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The Rudolf Steiner Archive

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The Gospel of Luke
GA 114

16 September 1909, Basel

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Das Johannes-Evangelium war durch die verschiedenen Zeiten der Entwickelung des Christentums hindurch diejenige Urkunde, welche stets den tiefsten Eindruck auf alle diejenigen gemacht hat, welche eine besondere Vertiefung, eine innere Versenkung in die christlichen Weltenströmungen suchten. Daher war dieses Johannes-Evangelium die Urkunde aller christlichen Mystiker, die nachzuleben versuchten, was im Johannes-Evangelium in der Persönlichkeit und Wesenheit des Christus Jesus dargestellt wird.

[ 1 ] Throughout the various stages of Christianity’s development, the Gospel of John has been the text that has consistently made the deepest impression on all those who sought a special deepening and an inner immersion in the currents of the Christian world. For this reason, the Gospel of John was the sacred text of all Christian mystics who sought to live out what is portrayed in the Gospel of John regarding the personality and essence of Christ Jesus.

[ 2 ] In einer etwas anderen Weise hat sich die christliche Menschheit durch die verschiedenen Jahrhunderte hindurch zu dem Lukas-Evangelium gestellt. Das entspricht, von einem anderen Gesichtspunkt aus gesehen, im Grunde genommen durchaus dem; was wir gestern schon über den Unterschied des Johannes-Evangeliums und des Lukas-Evangeliums andeuten konnten. War das Johannes-Evangelium in gewisser Beziehung eine Urkunde für Mystiker, so war das Lukas-Evangelium immer eine Art Erbauungsbuch für die Allgemeinheit, für solche, die sich, man könnte in einer gewissen Weise sagen, aus der Einfalt und der Einfachheit ihres Herzens heraus in die Sphäre des christlichen Empfindens erheben konnten. Als ein Erbauungsbuch geht das LukasEvangelium durch der Zeiten Wende. Für alle die, welche bedrückt waren mit Leiden und Schmerzen, war es immer ein Quell inneren Trostes. Denn in diesem Evangelium wird ja so viel verkündet von dem großen Tröster, von dem großen Wohltäter der Menschheit, von dem Heiland der Beladenen und der Bedrückten. Ein Buch, zu dem insbesondere diejenigen den Sinn hinwendeten, welche sich durchdringen wollten mit der christlichen Liebe, war das Lukas-Evangelium, denn mehr als in irgendeiner anderen christlichen Urkunde wird die Gewalt und das Eindringliche der Liebe in diesem Lukas-Evangelium entfaltet. Und die, welche in irgendeiner Weise sich bewußt waren — und im Grunde genommen kann das ja für alle Menschen gelten -, irgendwelche Fehler auf ihr Herz geladen zu haben, sie fanden von jeher Erbauung und Trost und Erhebung der beladenen Seele, wenn sie zum Lukas-Evangelium und seiner Verkündigung hinblickten und sich sagen konnten: Der Christus Jesus ist nicht bloß erschienen für die Gerechten, sondern auch für die Sünder; mit Sündern und Zöllnern hat er bei Tisch gesessen. - Gehört zum Johannes-Evangelium eine hohe Vorbereitung, um es auf sich wirken zu lassen, so darf man vom LukasEvangelium sagen, daß kein Gemüt so niedrig, so unreif ist, daß es nicht all die Wärme, die aus dem Lukas-Evangelium herausströmt, in vollem Maße auf sich wirken lassen könnte.

[ 2 ] Throughout the centuries, the Christian world has approached the Gospel of Luke in a somewhat different way. Viewed from another perspective, this is essentially consistent with what we were able to suggest yesterday regarding the difference between the Gospel of John and the Gospel of Luke. If the Gospel of John was, in a certain sense, a text for mystics, the Gospel of Luke has always been a kind of devotional book for the general public—for those who, one might say in a certain way, were able to rise into the realm of Christian sentiment out of the simplicity and sincerity of their hearts. As a devotional book, the Gospel of Luke has stood the test of time. For all those who were weighed down by suffering and pain, it has always been a source of inner comfort. For in this Gospel, so much is proclaimed about the great Comforter, the great Benefactor of humanity, the Savior of the burdened and the afflicted. The Gospel of Luke was a book to which those who wished to imbue themselves with Christian love turned in particular, for more than in any other Christian text, the power and the intensity of love are unfolded in this Gospel of Luke. And those who were in any way aware—and, after all, this can apply to all people—that they had burdened their hearts with some fault or other have always found edification, comfort, and uplift for their burdened souls when they turned to the Gospel of Luke and its message and could say to themselves: Christ Jesus did not appear merely for the righteous, but also for sinners; he sat at table with sinners and tax collectors. - While the Gospel of John requires a high degree of preparation to allow it to take effect, it can be said of the Gospel of Luke that no mind is so lowly or so immature that it cannot fully receive all the warmth that flows from the Gospel of Luke.

[ 3 ] So war dasLukas-Evangelium von jeher ein Buch für die Allgemeinheit, an dem sich auch das kindlichste Gemüt erbauen konnte. Alles, was an der menschlichen Seele von der frühesten Lebenszeit an bis in die höchsten Altersstufen hinauf kindlich bleibt, das hat sich immer hingezogen gefühlt zu dem Lukas-Evangelium. Und vor allem, was von den christlichen Wahrheiten bildhaft dargestellt worden ist, was die Kunst von den christlichen Wahrheiten zu ihrem Vorwurf genommen hat - es ist zwar vieles auch aus den anderen Evangelien erflossen -, was aber aus der Kunst, aus der Malerei von jeher am eindringlichsten zu den menschlichen Herzen gesprochen hat, das finden wir im LukasEvangelium angegeben und von da aus in die Kunst fließend. Alle die tiefen Beziehungen zwischen dem Christus Jesus und Johannes dem Täufer, die so vielfach bildnerische Darstellung gefunden haben, haben ihren Quell in diesem unvergänglichen Buche, in dem Lukas-Evangelium.

[ 3 ] Thus, the Gospel of Luke has always been a book for the general public, one that even the most childlike mind could find edification in. Everything in the human soul that remains childlike—from the earliest stages of life all the way to the highest stages of old age—has always been drawn to the Gospel of Luke. And above all, what has been depicted pictorially from Christian truths—what art has taken as its subject matter from Christian truths—though much has also flowed from the other Gospels—what, however, has always spoken most powerfully to human hearts through art and painting, we find expressed in the Gospel of Luke and flowing from there into art. All the profound relationships between Christ Jesus and John the Baptist, which have so often found artistic expression, have their source in this imperishable book, the Gospel of Luke.

[ 4 ] Wer von diesem Gesichtspunkte aus diese Urkunde auf sich wirken läßt, der wird finden, daß sie von Anfang bis zu Ende gleichsam hineingetaucht ist in das Prinzip der Liebe, des Mitleides, der Einfalt, ja bis zu einem gewissen Grade.der Kindlichkeit. Und wo kommt diese Kindlichkeit denn noch in einer so warmen Weise zum Ausdruck als gerade in der Kindheitsgeschichte des Jesus von Nazareth, die uns der Schreiber des Lukas-Evangeliums gibt! Warum das so war, das wird uns auch klar werden können, wenn wir allmählich immer tiefer in dieses merkwürdige Buch eindringen.

[ 4 ] Anyone who contemplates this document from this perspective will find that, from beginning to end, it is, as it were, steeped in the principles of love, compassion, simplicity, and even, to a certain degree, childlikeness. And where else is this childlikeness expressed in such a heartwarming way than in the story of the childhood of Jesus of Nazareth, as recounted to us by the author of the Gospel of Luke! Why this was so will also become clear to us as we gradually delve deeper and deeper into this remarkable book.

[ 5 ] Es wird heute notwendig sein, daß mancherlei gesagt wird, was vielleicht denen, die andere Vorträge von mir über diesen Gegenstand oder andere Zyklen gehört haben, zunächst als ein Widerspruch erscheinen wird. Aber warten Sie nur auf die Ausführungen der nächsten Tage, dann wird Ihnen das schon im Einklange erscheinen mit dem, was Sie bisher über den Christus Jesus und über Jesus von Nazareth von mir gehört haben. Man kann nicht auf einmal den ganzen komplizierten Umfang der Wahrheit geben, und es wird heute notwendig sein, auf eine Seite der christlichen Wahrheiten hinzuweisen, welche im scheinbaren Widerspruche stehen wird mit demjenigen Teile der Wahrheit, den ich bisher da oder dort vor Ihnen aussprechen konnte. — Es soll der Weg so gewählt werden, daß die einzelnen Wahrheitsströme entwickelt werden und daß dann gezeigt wird, wie sie vollständig in Harmonie und im Einklange sind. Natürlich konnte ich in den verschiedenen Zyklen, namentlich, da bisher der Ausgangspunkt - und zwar absichtlich - vom Johannes-Evangelium aus genommen wurde, nur auf einen Teil der Wahrheit hinweisen. Dieser Teil bleibt darum doch Wahrheit; das werden wir in den nächsten Tagen noch sehen. Heute obliegt es uns, einen den meisten von Ihnen ungewohnten Teil der christlichen Wahrheiten zu betrachten.

[ 5 ] Today it will be necessary to say certain things that may at first seem contradictory to those who have heard my other lectures on this subject or on other cycles. But just wait for the explanations in the coming days, and you will see that this is in harmony with what you have heard from me so far about Christ Jesus and Jesus of Nazareth. One cannot present the entire complex scope of the truth all at once, and today it will be necessary to point out one aspect of Christian truths that will appear to be in apparent contradiction to that part of the truth which I have been able to express to you here and there up to now. — The approach should be chosen in such a way that the individual streams of truth are developed and it is then shown how they are completely in harmony and in accord with one another. Of course, in the various cycles—especially since the starting point has so far been taken—and intentionally so—from the Gospel of John—I could only point to a part of the truth. This part nevertheless remains the truth; we will see that in the coming days. Today it falls to us to consider a part of Christian truths that is unfamiliar to most of you.

[ 6 ] Im Lukas-Evangelium besagt uns eine wunderbare Stelle, daß den Hirten auf dem Felde verkündet wird durch einen Engel, der ihnen sichtbar wird, daß ihnen der «Heiland der Welt» geboren worden ist. Und dann wird erwähnt, daß zu diesem Engel, nachdem er die Verkündigung gesagt hat, hinzutreten «himmlische Heerscharen» (Lukas 2,13). Stellen Sie sich also das Bild vor, daß diese Hirten hinaufblicken und ihnen so etwas erscheint wie «der Himmel offen» und die Wesenheiten der geistigen Welt in mächtigen Bildern sich vor ihnen ausbreitend. Was wird den Hirten verkündet?

[ 6 ] In the Gospel of Luke, a wonderful passage tells us that an angel appeared to the shepherds in the fields and announced to them that the “Savior of the world” had been born. And then it is mentioned that, after the angel had delivered the message, “heavenly hosts” (Luke 2:13) appeared alongside him. So imagine the scene: these shepherds looking up, and something like “heaven opened” appearing to them, with beings from the spiritual world unfolding before them in majestic visions. What is announced to the shepherds?

[ 7 ] Was ihnen verkündet wird, das wird in monumentale Worte gekleidet, in Worte, die durch die ganze Menschheitsentwickelung gesprochen wurden und die zum Weihnachtsspruche der christlichen Entwickelung geworden sind. Die Worte tönen den Hirten entgegen, die, richtig übersetzt, etwa so lauten würden:

[ 7 ] What is proclaimed to them is clothed in monumental words—words that have been spoken throughout the entire course of human development and have become the Christmas message of Christian development. The words resound to the shepherds; if translated correctly, they would read something like this:

«Es offenbaren sich die göttlichen Wesenheiten aus den Höhen, aufdaß Friede herrsche unten auf der Erde bei den Menschen, die durch drungen sind von einem guten Willen.» (Lukas 2, 14.)

“Glory to God in the highest, and on earth peace among those with whom He is well pleased.” (Luke 2:14.)

[ 8 ] «Ehre», wie es gewöhnlich wiedergegeben wird, ist eine ganz falsche Übersetzung. Wie ich es jetzt gesagt habe, sollte es heißen. Und der Gegensatz sollte scharf betont werden, daß dasjenige, was die Hirten sehen, dieOffenbarung der geistigen Wesenheiten aus den Höhen ist und daß sie in diesem Augenblicke geschieht, damit einziehe Friede in die menschlichen Herzen, die durchdrungen sind von einem guten Willen.

[ 8 ] “Glory,” as it is usually rendered, is a completely incorrect translation. As I have just said, it should read as follows. And the contrast should be sharply emphasized: that what the shepherds see is the revelation of spiritual beings from on high, and that it occurs at this very moment so that peace may enter the hearts of humans who are imbued with good will.

[ 9 ] Im Grunde genommen liegt, wie wir sehen werden, vieles von den Geheimnissen des Christentums in diesen Worten, wenn man sie richtig versteht. Aber es wird einiges dazu gehören, um Licht in diese paradigmatischen Worte zu bringen. Was vor allem hinzugehört, ist, daß wir versuchen, jene Berichte zu betrachten, die des Menschen hellsichtiger Sinn aus der Akasha-Chronik empfängt. Darauf kommt es an, zunächst hinzuschauen mit dem geöffneten Auge des Geistes auf dasjenige Zeitalter, in dem der Christus Jesus für die Menschheit auftritt, und uns nun zu fragen: Wie stellt sich das dar, was damals geistig in die Erdenentwickelung eingetreten ist, wenn wir es verfolgen in seinem ganzen geschichtlichen Werden, wenn wir fragen: Woher ist es gekommen?

[ 9 ] As we shall see, much of the mystery of Christianity lies, in essence, in these words—if they are understood correctly. But it will take quite a bit to shed light on these paradigmatic words. Above all, we must try to consider those reports that the human being’s clairvoyant sense receives from the Akashic Records. What matters is, first of all, to look with the open eye of the spirit at the age in which Christ Jesus appeared for humanity, and then to ask ourselves: How does that which entered into Earth’s development spiritually at that time present itself when we trace it through its entire historical unfolding, when we ask: Where did it come from?

[ 10 ] Damals floß in die Menschheitsentwickelung etwas ein, was wie ein Zusammenströmen geistiger Ströme von den verschiedensten Richtungen her sich darstellte. In den mannigfaltigsten Gegenden der Erde sind die verschiedensten Weltanschauungen im Laufe der Zeiten aufgetaucht. Alles, was aufgetaucht ist in den verschiedenen Gegenden der Erde, strömte damals in Palästina zusammen und drückte sich aus in irgendeiner Weise in diesen Ereignissen von Palästina, so daß wir uns fragen können: Wohin gehen die Strömungen, die wir wie in einen Mittelpunkt zusammenfließen sehen in den palästinensischen Ereignissen?

[ 10 ] At that time, something flowed into the development of humanity that manifested itself as a convergence of spiritual currents from a wide variety of directions. In the most diverse regions of the earth, the most varied worldviews have emerged over the course of time. Everything that emerged in the various regions of the earth converged in Palestine at that time and found expression in one way or another in these events in Palestine, so that we may ask ourselves: Where are the currents heading that we see flowing together as if toward a focal point in the events in Palestine?

[ 11 ] Wir haben gestern schon darauf hingedeutet, daß durch das LukasEvangelium dasjenige gegeben wird, was wir imaginative Erkenntnis nennen, und daß diese imaginative Erkenntnis in Bildern gewonnen wird. Ein Bild wird vor uns hingestellt in dem soeben Angegebenen, ein Bild, wie über den Hirten erscheint die Offenbarung der geistigen Wesenheiten aus der Höhe, das Bild eines geistigen Wesens, eines Engels, und dann einer Schar von Engeln. Da müssen wir die Frage aufwerfen: Wie sieht der hellsichtige und zugleich in die Geheimnisse des Daseins eingeweihte Mensch dieses Bild an, das er sich jederzeit wieder herstellen kann, wenn er in die Akasha-Chronik zurückschaut? Was ist das, was sich da den Hirten darstellte? Was ist enthalten in dieser Engelschar, und woher kommt sie?

[ 11 ] We already pointed out yesterday that the Gospel of Luke provides what we call imaginative knowledge, and that this imaginative knowledge is gained through images. An image is presented to us in what has just been described—an image of the revelation of spiritual beings from on high appearing to the shepherd, the image of a spiritual being, an angel, and then a host of angels. We must therefore ask: How does the clairvoyant person—who is also initiated into the mysteries of existence—perceive this image, which he can recreate at any time when he looks back into the Akashic Records? What is it that appeared to the shepherds? What is contained in this host of angels, and where does it come from?

[ 12 ] Eine der großen geistigen Strömungen, die durch die Menschheitsentwickelung geflossen sind, jeneStrömung, die allmählich immer höher und höher gestiegen ist, so daß sie zur Zeit der palästinensischen Ereignisse nur mehr aus den geistigen Höhen herunterscheinen konnte auf die Erde, die ist es, die sich in diesem Bilde zeigt. Wenn wir ausgehen — und zwar jetzt durch die Entzifferung der Akasha-Chronik — von dieser Engelschar, welche den Hirten erschien, so werden wir zurückgeführt zu einer der größten geistigen Strömungen der Menschheitsentwickelung, die sich, man könnte sagen, zuletzt vor der Erscheinung des Christus Jesus auf der Erde, mehrere Jahrhunderte vorher, als Buddhismus ausgebreitet hat. Zu dem, was die «Erleuchtung» des großen Buddha war, so sonderbar es Ihnen klingen wird, wird derjenige geführt, welcher von jener Offenbarung, die den Hirten wird, durch die Akasha-Chronik den Weg zurückverfolgt in die vorhergehenden Zeiten der Menschheit. Was in Indien den Menschen aufgeleuchtet hat, was dort als die Religion des Mitleides und der Liebe, als eine große Weltanschauung einstmals Geister und Herzen bewegt hat und was noch heute für einen großen Teil der Menschheit geistige Nahrung ist, das erschien wieder in der Offenbarung der Hirten. Denn auch das sollte einströmen in die palästinensische Offenbarung. Was uns im Lukas-Evangelium zuerst erzählt wird, das können wir nur verstehen, wenn wir — wiederum vom Gesichtspunkte der geisteswissenschaftlichen Forschung aus - einen Blick auf das werfen, was der Buddha der Menschheit war und was die Buddha-Offenbarung eigentlich im Verlaufe der Menschheitsentwickelung bewirkte. Da müssen wir uns folgendes klarmachen.

[ 12 ] One of the great spiritual currents that have flowed through human evolution—the current that gradually rose higher and higher, so that by the time of the events in Palestine it could only shine down upon the Earth from the spiritual heights—is the one depicted in this image. If we take as our starting point—specifically through the deciphering of the Akashic Records—this host of angels that appeared to the shepherds, we are led back to one of the greatest spiritual currents in human development, which, one might say, spread as Buddhism several centuries before the appearance of Christ Jesus on Earth. As strange as it may sound to you, anyone who traces the path back through the Akashic Records from that revelation to the shepherds to the earlier periods of human history is led to an understanding of what the “Enlightenment” of the great Buddha was. What dawned upon the people of India—what once moved minds and hearts there as the religion of compassion and love, as a great worldview, and what still serves as spiritual nourishment for a large part of humanity today—reappeared in the revelation of the shepherds. For this, too, was to flow into the Palestinian revelation. We can only understand what is first told to us in the Gospel of Luke if we—again from the perspective of spiritual scientific research—take a look at what the Buddha meant to humanity and what the Buddha’s revelation actually brought about in the course of human development. In this regard, we must make the following clear to ourselves.

[ 13 ] Als fünf bis sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung der Buddha im Fernen Osten erstand, da erschien in ihm eine Individualität, die oft und oft wiederverkörpert erschienen war und die durch ihre vielen Verkörperungen hindurch bis zu einer hohen menschlichen Entwickelungsstufe hinaufgeschritten ist. Der Buddha konnte derjenige, der er war, nur deshalb werden, weil er in seinen früheren Inkarnationen im höchsten Sinne des Wortes schon eine hohe, hohe Entwickelungsstufe erlangt hatte. Jene Entwickelungsstufe einer Wesenheit im Weltenall, die der Buddha erlangt hatte, bezeichnet man mit einem orientalischen Ausdruck als einen «Bodhisattva». Es ist — wenigstens vor einem Teile von Ihnen —- das Wesen der Bodhisattvas von verschiedenen Seiten her schon erörtert worden. In dem Zyklus «Geistige Hierarchien und ihre Widerspiegelung in der physischen Welt», Düsseldorf, April 1909, zeigte ich, wie sich die Bodhisattvas zu der ganzen kosmischen Entwickelung verhalten; in München in dem Zyklus «Der Orient im Lichte des Okzidents», August 1909, konnte ich von einem anderen Gesichtspunkte aus darauf hinweisen. Heute soll wiederum von einer anderen Seite her das Wesen der Bodhisattvas betrachtet werden. Sie werden schon nach und nach den Einklang zwischen diesen einzelnen Wahrheiten finden.

[ 13 ] When the Buddha arose in the Far East five to six centuries before our era, an individuality emerged within him that had reincarnated time and again and, through its many incarnations, had advanced to a high stage of human development. The Buddha was able to become who he was only because, in his earlier incarnations, he had already attained—in the highest sense of the word—a very, very high stage of development. That stage of development attained by a being in the universe, which the Buddha had reached, is referred to by an Eastern term as a “Bodhisattva.” The nature of the Bodhisattvas has already been discussed from various angles—at least for some of you. In the lecture series “Spiritual Hierarchies and Their Reflection in the Physical World,” Düsseldorf, April 1909, I showed how the Bodhisattvas relate to the entire cosmic evolution; in Munich, in the lecture series “The Orient in the Light of the Occident,” August 1909, I was able to shed light on this from another perspective. Today, we shall once again consider the nature of the Bodhisattvas from yet another angle. You will gradually come to find the harmony between these individual truths.

[ 14 ] Derjenige, der ein Buddha wurde, mußte zuerst ein Bodhisattva sein. Bodhisattva ist also die vorhergehende Stufe der individuellen Entwickelung zum Buddha hin. Nun wollen wir einmal vom Standpunkte der Menschheitsentwickelung aus uns das Wesen der Bodhisattvas vor Augen führen. Wir verstehen es nur, wenn wir, vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus sie durchdringend, die'Menschheitsentwickelung betrachten.

[ 14 ] Anyone who became a Buddha must first have been a Bodhisattva. A Bodhisattva is thus the preceding stage of individual development on the path to Buddhahood. Now let us consider the nature of Bodhisattvas from the perspective of human evolution. We can only understand this if we view the development of humanity from the perspective of spiritual science.

[ 15 ] Was die Menschen zu irgendeiner Zeit können, was sie an Fähigkeiten entwickeln, das war nicht immer da. Es ist nur eine kurzsichtige Betrachtungsweise, die nicht über ihre eigene Epoche hinausschauen kann, welche da glaubt, daß dieselben Fähigkeiten, welche die Menschen heute haben, schon in Urzeiten vorhanden waren. Die menschlichen Fähigkeiten, das, was die Menschen verrichten, wissen, tun können, das ändert sich von Epoche zu Epoche. Heute sind die menschlichen Fähigkeiten so entwickelt, daß der Mensch gewissermaßen durch seine eigene Vernunft dieses oder jenes erkennen kann, daß er mit Recht sagt: Diese oder jene Wahrheit sehe ich ein durch meinen Verstand, durch meine Vernunft; ich kann erkennen, was sittlich und unsittlich ist, was in einer gewissen Beziehung logisch oder unlogisch ist. Aber man würde fehlgehen, wenn man glauben würde, daß diese Fähigkeiten, das Logische vom Unlogischen oder das Sittliche vom Unsittlichen zu unterscheiden, immer an der menschlichen Natur gehaftet haben. Sie sind erst gekommen, haben sich nach und nach entwickelt. Was der Mensch heute durch seine eigenen Fähigkeiten vermag, das mußte er wie ein Kind von Vater und Mutter oder vom Lehrer - sich einmal sagen lassen von Wesenheiten, welche zwar auch verkörpert unter den Menschen waren, welche aber durch ihre geistigen Fähigkeiten höher entwickelt waren und in den Mysterien Umgang pflegen konnten mit geistigen Wesenheiten, die über ihnen sind, mit göttlich-geistigen Wesenheiten.

[ 15 ] What people are capable of at any given time—the abilities they develop—did not always exist. It is merely a short-sighted perspective, one that cannot see beyond its own era, that believes the same abilities people possess today were already present in ancient times. Human abilities—what people can accomplish, know, and do—change from one era to the next. Today, human abilities are so developed that a person can, in a sense, recognize this or that through his or her own reason, and can rightly say: “I recognize this or that truth through my intellect, through my reason; I can discern what is moral and immoral, what is, in a certain sense, logical or illogical.” But one would be mistaken to believe that these abilities—to distinguish the logical from the illogical or the moral from the immoral—have always been inherent in human nature. They have only come into being and have developed gradually. What human beings are capable of today through their own faculties, they once had to be taught—like children—by their father and mother or by a teacher—that is, by beings who, although they too were incarnated among human beings, were more highly developed in their spiritual faculties and, within the mysteries, were able to commune with spiritual beings above them—with divine-spiritual beings.

[ 16 ] Solche Individualitäten, die zwar im physischen Leibe verkörpert waren, die aber Umgang pflegen konnten mit höheren Individualitäten, die nicht physisch verkörpert sind, gab es immer. Bevor die Menschen zum Beispiel die Gabe des logischen Denkens erlangt haben, wodurch sie selbst heute logisch denken können, mußten sie hinhorchen auf gewisse Lehrer. Diese Lehrer konnten auch nicht durch gewisse Fähigkeiten, die man im physischen Leibe entwickelt, logisch denken, sondern nur dadurch, daß sie in den Mysterien Umgang hatten mit göttlichgeistigen Wesenheiten, die in höheren Regionen sind. Solche Lehrer, die das Logische, das Sittliche lehrten aus ihren Offenbarungen, die sie aus höheren Welten heraus empfingen, gab es, bevor die Menschen selber durch ihre Natur auf der Erde imstande waren, logisch zu denken oder das Sittliche zu finden. Eine gewisse Kategorie solcher Wesen, die zwar im physischen Leibe verkörpert sind, aber Umgang haben mit göttlichgeistigen Wesenheiten, damit sie das heruntertragen, was sie von jenen lernen, und es dem Menschen mitteilen können, das sind die Bodhisattvas, Sie sind also in einem Menschenleib verkörperte Wesenheiten, die heranreichen mit ihren Fähigkeiten bis zu einem Verkehr mit den göttlich-geistigen Wesenheiten.

[ 16 ] There have always been such individualities who, although incarnated in a physical body, were able to interact with higher individualities that are not physically incarnated. For example, before human beings acquired the gift of logical thinking—which enables them to think logically even today—they had to listen to certain teachers. These teachers, too, were not able to think logically through certain abilities developed in the physical body, but only because, within the mysteries, they had contact with divine-spiritual beings who dwell in higher regions. Such teachers, who taught logic and morality based on the revelations they received from higher worlds, existed before human beings themselves were capable, by their very nature on Earth, of thinking logically or discovering morality. A certain category of such beings—who, though incarnated in a physical body, associate with divine-spiritual beings so that they may bring down what they learn from them and communicate it to humankind—are the Bodhisattvas. They are, therefore, beings incarnated in a human body whose abilities extend to communion with divine-spiritual beings.

[ 17 ] Und bevor der Buddha ein «Buddha» wurde, war er eben ein Bodhisattva, das heißt eine Individualität, die in den Mysterien Umgang haben konnte mit den höheren, göttlich-geistigen Wesenheiten. Eine solche Wesenheit, wie es der Bodhisattva ist, hat in fernen Urzeiten der Erdenentwickelung einmal eine bestimmte Mission, eine bestimmte Aufgabe in der höheren Welt erhalten, und sie bleibt dann bei dieser Mission.

[ 17 ] And before the Buddha became a “Buddha,” he was a Bodhisattva—that is, an individual who, within the mysteries, was able to interact with the higher, divine-spiritual beings. Such a being as the Bodhisattva is once received a specific mission, a specific task in the higher world during the distant primordial times of Earth’s evolution, and he then remains faithful to this mission.

[ 18 ] Wenn wir das auf den Buddha anwenden, so müssen wir sagen: Er hatte als Bodhisattva eine bestimmte Aufgabe. Als die Erde noch in früheren Entwickelungszuständen war, noch vor der atlantischen und lemurischen Zeit, da hatte dasjenige Wesen, das im sechsten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung als Buddha verkörpert war, eine bestimmte Aufgabe erhalten. Bei dieser Aufgabe ist es geblieben. Durch alle Zeiten hindurch hatte es von Epoche zu Epoche zu wirken und immer so viel der Erdenentwickelung mitzuteilen, als dieselbe vermöge ihrer Wesenheit aufnehmen konnte. Für eine jede solche Wesenheit — also für jeden Bodhisattva - gibt es daher eine Zeit, wo er sozusagen mit seiner in Urzeiten empfangenen Mission an einen bestimmten Punkt kommt, wo das, was er von oben in die Menschheit hat einfließen lassen können, zu der eigenen menschlichen Fähigkeit hat werden können. Denn was heute menschliche Fähigkeit ist, das war früher Fähigkeit göttlichgeistiger Wesenheiten, und die Bodhisattvas trugen sie aus den geistigen Höhen herunter zu den Menschen. Ein solcher geistiger Missionar kommt also an einen Punkt, wo er sich sagen kann: Ich habe meine Mission vollbracht; der Menschheit ist jetzt gegeben, wozu sie vorbereitet worden ist durch viele, viele Zeiten hindurch. An einem solchen Punkt angelangt, kann der Bodhisattva zum Buddha werden. Das heißt, es kommt für ihn ein Zeitpunkt, da er als die Wesenheit mit der Mission, die wir eben charakterisiert haben, sich nicht mehr in einem x physischen Menschenleibe zu verkörpern braucht, wo er sich zum letzten Male in einem solchen physischen Menschenleib noch verkörpert und dann nicht mehr als ein solcher Missionar sich zu verkörpern braucht. Ein solcher Zeitpunkt war für den Buddha gekommen. Was er früher zu tun hatte, führte ihn immer wieder und wieder auf die Erde herunter. Aber in der Zeit, als er zum Buddha erleuchtet worden war, trat für ihn als Bodhisattva eine letzte Verkörperung ein. Er gelangte in einen Menschenleib hinein, der die Fähigkeiten in einem höchsten Maße ausgebildet hatte, die früher von oben gelehrt werden mußten und die nun nach und nach eigene menschliche Fähigkeiten werden sollten.

[ 18 ] If we apply this to the Buddha, we must say: As a Bodhisattva, he had a specific task. When the Earth was still in earlier stages of development, even before the Atlantean and Lemurian eras, the being who incarnated as the Buddha in the sixth century B.C. had been given a specific task. This task remained unchanged. Throughout the ages, from epoch to epoch, it had to work and impart as much of Earth’s evolution as humanity, by virtue of its nature, was able to absorb. For every such being—that is, for every Bodhisattva—there is therefore a time when, so to speak, he reaches a certain point with the mission he received in primeval times, where what he has been able to infuse into humanity from above has become part of humanity’s own capacity. For what is human capacity today was once the capacity of divine-spiritual beings, and the Bodhisattvas brought it down from the spiritual heights to humanity. Such a spiritual missionary thus reaches a point where he can say to himself: I have fulfilled my mission; humanity has now been given what it has been prepared for throughout many, many ages. Having reached such a point, the Bodhisattva can become a Buddha. That is to say, a time comes for him when, as the being with the mission we have just described, he no longer needs to incarnate in a physical human body—he incarnates in such a physical human body for the last time and then no longer needs to incarnate as such a missionary. Such a time had come for the Buddha. What he had to do in the past led him down to Earth again and again. But at the time when he had become enlightened as the Buddha, a final incarnation began for him as a Bodhisattva. He entered a human body that had developed to the highest degree the abilities that had previously had to be taught from above and that were now to gradually become his own human abilities.

[ 19 ] Wenn ein solcher Bodhisattva es durch seine frühere Entwickelung dahin gebracht hat, einen Menschenleib so vollkommen zu machen, daß er Fähigkeiten entwickeln kann für die Eigenschaften, die mit der Mission des Bodhisattva zusammenhängen, dann braucht er sich nicht mehr zu verkörpern. Dann schwebt er, die Angelegenheiten der Menschen fördernd und leitend, in geistigen Regionen und wirkt von dort in die Menschheit hinein. Und die Menschen haben dann die Aufgabe, das, was ihnen früher von Himmelshöhen heruntergeströmt ist, weiter auszubilden und sich zu sagen: Wir müssen uns jetzt so entwickeln, daß wir jene Fähigkeiten ausbilden, welche wir zum ersten Male in vollstem Maß erreicht sehen in derjenigen Inkarnation, die durch die Fähigkeiten des Bodhisattva erreicht worden ist und die im Buddha aufgetreten ist. Und wie die Wesenheit, die durch Epochen hindurch als Bodhisattva gewirkt hat, sich ausnimmt als Mensch, auch als voller einzelner Mensch, wo alles in die menschliche Natur hineingenommen ist, was früher aus Himmelshöhen hineinströmte, das noch an einem einzelnen Menschen zu zeigen, was der Bodhisattva vermag, das heißt «Buddha» sein. Das hat der Buddha noch gezeigt. Hätte der Bodhisattva sich früher von seiner Mission zurückgezogen, dann hätten die Menschen nicht mehr der Wohltat teilhaftig werden können, daß ihnen diese Fähigkeiten zufließen aus den Höhen. Nachdem aber die Entwickelung so weit fortgeschritten war, daß diese Fähigkeiten in einem einzelnen menschlichen Exemplar auf der Erde vorhanden sein konnten, da war auch die Keimanlage dazu geschaffen, daß die Menschen sie in der Zukunft bei sich selbst ausbilden konnten. So zieht sich die Individualität, die sich vorher als Bodhisattva entwickelt hat und die, solange sie Bodhisattva war, nicht ganz in die menschliche Gestalt hineingegangen ist, sondern hineinragte in die Himmelshöhen, so zieht sich die Individualität des Bodhisattva einmal völlig in einen Menschen hinein, so daß sie voll erfaßt wird von dieser Inkarnation. Dann aber zieht sie sich auch wieder zurück. Denn jetzt ist — mit dieser Inkarnation als Buddha - der Menschheit ein gewisses Quantum von Offenbarungen gegeben, die sich innerhalb der Menschheit selber nun weiter ausbilden sollen. Daher darf sich das Bodhisattva-Wesen, nachdem es Buddha geworden ist, von der Erde zurückziehen in gewisse geistige Höhen, darf dort verweilen und die Angelegenheiten der Menschheit von dort aus weiterlenken, wo es nur noch einem gewissen hellseherischen Vermögen möglich ist, es zu sehen.

[ 19 ] When such a Bodhisattva, through his previous spiritual development, has succeeded in perfecting a human body to the point where he can develop the abilities necessary for the qualities associated with the Bodhisattva’s mission, he no longer needs to incarnate. Then, while promoting and guiding human affairs, he soars through spiritual realms and works among humanity from there. And it is then the task of human beings to further develop what once flowed down to them from the heights of heaven and to say to themselves: We must now develop ourselves in such a way that we cultivate those abilities which we see realized to the fullest extent for the first time in that incarnation achieved through the Bodhisattva’s abilities and manifested in the Buddha. And just as the being who worked as a Bodhisattva through the ages appears as a human being—as a fully realized individual in whom everything that once flowed down from the heavenly heights has been incorporated into human nature—to demonstrate in a single human being what the Bodhisattva is capable of is to be a “Buddha.” This is what the Buddha demonstrated. Had the Bodhisattva withdrawn from his mission earlier, then human beings would no longer have been able to partake of the blessing of having these abilities flow to them from the heights. But once development had progressed so far that these abilities could be present in a single human being on Earth, the seed for them was also created so that human beings could develop them within themselves in the future. Thus the individuality that previously developed as a Bodhisattva—and which, as long as it was a Bodhisattva, did not fully enter the human form but extended into the heavenly realms—this individuality of the Bodhisattva eventually withdraws completely into a human being, so that it is fully encompassed by this incarnation. But then it withdraws again. For now—with this incarnation as the Buddha—a certain measure of revelations has been given to humanity, which are now to develop further within humanity itself. Therefore, after becoming the Buddha, the Bodhisattva being may withdraw from the earth to certain spiritual heights, may dwell there, and may continue to guide the affairs of humanity from there, where it is possible to see it only through a certain clairvoyant faculty.

[ 20 ] Welche Aufgabe hatte denn jene wunderbare, jene gewaltige, große Individualität, die man im gewöhnlichen Leben den Buddha nennt? Wenn wir die Aufgabe, die Mission dieses Buddha wirklich einsehen wollen im Sinne der wahren Esoterik, so müssen wir uns folgendes sagen. Das ganze Erkenntnisvermögen der Menschheit hat sich nach und nach entwickelt. Wir haben immer wieder darauf aufmerksam gemacht, wie in der atlantischen Zeit ein großer Teil der Menschheit hellseherisch hineinblicken konnte in die geistigen Welten, und wir haben gesagt, daß gewisse Reste des alten Hellsehens noch in der nachatlantischen Zeit vorhanden waren. Würden wir von der atlantischen Zeit hinabsteigen in die altindische, in die urpersische, in die ägyptischchaldäische Zeit, ja bis in die griechisch-lateinische Zeit noch hinein, so würden wir zahlreiche Menschen finden, viel mehr als die heutige Menschheit sich träumen läßt, die Erbstücke dieses alten Hellsehens hatten, denen der astralische Plan offen war, die hineinsahen in die verborgenen Tiefen des Daseins. Den ätherischen Leib des Menschen zu sehen, war selbst noch in der griechisch-lateinischen Zeit für einen großen Teil der Menschen etwas ganz Gewöhnliches, namentlich aber den Kopfteil des Menschen umgeben von jener ätherischen Wolke, die sich freilich nach und nach ganz in dem Innern des Kopfteiles verborgen hat. |

[ 20 ] What, then, was the task of that wondrous, that mighty, great individuality whom we in everyday life call the Buddha? If we truly wish to understand the task, the mission of this Buddha in the sense of true esotericism, we must tell ourselves the following. Humanity’s entire capacity for knowledge has developed gradually. We have repeatedly pointed out how, during the Atlantean epoch, a large portion of humanity was able to look into the spiritual worlds through clairvoyance, and we have said that certain remnants of this ancient clairvoyance still existed in the post-Atlantean epoch. If we were to descend from the Atlantean era into the ancient Indian, the primordial Persian, the Egyptian-Chaldean eras, and even into the Greco-Latin era, we would find numerous people—far more than today’s humanity can even imagine—who possessed the legacy of this ancient clairvoyance, to whom the astral plane was open, and who looked into the hidden depths of existence. Even in the Greco-Roman era, seeing the human etheric body was something quite ordinary for a large portion of the population—particularly the head region, surrounded by that etheric cloud, which, of course, has gradually become completely hidden within the head itself. |

[ 21 ] Aber die Menschheit mußte zu jener Erkenntnis aufsteigen, welche nach und nach die vollkommene Sinneserkenntnis wurde, zu jener Erkenntnis, die durch die äußeren Sinne und durch diejenigen geistigen Fähigkeiten erworben wird, welche auf die äußeren Sinne gerichtet sind. Der Mensch mußte allmählich sozusagen völlig heraussteigen aus der geistigen Welt und eintreten in die bloße Sinnesbetrachtung, in das vernünftige, logische Denken. Allmählich mußte sich der Mensch zu dieser nichthellseherischen Erkenntnis aufschwingen, weil er durch sie hindurchgehen mußte, um in der Zukunft wiederum die hellsichtige Erkenntnis zu erlangen, aber dann vereinigt mit dem, was er sich als Sinnes- und Verstandeserkenntnis erworben hat.

[ 21 ] But humanity had to rise to that level of knowledge which gradually became perfect sensory knowledge—that is, the knowledge acquired through the external senses and through those mental faculties directed toward the external senses. Humanity had to gradually, so to speak, step out completely from the spiritual world and enter into mere sensory observation, into rational, logical thinking. Gradually, human beings had to rise to this non-clairvoyant knowledge, because they had to pass through it in order to regain clairvoyant knowledge in the future—but then united with what they had acquired as sensory and intellectual knowledge.

[ 22 ] In dieser Zeit leben wir in der Gegenwart. Wir blicken auf eine Vergangenheit hin, in welcher die Menschheit hellsichtig war, und wir blicken in eine Zukunft hinein, wo die Menschen wiederum hellsichtig sein werden. In unserer Zwischenzeit aber sind die Menschen in der Mehrzahl auf das angewiesen, was sie mit den Sinnen wahrnehmen und mit dem Verstande und der Vernunft begreifen. Zwar gibt es auch eine gewisse Höhe der Sinnesanschauung und der Verstandes- und Vernunfterkenntnis. Überall aber gibt esGrade in der Erkenntnis. Der eine wandelt in der betreffenden Inkarnation seines Erdendaseins so, daß er nur weniges einsieht von dem, was Moral ist, daß er nur wenig Mitleid entfaltet zu den Mitmenschen: wir nennen ihn einen Menschen auf einer niederen moralischen Stufe. Oder ein anderer wandelt so durch das Leben, daß seine intellektuellen Kräfte wenig ausgebildet sind: wir nennen ihn einen Menschen auf einer niederen intellektuellen Stufe. Wir wissen aber, daß diese intellektuellen Erkenntniskräfte hinaufgehen können bis zu einer hohen Stufe. Von dem Menschen, der wenig moralisch und intellektuell ist, bis zu dem Menschen, den wir im Sinne Fichtes ein «moralisches Genie» nennen und der sich bis zur höchsten moralischen Phantasie entwickelt, haben wir alle möglichen Zwischenstufen; und wir wissen, daß wir uns zu dieser Höhe der menschlichen Vollkommenheit für die Gegenwart hinaufentwickeln können, ohne hellseherische Kräfte zu haben, nur durch die Veredelung derjenigen Kräfte, welche dem gewöhnlichen Menschen zur Verfügung stehen. Diese Stufen mußten von der Menschheit erst erreicht werden im Laufe der Erdenentwickelung. Was heute der Mensch schon bis zu einem gewissen Grade durch die eigene Intelligenz erkennt, und auch, was er durch die eigene moralische Kraft erreicht, nämlich daß man mit den Leiden und Schmerzen des anderen Menschen Mitleid haben soll, das hätte der Mensch der Urzeit nicht durch sich selbst erringen können. Man kann heute sagen, daß sich der gesunde moralische Sinn des Menschen schon zu dieser Einsicht auch ohne Hellsichtigkeit erhebt, und die Menschen werden sich immer mehr zu der Einsicht erheben können, daß Mitleid die höchste Tugend ist und daß die Menschheit ohne Liebe nicht weiter vorwärtskommen könnte. Man kann sagen: Dies kann heute der menschliche moralische Sinn erkennen, und er wird sich noch immer mehr und mehr steigern. Aber man muß zurückblicken in Zeiten, in welchen der moralische Sinn so war, daß er das nicht hat selbst einsehen können.

[ 22 ] We are living in the present. We look back on a past in which humanity possessed clairvoyance, and we look forward to a future in which people will once again possess clairvoyance. In the meantime, however, the majority of people rely on what they perceive with their senses and comprehend with their intellect and reason. Admittedly, there is also a certain level of sensory perception and of intellectual and rational understanding. But everywhere there are varying degrees of understanding. One person goes through the current incarnation of his earthly existence in such a way that he understands very little of what morality is and shows little compassion toward his fellow human beings: we call him a person at a low moral level. Or another person goes through life in such a way that his intellectual powers are underdeveloped: we call him a person at a low intellectual level. We know, however, that these intellectual powers of cognition can rise to a high level. From the person who is morally and intellectually limited to the person whom we, in Fichte’s sense, call a “moral genius”—and who has developed to the highest level of moral imagination—we have all possible intermediate stages; and we know that we can develop ourselves to this height of human perfection in the present day—without possessing clairvoyant powers—simply by refining the faculties available to the ordinary human being. These stages had first to be attained by humanity in the course of Earth’s evolution. What human beings today already recognize to a certain degree through their own intelligence—and also what they achieve through their own moral strength, namely, that one should feel compassion for the suffering and pain of others—is something that prehistoric humans could not have attained on their own. Today we can say that humanity’s sound moral sense has already risen to this insight even without clairvoyance, and people will be able to rise ever more to the realization that compassion is the highest virtue and that humanity could not move forward without love. One can say: The human moral sense can recognize this today, and it will continue to develop more and more. But one must look back to times when the moral sense was such that it could not have come to this realization on its own.

[ 23 ] Es gab Zeiten, in welchen die Menschen nimmermehr hätten selbst einsehen können, daß Mitleid und Liebe zu der höchsten Entwickelung der menschlichen Seele gehören könnten. Daher mußten sich verkörpern in Menschengestalten solche geistige Wesenheiten, zu denen auch zum Beispiel die Bodhisattvas gehören, die aus höheren Welten herunter die Offenbarungen empfingen von der wirkenden Kraft des Mitleides, von der wirkenden Kraft der Liebe, und welche den Menschen zu sagen vermochten, wie sie sich zu verhalten hatten in Mitleid und Liebe, weil die Menschen noch nicht reif waren, um aus ihren eigenen Kräften heraus das einzusehen. Was die Menschen heute aus eigener Kraft heraus als die hohe Tugend des Mitleides und der Liebe erkennen, wozu der moralische Sinn sich erhebt, das mußte durch Epochen und Epochen aus Himmelshöhen gelehrt werden. Und der Lehrer der Liebe und des Mitleides in jenen Zeiten, als die Menschen selber noch nicht die Einsicht in die Natur des Mitleides und der Liebe hatten, war derjenige Bodhisattva, der sich dann in dem Gautama Buddha zum letzten Male verkörperte. Ä

[ 23 ] There were times when people could never have realized on their own that compassion and love could be part of the highest development of the human soul. Therefore, spiritual beings—such as the Bodhisattvas—had to incarnate in human form to receive revelations from higher worlds regarding the active power of compassion and the active power of love, and who were able to tell people how to conduct themselves in compassion and love, because people were not yet mature enough to realize this on their own. What people today recognize on their own as the high virtue of compassion and love—to which the moral sense rises—had to be taught over epoch after epoch from the heights of heaven. And the teacher of love and compassion in those times, when people themselves did not yet have an understanding of the nature of compassion and love, was the Bodhisattva who then incarnated for the last time as the Gautama Buddha. Ä

[ 24 ] So war der Buddha vorher der Bodhisattva, welcher der Lehrer von Liebe und Mitleid und von alledem war, was damit zusammenhängt. Er war es durch jene charakterisierten Epochen hindurch, in denen die Menschen von Natur aus noch in einer gewissen Weise heilsichtig waren. Er verkörperte sich als Bodhisattva in solchen hellsichtigen Menschenleibern. Und als er sich dann als der Buddha verkörperte und in diese früheren Verkörperungen hellsichtig hineinblickte - von Inkarnation zu Inkarnation —, da konnte er sagen, wie sich das Innere der Seele fühlte, wenn sie hineinschaute in die Tiefen des Daseins, die hinter dem Sinnenschein verborgen sind. Diese Fähigkeit hatte er in den früheren Verkörperungen, und mit dieser Fähigkeit wurde er geboren innerhalb des Geschlechtes der Sakya, aus dem der Vater des Gautama, Suddhodana, stammte. Damals, als Gautama Buddha geboren wurde, war er noch der Bodhisattva. Das heißt, er erschien als das Wesen, zu dem er sich in seinen vorhergehenden Inkarnationen hinaufentwickelt hatte. Derjenige also, den man gewöhnlich den Buddha nennt, wurde geboren durch seinen Vater Suddhodana und seine Mutter Mayadevi als der Bodhisattva. Aber da er eben als Bodhisattva geboren wurde, hatte er als Kind in hohem Grade die Fähigkeit der Hellsichtigkeit. Hineinzuschauen vermochte er in die Tiefen des Daseins.

[ 24 ] Thus, the Buddha was previously the Bodhisattva, who was the teacher of love and compassion and of all that is connected with them. He was so throughout those eras characterized by the fact that human beings were, by nature, still clairvoyant to a certain degree. As a Bodhisattva, he incarnated in such clairvoyant human bodies. And when he then incarnated as the Buddha and looked back with clairvoyance into these earlier incarnations—from one incarnation to the next—he was able to describe how the inner soul felt when it gazed into the depths of existence hidden behind the veil of the senses. He possessed this ability in his earlier incarnations, and with this ability he was born into the Sakya clan, from which Gautama’s father, Suddhodana, originated. At that time, when Gautama Buddha was born, he was still the Bodhisattva. That is to say, he appeared as the being to which he had evolved in his previous incarnations. Thus, the one commonly called the Buddha was born to his father Suddhodana and his mother Mayadevi as the Bodhisattva. But since he was born as the Bodhisattva, he possessed a high degree of clairvoyance even as a child. He was able to look into the depths of existence.

[ 25 ] Seien wir uns klar, daß das Hineinschauen in die Tiefen des Daseins im Verlaufe der Menschheitsentwickelung allmählich ganz besondere Formen angenommen hat. Die Mission der Menschheitsentwickelung auf der Erde war es, allmählich die Gabe des alten dumpfen Hellsehens zurücktreten zu lassen; und was als Erbstück des alten Hellsehens zurückgeblieben war, das waren daher nicht die besten Teile dieses alten Hellsehens. Diese besten Teile sind zuerst verlorengegangen. Was zurückgeblieben war, das war vielfach ein niederes Hineinschauen in die astraleWelt, das war gerade ein Erblicken jener dämonischen Gewalten, die den Menschen in seinen Trieben und Leidenschaften hinunterziehen in eine niedere Sphäre. Wir können ja durch die Einweihung hineinblicken in die geistige Welt und die Kräfte und Wesenheiten sehen, die mit den schönsten Gedanken und Empfindungen der Menschheit zusammenhängen; aber wir sehen auch diejenigen geistigen Mächte, welche hinter der wüsten Leidenschaft, hinter der wilden Sinnlichkeit und dem verzehrenden Egoismus stehen. Was im weiten Umkreise für die Menschen erhalten geblieben war - nicht bei den Eingeweihten, sondern bei der großen Mehrzahl der Menschen -, das war gerade das Schauen dieser wilden dämonischen Gewalten, die hinter den niederen menschlichen Leidenschaften stehen. Wer überhaupt hineinsieht in die geistige Welt, der kann das alles natürlich selbst auch schauen. Das hängt von der Entwickelung der menschlichen Fähigkeiten ab. Der Mensch kann nicht das eine ohne das andere erreichen.

[ 25 ] Let us be clear that, in the course of human development, the act of looking into the depths of existence has gradually taken on very specific forms. The mission of human development on Earth was to gradually allow the gift of the old, dull form of clairvoyance to recede; and what remained as a legacy of that old clairvoyance were therefore not its best aspects. These best aspects were the first to be lost. What remained was, in many cases, a base gaze into the astral world—a glimpse precisely of those demonic forces that drag human beings down into a lower sphere through their drives and passions. Through initiation, we can indeed look into the spiritual world and see the forces and beings connected with humanity’s most beautiful thoughts and feelings; but we also see those spiritual powers that lie behind unbridled passion, wild sensuality, and consuming selfishness. What had been preserved for people at large—not among the initiated, but among the vast majority of people—was precisely the perception of these wild, demonic forces that lie behind the lower human passions. Anyone who looks into the spiritual world at all can, of course, see all this for themselves. This depends on the development of human faculties. A person cannot attain one without the other.

[ 26 ] Der Buddha mußte sich als Bodhisattva natürlich in einem menschlichen Leibe verkörpern, der so organisiert war, wie menschliche Leiber damals organisiert waren, in einem Leibe, der ihm die Fähigkeit gab, tief hineinzuschauen in die astralen Untergründe des Daseins. Als Kind schon war er fähig, alles das an astralen Gewalten zu schauen, was der wilden, stürmischen Leidenschaft, was der verzehrenden, gierigen Sinnlichkeit zugrunde liegt. Man hatte ihn davor bewahrt, die Außenwelt in ihrer physischen Verderbtheit und in ihren Qualen und Schmerzen zu schauen. Im Palaste abgeschlossen, vor allem behütet, wurde er verzogen und verzärtelt, weil man aus den herrschenden Vorurteilen heraus ihm das seinem Stande gemäß schuldig zu sein glaubte. Aber durch dieses Abgeschlossensein kam um so mehr die innere Schaukraft bei ihm zum Vorschein. Und während er sorgfältig behütet wurde und alles von ihm ferngehalten wurde, was an Krankheit und Schmerzen erinnert, hatte er in seiner Abgeschlossenheit sein geistiges Auge offen für die astralischen Bilder. Ihn umgaukelten da die astralischen Bilder alles dessen, was den Menschen an wilden Leidenschaften niederziehen kann.

[ 26 ] As a bodhisattva, the Buddha naturally had to incarnate in a human body structured in the same way as human bodies were at that time—a body that gave him the ability to look deeply into the astral depths of existence. Even as a child, he was able to perceive all the astral forces that underlie wild, tempestuous passion and consuming, greedy sensuality. He had been shielded from seeing the outside world in all its physical depravity and in its torments and pains. Shut away in the palace, protected from everything, he was spoiled and pampered, because, based on prevailing prejudices, people believed this was what he was entitled to according to his station. But this seclusion served to bring his inner vision all the more to the fore. And while he was carefully shielded and everything reminiscent of illness and pain was kept from him, in his seclusion his spiritual eye remained open to astral images. There, he was bewitched by astral images of everything that can drag human beings down with wild passions.

[ 27 ] Wer mit dem geistigen Auge, wer mit wirklicher Esoterik die, wenn auch exoterisch, aufbewahrt gebliebene Biographie des Buddha zu lesen vermag, der wird das selbst ahnen, wenn ihm mitgeteilt wird, was jetzt gesagt worden ist. Denn das muß betont werden: Man kann vieles aus den exoterischen Berichten nicht verstehen, wenn man nicht in die esoterischen Untergründe eindringen kann. Und was man am wenigsten aus den exoterischen Berichten verstehen kann, das ist das BuddhaLeben. Es muß einem eigentlich sonderbar erscheinen, wenn die Orientalisten und andere, die sich mit dem Buddha-Leben befassen, darin beschrieben finden, daß der Buddha in seinem Palaste umgeben war mit «vierzigtausend Tänzerinnen und vierundachtzigtausend Frauen». Das verzeichnen heute schon die Bücher, die man für ein paar Pfennige kaufen kann; aber man merkt, daß die Schreiber nicht sonderlich erstaunt sind über einen Harem von vierzigtausend Tänzerinnen und vierundachtzigtausend Frauen. Was heißt das? Die Leute wissen nicht, daß damit auf etwas hingewiesen wird, was der Buddha in vollem Maße, wie es nur auf ein menschliches Herz ausgeschüttet werden kann, durch das astralische Schauen erlebte: wie er von Kindheit an zwar nicht erlebte, was draußen an Leiden und Schmerzen in der physischen Menschenwelt vorging, denn davor war er zunächst behütet, wie er aber das alles als geistige Wirksamkeiten in der geistigen Welt schaute. Er schaute es, weil er hineingeboren war in einen Leib, wie er aus der damaligen Zeit geboren werden konnte, und er war von Anfang an gefeit und gekräftigt und erhoben über alles, was da an den furchtbarsten Gaukelbildern ihn umgab, weil er in seinen früheren Inkarnationen sich bis zur Höhe des Bodhisattva erhoben hatte. Weil er aber als die Individualität des Bodhisattva in dieser menschlichen Inkarnation lebte, drängte es ihn hinaus, um dasjenige zu sehen, worauf ihn jedes einzelne Bild dieser astralischen Welt, wie sie ihn im Palaste umgab, hinwies. Jedes einzelne Bild drängte ihn gleichsam hinaus, die Welt zu sehen, sozusagen sein Gefängnis zu verlassen. Das war die treibende Kraft in seiner Seele. Denn in ihm lebte als Bodhisattva eine hohe Geisteskraft. Gerade diejenige Geisteskraft lebte in ihm, welche mit der Mission zusammenhängt, der Menschheit zu lehren die ganze Kraft von Mitleid und Liebe und alledem, was damit zusammenhängt. Dazu mußte er selbst diese Menschheit in der Welt kennenlernen, er mußte sie in der Welt sehen, in welcher sie eben aus dem moralischen Sinn heraus die Lehre von Mitleid und von der Liebe erleben kann. Er mußte die Menschheit in der physischen Welt kennenlernen. Er mußte hinaufsteigen vom Bodhisattva zum Buddha, ein Mensch unter Menschen. Das konnte er nur, wenn er sich von alledem abwendete, was ihm an Fähigkeiten aus den früheren Inkarnationen geblieben war, wenn er hinausging auf den physischen Plan, um dort mit den Menschen so zu leben, daß er innerhalb dieser Menschheit ein Musterbeispiel, ein Ideal, ein Vorbild eben darstellte für die Entwickelung dieser charakterisierten besonderen Eigenschaften.

[ 27 ] Anyone who is able to read the biography of the Buddha—which, though exoteric, has been preserved—with the inner eye or through true esotericism will intuit this for themselves when they are told what has just been said. For this must be emphasized: One cannot understand much of what is in the exoteric accounts unless one can penetrate the esoteric underpinnings. And what one can least understand from the exoteric accounts is the life of the Buddha. It must actually seem strange to one when Orientalists and others who study the Buddha’s life find it described that the Buddha was surrounded in his palace by “forty thousand dancers and eighty-four thousand women.” This is already recorded today in books that can be bought for a few pfennigs; but one notices that the writers are not particularly astonished by a harem of forty thousand dancers and eighty-four thousand women. What does this mean? People do not realize that this alludes to something the Buddha experienced to the fullest extent—as much as can be poured into a human heart—through astral vision: just as, from childhood onward, he did not experience the suffering and pain taking place in the physical human world—for he was initially shielded from that—but he beheld all of it as spiritual forces at work in the spiritual world. He beheld it because he had been born into a body such as could be born in that era, and from the very beginning he was immune, strengthened, and elevated above all the most terrible illusions that surrounded him, because in his earlier incarnations he had risen to the level of a Bodhisattva. But because he lived as the individuality of the Bodhisattva in this human incarnation, he felt compelled to go out and see what each individual image of this astral world—as it surrounded him in the palace—was pointing toward. Each individual image, as it were, urged him outward to see the world—to leave his prison, so to speak. That was the driving force in his soul. For within him, as a Bodhisattva, lived a high spiritual power. It was precisely that spiritual power that lived within him—the one connected to the mission of teaching humanity the full power of compassion and love and all that is associated with them. To do this, he himself had to get to know humanity in the world; he had to see it in the world where it can experience the teaching of compassion and love precisely out of a sense of morality. He had to get to know humanity in the physical world. He had to ascend from Bodhisattva to Buddha, a human being among human beings. He could do this only if he turned away from all the abilities that had remained to him from his earlier incarnations, if he stepped out onto the physical plane to live there among human beings in such a way that, within humanity itself, he would serve as a prime example, an ideal, and a model for the development of these distinctive qualities.

[ 28 ] Um in diesem Sinne von einem Bodhisattva zu einem Buddha zu werden, sind natürlich mancherlei Entwickelungs-Zwischenstufen nötig. Das macht sich nicht von heute auf morgen. Heraus drängte es ihn aus dem Königspalast. Und der Bericht sagt uns, daß er draußen, als er einmal gleichsam «ausbrach» aus seinem Palastgefängnis, einen alten Mann fand, einen Greis. Er war bisher nur umgeben worden von den Bildern der Jugend, er hatte glauben sollen, daß es nur die strotzende Kraft der Jugend gibt. Nun hatte er das, was sich auf dem physischen Plan als Alter darstellt, in dem Greise kennengelernt. Und weiter lernte er jetzt einen kranken Menschen kennen, und dann lernte er einen Leichnam kennen, das heißt also den Tod auf dem physischen Plan. Das alles trat jetzt, wo er den physischen Plan wirklich ins Auge fassen konnte, vor seiner Seele auf.

[ 28 ] To become a Buddha from a Bodhisattva in this sense, of course, various intermediate stages of development are necessary. It does not happen overnight. It was this that drove him out of the royal palace. And the account tells us that once outside—once he had, as it were, “broken out” of his palatial prison—he encountered an old man, a venerable elder. Until then, he had been surrounded only by images of youth; he had been led to believe that only the brimming vitality of youth existed. Now, in the old man, he had encountered what manifests as old age on the physical plane. And furthermore, he now encountered a sick person, and then he encountered a corpse—that is to say, death on the physical plane. All of this now appeared before his soul, now that he could truly take in the physical plane.

[ 29 ] Sehr bezeichnend für das, was der Buddha eigentlich ist, wird jetzt in dieser Legende, die hier wiederum wahrer ist als irgendeine äußere Wissenschaft, gesagt: Als er hinausfuhr aus dem königlichen Palast, da wurde er von einem Pferde gefahren, das sich so darüber grämte, daß er jetzt alles verlassen wollte, in das er hineingeboren war, daß es aus Gram darüber starb und daß es dann versetzt wurde als eine geistige Wesenheit in die geistige Welt hinauf. — In diesem Bilde drückt sich eine tiefe Wahrheit aus. Es würde heute zu weit führen, wenn ich ausführlich auseinandersetzen wollte, warum gerade das Pferd verwendet wird für eine menschliche Geisteskraft. Ich erinnere nur an Plato, der von einem Pferde spricht, das er an einem Zügel hält, als er ein Bild gebrauchen will für gewisse menschliche Fähigkeiten, die noch von oben gegeben sind, die nicht aus dem eigenen Innern des Menschen entwickelt worden sind. Als der Buddha aus dem Königspalast heraustritt, da läßt er die Fähigkeiten, die sich nicht aus dem Innern der Seele selber entwickelt haben, hinter sich. Sie läßt er in den geistigen Welten, aus denen heraus sie ihn immer geleitet haben. Das wird in dem Pferd angedeutet, das aus Gram stirbt, als er es verläßt, und das dann in die geistige Welt versetzt wird.

[ 29 ] This legend—which, once again, is truer than any external science—now reveals something very characteristic of what the Buddha truly is: As he rode out of the royal palace, he was being led by a horse that was so grieved by the fact that he now wished to leave behind everything into which he had been born that it died of grief and was then transported as a spiritual being into the spiritual world. — This image expresses a profound truth. It would take us too far afield today if I were to explain in detail why the horse, of all things, is used to symbolize a human spiritual power. I will merely recall Plato, who speaks of a horse that he holds by the reins when he wishes to use an image for certain human abilities that are still bestowed from above, which have not been developed from within the human being himself. When the Buddha steps out of the royal palace, he leaves behind the abilities that have not developed from within the soul itself. He leaves them in the spiritual worlds from which they have always guided him. This is symbolized by the horse, which dies of grief when he leaves it and is then transported into the spiritual world.

[ 30 ] Aber nach und nach nur kann der Buddha das werden, was er in seiner letzten Inkarnation auf der Erde werden sollte. Er muß ja erst auf dem physischen Plan kennenlernen, was er als Bodhisattva nur aus der geistigen Anschauung kennengelernt hat. Da lernt er zuerst zwei Lehrer kennen. Der eine ist ein Vertreter jener altindischen Weltanschauung, die man als die Sankhya-Philosophie bezeichnet, und der andere ist ein Vertreter der Yoga-Philosophie. Diese beiden lernt der Buddha kennen und vertieft sich in das, was sie ihm darzubieten vermögen. Er lebt darinnen. Denn wenn man selbst ein noch so hohes Wesen ist, so muß man sich doch in das Äußere, was die Menschheit sich erobert hat, erst hineinfinden. Wenn es ein Bodhisattva auch schneller lernen kann, er muß es doch erst lernen. Der Bodhisattva, der etwa fünf oder sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung gelebt hat, müßte doch, wenn er heute geboren würde - so, wie die Kinder in der Schule lernen -, erst das nachholen, was sich mittlerweile auf der Erde zugetragen hat, während er in Himmelshöhen gelebt hat. So mußte der Buddha auch dasjenige, was sich seit seiner letzten Inkarnation zugetragen hatte, kennenlernen.

[ 30 ] But only gradually can the Buddha become what he was destined to become in his final incarnation on Earth. After all, he must first come to know on the physical plane what he, as a Bodhisattva, had previously known only through spiritual insight. There he first meets two teachers. One is a representative of that ancient Indian worldview known as the Sankhya philosophy, and the other is a representative of the yoga philosophy. The Buddha comes to know both of them and immerses himself in what they have to offer him. He lives within it. For no matter how exalted a being one may be, one must first find one’s way into the external world that humanity has conquered. Even though a Bodhisattva may learn more quickly, he must still learn it first. The Bodhisattva, who lived about five or six centuries before our era, would, if he were born today—just as children learn in school—first have to catch up on what has happened on Earth in the meantime, while he was living in the heavenly realms. In the same way, the Buddha also had to become acquainted with what had transpired since his last incarnation.

[ 31 ] Und er lernte die Sankhya-Philosophie von dem einen der Lehrer, die Yoga-Philosophie von dem anderen der Lehrer kennen. Da konnte er zuerst einen Blick gewinnen in die Weltanschauungen, die für viele damals die Lebensrätsel lösten, und konnte lernen, wie es einer Seele war, wenn sie diese Weltanschauungen auf sich wirken ließ.

[ 31 ] And he learned the Sankhya philosophy from one of his teachers and the yoga philosophy from another. This allowed him to gain an initial insight into the worldviews that, for many at that time, solved life’s mysteries, and to learn what it was like for a soul to allow these worldviews to take hold.

[ 32 ] In der Sankhya-Philosophie hatte er eine fein-logische philosophische Anschauung über die Welt aufnehmen können. Aber je mehr er sich in sie hineinlebte, desto weniger genügte sie ihm. Sie war zuletzt wie ein Gespinst, entbehrte des lebendigen Lebens. Er spürte, daß er die Quellen für das, was er in dieser Inkarnation zu tun hatte, anderswo her nehmen mußte als aus dieser traditionellen Sankhya-Philosophie.

[ 32 ] In Sankhya philosophy, he had been able to adopt a subtly logical philosophical view of the world. But the more he immersed himself in it, the less it satisfied him. In the end, it was like a web, devoid of living life. He sensed that he had to draw the sources for what he was meant to do in this incarnation from somewhere other than this traditional Sankhya philosophy.

[ 33 ] Das andere war die Yoga-Philosophie des Patanjali, die durch gewisse innere Seelenvorgänge die Verbindung mit dem Göttlichen suchte. So vertiefte er sich auch in die Yoga-Philosophie, nahm sie auf, machte sie zu einem Teil seines Wesens. Aber auch sie ließ ihn unbefriedigt, denn er sah ein, sie ist etwas, was sich von alten Zeiten her fortgepflanzt hat; aber die Menschen mußten zu anderen Fähigkeiten kommen, sie mußten in sich zu einer moralischen Entwickelung kommen. Nachdem Buddha die Yoga-Philosophie in der eigenen Seele geprüft hatte, sah er, daß sie nicht die Quelle für seine Mission damals sein konnte,

[ 33 ] The other was Patanjali’s philosophy of yoga, which sought union with the Divine through certain inner spiritual processes. Thus he also immersed himself in the philosophy of yoga, absorbed it, and made it a part of his very being. But even that left him unsatisfied, for he realized that it was something that had been passed down from ancient times; yet people had to develop other abilities—they had to achieve moral development within themselves. After Buddha had examined the philosophy of yoga within his own soul, he saw that it could not be the source of his mission at that time,

[ 34 ] Darauf kam er in dieUUmgebung von fünf Einsiedlern. Sie hatten auf dem Wege strengster Selbstzucht unter Kasteiungen und Entbehrungen zu den Geheimnissen des Daseins vorzudringen gesucht. Auch diesen Weg versuchte der Buddha, aber auch von ihm sagte er sich, daß er ihm die Quelle für seine Mission in dieser Zeit nicht sein konnte. Er machte eine Zeitlang alle die Entbehrungen und Kasteiungen durch, wie es die Mönche taten. Er hungerte wie sie, um die Gier vom menschlichen Leben zu entfernen und dadurch tiefere Kräfte heraufzurufen, die gerade dann heraufdringen, wenn der Leib durch Fasten geschwächt ist, und die dann aus den Tiefen des menschlichen Leiblichen rasch hineinführen können in die geistige Welt. Aber gerade weil der Buddha seine Entwickelungsstufe erlangt hatte, sah er das Vergebliche dieses Kasteiens, des Fastens und des Hungerns ein. Er hatte ja, weil er der Bodhisattva war, durch seine Entwickelung in den früheren Inkarnationen diesen menschlichen Leib der damaligen Zeit bis zu der höchsten Höhe der Entwickelung bringen können, bis zu der ein Mensch damals kommen konnte. Daher konnte auch der Buddha das erleben, was ein Mensch erleben muß, wenn er gerade diesen Weg in die geistigen Höhen durchmacht.

[ 34 ] He then came upon a group of five hermits. Through a path of the strictest self-discipline, marked by mortification and deprivation, they had sought to penetrate the mysteries of existence. The Buddha also tried this path, but he told himself that it could not be the source of his mission at that time. For a time, he endured all the privations and mortifications just as the monks did. He fasted as they did, in order to rid himself of the greed inherent in human life and thereby summon deeper forces—forces that emerge precisely when the body is weakened by fasting and that can then swiftly lead one from the depths of the human physical realm into the spiritual world. But precisely because the Buddha had attained his stage of development, he recognized the futility of this self-mortification, fasting, and starvation. After all, because he was the Bodhisattva, he had been able—through his development in earlier incarnations—to bring this human body of that time to the highest level of development attainable by a human being at that time. That is why the Buddha was also able to experience what a human being must experience when undergoing this very path to the spiritual heights.

[ 35 ] Wer bis zu einem gewissen Grade der Sankhya- oder der YogaPhilosophie hinaufdringt, ohne das entwickelt zu haben, was der Buddha vorher durchgemacht hatte, wer hinaufdringen will in die reinen Höhen des göttlichen Geistes durch das logische Denken, ohne zuerst den moralischen Sinn im Sinne des Buddha erlangt zu haben, der steht dann vor jener Versuchung, die der Buddha in einer probeweisen Versuchung durchgemacht hat und die uns als die Versuchung durch den Dämon Mara angedeutet wird. Da kommt der Mensch dahin, wo alle Teufel des Hochmutes, der Eitelkeit, des Ehrgeizes ihn durchsetzen. Das lernte der Buddha kennen. Die Gestalt des Mara, der Eitelkeit und des Ehrgeizes, stand vor ihm. Aber weil er auf dieser hohen Stufe eines Bodhisattva war, so erkannte er ihn und war gefeit gegen ihn. Und er wußte sich zu sagen: Wenn sich die Menschen auf dem alten Wege weiterentwickeln, ohne den neuen Einschlag in der Lehre der Liebe und des Mitleides, ohne diesen selbsttätigen moralischen Sinn zu erhalten, dann müssen sie, da sie nicht alle Bodhisattvas sind, diesem Dämon Mara verfallen, der alle Kräfte des Hochmutes und der Eitelkeit in die Seelen senkt. Das ist das, was der Buddha in sich selber erlebte, als er bis in die letzten Konsequenzen dieSankhya- und die Yoga-Philosophie durchmachte.

[ 35 ] Anyone who ascends to a certain level of Sankhya or Yoga philosophy without having developed what the Buddha had previously undergone, who seeks to ascend to the pure heights of the divine spirit through logical thinking without first having attained moral sense in the Buddha’s sense—such a person then faces the very temptation that the Buddha underwent in a trial-like ordeal and which is indicated to us as the temptation by the demon Mara. There, a person arrives at a place where all the demons of pride, vanity, and ambition take hold of him. The Buddha came to know this. The figure of Mara—embodying vanity and ambition—stood before him. But because he was at this high stage of a Bodhisattva, he recognized him and was immune to him. And he knew how to say to himself: If human beings continue to develop along the old path, without embracing the new direction in the teaching of love and compassion, without acquiring this self-driven moral sense, then—since they are not all Bodhisattvas—they must fall prey to this demon Mara, who pours all the forces of pride and vanity into their souls. This is what the Buddha experienced within himself when he pursued the Sankhya and Yoga philosophies to their ultimate conclusions.

[ 36 ] Dann aber, als er bei den Mönchen war, hatte er ein anderes Erlebnis. Da erlebte er, daß der Dämon eine andere Gestalt annahm, die dadurch charakterisiert ist, daß er dem Menschen allen äußeren physischen Besitz, sozusagen die «Reiche der Welt und ihre Herrlichkeiten» zeigt, um den Menschen abzulenken von dem, was die geistige Welt ist. Gerade daß man auf dem Wege der Kasteiung dieser Versuchung verfällt, das erlebte der Buddha, als ihm der Dämon Mara entgegentrat und ihm sagte: «Lasse dich nicht verführen, alles zu verlassen, was du als Königssohn gehabt hast, gehe zurück in den Königspalast!» Ein anderer wäre dem unterlegen, was sich ihm da zeigte, aber der Buddha war so weit,daß er den Versucher durchschauen konnte. Erleben konnte er, was über die Menschheit kommen würde, wenn sie so weiterleben würde wie bisher und nur auf dem Wege des Fastens und Hungerns den Weg zum Geistigen hinauf durchmachen wollte. Er selbst war dagegen gefeit und konnte daher auch jetzt die große Gefahr vor die Menschen hinstellen, die kommen würde, wenn die Menschen ohne die große Grundlage des selbsttätigen moralischen Sinnes nur durch Fasten und äußere Mittel in die geistige Welt eindringen wollten.

[ 36 ] But then, while he was with the monks, he had a different experience. There he witnessed the demon taking on another form, characterized by the fact that it shows people all their external physical possessions—the “riches of the world and their glories,” so to speak—in order to distract them from the spiritual world. The Buddha experienced precisely how one, on the path of self-mortification, succumbs to this temptation when the demon Mara confronted him and said: “Do not let yourself be tempted to abandon everything you had as a prince; return to the royal palace!” Another might have succumbed to what was presented to him there, but the Buddha had reached a stage where he could see through the tempter. He could perceive what would befall humanity if it continued to live as before and sought to ascend to the spiritual realm solely through fasting and starvation. He himself was immune to this and could therefore now point out to humanity the great danger that would arise if people, without the solid foundation of an autonomous moral sense, sought to enter the spiritual world solely through fasting and external means.

[ 37 ] So war der Buddha als Bodhisattva noch vorgedrungen bis zu jenen zwei Grenzpunkten der menschlichen Entwickelung, die der Mensch eben, weil er nicht ein Bodhisattva ist, am besten ganz vermeiden soll, Übersetzen wir uns das in eine gewöhnliche Menschensprache, so können wir sagen: Das höchste Wissen ist herrlich, das höchste Wissen ist schön, aber nähere dich diesem Wissen mit reinem Herzen, mit edlem Sinn, mit einem geläuterten Gemüt, sonst wird der Teufel des Hochmutes, der Eitelkeit und des Ehrgeizes über dich kommen. — Und die andere Lehre ist: Suche nicht auf irgendeinem äußeren Wege, durch Kasteiungen oder Fasten in die geistige Welt hineinzukommen, bevor du deinen sittlichen Sinn in der entsprechenden Weise gereinigt hast, sonst wird der Versucher von der andern Seite an dich herantreten. — Das sind die beiden Lehren, die uns von dem Buddha in unsere Zeit hereinleuchten. So sagt uns der Buddha, als er noch Bodhisattva war, dasjenige, was im eminenten Sinne zu seiner Mission gehört. Denn diesen moralischen Sinn der Menschheit zu bringen, als die Menschen noch nicht fähig waren, ihn aus ihrem Herzen heraus zu entwickeln, das war immer seine Mission. Daher verließ er, als er die Gefahr des Asketentums für die Menschheit kennengelernt hatte, die fünf Einsiedler und ging dahin, wo er in einem für unsere heutige Zeit gemäßen inneren Versenken in diejenigen Fähigkeiten der menschlichen Natur, die ausgebildet werden können ohne die alte Hellsichtigkeit, ohne das, was als ein Erbstück von früher überkommen ist, das Höchste leisten konnte, was die Menschheit gerade durch diese Fähigkeiten jemals wird leisten können.

[ 37 ] Thus, as a Bodhisattva, the Buddha had already advanced to those two extremes of human development which a person—precisely because he is not a Bodhisattva—would do best to avoid entirely. If we translate this into ordinary human language, we can say: The highest knowledge is glorious, the highest knowledge is beautiful, but approach this knowledge with a pure heart, a noble mind, and a purified spirit; otherwise, the devil of pride, vanity, and ambition will take hold of you. — And the other teaching is: Do not seek to enter the spiritual world by any external means, such as self-mortification or fasting, before you have purified your moral character in the appropriate way; otherwise, the tempter from the other side will approach you. — These are the two teachings that shine down to us from the Buddha in our time. Thus, when he was still a Bodhisattva, the Buddha told us what, in the highest sense, is part of his mission. For it has always been his mission to bring this moral sense to humanity, at a time when people were not yet capable of developing it from within their own hearts. Therefore, once he had recognized the danger of asceticism for humanity, he left the five hermits and went to a place where, through a form of inner contemplation appropriate to our present age, he could cultivate those abilities of human nature that can be developed without the old clairvoyance—without what has been handed down as a legacy from the past— achieve the highest that humanity will ever be able to achieve precisely through these abilities.

[ 38 ] Unter dem Bodhibaume, im neunundzwanzigsten Jahre seines Lebens, nachdem der Buddha den Weg einseitiger Askese verlassen hatte, gingen ihm dann in siebentägiger Betrachtung die großen Wahrheiten auf, die dem Menschen aufgehen, wenn er in stiller, innerer Versenkung dasjenige zu finden sucht, was ihm die jetzigen menschlichen Fähigkeiten geben können. Da gingen ihm auf die großen Lehren, die er gelehrt hat in den sogenannten vier Wahrheiten, und jene große Lehre des Mitleides und der Liebe, die er gelehrt hat in dem achtgliedrigen Pfade. Diese Lehren des Buddha werden uns noch zu beschäftigen haben. Wir wollen uns heute damit begnügen, daß diese Lehren eine Umschreibung des moralischen Sinnes der reinsten Lehre vom Mitleid und von der Liebe sind. Damals sind sie aufgetreten, als unter dem Bodhibaume der Bodhisattva Indiens vom Bodhisattva zum Buddha wurde. Damals sind die Lehren vom Mitleid und der Liebe zum ersten Male in der Menschheit als eigene menschliche Fähigkeit aufgegangen, und seit jener Zeit sind die Menschen imstande, aus sich selbst heraus die Lehre vom Mitleid und der Liebe zu entwickeln. Das ist das Wesentliche. Deshalb sagte der Buddha zu seinen intimen Schülern noch kurze Zeit vor seinem Tode: Trauert nicht darum, daß der Meister euch verläßt. Ich lasse euch etwas zurück. Ich lasse euch zurück das Gesetz der Weisheit und das Gesetz der Disziplin; die sollen euch künftig den Meister ersetzen. — Das heißt nichts anderes als: Bisher hat euch der Bodhisattva gelehrt, was darinnen ausgedrückt ist; jetzt darf er, nachdem er seine Inkarnation auf der Erde erreicht hat, sich zurückziehen. Denn die Menschheit wird das, was ihr früher von einem Bodhisattva gelehrt worden ist, in das eigene Herz gesenkt haben und wird es aus dem eigenen Herzen heraus entwickeln können als die Religion vom Mitleid und der Liebe. — Das hat sich zugetragen, als in siebentägiger innerer Betrachtung der Bodhisattva zu dem Buddha wurde im alten Indien. Das war es auch, was er in den verschiedensten Formen seinen Zöglingen, die um ihn herum waren, lehren konnte. In welche Formen er das gegossen hat, das wird uns noch beschäftigen.

[ 38 ] Under the Bodhi tree, in the twenty-ninth year of his life, after the Buddha had abandoned the path of one-sided asceticism, the great truths dawned upon him during seven days of contemplation—truths that dawn upon a person when, in quiet, inner contemplation, they seek to find what their present human capacities can offer. It was then that the great teachings he expounded—the so-called Four Noble Truths—and that great teaching of compassion and love, which he expounded in the Noble Eightfold Path, dawned upon him. We will have to deal with these teachings of the Buddha later. For today, let us be content with the fact that these teachings are a description of the moral essence of the purest teaching of compassion and love. They emerged at the time when, beneath the Bodhi tree, the Bodhisattva of India became a Buddha. It was then that the teachings of compassion and love first blossomed within humanity as a distinct human capacity, and since that time, human beings have been able to develop the teaching of compassion and love from within themselves. That is the essence. That is why the Buddha said to his closest disciples shortly before his death: “Do not grieve that the Master is leaving you. I am leaving you something behind. I am leaving you the Law of Wisdom and the Law of Discipline; these shall replace the Master for you in the future.” — This means nothing other than: Until now, the Bodhisattva has taught you what is expressed therein; now, having fulfilled his incarnation on Earth, he may withdraw. For humanity will have internalized what was once taught to it by a Bodhisattva and will be able to develop it from within its own heart as the religion of compassion and love. — This is what took place when, during seven days of inner contemplation, the Bodhisattva became the Buddha in ancient India. This was also what he was able to teach in various forms to his disciples who were gathered around him. The forms into which he cast this teaching will be the subject of our further discussion.

[ 39 ] Wir mußten heute zurückschauen auf das, was sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung sich zugetragen hat, weil wir, wenn wir nicht an der Hand der Akasha-Chronik die Entwickelung von den Ereignissen in Palästina bis zu der Predigt von Benares zurückverfolgen würden, den Weg des Christentums nicht verstehen würden, vor allem nicht denjenigen verstehen würden, der diesen Weg so eminent geschildert hat: den Schreiber des Lukas-Evangeliums. Seitdem der Bodhisattva zum Buddha geworden ist, brauchte er nicht mehr auf die Erde zurückzukehren; seitdem war er eine geistige Wesenheit, die in den geistigen Welten schwebt und von dort aus in alles einzugreifen hatte, was auf der Erde geschah. Und als das wichtigste Ereignis auf der Erde vorbereitet wurde und die Hirten auf dem Felde waren, da erschien ihnen eine Individualität aus den geistigen Höhen und verkündete ihnen das, was eben im Lukas-Evangelium geschildert wird: Und hinzu traten zu dem Engel «himmlische Heerscharen». Wer war das?

[ 39 ] Today we had to look back at what took place six centuries before our era, because if we did not trace the course of events from Palestine back to the sermon at Benares with the help of the Akashic Records, we would not understand the path of Christianity—and above all, we would not understand the one who so eminently described this path: the author of the Gospel of Luke. Ever since the Bodhisattva became the Buddha, he no longer needed to return to Earth; from that time on, he was a spiritual being who soared through the spiritual worlds and, from there, had to intervene in everything that happened on Earth. And as the most important event on Earth was being prepared and the shepherds were in the fields, an individuality appeared to them from the spiritual heights and proclaimed to them what is described in the Gospel of Luke: “And with the angel there were ‘heavenly hosts.’” Who was that?

[ 40 ] Was hier den Hirten im Bilde entgegentrat, das war der verklärte Buddha, der Bodhisattva der alten Zeiten, dasjenige Wesen in seiner geistigen Gestalt, das durch Jahrtausende und Jahrtausende den Menschen die Botschaft der Liebe und des Mitleides gebracht hatte. Jetzt, nachdem es seine letzte Inkarnation auf der Erde hinter sich hatte, schwebte es in geistigen Höhen und erschien in Himmelshöhen den Hirten neben dem Engel, der ihnen das Ereignis von Palästina vorherverkündete.

[ 40 ] What appeared before the shepherds in the vision was the Transfigured Buddha, the Bodhisattva of ancient times—that being in his spiritual form who, for millennia upon millennia, had brought the message of love and compassion to humanity. Now, having completed its final incarnation on Earth, it soared in spiritual heights and appeared in the heavens to the shepherds alongside the angel who had foretold the event in Palestine to them.

[ 41 ] So lehrt uns die geistige Forschung. Sie zeigt uns schwebend über den Hirten den verklärten Bodhisattva aus den alten Zeiten. Ja, es war so gekommen — das lehrt uns die Akasha-Forschung -, daß in Palästina in der «Stadt Davids» von einem Elternpaare, das aus der priesterlichen Linie des Hauses David stammte, ein Kind geboren wurde. Dieses Kind - ich erwähne das ausdrücklich —, das da von einem Elternpaar geboren wurde, das, wenigstens dem Vater nach, aus der priesterlichen Linie des Hauses David stammte, dieses Kind war dazu ausersehen, daß es überleuchtet und durchkraftet wurde von seiner Geburt an von dem, was von dem Buddha ausstrahlen konnte, nachdem er in Geisteshöhen erhoben worden war. So blicken wir mit den Hirten hin auf dieKrippe, wo der Jesus von Nazareth, wie man ihn gewöhnlich nennt, geboren worden ist; wir blicken hin und sehen über dem Kindlein den Glorienschein von Anfang an und wissen, daß in diesem Bilde sich ausdrückt die Kraft des Bodhisattva, der der Buddha geworden ist, die Kraft, welche vordem den Menschen zugeströmt ist und welche jetzt von den geistigen Höhen aus auf die Menschheit wirkte und die größte Tat entfaltete, als sie das bethlehemitische Kindlein überstrahlte, damit es sich in der entsprechenden Weise einreihen konnte in die Menschheitsentwickelung.

[ 41 ] This is what spiritual research teaches us. It shows us the transfigured Bodhisattva from ancient times hovering above the shepherd. Yes, it came to pass—as Akashic research teaches us—that in Palestine, in the “City of David,” a child was born to a couple who descended from the priestly line of the House of David. This child—and I mention this expressly—who was born to parents who, at least on the father’s side, descended from the priestly line of the House of David, was destined to be illuminated and empowered from the moment of his birth by what the Buddha could radiate after he had been raised to spiritual heights. So, together with the shepherds, we gaze upon the manger where Jesus of Nazareth—as he is commonly called—was born; we gaze upon it and see the halo of glory above the little child from the very beginning, and we know that this image expresses the power of the Bodhisattva who became the Buddha, the power that had previously flowed to humanity and that now, from the spiritual heights, acted upon humanity and unfolded its greatest deed when it outshone the infant of Bethlehem, so that he might take his rightful place in the development of humanity.

[ 42 ] Damals, als diese Individualität, die jetzt aus geistigen Höhen ihre Kraft herunterstrahlte auf dieses Kind des davidischen Elternpaares, im alten Indien geboren wurde, das heißt, als der Buddha als Bodhisattva geboren wurde, erschaute ein Weiser die ganze Gewalt dessen, was wir heute geschildert haben. Und was er zuerst in den geistigen Welten erschaut hatte, das veranlaßte den Weisen — Asita hieß er -, in den Palast des Königs hineinzugehen und das Bodhisattva-Kindlein aufzusuchen. Als er das Kindlein sah, sagte er seine gewaltige Mission als Buddha voraus. Asita sagte damals zur Bestürzung des Vaters voraus, daß das Kindlein nicht regieren werde über das Reich seines Vaters, sondern daß es ein Buddha werden würde. Dann aber fing er an zu weinen; und als er gefragt wurde, ob denn dem Kindlein ein Unglück bevorstünde, antwortete Asita: «Nein! Ich weine, weil ich so alt bin, daß ich den Tag nicht mehr erleben kann, da dieser Heiland, der Bodhisattva, als Buddha auf der Erde wandeln wird!» Asita hat das BuddhaWerden des Bodhisattva damals nicht mehr erlebt, sein Weinen war also von seinem damaligen Standpunkte aus nur zu berechtigt. — Jener Asita, der damals den Bodhisattva nur als Kindlein im Palaste des Suddhodana gesehen hatte, er wurde wiedergeboren als jene Persönlichkeit, die uns im Lukas-Evangelium bei der «Darstellung im Tempel» als der Simeon geschildert wird (Lukas 2,25-35). Simeon, so heißt es im Lukas-Evangelium, war «vom Geiste beseelt», als ihm das Kindlein gebracht wurde. Das war derselbe, der als Asita einst geweint hatte, weil er in seiner damaligen Inkarnation nicht mehr das Buddha-Werden des Bodhisattva erleben konnte. Jetzt war es ihm beschieden, die weitere Entwickelungsstufe dieser Individualität zu erleben. Und nachdem er dazumal «mit dem Geiste begabt» war, konnte er bei der Darstellung des Kindleins im Tempel den Glorienschein des verklärten Bodhisattva sehen über dem Jesuskindlein aus dem davidischen Geschlecht. Da sagte er sich: Jetzt brauchst du nicht mehr zu weinen; was du damals nicht gesehen hast, jetzt siehst du es, jetzt siehst du deinen Heiland verklärt über diesem Kindlein: «Herr, laß deinen Diener in Frieden sterben.»

[ 42 ] Back then, when this individuality—which now radiated its power from spiritual heights down upon this child of Davidic parents—was born in ancient India, that is, when the Buddha was born as a Bodhisattva, a sage perceived the full power of what we have described today. And what he had first beheld in the spiritual worlds prompted the sage—whose name was Asita—to enter the king’s palace and seek out the Bodhisattva child. When he saw the child, he foretold his momentous mission as the Buddha. To the father’s dismay, Asita predicted at that time that the child would not rule over his father’s kingdom, but would instead become a Buddha. But then he began to weep; and when asked whether some misfortune awaited the child, Asita replied: “No! I weep because I am so old that I will not live to see the day when this Savior, the Bodhisattva, walks the earth as a Buddha!” Asita did not live to see the Bodhisattva’s enlightenment at that time; from his perspective at the time, his weeping was therefore entirely justified. — That same Asita, who had once seen the Bodhisattva only as a child in Suddhodana’s palace, was reborn as the figure described to us in the Gospel of Luke in the account of the “Presentation in the Temple” as Simeon (Luke 2:25–35). Simeon, as the Gospel of Luke states, was “filled with the Spirit” when the infant was brought to him. He was the same one who, as Asita, had once wept because, in his previous incarnation, he could no longer witness the Bodhisattva’s attainment of Buddhahood. Now he was destined to witness the next stage in the development of this individual. And since he had been “filled with the Spirit” back then, when the infant was presented in the temple, he could see the halo of the transfigured Bodhisattva above the infant Jesus of the House of David. Then he said to himself: Now you no longer need to weep; what you did not see back then, you now see; now you see your Savior transfigured above this little child: “Lord, let your servant die in peace.”