The East in the Light of the West
The Children of Lucifer and the Brothers of Christ
GA 113
23 August 1909, Munich
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The East in the Light of the West, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Wer die Menschengeschichte ein wenig kennt, wird ja auch, ohne daß man gerade viel Esoterik zu Hilfe nimmt, wissen, daß das Wort und die Idee «Geschichte» vieles einschließt, insbesondere dann, wenn man versucht, die Idee der Geschichte nicht bloß als etwas zu nehmen, was betrachtet sein will, sondern was wie alle Dinge des geistigen Lebens eben erlebt sein will. Das Leben aber fordert auf allen Gebieten Lernen; und das Lernen wiederum fordert auf allen Gebieten Geduld. Man könnte — und das mag sich insbesondere auf unser Beispiel beziehen — das Wort Geduld durch ein anderes übersetzen; man könnte es übersetzen durch das andere «Wartenkönnen». Es ist nun versucht worden, die Lebensregel, die in den soeben ausgesprochenen Worten liegt, gerade auf das anzuwenden, was wir gestern vollbringen durften.
[ 1 ] Anyone with even a basic knowledge of human history will know—even without resorting to much esotericism—that the word and the concept of “history” encompass many things, especially when one tries to view the concept of history not merely as something to be observed, but as something that, like all aspects of intellectual life, must be experienced. But life demands learning in all areas; and learning, in turn, demands patience in all areas. One could—and this may apply particularly to our example—translate the word “patience” with another; one could translate it as “the ability to wait.” An attempt has now been made to apply the rule of life contained in the words just spoken precisely to what we were able to accomplish yesterday.
[ 2 ] Wir treten mit unserer deutschen geisteswissenschaftlichen Strömung in die Vollendung des siebenten Jahres unserer Arbeit. Vor sieben Jahren habe ich in Berlin einen Vortrag vor einem Kreise von Menschen gehalten, welche eine ganze Reihe anderer Vorträge von mir gehört hatten. Er war gewissermaßen dazumal als eine Zugabe zu einem anderen Vortragszyklus verabreicht worden. Das ist also jetzt mehr, etwas wenig mehr als sieben Jahre her. Es handelte sich dazumal darum, eine Überleitung der Empfindungen und geistigen Interessen, die aus einem, wenn auch geisteswissenschaftlichen, doch anders genannten Wirken hervorgingen, eine Überleitung zu finden in die geisteswissenschaftliche Strömung hinein. Und es gab dazumal die innere Möglichkeit, eine gute Überleitung zu finden. Der Vortrag, von dem ich da spreche, betitelte sich: «Die Kinder des Luzifer». Dazumal war ein Publikum anwesend, das allgemein die Gesichtspunkte in literarischer Beziehung hinnahm; es war auch der Ausgangspunkt genommen worden von dem Werke, dessen Aufführung wir gestern erleben durften, von Schurés Drama «Die Kinder des Luzifer». Dazumal also fingen wir an, sozusagen zu reden über die «Kinder des Luzifer», und im «Geheimen» 1Die Anwendung des Wortes «geheim» hat der Anthroposophie manchen Vorwurf zugezogen. Hier hat man einen der Fälle, wo in ganz begreiflicher Art dies Wort gebraucht wird. Es geschieht auch in anderen. Niemals aber in dem Sinn einer solch unsinnigen «Geheimtuerei», wie manche Gegner den Leuten glauben machen wollen. Es konnte ja sogar geschehen, daß, als ich ein Buch «Geheimwissenschaft» betitelte, gesagt wurde: es könne keine geheime Wissenschaft geben. Das ist natürlich ebenso selbstverständlich, wie es keine natürliche, wohl aber eine Naturwissenschaft geben kann. Wenn ich eine «Geheimwissenschaft» veröffentliche, so werde ich doch nicht wollen, daß, was sie sagt, geheim bleibe. — und zwar in dem Sinne ist das Wort «im Geheimen» hier gemeint, wie man vom geheimen Wesen spricht in der Geisteswissenschaft — im Geheimen war dazumal auch schon der Gedanke im Hintergrunde, daß es einmal gelingen könne, gerade dieses Werk des modernen Geisteslebens in bühnenmäßiger Form vor die Augen einer Anzahl von Zuschauern treten zu lassen. Es lag der Gedanke zugrunde, daß das Geistesleben eine große Einheit und Harmonie ist und daß es dem Menschen obliegt, innerhalb des Geisteslebens einer gegebenen Zeit die schönsten Blüten zu erkennen und zu beachten. Es lag der Gedanke zugrunde, daß das moderne Geistesleben in einer gewissen Beziehung ein Chaos sei. Aber wie aus dem Chaos heraus im Grunde genommen doch die Welt erwachsen ist, so wird auch eine Art Kosmos des Geisteslebens für die Zukunft nur dadurch erblühen können, daß wir uns die Mühe geben, aus dem Chaos des modernen Geisteslebens heraus die besten Blüten zu nehmen. Es lag der Gedanke zugrunde, daß es falsch wäre, etwas anderes als gerade ein modernes, aus dem vollen Geistesleben der Gegenwart heraus geschöpftes Kunstwerk von diesem Gesichtspunkte aus zu behandeln. Man könnte natürlich im Laufe der Jahrhunderte oder sagen wir selbst Jahrtausende manches andere Kunstwerk finden, modernisieren und heute vor ein Publikum bringen; aber jede Zeitenseele hat ihre Eigentümlichkeit; und dasjenige, was die Zeitenseele selbst zu schaffen in der Lage ist, das muß, wenn es nur das Rechte ist, auch mit der größten Wärme und mit der besten Intimität wiederum zu dieser Zeitenseele sprechen. Wenn das Geistesleben seine schönsten Blüten tragen soll, so wird es zu seiner Mission gehören, den Menschen nicht nur Dogmen beizubringen, nicht nur Lehren zu verkündigen, sondern in einer gewissen Beziehung die Augen zu öffnen. Es ist im allgemeinen nicht schwierig etwas anzuerkennen, was durch Jahrhunderte oder auch vielleicht nur durch Jahrzehnte bereits sich Geltung verschafft hat, aber das hier zur Geltung gebrachte Geistesleben soll etwas sein, was die ursprünglichsten, elementarsten Kräfte in der Menschenseele wachruft; und zu den elementarsten Kräften in der Menschenseele gehört die Anfeuerung des offenen Blickes für alles dasjenige, was um uns herum durch die Sonne des Geisteslebens erweckt wird an Blüten und Früchten unserer gegenwärtigen Geisteskultur. Eine Augenaufschließerin möchte unsere Bewegung sein.
[ 2 ] Our German spiritual science movement is now entering the seventh year of our work. Seven years ago, I gave a lecture in Berlin to a group of people who had already heard a whole series of other lectures from me. At the time, it had been presented, so to speak, as a bonus to another lecture series. So that was—now—a little more than seven years ago. The aim at that time was to find a transition—a bridge—from the feelings and spiritual interests that had arisen from a line of work—which, though it was spiritual science, was known by another name—into the spiritual science movement. And at that time, there was an inner possibility of finding a good transition. The lecture I am referring to was titled: “The Children of Lucifer.” At that time, the audience generally accepted the perspectives from a literary standpoint; the starting point had also been taken from the work whose performance we were able to experience yesterday—Schuré’s drama “The Children of Lucifer.” So at that time we began, so to speak, to speak about “The Children of Lucifer,” and “in secret” 1The use of the word “secret” has drawn some criticism against anthroposophy. Here we have one of those cases where this word is used in a perfectly understandable way. It happens in other contexts as well. But never in the sense of such nonsensical “secrecy” as some opponents would have people believe. In fact, it even happened that when I titled a book Secret Science, it was said: there can be no such thing as a secret science. This is, of course, just as self-evident as the fact that there can be no ‘natural science,’ but only a ‘science of nature.’ If I publish a Secret Science, I certainly do not want what it says to remain secret. — and the word “in secret” is meant here in the sense in which one speaks of the secret nature of spiritual science — even back then, the underlying thought was that it might one day be possible to present this very work of modern spiritual life in a theatrical form before the eyes of an audience. The underlying idea was that spiritual life is a great unity and harmony, and that it is up to human beings to recognize and appreciate the most beautiful blossoms within the spiritual life of a given era. The underlying idea was that modern spiritual life is, in a certain sense, a chaos. But just as the world has, in essence, grown out of chaos, so too will a kind of cosmos of spiritual life for the future be able to blossom only if we take the trouble to select the finest blossoms from the chaos of modern spiritual life. The underlying idea was that it would be wrong to treat anything other than a modern work of art—one drawn directly from the full spiritual life of the present—from this perspective. Of course, over the course of centuries—or let us say even millennia—one could find many other works of art, modernize them, and present them to an audience today; but every spirit of the age has its own distinct character; and that which the spirit of the age itself is capable of creating must, if it is the right thing, speak back to that spirit of the age with the greatest warmth and the deepest intimacy. If spiritual life is to bear its most beautiful fruits, it will be part of its mission not only to teach people dogmas, not only to proclaim doctrines, but in a certain sense to open their eyes. It is generally not difficult to acknowledge something that has already established itself over the course of centuries or perhaps even just decades, but the spiritual life brought to light here is meant to be something that awakens the most primordial, most elemental forces in the human soul; and among the most elemental forces in the human soul is the inspiration to cast an open gaze upon all that is awakened around us by the sun of spiritual life—the blossoms and fruits of our present spiritual culture. Our movement aims to be an eye-opener.
[ 3 ] Wenn man aber die Idee und den Begriff der Geschichte lebendig erfaßt, so gehört, wie schon angedeutet, noch etwas anderes dazu: Geduld oder sagen wir Wartenkönnen. Die Überstürzung, die Ungeduld, sie hindert so manches, was als Frucht reifen soll im Leben; und es wäre geradezu töricht gewesen, vor sieben Jahren an mehr zu denken als an ein leises Hinweisen auf dasjenige, was sich später realisieren sollte. Was alles verhinderte, dazumal etwa sogleich an die Ausführung des vorschwebenden Planes einer bühnenmäßigen Verkörperung dieses Geisteswerkes zu gehen! Es ist nur nötig eine einzige Tatsache anzuführen und Sie werden verstehen, was verhinderte dazumal an die Ausführung zu gehen. Derjenige, welcher ins Geistesleben hineinsieht, weiß, daß es darin gewisse große Gesetze gibt. Das war auch einer derjenigen großen Sätze, die gestern im Drama selbst Ihnen erklungen haben: Das Geistesleben hat seine Gesetze, die nicht übertreten werden dürfen, die beachtet werden müssen. — Und eines der größten Gesetze des Geisteslebens, dessen Nichtbeachtungen besonders bei einer solchen Bewegung, wie die unsrige es ist, immer schwer sich rächen wird, ist dasjenige, was uns vorgezeichnet wird da, wo uns die höheren geistigen Wesenheiten im Naturwirken selbst die Art ihrer Arbeit veranschaulichen.
[ 3 ] But if one is to grasp the idea and concept of history in a living way, then—as already hinted at—something else is required: patience, or, let’s say, the ability to wait. Haste and impatience hinder so many things that are meant to ripen as fruit in life; and it would have been downright foolish seven years ago to think of anything more than a gentle hint at what was to be realized later. What a hindrance it was at that time to proceed immediately with the execution of the envisioned plan for a theatrical embodiment of this spiritual work! It is enough to cite a single fact, and you will understand what prevented us from proceeding with the execution at that time. Anyone who looks into spiritual life knows that there are certain great laws within it. That was also one of the great principles that resounded to you yesterday in the drama itself: Spiritual life has its laws, which must not be transgressed, which must be observed. — And one of the greatest laws of spiritual life—the violation of which will always take a heavy toll, especially in a movement such as ours—is the one that is laid out for us where the higher spiritual beings illustrate the nature of their work through the workings of nature itself.
[ 4 ] Sehen Sie sich einmal die Art dieses Naturwirkens an; beachten Sie die Natur in ihrem Schaffen; und Sie werden sehen, in der Natur ist immer die Möglichkeit vorhanden, daß aus dem Geschaffenen unzählige Mißerfolge hervorgehen. Sehen Sie sich das Meer an mit seinen unzähligen Keimen, die in dasselbe versenkt werden, und beachten Sie, wie viele von diesen Keimen als Lebewesen hervorsprießen. Fragen Sie sich, ob die schaffenden Wesenheiten der Natur sich jemals die Frage aufwerfen: Sollen wir trauern über die Mißerfolge, die wir haben, wenn wir soundsoviele Ansätze nehmen und sehen, daß die Früchte des Schaffens unter der Hand ersterben? Einzig und allein durch die Betrachtung dieses großen Gesetzes im Geistesleben gelingt auch in diesem dasjenige, was gelingen soll, wie es in der Natur gelingt, daß das Leben sprießt und sproßt, weil sich die Geister, die der Natur zugrunde liegen, niemals betrüben über ihre Mißerfolge. Einzig und allein aus diesem Grunde gelingt das Werk, das in der Natur, das heißt in dem Produkte des höheren Geisteslebens auszuführen ist. Der Erfolg als solcher ist kein Maßstab für das Rechte und Wahre. Das muß ein geisteswissenschaftliches Gesetz sein. Dieses Gesetz mußte innerhalb unserer Bewegung beachtet werden.
[ 4 ] Take a look at the nature of this natural process; observe nature at work; and you will see that in nature there is always the possibility that countless failures will result from what is created. Look at the sea with its countless seeds that are cast into it, and observe how many of these seeds sprout into living beings. Ask yourself whether the creative beings of nature ever ask themselves: Should we mourn the failures we experience when we make so many attempts and see that the fruits of our creation wither away before our eyes? Solely through the contemplation of this great law in spiritual life does that which is meant to succeed also succeed there, just as it succeeds in nature—where life sprouts and flourishes—because the spirits underlying nature never grieve over their failures. It is solely for this reason that the work to be carried out in nature—that is, in the product of higher spiritual life—succeeds. Success as such is not a measure of what is right and true. That must be a law of spiritual science. This law had to be observed within our movement.
[ 5 ] Es soll dies wahrhaftig nicht etwas anderes als eine Art Rückblick auf die Tatsachen sein, und zugleich dieser Rückblick in Zusammenhang gebracht werden mit einigen innerlich mit unserem ganzen Vortragszyklus zusammenhängenden Ideen, Gesetzen und Tatsachen. Es sind seit dem Vortrage, den ich erwähnt habe, wie ich Ihnen gesagt habe, ungefähr sieben Jahre verflossen, und wir konnten zu unserer größten Befriedigung gestern sehen die Aufführung der «Kinder des Luzifer» vor einem vollen Hause. Es sind über sechshundert Freunde versammelt gewesen, um sich gestern «Die Kinder des Luzifer» anzuhören. Wie viele waren unter diesen Zuhörern, die sich jenen Vortrag, den ersten Keim zur Arbeit, angehört haben? Eine einzige Dame war darunter unter den gestrigen Zuhörern, die sich jenen Vortrag dazumal angehört hatte und die vorher noch nicht in unseren Reihen war. Der Vortrag war für die damaligen Verhältnisse auch nicht schlecht besucht. All die anderen Menschen haben sich unserer Bewegung nicht angeschlossen. Aber das ist das große Gesetz des Wirkens in der geistigen Welt, daß die verlorengegangenen Keime sich umwandeln und Auferstehungen erleben. Und an unserem Beispiele dürfen wir dieses Gesetz bestätigt finden. Sie sehen, daß es nicht unrichtig ist, das Wort und die Idee des Geschehens in Zusammenhang zu bringen mit den Worten Geduld und Wartenkönnen. Warten können, bis diejenigen Verhältnisse eintreten, welche es möglich machen, aus dem Schoße der Zeit heraus dasjenige zu holen, was wir haben reifen lassen. Alle menschliche Arbeit vermag nichts, ohne daß gleichzeitig die Geduld und das Wartenkönnen neben ihr einherschreiten, ohne daß Reifen, Reifwerden eine gewisse Rolle spielen.
[ 5 ] This is truly intended to be nothing more than a kind of review of the facts, and at the same time, this review is to be placed in the context of certain ideas, laws, and facts that are intrinsically connected to our entire lecture series. As I mentioned, about seven years have passed since the lecture I referred to, and to our great satisfaction, we were able to see the performance of The Children of Lucifer yesterday before a full house. Over six hundred friends gathered yesterday to listen to The Children of Lucifer. How many among these listeners had attended that lecture—the first seed of this work? There was only one lady among yesterday’s audience who had attended that lecture back then and who had not previously been among our ranks. The lecture was also fairly well attended by the standards of that time. All the other people did not join our movement. But this is the great law of activity in the spiritual world: that the lost seeds are transformed and experience a resurrection. And in our own example, we find this law confirmed. You see that it is not wrong to connect the word and the idea of what is happening with the words “patience” and “the ability to wait.” Being able to wait until the conditions arise that make it possible to bring forth from the bosom of time that which we have allowed to mature. All human labor is powerless unless patience and the ability to wait accompany it, unless maturation and the process of ripening play a certain role.
[ 6 ] Es ist damit aber doch im kleinen ein Beweis gegeben, daß gewisse Dinge notwendig sind, wenn im Kulturleben etwas reifen soll. Es wäre natürlich eine vollständig verhängnisvolle Idee gewesen, in irgendeiner gewöhnlichen Theateraufführung «Die Kinder desLuzifer» zu bringen. Denn was gehört dazu, um das Ganze zur Einheit zu machen? Die Hauptsache, das dürfen wir nicht vergessen, sind nicht diejenigen, die darstellen, nicht diejenigen, die die Dinge machen; die Hauptsache ist auch nicht die Arbeit, die getan wird, sind weder die Vorbereitungen noch die Fertigstellungen. Wenn das Werk entsprungen ist aus des Dichters Seele, dann ist die erste Tat getan. Was dann geschieht als Vermittlerweg, das gehört zu demjenigen, wovon ich eben jetzt sagte: die Darstellung und die Arbeit der Darstellung und alles übrige, die sind nicht die Hauptsache; die sind völlig Nebensache in einer gewissen Beziehung. Die Hauptsache sind die Zuhörer und Zuschauer. Und die Hauptsache ist, daß durch die Seelen und durch die Herzen der Zuschauer ein gemeinschaftliches Leben geht; ein Leben, das diese Herzen fähig macht, jene geheimnisvollen Strömungen, die von dem Werke ausgehen, nicht nur zu empfinden, sondern in Gemeinschaft, in innerer Harmonie zu empfinden. Wir reden innerhalb unserer Bewegung, als von unserem ersten Grundsatze, von der Begründung eines Kernes von Menschheit, in dem Menschenliebe und Brüderlichkeit lebt. O diese Menschenliebe und Brüderlichkeit, sie ist eine zarte, wenn auch sehr wichtige Pflanze. Und sie blüht nur, wo Seelen in Harmonie miteinander zusammenklingen; das heißt, wo gemeinschaftliches Geistesleben in gemeinsamer Art durch die Seelen zittert. Das war gestern vorhanden. Unsere Bewegung soll ein Instrument sein, unsere Seelen in dieser Weise zu härten, zu befestigen und zugleich aufzuschließen, so daß wir gemeinsam in Harmonie einströmen lassen können ein Geistiges, das einströmen soll. Ein gemeinsamer Hauch soll durch die Seelen gehen können. Dann wird die Frucht der Brüderlichkeit, die Frucht der geistigen Harmonie unter den Menschen reifen können.
[ 6 ] This does, however, provide a small measure of proof that certain things are necessary if anything is to mature in cultural life. It would, of course, have been a completely disastrous idea to stage The Children of Lucifer in just any ordinary theater production. For what is required to make the whole a unified whole? The main thing—and we must not forget this—is not those who perform, nor those who create the sets; nor is the main thing the work that is done, nor the preparations, nor the final touches. Once the work has sprung from the poet’s soul, then the first act is done. What happens next as a means of mediation is part of what I just mentioned: the performance and the work involved in the performance, and everything else—these are not the main thing; in a certain sense, they are entirely secondary. The main thing is the listeners and the audience. And the main thing is that a shared life flows through the souls and hearts of the audience—a life that enables these hearts not only to feel those mysterious currents emanating from the work, but to feel them in communion, in inner harmony. Within our movement, we speak—as our first principle—of the establishment of a core of humanity in which love of humanity and brotherhood thrive. Oh, this love of humanity and brotherhood—it is a delicate, though very important, plant. And it blossoms only where souls resonate in harmony with one another; that is, where a shared spiritual life vibrates through the souls in unison. That was present yesterday. Our movement is meant to be an instrument for strengthening, fortifying, and at the same time opening up our souls in this way, so that together, in harmony, we may allow a spiritual force—one that is meant to flow in—to flow into us. A common breath must be able to pass through our souls. Then the fruit of brotherhood, the fruit of spiritual harmony among people, will be able to ripen.
[ 7 ] Und nun vergleichen Sie mit demjenigen, was gestern vor Sie hingetreten ist, eine andere Theateraufführung, und fragen Sie sich, ob es möglich ist in dem Chaos unseres Geisteslebens, daß eine gemeinsame Empfindung herunterströmt von der Bühne und Widerhall, Echo findet in den Herzen der Menschen. Das ist erst das eigentliche Kunstwerk, das sich in unseren Herzen abspielt. Wenn das Kunstwerk entsprungen ist der Seele des Dichters, dann geht es eben seinen Weg; und worauf es ankommt, ist erst voll erfüllt, wenn es widerklingt in soundsovielen Herzen und Seelen; und da erst kommt dann die zweite der Hauptsachen, um die es sich dabei handelt.
[ 7 ] And now compare what you saw yesterday with another theatrical performance, and ask yourself whether it is possible, amid the chaos of our inner lives, for a shared emotion to flow down from the stage and find a resonance, an echo, in people’s hearts. That is the true work of art—the one that plays out in our hearts. Once the work of art has sprung from the poet’s soul, it simply goes its own way; and its true purpose is only fully realized when it resonates in so many hearts and souls; and only then does the second of the main points at stake come into play.
[ 8 ] Nur aus dem Grunde, um ein wenig darauf hinzuweisen, wie unsere Bewegung ein Instrument werden kann in der Menschheitskultur, sind diese Worte gesagt worden. Die Menschen werden sich in unserer Zeit niemals zusammenfinden zu einer Gesellschaft von Harmonie und Liebe und Eintracht, wenn Harmonie und Liebe und Eintracht Worte bleiben. Es gibt nur eines, was den Boden abgeben kann, in dem reifen muß unser erster Grundsatz der allgemeinen Brüderlichkeit und der allgemeinen Liebe: und das ist die gemeinschaftliche Arbeit. Das, was damit gesagt wird, es kann ja immer nur realisiert werden an einzelnen Beispielen. Wenn aber diese einzelnen Beispiele weiterwirken, wenn sie beachtet werden, dann werden sie hinausdringen nicht nur in unser Geistesleben, sondern in unser ganzes gegenwärtiges Leben und werden es erfüllen. Es wird wahrhaft menschlicher Geist einziehen in die menschliche Arbeit und damit in den menschlichen Fortschritt. Und Geisteswissenschaft wird erweisen, daß sie das Praktischste ist, was es im Leben als ein Ferment geben kann. Sie kann, wenn man ihr nur Gelegenheit dazu gibt, einen jeglichen Zweig unseres Lebens in der praktischsten Weise durchdringen und beleben. Unsere Gegenwart ist im allgemeinen dazu reif in dem Sinne, daß sie auf jedem ihrer Gebiete die Notwendigkeit des geisteswissenschaftlichen Eingreifens erweist. Überall sehen wir, daß die Gegenwart fordert von uns: Geistes-Erkenntnis soll einströmen in unser Leben. Das Verständnis der Menschheit, das schleicht aber erst langsam hinter dem menschlichen Bedürfnisse nach. Unsere Arbeit mag daher noch lange eine Pionierarbeit sein, eine Arbeit für die Zukunft. Aber sie kann warten, sie wird sich nicht aufdrängen, sie hat viel Geduld. Sie wird da eingreifen, wo man sie verlangt, wo man sie haben will. Sie muß freilich in Geduld erst ihre Arbeit tun, damit man nicht später einmal etwas verlangt in der Welt, was noch gar nicht da ist. Oh, es werden in gar nicht ferner Zukunft viele Gebiete des menschlichen Lebens sein, auf denen man lechzen wird nach dieser Arbeit. Auch solche Gebiete des menschlichen Lebens wird es geben, die heute diese Arbeit verachten als die wüsteste Träumerei, als die schlimmste Phantastik. Man wird nach ihr verlangen, verlangen an Orten, von denen man es sich heute gar nicht versieht, an denen man sie heute wie ein Traumgebilde zur Tür hinaus verweist. Aber sie wird vorläufig in Geduld ihre Arbeit tun. Sie ist auch nicht bis zu dem Grade unpraktisch, daß sie mißversteht unsere Gegenwart. Sie will praktisch sein, Praxis üben da, wo es sich wirklich darum handelt, im einzelnen mit jedem Finger zuzugreifen. Wer könnte nicht sehen, daß uns die Welt des gegenwärtigen Geistes- und Kulturlebens noch vielfach die Tür verschließt, daß sie uns nicht haben will, daß sie sagt, wenn wir mit unserer Praxis kommen: Bleibt, wo ihr seid, ihr Träumer, ihr träumt von allerlei übersinnlichen Welten, von einem Geiste, den es gar nicht gibt. Eure Praxis können wir nicht brauchen! Wer könnte befangen genug sein, das nicht ganz klar zu sehen? Ist es da nicht natürlich, daß man zunächst den Versuch macht, praktisch zu sein da, wo die Welt des Scheines wirkt, auf dem Boden, der die Welt bloß bedeutet? Wenn man sich nur klar darüber ist, daß man in der richtigen Weise in der Welt des Scheines ein Bild gibt der wirklichen Welt, so mag durch diese Welt des Scheines, des schönen Scheines, des künstlerischen Scheines, jene Welt, durch welche Götter sicher zu uns sprechen, so mag durch diese Welt die erste Anregung gegeben werden. Weil in der Kunst, wenn sie im echten Sinne aufgefaßt wird, wahrhaftig Götter zu uns sprechen, werden wir durch die Kunst am sichersten das Tor finden, um mit unserer Praxis in die sogenannten praktischen Zweige des Lebens allmählich hineinzudringen. Arbeit ist der Boden, auf dem ersprießen kann unser erster Grundsatz: brüderliches Zusammenleben, brüderliches Zusammenwirken. Wird im angedeuteten Sinne gearbeitet, so läßt sich ausprüfen im schönsten Sinne des Wortes, ob es unter Menschen möglich ist, Eintracht, Harmonie und Brüderlichkeit zu kultivieren.Dem, was dann wie in einemBilde vor das Auge tritt wie in der gestrigen Aufführung, geht mancherlei voran; und wenn es fertig ist, so macht sich der Beschauer manchmal nicht das richtige Bild davon, was dem vorangeht. Dasjenige, was in unserem Falle vorangegangen ist, darf mit Fug und Recht ein Arbeiten im Sinne des ersten geisteswissenschaftlichen Grundsatzes der Eintracht und Brüderlichkeit, ein Zusammenarbeiten und Zusammenwirken genannt werden.
[ 8 ] These words were spoken simply to highlight, even if only briefly, how our movement can become an instrument in human culture. People in our time will never come together to form a society of harmony, love, and unity if harmony, love, and unity remain mere words. There is only one thing that can provide the ground in which our first principle of universal brotherhood and universal love must take root: and that is communal work. What is meant by this can, of course, only ever be realized through individual examples. But if these individual examples continue to have an effect, if they are heeded, then they will permeate not only our spiritual life but our entire present life and will fill it. A truly human spirit will enter into human work and, through it, into human progress. And spiritual science will prove that it is the most practical force that can act as a catalyst in life. If only given the opportunity, it can permeate and enliven every branch of our life in the most practical way. Our present age is generally ripe for this in the sense that it demonstrates, in every field, the necessity for spiritual scientific intervention. Everywhere we see that the present demands of us: spiritual insight must flow into our lives. But humanity’s understanding is only slowly catching up with human needs. Our work may therefore remain pioneering work for a long time to come—work for the future. But it can wait; it will not impose itself; it has great patience. It will intervene where it is needed, where it is wanted. Of course, it must first do its work with patience, so that people do not later demand something in the world that does not yet exist at all. Oh, in the not-too-distant future, there will be many areas of human life where people will yearn for this work. There will also be areas of human life that today despise this work as the wildest daydream, as the worst kind of fantasy. People will demand it—demand it in places one would never expect today, places where today it is dismissed as a figment of the imagination and sent out the door. But for now, it will patiently go about its work. Nor is it so impractical as to misunderstand our present. It aims to be practical, to put theory into practice precisely where it really matters—to get down to the nitty-gritty, down to the last detail. Who could fail to see that the world of contemporary intellectual and cultural life still closes its doors to us in so many ways, that it does not want us, that it says, when we come with our practice: “Stay where you are, you dreamers; you dream of all sorts of supernatural worlds, of a spirit that does not even exist. We have no use for your practice!” Who could be so self-conscious as not to see this quite clearly? Is it not natural, then, to first attempt to be practical where the world of appearances operates, on the ground that merely signifies the world? If one is only clear about the fact that, in the right way, one presents an image of the real world within the world of appearances—then perhaps through this world of appearances, of beautiful appearances, of artistic appearances—that world through which the gods surely speak to us—perhaps through this world the first inspiration will be given. Because in art—when understood in its true sense—the gods truly speak to us, it is through art that we will most surely find the gateway to gradually penetrate, through our practice, into the so-called practical branches of life. Work is the ground on which our first principle can take root: brotherly coexistence, brotherly cooperation. If work is carried out in the sense indicated, it becomes possible to test—in the most beautiful sense of the word—whether it is possible among human beings to cultivate concord, harmony, and brotherhood. What then appears before the eye as in a picture, as in yesterday’s performance, is preceded by many things; and when it is finished, the viewer sometimes fails to form the correct picture of what preceded it. What preceded it in our case may rightly be called work in the spirit of the first spiritual-scientific principle of harmony and brotherhood—a collaboration and synergy.
[ 9 ] Dasjenige, was uns bei der vorbereitenden Arbeit vorschwebte, das war Freiheit der Menschenseele in der Einheit des Wirkens, in der Harmonie des Wirkens. Vielleicht läßt sich nicht alles gleich auf einen Schlag erreichen; aber dasjenige, was uns vorschwebte, das war, daß wir eine Einheit zustandebringen könnten, ohne daß irgend jemand nötig hatte, sich in eineMaschinerie hineinzubegeben, innerhalb welcher das Kommandowort ertönt und dann dieses und jenes gemacht wird und dergleichen. Wenigstens schwebte es uns als Idee vor, und es ist gewiß in vielen Punkten erreicht worden, daß ein jeder der Mitarbeitenden das Gefühl hatte, daß er seine Sache vertritt. Und damit bin ich an dem Punkte, wo, weil es doch sozusagen zum wahren geistigen Leben gehört, ein paar besondere Worte ausgesprochen werden sollen. Nicht so sehr aus dem Grunde, um über dieses eine Beispiel freier geistiger Arbeit zu sprechen, sondern um eben darüber zu sprechen als ein Beispiel für das, was Grundsatz, was Richtschnur und Idee eines geistigen Zusammenlebens sein können. Es hat sich für uns gezeigt, daß es möglich ist, die Kräfte innerhalb der Menschenseelen zu entbinden, die entbunden werden können, wenn eine spirituelle Idee durch die Herzen, durch die Seelen geht, und wenn die Seelen so weit reif sind, daß ein jeder der Mitwirkenden sich an seinem Platze fühlt. Mit tiefster Befriedigung darf es gesagt werden, daß diejenigen Mitglieder unserer Bewegung, welche zusammengewirkt haben, um die gestrige Aufführung zustande zu bringen, nicht nur mit Hingebung - ich sage es mit vollem Bewußtsein —, sondern vor allen Dingen mit innerstem Verständnis für dieSache gearbeitet haben;und so konnte es denn kommen, nicht nur die Darsteller der einzelnen Gestalten des Dramas zusammenzufügen zum Ganzen, das Ihnen gestern entgegengetreten ist, sondern auch imstande zu sein, durch die nicht nur hingebungsvolle, sondern verständnisvolle Arbeit unserer malenden künstlerischen Mitglieder ein Ganzes zu schaffen. Es wäre unmöglich, im einzelnen Ihnen alles anzuführen, was notwendig war an Arbeit dieses oder jenes Mitgliedes. Wenn aber von dem ersten bis zum letzten Kostüm etwas Ganzes werden soll, etwas werden soll, was nun nicht nur sozusagen immer ausdrückt das einzelne, das durch den einzelnen Darsteller zur Geltung kommt, sondern was ein Gesamtbild gibt, dann ist es notwendig, daß auch diesen Teil der Arbeit eine gemeinsame Idee beseelt, und ich darf mit Befriedigung sagen, daß dieses unser verehrtes Mitglied, das die ungeheuer schwierige Arbeit übernommen hat, im Sinne der Gesamtaufführung unsere Kostüme herzustellen, daß dieses unser Mitglied gearbeitet hat mit dem allertiefsten Verständnisse. Es war - und ich sage das mit vollem Bewußtsein — darinnen eine außerordentliche Genialität in der Art, wie das einzelne in die Gesamtheit hineingestellt worden ist. So daß, wenn ich dabei ein persönliches Gefühl ausdrücken darf, mich gestern im tiefsten Innern wirklich eine weite Dankbarkeit beseelte gegenüber all denen, die in so verständnisvoller Arbeit, jeder an seinem Platze, mitgewirkt hatten, eine Dankbarkeit, die sich gegenüber jedem einzelnen gerne auch heute ausdrücken möchte, eine Dankbarkeit, die auch noch eine andere Seite hat, jene Seite, die dieses Dankgefühl wiederum hinaufströmen läßt zu dem allgemeinen Urquell unseres spirituellen Lebens, aus dem doch alles dasjenige, was wir Menschen vermögen, in Wahrheit entspringt. Und nur, weil dieses spirituelle Leben tätig war, konnten wir diesen schwachen Versuch machen, ein solches Kunstwerk auf die Bühne zu bringen.
[ 9 ] What we had in mind during our preparatory work was the freedom of the human soul within the unity of action, within the harmony of action. Perhaps not everything can be achieved all at once; but what we had in mind was that we could bring about unity without anyone having to submit to a machinery in which orders are given and then this or that is done, and so on. At least that was the idea we had in mind, and it has certainly been achieved in many respects—that each of the collaborators felt they were representing their own cause. And this brings me to the point where, since it is, so to speak, part of true spiritual life, a few special words need to be said. Not so much in order to speak about this one example of free spiritual work, but rather to speak about it precisely as an example of what can be the principle, the guiding principle, and the idea of spiritual community life. It has become clear to us that it is possible to unleash the forces within human souls—those that can be unleashed—when a spiritual idea passes through the hearts and souls, and when the souls are mature enough that each participant feels at home in their place. It can be said with the deepest satisfaction that those members of our movement who worked together to bring yesterday’s performance to fruition labored not only with devotion—I say this with full awareness—but above all with the deepest understanding of the cause; and so it was possible not only to bring together the performers of the drama’s individual characters into the whole that you witnessed yesterday, but also to create a unified whole through the work of our artistic members—work that was not only dedicated but also deeply insightful. It would be impossible to list in detail for you everything that was required of this or that member’s work. But if, from the first to the last costume, something whole is to emerge—something that not only, so to speak, always expresses the individuality brought to life by each performer, but also presents an overall picture—then it is necessary that this part of the work, too, be inspired by a common vision, and I am pleased to say that this esteemed member of ours, who undertook the immensely difficult task of creating our costumes in keeping with the spirit of the entire production, has worked with the deepest possible understanding. There was—and I say this with full awareness—an extraordinary genius in the way the individual elements were integrated into the whole. So much so that, if I may express a personal feeling here, yesterday I was truly filled to the very core with a profound sense of gratitude toward all those who, through such thoughtful work, each in their own place—a gratitude I would gladly express to each and every one of them today as well, a gratitude that also has another aspect: the aspect that allows this feeling of gratitude to flow back up to the universal source of our spiritual life, from which, in truth, everything we humans are capable of springs forth. And it is only because this spiritual life was at work that we were able to make this modest attempt to bring such a work of art to the stage.
[ 10 ] Aber man konnte dabei auch Erfahrungen und Erlebnisse sammeln. Derjenige, der auf manchen Gebieten dabei gearbeitet hat, der durfte sich erfreuen daran, wie das spirituelle Leben in einer gewissen Beziehung eine sieghafte Kraft hat. Das gibt Vertrauen, das gibt festen Glauben an die Zukunft unserer Bewegung. Wir dürfen vielleicht den Glauben für das Große, den Glauben für das Umfassende unserer Bewegung aus dem Apergu über das einzelne schöpfen. Es war zum Beispiel im höchsten Grade befriedigend zu sehen, wie in den letzten zehn Tagen die spirituelle Kraft des Kunstwerkes, das wir aufführten, nicht nur wirkte auf die Mitwirkenden, die dabei beteiligt waren, wie es wirkte auf die Arbeiter, die im Theater mit Hammer und Zange arbeiteten, wie die gerne und willig mitarbeiteten bis zum letzten Theaterarbeiter hinunter. Das ist etwas, was auch zum Kunstwerke gehört, wenn der Blick sich erweitert von einem eng umgrenzten Rahmen dahin, wo das Kunstwerk wiederum wirken soll durch sein spirituelles Leben und seine spirituelleKraft wie eineSonne auf das gesamteKulturleben. Das gibt Kraft und gibt Mut. Das gibt uns aber auch einen Hinblick und einen Hinweis auf die sozialeSendung der Geisteswissenschaft. Ja, diese hat eine soziale Sendung, sie hat eine Mission für die gesamte Menschheitskultur und die gesamte Menschheitswohlfahrt. Oh, es sind viele Seelen in unserer Zeit, die den Glauben haben, nur durch materielle Mittel und durch materielle Maßnahmen könnten Menschenwohlfahrt und Menschenheil in unser zerklüftetes Leben wieder kommen, und die den Glauben und das Vertrauen verloren haben zu der siegreichen Kraft der Spiritualität. Die Praxis aber lehrt, daß der Geist die Kraft hat, geheime Freuden, geheime hingebungsvolle Lust in der Menschenseele zu entbinden; sie lehrt uns, daß, wenn wir immer mehr und mehr imstande sein werden, das Brot des geistigen Lebens unserer Gegenwart zu reichen, die Menschenseelen da sein werden, die sehnsuchtsvoll dieses Brot verzehren wollen. Spiritualität hat eine sieghafte Kraft.
[ 10 ] But it was also an opportunity to gain experience and insights. Those who worked in certain areas were able to take joy in how spiritual life, in a certain sense, possesses a triumphant power. This instills confidence and a firm faith in the future of our movement. Perhaps we can draw our faith in the greatness and the comprehensiveness of our movement from the broader perspective of the individual. For example, it was deeply satisfying to see how, over the past ten days, the spiritual power of the artistic work we performed affected not only the performers involved, but also the workers who were laboring in the theater with hammers and pliers—how they all, right down to the very last theater worker, collaborated gladly and willingly. This is something that is also part of the work of art when one’s perspective broadens from a narrowly defined framework to the point where the work of art, in turn, is meant to influence the entire cultural life through its spiritual life and spiritual power, like the sun. This gives strength and courage. But it also gives us insight into and a hint of the social mission of spiritual science. Yes, it has a social mission; it has a mission for the entire culture of humanity and the well-being of all humanity. Oh, there are many souls in our time who believe that human well-being and salvation can return to our fractured lives only through material means and material measures, and who have lost their faith and trust in the victorious power of spirituality. Practice, however, teaches us that the spirit has the power to unleash secret joys and a secret, devotional delight within the human soul; it teaches us that as we become increasingly capable of offering the bread of spiritual life in our present time, there will be human souls who long to partake of this bread. Spirituality possesses a victorious power.
[ 11 ] Ein solches Aperçu, das durch zehn Tage gemacht werden kann, ein solches Aperçu kann doch schon lehrreich sein. Es kann uns den Glauben geben zu dem, was wir wollen alsBekenner der Geisteswissenschaft; und es kann uns den Mut geben, ohne Unterlaß weiterzuarbeiten an dem Werke, das uns vorschwebt. Es darf der Geisteswissenschafter diesen offenen Blick für das Leben haben, auf daß er von dem Leben lerne. Denn nur dadurch, daß wir auf jeden Schritt unseres Lebens als Lernende zurückblicken, können wir Fortschritte machen.So wie wir sieben Jahre warten konnten auf dieses Ideal, so werden wir auf anderes, auf vieles, was durch unsere Bewegung geschehen soll, warten können bis es herangereift ist im Schoße der Zeit. Wir werden im Glauben warten können. Denn wir haben, wenn wir Geisteswissenschaft im Sinne der Gegenwart richtig verstehen, den Zentralpunkt dessen, was man den Glauben im höchsten Sinne nennt; wir haben diesen Zentralpunkt immer vor unser Antlitz hingestellt; wir haben den einen festen Punkt immer vor unser Auge hingestellt, der uns gestern entgegengetreten ist durch das Symbolum des Kreuzes.
[ 11 ] Such an insight, which can be gained over the course of ten days, can indeed be instructive. It can give us faith in what we seek as adherents of spiritual science; and it can give us the courage to continue working tirelessly on the task we have in mind. The spiritual scientist must have this open view of life so that he may learn from it. For it is only by looking back on every step of our lives as learners that we can make progress. Just as we were able to wait seven years for this ideal, so will we be able to wait for other things—for many things that are to come about through our movement—until they have ripened in the bosom of time. We will be able to wait in faith. For if we correctly understand spiritual science in the sense of the present, we possess the central point of what is called faith in the highest sense; we have always placed this central point before our eyes; we have always held before our eyes that one fixed point which appeared to us yesterday through the symbol of the cross.
[ 12 ] Wir wissen, was das Kreuz für die menschliche Seele bedeutet. Und wir haben uns im Laufe der Jahre bemüht, dasjenige was uns zufließt, als eine Gabe aus den spirituellen Welten zu betrachten. Wir haben uns bemüht, diese geisteswissenschaftliche Inhaltlichkeit zu einem Instrumente zu machen, um diesen Mittelpunkt des Menschheitsfortschrittes immer besser und besser zu verstehen, um den Christus und das Kreuz zu begreifen. Wenn wir erkennen die Wirklichkeit des Christus-Prinzipes, dann verstehen wir, daß dieses Christus-Prinzip eine Kraft ist, eine lebendige Kraft, die seit dem Beginn unserer Zeitrechnung mit dem Menschenleben auf der Erde verbunden ist, als sich in dem Leibe des Jesus von Nazareth dieses Christus-Prinzip mit einem Menschen verbunden hat. Seitdem ist es bei uns Menschen, wirkt unter uns und wir können teilhaftig werden seines Wirkens, wenn wir uns bemühen, alle diejenigen Mittel, die uns zur Verfügung stehen, anzuwenden, um dieses Christus-Prinzip zu begreifen; so zu begreifen, daß wir es zum Leben unserer eigenen Seele machen. Dann aber, wenn wir dieses Christus-Prinzip so verstehen, daß wir wissen, es ist in der Menschheit, es ist da, wir können hin zu ihm, wir können Lebenswasser aus dieser Quelle schöpfen, dann haben wir jenen Glauben, der warten kann, warten auf alles, was im Schoße der Zeit reifen soll, was reifen wird, wenn wir Geduld haben. Reifen wird für uns aus dem Schoße des Vergänglichen, wenn wir innerhalb dieses Vergänglichen das ChristusPrinzip erfassen, das Unvergängliche, das Ewige, das Unsterbliche. Aus dem Zeitenschoße wird das Überzeitliche für uns Menschen geboren. Wenn wir auf diesem festen Stützpunkte stehen, dann haben wir ausgehend von ihm nicht einen blinden, dann haben wir einen von Wahrheit und von Erkenntnis durchdrungenen Glauben und sagen uns: Es wird, was werden soll; und nichts hindert uns, unsere besten Kräfte einzusetzen für das, wovon wir glauben, daß es werden soll. Der Glaube auf der einen Seite, er ist das, was die echte Frucht des Kreuzes ist; er ist das, was uns immer zuruft: Blicke auf deine Mißerfolge, sie sind scheinbarer Tod deines Schaffens! Blicke von deinen Mißerfolgen auf das Kreuz und erinnere dich, daß am Kreuze war der Quell ewigen Lebens, der den Zeitentod besiegt nicht nur für sich, sondern für alle Menschen. Und aus zwei Vorstellungen entsprießt uns größter Lebensmut. Wir müssen sie nur in der richtigen Weise fassen. Oh, es ist zuweilen von gutmeinenden Menschen gegen die hier gemeinte Geisteswissenschaft eingewendet worden, daß mancher, der zu ihr kommt, weil er dieses oder jenes aufnimmt scheinbar auf bloße Autorität hin, sich schwach mache, daß er Kraft verliere. Der aber, der eine solche Behauptung tut, verwechselt das Scheinbare mit dem Wahren. Die hier gemeinte Geisteswissenschaft schwächt nicht die Menschen, sie ist eine Kraft, in der die Stärke lebt. Was kann die Frische, das Sprießende und Sprossende einer freien großen Natur und Naturluft dazu, wenn ein geschwächter Organismus in diese frische, frohe Luft kommt und sie nicht vertragen kann? Wird er noch mehr geschwächt, ist es Schuld der frischen, frohen Lebensluft? Soll sie anders sein oder soll vielmehr der Mensch sich dazu reif machen, die frische, frohe Lebensluft zu vertragen? Geist-Erkenntnis will sein eine gesunde Luft des Geistes. Kein Wunder, daß zuweilen aus der krankhaften Luft unseres Geisteslebens, wie es in der Gegenwart ist, ein geschwächter Organismus sich kraftlos und schwach fühlt im Beginne seiner geisteswissenschaftlichen Laufbahn. Geduld und Mut, die uns aus dem wirklich verstandenen ChristusPrinzip sprießen, sie sind die echten wahren Früchte des einen Teiles des hier gemeinten Geisteslebens. Aber eines gehört noch dazu. Mut, Ausdauer, Glauben allein genügen doch nicht; eines gehört dazu und wird immer mehr und mehr, je weiter wir der Zukunft entgegenschreiten, dazu gehören.
[ 12 ] We know what the cross means for the human soul. And over the years, we have strived to regard what comes to us as a gift from the spiritual worlds. We have strived to make this spiritual-scientific content an instrument for understanding this focal point of human progress ever more deeply, in order to comprehend Christ and the cross. When we recognize the reality of the Christ principle, we understand that this Christ principle is a force—a living force—that has been connected to human life on Earth since the beginning of our era, when this Christ principle united with a human being in the body of Jesus of Nazareth. Ever since then, it has been with us humans, working among us, and we can share in its work if we strive to use all the means at our disposal to grasp this Christ-principle—to grasp it in such a way that we make it the life of our own soul. But then, when we understand this Christ-principle in such a way that we know it is within humanity, that it is there, we can turn to it, we can draw living water from this source—then we possess that faith which can wait, wait for all that is to ripen in the bosom of time, which will ripen if we have patience. From the bosom of the transitory, the imperishable, the eternal, and the immortal will ripen for us when we grasp the Christ principle within this transitory realm. From the bosom of time, the timeless is born for us humans. When we stand on this firm foundation, then—proceeding from it—we do not have a blind faith, but rather a faith imbued with truth and knowledge, and we say to ourselves: What is to be will come to pass; and nothing prevents us from devoting our best efforts to what we believe is to come to pass. Faith, on the one hand, is the true fruit of the cross; it is what constantly calls out to us: Look at your failures—they are the apparent death of your work! Look beyond your failures to the cross and remember that on the cross was the source of eternal life, which conquered the death of time—not only for itself but for all people. And from these two ideas springs our greatest courage to face life. We need only grasp them in the right way. Oh, it has sometimes been objected by well-meaning people against the spiritual science referred to here that some who come to it—because they accept this or that seemingly on the basis of mere authority—weaken themselves and lose their strength. But whoever makes such a claim confuses the apparent with the true. The spiritual science referred to here does not weaken people; it is a force in which strength lives. What can the freshness, the sprouting and blossoming of a free, vast nature and the fresh air of nature do if a weakened organism enters this fresh, joyful air and cannot tolerate it? If it is weakened even further, is it the fault of the fresh, joyful air of life? Should the air be different, or should human beings rather prepare themselves to tolerate this fresh, joyful air of life? Spiritual knowledge seeks to be a healthy air of the spirit. No wonder that, at times, amid the morbid atmosphere of our spiritual life as it exists today, a weakened organism feels powerless and frail at the beginning of its spiritual scientific journey. Patience and courage, which spring from a truly understood Christ principle, are the genuine, true fruits of one aspect of the spiritual life referred to here. But there is one more thing that belongs to it. Courage, perseverance, and faith alone are not enough; there is one more element that belongs to it, and it becomes more and more essential the further we stride toward the future.
[ 13 ] Das ist: wir müssen die Möglichkeit haben, wenn wir eine Idee als die richtige erkannt haben, durch nichts uns beirren lassen an der Richtigkeit dieser Idee. Wir können uns tausendmal sagen, sie läßt sich jetzt nicht realisieren, wir müssen in Geduld und Ausdauer warten, bis die Verwirklichung möglich ist. Wenn wir glauben, daß es im Fortgange des Menschenlebens die Christus-Kraft ist, die alles reifen läßt aus dem Schoße der Zeiten im rechten Augenblicke, so müssen wir dessen ungeachtet ein Urteil über die Richtigkeit, über die unbezweifelbare Richtigkeit unseres geistigen Inhaltes haben. Können wir auf den Erfolg warten, so werden wir immer weniger genötigt sein, bloß zu warten, wenn es sich darum handelt, das Richtige, das Wahre, das Weise auch als Wahres, Weises, als Richtiges einzusehen. Nur das Kreuz ist es, das dem richtigen Verständnis Lebensmut und Lebensglauben gibt; der Stern aber ist es, der Stern, den einstmals Luzifer, der Lichtträger, innehatte, der aber diesem verlorengegangen und an das Christus-Prinzip übergegangen ist, der Stern, der uns in jedem Augenblicke erleuchten kann, wenn wir uns ihm hingeben, über die Richtigkeit, über das Unbezweifelbare unseres geistigen Inhaltes. Das ist der andere Kraftpunkt, auf dem wir fest stehen müssen. Wir müssen uns eine Erkenntnis aneignen können, die in die’ Tiefen desLebens geht, die hinter die äußeren, materiellen Erscheinungen geht, die da hineinleuchtet, wo Licht ist, auch dann, wenn es für das menschliche Auge, wenn es für den menschlichen Verstand, wenn es für die äußere Wahrnehmung finster wird. Es war notwendig für die menschliche Entwickelung, daß das ChristusEreignis eintrat im Laufe des Menschheitsfortschrittes, und wir werden in den nächsten Tagen darauf hinzuweisen haben, wie notwendig es war. Es war notwendig, was in so tiefsinniger Weise im JohannesEvangelium angedeutet ist, es war notwendig, daß diese Finsternis eine Zeitlang über die Menschheit kam. Hineingeleuchtet hat in diese Finsternis das, was wir das Christus-Prinzip, den Christus nennen. Es ist in Wirklichkeit so, wie es im Johannes-Evangelium beschrieben ist. Aber alles Leben schreitet vor, alles Leben geht weiter. Eine wunderbare, herrliche Sage der Menschheit spricht davon, daß dem Luzifer, als er vom Himmel auf die Erde herunterstürzte, ein Edelstein aus seiner Krone fiel. Aus diesem Edelstein — so sagt uns die Sage — wurde jenes Gefäß, in welchem der Christus Jesus mit seinen Jüngern das Abendmahl genommen hat; jenes Gefäß, in dem aufgefangen worden ist das Blut Christi, das vom Kreuze floß; jenes Gefäß, das von Engeln in die westliche Welt gebracht worden ist und in der westlichen Welt von denen aufgenommen wird, welche zum wahren Verständnis des Christus-Prinzips vordringen wollen. Es wurde aus dem Stein, der entfiel der Krone Luzifers, der heilige Gral.
[ 13 ] That is to say: once we have recognized an idea as the right one, we must not allow anything to shake our conviction of its correctness. We can tell ourselves a thousand times that it cannot be realized at this moment; we must wait with patience and perseverance until its realization becomes possible. If we believe that, in the course of human life, it is the Christ-force that allows everything to mature from the bosom of time at the right moment, then we must nonetheless have a conviction regarding the correctness—the unquestionable correctness—of our spiritual content. If we can wait for success, we will be less and less compelled to merely wait when it comes to recognizing what is right, true, and wise as true, wise, and right. It is only the cross that gives the right understanding courage and faith in life; but it is the star—the star that was once held by Lucifer, the bearer of light, but which he lost and which passed to the Christ principle—that star which can enlighten us at every moment, if we surrender ourselves to it, regarding the correctness, the indisputability of our spiritual content. This is the other point of strength upon which we must stand firm. We must be able to acquire a knowledge that penetrates into the depths of life, that goes beyond outward, material appearances, that shines where there is light—even when it grows dark for the human eye, for the human mind, and for outward perception. It was necessary for human development that the Christ event occur in the course of humanity’s progress, and in the coming days we will have to point out just how necessary it was. It was necessary—as is so profoundly hinted at in the Gospel of John—that this darkness should descend upon humanity for a time. What we call the Christ-principle, the Christ, shone into this darkness. It is in reality just as it is described in the Gospel of John. But all life moves forward; all life continues. A wonderful, magnificent legend of humanity tells that when Lucifer fell from heaven to earth, a gemstone fell from his crown. From this gemstone—so the legend tells us—came the vessel in which Christ Jesus celebrated the Last Supper with his disciples; the vessel that caught the blood of Christ as it flowed from the cross; that vessel which was brought by angels to the Western world and is received there by those who seek to attain a true understanding of the Christ principle. It was from the stone that fell from Lucifer’s crown that the Holy Grail was formed.
[ 14 ] Was ist der heilige Gral? Sie alle wissen, daß der Mensch, so wie er heute ist, viergliedrig ist, den physischen, ätherischen, astralischen Leib und das Ich hat, daß dieses Ich im Verlaufe des menschlichen Fortschrittes entgegenschreiten muß einer immer mehr und mehr es erfüllenden Vollkommenheit, daß es immer höher und höher steigen muß. Luzifer, dem im Orient herrschenden, gefallenen, ihm entfiel der Edelstein aus der Krone; jener Edelstein ist in gewisser Beziehung nichts anderes als die volle Krafl des menschlichen Ichs. Dieses menschliche Ich muß erst in der Finsternis vorbereitet werden, um in einer neuen würdigen Art den Stern Luzifers innerhalb des Christus-Lichtes erglänzen zu sehen. Dieses Ich mußte sich hinauferziehen an dem ChristusPrinzipe, heranreifen zu demEdelstein, der nun nicht mehr demLuzifer gehört, der seiner Krone entfallen ist; das heißt, es mußte heranreifen durch Weisheit, um wieder die Fähigkeit zu haben, das Licht, das uns nicht von außen zufließt, das uns dann scheint, wenn wir selbst das Nötige dazu tun können, zu ertragen. So ist geisteswissenschaftliche Arbeit die Arbeit am menschlichen Ich, um es zum Gefäß zu machen, das wiederum fähig ist, das Licht zu empfangen, das da ist, wo heute für die äußeren Augen, für den äußeren menschlichen Verstand Finsternis und Nacht ist. Eine alte Sage sagt, daß die Nacht die ursprüngliche Herrscherin war. Diese Nacht ist aber wieder da; sie ist in allem, was heute von Finsternis erfüllt ist. Erfüllen wir uns aber selbst mit jenem Lichte, das uns aufgehen kann, wenn wir begreifen den Stern, den der Lichtträger, der andere Geist, Luzifer verloren hat; dann wird uns jene Nacht zum Tage. Die Augen hören auf zu schauen, wenn das äußere Licht die Gegenstände nicht beleuchtet; der Verstand versagt, wenn es sich darum handelt, hinter die äußere Natur der Dinge zu dringen; der Stern, der uns wird, wenn die zugleich klare und gutgesinnteForschung spricht, der erleuchtet uns das, was nur scheinbar Nacht ist, macht es uns zum Tage. Das aber ist es auch, was uns alle ertötenden und lähmenden Zweifel nimmt. Dann kommt für uns der Augenblick, wo wir Lebensmut und Glaubenskraft haben, um in Geduld zu warten; wo wir aber auch jene Sicherheit haben, die uns wird, wenn durchleuchtet ist die Welt unseres Geistes von jenem Lichte, das uns sagt: Es gibt keine Berechtigung des Zweifels im Absoluten. Können wir auf der einen Seite warten, haben wir die Kraft, unsere Intentionen reifen zu lassen, und haben wir auf der anderen Seite die absolute innere Sicherheit vom Bestande des Ewigen, des Unvergänglichen, von dem Bestande des die Verstandesfinsternis durchleuchtenden Lichtes, dann haben wir die beiden Kräfte, die uns vorwärtsbringen, dann haben wir begriffen, daß es Mission ist für die Zukunft, zwei Welten zu vereinen, dann verstehen wir, was es heißt: vor unserer Seele und vor unserem Geiste stehen die Zeichen zweier Welten, in Liebe sich vereinend. Dann begreifen wir Christi Kreuz und den im Christus-Licht erglänzenden Stern Luzifers.
[ 14 ] What is the Holy Grail? You all know that human beings, as they are today, are fourfold in nature, possessing the physical, etheric, and astral bodies, as well as the “I”; that in the course of human progress, this “I” must strive toward a perfection that increasingly fills it, and that it must rise higher and higher. Lucifer, the fallen ruler of the East, lost the gemstone from his crown; in a certain sense, that gemstone is nothing other than the full power of the human “I.” This human “I” must first be prepared in the darkness in order to see the star of Lucifer shine anew in a worthy manner within the light of Christ. This “I” had to elevate itself through the Christ Principle, maturing into the gemstone that no longer belongs to Lucifer—the one that has fallen from his crown; that is to say, it had to mature through wisdom in order to regain the capacity to bear the light that does not flow to us from without, the light that shines upon us only when we ourselves can do what is necessary to receive it. Thus, spiritual scientific work is the work on the human “I,” to make it a vessel that is once again capable of receiving the light that exists where, for the outer eyes and the outer human intellect, there is darkness and night today. An ancient legend says that Night was the original ruler. But this Night is here again; it is in everything that is filled with darkness today. But if we fill ourselves with that light that can dawn within us when we comprehend the star that the bearer of light—the other spirit, Lucifer—has lost, then that Night will become day for us. The eyes cease to see when external light does not illuminate objects; the mind fails when it comes to penetrating beyond the outward nature of things; the star that becomes us when clear and well-intentioned inquiry speaks—it illuminates for us what is only seemingly night, turning it into day. But this is also what removes all our paralyzing and crippling doubts. Then comes the moment for us when we have the courage to face life and the strength of faith to wait patiently; but when we also have that certainty that comes to us when the world of our spirit is illuminated by that light which tells us: There is no justification for doubt in the Absolute. If, on the one hand, we are able to wait and have the strength to allow our intentions to mature, and if, on the other hand, we possess the absolute inner certainty of the existence of the Eternal, the Imperishable, and of the light that illuminates the darkness of the mind, then we possess the two forces that propel us forward; then we have understood that it is our mission for the future to to unite two worlds; then we understand what it means: before our soul and before our spirit stand the signs of two worlds, uniting in love. Then we comprehend Christ’s cross and the star of Lucifer shining in the light of Christ.
[ 15 ] Das darf als etwas angeführt werden, was in einer gewissen Beziehung die Mission des geisteswissenschaftlichen Lebens für dieZukunft ist: auf der einen Seite uns zu geben Sicherheit und Kraft, zu stehen auf einem festen Grunde spirituellen Lebens, empfänglich zu werden für die neugeborene Leuchte des ehemaligen Lichtträgers, und auf der anderen Seite uns zu stützen auf den anderen Stützpunkt des festen Glaubens und der festen Zuversicht, daß das, was geschehen soll durch die Kräfte, die in der Welt liegen, geschehen wird. Nur durch diese zwiefache Sicherheit werden wir wirken können, was wir wirken sollen in der Welt; nur durch diese zwiefache Sicherheit wird es uns gelingen, Geist-Erkenntnis ins Leben überzuführen.
[ 15 ] This may be cited as something that, in a certain sense, constitutes the mission of spiritual science for the future: on the one hand, to give us the certainty and strength to stand on a firm foundation of spiritual life and to become receptive to the newly kindled light of the former bearer of light; and on the other hand, to ground ourselves in the other pillar of firm faith and firm confidence that what is to come to pass through the forces at work in the world will indeed come to pass. Only through this twofold assurance will we be able to accomplish what we are meant to accomplish in the world; only through this twofold assurance will we succeed in bringing spiritual knowledge into life.
[ 16 ] Daher müssen wir uns klar darüber sein, daß wir nicht nur die Aufgabe haben, den Stern zu begreifen wie er geleuchtet hat durch das Menschenwerden, bis dem Luzifer aus der Krone entfallen ist der Edelstein, sondern wir müssen begreifen, daß wir das aufnehmen müssen, was aus diesem Edelsteine geworden ist, den heiligen Gral, daß wir verstehen müssen das Kreuz im Stern; daß wir verstehen müssen das, was als lichtvolle Weisheit geleuchtet hat in Urweltzeiten, was wir im tiefsten verehren als Weisheit der vorchristlichen Zeiten, zu denen wir wahrhaftig in voller Hingebung aufblicken, und daß wir dem hinzufügen müssen das, was die Welt hat werden können durch die Mission des Kreuzes. Nicht das Geringste soll uns entfallen von der vorchristlichen Weisheit, nicht das Geringste soll uns entfallen von dem Lichte des Orientes. Wir blicken zum Phosphoros, zum Lichtträger; ja, wir erkennen diesen ehemaligen Lichtträger als die Wesenheit, die uns erst verständlich machen kann die ganze tiefe innereBedeutung desChristus; aber wir sehen neben Phosphoros Christophoros, den Christusträger, und versuchen die geisteswissenschaftliche Mission zu verstehen, daß sie nur erfüllt werden kann, wenn wirklich die Zeichen dieser beiden Welten «in Liebe sich vereinen». Verstehen wir diese Mission so, dann wird uns der Stern der Leiter sein zur Sicherheit eines lichtvollen geistigen Lebens, dann wird uns der Christus der Leiter sein zu der inneren Wärme unserer Seele im Glauben und Vertrauen, daß da geschehen wird, was man nennen kann: Geburt des Ewigen aus dem Zeitlichen. Erinnern wir uns stets des Prinzipes: daß wenn, was wir wollen, das Rechte ist, uns nichts beirren kann darinnen, zu warten, bis uns die Früchte reifen.Stehen wir fest in dem Aufblicke zum Stern, den Luzifer verloren hat, auf der einen Seite, zum Kreuze des Christus auf der anderen Seite, dann werden wir innerlich und lebendig die Mission der Geist-Erkenntnis durchdringen, dann werden wir immer mehr und mehr in uns befestigen die Sicherheit, daß das Licht, das aus dieser Geist-Erkenntnis leuchtet, ein wahres Sternenlicht ist. Dann aber auch werden wir immer mehr und mehr den Glauben und das Vertrauen haben, daß reifen werden die Früchte dieser Erkenntnis; dann wird uns nichts zaghaft machen; dann werden wir in Geduld und Ausdauer alle Mißerfolge hinnehmen können. Wir werden, zurückblickend auf ein Kleines, was wir zunächst erreicht haben, uns sagen: Wir werden nach und nach einen kleinen Keim durch unsere Bewegung in der Menschheit schaffen, so daß das Licht des Orients sein Widerleuchten finden kann, sein mächtiges, verständnisvolles Widerleuchten in dem Christus-Prinzipe des Abendlandes. Dann werden wir auch erkennen, daß es ein Licht des Okzidents gibt, das scheint, um das, was aus dem Orient stammt, noch lichtvoller zu machen als es durch seine eigene Kraft ist. Lichtvoll wird eine Sache durch die Lichtquelle, von der sie beleuchtet wird. Daher sage niemand, daß irgendeine Verfälschung orientalischer Weisheit eintritt, wenn das Licht des Okzidents auf diese orientalische Weisheit scheint. Es wird scheinen das, was schön, groß und erhaben ist. Es wird am schönsten, größten und erhabensten scheinen, wenn es mit dem edelsten Lichte erleuchtet wird. Wenn uns diese Idee, die wir ahnend in unsere Seele aufnehmen, erfüllt, dann werden wir an Kleinem gefühls- und empfindungsmäßig Größeres lernen können; dann werden wir daran lernen, uns zu sagen: Wir stehen fest in unseren Wahrheiten, und wir warten geduldig auf dieRealisierung dieser Wahrheiten; wir haben die Kraft, nicht zu wanken in dem, was aus dem Lichte auf der einen Seite kommt; wir haben aber auch die Kraft, zu warten, und wenn es noch so lange dauern sollte, bis das, was wir als Keim legen wollen in der Zeiten Schoß, die Früchte reifen lassen wird.
[ 16 ] Therefore, we must be clear that our task is not only to comprehend the star as it shone through the Incarnation, until the gem fell from Lucifer’s crown, but we must also comprehend that we must take in what became of this gem—the Holy Grail—and that we must understand the cross within the star; that we must understand what shone as luminous wisdom in primeval times—what we revere most deeply as the wisdom of pre-Christian times, to which we truly look up with full devotion—and that we must add to this what the world has been able to become through the mission of the Cross. We must not overlook even the slightest thing from pre-Christian wisdom; we must not overlook even the slightest thing from the light of the Orient. We look to Phosphoros, the bearer of light; indeed, we recognize this former bearer of light as the being who alone can make the whole profound inner meaning of Christ comprehensible to us; but we see, alongside Phosphoros, Christophoros, the bearer of Christ, and strive to understand the spiritual-scientific mission—that it can only be fulfilled when the signs of these two worlds truly “unite in love.” If we understand this mission in this way, then the star will be our guide to the security of a luminous spiritual life; then Christ will be our guide to the inner warmth of our soul in faith and trust that what may be called the “birth of the Eternal from the temporal” will come to pass. Let us always remember the principle: that if what we desire is right, nothing can deter us from waiting until the fruits ripen. If we stand firm, gazing toward the star that Lucifer has lost on the one hand, and toward the cross of Christ on the other, then we will penetrate the mission of spiritual knowledge inwardly and vividly; then we will increasingly strengthen within ourselves the certainty that the light shining from this spiritual knowledge is true starlight. But then, too, we will have ever greater faith and confidence that the fruits of this knowledge will ripen; then nothing will make us falter; then we will be able to accept all setbacks with patience and perseverance. Looking back on the small achievement we have attained so far, we will say to ourselves: Little by little, through our movement within humanity, we will create a small seed, so that the light of the East may find its reflection—its powerful, understanding reflection—in the Christ Principle of the West. Then we will also recognize that there is a light of the West that shines to make what comes from the East even more radiant than it is by its own power. A thing becomes radiant through the light source that illuminates it. Therefore, let no one say that any distortion of Eastern wisdom occurs when the light of the West shines upon this Eastern wisdom. What is beautiful, great, and sublime will shine forth. It will appear at its most beautiful, greatest, and most sublime when illuminated by the noblest light. When this idea, which we intuitively take into our souls, fills us, then we will be able to learn, through our feelings and perceptions, something greater from what is small; then we will learn from it to say to ourselves: We stand firm in our truths, and we wait patiently for the realization of these truths; we have the strength not to waver in what comes from the light on one side; but we also have the strength to wait, no matter how long it may take, until what we wish to plant as a seed in the womb of time bears fruit.
[ 17 ] Wir konnten warten, bis wir an die uns so am Herzen liegende Aufgabe herantreten konnten, «Die Kinder des Luzifer» verkörpert vor menschliche Augen hinzustellen. Die Geisteswissenschaft hat nach allen Richtungen, auf allen Gebieten des Lebens ihre großen Aufgaben. Sind wir heute schon sicher durch jenes Licht, das diese Aufgaben in sich schließt, wenn wir den einen Stützpunkt fest unter uns haben, so sind wir auf der anderen Seite auch sicher im Glauben und Vertrauen, daß die kleinsten und die größten Aufgaben, wenn wir uns ihnen hingeben, erfüllt werden müssen.
[ 17 ] We were able to wait until we could tackle the task so dear to our hearts: to present “The Children of Lucifer” in a form visible to human eyes. Spiritual science has its great tasks in all directions and in all areas of life. If we are already secure today through the light that these tasks embody—provided we have that one firm foundation beneath us—then we are also secure in the faith and confidence that the smallest and the greatest tasks, if we devote ourselves to them, must be fulfilled.
[ 18 ] Und so bauen wir auf das Licht, das von der Geist-Erkenntnis ausgeht; und so bauen wir auf die Wärme, die von ihr ausgeht, und die uns erfüllt, die uns mit Glauben und Zuversicht in unserer Mission erfüllen kann. Und wirken im rechten Sinne und wahrer Art weiter unter den beiden Zeichen des Sterns und des Kreuzes, den «Zeichen zweier Welten in Liebe sich vereinend», wirken von Zeitpunkt zu Zeitpunkt, wirken in festem Glauben daran, daß, wenn wir im Laufe der Zeiten unsere Aufgabe richtig erfassen, wir wirken für das, wofür der Mensch wirken soll, für die Ewigkeit. Denn für menschliches Wirken ist die Ewigkeit die Geburt desjenigen, das in den Zeiten reift.
[ 18 ] And so we rely on the light that emanates from spiritual knowledge; and so we rely on the warmth that emanates from it and fills us—a warmth that can fill us with faith and confidence in our mission. And we continue to work in the true sense and in a genuine manner under the two symbols of the star and the cross—the “symbols of two worlds uniting in love”—working from moment to moment, working with firm faith that, if we come to truly grasp our task over the course of time, we are working for that for which humanity is meant to work: for eternity. For in human endeavor, eternity is the birth of that which matures over time.
