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Introduction to the Basics of Theosophy
GA 111

30 March 1909, Rome

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Introduction to the Basics of Theosophy, tr. SOL
  1. Einführung in die Grundlagen der Theosophie, 1st ed.

31. Einführung in die Theosophie VI

31. Introduction to Theosophy VI

[ 1 ] Gestern haben wir den Weg der christlichen Einweihung beschrieben und haben gesehen, wie ungeheuer schwer er ist, so schwer, dass er von den ersten Stufen an eine Trennung vom täglichen Leben bedingt. Darum ist das Leben in unserer Zeit nicht vereinbar mit jenem Wege. Deswegen sahen die Okkultisten des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts die Notwendigkeit ein, die Möglichkeit herbeizuschaffen, den Weg der Einweihung zugänglicher zu machen. Schon im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert hatten sich die Begriffe der Menschheit geändert, wie das besonders deutlich wurde in der Zeit von Kopernikus und Galilei. Der Weg musste also übereinstimmen mit den neuen Anschauungsweisen, insbesondere mit der sich damals entwickelnden Naturwissenschaft. Dieser Notwendigkeit kam der rosenkreuzerische Weg entgegen. Er lässt keine einzige Frage unbeantwortet, sei es auf dem Gebiete der Religion ‚oder auf dem der Wissenschaft. Diese Einweihung offenbart uns die tiefsten Tiefen der biblischen Weisheit und macht uns stark, um allen Anforderungen des modernen Lebens gerecht zu werden. Dieser Weg wird bezeichnet nach dem Namen des Stifters der rosenkreuzerischen Schule, Christian Rosenkreutz, dessen wahrer Name aber nur den Eingeweihten bekannt ist.

[ 1 ] Yesterday we described the path of Christian initiation and saw how immensely difficult it is—so difficult that, from its very first steps, it requires a separation from everyday life. That is why life in our time is incompatible with that path. For this reason, the occultists of the thirteenth and fourteenth centuries recognized the need to create a way to make the path of initiation more accessible. As early as the sixteenth and seventeenth centuries, humanity’s concepts had changed, as became particularly evident in the time of Copernicus and Galileo. The path therefore had to align with the new ways of thinking, especially with the natural sciences that were developing at that time. The Rosicrucian path met this need. It leaves not a single question unanswered, whether in the realm of religion or that of science. This initiation reveals to us the deepest depths of biblical wisdom and strengthens us to meet all the demands of modern life. This path is named after the founder of the Rosicrucian school, Christian Rosenkreutz, whose true name, however, is known only to the initiated.

[ 2 ] Der Rosenkreuzerweg ist verschieden von dem christlichen, obwohl er dasselbe Ziel hat. Sehen wir uns einmal an, worin er besteht. Er besteht aus Taten und Handlungen im Innersten der Seele, so innerlich sogar, dass die anderen Menschen sie nicht zu bemerken brauchen und sie leicht zwischen allen gewöhnlichen Beschäftigungen des Lebens hindurch vollbracht werden können. Es sind Reinigungsübungen, die sehr viel helfen, und zwar:

[ 2 ] The Rosicrucian path differs from the Christian one, although it has the same goal. Let us take a look at what it consists of. It consists of deeds and actions in the innermost depths of the soul—so inner, in fact, that other people need not notice them, and they can easily be performed amidst all the ordinary activities of life. These are purifying exercises that are very helpful, namely:

1. Gedankenkonzentration,
2. Initiative des Handelns,
3. Gleichgewicht in Freude und in Leid,
4. Positivität im geistigen Leben,
5. Unbefangenheit des Urteils,
6. alle vorigen harmonisch zusammen ausführen.

1. Concentration of thought,
2. Initiative in action,
3. Equanimity in joy and sorrow,
4. Positivity in spiritual life,
5. Impartiality of judgment,
6. Harmoniously integrating all of the above.

[ 3 ] Hauptbedingung ist die stete Wiederholung solcher Übungen. Das Ergebnis ist die Umwandlung des Ätherleibes, der der Träger ist, in dem alle unsere Gewohnheiten, die wir eben der Wiederholung verdanken, sozusagen registriert werden. Die Pflanze zum Beispiel, die schon einen Ätherleib hat, zeigt uns dieses Wiederholungsgesetz, indem sie stets neue Blätter hervorbringt; während dort, wo der Astralleib der Pflanze ist, dieses Gesetz versagt.

[ 3 ] The main requirement is the constant repetition of such exercises. The result is the transformation of the etheric body—which serves as the vehicle—in which all our habits, which we owe precisely to repetition, are, so to speak, recorded. The plant, for example, which already has an etheric body, demonstrates this law of repetition to us by constantly producing new leaves; whereas where the plant’s astral body is located, this law fails.

[ 4 ] Auch für den Menschen zeigt sich die Notwendigkeit der Wiederholung in Bezug auf seine höhere Entwicklung. Das bloße Verstandesbegreifen genügt nicht, um den Ätherleib zu verwandeln. Darauf beruht ja die Wirkung der religiösen Übungen, bei denen die Wiederholung stets für das esoterische Leben in Betracht gezogen wird. Darum wird zum Beispiel das «Vaterunser mehrmals wiederholt; und es genügt nicht, es bloß zu verstehen.

[ 4 ] For human beings, too, the necessity of repetition is evident in relation to their higher development. Mere intellectual understanding is not enough to transform the etheric body. This is, in fact, the basis for the effect of religious practices, in which repetition is always taken into account for the esoteric life. That is why, for example, the “Lord’s Prayer” is repeated several times; and it is not enough merely to understand it.

[ 5 ] [Erste Übung:] Lassen wir uns die erste Übung beschreiben, die der Konzentration. Man wählt einen Ort und eine Zeit, in denen unser Geist am ruhigsten ist, und fängt an, über irgendeinen beliebigen Gegenstand zu denken. Nur muss der Gegenstand von uns selbst gewählt sein und womöglich ohne suggestive Eigenschaften sein, das heißt uninteressant sein, zum Beispiel eine Stecknadel. Unser Gedanke muss fest bei der Stecknadel bleiben, auch wenn alle möglichen konkreten Formen der Stecknadel in Betracht genommen werden, ebenso wie alle Begriffe, die sich auf sie beziehen. Einzig und allein soll nur das Bild der Stecknadel festgehalten werden. Diese Übung muss fünf Minuten dauern, und das Wichtigste an ihr ist nicht der Gegenstand, an den gedacht wird, sondern die Kraft, mit der gedacht wird. Der Gegenstand der Konzentration kann also jeden Tag ein anderer sein, kann sogar mehrmals an einem Tag gewechselt werden.

[ 5 ] [First Exercise:] Let us describe the first exercise, which is concentration. We choose a place and a time when our mind is at its calmest and begin to think about any random object. However, the object must be chosen by us and, if possible, lack any suggestive qualities—that is, it should be uninteresting, such as a pin. Our thoughts must remain firmly fixed on the pin, even as we consider all possible concrete forms of the pin, as well as all concepts related to it. The image of the pin alone should be held firmly in mind. This exercise must last five minutes, and the most important aspect of it is not the object being thought of, but the intensity with which it is thought of. The object of concentration can therefore be different every day; it can even be changed several times a day.

[ 6 ] Zweite Übung: Initiative des Handelns. Man nimmt sich vor, irgendeine Handlung zu einer bestimmten Zeit des Tages zu vollbringen; je unbedeutender, je besser, wenn man sicher ist, nicht gestört zu werden. Man sagt sich zum Beispiel: Morgen um diese Zeit wirst du in jene Ecke einen Stuhl hinstellen, und nichts wird dich abhalten, es zu tun. Die Wiederholung solcher kleinen Handlungen entwickelt in kurzer Zeit einen starken Willen.

[ 6 ] Second Exercise: Taking the Initiative to Act. You resolve to perform some action at a specific time of day; the more trivial the action, the better, provided you are certain you will not be interrupted. For example, you tell yourself: Tomorrow at this time, you will place a chair in that corner, and nothing will stop you from doing so. Repeating such small actions develops a strong will in a short time.

[ 7 ] Dritte Übung: Gleichgewicht - Unbefangenheit. Der esoterische Schüler muss Lust und Leid beherrschen können, das unwillkürliche automatische Lachen und Weinen unterdrücken, ebenso wenig himmelhoch-jauchzend als zu Tode betrübt sein. Das macht einen selbstverständlich nicht gefühllos. Im Gegenteil, der Schüler muss immer empfindlicher werden und immer mehr alle Stufen von Leid und Freude begreifen, aber in allem muss er stets Herr seiner selbst bleiben.

[ 7 ] Third Exercise: Balance—Impartiality. The esoteric student must be able to control pleasure and suffering, suppress involuntary, automatic laughter and crying, and avoid being either elated to the heavens or deeply sorrowful. This, of course, does not make one unfeeling. On the contrary, the student must become increasingly sensitive and come to understand all degrees of suffering and joy more and more deeply, but in all things, he must always remain in control of himself.

[ 8 ] Vierte Übung: Die Positivität der Seele, das heißt jene Beschaffenheit des Denkens und Fühlens, in allen Dingen das zu suchen, was gut, schön und nützlich ist, auch wenn es den entgegengesetzten Schein hat. Sogar in einem Wahnsinnigen wird man noch den göttlichen Funken der Vernunft finden. Die Wahrheit in einer Welt des Irrtums suchen heißt nicht, kritiklos zu werden, sondern eben die Kritik so weit zu führen, dass man herausfindet, was den andern Menschen zumeist entgeht. In einer persischen Legende haben wir ein Beispiel einer solchen Positivität, wie sie der Christus verstand. Als er mit seinen Jüngern auf dem Wege war, sahen sie den Kadaver eines Hundes in vorgerückter Verwesung. Die Apostel wandten sich mit Abscheu ab, während sie untereinander über den abscheulichen Anblick redeten. Christus dagegen blieb vor dem Kadaver stehen und machte seine Jünger darauf aufmerksam, welch schöne Zähne dieser Hund hatte.

[ 8 ] Fourth Exercise: The positivity of the soul—that is, the disposition of thought and feeling to seek in all things what is good, beautiful, and useful, even when it appears to be the opposite. Even in a madman, one will still find the divine spark of reason. Seeking the truth in a world of error does not mean becoming uncritical, but rather taking criticism so far that one discovers what most people overlook. In a Persian legend, we find an example of such positivity as Christ understood it. As he was walking with his disciples, they saw the carcass of a dog in an advanced state of decomposition. The apostles turned away in disgust, while they talked among themselves about the repulsive sight. Christ, on the other hand, stopped in front of the carcass and pointed out to his disciples what beautiful teeth this dog had.

[ 9 ] Fünfte Übung: Unbefangenheit des Urteils. Hierunter versteht man das Aufgeben des Absoluten in der persönlichen Meinung, und zu jeder Zeit Bereitsein, dieselbe zu ändern, wenn eingesehen wird, dass die Änderung vernünftig ist. Wir müssen immer darauf bedacht sein, etwas Neues zu lernen, sei es von einem Kinde, sei es von einem Grashalm.

[ 9 ] Fifth Exercise: Impartiality of Judgment. This refers to letting go of the notion that one’s personal opinion is absolute, and being ready at all times to change it when one realizes that the change is reasonable. We must always be eager to learn something new, whether from a child or from a blade of grass.

[ 10 ] [Sechste Übung:] Hat man jede dieser Übungen einen Monat lang durchgesetzt, dann muss man im sechsten Monat versuchen, sie alle fünf harmonisch durchzuführen. Diese Harmonisierung übrigens muss schon im zweiten Monat allmählich anfangen und stattfinden, wenn die Ausführung der zweiten Übung keineswegs die der ersten beeinträchtigen soll. Im dritten Monat soll man die ersten zwei Übungen auch machen und in dieser Weise fortführen, soweit es die täglichen Pflichten zulassen. Diese Übungen müssen auf den Astralleib wirken; so stark muss der Eindruck sein, der auf diesen gemacht wird, dass er ihn behält bis in den Schlafzustand, wenn er vom physischen Leib getrennt ist. Die Schulung des Rosenkreuzers muss ihn befähigen, denken zu können ohne äußere Anregung. Er muss in sich selbst die Anregung zum Denken schöpfen können, sodass der Gedanke immer mehr von seinem Willen abhängt und nicht einfach von den Verhältnissen hervorgebracht wird. Diese Übungen machen uns allmählich fähig, unsere Aufmerksamkeit auf die Tatsachen der übersinnlichen Welt zu lenken, deren Erkenntnis eben die Hauptsache der okkulten Lehren ausmacht. Viele bedauern es, dass die Theosophie immer von Welten redet, die den gewöhnlichen Wahrnehmungsfähigkeiten nicht zugänglich sind, während die Wissenschaft dagegen alles beweist, was sie lehrt. Die elementare Theosophie hat jedoch stets diesen transzendentalen Charakter in allen okkulten Schulen gehabt.

[ 10 ] [Sixth Exercise:] Once each of these exercises has been practiced consistently for one month, one must attempt in the sixth month to perform all five of them in harmony. This harmonization, incidentally, must begin gradually as early as the second month, so that the performance of the second exercise in no way interferes with that of the first. In the third month, one should also perform the first two exercises and continue in this manner as far as daily duties permit. These exercises must act upon the astral body; the impression made upon it must be so strong that it persists even into the state of sleep, when it is separated from the physical body. The training of the Rosicrucian must enable him to think without external stimulation. He must be able to draw the impulse to think from within himself, so that thought depends more and more on his will and is not simply produced by external circumstances. These exercises gradually enable us to direct our attention to the realities of the supersensible world, the knowledge of which constitutes the very essence of the occult teachings. Many regret that Theosophy always speaks of worlds that are inaccessible to ordinary powers of perception, whereas science, on the other hand, proves everything it teaches. Elementary Theosophy, however, has always had this transcendental character in all occult schools.

[ 11 ] Wer die Theorie verstanden hat und sie am Leben prüft, wird sehen, wie alles zusammen übereinstimmt. Übrigens gibt es ein noch höheres Stadium, das in meiner «Philosophie der Freiheit» beschrieben wird. Ich bitte um Entschuldigung, dass ich mich selbst zitiere. Aber dieses Buch enthält eine Reihenfolge von Gedanken, von denen jeder folgende aus dem vorangehenden hervorgeht in solcher Weise, dass man weder den einen an die Stelle des andern setzen noch einen daraus entfernen könnte.

[ 11 ] Anyone who has understood the theory and puts it to the test in real life will see how everything fits together. Incidentally, there is an even higher stage, which is described in my Philosophy of Freedom. I apologize for quoting myself. But this book contains a sequence of thoughts, each of which follows from the preceding one in such a way that one could neither substitute one for another nor remove any of them.

[ 12 ] Die zweite Stufe besteht darin, dass man die sogenannte «Imaginatiom erreicht durch eine ganz besondere Versenkung in sich selbst. Man stellt sich Bilder vor das geistige Auge, denen man seine ganze Aufmerksamkeit widmet, wodurch dann die Imagination oder das imaginative Bewusstsein erweckt wird. Wieder findet an diesem Punkte ein Gespräch zwischen dem Meister und seinem Schüler statt. Der Meister spricht: Sieh, wie die Pflanze ihre Wurzel in der Erde hat, wie sie Blätter und Blüten entfaltet; fühle, wie sie wächst und wie sie in sich ihre Säfte hat, und schaue dann den Menschen an und lerne den Unterschied verstehen. Die Pflanze ist unbewusst; im Menschen aber wird alles zurückgespiegelt als Lust und Leid in verschiedenen Graden. Im Menschen fließt das rote Blut als Träger der Leidenschaften und der Triebe, während in der Pflanze der keusche grüne Saft sich bewegt, das leidenschaftslose Chlorophyll. Erlebe dies! Dann schaue auf das wirkliche Ideal der Zukunft, wenn der Mensch sich selbst umgearbeitet haben wird und sein Blut so rein und keusch wie der Saft der Pflanze geworden sein wird. Als Symbol dieser Umwandlung kann uns die Rose dienen, in der dasjenige, was unten grün ist, oben sich in Rot verwandelt, ohne die Reinheit und Keuschheit einzubüßen. Fühle diese Entwicklung nach stets höheren Stufen! Fühle weiter, was gemeint ist mit den Worten: «Stirb und Werde»! Alle Leidenschaften müssen überwunden werden, und das rote Blut muss wiederum rein werden. Das siehst du alles in dem Symbolum der Rosenkreuzer: im schwarzen Kreuz den Tod und in den sieben Rosen die Zeichen des höheren Werdens.

[ 12 ] The second stage consists of attaining what is known as “imagination” through a very special form of self-contemplation. One visualizes images in one’s mind’s eye, devoting one’s full attention to them, thereby awakening the imagination or imaginative consciousness. Once again, a conversation takes place between the master and his student at this point. The Master says: See how the plant has its roots in the earth, how it unfurls its leaves and blossoms; feel how it grows and how it holds its sap within itself, and then look at the human being and learn to understand the difference. The plant is unconscious; but in the human being, everything is reflected back as pleasure and suffering in varying degrees. In human beings, red blood flows as the carrier of passions and instincts, whereas in the plant, the chaste green sap moves—the passionless chlorophyll. Experience this! Then look toward the true ideal of the future, when human beings will have transformed themselves and their blood will have become as pure and chaste as the sap of the plant. The rose can serve as a symbol of this transformation, in which that which is green at the bottom transforms into red at the top without losing its purity and chastity. Feel this development toward ever higher stages! Feel further what is meant by the words: “Die and Become”! All passions must be overcome, and the red blood must once again become pure. You see all this in the symbol of the Rosicrucians: in the black cross, death; and in the seven roses, the signs of higher becoming.

[ 13 ] In Jesus war eben das Blut wiederum so rein geworden, dass nach einer Legende, als das Blut aus den fünf Wunden floss, Bienen sich auf die Wunde an der Seite setzten und das Blut aufsogen, denn dieses war so rein geworden, dass Honig daraus gemacht werden konnte wie aus dem reinen Blute der Pflanze. Die Hauptsache ist, sich imaginativ ganz tief in das sich vorgestellte Bild zu versenken, nicht bloß sich ein Bild vorzustellen. Dasselbe gilt für alle Symbole, zum Beispiel für den Schlüssel Salomos: oben ein weißer fliegender Drache, unten ein schwarzer, der stirbt.

[ 13 ] In Jesus, the blood had become so pure that, according to one legend, when blood flowed from the five wounds, bees alighted on the wound in his side and sucked up the blood, for it had become so pure that honey could be made from it, just as from the pure sap of a plant. The main thing is to immerse oneself imaginatively and deeply in the image one has conjured up, not merely to picture it. The same applies to all symbols, for example, the Key of Solomon: a white flying dragon at the top, a black one at the bottom, which is dying.

Diagram 1
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[ 14 ] Durch gewissenhaftes Üben kommt man dazu, morgens aufzuwachen mit dem Bewusstsein, dass man die Nacht in einer Welt der Symbole verbracht hat. Es ist wie ein Auftauchen aus den Tiefen des Meeres in das Licht, und die Finsternis erhellt sich.

[ 14 ] Through diligent practice, one comes to wake up in the morning with the awareness that one has spent the night in a world of symbols. It is like emerging from the depths of the sea into the light, and the darkness is illuminated.

[ 15 ] Dann kommt die dritte Stufe, das «Lesen der okkulten Schrifv. Die Bilder stellen sich vor die Imagination, und es ist nicht mehr möglich, an Täuschung zu denken. Diese Bilder sind die Sprache der höheren Wesenheiten: Engel, Erzengel, Seraphim, Thronoi und so weiter. So erleben wir die Welt der geistigen Wesenheiten. Von dem wirklichen Bilde lernen wir die Imagination unterscheiden durch die Wirkung, die sie auf uns ausübt. Zum Beispiel wird das Bild eines glühenden Eisens uns nie brennen wie das glühende Eisen selbst; und wenn auch das Bild einer Limonade uns das Wasser in den Mund kommen lässt, so wird es doch niemals unseren Durst löschen. Durch die Imaginationsübungen also lernen wir, die okkulte Schrift zu lesen, und das ist ein bedeutungsvoller Fortschritt.

[ 15 ] Then comes the third stage: “reading the occult scriptures.” The images present themselves to the imagination, and it is no longer possible to think of them as illusions. These images are the language of the higher beings: angels, archangels, seraphim, thrones, and so on. This is how we experience the world of spiritual beings. We learn to distinguish the real image from the imagination by the effect it has on us. For example, the image of a red-hot iron will never burn us as the red-hot iron itself does; and even if the image of a lemonade makes our mouths water, it will never quench our thirst. Through the exercises of imagination, then, we learn to read the occult script, and that is a significant step forward.

[ 16 ] Dann kommt die vierte Stufe: Die «Zubereitung des Steins der Weisen». Diese Bezeichnung könnte einen zum Lachen bringen, wenn man an die mannigfaltigen alten Vorschriften denkt, die sich darauf beziehen; wir aber wissen, um was es sich handelt. Betrachten wir noch einmal die Pflanze. Der Mensch atmet Sauerstoff ein, sammelt sich Kohlenstoff und atmet Kohlensäure aus. Die Pflanze dagegen atmet Kohlensäure ein, behält den Kohlenstoff und befreit den Sauerstoff, wodurch der Mensch die Luft wieder gebrauchen kann. Der Atmungsprozess der Pflanze, obwohl er, wie er in der Wissenschaft beschrieben wird, als wenig bedeutend betrachtet wird, hat dennoch im Okkultismus eine große Bedeutung. Weil alles in der Welt nach einem Gesetz der Harmonie bestimmt und geordnet ist, schreibt der Meister dem Schüler eine rhythmische Atmungsart vor, die wir nur andeutend behandeln können, weil sie zu dem Gebiete der esoterischen Lehre gehört. Der Atmungsprozess wird so geordnet, dass der Mensch den Kohlenstoff verarbeitet, wie die Pflanze es tut, sodass wir hier in Wirklichkeit die Reinigung und die Umwandlung des Blutes haben, das dadurch verpflanzlicht wird. Der Kohlenstoff ist eben der Stein der Weisen. Und hier haben wir seine Zubereitungsweise in großen Zügen: Der Mensch ist die Retorte, er lernt Pflanze zu werden im höheren Sinne. Aber nur derjenige lernt es, der in diesem höheren Sinne es verstehen kann, und nicht derjenige, der darin nur eine neue Quelle für materiellen Nutzen suchen würde.

[ 16 ] Then comes the fourth stage: the “preparation of the Philosopher’s Stone.” This term might make one laugh when one thinks of the myriad ancient instructions that refer to it; but we know what it is all about. Let us consider the plant once more. Humans inhale oxygen, take in carbon, and exhale carbon dioxide. The plant, on the other hand, inhales carbon dioxide, retains the carbon, and releases oxygen, thereby making the air usable again for humans. The plant’s respiratory process, although considered insignificant as described by science, nevertheless holds great significance in occultism. Because everything in the world is governed and ordered by a law of harmony, the Master prescribes a rhythmic breathing method for the student, which we can only touch upon here, as it belongs to the realm of esoteric teaching. The breathing process is organized in such a way that the human being processes carbon as the plant does, so that what we have here is, in reality, the purification and transformation of the blood, which is thereby made more plant-like. Carbon is, in fact, the Philosopher’s Stone. And here we have a broad outline of its preparation: the human being is the retort; he learns to become a plant in the higher sense. But only those who can understand this in the higher sense will learn it, and not those who would seek in it merely a new source of material gain.

[ 17 ] Kommen wir jetzt zur fünften Stufe. Der Meister sagt zum Schüler: Lerne den «Zusammenhang zwischen dem Mikrokosmos und dem Makrokosmos! Im Menschen ist alles enthalten, was ihn in der äußeren Welt umgibt. Wir nennen zum Beispiel den Zusammenhang zwischen dem Auge und der Sonne. Man abstrahiere von allem Äußeren und konzentriere sich einzig und allein auf einen Punkt des Auges oder des Herzens, dann versteht man die Wirkung der Sonne im Kosmos, weil die Sonnensubstanz sich eben im Auge und im Herzen befindet. So lernt der Schüler, dass ihm die Sonne Auge und Herz schenkte, wie er vom Monde verschiedene Teile des Gehirns hat. Allmählich dringt der Schüler auf diese Weise in seine Umgebung hinein.

[ 17 ] Let us now turn to the fifth stage. The Master says to the disciple: “Learn the ‘connection between the microcosm and the macrocosm!’ Everything that surrounds a person in the outer world is contained within them. For example, let us consider the connection between the eye and the sun. If one abstracts from all external things and concentrates solely on a single point in the eye or the heart, one will understand the sun’s effect in the cosmos, because the substance of the sun is found precisely in the eye and in the heart. In this way, the student learns that the sun has given him the eye and the heart, just as the moon has given him various parts of the brain. Gradually, in this way, the student penetrates into his surroundings.

[ 18 ] Jetzt kommen wir an die sechste Stufe: Der Schüler denkt nicht mehr, sagen wir, an das Herz, sondern an die Kräfte, die es ihm gaben, und so macht er es mit allen Dingen. So dringt man ein in die Seele der Dinge und erlebt ihr eigenartiges Leben. Man würde zum Beispiel glauben, dass, wenn man von einer Pflanze ein Blatt abreißt, sie Schmerz empfinden müsse wie ein Leib, dem man einen Finger abreißt. Aber nein, dem ist nicht so. Die Pflanze genießt es, wenn man sie pflückt oder verbrennt oder wenn sie mit der Sense abgeschnitten wird. Nichts ist schöner für das hellsichtige Auge zu schauen wie die Zeit der Ernte, wenn Pflanzen und Blumen den Schnitt der Sense wollüstig genießen. Dagegen leidet die Pflanze, wenn sie mit ihren Wurzeln aus der Erde herausgezogen wird. Für den Stein wiederum ist es ein Genuss, wenn er zersplittert wird, anstatt mit anderen Steinen zusammen zu einem Bau vermauert zu werden. Für das Salz zum Beispiel ist das Aufgelöst-Werden im Wasser Genuss, Leid dagegen der Kristallisierungsprozess. In uralten Zeiten war die ganze Erde in Wasser gebettet. Allmählich verfestigte sie sich, und sie wurde geboren wie aus den Schmerzen der Seele der Steine. Wir gehen herum auf versteinertem Leiden, wie andererseits von ihrer Vergeistigung ihre Seligkeit entstehen wird. Paulus sagte: Jedes geschaffene Ding muss seine Geburt mit Schmerzen bezahlen.

[ 18 ] Now we come to the sixth stage: The student no longer thinks, say, of the heart, but of the forces that gave it life, and he does the same with all things. In this way, one penetrates the soul of things and experiences their unique life. One might think, for example, that when a leaf is torn from a plant, it must feel pain, just as a body would when a finger is torn off. But no, that is not the case. The plant delights in being picked or burned, or when it is cut down with a scythe. Nothing is more beautiful for the clairvoyant eye to behold than harvest time, when plants and flowers voluptuously enjoy the cut of the scythe. In contrast, the plant suffers when it is pulled out of the earth by its roots. For the stone, on the other hand, it is a pleasure to be shattered rather than being walled up with other stones to form a structure. For salt, for example, being dissolved in water is a pleasure, whereas the crystallization process is suffering. In ancient times, the entire earth was submerged in water. Gradually it solidified, and it was born as if from the pains of the soul of the stones. We walk upon petrified suffering, just as, on the other hand, their bliss will arise from their spiritualization. Paul said: Every created thing must pay for its birth with pain.

[ 19 ] Jetzt sind wir bei der siebenten Stufe angelangt, derjenigen der «Gottseligkeiv, die unaussprechlich ist mit Menschenworten. Sie gibt die Lösung des Christus-Geheimnisses.

[ 19 ] We have now reached the seventh stage, that of “divinity,” which cannot be expressed in human words. It provides the solution to the mystery of Christ.

[ 20 ] Wie wir sehen: Für diesen rosenkreuzerischen Weg nach aufwärts braucht man sich nur in sich selbst hineinzubegeben und kann zu gleicher Zeit in dem alltäglichen Leben verbleiben.

[ 20 ] As we can see, to follow this Rosicrucian path upward, one need only turn inward and can at the same time remain in everyday life.