The Gospel of St. John
in comparison with the other three Gospels,
particularly the Gospel of Luke
GA 112
1 July 1909, Kassel
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The Gospel of St. John, tr. SOL
Achter Vortrag
Eighth Lecture
[ 1 ] Gestern haben wir als das Ergebnis unserer Betrachtungen gewonnen, daß der Christus-Impuls, nachdem er einmal aus der Person des Jesus von Nazareth gewirkt hatte, sich mit der Entwickelung der Erde vereinigte. Und nunmehr ist er ein so starker Impuls innerhalb der irdischen Menschheitsentwickelung, daß er heute auf den Menschen wirkt, wie ehedem gewirkt hat jene für das Leben des Menschen immer gefährlicher und gefährlicher werdende Prozedur, das Heraustretenlassen des Ätherleibes durch dreieinhalb Tage aus dem physischen Leib während der Einweihung. So stark wie eine solche Abnormität in bezug auf das Bewußtsein wirkt der Christus-Impuls.
[ 1 ] Yesterday we concluded from our reflections that the Christ impulse, after it had once worked through the person of Jesus of Nazareth, became united with the evolution of the Earth. And now it is such a powerful impulse within the development of humanity on Earth that it affects people today just as that procedure—which is becoming ever more dangerous for human life—once did: the separation of the etheric body from the physical body for three and a half days during initiation. The Christ impulse exerts an effect as powerful as that of such an abnormality with regard to consciousness.
[ 2 ] Nun müssen Sie sich vorstellen, daß in der Tat ein solcher Umschwung nur langsam und allmählich sich einleben konnte in der menschlichen Entwickelung, daß er nicht gleich von Anfang an mit dieser Stärke und Gewalt auftreten konnte. Daher war es nötig, daß in der Auferstehung des Lazarus eine Art Übergang geschaffen wurde. Lazarus war noch in einem todähnlichen Zustand dreieinhalb Tage hindurch. Aber dennoch müssen Sie sich klar darüber sein, daß dieser Zustand noch etwas anderes war als der, den die alten Eingeweihten durchgemacht hatten. Der Zustand des Lazarus war ja nicht künstlich herbeigeführt durch den Initiator wie in den alten Zeiten, wo durch Prozesse, die ich hier nicht beschreiben darf, der Ätherleib aus dem physischen Leib herausgeholt wurde. Es war, wir dürfen sagen, auf natürlichere Art geschehen. Sie können aus dem Evangelium selbst entnehmen, daß der Christus mit dem Lazarus und den beiden Schwestern Martha und Maria schon vorher verkehrt hatte, denn es heißt da (11, 3): «DerHerr hatte ihn lieb», das heißt, der Christus Jesus hatte schon lange Zeit hindurch einen großen, gewaltigen Eindruck ausgeübt auf Lazarus, der genügend dazu vorbereitet und reif gemacht war. Und die Folge war, daß es bei Lazarus nicht notwendig war, auf künstlichem Wege bei der Einweihung ein Entrücktsein durch dreieinhalb Tage hervorzurufen, sondern daß das bei ihm ganz von selbst kam unter dem gewaltigen Eindruck des Christus-Impulses. Lazarus war also sozusagen für die Außenwelt durch dreieinhalb Tage wie tot, wenn er auch während dieser Zeit das Allerwichtigste erlebt hatte, so daß nur der letzte Akt, die Auferweckung, von dem Christus vorgenommen wurde. Und wer Bescheid weiß über das, was da vorging, der erkennt noch den Nachklang an den alten Einweihungsvorgang in den Worten, die der Christus Jesus gebraucht:
[ 2 ] Now you must realize that, in fact, such a transformation could only take root slowly and gradually in human evolution; it could not occur with such intensity and force right from the start. Therefore, it was necessary to create a kind of transition in the resurrection of Lazarus. Lazarus remained in a death-like state for three and a half days. Nevertheless, you must be clear that this state was still somewhat different from the one the ancient initiates had undergone. Lazarus’s state was not, after all, artificially induced by the initiator as in ancient times, when—through processes I am not at liberty to describe here—the etheric body was extracted from the physical body. It happened, we might say, in a more natural way. You can see from the Gospel itself that Christ had already been associating with Lazarus and his two sisters, Martha and Mary, for some time, for it says there (11:3): “The Lord loved him”—that is to say, Christ Jesus had long since exerted a great and powerful influence on Lazarus, who had been sufficiently prepared and made ready for it. And the result was that, in Lazarus’s case, it was not necessary to artificially induce a three-and-a-half-day trance during the initiation; rather, it came about entirely of its own accord under the powerful influence of the Christ impulse. Lazarus was thus, so to speak, as good as dead to the outside world for three and a half days, even though during this time he had experienced what was most important, so that only the final act—the raising from the dead—was performed by Christ. And anyone who is familiar with what took place there can still recognize the echo of the ancient initiation rite in the words used by Christ Jesus:
«Lazare, komm heraus!»
“Lazare, come out!”
[ 3 ] Und der auferweckte Lazarus war, wie wir gesehen haben, der Johannes, oder besser gesagt, der Schreiber des Johannes-Evangeliums, derjenige also, der sozusagen als der erste Initiierte im christlichen Sinne das Evangelium von der Wesenheit des Christus in die Welt bringen konnte.
[ 3 ] And Lazarus, who was raised from the dead, was, as we have seen, John—or, more precisely, the writer of the Gospel of John—that is, the one who, as it were, as the first initiate in the Christian sense, was able to bring the gospel of the essence of Christ into the world.
[ 4 ] Wir dürfen daher von vornherein vermuten, daß uns dieses JohannesEvangelium, das von der heutigen, rein historisch-kritischen theologischen Forschung so malträtiert wird und nur als lyrischer Hymnus, als eine subjektive Äußerung dieses Schriftstellers hingestellt wird, in die tiefsten Geheimnisse des Christus-Impulses hineinblicken lassen wird. Heute bildet für die Materialisten in derBibelforschung dieses JohannesEvangelium einen Stein des Anstoßes, wenn man es vergleicht mit den drei anderen, den sogenannten synoptischen Evangelien. Das ChristusBild, das sie sich nach den drei ersten Evangelien machen, schmeichelt ja den gelehrten Herren unserer Zeit so sehr. Da ist sogar das Wort schon gefallen - und sogar von theologischer Seite ist das geschehen -, daß man es zu tun habe mit dem «schlichten Mann aus Nazareth». Und immer wieder wird es betont, daß man ein Bild des Christus gewinnen könne als das eines Edelsten vielleicht, der über die Erde geschritten ist, aber eben doch nur das Bild eines Menschen. Ja es ist sogar die Tendenz vorhanden, dieses Bild so weit wie möglich zu vereinfachen, und man hört dabei sagen, daß es einen Plato, einen Sokrates und noch andere Große auch gegeben hat. Man gibt wohl auch zu, daß es Gradunterschiede zwischen den einzelnen gibt.
[ 4 ] We may therefore assume from the outset that this Gospel of John—which is so maltreated by today’s purely historical-critical theological scholarship and is portrayed merely as a lyrical hymn, as a subjective expression of this writer—will allow us to glimpse into the deepest mysteries of the Christ impulse. Today, for the materialists in biblical scholarship, this Gospel of John is a stumbling block when compared to the other three, the so-called Synoptic Gospels. The image of Christ that they construct based on the first three Gospels is, after all, so very flattering to the learned gentlemen of our time. The phrase has even been used—and this has come from theological circles as well—that we are dealing with the “simple man from Nazareth.” And it is emphasized time and again that one can gain an image of Christ as perhaps the noblest being who ever walked the earth, but still only the image of a human being. Indeed, there is even a tendency to simplify this image as much as possible, and one hears it said that there was also a Plato, a Socrates, and other great figures. It is also acknowledged that there are differences in degree among them.
[ 5 ] Freilich, davon ist das Bild des Christus, das uns das Johannes-Evangelium gibt, sehr verschieden! Da wird gleich im Anfange gesagt, daß dasjenige, was durch drei Jahre im Leibe des Jesus von Nazareth wohnte, der Logos war, das urewige Wort oder - nach dem Wort, das es auch dafür gibt — die urewige schaffende Weisheit. Das kann von unserer Zeit nicht begriffen werden, .daß ein Mensch im dreißigsten Jahre seines Lebens so weit reif ist, daß er imstande ist, sein eigenes Ich hinzuopfern und aufzunehmen eine andere Wesenheit, eine Wesenheit, die schlechterdings übermenschlicher Natur ist: den Christus, den der Zarathustra als Ahura Mazdao angesprochen hat. Daher glauben solche theologischen kritischen Forscher, daß der Schreiber des JohannesEvangeliums in einer Art lyrischen Hymnus nur habe schildern wollen, wie er sich zu seinem Christus stelle, und nichts anderes. Auf der einen Seite stehe das Johannes-Evangelium und auf der anderen Seite die drei anderen Evangelien, aber wenn man ein Durchschnittsbild von dem Christus gewinnen will, könne man doch den «schlichten Mann», wenn auch mit der historischen Größe, herausschildern. Das gefällt den neueren Forschern nicht, daß man eine göttliche Wesenheit haben soll in dem Jesus von Nazareth.
[ 5 ] Of course, the image of Christ presented to us in the Gospel of John is very different from that! Right at the beginning, it is stated that what dwelt in the body of Jesus of Nazareth for three years was the Logos, the eternal Word—or, to use another term for it, the eternal creative wisdom. This is beyond the comprehension of our time—that a human being, at the age of thirty, is so mature that he is capable of sacrificing his own self and taking on another being, a being that is utterly superhuman in nature: the Christ whom Zarathustra addressed as Ahura Mazdao. Therefore, such theological-critical scholars believe that the author of the Gospel of John merely sought, in a kind of lyrical hymn, to describe his own relationship to his Christ, and nothing else. On the one hand, there is the Gospel of John, and on the other, the three other Gospels; but if one wishes to form an average picture of Christ, one can still portray the “simple man,” albeit with historical grandeur. Modern scholars do not like the idea that one should see a divine being in Jesus of Nazareth.
[ 6 ] Aus der Akasha-Chronik ergibt sich, daß in ihrem dreißigsten Jahre diejenige Persönlichkeit, die wir als Jesus von Nazareth ansprechen, durch alles, was sie durchgemacht hatte in den vorhergehenden Inkarnationen, so weit gekommen war an Reife, daß sie das eigene Ich hinopfern konnte. Denn das ist es, was da geschah, daß dieser Jesus von Nazareth, als er von Johannes getauft wurde, den Entschluß fassen konnte, als Ich, als viertes Glied der menschlichen Wesenheit, herauszusteigen aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib. Und jetzt war ein edles Hüllengebilde da, ein edler, von dem reinsten, höchstentwickelten Ich durchtränkter physischer Leib, Ätherleib und astralischer Leib. Das war wie ein reines Gefäß, und das konnte aufnehmen bei der Johannes-Taufe den Christus, den urewigen Logos, die schaffende Weisheit. So sagt uns die Akasha-Chronik. Und so erkennen wir es wieder, wenn wir es nur wollen, in der Schilderung des JohannesEvangeliums.
[ 6 ] The Akashic Records reveal that, by the age of thirty, the individual we refer to as Jesus of Nazareth had, through everything he had experienced in his previous incarnations, attained such a level of maturity that he was able to sacrifice his own ego. For this is what happened: when this Jesus of Nazareth was baptized by John, he was able to make the decision, as the “I”—the fourth member of the human being—to step out of the physical body, the etheric body, and the astral body. And now there was a noble vessel—a physical body, an etheric body, and an astral body imbued with the purest, most highly developed “I.” It was like a pure vessel, and at the baptism by John, it was able to receive the Christ, the eternal Logos, the creative wisdom. This is what the Akashic Records tell us. And this is what we recognize, if we are only willing, in the account of the Gospel of John.
[ 7 ] Aber müssen wir uns nicht auseinandersetzen mit dem, was unsere materialistische Zeit glaubt? Vielleicht werden sich einige von Ihnen wundern, daß ich von Theologen, also doch von Leuten, die vom Geistigen sprechen, wie von materialistischen Denkern rede. Aber nicht darum handelt es sich, was einer glaubt und worüber er forscht, sondern wie et forscht, gleichgültig, welches der Inhalt ist. Wer nichts wissen will von dem, was uns hier beschäftigt, wer nichts wissen will von einer geistigen Welt und nur auf das sieht, was außen in der materiellen Welt vorhanden ist an Dokumenten und so weiter, und sich dadurch ein Bild von der Welt machen will, der ist ein Materialist. Auf die Mittel der Forschung kommt es an. Aber wir müssen uns doch damit auseinandersetzen.
[ 7 ] But don’t we need to grapple with what our materialistic age believes? Perhaps some of you will be surprised that I speak of theologians—that is, people who speak of the spiritual—as if they were materialistic thinkers. But the point is not what someone believes or what they research, but how they research it, regardless of the content. Anyone who wants nothing to do with what concerns us here, who wants nothing to do with a spiritual world and looks only at what exists externally in the material world—documents and so on—and thereby seeks to form a picture of the world, is a materialist. It all comes down to the methods of research. But we must still grapple with this.
[ 8 ] Wenn Sie die Evangelien lesen, werden Sie sehen, daß darin gewisse Widersprüche sind. Zwar in bezug auf die Hauptsachen, was wir als das Wesentliche schildern können aus der Akasha-Chronik heraus, können wir sagen, daß sie in auffälliger Weise übereinstimmen. Sie stimmen überein zunächst einmal in bezug auf die Johannes-Taufe selber. Und das geht aus allen vier Evangelien hervor, daß die Schreiber dieser Evangelien der Johannes-Taufe für den Jesus von Nazareth den denkbar größten Wert beilegen. Weiter stimmen sie überein mit der Tatsache des Kreuzes-Todes und der Tatsache der Auferstehung. Das sind also gerade diejenigen Tatsachen, die für den heutigen materialistischen Denker die allerwunderbarsten sind. Darüber ist also kein Widerspruch. Aber wie sollen wir uns mit den anderen scheinbaren Widersprüchen auseinandersetzen?
[ 8 ] If you read the Gospels, you will see that there are certain contradictions in them. However, with regard to the main points—what we can describe as the essentials based on the Akashic Records—we can say that they agree in a striking way. First of all, they agree regarding the baptism by John himself. And it is clear from all four Gospels that the writers of these Gospels attach the greatest possible importance to the baptism by John of Jesus of Nazareth. Furthermore, they agree on the fact of the crucifixion and the fact of the resurrection. These are precisely the facts that are the most wondrous of all to today’s materialistic thinker. So there is no contradiction regarding these points. But how should we deal with the other apparent contradictions?
[ 9 ] Da haben wir zunächst zwei Evangelienschreiber: Markus und Johannes. Sie beginnen beide bei der Johannes-Taufe. Sie erzählen die drei letzten Jahre der Wirksamkeit des Christus Jesus, nur dasjenige also, was sich zugetragen hat, nachdem der Christus-Geist bereits Besitz ergriffen hatte von der dreifachen Hülle des Jesus von Nazareth, von dessen physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib. Dann haben wir die beiden Evangelien nach Matthäus, nach Lukas. Sie verfolgen in gewisser Beziehung auch die frühere Geschichte, was also in unserem Sinne in der Akasha-Chronik die Geschichte des Jesus von Nazareth wäre vor seiner Hinopferung für den Christus. Und da tritt denen, die nach Widersprüchen spüren wollen, gleich im Anfange entgegen, daß der Matthäus eine Ahnengeschichte mitteilt, die hinaufgeht bis zu Abraham, daß dagegen Lukas eine Abstammungsgeschichte gibt, die hinaufgeht bis zu Adam und von Adam bis zu dem Vater des Adam, bis zu Gott selber. Ein anderer Widerspruch würde sich dann daraus ergeben, wie nach Matthäus drei Weise oder Magier, von einem Stern geführt, herbeikommen, um den neugeborenen Jesus zu begrüßen, während Lukas erzählt von der Erscheinung, welche die Hirten haben, von der Anbetung der Hirten, von der Darstellung im Tempel, wogegen Matthäus wieder berichtet von der Verfolgung durch Herodes, der Flucht nach Ägypten und der Rückkehr. Das und noch vieles andere könnte man als Widersprüche im einzelnen ins Auge fassen. Wir können uns damit auseinandersetzen, wenn wir noch ein wenig genauer eingehen auf die Tatsachen, die uns unabhängig von den Evangelien durch das Lesen in der Akasha-Chronik geliefert werden.
[ 9 ] First, we have two Gospel writers: Mark and John. They both begin with the baptism of John. They recount the last three years of the ministry of Christ Jesus—that is, only what took place after the Christ Spirit had already taken possession of the threefold body of Jesus of Nazareth: his physical body, etheric body, and astral body. Then we have the two Gospels according to Matthew and Luke. In a certain sense, they also trace the earlier history—which, in our understanding, would correspond to the history of Jesus of Nazareth in the Akashic Records prior to his self-sacrifice for the Christ. And right from the start, those who are looking for contradictions are confronted with the fact that Matthew presents a genealogy tracing back to Abraham, whereas Luke provides a genealogy tracing back to Adam and from Adam to Adam’s father, all the way to God Himself. Another contradiction would then arise from the fact that, according to Matthew, three wise men or magi, guided by a star, come to greet the newborn Jesus, while Luke tells of the vision the shepherds have, of the shepherds’ worship, and of the presentation in the temple; whereas Matthew, in turn, reports on the persecution by Herod, the flight to Egypt, and the return. These and many other details could be viewed as contradictions. We can address them if we examine a little more closely the facts provided to us—independently of the Gospels—through reading the Akashic Records.
[ 10 ] Die Akasha-Chronik sagt uns, daß in der Zeit, wie sie ungefähr in der Bibel festgestellt wird — auf ein paar Jahre Unterschied kommt es nicht an -, der Jesus von Nazareth geboren ist, daß in dem Leibe des Jesus von Nazareth eine Individualität lebte, die in früheren Inkarnationen hohe Stufen der Einweihung bereits erlebt hatte, hohe Einblicke gewonnen hatte in die geistige Welt. Ja die Akasha-Chronik sagt uns noch etwas mehr, und ich will zunächst nur auf die äußeren Umrisse dessen, was sie sagt, eingehen. Die Akasha-Chronik, welche die einzige wirkliche Geschichte liefert, sagt uns, daß derjenige, welcher in diesem Jesus von Nazareth erschien, in seinen früheren Verkörperungen durchgemacht hatte in den verschiedensten Gegenden die verschiedensten Einweihungen. Und sie führt uns dahin zurück, daß dieser spätere Träger des Namens Jesus von Nazareth ursprünglich innerhalb der persischen Welt eine hohe, bedeutsame Einweihungsstufe und eine hohe, bedeutungsvolle Wirksamkeit erlangt hatte. So zeigt uns die Akasha-Chronik, wie diese Individualität, die in dem Leib des Jesus von Nazareth war, auch innerhalb der geistigen Welt des alten Persiens schon gewirkt hatte, wie sie zur Sonne hinaufgeschaut und den großen Sonnengeist als Ahura Mazdao angesprochen hatte.
[ 10 ] The Akashic Records tell us that Jesus of Nazareth was born around the time indicated in the Bible—a difference of a few years is immaterial—and that within the body of Jesus of Nazareth lived an individual who, in previous incarnations, had already attained high levels of initiation and gained profound insights into the spiritual world. Indeed, the Akashic Records tell us even more, and for now I will only touch on the broad outlines of what they say. The Akashic Records, which provide the only true history, tell us that the one who appeared as Jesus of Nazareth had, in his earlier incarnations, undergone a wide variety of initiations in the most diverse regions. And it leads us back to the fact that this later bearer of the name Jesus of Nazareth had originally attained a high, significant level of initiation and a high, meaningful influence within the Persian world. Thus, the Akashic Records show us how this individuality, which was in the body of Jesus of Nazareth, had already been active within the spiritual world of ancient Persia, how it had looked up to the sun and addressed the great Sun Spirit as Ahura Mazdao.
[ 11 ] Nun müssen wir uns darüber klar sein, daß in die Leiber dieser selben Individualität, die durch solche Inkarnationen durchgegangen war, der Christus eingezogen ist. Was heißt das: der Christus ist eingezogen in die Leiber dieser Individualität? Das heißt nichts anderes, als daß der Christus sich dieser drei Leiber zu seiner Wirksamkeit bediente, des astralischen Leibes, des Ätherleibes und des physischen Leibes des Jesus von Nazareth. Alles, was wir denken, alles, was wir in Worten aussprechen und was wir empfinden und fühlen, hängt an unserem astralischen Leib. Das ist der Träger von allem. Dreißig Jahre lang hatte der Jesus von Nazareth als Ich in diesem astralischen Leib gelebt, hatte diesem astralischen Leib mitgeteilt alles, was er in früheren Verkörperungen in sich erlebt und aufgenommen hatte. In welchem Sinne mußte denn dieser astralische Leib seine Gedanken formen? Er mußte sie so formen, daß er sich anschmiegte und angliederte der Individualität, die in ihm durch dreißig Jahre hindurch wohnte. Wenn der Zarathustra im alten Persien hinaufgeschaut hatte zur Sonne und von Ahura Mazdao gesprochen hatte, so hat sich das dem astralischen Leibe eingeprägt. In diesen astralischen Leib hinein stieg der Christus. War es also nicht ganz natürlich, daß der Christus, wenn er Gedankenbilder brauchte, wenn er Empfindungsausdrücke brauchte, sie nur in dasjenige kleiden konnte, was ihm sein astralischer Leib darbot, seien sie wie immer! Denn wenn Sie einen grauen Rock tragen, erscheinen Sie der Außenwelt in einem grauen Rock! Der Christus erschien der Außenwelt in dem Leibe des Jesus von Nazareth, in dessen physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib, so daß seine Gedanken und Empfindungen gefärbt wurden von den Gedanken- und Empfindungsbildern, die in dem Leibe des Jesus von Nazareth waren. Was Wunder also, daß uns in seinen Aussprüchen manches wiederklingt von den alten persischen Ausdrücken, und daß uns in dem Evangelium des Johannes manches wiederklingt von den Ausdrücken, die schon in der alten persischen Einweihung gebraucht worden sind! Denn der Impuls, der in dem Christus war, ging ja auf den Schüler, auf den auferweckten Lazarus über. So spricht gleichsam der astralische Leib des Jesus von Nazareth durch den Johannes in seinem Evangelium zu uns. Und was Wunder, daß wir manches Persische da anklingen hören, daß also in Ausdrücken gesprochen wird, die an die alte persische Einweihung und an ihre Gedankenformengebung anklingen. Nun hat man in Persien nicht nur mit Ahura Mazdao die Geister, die in der Sonne vereinigt sind, angesprochen, sondern es wurde in gewissem Sinne für die Sonnengeister der Ausdruck «Vohumanu» gebraucht, das heißt: das schöpferische Wort oder der schöpferische Geist. Der Logos im Sinne der schöpferischen Kraft wird zuerst in der persischen Einweihung gebraucht. Und das erscheint uns wieder gleich im ersten Verse des Johannes-Evangeliums. Manches andere noch in dem Johannes-Evangelium werden wir verstehen, wenn wir wissen, daß der Christus selber sprach durch einen astralischen Leib, der dreißig Jahre dem Jesus von Nazareth gedient hatte, und daß diese Individualität die Wiederverkörperung eines alten persischen Eingeweihten war. Und so könnte ich Ihnen vieles in dem Johannes-Evangelium zeigen, und Sie würden sehen, wie es erklärlich wird, daß gerade das intimste Evangelium da, wo es Worte gebraucht, die den Einweihungsgeheimnissen angehören, anklingt an die persische Ausdrucksweise, wie sie sich hinaufverpflanzt hat in die späteren Zeiten.
[ 11 ] Now we must be clear that Christ has entered into the bodies of this very same individuality that had gone through such incarnations. What does this mean: that Christ has entered into the bodies of this individuality? It means nothing other than that Christ made use of these three bodies for His work—the astral body, the etheric body, and the physical body of Jesus of Nazareth. Everything we think, everything we express in words, and everything we sense and feel is connected to our astral body. It is the vehicle for all of this. For thirty years, Jesus of Nazareth had lived as the “I” within this astral body, imparting to it everything he had experienced and absorbed within himself during earlier incarnations. In what sense, then, did this astral body have to shape its thoughts? It had to shape them in such a way that it conformed to and became one with the individuality that had dwelt within it for thirty years. When Zarathustra in ancient Persia had looked up at the sun and spoken of Ahura Mazdao, this had become imprinted on the astral body. Christ ascended into this astral body. Was it not, then, entirely natural that when Christ needed thought-images or expressions of feeling, he could only clothe them in whatever his astral body offered him, whatever they might be? For if you wear a gray coat, you appear to the outside world in a gray coat! Christ appeared to the outside world in the body of Jesus of Nazareth—in his physical body, etheric body, and astral body—so that his thoughts and feelings were colored by the thought- and feeling-images that were present in the body of Jesus of Nazareth. Is it any wonder, then, that in his sayings we hear echoes of the ancient Persian expressions, and that in the Gospel of John we hear echoes of the expressions already used in the ancient Persian initiation! For the impulse that was in Christ was indeed passed on to the disciple, to the resurrected Lazarus. Thus, the astral body of Jesus of Nazareth speaks to us, as it were, through John in his Gospel. And is it any wonder that we hear echoes of Persian there, that expressions are used which resonate with the ancient Persian initiation and its ways of forming thought? Now, in Persia, not only were the spirits united in the sun addressed as Ahura Mazdao, but in a certain sense the term “Vohumanu” was used for the sun spirits—that is, the creative word or the creative spirit. The Logos, in the sense of creative power, is first used in the Persian initiation. And this appears to us again right in the first verse of the Gospel of John. We will understand many other things in the Gospel of John once we know that Christ himself spoke through an astral body that had served Jesus of Nazareth for thirty years, and that this individuality was the reincarnation of an ancient Persian initiate. And so I could point out many things to you in the Gospel of John, and you would see how it becomes understandable that precisely this most intimate Gospel, where it uses words that pertain to the mysteries of initiation, echoes the Persian mode of expression as it was carried forward into later times.
[ 12 ] Wie verhält es sich nun mit den anderen Evangelisten? Wenn wir das verstehen wollen, müssen wir uns an einiges erinnern, was wir schon in den vorhergehenden Betrachtungen absolviert haben.
[ 12 ] What, then, about the other evangelists? If we want to understand this, we must recall some of what we have already covered in our previous reflections.
[ 13 ] Wir haben bereits gehört, daß es hohe geistige Wesenheiten gab, die ihren Schauplatz bei der Abtrennung der Erde von der Sonne eben auf die Sonne verlegt haben. Wir haben darauf aufmerksam gemacht, daß die äußere astralische Gestalt dieser hohen Wesenheiten, die sich zur Sonne hinausgehoben haben, gewissermaßen die Gegenbilder waren gewisser Tierformen hier auf der Erde. Da war zunächst die Gestalt des StierGeistes, das geistige Gegenbild derjenigen tierischen Naturen, die als das Wesentliche in ihrer Entwickelung haben, was man nennen könnte die Ernährungs- und Verdauungsorganisation. Das geistige Gegenbild ist natürlich etwas geistig Hohes; das irdische Abbild mag als etwas noch so Niedriges erscheinen. Also wir haben hohe geistige Wesenheiten, die ihren Schauplatz auf die Sonne verlegt haben und von dort auf die Sphäre der Erde hineinwirken und da erscheinen als die Stier-Geister. Andere erscheinen als Löwen-Geister, die ihr Gegenbild in denjenigen Tiernaturen haben, die vorzugsweise die Herz- und Blutzirkulationsorgane ausgebildet haben. Dann haben wir geistige Wesenheiten, welche Gegenbilder sind dessen, was uns in der Adlernatur im Tierreich entgegenttritt, die Adler-Geister. Und endlich haben wir solche geistige Wesenheiten, die gleichsam harmonisch die anderen Naturen vereinigen wie in einer großen Synthese, die Menschen-Geister. Es waren das die in einer gewissen Beziehung vorgeschrittensten.
[ 13 ] We have already heard that there were high spiritual beings who, when the Earth separated from the Sun, shifted their sphere of activity to the Sun itself. We have pointed out that the outer astral forms of these high spiritual beings, who have elevated themselves toward the Sun, were, in a sense, the spiritual counterparts of certain animal forms here on Earth. First there was the form of the Spirit of the Bull, the spiritual counterpart of those animal natures whose essential characteristic in their development is what one might call the nutritional and digestive system. The spiritual counterpart is, of course, something spiritually exalted; the earthly image may appear to be something quite lowly. So we have high spiritual beings who have transferred their sphere of activity to the Sun and from there influence the sphere of the Earth, appearing there as the Bull Spirits. Others appear as lion spirits, whose counterpart is found in those animal forms that have developed, above all, the organs of the heart and blood circulation. Then we have spiritual beings who are counterparts of what we encounter in the eagle nature within the animal kingdom—the eagle spirits. And finally, we have spiritual beings who, as it were, harmoniously unite the other natures as in a great synthesis—the human spirits. These were, in a certain sense, the most advanced.
[ 14 ] Nun gehen wir von da aus an die alte Einweihung. Sie gab dem Menschen die Möglichkeit, von Angesicht zu Angesicht die hohen geistigen Wesenheiten zu sehen, die dem Menschen vorangeschritten waren. Aber je nachdem die alten Menschen in Gemäßheit der alten Zeiten heruntergekommen waren von Mars, Jupiter, Saturn, Venus, mußten sie in einer anderen Weise eingeweiht werden. Daher gab es auch in der Atlantis die verschiedensten Orakelstätten. Es gab solche Orakel, die ihr geistiges Sehen vorzugsweise darauf eingestellt hatten, diejenigen Geister zu sehen, die wir als die Adler-Geister charakterisiert haben, während andere die Löwen-Geister, andere die Stier-Geister und wieder andere die Menschen-Geister sahen. Das war je nach der spezifischen Eigenart dieser einzuweihenden Menschen. Diese Verschiedenheit war ja eine der Eigentümlichkeiten der atlantischen Zeit, und die Nachklänge daran gab es noch immer bis in unsere nachatlantische Zeit hinein. So könnten Sie in Vorderasien und in Ägypten Mysterienstätten finden, wo so eingeweiht wurde, daß die Eingeweihten die hohen geistigen Wesenheiten als Stier-Geister oder als Adler-Geister sahen.
[ 14 ] Now let us turn from there to the ancient initiation. It gave human beings the opportunity to see, face to face, the high spiritual beings who had gone before them. But depending on whether the ancient people had descended from Mars, Jupiter, Saturn, or Venus in accordance with the conditions of those times, they had to be initiated in different ways. That is why there were also a wide variety of oracle sites in Atlantis. There were oracles whose spiritual vision was primarily attuned to seeing those spirits we have characterized as the eagle spirits, while others saw the lion spirits, others the bull spirits, and still others the human spirits. This depended on the specific nature of the people to be initiated. This diversity was, after all, one of the distinctive features of the Atlantean era, and its echoes persisted well into our post-Atlantean era. Thus, in the Near East and in Egypt, you could find mystery sites where initiations were conducted in such a way that the initiates saw the high spiritual beings as bull spirits or as eagle spirits.
[ 15 ] Aus den Mysterien ist dann die äußere Kultur herausgeflossen. Diejenigen, welche so schauen konnten, daß sie die hohen geistigen Wesenheiten in der Löwenform sahen, sie haben auch in dem Löwenkörper eine Art Abbild dessen geschaffen, was sie gesehen haben. Nur haben sie gesagt: Diese Geister sind beteiligt an dem Werden des Menschen und sie haben daher dem Löwenleib einen Menschenkopf gegeben. Daraus ist dann später die Sphinx geworden. Diejenigen, welche die geistigen Gegenbilder als Stier-Geister gesehen haben, drückten es dadurch aus, daß sie ihr Zeugnis von der geistigen Welt verkündeten, indem sie die Stier-Verehrung einführten, was dann einmal zur Verehrung des Apis-Stieres in Ägypten und auf der anderen Seite zur Verehrung des persischen Mithras-Stieres geführt hat. Denn das, was wir an äußeren Kultusgebräuchen bei den verschiedenen Völkern finden, ist herausgeflossen aus den Einweihungstiten.
[ 15 ] Out of the mysteries, external culture then emerged. Those who were able to see the high spiritual beings in the form of a lion also created, within the lion’s body, a kind of image of what they had seen. However, they said: “These spirits are involved in the development of the human being,” and so they gave the lion’s body a human head. This later became the sphinx. Those who saw the spiritual counterparts as bull spirits expressed this by proclaiming their testimony of the spiritual world through the introduction of bull worship, which eventually led, on the one hand, to the worship of the Apis bull in Egypt and, on the other hand, to the worship of the Persian Mithraic bull. For what we find in the external cult practices of various peoples has flowed out of the initiation rites.
[ 16 ] So gab es überall Eingeweihte, die in ihrem geistigen Schauen mehr eingestellt waren auf die Stier-Geister, andere, die mehr auf die AdlerGeister eingestellt waren und so weiter. Wir können in einer gewissen Weise auch den Unterschied angeben zwischen den verschiedenen Einweihungsarten. Solche Menschen zum Beispiel, die so eingeweiht waren, daß ihnen die geistigen Wesenheiten in der Form der Stier-Geister erschienen, waren namentlich über diejenigen Verhältnisse der Menschennatur unterrichtet, welche sozusagen die mit dem Drüsensystem, die mit dem Ätherischen zusammenhängenden Geheimnisse enthielten. Und noch in ein anderes Gebiet der menschlichen Natur waren sie eingeweiht: In das, was vom Menschen sozusagen fest an der Erde hängt, was an die Erde geschmiedet ist. Das durchschauten alle diejenigen, welche in die Stier-Geheimnisse eingeweiht waren.
[ 16 ] Thus, there were initiates everywhere who, in their spiritual vision, were more attuned to the bull spirits, others who were more attuned to the eagle spirits, and so on. In a certain sense, we can also describe the difference between the various types of initiation. For example, those who were initiated in such a way that the spiritual beings appeared to them in the form of bull spirits were specifically instructed in those aspects of human nature that, so to speak, contained the mysteries connected with the glandular system and the etheric body. And they were initiated into yet another realm of human nature: that which, so to speak, binds the human being firmly to the earth, that which is forged to the earth. All those who were initiated into the mysteries of Taurus understood this.
[ 17 ] Versuchen wir es, uns in die Gemütslage eines solchen Eingeweihten zu versetzen. Diese Eingeweihten hatten von ihren großen Lehrern etwa folgende Lehre empfangen: Der Mensch ist herabgestiegen von göttlichen Höhen. Diejenigen, welche die ersten Menschen waren, waren die Nachkommen göttlich-geistiger Wesenheiten. Daher führten sie den ersten Menschen zurück auf seinen Vater-Gott. So ist der Mensch herunter gekommen auf die Erde, ist von Erdengestalt zu Erdengestalt gegangen. Was an die Erde gefesselt war, hat dieseMenschen vorzugsweise interessiert, und sie hatten Interesse für alles das, was die Menschen damals erlebt hatten, als sie zu ihren Vätern die göttlich-geistigen Wesenheiten zählten. — So war es bei den Stier-Eingeweihten.
[ 17 ] Let us try to put ourselves in the mindset of such an initiate. These initiates had received roughly the following teaching from their great teachers: Human beings have descended from divine heights. The first human beings were the descendants of divine-spiritual beings. Therefore, they led the first human beings back to their Father-God. Thus, human beings came down to Earth, passing from one earthly form to another. These people were particularly interested in what was bound to the Earth, and they took an interest in everything that people had experienced back then, when they counted the divine-spiritual beings among their fathers. — This was the case with the Taurus Initiates.
[ 18 ] Anders war es bei den Adler-Eingeweihten. Die sahen jene geistigen Wesenheiten, die sich in ganz eigentümlicher Art zu dem verhalten, was Mensch ist. Aber um das zu verstehen, müssen wir ein paar Worte wenigstens sprechen über die spirituelle Art der Vogelnatur.
[ 18 ] The situation was different for those initiated into the mystery of the eagle. They saw those spiritual beings that relate to human beings in a very peculiar way. But to understand this, we must at least say a few words about the spiritual nature of birds.
[ 19 ] In den Tieren, die durch ihre niedrigeren Verrichtungen unter den Menschen stehen, haben wir ja solche Wesenheiten zu sehen, die sich sozusagen zu früh verhärtet haben, die ihre Leibessubstanz nicht weich und biegsam erhalten haben bis zu dem Moment, wo sie hätten in die Menschengestalt aufgenommen werden können. Wir haben aber in der Vogelnatur solche Wesenheiten, die zwar nicht die niedersten Funktionen aufgenommen haben, die aber nach oben den Punkt übersprungen haben. Sie sind gleichsam nicht tief genug heruntergestiegen, sie haben sich zunächst in zu weichen Substanzen erhalten, während die anderen in zu harten Substanzen gelebt haben. Und als die Entwickelung immer weiter und weiter ging, mußten sie durch die äußeren Verhältnisse schon verdichtet werden. So wurden sie in einer Weise verdichtet, die einer zu weichen, einer zu wenig auf die Erde herabgestiegenen Natur entspricht. Das ist zwar grob und populär ausgedrückt, aber es entspricht dem Sachverhalt. Diesen Vogelnaturen entsprechen als Urbilder diejenigen geistigen Wesenheiten, die auch nach oben den Punkt überschritten haben, die sich in einer zu weichen geistigen Substanz erhalten haben und die daher in ihrem Fortschritt gleichsam über das, was sie hätten in einem bestimmten Zeitpunkt werden können, hinausflogen. Sie weichen nach oben ab, während die übrigen nach unten abweichen. Gewissermaßen in der Mitte stehen die Löwen-Geister und die harmonischen Geister, die gerade den richtigen Zeitpunkt eingehalten haben, die Menschen-Geister.
[ 19 ] In the animals, which rank below humans because of their lower functions, we see beings that have, so to speak, hardened too early—beings that have not maintained their physical substance in a soft and supple state until the moment when they could have been incorporated into human form. In the bird kingdom, however, we find beings who, while not having assumed the lowest functions, have nevertheless skipped over the intermediate stage. They have, as it were, not descended deeply enough; they initially maintained themselves in substances that were too soft, while the others lived in substances that were too hard. And as evolution continued further and further, external circumstances forced them to become denser. Thus they were densified in a way that corresponds to a nature that is too soft—one that has not descended far enough to Earth. This is, admittedly, a crude and popular way of putting it, but it corresponds to the facts. Corresponding to these bird-like natures as archetypes are those spiritual beings who have also crossed the threshold upward, who have preserved themselves in a spiritual substance that is too soft, and who therefore, in their progress, have, as it were, soared beyond what they could have become at a certain point in time. They diverge upward, while the rest diverge downward. In a sense, the lion spirits and the harmonious spirits—who adhered precisely to the right moment—stand in the middle; these are the human spirits.
[ 20 ] Nun haben wir uns schon klar gemacht, wie diejenigen, die etwas von der alten Einweihung erhalten hatten, das Christus-Ereignis aufnahmen. Sie hatten früher schon hineinblicken können in die geistige Welt, und zwar so, wie es eben in Gemäßheit ihrer spezifischen Einweihung sein konnte. Diejenigen, welche die Stier-Einweihung erhalten hatten - sagen wir die Eingeweihten eines großen Teiles des Ägypterlandes -, sie wußten: Wir können hinaufschauen in die geistige Welt; daher erscheinen uns auch die hohen geistigen Wesenheiten in den Gegenbildern zu der Stiernatur im Menschen. Aber jetzt, so sagten sich diejenigen, die dem Christus-Impuls nahegetreten waren, jetzt ist uns in der wahren Gestalt das erschienen, was der Herrscher im geistigen Reiche ist. Was wir früher immer gesehen haben, wozu wir uns aufgeschwungen haben durch die Stufen unserer Einweihung, das hat uns eine Vorgestalt dargestellt für den Christus. Der Christus ist es, den wir hineinversetzen müssen in das, was wir früher gesehen haben. Wenn wir uns an alles das erinnern, was wir gesehen haben, was uns nach und nach die geistigen Welten erschlossen hat, wohin würde es uns geführt haben, wenn wir damals schon auf der entsprechenden Höhe gewesen wären? Zum Christus hätte es uns geführt! - Ein solcher Eingeweihter beschrieb im Sinne der Stier-Einweihung den Gang in die geistige Welt. Dann aber sagte er: Das Wahre, was in ihr ist, das ist der Christus. — Und ebenso sprach ein Löwen-Eingeweihter, ein Adler-Eingeweihter.
[ 20 ] We have already seen how those who had received some aspect of the ancient initiation perceived the Christ event. They had previously been able to glimpse into the spiritual world, in a way that corresponded to their specific initiation. Those who had received the Taurus initiation—let us say, the initiates of a large part of the land of Egypt—knew: We can look up into the spiritual world; therefore, the high spiritual beings also appear to us in the counterparts to the Taurus nature in human beings. But now, said those who had drawn near to the Christ impulse, now what has appeared to us in its true form is the Ruler of the spiritual realm. What we had always seen before—what we had ascended to through the stages of our initiation—had presented us with a foreshadowing of the Christ. It is Christ whom we must place within what we saw before. When we recall all that we have seen—what the spiritual worlds have gradually revealed to us—where would it have led us if we had already been at the appropriate level back then? It would have led us to Christ! — Such an initiate described the journey into the spiritual world in terms of the Bull Initiation. But then he said: “The Truth that is within it is Christ.” — And a Lion initiate and an Eagle initiate spoke in the same way.
[ 21 ] Alle diese Einweihungsmysterien hatten ihre ganz bestimmten Vorschriften, wie der Betreffende in die geistige Welt hinaufgeführt werden sollte. Es unterschieden sich die Ritualien je nachdem, wie man in die geistige Welt hineinkommen sollte. Und insbesondere in Vorderasien und in Ägypten gab es die verschiedensten Schattierungen der Mysterien, wo es besonders üblich war, die Eingeweihten so zu führen, daß sie zuletzt zur Stiernatur kamen, und solche Einweihungen, die zur Anschauung der Löwen-Geister kamen und so weiter.
[ 21 ] All of these initiation mysteries had their own specific rules regarding how the initiate was to be led into the spiritual world. The rituals differed depending on how one was to enter the spiritual world. And particularly in the Near East and in Egypt, there were the most diverse variations of the mysteries, where it was especially common to guide the initiates in such a way that they ultimately reached the nature of the bull, and there were initiations that led to the vision of the lion spirits, and so on.
[ 22 ] Nun fassen wir von diesem Gesichtspunkt einmal diejenigen auf, welche nach früheren Einweihungen der verschiedenartigsten Natur sich dazu reif gemacht hatten, den Christus-Impuls zu fühlen, den Christus in der richtigen Weise zu erfassen. Betrachten wir einmal einen Eingeweihten, der durch jene Stufen durchgegangen ist, die ihn zur Anschauung des Menschen-Geistes geführt haben. Ein solcher Eingeweihter konnte sich sagen: Der wirkliche Herrscher in der geistigen Welt ist mir erschienen, der Christus ist es, der in dem Jesus von Nazareth gelebt hat! Was hat mich dazu geführt? Meine alte Einweihung! Er kannte den Gang, der zu der Anschauung des Menschen-Geistes führt. So schildert er, was der Mensch erlebt, um zu der Einweihung zu kommen und überhaupt die Christus-Natur erkennen zu können. Er kannte die Einweihung so, wie sie in denjenigen Mysterien vorgeschrieben war, die zur Menschen-Einweihung führten. Daher erschien ihm auch der hohe Eingeweihte, der in dem Jesus von Nazareth-Körper war, in dem Bilde der Mysterien, die er durchgemacht und erkannt hatte; und er schilderte ihn so, wie er die Sache selbst ansah. Das ist der Fall in der Schilderung nach Matthäus. Daher hat eine ältere Tradition durchaus ein Richtiges getroffen, wenn sie den Schreiber des MatthäusEvangeliums verbindet mit demjenigen der vier Symbole, die sich Ihnen hier an den Kapitälen der Säulen rechts und links zeigen, das wir als das Symbolum des Menschen bezeichnen. Eine ältere Tradition bringt den Schreiber des Evangeliums nach Matthäus mit dem Menschen-Geist zusammen. Das rührt davon her, weil der Schreiber des Matthäus-Evangeliums sozusagen als seinen eigenen Ausgangspunkt gekannt hat die Einweihung zum Menschen-Mysterium. Denn in den Zeiten der Evangelienschreibung war es noch nicht üblich, Biographien zu schreiben, wie man es heute tut. Damals erschien den Leuten als das Wesentlichste, daß ein hoher Eingeweihter da war, der den Christus in sich aufgenommen hatte. Wie man ein Eingeweihter wird, was man durchzumachen hat als Eingeweihter, das war ihnen das Wichtigste. Daher überspringen sie die äußeren Ereignisse von Tag zu Tag, die heute den Biographen so wichtig erscheinen.
[ 22 ] Now, from this perspective, let us consider those who, through earlier initiations of the most varied kinds, had matured to the point of being able to feel the Christ impulse and to grasp Christ in the proper way. Let us consider an initiate who has passed through those stages that have led him to the vision of the human spirit. Such an initiate could say to himself: The true ruler of the spiritual world has appeared to me—it is Christ who lived in Jesus of Nazareth! What led me to this? My former initiation! He knew the path that leads to the vision of the human spirit. Thus he describes what a person experiences in order to attain initiation and to be able to recognize the Christ nature at all. He knew initiation as it was prescribed in those mysteries that led to human initiation. That is why the high initiate, who was in the body of Jesus of Nazareth, appeared to him in the image of the mysteries he had undergone and come to know; and he described him as he himself viewed the matter. This is the case in the account according to Matthew. Therefore, an older tradition was certainly correct in associating the writer of the Gospel of Matthew with the figure depicted in the four symbols shown to you here on the capitals of the columns to the right and left, which we refer to as the Symbolum of Man. An older tradition identifies the writer of the Gospel according to Matthew with the Human Spirit. This stems from the fact that the writer of the Gospel of Matthew, so to speak, regarded his initiation into the Mystery of Man as his own starting point. For in the time when the Gospels were written, it was not yet customary to write biographies as we do today. At that time, what seemed most essential to people was that there was a highly initiated individual who had taken Christ into himself. How one becomes an initiate, and what one must go through as an initiate—that was what mattered most to them. Therefore, they skip over the day-to-day external events that seem so important to biographers today.
[ 23 ] Was tut heute nicht alles ein Biographienschreiber, damit er genügendes Material bekommt! Einmal hat der «Schwaben-Vischer», Friedrich Theodor Vischer, ein sehr gutes Bild gebraucht über einen gelehrten Herrn, indem er die Art und Weise, wie heute Biographien geschrieben werden, ironisierte. Er meinte: Da habe sich einmal ein junger Gelehrter daran gemacht, eine Doktordissertation zu schreiben, und zwar über Goethe. Zunächst habe er sich an die Vorarbeiten gemacht und dazu alles gesammelt, was er brauchen konnte. Da er aber damit nicht zufrieden war, ging er auf alle Hausböden in allen Städten, wo Goethe gelebt hat, stöberte dort herum, suchte auch in allen anderen Kammern. Überall kehrte er den Staub aus allen Ecken hervor, stieß übelriechende Kehrichtfässer um, um alles zu finden, was etwa noch zu finden wäre, um dann eine Dissertation zu schreiben «Über den Zusammenhang der Frostbeulen der Frau Christiane von Goethe mit den mythologisch allegorisch-symbolischen Figuren im zweiten Teil des Faust»! Das ist zwar sehr stark aufgetragen, aber im Geiste paßt es auf die Biographienschreiber der Gegenwart. Die Schreiber, die über Goethe schreiben wollen, riechen in alle möglichen Unrathaufen hinein, um ihre Biographien zu schreiben. Das Wort Diskretion kennen sie heute nicht mehr.
[ 23 ] What lengths a biographer will go to these days just to get enough material! Once, the “Swabian Vischer,” Friedrich Theodor Vischer, used a very apt analogy about a learned gentleman to satirize the way biographies are written today. He said: Once upon a time, a young scholar set out to write a doctoral dissertation—specifically, one on Goethe. First, he began the preliminary work and gathered everything he could possibly need. But since he wasn’t satisfied with that, he went up to every attic in every city where Goethe had lived, rummaged around there, and searched every other room as well. Everywhere he swept dust out of every corner and knocked over foul-smelling trash barrels in order to find anything that might still be found, all so he could then write a dissertation titled “On the Connection Between Mrs. Christiane von Goethe’s Frostbites and the Mythological, Allegorical, and Symbolic Figures in the Second Part of Faust”! Admittedly, this is a bit of an exaggeration, but in spirit it applies to today’s biographers. The writers who want to write about Goethe rummage through all sorts of rubbish heaps to write their biographies. They no longer know the meaning of the word “discretion.”
[ 24 ] Anders aber haben diejenigen geschildert, welche den Jesus von Nazareth in ihren Evangelien beschrieben haben. Ihnen verschwand alles an äußeren Ereignissen gegenüber den Etappen, die der Jesus von Nazareth als Eingeweihter durchzumachen hatte. Das beschrieben sie, aber auch ein jeder nach seiner Art, wie er es wußte.
[ 24 ] Those who described Jesus of Nazareth in their Gospels, however, portrayed him differently. To them, all external events paled in comparison to the stages that Jesus of Nazareth had to go through as an initiate. They described this, though each in his own way, according to what he knew.
[ 25 ] Matthäus beschreibt es nach der Art der Eingeweihten, die in den Menschen-Geist eingeweiht waren. Diese Einweihung stand der ägyptischen Weisheit nahe. - Und jetzt können wir auch begreifen, wie derjenige, der das Evangelium nach Lukas schrieb, zu seiner eigenartigen Darstellung gekommen ist. Er war ein solcher, der in seinen früheren Inkarnationen Einweihungen erlangt hatte, die zu dem Stier-Geist führten. Er konnte das beschreiben, was einer solchen Einweihung entsprach, er konnte sagen: Diese Etappen mußte ein großer Eingeweihter durchgemacht haben! Und er beschrieb ihn in seiner Färbung. Er war einer derjenigen, die früher hauptsächlich innerhalb der ägyptischen Mysterien gelebt hatten. Daher wundert uns nicht, daß er uns gerade denjenigen Zug anführt, der uns sozusagen den mehr ägyptischen Charakter der Einweihung darstellt. Nehmen wir den Schreiber des LukasEvangeliums einmal nach dem, was wir jetzt von diesem Standpunkte aus gewonnen haben. Er sagte sich: In derjenigen Individualität, die in dem Leibe des Jesus von Nazareth war, lebte ein hoher Eingeweihter. Ich habe kennengelernt, wie man durch die ägyptischen Mysterien zur Stier-Einweihung dringt. Das weiß ich. - Ihm war ja besonders gegenwärtig diese Art von Einweihung. Und nun sagte er sich: Derjenige, welcher ein so hoher Eingeweihter geworden ist wie der Jesus von Nazareth, der ist in seinen früheren Inkarnationen neben allen übrigen Einweihungen auch durchgegangen durch eine ägyptische Einweihung. - Also wir haben in dem Jesus von Nazareth einen Eingeweihten, der durch die ägyptische Einweihung hindurchgegangen ist. Das wußten natürlich auch die übrigen Evangelisten. Ihnen erschien es aber nicht als ein besonders Wichtiges, weil sie die Einweihung von dieser Seite her nicht so genau kannten. Daher fiel ihnen auch nicht ein besonderer Zug bei dem Jesus von Nazareth auf.
[ 25 ] Matthew describes it in the manner of the initiates who had been initiated into the human spirit. This initiation was closely related to Egyptian wisdom. — And now we can also understand how the author of the Gospel according to Luke arrived at his distinctive account. He was one who, in his earlier incarnations, had attained initiations that led to the Spirit of the Bull. He was able to describe what such an initiation entailed; he could say: A great initiate must have gone through these stages! And he described it in its characteristic tone. He was one of those who had previously lived primarily within the Egyptian mysteries. Therefore, it is no surprise to us that he highlights precisely that aspect which, so to speak, reveals the more Egyptian character of the initiation. Let us consider the writer of the Gospel of Luke in light of what we have now gained from this perspective. He said to himself: In that individuality that was in the body of Jesus of Nazareth lived a high-ranking initiate. I have come to understand how one progresses through the Egyptian mysteries to the Bull Initiation. I know that. — This particular kind of initiation was especially present in his mind. And now he said to himself: “The one who has become as high an initiate as Jesus of Nazareth has, in his earlier incarnations, undergone an Egyptian initiation in addition to all his other initiations.” - So in Jesus of Nazareth we have an initiate who has undergone the Egyptian initiation. The other evangelists knew this, of course. But it did not strike them as particularly important, because they were not so familiar with the initiation from this perspective. That is why no particular trait of Jesus of Nazareth caught their attention.
[ 26 ] Ich habe schon in den ersten Stunden gesagt: Wenn ein Mensch eine Einweihung früher durchgemacht hat, so geschieht etwas Besonderes mit ihm, wenn er wiedererscheint. Da treten dann ganz bestimmte Ereignisse ein, die sich wie eine Wiederholung dessen in der äußeren Welt ausnehmen, was man früher durchgemacht hat. Nehmen wir an, ein Mensch habe eine Einweihung im alten Irland durchgemacht, dann müßte er jetzt durch ein äußeres Lebensereignis an diese alte irische Einweihung erinnert werden. Das würde sich zum Beispiel dadurch erweisen, daß er durch ein äußeres Ereignis veranlaßt würde, eine Reise nach Irland zu machen. Demjenigen, der die irische Einweihung genauer kennt, wird es auffallen, daß der Betreffende gerade nach Irland reist. Wer sie nicht kennt, der wird es nicht als einen besonderen Zug betrachten.
[ 26 ] I said already in the first few hours: When a person has undergone an initiation in the past, something special happens to them when they reappear. Very specific events then occur that appear, in the outer world, to be a repetition of what one has experienced before. Let’s suppose a person underwent an initiation in ancient Ireland; then an external life event would now have to remind them of that ancient Irish initiation. This would manifest, for example, in their being prompted by an external event to take a trip to Ireland. Those familiar with the Irish initiation will notice that the person in question is traveling to Ireland. Those unfamiliar with it will not regard this as a significant detail.
[ 27 ] Diejenige Individualität, die in dem Jesus von Nazareth lebte, war auch in die ägyptischen Mysterien eingeweiht. Daher auch der Zug nach Ägypten. Wem mußte also diese «Flucht nach Ägypten » besonders auffallen? Dem, der sie aus dem eigenen Leben kannte, und ein solcher schilderte daher auch diesen besonderen Zug, weil er wußte, was das zu bedeuten hat. Sie wird im Matthäus-Evangelium geschildert, weil der Schreiber von seiner eigenen Einweihung wußte, was in alten Zeiten für viele Eingeweihte eine Reise nach Ägypten bedeutet hat. Und wenn Sie jetzt wissen, daß wir es in dem Schreiber des Lukas-Evangeliums mit einem Menschen zu tun haben, der insbesondere die Einweihung kannte aus den ägyptischen Mysterien, die zum Stier-Dienst führten, so werden Sie es nicht unberechtigt finden, wenn eine ältere Tradition den Schreiber des Lukas-Evangeliums mit dem Stier-Symbolum zusammenbringt. Er schildert aus guten Gründen - welche auszuführen hier die Zeit mangelt - keine ägyptische Reise. Aber er gibt solche typische Vorgänge an, deren Wert zu beurteilen vorzugsweise einem der ägyptischen Einweihung Nahestehenden vertraut war. Der Schreiber des Matthäus-Evangeliums gibt die Beziehungen des Jesus von Nazareth mit Ägypten mehr äußerlich durch die Reise nach Ägypten an. Der Schreiber des Lukas-Evangeliums sieht die ganzen Vorgänge, welche er schildert, in dem Geiste an, den eine ägyptische Einweihung gegeben hat.
[ 27 ] The individuality that lived within Jesus of Nazareth had also been initiated into the Egyptian mysteries. Hence the journey to Egypt. To whom, then, must this “flight to Egypt” have been particularly striking? To the one who knew it from his own life, and such a person therefore also described this particular journey because he knew what it meant. It is described in the Gospel of Matthew because the writer knew from his own initiation what a journey to Egypt had meant for many initiates in ancient times. And now that you know that the author of the Gospel of Luke was a person who was particularly familiar with the initiation from the Egyptian mysteries leading to the Service of the Bull, you will not find it unreasonable that an older tradition associates the author of the Gospel of Luke with the symbol of the bull. For good reasons—which there is not enough time to elaborate on here—he does not describe a journey to Egypt. But he does mention such typical events whose significance could best be assessed by someone familiar with the Egyptian initiation. The author of the Gospel of Matthew describes the connections between Jesus of Nazareth and Egypt in a more superficial manner through the journey to Egypt. The author of the Gospel of Luke views all the events he describes in the spirit imparted by an Egyptian initiation.
[ 28 ] Nun betrachten wir einmal den Schreiber des Evangeliums nach Markus. Er läßt alle Vorgeschichte weg, beschreibt insbesondere das Wirken des Christus in dem Leib des Jesus von Nazareth durch drei Jahre. In dieser Beziehung stimmt das Markus-Evangelium mit dem Johannes-Evangelium vollständig überein. Der Schreiber des Markus-Evangeliums ist durch eine Einweihung hindurchgegangen, die sehr ähnlich ist den vorderasiatischen, ja selbst den griechischen Einweihungen, wenn wir so sagen wollen, den europäisch-asiatisch-heidnischen Einweihungen, wie sie damals die modernsten waren. Sie spiegeln sich alle in der äußeren Welt in der Weise ab, daß derjenige, der eine hohe Persönlichkeit ist, der in einer gewissen Weise eingeweiht ist, nicht bloß einem natürlichen, sondern einen übernatürlichen Ereignisse seinen Ursprung verdankt. Denken Sie daran, daß die Plato-Verehrer, die sich Plato in der rechten Weise vorstellen wollten, gar kein besonderes Interesse dafür hatten, wer der leibliche Vater des Plato war. Ihnen überstrahlte die Geistigkeit des Plato alles übrige. Daher sagten sie: Das, was als die Plato-Seele in dem Plato-Leib gelebt hat, dieser Plato wird für uns geboren als eine hohe geistige Wesenheit, die die niedere Menschlichkeit befruchtet. Und sie schrieben daher die Geburt desjenigen Plato, der ihnen wertvoll war, des erweckten Plato, dem Gott Apollo zu. Plato war ihnen ein Sohn des Apollo. Gerade bei diesen Mysterien war es üblich, sich gar nicht besonders um das Vorleben des betreffenden Menschen zu kümmern, sondern den Zeitpunkt ins Auge zu fassen, wo der Betreffende das wurde, was man in den Evangelien so oft erwähnt: ein Götter-Sohn, ein Gottessohn. Plato, ein Gottessohn! So haben ihn diejenigen beschrieben, die seine edelsten Verehrer und seine edelsten Kenner waren.
[ 28 ] Now let us consider the author of the Gospel according to Mark. He omits all the background history and focuses specifically on describing the ministry of Christ in the body of Jesus of Nazareth over a period of three years. In this regard, the Gospel of Mark is in complete agreement with the Gospel of John. The author of the Gospel of Mark underwent an initiation that is very similar to those of the Near East, and even to the Greek initiations—if we may put it that way—the European-Asian-pagan initiations, which were the most advanced of their time. They are all reflected in the external world in such a way that a person of high stature—one who is, in a certain sense, initiated—owes his origin not merely to a natural event but to a supernatural one. Remember that the admirers of Plato, who sought to conceive of him in the proper way, had no particular interest in who Plato’s biological father was. To them, Plato’s spiritual nature outshone everything else. Therefore, they said: That which lived as the soul of Plato within the body of Plato—this Plato is born to us as a lofty spiritual being who enlivens lower humanity. And so they attributed the birth of the Plato who was precious to them—the awakened Plato—to the god Apollo. To them, Plato was a son of Apollo. In these mysteries in particular, it was customary not to concern oneself particularly with the previous life of the person in question, but rather to focus on the moment when the individual became what is so often mentioned in the Gospels: a son of the gods, a son of God. Plato, a son of God! This is how he was described by those who were his noblest admirers and his noblest connoisseurs.
[ 29 ] Dabei müssen wir uns klar sein, was eine solche Beschreibung für eine Bedeutung hatte für das menschliche Leben solcher Götter-Söhne auf der Erde. Gerade in dem vierten Zeitraum geschah es ja, daß sich die Menschen am meisten einfügten der physisch-sinnlichen Welt, daß sie diese Erde liebgewannen. Die alten Götter waren ihnen lieb, weil sie darstellen konnten, wie gerade die führenden Söhne der Erde GötterSöhne waren. Das, was auf der Erde wandelte, sollte in dieser Weise dargestellt werden.
[ 29 ] We must be clear about what significance such a description had for the human lives of these Sons of the Gods on Earth. It was precisely during the fourth epoch that human beings became most attuned to the physical-sensory world and grew to love this Earth. They loved the ancient gods because they could depict how the leading sons of the Earth were, in fact, Sons of the Gods. That which walked upon the Earth was to be portrayed in this way.
[ 30 ] Ein solcher war der Schreiber des Markus-Evangeliums. Er beschreibt daher erst das, was nach der Johannes-Taufe sich zugetragen hat. Eine solche Einweihung, wie sie der Schreiber des Markus-Evangeliums durchgemacht hatte, führte zur Erkenntnis der höheren Welt unter dem Bilde des Löwen-Geistes. Daher bringt eine alte Tradition den Schreiber des Markus-Evangeliums mit dem Symbolum des Löwen in Zusammenhang. Und jetzt blicken wir noch einmal zurück auf das, was wir heute schon berührt haben - auf das Johannes-Evangelium.
[ 30 ] The writer of the Gospel of Mark was one such person. He therefore begins by describing what took place after John’s baptism. An initiation such as that undergone by the writer of the Gospel of Mark led to the recognition of the higher world through the image of the lion spirit. This is why an ancient tradition associates the writer of the Gospel of Mark with the symbol of the lion. And now let us look back once more at what we have already touched upon today—the Gospel of John.
[ 31 ] Wir haben gesagt: Derjenige, der das Johannes-Evangelium geschrieben hat, ist von dem Christus Jesus selbst initiiert worden. Dadurch konnte er etwas geben, was sozusagen den Keim enthält nicht nur für die gegenwärtige Wirksamkeit des Christus-Impulses, sondern für die Wirksamkeit des Christus-Impulses in die fernste Zeit hinein. Er verkündet etwas, was noch Gültigkeit haben wird in die fernste Zukunft hinein. Er ist einer von den Adler-Eingeweihten, die den normalen Punkt übersprungen hatten. Das Normale für die damalige Zeit gibt der Markus-Schreiber. Was über diese Zeit hinausreicht, was uns zeigt, wie der Christus in der fernsten Zukunft wirkt, was alles das überfliegt, was an der Erde haftet, das finden wir bei Johannes. Daher bringt die Tradition den Johannes zusammen mit dem Symbolum des Adlers.
[ 31 ] We have said: The one who wrote the Gospel of John was initiated by Christ Jesus himself. This enabled him to offer something that contains, so to speak, the seed not only for the present-day effectiveness of the Christ impulse, but also for the effectiveness of the Christ impulse far into the future. He proclaims something that will remain valid far into the future. He is one of the Eagle Initiates who had transcended the ordinary stage. The writer of Mark presents what was normal for that time. What extends beyond that time, what shows us how Christ will work in the farthest future, what soars above all that is bound to the earth—we find this in John. That is why tradition associates John with the symbol of the eagle.
[ 32 ] So sehen Sie, daß eine solche alte Tradition, welche die Evangelisten mit dem zusammenstellt, was sozusagen das Wesen ihrer eigenen vorhandenen Einweihung ausmachte, durchaus nicht auf eine bloße Phantasie gegründet ist, sondern daß sie herausgeboren ist aus den tiefsten Grundlagen der christlichen Entwickelung. So tief muß man hineinschauen in die Geschehnisse. Dann wird man begreifen, daß die größten, die überragendsten Ereignisse in dem Christus-Leben in derselben Weise geschildert werden, daß aber ein jeder der Evangelisten den Christus Jesus so schildert, wie er ihn begreift nach der Art seiner Einweihung. Angedeutet habe ich das schon in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache», aber so, wie man es für ein noch nicht vorbereitetes Publikum andeuten kann, denn es ist im Anfange unserer geisteswissenschaftlichen Entwickelung geschrieben. Es ist dort Rücksicht genommen worden auf das mangelnde Verständnis unserer Zeit gegenüber den eigentlichen okkulten Tatsachen.
[ 32 ] Thus you can see that such an ancient tradition—which the Evangelists combine with what constituted, so to speak, the very essence of their own existing initiation—is by no means based on mere fantasy, but rather that it springs from the deepest foundations of Christian development. One must look so deeply into these events. Then one will understand that the greatest, most extraordinary events in the life of Christ are described in the same way, yet that each of the evangelists portrays Jesus Christ as he understands him according to the nature of his own initiation. I have already alluded to this in my book Christianity as a Mystical Fact, but only in a way suitable for an audience not yet prepared for such concepts, since it was written at the beginning of our development in spiritual science. In that work, consideration was given to the lack of understanding in our time regarding the actual occult facts.
[ 33 ] So begreifen wir, daß der Christus uns von vier Seiten beleuchtet ist: durch einen jeden der Evangelienschreiber von der Seite, die er am besten kannte. Daß der Christus viele Seiten hat, das werden Sie nach dem mächtigen Impuls, den er gegeben hat, wohl glauben. Das aber sagte ich: Eines findet man in allen Evangelien: das Heruntersteigen der Christus-Wesenheit selber aus göttlich-geistigen Höhen bei der Johannes-Taufe, und daß diese Christus-Wesenheit in dem Leib des Jesus von Nazareth wohnte, durch den Tod am Kreuz hindurchgegangen ist und diesen Tod besiegt hat. Wir werden gerade auf dieses Mysterium noch näher einzugehen haben. Fassen wir heute diesen Tod am Kreuz so, daß wir zunächst fragen: Wodurch charakterisiert sich der Tod am Kreuz für diese Christus-Wesenheit? Da müssen wir sagen: Er charakterisiert sich so, daß er ein Ereignis ist, das keinen Unterschied macht zwischen dem Leben vorher und dem Leben nachher. Das ist das Wesentliche des Christus-Todes, daß der Christus durch den Tod kein anderer geworden ist, daß er derselbe bleibt, daß er Einer gewesen ist, der den Tod in seiner Bedeutungslosigkeit darstellt. So daß diejenigen, welche das Wesen des Christus-Todes wissen konnten, sich immer an den lebendigen Christus hielten.
[ 33 ] Thus we understand that Christ is revealed to us from four different perspectives: through each of the Gospel writers, from the perspective he knew best. You will surely believe that Christ has many facets, given the powerful inspiration he has provided. But what I said was this: There is one thing found in all the Gospels—the descent of the Christ-being itself from divine-spiritual heights at the baptism by John, and that this Christ-being dwelt in the body of Jesus of Nazareth, passed through death on the cross, and conquered that death. We will have to delve even more deeply into this very mystery. Let us approach this death on the cross today by first asking: What characterizes the death on the cross for this Christ-being? We must say: It is characterized by the fact that it is an event that makes no distinction between life before and life after. This is the essence of Christ’s death: that Christ did not become someone else through death, that he remains the same, that he was One who embodies death in its insignificance. Thus, those who were able to know the essence of Christ’s death always held fast to the living Christ.
[ 34 ] Was ist denn, von diesem Gesichtspunkt aus gesehen, das Ereignis von Damaskus, wo aus dem, der vorher ein Saulus war, ein Paulus wurde? Paulus wußte aus dem, was er früher gelernt hatte, daß nach und nach heranrückte an die Erde der Geist, der zuerst von Zarathustra als Ahura Mazdao auf der Sonne gesucht wurde, der dann von Moses bereits im brennenden Dornbusch und im Feuer auf Sinai erblickt wurde. Und er wußte auch, daß dieser Geist in einen Menschenleib kommen mußte. Das aber hatte Paulus, da er noch ein Saulus war, nicht begreifen können, daß dieser Mensch, der den Christus in sich tragen sollte, den schmachvollen Tod am Kreuz erleben mußte! Er konnte sich nur denken, daß der Christus, wenn er kommen würde, triumphieren müßte, daß er bleiben müßte in allem, was die Erde hat, nachdem er einmal an die Erde.herangetreten war. Denjenigen, der am Kreuze gehangen hat, den konnte er sich nicht als den Träger des Christus denken. Das ist das Wesentliche in der Paulus-Anschauung, bevor der Saulus ein Paulus wurde. Und der Kreuzestod, der schmachvolle Tod am Kreuz mit allem, was damit zusammenhängt, das ist es, was zunächst den Paulus gehindert hat, anzuerkennen, daß wirklich der Christus schon dagewesen war auf der Erde. Was also mußte eintreten? Es mußte mit dem Paulus etwas geschehen, so daß er in einem gewissen Moment sich überzeugen konnte: Diejenige Individualität, die in dem Leibe des Jesus von Nazareth am Kreuz gehangen hat, war der Christus; der Christus ist dagewesen auf der Erde! Hellsehend wurde Paulus durch das Ereignis von Damaskus. Da konnte er sich überzeugen.
[ 34 ] From this perspective, what, then, is the event at Damascus, where the one who had previously been Saul became Paul? Paul knew from what he had learned earlier that the Spirit—who was first sought by Zarathustra as Ahura Mazdao upon the sun, and who was then beheld by Moses in the burning bush and in the fire on Mount Sinai—was gradually drawing near to the earth. And he also knew that this Spirit had to enter a human body. But while he was still Saul, Paul could not have grasped that this human being, who was to bear the Christ within himself, would have to suffer a shameful death on the cross! He could only imagine that the Christ, when he came, would have to triumph, that he would have to remain in all that the earth possesses once he had set foot on it. He could not conceive of the one who hung on the cross as the bearer of Christ. This is the essence of Paul’s view before Saul became Paul. And the death on the cross—the shameful death on the cross with all that it entails—is what initially prevented Paul from acknowledging that Christ had indeed already been on earth. So what had to happen? Something had to happen to Paul so that, at a certain moment, he could become convinced: The individual who hung on the cross in the body of Jesus of Nazareth was the Christ; the Christ had been present on earth! Paul became clairvoyant through the event at Damascus. There he was able to convince himself.
[ 35 ] Wenn man als Hellseher hineinschaute in die geistige Welt, so erschien sie einem nach dem Ereignis von Golgatha verändert. Früher fand man den Christus in den geistigen Welten. Seit dem Ereignis von Golgatha konnte man in der Aura der Erde den Christus finden. Vor dem Ereignis von Golgatha war der Christus dort nicht zu sehen, nachher aber war er in der Erden-Aura zu sehen. Das ist der Unterschied. Und Saulus sagte sich: Bin ich hellsehend, so kann ich mich davon überzeugen, daß in demjenigen, der am Kreuze gehangen und als Jesus von Nazareth gelebt hat, der Christus war, der jetzt in der Erden- Aura ist. -— Und er hat dasselbe in der Erden-Aura gesehen, was Zarathustra zuerst als Ahura Mazdao auf der Sonne gesehen hat. Jetzt wußte er: Der am Kreuze war, der ist auferstanden. Daher konnte er jetzt sagen: Christus ist auferstanden, ist mir erschienen, wie er dem Kephas, den anderen Brüdern und den Fünfhundert auf einmal erschienen ist! Und nun wurde er der Verkündiger des lebendigen Christus, für den der Tod nicht die Bedeutung hat wie für die anderen Menschen.
[ 35 ] When a clairvoyant looked into the spiritual world, it appeared to have changed after the event at Golgotha. Previously, Christ could be found in the spiritual worlds. Since the event at Golgotha, Christ could be found in the Earth’s aura. Before the event at Golgotha, Christ was not to be seen there, but afterward He could be seen in the Earth’s aura. That is the difference. And Saul said to himself: If I am clairvoyant, I can convince myself that the one who hung on the cross and lived as Jesus of Nazareth was the Christ who is now in the Earth’s aura. — And he saw in the Earth’s aura the very same thing that Zarathustra had first seen on the sun as Ahura Mazdao. Now he knew: The one who was on the cross has risen. Therefore, he could now say: Christ has risen; he has appeared to me, just as he appeared to Cephas, the other brothers, and the five hundred at once! And now he became the herald of the living Christ, for whom death does not have the same meaning as it does for other people.
[ 36 ] Wer über dieses Ereignis Bescheid weiß, der wird, wenn der Kreuzestod, wenn der Tod des Christus gerade in dieser Form bezweifelt wird, einem anderen Schwaben zustimmen, der in seinem « Urchristentum» mit aller möglichen historischen Genauigkeit zusammengestellt hat, was zu dem sichersten Bestande dessen gehört, was wir davon wissen. Gfrörer - er ist es - hat dabei mit Recht gerade den Kreuzestod betont. Und man kann ihm in einer gewissen Weise zustimmen, wenn er in seiner etwas sarkastischen Weise sich so ausdrückt, daß er sagt: Einem jeden, der ihm darin widerspreche, würde er kritisch ins Gesicht sehen und ihn fragen, ob es bei ihm nicht recht richtig unter dem Hute sei!
[ 36 ] Anyone familiar with this event will, when the death on the cross—when the death of Christ in this very form—is called into question, agree with another Swabian who, in his Urchristentum (Primitive Christianity), has compiled with the utmost historical precision what constitutes the most certain facts of what we know about it. Gfrörer—it is he—has rightly emphasized the crucifixion in particular. And one can agree with him in a certain sense when, in his somewhat sarcastic manner, he expresses himself by saying: He would look anyone who contradicted him on this point squarely in the face and ask them if they weren’t a little off their rocker!
[ 37 ] Das gehört zum sichersten Bestande des Christentums: dieser Kreuzestod und das, was wir morgen beschreiben werden als die Auferstehung und als die Wirkung der Worte: «Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende!» Und das ist es, was die Verkündigung des Paulus ausgemacht hat. Er konnte daher sagen: «Ist Christus nicht auferstanden, so ist eitel unsere Predigt und eitel unser Glaube!» An die Auferstehung des Christus knüpft Paulus das Christentum. Sozusagen erst in unserer Zeit fängt man wiederum an, ein klein wenig über diese Dinge nachzudenken, da, wo man diese Sache nicht zu einer theologischen Streitfrage, sondern zu einer Lebensfrage für das Christentum macht. Der große Philosoph S0Jowjow steht daher im Grunde genommen vollständig auf paulinischem Standpunkt, wenn er betont: Alles im Christentum kommt auf den Auferstehungsgedanken an, und ein Christentum der Zukunft ist unmöglich, wenn der Auferstehungsgedanke nicht geglaubt und nicht erfaßt wird. — Und er wiederholt in seiner Art die Worte des Paulus: Ist der Christus nicht auferstanden, so ist eitel unsere Predigt und eitel unser Glaube. Dann ist der Christus-Impuls unmöglich. Es gäbe kein Christentum ohne den auferstandenen, den lebendigen Christus!
[ 37 ] This is part of the most certain foundation of Christianity: this death on the cross and what we will describe tomorrow as the resurrection and as the effect of the words, “I am with you always, even to the end of the age!” And this is what constituted Paul’s proclamation. He could therefore say: “If Christ has not been raised, then our preaching is in vain and our faith is in vain!” Paul links Christianity to the resurrection of Christ. It is, so to speak, only in our time that people are once again beginning to reflect a little on these matters—where this issue is not treated as a theological controversy but as a matter of life and death for Christianity. The great philosopher S0Jowjow therefore essentially takes a completely Pauline stance when he emphasizes: Everything in Christianity hinges on the idea of the Resurrection, and a Christianity of the future is impossible if the idea of the Resurrection is not believed and not grasped. — And in his own way, he echoes the words of Paul: “If Christ has not been raised, then our preaching is in vain and our faith is in vain.” Then the Christ impulse is impossible. There would be no Christianity without the risen, living Christ!
[ 38 ] Es ist charakteristisch, und deshalb darf es betont werden, daß einzelne tiefgründige Geister nur aus ihrer Philosophie heraus, ohne allen Okkultismus, dahin kommen, zu erkennen, wie richtig dieses paulinische Wort ist. Wenn man sich mit solchen Geistern ein wenig befaßt, dann sieht man: Es fängt schon an, in unserer Zeit solche Menschen zu geben, die sich Begriffe bilden von dem, was eine zukünftige menschliche Überzeugung und menschliche Weltanschauung sein muß, was die Geisteswissenschaft eben bringen muß. Aber diejenigen, welche die Geisteswissenschaft nicht haben, bringen es nicht zu mehr als zu einem leeren Begriffsgefäß. So ist es auch bei dem tiefen Denker Solowjow. Wie Begriffsgefäße sind die Systeme seiner Philosophie, und hineingegossen werden muß das, wonach sie schon verlangen, wozu sie schon die Form prägen, was sie aber nicht haben, und was einzig und allein kommen kann aus der anthroposophischen Strömung. Sie wird jenes lebendige Wasser, die Mitteilungen über die Tatsachen der geistigen Welt, das Okkulte, hineingießen in diese Gefäße. Das wird diese geisteswissenschaftliche Weltanschauung den besten Geistern bringen, die schon heute zeigen, daß sie es brauchen, und deren Tragik darinnen liegt, daß sie es nicht haben bekommen können. Wir können für diese Geister geradezu das Wort gebrauchen: Nach Anthroposophie lechzen sie! Sie haben sie nicht finden können. Durch die anthroposophische Bewegung soll in die von ihnen zubereiteten Gefäße hineinfließen, was über die wichtigsten Ereignisse klare, deutliche, wahre Vorstellungen bilden kann, über solche Ereignisse, wie es das Christus-Ereignis ist und das Mysterium von Golgatha. Darüber kann uns nur die Anthroposophie oder Geistesforschung aufklären mit ihren Enthüllungen über die Gebiete der geistigen Welten. Ja, das Mysterium von Golgatha kann für unsere heutige Zeit nur durch Anthroposophie, durch Geistesforschung begriffen werden!
[ 38 ] It is characteristic—and therefore worth emphasizing—that certain profound thinkers, drawing solely on their philosophy and without any recourse to the occult, come to recognize just how true this saying of St. Paul is. If one engages with such thinkers even a little, one sees: There are already, in our time, people who are forming concepts of what a future human conviction and human worldview must be—precisely what spiritual science must provide. But those who lack spiritual science cannot achieve more than an empty conceptual vessel. This is also the case with the profound thinker Soloviev. The systems of his philosophy are like vessels of concepts, and what must be poured into them is that which they already yearn for, for which they have already shaped their form—but which they do not possess, and which can come solely from the anthroposophical movement. It will pour that living water—the revelations about the facts of the spiritual world, the occult—into these vessels. This will bring the spiritual-scientific worldview to the finest minds, who are already showing today that they need it, and whose tragedy lies in the fact that they have not been able to obtain it. We can literally use this phrase for these minds: They are thirsting for anthroposophy! They have not been able to find it. Through the anthroposophical movement, what can form clear, distinct, and true conceptions of the most important events—such as the Christ event and the Mystery of Golgotha—is to flow into the vessels they have prepared. Only anthroposophy, or spiritual research, can enlighten us on this matter with its revelations about the realms of the spiritual worlds. Indeed, the Mystery of Golgotha can be understood in our present time only through anthroposophy, through spiritual research!
