nähe ein und tötete sein Schwesterchen. Dieses physische Ereignis - nur scheinbar physisch — machte ihn geeignet, in seinem Astralleib denjenigen des Christus zu empfangen.

[ 5 ] Let us now consider the other great figure of Christianity: Thomas Aquinas. If we compare him with Augustine, we see that he was not, like Augustine, ensnared by errors, and that from childhood onward he had known neither doubt nor unbelief, because judgment and conviction have their seat in the astral body, and he had had the astral body of Christ woven into his own. The implantation of any principle into a human body can only take place when an external event alters the natural course of things. For when Thomas was still a child, lightning struck nearby and killed his little sister. This physical event—only seemingly physical—made him capable of receiving the astral body of Christ into his own.

[ 6 ] Der Thomismus fällt zusammen mit der Zeit, in der der menschliche Verstand, wie wir ihn kennen, sich bildete. Der stärkste Impuls zu dieser Bildung kam vom Arabismus, der eine wirkliche intellektuelle Wissenschaft war, während dagegen die alten Weisen wussten, wodurch es kam, dass sie direkt schauen konnten. Für die Verarbeitung der neuen Philosophie war Aristoteles gut zu gebrauchen, da er schon die Verstandesarbeit der Mysterienweisheit vorgezogen hatte. Letztere verschwand dann vollkommen mit dem Arabismus, der nur eine reine Verstandesspekulation war. Sie bringt einen höchstens zum Pantheismus der Begriffe - rationalistisch; sie kommt aber nicht weiter als bis zu diesem Gedanken eines einheitlichen Ganzen. Thomas nahm die intellektuelle Wissenschaft auf, die ihm zugänglich war, ließ aber unverändert das Offenbarungswissen und bediente sich der Dialektik, um es zu begreifen. Im Neuen Testament ist alles enthalten, sodass Thomas demjenigen, was da auseinandergesetzt wird, nur die feingeschliffene Wissenschaft hinzuzufügen brauchte. Die Scholastik, die heutzutage so wenig geschätzt wird, machte diese intellektuelle Wissenschaft möglich, ebenso das Sich-wieder-bis-zum-göttlichen-Gedanken-Erheben durch eine fortschreitende Dialektik. Scholastik kommt vom griechischen ‹scole›, [bedeutet also Anmerkung], was irrtümlich übersetzt wurde in ‹scuola› = Schule. Das scholastische System ist das vollkommenste logische Gewebe. Auf diese Weise finden wir in Thomas aufs Neue gedacht die vorschöpflichen göttlichen Gedanken, frei von Irrtum und Täuschung, wie sie nur gedacht werden konnten in einer Klosterzelle, weit entfernt von dem Lärm der Welt. Der Mensch der Welt beeilt sich zu verstehen, sich schnell eine Auffassung zu eigen zu machen und alles zu vereinfachen. Aber die Gottheit ist nicht so einfach! Mit Thomas von Aquino erhebt sich der menschliche Gedanke. Er ist nicht weniger Mystiker als Scholastiker. Er konnte nämlich solche Beschreibungen geben, weil er die geistigen Hierarchien sah, so wie sie der Seher Dionysius der Areopagite uns gegeben hat, und in seinen langen nächtlichen Meditationen vor dem Altar konnte er die schwersten Probleme lösen. So finden sich in ihm vereinigt der Mystiker und ein Denker so hell wie ein Diamant und nicht von den Sinnen beeinträchtigt.

[ 6 ] Thomism coincides with the period in which the human intellect, as we know it, took shape. The strongest impetus for this development came from Arabism, which was a true intellectual science, whereas the ancient sages knew the reason why they were able to perceive directly. Aristotle was well-suited for assimilating the new philosophy, since he had already preferred the work of the intellect to the wisdom of the mysteries. The latter then disappeared completely with Arabism, which was nothing more than pure intellectual speculation. It leads one, at most, to a rationalistic pantheism of concepts—but it goes no further than this idea of a unified whole. Thomas embraced the intellectual science available to him, yet left the knowledge of revelation unchanged and employed dialectics to comprehend it. Everything is contained in the New Testament, so that Thomas need only add his refined science to what is expounded there. Scholasticism, which is so little appreciated today, made this intellectual science possible, as well as the ascent back to the divine thought through progressive dialectics. Scholasticism comes from the Greek “scole” [meaning, note], which was mistakenly translated as “scuola” = school. The scholastic system is the most perfect logical fabric. In this way, we find in Thomas, reimagined anew, the pre-creational divine thoughts—free from error and delusion—as they could only have been conceived in a monastic cell, far removed from the clamor of the world. The man of the world is in a hurry to understand, to quickly adopt a view, and to simplify everything. But the divine is not so simple! With Thomas Aquinas, human thought rises to new heights. He is no less a mystic than a scholastic. For he was able to offer such descriptions because he saw the spiritual hierarchies as the seer Dionysius the Areopagite presented them to us, and in his long nocturnal meditations before the altar, he was able to solve the most difficult problems. Thus, within him are united the mystic and a thinker as brilliant as a diamond, unclouded by the senses.

[ 7 ] Nach ihm gab es keine Vermehrung der Begriffe mehr. Sogar der Begriff der Evolution findet sich schon bei Aristoteles und vielleicht sogar besser beschrieben. Wir haben schon gesagt, wie sich im Neuen Testament alles findet. Es enthält nämlich den Keim des Mystizismus, und wir haben gesehen, wie dieser Keim gereift ist und wie unendlich viele Schätze aus den Evangelien herausgegraben worden sind. Heutzutage haben wir die Theosophie, später werden andere geistige Wellen kommen und neue Schätze in den Evangelien wiedergefunden werden. In der Offenbarung des Johannes schließt sich die Zukunft der Erde ab.

[ 7 ] According to him, there was no further expansion of these concepts. Even the concept of evolution can already be found in Aristotle—and perhaps even described more clearly there. We have already mentioned how everything can be found in the New Testament. For it contains the seed of mysticism, and we have seen how this seed has matured and how an infinite number of treasures have been unearthed from the Gospels. Today we have theosophy; later, other spiritual waves will come, and new treasures will be rediscovered in the Gospels. The Book of Revelation brings the future of the Earth to a close.

[ 8 ] Heute habe ich Ihnen zeigen wollen, wie die Freiwerdung des Intellekts die erste Stufe war des Christentums. Dies ist nur wie ein Blatt, aber an der mächtigen Pflanze des Christentums werden noch neue Blätter entstehen, eines nach dem anderen. Die Blüte wird die Gesamtschönheit der Erde sein, durch das Christentum erneuert; die Frucht wird sein die neue Welt, für die die heutige Erde die Vorbereitung ist. Christus lässt sich finden von demjenigen, der ihn sucht, wie er lehrte, wie er noch lehrt und immer lehren wird bis ans Ende.

[ 8 ] Today I wanted to show you how the liberation of the intellect was the first stage of Christianity. This is just like a single leaf, but new leaves will continue to sprout from the mighty plant of Christianity, one after another. The blossom will be the total beauty of the earth, renewed through Christianity; the fruit will be the new world, for which today’s earth is the preparation. Christ allows Himself to be found by those who seek Him, just as He taught, just as He still teaches, and just as He will always teach until the end.