The Gospel of St. John
in comparison with the other three Gospels,
particularly the Gospel of Luke
GA 112
25 June 1909, Kassel
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The Gospel of St. John, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Wenn vom Standpunkt der Geisteswissenschaft aus über ein solches Thema gesprochen wird, wie es das unsrige ist, so geschieht das nicht etwa in dem Sinn, daß irgendeine Urkunde, irgendein Schriftwerk, das im Laufe der Menschheitsentwickelung entstanden ist, zugrunde gelegt wird, und nun etwa auf die Autorität dieses Schriftwerkes hin diese oder jene Tatsachensumme beleuchtet wird. So geschieht es in der Geisteswissenschaft nicht. Sondern was geschehen ist im Laufe der Menschheitsentwickelung, das wird von der Geisteswissenschaft ganz unabhängig von allen Dokumenten erforscht; und dann erst, wenn der Geistesforscher mit den Mitteln, die unabhängig von einer jeden Urkunde sind, über die betreffenden Dinge geforscht hat und sie zu charakterisieren weiß, wird an die betreffende Urkunde herangegangen und nachgesehen, ob sich auch in den Urkunden findet, was man zunächst ganz unabhängig von einer jeden Überlieferung erforscht hat. Also alles, was über den Verlauf irgendwelcher Ereignisse in diesen Vorträgen gesagt wird, das ist nicht etwa bloß in dem Sinne gesagt, daß es aus der Bibel, aus den vier Evangelien geschöpft ist, sondern es sind die Ergebnisse der von allen Evangelien unabhängigen Geistesforschung. Aber bei jeder Gelegenheit soll darauf hingewiesen werden, daß alles, was der Geistesforscher erkunden und beobachten kann, in den Evangelien und namentlich im Johannes-Evangelium wiedergegeben wird.
[ 1 ] When a topic such as ours is discussed from the standpoint of spiritual science, this does not mean that any document or written work that has come into being in the course of human development is taken as a basis, and that this or that set of facts is then examined by virtue of the authority of that written work. That is not how it works in spiritual science. Rather, what has taken place in the course of human development is investigated by spiritual science entirely independently of any documents; and only then, once the spiritual researcher has investigated the relevant matters using methods independent of any document and has learned to characterize them, is the relevant document consulted to see whether what was initially investigated entirely independently of any tradition can also be found in the documents. So everything that is said in these lectures about the course of any events is not merely stated in the sense that it is drawn from the Bible or the four Gospels; rather, it is the result of spiritual research independent of all the Gospels. But on every occasion it should be pointed out that everything the spiritual researcher can investigate and observe is reflected in the Gospels, and particularly in the Gospel of John.
[ 2 ] Es gibt ein merkwürdiges Wort des großen Mystikers Jakob Böhme. Über das Wort wundern sich nur diejenigen, welche außerhalb des Rahmens der Geisteswissenschaft stehen. Jakob Böhme macht einmal darauf aufmerksam, daß er redet von den vergangenen Zeiten der Menschheitsentwickelung - etwa von der Persönlichkeit des Adam - wie von Erlebnissen, die sich unmittelbar um ihn herum abspielen, und er sagt: Vielleicht könnte mancher fragen: Bist du denn dabei gewesen, als Adam auf der Erde wandelte? Und unumwunden antwortet Jakob Böhme: Jawohl, ich bin dabei gewesen! — Und das ist ein merkwürdiges Wort. Denn die Geisteswissenschaft ist tatsächlich in der Lage, das, was geschehen ist, und sei es auch vor noch so langen Zeiten, wirklich mit den Augen des Geistes zu beobachten. Ich möcht ein der Einleitung nur mit einigen allgemeinen Worten darauf hinweisen, worauf das beruht.
[ 2 ] There is a curious statement by the great mystic Jakob Böhme. Only those who stand outside the framework of spiritual science are puzzled by this statement. Jakob Böhme once points out that when he speaks of past eras in human development—such as the personality of Adam—he speaks of them as if they were experiences taking place right around him, and he says: Perhaps some might ask: Were you actually there when Adam walked the earth? And Jakob Böhme answers without hesitation: Yes, indeed, I was there! — And that is a remarkable statement. For spiritual science is indeed capable of truly observing what has happened—no matter how long ago it may have been—with the eyes of the spirit. I would like to point out in the introduction, if only in a few general words, what this is based upon.
[ 3 ] Alles, was in der sinnlich-physischen Welt geschieht, das hat ja sein Gegenbild in der geistigen Welt. Wenn sich eine Hand bewegt, so ist nicht nur das vorhanden, was Ihr Auge als die sich bewegende Hand sieht, sondern hinter der sich bewegenden Hand, hinter dem Augenbild der Hand liegt zum Beispiel mein Gedanke und mein Wille: die Hand soll sich bewegen. Es liegt überhaupt ein Geistiges dahinter. Während das Augenbild, der sinnliche Eindruck der Handbewegung vorbeigeht, bleibt das geistige Gegenbild in der geistigen Welt eingeschrieben und hinterläßt immer eine Spur, so daß wir, wenn wir das geistige Auge geöffnet haben, von allen Dingen, die geschehen sind in der Welt, die Spuren verfolgen können, die da zurückgeblieben sind von ihren geistigen Gegenbildern. Nichts kann geschehen in der Welt, ohne daß es solche Spuren gibt.
[ 3 ] Everything that happens in the sensory-physical world has its counterpart in the spiritual world. When a hand moves, it is not only what your eye sees as the moving hand that exists, but behind the moving hand, behind the visual image of the hand, lies, for example, my thought and my will: the hand should move. There is, in fact, a spiritual element behind it. While the visual image—the sensory impression of the hand’s movement—passes by, the spiritual counterpart remains inscribed in the spiritual world and always leaves a trace, so that when we have opened our spiritual eye, we can trace the traces left behind by the spiritual counterparts of all things that have happened in the world. Nothing can happen in the world without such traces existing.
[ 4 ] Nehmen wir an, es läßt der Geistesforscher den Blick zurückschweifen bis zu Karl dem Großen oder bis in die römische Zeit oder in das griechische Altertum. Alles, was da geschehen ist, ist seinen geistigen Urbildern nach durch Spuren erhalten geblieben in der geistigen Welt und kann dort geschaut werden. Dieses Schauen der Spuren, welche alle Geschehnisse in der geistigen Welt zurücklassen, nennt man das «Lesen in der Akasha-Chronik ». Es gibt eine solche lebendige Schrift, die das geistige Auge sehen kann. Und wenn der Geistesforscher Ihnen die Ereignisse von Palästina oder die Beobachtungen des Zarathustra beschreibt, so beschreibt er nicht das, was in der Bibel, was in den Gathas steht, sondern er beschreibt, was er selbst in der Akasha-Chronik zu lesen versteht. Und dann wird eben nachgeforscht, ob das, was in der Akasha-Chronik entziffert worden ist, sich auch in den Urkunden, in unserm Falle in den Evangelien, findet. Es ist also gegenüber den Urkunden ein völlig freier Standpunkt, den die Geistesforschung einnimmt. Gerade darum aber wird sie die eigentliche Richterin sein über das, was in den Urkunden vorkommt. Wenn uns aber in den Urkunden das gleiche entgegentritt, was wir in der Akasha-Chronik selbst zu verfolgen in der Lage sind, dann ergibt sich für uns, daß diese Urkunden wahr sind, und ferner, daß sie jemand geschrieben haben muß, der auch in die Akasha-Chronik zu schauen vermag. Viele der religiösen und anderen Urkunden des Menschengeschlechtes erobert die Geisteswissenschaft auf diese Weise wieder. An einem besonderen Kapitel der Menschheitsentwickelung, an dem Johannes-Evangelium und seiner Beziehung zu den anderen Evangelien wollen wir uns das, was jetzt gesagt worden ist, veranschaulichen. Aber Sie dürfen sich nicht vorstellen, daß die Akasha-Chronik, die geistige Geschichte, die wie ein aufgeschlagenes Buch vor dem geöffneten Auge des Sehers daliegt, etwa wie eine Schrift der gewöhnlichen Welt ist. Eine Art lebendiger Schrift ist sie, und wir wollen versuchen, uns das an dem Folgenden klarzumachen.
[ 4 ] Let us suppose that the spiritual researcher allows his gaze to wander back to Charlemagne, or to Roman times, or to ancient Greece. Everything that happened then has been preserved in the spiritual world as traces of its spiritual archetypes and can be perceived there. This perception of the traces that all events leave behind in the spiritual world is called “reading the Akashic Records.” There is such a living record that the spiritual eye can see. And when the spiritual researcher describes to you the events in Palestine or the observations of Zarathustra, he is not describing what is written in the Bible or in the Gathas, but rather what he himself is able to read in the Akashic Records. And then an investigation is conducted to determine whether what has been deciphered in the Akashic Records is also found in the historical documents—in our case, the Gospels. Spiritual research thus adopts a completely independent standpoint vis-à-vis these historical documents. But precisely for this reason, it will be the true arbiter of what appears in the original texts. However, if we encounter in the original texts the very same things that we are able to trace in the Akashic Records ourselves, then it follows for us that these texts are true, and furthermore, that they must have been written by someone who is also able to look into the Akashic Records. In this way, spiritual science reclaims many of humanity’s religious and other documents. Let us illustrate what has just been said by examining a particular chapter in human development: the Gospel of John and its relationship to the other Gospels. But you must not imagine that the Akashic Records—the spiritual history that lies before the seer’s open eye like an open book—are anything like a written text of the ordinary world. They are a kind of living text, and we will try to make this clear to ourselves in what follows.
[ 5 ] Nehmen wir an, der Blick des Sehers schweift zurück - sagen wir in die Zeit des Cäsar. Cäsar hat dies und das getan, und insofern er es auf dem physischen Plan getan hat, haben es seine Zeitgenossen gesehen. Alles hat eine Spur zurückgelassen in der Akasha-Chronik. Wenn man aber zurücksieht als Seher, dann sieht man die Taten so, wie wenn man ein geistiges Schattenbild oder ein geistiges Urbild vor sich hätte. Denken Sie sich noch einmal die Bewegung der Hand. Das Augenbild können Sie als Seher nicht erblicken; aber die Absicht, die Hand zu bewegen, die unsichtbaren Kräfte, welche die Hand bewegt haben, die werden Sie immer sehen. So ist alles zu sehen, was in den Gedanken des Cäsar gelebt hat, sei es, daß er diese oder jene Schritte machen oder diesen oder jenen Kampf führen wollte. Alles, was die Zeitgenossen gesehen haben, ist ja aus seinen Willensimpulsen hervorgegangen, hat sich ja realisiert durch die unsichtbaren Kräfte, die hinter den Augenbildern stehen. Aber das, was hinter diesen Augenbildern stand, ist wirklich wie der wandelnde und handelnde Cäsar zu sehen, wie ein Geistesbild des Cäsar, wenn man zurückblickt als geistiger Seher in die AkashaChronik.
[ 5 ] Let us suppose that the seer’s gaze wanders back—say, to the time of Caesar. Caesar did this and that, and insofar as he did it on the physical plane, his contemporaries saw it. Everything has left a trace in the Akashic Records. But when one looks back as a seer, one sees the deeds as if one were looking at a spiritual shadow image or a spiritual archetype. Imagine once again the movement of the hand. As a seer, you cannot perceive the visual image; but the intention to move the hand—the invisible forces that moved the hand—you will always see. In this way, everything that lived in Caesar’s thoughts can be seen, whether he intended to take this or that step or to wage this or that battle. Everything that his contemporaries saw arose from his impulses of will and was realized through the invisible forces that lie behind the visual images. But what lay behind these visual images can truly be seen as Caesar walking and acting—as a spiritual image of Caesar—when one looks back into the Akashic Records as a spiritual seer.
[ 6 ] Nun könnte jemand, der in solchen Dingen nicht bewandert ist, sagen: Wenn ihr uns erzählt von vergangenen Zeiten, so glauben wir, daß das alles nur Träumerei ist. Denn ihr kennt aus der Geschichte, was der Cäsar getan hat, und glaubt dann durch eure mächtige Einbildung irgendwelche unsichtbaren Akasha-Bilder zu sehen. — Wer aber in diesen Dingen bewandert ist, der weiß, daß es um so leichter ist, in der Akasha-Chronik zu lesen, je weniger man dieselben Dinge aus der äußeren Geschichte kennt. Denn die äußere Geschichte und ihre Kenntnis ist geradezu eine Störung für den Seher. Wenn wir an ein bestimmtes Lebensalter kommen, so haftet uns mancherlei Erziehung an aus unserer Zeit heraus. Auch der Seher kommt mit der Erziehung seines Zeitalters zu demjenigen Zeitpunkt, wo er sein seherisches Ich gebären kann. Er hat gelernt aus der Geschichte, er hat gelernt, wie Geologie, Biologie, wie die Kulturgeschichte und Archäologie ihm die Dinge überliefern. Das alles stört eigentlich den Blick und kann ihn befangen machen für das, was in der Akasha-Chronik zu lesen ist. Denn in der äußeren Geschichte darf man durchaus nicht etwa dieselbe Objektivität suchen und dieselbe Sicherheit, die bei der Entzifferung der AkashaChronik möglich ist. Bedenken Sie nur einmal, wovon es in der Welt abhängt, daß dieses oder jenes «Geschichte » wird. Da sind von irgendeinem Ereignis diese oder jene Urkunden erhalten geblieben, während andere, und vielleicht gerade die wichtigsten, abhanden gekommen sind. An einem Beispiel können wir sehen, wie unsicher alle Geschichte sein kann.
[ 6 ] Now, someone who is not well-versed in such matters might say: When you tell us about times past, we believe that it is all just a figment of your imagination. For you know from history what Caesar did, and then, through your vivid imagination, you believe you see some invisible Akashic images. — But anyone well-versed in these matters knows that the less one knows about these same events from external history, the easier it is to read the Akashic Records. For external history and knowledge of it are actually a hindrance to the seer. When we reach a certain age, we are shaped by the education of our time. The seer, too, arrives at the point where he can give birth to his seeric self through the education of his own age. He has learned from history; he has learned how geology, biology, cultural history, and archaeology convey things to him. All of this actually obscures the vision and can make him biased toward what is to be read in the Akashic Records. For in external history, one must by no means seek the same objectivity and certainty that is possible when deciphering the Akashic Records. Just consider for a moment what determines whether this or that becomes “history” in the world. From any given event, some documents have been preserved, while others—and perhaps precisely the most important ones—have been lost. One example illustrates just how uncertain all history can be.
[ 7 ] Unter den mancherlei dichterischen Plänen Goethes, die liegen geblieben sind, und die ja für den, der sich näher auf Goethe einläßt, eine schöne Beigabe werden zu den großen herrlichen Werken, die er uns abgeschlossen gegeben hat, unter diesen Plänen befindet sich auch das Fragment einer Nausikaa-Dichtung. Er wollte eine Nausikaa dichten. Es sind aber nur wenige Skizzen vorhanden, wo er sich aufgeschrieben hat, wie er diese Dichtung ausführen wollte. So hat er ja vielfach gearbeitet, manchmal einige Sätze hingeworfen, und oft ist nur wenig davon erhalten geblieben. So auch von der Nausikaa. Einige Zettel sind da, worauf einige Notizen stehen. Nun hat es zwei Menschen gegeben, die beide versucht haben, diese Nausikaa nachzudichten. Beide waren Forscher: der Literaturhistoriker Scherer und Herman Grimm. Aber Herman Grimm war nicht nur ein Forscher, sondern auch ein phantasievoller Denker; es ist derselbe, von dem auch die Schriften stammen «Das Leben Michelangelos» und über «Goethe». Herman Grimm tat es, indem er versuchte, sich in den Geist Goethes hineinzufinden, und sich fragte: Wenn Goethe so und so war, wie würde er wohl dann eine solche Gestalt wie die in der Odyssee vorkommende Nausikaa aufgefaßt haben? Da hat er dann mit einer gewissen Mißachtung dieser historischen Urkunde eine Nausikaa in der Idee Goethes nachgedichtet. Scherer, der überall nach dem forschte, was schwarz auf weiß an Dokumenten vorhanden ist, sagte, eine Nausikaa Goethes darf man nur nachkonstruieren auf Grund des vorhandenen Materials. Und er versuchte ebenfalls eine Nausikaa zu konstruieren, aber nur aus dem, was sich aus diesen Zetteln ergab. Da sagte Herman Grimm: Wennes nun aber vorgekommen ist, daß der Kammerdiener Goethes einige von den Zetteln, auf denen gerade etwas sehr Wichtiges stand, genommen hat und mit ihnen eingeheizt hat? Ist irgendeine Garantie gegeben, daß diese vorhandenen Zettel überhaupt in Betracht kommen neben den anderen, mit denen vielleicht eingeheizt worden ist?
[ 7 ] Among Goethe’s various poetic projects that remained unfinished—and which, for those who delve deeper into Goethe’s work, serve as a lovely complement to the great and magnificent works he left us in their completed form—is a fragment of a poem titled Nausicaa. He wanted to write a poem about Nausicaa. However, only a few sketches remain in which he jotted down how he intended to carry out this poem. This was, after all, how he often worked—sometimes jotting down a few sentences—and often very little of it has survived. This is also the case with Nausicaa. There are a few scraps of paper with some notes on them. Now there were two people who both attempted to adapt this Nausicaa into verse. Both were scholars: the literary historian Scherer and Herman Grimm. But Herman Grimm was not only a scholar but also an imaginative thinker; he is the same author who wrote The Life of Michelangelo and works on Goethe. Herman Grimm did so by trying to put himself in Goethe’s mind and asking himself: If Goethe were such and such a person, how might he have conceived of a character like Nausicaa, who appears in the Odyssey? He then, with a certain disregard for this historical document, reimagined Nausicaa according to Goethe’s vision. Scherer, who searched everywhere for whatever documents existed in black and white, said that one may only reconstruct a “Goethean Nausicaa” based on the available material. And he, too, attempted to construct a Nausicaa, but only from what could be gleaned from these notes. Then Herman Grimm said: “But what if it happened that Goethe’s valet took some of the slips of paper—on which something very important was written—and used them as kindling? Is there any guarantee that these surviving slips are even relevant, as opposed to the others that may have been used as kindling?”
[ 8 ] So wie mit diesem Beispiel kann es mit aller Geschichte sein, die auf Urkunden gebaut ist. Und es geht sehr oft auch so. Wenn man auf Urkunden baut, darf man niemals außer acht lassen, daß gerade die wichtigsten zugrunde gegangen sein können. Daher haben wir in der Geschichte nichts anderes als eine «fable convenue». Wenn aber der Seher diese «fable convenue» mitbringt und die Dinge in der Akasha-Chronik ganz anders sieht, dann hat er Mühe, an das Akasha-Bild zu glauben. Und die, welche zum äußeren Publikum gehören, werden ihn dann anfahren, wenn er aus der Akasha-Chronik irgendeine Sache anders erzählt. Daher ist es dem, der in diesen Sachen bewandert ist, am allerliebsten, wenn er von alten Zeiten reden kann, von denen keine Urkunden da sind, wenn er von längst vergangenen Entwickelungsstadien unserer Erde sprechen kann.
[ 8 ] Just as in this example, so it may be with all history based on documents. And very often, that is indeed the case. When relying on documents, one must never overlook the fact that the very most important ones may have been lost. Therefore, in history, we have nothing more than a “fable convenue.” But if the seer brings this “fable convenue” with him and sees things quite differently in the Akashic Records, then he has trouble believing in the Akashic image. And those who belong to the general public will then rebuke him if he recounts anything from the Akashic Records differently. That is why those well-versed in these matters prefer above all to speak of ancient times for which no documents exist, to speak of long-past stages of our Earth’s development.
[ 9 ] Darüber gibt es keine Urkunden. Da berichtet die Akasha-Chronik am allertreuesten, weil man am wenigsten dabei durch die äußere Geschichte gestört wird. Aus diesen Bemerkungen mögen Sie entnehmen, daß niemand, der in solchen Sachen bewandert ist, je auf den Gedanken kommen wird, daß die Schilderungen der Akasha-Chronik irgendwie ein Nachklang dessen sein könnten, was man schon aus der äußeren Geschichte weiß.
[ 9 ] There are no written records of this. The Akashic Records provide the most accurate account here, because they are least influenced by external history. From these remarks, you may conclude that no one well-versed in such matters would ever think that the descriptions in the Akashic Records could in any way be an echo of what is already known from external history.
[ 10 ] Wenn wir nun dem großen Ereignis, über dessen Sinn wir gestern einige Andeutungen gemacht haben, nachforschen in der Akasha-Chronik, so finden wir in der Hauptsache das Folgende. Das ganze Menschengeschlecht, soweit es auf der Erde lebt, stammt ab aus einem geistigen Reich, aus einem geistig-göttlichen Dasein. Wir können sagen: Bevor irgendwie die Möglichkeit vorhanden war, daß ein äußeres physisches Auge Menschenkörper sah, irgendeine Hand Menschenkörper greifen konnte, war der Mensch als eine geistige Wesenheit vorhanden, und in den ältesten Zeiten war er vorhanden als Teil der göttlich-geistigen Wesenheiten. Er ist herausgeboren als ein Wesen aus göttlich-geistigen Wesenheiten. Die Götter sind sozusagen die Vorfahren der Menschen, und die Menschen sind die Nachkommen der Götter. Die Götter brauchten Menschen zu ihren Nachkommen, weil sie gewissermaßen nicht imstande waren, ohne solche Nachkommen herunterzusteigen in die physisch-sinnliche Welt. Die Götter setzten damals in anderen Welten ihr Dasein fort und wirkten von außen herein auf den Menschen, der sich nach und nach auf der Erde entwickelte.
[ 10 ] When we now investigate the great event—the meaning of which we hinted at yesterday—in the Akashic Records, we find, in essence, the following. The entire human race, insofar as it lives on Earth, originates from a spiritual realm, from a spiritual-divine existence. We can say: Before there was any possibility whatsoever that an external physical eye could see human bodies, or that any hand could grasp them, human beings existed as spiritual entities, and in the most ancient times they existed as part of the divine-spiritual entities. Humanity was born forth as a being from divine-spiritual beings. The gods are, so to speak, the ancestors of humankind, and humankind are the descendants of the gods. The gods needed humankind as their descendants because, in a sense, they were unable to descend into the physical-sensory world without such descendants. At that time, the gods continued their existence in other worlds and worked from the outside upon human beings, who gradually developed on Earth.
[ 11 ] Und nun mußten die Menschen von Stufe zu Stufe jene Hindernisse überwinden, die das Erdenleben bewirkte. Was sind das für Hindernisse?
[ 11 ] And now, step by step, people had to overcome the obstacles created by life on Earth. What are these obstacles?
[ 12 ] Das ist ja das Wesentliche für den Menschen, daß die Götter geistig geblieben sind, und die Menschen als ihre Nachkommen physisch geworden sind. Der Mensch, der das Geistige nur als das Innerliche des Physischen hatte und als äußeres Wesen physisch geworden war, mußte alle die Hindernisse, die eben das physische Dasein gab, überwinden. Innerhalb des materiellen Daseins mußte er sich weiterbilden. Dadurch entwickelte er sich von Stufe zu Stufe herauf, wurde immer reifer und reifer, und dadurch wurde es ihm immer mehr und mehr möglich, sich hinaufzuwenden zu den Göttern, aus deren Schoß er herausgeboren ist. Also ein Heruntersteigen von den Göttern und ein Sich-wieder-Hinaufwenden zu den Göttern, um die Götter nach und nach wieder zu erreichen und sich wieder mit ihnen zu vereinigen, das ist der Weg des Menschen durch das Erdenleben. Damit der Mensch aber diese Entwickelung durchmachen konnte, mußten einzelne menschliche Individualitäten immer etwas schneller als die andern sich entwickeln, den andern voraneilen, um deren Führer und Lehrer zu werden. Solche Führer und Lehrer stehen dann innerhalb der übrigen Menschheit und finden sozusagen den Weg zu den Göttern früher zurück als die andern. So daß wir uns vorstellen können: In einem bestimmten Zeitalter haben die Menschen eine gewisse Entwickelungsreife erlangt; da ahnen sie vielleicht nur den Rückweg zu den Göttern, aber haben es noch weit bis dahin. Es ist ein Funke dieses Göttlichen in dem Menschen, aber in den Führern ist jeweilig mehr vorhanden. Sie stehen näher dem Göttlichen, das der Mensch wieder erreichen soll. Und das, was in diesen Führern der Menschheit lebt, das erblickt derjenige, dessen Auge für das Geistige geöffnet ist, als das Wesentliche und die Hauptsache an ihnen.
[ 12 ] That is, after all, what is essential for human beings: that the gods remained spiritual, while human beings, as their descendants, became physical. The human being, who possessed the spiritual only as the inner aspect of the physical and had become physical as an outer being, had to overcome all the obstacles that physical existence itself presented. Within material existence, he had to continue his development. Through this, he progressed from stage to stage, becoming ever more mature, and as a result, it became increasingly possible for him to turn his gaze upward toward the gods from whose bosom he was born. Thus, a descent from the gods and a turning back toward the gods, in order to gradually reach the gods again and reunite with them—that is the path of human beings through earthly life. But in order for human beings to undergo this development, certain human individuals had to develop somewhat faster than the others, to go ahead of the others, in order to become their guides and teachers. Such leaders and teachers then stand among the rest of humanity and, so to speak, find their way back to the gods sooner than the others. So we can imagine: In a particular age, human beings have attained a certain level of developmental maturity; at that point, they may only sense the way back to the gods, but still have a long way to go. There is a spark of this divine in every human being, but there is more of it in the leaders. They stand closer to the divine, which humanity is meant to reach once again. And what lives within these leaders of humanity is perceived by those whose eyes are open to the spiritual as the essential and most important aspect of them.
[ 13 ] Nehmen wir an, irgendein großer Führer der Menschheit stünde vor einem andern Menschen, der diesem Führer zwar nicht ebenbürtig wäre, aber doch über den Durchschnitt der Menschen hinausragte. Dieser Mensch, nehmen wir an, hat eine lebendige Empfindung dafür, daß der andere ein großer Führer ist, daß das Geistige, das die übrigen Menschen erlangen sollen, schon in einem höheren Grade in ihm vorhanden ist. Wie würde solch ein Mensch diesen Führer schildern? Er würde etwa sagen: Da steht vor mir ein Mensch, ein Mensch im physischen Leibe wie die andern. Aber der physische Leib ist das Unbedeutende an ihm, das kommt gar nicht in Betracht an ihm. Wenn ich aber das geistige Auge auf ihn richte, dann erscheint mir mit ihm verbunden ein mächtiges Geistwesen, ein göttlich-geistiges Wesen. Und das ist so bedeutend, daß ich alle Aufmerksamkeit nur auf dieses göttlich-geistige Wesen lenke und nicht auf das, was physisch bei ihm erscheint wie an einem anderen Menschen. — So eröffnet sich dem geistigen Seher an einem Menschheitsführer etwas, was an Wesenheit die ganze übrige Menschheit überragt, und was er ganz anders beschreiben muß. Denn er beschreibt, was er mit dem geistigen Auge daran sieht.
[ 13 ] Let us suppose that some great leader of humanity were standing before another person who, while not exactly the leader’s equal, nevertheless stood out above the average person. This person, let us assume, has a vivid sense that the other is a great leader, that the spiritual quality which the rest of humanity is meant to attain is already present in him to a higher degree. How would such a person describe this leader? He might say something like this: Here stands before me a human being, a human being in a physical body just like the others. But the physical body is the insignificant aspect of him; it does not even come into consideration. When I turn my spiritual eye toward him, however, a powerful spiritual being—a divine-spiritual being—appears to me as connected with him. And this is so significant that I direct all my attention solely to this divine-spiritual being and not to what appears physically in him, just as in any other human being. — Thus, to the spiritual seer, a human leader reveals something whose essence towers above the rest of humanity and which he must describe in an entirely different way. For he describes what he sees in that person with his spiritual eye.
[ 14 ] Diejenigen, welche heute die maßgebende Stimme in der Öffentlichkeit haben, die würden sich freilich über solch einen überragenden Menschheitsführer lustig machen. Wir sehen ja, wie heute schon verschiedene Gelehrte damit anfangen, Größen in der Menschheit vom psychiatrischen Standpunkt aus zu behandeln! Erkennen würden ihn nur diejenigen, welche ihren geistigen Blick geschärft haben. Die aber würden wissen, daß er kein Narr oder Schwärmer ist, und auch nicht einfach ein «begabter Mensch », wie Wohlwollendere ihn vielleicht bezeichnen, sondern daß er zu den größten Gestalten des Menschheitslebens im geistigen Sinne gehört. So würde es heute sein. Aber in der Vergangenheit war es doch noch etwas anders, und auch noch in einer Vergangenheit, die gar nicht so weit hinter uns liegt.
[ 14 ] Those who hold the dominant voice in public discourse today would, of course, mock such an outstanding leader of humanity. After all, we can already see how various scholars today are beginning to analyze great figures in human history from a psychiatric perspective! Only those who have sharpened their spiritual vision would recognize him. But they would know that he is neither a fool nor a dreamer, nor simply a “gifted person,” as more benevolent observers might describe him, but that he belongs among the greatest figures in human life in the spiritual sense. That is how it would be today. But in the past, things were still somewhat different—and in a past that is not all that far behind us.
[ 15 ] Wir wissen ja, daß die Menschheit in bezug auf ihr Bewußtsein verschiedene Metamorphosen durchgemacht hat. Alle Menschen haben einstmals ein dumpfes, dämmerhaftes Hellsehen gehabt. Selbst zu der Zeit, als der Christus gelebt hat, war das Hellsehen noch bis zu einem gewissen Grade entwickelt, und in früheren Jahrhunderten noch mehr, wenn es auch nur noch ein Schattenbild von dem Hellsehen der atlantischen und der ersten nachatlantischen Zeiten war. Nach und nach verschwand erst das hellseherische Bewußtsein der Menschen. Es waren aber immer noch einige unter den Menschen verstreut, die es kannten, und auch heute noch gibt es solche, die «natur-hellsehend » sind, die ein dumpfes Hellsehen haben und daher unterscheiden können in bezug auf die geistige Wesenheit des Menschen.
[ 15 ] We know, of course, that humanity has undergone various metamorphoses with regard to its consciousness. All human beings once possessed a dim, twilight-like clairvoyance. Even at the time when Christ lived, clairvoyance was still developed to a certain degree, and even more so in earlier centuries, though it was merely a shadow of the clairvoyance of the Atlantean and early post-Atlantean eras. Gradually, humanity’s clairvoyant consciousness began to fade. However, there were still a few scattered among humanity who possessed it, and even today there are those who are “naturally clairvoyant,” who possess a dim form of clairvoyance and can therefore discern the spiritual nature of human beings.
[ 16 ] Nehmen wir die Zeit, in der für das alte indische Volk der Buddha erschienen ist. Damals war es noch nicht so wie heute. Heute würde die Erscheinung eines Buddha, wenn sie noch gar in Europa geschähe, gar nicht irgendwie besonders respektiert werden. Aber zu Buddhas Zeiten war das anders. Denn es gab dazumal noch eine große Anzahl von Menschen, die sehen konnten, was da eigentlich vorging: daß mit dieser Buddha-Geburt etwas ganz anderes geschehen war als mit irgendeiner andern gewöhnlichen Geburt. In den Schriften des Morgenlandes, und gerade in denjenigen Schriften, die mit tiefstem Verständnis diese Sache behandeln, wird die Buddha-Geburt im großen Stile, möchte man sagen, beschrieben. Da wird erzählt, daß «der Großen Mutter Ebenbild » die Königin Maya war, und daß ihr vorhergesagt worden war, sie würde ein mächtiges Wesen zur Welt bringen. Als dann dieses Wesen geboren wurde, kam es als eine Frühgeburt auf die Welt.
[ 16 ] Let us consider the time when the Buddha appeared to the ancient Indian people. Back then, things were not yet as they are today. Today, if a Buddha were to appear—if such a thing were even to happen in Europe—it would not be regarded with any particular respect. But in the Buddha’s time, things were different. For back then there were still a great many people who could see what was actually taking place: that with the Buddha’s birth, something entirely different had happened than with any other ordinary birth. In the writings of the East—and especially in those writings that treat this subject with the deepest understanding—the Buddha’s birth is described, one might say, on a grand scale. It is told there that Queen Maya was “the image of the Great Mother,” and that it had been prophesied she would give birth to a powerful being. When this being was born, it came into the world as a premature infant.
[ 17 ] Sehr häufig ist das eines der Mittel, um ein bedeutendes Wesen in die Welt zu schicken: es eine Frühgeburt sein zu lassen, weil dann das menschliche Wesen, in das sich das höhere geistige Wesen verkörpern soll, sich nicht so gründlich mit der Materie vereinigt, als wenn es die vollständige Reifezeit ausgetragen wird.
[ 17 ] Very often, this is one of the ways of sending a significant being into the world: allowing it to be born prematurely, because then the human being into whom the higher spiritual being is to incarnate does not unite as thoroughly with matter as it would if it were carried to full term.
[ 18 ] Es wird nun weiter in den bedeutsamen Schriften des Morgenlandes berichtet, daß in demselben Augenblick, als der Buddha geboren wurde, er erleuchtet war, und die Augen sogleich aufschlug und sie nach den vier Hauptpunkten der Welt richtete, nach Norden, Süden, Osten, Westen. Und ferner wird uns gesagt, daß er sogleich sieben Schritte machte, und daß die Spuren dieser sieben Schritte eingegraben sind in den Boden, wo er sie machte. Und auch gesprochen hat er gleich, so wird uns gesagt, und die Worte, die er sprach, lauteten: «Dies ist das Leben, in welchem ich vom Bodhisattva zum Buddha werde, die letzte der Verkörperungen, die ich auf dieser Erde durchzumachen habe.»
[ 18 ] The significant writings of the Orient further report that at the very moment the Buddha was born, he attained enlightenment, and immediately opened his eyes and turned them toward the four cardinal directions of the world: north, south, east, and west. Furthermore, we are told that he immediately took seven steps, and that the imprints of these seven steps are engraved in the ground where he took them. And he also spoke at once, we are told, and the words he spoke were: “This is the life in which I shall become a Buddha, the last of the incarnations I have to undergo on this earth.”
[ 19 ] So sonderbar solch eine Mitteilung für den materialistisch denkenden Menschen von heute erscheint, und so wenig man sie ohne weiteres materialistisch deuten darf, so wahr ist sie für den, der die Dinge mit geistigen Augen zu schauen vermag. Und es waren eben damals noch Leute, die aus einer natürlichen Hellsehergabe heraus geistig zu schauen vermochten, was mit dem Buddha geboren war. Es sind sonderbare Sätze, die ich Ihnen aus morgenländischen Schriften jetzt über den Buddha mitgeteilt habe. Heute sagt man, das sei Sage und Mythe. Derjenige aber, der diese Dinge versteht, der weiß, daß sich da etwas verbirgt, was gegenüber der geistigen Welt Wahrheit ist. Und solche Ereignisse, wie die Buddha-Geburt, bedeuten nicht bloß etwas im engen Kreise der Persönlichkeit, die da geboren ist, sondern sie bedeuten etwas für die Welt, strahlen gleichsam geistige Kräfte aus. Und die, welche noch in Zeiten lebten, als die Welt empfänglicher war für geistige Kräfte, die sahen, daß wirklich bei der Geburt des Buddha geistige Kräfte ausgestrahlt wurden.
[ 19 ] As strange as such a message may seem to the materialistically minded person of today, and as little as it can be readily interpreted in materialistic terms, it is nonetheless true for those who are able to see things with spiritual eyes. And at that time, there were still people who, through a natural gift of clairvoyance, were able to perceive spiritually what had come into being with the Buddha’s birth. These are strange statements that I have now shared with you from Eastern writings regarding the Buddha. Today, people say that these are legends and myths. But those who understand these things know that there is something hidden there that is true in relation to the spiritual world. And events such as the Buddha’s birth do not merely signify something within the narrow circle of the personality who was born, but they signify something for the world; they radiate, as it were, spiritual forces. And those who still lived in times when the world was more receptive to spiritual forces saw that spiritual forces were indeed radiated at the time of the Buddha’s birth.
[ 20 ] Es wäre sehr billig, wenn jemand jetzt sagen wollte: Warum geschieht denn das heute nicht mehr? Oh, es sind heute auch Wirkungen da, nur ist der Seher dazu nötig, um sie zu sehen. Denn es gehört nicht bloß dazu, daß derjenige da ist, von dem die Kräfte ausstrahlen, sondern auch der andere, der sie annimmt. In den Zeiten, als die Menschen noch spiritueller waren, waren sie auch noch empfänglicher für solche Ausstrahlungen. Daher ist wieder eine tiefe Wahrheit dahinter, wenn uns gesagt wird, daß bei der Geburt des Buddha Kräfte wirkten, die heilender und versöhnender Natur waren. Das ist nicht bloß eine Sage, sondern tiefe Wahrheiten stecken dahinter, wenn gesagt wird, daß damals, als der Buddha zur Welt kam, diejenigen, die sich vorher gehaßt hatten, jetzt sich in Liebe vereinten, die sich gestritten hatten, nun in Lobreden sich begegneten, und so weiter.
[ 20 ] It would be very simplistic for someone to ask now: Why doesn’t this happen anymore today? Oh, these effects are still present today; it’s just that a seer is needed to perceive them. For it is not merely a matter of the presence of the one from whom the forces radiate, but also of the other who receives them. In times when people were more spiritual, they were also more receptive to such emanations. Therefore, there is a profound truth behind the statement that, at the time of the Buddha’s birth, forces of a healing and reconciling nature were at work. This is not merely a legend; there are profound truths behind the statement that, when the Buddha was born, those who had previously hated one another were now united in love, those who had quarreled now met in words of praise, and so on.
[ 21 ] Wer mit dem Auge des Sehers die Entwickelung der Menschheit überblickt, dem erscheint sie nicht wie einem Historiker als ein ebener Weg, der höchstens ein wenig von denen überragt wird, die man als historische Gestalten gelten läßt. Daß es auch Höhen und Berge gibt, das wollen die Menschen nicht zugeben, das vertragen sie nicht. Wer aber mit geistigen Augen die Welt überblickt, der weiß, daß es mächtige Höhen, mächtige Berge gibt, die über den Weg der übrigen Menschheit hinausragen. Das sind eben die Führer der Menschheit.
[ 21 ] To those who survey the development of humanity with the eye of the seer, it does not appear—as it does to a historian—as a level path, one that is, at most, slightly overshadowed by those whom we regard as historical figures. People do not want to admit that there are also heights and mountains; they cannot bear the thought. But anyone who surveys the world with spiritual eyes knows that there are mighty heights, mighty mountains, that rise above the path of the rest of humanity. These are precisely the leaders of humanity.
[ 22 ] Worauf beruht nun solche Führerschaft der Menschheit? Eine solche Führerschaft beruht darauf, daß der Mensch nach und nach die Stufen durchmacht, die ihn zum Leben in der geistigen Welt führen. Eine der Stufen haben wir gestern als die wichtigste gezeigt: die Geburt des höheren, des geistigen Ich. Und wir haben gesagt, daß es Vorstufen und daß es Nachstufen gibt. Aus dem, was wir gestern gesagt haben, können Sie ersehen, daß dasjenige, was wir als das Christus-Ereignis bezeichnen, die mächtigste Erhebung in der Menschheitsentwickelung ist, und daß eine lange Vorbereitung notwendig war, damit sich das Christus-Wesen in dem Jesus von Nazareth verkörpern konnte. Um diese Vorbereitungen zu verstehen, ist es nötig, daß wir uns dieselbe Erscheinung ein wenig im kleinen vor Augen führen.
[ 22 ] On what, then, is such leadership of humanity based? Such leadership is based on the fact that human beings gradually pass through the stages that lead them to life in the spiritual world. Yesterday we identified one of these stages as the most important: the birth of the higher, spiritual “I.” And we said that there are preliminary stages and subsequent stages. From what we said yesterday, you can see that what we call the Christ Event is the most powerful ascent in human evolution, and that a long period of preparation was necessary so that the Christ Being could incarnate in Jesus of Nazareth. To understand these preparations, we need to visualize this same phenomenon on a smaller scale.
[ 23 ] Nehmen wir an, ein Mensch tritt den geistigen Erkenntnispfad in irgendeiner Verkörperung an, das heißt er macht irgendwelche von den Übungen - von denen wir auch noch sprechen werden -, welche die Seele immer geistiger und geistiger gestalten, immer empfänglicher machen für das Geistige und sie dem Zeitpunkt entgegenführen, wo sie das höhere, unvergängliche Ich gebiert, das in die geistige Welt hineinschauen kann. Viele Erlebnisse macht der Mensch bis dahin durch. Nun darf man sich nicht vorstellen, daß der Mensch irgend etwas übereilen kann in geistiger Beziehung. In Geduld und Ausdauer muß so etwas durchgemacht werden. Nehmen wir also an, ein Mensch beginnt mit einer solchen Entwickelung. Sein Ziel ist die Geburt des höheren Ich. Aber er bringt es nur bis zu einer gewissen Stufe. Er erreicht gewisse Vorstufen zu der Geburt des höheren Ich. Nun stirbt er und wird dann wiedergeboren. Jetzt kann zweierlei eintreten, wenn ein solcher Mensch, der in einer Verkörperung eine gewisse geistige Schulung durchgemacht hat, wiedergeboren wird. Entweder er kann den Drang fühlen, sich wieder einen Lehrer zu suchen, um sich zeigen zu lassen, wie er rasch das wiederholt, was er vorher durchgemacht hat, und wie er zu den entsprechend höheren Stufen hinaufkommt. Oder er sucht aus irgendwelchem Grunde keinen solchen Weg. Auch da wird sich sein Leben oft anders gestalten als bei einem andern Menschen. Bei einem Menschen, der etwas von dem Erkenntnispfad bereits durchgemacht hat, wird das Leben auch ganz von selbst etwas bringen, das sich ausnimmt wie Wirkungen der Erkenntnishöhe, die er schon in der vorhergehenden Verkörperung erreicht hat. Er wird anderes erleben, und die Erlebnisse werden einen anderen Eindruck auf ihn machen, als es bei anderen Menschen der Fall ist. Und dann wird er an solchen Erlebnissen aufs neue erreichen, was er früher durch sein Streben erlangt hat. In der früheren Inkarnation mußte er von Punkt zu Punkt strebend tätig sein. Im nächsten Leben, wo ihm sozusagen wiederholentlich das Leben selbst bringt, was er früher erstrebt hat, da tritt es gleichsam von außen an ihn heran, und es kann sein, daß er in ganz anderer Form die Ergebnisse der früheren Inkarnation erlebt. So kann es geschehen, daß ihm schon in der Kindheit in irgendeinem Erlebnis etwas entgegentritt, was auf sein ganzes Gemüt einen solchen Eindruck macht, daß die Kräfte, die er sich in der vorherigen Inkarnation angeeignet hat, wieder in ihm erstehen. Nehmen wir an, ein solcher Mensch habe in einer Inkarnation eine bestimmte Stufe der Weisheitsentwickelung erlangt. In der nächsten Inkarnation wird er wiedergeboren als ein Kind wie jeder andere. Aber mit sieben oder acht Jahren macht er irgend etwas Schweres durch. Das hat auf seine Seele die Wirkung, daß alles das wieder herauskommt, was er sich früher als Weisheit errungen hat, so daß er jetzt wieder auf der früher erreichten Stufe steht und von da zu der nächsten hinanschreiten kann. Nun nehmen wir weiter an, er bemühe sich jetzt, um einige Stufen weiter zu kommen. Er stirbt wieder. In der nächsten Inkarnation kann es wieder so gehen. Wieder kann ein äußeres Erlebnis an ihn herantreten, das ihn gleichsam auf die Probe stellt, wodurch dann wieder zutage kommt zuerst das, was er in der vorvorigen Inkarnation sich erarbeitet hat, dann das, was er in der vorigen Inkarnation erlangt hat, und dann kann er wiederum eine Stufe höher steigen.
[ 23 ] Let us assume that a person embarks on the spiritual path of knowledge in some incarnation; that is, they perform certain exercises—which we will discuss later—that shape the soul into an ever more spiritual being, make it ever more receptive to the spiritual, and lead it toward the moment when it gives birth to the higher, imperishable “I” that can look into the spiritual world. A person goes through many experiences on the way there. Now, one must not imagine that a person can rush anything in spiritual matters. Such a process must be endured with patience and perseverance. Let us suppose, then, that a person begins such a process of development. Their goal is the birth of the higher Self. But they only progress to a certain stage. They reach certain preliminary stages leading up to the birth of the higher Self. Then they die and are reborn. Now two things can happen when such a person—who has undergone a certain spiritual training during one incarnation—is reborn. Either they may feel the urge to seek out a teacher again, so that they can be shown how to quickly repeat what they have previously gone through and how to ascend to the correspondingly higher stages. Or, for whatever reason, they may not seek such a path. Even then, his life will often unfold differently than that of another person. For a person who has already traversed part of the path of knowledge, life will of its own accord bring about experiences that resemble the effects of the level of knowledge he had already attained in his previous incarnation. He will experience different things, and these experiences will make a different impression on him than they do on other people. And then, through such experiences, he will once again attain what he had previously achieved through his striving. In his earlier incarnation, he had to strive actively, moving from one point to the next. In his next life, where life itself, so to speak, repeatedly brings him what he had previously striven for, it approaches him, as it were, from the outside, and it may be that he experiences the results of his earlier incarnation in a completely different form. Thus it may happen that, even in childhood, he encounters something in some experience that makes such an impression on his entire being that the powers he acquired in his previous incarnation are reawakened within him. Let us suppose that such a person attained a certain level of wisdom in one incarnation. In the next incarnation, he is reborn as a child like any other. But at the age of seven or eight, he goes through a difficult ordeal. This has the effect on his soul of bringing back to the surface everything he had previously attained as wisdom, so that he now stands once more at the level he had previously reached and can proceed from there to the next. Now let us further assume that he strives to advance a few more levels. He dies again. In the next incarnation, the same thing may happen again. Once more, an external experience may come his way that puts him to the test, so to speak, causing first what he had worked out in the incarnation before last to come to the surface, then what he had attained in the previous incarnation, and then he can ascend another step.
[ 24 ] Sie sehen daraus, daß wir das Leben eines solchen Menschen, der schon früher gewisse Stufen der Entwickelung durchschritten hat, nur begreifen, wenn wir solches in Rechnung ziehen. Da ist zum Beispiel eine Stufe, die man bald erreicht, wenn man erst auf dem Erkenntniswege strebt, das ist die Stufe des sogenannten heimatlosenMenschen, desjenigen Menschen, der hinauswächst über die unmittelbaren Vorurteile der nächsten Umgebung, der frei wird von dem, was ihn an allen möglichen Gängelbanden der nächsten Umgebung zieht. Der Mensch braucht dadurch nicht pietätlos zu werden, er kann sogar um so pietätvoller sein. Aber er muß frei sein von den Banden der nächsten Umgebung. Nehmen wir den Fall, daß ein solcher Mensch in einem Stadium stirbt, wo er sich hindurchgearbeitet hat zu einer gewissen Freiheit und Unabhängigkeit. Nun wird er wiedergeboren, und da kann es sein, daß verhältnismäßig früh ein Erlebnis auftritt, wodurch das Gefühl der Freiheit und Unabhängigkeit wiedergeboren wird. Gewöhnlich geschieht es dadurch, daß der Betreffende seinen Vater oder irgendeinen, mit dem er sonst verbunden ist, verliert, oder auch, daß dieser Vater sich nicht gut gegen ihn benimmt, ihn vielleicht verstößt oder dergleichen mehr. Das teilen uns getreulich die Sagen der verschiedenen Völker mit, denn in diesen Dingen sind die Mythen und Sagen der Völker wirklich weiser als die heutige Wissenschaft. Da werden Sie überall den Typus finden, daß der Vater den Auftrag gibt, daß das Kind ausgesetzt werde; das Kind wird von Hirten aufgefunden, wird von ihnen genährt, aufgezogen und später zu seinem Beruf zurückgebracht, wie zum Beispiel Chiron, Romulus und Remus. Um das wiedererstehen zu lassen, was sie sich in früheren Inkarnationen bereits errungen hatten, dazu sollten sie sozusagen durch den Verrat ihrer Heimat an ihnen selber gelangen. Auch die Sage von der Aussetzung des Ödipus gehört dahin.
[ 24 ] You can see from this that we can only understand the life of such a person—one who has already passed through certain stages of development—if we take this into account. For example, there is a stage that one soon reaches when one first sets out on the path of knowledge; this is the stage of the so-called “homeless” person—the person who outgrows the immediate prejudices of their immediate surroundings and becomes free from the various constraints that bind them to those surroundings. This does not mean that the person must become irreverent; in fact, they may become all the more reverent. But they must be free from the bonds of their immediate surroundings. Let us take the case of such a person dying at a stage where they have worked their way toward a certain freedom and independence. Now they are reborn, and it may be that relatively early on, an experience occurs through which the feeling of freedom and independence is reborn. This usually happens when the person in question loses his father or someone else to whom he is otherwise connected, or when this father behaves poorly toward him—perhaps casting him out or something similar. The legends of various peoples faithfully tell us this, for in these matters the myths and legends of the peoples are truly wiser than modern science. Everywhere you will find the archetype in which the father orders that the child be abandoned; the child is found by shepherds, who nourish and raise him, and later return him to his destined calling—as in the cases of Chiron, Romulus, and Remus. In order to revive what they had already attained in earlier incarnations, they were to come to themselves, so to speak, through the betrayal of their homeland. The legend of Oedipus’s abandonment also belongs to this category.
[ 25 ] Nun können Sie sich auch denken, daß, je weiter der Mensch ist - sei es auf der Stufe der Geburt seines höheren Ich, oder darüber hinaus -, desto reicher an Erlebnissen auch sein Leben sein muß, damit er dahin kommt, daß er wieder ein neues Erlebnis durchmacht, das er früher noch nicht hatte.
[ 25 ] Now you can also imagine that the further along a person is—whether at the stage of the birth of his higher self or beyond—the richer his life must be in experiences, so that he may reach the point where he undergoes yet another new experience that he has not had before.
[ 26 ] Derjenige, welcher jene mächtige Wesenheit, die wir den Christus nennen, in sich verkörpern sollte, konnte diese Mission natürlich nicht in einem beliebigen Lebensalter übernehmen. Dazu mußte er erst nach und nach reif werden. Kein gewöhnlicher Mensch konnte das übernehmen. Das mußte schon einer sein, der durch viele Leben hindurch hohe Grade der Einweihung erlangt hatte. Was da geschehen mußte, das erzählt uns treulich die Akasha-Chronik. Sie berichtet uns, wie durch viele Leben hindurch eine Individualität von Stufe zu Stufe gestrebt hat zu hohen Einweihungsgraden. Dann wurde sie wiedergeboren, und nun machte sie in dieser irdischen Verkörperung Erlebnisse durch, die zunächst vorbereitend waren. Aber in dem, was sich da verkörpert hatte, lebte bereits eine Individualität, welche hohe Stufen durchgemacht hatte. Ein Eingeweihter war es, der dazu bestimmt war, in einem späteren Zeitpunkt seines Lebens die Christus-Individualität in sich aufzunehmen. Die Erlebnisse, die nun dieser Eingeweihte zunächst hat, sind Wiederholungen seiner früheren Einweihungsstufen. Dadurch wird aus der Seele alles das herausgeholt, wozu sich diese Seele früher aufgeschwungen hat.
[ 26 ] The one who was to embody within himself that mighty Being we call the Christ could not, of course, undertake this mission at just any age. To do so, he first had to gradually mature. No ordinary human being could have undertaken this. It had to be someone who, over the course of many lifetimes, had attained high degrees of initiation. The Akashic Records faithfully recount what had to happen. They tell us how, over the course of many lifetimes, an individuality strove from stage to stage toward high degrees of initiation. Then this individual was reborn, and in this earthly incarnation, they underwent experiences that were initially preparatory. But within the being that had incarnated there already lived an individuality that had passed through high stages. It was an initiate who was destined to receive the Christ Individuality within themselves at a later point in their life. The experiences that this initiate now has at first are repetitions of his earlier stages of initiation. Through this, everything to which this soul had previously aspired is drawn out of it.
[ 27 ] Nun wissen wir: Der Mensch besteht aus dem physischen Leib, dem Ätherleib, dem astralischen Leib und dem Ich. Wir wissen aber auch, daß im Verlaufe des Menschenlebens zunächst mit der physischen Geburt nur der physische Leib des Menschen geboren wird, daß dann bis zum 7. Jahre der Ätherleib des Menschen noch umgeben ist mit einer Art Äther-Mutterhülle, und mit dem 7. Jahre, mit dem Zahnwechsel, diese Äther-Mutterhülle ebenso zurückgestoßen wird wie die physische Mutterhülle, wenn der physische Leib in die äußere physische Welt hineingeboren wird. Dann später mit der Geschlechtsreife wird in ähnlicher Weise eine astralische Hülle hinweggestoßen, und der astralische Leib wird geboren. Mit dem 21. Jahre ungefähr wird dann das Ich geboren, aber auch wieder nur nach und nach.
[ 27 ] Now we know that the human being consists of the physical body, the etheric body, the astral body, and the I. But we also know that in the course of a human life, at first—at physical birth—only the physical body is born; that then, until the age of seven, the etheric body is still surrounded by a kind of etheric maternal sheath; and that by the age of 7, with the change of teeth, this etheric maternal sheath is shed just as the physical maternal sheath is when the physical body is born into the outer physical world. Later, upon reaching sexual maturity, an astral sheath is cast off in a similar manner, and the astral body is born. Around the age of 21, the “I” is born, but again, only gradually.
[ 28 ] Nachdem wir durchgegangen haben die Gebutt des physischen Leibes, die des Ätherleibes mit dem 7. Jahre, des astralischen Leibes mit dem 14. bis 15. Jahre, haben wir in ähnlicher Weise eine Geburt der Empfindungsseele, der Verstandesseele und der Bewußtseinsscele zu beachten; und zwar wird mit dem 21. Jahre ungefähr die Empfindungsseele geboren, mit dem 28. Jahre die Verstandesscele und ungefähr mit dem 35. Jahre die Bewußtseinsseele.
[ 28 ] Having reviewed the births of the physical body, the etheric body at age 7, and the astral body between the ages of 14 and 15, we must similarly consider the births of the feeling soul, the intellect soul, and the consciousness soul; specifically, the soul of sensation is born around the age of 21, the soul of understanding at the age of 28, and the soul of consciousness around the age of 35.
[ 29 ] Nun werden wir sehen, daß die Christus-Wesenheit in einem Menschen der Erde sich nicht früher verkörpern konnte, nicht früher Platz haben konnte in diesem Menschen, als bis die Verstandesseele vollständig geboren war. Es konnte also die Christus-Wesenheit in jenem Eingeweihten, in den sie hineingeboren wurde, nicht vor dem 28. Jahre sich verkörpern. Das zeigt uns auch die geistige Forschung. Zwischen dem 28. und dem 35. Jahre zog die Christus-Wesenheit ein in diejenige Individualität, die als ein großer Bingeweihter die Erde betrat, und dann nach und nach unter dem Glanze, unter dem Lichte dieser großen Wesenheit alles das entwickelte, was der Mensch sonst ohne diesen Glanz, ohne dieses Licht entwickelt, nämlich den Ätherleib, den astralischen Leib, die Empfindungsseele und die Verstandesseele. So können wir also sagen: Bis zu diesem Lebensalter haben wir in dem, der berufen war, der Christus-Träger zu werden, einen großen Eingeweihten vor uns, der nach und nach die Erlebnisse durchmacht, welche endlich alles das herausbringen, was er in früheren Inkarnationen erlebt und sich erarbeitet hat an Eroberungen der geistigen Welt. Dann tritt für ihn die Möglichkeit ein, sich zu sagen: Jetzt bin ich da, ich opfere alles hin, was ich habe. Ich will kein selbständiges Ich weiter sein. Ich mache mich zum Träger des Christus. Der soll in mir wohnen, und von jetzt ab in mir alles sein!
[ 29 ] Now we shall see that the Christ-Essence could not incarnate in a human being on Earth—could not find a place within that human being—until the intellectual soul had been fully born. Thus, the Christ-Essence could not incarnate in that initiate into whom it was born before the age of 28. Spiritual research also confirms this. Between the ages of 28 and 35, years, the Christ-being entered the individual who came onto the Earth as a great initiate and then, little by little, under the radiance and light of this great being, developed all that a human being would otherwise develop without this radiance and light—namely, the etheric body, the astral body, the feeling soul, and the intellectual soul. Thus we can say: Up to this age, we have before us, in the one who was called to become the bearer of Christ, a great initiate who gradually undergoes the experiences that ultimately bring forth all that he has experienced and worked out in earlier incarnations as conquests of the spiritual world. Then the opportunity arises for him to say to himself: Now I am here; I sacrifice everything I have. I no longer wish to be an independent “I.” I make myself the bearer of Christ. He shall dwell within me, and from now on be everything in me!
[ 30 ] Diesen Zeitpunkt, in dem der Christus sich in eine Persönlichkeit der Erde verkörperte, deuten alle vier Evangelien an. Mögen sie auch sonst Verschiedenheiten haben, diesen Zeitpunkt, in dem der Christus in den großen Eingeweihten gleichsam hineinschlüpft, den deuten alle vier Evangelien an: Es ist die Johannes-Taufe. In jenem Augenblick, den der Schreiber des Johannes-Evangeliums so klar bezeichnet, indem er sagt, daß der Geist herunterstieg in der Gestalt einer Taube und sich vereinigte mit dem Jesus von Nazareth, da haben wir die Geburt des Christus, da wird in der Seele des Jesus von Nazareth der Christus als ein neues, höheres Ich geboren. Bis dahin hat ein anderes Ich, das eines großen Eingeweihten, sich so weitentwickelt, daß es reif war zu diesem Ereignis.
[ 30 ] All four Gospels allude to this moment when Christ incarnated into an earthly personality. However different they may be in other respects, all four Gospels allude to this moment—when Christ, as it were, slips into the great Initiate—namely, the baptism by John. At that moment, which the writer of the Gospel of John describes so clearly when he says that the Spirit descended in the form of a dove and united with Jesus of Nazareth—at that moment we have the birth of the Christ; at that moment, the Christ is born in the soul of Jesus of Nazareth as a new, higher Self. By that time, another “I”—that of a great initiate—had developed to such an extent that it was ripe for this event.
[ 31 ] Und wer sollte geboren werden in die Jesus von Nazareth-Wesenheit?
[ 31 ] And who was to be born into the Jesus of Nazareth entity?
[ 32 ] Das haben wir gestern bereits angedeutet: der Gott, der von Anfang an da war, der sich sozusagen in der geistigen Welt gehalten hat und die Menschen sich einstweilen entwickeln ließ, der sollte jetzt heruntersteigen und sich in dem Jesus von Nazareth verkörpern. — Deutet uns etwa der Schreiber des Johannes-Evangeliums das an? - Wir brauchen nur einmal in dieser Beziehung die Worte des Evangeliums ernst zu nehmen. Lesen wir zu diesem Zwecke den Anfang des Alten Testamentes:
[ 32 ] We already hinted at this yesterday: the God who has been there from the beginning, who has, so to speak, remained in the spiritual world and allowed human beings to develop for the time being, was now to descend and incarnate in Jesus of Nazareth. — Is this what the author of the Gospel of John is suggesting to us? — We need only take the words of the Gospel seriously in this regard. To this end, let us read the beginning of the Old Testament:
«Im Anfange (oder im Urbeginne) schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war wirre und finster über dem Abgrund. Und der göttliche Geist schwebte über den Wassern.»
“In the beginning (or in the very beginning), God created the heavens and the earth. And the earth was formless and empty, and darkness covered the deep. And the Spirit of God was hovering over the waters.”
[ 33 ] Stellen wir uns die Situation vor: Der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Unten steht die Erde mit ihren Reichen als den Nachfolgern des göttlichen Geistes. Unter ihnen entwickelt sich eine Individualität so weit, daß sie diesen Geist, der über den Wassern schwebte, in sich aufnehmen kann. Was sagt der Schreiber des Johannes-Evangeliums? Er sagt uns, daß der Täufer Johannes erkannt hat, daß die entsprechende Wesenheit da war, von der im Alten Testament die Rede ist. Er sagt: «Ich sah, daß der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel, und blieb auf ihm.» Er wußte, wenn der Geist auf einen herabfährt, dann ist das der, der da kommen soll: der Christus. Da haben Sie den Anfang der Weltentwickelung, den über den Wassern schwebenden Geist, da haben Sie den mit dem Wasser taufenden Johannes und den Geist, der erst über den Wassern schwebte, der jetzt in die Individualität des Jesus von Nazareth hineinfährt. Man kann nicht in grandioserer Weise, als der Schreiber des Johannes-Evangeliums es tut, das Ereignis von Palästina anknüpfen an jenes andere Ereignis, das im Anfange derselben Urkunde erzählt wird, an welche das Evangelium sich anschließt.
[ 33 ] Let us imagine the situation: The Spirit of God was hovering over the waters. Below lies the earth with its realms as the successors of the divine Spirit. Among them, an individuality develops to such an extent that it can receive within itself this Spirit that hovered over the waters. What does the author of the Gospel of John say? He tells us that John the Baptist recognized that the corresponding being, spoken of in the Old Testament, was present. He says: “I saw the Spirit descend like a dove from heaven and remain upon him.” He knew that when the Spirit descends upon someone, that is the one who is to come: the Christ. There you have the beginning of world development—the Spirit hovering over the waters; there you have John baptizing with water, and the Spirit who first hovered over the waters and now enters into the individuality of Jesus of Nazareth. There is no more magnificent way to link the event in Palestine to that other event—narrated at the beginning of the very same document to which the Gospel is appended—than the way the writer of the Gospel of John does.
[ 34 ] Aberauchin anderer Weise knüpft der Schreiber des Johannes-Evangeliums an diese älteste Urkunde an. Er tut es gerade mit den Worten, mit denen er ausdrückt, daß sich mit dem Jesus von Nazareth dasselbe verbindet, was von Anfang an geschaffen hat an aller Erdenentwickelung. Wir wissen ja, daß die ersten Worte im Johannes-Evangelium heißen:
[ 34 ] But the author of the Gospel of John also draws on this oldest document in another way. He does so precisely with the words he uses to express that Jesus of Nazareth is connected to that which, from the very beginning, has been the creative force behind all earthly development. We know, of course, that the first words of the Gospel of John are:
«Im Urbeginne war das Wort (oder der Logos), und das Wort (oder der Logos) war bei Gott, und ein Gott war das Wort (oder der Logos).»
“In the beginning was the Word (or the Logos), and the Word (or the Logos) was with God, and the Word (or the Logos) was God.”
[ 35 ] Was ist der Logos? und wie war er bei Gott? Nehmen wir einmal den Anfang des Alten Testamentes da, wo wir diesen Geist vor uns haben, von dem es heißt:
[ 35 ] What is the Logos? And how was He with God? Let us consider the beginning of the Old Testament, where we find this Spirit, of whom it is said:
«Und der göttliche Geist schwebte über den Wassern. Und der göttliche Geist rief: Es werde Licht! Und es ward Licht.»
“And the divine Spirit hovered over the waters. And the divine Spirit said, ‘Let there be light!’ And there was light.”
[ 36 ] Halten wir das fest, und drücken wir das jetzt etwas anders aus. Hören wir zu, wie der göttliche Geist das Schöpfungswort durch die Welt ruft. Was ist es, das Wort? Im Urbeginne war der Logos, und der göttliche Geist rief, und es geschah das, was der Geist rief. Das heißt: In dem Wort war Leben. Denn wenn nicht Leben darinnen gewesen wäre, so hätte es nicht geschehen können. Und was geschah? Es wird erzählt:
[ 36 ] Let’s keep that in mind and express it a little differently now. Let us listen to how the divine Spirit proclaims the Word of Creation throughout the world. What is this Word? In the very beginning was the Logos, and the divine Spirit spoke, and what the Spirit spoke came to pass. This means: In the Word was life. For if there had been no life in it, it could not have come to pass. And what came to pass? It is told:
«Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht.»
“And God said, ‘Let there be light,’ and there was light.”
[ 37 ] Und jetzt nehmen wir wieder das Johannes-Evangelium.
[ 37 ] And now let's return to the Gospel of John.
«Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort.»
“In the beginning was the Word, and the Word was with God, and the Word was God.”
[ 38 ] Nun war das Wort hineingeströmt in die Materie, war da gleichsam die äußere Gestalt der Gottheit geworden.
[ 38 ] Now the Word had flowed into matter, becoming, as it were, the outward form of the Deity.
«In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.»
“In him was life, and that life was the light of humanity.”
[ 39 ] So knüpft der Schreiber des Johannes-Evangeliums direkt an die älteste Urkunde an, an die Genesis. Nur mit etwas anderen Worten deutet er auf denselben göttlichen Geist hin. Und dann macht er uns klar, daß es der göttliche Geist ist, der dann erscheint in dem Jesus von Nazareth.
[ 39 ] Thus, the author of the Gospel of John draws directly on the oldest text, Genesis. Using slightly different words, he points to the same divine Spirit. And then he makes it clear to us that it is the divine Spirit who subsequently appears in Jesus of Nazareth.
[ 40 ] Darin ist der Schreiber des Johannes-Evangeliums mit den anderen Evangelisten einig, daß mit der Johannes-Taufe des Jesus von Nazareth der Christus in dem Jesus von Nazareth geboren wird, und daß der Jesus von Nazareth vorher sich wohl dazu vorzubereiten hatte. Und wir müssen uns darüber klar sein, daß alles, was uns vom Leben des Jesus von Nazareth vother erzählt wird, nichts anderes ist als eine Summe von Erlebnissen, die uns seinen Aufstieg in die höheren Welten in früheren Inkarnationen darlegen, wie er alles, was er in sich hatte, in seinem astralischen Leib, seinem Ätherleib und seinem physischen Leib, nach und nach zubereitet hat, um endlich den Christus aufnehmen zu können.
[ 40 ] In this regard, the author of the Gospel of John agrees with the other evangelists that, with the baptism of Jesus of Nazareth by John, the Christ is born within Jesus of Nazareth, and that Jesus of Nazareth had to prepare himself for this beforehand. And we must be clear that everything we are told about the life of Jesus of Nazareth is nothing other than a collection of experiences that reveal to us his ascent into the higher worlds in earlier incarnations—how he gradually prepared everything he possessed within himself—in his astral body, his etheric body, and his physical body—so that he might finally be able to receive the Christ.
[ 41 ] Derjenige, welcher das Lukas-Evangelium geschrieben hat, sagt sogar in etwas paradigmatischen Worten, daß der Jesus von Nazareth sich in jeglicher Beziehung vorbereitet hat auf dieses große Ereignis, auf die Geburt des Christus in ihm. Welches die einzelnen Erlebnisse sind, die ihn heraufgeführt haben bis zu dem Christus-Erlebnis, davon wollen wir morgen sprechen. Heute wollen wir noch darauf hinweisen, wie der Schreiber des Lukas-Evangeliums mit einem einzigen Satze sagt: Der, der den Christus aufgenommen hat, hat sich wohl vorbereitet in den vorhergehenden Jahren. In seinem astralischen Leib ist er so tugendvoll und edel und weise geworden, wie er werden mußte, damit der Christus in ihm geboren werden konnte. Und auch seinen Ätherleib hat er so reif gemacht und seinen physischen Leib so geschmeidig und schön, daß der Christus in ihm sein konnte.
[ 41 ] The author of the Gospel of Luke even states, in somewhat paradigmatic terms, that Jesus of Nazareth prepared himself in every respect for this great event—the birth of the Christ within him. We will speak tomorrow about the individual experiences that led him up to the experience of Christ. Today we would like to point out how the author of the Gospel of Luke states in a single sentence: The one who received the Christ had prepared himself well in the preceding years. In his astral body, he had become as virtuous, noble, and wise as he needed to be so that the Christ could be born within him. And he had also brought his etheric body to such a state of maturity and made his physical body so supple and beautiful that the Christ could dwell within him.
[ 42 ] Man braucht das Evangelium nur richtig zu verstehen. Nehmen wir im zweiten Kapitel des Lukas-Evangeliums den 52. Vers. Freilich so, wie dieser Vers in den gewöhnlichen Bibeln steht, wird er nicht das sagen, was ich jetzt eben gesagt habe. Dort heißt dieser 52. Vers des zweiten Kapitels:
[ 42 ] One simply needs to understand the Gospel correctly. Let’s take verse 52 of the second chapter of the Gospel of Luke. Of course, the way this verse appears in standard Bibles, it does not convey what I just said. There, verse 52 of the second chapter reads:
«Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.»
“And Jesus grew in wisdom, age, and favor with God and man.”
[ 43 ] Man möchte ja noch einigen Sinn damit verbinden, wenn ein solcher Mensch, wie der Schreiber des Lukas-Evangeliums, von Jesus von Nazareth sagt, daß er zunahm an Weisheit. Wenn er aber dann als ein wichtiges Ereignis erzählt, daß er an « Alter» zunahm, so ist das nicht ohne weiteres verständlich, denn das ist doch etwas, was man nicht besonders hervorzuheben braucht. Daß es dennoch geschieht, deutet darauf hin, daß hier noch etwas anderes vorliegen muß. Nehmen wir einmal den 52. Vers des zweiten Kapitels im Ürtext:
[ 43 ] One might well try to make some sense of it when someone like the author of the Gospel of Luke says of Jesus of Nazareth that he grew in wisdom. But when he then recounts as a significant event that Jesus “grew in age,” this is not immediately understandable, for that is something that does not particularly need to be emphasized. The fact that it is mentioned nonetheless suggests that there must be something else at play here. Let’s take a look at verse 52 of the second chapter in the original text:
Καὶ Ἰησοῦς προέκοπτεν ἐν τῇ σοφίᾳ καὶ ἡλικίᾳ, καὶ χάριτι παρὰ Θεῷ καὶ ἀνθρώποις.
And Jesus grew in wisdom and stature, and in favor with God and man.
[ 44 ] Das ist in Wirklichkeit aber folgendes: «Er nahm zu an Weisheit», das heißt, er bildete seinen astralischen Leib aus. Wer da weiß, an was der griechische Geist bei dem Worte ἡλικίᾳ (hēlikia) dachte, der kann Ihnen sagen, daß hier jene Entwickelung gemeint ist, die der Ätherleib durchmacht, wodurch Weisheit allmählich zur Fertigkeit wird. Sie wissen, daß der astralische Leib die Eigenschaften ausbildet, die zum einmaligen Gebrauch da sind; das heißt, man versteht einmal etwas und hat es verstanden. Der Ätherleib bildet das, was er entwickelt, als Gewohnheiten, Neigungen und Fertigkeiten aus. Durch immerwährende Wiederholung geschieht es. Das, was Weisheit ist, wird zur Gewohnheit. Man führt es aus, weil es einem in Fleisch und Blut übergegangen ist. Also dieses Zunehmen an «Reife» bedeutet es. Ebenso wie der astralische Leib an Weisheit, so ist der Ätherleib gewachsen an edlen Gewohnheiten, an Gewohnheiten zum Guten, Edlen und Schönen. Und das dritte, woran der Jesus von Nazareth zunahm, χάρις (charis), heißt in Wirklichkeit das, was als Schönheit sich offenbart und sichtbar wird. Alleanderen Übertragungen sind nicht richtig. Wit müssen übersetzen, daß er zunahm an «anmutiger Schönheit», daß sich also auch sein physischer Leib schön und edel bildete:
[ 44 ] But in reality, it is as follows: “He grew in wisdom,” that is, he developed his astral body. Anyone who knows what the Greek mind had in mind with the word ἡλικίᾳ (hēlikia) can tell you that what is meant here is the development that the etheric body undergoes, through which wisdom gradually becomes skill. You know that the astral body develops qualities that are intended for one-time use; that is, one understands something once and has understood it. The etheric body develops what it cultivates into habits, inclinations, and skills. This happens through constant repetition. What is wisdom becomes a habit. One carries it out because it has become second nature. This, then, is what this “maturity” signifies. Just as the astral body grows in wisdom, so too does the etheric body grow in noble habits—habits of goodness, nobility, and beauty. And the third quality in which Jesus of Nazareth grew, χάρις (charis), actually refers to that which reveals itself and becomes visible as beauty. All other translations are incorrect. We must translate that he grew in “graceful beauty,” meaning that his physical body also developed into something beautiful and noble:
«Und Jesus nahm zu an Weisheit (in seinem astralischen Leibe), an reifen Neigungen (in seinem Ätherleibe), und an anmutiger Schönheit (in seinem physischen Leibe), so daß das sichtbar war Gott und den Menschen.»
“And Jesus grew in wisdom (in his astral body), in mature character (in his etheric body), and in graceful beauty (in his physical body), so that this was evident to God and to people.”
[ 45 ] Da haben Sie die Schilderung des Lukas, die uns zeigt, wie er wußte, daß derjenige, welcher den Christus in sich aufnehmen sollte, die dreifache Hülle, den physischen Leib, Ätherleib und astralischen Leib, zur höchsten Entfaltung auszubilden hatte.
[ 45 ] Here is Luke’s account, which shows us how he knew that the one who was to receive the Christ within himself had to develop the threefold body—the physical body, the etheric body, and the astral body—to their highest potential.
[ 46 ] Auf diese Weise werden wir erkennen, daß man in den Evangelien wiederfinden kann, was die Geisteswissenschaft, unabhängig von den Evangelien, sagt. Dadurch ist die Geisteswissenschaft gerade eine Kulturströmung, die uns die religiösen Urkunden wiedererobert, und diese Wiedereroberung wird nicht nur ein Ereignis des menschlichen Wissens und Erkennens sein, sondern eine Eroberung des Gemütes und des Verständnisses, in Gefühl und Empfindung. Und ein solches Verständnis brauchen wir besonders, wenn wir dieses Ereignis, den Einschlag des Christus in die Menschheitsentwickelung, begreifen wollen.
[ 46 ] In this way, we will come to realize that what spiritual science teaches—independently of the Gospels—can also be found in the Gospels themselves. Thus, spiritual science is precisely a cultural movement that reclaims the religious texts for us, and this reclamation will not merely be an event of human knowledge and cognition, but a conquest of the heart and the mind, in feeling and perception. And we need such an understanding especially if we wish to grasp this event—the impact of Christ on human evolution.
