The Gospel of Luke
GA 114
20 September 1909, Basel
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The Gospel of Luke, tr. SOL
Sechster Vortrag
Sixth Lecture
[ 1 ] Es wird uns verhältnismäßig leicht werden, die Einzelheiten des LukasEvangeliums zu verstehen, wenn wir zuerst in der entsprechenden Weise vorgearbeitet haben, so daß diejenigen Wesenheiten und Individualitäten, die in Betracht kommen, gewissermaßen lebendig vor uns stehen, daß wir wissen, mit wem wir es eigentlich zu tun haben. Daher dürfen Sie es sich nicht verdrießen lassen, wenn wir sozusagen viel «Vorgeschichte» haben. Erst müssen wir die große Gestalt, die im Mittelpunkt der Evangelien steht, in ihrer ganzen komplizierten Wesenheit kennenlernen, und auch einiges andere, ohne das wir niemals würden fassen können, was uns dann in aller Einfachheit im Lukas-Evangelium entgegentritt.
[ 1 ] It will be relatively easy for us to understand the details of the Gospel of Luke if we have first done the necessary preparatory work in the appropriate way, so that the entities and individuals in question are, as it were, vividly present before us, and we know exactly who we are dealing with. Therefore, please do not be put off if we have, so to speak, a lot of “background” to cover. First, we must get to know the great figure who stands at the center of the Gospels in all the complexity of his being, as well as a few other things, without which we would never be able to grasp what then presents itself to us in all its simplicity in the Gospel of Luke.
[ 2 ] Da müssen wir zuerst an etwas erinnern, was wir schon in den letzten Tagen besprechen konnten: an die große Bedeutung jener einzigartigen Wesenheit, die wir als den Buddha bezeichnen, und von der wir sagen konnten, daß sie im fünften bis sechsten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung eben vom Bodhisattva zum Buddha sich erhob. Wir haben charakterisiert, was das für die Menschheit bedeutete, und wir wollen uns das noch einmal genau vor die Seele stellen.
[ 2 ] First, we must recall something we have already discussed in recent days: the great significance of that unique being we call the Buddha, whom we have described as having risen from the status of Bodhisattva to that of Buddha during the fifth to sixth centuries B.C. We have described what this meant for humanity, and we want to bring this image vividly to mind once again.
[ 3 ] Was der Inhalt der Lehre des Buddha ist, das mußte sozusagen einmal der Menschheit als ihr Eigentum übergeben werden. Wenn wir hinter das Zeitalter des Buddha zurückgehen würden, so würden wir für alle vorhergehenden Epochen der Menschheit sagen müssen: Es hat in diesen Zeiten keinen Menschen auf unserer Erde geben können, der aus sich selbst heraus diese Lehre vom Mitleid und der Liebe hätte finden können, die sich in dem achtgliedrigen Pfade ausdrückt. Die menschliche Entwickelung war noch nicht so weit, daß irgendeine Seele ‚durch Versenkung in das eigene Nachdenken, in die eigene Empfindung diese Wahrheiten l:ätte finden können. Alles wird ja erst in der Welt, alles entsteht erst, und für alles, was entstehen soll, müssen die Ursachen gegeben werden. Auf welche Weise konnten die Menschen in früheren Zeiten zum Beispiel dieGrundsätze des achtgliedrigen Pfades befolgen? Sie konnten es nur dadurch, daß sie ihnen in gewisser Weise überliefert wurden, daß sie ihnen wie eingeflößt wurden aus den okkulten Schulen der Eingeweihten und der Seher. Innerhalb der Mysterien, innerhalb der okkulten Schulen der Seher lehrte eben der Bodhisattva, weil in solchen Schulen die Möglichkeit gegeben war, sich hinaufzuheben zu den höheren Welten und dasjenige zu empfangen, was dem äußeren Menschenverstande, der äußeren Menschenseele noch nicht gegeben werden konnte. Das mußte aber in diesen alten Zeiten von denen, die der Gnade teilhaftig werden konnten, direkt mit den Lehrern in den okkulten Schulen in Verkehr zu kommen, der übrigen Menschheit sozusagen eingeflößt werden. Ohne daß die Menschen selbst auf die Grundsätze hätten kommen können, mußte ihr Leben so beeinflußt werden, daß es sich im Sinne dieser Grundsätze abspielte. Es befolgten also jene Menschen, die außerhalb der Mysterien lebten, in einer gewissen Weise unbewußt, was ihnen wie unbewußt auch gegeben wurde von denen, die ihnen aus den okkulten Schulen heraus das geben konnten. Es war noch kein Menschenleib auf der Erde, der so hätte organisiert werden können, auch wenn alles Geistige in ihn eingedrungen wäre, daß der Mensch aus sich selbst heraus den Inhalt des achtgliedrigen Pfades hätte finden können. Das mußte eine Offenbarung von oben sein, durch die entsprechenden Wege vermittelt. Daraus aber folgt, daß ein solches Wesen wie der Bodhisattva gar nicht in der Lage war, vor dem Zeitalter des Buddha einen Menschenleib voll zu benutzen. Er konnte auf der Erde keinen Leib finden, in dem er alle die Fähigkeiten hätte verkörpern können, durch die er auf die Menschen wirken sollte. Es gab einen solchen Menschenkörper nicht. — Was war also notwendig? Wie verkörperte sich ein-solcher Bodhisattva? Diese Frage müssen wir uns einmal vorlegen.
[ 3 ] The content of the Buddha’s teaching had to be, so to speak, handed down to humanity as its own. If we were to go back beyond the Buddha’s time, we would have to say of all previous epochs of humanity: There could not have been a single person on our Earth in those times who, on their own, could have discovered this teaching of compassion and love, as expressed in the Eightfold Path. Human development had not yet reached the point where any soul could have discovered these truths “through immersion in their own thoughts and feelings.” After all, everything first comes into being in the world; everything first arises, and for everything that is to arise, the causes must be present. How, for example, could people in earlier times follow the principles of the Eightfold Path? They could do so only because these principles were, in a certain sense, handed down to them—as if instilled in them—from the occult schools of the initiates and the seers. It was precisely within the mysteries, within the occult schools of the seers, that the Bodhisattva taught, because in such schools the possibility existed to elevate oneself to the higher worlds and to receive that which could not yet be given to the outer human intellect or the outer human soul. But in those ancient times, this had to be, so to speak, instilled in the rest of humanity by those who were able to partake of grace and come into direct contact with the teachers in the occult schools. Without people being able to arrive at the principles on their own, their lives had to be influenced in such a way that they unfolded in accordance with these principles. Thus, those people who lived outside the mysteries followed, in a certain sense unconsciously, what was also unconsciously imparted to them by those who, from within the occult schools, were able to provide it. There was not yet a human body on Earth that could have been organized in such a way—even if all that was spiritual had penetrated it—that a human being could have discovered the content of the eightfold path from within themselves. This had to be a revelation from above, conveyed through the appropriate channels. It follows, however, that a being such as the Bodhisattva was not at all capable of making full use of a human body before the age of the Buddha. He could find no body on Earth in which he could have embodied all the abilities through which he was to work upon humanity. No such human body existed. — What, then, was necessary? How did such a Bodhisattva incarnate? This is a question we must consider.
[ 4 ] Er verkörperte dasjenige, was er als geistige Wesenheit war, nicht vollständig. Würde man einen solchen Leib, der von einem Bodhisattva beseelt war, hellseherisch angesehen haben, so würde man gesehen haben, daß er nur teilweise die Wesenheit eines Bodhisattva umschloß, die als ätherischer Leib weit hinausragte über die menschliche Hülle und in dieser Art ihre Verbindung mit dem Geistigen hatte, das sie nie ganz verließ. So verließ der Bodhisattva die geistige Welt nie vollständig. Er lebte zu gleicher Zeit in einem Geistleibe und in einem physischen Leibe. Das war nun der Übergang vom Bodhisattva zum Buddha, daß jetzt zum ersten Male ein solcher Leib vorhanden war, in den der Bodhisattva sozusagen ganz hineinsteigen und innerhalb dieses Leibes seine Fähigkeiten entwickeln konnte. Damit hatte er jene Menschenform hingestellt, der die Menschen nachzustreben haben, um ihr ähnlich zu werden, so daß sie ebenso aus sich selbst heraus die Lehre vom achtgliedrigen Pfad finden, wie sie der Bodhisattva unter dem Bodhibaume aus sich selbst heraus gefunden hat. Würde man also diejenige Wesenheit, die in dem Buddha verkörpert war, in ihren früheren Inkarnationen geprüft haben, so hätte man sagen müssen: Sie war so, daß sie zum Teil in der geistigen Welt bleiben mußte und nur einen Teil ihrer Wesenheit in den Leib hineinsenden konnte. Jetzt erst, im fünften bis sechsten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, war die erste menschliche Organisation vorhanden, in welche der Bodhisattva ganz hineingehen und so das Beispiel geben konnte, daß die Menschheit selbst aus der moralischen Gesinnung der Seele heraus den achtgliedrigen Pfad finden konnte.
[ 4 ] He did not fully embody what he was as a spiritual being. If one had viewed such a body, animated by a Bodhisattva, through clairvoyance, one would have seen that it encompassed only part of the Bodhisattva’s spiritual essence, which, as an etheric body, extended far beyond the human shell and in this way maintained its connection with the spiritual realm, which it never entirely left. Thus, the Bodhisattva never completely left the spiritual world. He lived simultaneously in a spiritual body and a physical body. This was the transition from Bodhisattva to Buddha: for the first time, such a body existed into which the Bodhisattva could, so to speak, fully enter and develop his abilities within that body. In doing so, he had established that human form which people must strive to emulate in order to become like him, so that they, too, might find the teaching of the Eightfold Path from within themselves, just as the Bodhisattva had found it from within himself beneath the Bodhi tree. If, then, one were to examine the being embodied in the Buddha in its earlier incarnations, one would have had to say: It was such that it had to remain partly in the spiritual world and could send only a part of its being into the body. It was only now, in the fifth to sixth centuries B.C., that the first human organization existed into which the Bodhisattva could fully enter and thus set the example that humanity itself could find the Eightfold Path from within the moral disposition of the soul.
[ 5 ] Diese Erscheinung, daß es Menschenwesen gab, die mit einem Teil ihrer Wesenheit in der geistigen Welt sind, kannten alle Religionen und Weltanschauungen. Sie wußten, daß es solche Wesenheiten gibt, für welche die Menschenwesenheit gleichsam zu eng ist, um die volle Individualität von solchen Wesenheiten aufzunehmen, die auf der Erde wirken müssen. Innerhalb der vorderasiatischen Weltanschauung nannte man diese Art der Verbindung der höheren Individualitäten solcher Wesenheiten mit einem physischen Leibe das Erfülltsein mit dem Heiligen Geist. Das ist ein ganz bestimmter technischer Ausdruck. Und in dem Wortgebrauch der vorderasiatischen Sprachen würde man von einer solchen Wesenheit wie einem auf der Erde verkörperten Bodhisattva gesagt haben, sie ist «erfüllt mit dem Heiligen Geist», das heißt, die Kräfte, die eine solche Wesenheit ausmachen, sind nicht ganz: in dieser Wesenheit darinnen, es muß da von außen etwas Geistiges hineinwirken. Man könnte also ebenso sagen: Der Buddha war in seinen vorhergehenden Inkarnationen erfüllt mit dem Heiligen Geist.
[ 5 ] All religions and worldviews were familiar with this phenomenon: that there are human beings who exist, in part, in the spiritual world. They knew that there are such beings for whom human existence is, as it were, too narrow to accommodate the full individuality of those beings who must work on Earth. Within the Near Eastern worldview, this kind of connection between the higher individualities of such beings and a physical body was called “being filled with the Holy Spirit.” This is a very specific technical term. And in the terminology of the Near Eastern languages, one would have said of such a being—such as a Bodhisattva incarnated on Earth—that it is “filled with the Holy Spirit,” meaning that the powers that constitute such a being are not entirely contained within that being; something spiritual must be working into it from the outside. One could therefore just as well say: The Buddha was filled with the Holy Spirit in his previous incarnations.
[ 6 ] Wenn wir dies verstanden haben, werden wir uns auch in das hineinfinden können, was wir im Anfange des Lukas-Evangeliums lesen und was wir gestern schon berühren konnten. Wir wissen, daß in dem Ätherleibe des einen Jesuskindes, das physisch entsprossen ist der nathanischen Linie des davidischen Hauses, der bisher unberührt gebliebene Teil desjenigen Ätherleibes lebte, welcher der Menschheit bei dem Ereignis entzogen worden ist, das man den Sündenfall nennt, so daß also gleichsam jene ätherische Substanz, die aus Adam herausgenommen worden ist vor dem Sündenfalle, aufbewahrt und in dieses Kind hineinversenkt wurde. So mußte es sein, damit eine so junge, von allen Erlebnissen der Erdenentwickelung unberührte Wesenheit da war, die alles aufnehmen konnte, was sie aufnehmen sollte. Hätte denn ein gewöhnlicher Mensch, der seit der lemurischen Zeit seine Inkarnationen durchgemacht hat, die Überschattung durch den Nirmanakaya des Buddha aufnehmen können? Nimmermehr! Und noch weniger hätte er das aufnehmen können, was später in ihn hineingehen sollte. Es mußte ein so veredelter Menschenleib entstehen, der nur dadurch entstehen konnte, daß die von allen Erdenerlebnissen unberührte ätherische Substanz des Adam hineinversenkt wurde in den Ätherleib gerade dieses Jesuskindes. Dadurch aber war diese Äthersubstanz auch verbunden mit allen den Kräften, welche vor dem Sündenfalle auf die Erdenentwickelung gewirkt haben, die deshalb jetzt eine gewaltige Machtentfaltung in diesem Kinde hatten. Dadurch war möglich geworden, was wir eben gestern schon berührten: jener merkwürdige Einfluß, den die Mutter des nathanischen Jesus auf die Mutter Johannes des Täufers ausübte und auch auf diesen Johannes selber, bevor er geboren wurde.
[ 6 ] Once we have understood this, we will also be able to make sense of what we read at the beginning of the Gospel of Luke and what we touched on yesterday. We know that within the etheric body of the infant Jesus, who physically descended from the Nathanic line of the House of David, dwelt the part of that etheric body that had remained untouched—the part that had been withdrawn from humanity during the event known as the Fall—so that, as it were, the etheric substance that had been taken from Adam before the Fall was preserved and infused into this Child. It had to be this way so that there would be such a young being, untouched by all the experiences of Earth’s evolution, who could receive everything that was meant for him to receive. Could an ordinary human being, who had undergone incarnations since the Lemurian era, have received the overshadowing by the Buddha’s Nirmanakaya? Never! And even less could such a person have absorbed what was later to enter into him. A human body of such refinement had to come into being—a body that could only come into being through the infusion of Adam’s etheric substance, untouched by all earthly experiences, into the etheric body of this very Child Jesus. As a result, however, this etheric substance was also connected to all the forces that had acted upon Earth’s evolution before the Fall, forces that therefore now manifested with tremendous power within this child. This made possible what we touched on just yesterday: that remarkable influence which the mother of the Nathanic Jesus exerted upon the mother of John the Baptist, and also upon John himself, before he was born.
[ 7 ] Dazu müssen wir uns dann klarmachen, mit was für einer Wesenheit wir es in Johannes dem Täufer zu tun haben. Wir können diese Wesenheit des Johannes nur dann verstehen, wenn wir uns den Unterschied vor die Seele rücken, der zwischen jener eigentümlichen Verkündigung besteht, welche innerhalb Indiens durch den Buddha herabgeflossen ist — die wir für unser Ziel genügend charakterisiert haben -, und jener Verkündigung, die dem althebräischen Volke durch Moses und seine Nachfolger, die althebräischen Propheten, geworden ist.
[ 7 ] To do this, we must first understand what kind of being we are dealing with in John the Baptist. We can understand this nature of John only if we bring to mind the difference between that unique message that flowed down through the Buddha within India—which we have characterized sufficiently for our purposes—and the message that was given to the ancient Hebrew people through Moses and his successors, the ancient Hebrew prophets.
[ 8 ] Durch Buddha ist der Menschheit das geworden, was die Seele als ihre eigene Gesetzmäßigkeit finden kann, was sie aufstellen kann, um sich zu läutern und sich zu einer hohen moralischen Höhe hinaufzuorganisieren, wie sie auf der Erde erreicht werden kann. Das Gesetz der Seele, Dharma, wurde durch den Buddha verkündet, wurde so verkündet, wie es der Mensch auf der höchsten Entwickelungsstufe der Menschennatur aus der menschlichen Seele selber heraus finden kann. Und Buddha war derjenige, der es zuerst herausgelöst hat. Aber die Menschheitsentwickelung ist keine geradlinige. Die verschiedensten Kulturströmungen müssen sich gegenseitig befruchten.
[ 8 ] Through the Buddha, humanity has come to possess what the soul can discover as its own law—what it can establish to purify itself and organize itself to attain the highest moral level possible on Earth. The law of the soul, Dharma, was proclaimed by the Buddha—proclaimed in the way that a human being at the highest stage of human development can discover it from within the human soul itself. And the Buddha was the one who first brought it to light. But human development does not follow a straight path. The most diverse cultural currents must enrich one another.
[ 9 ] Was sich in Vorderasien als das Christus-Ereignis zutragen sollte, das machte nötig, daß in gewisser Weise diese vorderasiatische Entwickelung hinter der indischen zurückblieb, um in frischerer Weise später aufzunehmen, was der indischen in anderer Art gegeben war. Es mußte sozusagen innerhalb Vorderasiens ein Volk geschaffen werden, hingestellt werden, das auf eine ganz andere Art sich entwickelte, das weiter zurückblieb als die Völker mehr nach dem Osten hin. Hatte man im Sinne der Weltenweisheit die Völker im Osten so weit gebracht, daß sie den Bodhisattva als Buddha schauen konnten, so mußte man bei den Völkern in Vorderasien — insbesondere bei dem althebräischen Volke — die Menschen auf einer kindlichen, niedrigeren Stufe lassen. Das war notwendig. Denn es mußte im großen in der Menschheitsentwickelung dasselbe gemacht werden, was wir etwa im kleinen beobachten könnten, wenn wir einen Menschen hätten, der sich bis zu seinem zwanzigsten Jahre zu einer gewissen Reife entwickelt; er hat sich dabei gewisse Fähigkeiten angeeignet, aber angeeignete Fähigkeiten sind in gewisser Beziehung zugleich eine gewisse Fessel, ein Hemmnis.
[ 9 ] What was to take place in the Near East as the Christ event required that, in a certain sense, this Near Eastern development lag behind the Indian one, so that it might later take up in a fresher way what had been given to the Indian development in a different manner. A people had to be created, so to speak, within the Near East—a people that developed in a completely different way and lagged further behind than the peoples further to the east. Just as, in accordance with the wisdom of the worlds, the peoples of the East had been brought to the point where they could perceive the Bodhisattva as the Buddha, so too, among the peoples of the Near East—especially the ancient Hebrew people—human beings had to be left at a childlike, lower stage. This was necessary. For in the grand scheme of human development, the same process had to be carried out as we might observe on a smaller scale, for example, in a person who has developed to a certain level of maturity by the age of twenty; in doing so, he has acquired certain abilities, but acquired abilities are, in a certain sense, also a kind of shackle, an obstacle.
[ 10 ] Wenn man sich in einem gewissen Lebensalter Fähigkeiten angeeignet hat, dann haben diese die Eigentümlichkeit, daß sie sich auf ihrer Stufe erhalten wollen, daß sie den Menschen auf dieser Höhe halten wollen. Sie halten ihn fest, und er kann dann später, in seinem dreißigsten Jahre, nicht leicht über die Stufe hinausrücken, die er sich in seinem zwanzigsten Jahre erworben hat. Wenn wir dagegen einen zweiten Menschen haben, der im zwanzigsten Jahre noch wenig durch sich selbst erworben hat und nun nachher diese Fähigkeiten von dem anderen lernt, dann kann der, welcher sich länger kindlich erhalten hat, leichter hinaufrücken auf diese Stufe und dann im dreißigsten Jahre eher auf einer höheren Stufe stehen als der erstere. Wer das Leben beobachten kann, der wird finden, daß es so ist. Erreichte Fähigkeiten, die man sozusagen zu seinem Eigentum gemacht hat, bilden auch eine Fessel für später, während das, was man nicht so sehr mit seiner Seele verknüpft hat, was man sich mehr äußerlich angeeignet hat, weniger eine Fessel ist.
[ 10 ] When a person has acquired certain skills at a certain stage of life, those skills have the peculiarity of wanting to remain at that level—of wanting to keep the person at that level. They hold him fast, and he cannot easily, later on—in his thirtieth year—move beyond the level he attained in his twentieth year. If, on the other hand, we have a second person who, by the age of twenty, has achieved little on his own and later learns these skills from the other, then the one who has remained childlike for longer can more easily advance to that level and, by the age of thirty, is more likely to be at a higher level than the first. Anyone who observes life will find that this is indeed the case. Abilities one has attained—which one has, so to speak, made one’s own—also become a constraint later on, whereas what one has not so closely linked to one’s soul—what one has acquired more externally—is less of a constraint.
[ 11 ] Wenn die Menschheit vorrücken will, dann muß stets die Einrichtung getroffen werden, daß eine Kulturströmung vorhanden ist, die eine gewisse Summe von Fähigkeiten innerlich aufnimmt und verarbeitet, und eine andere Strömung muß gleichsam daneben herlaufen, die gewissermaßen in der Entwickelung mehr zurückgehalten wird. Dann haben wir eine Kulturströmung, welche gewisse Fähigkeiten bis zu einer entsprechenden Stufe entwickelt; diese Fähigkeiten sind nun verquickt mit dem innersten Wesen dieser Strömung und der Menschennatur. Es geht weiter: ein Neues tritt auf. Aber diese Strömung würde nicht imstande sein, aus sich selbst heraus zu einer höheren Stufe aufzusteigen. Daher mußte die Einrichtung getroffen werden, daß eine andere Strömung neben der ersten hergeht. Diese zweite bleibt in einer gewissen Weise unentwickelt, hat also keineswegs die Höhe der ersteren erreicht..Sie schreitet nun weiter und nimmt von der anderen das entgegen, was diese erreicht hat, und weil sie sich in der Zwischenzeit jung erhalten hat, kann sie dann später höher hinaufsteigen. So hat die eine die andere befruchtet. So müssen die Geistesströmungen nebeneinander herlaufen in der Menschheitsentwickelung. Und es muß durch die geistige Weltenleitung Vorsorge getroffen werden, daß dieses so ist.
[ 11 ] If humanity is to move forward, arrangements must always be made to ensure that there is a cultural current that internally absorbs and processes a certain set of abilities, while another current must run alongside it, so to speak, one that is, in a sense, held back somewhat in its development. Then we have a cultural current that develops certain abilities up to a corresponding level; these abilities are now intertwined with the innermost essence of this current and of human nature. It goes on: something new emerges. But this current would not be able to rise to a higher level on its own. Therefore, arrangements had to be made so that another current runs alongside the first. This second current remains, in a certain sense, undeveloped; it has by no means reached the level of the first. It now moves forward and receives from the other what the latter has achieved, and because it has remained youthful in the meantime, it can then ascend to a higher level later on. Thus, one has enriched the other. In this way, spiritual currents must run side by side in the development of humanity. And provision must be made by the spiritual leadership of the worlds to ensure that this is so.
[ 12 ] Wie konnte in der geistigen Weltenlenkung Vorsorge getroffen werden, daß neben derjenigen Strömung, die in dem großen Buddha ihren Ausdruck gefunden hat, eine andere läuft, die erst später das aufnimmt, was der Buddhismus der Menschheit gebracht hat? Man konnte nur dadurch Vorsorge treffen, daß man jener Strömung, die für uns die althebräische ist, die Möglichkeit vorenthielt, Menschen aus sich hervorzubringen, die aus eigener moralischer Gesinnung heraus Dharma entwickeln, das heißt, etwa auf den achtgliedrigen Pfad kommen. Einen Buddha durfte diese Strömung nicht haben. Was der Buddha als Innerlichkeit seiner Geistesströmung gebracht hat, das mußte dieser anderen Geistesströmung von außen gegeben werden. Daher wurde, und zwar, damit die Sache besonders weise verlief, lange Zeit vor der Erscheinung des Buddha dieser vorderasiatischen Völkerschaft das Gesetz nicht innerlich gegeben, sondern äußerlich durch die Offenbarung im Dekalog, im Zehn-Gebote-Gesetz (2. Mose 20, 2-17). Was einer anderen Menschheitsströmung als innerlicher Besitz zukommen sollte, das wurde in dem Zehn-Gebote-Gesetz als eine Summe von äußeren Gesetzen dem althebräischen Volke wie etwas gegeben, was man von außen empfing, was noch nicht mit der Seele verwachsen ist. Daher empfindet der Angehörige des althebräischen Volkes die Gebote als etwas, was ihm vom Himmel herunter gegeben worden ist wegen der Kindlichkeit seiner Entwickelungsstufe.
[ 12 ] How could provisions have been made in the spiritual governance of the world so that, alongside the current that found its expression in the great Buddha, another current would run that would only later take up what Buddhism had brought to humanity? This could only be achieved by denying that current—which for us is the ancient Hebrew one—the ability to produce people who, out of their own moral disposition, would develop the Dharma, that is, who would follow the Eightfold Path. This current was not allowed to have a Buddha. What the Buddha brought as the inner essence of his spiritual current had to be given to this other spiritual current from the outside. Therefore—and specifically so that the matter might proceed with particular wisdom—long before the Buddha’s appearance, the law was not given to this Near Eastern people from within, but from without through the revelation in the Decalogue, the Ten Commandments (Exodus 20:2–17). What was to become the inner possession of another stream of humanity was given to the ancient Hebrew people in the Law of the Ten Commandments as a collection of external laws—something received from without, something not yet fused with the soul. Therefore, members of the ancient Hebrew people perceive the commandments as something that was given to them from heaven because of the childlike nature of their stage of development.
[ 13 ] Das indische Volk war herangebildet worden, anzuerkennen, daß die Menschen aus sich selber Dharma, das Gesetz der Seele, erzeugen, und das althebräische Volk war so gebildet worden, daß es gehorchte dem Gesetz, das ihm von außen gegeben worden ist. So aber bildet das hebräische Volk eine wunderbare Ergänzung zu dem, was Zarathustra für seine Kultur und für alle Kulturen, die daraus hervorgegangen sind, geleistet hat.
[ 13 ] The Indian people had been taught to recognize that human beings generate Dharma—the law of the soul—from within themselves, while the ancient Hebrew people had been taught to obey the law that had been given to them from outside. Thus, the Hebrew people form a wonderful complement to what Zarathustra accomplished for his culture and for all the cultures that have emerged from it.
[ 14 ] Das mußten wir ja hervorheben, daß Zarathustra den Blick auf die Außenwelt hingelenkt hat. Während wir bei Buddha tief einschneidende Lehren haben über die Veredelung des menschlichen Innern, finden wir bei Zarathustra die große, gewaltige Lehre über den Kosmos, das, was uns Aufschlüsse geben soll über die Welt, aus deren Schoß wir erwachsen sind. War der Blick des Buddha nach innen gerichtet, so war der Blick der Angehörigen des Zarathustra-Volkes auf die Außenwelt gerichtet, um diese geistig zu durchdringen.
[ 14 ] We had to emphasize, of course, that Zarathustra directed his gaze toward the external world. While Buddha’s teachings deal profoundly with the refinement of the human inner self, in Zarathustra we find the great, powerful teaching about the cosmos—that which is meant to shed light on the world from whose womb we have emerged. While the Buddha’s gaze was directed inward, the gaze of the followers of Zarathustra was directed toward the external world in order to penetrate it spiritually.
[ 15 ] Versuchen wir uns einmal in das zu vertiefen, was Zarathustra gab von seinem ersten Auftreten an, wo er die Verkündigung des Ahura Mazdao brachte, bis in die nächste Zeit, wo er als Nazarathos erschien. Er gab immer eindringlichere Lehren über die großen geistigen Gesetze und über die Wesenheiten des Kosmos. Gewissermaßen Andeutungen waren es erst, die der Zarathustra der persischen Kultur über den Geist der Sonne gab; dann aber wurden sie von ihm ausgebaut und treten uns entgegen als die wunderbare, heute nur so wenig verstandene chaldäische Lehre über den Kosmos und über die geistigen Ursachen, aus denen wir herausgeboren sind. Prüfen wir diese Lehren über den Kosmos, so zeigen sie uns eine wichtige Eigentümlichkeit.
[ 15 ] Let us try to delve into what Zarathustra taught, from his first appearance—when he proclaimed the message of Ahura Mazdao—through to the subsequent period when he appeared as Nazarathos. He imparted increasingly profound teachings on the great spiritual laws and on the beings of the cosmos. At first, they were, so to speak, mere hints that Zarathustra gave to Persian culture regarding the Spirit of the Sun; but then he developed them, and they present themselves to us as the wondrous Chaldean teaching—so little understood today—about the cosmos and the spiritual causes from which we are born. If we examine these teachings about the cosmos, they reveal an important characteristic.
[ 16 ] Als Zarathustra noch dem urpersischen Volke von den äußeren geistigen Ursachen der Sinneswelt sprach, da stellte er vor die Menschen hin die zwei Mächte Ormuzd und Ahriman oder Angramainyu, die im ganzen Weltall einander entgegenarbeiten. Was sie aber nicht in dieser Lehre gefunden hätten, ist das, was wir nennen könnten die Seele durchdringende moralische Wärme. Der Mensch ist für die urpersische Anschauung sozusagen hineingesponnen in den ganzen kosmischen Prozeß. Es ist eine Angelegenheit von Ormuzd und Ahriman, die gegeneinander arbeiten, die da in der menschlichen Seele ausgemacht wird. Weil diese beiden miteinander kämpfen, deshalb toben Leidenschaften in der menschlichen Seele. Was innere menschliche Seele ist, das wurde noch nicht erkannt. Es ist kosmische Lehre, was gebracht wurde. Wenn man von Gut und Böse sprach, so meinte man die vortrefflichen, die nützlichen und die schädlichen Wirkungen, die sich im Kosmos gegenüberstehen und die sich auch im Menschen äußern. Die «moralische Weltanschauung» war gewissermaßen noch nicht in diese Lehre des Blickens nach außen aufgenommen. Man lernte in dieser Lehre alle die Wesenheiten kennen, welche die sinnliche Welt beherrschen, alles, was als Vortreffliches, Lichtvolles, und was als Schwarzes, Schädliches die Welt beherrscht. Man fühlte sich darin eingesponnen. Aber das eigentlich Moralische, an dem der Mensch mit seiner Seele beteiligt ist, fühlte man noch nicht so in seiner Seele, wie das später der Fall war. Man fühlte zum Beispiel, wenn man irgendeinen Menschen als einen «bösen» Menschen vor sich hatte, daß durch diesen Menschen Kräfte strömten von den bösen Wesenheiten der Welt; man fühlte ihn «besessen» von diesen bösen Wesenheiten der: Welt. Man konnte auch nicht sagen, daß ihn dafür die Schuld treffe. Eingesponnen von einem noch nicht von moralischen Eigenschaften durchsetzten Weltensystem fühlte man den Menschen. Das war die Eigentümlichkeit einer Lehre, die den Blick zunächst nach außen richtete, wenn es auch der geistige Blick war.
[ 16 ] When Zarathustra spoke to the ancient Persian people about the external spiritual causes of the sensory world, he presented to them the two powers, Ormuzd and Ahriman—or Angramainyu—which work in opposition to one another throughout the entire universe. But what they would not have found in this teaching is what we might call the moral warmth that permeates the soul. According to the ancient Persian view, human beings are, so to speak, woven into the entire cosmic process. It is a matter of Ormuzd and Ahriman, who work against one another, that is played out within the human soul. Because these two are in conflict with one another, passions rage within the human soul. What the inner human soul is has not yet been recognized. What was presented was a cosmic teaching. When people spoke of good and evil, they meant the excellent, the beneficial, and the harmful effects that stand in opposition to one another in the cosmos and that also manifest themselves in human beings. The “moral worldview” had, in a sense, not yet been incorporated into this teaching of looking outward. In this teaching, one came to know all the entities that govern the sensory world—everything that rules the world as excellent and luminous, and everything that rules it as dark and harmful. One felt ensnared within it. But what is truly moral—in which the human being participates with his or her soul—was not yet felt in the soul in the same way as it was later. For example, when one encountered a “wicked” person, one sensed that forces from the evil entities of the world were flowing through that person; one felt him or her to be “possessed” by these evil entities of the world. Nor could one say that the person was to blame for this. One sensed the human being as being ensnared by a world system not yet permeated by moral qualities. That was the distinctive feature of a teaching that initially directed its gaze outward, even if it was a spiritual gaze.
[ 17 ] Deshalb bildet die hebräische Lehre eine so wunderbare Ergänzung zu dieser kosmologischen Lehre, weil sie in das, was von außen offenbart worden ist, das moralische Element hineinverlegt, das eine Möglichkeit gab, mit dem Begriffe von Schuld, von menschlicher Verschuldung einen Sinn zu verbinden. Vor dem hebräischen Element konnte man von einem bösen Menschen nur sagen: Er ist von bösen Kräften besessen. Die Verkündigung des Zehn-Gebote-Gesetzes hat notwendig gemacht, daß man unterschied zwischen Menschen, die dieses Gesetz beachteten, und solchen, die es nicht beachteten. Der Begriff von Schuld, von menschlicher Verschuldung tritt auf. Und wie er hineintritt in die Menschheitsentwickelung, das kann man fühlen, wenn man etwas vor seine Seele rückt, wo deutlich dargestellt wird, wie die Menschen noch im unklaren darüber sind, was eigentlich der Begriff von Schuld besagt, wo es tragisch wird, daß eine Unklarheit besteht über den Begriff der Schuld. Lassen Sie das Buch Hiob auf sich wirken, und Sie werden die Unklarheit über den Schuldbegriff bemerken, das Nicht-recht-Wissen, wie man es eigentlich zu halten hat, wenn einen ein Unglück trifft, und Sie werden doch schon das Hereinleuchten des neuen Schuldbegriffes darin finden.
[ 17 ] This is why Hebrew teaching forms such a wonderful complement to this cosmological doctrine: because it incorporates into what has been revealed from without the moral element, which made it possible to attach meaning to the concepts of guilt and human culpability. Before the Hebrew element, one could only say of an evil person: “He is possessed by evil forces.” The proclamation of the Ten Commandments made it necessary to distinguish between people who observed this law and those who did not. The concept of guilt—of human culpability—emerges. And one can sense how it enters the course of human development by contemplating a passage that clearly illustrates how people are still unclear about what the concept of guilt actually means—a situation in which the lack of clarity regarding the concept of guilt becomes tragic. Let the Book of Job sink in, and you will notice the confusion surrounding the concept of guilt—the lack of clear understanding of how one is actually supposed to respond when misfortune strikes—and yet you will already find the new concept of guilt beginning to shine through in it.
[ 18 ] So wurde als eine Offenbarung von außen — wie die anderen Offenbarungen über die anderen Reiche der Natur — das Moralische gerade diesem althebräischen Volke gegeben. Das konnte nur dadurch geschehen, daß Zarathustra für die Fortsetzung seines Werkes Sorge getragen hat, wie ich es Ihnen erzählt habe, indem er seinen Ätherleib übertrug auf Moses und auf Hermes seinen Astralleib. Dadurch wurde Moses fähig, in derselben Art wahrzunehmen, was in der äußeren Welt wirkt, wie es Zarathustra konnte, aber jetzt dabei nicht nur gleichgültige, neutrale Kräfte zu empfinden, sondern das, was die Welt moralisch regiert, was Gebot werden kann. Deshalb lebte dieses althebräische Volk so, daß es in seiner Kultur dasjenige barg, was wir nennen können Gehorsam, Unterwerfung unter das Gesetz, während die Geistesströmung des Buddha das Ideal in sich barg, die Richtung für das menschliche Leben in dem achtgliedrigen Pfad zu finden.
[ 18 ] Thus, as a revelation from without—like the other revelations concerning the other realms of nature—the moral was given specifically to this ancient Hebrew people. This could only have happened because Zarathustra ensured the continuation of his work, as I have told you, by transferring his etheric body to Moses and his astral body to Hermes. This enabled Moses to perceive what is at work in the outer world in the same way that Zarathustra could, but now not only to sense indifferent, neutral forces, but also that which governs the world morally—that which can become a commandment. That is why this ancient Hebrew people lived in such a way that their culture embodied what we might call obedience—submission to the law—while the spiritual current of the Buddha embodied the ideal of finding the direction for human life in the Eightfold Path.
[ 19 ] Aber dieses althebräische Volk sollte auch bis zu dem rechten Zeitpunkt erhalten bleiben, den wir eben daran sind, zu charakterisieren: bis zu der Erscheinung des Christus-Prinzips. Es sollte sozusagen hinübergerettet werden über die Offenbarung des Buddha und auf einem - wenn wir es so nennen wollen — unreiferen Kulturzustand erhalten bleiben. Daher mußten sich innerhalb des althebräischen Volkes Persönlichkeiten finden, die so, wie sie als Menschen waren, nicht die ganze volle Wesenheit einer Individualität aufnehmen konnten, welche etwa das «Gesetz» zu vertreten hatte. Es konnte nicht innerhalb des althebräischen Volkes eine Persönlichkeit auftreten, die etwa wie der Buddha gewesen wäre. Es ist auch nur möglich gewesen, zu dem Gesetze zu kommen durch Erleuchtung von außen, dadurch, daß Moses den ÄAtherleib des Zarathustra gehabt hat und das empfangen konnte, was nicht aus der eigenen Seele geboren wird. Das Gesetz erstehen zu lassen aus dem eigenen Herzen, war dem hebräischen Volke nicht möglich. Aber fortgeführt werden mußte das Werk des Moses, fortgeführt so, wie jedes andere Werk fortgeführt werden muß, damit es zur rechten Zeit die rechte Frucht trägt. Daher mußten in dem althebräischen Volke diejenigen Individualitäten auftreten, die uns als die Propheten und Seher erscheinen. Und einer der bedeutendsten dieser Seher ist derjenige, den wir als den Elias kennen.
[ 19 ] But this ancient Hebrew people was also to be preserved until the right moment, which we are just about to describe: until the emergence of the Christ principle. It was to be, so to speak, carried over beyond the revelation of the Buddha and preserved at a—if we may call it that—less mature stage of cultural development. Therefore, within the ancient Hebrew people, there had to be individuals who, as human beings, were not capable of fully embodying the essence of an individuality that was, so to speak, meant to represent the “Law.” No figure could have emerged within the ancient Hebrew people who would have been anything like the Buddha. It was also only possible to arrive at the Law through enlightenment from outside—because Moses possessed the etheric body of Zarathustra and was thus able to receive what is not born of one’s own soul. It was not possible for the Hebrew people to bring the Law into being from their own hearts. But the work of Moses had to be continued—continued just as every other work must be continued—so that it might bear the right fruit at the right time. Therefore, individuals had to emerge among the ancient Hebrew people who appear to us as prophets and seers. And one of the most significant of these seers is the one we know as Elijah.
[ 20 ] Wie müssen wir uns eine solche Persönlichkeit vorstellen? Elias sollte innerhalb des hebräischen Volkes einer der Statthalter dessen sein, was von Moses eingeleitet war. Aber aus der eigenen Volkssubstanz heraus konnten keine Menschen geboren werden, die ganz verwoben sein konnten mit dem, was das Gesetz des Moses enthielt, das man ja nur als eine Offenbarung von oben empfangen konnte. Was wir als notwendig für die indische Zeit charakterisiert haben, auch als die eigenartige Natur des Bodhisattva, das mußte daher auch im hebräischen Volke und immer wieder und wieder eintreten. Es mußte Individualitäten geben, die nicht ganz in der menschlichen Persönlichkeit aufgingen, die mit einem Teil ihrer Wesenheit in der irdischen Persönlichkeit waren und mit dem anderen Teil in der geistigen Welt. Eine solche Wesenheit war Elias. In dem, was wir auf dem physischen Plane als die Persönlichkeit des Elias finden, ist nur teilweise die Wesenheit des Elias enthalten. Die Ichheit des Elias kann nicht ganz eindringen in den physischen Leib des Elias. Ihn muß man nennen eine Persönlichkeit,. die «von dem Geiste erfüllt» ist. Und unmöglich wäre es, eine solche Erscheinung wie den Elias durch die bloß normalen Kräfte in der Welt hervorzurufen, wodurch sonst ein Mensch in die Welt gestellt wird.
[ 20 ] How should we picture such a personality? Elias was to be, within the Hebrew people, one of the stewards of what Moses had initiated. But from the very substance of the people themselves, no human beings could be born who were fully interwoven with what the Law of Moses contained—for this could only be received as a revelation from above. What we have characterized as necessary for the Indian era—and also as the distinctive nature of the Bodhisattva—therefore had to occur again and again within the Hebrew people as well. There had to be individualities who were not entirely absorbed into the human personality—who were present with one part of their being in the earthly personality and with the other part in the spiritual world. Elijah was such a being. What we find on the physical plane as the personality of Elijah contains only a part of Elijah’s true being. Elijah’s “I” cannot fully penetrate Elijah’s physical body. He must be called a personality who is “filled with the Spirit.” And it would be impossible to bring about a phenomenon such as Elijah through the merely normal forces in the world by which a human being is otherwise brought into the world.
[ 21 ] Wenn im normalen Falle ein Mensch in die Welt treten soll, dann entwickelt sich aus den physischen Vorgängen die menschliche Wesenheit im mütterlichen Leibe so, daß zu einer bestimmten Zeit sich die Individualität, die früher inkarniert war, einfach mit der physischen Wesenheit verbindet. Alles geht beim gewöhnlichen Menschen sozusagen einen geradlinigen Weg, ohne daß besondere Kräfte eingreifen, die außerhalb des normalen Weges liegen. Das konnte nicht der Fall sein bei einer solchen Individualität, wie Elias es ist. Da mußten andere Kräfte eingreifen, die sich beschäftigen mit jenem Teil der Individualität, der in die geistige Welt hineinragt. Da muß von außen auf den sich entwickelnden Menschen gewirkt werden. Daher erscheinen solche Individualitäten, wenn sie in der Welt inkarniert werden, als inspiriert, vom Geist getrieben. Sie erscheinen als ekstatische Persönlichkeiten, die weit über das hinausgehen, was ihnen ihre gewöhnliche Intelligenz sagen kann. So erscheinen die alttestamentlichen Propheten alle. Der Geist treibt sie; das Ich kann sich nicht immer Rechenschaft geben von dem, was es tut. Der Geist lebt in der Persönlichkeit, und von außen wird er erhalten.
[ 21 ] When, under normal circumstances, a human being is to enter the world, the human being develops within the mother’s womb through physical processes in such a way that, at a specific time, the individuality that was previously incarnated simply unites with the physical being. For the ordinary person, everything proceeds, so to speak, along a straight path, without the intervention of special forces that lie outside the normal course. This could not be the case with an individual such as Elias. Other forces had to intervene—forces that deal with that part of the individuality which extends into the spiritual world. External forces must act upon the developing human being. Therefore, when such individualities incarnate in the world, they appear to be inspired, driven by the spirit. They appear as ecstatic personalities who go far beyond what their ordinary intelligence can tell them. This is how all the Old Testament prophets appear. The spirit drives them; the “I” cannot always account for what it does. The spirit lives within the personality, and it is sustained from outside.
[ 22 ] Solche Persönlichkeiten ziehen sich zuzeiten in die Einsamkeit zurück; aber das ist dann ein Zurücktreten jenes Teiles des Ich, den die Persönlichkeit braucht, und ein Einsprechen des Geistes von außen, In gewissen ekstatischen, unbewußten Zuständen lauscht eine solche Wesenheit den Eingebungen von oben. So war es besonders bei Elias. Was während seines Lebens als Elias lebte, was sein Mund sprach, was seine Hand deutete, stammte nicht nur von dem Teil, der in ihm lebte, sondern das waren Offenbarungen göttlich-geistiger Wesenheiten, die dahinterstanden.
[ 22 ] Such personalities sometimes withdraw into solitude; but this is then a stepping back of that part of the “I” which the personality needs, and an intercession of the Spirit from without. In certain ecstatic, unconscious states, such a being listens to the inspirations from above. This was particularly true of Elijah. What lived within him as Elijah during his lifetime—what his mouth spoke, what his hand indicated—did not originate solely from the part that lived within him, but were revelations from divine-spiritual beings who stood behind him.
[ 23 ] Als diese Wesenheit wiedergeboren wurde, sollte sie sich mit dem Körper des Kindes verbinden, das dem Zacharias und der Elisabeth geboren wurde. Wir wissen aus dem Evangelium selber, daß wir Johannes den Täufer als den wiedergeborenen Elias aufzufassen haben (Matthäus 17, 10-13). Aber wir haben es dabei zu tun mit einer Individualität, die aus ihren früheren Inkarnationen nicht gewohnt war, durch die in dem normalen Lebensgange selbst liegenden Kräfte alles das zu entwickeln, was herauskommen. sollte. Beim normalen Lebensgange regt sich, während der menschliche physische Leib sich im mütterlichen Leibe entwickelt, die innere Kraft des Ich. Was damit innerlich verbunden ist, das hatte die Individualität des Elias in früheren Zeiten noch nicht durchgemacht, sie war noch nicht so weit hinuntergestiegen. Das Ich war nicht durch die eigenen Kräfte, wie in normalen Verhältnissen, in Bewegung gesetzt worden, sondern von außen. Das mußte wieder jetzt geschehen. Mehr aus der geistigen Welt heraus, näher schon der Erde ist das Ich dieser Wesenheit, die jetzt viel mehr mit der Erde verbunden ist als die Wesenheiten, welche früher den Elias geleitet haben. Es sollte ja jetzt der Übergang geschaffen werden zu der Verbindung der Buddha- mit der Zarathustra-Strömung. Alles sollte verjüngt werden. Jetzt mußte gerade diejenige Wesenheit von außen einwirken, welche sich mit.der Erde und ihren Angelegenheiten so verknüpft hatte wie der Buddha, der jetzt in seinem Nirmanakaya verbunden war mit dem nathanischen Jesus. Diese Wesenheit, welche auf der einen Seite mit der Erde verbunden war, anderseits aber doch wieder entrückt war, weil sie nur in dem Nirmanakaya wirkte, die «jenseits» der Erde lebte, weil sie wieder hinaufgestiegen ist, und nun über dem Haupte des nathanischen Jesus schwebte, sie mußte jetzt von außen hereinwirken und die Ich-Kraft Johannes des Täufers entfalten.
[ 23 ] When this being was reborn, it was to unite with the body of the child born to Zechariah and Elizabeth. We know from the Gospel itself that we are to regard John the Baptist as the reincarnated Elijah (Matthew 17:10–13). But we are dealing here with an individuality that, from its earlier incarnations, was not accustomed to developing—through the forces inherent in the normal course of life—all that was meant to emerge. In the normal course of life, as the human physical body develops within the mother’s womb, the inner power of the “I” begins to stir. What is inwardly connected to this, the individuality of Elijah had not yet experienced in earlier times; it had not yet descended that far. The “I” had not been set in motion by its own powers, as in normal circumstances, but from without. This had to happen again now. The “I” of this being is more rooted in the spiritual world, yet already closer to the Earth; it is now much more connected to the Earth than the beings who had previously guided Elijah. For the transition was now to be established between the Buddha stream and the Zarathustra stream. Everything was to be rejuvenated. Now the very being who had become so closely linked to the Earth and its affairs—just as the Buddha had, who was now united in his Nirmanakaya with the Nathanic Jesus—had to exert an influence from outside. This being, who was connected to the Earth on the one hand, yet on the other hand was once again detached because it acted only in the Nirmanakaya, lived “beyond” the Earth because it had ascended once more, and now hovered above the head of the Nathanean Jesus—this being now had to act from the outside and unfold the “I”-force of John the Baptist.
[ 24 ] So war es der Nirmanakaya des Buddha, der auf die Entfaltung der Ich-Kraft des Johannes so wirkte, wie früher die geistigen Kräfte auf den Elias gewirkt haben. Damals war das Elias-Wesen in gewissen Zeiten entrückt in ekstatische Zustände; da sprach der Gott, füllte sein Ich mit einer realen Kraft, die es dann der Außenwelt mitteilen konnte. Jetzt war wieder eine geistige Wesenheit da, die als der Nirmanakaya des Buddha über dem nathanischen Jesus schwebte; die wirkte jetzt herein auf die Elisabeth, als der Johannes geboren werden sollte, regte im Leibe der Elisabeth den Keim des Johannes im sechsten Monate der Schwangerschaft an und weckte da das Ich. Nur bewirkte diese Kraft, weil sie jetzt näher der Erde stand, nicht bloß eine Inspiration, sondern wirklich die Herausgestaltung des Ich des Johannes. Unter dem Einflusse des Besuches derjenigen, welche da die Maria genannt wird, regte sich das Ich Johannes des Täufers. So wirkt der Nirmanakaya des Buddha aufweckend und bis in die physische Substanz hinein erlösend auf das Ich des einstigen Elias, auf das jetzige Ich Johannes des Täufers. Was können wir jetzt erhoffen?
[ 24 ] Thus it was the Buddha’s Nirmanakaya that influenced the unfolding of John’s “I”-power in the same way that spiritual forces had previously influenced Elijah. At that time, the being of Elijah was, at certain moments, transported into ecstatic states; then God spoke, filling his “I” with a real power that it could then communicate to the outside world. Now there was once again a spiritual being present who, as the Nirmanakaya of the Buddha, hovered over the Nathanic Jesus; which now acted upon Elizabeth as John was about to be born, stimulating the seed of John within Elizabeth’s womb in the sixth month of pregnancy and awakening the “I” there. But because this power was now closer to the earth, it brought about not merely inspiration, but the actual formation of John’s “I.” Under the influence of the visit by the one who is called Mary, the “I” of John the Baptist stirred to life. Thus the Nirmanakaya of the Buddha acts to awaken and, penetrating even into the physical substance, to redeem the “I” of the former Elijah—the present “I” of John the Baptist. What can we now hope for?
[ 25 ] Wie Elias einst im neunten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung seine gewaltigen Worte gesprochen hatte, wie das eigentlich Gottesworte waren und wie das, was seine Hand deutete, Gottesgebärde war, so mußte es jetzt bei Johannes dem Täufer ähnlich sein, indem das wieder auflebte, was in dem Elias vorhanden war. Was in dem Nirmanakaya des Buddha war, das wirkte als Inspiration hinein in das Ich Johannes des Täufers. Was sich den Hirten verkündete, was über dem nathanischen Jesus schwebte, das erstreckte seine Kraft hinein in Johannes den Täufer. Und die Predigt Johannes des Täufers ist zunächst die wiedererweckte Buddha-Predigt. Es erscheint dabei etwas höchst Eigentümliches, was tief auf unsere Seele wirken muß, wenn wir uns an die Predigt von Benares erinnern, wenn darin von Buddha gesprochen wurde von dem Leid des Lebens und von der Erlösung von dem Leid des Lebens durch den achtgliedrigen Pfad, den die Seele suchen soll. Damals hat der Buddha das verkündet, was er als achtgliedrigen Pfad erkannt hat; damals hat er seine Predigt auch öfter fortgesetzt, indem er sagte: Ihr habt bis heute die Lehre der Brahmanen gehabt; sie schreiben ihre Herkunft her von Brahma selber. Sie sagen, sie seien etwas Vorzüglicheres als die anderen Menschen, weil sie von diesem edlen Ursprunge abstammen. Diese Brahmanen sagen, der Mensch sei etwas wert durch seine Abstammung. Ich aber sagi uch: Der Mensch ist etwas wert durch das, was er aus sich selbst heraus macht, und nicht durch das, was durch seine Abstammung in ihn gelegt ist. Er ist wert der großen Weisheit der Welt durch das, was er als individueller Mensch aus sich selber macht. - Dadurch erregte Buddha gerade den Zorn der Brahmanenwelt, indem er auf die individuelle Qualität hinwies und sagte: Wahrlich, ich sage eu. :h, es mag sich einer noch so viel einen Brahmanen nennen, darauf kommt es nicht an, sondern darauf kommt es an, daß ihr aus euren eigenen persönlichen Kräften heraus einen geläuterten Menschen macht. — Das war, wenn auch nicht wörtlich, so doch der Sinn vieler Buddha-Reden. Und dann setzte er gewöhnlich diese Lehre fort, indem er zeigte, wie der Mensch, wenn er die Welt des Leidens versteht, Mitleid empfinden kann, Tröster und Helfer werden kann, wie er gerade teilnehmen wird am Geschick der anderen, weil er weiß, daß er mit ihnen das gleiche Leid und den gleichen Schmerz empfindet.
[ 25 ] Just as Elijah had once spoken his powerful words in the ninth century B.C., just as those words were in fact the words of God, and just as what his hand pointed to was a gesture of God, so it had to be similar now with John the Baptist, as what was present in Elijah was revived. What was present in the Buddha’s Nirmanakaya worked as inspiration into the “I” of John the Baptist. What was revealed to the shepherds, what hovered over the Nathanic Jesus, extended its power into John the Baptist. And the sermon of John the Baptist is, first and foremost, the reawakened Buddha-sermon. In this context, something highly peculiar emerges that must have a profound effect on our soul when we recall the sermon at Benares, in which the Buddha spoke of the suffering of life and of liberation from that suffering through the Eightfold Path that the soul is to seek. At that time, the Buddha proclaimed what he had recognized as the Eightfold Path; at that time, he also frequently continued his sermon by saying: “Until now, you have followed the teachings of the Brahmins; they trace their lineage back to Brahma himself. They say they are superior to other people because they descend from this noble origin.” These Brahmins say that a person’s worth lies in his lineage. But I also say: A person’s worth lies in what he achieves through his own efforts, and not in what is bestowed upon him through his lineage. He is worthy of the world’s great wisdom through what he achieves as an individual human being. - In this way, the Buddha aroused the wrath of the Brahmin world by pointing to individual quality and saying: “Truly, I say to you: no matter how much one may call oneself a Brahmin, that is not what matters; what matters is that you become a purified human being through your own personal efforts.” — That was, if not the exact wording, at least the meaning of many of the Buddha’s discourses. And then he usually continued this teaching by showing how a person, upon understanding the world of suffering, can feel compassion, become a comforter and helper, and truly share in the fate of others, because he knows that he feels the same suffering and pain as they do.
[ 26 ] Jetzt war der Buddha in seinem Nirmanakaya, überstrahlte das nathanische Jesuskind und setzte dann seine Predigt fort, indem er die Worte ertönen ließ aus dem Munde Johannes des Täufers. Was der Mund des Johannes sprach, das geschah unter der Inspiration des Buddha. Und es klingt uns wie eine Fortsetzung der Rede, die der Buddha einst gehalten hat, wenn zum Beispiel der Johannes sagt: Ihr, die ihr viel darauf baut, daß ihr von denen euch herstammend nennt, die in dem Dienst der geistigen Mächte die «Kinder der Schlange» genannt werden, und euch beruft auf die «Weisheit der Schlange», wer hat denn euch dazu gebracht? Nur so glaubt ihr würdige Früchte der Buße zu bringen, indem ihr sagt: Wir haben Abraham zum Vater. Jetzt aber setzte Johannes die Predigt des Buddha fort: Sagt nicht, ihr habt Abraham zum Vater, sondern werdet dort wahrhaftige Menschen, wo ihr in der Welt steht. Ein wahrhaftiger Mensch kann an der Stelle des Steines erweckt werden, auf dem euer Fuß steht. Wahrlich, der Gott kann dem Abraham aus den Steinen Kinder erwecken (Lukas 3, 7-8). Und dann sagte er, so recht die Predigt des Buddha fortsetzend: «Wer zwei Röcke hat, der teile sie mitdem, der keinen hat» (Lukas 3,11). Sie kamen zu ihm und fragten: «Meister, was sollen wir tun?» (Lukas 3,12), genau so, wie auch die Mönche einst zu Buddha gekommen waren und gefragt haben: «Was sollen wir tun?» Das alles sind Worte, die sich ausnehmen wie die Worte desBuddha oder wie eine Fortsetzung derselben.
[ 26 ] Now the Buddha, in his Nirmanakaya, outshone the Nathanite infant Jesus and then continued his sermon by having the words resound from the mouth of John the Baptist. What John’s mouth spoke came about under the inspiration of the Buddha. And it sounds to us like a continuation of the speech the Buddha once gave, for example, when John says: “You who place so much stock in claiming descent from those who, in the service of the spiritual powers, are called the ‘children of the serpent,’ and who invoke the ‘wisdom of the serpent’—who, then, has led you to this?” Only in this way do you believe you are bearing worthy fruits of repentance, by saying, ‘We have Abraham as our father.’ But now John continued the Buddha’s sermon: Do not say that you have Abraham as your father, but become true human beings wherever you stand in the world. A true human being can be awakened in the very spot where your foot stands. Truly, God can raise up children for Abraham from stones (Luke 3:7–8). And then he said, continuing the Buddha’s teaching just as it should be: “Whoever has two tunics must share with the one who has none” (Luke 3:11). They came to him and asked, “Master, what should we do?” (Luke 3:12), just as the monks had once come to the Buddha and asked, “What should we do?” These are all words that sound like the words of the Buddha or like a continuation of them.
[ 27 ] So erscheinen diese Wesenheiten auf dem physischen Plan durch . der Zeiten Wende, und so lernen wir verstehen die Einheit der Religionen und geistigen Verkündigungen der Menschheit. Was der Buddha war, lernen wir nicht dadurch kennen, daß wir an dem Traditionellen festhalten, sondern wenn wir hinhorchen auf das, was der Buddha wirklich spricht. Buddha hat fünf bis sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung so gesprochen, wie wir es aus der Predigt von Benares hören. Aber des Buddha Mund ist nicht verstummt. Er spricht auch da, wo er nicht mehr verkörpert ist, wo er inspiriert durch den Nirmanakaya. Aus dem Munde Johannes des Täufers hören wir, was der Buddha zu sagen hatte sechs Jahrhunderte später, nachdem er in einem physischen Leibe gelebt hat. So ist die «Einheit der Religionen». Wir müssen eine jede Religion im Laufe der Menschheitsentwickelung an dem richtigen Punkte aufsuchen und in ihr das Lebendige suchen, nicht das Tote; denn alles entwickelt sich weiter. Das müssen wir verstehen und begreifen lernen. Wer aber nicht den Buddha-Spruch aus dem Munde Johannes des Täufers hören will, der kommt einem vor wie ein Mensch, der den Keim eines Rosenstockes gesehen hat und einige Zeit später, nachdem der Rosenstock aufgegangen ist und Blüten trägt, nicht glauben will, daß dieser Rosenstock aus diesem Rosenkeim entstanden ist, und der jetzt sagen würde: Das ist etwas anderes. — Was in dem Keim lebendig war, das blüht jetzt in dem Rosenstock. Und was in der _ Predigt von Benares lebendig war, das blühte in der Predigt Johannes des Täufers am Jordan.
[ 27 ] Thus do these entities appear on the physical plane through the turning of the ages, and thus do we come to understand the unity of the religions and spiritual teachings of humanity. We do not come to know what the Buddha was by clinging to tradition, but by listening to what the Buddha truly says. Five to six centuries before our era, the Buddha spoke as we hear in the Sermon at Benares. But the Buddha’s voice has not fallen silent. He speaks even where he is no longer incarnated, where he is inspired by the Nirmanakaya. From the mouth of John the Baptist we hear what the Buddha had to say six centuries later, after he had lived in a physical body. Such is the “unity of religions.” We must seek out each religion at the right point in the course of human development and look for what is alive within it, not what is dead; for everything continues to evolve. We must learn to understand and grasp this. But anyone who does not want to hear the Buddha’s saying from the mouth of John the Baptist seems like a person who has seen the seed of a rosebush and, some time later, after the rosebush has sprouted and is bearing blossoms, refuses to believe that this rosebush arose from that rose seed, and who would now say: “That is something else.” — What was alive in the seed is now blooming in the rosebush. And what was alive in the _ Sermon at Benares _ bloomed in the sermon of John the Baptist at the Jordan.
[ 28 ] Damit haben wir eine andere Individualität in ihrem Wesen kennengelernt, die uns in jener Zeit entgegentritt, und von der uns das LukasEvangelium so eindringlich redet. Wir lernen diese Evangelien nur dadurch kennen, daß wir uns nach und nach dazu aufschwingen, wirklich jedes Wort so zu verstehen, wie es gemeint ist. Und Lukas sagt uns in der Einleitung, daß er wiedererzählen will die Mitteilung derer, die als «Selbstseher» gewirkt haben. Aber diese Selbstseher sahen die wahren Verhältnisse, wie sie sich durch die Zeiten hindurch nach und nach offenbarten; sie sahen nicht bloß, was auf dem physischen Plane vorgeht. Wer nur das sieht, der könnte sagen: Fünf bis sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung hat in Indien einmal ein Mensch gelebt, welcher derSohn des Königs Suddhodana war und welcher der Buddha geheißen hat, und dann hat einmal ein Johannes der Täufer gelebt. Er findet aber nicht dasjenige, was sich von dem einen zum anderen hindurchschlingt. Denn das ist erst zu sehen in der geistigen Welt. Lukas aber sagt, daß er nach denen erzählt, die «gesehen haben», die Seher waren. Es genügt nicht, daß wir die Worte der religiösen Urkunden nur hinnehmen; wir müssen diese Worte auch im richtigen Sinne lesen lernen. Dazu müssen aber die Individualitäten, die dabei auftreten, so recht anschaulich vor unserer Seele stehen. Anschaulich können sie aber nur vor unserer Seele stehen, wenn wir wissen, was alles in sie eingeflossen ist.
[ 28 ] In this way, we have come to know another kind of individuality in its very essence—one that confronts us in that era and of which the Gospel of Luke speaks so powerfully. We come to know these Gospels only by gradually rising to the level of truly understanding every word exactly as it is meant. And Luke tells us in the introduction that he wishes to retell the message of those who acted as “seers.” But these seers saw the true circumstances as they were gradually revealed through the ages; they did not merely see what was happening on the physical plane. Anyone who sees only that might say: Five to six centuries before our era, there once lived a man in India who was the son of King Suddhodana and whose name was the Buddha, and then there once lived a John the Baptist. But they do not find what winds its way from one to the other. For that can only be seen in the spiritual world. Luke, however, says that he is recounting the accounts of those who “have seen”—who were seers. It is not enough for us to simply accept the words of the religious texts; we must also learn to read these words in their proper sense. For this, however, the individualities that appear in them must stand before our soul in a truly vivid way. But they can only stand before our soul in a vivid way if we know everything that has gone into them.
[ 29 ] Eines wurde noch gesagt: Was auch immer für eine Individualität auf die Erde heruntersteigt, sie muß sich entwickeln im Sinne der Fähigkeiten, die aus dem Körper herauskommen können, in welchen sie sich hineininkarniert. Damit muß diese Wesenheit rechnen. Nehmen wir an, heute wollte eine hohe Wesenheit heruntersteigen; sie könnte dann nur mit den Gesetzmäßigkeiten rechnen, die eben heute ein Menschenleib haben kann. Erkennen, was diese Individualität eigentlich ist, das kann nur der Seher, der da sieht, wie die intimeren Fäden sich hineinverweben in das Innere des Wesens. Eine solche Wesenheit auf hoher Stufe der Weisheit muß sich aber durch die Kindheit herauf den Körper reif machen, damit in einem bestimmten Zeitpunkte das hervortreten kann, was diese Wesenheit in früheren Inkarnationen einmal war. Soll eine solche Wesenheit ganz besondere Empfindungen in den Menschen erregen, so muß auch demgemäß die irdische Inkarnation sein, so daß auch der Körper ertragen kann, was Gegenstand der Mission sein soll. In den geistigen Welten sieht es wahrhaftig nicht so aus wie in der physischen Welt. Will eine Wesenheit Heilung vom Schmerz, Erlösung vom Leid verkünden, dann muß sie die ganze Tiefe des Leides durchkosten, damit sie die rechten Worte finden kann, die im menschlichen Sinne darauf anwendbar sind.
[ 29 ] One more thing was said: Whatever individuality descends to Earth must develop in accordance with the abilities that can emerge from the body into which it incarnates. This being must take that into account. Let us suppose that a high being wished to descend today; it could then only reckon with the laws that a human body is capable of today. Only the seer, who observes how the innermost threads are woven into the being’s innermost core, can recognize what this individuality actually is. Such a being at a high level of wisdom, however, must prepare the body through childhood so that, at a specific point in time, what this being once was in earlier incarnations can emerge. If such a being is to evoke very special feelings in people, then the earthly incarnation must be accordingly suited so that the body, too, can endure what is to be the object of the mission. In the spiritual worlds, things truly do not look the same as they do in the physical world. If a being wishes to proclaim healing from pain and deliverance from suffering, it must experience the full depth of suffering so that it can find the right words applicable to it in the human sense.
[ 30 ] Was später jene Wesenheit zu sagen hatte, die sich im Körper des nathanischen Jesus verbarg, das war etwas, was eine Kundschaft war an die ganze Menschheit. Das war etwas, was die Menschheit hinwegbringen sollte über alle frühere engere Blutsverwandtschaft. Nicht nehmen sollte sie die Blutsverwandtschaft, nicht aufheben, was zwischen Vater und Sohn, zwischen Bruder und Schwester steht, sondern zu der Liebe, die an die Blutsverwandtschaft gebunden ist, dasjenige hinzufügen, was man allgemeine Menschenliebe nennt, die von Seele zu Seele geht, die erhaben ist über alle Blutsbande. Das sollte diejenige Wesenheit bringen, die sich später in dem nathanischen Jesus zeigte. Sie sollte etwas bringen von Liebe, von Vertiefung der Liebe, die nichts zu tun hat mit dem, was an die Verwandtschaft des Blutes geknüpft ist. Dazu aber mußte diese Wesenheit, die in dem Körper des nathanischen Jesus lebte, erst auf der Erde selber erfahren, was es heißt, keine Verbindungen fühlen, nicht durch das Blut mit anderen zusammenhängen. Dann konnte sie rein empfinden, was nur von Mensch zu Mensch spielt. Frei mußte sie sich erst fühlen von allen Blutsbanden, ja von der Möglichkeit der Blutsbande. Nicht nur ein «heimatloser» Mensch werden wie der Buddha, der aus der Heimat in die Fremde gegangen ist, sondern als herausgetreten aus allen Familienzusammenhängen, aus allem, was mit irgendwelchen Blutsbanden etwas zu tun hat, mußte die Individualität des nathanischen Jesus vor der Welt stehen. All den tiefen Schmerz mußte sie empfinden, den man empfinden kann, wenn man von dem, was sonst dem Menschen nahestehen kann, Abschied nehmen muß, wenn man allein stehen muß; aus der großen Einsamkeit, der Familienverlassenheit heraus mußte die Individualität sprechen, die in dem nathanischen Jesus lebte. Wer war diese Wesenheit?
[ 30 ] What that Being—who was hidden within the body of Jesus of Nathan—later had to say was a message addressed to all of humanity. It was something meant to lift humanity beyond all previous, narrower bonds of blood kinship. It was not to take away kinship, nor to abolish what exists between father and son, between brother and sister, but rather to add to the love bound to kinship that which is called universal love for humanity—a love that flows from soul to soul and is exalted above all blood ties. This was what the Being who later manifested as the Nathanic Jesus was to bring. It was to bring something of love, of a deepening of love, which has nothing to do with what is tied to kinship by blood. To do this, however, this being, who lived in the body of the Nathanic Jesus, first had to experience on Earth itself what it means to feel no connections, to be unbound from others by blood. Only then could it perceive purely what takes place solely from human to human. First, it had to feel free from all blood ties—indeed, from the very possibility of blood ties. The individuality of the Nathanic Jesus had to stand before the world not merely as a “homeless” human being, like the Buddha who left his homeland for foreign lands, but as one who had stepped out of all family connections, out of everything related to any kind of blood ties. It had to feel all the deep pain one can feel when one must bid farewell to what is otherwise close to a person, when one must stand alone; out of the great loneliness, out of being abandoned by one’s family, the individuality that lived within the Nathanic Jesus had to speak. Who was this being?
[ 31 ] Wir wissen, es ist jene Wesenheit, welche etwa bis zum zwölften Lebensjahre in dem salomonischen Jesus lebte, es ist die Individualität, der Geist des Zarathustra, welcher in dem salomonischen Jesus lebte, der den salomonischen Vater und die salomonische Mutter zu Eltern hatte. Der Vater aber war früh gestorben, verwaist war der Knabe von väterlicher Seite. Außer ihm waren in dieser FamilieBrüder und Schwestern vorhanden. In dieser Familie ist er darinnen, solange er, der Zarathustra, in dem Leibe des salomonischen Jesus ist. Diese Familie verläßt er dann mit zwölf Jahren, gibt die Mutter auf, gibt die Brüder und Schwestern auf, um in den Leib des nathanischen Jesus hinüberzugehen. Da stirbt ihm auch die [nathanische] Mutter, da stirbt später der [nathanische] Vater. Und als er zu seinem Wirken in die Welt hinauszutreten hatte, da hater von allem Abschied genommen, was mit Blutsbanden etwas zu tun hat. Da ist er nicht bloß gänzlich verwaist, hat verlassen müssen Brüder und Schwestern, sondern da hat er auch als Zarathustra-Wesenheit darauf verzichten müssen, jemals Nachkommen zu haben, jemals eine Familie zu begründen. Denn die ZarathustraWesenheit hat nicht nur Vater und Mutter, Brüder und Schwestern, sondern auch den eigenen Leib verlassen, ist in einen anderen Leib hineingegangen, in den Leib des nathanischen Jesus. Diese Wesenheit konnte vorarbeiten für eine noch höhere Wesenheit, welche dann in dem Leibe des nathanischen Jesus sich vorbereiten konnte zu dem großen Beruf, die allgemeine Menschenliebe zu verkünden. Und als dann die Mutter und die Brüder dieser Wesenheit kamen und man ihr sagte: «Deine . Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen dich sehen», da konnte diese Wesenheit aus tiefster Seele heraus, so daß man sie nicht mißverstehen kann, vor allem Volke die Worte sprechen, ohne irgendeine Pietät zu verletzen: Das sind sie nicht! — Denn selbst den Leib hatte der Zarathustra verlassen, der mit dieser Familie zusammenhing. Und hinweisend auf die, welche in freier Seelengemeinschaft mit ihm waren, konnte er sagen: Das sind meine Mutter und meineBrüder, die das Wort Gottes hören und tun! (Lukas 8, 20-21). So weit sind die religiösen Urkunden wörtlich zu nehmen.
[ 31 ] We know that it is that being who lived within the Solomonic Jesus until about the age of twelve; it is the individuality, the spirit of Zarathustra, who lived within the Solomonic Jesus, whose parents were the Solomonic father and the Solomonic mother. But the father had died early, and the boy was fatherless. Besides him, there were brothers and sisters in this family. He remains within this family as long as he—Zarathustra—is in the body of the Solomonic Jesus. He then leaves this family at the age of twelve, parting from his mother and his brothers and sisters, in order to pass into the body of the Nathanic Jesus. There, too, his [Nathanic] mother dies, and later his [Nathanic] father dies. And when he had to step out into the world to carry out his work, he had taken leave of everything connected with blood ties. Not only was he completely orphaned—having had to leave his brothers and sisters behind—but as the Zarathustra entity, he also had to renounce ever having offspring or ever starting a family. For the Zarathustra-being had not only left his father and mother, brothers and sisters, but also his own body; he had entered into another body—the body of the Nathanic Jesus. This being was able to lay the groundwork for an even higher being, who could then, in the body of the Nathanic Jesus, prepare himself for the great calling of proclaiming universal love for humanity. And when the mother and brothers of this being arrived and were told, “Your mother and your brothers are standing outside and want to see you,” this being was able to speak these words to all the people from the depths of his soul—so that there could be no misunderstanding—without offending anyone’s sensibilities: “Those are not them!” — For even the body that had been connected to this family had been left behind by Zarathustra. And pointing to those who were in free spiritual communion with him, he was able to say: “These are my mother and my brothers, who hear the word of God and do it!” (Luke 8:20–21). This is how far the religious texts are to be taken literally.
[ 32 ] Damit einer einmal die allgemeine Menschenliebe verkünden konnte, mußte er wirklich einmal in einer Gestalt inkarniert sein, in welcher er erfahren konnte das Verlassensein von allem, was Blutsbande begründen können. Zu dieser Gestalt schweifen unsere Gefühle hin, so daß sie zu ihr ganz wie in menschliche Nähe treten, zu einer Gestalt, die von hohen geistigen Höhen heruntersteigt und menschlich Erfahrenes und Erlittenes zum Ausdruck bringt. Daher schlagen unsere Herzen ihr zu. Und je geistiger wir sie verstehen, desto besser werden wir sie verstehen, und desto mehr werden unsere Herzen ihr entgegenschlagen und unsere Seelen ihr zujauchzen.
[ 32 ] In order for someone to be able to proclaim universal love for humanity, he truly had to be incarnated in a form in which he could experience being cut off from everything that could establish blood ties. Our feelings are drawn to this form, so that we draw near to it just as we would to a human being—a form that descends from lofty spiritual heights and gives expression to human experience and suffering. That is why our hearts beat for it. And the more spiritually we understand it, the better we will understand it, and the more our hearts will beat in response to it and our souls will rejoice in it.
